Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-10-05. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 270, 1914-10-05. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 67 Nummer 270 5. Oktober 1914 ────────── Der Krieg. ────────── Vom französischen Kriegsschauplatze. WTB. Berlin 3. Oktober (Großes Hauptquartier) Auf dem französischen Kriegsschauplätze sind heute keine wesentlichen Änderungen eingetreten. ────────── Der Fortsgürtel von Antwerpen gesprengt. Im Angriff auf Antwerpen fielen auch die Forts Lierre, Welhelm, Königshockt und die dazu gehörigen Redouten. In den Zwischenstellungen wurden 30 Geschütze erobert. Die in den äußeren Fortsgürtel gebro­ chene Lücke gestattet, den Angriff gegen die innere Fortslinie und die Stadt vorzutragen. ────────── Der russische linke Flügel geschlagen. Im Osten sind das zweite Sibirische und Teile des 22. russischen Armeekorps, welche sich auf dem linken Flügel der über den Njemen vordringenden russischen Armee befanden, nach zweitägigem erbitterten Kampfe bei Augustowo geschlagen worden. Ueber 2000 unverwundete Gefangene, eine Anzahl Geschütze und Maschinengewehre wurden erbeutet. ────────── Erfolgreiches Fortschreiten der Deutschen im Westen. WTB. Berlin, 4. Oktober abends. — (Großes Hauptquartier.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz geht der Kampf am rechten Heeresslügel und in den Argonnen erfolgreich vorwärts. ────────── Vor Antwerpen und im Osten. Die Operationen vor Antwerpen und auf dem östlichen Kriegsschauplätze vollzogen sich planmäßig und ohne Kampf. ────────── Ein Luftduell. Berlin, 5. Oktober. Das "Berl. Tgbl." bringt aus London eine Meldung aus Ehri- stiania über den Kampf einer deutschen Taube mit einem belgischen Zweidecker über dem Zen­ trum von Antwerpen. Die belgische Maschine war mit einer automatischen Pistole, die deut­ sche mit einem Maschinengewehr bewaffnet. Die Taube setzte die Jagd fort bis sie in einen Regen von Schrapnells geriet, entkam aber ohne an ihrem Feind «rllzugroßen Scha­ den angerichtet zu haben. ────────── London, 5. Oktober.. (Nichtamtlich.) Reuter meldet aus Valparaiso: Der deutsche Kreuzer "Leipzig" bohrte Was englische Oelschiff "Elsinor" am 15. September in den chilenischen Gewässern in bett Grund. Die Mannschaft wurde in Galapagos gelandet. Während der Generalqmartiermeister, Ge­ neralmajor v. Voigts-Rhetz tonnt französischen Kriegsschauplätze ein langsarmes Fortschreiten der Operationen zu melden Nveiß, berichtete er in den letzten Tagen von Aintwerpen größere Erfolge unserer Truppen. Di-e Sprengung des äußeren Fortsgürtels ist vollzogen und der Fall der Festung Wohl in absehbarer Zeit zu erwarten. Die Engländer haben jetzt wirklich indische Truppen herbeigeholt, die vorläufig in Mar­ seille Gratisvorstellungen geben. Die englische Skrupellosigkeit bringt ihre Früchte. An allen Ecken und Enden ertönen Entrüstungsrufe über englische Uebergriffe. Die skandinavischen Völ­ ker, die Aeghpter u. a. haben unter englischer Willkür zu leiden. Den Türken glaubte die englische Regierung eine Verwarnung erteilen zu müssen, was die Herren vom Goldenen Horn jedenfalls kalt lassen wird. England be­ reitet ein Millionenheer vor, wird pompös in die Welt hinausgeschrien, aber zugleich ein­ gestanden, daß es hierzu an Gewehren,Schnell­ feuergeschützen und ganz besonders an Maschi­ nengewehren, ferner an Ausrüstungsgegenstän­ den der Mannschaften, besonders Wäsche, An­ zügen, Wintermäntel und Wolldecken mangelt. Sonst fehlt wohl nichts mehr? Dazu herrscht in England wachsende Arbeitslosigkeit. Der Kaperkrieg, wie ihn England sonst so gern führte und auch, wohl heute führen möchte, wird von unseren schnellen Kreuzern schwungvoll betrieben und die englische Han­ delswelt mußte schon viele Millionen auf die Kriegsverluste buchen, die ihr unsere Kreu­ zer "Emden", "Karlsruhe", "Leipzig" u. a. beibrachten. Im Osten haben die Russen eine neue Schlappe erlitten. Anderthalb Armeekrops sind schon im Aufmarsch geschlagen worden. Aus dem galizischen Kriegsschauplätze setzt jetzt ebenfalls eine starke Offensivbewegung der deutschen und österreichischen Truppen ein. Auf allen Linien geht es vorwärts und kein Fußbreit deutscher Boden ist vom Feinde besetzt, das mögen sich besonders jene Jammerer ins Gedächtnis rufen, denen das Herz seit Wochen im Leibe wackelt, weil wir "noch nicht in Paris" sind . Ein weiteres englisches Schiff vernichtet. ────────── rung um die Bewilligung der Durchfuhr von Kriegsmaterial aus Rußland nach Serbien nachgesucht hat. Der Ministerpräsident Radoslawow hat auf Beschluß des Ministerrates unter Berufung auf Artikel drei der Haager Konvention und die strenge Neutralität Bul­ gariens das Ersuchen abgewiesen. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Graf Zeppelin in der Front. Berlin, 5 Oktober. Dem "Berl.Tgbl." wird aus Christiania gemeldet: Wie die Aftenposten berichtet, soll Graf Zeppelin nach einer Pariser Nachricht an der Front einge­ troffen sein, um den Oberbefehl über das Flug­ zeugwesen zu übernehmen. Weiter heißt es, die Schlachtlinie der Franzosen hat nunmehr eine Ausdehnung von 500 Kilometer erreicht. Tie Deutschen sind wiederum zur Offensive übergegangen. Tic italienischen Freiwilligen in Frankreich: Rom, 4. Oktober. (Nichtamtlich.) Giornale d'Jtalia druckt einen Teil eines Briefes an das Florentiner Wochenblatt "Voce" ab, in dem von der Art und Weise die Rede ist, wie italienische Freiwillige in Frankreich be­ handelt werden. Tie italienischen Freiwilligen werden in die Fremdenlegion gesteckt und als Kanonenfutter verwendet. Man hat ihnen als Offiziere Korporale gegeben. Sie sind vielleicht gute Kerle, aber ihr erstes Prinzip lautet: Moi personellement je nVen fous. Tie ma­ teriellen Bedingungen sind einfach fürchterlich, sodaß man alle möglichen Seuchen erwarten darf. Drei Leute sind schon an einer verdäch­ tigen Krankheit gestorben. 10 Tage lang habe man sie mit einer unglaublichen Nachlässig­ keit behandelt und ausgebildet und diese kräf­ tigen überzeugten Menschen in einen Haufen Mutloser verwandelt. Ter Artikel, mit dem das Giornale d'Jtalia den Abdruck des Brie­ fes einleitet, rät vom Eintritt in die Frem­ denlegion ab und hebt hervor, daß Italien seine Söhne jetzt selbst braucht. Die renitenten Brüffeler Briefträger. Brüssel, 3. Okt. (Nichtamtlich.) Seit An­ sang Oktober hat die deutsche Postverwaltung dev seit 6 Wochen unterbrochenen Postvrrkehr wieder ein­ gerichtet. Es werden offene Briefe nach und von Deutschland mit Auslandporto befördert. - In Brüssel müssen die Briefe auf dem Postamts abgeholt wer­ den, da die belgischen Briefträger den Dienst ver­ weigern. Zwei Opfer des TentMenhasses. Zu den Opfern, die der zügellose Deut­ schenhaß bei Ausbruch des Krieges in Bel­ gien gefordert hat, zählt, wie wir jetzt er­ fahren, leider auch Otto Brandes, der 25 Jahre lang das "B. T." in London vertreten hat und heute 70 Jahre zählt. Otto Bran­ des lebte mit seiner 16jährigen Tochter Sylvia seit zwei Jahren in Brüssel. Am 5. August entschloß sich auch Otto Brandes, mit seiner Tochter Belgien zu verlassen. In Villerode wurden jedoch beide verhaftet, nach Brüssel gebracht, aller ihrer Sachen beraubt, Sylvia Brandes vollkommen entkleidet und im Prison de Fort interniert. Dort blieben beide zwei Wochen in Einzelhaft, bis die Belgier aus Brüssel flüchten mußten. Im Zellen­ wagen wurden Otto Brandes und seine Tochter zum Bahnhöfe und dann nach Antwerpen ge­ schafft. Sylvia Brandes kam ins Frauen­ gefängnis, der greife Otto Brandes bekam Zuchthäuslerkleider und wurde in das Prison Zentral gesperrt. Als Zelle diente ihm ein dunkles, dumpfiges Loch, als Bett ein eiser­ nes Gestell ohne Decke, auf dem der alte Mann jämmerlich fror. Seine Augengläser würben ihm zerbrochen, sein Essen wurde be­ schmutzt, und als es endlich einer Tochter Otto Brandes, die in London lebte, gelang, mit ihrem Vater in Verbindung zu treten, hatte der alte Mann infolge seiner entsetzlichen Lei­ den geistig gelitten. Sein Gesicht trägt heute noch die Spuren der Schläge und Stöße, mit denen er im Gefängnis behandelt wurde. Erst nach langwierigen Verhandlungen ist es durch Intervention des amerikanischen Konsuls in Antwerpen gelungen, Otto Brandes, der jetzt in einem Nervensanatorium weilt, aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Das sind die Taten jener, die heute die Welt bereisen, um gegen die "Hunnen Attilas" zu protestieren. ────────── Deutschland und Japan. Tie Kämpfe in Kioutschou. Berlin, 3. Okt. (Nichtamtl.) Wenn man die bisher vorliegenden zum Teil aller­ dings englischen Quellen entstammenden Nach­ richten über den Angriff unserer Gegner aus Tsingtau zusammenfaßt, ergibt sich folgendes Bild: Vereinigte japanische und englische Streitkräfte gelangten am Sonntag, den 27. September nach unbedeutenden Scharmützeln mit vorgeschobenen deutschen Streitkräften bis an den Litoumfluß. Hier wurde ihr rech­ ter Flügel vom'Innern der Bucht aus durch! drei deutsche Schiffe beschossen, bis japanische Flieger Eingriffen. Die Flieger wurden dabei beschädigt. Der Gesamtderlust des Gegners betrug 150 Tote. Die deutschen Verluste sind unbekannt. Während der Kämpfe hat ein deutsches Kanonenboot die deutschen Landtrup­ pen in vorzüglicher Weise unterstützt. Das Kanonenboot wurde von der japanischen Flotte angegriffen, scheint aber unbeschädigt geblie­ ben zu sein. Am 28. September, während Tsingtau zu Land ganz abgeschlossen wurde, beschoß eine japanische Liniendivision zwei deutsche Küstenbatterien, die kräftig antwor­ teten. Die deutschen Verluste sind unbekannt. Am folgenden Tage begann die Heeresmacht der Verbündeten ihren Angriff auf vorgescho­ bene deutsche Stellungen. Anscheinend ging der Angriff auf die deutsche Hauptverteidi­ gungslinie. Von deutscher Seite wurde unter Einsetzung aller Kräfte geantwortet. ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Ein russischer Einfall in Ungarn zurückge­ schlagen. Budapest, 3. Okt. Das Ungarische Korrespondenz-Bureau meldet aus NyiregyHaza: Nach einer von dem Obergespan des Komitats Maromaresch eingegangenen Mel­ dung haben unsere Truppen in der Gegend von Oekörmezö in siegreicher Schlacht die in Marmaros eingedrungenen Russen geschlagen. Der Feind zog sich in Unordnung nach der Grenze zurück. In Oekörmezö und seiner Umgebung herrschte Ordnung, und der Verkehr sei wie­ der hergestellt. Unsere in der Umgebung von Körösmezö versammelten Truppen haben gleichfalls den Kampf mit den Russen aufge­ nommen, deren Verjagung binnen kurzem er­ folgen wird. Tas Kriegspressequartier auf dem Vormarsch. WTB. Wien, 3. Okt. Aus dem Kriegs­ pressequartier wird amtlich, gemeldet. Das Kriegspressequartier hat in mehreren Gruppen den Vormarsch angetreten, um Zeuge der Vor­ gänge an der Front zu sein. ────────── Vor einer Woche noch sah das Land fast spätsommerlich aus, ein paar rote und braune Flecken in den Eichenwaldungen, eine hellrote Ranke im wilden Wein an verbrannten Mau­ ern. Der schüttelnde Regen wird alles grüne Laub bald genug herbstmüde machen. Die Kar­ toffeln sind zum größten Teil herein oder werden eben hereingebracht. Obst haben die Russen sowieso nicht an den Bäumen gelassen, Unsere Truppen sind auf ihre Rationen an­ gewiesen. War bisher Strategie und Marschie­ ren und Heldenhaftigkeit der ausschlaggebende Faktor, so tritt jetzt der wollene Socke, der gutfahrende Wagen, das brave Zugpferd in besonderes Recht. Die Möglichkeit, sich, un­ mittelbar für die kriegerischen Ereignisse nütz­ lich zu erwisen, hat sich für die zu Hause Gebliebenen außerordentlich erhöht. Da die Feldpost Pakete noch nicht annimmt, muß der Feldpostbrief, der sehr gut wollene Socken usw. enthalten kann, ordentlich ausgenützt werden. Gleichzeitig müssen die maßgebenden Stellen der Feldpost darüber klar sein, daß das, was bisher Unannehmlichkeit war, jetzt wichtiger Faktor wird. Es ist sicherlich ein wenig er­ freulicher Zustand, wenn die hier im Osten kämpfende Landwehr teilweise, wie uns Ge­ neralleutnant v. d. Goltz erzählte, seit 4 Wo­ chen ohne Nachricht von Hause, ohne jedes Lebenszeichen ist, aber bisher half das freund­ liche Wetter, der selten schöne Spätsommer über manches Trübe hinweg. Jetzt, wenn tage­ lang kein trockener Faden am Leibe ist, wenn die Schützengräben voll Wasser stehen, wenn im Quartier um 5 Uhr Dunkelheit einsetzt, muß Stoff und Nachricht von der Heimat da sein, das Herz zu erwärmen. Es muß mit allen Mitteln dahin gearbeitet werden, daß die Feld­ post ihre Leistungen steigert. Selbst wir Kriegsberichterstatter, die wir doch in der Nähe des Armee-Oberkommandos sind, haben unter der Unzulänglichkeit erheb­ lich, zu leiden, wie mag es da erst bei den Truppen in den vorderen Linien aussehen. Da mit Verlust von Sendungen gerech­ net werden muß, ist es Pflicht der zu Hause Gebliebenen, möglichst oft zu schreiben. Frei­ lich Postkarten mit dem prächtigen Inhalt: "Herzlichen Gr'uß. Schultze" stellen nü? einunnütze Belastung der Feldpost dar; wenn, Schultze nur ein kurzes Lebenszeichen von sich geben will, kann er das in Gestalt von wol­ lenen Strümpfen tun. Es wäre außerdem vielleicht zu erwähnen, ob nicht die Zeitungen eine Anzahl von Frei­ exemplaren irgendwelchen zur Verteilung be­ reiten Stellen zur Verfügung stellen wollten. Wir Kriegsberichterstatter werden in jedem Ort, auf der Fahrt, gefragt, ob wir nicht Zei­ tungen hätten. Meistens Haber wir aber selber keine oder nur ein Exemplar. Ich persönlich! wäre bereit, ohne an regelmäßige Verteilung denken zu wollen, alle an mich gelangenden Zeitungen brüderlich zu teilen und kamerad­ schaftlich weiterzugeben, so weit es in meinen Kräften steht. Man glaubt nicht, wie die Trup­ pen sich freuen, wenn sie gerade ihr Heimat­ blatt mal wieder zu Gesicht bekommen und allerlei heimatliche Nachrichten, die in die­ ser Ausführlichkeit die treueste Feder zu Hause nicht schreiben kann, hören. Der niederträchtige ostpreußische Regen wird erträglicher, wenn man mit den Kame­ raden darüber sprechen kann, daß zu Hause nun doch alles gut stehe, oder daß, Müllers Minna kriegsgetraut wäre und daß. Külpers Franz das "Eiserne" erhalten hätte — er wird besonders erträglicher, wenn man die eben erhaltenen warmen Socken an den Füßen hat. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, 2. Oktober 1914. Unser Kriegsberichterstatter im Osten über­ sendet uns die nachstehenden Anregungen, die wir gern weitergeben. Die Schriftleitung. Herbstfeldzng. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegs­ berichterstatter. Armee-Oberkommando Ost, 29. Sept. Seit drei Tagen hat Dauerregen eingesetzt. Ostpreußischer Herbst. Des Morgens trommeln die Tropfen von den Dachrinnen den ersten Gruß und am Abend rauscht es in weicher Gleichmäßigkeit über Straßen und Bäume. Noch halten die sandigen Wege den Unterschied zwi­ schen Straße und Morast aufrecht, aber ein paar Tage weiter und der typische russische Herbstfeldzug beginnt. ────────── und bei Verlust oder Erblindung beider Augen monatlich je 54 Mark. Tie Verstümmelungs­ zulage von je 27 Mark kann ferner bewilligt werden bei Störung der Bewegungs- und Gebrauchssähigkeit einer Hand, eines Armes, eines Fußes oder Beines, wenn die Störung so hoch­ gradig ist, daß sie dem Verlust des Gliedes gleich zu achten ist, bei Verlust oder Erblin­ dung eines Auges im Falle nicht völliger Ge­ brauchsfähigkeit des anderen Auges, bei an­ deren schweren Gesundheitsstörungen, wenn sie die fremde Wartung und Pflege nötig machen. Wird durch eine der vorstehend angegebenen Gesundheitsstörungen schweres Siechtum ver­ ursacht, in dem Grade, daß der Verletzte dau­ ernd an das Krankenlager gefesselt ist, oder be­ steht die Gesundheitsschädigung in Geistes­ krankheit, so kann die einfache Verstümme­ lungszulage bis zum Betrage von 54 Mark monatlich erhöht werden. Tie Versorgungs­ gebührnisse werden monatlich im voraus ge­ zahlt. Die Zahlung beginnt, wenn der An­ spruch vor der Entlassung aus dem Dienste an­ gemeldet worden ist, mit dem ersten Tage des auf die Entlassung folgenden Monats. Ist der Anspruch erst nach der Entlassung aus dem Dienste gemeldet worden, so beginnt die Zahlung mit dem Monat, in dem die Beding­ ung für die Gewährung der Versorgungsge­ bührnisse erfüllt sind, frühestens mit dem Monat, in dem Anmeldung erfolgt ist. Das Recht auf den Bezug der Versorgungsgebühr­ nisse erlischt: 1. mit dem Wiedereintritt in den aktiven Militärdienst, 2. durch rechtskräftige Verurteilung zu Zuchthausstrafe wegen Hoch­ verrats, Landesverrats, Kriegsverrats oder we­ gen Verrats militärischer Geheimnisse. Höchstpreise für Getreide und Mehl hat das badische Ministerium des Innern beim Reichsamt des Innern beantragt. Es könnten dann die Bezirksbehörden Höchstpreise für Brot festsetzen. Ter RussenWiaden. Die Besichtigung des Schadens der Russeninvasion im Regierungs­ bezirk Königsberg durch die nach Ostpreußen entsandte Kommission fand am Samstag statt. Als Kriegskoutcrbande will England er­ klären: Kupfer, Blei unbearbeitet in Klum­ pen, Platten, Röhren, Glyzerin, Chromeisen, Roteisenerz, Hematit, Eisenerz Magneteisen, Kautschuk, rohe und bearbeitete Häute, ge­ gerbtes, bearbeitetes Leder. ────────── Bayerische Nachrichten. Ehrung der gefallenen Fahnenträger. Kö­ nig Ludwig hat genehmigt, daß die Fahnen­ träger, die im gegenwärtigen Feldzuge mit der Fahne in der Hand gefallen und die in­ folge von Wunden, die sie mit der Fahne in der Hand erhalten haben, verstorben sind, für alle Zeiten dadurch geehrt werden, daß ihre Namen mit kurzer Erwähnung der Ver­ anlassung auf silbernen Ringen an den betref­ fenden Fahnen verzeichnet werden. Tie Bayern voran. Aus Anlaßt der Er­ stürmung des Forts Camp des Romains hat der kommandierende Offizier folgenden Tages­ befehl erlassen: Die bayer. 6. Infanterie-Di­ vision mit zugeteilten preuß. Fußartillerie und Pionieren hat heute das Sperrfort bei St. Mihiel im Sturm genommen. Die Fußar­ tillerie und ein Teil der Feldartillerie hat in 30stündigem Kampfe vorgearbeitet; die 12. In­ fanterie-Brigade mit den Pionieren hat in dreistündigem Kampfe Stein um Stein, Wall um Wall das Werk erobert; in langem schwe­ ren Kämpfe feindliche Entsatzversuche abge­ wiesen. Fünf Offiziere, 453 unverwundete und etwa 50 verwundete Mannschaften wurden gefangen. Ter Rest der Besatzung liegt tot unter den Trümmern und in den Kasematten des Sperrforts. Dank Euch allen, Offizie­ ren wie Mannschaften für diese glänzende Waf­ fentat, die keiner in der Kriegsgeschichte nach­ steht, Ehre aber auch dem Andenken der Opfer, die wir bringen mußten. Was wir und sie taten, geschah für's Vaterland, geschah für unser und unser Kinder und Kindeskinder Glück und Dasein! gez. von Hoehn. Bon Bayern gefangen wurde ein fran­ zösischer Dragoneroberst, Chef des 27. Dra­ goner-Regiments. Er mußte auf der Durch­ reise nach Ingolstadt vorgestern im Würzbur­ ger Hauptbahnhof einige Stunden Aufenthalt nehmen. Er stand unter der Aufsicht des Oberleutnants Molitor vom 5.baherischen Jnfanterie-Regemint. Ter französische Oberst wurde bei Bapaume in Nwrdfrankreich gefan­ gen, als sein Regiment eine Attacke reiten wollte, aber unter bahertschzem Jnfanteriefeuer jämmerlich zusammenbrach. Bayerische Kaval­ lerie holte den fliehenden Sttab, den letzten Rest des zusammengeschossenen französischen Dra­ goner-Regiments ein, umrimgte ihn und nahm ihn gefangen. So erzählite der Oberst, der gewandt Teutsch sprach, während seiner Rast in Würzburg. Au Bork» des Kreuzers "Karlsruhe", der, wie gemeldet, im Atlantischen Ozean den eng­ lischen Handelsschiffen gegemüber so erfolgreich war, befindet sich auch ein geborener Regens­ burger, der Heizer Alois Göchstetter, ein Sohn des K. Packmeisters Georg; Höchstetter, früher in Regensburg, nun in (Straubing. Wegen Mordversuchs erhielt der Brauers­ sohn Joses Zöllner von Gwub (Oberpsalz) 15 Jahre Zuchthaus. Zöllner:, der zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurtei lt war, hat auf den Arzt der Gefangenenanstalt in Amberg einen Mordversuch unternommen. ────────── Zu Verlustliste Nr. 13. 7. Feld-Artillerie-Regiment. I. Batterie. Kanonier Josef Eicher, s. v. gemeldet, ist gesund. 6. Batterie. Vizewachtmeister Helmut Breunig, l. v. gemeldet, am 5. 9. 14 gestorben. Zu Verlustliste Nr. 17. 3. Infanterie-Regiment, Augsburg. 10. Kompagnie. Die Infanteristen Johann Geiger, bisher tbem., nun Laz. Blamont; Taver Sixt, bis­ her verm., nun Vereinslazarett Ansbach. Reservist Georg Schneider, bisher s. v., nun gestorben 11. 9. 14. II. Kompagnie. Gefreiter d. Res. Johann Matthis — 11. statt 10. Komp. — bisher verm., nun Vereins­ lazarett Freiburg. Infanterist Josef Sturm — 11. statt 10. Komp. — bisher verm., nun Res.-Laz. Forbach. Die Reservisten Bernhard Auernharpmer — 11. statt 10. Kompagnie — tot gemeldet, nun im Res.-Laz. Völklingen; August Schnel­ ler — 11. statt 10. Komp. — bisher verm., nun Res.-Laz. Stuttgart. Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 6, Fürth. 2. Kompagnie. Unteroffizier Friedrich Hohenberger, bis­ her verm., nun Laz. Germersheim. Die Gefreiten Wilhelm Haugg, bisher ver­ mißt, nun Res.-Laz. Nürnberg; Johann Mirbeth, bisher verm., nun Res.-Laz. Hornegg. Die Infanteristen Martin Knoll, bisher verm., nun Res.-Laz. Heilbronn; Michael Marx, bisher verm., nun Vereinslazarett Kissingen; Georg Mendel, bisher verm., nun Res.-Laz. Landau; Johann Maisch, bisher v., nun ge­ storben 29. 8. 14; Wilhelm Schneider, bis­ her verm., nun Res.-Laz. Hornegg; Georg Ulher, bisher verm., nun Vereinslazarett Nürn­ berg; Johann Wolfram, bisher verm., nun Res.-Laz. Heilbronn; Anton Fischer, bisher verm., nun Res.-Laz. Heilbronn; Paulus Hertlein, bish. verm., nun Etappen-Laz. Zweibrücken; Lorenz Malter, bisher verm., nun Etappen-Laz. Zweibrücken; Johann Rottler, bisher verm., nun Etappen-Laz. Zweibrücken; Joh. Sandhöfer, bisher verm., nun Res.-Laz. Fürth. 3. Kompagnie. Hornist Johann Durst, bisher verm., nun Etappen-Laz. Zweibrücken. Die Infanteristen Christoph Bauer, bisher verm., nun Vereinslazarett Nürnberg; Leonh. Deß, bisher verm., nun Res.-Laz. Schwabach, Georg Förster, bisher verm., nun Res.-Laz. Fürth; Georg Vitztum, bisher verm., nun Laz. Kaiserslautern. 4. Kompagnie. Unteroffizier Hans Decker, bisher verm., nun bei seiner Abteilung. Die Gefreiten Gustav Röder, bisher verm., nun Vereinslazarett Kissingen; Joh. Schober, bish. verm., nun Res.-Laz. Heilbronn. Hornist Georg Perl, bisher verm., nun Res.-Laz. Cannstadt. Die Infanteristen Karl Dietz, bisher verm., nun Etappen-Laz. Zweibrücken; Nikolaus Hart­ mann, bisher verm., nun Res.-Laz. Nürnberg; Georg Zeug, bisher verm., nun Reserve-Laz. Kirchheimbolanden: Konrad Dummert, bisher verm., nun Res.-Laz. Kaiserslautern. Zu Verlustliste Nr. 18. Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 6, 8. Kompagnie. Gefreiter Karl Schlegel, bisher l. v., am 10. 9. 14 gestorben. Zu Verlustliste Nr. 19. 1. Feld-Artillerie-Regiment. 3. Batterie. Unteroffizier Paul von Dall'Armi nicht tot, sondern schwer erkrankt. ────────── dachte Lager, in dem die alte Frau regungslos ruhte. Doch hatte sie die Augen geöffnet, und als sie den herantretenden Arzt erkannte, verklärte sich ihr abgemagertes, weißes Ge­ sicht zu einem Lächeln, und sie machte den allerdings vergeblichen Versuch, ihm die Hand entgeg enzustrecken. Er ergriff sie und hielt sie fest, indem er mir der anderen die Uhr zog und die Puls­ schläge zählte. Angstvoll stand das junge Mäd­ chen dabei und blickte ihn forschend an, jedes Zucken in seinem Gesicht deuten wollend. Nach­ dem er mit dieser Manipulation fertig war, zog er den Perkussionshammer hervor und lauschte den Herztönen. Aber auch jetzt ver­ zog er keine Miene, und als Ebeline ihn auf­ geregt fragte, ihre Stimme senkend: "Doktor, was ist's?" da stand er auf und ging mit ihr einige Schritte außer Hörweite, worauf er erwiderte: "Es ist nicht schlimmer als sonst, gnädiges Fräulein, Sie brauchen keine Angst zu hegen. Allerdings ist die Kranke schwach, und das eigentliche Uebel, Perikarditis nennen wir es wissenschaftlich, ist nicht zu heilen. Aber wir haben es hier mit der chronischen Form zu tun, der sogenannten fibrinösen, bei der ein Mensch noch lange leben kann. Wir wollen eine Eisblase aus die Herzgegend legen, und ich werde außerdem noch eine Medizin ver­ schreiben, die der Patientin absolut Besserung bringen wird. Kommt wieder ein Anfall, und ich bin nicht ganz schnell zu erreichen, so geben Sie Ihrer Frau Mutter einstweilen star­ ken Wein und ein Pulver, das ich ebenfalls aufschreiben werde. Vor allem aber muß. sich die Kranke vor jeder Auftegung bewahren, denn das kann eine rasche Herzlähmung und somit das sofortige Ende herbeiführen." Die junge Dame stieß, einen leisen Schrei aus bei dieser schrecklichen Eröffnung, so daß. er rasch die Hand begütigend auf ihren Arm legte und sagte: "Ich teile Ihnen das nur mit, damit Sie sich in diesem Punkte ganz besonders in acht nehmen, verstehen Sie wohl! Eine direkte Ge­ fahr für das Leben besteht augenblicklich nicht, der von mir bezeichnete Fall wäre der ein­ zige, der eine unerwartete Verwicklung veran­ lassen kann." "Sollten wir nicht während des Winters uns irgendwo im Süden festsetzen?" fragte sie, und ihre Stimme bebte dabei. _ (Fortsetzung folgt.) r j schließlich trat, wie Sie es warnend vorhergesagt haben, ihr alter Anfall auf, in verstärktem Maße. Ich ries schnell das Mäd­ chen und brachte sie, wie Sie es mir vorkommendenfalls geheißen, sogleich zu Bett, worauf ich ihr kalte Umschläge um die Stirn machte. "Und wodurch wurde Ihre Frau Mama so erregt?" "Ach —" gab sie zögernd zur Antwort, "das gehört wohl nicht hierher — oder doch, wenn Sie es wissen wollen," setzte sie ent­ schlossen hinzu, "den Anlaß gab eine Zeitungs­ notiz, daß der Sohn eines Freiherrn, der bom Pater nach unseren Kolonien gesandt worden war, um da draußen Vernunft anzunehmen und arbeiten zu lernen, mit einem Schutz­ truppenoffizier wegen eines Duallamädchens in Streit geraten und darauf im TueU ge­ fallen sei." "Merkwürdig!" murmelte Kilburg, "und das regte sie derart auf, daß sie einen Anfall bekam? Führen Sie mich zu der Kranken!" Sie ging ihm boran durch einen langen Korridor, an dessen Ende sie eine Tür öffnete, die in ein halbdunkles, weites Gemach führte, das nur bon einer mit einem gelben Schirm verhüllten Lampe erhellt wurde. Nahe dem Fenster stand das bon einem Betthimmel über- ────────── Im Binnenverkehr der bayerischen Linien der Lokalbahn-Aktiengesellschaft wird die Fahr Preisermäßigung nicht gewährt. —* 2. SchweresReiter-Regiment Landshut. In der bayerischen Verlust­ liste Nr. 21 sind enthalten: 1. Eskadron: Un­ teroffizier Karl Bernack aus Osterode, Preußen s. v., Brust; die Gefreiten Walter Geißler aus Debschwitz, Thüringen, tot; Richard Bayer s. v., Fuß; die Reiter Karl Riemann aus Ber­ lin, tot; Karl Müller aus Regensburg, s. v., Bauch; Michael Kraut aus Oberroth, Obb., verm. — 3. Eskadron: der Sergeant Ludwig Fischer bisher s. v., wird nunmehr als ge­ storben (8. Sept.) gemeldet. —* Po st Verkehr derKriegsgefangenen. Von jetzt ab können Postsendungen von Kriegsgefangenen und für solche angenom­ men und befördert werden. Zunächst werden nur offene Briefpostsendungen ohne Nach­ nahme, und zwar offene gewöhnliche Briefe, I Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Ge- f schäftspapiere, ferner Briefe und Kärtchen mit 1 Wertangabe ohne Nachnahme sowie Postpa- I kete bis fünf Kilogramm ohne Nachnahme in- 1 l nerhalb Deutschlands, nach und aus Oesterreich- j Ungarn und den neutralen Ländern sowie im ! Verkehr mit Belgien, Frankreich, Großbrita- | men und Rußland zugelassen. Postanwei- l sungen find in demselben Bereiche mit Aus- ? nähme von Belgien, Großbritannien und Ruß- $ land zulässig. Im Verkehr mit dem Aus- 1 lande werden die Sendungen, die von Kriegs- | gefangenen abgesandt werden oder für sie be- I stimmt sind, gebührenfrei befördert. Dasselbe ' f gilt von den Sendungen, die sich auf Kriegs- 1 | gefangene beziehen und unmittelbar oder mit- ■ I telbar von den Auskunftstellen über Kriegs- ! f gefangene aufgeliefert werden oder für sie be- \ i stimmt sind. Im Verkehr innerhalb i ' Deutschlands werden gebührenfrei beför- ? derr: gewöhnliche offene Briefe bis zum Gewicht von 50 Gramm einschl. und gewöhn- t . liche Postkarten, die 1. für Kriegsgefangene ; i bestimmt sind oder von ihnen abgesandt wer- : ; den; 2. sich auf Kriegsgefangene beziehen und j i unmittelbar oder mittelbar von den Aus- 1 : kunststellen über Kriegsgefangene aufgeliefert i werden oder für sie bestimmt sind. Alle üb: rigen Sendungen sind portopflichtig. Unter "Verkehr innerhalb Deutschlands" ist auch der - durch die deutsche Feldpost im Auslande ver' mitreite Verkehr mit Deutschland zu verstehen. Die Sendungen sind von dem Absender mit • dem handschriftlichen oder gedruckten Vermerk s "Kriegsgefangenensendung" zu versehen. Vom Auslande eingehende Sendungen, die den Ver; merk in französischer Sprache (etwa service : des prisonniers de guerre oder ähnliche Be: zeichnung) tragen, werden nicht beanstandet, j Postanweisungen für Empfänger in Frankreich y sind auf der Vorderseite des für den Auslands­ verkehr bestimmten Formulars mit der Adi resse der Oberpostkontrolle in Bern (Schweiz) zu versehen, während die Adresse des Empfän; gers der Geldsendung aus der Rückseite des Ab­ schnittes genau anzugeben ist. An der Stelle, die sonst für die Freimarken zu dienen hat, ist die Bemerkung "Kriegsgefangenensendung. Taxfrei." anzubringen. In Bern werden die deursch-schweizerischen Anweisungen in schwei; zerisch-französische umgeschrieben. In umge6 kehrter Richtung wird in gleicher Weise ver. fahren. —* Wochenber i ch t der Kreissam­ melstelle vo,m Roten Kreuz. In ver­ gangener Woche verdankt die Kreissammelstelle dem Opfersinne Niederbayerns folgende Ein: gange: Hemden 1013, Beinkleider 292, Socken und Strümpfe 2711 Paare, Leibbinden 617, Handtücher 726, Taschentücher 910, Bettücher ,, 383, Leinwandstücke 158, Pakete Tee 70, Puls: wärmer 677, Fußlappen 300, Handschuhe 49, , Hemdenbiber 40 Meter und viele Pakete Cho: colade und Kakao, ferner 5486 Zigarren und i 4930 Zigaretten. — An Geldspenden sind ein| gelaufen: Kreissammelkomitee 4215 Mk. 15 Pf. s Ortssammelstellen 247 Mk.- 70 Pfg., Unter* | stützung der Angehörigen der Kriegsteilneh­ mer 500 Mark. —* Obstverwertung. Der große Wert des Obstes als Nahrungs- und Genußmittel ist all­ gemein bekannt. Im heurigen Jahre war die Obst­ ernte eine ungemein reiche. Um diesen Segen den Krieger» und ihren Familien zugute kommen zu lassen, werden zurzeit durch fleißige freiwillige Damenarbeit in der Schmtedel'schen Bisquitfabrik Landshut auf Anregung des Herrn k. Regierungs­ präsidenten v. Pracher große Mengen Obstmarmelade hergestellt, die in den Lazaretten und für bedürftige Angehörige der im Felde stehenden Vaterlands­ verteidiger verwendet werden sollen. Durch Ver­ mittlung des k. Bezirksamtes Landshut hat der Bezirksobstbauverband Landshut Gratislieferungen von Obst durch die einzelnen Obstbauvereine in die Wege geleitet und 200 Mark zur Deckung der ent­ stehenden Unkosten zur Verfügung gestellt. Die Bisquitfabrik überließ ihre zweckdienlichen Einrich­ tungen unentgeltlich zur Herstellung der Produkte. falle nichts erzählt. Sie gibt heute an, daß sie von Erber durch Ueberredung und Drohun­ gen zu ihrem Meineide angestiftet worden sei, was dieser jedoch entschieden in Abrede stellt. Er behauptete, die Hüfner hätte ihm den Vor­ schlag gemacht zu seinen Gunsten auszusagen, was er ihr jedoch abgeraten habe. Die Ver­ handlung endete mit der Verurteilung der Hüfner wegen fahrlässigen Falscheides zu 8 Monaten Gefängnis und des Erber wegen Ver­ leitung hiezu zu einem Jahr Gefängnis; bei der Hüfner werden 3 Monate mnd bei Erber 2 Monate der Untersuchungshaft angerechnet. Sitzung vom 3. Oktober 1914. Vor Eintritt in die heutige letzte Ver­ handlung verabschiedete sich der Vorsitzende des Schwurgerichts, Herr Oberlandesgerichts­ rat Sutor-München von den Geschworenen mit Worten des Dankes für ihre treue Pflichterfül­ lung im Dienste der Rechtspflege. Der Ge­ schworene Herr Ludwig Förster, Bürgermeister und Konditor in Eggenfelden sprach dem Vor­ sitzenden die wärmste Anerkennung für des­ sen klare Rechtsbelehrungen aus. Im letzten Falle hatte sich der 25 Jahre alte led. Bahnarbeiter Ludwig Kurz von Für­ holz wegen einer Körperverletzung mit Todessolge zu verantworten. Er und sein Freund der Dienstknecht Josef Fenzl von Exenbach, arbeiteten zuletzt unter einem fal­ schen Namen bei dem Bahnbau Tutting— Pöcking; sie wohnten in Maierhof gemein­ schaftlich in einem Zimmer. Ant 26. Juni h. Jrs. kehrten sie noch. in der Wirtschaft des Resch in Schönburg ein, wo sich Kurz von einem anwesenden Gutsverwalter ein Hemd erbat, was ihm auch zugesagt wurde. Darauf ersuchte Fenzl den Gutsverwalter eben­ falls um ein Hemd und auch um eine Hose. Auch ihm wurde die Gewährung seiner Bitte in Aussicht gestellt. Nun geriet Kurz in Zorn gegen Fenzl und als sich beide gegen 1 Uhr nachts aus den Heimweg machten, gerieten beide in Streit, in dessen Verlauf Kurz, nach der Anklage ohne Ursache, dem Fenzl einen Stichi in die linke Achselgegend und einen wuchtigen Stich in den Hals versetzte. Der Stich in den Hals führte alsbald den Tod des Fenzl durch Verblutung herbei. Kurz wollte Notwehr geltend machen. Von einer solchen konnte aber nach allem nicht die Rede sein. Tat­ zeugen waren keine vorhanden. Kurz war an jenem Abende zwar stark betrunken, jedoch noch zurechnungsfähig. Unter Annahme mil­ dernder Umstände schuldig gesprochen, lautete das Urteil auf eine Gefängnisstrafe von 2 Jah­ ren 4 Monaten 2 Wochen unter Einrechnung von 3 Wochen, worauf 2 Monate der Unter­ suchungshaft in Anrechnung kommen. Hiemit endete die fünfte Schwurgerichts­ periode. Ländshnt, 5 Oktober. —* Auszeichnung. Gestern vormit­ tags überreichte Herr Oberbürgermeister, Hof­ rat Marschall im Rathause die silberne Stadt­ medaille für 25-jährige treue Dienstzeit an die Dienerin Theres Thurmayer bei Frau Grä­ fin Spreti und Walburga Hörbrand bei Herrn Landrichter Kummer. Der Herr Oberbür­ germeister hielt an die beiden ausgezeichneten Dienerinnen eine ehrende Ansprache. —* Als Stellvertreter für den zum Militärdienste einberufenen Herrn Bezirksbau­ meister Oberer wurde Herr Diplomingenieur Staatsbaupraktikant Hugo Graßl in Landshut bestellt. —* Die Knabenschule St. Martin zählt 848 Schüler, die sich auf 17 Teilklas­ sen verteilen. Das 8. Schuljahr wird von 37 Knaben besucht. —* Tie Fahrpreisermäßigung für Angehörige kranker oder verwundeter Krie­ ger wird auch auf folgenden Privatbahnen zugestanden: Bayerische Linien der LokalbahnA.-G. in München, Lokalbahn Schaftlach— Gmund—Tegernsee, Lokalbahn DeggendorfMetten, Lokalbahn Gotteszell—Viechtach, Lo­ kalbahn Kahl—Schöllkrippen, Lokalbahn Lam— Kötzting, Lokalbahn Röthenbach b. Lindau-Wei­ ler i. Algäu, Württembergische Nebenbahnen. ────────── Letzte Posten. Kaiser Franz Joseph Namensfest. Wien, 5. Oktober. (Nichtamtlich.) Das Namensfest Kaiser Franz Joseph wurde ge­ stern in ganz Oesterreich-Ungarn feierlich be­ gangen. Die Blätter brachten Festartilel, in denen sie ihre Bewunderung für den erha­ benen Herrscher ausdrücken. In allen Kir­ chen und Gotteshäusern wurden Gebete für den Herrscher und die Armee verrichtet. Die Dardanellensperre bereitet dem russischen Handel große Schwie­ rigkeiten und den russischen Zuführen von Kriegsmunition ein Ende. Es kam daher auch, wie der "Frkf. Ztg." von ihrem Korresponden­ ten aus Konstantinopel gemeldet wird, zwi­ schen dem russischen und dem englischen Bot­ schafter zu einem erregten Wortwechsel. Ruß? land wirft England vor, durch übereilte Hand­ lungen des.englischen Geschwaderchefs wichtige russische Interessen auf das Empfindlichste ge­ schädigt zu haben. Ich erfahre zuverlässig, Rußland machte mit einer neutralen Heeres­ verwaltung größere Abschlüsse zur Lieferung von Kriegsmaterial, besonders eines Artillerie­ parks, deren Zustellung durch die Dardanellen­ sperre jetzt größtenteils unterbunden ist. ────────── Sihrzeil der elektrische« Straßeikch». Ab Dreisaltigkeitsplatz: Bonn. Nachm. Abends Die vom Dretfaltigkeitsplatz kommenden Wagen durchfahren die nachbenannten Haltestellen: Theaterstraße (Luitpoldbr.) 1,0 Minuten später. Rosengasse (Neustadt) 2,0 " " Zweibrückenstraße 3,6 " " Obeliskenplatz 5,0 " " Johannisstraße (Schlachth.) 6,5 " " Mittl. SeligeMhalerstratze 7,5 " " Hauptzollamt 8,5 Ueberführg. (Güterbhf.) 9,5 " " Ab Bahnhof: Vorm. Nachm. Abend11.00 1140 12.1.0 Die vom Bahnhof kommenden Wagen dtikch« fahren die nachbenannten Haltestellen: Ueberführg. (Güterbhf.) 0,5 Minute» späte» Hauptzollami 1,5 " " Weiche Seligenthalerstraß« 2,5 " " Johannisstraße (Schlachth.) 3,5 " " Obeliskenplatz 5,0 " " Zweibrückenstraße 6,5 " " Rosengasse (Neustadt) 8,0 " " Theaterstraße (Luitpoldbr.) 9.0 " " x bedeuten Extrawagen, welche nach Bedarf der ankommenden Züge gefahren werden. ────────── Inserate.