Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-10-06. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 271, 1914-10-06. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Beide waren sofort tot. ────────── Weitere Erfolge vor Antwerpen. WTB. Berlin» 5. Oktober abends. — (Großes Hauptquartier.) Vor Antwerpen sind die Forts Kessel und Brochem zum Schweigen gebracht. Die Stadt Ster und das Eisenbahnfort an der Bahn Mecheln—Antwerpen find ge­ nommen. ────────── In Polen. In Polen gewannen die gegen die Weich­ sel vordringenden deutschen Truppen Fühlung mit russischen Truppen. ────────── Das verschwundene Unterseeboot. Rom, 5. Oktober abends. Die "Agenzia Stefani" veröffentlicht folgendes: Die Firma Fiat San Giorgio in Spezia teilte gestern abends um 5 Uhr dem Flottenkommandanten von Spezia mit» daß ein Unterseeboot» wel­ ches aus der Werft der Firma vollendet wer­ den sollte» gestern plötzlich mit unbekannter Be­ stimmung abgefahren ist, indem es eine Aus­ fahrt aus der Werft zu Versuchen seiner sunkentelegraphifchen Anlage dazu benützte. Das in Betracht kommende Unterseeboot soll nach den Versicherungen der Firma vollständig unbewaffnet sein, und unter dem Kommando eines Angestellten des Hauses mit einer aus 15 Personen bestehenden Besatzung (Ingenieure und Arbeiter) stehen. Das Boot war für Rechnung einer fremden Macht gebaut, die infolge der Neutralität Italiens das Boot nicht habe abnehmen können. Es ist Befehl gegeben» nach dem Boot zu suchen und eine strenge Untersuchung einzuleiten. ────────── die Stadt» deren Schicksal wohl nicht mehr aufzuhalten sein wird. Auf der holländischen Seite sind bereits Vorbereitungen zum Emp­ fange und zur Entwaffnung der voraussichtliche dorthin übertretenden belgischen Armeen ge­ troffen. Vom französischen Kriegsschauplätze lie­ gen keine bemerkenswerten Berichte vor. In Polen bereitet sich eine neue Schlacht vor. Zu derselben sollen auch 150 000 Ja­ paner herangezogen worden sein, wenn sich eine Kopenhagener Meldung bestätigt. In­ zwischen haben bereits anderthalb Armeekorps von den Russen Reißaus genommen. Tie Engländer finden bei ihrem Liebeswerben bei den Neutralen wenig Gehör. Nur die Republik Portugal scheint cruf den Leim zu gehen. Sie schickt zur Vorsicht aber zuerst ihre monarchisch gesinnten Truppen ab» doch sollen die Waffen gesondert transportiert wor­ den sein. Nun weiß, man auch die welterschütternde Ueberraschung» die Mister Grey den Fran­ zosen zu Hilfe schicken i’nrb. Es waren nicht eine halbe Million Russen, die viele schon ein England gesehen haben wollten» es ist ein Häuflein frierender Indier, eine Hagenbecksche Völkerschau» die Englanid heute viel­ leicht viel lieber wieder daheim haben würde, wo sie dieselben vielleicht auch sselbst notwen­ dig brauchen könnte. Mittlerweile arbeiten unsere Auslands­ kreuzer rüstig weiter. "Scharnhorst" und "Gneisenau" bombardieren Papeete auf Haiti und zerstören ein englisches Kanonenboot. Ein deutsches Torpedoboot versenkt den englischen Dampfer "St. Guthbert". Die "Emden" ist noch immer nicht erwischt, obwohl mehr als 20 feindliche Kriegsschiffe auf sie Jagd machen. Auch die deutschen Minen an der englischen Küste tun ihre Schuldigkeit und die Engländer erklären jetzt mit heuchlerischemAugenaufschlag» daß sie durch das deutsche Vorgehen ebenfalls gezwungen seien, Minen zu streuen. Das erste Schiff» das von diesen Minen vernichtet wurde, war ein englisches Dampferboot. Die Türkei läßt sich auch durch ein Ulti­ matum des Dreiverbandes nicht einschüchtern. Die Russen bräuchten zwar sehr notwendig ,ihre Kanonen, die sie um teures Geld für die von Hindenburg eroberten gekauft haben» aber der "kranke Mann am Bosporus" mag nicht. Er kennt seine Pappenheimer. Vor Antwerpen sind auch heute wieder neue Erfolge zu melden. Zwei weitere Forts sind zum Schweigen gebracht worden und un­ aufhaltsam -ringen die Deutschen vor gegen ────────── Häuptling des Stammes Magu und dessen Sohn wieder freigelassen. Beide sind in Te­ heran eingetroffen. Ter hervorragende per­ sische General Salah ed Taulch ist mit einer Menge Waffen und Munition in der Grenz­ stadt Hasrhschirin eingetroffen» um Rußland Verlegenheiten zu bereiten. — Die persische Regierung hat den belgischen Generalschatz­ meister Mornard und alle übrigen» in persi­ schen Diensten stehenden Belgier abgesetzt und eine Kommission zur Prüfung der Rechnungen Mornards gebildet. — Amtlichen Nachrichten zufolge» befahl der Kriegsminister den Pro­ vinzbehörden und allen Stammeshäuptern» eine beträchtliche Streitmacht zu sammeln. — Ter Schah hat die schleunige Wiedereröffnung des Parlaments angeordnet und eine Liste aller Beamten verlangt» die russische Partei­ gänger sind. Diese Beamten werden wahr­ scheinlich abgesetzt. Tie Deutschen aus Saigon ausgewiesen. Amsterdam, 5. Oktober. Die Deutschen sind aus Saigon ausgewiesen worden» sie fan­ den auf Java liebreiche Aufnahme. In Buitenzorg hat sich! ein Ausschuß gebildet» der zwei Häuser zur Aufnahme der Deutschen ein­ gerichtet hat. Kriegslust in Persien. Konstantinopel» 5. Oktober. (Nicht­ amtlich.) Das hier erscheinende persische Blatt "Haver" enthält folgende Meldungen: Persien überreichte Rußland eine neuerliche Note» be­ züglich. welcher die Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen noch, fortdauern. Infolge der Schritte Persiens haben die Russen den ────────── Südens sind hassenswert, und welche Kopf­ losigkeit! In einem Augenblick behauptet einer, drei Ulanen gesehen zu haben. Sofort er­ greift das ganze Biwak die Flucht und dabei steht hier ein ganzes Armeekorps. Wirklich, wer nicht solche Tinge miterlebt hat, kann sich keinen Begriff machen, bis zu welchem Punkte sich die Menschen erniedrigen können. Der Gedanke, Verräter für die französischen Niederlagen verantwortlich zu machen, spricht aus folgenden Fällen: Während der Nacht sehen wir auf allen Seiten Verrätersignale der Spione, die uns umgeben und alle unsere Bewegungen signalisieren. Leutnant Cosson entdeckte einen solchen in einem Hause. Ter Spion trug sianzösische Uniform. Uebrigens sagt man, und selbst seine eigenen Stabsoffi­ ziere sagen es, daß Eydoux verrückt sein müsse, oder an Deutschland verkauft sein müsse, um uns so zu führen, wie er es getan hat. Tie Röte -er französischen Feldpost. Angesichts der Klagen über unsere Feld­ post, die nicht verstummen wollen, mag es uns zum Trost gereichen, daß in Frankreich die postalischen Dinge noch ungleich mehr im Argen liegen als bei uns. Im "Gaulois" führt Rene Doumic von der französischen Aka­ demie bittere Klagen über die unerhörten Zu­ stände, die in der Postbestellung Platz gegrif­ fen haben. In Paris warten die Leute bei­ spielsweise schon seit vier Wochen auf Nach­ richten. "Woran liegt es, daß der ganze Be­ trieb so vollständig ins Stocken geraten ist?" fragt der französische Akademiker, und die Ant­ wort, die er findet, läßt erkennen, daß er zu der Gewissenhaftigkeit seiner Landsleute nicht eben viel Vertrauen hat. "Ich habe einmal einen Landbriefträger gekannt," plauderte er, "der die üble Gewohnheit hatte, den Inhalt seiner Posttasche in den Weinbergen zu ent­ leeren, wenn er selbst in demjenigen des Herrn gearbeitet hatte. Das ging so lange, bis seine Vorgesetzten an dieser merkwürdigen Art einer summarischen Briefbestellung Aergernis nah­ men und der Sache ein Ende machten. Ich fürchte, daß dieselben Vorgesetzten, sich heute des Falles erinnern und sich an dem Verfahren des Briefträgers ein Beispiel genommen haben. Bei einigem gutem Willen mühte es doch mög­ lich sein, dem Mangel an Personal, den man für die schlechte Briefbeförderung verantwort­ lich macht, abzuhelfen. Es fehlt wahrlich nicht an Arbeitslosen, die intelligent genug sind, um bei der Briessortierung mitzuwirken." Herr Doumic beschwört dann die Senatoren und Depurierten, bei dem Postminister, der wie seine Kollegen, heute in Bordeaux weit vom Schuß in Sicherheit sitz, die geeigneten Schritte zu tun, um dieser Not ein Ende zu bereiten. "Sie klagen so lebhaft, daß Sie nichts zu tun haben", fährt Doumic in feiner Ironie fort. "Nun, ein solcher Schritt wird Ihnen immerhin zu einer angenehmen Nachmit­ tagsbeschäftigung verhelfen. Es ist wahrlich zu bequem, wenn die Zivilisten heute mit ver­ schränkten Armen zusehen, wie die Soldaten sich abmühen. Den Leuten, die keine Waffen tragen, bleibt eine andere Pflicht zu erfüllen: sie sollen den Dienst weiterführen, der ihnen anvertraut ist, damit die Lebenssachen des Lan­ des nicht unterbunden werden. Wenn aber die Post entschlossen ist, auf eine Bestellung un­ serer Briefe überhaupt zu verzichten, so soll man uns das ehrlich und offen sagen. 'Wir können dann wenigstens in dieser bitterernsten Zeit die Briefmarken sparen." Die Geschichte -er roten Hosen. Immer wieder liest man in den Berichten ftanzösischer Offiziere und Soldaten, wie sehr sie sich durch ihre weithin leuchtenden roten Hosen gegenüber den deutschen feldgrauen "Erd­ würmern" benachteiligt fühlen. Es ist ja be­ kannt, daß kurz vor dem Ausbruch des Krie­ ges die sianzösische Kammer die Regierung ermächtigt hatte, die Uniformen der Truppen zu Andern und insbesondere die roten Hosen abzuschaffen. Nicht ohne Widerspruch konnte dieser Beschluß gefaßt werden und nur mit Widerstreben fügte sich der Franzose der Not­ wendigkeit, die berühmten roten Hosen, die ihm als ein Symbol des Kriegsruhms vergangener Zeiten erschienen, gegen das unscheinbare Soldatenkleid unserer Tage zu vertauschen. Und doch war die allgemein verbreitete Vor­ stellung, als ob der französische Soldat nie in anderer Uniform erschienen wäre, durchaus falsch. Das alte königliche Heer war einfach blau und weiß gekleidet. Nur zwei Regimen­ ter ungarischer Husaren, die unter Ludwig XIV, als Söldner dienten, hatten rote Hosen ge­ tragen und auch gegen das Ende der Regie­ rung Ludwigs XV. waren solche bei den Hu­ saren wieder aufgetaucht. In der Revolutionszeir wurden die roten Hosen unterdrückt, dann wurden sie von Berthier für einige leichte Schwadronen der großen Armee wieder her­ gestellt, unter Der Restauration von neuem unrerdrückt und schließlich im Jahre 1827 den Husaren zurückgegeben, nachdem sie 1820 be­ reits bei den Jägern und 1823 bei den Dra­ gonern eingeführt waren. Erst am 23. Juli 18^9 erhielten die Soldaten der französischen Infanterie Re roten Hosen, die seitdem ihr besonderes Merkmal geblieben sind. Damals schrieb der Vicomte de Vaux, der Kriegsmini­ ster war, in seinem Bericht an den König: "Man hat festgestellt, daß die neue Uniform einen schönen Anblick gewährt, daß die rote Hose — gut zu dem blauen Rock des Infan­ teristen paßt und daß sie seinen Wuchs höher erscheinen läßt. . .. Diese Farbe ist anderseits das Erzeugnis einer einheimischen Industrie, Sie kommt in der Haltbarkeit der blauen Farbe gleich und man erhält sie für einen sehr viel geringeren Preis. Ich schätze die Ersparnis, die aus der Einführung der roten Hosen für die Infanterie erfolgen wird, auf fast 500000 ; Frs. in Friedenszeiten und auf über eine Million in Kriegszeiten . . .". Es waren also teils ästhetische, teils ökonomische Gründe, aus denen die roten Hosen an die Stelle der blauen traten. Als man später während der ersten Jahre der Regierung Napoleons IU. daran dachte, aussrwählten Regimentern die blaue Uniform, "die durch die unsterblichen Grenadiere des 1. Kaiserreiches berühmt ge­ worden ist," wiederzugeben, wurden Erwägun- | gen derselben Art dagegen angeführt. Beson­ ders protestierten das Departement Vaucluse, in dem die Farbenstoffe hauptsächlich erzeugt wurden, bei der Regierung, indem es daraus hinwies, daß es völlig ruiniert würde, wenn die roten Hosen abgeschafft werden sollten. Heute freilich — diese Tatsache hat für uns einen pikanten Reiz — werden die Farbstoffe, durch die die sranz. Soldatenhosen ihr schö­ nes Rot erhalten, von einer bekannten deut­ schen Farbstoffabrik geliefert, die diese Fa­ brikation ganz in ihre Hand gebracht hat! , Der Volksmeinung in Frankreich, die durch die Schlager in den Singspielhallen und in den Operetten stets genährt worden ist, daß die rote Hose nun einmal zum französischen "piou-piou" gehöre, war bis zum Ausbruch des Krieges durch diese Tatsache kein Abbruch getan worden. Erst die bitteren Erfahrungen werden sie eines Besseren belehrt haben, sodaß nicht nur die französischen Soldaten auf die schönen, weithin leuchtenden roten Hosen schim­ pfen ... ────────── fei". Sie fürchteten und haßten ihn wie kei­ nen anderen in der deutschen Armee. Wie er sich seinen Namen verdiente? Am 10. August bekam er in Lötzen, so erzählt die "Voss. Ztg.", den Auftrag, mit seinen Radfahrern nach Lyck zu fahren. Er fuhr los und kam morgens um 4 Uhr in Lyck an. Tort erhielt er die Nachricht, daß Margrabowa von den Russen besetzt sei und brenne. Man schickt ihn mit seiner Abteilung nach Margrabowa, das ungefähr 30 Kilometer von Lyck entfernt liegt. Unterwegs trifft er etwa 10 Kilometer vor dem Ziel einen Leut­ nant int Auto, der ihn warnt: "Im Walde stecken Kosaken!" Richtig, bald fallen ver­ einzelte Schüsse, die aber keinen Schaden an­ richten. Er fährt weiter und trifft einen Zug Infanterie. Tie Infanteristen lädt er in sein Auto, zweimal fünfzehn Mann und einmal zwanzig Mann und fährt, sie etappenweise nach. vorn. Zwei Kilometer vor der Stadt bekommt er lebhaftes Feuer. Nun ntufr auf das Auto, was Platz hat; auf dem Kühler sitzen drei, zwei hängen hinten an den Reserveschläuchen, dreißig Mann schafft er im ganzen so fort und fährt mit der schnellsten Geschwindigkeit in die Russen hinein und den steilen Berg nach der Stadt, immerfort feuernd, hinunter. In der Stadt hält gerade der russische General eine schöne Rede an die auf dem Marktplatze versammelten Einwohner, in der er ihnen ver­ kündet, daß sie jetzt Russen geworden sind. Zum sichtbaren Zeichen der Annexion läßt er vom Postamt die deutsche Fahne herunter­ holen und als Siegestrophäe einpacken. Ta kommt ein Posten vom Berge heruntergelau­ fen, schreiend: "Die Preußen! Die Preußen!" und hinter ihm her saust der Leutnant mit sei­ nem Auto und feinen Radfahrern und In­ fanteristen und knallt in die Russen hinein. In Margrabowa lag eine ganze russische Kavalleriedivision, und die ganze Division riß vor der kleinen Schar aus, die sie durch die Stadt treibt und noch weiter verfolgt. Unter­ wegs fassen sie noch ein Auto mit russischen Generalstäblern ab, die ihren Augen nicht trauen, als sie die Deutschen sahen. Sie kamen nicht zur Besinnung, denn bevor sie sich von ihrem Schreck erholt hatten, waren die anderen schon abgesessen und knallten sie nieder, erst die Offiziere, dann den Fahrer. Im Auto fanden sie eine dicke Ledertasche mit wichtigen Aufmarschplänen und Papieren. Daß wir die Russen so schön in der Falle bei Tan­ nenberg fingen, ist nicht zum geringsten Teil auf diese Tat zurückzuführen. Am selben Abend noch war die Tasche in Lyck. Jetzt hängt die Tasche, die der Leutnant seither immer benutzt hat, int Schranke des stillen Zimmers in der Charitee, mit mancherlei An­ denken an die Streifzüge dieses neuen Korps der Rache gefüllt. Nach seiner kühnen Tat richtete sich der Leutnant mit seinen 23 Radfahrern in Marggrabowa ein, von den Bewohnern so stürmisch aufgenommen, daß seine Leute sich boxend den allzu heftigen Umarmungen entziehen muß­ ten, machte sich zum Stadtkommandanten und alleinigen Beherrscher von Margrabowa, und er und seine Leute wurden zum Russenschreck. Sechs Tage lang blieben sie und säuberten die Umgebung, die fortgesetzt von Kosaken belä­ stigt wurde. Wer in die Stadt wollte, durfte hinein, aber niemand kam hinaus, der nicht einen von dem Leutnant und Kommandanten unterzeichneten Passierschein hatte. Tag für Tag kämen die Meldungen, daß bald in diesem, bald in jenem Dorfe die Kosaken eingedrungen seien. Durch. Spione waren sie immer genau unterrichtet, wo keine deutschen Truppen wa­ ren. In den sechs Tagen wurden die Rad­ fahrer zu "Blitzteufeln". Wo Kosaken gemel­ det waren, erschienen sie, ein Paar auf der einen Seite ins Dorf, die andern auf der ent­ gegengesetzten, und dann nahm man die Ko­ saken in die Mitte. Und die Kosaken wußten, was ihnen blühte. Sie rissen aus, wenn die Radfahrer ankamen. Der Leutnant hat ein regelrechtes Schuß­ buch wie ein Jäger in den Tagen vom 11. bis zum 17. August geführt. Die 23 Rad­ fahrer haben danach 388 Russen in den paar Tagen weggeknallt, und die Kosaken haben seither eine unbegrenzte Hochachtung vor den deutschen Radfahrern. Sie haben geschworen, jedem Radfahrer, den sie fangen würden, die Augen ausstechen zu wollen. Sie haben aber keinen gefangen. Sechs Tage lang hielten die | Radfahrer den Ort, dann mußten sie auf Lyck jj zurückgehen. Als dann der Sieg gewonnen | war, kam der Leutnant mit seiner Truppe I noch einmal durch Marggrabowa. Und da trug man ihn und seine Leute im Triumph auf den Schultern durch das Städtchen. Als er als Erster in die Stadt Suwalki wollte, traf ihn die Kugel eines Kosaken, die ihm kampf­ unfähig machte. Aber vorher schoß et wenig­ stens noch den Kosaken, dessen Spitzbuben gesicht aus einer Bodenluke herausgrinste, mit einem Kopfschuß, ab. ────────── Der Krieg zwischen OesterreichUngarn und Serbien. Tic Montenegriner ans Bosnien znuückgewicsen. Wien, 5. Oktober. Amtlich wird vom 4. ds. gemeldet: Die int östlichen Bosnien eingedrungenen serbischen .und montenegrini­ schen Streitkräste zwangen in dieses abseits der Hauptentscheidung liegende Gebiet mobile Kräfte zu detachieren. Die erste dort ein1 geleitete Aktion fand bereits einen erfolgrei- chen Abschluß. Zwei montenegrinische Bri­ gaden, die "Spuska" unter dem Kommando des Generals Vucovitsch und die "Zetska" un: ter General Rajevitsch wurden in zweitägigen heftigen Kämpfen vollkommen geschlagen und ; auf Foca zurückgeworfen. Sie befinden sich i in panikartigem Rückzüge über die Landes­ grenze. Ihren ganzen Train, darunter nicht • unbedeutende in Bosnien erbeutete Vorräte, I mußten sie zurücklassen. Auch bei dieser Ge! legenheit wurden mehrere Gefallene österrei| chischer vorgesandter Patrouillen, darunter ein | Fähnrich in bestialisch verstümmeltem Zustande ■ aufgefunden. Bei der int nördlichen Abj schnitte eingeleiteten Aktion wurde ein komplet| tes serbisches Bataillon von einem österrei5 chischen Halbbataillon gefangen. Potiorek, I Feldzeugmeister. ────────── Deutschland und Japan. I Tie Kämpfe in Kiautscho«. | London, 5. Oktober. Aus Peking wird ' gemeldet: Die englischen Streitkräfte unter I General Barnardiston setzen mit großer Ener­ gie den Angriff auf Kiautschou fort. Die ' deutschen Truppen zogen sich auf Tsingtau f selbst zurück, dessen Forts Tag und Nacht ! tätig sind. Das Feuer ist besonders gegen die japanischen Stellungen gerichtet. Deutsche • Flugzeuge versuchten wiederholt japanische Kriegsschiffe durch Bomben zu zerstören. Die : Engländer und Japaner treffen Vorbereitun­ gen zu einem entscheidenden Vorstoß gegen Tsingtau. ────────── Diese nächtlichen Operationen gehören un­ streitig zu den schwierigsten Aufgaben der Kriegsführung; stellen sie doch an die Nerven der Mannschaft wie der Führer ganz außer­ ordentliche Anforderungen. Nur nach sorg­ fältigster Vorbereitung im Frieden werden die Soldaten sich dieser Aufgabe gewachsen zei­ gen. Da kommt es vor allem darauf an, Auge und Ohr des Einzelnen nach Möglichkeit zu schärfen. Jeder weiß, aus Erfahrung, wie im Dunkel der Nacht alle Gegenstände ihre Ge­ stalt seltsam verändern, und wie schwer die Abschätzung der Entfernungen wird. Ein harmloser Baumstamm nimmt plötzlich wie durch Zauberkraft menschliche Form an; fried­ liche Waldtiere werden fälschlich als feind­ liche Vorposten angesehen usw. Deshalb mutz das richtige Erkennen der Dinge auch in nächt­ licher Umgebung immer wieder und wieder ge­ übt werden. Ebenso wichtig ist die Schulung des Gehörs. Die Soldaten müssen daran ge­ wöhnt werden, die Geräusche, die durch die Stille der Nacht zu ihnen dringen, schnell -und richtig zu deuten. Es bedarf dabei lang­ wieriger Bemühungen, bis die Leute so weit find, daß sie das Nahen des Feindes hören und auch einigermassen seine Stärke aus dem vernommenen Geräusch berechnen können. Da wird dann auch das alte Mittel angewandt, das wir alle aus der Zeit kennen, als wir noch Jndianergeschkchten lasen. Das Ohr wird lauschend an den Boden gelegt, der alle Geräusche gut übermittelt und zwar umso bes­ ser, je fester er ist. Das Hauptgebot beim Heranrücken an den Feind ist aber, kei,nen Lärm zu verursachen, der dem Gegner Stellung und Annäherung verraten würde. Im Flüstertöne nur darf man mit dem Nachbarn das dringend Nötige sprechen, und die Mannschaft darf nicht etwa so handeln, wie es kürzlich eine Kompagnie junger Kriegsfreiwilliger - getan hat, die zur Nachtzeit ins freie Feld vor ihrer Garnison geführt wurde. Was taten diese frisch aus dem Zivilstande gekommenen Soldaten, als ihnen befohlen wurde, auf einen fingierten Feind loszugehen? Mit kräftigem Hurra, das laut durch die Stille der Nacht dröhnte, stürmten sie über den Srürzacker und waren recht erstaunt, daß sie für ihr tapferes Ge­ schrei nichts weiter ernteten, als — einen tüch­ tigen Rüffel von ihrem Vorgesetzten. Tie größte Gefahr bei den nächtlichen Märschen besteht aber darin, daß nur zu leicht die eigenen Truppen dabei beschossen werden, besonders wenn es sich um größere Massen han­ delt, die in Bewegung sind. So haben z. B. im Jahre 1870 die Franzosen einmal den ihrigen schwere Verluste beigebracht, und zwar bei Beaume-la-Belande. Ein deutsches In­ fanterieregiment konnte bei Point-du-lour das Feuer seiner Kameraden nur dadurch abweh­ ren, daß das Regiment mit dem Aufgebot aller Lungenkräfte die "Wacht am Rhein" zu singen begann. Deshalb ist es ein Gebot der Notwendigkeit, möglichst weit sichtbare Ab­ zeichen zu tragen. Diese bestehen meist in einer breiten weißen Binde am Arm, in wei­ ßen Fahnen, im Aufschlagen eines Rockärmels und dergleichen. Auch wird ein Losungs­ wort gegeben, Das für den Feind möglichst schwer nachzuahmen ist. So soll z. B. bei einem Nachtgefechte, das zu Anfang dieses Krieges im Elsaß stattfand, die deutsche Pa­ role "Kartoffelsuppe" gewesen sein, ein Wort, das für den Franzosen unaussprechbar und außerdem sinnlos ist. Ter Führer hat beim nächtlichen Kampfe die unendlich schwierige Ausgabe, seine Truppen in Ordnung zusammen zu halten, was besonders dadurch erschwert wird, daß keine lauten Kommandos gegeben werden dürfen, sondern daß der Befehl leise von Mann zu Mann weiter lässt, wodurch naturgemäß leicht Verzögerungen und Miß­ verständnisse vorkommen. Selbstverständlich können die Truppen nicht auf das Geratewohl losmarschieren. Am Tage zuvor werden besonders gewandte Leute, die die Gegend genau kennen, als Patrouillen zur Erkundung des Weges vorausgeschickt. Diese haben die schwere Aufgabe, sich in gedeckter Stellung möglichst nahe an den Feind heran­ zuschleichen und ihren Weg dann durch ein vorher bestimmtes Zeichen, z. B. durch Ein­ stecken oder Umknicken von kleinen Zweigen und Aesten, durch Umwinden der Baumstämme und Sträucher mit weißem Band, durch Auf­ stellen von Strohbündeln und ähnlichem deut­ lich und doch unauffällig zu markieren. Zu­ weilen werden auch Richtposten zurückgelassen. Auf dem so bezeichneten Wege dringen dann Truppen lautlos vorwärts, bis sie glücklich bei der Stelle angelangt sind, von der aus sie bei Tagesanbruch den Feind von neuem be­ schießen wollen. Tort gräbt sich die Infan­ terie ein, um gegen das feindliche Feuer Deck­ ung zu haben. Auch hierbei ist natürlich geräuschloses Arbeiten die erste Bedingung. Aber nicht immer gelingt es, die gewünschte Steilung zu besetzen, ohne vom Feinde be­ merkt zu werden. Tenn auch der ist auf seiner Hut und sucht mit Scheinwerfern verdächtigies Gelände ab. Dann haben sich die Soldaten dem Erdboden möglichst unsichtbar anzuschmiegen, und sie bleiben regungslos lie­ gen, bis der tückische Schein weitergezogen ist. Vielleicht benutzt aber auch, der Feind die nächt­ lichen Stunden zum Vorrücken, und so kommt es denn bei diesen Nachtmärschen sehr häufig zu Nahgefechten, in dem als Hauptwaffe das Bajonett zu sprechen hat. Darum werden Nachtgefechte auch immer am grausigsten sein; denn hier stehen sich die Feinde Mann gegen Mann gegenüber, und die ganze Wildheit.des [ Krieges kommt int erbitterten Handgemenge zum Ausdruck. Noch mehr als im Fernkampf entscheiden im nächtlichen Nahgefechte die per­ sönliche Tapferkeit und die frische Entschluß­ fähigkeit des Einzelnen. ────────── pathie haben, Herr Doktor," flüsterte sie, "und ich, kann es nicht leugnen, daß auch Sie mir nicht ganz gleichgültig sind." "Wirklich?" rief er mit freudiger Hoff­ nung, jedoch sie fuhr schon dumpf fort: "Aber wohin sollte das führen! Ich selbst darf keinen Augenblick daran denken, über meine Person zu verfügen. Ich habe ganz andere, ganz andere Verpflichtungen, heilige, die mein ganzes Spin und Denken in An­ spruch nehmen. Aber damit Sie sich nicht etwa eine falsche Meinung bilden, so hören 'Sie: Siefer Mann da" — sie deutete auf die Photographie — "ist mein und meiner Mutter ärgster Feind!" "Ah!" "Ja, Sie wundern sich! Und Sie werden sich noch mehr wundern, wenn ich Ihnen sage, daß ich ihn an jenem Abend bei meinem Onkel zum erstenmal gesehen habe!" Sprachlos blickte sie der Arzt an; das ging über seine Fassungsgabe, die Angelegenheit wurde immer dunkler und verwickelter. Sie merkte, was in ihm vorging und fuhr fort: "Kommen Sie, ich werde Ihnen in unserer, von meinem Großvater, dem Oberst, überkom­ menen Waffensammlung noch etwas anderes zeigen!" Dabei erfaßte sie einen Handleuchter, der aus einem Tischchen stand, und ging ihm voraus, er voll widerstreitender Gedanken und Empfindungen hinterher. Sie öffnete am ent­ gegengesetzten Ende ein einsaiy liegendes Zim­ mer und ließ ihn eintreten. Als sie das elek­ trische Licht entzündet hatte, sah er sich in einem von Waffen und Hirschgeweihen ange­ fülltem Raum. Sogar in den Ecken lagen noch alte Pistolen und Dolche aufgestapelt. Ueber s einem ledernen Sofa befanden sich zwei gleichü große Bilder nebeneinander, mit einem gemein! saniert Trauerflor darum. Das eine stellte, wie der Arzt auf den ersten Blick 'begriff, den alten Herrn aus dem andern Zimmer vor, den er mit Recht als den Vater Evelines be­ zeichnet hatte. Und der andere? Es war ein junger, bildschöner Mann von künstlerischem Aussehen, mit lebenslustigen Augen und keckem Schnurrbärtchen, der mit der Geliebten eine unverkennbare Aehnlichkeit hatte. "Ja, sehen Sie sie nur an!" sagte sie zitternd, "das sind meine geliebten Toten — und jener andere —" fügte sie leidenschaftlich, mit erhobener Stimme hinzu, "ist ihr Mörder!" "Was sagen Sie da?" entgegnete er be­ stürzt. - . f. (Fortsetzung folgt.} , .. ^ Sie ging direkt darauf zu und- zeigte ans ihn. "Kennen Sie den?" fragte sie. "Don Jose de Oliveiro." "Aha, Sie haben sich sein Bild gut einge­ prägt. Sie standen in meiner Nähe, als ich seine Aufforderung züm Tanz ablehnte?" "Jawohl, ich habe alles mit angehört." "Und verlangen Sie nicht, zu wissen, wes­ halb dieses Bild sich auf meinen Schreibtisch befindet?" "Dazu habe ich wohl kein Recht." "Und wenn ich Ihnen dieses Recht ein­ räume?" Sie trat dicht an ihn heran und blickte von unten herauf schräg zu ihm empor. Ihm wallte es heiß durch die Adern bei diesen.seltsamen Worten, am liebsten hätte er sie in seine Arme geschlossen und ihre Rede nach seiner Art gedeutet, hätte gerufen: "Also Du räumst mir dieses Recht ein? Nun wohl, ich nehme es dankbar an und schwöre, daß ich dich beschützen will, daß. ich dich höher halten will als mein eigenes Leben!" Aber er wagte es nicht, so war es auch wohl von ihrer Seite nicht gemeint. "Wie soll ich das verstehen?" fragte er ungewiß. "Ich weiß, daß Sie für mich große Shm- ────────── Tages-Uebersicht. Dem Generalobersten v. Hindenburg sind zu seinem Geburtstage so viele Glückwünsche zugegangen, daß er nur durch die Presse dan­ ken kann. Die internationale Friedenskonferenz im Haag 1915 fällt au§. Tie baltische Ausstellung in Malmö ist am Sonntag in Gegenwart von 60 000 Men­ schen eröffnet worden. Neue österreichische Briefmarken. Seit letzten Samstag gibt tue önerreichhche Postverwaltung neue Freimarken zu 5 und 10 Heller aus, die auch für den Verkehr von Oesterreich nach Bayern gelten. Die neuen Wertzeichen unterscheiden sich von denen der bisheiigen AuSaabe nur dadurch, daß zwischen dem Bildnis des Kaisers Franz Joses und der Wert­ angabe die Jahreszahl 1914 mit Blattverzierungen angebracht ist und die Marken infolgedessen größer sind. Ein starkes Erdbeben suchte die Städte Bundur und Sparta im türkischen VilajetKonia in Kleinasien heim. Es sollen 2500 Men­ schen dabei umgekommen sein. Kämpfe in Albanien. In Jschtip kam es zwischen Einwohnern und serbischen Gendarmen zu einem blutigen Zusammenstoß, da die Einwohner 'sich wei­ gerten, sich in die serbische Armee einreihen zu lassen. Zahlreiche Familien fliehen nach Strumitza. ────────── Bayerische Nachrichten. Tie bayer. Verlustliste Nr. 22 weist 620 Namen auf und zwar tot 91, schwer ver­ wundet 163, leicht verwundet 296, vermißt 69 und gefangen 1. ────────── Puttinger aus Malching, BA. Griesbach, l. v., l. Arm; Franz Zwieselsberger aus Kleberg, BA. Griesbach, verm. 4. Chevauleger-Regiment, Augsburg. Die Verlustliste dieses Regiments enthält folgende Namen aus Niederbayern: 1. Eskadron. Chevauleger Wolfgang Grebler aus Saladorf, BA. Kelheim, s. v., Brust. 2. Eskadron. Gefreiter Albert Obermeier aus LauterHam, BA. Griesbach, verm. Chevauleger Josef Spanrad aus Seys­ dorf, BA. Mainburg, l. v., Gesäß.; Jvh. Goß aus Neukelheim, BA. Kelheim, s. v., Lunge. 3. Eskadron. Chevauleger Alfons Tanner aus Großenpinning, BA. Landau a. I., l .v. 8. Chevauleger-Regiment Dillinge«. 1. Eskadron. Chevauleger Franz Bauer aus Wotzmannsreuth, Ndb., s. v., r. Arm. 2. Eskadron. Gefreiter Johann Dallmeyer aus Allers­ dorf, Ndb., l. v., Hals. 4. Eskadron. Die Chevauleger Joses Gegenfurtner aus Deggendorf, Ndb., verm.; Ludwig Stockinger aus Aßberg, Ndb., verm.; Martin Schillinger aus Laberweinting, Ndb., tot; Sebastian Berg aus Baierbach, Ndb., tot. 2. Feldartillcrie-Regiment, Würzburg. Die Verlustliste enthält keine Nieder­ bahern. Pionier (Kraftwagenkolonne) G. Meischle aus Hagenau, BA. Ueberlingen, tot. Jäger d. Res. Franz Xaver Meyer aus Landsberg, Obb., verm. 1. Schwere Reiter-Regiment, München. 1. Eskadron. Einj.-Freiw. Gefreiter Ernst Jonas aus Köln a. Rh., Preußen, verm. Die Reiter Franz Paulus aus Nieder­ weiler, Preußen, verm.; Johann Bader aus Jettingen, Schw., f. v., Bauch; gest. 5. 9. 14; Johann Schah fl aus Ammerfeld, Schw., s. v., Lungenschuß; Sebastian Fischer aus Weichering, Obb., l. v., I. Bein; August Heinzinger aus Freising, Obb., l. v., Brust; Ludwig Stau­ dinger aus Bonbruck, Ndb., l. v., l. Schulter; Eduard Pfeiffer aus Polling, Obb., verm. 2. Eskadron. Fahnenjunker Wilhelm Freiherr v. Gropper aus Nürnberg, tot. Sergeant Johann Mayer aus Rennertsihofen, Schw., l. v., Bein. Die Reiter Georg Haas aus München, tot; Josef Gastbihl aus Zusmarshausen, Schw., s. to., Kopf und Schulter; Josef Bader aus Mit­ tenwald, Obb., l. v., l. Arm. 4. Eskadron. Die Reiter Josef Mayer aus Kreuth, s. to., l. Bein; Hermann Richter aus Plötzkau, Preußen, verm. 5. Eskadron. Einj.-Freiw. Gefreiter Hirsch aus Metzingwerk, Preußen, verm. Die Reiter Georg Hummel aus Schwab­ soien, Schw. tot; Emil Egger aus Zimmetsihausen, Schw., s. v., r. Bein: Daniel Daniel aus Fahlenbach, Ndb., verm.; Leonh. Schwing­ hammer aus Hechendorf, Abb., verm. 1. Nlancn-Regiment, Bamberg. Tie Verlustliste enthält keine Niedertoayern. 2. Nlanen-Regiment, Ansbach. Tie Verlustliste enthält keine Niederbahern. 3. Chevauleger-Regiment, Tieuze. Die Verlustliste dieses Regiments enthält folgende Namen aus Niederbahern: 2. Eskadron. Chevauleger Franz Obermeier aus Groß? görgen, Ndb., l. v. 3. Eskadron. Chevauleger d. Res. Michael Hackelsberger aus Arecking, BA. Kelheim l. v. 4. Eskadron. Chevauleger Josef Bubenhofer aus Goben, BA. Dingolfing, verm. 5. Eskadron. Tie Chevaulegers Michael Ziermeier aus Neuhaus, BA. Passau, s. v., Bauch; Georg ────────── Verlustliste Nr. 22. 19. Infanterie-Regiment, Erlangen. Die Verlustliste dieses Regiments enthält folgende Niederbahern: 12. Kompagnie. Infanterist Josef Fleischberger aus Fron­ tenhausen, Ndb., s. v. Reservc-Jnfanteric-Regiment Rr. 6, Fürth. Die Verlustliste enthält keine Nieder­ bayern. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Gefallene, verwundete und vcrmiißte Nicderbahern in außerbayerischen Verlustlisten: In der preußischen Verlustliste Nr. 40 sind folgende Namen von Niederbahern enthalten: Res.-Jnf.-Regt. Nr. 82, Gotha, 3. Batail­ lon, 12. Kompagnie: Res. Joh. Huber aus Eggenfelden, vermißt. — Jnf.-Regt. Nr. 160, Bonn, 1. Bataillon, 2. Kompagnie: Gefreiter Max Maas aus Landshut, leicht verwundet. — In der Württembergischen Verlustliste Nr. 21, Jns.-Regt. Nr. 127, Ulm, 1. Bataillon, 2. Kompagnie: Musketier Hans Bacher aus Deg­ gendorf, leicht verwundet. — Maschinengewehr­ kompagnie: Leutnant Maximilian Morneburg aus Passau, leicht verwundet. — In der säch­ sischen Verlustliste, Jns.-Regt. 106, 5. Komp.: Soldat Josef Varmeier aus Straßkirchen, Ndb., vermißt; 10ö Kompagnie: Gefreiter Eugen Hop­ fensberger aus Landshut vermißt. Niederbahern in der Marine-Verlustliste: 2. Werftdivision, 2. Abteilung, 1. Kompagnie: Heizer Johann Bauer aus Albach, BA. Kel­ heim, vermißt. — 2. Seebataillon: Gefreiter Friedrich Biller aus Regen, leicht verwundet. — Zivilbesatzung von Hilfsschisfen: Heizer Fer­ dinand Reitberger aus Kieflitz bei Deggendorf, vermißt. ────────── Wirtschaft vielfach mit Verkäufen zurückhält. Hierzu kommt, daß. in manchen Gebieten sogar Vorschriften an die Landwirte ergangen sind, einen gewissen Teil des Ertrages nicht zu verkaufen. Auch das Vorgehen einzelner Städte, den Handel an sich zu ziehen, hat preis­ steigernd gewirkt, da hierin allgemein eine Schwierigkeit der Erlangung von Ware er­ blickt wird. — Um einer ungesunden Preis­ steigerung vorzubeugen und preisausgleichend zu wirken, hat der Teutsche Kartoffelgroße Händler-Verband in Düsseldorf eine zweckent­ sprechende Einrichtung geschaffen. Er läßt an die in den verschiedenen Teilen des Reiches wohnenden Verlader von Kartoffeln die Bitte, ergehen, anzugeben, in welchen Gegenden je­ weils besonders preiswerte Ware zu haben ist, damit dies den in Betracht kommenden Abnehmern, vor allem im industriellen We­ sten, zur Kenntnis gebracht werden kann. Diese Maßnahme ist zweifellos geeignet, einer Ver­ billigung der Speisekartoffeln zu dienen. —* Einen Eisenbahnfahrplan mit der Zeitangabe für ankommende und abgehende Züge in Landshut legen wir heute für unsere Abonnenten bei. —* Unfall. Dem Mechanikerlehrling Jo­ sef Kiermeier hier sprang gestern während der Arbeit ein Eisensplitter ins Auge, das schwer verletzt wurde. Der Verunglückte wurde so­ fort in die Tr. Leonhardtsche Augenklinik ver­ bracht. Durch die schnelle ärztliche Hilfe dürfte das Auge erhalten bleiben. —* Eine Sa ni tätsw ach e wurde seit Samstag am hiesigen Bahnhöfe eröffnet. Die Wache, welche täglich von halb 7 Uhr abends bis 1 Uhr nachts mit drei Mann der hies. Freiw. Sanitätskolonne besetzt ist, hat die Auf­ gabe, einzeln ankommende Verwundete zur Stadt zu verbringen. —* Ein P i l g e r z u g der Marianischen Kongregation nach Altötting findet am Sams­ tag und Sonntag (24. und 25. Oktober) statt. Die Wallfahrt sollte schon am 10. und 11. Oktober abgehalten werden, mußte jedoch aus bahntechnischen Gründen verschoben werden. —* Abgabe von Arbeiterkarten. Die Eisenbahnstationen sind in einzelnen drin­ genden Fällen berechtigt, Arbeiterkarten an anderen Tagen als in den Bestimmungen vor­ gesehen, auszugeben und zu gestatten, daß Ar-' beiterkarten an anderen als den hierfür be­ stimmten Tagen benützt werden. Zu diesen Fäl­ len gehört auch die unregelmäßige Beschäfti­ gung von Arbeitern zu Kriegszeiten. —* Alle Ansichtskarten, welche auf den Krieg oder auf Heeresangelegenheiten be­ zügliche Abbildungen enthalten, müssen, be­ vor sie zur Verbreitung kommen dürfen, von den Verlegern bzw. den Truckern dem K. Kriegsministerium — Pressereferat — zur Prü­ fung vorgelegt werden. Tie Auslagen der Geschäfte, die Ansichtskarten führen, werden daraufhin überwacht, daß anstößige und ge­ schmacklose Ansichtskarten jeder Art nicht aus­ gestellt werden. Alle Karten müssen in Zu­ kunft Name und Wohnort des Verlegers tra­ gen. —* Der Zweigverein Lands Hut des Bayerischen Frauenvereins vom Roten Kreuz hat den mobilen Transportzug Nr. 2 und den mobilen Begleitzug Nr. 7 der freiwilligen Sa­ nitätskolonne anläßlich des Ausmarsches mit Wäsche, wollenen Decken, Zigarren, Rauchtabak und andere Liebesgaben reichlich beschenkt. Hiefür erstattet die Kolonnenführung öffentlich wärmsten Tank. —* Tie Sch lußübung der Freiw. Feuer­ wehr Landshut findet am nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr statt. —* 3u Gunsten der Berufs musiker die durch den Krieg schwer in ihrem 'Fort­ kommen geschädigt sind, veranstaltete am Sonn­ tag die Kapelle Jsartaler im Hotel Bernlochnersaal ein Konzert, das gut besucht war. Der Dirigent der Kapelle, Herr Fronauer, hatte ein gediegenes patriotisches Programm zusammengestellt, das den ungeteilten Beifall des zahlreichen Publikums fand. —* Eine neueHerb st quelle, das Mär­ zenbier der Brauerei Sebald, hat am Sonntag zu fließen begonnen und hatte sich eines guten Zuspruches zu erfreuen. ────────── kirche, wodurch jenes stimmungsvolle mystische Halbdunkel entsteht, das einen Hauptreiz katho­ lischer Kirchen ausmacht. Hier ist die Grab­ stätte von Peter Paul Rubens, und ein Altar­ bild von seiner Meisterhand, das die Madonna mit dem Kinde und zwei Heiligen darstellt, zeigt ganz die charakteristische leuchtende Wärme seiner Farben. Der ältere Vaghemaker verstand aber nicht nur Kirchen zu bauen, er setzte sich auch ein unvergängliches Denkmal in der Fleischhalle der Schlächter­ gilde. In seiner vornehmen Pracht erinnert dieses großartige "Vleeschhuis" an die Zeit, in der die Handwerkergilden die allmächtigen Herren von Antwerpen waren. Heute liegt der köstliche Bau eingeklemmt zwischen die engen, schmutzigen Straßen der Altstadt. Nicht weit entfernt vom "Vleeschhuis" stehen aus dem stattlichen Grotemarkt mehrere alte, prachtvolle Gildehäuser, die meist aus dem 16. Jahrhundert stammen und zum Teil stil­ gerecht restauriert worden sind. Das schönste davon ist wohl das Haus der Schützengilde, das am Giebel den Ritter St. Georg zeigt, der mit fester Hand sein wildes Roß bän­ digt. Daß. der jüngere Vaghemaker der würdige Sohn seines Vaters war, beweist die Börse, die er im Jahre 1531 erbaute, und die in der ; Neuzeit nach den alten Plänen renoviert worj worden ist. Diese Börse, die erste in ganz I Europa, ist eine mächtige, glasgedeckte Halle, in reichstem maurisch-gotischem Stil. Von wun­ derbarer architektonischer Schönheit ist beson­ ders die auf 38 schlanken Säulen ruhende Galerie, die sich rings um die viereckige Halle zieht. Cornelius de Vriendt aber schenkte Antwerpen das im Renaissancestil erbaute Stadthaus. Zwar kann es sich an Schöni heir nicht mit dem von Löwen messen, aber i es macht durch seine vornehme Linienführung z I einen sehr nachhaltigen Eindruck, der durch I • den schönen Giebel des Mittelbaues noch ver- | | stärkt wird. In der obersten Nische des Gie- : S bels steht eine aus dem letzten Jahrzehnt des j j 15. Jahrhunderts stammende Statue der Mut- | I ter Gottes, die die Schutzpatronin von Antwer- ! ; pen ist. j Ein für die Geschichte der Stadt sehr' ( ’s charakteristisches Gebäude ist das Museum i l Plantin-Moretus. Das Museum, das seit dem I Jahre 1876 nach dem Tode des letzten Mo- , | retus dem Staat gehört, ist das einstige Wohn{ Haus des weltberühmten Buchdruckers und Veri legers Plantin, der seinem Schwiegersohn MoI retus die Fortführung seines Lebenswerkes | überließ. Sorgsam behütet im Sturm der I Zeiten, versetzt uns dieses Haus in seiner gan- zen Gestalt in das 16. Jahrhundert. Diener in spanischer Tracht von braunem Tuch, mit Barett und Schnallenschuhen, die hier als Auf­ seher ihres Amtes walten, passen stimmungs­ voll in diesen mittelalterlichen Rahmen. Als dauernde graphische Sammlung hat das Plantin-Moretus-Museum nicht seinesgleichen. Kost­ barste Handschriften aus dem Mittelalter, die frühesten Jncunabeln und die wundervolle Bibliothek, von Plantin selbst zusammengeftellt, lassen den Besucher aus dem Staunen nicht herauskommen. Die Räume, in denen die Bücher aufgestellt sind, entsprechen in ihrem ganzen Mobiliar der Zeit, in der die Bücher gedruckt wurden. Noch ein köstliches Vermächtnis aus längst vergangenen Tagen ziert Antwerpen. Das ist "Het-Steen", die alte Burg von Antwerpen, deren Geschichte bis ins zehnte Jahrhundert zurückgeht. Hier hauste einst die spanische Inquisition und hinterlies als Merkmal ihrer verabscheuenswürdigen Tätigkeit eine Unzahl von Folterwerkzeugen. Die Burgkapelle und einige Verließe sind noch gut erhalten, der übrige Bau ist in altertümlichem Stile ergänzt worden. Dicht an der Schelde gelegen, bringt diese alte Burg eine romantische Note in das kaufmännische Bild der großen Handelsstadt, um deren Wälle heute die Kriegsfurie tobt. ────────── Letzte Posten. Kanadische Truppen in Frankreich. Frankfurt, 6. Oktober. Die "Frks. Ztg." ! meldet aus Genf: Aus Havre wird dem "Jour- j nal de Geneve" gemeldet, daß die Landung kanadischer Truppen bevorstehe. Offiziere sowie | Unteroffiziere seien bereits in Nordfrankreich ] angelangt, um die Operationen zu organisie- I Ten. I Japanische Truppen in Rußland? Kopenhagen, 6. Oktober. (Nichtamt­ lich .) "Politiken" erfährt von einem glaubwürdiigen Dänen von Dünaburg, daß. dort am 26. September sich mehrere Militärzüge mit japanischen Truppen befanden. Eisenbahnbeamre erzählten ihm, daß bis zum 26. Septem­ ber insgesamt 160 Züge zu je 35 Waggons von Wladiwostock angekommen seien. Russische Offiziere bestätigten diese Mitteilung und füg­ ten hinzu, die Japaner seien für Wilna be­ stimmt, wo sich das russische Hauptquartier befinde. Nach Aussage der Offiziere kommen bis aus weiteres täglich 15 Züge an. Die Gesamtzahl der erwarteten Japaner beläuft sich auf 150 000. ────────── Handel und Verkehr. Larröshut, 2. Okt. (Viktualienmarkt.) Der heutige Viktualienmarkt war sehr gut bestellt. 13-14 Stück Eier erhielt mau um 1 Mk., das Pfund Rindschmalz kostete im Großverkauf 0,98 bis 1,00 Mk., im Kleinverkauf 1,03 bis 1,05 Mk., Landbutter 1,20—1,30 Mk., Molkereibutter 1,20 bis 1,30 Mk., Schweinefett 0,80-0,85 Mk., junge Hühner 1,20—1,40 Mk., "alte Suppenhennen 1,30—1,60 Mk., fettere und Hahnen 1,80—2,20 Mk., Tauben per Stück 40—50 bl, Indian — Mk., Kapaunen — Mk., Lämmer — Mk, Kitze — M!., Gänse geputzt 3,50 bis 5,00 Mk , Enten geputzt 2,00—3,40 Mk., Ente» lebend 2,20—3,40 Mark, Landhonig per Liter — Mk., Wildbret: Rehfleisch per Pfund 0,60 bis 1,20 Mk., Hafen 2.00—3,20 Mark, Fasanen 1,00-1,80 Mk., Wildenten 1,40 Mark, Halbenten 0,50 Mark, Reb­ hühner 0,50—0,85 Mk., eßbare Schwämme, sehrwenig vorhanden, per kleines Teller 20 bis 50 dl.; Obst und Gemüse, täglich viel vorhanden, haben unwesentliche Preisveränderungen gegenüber der Vor­ woche erfahren; Weißkraut per 100 Köpfe 5—8 Mark, Weißrüben per 20 Liter 40 bis 50 dl., Kartoffel 0,90 bis 1,10 Mark. Landau a. Js., 2. Okt. (Monatsviehmarkt.) Zugetrieben 144 Stück Großvieh. — Pferde, 329 Stück Spanferkel. Preise: Ochsen 243 bis 480 JC, Stiere 180 bis 322 JC, Kühe 176 bis 289 JC, Pferde — bis — JC, Span­ ferkel 12 bis 22 JC- Handel bei Großvieh flau, Spanferkel lebhaft. München, 3. Okt. (Getreidewochen­ bericht von Bauer und Zeckendorf.) Da auch in diesem Wochenverlaufe der Drusch nicht allgemein eingesetzt hat, war das Ausgebot weiterhin kein großes. Die Preise waren deshalb höher ge­ halten und bezahlte man auf heutigem Markte ohne daß größere Umsätze zustande kamen: für Weizen 13.40—13.75 Mk., Roggen 11.25 bis 11.65 Mark, Hafer 10.75—11.20 Mark, Gerste 10.00-11 00 Mk. per 50 Kilo ab bayer. Stationen. ────────── Der Krieg. ────────── Vom französischen Kriegsschauplatze. Auf dem rechten Flügel in Frankreich wurden *ie Kämpfe erfolgreich fortgesetzt.