<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1914-05-13"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
        </availability>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">67. Jahrgang Nr. 130</biblScope>
          <date when="1914-05-13">1914-05-13</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <editorialDecl>
        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
        <segmentation>
          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
        </segmentation>
        <correction status="low" method="silent">
          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
        </correction>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
        </p>
      </projectDesc>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <pb n="1"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Die Lage in Mexiko. wird immer bedrohlicher. Auf der Grube El Farvor im Staate S a l i s k o wurden mehrere Ausländer ermordet oder verwundet. In San Marcos wurde ein Engländer vom Pöbel in den Straßen der Stadt ermordet. Die Lage der Ausländer in Tampico wie in der Hauptstadt Mexiko gilt als äußerst gefährdet, da die entfesselten Leidenschaften der niederen Volksschichten das Schlimmste befürchten lassen. Weitere Meldungen besagen: Huerta zum Kampfe entschloffen. Nach zuverlässiger Information ist Huerta, entgegen allen Washingtoner Meldungen, fest ent­ schlossen, bis zuletzt für feine Stel­ lung zu kämpfen. Die Frage, was unter diesen neuen Umständen der Hauptstadt Mexiko bevorsteht, wenn sie den Rebellen in die Hände fallen sollte, erregt hier immer liefere Besorgnis, zu­ mal die ameiikantjche Regierung trotz aller dringen­ den Vorstellungen ihrer militärischen Berater noch immer nichts tut, um General Funston die für den.Notfall erforderlichen Verstärkungen zu schicken. Eine Meldung der "Central News" betont die große Rolle, die der britische Gesandte gegenwärtig in der mexikanischen Hauptstadt spielt. Die von anderer Seite gebrachte Meldung von der Einnahme S a l tillos und Tampicos durch die Rebellen ist falsch. Beerdigung der Gefallenen von Beracruz. New-Aork, 13. Mai. Hier wurden am Montag die vei Veracruz gefallenen 17 amerikanischen Seeleute beerdigt. Auf der Marinewerft empfing Präsident Wilson den Zug unbedeckten Hauptes und hielt in großer Bewegung eine Rede, in welcher er u. a. sagte: Wir find nach Mexiko gegangen, um der Menschheit zu dienen. Wenn wir einen Ausweg finden, wünschen wir nicht, mit den Mexikanern zu kämpfen, sondern wir wünschen, ihnen zu dienen.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="2"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>tot. Ebensoviele wurden nach dem Kranken­ hause vom Acireale überführt, 400 sind in die benachbarten Orte entflohen, und 100 viel­ leicht haben sich in den Weinbergen versteckt. Ich sah den Kaplan des Ortes vor seinem Hause, wie er dem aus dem Brunnen wasser­ schöpfenden Soldaten zusah. Der alte Priester, dessen Kopf zerschunden ist, und dessen sehr blutige Hände von den Anstrengungen zeugen, mit denen er sich aus den Trümmern befreite, steht gerade auf­ gerichtet und bewacht die Trümmer, die von seinem Hause geblieben. Hilfe von seinen Pfarrkindern hat er nicht zu erwarten. Sie sind alle entflohen. — Wir fahren weiter. Draußen auf freiem Felde steht ein Zelt. Es beherbergt eine Mutter, deren Kopf mit blutigen Tü­ chern umwickelt ist. Auf meine Frage, wes­ halb sie nicht nach dem Krankenhause gebracht wurde, antwortete die Tochter, daß sie das nicht wollte. Die Mutter wird wieder gesund werden; sie muß ja wieder gesund werden, weil sie nicht sterben kann, bevor sie ihren Sohn gesehen hat." "Und wo ist Dein Bruder?" frage ich. "Er ist Soldat, Herr." "Habt Ihr ihn denn benachrichtigt?" — "Daran werden die Herren schon gedacht haben", ist die Ant­ wort, die beweist, welch blindes Vertrauen die Bevölkerung zu der weitblickenden Vorsorge der Behörden hat.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>würde ich das als einen beglückenden Vertrau­ ensbeweis ansehen." Leonberg kreuzte nur die Arme über der Brust und erwiderte aufmunternd: "Bitte, spre­ chen Sie sich ruhig aus, Moritz". Brand atmetete schwer. "Wenn Sie jetzt fortgehen, jetzt £ ... . verlassen, Herr Professor, dann könnte man das als Flucht auffassen; dann sähe das so aus, als ob Sie nicht den Mut besäßen, den gegen Sie erhobenen Angriffen standzuhalten. Das ganze Gelichter von Gegnern und Fein­ den würde triumphieren und sich eines er­ rungenen Sieges freuen. Selbst diejenigen, die Ihnen einst freundschaftlich gesinnt waren, zie­ hen mit an dem Strick, der Ihnen in aller Stille um den Hals gelegt worden ist, Herr Professor, wie man zu sagen pflegt. Nein, um Gotteswillen, nein, Sie dürfen nicht fort, um Ihrer selbst, um unsert-, ja um aller der­ jenigen willen, die Ihnen in Treue, und Verehrung ergeben sind, Herr Professor. Ge­ rade auch die Majestäten, die Baronin Lortzing, die Oberhofmeisterin . .." Eine Blutwelle schoß Leonberg ins Ge­ sicht. "Man ist Ihnen am Hof sehr wohlgesinnt, Herr Professor. Erst heute, als von des Kö­ nigs Erkrankung die Rede war, erzählte mir ist abermals eine erhebliche Wendung zum Bes­ sern eingetreten. Die Temperatur ist befriedigend, die Nah­ rungsaufnahme zureichend. Bei anhaltender Kräftezunahme dürfte der hohe Patient be­ reits am morgigen Tage in der Lage sein, zum ersten Male für eine Stunde das Bett zu verlassen. Bulletins werden nicht mehr ausgegeben. Gezeichnet: Geheimer Obermedizinalrat v. Klausthal, Dr. Helbig. Professor v. Leonberg. Acht Tage waren seit jener Mittagsstunde vergangen, in der Winfried Leonberg auf Wunsch Ihrer Majestät ins Schloß gerufen worden war. Er hatte zunächst gar keine Gelegenheit gefunden, der hohen Frau für die ihm zuteil gewordene Auszeichnung zu danken; die Königin selbst chatte ihn nur Mit huldvollem Kopfnicken begrüßt — so ausschließlich beschäf­ tigte sie alle die Sorge um den hohen Kranken. Ihre Majestät namentlich war unermüdlich und wollte sich nicht die geringste Schonung aufer­ legen, so lange auch nur ein Schatten von Gefahr für das Leben des Königs bestand. (Fortsetzung folgt.) ein Kollege, daß . . ." Brand vermochte nicht zu vollenden — Hofmann kam wie ein Be­ sessener ins Zimmer gestürzt und meldete atem­ los: "Seine Exzellenz, der Herr Geheime Ober­ medizinalrat haben soeben angeklingelt und te­ lephoniert, daß Ihre Majestät die Königin den Herrn Professor aufs Schloß befehlen, um Sr. Exzellenz bei der Behandlung Sr. Majestät zur Seite zu stehen. Das königliche Automobil wird sogleich zur Stelle sein." Leonberg verharrte unbeweglich auf seinem Platz. Nur ein leises Zucken der Augenbrauen verriet seine innere Bewegung. Brand aber war wie elektrisiert aufge­ sprungen und mit dem Jubelruf: "Ja, ja, wir kommen — Sie sind ein Prachtkerl, Hofmann!" schob er den schmunzelnden alten Mann zur Tür hinaus. Gleich einem Lauffeuer ging die Kunde durch die Stadt: "Der König ist außer Ge­ fahr!" Und wenn noch ein Skeptiker dieser Botschaft Zweifel und Unglauben entgegen­ setzte, so mußte ihn die nachstehende Zeitungs­ notiz beruhigen, die tags darauf in den Mor­ genblättern erschien: Königliches Schloß, den 11. November 19.. abends, 8 Uhr. Im Befinden Seiner Majestät des Königs</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="3"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Bayerische Nachrichten. und der Stuttgarter LebenSversicherungSbani in Unter­ handlungen, um Staatsbeamten den Abschluß von Versicherungen zu erleichtern. Die Regierung ist be­ strebt, die Lebensversicherung in ihren verschiedenen Formen den weitesten Kreisen der Staatsbeamten möglichst zu verbilligen und zu erleichtern. Bertvendung der Wasserkräfte des Mains für Elektrizitätszwecke. Ein großzügiges Unter­ nehmen in der Versorgung mit elektrischer Energie ist von der Gemeinde Hanau angeregt worden, nämlich die Nutzbarmachung der Mainwasserkräfte und ihre Verbindung mit den Stauwerken des Wesergebietes. Es fand in Hanau eine Konferenz mit Vertretern von sechs Stadt- und Landkreisen der südlichen Teile des Regierungsbezirkes Kassel statt, um die Ver­ sorgung dieser sechs Kreise mit Elektrizität zu er­ wägen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Die Rote Kreuzsammluug wird heute Mittwoch in M ü n ch e n vorgenommen. Heute vor­ mittag durchzogen sämtliche Münchener Militärkapellen von 8—9 Uhr die Straßen der Stadt. Nachmittags von 4—6 Uhr findet an acht Plätzen Stand­ musik statt. Das Ergebnis der Roten Kreuzsammluug zugunsten der freiwilligen Krankenpflege im Kriege beträgt in Ansb ach 280220 Mk, Der Zentrumsführer, Abg. Held, ver­ neinte natürlich das Bedürfnis der Verhältnis­ wahl und meinte, diese würden zur Diktatur der Parteileitungen, zum absoluten Berufspar­ lamentarismus führen, und die Abgeordneten­ kammer zu einem reinen Standesparlament machen. Der Proporz würde die innere Auf­ lösung der politischen Parteien bedeuten. Abg. Eisenberger (Bbd.) erklärt, seine Parteifreunde könnten keinem Wahlgesetz zu­ stimmen, bei dem das flache Land zu kurz käme. Für den Antrag Casselmann werde er stim­ men, den Antrag der Sozialdemokraten lehne er ab. Der Minister des Innern Frhr. v. So­ den erklärte am (Schlüsse seiner Ausführungen, die nichts Neues boten, zur Zeit sei die Staats­ regierung nicht in der Lage, zu den Anträgen eine zustimmende Haltung einzunehmen. Abg. Dr. Süßheim sprach nochmals für die Notwendigkeit des Verhältniswahlsystems und meinte, die Gegner des Proporzes schrekken vor demselben nur zurück, weil sie auf Mandatszahlen zurückgedrängt würden, die ihrem Verhältnisse entsprechen würden. In der Schweiz Jei auch das Zentrum für den Proporz, weil er ihm dort zu Gute kommt. Die Weiterberatung erfolgt heute. Neue Arbeiten der amtlichen Statistik Bayerns. Das soeben ausgegebene Heft 2 der Zeit­ schrift des K. Statistischen Landesamtes, Jahr­ gang 1914 (I. Lindauersche Universitätsbuch­ handlung) bringt u. a. eine Arbeit, die die Häufigkeit von Uebertretungen (insbesondere wegen Bettels und Landstreicherei) in den ein­ zelnen Gegenden Bayerns an Hand der Ver­ urteilungen int Jahre 1912 schildert und auch durch graphische Karten veranschaulicht. Eine weitere kriminalistische Abhandlung berichtet über die Aufgaben und Leistungen der Polizei­ statistik in Deutschland und anderen Kultur­ staaten. Die Arbeiterstatistik ist vertreten durch Nachweise tibetr bctS Verbandswefen und Tarif­ verträge. Ferner enthält das neue Heft die endgültigen Ergebnisse der Viehzählung von 1913, die Polizeistatistik vom Jahre 1913, eine eingehende Darstellung über die Ergebnisse der Reichserbschaftssteuer in Bayern 1907—191 i, Nachweise über den Hhpothekenverkehr und das Genossenschaftswesen. Abgesehen davon be­ ziehen sich eine Reihe kleinerer Mitteilungen auf Verhältnisse in Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Verkehr, sowie int Schulwesen. üöifi Ei« Schwindler als städtischer Direktor. Der Kaufmann Bernhard Eisenhut aus Nürn­ berg hatte sich in O b e r h a u f e n (Rheinland) auf Grund gefälschter Zeugnisse und falscher Papiere die Stellung eines kaufmännischen Direktors der städtischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke verschafft. Eisenhut hatte in seiner Bewerbung angegeben, er sei Reserveoffizier in einem bayer. Infanterie-Regiment, und hatte ferner vorzügliche Zeugnisse mit dem Stempel des Magistrats der Stadt Kissingen vor­ gewiesen. So konnte es ihm gelingen, die Stellung in der Stadtverwaltung in Oberhausen zu erlangen. Trotz aller guten Zeugnisse merkte man jedoch bald, daß es mit der Tüchtigkeit Elsenhuts nicht weit her war. Die Stadtverwaltung in Oberhausen erkundigte sich darauf in Kissingen und bet dem InfanterieRegiment in Bayern nach Eisenhut, und man erfuhr, daß dieser an beiden Stellen vollständig unbekannt war. Als der Schwindler merkte, daß man ihm zu mißtraueu anfing, flüchtete er nach Düsseldorf, wo er gestern festgenommen werden konnte. Ein belgischer Militärballon inDeutschlanö gelandet. Vorgestern landete in der Nähe der Stadt Saarburg* ein Freiballon, der mit einem belgischen General und einem belgischen Offi­ zier bemannt war. Zur Bergung des Freiballons eilten Offiziere der Saarburger Garnison herbei. Im Offizierskasino des Feldartillerke'RegkmentS Nr. 15 nahmen die Luftschiffer das Mittagsmahl ein. Abends konnten die belgischen Offiziere, die am Samstag in Brüssel aufgestiegen und versehentlich die Grenze überflogen hatten, die Rückreise per Bahn antreten. Der Tob auf der Bühne. Während der letzten Aufführung der "Aida" in Stuttgart er Prinz Feröinanö Maria von Bayern, Jnfant von Spanien, hat sich mit der spanischen Hofdame Luise de Silva, Tochter des Grafen de C o n ch a, ersten Obersthofmeister der Königin-Witwe von Spanien verlobt. Die Hochzeit soll in Madrid im Oktober dieses Jahres in Anwesenheit des Königs gefeiert werden. Die Braut erhält einen neuen Adelsstand, wird aber den Jnfantinnen nachgestellt bleiben. Die Kammer der Abgeordneten beschäftigte sich in ihrer gestrigen Abendsitzung zunächst noch mit dem Kultusetat. Die angeforder­ ten Positionen für den katholischen, den prote­ stantischen und den israelitischen Kultus wur­ den fast ohne Debatte bewilligt, auch die frei­ willigen Staatsbeiträge in Höhe von 150 000 Mark für Kultusbauten fanden in der von der Regierung vorgefchlagenen Weise Genehmi­ gung. Bei der Abstimmung über den Gesetz­ entwurf der Regierung betreffend die Aende­ rung der Verfassung der Konsistorien Ansbach und Bayreuth enthielten sich bei der namentlichen Abstimmung die Sozialdemokra­ ten, obwohl sie im Saale verblieben, der Stim­ me, es wurden daher die zur Dreiviertels­ mehrheit vorgeschriebenen 109 Stimmen nicht erreicht. Dem Präsidenten blieb bei dieser Sachlage nichts anderes übrig, als die Abstim­ mung auf morgen zu verschieben. Er gab aber zugleich einen deutlichen Hinweis, daß es un­ statthaft sei von einem Abgeordneten, sich der Stimme zu enthalten, wenn er persönlich im Saale anwesend sei. Bayerisches Staatsschuldbuch. Am 1. Mai 1914 bezifferten die Eintragungen in das Baye­ rische Staatsschuldbuch 299,3 Millionen Mark. Von der vierprozentigen Schuld sind 89,2 Mil­ lionen Mark, von der 3,6prozentigen 206,2 Millionen Mark und von der dreiprozentigen 3,9 Millionen Mark eingetragen. Unter den eingetragenen Gläubigern befinden sich 951 na­ türliche Personen, 797 juristische Personen, 11 Handelsfirmen, 100 Vermögensmassen und 3 Fideikommisse. Von diesen Gläubigern haben 1595 ihren Wohsitz in Bayern, 262 im übrigen Deutschen Reich und 5 int Auslande. Die Buchschuld beträgt jetzt annähernd 13,5 Pro­ zent der eintragungsfähigen Staatsschuld. Die Frühjahrsstaraöe der Münchener Garnison vor dem Königs wird am 26. Mat vor­ mittags 10 Uhr auf dem nördlichen Teil des Exer­ zierplatzes Oberwiesenfeld stattfinden. Die Privatverficherungen «nd die Bayer. Staatsverwaltung. Die bayerische Regierung steht mit vier Versicherungsgesellschaften, die in Bayern ihren Sitz haben, sowie mit der Gothaer Die Verhältniswahl. Gestern standen in der Abgeordnetenkam­ mer die Anträge der Liberalen und Sozialde­ mokraten auf Einführung der Verhältniswahl in Bayern zur Beratung: Der Antrag Segitz (Sozi) lautet: Die Staatsregierung sei zu ersuchen, dem jetzt ver­ sammelten Landtag den Entwurf eines Land­ tagswahlgesetzes vorzulegen, das allen volljäh­ rigen Bayern ohne Unterschied des Geschlechts das Wahlrecht nach dem Grundsätze der Ver­ hältniswahl gewährt. Der Antrag Dr. Casselmann hat fol­ genden Wortlaut: Es sei die Staatsregierung zu ersuchen, baldigst einen Gesetzentwurf be­ hufs Einführung der Verhältniswahl bei den Landtagswahlen vorzulegen. Abg. Dr. Gün ther (Lib.) begründet den den Antrag der Liberalen. In Württemberg habe man mit dem Proporz, wenn er auch ein beschränkter sei, gute Erfahrungen gemacht. Die Forderung nach Einführung der Verhält­ niswahl fei eine alte. Auch auf Seiten des Zentrums haben sich sehr geachtete Persönlich­ keiten offen für die Richtigkeit des Proporzes ausgesprochen, so Dr. Orterer, Dr. Schädler und Dr. Heim. Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß uns selbst, oder unseren Nachkommen ein Erfolg beschieden sein wird. Daß das Wahl­ gesetz von 1905 int Grunde verfehlt ist, darüber kann ein Zweifel nicht bestehen, auch wenn meine politischen Freunde damals für das Ge­ setz gestimmt haben. Sie haben das nur ungern getan, weil sie endlich einmal von dem Hemm­ schuh des indirekten Wahlsystems loskommen wollten. Das damalige Gesetz war eine durch­ aus formalistische Gesetzmacherei. Drei Groß­ städte Bayerns, die über ein Drittel der Steu­ ern liefern, haben nur 20 Abgeordnete. Das ist kein Akt der Gerechtigkeit und die Regie­ rung kann nicht annehmen, daß die jetzige Kammervertretung der Ausdruck des Volksbewußtseins ist. Redner rechtfertigte dann den Zusammenschluß der Parteien der Linken bei den letzten Wahlen und betont, beim Zusammenschluß in den Rot­ block habe man sich nur gegen die Unnatur gewendet, das immer dieselbe Partei unter allen Umständen das Heft in der Hand behalte. Dieser Zusammenschluß ist solange notwendig, bis Bayern ein gerechtes Wahlsystem bekommt. Wir protestieren dagegen, daß ein großer Teil der bayerischen Staatsangehörigen rechtlos gemacht wird. Die Befürchtung, es könnte durch den Proporz das flache Land benachteiligt werden, ist unbegründet. Der Pro­ porz ist die beste Art und Weise, den Willen des Volkes wirklich zur Geltung zu bringen und wir werden immer darauf hinweisen, daß dem größten Teil des bayerischen Volkes ein Unrecht angetan worden ist. Abg. Helck meinte dagegen, durch das gegenwärtige Wahlgesetz sei dem flachen Lande ein gewisser Schutz gegen die großen Städte gegeben.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="4"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>litt der Kammervirtuose Hör st mann einen Herz­ schlag und war sofort tot. Vom Publikum wurde her Zwischenfall nicht bemerkt und so konnte das Stück ohne Unterbrechung zu Ende gespielt werden. Die Leidensgeschichte eines unehelichen Kindes bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der 3. Strafkammer des Landgerichts II in Berlin. Der Buchdrucker Max Louis ist Vater eines unehelichen Kindes, der jetzt 9jährigen Käthe Stier. Als er sich im Jahre 1912 mit der zwanzig­ jährigen Ella Giesel er verheiratete, nahm er das .'tltnb zu sich. Die 18jährige Stiefmutter sah jedoch in dem Mädchen nur das Kind einer anderen. Es bekam sehr wenig zu essen und wurde fast täglich mit einer siebensträhnigen Klopfpeitsche geschlagen, so daß es gelbe und grüne Striemen davontrug. Auf eine Anzeige hin wurde das Kind de» Angeklagten abgenommen, und nachdem das Amtsgericht die Unter­ bringung in Fürsorgeerziehung angeordnet hatte, dem bischöflichen Mädchenheim in Maherzell übergeben. Dag Schöffengericht Tempelhof verurteilte die Ange­ klagten seinerzeit zu je sechs Wochen Gefängnis. Während sich die Angeklagten bei diesem Urteil be­ ruhigten. legte die Amtsanwaltschast Berufung ein, um eine höhere Verurteilung zu erzielen. Vor der Berusungsstrafkammer wies Rechtsanwalt Harry Pincas daraufhin, daraufhin, daß die vom Schöffen­ gericht verhängte Strafe eine ausreichende Sühne sei, da die noch recht jugendlichen Angeklagten offenbar von Kindererziehung keine Ahnung hatten und an­ nahmen, daß man gewiffe Unarten, die das Kind latsächlich gehabt hatte, nur auf jene Weise unter­ drücken könne. Das Gericht schloß sich auch diesen Ausführungen an und verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft. Der höhere Beamte als Dieb. Eine pein­ liche Diebstahlsaffäre befchäfligt die Berliner Kriminal­ polizei. Am Samstag abend wurde in einem Waren­ hause in Berlin ein älterer Herr auf frischer Tat beim Diebstahl abgefaßt. Man brachte ihn zunächst zum Verwaltungsbureau, doch weigerte er sich hier, feinen Namen anzugeben. Die in Kenntnis gesetzte Polizei ermittelte in dem Festgenommenen dann einen höheren Beamten aus Groß-Lichterfelde. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß der Beamte bereits eine ganze Reihe ähnlicher Diebereien verübt hat. Ec ist auch bereits auf Grund ärztlicher Gutachten als Kleptomane hingestellt worden. Hinrichtung. In Köln wurde gestern durch oen Scharfrichter G r ö p e l aus Breslau der Gattenmörder Reuter aus Mühlheim am Rhein hingerichtet. Reuter hatte seine von ihm getrennt lebende Frau nach Mühlheim gelockt, angeblich um »ich mit ihr zu versöhnen, hatte sie aber dann auf die Eisenbahnschienen gelegt, so daß sie von einem Luge überfahren wurde. Liebestragödie. In Frankfurt a. M. drang gestern der 25jährige Schneider Esiszo in die Wohnung der Familie Sch., schoß auf die Tochter, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, traf sie aber nicht, verwundete die herbeieilende Mutter durch einen Schuß in den Hals schwer und jagte sich eine Kugel in die Schläfe, sodaß er bewußtlos zusammenbrach. Sein Zustand ist hoffnungslos. Familientragödie. Aus Haß gegen seine Frau' hat der Arbeiter Paul Luther in Berlin gestern früh sein siebenjähriges Kind Elli durch Messerstiche schwer verletzt. Der unmenschliche Vater verletzte sich dann selbst durch einen Stich in die Brust erheblich. Er ist verhaftet worden. Wahrscheinlich beabsichtigte er auch seine Frau zu ermorden, denn, als sie von ihrer Tätig­ keit zurückkam, trat er ihr mit einer langen Schlosserseile entgegen. Die Frau flüchtete schreiend die Treppe hinab. Darauf schloß sich Luther in die Wohnung ein, und beging die gräßliche Tat. Die Wohnung mußte mit Ge­ walt geöffnet werden. Bei einem Einbruch schwer verletzt. In der Nacht zunt Sonntag hat ein Unbekannter in dem Kontor der Bäckerei "Vorwärts" in Ham­ burg einen Einbruch verübt. Bei dem Versuch, den Geldschrank, der 6000 Mark enthielt, zu öffnen, muß sich der Verbrecher, nach den Blut­ spuren zu urteilen, sehr schwer verletzt haben. Man stellt jetzt Nachforschungen in den Kran­ kenhäusern nach dem Verbrecher an. Für eine halbe Million gefälschte Post­ anweisungen. Die Pariser Poftoerwaltung tst im letzien Monat auf eine unerhört raffinierte und geschickte Art um über 500,000 Frank geschädigt worden. Die Untersuchung darüber wird ganz geheim geführt. Schreckenstat eines bedrängten Schuldners. Große Aufregung hat in B o r d e a u x unter den Straßenpaffanten die Schreckenstat eines bedrängten Schuldners hervorgerufen. Der 27jährige Handlungs­ gehilfe Jean L a f o n d. der infolge leichtsinnigen Lebenswandels in Schulden geraten war, wurde vorgestern von mehreren feiner Gläubiger auf der Straße zur Rede gestellt. Es kam zu einem leb­ haften Wortwechsel, in deffen Verlauf Lafond plötzlich einen Revolver hervorzog und mehrere Schüsse auf seine Gläubiger abfeuerte. Zwei von ihnen wurden sofort getötet, drei lebensgefährlich verletzt. Lafond gelang es zu entkommen; er stellte sich jedoch im Laufe des Tages freiwillig der Polizei. Ob Lafond die Tat in einem Anfalle geistiger Umnachtung aus­ geführt, dürfte die Untersuchung ergeben. Eine Stradivariusgeige. Im Eisenb u r g e r Komiial in Ungarn schenkte ein Fremder einem Bürger, der ihm den Weg über die Grenze gezeigt halle, mit den Worten eine Geige: Ich habe kein Geld! Nehmen Sie diese Geige als Geschenk! Bei der Gendarmerie stellte sich heraus, daß die Geige tm Innern den Namen Stradivarius und die Jahreszahl 1716 trug. Die Geige wurde in Steine­ manger deponiert. Der Fremde wird für das Mit­ glied einer Räuberbande gehalten, die kürzlich bei einem Berliner Bankier eine Stradivarius-Geige raubte. Fünf Menschen bei einem Bootsunfall aus der Newa ertrunken. Auf der Newamün­ dung, in der Nähe der Kanonieriafel, schlug eine Segelyacht um. Vier Männer und ei» junges Mädchen ertranken. Die Leichen konnten bisher nicht gefunden werden. Die gestohlene« Kirchenglocken. In der Narwfchen Vorstadt in Petersburg sind in der Seraphtn-Kirche drei Glocken aus dem Turme ge stöhlen worden, ohne daß jemand davon etwas be­ merkt hätte. Erst nachdem die Polizei Nachforsch­ ungen angestellt hatte, ertappte man einen Arbeitslosen, rote er zwei der Glocken zu einem Trödler schaffen wollte. Ueber den Verbleib der dritten Glocke ver­ weigert der Mann jede Auskunft. Ein «euer amerikanischer Eisenbahnkönig. Amerika hat einen neuen Etsenbahnkönig. Dieser vtelbegehrte Posten war bekanntlich feit dem Tode HarrimanS unbesetzt; jetzt hat ihn der bekannte Milliardär Edward T. Stotesbury erhalten, der vor kurzem zum Präsidenten der Vereinigten Philadelphta- and Reading-Etfenbahngefellschaft er­ nannt worden ist. Stotesbury ist bekannt wegen des Prunkes, den er entfaltet. Als er sich vor zwei Jahren mit Frau Oliver Cromwell verheiratete, schenkte er feiner Braut Schmucksachen im Werte von mehr als 20 Millionen Mark. Darunter befand sich ein Perlenhalsband, das allein schon einen Wert von 2 Millionen Mark darstellt. In der bilderreichen Sprache der amerikanischen SensationSpreffe erzählte man sich damals Wunderdinge von der "Hochzeit der Königin von Saba und des Königs Salomo". Noch heute spricht man von den luxuriösen Diners und den glänzenden Lustpartien. Welcher Mann möchten Sie fein? "Wenn Sie keine Frau wären, welcher Mann möchten Sie am liebsten fein?" Diese bedeutsame Preisfrage — wir leben ja im Zeitalter der Umfragen — hat die französische Zeitschrift .Femina' ihren freundlichen Leserinnen vorgelegt. Das Ergebnis der eingelaufenen . -• g Antworten macht dem Ehrgeiz der hübschen Franzö­ sinnen alle Ehre. Weitaus die meisten Damen möchten Napoleon sein. Der große Korse erhielt eine über­ wältigende Majorität. Nach ihm entschieden sich die Damen, nach Stimmenzahlen geordnet, für folgende Männer: die Leserinnen von "Femina" möchten sein Pasteur, Viktor Hugo, Edison, Poincare, Rostand, Bleriot, Wagner, Beethoven und Alfred de Muffet. Mderbayerische Nachrichten. Eggenfelden, 12. Mai. (Ein Unglücksfall) ereignete sich am Samstag nachmittags gegen 2 Uhr auf der Straße nach Falkenberg. Dem Austrags­ bauern Rötzer von Eggerding scheute tn der Nähe des Postbauern das Pferd aus unbekannter Ursache und ging durch. Der alte Mann wurde vom Wäger! geschleudert, daß er besinnungslos vom Platze getragen wurde. Ein 6jähr. Mädchen, ein Enkelkind des Verunglückten, das gleichfalls vom Wagen fiel, erlitt glücklicherwetfe nur eine leichte Verletzung an der Hand. Gern, 12. Mai. (Ein gräßlicher Unglücksfall) mit tövltchem Ausgang ereignete sich am Samstag abends um halb 7 Uhr. Der zweite Knecht Marti« Meister der Schloßbrauerel Gern fuhr mit einem Wagen voll leerer Blerfäffer auf der Straße von Langeneck nach Gern. Bei Schachten geriet der Wagen in den Straßengraben und stürzte um. Der Führer wurde unter dem Wagen begraben und war sofort tot. Der auf so tragische Weise ums Leben gekommene 29jährige Mann war feit ca. vier Jahren bei der Gutsoerwaltung im Dienst und wird als sehr ordentlich und fleißig geschildert. Landau a. I., 11. Mai. (Besitzveränderung.) Der Gasthof "zu den drei Kronen" vorm. Lex ist an die Firma Hille und Dtttrtch in Schönlinde bet Dresden, der Besitzerin des Schloßgutes und der Brauerei W i l d t h u r n, um den Preis von 42 000 Mark übergegangen. Der Gasthof befand sich zuletzt im Besitze des Herrn Anwaltsbuchhalters Berger in vorzüglichster Bewirtschaftung. Obertrennbach, 11. Mai. (Die freiwillige Feuerwehr Oberlrennbach) beging gestern-das 25jähr. Stiftungsfest. Die Ortschaft hatte Festschmuck ange­ legt. Zu der Feier kamen eine größere Anzahl aus■ wattiger Feuerwehrkorps herbei. Das Festmahl I fand im Nömayerfchen Gasthaufe statt. I Osterhofen, 12. Mai. (Verschwunden) ist feit * 6 Wochen das Aufsichtsratsmilglied der Filiale der VilshofenerKreditgenossenschaft JosetHochburger, Schloffermeister und Maschtnenhändler von hier. Er ließ eine tüchtige brave Frau mit 6 Kindern zurück und suchte mit einem anderen Weibe das Weite. Als er das mitgenommene Geld verbraucht hatte, schrieb er an seine Frau einen Reuebrief, worin er versicherte, wieder ein neues Leben beginne» zu wollen. Die betörte Frau sandte ihm daraufhin ihr letztes Bargeld. Seit dieser Zeit ist Hochburger nun völlig verschwunden. Freyung, 11. Mai. (Verloren gegangen) ist gestern vormittags auf dem Wege von hier nach Atzesberg dem Güterhändler Josef MathetS in Freyung ein Barbetrag von 1400 Mk. Der des Weges kommende Distriktsstraßenwärter fand das Geld und händigte es dem Verlierer ein. Mit 50 Mk. wurde der Straßenwärter für feine Ehrlich­ keit belohnt. Paffau, 11. Mai. (Dultdiebstahl.) In der vergangenen Nacht wurde vom verdeckten Stande eines sogen, "billigen Jakob" (Besitzer Kraus) eine Kiste mit Regenschirmen und sonstigen Gebrauchs­ artikeln gestohlen. Vom Täter hat man noch keine Spur. Paffau, 11. Mai. (Ein Jammerbild von der Straße.) Am gestrigen Sonntag vormittags \ 2 12 Uhr stürzte beim Güteraufgabsmagazin der österreichischen Staatsbahnen ein 72jähriger Lederarbeiter, der mittellos aus einem Spitale entlassen worden war, vor Erschöpfung zusammen. Als er zunächst mit</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="5"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Soffer erfrischt, die Augen wieder aufschlug, ant­ wortete er auf die Frage, m eS ihm fehle, er habe fürchterlichen Hunger. Ein bitterer Kontrast zu dem Jubel auf der Maidult! Dem Armen, welcher auf da? Anraten, die Hilfe mildtätiger Menschen in An­ spruch zu nehmen, entgegnete, daß das Betteln ver­ boten sei, wurde von einer Familie eine kräftige Suppe und Hetdelbeerwein verabreicht, hierauf fand unter dem diensthabenden Bahupersonale eine Samm­ lung statt, damit sich der Greis eine Fahrkarte zur Reife in die Heimat (Preußisch-Schleffen) lösen konnte. Lam, 10. Mat. (Fabrikbrand.) Vorgestern nachmittag entstand in der Kindersptelwarenfabcik von Gg. Sturm in Schmelz infolge Heißlaufens der Transmission Feuer. Die Fabrik brannte voll­ ständig nieder. Sämtliche Maschinen verbrannten mit. Der Schaden ist groß. Sturm war nicht versichert.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Dienstesnachrichten. L and rhu t, 13. Mai. Ihren 80. Geburtstag feiert am nächsten Samstag die Oberkondukteurswitwe Frau Notburga U r m a n n, geb. Spitzauer. Die Jubilarin ist bereits feit mehreren Jährest Bewohnerin des Asyls St. Jodok. —* Unfall. In Vilsbiburg ging einem Begleiter eines hiesigen Gefchästsautos gestern ein Rad des Autos über beide Füße. Der Verunglückte, der erhebliche Quetschungen beider Füße erlitt, wurde durch die Freiw. Sanitätskolonne Vilsbiburg ins hiesige Krankenhaus verbracht. * Maschinenlehrkurse werden ge genwärtig in den Vereinigten Fabriken land­ wirtschaftlicher Maschinen, vormals Epple und Buxbaum, hier abgehalten. Gestern stattete Herr Regierungspräsident b. Pracher der Fa­ brik einen Besuch ab und besichtigte den der­ zeitigen Kursus. Der Unterricht erstreckt sich auf die Handhabung sämtlicher landwirtschaft­ licher Maschinen, speziell aber soll er der Aus­ bildung von Maschinenführern für Dampf dreschmaschinen dienen. An diesen praktischen Unterricht knüpft sich alsdann noch ein mehr­ stündiger Unterricht in der ersten Hilfe bei Unglückssällen, welcher durch den Kolonnensührer Herrn Mahrshofer erteilt wird. Für Mittwoch nachmittags ist ein Ausflug der Kurs­ teilnehmer nach dem benachbarten Schönbrunn vorgesehen, woselbst den Teilnehmern verschie­ dene Maschinen im Betriebe vorgeführt wer­ den. I —* Die Niederbayerische KretsI Versammlung a pp r. Baver findet am Mon&gt; I tag, den 25. Mat, in Regen statt. — * Dte Leib-Regiments-Veretnigung Landshut und Umgebung, welche am Pfingstsonntag den 31. Mai 1914 oas Fest ihrer Fahnenweihe begeht, zählt gegenwärtig 143 Mitglieder und zwar 49 aus Landshut, 9 aus Achdorf, 8 aus Vilsbiburg, 5 aus Gangkofen, je 3 aus Altfraunhofen, Berg o. L., Ergoldsbach, Pfeffenhaufen und Wörth, je 2 aus Dingolstng, Essenbach, Götzdorf und Rottenburg und je 1 aus 49 Orten des westlichen Teiles von Ntederbayern und sogar darüber hinaus. Es ist dies ein Beweis dafür, daß gediente Soldaten die Anhänglichkeit an ihr Regiment noch besitzen. Durch die vom Zentralverband der Jnfanterie-Leib-RegimentS-Vereintgungen ausgegebene Zei­ tung "Der Regimentskamerad- erfahren die VereinsMitglieder allmonatlich vieles von ihren ehemaligen Regimentskameraden. Möchten die ehemalige» Leiber, welche der Jnfanterle-Leib-Regiments-Vereinigung noch nicht angehören, dieser ungeiäumt beitreten und aus der vorstehenden Uebersicht ersehen, daß Landshut eine Zentrale für ehemalige Leiber geworden ist. — * Der Ausflug derWaldveretnssektion Landshut nach Burghausen wird nun nach definitivem Beschlusse der gestrigen SekttonSversammlung am Donnerstag, 21. Mai (Christi Himmelfahrt), stattfinden. Der Sonderzug soll 5 Uhr 57 Minuten hier abgehen und 9 Uhr 24 Mln. vormittags ln Burghausen ankommen. Nach An­ kunft werden die Teilnehmer einen Frühschoppen in Ach (Oesterreich) einnehmen. Von halb 12—12 Uhr findet Promenadekonzert des den Zug begleitenden Mustkkorps des 1. Bat. 16. Jnf.-Regts. auf dem Stadlplatze statt. Von halb 12 bis halb 1 Uhr wird das Mittagsmahl in verschiedenen Gasthöfen eingenommen und hierauf unter Führung von Herren des Fremdenverkehrsvereins Burghausen die alte herzogliche Burg besichtigt und sodann zum Wöhrsee abgestiegen. Von nachmittags 3 Uhr ab wird im Lohnergarien ein Gartenfest veranstaltet. Abends 6 Uhr 40 Min. erfolgt die Rückfahrt des Sonder­ zuges, der um 9 Uhr 56 Min. hier ankommen wird. —* Die Dienstag-Konzerte in der Jägerhalle haben gestern ihren Anfang genommen und wie es scheint, auch Anklang bet unserer Ein­ wohnerschaft gefunden. Zahlreiche Besucher hatten sich in der wohldurchwärmten Halle Ungesunden, um den Darbietungen des Musikkorps des 2. Schweren Reiter-Regiments zu lauschen. Herr Obermusikmetster Krümmel hatte zur würdigen Eröffnung des Konzertzyklus ein gediegenes Programm gewählt. Die Kapelle erntete für das Gebotene reichen Beifall, für den sie durch mehrere Einlagen ihren Dank ab­ stattete. Am nächsten Dienstag konzertiert das Musikkorps des 1. Bataillons 16. Jnf.-Regts. Das Luitpolökreuz wurde verliehen dem Förster Max Rührer in Ftnsterau. Justizverwaltung. Der Amtsrichter am Amtsgerichte Mallersdorf, Oberamtsrichter Ferdinand S ch ö n t a g, wurde zum Oberamtsrichter am Amts­ gericht Arnstorf in etaismäßiger Weise befördert, der Amtsrichter Karl Hattemer in Ludwigsstadt in gleicher Diensteseigenschaft an das Amtsgericht Mallersdorf in etaismäßiger Weife versetzt, der Amtsrichter außer dem Status am Amtsgericht Arn­ storf Ludwig Mayer auf die Stelle des Amts­ richters am Amtsgerichte Kastl in etaismäßiger Weise versetzt, der Amtsrichter außer dem Status am Amtsgerichte Kötzting Georg Brückner auf die Stelle eines Amtsrichters außer dem Status am Amtsgerichte Weiden in etaismäßiger Weise versetzt. Katholische Kirche. Die katholische Pfarrei Eichelberg, B.-A. Parsberg, wurde dem ExposituS Joseph W ü st n e r in Frauensaitling, B.-A. Vilsbibura, übertragen. Rentamt. Der im zeitlichen Ruhestände be­ findliche Rentamtmann Eduard Adam von Schön­ berg wurde auf fein Ansuchen wegen nachgewiesener dauernder Dienstunfähigkeit in den dauernden Ruhe­ stand versetzt, der im zeitlichen Ruhestande befindliche Rentamtmann Karl Schuster von Kötzting auf fein Ansuchen wegen fortdauernder Dienstunfähigkeit auf die Dauer eines weiteren Jahres im Ruhestande belassen, vom 1. Juni an der Ftnanzasseffor der Regierung von Ntederbayern Eugen H ö r m a n n auf sein Ansuchen wegen nachgewiesener Dienst­ unfähigkeit auf die Dauer von sechs Monaten in den Ruhestand versetzt. Zum Finanzafsefsor der Re­ gierung von Niederbayern wurde der Regierungs­ akzessist dieser Regierungsfinanzkammer Dr. Otto B e r z l in etatsmäßiger Eigenschaft ernannt.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Verlosungen. Preußisch-Süddeutsche Klafienlotterie. 3. Ziehungstag. Vormittagsziehung: 15 000 Mark auf die Nr. 186 093, 204132, 10 000 Mark auf die Nr. 140 047, 153 445, 5000 Mark auf die Nr. 86299, 188 929, 210 415, außerdem 88 zu 3000 Mark, 180 zu 1000 Mark, 206 zu 500 Mark. Nach­ mittagsziehung : 30 000 Mark auf die Nr. 134 157, 5000 Mark auf die Nr. 165 927, 37 427, außer­ dem 66 zu 3000 Mark, 188 zu 1000 Mark 230 zu 500 Mark. (Ohne Gewähr.)</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="6"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Greueltaten der Epiroten. Durazzo, 13. Mai. Es werden immer neue Einzelheiten über die von den Epiroten verübten Greueltaten bekannt. In mehreren Orten hatten die Epiroten Albaner mit dem Bajonett abgeschlachtet oder verwundet und in die Straßengräben geworfen. Unter den 200 Leichnamen, die in Kodra vorgefunden wurden, befanden sich Männer, Frauen und Kinder, die in der fürchterlichsten Weise verstümmelt waren. Der holländische Gendarmeriekomman­ dant hat an die internationale Kommission ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt, der Gouverneur von Tepeleni habe einige von den Griechen geräumte Ortschaften besucht. Erteilt mit, daß er dort mehr als 200 Dorfbewohner als Leichen hängend gefunden hat. Alle von den Epiroten geräumten Dörfer sind geplün­ dert, verwüstet und niedergebrannt worden. Das ganze Gebiet ist ein Trümmerhaufen in Rauch und Flammen. Der Kommandant stellt auch fest, daß heute noch ganze Abteilungen griechischer Soldaten gegen die Albaner im Felde stehen, die von den griechischen Trup­ pen desertiert und zu den Aufständigen über­ gegangen sind. Bilderstürmerinnen. London, 13. Mai. In der königlichen Akademie brachte gestern nachmittags eine Frau mit einem Handbeil dem Bildnis'des Herzogs von Wellington von Herkomer drei Risse bei. Sie wurde verhaftet. Ueberschwemmung. Chicago, 13. Mai. In einigen Gegen­ den des Landes haben schwere Regengüsse gro­ ßen Schaden auf den Farmen und auch sonst angerichtet. Mehrere Personen sind in den Fluten umgekommen. In der Gegend von Mi­ chigan ist der Sachschaden besonders groß. Die Lage in Mexiko. Mexiko, 13. Mai. Der Berkehrsminister erklärte, daß der Verkehr auf der Tehuantepec-Eisenbahn wieder hergestellt sei. Washington, 13. Mai. Admiral Ho­ ward telegraphiert aus Mazatlan, daß 20 Mei­ len von Acapulco entfernt zwischen den Bun­ destruppen und den Zapatisten ein Gefecht stattgefunden hat, bei dem 16 Zapatisten ge­ tötet wurden. Der Kampf bei Mazatlan dauert fort. Wela-Rtstamal latlinsMoufe Amerika» Bar Gemütliche Lokalitäten — Reine Schoppenund Flaschen-Weine. Zum gütigen Besuche ladet freundlichst ein 1464 Urban Bourgiv« Schülerpensionat TRAUNSTEIN best empfohlen, allseitig anerkannt. ' Realschüler und Gymnasiasten. Prospekt durch den Direktor M 145 Krim Abbrach von 4 Nebengebäuden der Vereinigten Kunstmühlen auf der Hammerinsel hier sind ganze Gebäude, so a.ie Teile wie Fenster, Türen, Oesen, Dach­ materialien, Balköne, Fußböden, elektr. Licht-, Waffer- und Closett-Jnstallationen billig zu verkaufen • 1873 BaageWst 3. Carmen». Bauteclm.Privat' SCHUlO kostenlos von Architekt Spenger in München, Schmelferstr. 32 uchnlker ÜSÄ Meisterprüfung.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="3"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>t Nr. IM. Da gerade in diesen Kabhlien die deutschen Handelsinteressen sehr bedeutend sind, so bleibt nach wie vor die Gewaltherrschaft des Kaids bestehen. Es ist ausgeschlossen, daß sich diese irgendwie bessert, und daher ist heute noch mehr als früher die Aufrechterhaltung der Schutzgenossen zu wünschen. Da die deutschen Interessen in jenen Ge­ genden, wie erwähnt, sehr bedeutend und zahl­ reiche Schutzgenossen auf dem Lande teils als Aufkäufer, teils als Händler für Rechnung der deutschen Firmen beschäftigt sind, und die mei­ stens mit Vorschriften der deutschen Firmen arbeiten, so liegt die Gefahr nahe, daß diese deutschen Handelshäuser ihre hinausgegebenen Gelder verlieren, da die Kaids die Geschäfts­ freunde der Deutschen einfach ausrauben wer­ den von dem Augenblick an, wo ihnen der Schutz des Reiches fehlt. Eine Aenderung des Schutzwesens kann billigerweise erst dann eintreten, wenn die Franzosen das mit dem Vertrage von 1911 gegebene Versprechen wahrmachen und eine Verwaltung eingesetzt wird, die tatsächlich un­ parteiisch urteilt und die die Macht hinter sich hat, nnt lieben in ganz Marokko zu zwingen, vor ihrem Gerichtshof zu erscheinen. Bis jetzt ist aber, außer in den Kabhlien Rahamna Bald Hamar, Abda Dukala Schiedma, für die sogenannte "bureaux arabes" eingerichtet sind, die Ausübung des!Protektorats durch die Fran­ zosen genau so problematischer Natur wie früher.</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
