Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-05-15. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 132, 1914-05-15. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 67 Nummer 132 15. Mai 1914 ────────── Me wachsende Macht des Tfchechentums Das wirtschaftliche Vordringen der Tsche­ chen in Deutschböhmen «und Mähren geht aus -einem im "Narodohospodarsky Vestnik" er schienen Bericht hervor, nach welchem allein im Jahre 1913 in Böhmen und Mähren 6 große landtäfliche Gutshöfe im Gesamtausmaß von 6780 Hektar aus deutschem in tschechischen Besitz übergegangen sind. Werden hierzu aber die vielen kleineren Grundstücke gezählt, die aus deutschen Händen an tschechische Käufer gelangten, so ergibt sich im vergangenen Jahre ein Zuwachs an tschechischem Grund und Bo­ den von mehr als 10.000 Hektaren. Nament­ lich macht der tschechische.Kleinbesitz im Süd.westen und Südosten Böhmens, wo der tsche­ chische Besitzstand seit Jahren zusehends ge­ wachsen ist, große Fortschritte. Es sei, meint Lba§ genannte Blatt, nur nötig, den tschechi­ schen Badenerwerb im Süden Böhmens plan­ mäßigzu organisieren, um das Ziel zu «erreichen. Wird nach diesen Feststellungen «erwogen, daß in Nordböhmen die tschechische Ansie­ dölungspropaganda längst planmäßig betrieben wird, daß eben wieder in Westböhmen (Luditzer Bezirk) ein Millionenbezirk mangels deutscher Käufer in tschechischen Besitz überzugehen droht, mnd Mich ,tni den ober- Md Mederösterreichischen Grenzgebieten die gleichen tschechisch-nationalen Bestrebungen erfolgreich einsetzten, dann läßt sich die Großzügigkeit der tschechoslawischen Agitation, ebenso aber die Größe der Gefahr für das Deutschtum in Oesterreich an diesen ErscheinMgen unschwer ermessen.. Nicht min­ der aber strikte dieses Fortschreiten des Slaventums auch die maßgebenden Kreise des Deut­ schen Reiches, insbesondere Sachsens veranlas­ sen, der Avsiedelungstätigkeit der Slaven in den sächsischen Grenzgebieten beizeiten alle Aufmerksamkeit zuzuwenden. sind. Da Wurde Äe Gefahr für die heranwach­ sende Jrrgeno immer größer und es galt, sie vor den moralischen und sittlichen Gefahren zu schützen. Wir wollen der Jugend alle Ver­ gnügungen schaffen, aber sie von schalen und üblen Belustigungen ablenken, die Leib und Seele vergiften. Die Einrichtungen unserer Jugendpflege werden von der Sozialdemokra­ tie mit Haß und Spott verfolgt, wie jeder Verein, der nicht der sozialdemokratischen Par­ tei angeschlossen ist. An welche Eigenschaften appelieren Sie (zu den Sozialdemokraten) denn Hei der Jugend? Sie appellieren an den Neid und die Begehrlichkeit, indem Sie alle, die nicht zu Ihnen gehören, als Aus­ beuter beschuldigen. Das ist die Tendenz, die Sie verfolgen. (Unruhe bei den Sozialdemokra­ ten). Wenn Sie so von der Heuchelei der an­ deren sprechen, so kann ich mir eine wider­ lichere Heuchelei, wie sie auf diesem Ge­ biete von Ihrer Partei getrieben wird, gar nicht denken. (Lebhafte Zustimmung.) Sie be­ schweren sich, daß wir Ihre Veranstaltungen durch die Polizei stören. Die staatlichen Or­ gane sind verpflichtet, dem Gesetz zu feinem Rechte zu verhelfen. Der 'Paragraph 17 des Vereinsgesetzes besteht nun einmal, und den überschreiten Sie ja tagtäglich. Aber in Preu­ ßen werden die Gesetze gewahrt und wer sich Widersetzt, hat den Schaden davon zu tragen. Es wird nicht davon abgelassen werden, dem «Gesetz sein Recht zu verschaffen. ────────── Bayerische Nachrichten. Rheinschiffahrtskonzern. Der Nachtrag zum Budgetgesetzentwurf für 1914/15 in Höhe von 2 031817 Mark zur Bildung eines bayerischen Rheinschiffahrtskonzerns, zur Sicherung der Interessen des Pfälzischen und Aschaffenburger Umschlagverkehrs wurde ge­ stern in der Abgeordnetenkammer genehmigt. Die Eisenbahnverwaltung hat von dem aufzu­ bringenden Gesamtkapitale den Betrag von 677 273 Mark übernommen, der auf Betriebs­ mittel genommen werden soll. Der Rest von 1354 544 Mark soll durch ein Anlehen ge­ deckt und die für Tilgung und Zinsung die­ ses Anlehens notwendigen Mittel in den or­ dentliche« Etat der in Betracht kommenden Ministerien eingestellt werden. In der De­ batte wurde von mehreren Abgeordneten der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß Bayern be­ reits zu spät komme. Auch die Unterstützung nichtbaherischer Häfen durch Ausnahmetarife wurde bekritelt. Verkehrsminister v. Seid­ lein legte dann die Notwendigkeit der Bilimng des bayerischen Schiffahrtskonzerns dar, dessen Gründung veranlaßt gewesen sei, nach­ dem Preußen und Baden sich einen bedeuten­ den Einfluß auf die Rheinschifsahrt gesichert hatten. Bayern ist dann gedrängt worden, die Gefahren einer Verkehrsverschiebung von Ludwigshafen durch die Gründung eines Schis­ fahrtsunternehmens zu beseitigen. Es ist zu hoffen, jb aß durch den Konzern auch der Um­ schlagverkehr in Kaiserswörth und in den an­ deren pfälzischen Häfen gehoben wird. Die Be­ fürchtung, daß durch den Konzern bereits be­ stehende Schiffahrtsunternehmungen geschädigt werden, trifft nicht zu; der Konzern soll zur Unterstützung dieser Unternehmungen, nicht zu ihrer Konkurrenz dienen. Geistlichenkonferenz. In den letzten Tagen fand in München eine kontinentale Konferenz der Geistlichen der anglikanischen Kirche statt, die von ca. 60 Geistlichen aus den verschiedensten Staaten be­ sucht war, vertreten waren u. a. Frankreich, Rußland, Holland, Belgien und die verschiedenen englischen Kolonien innerhalb Deutschlands Als Abschluß der Beratungen fand gestern Nachmittag die Einweihung der in München erbauten neuen englischen Kirche statt, wobei auch die städtischen Behörden vertreten waren. Die Oberammergauer unter Zensur. Der Lordkammerherr Lord Sandhurst hat, wie die .. Dtsch. Ztg." ausLondon berichtet, von seinem Recht des Spielverbotes gegen das Oberammer­ gauer Passtonssptel Gebrauch gemacht. Die Oberammergauer Truppe wollte diesen Sommer in einem großen englischen Seebadeort das Passtonssptel in einem Freilufttheater zur Aufführung bringen, infolge des Einspruchs des Lorv-Kammerherrn muß «jedoch von dieser Absicht Abstand genommen werden. Bayerischer Fleischertag. Zur 27. Bezirkstagung des Bezirksvereins Königreich Bayern im Deutschen Fleischerverbande hatten sich inRothenburg o. T. Vertreter des bayerischen Fleischerhand­ werks in großer Zahl eidgefunden. Als Vertreter des Ministeriums sowie der mittelfränktschen KreiSregierung war Regterungsrat Kittel (Ansbach) anwesend, für die Stadt Rothenburg Bürgermeister Sieber, ferner Vertreter des Handelsgremiums, «der Handwerkskammer und des Viehhandels. Der Vorsitzende Magistratsrat Friedrich (Nürnberg), zweiter Vorsitzender des Deutschen Fleischerverbandes, erstattete den Jahresbericht für 1913, in dem er der Beftiedigung über den an der Jahresgrenze einge­ tretenen Rückgang der Viehpreife Aus­ druck gab, mit dem Wunsche, die billigen Preise möchten anhalten und die Landwirte mit Viehzucht und -mast nicht nachlaffen. Ueber die Untersuchungen über den Vieh- und Fleischhandel 1912/13, welche im Retchsamt des Innern aus Anlaß der hohen Vieh- und Fleischpreise stattfanden, und an der außer den drei KommissionSmttgliedern 165 Sach­ verständige aus ganz Deutschland teilnahmen, berich­ tete Obermeister I. Würz (München). Er stellte als Ergebnis der Untersuchungen fest, daß die gegen das Fleischergewerbe erhobenen Anschuldigungen alsFleischverteuerer sich nicht aufrecht­ er h a l t e n ließen. An die Fleischer richtete er die Mahnung, mit anderen berufenen Faktoren zu­ sammenzuwirken an der Versorgung des Landes mit Fleisch zu angemessenen Preisen. Ueber Erweiterung der Gewährschafts­ mängel referierte O. B a u k n e ch t (München). Ueber Statistik der Vieh- und Fleischpreise sprach der Vor­ sitzende Friedrich. Das Submissionswesen betreffend wurde beschloffen, an die StaatSregierung die Bitte zu richten um möglichst frei­ händige Vergebung der Militärlieferungen an die Innungen. Zur Erneuerung derHandelSv er träge wird die zollfteie Einfuhr von Zuchtund Nutzvieh, eine Ermäßigung der Einfuhrzölle für Mastvieh aus Oesterreich - Ungarn, Dänemark, Schweden und Holland und die Aufhebung der Quarantäne für dänisches und schwedisches Mastvieh verlangt. Dem Bezirksverein gehören 44 Innungen mit 2540 Mitgliedern an. Die bisherige Vorstand­ schaft wurde wiedergewählt und als Ort der nächst­ jährigen Tagung H o f bestimmt. Die amerikanischen Hoteliere sind gestern Vormittag halb 10 Uhr von München mit Sonderzug nach Lindau und Luzern weitergeretst. ────────── Der Dreibund - ein Schutz und Schirm des Weltfriedens. In dem von Marquis Bacquehem über den Vorschlag des ungarischen Ministeriums des Aeußern und das ungarische Abgeordneten­ haus erstattete Bericht, heißt es, daß der Aus­ schuß mit Genugtuung feststellte, daß es den Bemühungen des Ministers des Aeußern ge­ lang, der Monarchie die Segnungen des Frie­ dens zu.erhalten. Das Bündnis zwischen Oester­ reich-Ungarn und dem deutschen Reiche,, sagt der Bericht weiter, das sich wenige Jahre nach seiner Begründung durch den Beitritt Ita­ liens zum Dreibünde erweiterte, hat sich auch während der Balkankrisen als Schutz und Schirm des Weltfriedens bewährt. Die häufigen Begegnungen der beiden Monarchen bezeugen, daß die Allianz zwischen dem Deut­ schen Reiche und der österreichisch-ungarischen Monarchie auch von den innigsten persönlichen Beziehungen der Herrscher getragen ist. Die Begegnung von Abbazia wurde von der öffent­ lichen Meinung Oesterreich-Ungarns und Ita­ liens sympathisch begrüßt. Durch die Bot schäften beider Minister des Aeußern in Ab­ bazia an den deutschen Reichskanzler wurde Deutschland gleichsam zum Zeugen dafür an­ gerufen, daß Wien und Rom miteinander einig sind, und es wird dadurch in dem Festhalten an der gegenwärtigen Richtlinie, von welcher das Communique aus Abbazia sprach, bekräf­ tigt. Die vollkommene Harmonie, mit der der Dreibund in seinen friedlichen Bestrebungen vorgegangen sei und noch vorgehe, berechtige zu der Hoffnung auf Regelung aller schwe­ benden Orientangelegenheiten. Wenn der Kon­ flikt in Epirus beendet sein wird, so wird der Rest der Balkankrise erledigt sein. Das Einvernehmen der Dreibundmächte habe dann wiederum zur Erhaltung des Friedens wese nt lich beigetragen. ────────── Frankreichs militärische Tätigkeit an der italienischen Grenze. Noch vor wenigen Jahren war das po­ litische Verhältnis zwischen Frankreich und Italien so freundschaftlich gewesen, daß beide Staaten der Befestigung ihrer gegenseitigen Grenzlinien nur ganz geringe Aufmerksamkeit schenkten. Der Tripolisfeldzug hat aber eine gewaltige Aenderung zur Folge gehabt, da Frankreich die Eroberungen Italiens in Nord­ afrika mit scheelen Augen betrachtete, wie der bekannte Manoubazwischenfall deutlich genug gezeigt hat. Von da an veränderten sich auch die italienischen Gesinnungen gegen Frank­ reich, und alle Bemühungen einer kleinen An­ zahl Italiener, die ein italienisch-französisches Freundschaftskomitee gebildet haben, konnten das einmal entstandene Mißtrauen nicht besei­ tigen. Unter diesen Umständen verdient die mi­ litärische Tätigkeit Frankreichs an der itali­ enischen Grenze erhöhte Aufmerksamkeit. So wurde in jüngster Zeit die savohsche Festung Bourg Saint-Maurice bedeutend verstärkt und mit großen Kasernen ausgestattet, in denen mehr als tausend Mann Platz finden. Ferner sind zwei neue Forts "Courbaton"-und "Des Tetes" im Bau begriffen, von denen ein jedes ungefähr dreihundert Mann wird fassen kön­ nen. Vor kurzem wurde die strategische Ei­ senbahnlinie Montiers—Bourg Saint-Maurice eröffnet, durch die die Zusammenziehung von hunderttausend Mann in jenem Teile von Jsere ermöglicht werden soll, der der italienischen Grenze naheliegt. Militärische Bedeutung wird auch eine Straße haben, die von Saint Ger­ vais über Contamines und Bonhomme nach Bourg Saint-Maurice führt. In Italien werden diese Vorbereitungen natürlich mit großem Interesse beobachtet, und von militärischer Seite wird mit aller Ent­ schiedenheit die Forderung gestellt, mit den entsprechenden Gegenmaßregeln zu antworten. Bisher führt die Eisenbahn nur bis Aosta, ein Betreten desselben strengstens untersagt, mir wurde von Onkel Kurt die Erlaubnis dazu erteilt — einen sehr distinguiert aussehenden jungen Mann. Offenbar weiß er, wer ich bin, und er möchte auch Wohl gerne eine Unterhaltung mit mir anknüpfen, ich halte es jedoch für richtiger, noch für eine Weile die äußerste Zurückhal­ tung aufrecht zu erhalten. Ganz sicher langweilt er sich hier. Manch­ mal sitzt er mit Skizzenbuch und Farbstiften drunten am See und strichelt irgend ein gleich­ gültiges Eckchen der Landschaft aufs Papier. Onkel Kurt habe ich noch nicht nach ihm gefragt; er liebt das nicht. Ob mein Adonis — er ist nämlich sehr hübsch, sehr groß und schlank, mit träumerisch blauen Augen, die nur einen sonderbar stereo­ typen Ausdruck haben — etwa gemütskrank ist? den 21. Oktober. Gestern wurde ich unterbrochen. Onkel Kurt fängt an, mich gelegentlich ins Vertrauen zu ziehen. "Du, Bianka, Graf Nippach hörte zufäl­ lig, daß Du aus 3£ . . . und eine Jugendbekannte des Professors von Leonberg seist". Mein Herz kann schon wieder lebhafter schlagen, wenn Männer über mich sprechen. und so wird der Plan erwogen, diese Linie um 30 Kilometer bis Pre Saint-Didier zu verlängern, um den etwaigen Aufmarsch der italienischen Truppen zu erleichtern. Bei der sich eher noch verstärkenden als abnehmenden Spannung zwischen den beiden lateinischen Na­ tionen ist es sehr wahrscheinlich, daß dieser Plan baldigst zur Ausführung gelangen wird. Tnger-WerW. Der Kaiser für eine rumänisch-bulgarische Annäherung. Wie aus Sofia berichtet wird, behauptet die dortige Presse, angeblich aus Grund zuverlässiger Orientierung, daß die deutsche Regierung für eine bulgärisch-rumänische Annäherung ein­ trete. Es wird versichert, daß der Kaiser per­ sönlich seinen Einfluß im Interesse einer sol­ chen Annäherung geltend mache. Der neue bul­ garische Gesandte in Berlin, General Markow, der sich gegenwärtig in Sofia aufhält, soll die Mitwirkung des Kaisers bei dieser Annäherung bestätigt haben. Für die deutsche Sprache wurde im preu­ ßischen Abgeordnetenhause eine Lanze gebro­ chen. Abg. v. Ditfurth bat den Kultusminister, der Pflege unserer deurschen Sprache eine recht warme Fürsorge zuteil werden zu lassen. Er meinte: Es kann nicht früh genug eingesetzt werden, um in der erwachsenden Jugend die Liebe zur deutschen Sprache zu wecken. Auch in den höheren Schulen muß die deutsche Sprache mehr gepflegt werden. Sie darf nicht so stiefmütterlich behandelt werden, wie es jetzt vielfach geschieht. Jede Unterrichts­ stunde, welcher Art sie auch sei, mutz den Schüler im klaren, deutlichen Gebrauch der deutschen Sprache erziehen. So mancher Schü­ ler nimmt sprachliche Eigenheiten nicht gerade guter Art mit in das Leben hinaus, die er nie wieder los werden kann. Schlechtes Deutsch findet sich sogar nicht selten in Gesetzentwür­ fen und deren Begründung. Auf die Auswahl der Aufsatzthemen in den Schwulen muß der allergrößte Wert gelegt werden. Die Schüler "Er möchte sich Dir vorstellen lassen. Zur Belebung seiner etwas übertriebenen Abge­ schlossenheit wäre es mir lieb, wenn mein jun­ ger Patient, der übrigens sonst völlig gesund ist — nur an überreizten Nerven, der Krank­ heit unseres Jahrhunderts leidet, — ab und zu mal mit Dir und den Kindern Tennis spie­ len könnte. Das Wetter ist noch so prachtvoll." Nach diesen Worten trat mein gestrenger, sonst bis über die Ohren "zugeknöpfter" Herr Onkel zu mir in mein Zimmer. "Ist das der einsame Maler vom See? Nippach — Nippach" heuchelte ich harmlos. "Der Name kommt mir bekannt vor. Wo stammt er denn her?" "Besitzer von Schloß Braunshausen, Pro­ vinz U . . ., ein Patient von Leonberg. Der junge Mann verehrte ihn sehr! Scheint auch mit ihm befreundet zu sein.,, Ich willigte ein, und mit der Verabredung einer unauffälligen Treffgelegenheit schloß unser Gespräch. Als Onkel Kurtgegangen war, brach ich in ein schallendes Gelächter aus. Famos! Prachtvoll! Da mischt mir der stets mitleidige Zufall das allerschönste Kar­ tenspiel! Also Freund Leonberg, auch diesen Pa­ tienten will ich Dir streitig machen, wie schon ────────── so viele andere, auch er wird Deinen Zauber­ künsten fortan mißtrauen. Die Welt ist klein. Ueberall Verbindungen, überall feine unsicht­ bare Fäden, die sich mit geschickten Händen zu gefährlichen Netzen spinnen lassen. den 29. Oktober. Seit mehreren Tagen sind Graf Domini­ kus Nippach und ich miteinander bekannt. Ich weiß eigentlich nicht, weshalb vergüte Junge sich so schnell an mich attachiert hat? Es liegt etwas Hilfloses, Verängstigtes und dann auch wieder eine herrische Gereiztheit in seinem Wesen, sodaß ich ihn oft mitten im Spiel, im Gespräch verwundert ansehen muß. Von den heimatlichen Verhältnissen redet er nie, und ich bin schlau genug, seine Offen­ heit, das mir sonst rückhaltlos entgegengebrachte Vertrauen, nicht zu mißbrauchen. Ob er wohl an einer unglücklichen Liebe leidet oder sonst viel trauriges erfahren hat? Nach einer stürmischen Jugend sieht er nicht aus. Faul scheint aber doch etwas im Staate Dänemark! Graf Nippach ist ein gewandeter Tennis­ spieler, und wir, die Kinder und ich, sind froh, einest Partner zu haben, der uns über­ legen ist. Das Wetter ist andauernd prachtvoll. "Alt- Weibersommer" sagt man bei uns. Den Na­ men Leonberg hat natürlich Nippach oft schon genannt, allein, ich lenkte dann immer das Gespräch gleich in eine andere Bahn. Meine Zeit ist noch nicht gekommen. Er soll, er muß erst völlig in meiner Gewalt sein. Und dennoch überfällt mich zuweilen ein Bedauern, ihm einst seine Illusionen rauben und das Götterbild, zu dem er offenbar in romantischer Gefühlsüberschwenglichkeit empor­ sieht, vom Piedestal herunterstoßen zu müs­ sen. Nippach ist eine durchaus edle, vornehme Natur; aber was hilft ihm das? — Die Un­ schuldigen müssen mit dem Schuldigen leiden. In diesem Falle kennt Bianka Behring keine Rücksicht, keinen Pardon. Ihm, meinem Tod­ feinde zu schaden, ist meines Lebens Zweck und Ziel. den 31. Oktober. Regenwetter! Der See wälzt sich wie eine häßliche, graue Masse in seinen Ufern; ein Bild, um zartbesaitete Leute mit Melancholie zu erfüllen. Mich spornt diese trübselige Stimmung in der Natur zum Handeln an. Graf Nippach wurde heute von Onkel Kurt zum Abendessen gebeten. Ich war mit dieser Einladung betraut, falls ich meinen jungen Freund im Park begegnen sollte. Wir rennen nämlich beide unentwegt spazieren, Wind und Wetter zum Trotz. Dies Mal traf ich ihn jedoch vor dem Anstaltsportal. Sein Kammerdiener über­ brachte ihm gerade ein Paket Zeitungen und die Abendpost. Ein greulicher Bursche, dieser Philipp! Mich sieht er stets mit tückisch-mißtrauischen Augen an, als ob er an mir und in meinem Wesen Unheil für seinen Herrn wittere. Unsere Villa ist sehr hübsch und gemüt­ lich; das Speisezimmer ganz mit alten, echten Empiremöbeln ausgestattet. Eine Vorliebe bort Onkel Kurt. Er kann Unsummen ausgeben für solch einen, mit Löwenpranken versehenen steif­ beinigen Tisch. Graf Nippach kann diesem Stil keinen Ge­ schmack abgewinnen. In Braunshausen, sagte er, sei alles gotisch. Wenn er von Braunshausen spricht, dann geht stets ein seltsames Leuchten, ein Zug von heimverlangender Sehnsucht über sein schma­ les, blasses Gesicht. Vielleicht hat er etwas "Liebes" dort? Ich muß doch nächstens eine Anspielung darauf machen. (Fortsetzung folgt.) ────────── darauf starb der Großvater, und die Einzahlungen, die nicht in seinen Büchern aufgeführt waren, wurden vergessen. Als sich nunmehr die Lancaster mit der Lioerpool-Tnstiiklbank verschmolz, stieß man auf das Konto Lawjon, und eine Untersuchung ergab, daß der geistliche Herr der rechtmäßige Erbe war. Roosevelts Heimkehr. Expräsident Roosevelt ist in Bridgetown (Barbados) eingetroffen. Seine Gesundheit hat sich sehr gebessert, er begibt sich zur Hochzeit seines Sohnes nach Madrid. Eine amerikanische Millionärin zum Tode verurteilt. Das Appellationsgertcht Rew - Or teans bestätigte vorgestern das Todesurteil gegen die Millionärin Auguste Edwards, die im Juni vergangenen Jahres einen Kaufmann namens Georg Riehl auf der Straße erschossen hat, da er, wie sie in der Vernehmung erklärte, sich an ihrer weib­ lichen Ehre vergriffen habe. — Dies ist die erste weiße Frau, die in den Südstaaten der Union zum Tode verurteilt worden ist. Obwohl bei der Ver­ lesung des Urteils der Gerichtspräsident bereits er­ klärte, daß die Todesstrafe wahrscheinlich in lebens­ längliche Zuchthausstrafe umgewandelt werden würde, war die Millionärin fo verzweifelt, daß sie, ins Ge­ fängnis zurückgebracht, Selbstmord verübte, Aus russischen Gefängnissen. In Simbirsk (Rußland) hatte sich ein Kreispolizeichef Charkewitsch wegen Folterung der Sträflinge vor Gericht zu verantworten. Um die Sträflinge zum Geständnis zu Prinzen, hatte er sie geschla­ gen, bis sie bewußtlos wurden, und ihnen ferner Mund und Ohren mit einer Kerze ver­ brannt. Auch hatte er sie aufgehängt und sie dann kurz vor dem "kritischen" Moment abgeschnitten. Charkewitsch erklärte vor Gericht, er habe doch nicht anders getan, als was man sonst in russischen Gefängnissen tue. Er erhielt 2 Monate und 20 Tage Festung. Wenn er diese "Ehrenhaft" abgebüßt hat, wird der wackere Beamte weiter seine unglücklichen Opfer fol­ tern und quälen dürfen, nur wird er viel­ leicht in Zukunft etwas vorsichtiger dabei zu Werke gehen. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Walbkirchen, 14. Mat (Auf dem Dreisessel) wird morgen der volle WirlschaflSbetrieb durch den langjährigen Bergwirt Herrn Karl Hödl wieder aufgenommen. Im Vorjahre besuchten über 18,000 Fremde den Berg. Das Unterkunfrshaus und die Schaffung von Massenquartieren bietet hier Raum für alle Ansprüche. Obernzell, 13. Mai. (Vom Tode des Er­ trinkens errettet.) Ein 4jährtger Knabe des Herrn Neustifler spielte heute nachmittags in einem Kahne in der Donau. Ec verlor dabei das Gleichgewicht und fiel kopfüber tn das Waffer. Herr I. k. Oberaufseher Hauer, der in der Nähe war, sprang so­ fort hinzu und entriß das Kind, das bereits unter­ gegangen war, dem naffen Element. Paffau, 14. Mai. (Ktrchendiebstahl.) Vor ca. 14 Tagen und auch in den letzten Tagen wurden in Reger.sdurg aus zwei Kirchen vom Altar weg 4 Kerzenleuchler aus Mefsingguß und 1 wetßleinene Altarunterdrcke ohne Stickerei von einem unbekannten Täter gestohlen. Paffau, 14. Mai. (Eine teure Siesta) hielt ein hiesiger Bürger. Während er schlief, gelang es einem Stromer tn die versperrte Wohnung zu kom­ men und dort eine Zither und vier saftige Schinken zu entwenden. Die Zither verkaufte er tn einer hiesigen Tändlerei um 3 Mark, was er mit dem Schinken anfing, ist bisher nicht bekannt geworden. Der Täter ist entkommen, der Meister, der inzwischen wieder aufgewacht ist, aber trauert seinen Schinken nach, die im Gegensatz zur Zither nicht mehr zu er­ reichen sind. Tage ist ihre Zeit zu Ende. Hoffentlich tritt nun endlich der Mai tn fein Recht und beschert uns noch einige schöne Tage. Straubing, 14. Mai. (Flugstützpunkt) Wie die "D.-Ztg." meldet, hat der Kriegsminister Straubing zum zweiten Flugstützpunkt für die bayer. Armee bestimmt. Wallersöorf, 12. Mai. (Bestohlene Wall­ fahrer.) Der hiesige Veteranenverin beteiligte sich vergangenen Samstag an der Pilgerfahrt »ach Altötttng. Auf der Umstetgestation Mühldorf wurde im Gedränge einem Mitglieds die Geldbörse mit an­ sehnlichem Inhalte von Gaunerhänden ettfroenbet. Dem Vernehmen nach sollen einzelne andere Be­ teiligte vom gleichen Schicksale betroffen worden sein. Deggendorf, 12. Mat. (Eine geisteskranke, junge Frauensperson) trieb sich am Montag abends auf dem oberen Stadtplatze umher. Die Bedauerns­ werte wehrte sich bei ihrer Festnahme durch die Polizei aufs heftigste. DieFreiw. Santtäiskolonne verbrachte die Kranke, welche als die ledige Dkenstmagd KreSzenS Trumm von Allhartsmals bei Schwarzach erkannt wurde, in die Heil- und Pflegeanstalt. Die Trumm war auf dem Felde mit Distelstechen beschäftigt, als sie sich plötzlich von einem Mörder verfolgt glaubte und in ihrem Wahne bis nach Deggendorf kam. Röhrnbach, 14. Mai. (Rückkauf.) Das Jlgsche Gastwirtsanwesen hier wurde von der früheren Besitzerin Frau Jlg und von Herrn Garhammer in Paulusmühle um den Preis von ca. 93 000 Mk. wieder zurückgekauft. Land-Hut, 15. Mat. —* König Friedrich August von S^a ch s e n begibt sich morgen Samstag zum Be­ suche des 15. Jnf.-RegtS., dessen Inhaber er ist, nach Reuburg a. D. Hiebet sind zum Empfange durch den König auch Abordnungen der sämtlichen 15erVereinigungen geladen. Von der hiesigen 1 SerVereinigung haben sich' hiezu heute nach Neuburg begeben, der 1. Vorstand Herr Regierungsassistent beim k. Oberversicherungsamte Erhard Aman», ferner Herr Gefängnisaufseher S p e ck a r d hier, GefängniSoerwalter Demuth in Vitsbiburg und Herr Kapellmeister Fronauer tn Berg o. L. —* Todesfall. Vorgestern ist Herr Georg Neuhanlfer, früherer Schneidermeister hier, nach längerer Krankheit im 69 Lebensjahre gestorben. Herr Neuhauser war in seinen gesunden Tagen ein eifriger Anhänger der liberalen Sache, ein treuer Freund, dem ein stetes Andenken gesichert sein wird. —* Besitzwechsel. Bei der Versteigerung des Anwesens, Regierungsstraße Nr. 571, bisher im Besitze der MetzgermeisterSeheleute Karl und Anna D i st l e r, die vor einer Woche im Notartale I hier stattfand, war die Vorbesitzerin Frau Privatiere Baumgartner mit 30,000 Mark Meistbietende geblieben. Frau Baumgartner hat nun ihre An­ sprüche an Herrn Metzger Xaver Scheuermeyer abgetreten, auf dem jetzt das Anwesen ver­ brieft worden ist. —* Wettere Gewinne sind auch gestern wieder in die hiesige Etnnahmestelle der PreußtschSüddeuischen Klaflenlotterie gefallen, nämlich zwei Gewinne ä 500 Mark und mehrere Einsatztreffer. —'* Schützenpreise. Beim Königsschleßen der k. priv. Feuerschützengesellschaft in Rose nh eim, das vor kurzem stattfand, hat sich von Landshuter Schützen Herr Georg Barth unter großer Kon­ kurrenz den 11. Preis auf der Ehrenfchetbe und den 17. Preis auf der Festscheibe errungen. — * Die drei Eisheiligen haben Heuer ein strenges Regiment geführt. Mit dem gestrigen ────────── Verlosungen. Preußisch-Süddeutsche Klaffenlotterie. 5. Ztehungstag. Vormittagsziehung: 5000 Mark auf die Nr. 18 907, 36 339, 211 992, außerdem 100 zu 3000, 148 zu 1000, 222 zu 500 Mark. Nachmittagsztehung: 150 000 Mark auf die Nr. 226 485, 15 000 Mark auf die Nr. 86 778, 223 918, 10 000 Mark auf die Nr. 21 797, 5000 Mark auf die Nr. 219 059, außerdem 78 zu 3000, 152 zu 1000, 184 zu 500 Mark. (Ohne Gewähr.) ────────── Letzte Posten. Prinz Heinrich-Flug. Frankfurt a. M., 15. Mai. Von den 41 gemeldeten Fliegern werden beim Prinz Heinrich-Flug voraussichtlich nur 34 aufstei­ gen. Auf dem Feldberge im Taunus wird ein Flugzeugfeuer errichtet, das 6 Millionen Kerzenstärken erhält und beim Nebel und wäh­ rend der Nacht den Fliegern als Wegweiser dienen soll. Große Kälte und Neuschnee. Hirschb er g i. Schl., 15. Mai. Gestern herrschten im Riesengebirge 2 Grad Kälte. Auf den Höhen liegt 60 Zentimeter Neuschnee. Die Lage in Mexiko. Bransville, 15. Mai. Die hier wei­ lenden Angestellten der Oelfelder vom Tam­ pico erklärten sofort dorthin zurückzukehren. Nach Meldungen aus Tampico sind die Stadt selbst und die Gebäude unbeschädigt. Die Erd­ ölanlagen sind ebenfalls unversehrt. Die Aus­ länder werden aufgefordert, wieder zurückzu­ kehren, da General Goncailes ihnen Schutz ver­ bürgt. Die Zahl der in den Kämpfen von Tampico Gefallenen wird auf 300 angegeben. Flieger als Bombcnwerfer. " Ne whork, 15. Mai. Nach einer gestri­ gen Meldung aus Mazatlan haben die Flug­ zeuge der Zapatisten abermals Bomben auf die Ergänzungen der Bundestruppen herab­ fallen lassen. Schaufliegen in Deutsch-Südwestafrika. S w a k o p m u n d, 15. Mai. Am Dienstag veranstaltete die deutsche Fliegerexpedition, an deren Spitze Bruno Bichner steht, das erste Schausliegen, welches das größte Interesse er­ weckte und ohne Unfall verlief. Junge Liebe. Budapest, 15. Mai. Die Budapester Zeitung "Az Est" meldet: Die gestern voll­ zogene Verlobung der Komtesse Margit Potocka, der einzigen Tochter des Großgrundbe­ sitzers Graf Anton Potocka, mit dem noch nicht 18jährigen Gymnasiasten Tibor Battenberg, einem Sohn eines Postrates. ────────── Das Recht am eigenen Haus- oder Wohnungsschlüssel. Hiezu schreibt Dr. jur. A. von Dirke int Tag: Eine unter den Rechtslehrern sehr streitige Rechtsfrage ist die, ob der Vermieter nach Beendi­ gung des Mietverhältnisses von dem Mieter die Herausgabe eines Haus- oder Wohnungsschlüssels verlangen kann, den sich der Mieter auf eigene Kosten hatte anfertigen lassen. Diese Frage findet im Gesetz ohne weiteres keine Antwort. Auch liegt bis jetzt noch keine Entscheidung eines höheren Gerichts in dieser Hinsicht vor. Es ist daher von allgemeinem Interesse, wie dem Vermieter nach dem Gesetz zu helfen ist. Denn daß ihm geholfen werden muß, ergibt sich aus Billigkeit und aus der Erwägung, daß niemand ihm eine Wohnung abmieten wird, von der er weiß, daß auch ein anderer sich auf bequemste Weise Zugang ver­ schaffen kann. Will der Vermieter seine Wohnung vermieten, so befindet er sich in einer Zwickmühle. Entweder muß er, um nicht eventuell spater scha­ denersatzpflichtig zu werden, dem Reflektanten der Wohnung mitteilen, daß noch ein anderer einen Schlüssel besitzt — dann wird er die Wohnung nicht los — oder er muß auf seine Kosten ein neues Schloß anbringen lassen, dann erleidet er einen ungerechten Vermögensschaden. Es liegt auf der Hand, daß der Vermieter den zweiten Weg vorziehen wird. Aber sollte er denn gesetz­ lich gar nicht gegen solche, von einem anderen verursachte Schäden zu schützen sein? Gemäß § 556 Abs. 1 BGB. ist der Mieter verpflichtet, die gemietete Sache nach Beendigung des Mietverhältnisses zurückzugeben, d. h. er hat dem Vermieter die Wohnung nebst Zubehör zu überlassen. Es fragt sich, ob der vom Mieter auf seine Kosten angeschaffte Schlüssel Zubehör geworden ist. Zubehör ist ein Schlüssel dann, wenn er, ohne Bestandteil der Wohnung zu sein, dem wirtschaftlichen Zweck der Wohnung'zu dienen bestimmt ist und zu ihr in einem dieser Bestimmung entsprechenden räumlichen Verhältnisse steht, wobei besonders die Verkehrsanschauung entscheiden soll (§ 97 BGB.). Danach wäre also in der Regel ein dem Mieter eigentümlich gehörender Schlüssel Zubehör der Wohnung. Bestachtet man nun aber die Rechtslage 'von dem Gesichtspunkt, ob denn überhaupt der Mieter eine Sache zum Zubehör der Wohnung machen kann, da er doch nicht Eigen­ tümer der Wohnung, sondern nur Mieter, also nur obligatorisch Berechtigter ist, so erheben sich Zweifel. Ohne weiteres ist klar, daß der Eigen­ tümer imstande ist, ein Zubehörverhältnis zu schaffen. Jedoch sagt die herrschende Ansicht, daß auch ein nur obligatorisch Berechtigter eine Sache zum Zubehör der seinem Recht unterliegenden Sache machen kann (vgl. Staudinger zu § 97 Nr. 2a, Dernburg, bürg. Recht III S. 28). Der Mieter hat also, nach Beendigung der Miete, seinen eigenen Schlüssel als Zubehör der Wohnung dem Vermieter herauszugeben, da sich die ihm obliegende Rückgabe der Wohnung nach herrschender Ansicht und ständiger Rechtsprechung auch auf das Zubehör erstreckt (s. Dernburg II 2 S. 196, Staudinger zu § 556 Nr. I 1c). Anders liegt jedoch der Fall, wenn der Mieter den angeschafften Schlüssel nur zur vor­ übergehenden Benutzung bestimmt hat, z. B. sein Bruder kommt zu Besuch, und er läßt für diesen, da er infolge irgendeines Umstandes verhindert ist, ihn auf seinen Ausgängen zu begleiten, einen Hausschlüssel anfertigen. Dann begründet die vor­ übergehende Benutzung des Schlüssels keine Zube­ höreigenschaft. Wie gestaltet sich der Herausgabeanspruch des Vermieters"? Muß er dem Mieter die An­ schaffungskosten ersetzen oder nicht? In dieser Hinsicht bestimmt § 547 Abs. 1 BGB.: "Der Vermieter ist verpflichtet, dem Mieter die auf die Wohnung gemachten notwendigen Verwendungen zu ersetzen." Also nur, falls die Anschaffung des Schlüssels sich als notwendige Verwendung auf die Wohnung darstellt, ist der Vermieter zum Ersatz der Anschaffungskosten verpflichtet. Ist dies nicht der Fall, so kann der Mieter Ersatz der Kosten nur gemäß den Vorschriften über die Geschäftsführung ohne Auftrag verlangen, d. h. im allgemeinen nur dann, wenn die Anschaffung des Schlüssels dem Jntereffe und dem wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Vermieters ent­ sprach, oder wenn der Vermieter vorher in die Anschaffung eingewilligt hat. In der Regel aber läßt der Mieter sich den Schlüssel anfertigen, ohne den Vermieter zu fragen. Hier gestaltet sich die Sachlage anders. Verlangt der Vermieter nach Beendigung des Mietverhältnisses ohne jede weitere Erklärung den Schlüssel heraus, so ist wohl darin eine nachstägliche Zustimmung der Anschaffung zu erblicken, und der Mieter kann Ersatz der Kosten verlangen (§ 684 S. 2 BGB.). Erklärt aber der Vermieter ausdrücklich, daß der Schlüssel ohne seine Einwilligung hergestellt sei und er seine Genehmigung verweigere, so ist er, sofern nicht die Anschaffung seinem Jntereffe unh seinem wirk­ lichen oder mutmaßlichen Willen entsprach, dem Mieter nur zum Ersatz nach den Vorschriften über ungerechtfertigte Bereicherung verpflichtet (§ 684 S. 1 BGB.). In allen diesen Fällen kann aber der Mieter nie Ersatz seiner Anschaffungskosten verlangen, wenn er von Ansang nicht die Absicht gehabt hat, von dem Vermieter Ersatz zu ver­ langen. Der Vermieter hat also gegen den Mieter nach Beendigung des Mietverhältnisses einen An­ spruch auf Herausgabe des von diesem angeschafften Schlüssels (so auch Planck zu § 556 BGB., Dernburg II 2 S. 19b Sinnt, 12, Strauß. Die Miete nach dem BEB. S. 128, Dr, Besold, Jur. Woch.-Schr. 1913 S. 614). Nach anderer Ansicht kann der Vermieter nicht einen dem Mieter gehörenden Schlöffet herausverlangen, son­ dern nur seine Unbrauchbarmachung verlangen (so Niendorff, Mietrecht 1912 S. 246, Mittelstem. Die Miete nach dem Recht des Deutschen Reichs 1909 S. 280, Josef in Deutsche Juristen-Zeitung VII 552).