Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-05-25. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 141, 1914-05-25. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Das liberale Parlamentsmitglied Ponsonbh brachte in diesen Tagen im englischen Unterhause eine Gesetzesvorlage über die Abschaffung des eng­ lischen Erbadels ein. Die Vorlage enthält die beiden folgenden Paragraphen: 1. Der In­ haber eines erblichen Ordenstitels soll ge­ halten sein, durch eine urkundliche Eingabe auf diesen zu verzichten. (Wie man bei der Aenderung seines Namens verfährt.) 2. Kein nach der Annahme des vorliegenden Gesetzes Geborener darf die Erbfolge des Titels an treten. Der Antragsteller rechnet darauf, daß diese Maßregel die Wirkung hat, den Adel bereits in der nächsten Generation verschwin­ den zu lassen. Das Gesetz passierte die erste Lesung, ohne daß sich eine Debatte oder Ab­ stimmung daran knüpfte. Neuer Suffragettenstreich. Eine Suffra­ gette beschädigte mit der Axt in der K. schot­ tischen Akademie in Edinburgh ein Porträt des Königs von Lavery; sie wurde verhaftet. Eine türkische Brandrede. Bei der Ueber­ nahme des Vorsitzes in der türkischen Kam­ mer hielt der Präsident Halil Bey eine Rede, in der er an die letzte Kammersitzung, in der er präsidierte, erinnerte und die damalige Re­ gierung tadelte, die verfaßungswidrig gewesen sei und die Kammer aufgelöst habe, während diese ein Tadelsvotum gegen das Kabinett aus­ sprach. Die Militärliga, so führte er aus, wurde Herrin der Pforte. Anarchie bemäch­ tigte sich des ganzen Landes und dies in einem Augenblick, da das Land sich noch im Kampfe mit Italien befand (Lärm und Zwischenrufe). Die Feinde der Türkei machten sich dies zu nutze, um gleichzeitig die Grenzen des Kaiser­ reiches anzugreifen. So verlor die Türkei wegen des politischen Ehrgeizes einer Partei das schöne Rumelien. Die türkische Armee wurde nicht geschlagen. Die Armee einer Nation, die vor 4 Jahrhunderten Kaiser, Könige und Völker unterjochte, die Armee, die selbst Napoleon Achtung einflößte, die bei Plewna Widerstand leistete und so einen moralischen Sieg errang, konnte nicht besiegt werden. Der türkischen Armee ist ein Unglück zugestoßen. Man tnuß aus den Niederlagen die entsprechenoe Lehre ziehen. Ich empfehle, nie­ mals das schöne Saloniki, das grüne Monastir, Janina und ganz Rumelien zu v'ergessen, nie­ mals zu vergessen, daß es jenseits der Grenze Brüder giebt, die es zu befreien gilt. Nur so können wir die Fehler der Vergangenheit gut machen. (Lebhafter Beifall.) Brutale Kriegführung. Nach der Ein­ nahme von Tepic in Mexiko wurden über 200 Kriegsgefangene erschossen. Deutsches Leben und Eigentum blieb bisher in Tepic unverletzt. Massenentlassuugen in einer mexikanischen Motorwagenfabrik. Nach einer Nachricht aus Detroit im Staate Michigan werden 6000 Ar­ beiter der dortigen Ford-Motorwagen-Gesellschaft dieser Tage entlassen werden. Die Nach­ richt hat einen peinlichen Eindruck im Lande hervorgerufen. ────────── atmetete plötzlich hoch auf, so stark war die Wirkung dessen, was er verstanden hatte. Vivian stand noch immer hochaufgerichtet, mit sprühenden Augen. "Professor von Leonberg," fuhr sie fort, "alles, was Sie mir sagen, wovor Sie mich heute vielleicht warnen wollen, es übt keine Wirkung, keinen Einfluß mehr auf mich aus. Graf Nippach hat aufgehört, ein Anrecht auf meine Hand zu besitzen! Meinen Gefühlen, meiner heiligsten Ueberzeugung nach bin ich seine Braut nicht mehr. Das mag hart und schroff klingen aus Mädchenmund; besser aber ist es, unter allen Umständen die Wahrheit zu bekennen, als sich mit einer Lüge für den lan­ gen, wechselvollen Lebensweg zu trösten. Der Brief, der meinem Verlobten schon morgen diese Nachricht bringen soll, ist bereits geschrie­ ben. Dominikus ist gut und edel, gerade er wird mich verstehen. So, und nun sprechen Sie, Herr von Leonberg!" Tief aufatmend, wie von schwerer Seelen­ last befreit, ließ Vivian sich in einen Sessel sinken, in allen Stücken gefaßt, auch das nun Kommende, Unvermeidliche auf sich zu neh­ men und zu tragen. In Leonberg regte sich das peinigende Bewußtsein, ihr machtlos gegenüberzustehen; und ein Gefühl tiefen Mitleids kam hinzu. Er beugte sich näher zu ihr hinab; der Duft ihrer dunklen Locken stieg ihm betäubend zu Kopf. O, nur den Arm ausstrecken, sie an sich reißen zu dürfen, um sie zu schützen! O, nur das Wort frei aus voller Seele heraus aus­ sprechen dürfen, das mächtig genug war, alle Rätsel zu lösen, alles Dunkel zu lichten. Doch nein, so konnte nur ein Schurke han­ deln, dem die Niederlage eines anderen als günstige Gelegenheit winkte, den unbehüteten kostbaren Schatz an sich zu reißen. Nein, das konnte er nimmermehr! Es war wieder der verführerische Reiz des Augenblicks, der ihn blendete, berauschte, der den Dämon seines Lebens, die Macht, die er über das andere besaß, ganz einfach erstickte. Nein, er würde sich jedesmal später bei ruhiger Ueberlegung eingestehen müssen, daß ein himmelweiter Unterschied bestand zwi­ schen reiner, hingebungsvoller Liebe und der Wirkung jener gefährlichen Macht, mit deren Hilfe der "Rattenfänger" seine Opfer betäubte. Alles war nur Truggold, war nur Schein Nimmermehr vermochte er sich von diesen quä­ lenden Zweifeln zu befreien. Aber er beherrschte sich so weit, um mit Ruhe und Fassung zu erwidern: (Fortsetzung folgt.) hauptsächlich mit dem festen Entschluß, Sie vor drohender Gefahr zu schützen, hierhergekom­ men," sagte sie warm. Unwille und Trotz blitzten in Vivians Au­ gen auf. "Sie wollen über — den Grafen Nippach" — es war ihr unmöglich, "meinen Verlobten" zu sagen — "mit mir sprechen, Herr v. Leon­ berg?" ... '»■ "Allerdings, Komtesse, so schwer mir die heutige Mission auch geworden ist, ich muß.. "Bitte, Btu^/ nur einen einzigen Moment. Lassen Sie mich' Jyiic.n vorerst etwas sagen, was Ihnen vielleicht diese peinliche Mission erleichtert," rief sie lebhaft und legte beide Hände gegen die Stirn, wie um die erregten Gedanken in die richtige Form zu bringen. "Seit einigen Tagen, nein, vielleicht seit die­ sem Morgen erst, ich weiß nicht, seit wann, ist ein Wille in mir erwacht, der durch Schwä­ che, Unverstand, Aeußerlichkeiten, falsche Pflichfsnauffassung — nennen Sie es, wie Sie wollen — lange unterbunden war. Dieser Wille fordert gebieterisch meine Freiheit, und Frei­ heit ist gleichbedeutend mit ". Ihre Stimme ging in Flüstern über, aber er, der mit angespannten Sinnen lauschte, er verstand auch das mehr gehauchte Wort und ────────── Der frühere Bürgermeister von Regensbnrg, Geh. Hofrat von Stobäus, ist gestern in München gestorben. Als Bürgermeister von Lindau war er bis zum Jahre 1868 tätig. Da­ raus wurde er zum Bürgermeister von Regens­ burg gewählt, als welcher er, ausgestattet mit hervorragenden Eigenschaften, bis zum Jahre 1903 erfolgreich wirkte. Er starb hochbetagt in seinem 84. Lebensjahre. Bürgermeisterwahl. Für die Wahl des neuen zweiten Bürgermeisters in München ist Termin auf Donnerstag den 28. Mai anbe­ raumt. Bieheinfnhr ans Oesterreich. Die Einfuhr von Rindvieh zu Nutz- und Zuchtzwecken aus den österreichischen politischen Bezirken SteyrBezirkshauptmannschaft und Linz-Stadt in das bayerische Grenzgebiet ist nunmehr wieder zu­ gelassen. Die offizielle Probefahrt der neuen Mo­ torpostlinie Traunstein — Kammer — Palling (16 Kilometer) fand am Freitag, den 22. Mai statt. Vom K. Oberpostamte to(tren hierzu Ein­ ladungen an die Verwaltungsbehörden, sowie an die Vorstandschaft des Kur- und Verschö­ nerungsvereins Traunstein ergangen. 'Von Pal­ ling wurde die Fahrt noch nach Station Wiesmühl—Tittmoning (Tauernbahn) fortgesetzt. Die Eröffnung der landwirtschaftlichen fireisansstellung Mittelfrankens, die mit der 48. Wanderversammlung bayerischer Land­ wirte verbunden ist, fand am Samstag Mittag in Erlangen statt. Zum 50. Geburtstage von Richard Strauß plant die Generalintendanz in München eine Aufführung der sämtlichen auf dem Repertoire befindlichen Strautzschen Opern. Den Zyklus eröffnet am 2. Juni die ,,Salome"-Vorstellung. Das Miünchener Schwurgericht verurteilte den Taglöhnier Heinr. Senger, den Brand­ stifter von Schwaben, wegen dreier Verbrechen der Brandstiftung zu acht Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Irrsinniger Brandstifter. Auf Veranlas­ sung des Landgerichts München 2 wurde der Müllerssohn Josef Neumaier aus Ottenhofen, der am 29. März das Anwesen des Mesners in Siggenhofen in Brand gesteckt hatte, als geisteskrank in die Irrenanstalt Gabersee ein­ geliefert. Ertrunken. In Pasing fiel das vier jährige Mädchen des Zimmermeisters Winkler bei Spielen in die Würm und wurde von den Wellen mit fortgerissen. Die Leiche konnte ge­ borgen werden. Bayerische Nachrichten. ────────── Großseuer in einem märkischen Dorfe. Am Samstag nachmittags brach in dem Dorfe Sie­ low bei Kottbus Feuer aus, das rasch um sich griff und 19 Gehöfte in Asche legte. Nebersall aus einen Geldbriefträger. Als am Samstag vormittags der Geldbriefträger Ferkau in Berlin die Treppe hinaufftieg, warf ihm ein junger Bursche eine Hand voll Pfef­ fer in die Augen und versuchte ihm die Geld­ tasche zu entreißen. Der Angefallene rief um Hilfe. Hausbewohner nahmen den Räuber fest und übergaben ihn der Polizei. Es ist ein 18jähriger Arbeiter namens Gustav Schulz aus Ludwigsborf (Kreis Görlitz.) Schwere Explosion. Die Schießbaumwollfabrik der deutschen Sprengstoffwerke in Düren (Rheinland) ist durch Losgehen einer Patrone zur Explosion gelangt. Zwei kurz aufeinander folgende Schläge erschütterten die ganze Stadt. Im Umkreise von einer Viertelstunde sind Tau­ sende von Fensterscheiben eingedrückt und Dä­ cher abgedeckt. Die Fabrik ist größtenteils ein­ gestürzt, 21 Personen sind verletzt, darunter drei schwer. Bei den Aufräumungsarbeiten sind noch zwei Tote und zwei schwer Verletzte gefunden worden. Zwei Personen werden noch vermißt. Ein Schwerverletzter ist int Kranken­ haus gestorben. Opfer der Pflicht. Von den bei dem Ka­ sernenbrande bei Konstantinopel verunglückten Matrosen des Kreuzers "Göben" sind drei nachts ihren Verletzungen erlegen. Mit oreizehn Mark um die Welt. Einen jähen Abschluß fand eine "Weltreise", die zwei junge Bürschchen aus Oberschöneweide unter­ nahmen. Die Frau des Zigarrenhändlers K. hatte dem neunjährigen Schüler Hermann W. dreizehn Mark übergeben, damit dieser einen größeren Posten Zigaretten für sie hole. Unter­ wegs trat ein gleichaltriger Knabe an W. heran und verstand es, ihn dazu zu überreden, mit thut auf und davon zu gehen. Mit dem Gelde gedachten die beiden abenteuerlustigen Bürschchen nun eine Weltreise anzutreten. Sie kauften sich zunächst eine Fahrkarte nach Forst und bestiegen den nächsten Fernzug. Aber schon bei ihrer Ankunft in Forst sollte die Weltreise ihr Ende finden. Die beiden Aus­ reißer sielen Bahnbeamten auf, die sie der Polizei übergaben. Ins Gebet genommen, ge­ standen die Bürschchen ein, das Geld unter­ schlagen zu haben, um die Reise anzutreten. Die beiden wurden in Schutzhaft genommen. Im Moor versunken. Als am Samstag abends der Gutsvorstand Dannappel aus Contienen bei Königsberg mit dem Betriebsinge­ nieur Schäfer^eine seichte Stelle an einem Ne­ benflüßchen der Pregel passierte, versank Schä­ fer plötzlich im Moor. Dannappel sank bei dem Rettungsversuche ein und erstickte, während Schäfer sich retten konnte. Raubmord an der russischen Grenze. In dem Städtchen Konin bei Stralkowo an der russischen Grenze wurde der Getreidehändler Hahn gestern früh in seinem Bette ermordet aufgefunden. Vor ihm lag besinnungslos der 17jährige Sohn Hans. Dieser sagte, als er das Bewußtsein wiedererlangt hatte, aus, er habe nachts im Schlafzimmer seines Vaters Geräusch und dann Hilferufe gehört. Als er in das Zimmer drang, sei ihm ein junger Mensch ent­ gegengetreten, der ihn mit einer Eisenstange niedergeschlagen habe. Aus dem Kassenschrank fehlen etwa 16 000 Mark. Der Täter, der 22jährige Handlungsgehilfe Schwetz, der bei Hahn angestellt war, ist entflohen. Zehn Millionen für ein gebrochenes Ehe­ versprechen. Gräfin Ursula Barbara Kallnowski ist, von Wiesbaden kommend, in Lon­ don eingetroffen, um den Eisenbahnmagnaten Mitchel Hurleh wegen Bruches des Ehever­ sprechens auf zehn Millionen Mark Schadenersatz zu verklagen. Die beiden sahen, verliebten und verlobten sich vor etwa Jahresfrist in Wiesbaden. Die Verlobung wurde damals durch ein großes Festessen ge­ feiert. Dann fuhr Mitchel Hurleh, der ame­ rikanische Bräutigam, nach Hause, um die Hoch­ zeit vorzubereiten. Er bat die Gräfin, ihn bald in Rio de Janeiro, bald in St. Louis, bald wieder in Newyork und anderen Städ­ ten zu treffen. Immer aber, wenn die Grä­ fin an dem bezeichneten Orte eintraf, war ihr Bräutigam bereits abgereist. Schließlich fand sie ihn endlich in Newyork. Er war lie­ benswürdig zu ihr, wollte aber von einer Hei­ rat nichts mehr wissen. Die Gräfin will bei dieser Jagd nach ihrem Bräutigam allein Mark 140 000 verloren haben. Im Flugzeug über beit Ozean. Wie die "Pall Mall Gazette" erfährt, beabsichtigt der Flieger Gustav Hamel in diesem Sommer, wo­ möglich noch vor August in einem großen Martinsyde-Eindecker, der in London gebaut wird, mit einem erfahrenen Flieger als Passagier von Westen nach Osten ohne Landungen über den Atlantischen Ozean zu fliegen. Die Ma­ schine wird von einer Seite bis zur anderen 21 Meter messen und Motoren von etwa 230 Pferdestärken besitzen, sowie Funkenappürate führen. Die "Mauretania" in großer Gefahr. Der jetzt in Newyork eingetroffene Dampfer "Mauretania" von der Cunardlinie, wurde nach Aus­ sage seines Kapitäns etwa 500 Seemeilen süd­ östlich von Cap Race von einer großen Ge­ fahr bedroht. Ein großer Eisberg befand sich in der Route des Schiffes und erst im letzten Augenblick gelang es dem Kapitän, das Schiff links zu steuern, um so das gefährdete Hin­ dernis zu umfahren. Gestrandet ist hundert Meilen ^nördlich von Tampico der Dampfer "Atlanta". Auf drahtlosen Hilferuf eilte das Schlachtschiff "Connecticut" herbei und rettete etwa 100 Passagiere. Die Passagiere setzten sich zum größten Teile aus Ausländern zusammen, die von Galveston, wohin sie sich geflüchtet hat­ ten, nach Den Oelfeldern von Tampico zurück­ kehren wollten. Verurteilung eines Millionärs wegenZollhinterziehung. Der bekannte amerikanische Millionär John Jeike in Chicago, der Be­ sitzer einer bedeutenden Margarinefabrik, ist wegen Zollhinterziehung zu einer Geldstrafe von 2000 Pfund Sterling und 2 Jahren Ge­ fängnis verurteilt worden. ────────── Niederbayerische Nachrichten. ng. Weng, 23. Mai. (Masern.) In den Schulgemeinden Dornwang, Rimbach und Weng sind die Masern ausgebrochen. In Dorn­ wang ist die Schule geschlossen. Die Krankheit tritt sehr ernst auf. In Rimbach ist ein Kind dieser Krankheit erlegen. Bei der zur Zeit herrschenden trockenen Witterung hofft man dieser leicht über­ tragbaren Krankheit bald Herr zu werden. -yr. Vom Isartal, 23. Mai, schreibt uns ein Leser: Schwalben und Stare gibt es heuer fe'n wenig, geradezu auffallend wenig bet uns. Das nasse Vorjahr war ein schlechtes Zuchtjahr, oder haben die Italiener allzu reichliche Auflese gehalten ? Neulich sagte mir ein alter Bauer: .Heuer krieg'n ma a trukas Jahr, weil d'Spatzen in Dachrinna züchten." Besser ein trockenes als ein nasies, denn "Kotjahr — Notjahr." Dingolfing, 22. Mai. (Opferstockdiebstahl.) An einem nicht mehr näher feststellbarem Tage ist kürzlich der Opferstock in der Filialkirche zu Lengthal erbrochen und seines ganzen In­ haltes beraubt worden. Vom Täter hat man keine Spur. Rohr, 24. Mai. (Verdient Nachahmung!) Der verstärkte Magistrat hat beschlossen, für sämtliche Schulkinder der Schule Rohr Filz­ schuhe auf Kosten der Schulkasse anzuschaffen. Die Filzschuhe werden nux während des Schul­ unterrichtes getragen. Straubing, 23. Mai. (Probefahrt.) Der im Auftrage der K. ungarischen Fluß- und Seeschifsahrtsgesellschast auf der Deggendorfer Werft erbaute Salondampfer "Erzherzogin So­ phie" ist inun so fveit fertiggestellt, daß die Pro­ befahrt, die sich in der Richtung nach Strau­ bing erstrecken wird, am 28. Mai stattfinden kann. — König Ludwig III. hat das Anerbieten der Schiffahrtsdirektion, diesen Prachtdampfer am 16. Juni auf seiner Reise von Deggendorf bis Passau als erster Passagier zu benützen, gerne angenommen. Oberbienborf» 22. Mai. (Renitenter Bur­ sche.) Gestern abends kam ein betrunkener Handwerksbursche in die Behausung des hie­ sigen Bürgermeisters Fürst und forderte mit Ungestüm eine Nachtherberge. Als ihm diese verweigert wurde, beschimpfte er den Bürger­ meister in der gröbsten Weise und drohte des­ sen Anwesen anzuzünden. Bürgermeister Fürst verständigte sofort die Gendarmerie in Tyrnau, um den Radaubruder festzunehmen. Derselbe roch jedoch Lunte und entfernte sich eiligst aus der Ortschaft. Die Gendarmerie konnte den frechen Burschen nicht mehr einholen und dingfest machen. Kollnbcrg, 22. Mai. (Ein Riesenkornhalm.) Auf einem Acker des Oekonomen Wolgang Köpl von Bayerweg wurde ein Kornhalm gefunden, der die Höhe von 1,95 Meter aufweist. Ge­ wiß eine Seltenheit um diese Jahreszeit. Sam, 22. Mai. (Diebstahl.) Dem Bau­ ersohn Johann Kuchler von Thürnstein wurde kürzlich, während er sich mit seinen Ange­ hörigen auf dem Felde befand, aus seinem verschlossenen Kleiderschränke eine silberne Ta­ schenuhr im Werte von 20 Mark entwendet. Der jugendliche Dieb ist eruiert. Biechtach, 23. Mai. (Bauernhochzeiten.) Am nächsten Dienstag findet in Drachselsried die Hochzeit des Oekonomen Josef Sigl in An­ gerhof mit der Hinkhofbauerstochter statt. Zur Hochzeit sind 150 Gäste geladen. — Vor eini­ gen Tagen fand im Altschäfflschen Gasthause in Bernried die Hochzeit des Frcknz Xaver Gegenfurtner in Ried mit der Bauerstochter Kathi Artmann statt. Hierzu waren 172 Gäste geladen. Grafenau, 21. Mai. (Gräßlicher Selbst­ mord.) Die Jnwohnersehesrau Höfl von Schlag welche schon vor einigen Tagen einen Selbst­ mordversuch machte, aber rechtzeitig daran ge­ hindert werden konnte, begoß gestern in einem Anfalle von Irrsinn im Marchholz ihre Klei­ der mit Spiritus und zündete sie hierauf an. Sie erlitt so schwere Verletzungen, daß sie als­ bald verstarb. Grafenau, 21. Mai. (Nach Kamerun.) Der K. Forstassistent R. Meyer dahier wurde zum Kaiser!. Kolonialförster in Kamerun ernannt. Derselbe schifft sich bereits am 9. Juni zur Ueberfahrt ein. Vüchlberg, 22. Mai. (Angeschossener Wil­ derer.) Der Jäger Fischer des Herrn Kerber hier stieß in der Waldung zwischen Büchlberg und Saderreut auf einen Wilderer. Als die­ ser Miene machte, auf den Jäger anzulegen, brannte letzterer dem Wilderer "ein's hinauf", woraus derselbe das Weite suchte. Ueber seine Person besteht bisher noch keine Gewißheit. Passau, 23. Mai. (Eingefangenes Reh.) Heute früh schwamm eine Rehgeiß in der Do­ nau herab. Der Fischerssohn Franz Köck von Ilzstadt fuhr mit einem Kahne nach und brachte das schon erschöpfte Tier ans Land. Offenbar war das Tier von einem jagenden Hunde in die Donau gehetzt worden. ────────── —* Besitzwechsel. Herr Privatier Hans Prenntnger hier, hat die bisher im Besitze des Herrn S ch m i d t n e r befindliche Bahnhofrestaura­ lion in Pfeffenhausen käuflich erworben. Als Kaufpreis werden 36 000 Mark genannt. —* Eisenbahnunfall. Während des heftigen Gewitters am letzten Samstag wurde bei einem Rangiermanöoer im hiesigen Bahnhöfe ein Postwagen zu scharf auf einen stehenden Zug aufge­ stoßen. Hiebei wurden die im Wagen befindlichen Fahrpostschaffner Heinrich Salzn er und Josef Hermann zu Boden geschleudert. Während Hermann nach Anlegen eines Notoerbandes die Reise fortsetzen konnte, mußte Salzner durch die SanilätSkolonne in seine Wohnung verbracht werden. —* Glück hatte ein Schneidermeister der Um­ gebung. Dieser lies gestern, während er in einer hiesigen Tuchhandlung zu tun hatte, sein fast neues Fahrrad vor dem Laden stehen. Als er seine Ge­ schäfte. beendet hatte und sein Rad wieder besteigen wollte, war dieses verschwunden. Trotz allen SuchenS konnte er des Rades nicht mehr habhaft werden, auch eine Anfrage bet der Polizei und eine Umfrage bei den Fahrradhändlern nützte nichts. Als er sich nach längerer Zelt in die Handlung zurückbegab, und feine Waren dort abholen wollte, stand aber das vermißte Rad wieder vor dem Geschäfte. Der Dieb hatte dasselbe anscheinend nur zu einen kurzen Ausflug benützt. —* Verloren wurden gestern mehrere Geld­ börsen mit Beträgen bis zu 30 Mark. Ein Finder hat sich nicht gemeldet. —* Entlaufen ist am letzten Freitag ein jugendlicher 11 Jahre alter Knabe aus der Erziehungsanstalt St. Josef in Neustadt a.D. In einem hiesigen Gasthause, wo der Flücht­ ling übernachten wollte, wurde er aufgegrif­ fen und der Polizei übergeben, die ihn wieder in die Anstalt zurückbeförderte. —* Eine Rauferei entstand gestern wegen eines Mädchens zwischen Äandshuter und Altdorfer jungen Leuten. Hiebei erhielt das Mädchen, angeblich von einem Altdorfer mit einem Prügel einen Schlag über den Arm. Die Verletzte begab sich auf die hiesige Polizeiwache, wo ihr die erste Hilfe geleistet wurde. —* Ein scharfes Gewitter zog am Samsiag abends nach 8 Uhr über unsere Stadt hinweg. Blitz aus Blitz durchzuckte das Dunkel der Nacht und heftige Donnerschläge folgten. Ein schwerer Regen, der anfangs mit starkem Hagel vermischt war, brachte eine erhebliche Abkühlung der Temperatur. Auch gestern folgten noch zeitweise starke Regen­ güsse. —* Wallfahrer durchzogen gestern in mehreren Trupps unsere Stadt. Es waren Wall­ fahrer aus der Oberpfalz, die nun schon seit 230 Jahren alljährlich um diese Zeit unsere Stadt auf dem Zug nach Altötting berühren, der jeweils neun Tage beansprucht. Die Leute nahmen hier Nacht­ quartier und zogen heute weiter. —* Die Zentralheizungsanlage im Martinsschulhaus wurde in der vor­ letzten Magistratssitzung bereits der Firma Karl L t p p in München übertragen. (Kosten 11341.63 Mark.) Es sollten nun vor der definitiven Zuschlagserteilung Anfragen über bisher von der Firma gefertigte An­ lagen gemacht werden. Nunmehr sind Auskünfte von Traunstein, der Bauinspektton München IU und der Firma Heilmann und Ltttmann eingegangen, die sich alle sehr lobend und anerkennend über die von der Firma Lipp gefertigten Anlagen auSsprachen. Der Magistrat erteilte daher in seiner letzten Sitzung dieser Firma den definitiven Zuschlag für die Arbeiten. —* Der Baultnienplan für eine pro­ jektierte Verbindungsstraße zwischen Stetthatmer- und Frühltngsstraße wurde auf Wunsch des Magistrats einer nochmaligen Aenderung unterzogen, in der auch die künftige Anlage eines Industriegleises berück­ sichtigt wurde. In der letzten Sitzung lag nun dem Magistrat der neue Entwurf vor, der jetzt die Zu­ stimmung des Magistrats gefunden hat. Es wird nunmehr der Vorschlag dieser Baulinke an die k. Re­ gierung zur Instruktion übergeben. —* Eine Verbindungsstraße von der Schönbrunnerstraße zur Medermayerstraße soll auf Antrag der Firma Paul Pausinger u.Sohn an den Magistrat tu Instruktion genommen werden. Der Magistrat hat hiezu bereits einmal beschloffen, es solle hiefür ein Baulintenentwurf für diese Straße geschaffen werden. Nunmehr lag dem Magistrat in seiner letzten Sitzung dieser Entwurf vor und es wurde daher beschloffen, die Baulinle jetzt in In­ struktion zu nehmen. —* Eine zweite Autodroschke stellt nunmehr auch Herr Autodroschkenbesitzer Andreas Eder auf. Herr Eder hat an den Magistrat ein Gesuch um Bewilligung dieser Autodroschke gestellt, da er seinen Pferdefuhrwerksbetrieb völlig aufgelöst habe. Der Magistrat hat das Gesuch in seiner letzten Sitzung genehmigt, so daß wir nun ln Landshut 7 Autodroschken besitzen. —* Eine Zwtschenzählung für Schweine findet am 2. Juni im ganzen Reiche statt. Gezählt werden alle Schweine, die in der Nacht vom 1. auf 2. Juni in den Haushaltungen vorhanden sind. —* Preußisch-SüddeutscheKlaffenlotterte. In der fünften Klaffe sind nunmehr bereits ein Treffer zu 2000 Mark, mehrere zu 1000 Mark und 500 Mark, wie eine stattliche Anzahl Etnsatztreffer in die hiesige Einnahmestelle gefallen. Nur ein größerer Treffer war von Fortuna bis jetzt nicht für Landshut bereitgestellt. Dagegen ist nach Erlangen und München auch der zweite Treffer dieser Klaffe mit je 200.000 Mark gefallen, so daß jetzt vier Haupttreffer der Lotterie mit 2 X 500,000 Mk. und 2 X 200,000 Mark auf Bayern entfallen sind. Die Glücksgöttin scheint sich diesmal nach dem Süden gewandt zu haben. —* Fußba.llwe ttkämpfe. Gestern fand in Mühldorf das Retourspiel zwischen der 2. Mannschaft des hiesigen Männerturnveretns und der 1. Mannschaft des Turnvereins Mühldorf statt. Das Spiel endete mit 8:1 Toren zu Gunsten Landshut. —* Der landw. Bezirksausschuß hält am Freitag, den 29. Mai vormittags 10 Uhr im Gasthaus zum Rainerwirt seine Bezirksversamm­ lung ab. Der Stadtmagtstrat hat hiezu die Herren Rechtsrat Ambros und M.-R. Kletter abge­ ordnet. —* Der landw. Bezirksverein für den Amtsbezirk Landshut hält am Freitag, den 29. Mai nachm. 1 Uhr im Prantlgarten hier eine Verlosung und Versteigerung von Zuchtkälbern ab. Von 15 Zuchtkälbern werden 12 versteigert und drei verlost. —* Das dritte Sommerkonzert im Heißgarten-Jägerhalle findet morgen Dienstag, aus­ geführt vom MufikkorpS des 2. Schweren ReiterRegiments, statt. —* Der Verein Kinderhort hat seine Baracke, in der er seinen Betrieb vor mehreren Jahren eröffnet hat, verkauft. Die Vorsitzende des Vereins, Frau Kommerzienrat Weiß, hat nun dem Magistrat mit dem Ausdrucke besten Dankes für die setnerzeitige Bereitstellung des Platzes hinter der Krippenanstalt, denselben wieder zur Verfügung ge­ stellt. Zugleich wurde das Bedauern ausgesprochen, daß die Halle nicht in den Besitz der Stadt über­ gegangen sei. In der Diskussion im Stadtmagtstrat in der letzten Sitzung wurde hiezu betont, daß dies lediglich der zu hohen Forderung des Vereins (5000 Mark) zuzuschreiben sei, während der jetzige Verkaufs­ preis der Halle nur 2000 Mark betrage. Der Ma­ gistrat nahm von der Mitteilung des Vereins Kenntnis. —* Fremdenverkehr. Am letzten Sams­ tag weilte die 8. Klasse der Oberrealschule München unter Führung eines Herrn Pro­ fessors, in unserer Stadt. Die Gäste besuchten alle Sehenswürdigkeiten, und nahmen im Hotel Dräxlmair gemeinsamen Mittagstisch ein. Hier­ auf erfolgte ein Aufftieg zur Trausnitz und Besichtigung derselben. Der Leiter der Ex­ kursion gab der Begeisterung der Gäste über die vielen Sehenswürdigkeiten Ausdruck, sprach aber'zugleich sein Bedauern aus, daß Lands­ hut mit seinen Schönheiten und historischen Baudenkmälern in Schulkreisen noch wenig be­ kannt sei, obwohl es gerade für Schülerausflüge hervorragend geeignet sei. Die Gäste schieden abends vollbefriedigt von dem Gesehenen. —* Schnitzlers Liebelei im Film wird zur Zeit in den Kronprinz-Lichtspie­ len vorgeführt. Man erlebt in dem stummen Drama Dinge, die ihren künstlerischen Reiz für sich haben und darin manchem von nackter Routine geschaffenen Wortstück weit überlegen sind. Das wurde (neben der geschick­ ten Verwendung einer entsprechenden Begleit­ musik) allerdings nur dadurch möglich, daß der Dichter selbst seines Werkes bei der Uebertragung auf den Film liebevoll angenommen und sozusagen ein neues Drama geschaffen hat, daß auf die Einführung durch das Auge ein­ gestellt, an intimem Reiz nichts eingebüßt hat. Was an verstärkter Anschaulichkeit erforderlich war: der neue Akt mit der Darstellung der Ehetragödie, als Vorgeschichte, die erste Be­ kanntschaft der Liebenden auf dem Tanzboden, großer Ausflug aufs Land, und später das Duell und die Aufbahrung, ist so delikat ge­ arbeitet, daß das 'Stück im Film in mancher Beziehung der Bearbeitung für die Bühne überlegen ist. Dazu kommt nun das anspre­ chende und ebenfalls nie übertreibende Spiel so vollendeter Ausdrucks-Schauspieler wiePsylander und Christel Holch und die geschickte Uebertragung vom Wiener in das nordische Milieu, um echte künstlerische Wirkungen aus­ zulösen. Schließlich aber ist die eigenste Do­ mäne des Kinos, die szenische Ausgestaltung, in diesem Film von besonders hohem Reiz, einzelne Szenen dürfen hinreißend genannt werden. Allen Freunden des Kinos blüht in diesen Vorführungen, welche nur noch bis mor­ gen Dienstag abends stattfinden, ein hoher Genuß. Schallende Heiterkeit ruft die Komö­ die "Freuden der Reserveübung" hervon, auch das übrige Programm verdient Anerkennung. ────────── lassen bin t", weich und innig durch den Saal klang und mit seiner zauberischen berücken­ den Melodik alle Hörer gefangen hielt. Das Konzert zeigte wieder den innigen Zusammenhang, der im Sängerverein zwischen Dirigenten und Sängern herrscht und legte ein beredtes Zeugnis ab von dem Fleiße und dem ernsten Streben der Mitglieder, wie auch von der Hingabe und Schaffensfreudigkeit ihres nimmermüden Dirigenten, Herrn Hauptlehrer Arnold. Die Leistungen des Vereins finden aber auch immer mehr Anerkennung, was der zahlreiche Besuch des Konzertes, wie der reiche wohlverdiente Applaus, der den Solisten, wie den gesamten Mitwirkenden in reichem Maße zuteil wurde, am besten bewies. Nur hätten vielleicht minder lange Kunstpausen, die eine Hinausdehnung des Programms zur Folge hat­ ten, den Reiz der sonst schön verlaufenen Ver­ anstaltung noch erhöht. W. In'lhUngskonrert des Sangerverems Jandshut. Der Sängerverein Landshut veranstaltete am Samstag abends sein Früh­ jahrskonzert, das eine dichte Zuhörerfchar in die Jägerhalle Whrte. Das Konzert leitete das Musikkorps des hiesigen Jnfanteriebataillons unter der Lei­ tung ihres Musikmeisters Herrn Sauerbreh mit einem strammen Marsch "Santa Barbara", einer Eigenkomposition des Dirigenten, ein. Die wackere, trefflich geschulte Kapelle füllte auch die Pausen mit stimmungsvoll vorgetra­ genen Musikpiecen, u. a. auch der "Balse capriccioso" von Herrn Sauerbrey jr. Das /Konzertprogramm eröffnete der weihe­ volle Männerchor "Weihe des Liedes". Herr I. F. Deiler, führte das Baritonsolo in einer wohlabgelichenenen Weise durch. Sein mildes ansprechendes Organ kam hierin voll zur Gel­ tung und erwies, daß Herr Deiler nicht nur auf dem Gebiete des Violinspieles Hervor­ ragendes zu leisten vermag. Die Orchesterbegleitung, die sich dem Gesänge dezent an­ schmiegte, brachte die Bataillonskapelle, ver­ stärkt durch Herren des Musikvereins, die ihre Kräfte uneigennützig in die Dienste des Sän­ gervereins gestellt hatten, zur Durchführung. Die Lieder "Ungeduld" und "Zauberlied" sang Herr Bre, der ein prächtiges lyrisches Organ sein eigen nennt, das durch seine Rein­ heit und Weichheit ihm beachtenswerte Lei­ stungen ermöglicht. Das Lied "Jock von Hazeldean" brachte wieder der Männerchor des Vereins zu wohl-gestimmter Darbietung, ebenso die ungarische Weise Csikos. In Fräulein Aline Arnold trat in den Liedern "Der Spielmann" und "Frühlingsdrängen" eine vielversprechende Sängerin vor die Rampe, welche eine edle Stimme voll Wärme und Gefühl besitzt, die gepaart mit gründlicher Durchbildung in einer vortreff­ lichen Schule sie wohl noch zu hervorragenden künstlerischen Leistungen befähigen dürfte. Ein frei- und hellklingender, leichtansprechender So­ pran, mit feinem Timbre, ein seelenvoller Vor­ trag, läßt sie heute schon künstlerisch wertvolle Leistungen vollbringen. Der zweite Teil des Programms ließ den volkstümlichen Gesang und das Volkslied zur Geltung kommen, dessen Pflege der Sänger­ verein in erster Linie auf sein Banner ge­ schrieben hat. Hier gesellten sich in den schwäbischen Volksliedern "Die Trauernde" und "Deandl, wie du willst" der Aktivitas des Vereins klangvolle, frische Damenstimmen zu, ebenso in dem "Walzer am Bache", einer wohlgelun­ genen Komposition des Dirigenten H. Hauptleh­ rer Arnold, dessen liebkosende Walzermelo­ dien wohl jeden Zuhörer gefangen nahmen. Un­ terstützt wurde hier die Sängerschar von Frau Deiler und Herrn Pröbst durch eine stimmungs­ voll anschmiegende Klavierbegleitung. Das Hauptstück des Programms war der Liederzyklus "Maienwonne", der vom Männer­ chor des Vereins zu prächtigem Gelingen ge­ führt wurde. Die rhhtmisch schönen und ge­ fälligen Melodien atmeten würzige, belebende Frühlingsluft. Verlockend klang es in die Weite "So kommt der Lenz, der bräutliche Freier, in lauer Nacht geschlichen leis". Auch das wiegende "Frühlingsnacht", das neckische Lied "Der Liebeschmied", dessen Symbol, der zündende Hammerschläg die Szene belebte, wurde zu gleich gutem Gelingen gebracht. In der Dorfidylle, in deren ersten Teile mehr Zu­ rückhaltung des Orchesters nicht geschadet hätte, bewies Herr Bre in dem Tenorsolo "Dort unterm Lindenbaum", daß er weit über ge­ wöhnliche Gesangvereinstenöre hinausragt. Es folgte das herzige "Unten im Tale". Den Schluß bildete das markige Lied "Mein Herz, tu dich auf!" Die Männerchöre "Die Heimat" und "Rit­ ters Abschied" bewiesen wieder die treffliche Schulung des «Chors unter der feinsinnigen Hand ihres Dirigenten. Anschließend hieran brachte der Chor dem vor wenigen Tagen ver­ storbenen Volksliederkomponisten Thomas Ko­ schat, eine Huldigung, dessen "Verlassen, ver­ ────────── Handel und Verkehr. derungen nicht bewilligt wurden. Von der Preis­ steigerung profitierten hauptsächlich Brotfrüchte und Hafer. Man notierte: Ia mahlfähiger bay. Weizen 10,50—10,80 JC, XIa wahlfähiger bayer. Weizen — JC-, Ia bayerisches Korn 8,25—8,50 .41., Ila bayerisches Korn — JC-, Ia trockener bayerischer Hafer 7,75 bis 8,75 JC-, Ha trockener bayerischer Hafer — JC, bayerische Gerste — JC. per 50 Älogramm ab bayerische ©tattonen. Nürnberg, 23. Mai. (Hopfenberichr.) In den 5 Geschäftslagen dieser Woche wurden 100 Ballen zugeführt und 250 Ballen verkauft. Obwohl angesichts der stark vorgerückten Geschäftszeit die Umsätze km allgemeinen ganz gute sind, zeigen doch die Eigner aus der ganzen Linie große VeikaufSwilligkeit, was die Stimmung ungünstig beeinflußt. Die Preise haben sich daher nur schwach behauptet, was besonders bet mittleren und geringen Sorten sich sehr fühlbar macht. Geringe Hopfen notieren 120—140 Mark, Mittel 150—175 Mark, Gutmittel 180—195 Mark, Prima einschl. Saalgut 200 bis 225 Mark, rote 85—100 Mark. München, 23. Mat. (V i e h m a r k t.) Bericht vom 18. bis 23. Mai. Preise per 50 Klgrm. Lebendgewicht: Ochsen: 1. Qualität 50—54, österr. 55-60, Holland. 00—00, 2. Qual. 43—49, österr. 52—54, holl. 00—00, 3. Qual. 44—46, österr. 47—51, schweb. 00—00, 4. Qual. 40—43, österr. 43—46, schweb. 00—00, 5. Qual. 35—38, österr. 38—40. Bullen: 1. Qual. 40—43, 2. Qual. 37—39,3. Qual. 34—36; Kühe u. Kalbinnen: 1. Qual. 44—51, 2. Qual. 41—45, 3. Qual. 37—40, 4. Qual. 32—36, 5. Dual. 22—31; gering genährtes Jungvieh: 00—00; Kälber: feinste 60—62, mittlere 54—59, geringe 40—53; Schafe: Stallmastschafe, Mastlämmer und jüngere Masthammel 00—00, ältere Masthammel 00—00, mäßig genährte Hammel—, gering. Lämmer 00—00; Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 41—47, vollfleischige von 120 bis 150 Klgr. 41—47, von 100 bis 120 Klgr. 41—48, von 80 bis 100 Klgr. 41—48, dto. unter 80 Klgr. 42—50, <3auett 35 bis 40, Bratenschweine 48—52 Mk. Preise per 50 Klgr. Schlachtgewicht: Bullen 2. Qual. 72—75, 3. Qual. 67—70, Kälber: feinste 66—70, mittlere 60—65, geringe 52—59; Schafe: Mast­ lämmer und jüngere Masthammel 71—74, ältere Masthammel 64—70, mäßig genährte Hammel und Schafe 45—63; geringere Lämmer und Schafe 00—00. Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 00—00, vollfleischige von 120—150 Klgr. 53—62, von 100 bis 120 Klgr. 53—62, von 80 bis 100 Klgr. 53—64, unter 80 Klgr. 52—66,ZSauen 46—52, Bratenfchweine 66—70 Mk. — ® esamtzufuhr: 1639 Großvieh, aus dem Auslande —, und zwar 0 Ochsen (darunter — aus Schweden und — aus Oesterreich), — Bullen (darunter — aus Oesterreich), — Kühe (darunter — aus Dänemark und — aus Oesterreich), — Jungrinder (— aus Oesterreich), 4565 lebende und 516 tote Kälber, 4396 lebende und 2249 tote Schweine, 26 lebende umd 465 tote Schafe und Ziegen, 42 lebende und 122 tote Lämmer, Spanferkel und Kitze. Nach Auswärts wurden — Stück Großvieh und — Schweine. Marktverlauf: Großvieh: ruhig, Schweine: leicht anziehend, Kälber: nachgebend, Schase: nach­ gebend. München, 23. Mai. (Getreidewochen­ bericht von Bauer und Zeckendorf.) Die feste Haltung hat auch im Wochenlavfe ange­ halten, wenn auch die ab und zu überspannten For­ ────────── Letzte Posten. Pie Jage in Albanien. Flucht des Fürsten — die Aufständischen vor Durazzo. D u r a z z o, 25. Mai. Nach Tirana wurde eine Expedition unternommen auf Bitte des dortigen Beys, die sich an den Fürsten um Hilfe gewandt hatten. Die ^Expedition ist miß­ glückt, weil sie mit ungenügenden Kräften aus­ geführt wurde. Als die Nachricht von der Nie­ derlage zugleich mit der Meldung eintraf, daß die Aufftändischen nur eine halbe Stunde vor Durazzo entfernt stünden, entschloß sich der Fürst, auf Drängen der Diplomaten, mit seiner Familie die werteren Ereignisse an Bord des italienischen Kriegsschiffes Misurata abzuwar­ ten. Unterdessen fuhren mehrere Mitglieder der internationalen Kontrollkommission und des diplomatischen Korps den Aufständischen entgegen, um sie nach ihrem Begehren zu fra­ gen. Sie brachten den gefangen gewesenen hol­ ländischen Hauptmann zurück, der dem mittler­ weile in das Palais zurückgekehrten Fürsten in Anwesenheit des diplomatischen Korps und der Minister meldete, die Aufständischen wünschten eine schriftliche Erklärung, daß ihnen für ihre Abordnung, welche dem Fürsten ihre Wünsche vortragen solle, freies Geleit zuge­ sichert werde, und die Rückkehr der Gefan­ genen zu den Aufftändischen gestattet werde. Der Fürst unterschrieb einen Geleitbrief und sandte ihn an die Aufftändischen. Da daraus die Lage wieder als sicher angesehen wurde, schifften sich au chdie Fürsten und die fürst­ lichen Kinder aus; es herrscht hier allgemein die Meinung, daß sowohl die Expedition gegen die Aufftändischen als auch die Einschiffung der fürstlichen Familie übereilt gewesen sei. ────────── Nachtrag. —* Zum Tierzuchtinspektor in Niederbahern-Süd (Landshut) wurde anstelle des vo.r kurzem zurückgetretenen Zuchtinspektors Feser, der bisherige Zuchtinspektor von Niederbahern-Nord (Passau) Förg vom Zuchtverbandsausschusse gewählt. Als Zuchtinspektor von Niederbayern-Nord wurde der bisherige Zuchtinspektor-Assistent Herold in Weilheim be­ stimmt. —* Eine starke Brandröte war am letzten Samstag während des nächtlichen Ge­ witters in der Richtung nach Pilsbiburg zu sehen. Es hatte der Blitz int Anwesen des Bauern Huber in Giersdorf bei Vilsbiburg gezündet. Der ganze Hof wurde ein Raub der Flammen, ebenso eine Stallung des Nach­ barn, des Bauern Radspieler. Bei den Aus­ räumungsarbeiten brach sich der Feuerwehr­ mann Geltinger von Geiselsdors einen Fuß. Das Vieh konnte bis auf ein Schwein, das mitverbrannt ist,< gerettet werden. Der Scha­ den beträgt bei Huber ca. 10 000, bei Radspie­ ler, 4000 Mark.