Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-06-02. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 148, 1914-06-02. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 67 Nummer 148 2. Juni 1914 ────────── Eine besonders lebendige Schilderung der Katastrophe gab der Londoner Anwalt Duncan, der folgendes berichtet: Er sei bereits zu Bett gewesen, als er ein zweimaliges kurzes Pfeifen vernahm, das anzeigte, daß der Dampfer stoppte. Eiligst sprang er aus dem Bett und zog seine Kleider an, als plötzlich die Ma­ schinen aufhörten zu arbeiten. Duncan stürzte an Deck, wo dichter Nebel herrschte. Ein schreckliches Krachen ertönte und das Schiff legte sich unter einem entsetzlichen gurgelnden Geräusch auf die Seite. Die Haltung der Schiffsmannschaft war gut. Die Matrosen ga­ ben kein Zeichen von Panik. Die Offiziere sahen dem Tode ohne jede Furcht entgegen. Der Ka­ pitän blieb auf der Kommandobrücke, bis das Schiff sank. Duncan sah Matrosen, die den Passagieren halfen; verschiedene gaben ihre Rettungsgürtel an weibliche Passagiere, doch war keine Zeit, irgend einen Hilfsdienst zu organisieren. Das Schiff schlingerte furchtbar. Sämtliche Ausrüstungsgegenstände wurden ins Meer geschleudert. Die Passagiere wurden über Deck gespült unter dem schrecklichen To­ sen der See. Man hörte Frauen und Män­ ner schreien, dann verschwanden sie im Dunkel der Nacht. Andererangenmiteinander im Todeskampf. Duncan fühlte unter sei­ nen Füßen unbekleidete Körper. Er trieb eine Stunde lang im Wasser. Die Offiziere waren im Angesichte des Todes ohne jede Furcht, der Kapitän blieb auf der Brücke, bis der 'Damp­ fer sank. Kapitän Kendall im Sterben. Kapitän Kendall, der Held des CrippenProzesses, der seinerzeit den Gattenmörder und seine Geliebte an Bord der "Monterose" ver­ haftete, liegt im Sterben. Er war im Was­ ser treibend von einem Rettungsdampfer auf­ genommen worden. Bis er an Land kam und seiner Gesellschaft einen Bericht über das Un­ heil abgesandt chatte, konnte er sich noch auf den Beinen halten. Dann brach er zusammen. Er sandte noch ein Abschiedstelegramm an seine Angehörigen. Seitdem liegt er bewußtlos dar­ nieder, sein Ableben wird stündlich befürchtet. Alle Geretteten sprechen dem braven Seemann das größtte Lob über fein tapferes Verhalten während des Zusammenstoßes aus. Kapitän Kendall hat im letzten Augenblick noch die Gei­ stesgegenwart gehabt, als sich bereits die Um­ risse des Kohlendampfers "Storstad" im Ne­ bel abzeichneten, "Volldampf rückwärts" anzu­ ordnen, doch war es bereits zu spät. Der Zu­ sammenstoß' wurde immerhin durch diesen Be­ fehl etwas gemildert. Die ertrunkenen .Heilsarmeemitglieder. Beim Hauptquartier der Berliner Heils­ armee ist am Samstag eine Depesche einge­ troffen, wonach die Zahl der geretteten Mit­ glieder der Heilsarmee sich etwa auf 20 be­ läuft. Die beiden leitenden Offiziere der Heils- armee, die sich auf dem Schiff befanden, Kom­ mandeur Rees und Oberst Maidment, sind nicht unter den Geretteten. Das Beileft» des Königs Ivan England. Der König hat der Canadian Pacific Gesellschaft den Ausdruck seiner tiefsten Trauer über den Verlust so vieler Menschenleben über­ mittelt. Der Lordmayor hat eine Sammlung zugunsten der Ueberlebenden eröffnet. wecken. Gleich nach dem Zusammenstoß erfolgte, sobald das einströmende Wasser die Kessel er­ reichte, eine Explosion. Die Dynamomaschinen arbeiteten nicht mehr und die um ihr Leben kämpfenden Menschen, befanden sich in tief­ ster Finsternis. Der erste Schiffsarzt erzählt: Wenn die "Storstad" nicht sobald zurückgefahren wäre, würde eine größere Anzahl gerettet worden sein. Als der Dampfer zurückgefahren sei, sei die See in das von ihm gerissene Leck einge­ drungen. Das Schiss sei mit schreckliecher Schnelligkeit gesunken. M. C. Jnthre, Mitglied der Heilsarmee, erzählte, als er das Deck erreicht habe, habe er die Leute auf ihm herumstehend gefunden. Rettungsringe seien dort nicht vorhanden ge­ wesen. Als das Schiff sank, sei er in der Rich­ tung auf den Kohlendampfer zugeschwommen, der ihn aufgenommen habe. Als er den Koh­ lendampfer erreicht habe, sei dieser erleuchtet gewesen und viele Gerettete hätten sich an Bord befunden, die Mehrzahl von ihnen nur notdürftig bekleidet. Ein anderer Ueberlebender berichtet, das Wasser sei außerordentlich ruhig gewesen. Die Haltung der Mannschaft sei gut gewesen, ob­ wohl sie kaum die Zeit dazu gehabt habe, die Rettungsvorschristen systematisch ins Werk zu Eine Mitteilung des Kapitäns des Re­ gierungsdampfers "Heureka", der zuerst die Un­ glücksstätte erreichte, besagt, er habe 50 Lei­ chen und 60 Ueberlebende nach Father Point gebracht. Als er von dem Funkentelegraphi­ sten in Father Point von dem Unglück hörte, habe er sofort seine Mannschaft zusammenge­ rufen und sei mit seinem Schiff nach der Stelle gefahren, wo die "Empreß of Jreland" ver­ schwunden war. Er habe verschiedene kleine Boote aufgefischt und Männer, Frauen und Kinder daraus in sein Schiff übernommen. Die Tatsache, daß so wenig Frauen und Kinder gerettet worden seien, erkläre sich daraus, daß die Stewards nicht genügend Zeit gehabt hät­ ten, die Passagiere zu wecken. Die Geretteten erzählen, sie seien aus ihren Betten geschleudert woren und darauf an Deck gestürmt und hätten gerade noch Zeit gehabt, zu den Rettungsbooten zu ge­ langen und abzurudern. Die, welche sich mit Ankleiden aufgehalten oder auf den Ruf der Stewards gewartet hätten, seien ertrunken. Hunderte müßten im Schlafe ertrunken sein. Die Ueberlebenden griffen nach Kleidungsstükken jeglicher Art, um sich vor Kälte zu schützen. Sobald die "Heureka" den Kai von Father Point erreicht hatte, wurden Aerzte herbeige­ rufen; die "Heureka" setzte daraus die Fahrt nach Rimouski fort. Eine Stunde, nachdem sie in den dortigen Hafen eingelaufen war, kam auch der Dampfer "Lady Evelyn" mit 20 Toten und 80 Lebenden an. ────────── jährigen Assistenten Dr. Moritz Brand über- | tragen." Sie waren mittlerweilen auf dem Bahn­ höfe angelangt. "Ah — da ist ja schon mein Zug," klang wieder die Stimme der Baronin. "Das war gut abgepaßt. Nun, noch vielen Dank für die Begleitung und schöne Grüße für alle." Nach wenigen Minuten stand die Baronin im Kuppee und lehnte sich zum Fenster hin­ aus, ihrer Nichte zurufend: "Also, Du kommst bestimmt am Montag, Vivy? Ja?" "Wir werden Dir darüber noch schreiben. Adieu, Tante Ruth." "Adieu! Hoffentlich auf Wiedersehen!" Die Wagen setzten sich in Bewegung und rasselten davon. "Nach Afrika! Nach Afrika!" Völlig betäubt und nur immer mechanisch diese Worte wiederholend, die wie ein Ver­ nichtungsschrei ihr Inneres durchgellten, starr­ te Vivian dem sich rasch entfernenden Zuge nach. Dann entschlüpfte sie schnell allen neu­ gierigen Blicken und eilte nun in wahrem Sturmschritt zum Meeresstrande hinab. Mur allein sein, nur für kurze Zeit allein fein, um das Furchtbare, Unmögliche zu fassen, um des peinigenden Gedankenwirrwarrs, der sie ergriffen, Herr zu werden. Liebe? Was war eigentlich Liebe, dieses wundersame Gefühl, das die Menschenherzen zu einander zieht? Konnte eine Liebe, die sich Bahn gebrochen, so wild und ungestüm, so schrankenlos, konnte sie gleich einem blassen Schemen, gleich einem Nichts vergehen? Warum ging er? Fehlte ihm der Mut, vor die Ihrigen hinzutreten und zu bitten: "Gebt sie mir! Höheres Walten hat diese Eine mir bestimmt. Unsere Seelen sind eins ge­ worden in unverbrüchlichen festen Banden, ehe Ihr, ehe wir selbst das Wunderbare — Gött­ liche geahnt!" Und nun sollten Tage, zwei — drei furcht­ bare Tage vergehen, bis ein klärendes, er­ lösendes Wort aus seinem Munde die tödliche Angst von ihrem gemarterten Herzen nahm? Tränenumslorten Blickes starrte Vivian weit, weit hinaus ins schillernde Meeresblau, in dem sich die letzten Strahlen der bereits sinkendn Sonne widerspiegelten. Ein paar einsame Fischerboote schaukelten noch über den schaumgekrönten Wellen; sonst atmete ringsum alles feierlichen Abendfrieden. Keine Menschenstimme, kein Geräusch störte das tiefe, stumme Weh der nach Fassung Ringenden. Am Morgen noch voll hofsnungsfreudiger Seeligkeit und jetzt — ? Ein jäher Schrecken durchzuckte sie plötzlich. Sie war nicht mehr allein hier drauße-n am weiten Strande. Ohne daß sie es wahr­ genommen, mußte jemand in den letzten Minu­ ten vorsichtig in ihre Nähe getreten sein. Vielleicht hatte er sie längst beobachtet, der Fremde, und Vergnügen daran gehabt, an ihrem Leid und an ihren Tränen? Wie abscheulich und indiskret! Helle Röte des Unwillens auf der Stirn, wandte Vivian den Kopf zurück. Da — Allmächtiger Gott — ein leiser Ausruf! Sie taumelte. Er, dem eben noch alles Grübeln, Denken, all ihr schmerzliches Sehnen gegolten, er, Winfried Leonberg, war es, der leibhaftig vor der völlig Ueberraschten stand. Eine Blässe, die von tiefinnerer Erregung zeugte, bedeckte sein edelgeschnittenes Gesicht, seine Lippen bebten, nur in den großen Augen lag ein Glanz, ein Leuchten, das Vivian bisher nur einmal bei ihm gesehen. (Schluß folgt.) ────────── Zweifel dies einsieht, so blickt es doch drohend auf uns, als den Bundesgenossen Frankreichs, mit dem es ewig ernste Händel hat. Die Befürchtung, eines Tages zwischen zwei Feuern zu sein, veranlaßt Deutschland, ununterbro­ chen seine Rüstungen zu verstärken, was' uns wiederum zwingt, unsere Armee und Flotte zu vergrößern. Wir stürzen uns in gewaltige, beinahe über unsere Kraft gehende Ausgaben, müssen zu häufigen Anleihen greifen und brin­ gen, der Wahrheit gemäß gesprochen, diese Opfer ausschließlich um des Bündnisses mit Frankreich willen. Die Befürchtung Deutsch­ lands äußert sich auch in anderer Richtung. Es zieht auf seine Seite alle unsere Nachbarn — die Türkei und Schweden — und stärkt sie. Von Oesterreich will ich gar nicht sprechen — Oesterreich ist unser natürlicher Gegner. Dennoch muß man begreifen, daß dieses Oester­ reich sich vieles nicht erlauben würde, wenn unsere Beziehungen zu Deutschland herzlicher wären. Aber unsere Opfer beschränken sich nicht nur auf nicht endende Ausgaben auf die Stärkung unserer Rüstungen gegen alle Nach­ barn. Da wir im Bündnis mit einem morschen Staat stehen, der in militärischer Beziehung keine ernste Aufmerksamkeit verdient, müssen wir eine Annäherung auch mit England suchen. Und diese Annäherung führt dazu, daß uns England von allen asiatischen Märkten ver­ drängt. Wir zerstören unseren ganzen asia­ tischen Handel. Man hat uns endgültig aus Afghanistan und Tibet verjagt, man hat uns aus Südpersien vertrieben und verdrängt uns jetzt auch aus Nordpersien. . . . Das sind auch die "Früchte des Bündnisses mit Frank­ reich." Nach dieser überaus unvorteilhaften Beurteilung der Bundesgenossen Rußlands wendet sich die "Semschtschina" der Frage zu, was denn von Frankreich im Falle eines Krie­ ges zu erwarten sei, und erklärt klipp und klar, daß es eine große Naivität wäre, im Falle eines Krieges mit Deutschland auf Frankreich zu rechnen. Frankreich werde nur dann ein­ greifen, wenn ein offenkundiges Uebergewicht auf russischer Seite vorliegen würde, d. h. dann, wenn Frankreichs Hilfe nicht mehr not­ wendig sein werde. Die Semschtschina leistet sich dann folgende Krastsätze: "Solange aber das Uebergewicht auf Seiten Deutschlands sein wird, wird sich die furchtsame französische Re­ gierung natürlich hinter das Parlament ver­ stecken, ohne dessen Einwilligung der Krieg nicht erklärt werden kann. Wo an der Spitze Juden, Radikale und Sozialisten stehen, kann man da auf irgend einen Schritt zu Gunsten Rußlands rechnen? Wir müssen nur auf unsere Kräfte bauen. Daher sehe ich auf das Bündnis mit Frankreich und auf die Entente mit Eng­ land als auf eine einseitige Verpflichtung, Opfer auf dem Altar einer solchen Utopie zu bringen, tote den "ewigen Frieden"." Man dürfe nicht die Interessen des Volkes dem Ruhme irgend eines Staates zum Opfer bringen am wenigsten aber einem solchen Staate, der "bei lebendigem Leibe verwest". Wir müssen jährlich Hunderte von Millionen zur Sicher­ heit Frankreichs ausgeben, während Frank­ reich uns mit Geld für Wucherprozente ver­ sorgte. Es sei Zeit, die Utopie "vom ewigen Frieden" fallen zu lassen und sich an den Schutz der russischen Volksinteressen zu machen." ────────── Bayerische Nachrichten. Die "Viktoria Luise", die am Pfingstsamstag früh! 6 Uhr.20 Min. in -Friedrichshafen zur Fahrt nach München aufgestiegen war, ist kurz vor 10 Uhr auf dem Oberwiesenfelde ge­ landet. Nach Wechsel der Passagiere stieg das Luftschiff um 10 Uhr wieder zur Rückfahrt nach Friedrichshafen auf, wo es um 1 Uhr 45 Min. glatt landete. Raubanfall. Der 70jährige Arbeiter An­ dreas Engartner, der in der Nussermühle bei Trostberg beschäftigt ist, wurde vor seiner Be­ hausung mit schweren Verletzungen bewußtlos aufgefunden. Da in dem Haus selbst ein Ein­ bruch verübt worden ist, nimmt man an, daß der heimkehrende Engartner von dem Dieb überfallen und niedergeschlagen wurde. In der Gegend herrscht über den neuerlichen Raub­ anfall große Erregung. Schwefel-Wilbbab Abbach. In den letzten Jahren haben die Badeorte in unserem enge­ ren und weiteren Vaterlande bedeutend ver­ mehrt. Ein Bad, das aber immer noch seine alte, bewährte Zugkraft ausübt, ist das Wild­ bad Abbach. Wie die Geschichte nachweist, war die Abbacher Heilquelle schon vor Jahrhun­ derten ihrer Heilwirkung wegen geschätzt. Si­ cherlich war sie schon den Römern bekannt, die Abbach stark befestigt und mit einem Teil der 3. römischen Legion besetzt hatten, wie auf einer Tafel der Marktkirche zu lesen ist. 1532 weilte sogar schon Kaiser Karl V. in Abbach, um gegen ein ihn belästigendes Gicht­ leiden Heilung zu suchen. Und seit dieser Zeit weilten hohe und höchste Herrschaften wieder­ holt zum Kurgebrauch in dem Badeort. Die Quelle, sehr stark Schwefel, Eisen und Kohlen­ säure enthaltend und nach neuester Untersu­ chung radioaktiv, entspringt in der nächsten Nähe des prächtig an der Donau gelegenen Marktes. Die Lage desselben ist geschützt und durch mäßig hohe, teilweise schön bewaldete Höhenzüge mit anziehenden Spaziergängen, so daß er schon von Natur aus zum Bade- und Luftkurort wie geschaffen ist. Eine idyllische Ruhe liegt über dem Ort und der Gegend, die einladet zum Ausruhen von dem Getriebe und der Hast des Lebens in den rauchigen und rußigen Städten. Familiär gestaltet sich das Badeleben und ungezwungen ist der Um­ gang der Badegäste unter sich. Aufmerksam ist die Bedienung und Bewirtung und zivil die Preise. Wer daher gezwungen ist durch Gicht, Podagra, Rheumatismus und andere auf feh­ lerhafte Blutbildung und Sästemischung zurück-^ zuführende Krankheiten einen Badeort aufzu­ suchen, der findet hier Erholung und Heilung. Jodbav Sulzbrunn im bayerischen Algäu, von München in 2 Stunden erreichbar, ist ein von noch vielen Kurbedürftigen wenig bekann­ ter Badeort. Jodbad Sulzbrunn besitzt eine der reinsten Jodquellen Europas, der liiebliche, reizend gelegene Ort liegt fern von dev Land­ straße, daher vom Lärm und Staub völlig geschützt. Von den Römern schon wurde die Heilquelle zum Baden benützt, die Jodquelle wird für Trink- und Badekuren verwendet, ohne jeden fremden Zusatz, diese Heilquelle ist ein Vorbeugungsmittel bei allen Bluterkran­ kungen, Drüsen, Haut- und Frauenkrankheiten, Scrofulose, Augenleiden usw. Das Bad) wurde neu renoviert und werden alle med.-- und elektr. Bäder, speziell reine Jodwasserbäder, verabreicht. Der ganze Ort eignet sich sehr zu Freiluftkuren der Erholungsbedürftigen. Aus­ kunft erteilt gerne Baddirektion I. Jodbad Sulzbrunn (bayer. Algäu.). ────────── Allerlei. Gegend herrscht über den neuerlichen Raub­ anfall große Erregung. Schwefel-Wilbbab Abbach. In den letzten Jahren haben die Badeorte in unserem enge­ ren und weiteren Vaterlande bedeutend ver­ mehrt. Ein Bad, das aber immer noch seine alte, bewährte Zugkraft ausübt, ist das Wild­ bad Abbach. Wie die Geschichte nachweist, war die Abbacher Heilquelle schon vor Jahrhun­ derten ihrer Heilwirkung wegen geschätzt. Si­ cherlich war sie schon den Römern bekannt, die Abbach stark befestigt und mit einem Teil der 3. römischen Legion besetzt hatten, wie auf einer Tafel der Marktkirche zu lesen ist. 1532 weilte sogar schon Kaiser Karl V. in Abbach, um gegen ein ihn belästigendes Gicht­ leiden Heilung zu suchen. Und seit dieser Zeit weilten hohe und höchste Herrschaften wieder­ Explosion im Feuerwerks-Laboratorium auf Eiswerber. Ein Gebäude zerstört, 10 Arbeiter verletzt. Am Freitag früh kurz vor 8 Uhr erfolgte in einem Gebäude des K. Feuerwerkslaboratoriums auf der kleinen Insel Eiswerder in der Oberhavel bei Span­ dau während der Herstellung von Raketen eine Explosion, durch die das Gebäude vollständig zerstört wurde. Die dort beschäftigeten 10 Ar­ beiter konnten sich in der letzten Sekunde ret­ ten, jedoch erlitten sie durch die umherfliegen­ den Holz- und Glasteile Verletzungen, die aber so leichter Natur waren, daß sie nicht einmal ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen brauch­ ten. Dagegen ist der Schaden recht beträchtlich. Hierüber verlautet: Auf der dem Militärfis­ kus gehörenden kleinen Insel Eiswerdeo in der Oberhavel befindet sich das K. Feuerwevkslaboratorium, das etwa 400 Arbeiter beschäftigt. Heute morgens waren zehn Mann mit der Be­ arbeitung sogenannter Leichtsterne beschäftigt, das sind Raketen, die nachts zur MarAerung der feindlichen Armee aufgelassen werden und in verschiedenen Farben leuchten. Wahrschein­ lich infolge unvorsichtigen Hantierens explo­ dierte eine von ihnen und der brennende Sprengstoff flog in einen Haufen fertiger Ra­ keten, die unter donnerähnlichem Krachen zur Entladung gelangten. Im Augenblick der Ex­ plosion hob sich das Dach des Hauses mehrere Meter hoch und barst auseinander, wobei die Trümmer über die ganze Insel geschleudert und auch die Fenster aus ihren Angeln ge­ hoben wurden. Glasscherben bedeckten die Um­ gebung des Hauses, das lichterloh brannte. Den Arbeitern war es, wie gesagt, gelungen, das Freie zu gewinnen, doch wurden sie von den niederfallenden Holzteilen und Glasscherben ge­ troffen. Das Feuerwerkslaboratorium besitzt eine vorzüglich organisierte eigene Feuerwehr, die sofort in Tätigkeit trat. Nach einstündiger, angestrengte Tätigkeit war jede weitere Ge­ fahr beseitigt. Erinnerungen an die "Titanie"-Katastrophe. Ein Ozeandampfer mitsamt seiner zahl­ reichen, von mannigfachen Geschicken in die Welt gewehten und von Hoffnungen und Plä­ nen erfüllten Bordfamilie vernichtet! Bei die­ ser Kunde erwacht die Erinnerung an die furchtbare Tragödie des Riesenschiffes "Tita­ nic", die nun schon über 2 Jahre zurückliegt, aber in ihren grausigen Einzelheiten wohl noch lange in den Herzen der Mitwelt nachzittern wird .Am! 14. April 1912, nach einem fest­ lich verlebten Sonntag an Bord, pflegten die rund 2400 Passagiere und Mannschaften, die jene schwimmende Stadt bevölkerten, schon größ­ tenteils der Ruhe, als um 20 Minuten vor Mitternacht das stolze Schiff der englischen White Star Linie, damals noch das größte Schiff der Welt, mit einem gewaltigen Eis­ berg zusammenstieß? Zu spät waren die ge­ waltigen Massen gesichtet worden — die Kolli­ sion konnte nicht -mehr vermieden werden. Der nächste Tag sollte das Schiff bereits im Hafen von Newyork sehen, man hatte daher an Bord freudig Abschied von den Mitreisenden genom­ men, und es folgte nun der jähe Abschied — vom Leben. Mehr als 1500 Personen sän» len mit dem Schiff, ertranken bei der Be­ steigung der Rettungsboote, wurden von Ra­ senden erschossen und niedergetreten oder zogen es vor, sich selbst den Tod zu geben. Die Hilfe der telegraphisch benachrichtigten Schiffe im Umkreis der Unfallstelle, die der Funkentele­ graphist in heldenhafter Opferwilligkeit unab­ lässig erbat, kam größtenteils zu spät. Ueber dem Grab der "Titanic" fand man nur Trüm­ mer, mehrere leere Rettungsboote und traurige Reste von Habseligkeiten nun vernichteter Men­ schenleben. Etwa 1500 Personen büßten ihr Leben ein. . . . Eine wahre Umwälzung auf dem Gebiet der Schiffssicherung in Gestalt von vermehrten Rettungsbooten, obligatorischer Funkeneinrichtung auf allen Ozeandampfern und anderer Schutzmittel mehr hat die Kata­ strophe zur Folge gehabt; daß aber alle mensch­ liche Voraussicht und Wissenschaft machtlos ist, lehrt wieder das am Samstag gemeldete Un­ glück des "Empreß os Jreland". Seitensprünge New-Uorker Millionäre. In New-Aork hat eine hübsche Maschinenschreibertn ihren Prinzipal, den weit bekannten Inhaber der l e» rühmten Druckereimaschinenfabrik Hoe, wegen Ver­ führung auf 900 000 Mark Schadenersatz verklagt. Die junge Dame, Miß Sullivan, ist 20 Jahre all. Sie behauptet, den jungen Mr. Hoe im Jahre 1911 kennen gelernt zu haben, kurze Zeit nachdem er von seinem Vater 40 Millionen Mark erhallen halle. Hoe versprach ihr angeblich die Ehe und richtete eine glänzende Wohnung für sie ein. Zeitweise gab er ihr 4000 Mark die Woche, um ihre Ausgaben zu bestreiten. AIs sie tndesien hörte, daß Hoe bereits verheiratet war, begann Miß Sullivan ihn zu schi­ kanieren. Sie gab dem Gericht gegenüber zu, ein Kind von einer Freundin geborgt und als das ihre ausgegeben zu haben. Hoe will dem Gericht be­ weise», daß es sich um Erpreffung handelt. — Einem anderen New-Aorker Millionär, dem bekannten Uhrenfabrikanten Richard Jngersoll, macht seine Nichte große Sorge, weil sie mit seinem Chauffeur durch gebrannt ist und ihn geheiratet hat. Er hat ihr, weil ihm ihr Aufenthalt unbekannt ist, durch die Zeitungen die Wahl gestellt, ob sie ihren Chauffeur oder ihre Familie ausgeben will. Sie hält es aber mit ihrem Chauffeur. ────────── Donau befestigtem Kahne in die Donau. Obwohl das Mädchen alsbald aufgefangen werden konnte, hat­ ten die Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg. Straubing, 30. Mai. (Abgängig) ist seit letz­ ten Samstag ver verwitwete Kanzleiexpeditor beim beim hiefiegen Amtsgericht, Johann Schirovski. Er entfernte sich mit einem Fahrrad und mit einem ge­ ladenen Revolver. Nachdem Schirovski in letzter Zeit sehr schwermütig war, wird vermutet, daß er sich an einem verborgenen Orte ein Leid angetan hat. Pilsting, 30. Mai. (Ertrunken.) Das lVg Jahre alte Kind des Schuhmachers Beer dahier ist in der Jauchegrube ertrunken. Konkurse in Niederbahern. Steinmetzmeister Johann Höllerl in Pfarrkirchen; Konkursverwalter Rechtsanwalt Widmann, An­ meldefrist 10. Juni, Prüfungstermln 20. Juni. ────────── Dienstesnachrichten. Erledigter Schuldienst. Die Volksfchullehrer-, Mesner- und Organistenstelle in Hohen­ egglkofen,!. Dtstriktsschulinspektion Landshut I in Berg o, L., ist zur Erledigung gekommen. End­ termin für Bewerbungen 18. Juni l. Js. Schuldienst. Ab 1. Juni 1914 wurden be­ fördert : die Schulverweserin Katharina Salcher in Perlesreut zur Volksschullehrerin (neue Lehrstelle); die Htlfslehrerin Anna FlechSeder von Dorfbach zur Schulverweferin in Uttigkofen; versetzt auf An­ suchen: die Htlfslehrerinnen-GMaria Moser von Kilchberg (Eggenfelden I) nach Dorsbach und Rosa Weiß von Enzersdorf nach Perlesreut; ernannt: der ständige Aushtlfslehrer Otto ©ttglmeler in Laaberberg zum Hilfslehrer; berufen: der Schul­ dienstkandidat Max Detnböck von Griesbach (Dintiolftng I) als Hilfslehrer in Perlesreut (neue Lehr­ stelle); die Schuldtenstkandidattn Maria Reisch! von München als Htlfslehrerin in Enzersdorf; wieder­ angestellt : die im zeitlichen Ruhestand befindliche Htlfslehrerin Klara Ring, vormals in Warzenried, als Htlfslehrerin in Kilchberg (Eggenfelden I). Ab 1. Juli 1914 werden versetzt auf Ansuchen: der Hauptlehrer Ludwig Graf von Holzkirchen nach Jtling; der Volksschullehrer Georg Wagner von Fceyung auf die 2. Volksschullehrerstelle in Matnburg. ────────── Summe von 9341.47 Mark verausgabt worden, i Die Direktion stellte zugleich das Ansuchen, außer der Restsumme von 48.53 Mark auch die bis jetzt angefallenen Zinsen mit rund 250 Mark für weitere drei Anschlüsse ver­ brauchen zu dürfen. Da aber von vielen Haus­ besitzern noch der Wunsch nach Installation von Gaszuleitung ausgesprochen wurde, bean­ tragte die Direktion, weitere 5000 Mark aus den Erübrigungen der Gasanstalt pro 1913 hiefür bereitzustellen. In der Debatte in der letzten Magistratssitzung wurde darauf hinge­ wiesen, daß die Ausführung der Installationen tatsächlich eine starke Vermehrung des Kon­ sums zur Folge gehabt habe. Der Magistrat beschloß daher, dem Antrag der Direktion auf Bereitstellung heiterer ,5000 Mark stattzugeben. —* Um Errichtung eines Halte­ punktes für Personen- und Gepäckverkehr bei Bahnwärterposten 33 zwischen den Sta­ tionen Gündlkofen und Landshut wollen die Gemeinden Eugenbach, Münchnerau, Atten­ hausen und Tondorf beim Verkehrsministeri­ um petitionieren. Eine Deputation dieser Ge­ meinden hat beim hiesigen Stadtmagistrate den Wunsch ausgesprochen, dieser möge das Gesuch ebenfalls unterstützen und sich an der Deputa­ tion beteiligen. Der Magistrat beschloß in sei­ ner letzten Sitzung, die Eingabe, gleich einer früheren in derselben Angelegenheit zu unter­ stützen. Von einer Beteiligung an der an das Verkehrsministerium zu entsendenden Deputa­ tion wird Abstand genominen, da an dersel­ ben ohnedies Herr Landtagsabgeordneter und Magistratsrat Gerstenecker sich beteiligen wird. In der Generalversammlung des Historischen Vereins vom 27. Mai gab der zweite Vereinsvorstand, Herr K.RatSchöffmann, zunächst einen Rückblick auf das Schaffen des Vereins während der letzten zwei Jahre, auf die ehrenden Museumsbesuche, die erfolg­ ten, gedachte dann der Verluste, die der Ver­ ein erlitten durch den Tod des Herrn Haupt­ lehrers Pollinger, des Herrn Domdekans Schreiner, sowie durch den Wegzug des Herrn Regierungspräsidenten Exzellenz v. Andrian erlitt. Des weiteren wurde die Tätigkeit des Vereins auf geschichtlichem und vorgeschicht­ lichem Gebiete berührt und den verschiedenen Behörden und Körperschaften für ihre Zu schüsse gedankt. Dem Kassier, Herrn Rentier Kaufmann, der das Resultat der Rechnung pro 1913 bekannt gab, ward der Dank für sorg­ fältige Rechnungs- und Kassaführung ausge­ sprochen. Da der 1. Vereinsvorstand ausge­ schieden war, handelte es sich vor allem um die Gewinnung eines neuen 1. Vorstandes; sodann wollte Herr Geistl. Rat Pros. Schwarz­ mann nicht wieder gewählt werden. Eine Depatation des Ausschusses hatte beim neuen Herrn Regierungspräsidenten v. Pracher Vor­ gesprächen, der die Güte hatte, die Wahl zum 1. Vereinsvorstande anzunehmen und in der abendlichen Generalversammlung zu erscheinen. Der Wahlakt ging in aller Einmütigkeit vor sich, die bisherigen Ausschußmitglieder wur­ den wiedergewählt, an Stelle Sr. Exzellenz des Herrn v. Andrian Herr Regierungspräsi­ dent v. Pracher als 1. Vereinsvorstand und an Stelle des Herrn Professors Schwarzmann Herr Oberstleutnant Unterbirker als Ausschuß­ mitglied. Herr Regierungspräsident dankte für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und ver­ sprach, nach Kräften sich um den Verein an­ zunehmen, was beifälligst aufgenommen wurde. Im hieraus sich anschließenden Vortrag "über den Friedhof St. Peter in Straubing" stellte Herr Kreisbaurat Niedermayer fest, wie an ge­ nannter Stelle frommer Sinn, Opferwilligkeit und Kunstverständnis von Hoch und Nieder, sowie künstlerisches Vermögen von Jahrhun­ derten eine Friedhofanlage geschaffen haben, wie sie wohl nur an wenigen Orten Deutsch­ lands zu finden sein wird. An Gebäulichkeiten kamen hierbei vornehmlich in Betracht die ro­ manische Kirche St. Peter und ihre Schick­ sale durch die Jahrhunderte, die Gruft- oder Seelenhauskapelle mit Bildern des Totentanzes und zahlreichen Grabstätten, die Agnes Bernauerkapelle, die Kapelle Maria Heil der Kran­ ken. Mit zahlreichen Illustrationen, Zeichnun­ gen und Photographien konnte der Herr Kreis­ baurat seinen mit vielem Beifall aufgenom­ menen, warmherzigen Vortrag anschaulich ma­ chen. — Der 2. Vereinssekretär, Herr Bau­ meister Wagner, konnte das eine seiner Re­ liefbildnisse Schreiners, die er in Gips ein­ führte, am gleichen Abend zur Schau stellen. Von großem Interesse war dann auch ein vom 2. Vorstand bekannt gegebenes Schreiben der Direktion der staatlichen Galerien über drei altdeutsche Bilder in der hiesigen Regierung von Wolf Huber und Rueland Frueauf, Bil­ der, die erst dem Verein zugedacht waren, dann aber ob ihrer Vortrefslichkeit der Auf­ bewahrung in der alten Pinakothek sollen ge­ würdigt werden, soweit sie, wie die zwei klei­ neren, von Wolf Huber (verst. 1553), einem Passauer Hofmaler sind, während das dritte größere, Christus am Oelberge, von Frueauf, nach Schleißheim oder an seinen Ursprungsort Passau wandern soll. —* Die Schweinezählung hat heute be­ gonnen. Die Zählung wird von der Schutz­ mannschaft vorgenommen und umfaßt alle Schweine, die in der Nacht vom 1. auf 2. Juni tu den Haushaltungen vorhanden waren. —* Schülerbesuch. Heute früh sind 40 Schüler des Klosterseminars Freising unter Führung eines Lehrers hier eingetroffen, um die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt zu be­ sichtigen. Abends kehren die Schüler wieder nach Freising zurück. ────────── 14. Sontag des bayer. Bauverbandes im Verbande kath. kaufmännischer Vereinigungen Deutschlands. stark bewölkten Himmels kam es selbst am ersten Feiertage nur zu kurzen, unerheblichen Niederschlägen, während der gestrige Tag auch von solchen verschont blieb. Zeitweilig strahlte sogar die Sonne in vollem Glanze hernieder. Da nun einmal das Wandern und Reisen zum Pfingstseste gehört, wie der Tannen­ baum zum Weihnachtsfeste, so herrschte auch hier ein reger Reiseverkehr, der, abgesehen von dem Fahnen­ weihefest der Leib-Regiments-Vereinigung und der Tagung der Kath. kaufmännischen Vereine Bayerns, zahlreiche Fremde hieherbrachte. Die städt. Trambahn hatte während der Pfingstfeiertage Vollbetrieb. Trotz Anhängewagen waren die meisten Fahrten vollbesetzt. Auch der Autoverkehr war während der Feiertage ein sehr lebhafter. ES kamen rund 100 Automobile von München und rund 50 von Regensbürg hier durch, die zum Teil auch hier Aufenthalt nahmen. Der Pfing st verkehr auf der hie sigen Bahnstation gab der Beamtenschaft alle Hände voll zu tun. Der Verkehr umfaßte hier ca. 10 000 Personen. Außer den fahr­ planmäßigen Zügen gelangten 40 Sonderzüge von und nach Landshut zur Abfertigung. Der Verkehr ging dank der umsichtigen Leitung des Vorstandes der hiesigen Station, Herrn Oberbahnverwalter Kießling, und der tatkräf­ tigen Mitarbeit der Herren Beamten ohne Stö­ rung vor sich, trotz der manchmal ganz er­ heblichen Verspätung, welche die Züge aufzu­ weisen hatten. Fremdenverkehr. Während der Feier­ tage kamen eine Reihe von Fremden, Reise­ gesellschaften und einzelne Familien, besonders aus Sachsen hierher. Aus Plauen war eine größere Reisegesellschaft Mer, ebenso aus Teplitz in Böhmen. Auch eine russische Aristokratin war aus Paris hier angekommen und verweilte am Sonntag hier. Für die Anziehung des Fremdenverkehrs dürfte auch die vor Pfingsten erlassene Reklame unseres rührigen Frmdenverkehrsvereins nicht wenig beigetragen haben. Bereits am Samstag abends waren eine Anzahl auswärtiger Vertreter hier erschienen, die sich abends im Hotel "3 Mohren" mit den hiesigen Kollegen des kath.-kaufm. Vereins "Unitas" zu einer zwanglosen Zusammenkunft trafen. Herr Gewerbebankdirektor Becherr be­ grüßte die auswärtigen Gäste, für die das Vorstandsmitglied des deutschen Verbanides, Herr Becher-Essen, dankte. Am Sonntag vormittags besichtigtem die Gäste den Rathausprunksaal und stiegen hier­ auf zur Burg Trausnitz empor. An die Be­ sichtigung der Burg reihte sich ein Frühschop­ pen im Restaurant Mariwaberl, worauf die Festgäste über den Hofgarten zur Stadt zurück­ kehrten. Die Gäste und die hiesigen Mittglie­ der trafen sich hieraus zu einem gemeinsmmen Mittagstisch im Prantlgarten. Nachmitta.igs 3 Uhr folgte ein Ausflug aus den Klausenlberg. Abends 8 'Uhr begann der . offizielle Begrüßungsabcnd mit Familienunterhaltung im Hotel Bermlochnersaal. An der Ehrentafel haben sich eängesunden die Herren Oberpostdirektor @ttngl" Re­ gierungsrat Weckler, Rechtsrat Ambros mit Vertretern der Stadt. Die Herren Stadt Pfarrer Geistl. Rat Dr. Eirainer und Ktauth mit Vertretern des Klerus, der Vertreter: des Verbandes kath.-kaufm. Vereinigungen Deutsch­ lands, Becher-Essen, und eine stattliche An­ zahl auswärtiger Delegierter und hiesiger ! Mit­ glieder. Den musikalischen Teil des Programms brachte das Musikkorps des 2. Schweren ReriterRegiments unter Herrn K. Obermusikmeeister Krümmels Leitung zu wohlgelungener Dmrchführung. Fräulein Marie Becher trug einen von Fräulein Rauhmeier verfaßten stimmmngsvollen Prolog mit Wärme und Gefühl vor. Herr Gewerbebankoirektor Becher begrüßtce die Ehrengäste und Gäste in herzlichen Woirten. Herr Rechtsrat Ambros begrüßte die Tagung im Namen der städtischen Kollegien. ^Herr Becher-Essen hielt die Festrede, in welchem er einen Ueberblick über die Gründung und l Ent­ wicklung, wie über die Zie.le des Verbaindes gab. Der Vorsitzende des Gaues Bayern;Herr Jean Mayer-München dankte für den herzliichen Empfang in Landshut und toastete auff die Stadt und ihre gastfteundlichen Bewohner.. Die Teilnehmer blieben noch lange in tramtem Freundeskreise vereint. Am Pfingstmontagg be­ gann vormittags 9 Uhr die Tagung im Ge­ werbehaussaale. Bericht folgt. Pfingsten 1914. Die heurigen Pfingsttage haben eigentlich mehr gebracht, als man zu erwarten hoffte. Trojtz des ────────── Verlosungen. Preußisch-SüSöeutfche Klaffeulotterie. 18. Ziehungstag. Vormittagsziehung: 10000 Mark auf die Nr. 822 353. 192 403, 5000 Mark auf die Nr. 2066, 108 778, 134 341, 133 994, außerdem 67 zu 3000, 152 zu 1000, 208 zu 500 Mark. Nach­ mittagsziehung : 50 000 Mark auf die Nr. 222 899, 10000 Mark auf die Nr. 147 721, 5000 Mark auf die Nr. 10 214, 34911, 117162, 208167, außerdem 62 zu 3000, 146 zu 1000, 192 zu 500 Mark. (Ohne Gewähr.) ────────── 1816 Großvieh, aus dem Auslande —, und zwar — Ochsen (darunter — aus Schweden und — aus Oesterreich), — Bullen (darunter — aus Oesterreich), — Kühe (darunter — aus Dänemark und — aus Oesterreich), — Jungrinder (— aus Oesterreich), 6063 lebende und 437 tote Kälber, 4630 lebende und 2815 tote Schweine, 25 lebende und 407 tote Schafe und Ziegen, 28 lebende und 145 tote Lämmer, Spanferkel und Kitze. Nach Auswärts wurden — Stück Großvieh und — Schweine. Marktverlauf: Großvieh: ruhig, Schweine: weiter anziehend, Kälber: unverändert, Schafe: un­ verändert. München, 30. Mai. (Getreidewochen­ bericht von Bauer und Zeckendorf.) Die Stimmung im Getreidehandel war im Verlauf dieser Woche eine ruhigere. Dem besseren Angebot gegenüber blieb der Konsum zurückhaltend, sodaß die anfangs verlangten höheren Preise auf das Niveau der Vorwoche zurückgeführt werden mußten. Man bezahlte für: Ia wahlfähiger bayer. Weizen 10,50 bis 10,75 JC, Ha wahlfähiger bayer. Weizen 8,50— 9,00 JC-, Ia bayerisches Korn 8,25—8,50 JC., Ha bayerisches Korn — JC-, Ia trockener bayerischer Hafer 8,00 bis 8,50 JC., Ha trockener bayerischer Hafer 7,50—7,75 JC, bayerische Gerste — JC. (ohne Handel) per 50 Kilogramm ab bayerische Stationen. Nürnberg, 30. Mai. (Hopfenbericht.) Seit dem letzten Bericht vom 23. Mai hat eine Aenderung der Geschäftslage nicht stattgefunden und es konnten sich insbesondere alle gutfarbtgeu und Prtma-Kundschastshopsen auf dem letztgemeldeten Preisstand behaupten. Eine Ausnahme machen die sogenannten Exportsorten, für welche, wie schon öfter betont, der genügende Absatz fehlt, sodaß selbst bei williger Abgabe ein Verkauf solcher Hopfen nur sehr schwer zu bewerkstelligen ist. Die Wochenzufuhr betrug 120 Ballen, der Wochenumsatz 200 Ballen. Stimmung ruhig. Preise aller Exportsorten gedrückt. Geringe Hopfen notieren 120—140 Mark, Mittel­ hopfen 150—175 Mark, Gutmittelhopfen 180—195 Mark, Prima-Hopfen einschl. Siegelgut 200—230 Mark, rote Hopfen 85—100 Mark. ────────── Letzte Posten. Ausstellungscrössnung. M ün ch e n, 2. Juni. Gestern vormittags wurde die Jahresausstellung der Künstlergenossenschast im Glaspalast im Beisein König Ludwigs eröffnet. Die deutschen Flieger freigelassen. Rhpin, 2. Juni. Auf Verfügung des Staates des Warschauer Militärbezirks sind die beiden hier gelandeten deutschen Flieger frei­ gelassen worden. Aus Albanien. Durazzo, 2. Juni. Die internationale Kontrollkommission wird sich nicht auf Tirana zu der Versammlung der Aufständischen be­ geben, weil sie die Stellung des Fürsten zu den Forderungen der Aufständischen abwarten wird. Die Einnahme Elbassans durch die Auf­ ständischen steht bevor, sie sind jetzt auf dem Marsche nach Berat. Reue Streiche der Suffragetten. London, 2. Juni. Die Kirche von Wargrave an der Temsee ist in der vergangenen Nacht abgebrannt. An der Brandstätte wurden Schriftstücke der Frauenrechtlerinnen gefunden. ] Ins Meer gestürzt. j A nt ibes, 2. Zunft. fDer Flugschüler N- I Agostinelli ist bei einem Fluge 300 Meter I vom Ufer entfernt ins Meer gestürzt und er- | trunken. j Der Dampfer "Storstad" mit Beschlag belegt. ! M on t r e a l, 2. Juni. Der Dampfer $ "Storstad" wurde mit Beschlag belegt, auf j Grund eines der Canadian Pacific-Gesellschaft ( gewährten Haftbefehles. Bericht des Kapitäns des "Storstad". jj Montreal, 2. Juni. Eine auf den Be- { richt des Kapitäns Andersen und der Offiziere l des Kohlendampfer "Storstad" gegründete Dar- j stellung des Unterganges der "Empreß" besagt: j Der "Storstad" dampfte nach dem Zusammen- 1 stoß nicht rückwärts, sondern fuhr vorwärts I in dem Bestreben, mit seinem Bug das Leck des "Empreß" zu verstopfen. Der "Empreß" dampfte aber weiter und bog den Bug des "Storstad" nach Backbord in spitzem Winkel zur Seite. Nachher ist der "Empreß" aus dem Gesichtskreis verschwunden und konnte trotz ständiger Signale nicht ermittelt werden, bis man die Schreie der Ertrinkenden hörte. Ueberschwemmung. Toboljsk, 2. Juni. Der Jrthschfluß überschwemmte im hiesigen Bezirke 86 Ort­ schaften. In einigen Dörfern wurden sämtliche Saatfelder vernichtet. Die telegraphische Ver­ bindung nach Tjumen ist unterbrochen und die Poststraße auf hundert Werst überschwemmt. ────────── Städtische Schwimmschule. 2. Juni 1914. Luft . . 15 Grad R. Wasser . 13 Grad R. Druck und Verlag von I. F. Rtetsch in LandSHM. Verantwortlich für die Redaktion: F $. Wagner, LaudShut. ────────── Inserate.