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      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1914-07-24"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">67. Jahrgang Nr. 198</biblScope>
          <date when="1914-07-24">1914-07-24</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Der Maffenausstand in Rußland. Die Zahl der Ausständischen einschließlich der Druckereiarbeiter und Straßenbahner be­ trägt 120 000. Der Straßenbahnverkehr ist fast ganz eingestellt, nur 46 Wagen verlie­ ßen die Depots und verkehrten unter dem Schutz der Polizei bis abends. Auf verschie­ denen Plätzen sangen die Streikenden, rote Fahnen mit sich führend, revolutionäre Lie­ der. Im Stadtteil Wiborg zerstörten die Aus­ ständigen die Telegraphenanlagen, warfen einen Holzwagen um und errichteten Barrikaden, von denen aus sie mit Steinen warfen. Vereinzelt schossen sie aus die Polizei und die Truppen^ denen es aber durchweg gelang, die Demon­ stranten zu zerstreuen und die Barrikaden zu zerstören. An vier Stellen der Stadt wur­ den die Polizei und die Truppen angegriffen, von einem Steinhagel verwundet und gezwun­ gen, gegen die Demonstranten zu feuern. Die Streikenden versuchten die Samsonbrücke an­ zuzünden und die Wasserwerke zu zerstören, was die Polizei verhinderte. sten Gendarmerieposten verlangte. Es kamen Gendarmen und Zollbeamte zu Hilfe, und nun wurden die Rumänen gewaltsam aus dem Wa­ gen geholt, wobei sie äußersten Widerstand lei­ steten. Als der Zug sich wieder in Bewegung setzte, wollten die Rumänen sich losreißen und auf den Zug springen. Der Professor schlug mit einem Stock gegen einen Gendarmen, der den Hieb mit dem Gewehr parierte. Es entstand ein regelrechtes Handgemenge bis schließlich die Gendarmen sich schußfertig machten. Darauf­ hin trat Ruhe ein. Die Hermannstädter Be­ hörden wurden von dem Vorfall verständigt, worauf sich der Untersuchungsrichter und der Staatsanwalt nach Rothenturmpaß begaben. Mit dem gestrigen Abendzug wurden die Ru­ mänen nach Hermannstadt gebracht und im Gerichtsgefängnis festgesetzt. Der gnadenreiche Zar. Auf den Bericht über die meuterischen Reden des russischen Ab­ geordneten Tschkheidze in der Duma, der des­ wegen vor den Obersten Gerichtshof gestellt werden sollte, schrieb der Zar folgenden Sah: Ich hoffe, daß von jetzt ab der Präsident der Duma keine gegen Gesetz und Eid verstoßenden Aeußerungen mehr dulden wird. Das Verfah­ ren ist einzustellen. Präsident Poincare nahm in KraßnojeSelo an der Truppenschau teil. Der Kaiser ritt die Fronten ab. Darauf wohnte Poincare einer Vorstellung im Theater bei. Folgen des Caillauxprozesses. Nach der gestrigen Prozeßverhandlung kam es in der Nähe des Justizpalastes in Paris zwischen Calmette du roi, welche unter dem Rufe: "Caillaux, der Mörder!" eine Kundgebung veran­ stalteten, und einer Truppe Sozialisten und Radikalen zu einer argen Reiberei, bei der mehrere Personen nicht unerheblich verletzt wurden. Die Revolution in Haiti. In Guantanamo sind bereits 300 amerikanische Marine­ soldaten gelandet worden; insgesamt werden dort tausend Marinesoldaten für einen etwai­ gen Dienst in San Domingo und Haiti zusam­ mengezogen.</p>
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          <p>Entsetzt, keines Wortes mächtig, starrte Westermann sie an. "Prinzeßchen, wissen Sie — auch das?" stotterte er fassungslos und blickte mit den Augen eines treuen Hundes in ihr schmerz­ zuckendes Gesicht. "Auch das, Du hörst es!" erwiderte sie tonlos. "Die ganze Welt spricht davon, daß mein Vater heimlich die Familienbrillanten an sich nahm uyd mit ihnen das Weite suchte; daher ist es ganz selbstverständlich, daß auch seine Tochter davon erfährt!" Westermanns hagere Gestalt reckte sich aus, sein saftiges Gesicht verlor den entsetzten Aus­ druck, seine Augen leuchteten auf, und um seine Lippen legte sich, wie damals im Kabinett des Generals, als er gegen den eigenen Vater für die Unschuld des Sohnes eintrat, ein Zug eiserner Entschlossenheit. "Die ganze Welt?" fragte er. "Das ist nicht wahr! Ich glaube nicht daran!" Ein Jubellaut entrang sich den Lippen des jungen Mädchens, beide 'Arme schlang sie um den Nacken des alten Mannes, und sie blickte mit glückstrahlenden Augen in sein wel­ kes Gesicht, aus dem es ihr wie eine Offen­ barung entgegenleuchtete. "Westermann, Du — Du glaubst es nicht?" ganze Geschichte ist nicht wert, daß Sie auch nur eine Träne vergießen. Wir beide glauben nicht daran, und was die Wett sagt, kann uns gerade so gleichgültig sein, wie eine Prise Schnupftabak, für die ich nämlich keinen roten Heller gebe!" "Du hast recht, Westermann, ich weiß!" erwiderte Tatiana und trocknete die Tränen. "Aber siehst Du, es ist schwer, zu wissen, daß auf dem Andenken meines guten Vaters solch ein Flecken liegt; — Westermann, wenn mein Papa damals die Brillanten nicht an sich nahm, so mutz es jemand anders getan haben, denn verschwunden sind sie doch, nicht wahr?" "Ja, Prinzeßchen, total verschwunden!" nickte Westermann. "Spurlos, als hätte die Erde. sie verschlungen, und wer feine Hand dabei hat, das weiß nur der liebe Herrgott? — Ich allerdings habe so meine Gedanken, aber — irren ist menschlich, und Beweise habe ich nicht, deshalb hüte ich meine Zunge. Aber mit Gottes Hilfe komme ich doch noch hinter das Geheimnis!" »Hoffst Du, die BrManten zu finden, Westermann?" fragte das junge Mädchen, und ihre Augen hingen mit zitternder Erwartung an dem Gesicht des treuen Dieners. (Fortsetzung folgt.) fragte sie in halb zweifelnden, halb jubelnden Lauten. "Wiederhole mir das noch einmal, sage mir wieder und wieder, daß mein armer Vater kein — Dieb» gewesen sein kann!" "So wahr die Sonne dort über uns steht, er ist schuldlos!" erwiderte Westermann feier­ lich und erhob wie zum Schwur seine knochige Rechte. "Das lohne Dir Gott!" Sie preßte das Gesicht in die Hände, und nur das Zucken ihrer feinen Schultern ver­ riet, daß sie weinte. Aber es waren glückliche Tränen, die selbst Westermänn nicht stören mochte! Mit gefalteten Brauen starrte Westermann in den duftenden Morgen. Was kümmerte ihn der sonnige Glanz, der aus Himmelsbläuen aus die blumengeschmückte Erde niederrieselte! Die alte, düstere Geschichte, die wie ein Fluch aus dem Leben jenes Verstoßenen gelastet und seinem Kinde heute noch Tränen auspreßte, wachte von neuem in seiner Erinnerung auf, und Menschenhaß mnb Zwietracht verhüllten alle Wunder, welche die große Meisterin Natur über die Erde streute. "Prinzeßchen, (fassen Sie sich!" sagte er endlüh und legte feine Hand sanft auf die Schulter seiner jungen Gesellschafterin. "Die</p>
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          <p>Bayerische Nachrichten. Tie Kammer der Abgeordneten beriet ge­ stern den Entwurf eines Armengesetzes zu Ende. In den allgemeinen Erörterungen wandte sich noch der Abg. Segitz (Soz.) gegen den armenpolizeilichen Ärbeitszwang, der die Rückkehr zur Leibeigenschaft bedeute. Die ein­ zelnen Artikel wurden schließlich nach weiterer Debatte unter Ablehnung mehrerer sozialdemo­ kratischer Abänderungsanträge und unter An­ nahme eines Antrages Spindler (Z.), betr. die Bürgerrechtsgebühren in der Pfalz in der Fassung der Ausschußbeschlüsse angenommen. Die definitive namentliche Abstimmung über das ganze Gesetz ergab dessen Annahme mit großer Mehrheit. Geschlossen dagegen stimm­ ten nur die Sozialdemokraten. Außerdem ver­ sagten zwei Zentrumsmitglieder ihre Zustim­ mung. Ohne Erörterung fand hierauf der Etat des Verkehrsministeriums Genehmigung. Der Etat der Eisenbahnverwaltung, über den sodann Abg. Dr. v. Pichler referierte, ist be­ kanntlich einer Umarbeitung unterzogen wor­ den. Er sieht jetzt vor 325 128 400 Mark an Einnahmen, 245 520 400 Mark an Ausgaben, weist somit eine Reineinnahme von 79 606 000 Mark auf, von der wiederum 71 746 040 Mark für Verzinsung und Verwaltung der Eisen­ bahnschuld abserviert werden. Gemäß einer Vereinbarung unter den Parteien werden die Redner kontingiert; jede Fraktion kommt nur einmal zum Wort. Als Generalredner der Liberalen sprach heute nur der Abg. Häberlein. Er erkannte an, daß es das Bestreben der Eisenbahnverwaltuug sei, sich den moder­ nen Anforderungen des Verkehrs anzupassen und die Betriebssicherheit zu heben, streifte die ungünstiger gewiordenen Einnahmeverhält­ nisse für die Staatseisenbahnverwaltung und versprach sich insbesondere von einer vermehr­ ten Heranziehung der Industrie nach Bayern eine Hebung des Güter- und Personenverkeh­ res. Eine durchgreifende Verbesserung aber erhofft sich der Redner nur durch eine grö­ ßere Vereinheitlichung des gesamten deutschen Eisenbahnwesens und in der Errichtung von Eisenbahnzweckverbänden. U. a. möchte er auch die Einführung der vierten Wagenklasse in Bayern näher geprüft haben. Redner machte noch weitere Vorschläge zur Hebung des Ver­ kehrs und vertrat mehrfach einschlägige Wün- ■ sche und Anregungen. Freitag vormittags Wei­ terberatung. Pom Wasserrade erfaßt und getötet. In Wittislingen bei Dillingen wurde gestern ein in der Maherschen Sägemühle beschäftigter Müllerbursche vom Wasserrade erfaßt und so furchtbar zugerichtet, daß er augenblicklich tot war. In der Donau ertrunken. Bei Schwimm­ übungen in der Nähe von Schnabelweis bei Regensburg ist gestern morgens der Rekrut Schneider von der 3. Eskadron des 2. Chevauxlegerregiments ertrunken. Ertrunken. Prior Pater Ignatius Haafer, der in Schondorf auf Besuch weilte, ist vorgestern bei einer Kahnpartie auf dem Ammersee ertrunken. Man sah ihn vom Ufer aus, aus dem Kahn ins Wasier fallen; wahrscheinlich hat ein Hitzschlag seinem Leben ein Ende gemacht. — Im Starnbergersee ist vorgestern Nachmittag beim Baden in der Nähe von Ammerland der 24 Jahre alte Kaufmann Ernst Brackenhofer aus München wahrscheinlich vom Schlage getroffen worden und ertrunken. Die Leiche konnte bereits geborgen werden. — Vorgestern Abend wollte der Oberfchweizer des k. Kreisgutes Gaberfee (Ober­ bayern) im Stautachersee baden. Kaum hatte er sich ins Wasser begeben, versank er lautlos vor den Augen feiner Kameraden und konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. Er hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. —' Beim Baden im Main bei Mainberg (Unterftanken) sind die 15jährige Hauptlehrerstochter Finfching von Aberrfeld und die ihr zu Hilfe eilende Haushälterin Pees des Hauptlehrers Werner ertrunken. Die sofort vorgenommenen Wieder­ belebungsversuche blieben ohne Erfolg. Neue Unwetter. Von vorgestern halb 10 Uhr abends ab gingen über Nürnberg und Umgebung mehrere schwere Gewitter nieder, die von starken elek­ trischen Entladungen begleitet waren. In der Gegend von Fischbach und Zerzabelshof in nächster Nähe von Nürnberg, gingen so heftige Wolkenbrüche nieder, daß die beiden Täler so hoch mit Wasier überflutet wurden, daß jeder Verkehr bis gestern Mittag unter­ brochen war. Vielfach ist auch Vieh ertrunken, ob Menschenleben zu beklagen sind, steht noch nicht fest. Aus Eifersucht. In LudwigShafe» gab der Fabrikarbeiter Georg Rothaar auf feine Geliebte, die Fabrikarbeiterin Hofretther, drei Schüffe ab, die sie schwer in der Magengegend verletzten. Darauf schoß er sich eine Kugel tn den Kopf, die seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Beweggrund zur Tat ist Eifersucht.</p>
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          <p>Speise gebildet, die jetzt den Tod der jun­ gen Frau herbeiführten. Der Arzt selbst hatte wegen des nicht ganz einwandfreien Ge­ schmackes die Speise unberührt gelassen. Pom überraschten Einbrecher niederge­ schlagen. Als die Portierfrau Hanschke in Berlin von einem Ausgang zurückkehrte, trat ihr aus ihrer Wohnung in der Kameruner Straße ein Unbekannter mit einem Messer in der Hand entgegen und drohte sie niederzu­ stechen, falls sie einen Laut von sich gebe. Die Frau versuchte, den Mann festzuhalten; die­ ser streckte sie jedoch mit einem Faustschlag • nieder und entkam. Die Wohnung war durch­ wühlt; ob etwas gestohlen ist, muß erst festgegestellt werden. Frau Hanschke hat einen schwe­ ren Nervenchok erlitten. Opfer der Hitze. Die große Hitze der letz­ ten Tage har zahlreiche Opfer unter solchen Leuten gefordert, die in erhitztem Zustande ein Bad im Rheine nehmen wollten. In den letzten Tagen sind im mittel- und niederheinischen Gebiete 20 Personen durch Ertrinken zu Tode gekommen, vorgestern allein 8, die durch­ weg an verbotenen Stellen gebadet haben. Die Behörden der einzelnen größeren rheinischen Städte erlassen eindringliche erneute Warnun­ gen, das Baden in erhitztem Zustande, sowie im offenen Rheine zu unterlassen,, da beides große Gefahren in sich birgt. Das Messer im Streit. In der Zechenko­ lonie Radbod bei Hamm i. W. gerieten nach einem Festgelage Bergleute in Streit, wobei zwei erstochen und mehrere schwer verletzt wur­ den. Die Täter sind verhaftet. Ei« Irrsinniger aus Aberglauben erschla­ gen. Ein grauenhafter Vorfall wird aus dem beliebten ungarischen Badeort Csorbato in der Tatra gemeldet. Der Küchenchef des dortigen Hotels, Colomann Einfall, ist plötzlich irr­ sinnig geworden und da die in der Nähe lie­ genden staatlichen Irrenanstalten alle überfüllt waren, wurde er vorläufig in den Spital­ baracken von Csorboto untergebracht. Als vor­ gestern seine Verwandten ihn abholen wollten, fanden sie nur noch seine zerfetzte und ver­ stümmelte Leiche vor. Es stellte sich heraus, daß die Bauern der Umgegend den Unglück­ lichen erschlagen haben, weil sie sich fürchteten, daß die Gegenwart des Irrsinnigen die Ernte verderben würde. Räuberische Beamte. Unter der Güter­ station Warschau-Brest wurde ein Tunnel mit zwei versteckten Ausgängen entdeckt. Im Tun­ nel wurden Stühle und Tische, ein Bett und eine Menge wertvoller Gegenstände in Gold und Silber und Partien von Leder vorgefun­ den. Es stellte sich heraus, daß Eisenbahn^ angestellte schon vor vielen Jahren die Bo­ denaushöhlung hergestellt haben, um darin aus dem Magazin der Station gestohlene Güter zu verbergen. Auf dieser Station sind auch in der Tat öfter wertvolle Frachtgüter in Ver­ lust geraten. Ein schuldiger Beamter wurde verhaftet. Ter natürliche Tob. Ein Tourist kommt in eine ganz weltverlassene Gegend, hoch oben im Norden Schottlands. Keine Post, kein Arzt, keine Apotheke weit unv breit. "Was macht Ihr nur, wenn Ihr einmal krank werdet", ftagt der Fremde einen der Einheimischen. "Ihr könnt doch niemals zur rechten Zeit einen Arzt bekommen". — Gewiß nicht, mein Herr", erwiderte der Geftagte, "wir sterben hier im­ mer eines natürlichen Todes!" Eine Braut ohne Arme. In Brooklyn hat eine merkwürdige Trauung stattgefunden. Das Paar war Karl Gerardy und Marie Loriano, beide jung und hübsch. Als der Sekre­ tär des Standesbeamten ihnen den Eid ab­ nahm und sagte: "Erheben Sie ihre rechte Hand!" errötete die Braut und blickte zu Bo­ den; sie hatte nämlich keine Arme. Als dann der Standesbeamte die Trauung vorgenommen hatte und dem Ehepaa^ die Ringe anstecken wollte, erhob sich die gleiche Schwierigkeit. Der Standesbeamte fragte darauf besorgt: "Aber die Heiratsurkunde muß doch unter­ zeichnet werden". Der Bräutigam flüsterte dar­ auf dem Standesbeamten etwas zu und unter­ schrieb zunächst selbst. Dann zog die junge Frau ihren Schuh aus, ergriff mit den Zehen, die mit einem seidenen Fingerstrumpf beklei­ det waren, geschickt die Feder und unterzeich­ nete in flotter Schrift die Urkunde. Tie BraÄ war nämlich das "Wunder ohne Arme" aus einem großen amerikanischen Zirkus. Kaugummi und Theaterbillete. Jetzt in der Hitze, in der sogenannten "Saurengurkenzeit" ist es ein fast unlösliches Problem, das Publikum zu Vorstellungen heranzulocken. Da ist nun der Besitzer einer der größten Newhorker Konzertsäle auf den genialen: Einfall fall gekommen, jedem beim Eintritt in den Saal ein Päckchen Kaugummi gratis zu über­ reichen. Und siehe, diese Idee hatte einen glänzenden Erfolg! Vergnüglich kauend saßen mit zuftiedenem Gesichtsausdruck Hunderte von Menschen in dem Konzertsaal und hörten ge­ duldig bis zum Ende all die musikalischen Dar­ bietungen mit an, für die sie ohne Kaugummi Wohl kaum so viel Interesse hätten aurfbringen können. Uns Europäern erscheint diiese Gra­ tisspende nicht gerade verlockend, «Der der schlaue Direktor kannte sehr Wohl die Leiden­ schaft, die alle Amerikaner vom Säugling in der Wiege, bis zum Murmelgreis am Krück­ stock für den Kaugummi haben. Jeder, der einmal drüben in der neuen Welt zu Gaste ist, braucht nur bei irgend einer durchaus wohlerzogenen Familie während des Essens un­ ter die Tischplatte zu greifen. Da wird er dann mit Entsetzen merken, daß sein Finger an dort angeklebte Kaugummireste stößt. Die hat man vor dem Essen aus dem Munde her­ ausgenommen und unter dem Tisch aufgeklebt. Nach beendetem Diner steckt man sie seelenruhig wieder in den Mund. Andere Völker, andere Sitten.</p>
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          <p>Caillaux-Prozeß. Gestern erklärte die geschiedene Frau Caillaux, Frau Gueydan, es habe zwischen ihr und Caillaux kein Vergleich stattgefunden. Man spräche immer von zwei intimen Briefen, es gäbe deren viel mehr. Die Zeugin be­ schwor, Calmette keinerlei Meldungen gemacht zu haben. Der Chefredakteur des Pariser Journal, Vervoort, sagte aus, daß Frau Gueydan, zu einer Zeit, die er nicht genau an­ geben könne, ihm gegenüber den lebhaften Wunsch geäußert habe, die von Caillaux an Frau Rayonouard geschriebenen Briefe ver­ öffentlicht zu sehen. Vervoort versicherte, er sei der Ueberzeugung, daß Calmette die in­ timen Briefe niemals veröffentlicht haben wür­ de. Frau Gueydan erklärte, daß ihre erste Ehe mit Caillaux eine sehr harmonische ge­ wesen sei, und daß sie den veröffentlichten Brief im Jahre 1908 von Caillaux erhalten habe. Im Mai 1909 habe sie von den Be­ ziehungen ihres Gatten zu seiner jetzigen Frau erfahren. Dann sprach sie weiter: "CaMaux beabsichtigte in gewissen Augenblicken anschei­ nend sich von diesem Verhältnis loszureißen, aber diese Person hielt die Beute immer wie­ der fest." Sie gestand die intimen Briefe in Mamers aus dem Schreibtische ihres Gatten genommen zu haben,, um bei dem Eheschei­ dungsverfahren nicht ohne Waffen zu fein. Caillaux habe alle Anstrengungen gemacht, um die Briefe wieder in seinen Besitz zu bekommen. Sie habe sich aber geweigert, da in einem dieser Briefe Caillaux anerkannte, daß er ihr nichts vorzuwerfen habe. Frau Geydan über­ gab die Briefe an den Verteidiger Labori. Caillaux sagte unter großer Bewegung im Saale zu Frau Gueydan: "Ich habe nur ein Unrecht begangen, nämlich Sie zu heiraten. Erst seit dem November 1911, seit dem ich meine jetzige Frau geheiratet habe, war ich vollkommen glücklich". Barthou erklärte, nie­ mals etwas zu Caillaux über die geplante Veröffentlichung der intimen Briefe gesagt zu haben.</p>
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          <p>eignen, die sich einen modernen Häufelpflug nicht leisten können oder wollen. Herstellungskosten zirka 2 Mark. Der obenerwähnte Pflug, bezw. Stelzfußrad, ist in hiesiger Gegend von mehreren Landwirten bereits in Gebrauch und hat sich vorzüglich bewährt. Straubing, 23. Juli. (Geländete Leichen.) Die Leichen der am 16. Juli bet einer Sckwimmübung in der Donau ertrunkenen beiden Cheveaulegers Weber und Meier des 7. Chev.-Regts. wurden in der Nähe von Deggendorf geländet. Die Leichen werden auf Kosten des Mtlitärfiskus in ihre Heimat überführt werden. Plattling, 23. Juli (Zwischen die Puffer ge­ raten.) Gestern geriet der Wagenwärtergehilfe Jo­ hann Holzhäuser von Plattling beim Verkuppeln von Wagen im Bahnhöfe Deggendorf zwischen die Puffer zweier Wagen und erlitt eine schwere Quetschung des rechten Oberarms." Teggenvorf, 23. Juli. (Die Gewerbebank Deggendorf e. G. m. b. H.) erzielte im abge­ laufenen Halbjahr einen Umsatz von 2 Mil­ lionen Mark, d. s. gegen den gleichen Zeit­ raum des Vorjahres mehr um eine halbe Mil­ lion Mark. An Spareinlagen wurden in die­ sem Halbjahr neueingelegt 37 000 Mark. Diese Zahlen sprechen für das große Vertrauen, wel­ ches dem zum Wohle von Gewerbe und Hand­ werk geschaffenen Institut entgegengebracht wird. Osterhofen, 22. Juli. (Zwei Flieger ge­ landet.) Heute mittags gegen 2 Uhr landete hier ein Eindecker mit zwei Herren. Die Lan­ dung mußte wegen Benzinmangel vorgenom­ men werden. Bei der Landung geriet der Ap­ parat in einen Graben und wurde dabei der­ art beschädigt, daß die Flieger vor zwei Ta­ gen kaum die Reise werden fortsetzen können. Die beiden Herren sind Franzosen namens Duwa und Sorbe und sind heute früh 5 Uhr in Paris aufgestiegen. Es handelt sich bei diesem Fluge um eine Wette mit einem Ein­ satz von 30 000 Farcs. Sie sollten nachmittags 4 Uhr in Wien sein, was ihnen auch geglückt wäre, wenn nicht Benzinmangel eingetreten wäre, der sie zur Landung nötigte. Die Strecke Paris—Osterhofen legten die Flieger in un­ unterbrochenem Fluge zurück. Schöllnach, 22. Juli. (Zur Bahneröff­ nung?) Hier herrscht über die demnächst statt­ findende Eröffnung der Lokalbahnteilstrecke Eging—Hengersberg und die damit eintretende Aufnahme des Betriebes auf der Gesamtlinie Deggendorf—Kalteneck große Freude. Unsere Einwohnerschaft wird auch den für sie und die ganze Umgebung höchst wichtigen Tag nicht ohne entsprechende Feierlichkeit vorübergehen lassen. Zu diesem Behufe hat sich ein Komitee gebildet, welches jetzt schon mit größtem Eifer Vorbereitungen hiezu trifft. Michaelsbuch, 22. Juli. (Opfer der Hitze.) In Steinkirchen wurde gestern der Oekonom Herr Michael Müller vom Hitzschlage getroffen. Heute ist der im 68. Lebensjahre stehende all­ seits beliebte Mann demselben erlegen. Waldkirchen, 21. Juli. (Zwei Wilderer hinter Schloß und Riegel.) Wieder einmal ist es gelungen, zwei Hausbesitzer von Lackenhäuser beim Wildern zu ertappen. Jeder von ihnen hatte eine Rehgeis erlegt. Beide wurden in das hiesige Amts­ gerichtsgefängnis eingeliefert und werden wegen des Jagdfrevels zur Verantwortung gezogen werden. Obernzell, 21. Juli. (Ertrunken) Kürzlich ist der eineinhalb Jahre alte Sohn der Eheleute Johann und Maria Hummer in Kramefan, Gemeinde Rannariedl, in einem unbewachten Augenblicke in den Fluten der Donau ertrunken. Paffau, 22. Juli. ^Beim Baden ertrunken.) Herr Kaufmann Theodor Heindl wurde heute abends 8 Uhr beim Baden in der Donau vom Herzschlag getroffen und verschied alsbald. Ein streng religi­ öser Bürger und tüchtiger Geschäftsmann ist damit von uns geschieden. Der auf so tragische Weise Verschiedene steht im 39. Lebensjahr und hinterläßt eine trauende Gattin mit einem Kinde. Die Leiche wurde noch nicht geborgen. Bolkskouzert. Wörth a. J s.. 21. Jul«. Die musikalische Vereinigung "Isartal", deren Mitglieder sich fast ausschließlich aus Lehrern des Landbezirkes Landshut-Land zusammensetzt, gab Heuer , wieder wie im Vorjahr ein Volkskonzert großen Stils zu Gunsten der Roten Kreuz-Sammlung. Als Konzertraum hatte man die weite ca. 600 Personen fastende Baron Nagelsche BräuhauS-Halle in Wörth gewählt und damit sicherlich das Rechte getroffen. Bis zum letzten Platze war die festlich dekorierte Halle gefüllt von Gästen, die mitunter aus ziemlicher Entfernung herbeigeströmt kamen. Der wette Raum mit seinen mächtigen Gewölben und Säulen, die ge­ schmackvolle Dekoration, die angenehme, wohltuende Kühle, erzeugte die richtige Stimmung. Und wer da mit seinen Gedanken etwa noch draußen unter den wogenden Aehrenfeldern unter dem Schatten des Tannenhages ober an den eilenden Mastern der grünen Isar einsam stand, der wurde weggertffen aus seinem Träumen von der rauschenden, brausenden Wucht des Orchesters, das Eilenbergs kernigen KaiserJäger Marsch in den blauen Sommertag voll Heller Freude hinetnmusizierte. Und was nun folgte, es war Vieles — Großes — jeder kam auf feine Rechnung. Fand doch das Scherzo op. 31 von Chopin neben dem rührenden Volkslied "In einem kühlen Grunde und die-Schumannfche "Träumerei" und die "Medtdation" von Gounod" neben Koschats volkstümlichen Liederwalzer "Am Wörthersee" seinen Platz. Die Besetzung des Orchesters war eine glückliche; namentlich verliehen ihm der schöne Wetdtg-Flugel und das Harmonium eine fattsame Fülle. Vielleicht könnte man in Zukunft noch einige "Holzbläser" ge­ winnen. Unter Herrn Lehrer Daunderers fein­ sinniger Direktion kamen die einzelnen Piecen für Orchester sehr wirkungsvoll zum Vortrag. Erfreulicher Weise hatte man zum Konzert auch zwei bekannte Kräfte gewonnen, die einen Haupterfolg für sich in Anspruch nehmen dursten; es sind dies Fräulein Z t e s k e - Landshut und Herr Haupt­ lehrer M o s a u e r. Eine feinsinnige, temperament­ volle Interpretin klassischer Musik, hat Frl. Zieskc durch rhr Spiel tatsächlich bezaubert. In vollendeter Weise gelang ihr das Scherzo op. 31 von Choptn und die stimmungsvolle Serenade von Drdla. Auch als Klavier-Partneri» beeinflußte sie das Ensemble sehr wirksam. Unter stürmischem Applaus wurde ihr der verdiente Lorbeer gereicht. Ein alter, lieber Bekannter trat feit Jahres­ frist wieder einmal am die Oeffentlrchkeit — Herr Hauptlehrer Mosauer. Wie Frl. Zieske hatte auch er sozusagen einen großen Tag. Seine Geige sang. In dem "Benedictus-Andante-religioso“ von Rost offenbarte er eine künstlerische Reife und Größe. All die übrigen Piecen von Slunico, Schubert u. a. ver­ rieten den Künstler, den man ebenso warm wie stürmisch feierte und dem man auch den verdienten Lorbeer überreichte. Gleichfalls unter Herrn Lehrer Daunderers tüchtiger Direktion kamen Männerchöre von Schultz, Thutlle, Brahms und das schlichte Volkslied: "In einem kühlen Grunde ..." in wohltuender Ab­ wechslung zum Vortrag. Auch diese Chorleistungen standen durchwegs ans einem höheren Niveau. Auch der Dirigent wurde durch einen Lorbeerkranz geehrt. So war also der Sonntag in Wörth ein Tag frohen KunstgenießenS für jeden, den Laien wie den Kunstverständigen; davon zeugte der starke Applaus, der brausenden Wogen gleich durch die Weite des Raumes wogte und brandete. Aufrichtiger Dank muß am Schluffe noch jenen Herren gezollt werden, die durch ihre Bemühungen und uneigennützigen Bestrebungen für das Zustande­ kommen des Volkskonzertes so viel Sorge getragen haben. Es sind das ble Herren: Dr. Stapfner Niederviehbach, Hauptlehrer Mayr- Weng, Hofb a u e r - Wörth, Maier- Reichersdorf und die sämtlichen mitwirkenden Kollegen des Bezirkes Landshut-Land. Exitus acta probat! Schiller-Berghausen. Pte Industrie in Niederbayern. Aus dem wirtschaftlichen Bericht der niederbaherischen Handelskammer in Passau für das Jahr 1913 geht hervor, daß die Industrie Niederbayerns gar wicht so gering einzuschät­ zen ist, wie dies vierfach geschieht. Der Bericht weist Schilderungen über die Lage der Brau­ industrie auf, die int Niederbahern reich ver­ treten ist. Außerdem wird Bericht erstattet über das Berg- uncd Hüttenwesen, die Gra­ phit- und Schmelztigelfabrikation, Leim-, Kno­ chenfett- und Knochenmehlfabrikation, Karbid­ erzeugung, Tafel- und Hohlglasbereitung, Gra­ nitindustrie, Cellulose- und Holzstosfabrika­ tion, Holzpappenerzeugung, Holzwarensabrikation, Kunstmühlen, Malzfabriken, Lederfabri­ ken, Schuhfabrikation, Maschinenfabriken, Elek­ trizitätswerke, Papierfabriken, Strohpapiersabrikation, Preßhefe- und Spiritusfabrikation, Porzellan- und Steinzeugfabriken, Ziegeleien, Asphalt- und Zementwarensabrikation, Kalk­ werke, Zündholzfabrikation, Leinenindustrie. Man sieht aus dieser Zusammenstellung, daß die Industrie unseres Kreises sehr vielseitig ist und alle möglichen Gebiete umfaßt. Neben vielen alten Sparten, wie Leinen-, Granit-, Graphit- und Holzwarenindustrie haben sich wieder neue Zweige in unserem Kreise ange­ siedelt, die sich einer steten Entwicklung er­ freuen.</p>
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          <p>Buntes Feuilleton. Die Rose von Peterhof. Der Hauptreiz des Schlosses Peterhof, das Peter der Große in dem Ehrgeiz erbauen ließ, ein zweites Ver­ sailles zu schaffen, und wo jetzt Herr Ray­ mond Poincare Gastfreundschaft genießt, ist der prachtvolle Park, an den sich folgende amü­ sante Anekdote knüpft. Eines Tages sah Zar Nikolaus I. eine Schildwache an der Kreu­ zung zweier Alleen des Parkes stehen. "Was tust Du hier?" fragte er den Soldaten, "Ich weiß es nicht, ich habe meinen Kameraden vor einer Stunde abgelöst". Nikolaus wandte sich an den Konservator des Schlosses. Der wurde rot und blaß und — wußte auch nichts. Und so waren einige Tage sorgfältiger Nachfor-l schungen nötig, ehe dem Herrscher die Ant­ wort zuteil werden konnte: "Majestät, die Schildwache soll eine Rose schützen, die Ihre Majestät, die Kaiserin Katharina II. besonders gern hatte!" Es hatte sich folgender Tatbestand herausgestellt: Vor nicht weniger als 50 Jah­ ren hatte Katharina II. einmal eine voll» erblühte Rose in einem Beet von Peterhof voll Bewunderung gesehen und verboten, daß sie abgepflückt würde. Um nun sicher zu sein, daß das Verbot der Herrscherin befolgt würde, ließ der damalige Gouverneur des Palastes die Blume durch einen Soldaten bewachen. Die Rose verblühte, aber man vergaß die Schild­ wache abzuberufen. Und so kam es, daß noch zwei Menschenalter später ein Soldat die längst dahingeschwundene Rose der verstorbenen Kai­ serin hütete. Eine "schöne Leiche" in alter Zeit. Daß es in der guten alten Zeit in Schottland recht teuer kam, sich würdig und angemessen be­ statten zu lassen, zeigt ein von der histori­ schen Handschriften-Kommission soeben veröf­ fentlichtes interessantes altes Dokument aus dem Handschriftenschatz der Universität Edinburg. Es handelt sich um eine Aufzeichnung der Kosten, die im Jahre 1650 die Bestat­ tung und die Leichenfeier eines gewissen Da­ vid Fleyming erforderte. Die interessante Be­ rechnung beginnt zunächst mit einer Aufstellung der verbrauchten Weine: Endsumme 656 Mark. Dazu kommen dann 60 Mark für ein großes Faß Ale und etwas über 60 Mark für kleine Fleischgerichte. Der Glöckner, der bei der Trauerfeier die Glocken läutete, mußte für seine Leistung mit 220 Mark belohnt werden. Und dazu kommen noch allerlei weitere Aus­ gaben, sodaß die "schöne Leiche" die Erben David Fleymings alles in allem 3046 Mark und 40 Pfg. kostete. Angesichts solcher Ko­ sten kann man es den ftöhlichen Schotten der alten Zeit kaum verdenken, wenn sie nur un­ gern des Todes und des Sterbens gedachten, denn ihnen kostete der Tod ganz erheblich viel mehr als das Leben. Wie lange darf ein Filmkuß sein? "Es geht nicht mehr an, daß ein Liebespaar auf der lebenden Leinwand endlos lange die Lip­ pen aufeinanderpreßt und sich herzt und knutscht". So hat FraujCyrus River dekretiert, die dem Zensoramt der Vereinigten Staaten, dem. die Kinematographentheater unterstehen, angehört. Ehe sie Dich zu diesem Macht-» spruch entschloß, hat sie eingehende Studien mit der Uhr in der Hand getrieben und dabei zu ihrem maßlosen Entsetzen festgestellt, daß die Helden und Heldinnen sich gegenseitig durchweg meterlange Küsse applizieren. Ja, einen Kuß hat sie herausgefunden, der sich so­ gar über einen Kilometer Film hinzog. Das war zu stark, zu unsittlich. Und jetzt hat sie kundgetan, daß jeder Kuß, der länger als drei­ viertel Meter ist, unweigerlich verkürzt wird. Dreiviertel Meter Film herzustellen dauert ge­ nau 36 Sekunden, und so werden fortan in Amerika die Kinooperateure mit der Stech­ uhr in der Hand die Küsse der Liebenden kon­ trollieren, um nur ja nicht der strafenden Hand des Kinozensors zum Opfer zu fallen.</p>
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          <p>—* Karambolage. Als gestern abends ein hiesiger Autodroschkenführer durch die Alt­ stadt zum Bahnhof fuhr kam aus der unteren Land ein Reiter des hiesigen Reiterregiments mit seinem Rade zur Altstadt gefahren. Ob­ wohl der Automobilführer mit aller Kraft bremste, konnte er einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Der Reiter wurde hierbei zur Seite geschleudert, erlitt jedoch nur un­ bedeutende Verletzungen. Das Fahrrad wurde stark beschädigt. —* Die Bartholomädult wird Heuer wieder reich ausgestaltet. Das'Komitee ist be­ reits in emsiger Tätigkeit. Außer dem bereits gemeldeten Zimmerstutzen-Preisfchießen werden noch eine Reihe anderer Veranstaltungen das Festprogramm bereichern. Am ersten Dultsonn­ tag vormittags findet der Auszug der Schützen zum Festplatz und die Eröffnung der landwirt­ schaftlichen Ausstellung statt. Nachmittags halb 3 Uhr wird die hiesige Sektion des Verbandes zur Wahrung der Interessen bayerischer Radund Motorfahrer einen Kraftwagen-Korso vom Heißgarten zum Festplatz veranstalten. Am Dienstag abends wird eine große Illumination des Festplätzes stattfinden. Am Mittwoch nach­ mittags wird eine Hamburger Dame (Akroba­ tin) einen Lusiballonaufftieg unternehmen. Am Freitag abends finden Volksbelustigungen, Brieftaubenwettfliegen statt. Der Sonntag Nachmittag bringt dann wiederum Pferderen­ nen und den Abschluß des ''Festes wird ein großes Feuerwerk bilden. Die zahlreich ange­ meldeten Schaustellungen lassen auch einen lükkenlosen Festplatz erhoffen.</p>
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          <p>Die Schulden Berlins. Rund 1,1 Milliarde Mark betrug am 1. April v. I. die Gesamtschuldenlast von 25 Gemeinden Groß-Berlins mit einer Bevölkerung von rund 3,6 Millionen. Seitdem hat sich diese Schulden­ last abermals ganz bedeutend vermehrt und wird sich weiter erheblich steigern, wie die Etats erge­ ben. Auf den Kopf der Bevölkerung Groß-Ber­ lins entfällt danach ein Satz von 306 M., auf den Kopf der Reichshauptstadt indes nur 235 M., während auf Charlottenburg 573 M., auf Neu­ kölln 302 M., auf Schöneberg 421 M., auf Wilmersdorf 425 M.. auf Lichtenberg 305 M.. auf Steglitz 371 M., auf Wetßenfee 533 M.. auf Pankow 382 M., auf Lichterfelde 304 M., auf Reinickendorf 337 M., auf Tegel 598 M , auf Britz sogar 787 M., auf Friedenau 216 M , auf Treptow 252 M., Zehlendorf 478 M., auf Tempelhof 202 Mk.. Friedrichsselde 332 M., Mariendorf 362 M., Wittenau 565 M., Lank­ witz 482 M., Ober-Schöneweide 197 M., NiederSchönhausen 210 M., Friedrichshagen 242 M. und Adlershof 162 M. entfallen. Zur Beur­ teilung der Finanzen genügen diese Zahlen aber nicht. Dazu gehört zum mindesten eine genaue und spezialisierte Angabe des Vermögens und der Steuererträge. Die Steuerkraft und der Ver­ mögensstand sind die Grundpfeiler gesunder Finanzen, nicht die Höhe der Schulden. Berlin hat rund 500 Millionen Mark Schulden, aber auch ein Vermögen von rund 1,2 Milliarden Mark bet 95 Millionen Mark Einnahmen aus Steuern. Es ist also nicht nur absolut, sondern auch relativ weit bester gestellt als die Vororte mit ihren Schulden bei unbedeutendem städtischen Vermögen, geringerer Steuerkraft und hohen Lasten für den Kopf der Bevölkerung.</p>
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          <p>Ein Geständnis sehr interessanter Art über die hohen Verwaltungs­ kosten der Reichswerlzuwachssteuer hat die Regierung in der Kommission zur Beratung des K.A.G. am 30. Juni d. I. abgelegt: "Zuzugeben fei, daß das Reichsgesetz zu schematisch gewesen sei angesichts der verschieden­ artigen Lage der Verhältnisse in den einzelnen Kommunen, was sich schon daraus ergäbe, daß 83 Kreise, 68 Städte und 3 Gemeinden die Steuer hätten abschaffen müssen, weil sie nicht einmal die Kosten zur Veranlagung einge­ bracht habe." Und das bet enorm hohen Steuersätzen und einem Rückgriff bis 1885!</p>
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          <p>Sport. I. Geliindelauf -er Fußball-Abteilung -es Turnvereins von 1861, Am kommenden Sonntag beschließt die Fuß­ ballmannschaft des Turnvereins von 1861 die dies­ jährige Spielsaison mit einer größeren sportlichen Veranstaltung, an der die ganze Aktivltas der Ab­ teilung teilnimmt. Es findet ein Geländelauf statt, der für Landshut etwas Neues ist, während in an­ deren Städten derartige Läufe schon lange abge­ halten werden. Der Lauf beginnt nachmittags 5 Uhr bei der protestantischen Kirche und erstreckt fich durch die Gabelsbergerstraße, Klötzlmühle, Jsarauen, Dammstraße zum Sportplatz in der oberen Flutmulde. Die Laufstrecke beträgt ca. 5 Kilometer. Es beteiligen sich 3 Mitglieder-, 1 Militär- und 2 Jugendmannschäften. Für die Jugendmannschaften ist die Strecke auf 2 Kilometer abgekürzt. Ein Gönner der Ab­ teilung hat einen Wanderpreis gestiftet, der dreimal von derselben Mannschaft gewonnen werden muß, bis er in deren Besitz übergeht. Der Preis wird der Mannschaft zugesprochen, die die beste Durchschnitts­ leistung erzielt. Außerdem hat die Damenabtrtluvg des Turnvereins und noch einige andere Gönner Ehrenpreise für die besten Läufer gestiftet. Abends 8 Uhr ist im Bernlochnerfaal Familienunterhaltung, bet welcher die Pretsevertetlung erfolgt.</p>
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          <p>Letzte Posten. Reichstagsersatzwahl. Lab tau, 24. Juli. Bei der heutigen Stichwahl im Reichstagswahlkreis Labiau— Wehlau erhielten Bürgermeister Wagner-La biau 9072 und Kleinhof in Labiau 7650 Stim­ men. Ungültig waren 10 Stimmen. Bürger­ meister Wagner ist somit mit einer Majorität von 1422 Stimmen gewählt. Folgen einer Wildereraffäre. Magdeburg, 24. Juli. Der Aufseher der Jagdgenossenschaft, Kramer, hatte gestern einen Zusammenstoß mit Wilddieben, wobei er den Schlosser Held erschoß. Hierüber bemäch­ tigte sich der Bevölkerung eine große Erregung und sie versuchte nachts das Haus Kramers zu stürmen. Kramer gab zu seiner Verteidi­ gung mehrere Schüsse ab, durch die vier Per­ sonen, darunter drei schwer verletzt wurden. Die Untersuchung ergab bisher, daß Kramer bei dem Zusammenstoß mit den Wilddieben an­ scheinend etwas voreilig von seiner Schußwaffe Gebrauch gemacht habe. Der Begleiter des er­ schossenen Held verweigerte bei dem gericht­ lichen Lokaltermine jede Auskunft. Die österreichische Note. Belgrad, 24. Juli. Der österreichisch­ ungarische Gesandte überreichte gestern abends 6 Uhr der serbischen Regierung eine Verbal­ note mit den Förderungen, der österreichisch-^ ungarischen Regierung. In derselben wird die Fortsetzung der Untersuchung über das Serajewoer Attentat in Belgrad verlangt. Ferner solle die serbische Regierung sich verpflichten, die antiösterreichische Propaganda in Serbien zu unterdrücken und den Verein Narodna Odbrana aufzulösen. Die Antwort Serbiens wird bis Samstag, den 25. Juli, abends 6 Uhr verlangt. Schiffsunglück. Stettin, 24. Juli. Der Dampfer "Ber­ lin" der Swinemünde-Dampffchiffahrts^Aktiengesellschaft ist gestern nachmittags 2 Uhr auf Papenwasser in der Nähe des Haffs mit dem Schleppdampfer "Ostsee" zusammengestoßen. Der Dampfer "Ostsee" wurde glatt durchschnitten. Angriffe auf deuffche Turner. Troppau, 24. Juli. Gestern unternah­ men hiesige deutsche Turner einen Ausflug. Als sie durch das tschechische Dorf Zimrowitz zogen, feuerte ein Teilnehmer des Ausfluges einen Revolverschuß in die Lust ab. Die Be­ völkerung, die hierdurch alarmiert wurde, lief aus den Häusern und warf sich auf die Tur­ ner. Es entstand eine große Prügelei,, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Die Gen­ darmerie stellte die Ordnung wieder her und nahm einige Verhaftungen vor. Tie Ausschreitungen in Mährisch-Ostrau. Troppau, 24. Juli. In Marienberg fanden gestern neue Ansammlungen statt. Als Gendarmen eine Verhaftung vornahmen, woflte die erregte Menge das Wachtlokal stürmen. Eine anrückende Gendarmerieverstärkung wurde mit einem Steinhagel verschüttet. Die Gen­ darmerie ging mit dem Bajonett vor, wobei zwei Demonstranten verletzt wurden. Don Olmütz sind zwei Bataillone nach Mährisch-Ostrau abgegangen. Massenstreik. Pet ersburg, 24. Juli. Die Streiklage ist unverändert. Gestern vormittags wurde an einigen Stellen versucht, Barrikaden zu errichten. Au der Petersburger Seite erfolgte ein Zusammenstoß zwischen den Demonstran­ ten und der Polizei. Mehrere Arbeiter wur­ den verhaftet. Auf der Nikolaibahn stellten gestern abend 400 Arbeiter die Arbeit ein" nahmen sie aber heute wieder auf, nachdem die Rädelsführer des Streikes verhaftet worden waren. Der Straßenbahnverkehr ist teilweise wieder aufgenommen worden. Die Strecken wurden verkürzt, die Zahl der verkehrenden Wagen ist unbedeutend.</p>
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          <p>Städtische Schwimmschule. 24. 3 u tt 1 9 1 4 Luft . . 15 Grad R. Wasser . 13 Grad R.</p>
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          <p>Inserate.</p>
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