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        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1914-07-31"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">67. Jahrgang Nr. 205</biblScope>
          <date when="1914-07-31">1914-07-31</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>auch im Kaufe des Nachmittags ungeheure Mas­ sen ansammelten. Hier fanden förmliche Ver­ brüderungsszenen statt. Der Jubel wollte kein Ende nehmen. Die Kundgebungen dauerten bis in die späten Abendstunden. Russische Spionage in Galizien. In einer der letzten Nächte beobachtete in Stanislau ein Wachtposten einen Offizier in österreichischer Uniform am Pulvermagazin und sprach ihn der Vorschrift entsprechend an. Der Offizier flüchtete. Es gelang jedoch, ihn einzuholen und festzustellen, daß es sich um einen russischen Offizier handelte. Später be­ merkte man in der Umgebung des Pulver^ Magazins vier verdächtige Personen. Der Po­ sten schoß auf sie und verletzte einen tödlich. Spenden für Liebesgaben und das Rote Kreuz. In Wien wurde eine Sammelstelle für Geld und Liebesgaben für die Soldaten und deren Familien errichtet. Der Gemeinderat hat hierfür 50 000 Kronen gespendet. Der Stadtrat von Wien bewilligte außerdem hun­ derttausend Kronen für das Rote Kreuz. Maßnahmen gegen den Lebensmittelwucher. Durch die allgemeine Mobilisierung in Oesterreich ist besonders in den Großstädten eine gewaltige Preissteigerung für alle zur Ausrüstung und Verproviantierung dienenden Produkte erfolgt. Auf sämtlichen Märkten I Wiens sind am letzten Dienstag die Lebensmit- I telpreise sprunghaft hochgegangen. Des Pu- I blikums bemächtigte sich größte Erregung, man begann zu demonstrieren. Einzelne Verkäufer wurden geprügelt und einige Markstände de­ moliert. Die Polizei schritt ein und stellte die Ruhe her. Für Prag sind durch die Statt­ halterei im Laufe des Dienstagsnachmittags Maximaltarife für den Verkauf von Lebens-Mitteln für den Prager Polizeirahon heraus­ gegeben worden. Die Polizeidirektion wurde ermächtigt, in Fällen von unbegründeten Preis­ erhöhungen mit der Schließung der betreffen­ den Kaufmannsläden vorzugehen. Einberufung des Bundesrates. Berlin, 30. Juli. Gerüchtweise der-* lautet, daß der Bundesrat einberufen worden sei. Teutsche .Handelsdampfer bringen sich in Si­ cherheit. Aus Archangelsk am Bottnischen Meer­ busen wird gemeldet: Die Kapitäne der deut­ schen Handelsschiffe erhielten den telegraphi­ schen Befehl, die Maschinen unter Dampf zu halten und sich fertig zu machen, bei der er­ sten Aufforderung binnen 24 Stunden die rus­ sischen Gewässer zu verlassen. Tie Haltung der Börsen. Während die Berliner Börse den Ge­ schäftsverkehr noch voll aufrecht erhält, hat der Elhseepalast und ließ den Präsidenten, der sich bereits zur Ruhe begeben hatte, wecken. Sie unterbreiteten dem Präsidenten der Republik eine Anzahl von Telegrammen, die in später Nachtstunde im Auswärtigen Amte noch einge­ laufen waren. Ueber den Inhalt der nächt-, lichen Ministerkonferenz ist nichts bekannt ge­ worden. Auch die französische Presse war von dieser zweiten Ministersitzung noch nicht unter­ richtet und veröffentlicht daher noch nichts über diese Beratung, die geeignet ist, neue Beun­ ruhigung zu erwecken. Frankreichs militärische Maßnahmen. Nach einer Meldung der halbamtlichen "Agenze Havas" soll die Nachricht von einer Mobilisierung der französischen Armee unrich­ tig sein. Die Regierung beschränke sich dar­ auf, die Sicherungsmaßregel zu tref­ fen, die durch die Umstände notwendig ge­ worden snid. Flucht der Teutschen aus Paris. Zahlreiche Deutsche verlassen mit Frau und Kind die fianzösische Hauptstadt. Dortige maßgebende deutsche Kreise vertreten denStandpunkt, daß diejenigen Deutschen, die über Geld­ mittel verfügen und.abkömmlich sind, gut tun, Paris sofort zu verlassen. Tie Albaner in Neuserbicn. Aus Durazzo wird gemeldet: Die öster­ reichische Kriegserklärung habe daselbst eine un­ verkennbare Rückwirkung hervorgerufen. Die Führer der albanischen Stämme int KuzzewoGebiete verständigten sich, um eine Erhebung der Albanesen in Neuserbien anzuzetteln. Vorstand der Hamburger Fondsbörse beschlos- j sen, den Terminhandel bis auf weiteres ein- j zustellen und nur per Kassa abgeschlossene Ge­ schäfte zu notieren. Ferner wird der Privat­ verkehr an der Abendbörse bis auf weiteres eingestellt. Die Zuckerbörse beschloß mit Aus­ nahme der Notierungen für Juli und August die offiziellen Notierungen einzustellen. Die Amsterdamer Börse wurde infolge der Bildung des Bankiershndikats wieder geöffnet. — Die Petersburger Börse bleibt bis Samstag ge^ schlossen. Wenn die Umstände es erlauben, wird sie am Sonntag wieder geöffnet werden. Der Verkehr der Züricher Börse ist gestern nach zweitägiger Unterbrechung wieder aufgenom­ men worden, doch beschränkten sich die Um­ sätze auf festverbindliche Werte. — Die Bör­ sen in Rom und Mailand haben das Termin­ geschäft eingestellt. Italiens Haltung. Die "Tribuna" erklärt sich für die Drei­ bundpolitik Italiens. Das Interesse liegecheute darin, daß es offen und loyal zum Dreibund halte und soviel wie möglich die benachbar­ ten und verbündeten Staaten gegen die An­ griffe und Intriguen unterstütze. Die Stärke und das Ansehen des Dreibundes sei ein Teil der eigenen Stärke und des Ansehens Ita­ liens in Europa. Neutralitätserklärung der Niederlande. Das Amtsblatt in Amsterdam veröffent­ licht eine Erklärung, daß die Niederlande wäh­ rend des österreichisch-serbischen Krieges streng neutral bleiben. Zweifelhafte Haltung Englands. In liberalen Kreisen Englands wird die Besorgnis gehegt, daß das englische Kabinett eine Teilnahme am Kriege zwischen Zwei- und Dreibund plant. Die Besorgnis gründet sich auf Asquiths gestrige Aeußerung, auf Greys Vermeidung jeder Gelegenheit, zu sagen, daß England neutral bleiben wird, auf Churchills ominöse Tätigkeit in der Admiralität und aluf die immer zuversichtlichere Sprache der Ti­ mes, deren Leitung die konservative Presse mehr und mehr folgt. Zurück behalt« irg der englischen Handelsdampfer Die Schiffseigentümer Nordenglands ha­ ben beschlossen, wegen Kriegsrisikos alle Fracht­ dampfer vorläufig in den Heimathäfen zurück­ zuhalten. In Sachverständigenkreisen befürch­ tet man, daß diese Maßnahme binnen kurzem zur Stillegung des .englischen Kohlenberg­ baues führt. Eine nächtliche Ministerberatung. Gestern nachts hat ganz unerwarteterweise, wie der Vertreter der Telegraphen-Union er­ fährt, in Paris ein zweiter Ministerrat im Elhseepalast stattgefunden. Eine Anzahl Mi­ nister erschien plötzlich gegen Mitternacht im '</p>
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          <p>deshalb lieb, wenn Sie und Ihre Frau in meinem Dienst bleiben wollten. Allerdings sind Sie durch das Legat, welches der verstor­ bene General Ihnen aussetzte, in die Lage gesetzt, völlig sorgenfrei zu leben. Ueberlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrer Frau die Sache , und geben Sie mir Bescheid. Einverstanden, j Westermann?" ! "Gnädiger Herr sind sehr gütig, meinen j geringen Verdiensten so unverdiente Anerken- j nung zu zollen!" erwiderte Westermann ge- j rührt. "Eigentlich wäre hier gar nichts zu ; bedenken, denn ich und (meine Frau haben unser ganzes Leben im Dienste der Willmers ver­ bracht, aber ich bin alt geworden, gnädiger Herr, weiß nicht, ob ich es Ihnen recht machen werde, und —" "Es ist ganz selbstverständlich, daß ich Ihnen jüngere Hilfe zur Seite stelle, Wester­ mann!" unterbrach Willmers den Alten. Außer­ dem bin ich nicht anspruchsvoll und sehr leicht zufriedenzustellen. Wenn Sie sich also dazu verstehen wollten, weiter in meinem Dienst zu bleiben, so tun Sie mir einen Gefallen; aber überstürzen sollen Sie sich nicht mit diesem Entschluß. Was sind denn das für Schlüssel, die Sie mir auf das Servierbrett gelegt haben? — Ach so, die von den oberen Gemächern! — Augenblicklich mögen sie hier bleiben, denn besichtigen werde ich das Haus, später jedoch können Sie sie wieder an sich nehmen. Diese drei Zimmer genügen mir für den Ansang, außerdem sagt mir eine Wohnung zu ebener Erde mehr zu, besonders im Sommer, und bis zum Winter haben wir noch viele Monate. Aber was ich Sie fragen wollte, Westermann! Sind Sie vielleicht gestern abend, nachdem wir uns trennten, so zwischen elf und zwölf Uhr, in den oberen Zimmern gewesen?" Der alte Mann sah den fraget' erstaunt an, dann schüttelte er langsam den Kopf. "Nein, gnädiger Herr!" erwiderte er ruhig. "Ich ging sofort in meine Wohnung und legte mich zu Bett. Was sollte ich zur Nachtzeit dort oben suchen? Wenn ich auch nicht gerade furchtsam bin, so mag ich doch nicht ohne Grund in ein völlig unbewohntes Haus, in dem schon die bloße Einbildung einem allerlei Spuk vor­ malen kann, selbst wenn man noch so wenig abergläubisch ist und auch auf das Gerede der Leute nicht allzuviel gibt!" "Die Leute sprechen also von nächtlichen Erscheinungen?" fragte Willmers, und unwill­ kürlich verzogen sich seine Lippen zu einem spöttischen Lächeln. "Glauben denn auch Sie, Westermann, an solchen Unsinn?" Die Augen des alten Mannes blickten miß­ billigend in das sorglose Gesicht seines neuen Herrn. Zwar besaß er keine anderen Beweise ►für die Wahrheit jener Erscheinungen, als die Aussage von zwei oder drei Augenzeugen aus der früheren Dienerschaft, die mit den heilegsten Eiden beschworen, die selige Schlotzfrau bald hier, bald dort, einmal sogar im Park gesehen zu haben. "Gnädiger Herr!" erwiderte er nach eini­ gen Augenblicken mit einer gewissen Feierlich­ keit, "ob Unsinn oder nicht, mir selbst ist, so lange ich im Schlosse diene, allerdings nichts Außergewöhnliches begegnet, das aber ist, mei­ ner Ansicht nach, kein Grund, die Aussagen anderer Menschen anzuzweifeln!" "Doch, Westermann, das ist der allersicher­ ste Grund, verlassen Sie sich darauf!" unter­ brach Willmers ihn lebhaft, und sein Gesicht war wieder ernst geworden. "Gerade weil Ihnen, der Sie, wenn auch nicht Ihr ganzes Leben, so doch einen großen Teil desselben in diesen Mauern verbrachten, nichts "Außerge­ wöhnliches", wie Sie selbst sagen, begegnet ist, können wir mit vollster Sicherheit annehmen, daß etwas Aehnliches nie existiert hat oder auf ganz natürliche Ursachen zurückzuführen sein muß. Also Sie waren gestern abend nicht in der oberen Etage?" (Fortsetzung folgt.) , ,</p>
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          <p>Die Mobilmachung in Rußland. Die Mobilmachung in llufjlanö. Gestern ist die amtliche Bestätigung der seit mehreren Tagen umlaufenden Nachrichten über Rußlands Mobilmachung eingetroffen. Mobilisiert werden allem Anscheine nach die Truppen in den Militärbezirken Odessa, Kiew, Moskau und Kasan. Das ist der größte Teil derjenigen Heeresteile, die für einen Krieg in Europa in Frage kommen. Außerdem hat noch das ganze Heer der europäischen Kosaken mo­ bilen machen. Ein kaiserlicher Ukas ruft unter die Fah­ nen: 1. die Reservisten von 23 ganzen Gouverne­ ments und von 71 Distrikten von 14 an­ deren Gouvernements, 2. einen Teil der Reservisten von 9 Distrik­ ten von 2 Gouvernements, 3. Reservisten der Flotte von 64 Distrikten in 12 russischen Gouvernements und einem finnländischen Gouvernement, 4. die beurlaubten Kosaken im Dongebiet, Ku­ ban, Terek, Astrachan, Orenburg und Ural, und 5. die entsprechende Anzahl von 'Reserve-^ Offizieren, Aerzten, Pferden und Wagen.</p>
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          <p>Serbischer Putschversuch in Südungarn. Das halbamtliche Blatt "Budapest! Hirlap" meldet, daß in Südungarn in dem von Serben bewohnten Torontaler Komitat ein ser­ bisches Komplott endeckt «wurde. Die Polizei wurde benachrichtigt, daß aus Belgrad herüber­ gekommene bezahlte Agenten die serbische Be­ völkerung zum Aufruhr verleiten wollen. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab ein ver­ blüffendes Ergebnis. In der Brauerei zu Naghbecskereker, wo die Agenten ihre Versamm­ lungen abhielten, wurden in leeren Bierfässern versteckt viele Gewehre, ferner Munition und ungeladene Bomben gesunden. 14 Männer und 1 Frau wurden verhaftet und dem Kriegs­ gericht überwiesen. Der Leiter der Bewegung soll der in Ungarn allgemein bekannte serbische Millionär Dungherski sein, der laut Meldung des halbamtlichen Blattes verhaftet und ge­ fesselt in das Sterngefängnis in Szegedin ein­ geliefert wurde. In Semlin wurden gleichfalls sechs Per­ sonen verhaftet, die mit der oben erwähnten Bewegung in Verbindung standen. Damit scheint auch ein Brief Uebereins stimmung zu haben ,den ein Leser unseres Blakt tes aus Pancsova in Ungarn von einem Freunde erhalten hat, der von ähnlichen Er-eignissen zu berichten weiß und uns zur Ver­ fügung gestellt wurde. Er lautet: Die Lage ist hier wohl sehr kritisch, weil doch nur die Donau uns von Serbien scheidet. Pancsova ist nur 6 bis 7 Kilometer in der Luftlinie vom serbischen Ufer entfernt. Die Stadt wäre daher von Serbien aus leicht mit Kanonen erreichbar. Die Serben werden aber voraussichtlich unsere Stadt nicht bombardie­ ren, weil sonst Belgrad, das direkt an der Donau- und Savemündung liegt, von den Donaumonitoren in einigen Stunden zu Schutt geschossen würde. Die Furcht von einem Bom­ bardement wäre auch nicht so aufregend, allein etwas anderes bringt große Beunruhigung in unsere Stadt. Seit gestern vormittags (27. Juli) sind Gendarmen und Polizei in um? unterbrochener Tätigkeit und verhaften in gro­ ßer Anzahl die ■ Intelligenz der Stadt, zu­ meist serbische Bürger. Seit 8 Tagen sind eine Menge Detektivs in Pancsova gewesen, und haben gesucht bis sie auf eine angebliche Verschwörung des großserbischen Vereines ka­ men. Alle serbischen Pfarrer, Doktoren, Ad­ vokaten, selbst städtische Beamte, z. B. der Oberingenieur und ein Magistratsrat, wurden festgenommen. Auch aus den umliegenden Ort­ schaften werden noch immer Verhaftete ge­ bracht. Man sagt, sie hätten bei Ausbruch des Krieges in Pancsova einen Aufstand in­ szenieren wollen. Ob etwas Wahres daran ist, weiß man noch nicht. Es sind bis jetzt an 300 Personen verhaftet worden, darunter auch einige Damen. Nun zum eigentlichen Krieg. Er ist nicht mehr aufzuschieben, und es kann auch nichts mehr vermittelt werden. Wenn Sie Diesen Brief erhalten, ist gewiß schon der erste Schuß gefallen. (Diese Vor­ aussage hat sich inzwischen erfüllt. D. Red.) Von heute nachts an kommen schon die Miki-r tärzüge hierher. In zwei Tagen sind be­ stimmt die Brücken über die Donau schon ge­ schlagen. Die Pontons hierzu sind bereits hier angekommen. Sobald der Aufmarsch fertig ist, geht's hinüber ins Feindesland. Ich muß sa­ gen, Gott sei Dank, denn was wir dynastisch gesinnten Deutschen in der letzten Zeit, speziell seit dem Morde an dem Erzherzog-Thronfol­ ger und seiner Frau, für Aufregungen hatten, ist unbeschreiblich. Aber die rächende Neme­ sis ist dem Mörderstaate schon auf den Fersen. Der Briefschreiber verspricht noch bei Be­ ginn der Feindseligkeiten weitere Mitteilungen zu machen, die wir, wenn sie uns wieder in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt werden, unseren Lesern gerne vermitteln.</p>
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          <p>Die Gliederung der mobilen Korps in Oesterreich-Ungarn , Die Mobilisierung im benachbarten Böh­ men macht sich in allen Verhältnissen ein­ schneidend bemerkbar. Eine Wanderung durch den Friedländer Bezirk am Fuße des Jsergebirges, veranlaßt durch den Abschied eines ein­ berufenen Verwandten, zeigte auf der einen Seite die Begeisterung der BevöUerung, aus der anderen Seite die schwerwiegenden Folgen. Die Ernte steht hier vor der Tür, und zwar eine sehr reiche. Da wird im Gute der Knecht zur Truppe gerufen. Die beiden Pferde, wenw gleich noch nicht ausgemustert, müssen gleich­ falls eingeliefert werden, weil über vier Jahre und scheinbar fehlerfrei. Folgenden Tags kommt eine neue Ueberraschung: auch die Jahr­ gänge 37 bis 42 werden unter die Fahnen gerufen und am Nachmittage verläßt der 40jährige Bauer gleichfalls sein Gut, die Frau mit den Kindern und die Ernte hinter sich lassend. Von einer Regelung der wirtschaft­ lichen und finanziellen Fragen, die der Bauer nur im Kopfe, nicht aber in Büchern hat, ist gar keine Rede. Allenthalben dasselbe Bild. Aus einem einzigen Bergdorfe von 500 Ein­ wohnern sind Sonntag und Montag 80 Mann abgerückt, ungerechnet die aktive Mannschaft. — In der Industrie im Wittichtale stockt gleich­ falls der Betrieb. Und wenn gar die Roh­ materialien, Baumwolle, Kokosfasern, Kohlen, nicht mehr angefahren werden, wenn zur Ber­ gung der Ernte von seiten der Gemeinde die Fabrikarbeiter herangezogen werven, dann ruhen diese Betriebe ganz. Aus Karlsbad wird dem "Tag" geschrie­ ben: Am Sonntag siüh fand man die Kund­ gebung der Behörden zur Mobilisierung ange­ schlagen. Da Karlsbad dem zu den Waffen gerufenen 8. Armeekorps angehört, machte sich die Anordnung allsogleich fühlbar. Manche Geschäfte mußten sofort ihre ersten Kräfte frei­ geben; manche ihrer Inhaber eilten selbst zur Fahne, und so liest man an verschiiedenen Lä­ den: "Wegen Einrückens geschlossen:!" Die ein­ berufenen städtischen Polizeibeamten hat man durch die Promenaden- und Brunnenaufseher ersetzt und für die Privatpersonen eingestellt. Die Kurkapelle ist zusammengeschmolzen, ihr Dirigent «zu seinem Regiment abgereist. Ein an­ derer trat an seine Stelle. Als die Musik nach­ mittags auf der Mühlbrunnen-Promenade am Schluß des Programms die österreichischeVolkshhmne spielte, kam es zu Kundgebungen von Seiten der Kurgäste, die entblößten Hauptes den Text fangen. Die Oesterreicher ihr "Gott erhalte, Gott beschütze", die Reichsdeutschen: "Deutschland, Deutschland über alles!" Das Einrücken der Reservisten hat am Montag vormittags seinen Anfang genommen. Aus den Dörfern der Umgebung kommen die Trupps und marschieren unter Musikbegleitung durch die Stadt. Am Bahnhof herrschte großes Gedränge. Alle Züge nach Eger wurden für die Reservisten freigehalten, selbst Vieh- und offene Güterwagen mit Mannschaften besetzt. In dem aus Prag und Aussig kommenden Zuge sah man die vielen Reserveoffiziere und -Unteroffiziere in den Uniformen ihrer Re­ gimenter. Die Wagen waren überfüllt, und es mußten für die anströmenden Reservisten neue Züge zusammengestellt werden. Bei der Abfahrt der Reservisten kam es manchmal zu herzzerreißenden Szenen. Frauen und Mädchen weinten, die Reservisten sangen patriotische Lie­ der und riefen: "Hoch Oesterreich! Nieder mit Serbien!" Das Publikum stimmte begeistert ein. Zug auf Zug (bringt so die Paterlandsverteidiger nach Eger, dem Sammelplatz des 8. Armeekorps. Und des Taschentuchwehens ist kein Ende, wenn der Zug sich in Bewegung setzt. Unter den Reservisten sieht man ele­ gante junge Leute, angetan wie zu einer Spa­ zierfahrt, und Leute, die in ihrer Arbeitst kleidung davonfahren. Das Bürgermeisteramt gibt durch öffentlichen Anschlag bekannt, daß durch die teilweise Mobilisierung im Kurbe­ triebe Karlsbads keine Störung vorkomme, sodaß die Kurgäste mit Ruhe ihre Kur durch­ führen können. Die Gliederung der mobilen Korps in Oesterreich-Ungarn ergibt, daß es als normale Formation aus zwei Heeres- und einer Landwehr-Jnfanterie- Truppendivision besteht. Ein Teil der Korps weift drei Heeresdivisionen auf. Hierzu treten beim Korpskommando ein Sappeur- oder Pionierbaon — in Oesterreich sagt man "Baon" statt Bataillon —, ein Korpstrainpark, eine Traineskadron, Telegraphen- und Telephonabteilungen sowie sonstige Formationen. Die Jnfanterietruppendivision besteht aus zwei Bri­ gaden zu 12 bis 16 Baons, einer Anzahl Jnfanterie-Maschinengewehr-Abteilungen, 2 bis 3 Eskadrons Kavallerie, der Divisionsartillerie, 1 Traineskadron, Sanitätswesen und -Kolon­ nen. Der Gefechtsstand der Division dürfte 15 000 Mann betrogen und 450 Reiter. Ferner 42 Geschütze und 8 bis 10 Maschinengewehr« Abteilungen zu 30 bis 40 Maschinengewehren. Ein österreichisch mobilisiertes Korps ist dem­ nach nicht unter 45 000 Mann stark. Die Di--visionsformationen im Gebirgskriege umfassen 3 bis 4 Gebirgsbrigaden, 1 bis 2 Eskadrons Kavallerie, 1 bzw. 2 bis 3 GebirgsartillerieRegimenter als Divisionsartillerie usw. Zu­ sammen 9 bis 15 Baone, 1 bis 2 Eskadrons, 16 bis 18 Gebirgsbatterien mit einem Gefechts­ stand von 9000 bis 15 000 Mann, 74 Geschüt­ zen, einer Anzahl Maschinengewehren, und 150 bis 300 Reiter. Die Kävallerie-Truppendivision — es sind 10 vorhanden — besteht aus 2 Kavälleriebrigaden, 1 bis 2 Maschinenge­ wehrabteilungen, 1 reitende Arttlleriedivision (12 Geschütze). Zusammen 24 bis 25 Eskadrons mit ca. 3600 Reitern. Die Auffüllung der schwachen Friedensstämme — nur die Kaval­ lerie ist. in dieser Hinsicht gut gestellt — erfolgt durch die Reserve und Ersatzreserve. Die "erste Linie" in Oesterreich-Ungarn setzt sich aus dem gemeinsamen Heer, den beiden Landwehren mit den eingezogenen Reserven und Ersatzreserven zusammen. Eine sogenannte "zweite Linie", wie wir sie in den Landwehrformationen auf­ stellen, gibt es nicht. Es kommt als "dritte Linie" der österreichische und ungarische Land­ sturm in Frage. Die Landsturmpflicht besteht vom 19. bis 42. Lebensjahre, umfaßt somit in der Hauptsache die Leute, die aus der Re­ serve entlassen sind. Er enthält also zum weit­ aus größten Teil Soldatenmaterial. (Weitere Nachrichten siche "L°tzte Posten".)</p>
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          <p>Werk einen wesentlichen Schritt vorwärts zu bringen. Danach soll, um eine möglichst ein­ heitliche Durchführung der gesetzlichen Bestim­ mungen für die Frau im Handwerk bei allen Kammern zu ermöglichen, für die Damen­ schneiderinnen einheitlich eine dreijährige und für die Putzmacherinnen und Friseusen einheit­ lich eine Mindestlehrzeit von zwei Jahren fest­ gesetzt werden. Eine Festsetzung der Höchstzahl der Lehrlinge auf Grund des Paragraph 130 G.-O. soll noch nicht vorgenommen werden, da die Verhältnisse bei diesen weiblichen Be­ rufen noch nicht genügend geklärt sind. Alle Handwerks- und- Gewerbekammern sollen gegen die leider noch bei den weiblichen Berufen in größerem Maße vorhandene Lehrlingszüchterei energisch vorgehen. Bei der Ausbildung der weiblichen Lehrlinge soll an der Meisterlehre als der empfehlenswertesten und ordnungs­ mäßigsten Ausbildung des jungen Nachwuchses festgehalten werden. Den Handwerks- und Ge­ werbekammern sollen nur solche junge Mäd­ chen, die sich in einem weiblichen Handwerk einige Kenntnisse für ihren eigenen Bedarf aneignen wollen (sogenannte Hausbedarfslehr­ mädchen) für eine Beschäftigungsdauer bis zu 6 Monaten zugelassen werden. Solche Haus­ bedarfslehrmädchen sind durch Lehranzeigen bei den Kammern anzumelden. Diese Anzeigen sind lediglich als Kontrollmaßregeln anzusehen. Schließlich sollen die Handwerks- und Gewer­ bekammern bei den Landeszentralbehörden nachdrücklich darauf hinwirken, daß gewerb­ liche Privatschulen zu den gewerblichen Unter­ richtsanstalten zu rechnen und die Inhaber dieser Unterrichtsanstalten einer Konzession zu unterwerfen sind. Die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden wegen des Ernstes der politischen Lage, der bei vielen Teilnehmern die Notwendigkeit einer Abreise wünschenswert erscheinen läßt, abgesetzt, und der Vorsitzende, Obermeister Plate, schloß die Tagung mit einem Hoch auf das deutsche Handwerk. Bolksjustiz. In einer Weinwirtschaft in Salzburg saß eine Tischgesellschaft beisammen und besprach die Vorgänge zwischen Oesterreich und Serbien. Plötzlich brachte ein Mann ein Hoch auf Serbien aus. Die Gäste gerieten in eine solche Auf­ regung, daß sie -bett Mann derart verprügelten, daß man ihn vom Wetnhaus auf die Polizeiwache tragen mußte. Nachklänge zum Caillaux-Prozeß. Dem Gerlchtsrat Dagoury, der sich das Recht vorbehalten hatte, nach der Entscheidung der Vorgesetzten persön­ liche Genugtuung zu verlangen, erklärte der Gerichts­ präsident Albanel, daß er ein solches Verlangen nicht zulaffen könne. Labori sandte gleichzeitig zwei Advokalen als Sekundanten zu Albanel. Die russische Mißernte. Ueber die vor­ aussichtliche Ernte im europäischen Rußland veröffentlicht das Internationale Landwirt­ schaftsinstitut in Rom folgende Schätzung: Som­ merweizen 10 624 600 Tonnen (28 Prozent we­ niger als im Vorjahre), Roggen 23 847 400 Tonnen (2,4 Prozent weniger), Gerstel0353900 Tonnen (14,7 Proz. weniger), Hafer 12442100 Tonnen (23,1 Prozent weniger).</p>
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          <p>Die Lage in Albanien. Die Aufftändischen rücken immer weiter nach dem Norden vor und erreichten bereits den Matfluß. Sie beabsichtigten nach Allessio vorzudringen. Aus den Truppen der Re­ gierung in Durazzo wurde ein regulärer Trup­ penkörper in Stärke von 1200 Mann gebildet. Wie der Agencia Stefani aus Durazzo ge­ meldet wird, begaben sich am Dienstag die Offiziere der holländischen Mission zum Für­ sten, um ihm die Unmöglichkeit auseinander­ zusetzen, ihr Mandat zu erfüllen. Der Fürst behielt sich die Entscheidung vor. Es geht das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihre Entlassungsgesuche der Kontrollkommission überreichen. Mufid Bey ist zum Gesandten in Rom ernannt worden. Bayerische Nachrichten Kammer der Abgeordneten. Ohne wesent­ liche Debatte wurde in der gestrigen Vormit-&gt;</p>
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          <p>Bayerische Nachrichten. Die Lage in Albanien. Die Aufftändischen rücken immer weiter nach dem Norden vor und erreichten bereits den Matfluß. Sie beabsichtigten nach Allessio vorzudringen. Aus den Truppen der Re­ gierung in Durazzo wurde ein regulärer Trup­ penkörper in Stärke von 1200 Mann gebildet. Wie der Agencia Stefani aus Durazzo ge­ meldet wird, begaben sich am Dienstag die Offiziere der holländischen Mission zum Für­ sten, um ihm die Unmöglichkeit auseinander­ zusetzen, ihr Mandat zu erfüllen. Der Fürst behielt sich die Entscheidung vor. Es geht das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihre Entlassungsgesuche der Kontrollkommission überreichen. Mufid Bey ist zum Gesandten in Rom ernannt worden. Bayerische Nachrichten Kammer der Abgeordneten. Ohne wesent­ liche Debatte wurde in der gestrigen Vormit-&gt; tagssitzung der Rest des Eisenbahnetats er­ ledigt und dabei ein Antrag Gandorfer angei nommen, nach welchem die Zusuhrstraßen zu I den Bahnstationen und Bahnhofplätzen, die bisI her von der Bahnverwaltung unterhalten wur' den, von dieser auch fernerhin unterhalten werden sollen, und jene Zufuhrstraßen und Plätze, bei denen diese Pflicht den Gemeinden auferlegt wurde, von der Eisenbahnverwaltung wieder übernommen werden. Außerdem fan­ den die Anträge betreffend die Verstaatlichung der Jsartalbahn München-^Wolfratshausen, der Walhalla-Lokalbahn Stadtamhof—Donaustauf— Wörth a. D., der Prioatlokalbahn Markt Ober­ dorf—Füssen, und der Kahltalbahn Kahl— Schöllkrippen Annahme. 41 Petitionen um Errichtung von Haltestellen usw. wurden der Regierung zur Würdigung hinübergegeben. — Ohne jede Debatte wurde der Etat der direk­ ten Steuern für die Jahre 1914 und 1915 erledigt; darnach beträgt die Reineinnahme 75 034 660 Mark. Der Gesetzentwurf betreffend Erhebung eines Zuschlags zur Reichswertzu-wachssteuer wurde mit 87 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Staatliche Verwaltung von Gemeindeäm­ tern. Von der Staatsregierung ist dem Land­ tag ein Gesetzentwurf über die staatliche Ver­ waltung von Gemeindeämtern vorgelegt wor­ den. Der Entwurf sieht die vorübergehende Verwaltung von Gemeindeämtern durch staat­ liche Beauftragte für den Fall vor, daß der ordnungsmäßigen Besetzung der Aemter Hin­ dernisse bereitet werden. Es soll lediglich die ordnungsmäßige Fortführung der gemeind­ lichen Geschäfte für alle Fälle gesichert werden. In der Gesetzgebung aller größeren deutschen Bundesstaaten sind ähnliche Vorschriften wie sie der Gesetzentwurf bringt, bereits vorge°i sehen. Zum 60. Geburtstag des Abg. Kerschen­ steiner. Der fortschrittliche Reichstagsabgeord­ nete für München, Oberstudienrat Stadtschulrat Dr. Georg Kerschensteiner vollendete am Diens­ tag das 60. Lebensjahr. Geboren in Mün­ chen als Sohn einfacher Bürgersleute, widmete er sich anfänglich dem Volksschulfach, setzte dann aber seine Studien fort und bereitete sich auf das höhere Lehrfach, speziell für Mathen matik vor. Als er dann von seiner Stelle als Gymnasiallehrer nach München als Stadtschul­ rat berufen wurde, hätte er den Wirkungskreis gefunden, auf dem sich erst seine glän-&gt; zende organisatorische und reformatorische Be­ gabung voll entfalten konnte. Von allergröß­ ter Bedeutung nicht nur für Bayern, fou, dern für die gesamte pädagogische Welt' war seine Neuschaffung des Fortbildungsschulwe­ sens auf beruflicher Grundlage. Ausgehend von dem Gedanken, daß eine bessere Erziehung und Ausbildung des gewerblichen Nachwuchs ses dringendes nationales Interesse sei, daß aber der junge Mensch einzig bei seinen Be­ rufsinteressen dauernd gefesselt werden könne, schuf er in lOjähriger zäher und mühevoller Arbeit jene mustergültige Münchener Fortbil­ dungsschulorganisation, die heute das Vorbild 1 für nahezu alle ähnlichen Schuleinrichtungen geworden ist, und die demnächst durch den Aus­ bau der weiblichen Berufsschulen ihren vor,läufigen Abschluß finden soll. Kerschensteiner geht aber bei seinen Reformen stets von dem Gedanken aus, daß alle schulischen und er­ zieherischen Maßnahmen nicht von den Inter­ essen außenstehender Kreise, sondern von dem einzigen Interesse des zu erziehenden jungen Menschen ausgehen müssen. Damit setzt sich sein Erziehungssystem in bewußten und gewoll­ ten Gegensatz, insbesondere zum Klerikalis­ mus, dessen Erziehungsabsicht immer in er­ ster und letzter Linie darauf zielt, die Inter­ essen der Kirche, nicht des einzelnen zu fördern. Dadurch kennzeichnet sich Kerschensteiners Er­ ziehungspolitik auch schon als grundsätzlich li­ beral. Die im Jahre 1912 mit überaus gro­ ßer Stimmenzahl erfolgte Wahl zum Reichs­ tagsabgeordneten für München I mag iljm ein ■ Beweis dafür gewesen sein, daß auch in der Bürgerschaft seines Wirkungskreises seine Ar­ beit voll geschätzt wird, wie anderseits die be­ geisterte Aufnahme, die sein Eintreten für die allgemeine Volksschule auf der deutschen Leh­ rerversammlung in Kiel fand, ihn von der Zustimmung der gesamten deutschen Lehrer­ schaft überzeugen mochte. Möge es ihm da­ her vergönnt sein, noch lange Jahre in glei­ cher Frische und Ueberzeugungstreue für seine Anschauungen zu wirken. Der 7. wissenschaftliche Ferienkurs für Lehrer und Lehrerinnen, der vom Bezirkslehrer­ verein München veranstaltet wurde, hat von 15. bis 28. Juli In München stattgefunden. Zu dem Kurse hatten sich zahlreiche Teilnehmer aus ganz Deutsch­ land, sowie auch aus der Schweiz, Norwegen, Oester­ reich-Ungarn und Frankreich eingefunden. Bayerischer Lloyd. Nach einer im Wege des österreichischen Mtnisreriums des Aeußern an das Handels-Ministerium gelangten Mitteilung hat König Ludwig in. von Bayern mit Entschließung vom 22. April 1914 dem Bayer. Lloyd, Schiffahrtsgesell­ schaft m. b. H. mit dem Sitze in Regensburg die Konzession zum Betriebe der Schiffahrt auf der Donau auf die Dauer von 30 Jahren erteilt. Die bayerischen Millionäre. Im König­ reich Bayern gab es 1911 beim Rentamt bekannte Millionäre 811; hievon trifft pro 8000 Einwohner 1 Millionär. Die meisten, nämlich 376, treffen auf Oberbayern, davon 322 «uf München; Rtederbayern hat 14, Pfalz 68, Oderpfalz 22, Oberfrauken 39, Mittelfranken 143, Unterfranken 45, Schwaben 104 Millionäre. Zur Erneuerung der Rathansfaffade sollte in Rosenheim eine Kummulattvsitzung der beiden städt. Kollegien die Verwendung des hiefür ange­ sammelten Fonds von 6000 Mark genehmigen. In Anbetracht der derzeitigen politischen Lage wurde jedoch von der Ausführung des Projektes abgesehen. Erstochen. In Mitterteich erstach der SteinHauer Vogel von Fuchsmühl den Buchhalter Wertmann, mit dem er in Differenzen gekommen war.</p>
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          <p>Allerlei. Ihren Verletzungen erlegen ist die 67 Jahre alte Rentnerin Jeanette Mayer tn Berlin, auf die ein Mordversuch verübt worden war. Der verhaftete Pastor Schmidt soll mit dem Vorkommnis tn Verbindung stehen; das Belastungsmaterial soll erheblich sein. Einbrecherjagb durch den eigene» Vater. Der seltene Fall, daß ein Vater mit scharfgeladenem Revolver den eigenen Sohn wegen Einbruchs ver­ folgt, hat sich vorgestern in Nauen bet Berlin zu­ getragen. Der 19jährige Hermann ®., der erst kürzlich eine Gefängnisstrafe, die er wegen Dieb­ stahls erhalten, verbüßt hatte, und dem das Be­ treten der elterlichen Wohnung untersagt worden war, drang in das Arbeitszimmer des Vaters ein, erbrach ein Spind und stahl daraus eine Geldsumme. Hierauf ergriff der Täter die Flucht. Kurz darauf erfuhr der Vater von dem Diebstahl, und er war über das Vorgehen feines Sohnes dermaßen aufge­ bracht, daß er einen scharfgeladenen Revolver ergriff und sich an die Verfolgung des Einbrechers machte. Paffanlen sorgten jedoch dafür, daß der. alte G. mit der Waffe kein Unheil anrichtete. Der Dieb war inzwischen entkommen.</p>
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          <p>Niederbayerische Nachrichten. Niederbllyensche Nachrichten * Vilsbiburg, 30. Jul!. (Befitzwechsel.) Die Geschwister Marti, Besitzer des "Vilsbiburger Anzeiger", haben das Ertlmeterhaus am Stadtplatze käuflich erworben. Als Kaufpreis werden 22,000 Mark genannt. Schöllnach, 28. Juli. (Verhaftet) wurde gestern dahier durch die hiesige Gendarmerie der Spenglermeister Fritz Gösch!, über besten Vermögen das Konkursverfahren verhängt wurde, verhaftet und in das Landgerichtsgefängnis Deggendorf eingeliefert. Vor einigen Tagen fand dahier durch den Unter« fuchungsrichter aus Deggendorf gegen Göschl eine umfangreiche Zeugenvernehmung statt. ES soll sich um schwere Verfehlungen, die mit dem Konkurse zu­ sammenhängend sind, handeln. Nieöeralteich, 29. Juli. (Angeschwemmte Leiche.) In der Donau bet Niederalteich wurde gestern eine männliche nur mit Badehose bekleidete unbekannte Leiche gelandet. Zur Eruierung der Per­ sönlichkeit der gelandeten Leiche und zur Vornahme der gerichtlichen Leichenschau begab sich eine GertchtSkommission aus Hengersberg hieher. Oberrieö, 29. Juli. (Füchse) treiben in diesem Sommer ihr Räuberhandwerk so nachhaltig und un­ verfroren, daß den Hausfrauen die Freude an der Geflügelzucht verleidet werden möchte. Am hellen Tage holen sie sich ihre Beute von den alleinstehenden Gehöften weg und verschwinden damit in den nahen Waldungen. Von einigen Anwesen haben die Füchse in den letzten Wochen nach und nach am Tage 8 bis 12 Stück Hühner erbeutet, ohne daß man eines der frechen Räuber hätte habhaft werden können. Selbst­ redend fällt den Füchsen auch sehr viel Wild zum Opfer. Vilshofen, 29. Juli. (Schreckliche Bluttat.) Gestern abends gegen 6 Uhr waren die Buben des Bauern Aschenbrenner von Klafterding, Gemeinde Hilgartsberg, auf dem Felde. Der 13jähr. Ludwig Aschenbrenner hatte seinen Bruder geschlagen. Dar­ aufhin sagte der 15jährige Josef zu seinem Bruder Ludwig, wenn er den Xaver nicht in Ruhe laste, helfe er dem Xaver. Auf dieses hin stach Ludwig den Josef mit seinem Taschenmester in den Bauch und zwar mit einer solchen Wucht, daß er ihm den Bauch aufschlitzte, so daß die Gedärme herausdrangen. Der Vater schickte um den Bader nach JggenSbach, der gegen 9 Uhr abends eintraf. Dieser konnte selbst­ verständlich bei einer solch schweren Verletzung nichts ausrichten und ordnete an, daß der Arzt geholt werden müsse. Aber erst heute früh verbrachte der Vater ftinen schwerverletzten Sohn in das hiesige DiftriktSkrankenhaus. Der arme Junge ist seinen Verletzungen nunmehr erlegen. Pasta«, 30. Juli. (Eingestellte Post- und Lokalschiffahrt Pastau-Linz und umgekehrt.) Laut so­ eben hieher gelangter telegraphischer Mitteilung sieht sich die Direktion der I. k. u. k. priv. Donau-DampsschiffahltSgesellschaft infolge der Inanspruchnahme ihres Fahrparks gezwungen, die Post- und Lokal­ schiffahrt PastauLinz und umgelehrt ab Sonntag, den 2. August einzustellen.</p>
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          <p>Dienstesnachrichten. SienstkMihrlihte«. Aerztenieöerlaffunge«. Als prakt. Aerzte haben sich niedergelassen: in Ering K r r tz m a r, bisher in Gerzen; in Landshut Dr. H o f m a n n und Dr. L a n g; in München Dr. O. Müller und Dr. Piepst, bisher in Bad Kellberg; ln Stmbach Dr. Schreiner. — Als prakt. Tierjj ärzte ließen sich nieder: in Schwarzach bisheriger ] Dlstrikstterarzt Ertl in Schongau und in Trtftern | Haydn bisher in Pasta». I Kath. Kirche. Anweisung erhielten: am I 17. Juli der Reomyst Jakob Sturm als 3.Hilfs! priester in Geisenhausen; am 22. Juli der Kooperator s in Vierkirchen Priester Martin Schuhegger als ' Expositus in Haunzenbergersöll; der Koadjutor in l Mettenheim Priester Benno Mär kl alr Koadjutor ; in Velden. j Bahndienst. In den Ruhestand versetzt | wurden ab 1. August 1914: der Schaffner Karl ^ Ntcklas kn Landshut und der Packnieister Alois ' Fesl in Pastau, beide für ein halbes Jahr. Wieder - angestellt wurde in etatsmäßiger Eigenschaft ab •1. August 1914 als Bahnsteigschaffner der Weichen­ steller a. D. Jakob Wolf in Straubing. Versetzt wurden in etatsmäßiger Welse auf Ansuchen die Wagenwärtergehtlfen Franz Gründ! von Weiden nach Paffau und Eduard Hager von Pasta» nach Weiden; die Stationsdiener im Nebenbahndtenst i Ludwig Werner von Ftchtelberg nach Neureichenau : und Otto Wack von Eging nach Schöllnach; der | Statlonsdiener im gemifchen Dienst Josef Sets von j Jmmenstadt nach Deggendorf. Berufen wurden in : etatsmäßtger Weise: die Stattonsaufseher Sebastian 1 Diel! von MirSkofen nach Rohrbach und Johann ( Pollinger von Laaber nach Fronten Hausen; der j Wagenwärtergehilfe Wolfg. Schuber von Landrhut [ nach Marktredwitz.</p>
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          <p>den nächsten Wochen verminderet sich die Tageslänge um 20 Minuten. Später folgt dann die Abnahme schneller, t« August um 1 Stunde 45 Minuten usw. Bis zum 21. Dezember macht der Unterschied zwischen dem längsten und dem kürzesten Tag bei uns 8 Stunden und 40 Minuten aus.</p>
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          <p>Stimmen aus dem Publikum. Stimm aus brat Publikum. (Die Redaktion übernimmt für Einsendungen uni» dies» Rubrik dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.) Die Amsel. Die Behauptung der "Stimme aus dem Pnb« ltkum" In Nr. 203, die Amsel sei der größte Nest­ räuber, ist viel zu weitgehend und unzutreffend. Wenn schon beobachtet wurde, daß Amseln junge Singvögel aus dem Neste holten, so sind dies nach wiffenschaftltcher Feststellung nur vereinzelte Fälle. Man hat es jedenfalls hier mit ausgearteten Vögeln zu tun, wie solches artwidriges Verhalten einzelner Exemplare auch bet anderen Tiergattungen vorkommt. Es geht nicht au, dafür alle Amseln verantwortlich zu machen. Vielmehr ist dieser Vogel mit Recht geschützt und seine Tötung strafbar. -A.</p>
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          <p>Letzte Posten. Letzte Postra. f;' Ein Spion verhaftet. Allenstein, 31. Juli. (7 Uhr früh.) Hier wurde gestern ein russischer Spion ver­ haftet. Selbstmord. Potsdam, 31. Juli. (7 Uhr ftüh.) Der Bankier Eugen Bieber von hier, der durch die Kriegswirren über 250 000 Mark verloren haben soll, Wurde gestern mit seiner Frau in einem Berliner Hotel vergiftet aufgefunden. v Sicherungsvorkehrungen. Könsasberg, 31. Juli. (7 Uhr früh.) Die Polizeidirektion gibt bekannt, daß der hie­ sige Hauptbahnhof zur Sicherung der Betriebs­ anlagen militärisch bewacht wird und eine An­ näherung von Zivilpersonen auf 100 Meter verboten ist. Wer auf den Haltruf des Postens nicht steht, läuft Gefahr erschossen zu werden. Mannheim, 31. Juli. (7 Uhr ftüh.) Die Brücke zwischen Mannheim und Ludwigs­ hafen wird miktärisch bewacht und die pas­ sierenden Auto einer strengen Kontrolle unter­ worfen. Kriegsvorbereitungen. Breslau, 31. Juli. Die Stadtverord­ neten genehmigten gestern vormittags in einer ordentlichen Geheimsitzung die Aufnahme eines Kredits von 5 Millionen, entsprechend einem Antrage des Magistrats zur Versorgung der Zivilbevölkerung mit Lebens- und Verbrauchs­ mitteln im Falle der Mobilmachung.</p>
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          <p>Krieg zwischen Oesterreich und Serbien. Krieg zwischen Oesterreich unb Serbien. Tie Schlacht bei Fotscha. Wien, 31. Juli. Nach einer hier einge­ troffenen Meldung wurden bei einem Kampfe bei Fotscha 600 Serben getötet und 2000 ge­ fangen genommen. Auf österreichischer Seite sind 200 Mann gefallen. Neue Kämpft. Semlin, 31. Juli. Bei Cicznich und Smedererevo hat ein Artilleriekampf begon­ nen. Kaiser Franz Joseph in Wien. Wien, 31. Juli. Der Kaiser und der Thronfolger sind gestern mittags in Wien ein­ getroffen. Die Begrüßung des greifen Mo­ narchen durch die seit dem frühen Morgen des Kaisers harrende Wiener Bevölkerung, von der sich Hunderttausende in der Einfahrts- eittgcfunoen harten, gestaltete sich zu einer einzigartigen, überwältigenden Kundge­ bung von Herrscher und Batevlandsliebe.</p>
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          <p>Städtische Schwimmschule. EtMsche Schlllimschllke. 31. Juli 1914 Luft . . 16 Grad R. Wasser . 14 Grad R.</p>
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          <p>Mobilisierung Deutschlands! Berlin, 1* August, 5.15 Uhr nachm. Se. Majestät der Kaiser hat die Mobilisierung Ser gesamten deutschen Ltreitkröfte angeordnet. Se. Majestät König Ludwig IIL hat an fein Heer nachfolgendes Manifest gerichtet. An Mein Heer! Alle Versuche den Frieden in Ehren zu wahren, haben unsere Nachbarn zn Schanden gemacht. Die Ehre des Reiches und des Vaterlandes stehen ans dem Spiel und zwingen uns das Schwert in die Hand. Unter dem Oberbefehl unseres erhabenen, geliebten Bundesfeldherrn, Sr. Majestät des Deutschen Kaisers wird auch die schöne, in manch schweren Tagen erprobte Bayerische Armee ihren Mann stellen, ihre in ernster Friedens­ arbeit gestählte Kraft beweisen, ein würdiges Glied unseres großen Deutschen Heeres, würdig der Opfer ihrer Väter. Mit diesen Wünschen begleite Ich Meine brave Armee ins Feld. Vertrauend ans den Allerhöchsten Gott, der unsere gerechte -Sache schirmen wird, erflehe ich seinen Segen für Bayerns unddes Deutschen Heeres Fahnen. Gegeben München, den 1. August 1914. Ludwig.</p>
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          <p>Das ist der Krieg. Das ist der Krieg. Unter dieser Ueberschrift wird den Leip­ ziger Neuesten Nachrichten von der böhmischen Grenze geschrieben: , Die Mobilisierung im benachbarten Böh­ men macht sich in allen Verhältnissen ein­ schneidend bemerkbar. Eine Wanderung durch den Friedländer Bezirk am Fuße des Jsergebirges, veranlaßt durch den Abschied eines ein­ berufenen Verwandten, zeigte auf der einen Seite die Begeisterung der BevöUerung, aus der anderen Seite die schwerwiegenden Folgen. Die Ernte steht hier vor der Tür, und zwar eine sehr reiche. Da wird im Gute der Knecht zur Truppe gerufen. Die beiden Pferde, wenw gleich noch nicht ausgemustert, müssen gleich­ falls eingeliefert werden, weil über vier Jahre und scheinbar fehlerfrei. Folgenden Tags kommt eine neue Ueberraschung: auch die Jahr­ gänge 37 bis 42 werden unter die Fahnen gerufen und am Nachmittage verläßt der 40jährige Bauer gleichfalls sein Gut, die Frau mit den Kindern und die Ernte hinter sich lassend. Von einer Regelung der wirtschaft­ lichen und finanziellen Fragen, die der Bauer nur im Kopfe, nicht aber in Büchern hat, ist gar keine Rede. Allenthalben dasselbe Bild. Aus einem einzigen Bergdorfe von 500 Ein­ wohnern sind Sonntag und Montag 80 Mann abgerückt, ungerechnet die aktive Mannschaft. — In der Industrie im Wittichtale stockt gleich­ falls der Betrieb. Und wenn gar die Roh­ materialien, Baumwolle, Kokosfasern, Kohlen, nicht mehr angefahren werden, wenn zur Ber­ gung der Ernte von seiten der Gemeinde die Fabrikarbeiter herangezogen werven, dann ruhen diese Betriebe ganz. Aus Karlsbad wird dem "Tag" geschrie­ ben: Am Sonntag siüh fand man die Kund­ gebung der Behörden zur Mobilisierung ange­ schlagen. Da Karlsbad dem zu den Waffen gerufenen 8. Armeekorps angehört, machte sich die Anordnung allsogleich fühlbar. Manche Geschäfte mußten sofort ihre ersten Kräfte frei­ geben; manche ihrer Inhaber eilten selbst zur Fahne, und so liest man an verschiiedenen Lä­ den: "Wegen Einrückens geschlossen:!" Die ein­ berufenen städtischen Polizeibeamten hat man durch die Promenaden- und Brunnenaufseher ersetzt und für die Privatpersonen eingestellt. Die Kurkapelle ist zusammengeschmolzen, ihr Dirigent «zu seinem Regiment abgereist. Ein an­ derer trat an seine Stelle. Als die Musik nach­ mittags auf der Mühlbrunnen-Promenade am Schluß des Programms die österreichischeVolkshhmne spielte, kam es zu Kundgebungen von Seiten der Kurgäste, die entblößten Hauptes den Text fangen. Die Oesterreicher ihr "Gott erhalte, Gott beschütze", die Reichsdeutschen: "Deutschland, Deutschland über alles!" Das Einrücken der Reservisten hat am Montag vormittags seinen Anfang genommen. Aus den Dörfern der Umgebung kommen die Trupps und marschieren unter Musikbegleitung durch die Stadt. Am Bahnhof herrschte großes Gedränge. Alle Züge nach Eger wurden für die Reservisten freigehalten, selbst Vieh- und offene Güterwagen mit Mannschaften besetzt. In dem aus Prag und Aussig kommenden Zuge sah man die vielen Reserveoffiziere und -Unteroffiziere in den Uniformen ihrer Re­ gimenter. Die Wagen waren überfüllt, und es mußten für die anströmenden Reservisten neue Züge zusammengestellt werden. Bei der Abfahrt der Reservisten kam es manchmal zu herzzerreißenden Szenen. Frauen und Mädchen weinten, die Reservisten sangen patriotische Lie­ der und riefen: "Hoch Oesterreich! Nieder mit Serbien!" Das Publikum stimmte begeistert ein. Zug auf Zug (bringt so die Paterlandsverteidiger nach Eger, dem Sammelplatz des 8. Armeekorps. Und des Taschentuchwehens ist kein Ende, wenn der Zug sich in Bewegung setzt. Unter den Reservisten sieht man ele­ gante junge Leute, angetan wie zu einer Spa­ zierfahrt, und Leute, die in ihrer Arbeitst kleidung davonfahren. Das Bürgermeisteramt gibt durch öffentlichen Anschlag bekannt, daß durch die teilweise Mobilisierung im Kurbe­ triebe Karlsbads keine Störung vorkomme, sodaß die Kurgäste mit Ruhe ihre Kur durch­ führen können. Die Gliederung der mobilen Korps in Oesterreich-Ungarn ergibt, daß es als normale Formation aus zwei Heeres- und einer Landwehr-Jnfanterie-</p>
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