Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-08-03. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 208, 1914-08-03. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Angnst 1914 der dritte Mobilmachnngstag ist der 4. August 1914 der vierte Mobilmachnngstag ist der 5. Angnst 1914 der fünfte Mobilmachnngstag ist der 6. Angnst 1914 und so weiter. Iw bomMdiwcsde General de; i. «raeetoms. 2. Sämtliche Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Beurlaubtenstandes, einschließlich der Ersatzreservisten, haben sich zu der auf den Kriegsbeorderungen angegebenen Zeit an dem bezeichneten Orte pünktlich einzufinden; dagegen verbleiben die nur mit einer Patz-Notiz Versehenen zunächst in der Heimat. 3. Alle augenblicklich außer Kontrolle befindlichen Mannschaften, sowie diejenigen, welche sich nicht in dem Besitze einer Kriegsbeorderung oder einer Pastuotiz befinden, haben sich behufs Herbeiführung einer Entscheidung sofort an die Haupt-Meldeämter der Bezirks-Kommandos zu wenden. Ausgenommen hiervon ist nur, wer ausdrücklich von der Gestellung im Mobilmachungsfalle befreit ist. 4. Wer dem obigen Befehl nicht Folge leistet, verfällt in strenge Bestrafung nach den Kriegsgesetzen. 5. Das Marschgeld wird beim Truppenteil, nicht bei der Ortsbehörde empfangen. 6. Sämtliche Einberufenen haben, um ihren Gestellungsort zu erreichen, freie Eiseubahnfahrt ohne Lösung einer Fahrkarte und ohne vorherige Anfrage am Schalter, lediglich gegen Vorzeigung der Kriegsbeorderung oder anderer Militärpapiere an die Organe der Fahrkartenkontrolle. 7. Alle inaktiven, also der Reserve und Landwehr nicht angehörigen Unteroffiziere aller Waffen werden aufgefordert, sich frei­ willig zum Eintritt in die Ersatztruppenteile zu melden. Soferne sich diese Unteroffiziere zur Ausbildung von Rekruten eignen, können sie bei ihrer Einstellung zu Vizefeldwebeln, bezw. Vizewachtmeistern ernannt werden. ────────── Zusatz des Bezirkskommandos. 1. Nach ausgesprochener Mobilmachung können von allen Ersatztruppenteilen Freiwillige jederzeit angenommen werden. 2. Die Annahme von Freiwilligen auf Kriegsdauer als Kriegsfreiwillige ist zulässig. 3. Sämtliche zum Einjährig-Freiwilligendienst Berechtigte werden mit ihrer Altersklaffe zum Dienst herangezogen. 4. Die Mediziner, welche zum Einjährig-Freiwilligendienst berechtigt sind und sieben Semester studiert haben, werden bei vor­ handener Tauglichkeit sofort eingestellt. 5. Freiwillige Meldungen zum Eintritt sind an das Bezirkskommando oder an den Truppenteil, bei dem der Eintritt erfolgen soll, mündlich oder schriftlich unter Beibringung der Militärpapiere zu richten. 6. Ehemalige aktive Unteroffiziere, welche der Reserve oder Landwehr nicht mehr angehören, können in Landwehr- und Ersatz­ truppen als Offiziersstellvertreter eingestellt werden, soferne sie infolge langer aktiver Dienstzeit besondere Dienster­ fahrung besitzen und sich in geordneten Verhältnissen sowie entsprechender bürgerlicher Lebensstellung befinden. Bezirkskommando Landshnt. ────────── gesammelten Fonds von 1400 000 Krone» in An­ betracht der Umstände sofort der Kaiserliche» Militärkanzlei zur freien Verfügung des Kaisers zu über­ geben. Die österreichische Solzialdemokratie. Der Ausschuß der sozialdemokratischen Arbeiter­ vereine hat 1 Million Kronen aus der Arbeiterversicherungskasie gegeben und dem ungarischen Minister­ präsidenten mit der Bestimmung überwiese», diesen Betrag in Staatspapieren anzulegen, damit der Staat genug Geld während des Krieges habe. Tic serbischen Finanzen. Der Korrespondent des "Tag "schreibt sei­ nem Blatte: Ueber die serbische Finanzlage hatte ich mit einem maßgebenden serbischen Finanzmann vor der Absperrung der Grenze Gelegenheit zu sprechen. Er stellte fest, daß der Barbe­ stand in den serbischen Staatskassen sich aus 40—45 Millionen Dinar beziffere. Er be­ merkte dazu, daß, von Requisiten in einzelnen Fällen abgesehen, neues Geld aufzutreiben ganz unmöglich erscheine, zumal der serbische Bauer seine Steuern aus der Pflaumenernte decke, die aber noch sehr weit im Rückstände sei. Die Steuern tiefen demnach nicht ein und nachdem die festen Schranken gegen Oester­ reich-Ungarn, das der Hauptabnehmer sei, jetzt aufgerichtet seien, sei der volle Absatz fast ganz ausgeschlossen. Neue Geldquellen, so bemerkt der Finanzmann, könnten Serbien nur von auswärts kommen. Der hier weilende bedeu-s tende deutsche Schriftsteller und UniversitätsProfessor Dr. Max Rollos, der kürzlich mit Paschitsch die bedeutungsvolle Rede gepflogen, sagte, daß Paschitsch bei seiner letzten Unter­ redung auch der ungünstigen Finanzlage Ser­ biens Erwähnung getan und gesagt habe: "Unsere Staatskassen sind leer!" Die Berliner serbische Gesandtschaft erhielt vorgestern abend ein von Paschitsch unterzeich-z netes Telegramm der serbischen Regüerung, worin diese die Kriegsleitung der ößterreichs ungarischen Armee beschuldigt, das Völkerrecht verletzt zu haben. Belgrad sei bombardiert worden, ohne daß die Stadt vorher zur Uebergabe aufgefordert worden sei, und ohne daß der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben wor­ den wäre, ihr Leben find ihr bewegliches Eigen­ tum in Sicherheit zu bringen. Infolgedessen habe das Bombardement zahlreiche Opifer un­ ter der wehrlosen Bürgerschaft, besonders an Frauen und Kindern, gefordert und der in der Stadt an Gütern angerichtete Schaden sei unberechenbar. So weit die Beschwerde. Sie nimmt sich etwas eigenartig angesichts der Tatsache aus, daß Hos, Behörden und Gesandtschaften be­ reits seit einer Woche Belgrad geräumt haben, und im übrigen ist Belgrad eine Festung, für die im Kriege die angezogene Vorschrift des Völkerrechtes nicht zutrifft. Im letzten Kriege haben übrigens gerade die Serben sich nicht als Hüter des Völkerrechtes gezeigt. Nachmittagsstunden trafen im Auswärtigen Amt von der italienischen Regierung beruhig' gende Nachrichten über die Erfüllung der Bündnispflicht Italiens ein. Schweben bleibt neutral. Stockholm, 2. August. Der Kriegs­ minister hat zum Schutze der Neutralität Schwedens die Mobilisierung 1. für die Reserve und die Territorialarmee an der Küste des Kö­ nigreichs, 2. für die Streitkräfte auf der Insel Borkland, für die Kriegsgarnisonen des Fest­ landes werden die Rekruten im Voraus ein­ berufen, die sich nächstes Monat stellen sollen. Norwegen neutral. Kristiania, 2. August. Laut einer heute erlassenen K-,Verordnung wurde beschlos­ sen, daß Norwegen während des jetzigen Krie­ ges vollkomene Neutralität beobachtet. Schwedische Borfichtsmatznahmen. Die ganze schwedische Flotte wird kriegsbereit gemacht. Auf den Werften wird forciert Tag und Nacht gearbeitet. Sämtliche Marineurlauber find zurückgerufen. Tie Schweiz mobilisiert. Berlin, 2. August. Der Schweizerische Bundesrat beschloß die allgemeine sofortige Mobilmachung der schweizerischen Bundes­ armee. Tie Haltung Japans. j Tokio, 2 .August. Die Zeitung "Nishü- I nishi" schreibt: Japan müsse eventuelle Schwie-i 1 rigkeiten Rußlands unbedingt zur Regelung der mandschurisch-mongolischen Frage ausnut­ zen. Vorgestern fand ein längerer Kronrat statt. tltägiges Moratorium in Oesterreich. Wien, 2. August. Nach amtlicher ^it=i teilung bringt die "Wiener Zeitupg" heute eine Kaiserliche Verordnung über ein .14tägigesMoratorium vom 1. August an, wodurch eine Stundung der Erfüllung protestrechtlicher Ver-> Pflichtungen eintritt. Kriegsbrot. Wien, 2. August. Das Permanenzko-f .mitee der Bäckergenossenschaft hat beschlossen, infolge Mangels an Arbeitskräften die Her­ stellung des kleinen Gepäcks einzustellen und nur noch sogenanntes Kriegsbrot in Wecken-! form zur Ausgabe zu bringen. Tie Kriegsberichterstatter. Vom Wiener auswärtigen Amte sind die Zeitungsredaktionen ersucht worden, von der Absendung der Kriegsberichterstatter abzusehen da eine Zulassung nur 20 Kilometer vom Kriegsschauplatz entfernt, gestattet sei. Die österreichische Luftflotte. Das 3entrc IlomUee zur Schaffung einer öster­ reichischen Mutt flotte in Wien beschloß, den bisher an­ ────────── Die Erben Willmers-Gorlenko. Roman von Nina Meyke. 50] (Nachdruck verboten.) "So, so! — Hm! — Hätte nicht geglaubt, daß mein Onkel auf seine alten Tage noch solche Vorliebe für das schöne Geschlecht haben konnte!" murmelte Willmers, während ein sar­ kastisches Lächeln seine Lippen kräusilte. "Ich kann Ihnen im Augenblick noch nichts versprochen, Westermann!" fügte er hinzu und griff nach seinem Hute. "Die Sache will überlegt sein. Wie Sie selbst erzählten, ist die junge Dame gewöhnt, im Schlosse aus- und einzugehen; ich müßte mir das strengstens ver­ bitten, und bei der ersten Gelegenheit kün­ dige ich Ihnen den Kontrakt, das sage ich Ihnen im Voraus, Westermann! In dieser Angelegenheit behalte ich mir eine endgültige Entscheidung überhaupt noch vor. Aber wer kommt denn da? — Wer ist die Dame, die allen Ernstes ihren Weg in das Schloß zu nehmen scheint?" Er war bei den letzten Worten vor der offenen Verandatür stehen geblieben und blickte mit Unbehagen auf die elegante Frauengestalt, die, ohne Hut, und Schirm, sonst jedoch in auserlesener Visitentoilette, die gerade in ein geschmackvolles Blumenparterre mündende Hauptallee daherkam. Hinter ihm tauchte auf eine Sekunde der graue Kops des alten We­ stermann auf, dann zog sich dieser zurück, um schnell das Abräumen des Frühstückstisches zu bewerkstelligen. "Die Welsche, — wollte sagen die Gnä­ dige aus dem Pavillon!" murmelte er dabei. "Dachte mir gleich, daß sie die Gelegenheit beim Schopf fassen und dem gnädigen Herrn einen Besuch machen wird! Ein sakermentsches Weib, hol' mich der Kuckuck! — Geht an die Attacke nicht schlechter als ein General! — Halten Sie sich tapfer, gnädiger Herr, bei der wird's not tun!" Bei den letzten Worten schob er sich ge­ räuschlos zur Tür hinaus, und kaum war seine schmächtige Gestalt hinter dem Vorhang ver­ schwunden, als die seidene Schleppe der "Wel­ schen" über den buntgemusterten Terrakottas boden der Terrasse rauschte. Unbeweglich, die stahlgrauen Augen fest auf die fremde Er­ scheinung geheftet, blieb Willmers in der ge­ öffneten Tür stehen. Der Ausdruck von Un­ behagen war aus seinem Gesicht gewichen, und nichts als Zurückhaltung, gepaart mit kühler Abwehr, sprach aus seinen scharfgeschnittenen Zügen, aber Blanche Gorlenko war entschlaft sen, diese Stimmung nicht zu bemerken und den "regungslosen Eisklumpen", wie sie Will­ mers in Gedanken nannte, in Bewegung zu bringen. Sie wagte die "Attacke", die, das sagte sie sich auf den ersten Blick, ihr nicht leicht fallen würde, ohne mit der Wimper zu zucken, und ihren lächelnden Lippen war es schwerlich anzumerken, daß diese von ihr in Szene ge­ setzte Begrüßung eines "lieben Verwandten" ihr, wenn auch keine besondere Mühe kostete, so doch nichts weniger aks angenehm war. "Seien Sie willkommen!" sagte sie, wäh­ rend ihre dunklen Augen ihn mit Blicken an­ sahen, vor denen jeder andere die Waffen ge­ streckt hätte. "Ich hielt es für meine Pflicht, Sie zu begrüßen und — bei Ihrem Einzuge in das Haus Ihrer Vorfahren zu segnen. Herbert, Gott und seine heilige Mutter sei mit Ihnen, und — wenn Sie jemals einer Freundesseele bedürfen sollten, Sie finden eine solche immer in mir!" (Fortsetzung folgt.) ^ ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Kopenhagen, 2. August. RitzausBiw reau meldet aus Petersburg vom 1. ds. Mts.: Der deutsche Botschafter übermittelte im Na-j men seiner Regierung um 7 Uhr 30 Minuten abends dem russischen Minister des Aeußern die Kriegserklärung. » Eine deutsche Patrouille an der russischen Grenze beschossen. Eine deutsche Patrouille bei Postken ist am Samstag nachmittags, 300 Meter diess seits der Grenze von einer russischenPatrouille beschossen worden; sie erwiderten das Feuer. Aus beiden Seiten gab es keine Verluste. All enstein, 2. August. (6 Uhv nachm.) Bisher haben im allgemeinen nur kleine Ka­ valleriegefechte stattgefunden. — Johannesburg das von einer Eskadron des Dragonerregiments Nr. 11 besetzt ist, wird augenblicklich angegriffen. — Die Bahn Johannesburg—Lhck ist bei Gutten unterbrochen, ebenso die Stich-j bahn nach Dlottowen. Die Verluste sind bis­ her auf russischer Seite etwa 20, auf deutscher Seite nur mehrere leicht Verwundete. Königsberg, 2. August. In Ehdtkuhinett ist eine russische Patrouille eingeritten. Das Postamt Bilderweitschen ist nach einer sicheren Meldung zerstört. Der Feind über-, schritt die Grenzen, wie zweifelsfrei gemeldet wird. Berlin, 2. August. Auf der Thorner Eisenbahnbrücke versuchte ein Mann, vom Zuge aus eine Bombe zu Wersen. Er wurde aber vorher dingfest gemacht. Berlin, 3. August. (2 Uhr 45 Min. früh.) Ter kleine Kreuzer "Augsburg" mel­ det durch Funkenspruch, daß er den russischen Kriegshasen Lieba« bombardiere. Er stehe mit einem feindlichen Kreuzer im Gefecht und lege Minen. Licbau brennt. Bon der dentslh-stanzöfischea Grenzt. Berti n, 2. August. Luxemburg ist zum Schutze der dort befindlichen deutschen Eisen­ bahnen von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt worden. Koblenz, 2. August. Heute vormittags versuchten 80 französische Offiziere in preu­ ßischer Uniform in 12 Kraftwagen die preu­ ßische Grenze bei Wahlbeck westlich von Geldern zu überschreiten. Der Versuch mißlang. Berlin, 2. August. In der Nacht vom ────────── Von der deutsch-französischen Grenze. Berlin, 2. August. Luxemburg ist zum Schutze der dort befindlichen deutschen Eisen­ bahnen von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt worden. Koblenz, 2. August. Heute vormittags versuchten 80 französische Offiziere in preu­ ßischer Uniform in 12 Kraftwagen die preu­ ßische Grenze bei Wahlbeck westlich von Geldern zu überschreiten. Der Versuch mißlang. Berlin, 2. August. In der Nacht vom ────────── Wie der Krieg beginnt. Wieder lodert die Kriegsfackel in Europa auf; die ersten Schüsse in dem Ringen zwi­ schen Oesterreich und Serbien sind bereits ge­ fallen und größere militärische Ereignisse be­ reiten sich vor. Das siebente oder gar das achte Mal seit 1870 — denn es hat ja zwei Balkankriege gegeben — sind hier europäische Völker in große kriegerische Konflikte ver­ strickt, von den Kolonialkriegen kleinerer Art ganz zu schweigen, deren Zahl Legion ist. Der Beginn des Krieges hat in jüngster Zeit viel von den feierlichen Formen internationaler Höflichkeit verloren, die ihn früher einleite­ ten. Auch diesmal ist es zu keiner offiziellen Kriegserklärung gekommen; das letzte Doku­ ment dieser Art wurde von Frankreich 1870 Deutschland zugestellt, und dies geschah erst acht Tage nachdem die Mobilmachungen auf beiden Seiten begonnen hatten. Aber auch nach dieser förmlichen Kriegserklärung ant 19. Juli, ja nachdem bereits int wesentlichen der Aufmarsch der Armeen erfolgt war, be­ wahrten beide Teile noch eine abwartende Haltung. Das erste Geplänkel entwickelte sich ant 27. Juli zwischen einer Schwadron des ftanzösischen Generals de Bernis und einer zur Aufklärung ausgesandten badischen Schwa­ dron in der Nähe von Niederborn in dem waldigen Gebiet bei Hagenau. Auf deutscher Seite wurden zwei Offiziere getötet und elf Soldaten gefangen genommen, während die Franzosen fünf Mann verloren. Doch kann man in diesem unbedeutenden Zusammenstoß noch kaum den Beginn der Feindseligkeiten zwischen den beiden Nationen erblicken; in Wahrheit begann der Krieg ant 2. August, als Kaiser Napoleon, um endlich eine Siegesnach­ richt nach Paris telegraphieren zu können, die völlig zweckloste Besetzung von Saarbrücken an­ ordnete. An oiesem Tage drängte das Korps des französischen Generals Frossard den win­ zigen Beobachtungsposten des Oberstleutnant von Pestel von den Höhen vor Saarbrücken hinunter, und damit war der Krieg tatsäch­ lich eröffnet. Ueberraschender vollzog sich der Beginn des russisch-türkischen Krieges von 1877. Seit langem waren die Beziehungen zwischen Rußland und der Türkei gespannt, und die Diplomatie hatte bereits alle fried­ lichen Mittel erschöpft. Als man von einem drohenden Ultimatum sprach, schien sich plötz­ lich noch alles zum Guten zu wenden und ein Vergleich angebahnt. Doch die Hoffnung war nur kurz. Einige Tage später, am 24. April, drangen die russischen Truppen von Alexan- dropol nach Nulla-Mussa und Schuragu vor, wobei sie 100 Gefangene machten; dann brei­ teten sie sich weiter nach Kizil-Tschestschack aus und besetzten das türkische Lager von Mukhasters. Trotz der furchtbaren Regengüsse des Frühlings setzten sie ihren Marsch mit der glei­ chen Schnelligkeit fort; zu größeren Gefech­ ten kam es freilich erst int Juli desselben Jah­ res. Der serbisch-bulgarische Krieg von 1885 begann mit der Einnahme eines ganz kleinen bulgarischen Postens an der Grenze in dev Umgegend von Trune durch die Serben; die serbischen Truppen blieben hier mehrere Tage ruhig stehen und ließen den Bulgaren, deren Lage wegen innerer Wirren und türkischer Drohungen sehr ungünstig war, vom 26. Okt. bis zum 15. November Zeit, sich zu sammeln und zu kräftigen. Am 15. November drangen dann die Bulgaren plötzlich bei Wiasana zwi^ schen Wranja und Trune auf serbisches Gebiet. Nunmehr erließ König Milan, der sich in Nisch befand, an seine Truppen den Befehl, die Grenze zu überschreiten, während er sich selbst nach Pirot begab. Nun erst begannen die eigentlichen Kämpfe. Bei dem griechisch-tür­ kischen Krieg von 1897 läßt sich das Einsetzen der kriegerischen Verwicklungen schwer bestim--» men, denn die Türken kämpften damals bereits seit langem gegen die aufständischen Banden ────────── 1- zum 2. August wurde ein feindliches Luft-, schiff in der Fahrt von Keiprich nach Ander-t nach beobachtet. In der gleichen Nacht hatte ein Cochemer Gastwirt und sein Sohn ver­ sucht, den Cochemer Tunnel zu sprengen. Dies mißlang. Beü>e wurden erschossen. Feind­ liche Flugzeuge wurden auf der Fahrt von Düren nach Köln beobachtet. Ein französisches Flugzeug wurde bei Wesel heruntergeschossen. Berlin, 3. August? Weitere Grenzver­ letzungen durch Franzosen wurden am 1. Au-s gust abends festgestellt. Deutsche Postierungen wurden beschossen. Bisher sind keine Verluste bekannt geworden. Lörrach (Baden), 3. August. Gestern früh wurde in Muttenz bei Basel ein ehe-i maliger französischer Offizier wegen Wegfan-! gens von Brieftauben verhaftet. 150 Brief-t tauben wurden beschlagnahmt. Der Verhaftete wurde in das Gefängnis Liebental verbracht. ────────── Einschätzung der Streitkräfte. Das Militärwochenblatt bringt Ausfüh­ rungen über die serbische, österreichisch-ungari­ sche und die russische Armee, die gerade im gegenwärtigen Augenblick Beachtung verdie- j nett. Es heißt darin: I Die serbische Armee hat erst vor kurzer { Zeit zwei Feldzüge überstanden, die ihre Kraft sowohl bezüglich des Personals, wie des Ma­ terials in hohem Grade in Anspruch genom­ men haben. Daß Serbien augenblicklich zu einer gleichen Kraftanstrengung, wie zu Be­ ginn des ersten Balkänkrieges, fähig ist, ist ausgeschlossen. Ob aus dem neuserbischen Ge- > biete aber ein erheblicher Mannschaftszufluß jetzt schon eintreten wird, bleibt abzuwarten. Ein genügender Ersatz des in beiden Balkan­ kriegen verbrauchten Materials ist bei der ge­ ringen Finanzkraft Serbiens kaum anzuneh­ men. Die österreichisch-ungarische Armee hat in den letzten Jahren bezüglich des Ausbaues ihres Heeres auf der Basis der allgemeinen! Heeres auf der Basis der allgemeinen Wehr­ pflicht nicht die Anstrengungen gemacht, die nach der allgemeinen politischen Lage ange­ zeigt erscheinen mußten. Daß dieses Heer aber auch in seinem jetzigen Besitzstand ein Instru­ ment ersten Ranges und selbstverständlich Ser­ bien allein weit überlegen ist, bedarf keiner näheren Ausführung. Alle Waffengattungen der österreichisch-ungarischen Armee stehen be­ züglich ihrer kriegsmäßigen Ausbildung auf einer hohen Stufe. Ebenso wie die österreichisch-ungarische Armee in Europa unterschätzt wird, so wird die Kampfkraft der russischen Armee meistens überschätzt. Daß die russische Armee der Zahl nach von außerordentlicher Stärke ist, kann niemand leugnen. Tie Zahl entscheidet aber im Kriege glücklicherweise nicht. Als wichtige Faktoren treten hier noch hinzu: die Moral des Heeres (moralisches Element), höhere Füh­ rung, Bewaffnung, Ausrüstung, Lage undAusdehnung des Staatengebiets, dessen Eisenbahn­ netz, Gesinnung der Bevölkerung und derlei mehr. Es erscheint nicht unangebracht, jetzt daran zu erinnern, daß in neuester Zeit Ruß­ land allein noch niemals über eine ebenbürtige Armee den Sieg errungen hat. Uebrigens ist die kürzlich in der Presse aufgetauchte Nach­ richt der Aufstellung von fünf neuen russi­ schen Armeekorps unrichtig. Diese Armeekorps existieren nicht. ────────── Tages-Übersicht. Der Reichstag wird morgen Dienstag Nach­ mittags 1 Uhr zu einer Sitzung zusammenberufen. , Die Reichsbank hat ihren Diskont von 5 auf 6 Prozent, den Lombardzinsfuß von 6 auf 7 Prozent erhöht. Die österreichisch-ungarische Bank hat den Diskont von 6 auf 8 Prozent erhöht. Die rumänische Nationalbank erhöhte den Diskont auf 6, den Lombardzinsfuß auf 7 Prozent. Die Niederländische Bank hat den Diskont von 1V* Prozent auf 6 Prozent erhöht. Verbot der Goldausfuhr In Amsterdam wird ein Gesetzentwurf über das Verbot des Goldexports demnächst der Kammer vorgelegt werden, um den Goldabfluß zu verhindern. Die Bank von England hat den Diskont von 8 auf 10 Prozent erhöht. Die Lage in Albanien. Oberst Schaffer wurde zum Oberkommandanten der albanischen Streit­ kräfte ernannt. Schaffer war seinerzeit Chef der kreteufischen Gendarmerie. Jaures ermordet. Am Samstag saß der französische Sozialistenführer Jaures mit einigen Freunden im Cafe Croissant in Paris ln der Nähe einer Nische, die auf die Straße führte und durch einen Vorhang abgeschloffen war. Plötzlich erschien hinter diesem Vorhang eine Hand. Ehe Jaures eine Bewegung machen konnte, wurde er von zwei Kugeln in den Kopf getroffen und sank um. Der Täter wurde einige Augenblicke später verhaftet. Man fand bei ihm zwei Revolver und eine Karte, aus der hervorging, daß er die Louvreschule besuchte. Der Mörder heißt Raoul Vtllain. Er ist 29 Jahre alt und der Sohn eines Schreibers am Zivtlgericht Reims. ────────── Auf! Deutschlands Söhne! Auf! Deutschlands Söhne! Der Kriegsruf ertönt. Nehmt Flinte und Speer; Kanonen donnern, Daß der Erdboden dröhnt, Vom Fels zum Meer. Auf! Deutschlands Söhne! Der Krieg ist entbrannt, Schützt Weib und Kind, Schützt das Vaterland. Was die Alten erworben Mit Mühe und Schweiß, Den Segen der Arbeit, Gebt ihn nicht preis. Opfert das Leben, opfert das Blut, Denn es gilt alles, Gilt Hab und Gut. Mit leeren Worten ist nichts getan, Kämpfet wie Helden, Mann an Mann. Wo Deutschlands Heere mit Waffen zieh'n, Erzittern die Völker, die Menschen flteh'n. Kusche Dich. Russe! Du, Franzmann, lauf, Schon tut sich der Rachen der Hölle auf. Traunstein, 31. Juli 1914. Carl Werkmeister. ────────── hörigen bewilligte Unterstützung bis zum Wiedereintritt in den Dienst eingestellt. ────────── Allerlei. Tie Verpachtung des ftäbt. Elektrizitäts­ werkes in Würzburg an die Firma Schuckert und Cö. ist im dortigen Gemeindekollegium mit 28 gegen 7 Stimmen beschlossen worden. Ein Polizist als Attentäter. In Elbing gab im Verlaufe eines Wortwechsels der Polizeisergeant Kinder einen Schuß' auf den Polizetwachtmetster Histwoki ab und verletzte diesen schwer. Dar­ auf tötete sich Kinder selbst durch einen Schuß in die Schläfe. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Zwiesel, 31. Juli. (Lehrer-Jubiläum.) Jene Lehrer Niederbaherns, welche vor 40 Jah­ ren das Seminar verlassen haben, werden sich zu einer Jubiläumsfeier am 10. und 11. Au­ gust er. in Passau zusammenfinden; Kreisschul­ rat Auer-Landshut wird ebenfalls an dem Ju­ biläum teilnehmen. Vom Lande, 1. August. (Die Armenlasten nach Auswärts) mögen durch das neue Armen­ gesetz eingedämmt werden. Die niederbaherischen Gemeinden zahlen nicht weniger als die Hälfte ihrer baren Armenunterstützungen nach Auswärts. Nicht die kleinsten und nicht die größten Gemeinden zahlen die größten Ar-, menlasten, sondern die Gemeinden mit 1000 bis 2000 Seelen. In diesen trifft auf 100 Mark Steuersoll ein Armenaufwand von 42,50 Mark durchschnittlich, aber auch bis zu 69,40 Mark. Die Kosten des Landesarmengesetzes werden unter dem neuen Gesetz wohl sehr schwer die Kreisumlagen in Niederbayern tref­ fen. Pasta«, 1. Aug. (Wohltätigkeitsakt.) Der österreichisch-ungarische Hilfsverein Pasta» verteilt an jeden auf dem hiesigen Bahnhöfe eintreffenden Re­ servisten, der zu den österreichischen Fahnen gerufen ist, 10 Zigaretten. Die Soldaten sind ob dieses humanen Aktes, der auch im Publikum alle Aner­ kennung findet, hoch erfreut. Für den Hilfsverein ist dies eins schöne Leistung, wen« man bedenkt, daß gegenwärtig täglich 300—400 Reservisten auf der Fahrt nach Oesterreich den hiesigen Bahnhof passieren. Pasta«, 1. Aug. (Gift und Explosivstoffe auf der Donau.) Am 20. d. Mts. mußten vor Regensburg, bei einem auf einem Schlepp ausge­ brochenen Brande eine größere Menge Apothekerwaren, die scharfe Gifte und feuergefährliche, bezw. ätzende Substanzen enthielten, zur Verhinderung der Ausbreitung des Feuers in das Master geworfen werden. Die Kollts, Flaschen usw. schwammen zum Teil davon. Für den Fall, daß KolliS usw. auf­ gefischt werden sollten, bittet die Agentte der DonaudampfschtffahrtSgesellschaft Regensbnrg unter Telephon­ ruf Nr. 49 dies sofort mitzuteilen, um mit den Findern über Auffanggebühr und Zustellung verhandeln zu können. ────────── Dienstesnachrichten. Justizbienst. Der Sekretär am Amtsgericht Arnstorf, Obersekretär Albert Aurnhammer wurde zum Obeiffekretär am Amtsgericht Nabburg in etaismäßiger Weife befördert; der geprüfte Sekretariatsadfpirant, Gerichtsassistent Franz Bayer in Htlpoltstein wurde zum Sekretär am Amtsgericht Arnstorf in etaismäßiger Weife befördert. Dem Notar Ferdinand Mayer in Kötzting wurde das Notariat Ottobeuren und dem Notar Max R o efch in Neuktrchen das Notariat Kötzting, jedem auf fein An­ suchen verliehen. LandShnt, 3. August. —* Zur Beachtung unserer Leser. Die Presseabteilung des Großen Generalstabes hat die Genehmigung erteilt, daß sämtliche' Nachrichten unseres Korrespondenzbüros von den Zeitungen übernommen werden dürfen, da sie vorher der Presseabteilung zur Geneh­ migung vorgelegen haben. Die von uns ver­ öffentlichten Kriegsnachrichten sind daher authentisch. Die Kriegsbegeisterung in un-; serer Stadt wird am besten durch die noch ununterbrochene Anmeldung von Kriegsfrei­ willigen dokumentiert. Vom Realschulabsolven­ tenverband haben sich allein 60 Mitglieder zum freiwilligen Heeresdienste gemeldet. Im ganzen haben sich den hiesigen Militärbehör­ den mehr als 500 junge Leute gemeldet. —* Auch die Frauen und Mädchen stehen an Begeisterung den Männern nicht nach. Die Anmeldungen von Frauen und Mädchen als freiwillige Krankenpflegerinnen übersteigen weit das Bedürfnis an Pflegerinnen. —* Aufrufe zur Erntearbeit. Der bayerische Landwirtschaftsrat erläßt einen Auf­ ruf an alle> die ihr Beruf nicht in der Stadt festhält, mitzuhelfen an der Bergung der Ernte. Der gleiche Ruf ergeht an die In-, gend, die Vaterländischen Vereine, Berufsver­ einigungen, Jugendvereine, zu gemeinsamer Arbeit! Arbeit ehrt, Nichtstun schändet! Wer kann, helfe mit, daß unser Volk, die Frauen und Kinder unserer Streiter zumal, nicht hun­ gern, und, wenn uns wider göttliches und menschliches Recht der Kampf ausgedrungen wird, den Kämpfenden der gerechte Sieg leicht ter wird, auf den Deutschland zu Gott hofft. —* Ausweisung der Ausländer. Die K. Regierung von Niederbayern teilt uns mit: Durch Allerhöchste Verordnung vom 31. Juli 1914 ist für Bayern der Kriegszustand erklärt worden. Mit Bezug hierauf wird folgende Anordnung getroffen: "Alle Fremden, die sich über den Zweck ihres Aufenthalts nicht ge--- hörig ausweisen können oder sich lästig ma­ chen, haben bei Aufforderung der Di-, striktspolizeibehörden das Gebiet des Deut­ schen Reiches und zwar bis auf weiteres über 'Lindau binnen 24 Stunden zu ver­ lassen. —* Freiw. Feuerwehr Landshut. Die auf heute angesetzte Versammlung im Haindlgarten unterbleibt. —* Beschränkungen für den Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehr. (1. Postverkehr mit dem Auslande.) Von jetzt ab werden nach dem Ausland und den deutschen Schutz­ gebieten mit nachstehend aufgeführten Ausnahmen nur noch offene Postsendungen in deutscher Sprache angenommen und befördert. Pakete find nicht mehr zuläffig. Private Mitteilungen in geheimer (chiffrier­ ter oder verabredeter) Sprache oder in anderer als deutscher Sprache, ferner solche über Rüstungen, Truppen- oder Schiffsbewegungen oder andere mili­ tärische Maßnahmen sind verboten, es fei denn, daß sie von militärischer Seite als zugelaffen bescheinigt find. — Wertbriefe und Kästchen mit Wertangabe sowie Postausträge nach dem Ausland und den deutschen Schutzgebieten können jedoch unter folgen­ den besonderen Bedingungen zur Beförderung über­ nommen werden: Die Auflieferung ist nur unmittel­ bar bei Postämter zuläffig, soweit sie nicht militärischerseitr für bestimmte Bezirke ganz verboten robb; die Auflieferung bet Postagenturen, Posthilfstellen und durch die Postboten ist demnach verboten. Briefliche Mitteilungen, soweit sie überhaupt zuläffig sind, müssen in deutscher Sprache abgefaßt sein und dürfen keinen verdächtigen Inhalt haben. Die Sendungen find bet den Postämtern offen vorzu­ legen und demnächst unter Ueberwachung der Be­ amten zu verschließen und zu versiegeln. — (2. Telegraphen- und Fernsprechverkehr mit dem Ausland und im Jnlande.) — Privattelegramme nach dem Ausland nnd im Jnlande müffen in offener und deutscher Sprache abgefaßt sein. Tele­ gramme in ftemder oder geheimer (chiffrierter oder verabredeter) Sprache sowie solche über Rüstungen, Truppen- oder Schiffsbewegungen oder andere militärische Maßnahmen sind verboten. — Die Telegramme müssen bei der Auflieferung mit Name» und Wohnung des Absenders versehen sein. Auf Verlangen müffen sich Absender und Empfänger über ihre Persönlichkeit ausweisen. — Der Fern­ sprechverkehr nach dem Ausland und nach einige» am Schalter zu erftagenden Grenzgebieten des In­ landes wird eingestellt. Außerhalb dieser Grenz­ gebiete dürfen Gespräche im Innern deutschen Ver­ kehr nur in deutscher Sprache geführt werden und keine Mitteilungen über Rüstungen, Truppen- oder Schiffsbewegungen oder andere militärische Maß­ nahmen enthalten. — Der Funkentelegraphenverkehr wird eingestellt. — Weitere Beschränkungen oder Erleichterungen des Post-, Telegraphen- und Fern­ sprechverkehrs bleiben vorbehalten. —* Bestimmungen für Freiwillige. Auf Grund § 98 der Heeres- und Wehrordnung kann sich jeder, der seiner Dienstpflicht noch nicht genügt hat, bet Ausbruch der Mobilmachung einen Truppen­ teil nach Belieben wählen. Wenn er dies nicht tut, wird bet der bald einsetzenden Aushebung über ihn verfügt. Von Kriegsfreiwilligen können sich solche melden, die keine gesetzliche Verpflichtung zum Dienen mehr haben, ferner jugendliche Personen zwischen 17 und 20 Jahren, soweit sie sich nicht in Bezirken auf­ halten, in denen der Landsturm aufgeboten ist. —* Der August hat am letzten Samstag begonnen und er hat feine Herrschaft im Sonnen­ schein angetreten. Der August ist zu gewöhnlichen Zetten der Hauptretsemonat des Jahres. Noch weilen die Touristen, die aus den Gebieten kommen, wo es richtige Sommerserien gibt, in den Bädern und Kur­ orten, und zu ihnen gesellt sich die gewaltige Schar derer, denen erst der August Ferien bringt. Aller­ dings in diesem Jahre hat die Welt ein anderes Gesicht. Mars regiert die Stunde, und Gebirge und Badestrand werden verödet daliegen. Der August ist im allgemeinen der beständigste der drei Sommermonate. Denn die Zelt der Sommerrege» pflegt in der Mehrzahl der Jahre doch vorwiegend in den Juni und Juli zu fallen. Wir wollen hoffen, daß der Wettergott diesmal nicht von der üblichen Regel abweichen wird. —* Spionage. Nach zuverlässigen Nach­ richten bereisen russische Offiziere und Agenten in großer Zahl unser Land. Die Sicherheit des Teutschen Reiches fordert, daß aus patriotischem Pflichtgefühl neben den amtlichen Organe» das gesamte Volk un­ bedingt mitwirkt, um solche gefährliche Personen un­ schädlich zu machen. Durch rege Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht kann jeder an seiner Stele zum glücklichen Ausgang des Krieges beitragen. —* Gegen die Zerstörung von Eisenbahnen. Es wird gemeldet: Bestimmte Nachrichten deuten darauf hin, daß Zerstörrngsversuche gegen die Eisenbahnen und deren Kunstbauten von feindlicher Sette auch im Innern des Landes versucht werden. Bet der großen Bedeutung der Eisenbahnen für die Durchführung der Mobilmachung und Versammlung des Heeres ist es die Pflicht jedes Deutschen die Heeresverwaltung beim Schutz der Eisenbahnen zu unterstützen. Dies kann geschehen durch Ueberwachung des mitreisenden Publikums und Mitteilung jeder verdächtigen Handlung an die nächste Eisenbahn- oder Militärbehörde, eventuell durch Fest­ nahme verdächtiger Individuen. —* Als Kriegslazarett hat Herr Au­ genarzt Dr. Leonhardt seine Klinik unentgelt­ lich zur Verfügung gestellt. ' —* Der Postverkehr «Mchen Deutsch­ land und Rußland und Frankreich W gänzlich ein­ gestellt und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach den angegebenen fremden Ländern mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Etnlieferung gelangende Smdungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen- und Fernsprechverkehr zu und von diesen Ländern ist ebenfalls eingestellt. ────────── 31. Sitzung des Stadtmagistrats Landshut vom 1. August 1914. Vorsitzender: Herr Rechtsrat Ambros. Die Generalversammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins für Niederbahern findet am 14. und 15. September in Passau statt. Der Magistrat nahm hiervon Kenntnis. Ein Nasenschild will der Fahrrad­ händler Lader Eckert, Zweibrückenstraße 679, an seinem Laden anbringen. Das Gesuch wur-> de gegen 1 Mark jährliche Rekognitionsgebühr genehmigt. Die Anbringung eines Fensterstockes im Hause Leukstraße 1, wird nach dem An-' trage des Bauausschusses bewilligt. Mehrere Abmarkungen werden ohne Erinnerung belassen. Zur Aufstellung der Urliste für den Schöffen- und Geschworenendienst für 1915 ist beschlossen worden, die früher bereits be­ zeichneten Herren und Herren Ersatzmänner auch heuer wieder aufzustellen. Um Aufnahme in den daher. Staats­ verband haben sich beworben, der Vizewachtmeister Karl Meier und der Mühlendirektor Johann Meyer. Gegen beide Gesuche wurde vom Magistrat keine Erinnerung erhoben. Freibetten sollen in der K. orthopäd. Klinik bei der K. Landesanstalt in München ge­ stiftet werden. Die K. Regierung von Niederbahern überwies dieses Gesuch befürwor­ tend dem Stadtmagistrat. Der Magistrat verhielt sich jedoch ablehnend. Dem Magistrat Straubing, der sich ebenfalls in diesem Sinne geäußert hat, soll entsprechende Mitteilung ge­ macht werden. —* Kundgebungen im Magistrat. In der letzten Sitzung des Stadtmagistrats wies der Vorsitzende, Herr Rechtsrat Ambros darauf hin,daß bei einer Mobilmachung Herr Rechtsrat Costa und die Söhne mehrerer Her­ ren Magistratsräte ins Feld ziehen müssen. Er gab pnter lebhaftem Beifall des Magistrats­ kollegiums dem Wunsche Ausdruck, daß die ins Feld Ziehenden in voller Gesundheit sieg­ reich und ruhmbedeckt wiederkehren möchten. ────────── Bayerische Nachrichten. Nr. 208. Erklärung ab. daß die deutsche Landwirtschaft auch bei längerer Dauer des Kriegszustandes das Land zu ernähren imstande sei. Die Bayerische Notenbank erhöhte ihren Wechseldiskont auf 6 Prozent und den Lombard zinsfuß auf 7 Prozent. Banksalliffement. Die Bankfirma Friedrich Fridl u. Cie in Augsburg hat am Samstag ihre Schalter nicht geöffnet. Die beiden Inhaber Friedrich Fridl und Georg Dumler wurden wegen Depots-Unterschlagung verhaftet. Die Firma zählt zu den kleineren Privatbanken am Platze. König Ludwig hat in einem Telegramm dem deutschen Kaiser die bayerische Armee zur Verfügung gestellt. Der Kaiser dankte in einem herzlichen Antwsrttelegramm. Die Prinzen des Kgl. Hauses werden am Kriege teilnehmen und zwar wird der Kronprinz eine hohe Kommandostellung übernehmen; Prinz Franz als Kommandeur des 2. Jnf.-Regts. Kronprinz, Prinz Heinrich als Eskadronschef im 1. Schweren Reiter-Regt., Prinz Georg Im Freiwill. Automobilkorps, Prinz Konrad Rittmeister als Zugführer im 1. Schw. Reiter-Regt., Prinz Adalbwt im 1. FeldArtlllerie-Regt., Herzog Ludwig Wilhelm als Zug­ führer im 3. Chev.-Regt. Außerdem haben sich Prinz Alfons und mehrere andere Prinzen um Verwendung beworben. Sie werden ohne Rücksicht auf ihren Rang in de» Dienst treten. Prinz Ludwig Ferdinand dient als Militärarzt. Gegen Teuerungs-Machenschaften. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat eine Verordnung mit Bestimmungen gegen die Teuerung einstimmig angenommen. Jetzt soll eine staatliche Preiskommiffion und ein sachverständiger Beirat für die Regierung gebildet werden. Die Leichtbestraften werden zu Erntearbeite» entlassen und die Arbeitslosen ebenfalls dazu verwendet. Die Sozkaldemokatie erklärt, daß das letztere bereits von den Gewerkschaften beschlossen worden sei. Der Minister des Innern gab die