Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-08-31. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 235, 1914-08-31. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Hindenburg haben die von Narew vorgehende russische Armee in Stärke von 5 Armeekorps und 3 Kavallerie­ divisionen in dreitägiger Schlacht in der Ge­ gend von Gilgcnbnrg—Lrtelsburg geschlagen und verfolgen sie jetzt über die Grenze. Generalqnartiermeister v. Stein. Me Schlacht bei Ottelsburg. 30 000 Russen gefangen. Berlin. 31. August. (Wolfsbüro.) «ei den großen Kämpfen, in denen die russische Armee bei Tannenberg—Hohenstein—Ortelsbnrg geworfen wurde, fielen nach vorläufiger Schätzung über 30000 Russen mit vielen Of­ fizieren in Gefangenschaft. Ein Portepee von 1813. Dem "Tag" wird geschrieben: "Mein Schwiegersohn, Bankbeamter, hat sich zwar schon als Feldwebel-Leutnant stellen müssen, ist aber noch zu Hause und erwartet täglich seine Einberufung. Ein Freund von ihm in demselben Bankgeschäft brachte ihm eine Por­ tepee mit den Worten: "Hier, lieber Otto) überreiche ich Ihnen ein Portepee, das mein Großvater in den Kriegen 1813—1815 mit Ehren getragen hat; bringen Sie es mir mit Spitäler eingerichtet. Eine Kommiffion wurde ge­ bildet, deren Aufgabe es ist, die Mittel zur Sicherung und Verproviantierung Konstanttnopels sowie zur Hereinbringung der Äcnte und zur Durchführung der landwirtschaftlichen Arbeiten des kommenden Jahres zu prüfen. Die Stadtpräfektur teilt mit, daß die Getreide-Einfuhr stet ist. neuen Siegeslorbeeren geschmückt wieder zu­ rück." Zehn zuviel! "Wir haben genug! Bis zum letzten schon, Nur Freiwillige — vollzählig das Bataillon. Marschieren Sie ab." — Der Offizier nimmt die Listen, Und führt zur Kammer die Reservisten. Siebenhundert Soldaten, freiwillig gestellt Zum Kriege Deutschlands gegen die Welt! Siebenhundert, bereit in furchtbaren Kriegen Zu kämpfen, zu sterben und zu siegen! Als vor der Kasern die Truppen stehn: Zum Einkleiden melden sich siebenhundertzehn! Hellmuth Unger. Teutscher Unterricht. In einem Geschäft kauft ein alter Herr einige Halsbinden und will sich empfehlen; dabei macht er eine kleine Verbeugung vor der ihn bedienenden Verkäuferin und sagt: "Adieu!" — "Au revoir, monsieur", entgeg­ net das junge Mädchen. — "Nanu," meint er, "Sie tragen eine schwarz-weiß-rote Schleife auf Ihrer Bluse und sprechen französisch?" — "Aber nur weil Sie angefangen haben mit Ihrem Adieu", erwiderte die Kleine. Eine I Stunde später erschien in dem Geschäft ein I Dienstmann und brachte einen Strauß Stoffen, I bestimmt "für die Dame, die mich richtig ' deutsch grüßen gelehrt hatte." Die Mobilisierung in der Türkei. Konstantinopel, 30. August. Eine offi­ zielle Mitteilung der Pforte besagt: Wegen der Mobilisierung ist den ausländischen Flugzeugen ver­ boten, über türkisches Gebiet zu fliegen. Die Militärposten find angewiesen, aus Zuwiderhandelnde zu schießen. Infolge der Mobilisierung entfaltet der "Rote Halbmond" seit einigen Tagen eine eifrige Tätigkeit in Stambul. Drei große Schulen sind als ────────── Die schwarzen Hisstruppen der Belgier. In der jetzt von unseren Truppen ganz er­ oberten Festung N a m u r befand sich nach dem "Rotterdamichen Courant" auch eine Legion ein­ geborener Kongosoldaten . unter dem Befehl des Obersten Chalttn. Tie Festung Longwy wurde, wie kürzlich bereits in Erinnerung ge­ bracht wurde, am 26. August 1792 zum ersten Male von den Preußen im ersten Koalitions­ krieg gegen Frankreich erobert. Sie blieb frei­ lich nur wenige Monate im Besitz der Preußen, da ihr Oberbefehlshaber, der Herzog von Braunschweig, die Festung am 23. Oktober wie­ der räumte. Zum zweiten Male haben am 11. September 1815 die Truppen des preußi­ schen Korps Pirch unter dem Prinzen August von Preußen Longwy erobert. (Im ganzen elf Festungen, darunter Rocroy, Givet, Se­ dan, Charleville-Mezieres, Montmedh mit 500 Geschützen.) Zum dritten Male wurde Longwy am 25. Januar 1871 zusammen mit Rocroy und Peronne erobert, nachdem Montmedh im Dezember und Mezieres durch General von Kameke bezwungen war. 200 Geschütze und 4000 Mann fielen in die Hände der Sieger. Die vierte Eroberung durch unsere Truppen erfolgte also genau 122 Jahre später als die erste. Vom westlichen Kriegschauplatz. ────────── "Uebrigens sprechen wir nicht weiter über diese Dinge, sondern nehmen wir sie so, wie sie sind! Aber da fällt mir ein, daß ich noch gar keine Gelegenheit fand, Ihnen für alle Ihre Güte zu danken, Herr von Willmers," fuhr sie lebhafter fort. "Dank Ihrer Für­ sorge leben wir wie kleine Fürsten, und ge­ wiß ist, daß es uns noch nie so gut wie jetzt ergangen ist!" "Auch nicht bei Ihres Großvaters Leb­ zeiten?" "Nein, auch da nicht, obgleich wir uns über nichts beklagen konnten. Großpapa liebte Mama nicht, er hat sie nie gesehen, nie nach ihr gefragt, und das — verzeihe ich ihm noch heute nicht! — Mich allerdings verzog er auf seine Weise, aber auch für mich trat er nie aus seinem Inkognito heraus, sondern blieb bis an sein. Lebensende der "Onkel General", wie ich ihn als Kind nannte!" "Ist das möglich?" "So wahr wie wir hier nebeneinander durch den Wald schreiten! — Großpapa war ein Sonderling, — vielleicht hat das Leben ihn dazu gemacht, — wir wollen ihn nicht richten, — er mag in Frieden ruhen!" Schweigend schritten sie eine Weile durch den Wald, und über ihnen erzählten sich hun­ dertjährige Tannen eine alte Mär, denen die Halme und Gräser tief unten zu ihren Füßen ' andächtig lauschten. | "Ich hätte eine große Bitte an Sie, Fräu­ lein Tatiana!" begann endlich! Willmers mit nicht ganz sicherer Stimme. "Werde ich auch nicht umsonst bitten?" "Nein, gewiß nicht, wenn die Erfüllung dieses Wunsches in meiner Macht liegt. Spre­ chen Sie, bitte!" "Erzählen Sie mir etwas von Ihrem Vater! — Ich weiß so gar nichts von meinem unglücklichen Vetter Roderich, trotzdem sein trauriges Geschick mich lebhafter interessiert, als ich zu sagen vermöchte!" Tatiana antwortete nicht sogleich und schien zu überlegen, ob sie diesen, im Grunde j genommen, fremden Menschen in die Geheim­ nisse ihrer Familie einweihen könne, bann. hob sich ihre Stirn, und mit ernsten Augen sah sie zu ihm auf. "Gern," erwiderte sie einfach-. "Nur müs­ sen Sie nicht vergessen, baß, ich ein Kind war, dem nicht alles verständlich sein konnte, aber was ich weiß, will ich Ihnen mitteilen!" Dann begann sie mit halblauter Stimme die traurige Geschichte ihres jungen Lebens. (Fortsetzung folgt.) aber auch er tröstete sich, besonders, als er dann doppelt so reich wäre, als er heute ist!" "Halten Sie Ihren Bruder für so ma­ teriell?" "Nicht im mindesten, aber Geld, oder besser gesagt, Reichtum ist eine» Macht der nichts lange widersteht! Weshalb sollte ich nicht annehmen, daß auch mein Bruder sich Leicht von diesem allgewaltigen Herrscher trösten lassen wird? — Wer, wie ich, einmal in Armut gelebt hat, weiß diese Macht am besten zu schätzen, und ich denke, Sie müßten* das gerade so gut verstehen wie ich, denn auch Sie bettete das Leben nicht auf Rosen!" Tatiana seufzte leise auf, senkte den Kopf auf die Brust und schritt eine Weile schwei­ gend neben ihm. "Meine Bemerkung hat Sie doch nicht be­ leidigt, Fräulein Tatiana?" fragte er schnell und blickte prüfend in ihr Gesicht. "Ich weiß sehr genau, daß mein Bruder und ich nur einer Laune des Schicksals unsere augenblick­ liche Stellung zu verdanken haben, denn gäbe es Gerechtigkeit auf der Welt, so müßten Sie die Herrin von Willmershöh und wir noch heute die armen Edelleute von damals sein!" "Ja, aber es hat nicht sollen sein!" er­ widerte Tatiana mit melancholischem Lächeln. ────────── Der Krieg mit England. Die Seeschlacht bei Helgoland. 8$ er litt, 29. August. (Wolffbüro.) Im Lause des gestrige» Vormittags find Bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische kleine Kreuzer und zwei englische ZerstHrerflottillen (etwa 40 Zerstörer) in der deutschen Bucht der Nordsee, nordwest­ lich von Helgoland, ausgetreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgefechten zwischen ihnen und unsere» leichte» Streitkrästen. Die deutschen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen nach und gerieten dabei infolge der beschränkten Sicht weiter ins Gefecht mit mehreren starken Panzerkreuzern. S. M. S. Ariadne sank von zwei Schlachtschiffen der Lionklaffe ans kurze Ent­ fernung mit schwerer Artillerie beschaffen nach ehrenvollem Kampfe. Der weitaus größte Teil der Besatzung, voraussichtlich 250 Mann, konnte gerettet werden. Das Torpedoboot V 187 ging, von einem Kreuzer und de« Zerstörern aufs heftigste beschaffe», bis zuletzt feuernd, in öfe Tiefe. Flottillen­ chef und Kommandant find gefallen. Die kleinen Kreuzer "Köln" und "Mainz" werden vermißt. Sie find nach einer heutigen Reutermelöung aus London ebenfalls im Kampfe mit überlegenem Gegner gesunken. Ein Teil der Besatzung (9 Offiziere und 81 Mann?) scheint durch englische Schiffe ge­ rettet worden zu sein. Nach der gleiche» englischen Quelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten. ÜB er!in, 30. August. (Nicht amtlich.) Ueber die heldenmütige Energie, mit der sich das Torpedoboot V 187 bis zum letzten Augen­ blick gegen die feindliche Uebermacht wehrte, gibt der Bericht eines Augenzeugen Zeugnis, aus dem wir folgendes entnehmen: V 187 sah sich bei diesem Wetter ganz unerwartet zuerst nördlich, dann allerseits von Massen britischer Torpedobootszerstörern und Unter­ seebooten angegriffen. V 187 wehrte sich un­ verzagt mit allen Kräften, doch setzten zahl­ lose Geschosse, aus nächster Nähe abgegeben, seine Bewegungsfähigkeit herab. Da keine Mög­ lichkeit war, sich dem feindlichen Feuer zu entziehen, drehte V 187 auf den Feind zu, um int Passiergefecht zu gewinnen oder bis zum Ende durchzufechten. Als unter dem Gefchoßhagel die Bewegungsfähigkeit völlig ver­ loren ging, wurde schnell im Innern eine Sprengung vorgenommen, um das Boot nicht < in Feindeshand fallen zu lassen. Jetzt sank es schnell. Während es sank, stand die Besat­ zung bis zum letzten Augenblick an den noch brauchbaren Geschützen ^und feuerte. Der Flot­ tillenchef, Korvettenkapitän Wallte und der Kommandant, Kapitänleutnant Lechler fanden den Heldentod. Anzuerkennen ist, daß der Geg­ ner ungeachtet der eigenen Gefahr Beiboote zur Rettung der Unserigen aussetzte. Als sich deutsche Streitkräfte näherten, mußte er sich von den Beibooten zurückziehen, aus denen wir dann die geretteten Deutschen aufnahmen. — Vom Untergange der "Ariadne" gibt der­ selbe Augenzeuge folgendes Bild: Von dem Kanonendonner gerufen, der ein Gefecht der Vorpostenstreitkräfte anzeigte, eilte "Ariadne" diesen zu Hilfe. An der Vorpostenkette ent­ deckt sie, daß einzelne leichte Streitkräfte be| schossen worden sind. Zwar waren die GeJ schütze inzwischen verstummt, aber ein Rück* zug entspräche nicht dem Kampfesmut der deut; scheu Offiziere und Mannschaften. Verfolgen ] und Fühlung mit dem Feinde gewinnen! heißt - die Losung. Nebel verhüllen die Stärke des Feindes. Plötzlich erdröhnt neues Geschützfeuer. Schon stößt die "Ariadne" auf einen der un­ seren, der mit zwei Panzerkreuzern der Liontflasse, Schiffsriesen von 27 000 Tonnen mit je 8 34,3 Zentimeter-Geschützen im Kampf liegt. Mutig springt die "Ariadne" dem Bedrängten bei, aber in diesem Augenblick wird sie be­ schossen. Ein Treffer in den Kesselraum setzt die Hälfte der Kessel außer Betrieb und ver­ mindert die Geschwindigkeit auf 15 Seemeilen. Noch eine halbe Stunde währt der ungleiche Kampf. Das Achterschiff brennt, doch die üb­ rigen Geschütze feuern weiter. Auch auf das Vorderschiff dehnt sich der Brand aus. Der Feind hat inzwischen nach dem Westen ab­ gedreht. Die tapfere "Ariadne" ist dem Un­ tergänge geweiht. Treu der Ueberlieferung mit drei Hurras auf den Allerhöchsten Kriegs­ herrn und mit dem Flaggenliede: "Deutsch­ land, Deutschland, über alles!" wird das Schiff in Ordnung verlassen. Kurze Zeit dar­ aus verschwindet das Wrack in den Fluten. Der 1. Offizier, Korvettenkapitän Franck, Schiffs­ arzt Ritter v. Bo>xberger, Wachtosfizier Hel­ bing und ungefähir 70 Mann der Besatzung sind gefallen. Groß ist die Zahl der Verwun­ deten. War dieses Treffen mit einem über­ mächtigen Gegner auch nicht glücklich, so war es doch ein Zeichen der Kampfesfreudigkeit und der zähen Ausdauer und des höchsten Mutes. Der Feind wurde, wie er selbst zu­ gibt, schwer beschädigt. Das Vertrauen der Unserigen auf ihr eigenes Können wurde nicht geschmälert, sondern es ist gewachsen. ────────── Vom östlichen Kriegschauplatz. Kämpfe der Oesterreicher. Wien, 29. Aug. Auf betn russischen Kriegs­ schauplatz sind seit mehreren Tagen entscheidende Kämpfe im Gange. Die österreichisch-ungarischen Kräfte, die in der Schlacht von Krasnik siegten, folgen den Rusien nach Lublin. Eine Nachbargruppe zwischen dem Bug und dem Wjeprsh, gleichfalls siegreich in feindliches Gebiet vordringend, hat den Raum von ZamoS gewonnen. Andere Heeresteile behaupten den Raum nördlich, östlich und südöstlich Lembergs bis über den Djnestr gegen starken in Ostgalizien eingebrochenen Feind. Die tapferen Ungarn. <• Bud ap est, 29. August. Meldungen vom montenegrinischen und russischen Kriegsschau­ platz berichten von großen Heldentaten der ungarischen Infanterie und Kavallerie. Sie leisteten beim Einmarsch in den Sandschak, besonders bei Plevlje, Hervorragendes, indem sie sich wie wild auf den Gegner stürzten, ohne dessen tödliches Gewehrfeuer zu achten. Sie griffen die Feinde mit dem Bajonett so ungestüm an, daß selbst der Gewehrlauf sich in die Leiber einbohrte. Das überaus toll­ kühne und unwiderstehliche Vorgehen der Hon' vedhusaren in den Kämpfen bei Kielce wirkte , sehr anfeuernd auf die übrigen. Die Kampf; art der Kosaken ist unseren Husaren bereits gut bekannt. Es wird ihr daher erfolgreich , durch unmittelbare Seitenangriffe in Doppel| reihen begegnet. Von den in Budapest beI findlichen 2000 Verwundeten sind die meisten bereits auf dem Wege sicherer Heilung und baldiger gänzlicher Wiederherstellung. Alle I Patienten erwarten ungeduldig ihre Genesung, : um wieder gegen den Feind loszugehen. Der ; Bürgermeister ließ den, Sieg bei Krasnik durch Anschlag bekannt machen. Dabei wurde her­ vorgehoben, daß dieser ungarische Waffenerfolg sich würdig den Siegen unseres mächtigen Bun: desgenossen auf dem westlichen Kriegsschaui platz anreihe. (Wettere Nachrichten siehe "L-tzte Posten".) ────────── Staat!" Kann das ein Deutscher begreifen? Man frage doch einmal einen unserer deutschen Soldaten draußen vor dem Feinde, was er ist. Er wird erwidern, ein Niedersachse, ein Bayer, ein Schlesier, ein Ostpreuße, ein Hamburger üsw. Also kein Teutscher? Da würde er den Frager erstaunt ansehen und sagen: "Aber erst rocht ein Deutscher." Selbst ein Elsässer oder Mole würde das in diesen großen Tagen ant­ worten. Das ganze Deutschland ist sein Va­ terland. Das ist das Volk, das dem Wahl­ spruch "Einigkeit macht stark" wirklich nach­ lebt. Der Belgier schreibt ihn auf Grenz­ pfähle und Briefmarken, aber er hat ihn nie iin sein Herz geschrieben. Denn ähnlich wie die Wallonen geben auch die Vlamen den Staat Preis, der unter dem wuchtigen An­ marsch der deutschen Truppen so schnell zu­ sammenbricht. Und niemand würde es ihnen klar machen, daß sie mit der Aufgabe ihres Staates sich! selbst aufgeben. Das ist wohl die Erklärung für die bel­ gische Stimmung. Sie wissen zwar und erzäh­ len es selbst, daß das Volk, nicht der König diesen Krieg gegen Deutschland gewollt hat. Schon das geht nicht in sie hinein, daß Volk und König eines sind, Haupt und Glieder des großen Vaterlandes. Nun ist der Krieg an­ ders ausgegangen, als sie gehofft haben und nun ist es ihnen leid. Es sind mir zahlreiche Beispiele von Belgien selbst erzählt worden, daß Soldaten aus den von uns besetzten Ge­ bieten, die sich zuerst sehr tapfer geschlagen haben, als ob das alte Kriegsblut der Bel­ gier, das Caesar belobte, in ihnen wieder er­ wacht sei. Aber dann, als das kriegerische Un­ ternehmen aussichts- und hoffnungslos wurde, kehrten sie in Zivilkleidern still wieder zu ihrem heimischen Herde zurück. "Sie zogen sich von dem Kriegsgeschäfte zurück". Ja, das ist nun freilich eine Auffassung, die kein deut­ scher Krieger jemals verstehen wird. Man hat sie sehen müssen, unsere tapferen Jungen, wie sie mit blitzenden Augen und in unerschütter­ licher Disziplin nach heißen, ruhelosen Kampf­ wochen in Namur einzogen. Dieser Mangel an Staatsgefühl erklärt wohl manches, was wir jetzt in der Seele der Belgier sich abspielen sehen. Daß sie sich, wie alle, die sich statt auf sich selbst, auf die Kraft anderer verlassen haben, von Englän­ dern und Franzosen verraten glauben. Daß sie den Staat aufgeben, wo -er im Unglück zu­ sammenbricht und sich mit separatistischen Tra­ ditionen vor sich selbst rechtfertigen. Selbst das Betragen der Mädchen von Namur ist auf diesen Mangel staatlicher Selbstzucht zurück­ zuführen, ebenso wie die Greuel der Frank­ tireurs, die glauben konnten, daß der unberu­ fene Einzelne mitwirken könne, wo das ver­ nachlässigte Ganze hilflos versagt hatte. Und auch das Unverständnis für die deutsche Ber­ geltung der Franktireurschandaten ist unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Die Belgier irren sich und werden etwas lernen müssen. Ueberall, wo wir durchzogen, saßen sie nach ihrer Gewohnheit gelassen auf der Erde vor den Türen, rauchten ihre kur­ zen Pfeifen und betrachteten den Vorbeimarsch der deutschen Truppen. Sie haben weiße Fah­ nen auf ihre Häuser gesteckt und wissen nun, denn so weit kennen sie uns, daß ihnen und ihrer Habe kein deutscher Soldat etwas tun wird. Der Einzelne hat sich als neutral er­ klärt und betrachtet damit die Sache für sich als erledigt. Der Durchmarsch der Deutschen ist für die belgischen Einwohner nur noch ein Schauspiel, das man gemächlich betrachtet. Das hätten die Belgier haben können, wenn sie auf unseren Rat gehört hätten, als wir ihnen zweimal so dringend die Neutralität anboten. Das wollten sie nicht und hörten aus die Eng­ länder und Franzosen. Und nun werden sie erfahren, bafo für uns mit diesem Mangel an Staatsbewußtsein, mit diesem Lossagen des Einzelnen vom Vaterlande, die Sache nicht abgetan ist. Der belgische Mangel an Staats­ gefühl entbindet uns nicht von dem unserigen, und das Staatsgefühl werden die Belgier wohl oder übel annehmen und begreifen müssen, dort, wo "die Belique jetzt werden deutsch". W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── sorgfältig ab. Nun konnte der Ausgeschlossene seine 'Stimme nicht abgeben; sein Veto war nicht möglich. Allein Man hatte sich poch etwas in dem Starrsinn eines polnischen Landedel­ manns verrechnet. Als dieser an die ver­ schlossene Türe kam, ahnte er sogleich, daß hier etwas 'gegen ihn lim Schilde geführt würde. Da griff auch er zur List. Gewandt kletterte er aufs Dach, zwängte sich in den Kamin und gelangte auf diese Weise rutschend in den Ofen des Sitzungssaales, der — es war Sommer — nicht geheizt war. Im Sitzungssaal war die Beratung gerade zu Ende. Es wurde abge­ stimmt, und eben sollte Stimmeneinheit fest­ gestellt werden, da tauchte aus dem Kamin ein berußtes Gesicht hervor und gröhlte in den Saal: "Veto!" — Einen Augenblick waren alle starr vor Bestürzung über diese Ueberrumpelung; doch einen der Adligen faßte der Jäh­ zorn über das grinsende Gesicht, das mit sei- v nem Veto störend eingegriffen hatte; er zog' den Degen und ehe der Mann im Kamin noch merkte, welche Gefahr ihm drohte, schlug der Gegner zu und zum Entsetzen aller An­ wesenden rollte das blutende Haupt des Ab­ geordneten aus dem Kamin hervor in den Saal. Dann wurde aber zum zweiten Mal abgestimmt, als ob nichts geschehen wäre, und jetzt ergab sichs, daß kein Veto mehr den Saal durchschrillte. auch Bienenzucht wird viel getrieben. Unter den mineralischen Schätzen spielen Kohle, Eisen, Schwefel und Salz die wichtigste Rolle. Rus­ sisch-Polen ist aber trotzdem und trotz der Lodzer Textilindustrie noch überwiegend Agrar­ land. Das "Delo". Unsere gesetzgebenden Körperschaften ken­ nen das "Veto" nicht mehr, es wird je nach den Umständen mit der Stimmenmehrheit ent­ schieden; eine Stimme mehr als die Hälfte genügt, um ein Gesetz zu stützen, ihr Fehlen, um es zu Fall zu bringen. Nur den Fürsten, iin manchen Fällen auch im Deutschen Reich! dem Bundesrat, steht das Recht zu, den Be­ schluß einer gesetzgebenden Körperschaft da­ durch umzustoßen, daß sie die Auflösung der Körperschaft betreiben und Neuwahlen aus­ schreiben oder in einzelnen Fällen eine neue "Lesung" veranlassen. Ein ähnliches Recht steht übrigens den Präsidenten der republi­ kanisch verwalteten Staaten zu. Es ist dies lein Ueberbleibsel des alten Vetorechts der Könige. Veto ist ein lateinisches Zeitwort und heißt zu deutsch "ich verbiete", mit anderen Worten alsv: ich mag nicht; ich versage meine Genehmigung. In dem bescheidenen Umfang, wie heute, mag das Vetorecht sein Gutes ha­ ben; es gab aber einmal ein Königreich, das an dem ausgedehnten Vetorecht zugrunde ging: nämlich das Königreich Polen. In Polen hatte nicht nur der König ein Vetorecht, sondern jeder Reichstagsabgeordnete. Ursprünglich mag man davon ausgegangen sein, daß man eine Minderheit nicht vergewaltigen dürfe; darum solle jeder einzelne das Recht haben, ein Gesetz zu Fall zu bringen. Man kann sich aber leicht ausmalen, wie wenig fördersam dies ausge­ dehnte Recht für die Tätigkeit einer gesetz­ gebenden Körperschaft ist. Der polnische Reichstag leistete buchstäblich in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens nichts. Denn es wurde förmlich zum Sport, daß jeder einzelne Abgeordnete die andern seine Macht fühlen ließ; kleinliche Rachegelüste der einzelnen un­ tereinander, Eifersüchteleien spielten naturge­ mäß auch mit. Und wcrs dem Reichstag recht war, das sollte selbstverständlich den einzelnen Landtagen in der Provinz billig sein. Auch dort führte man das Vetorecht für jeden Abge­ ordneten ein. Davon erzählt man sich die folgende Geschichte: Einmal war der Provinziwllandtag vollkommen einig; nur von einem Abgeordneten wußte man, daß er den Beschluß sicher zu Fall bringen würde. Man griff da­ her zur List und versammelte sich, ohne den Störenfried zu benachrichtigen, etwas früher als zur gewohnten Stunde; dann schloß man das Landtagsgebäude und den Sitzungssaal ────────── Das ist aber falsch-, grundfalsch und beruht auf Völliger Unkenntnis der tatsächlichen Verhält­ nisse. Ihr Amerikaner seid freilich- stets be­ reit, für Eure "Sterne und Streifen" Euer Leben zu lassen; das habe ich selbst oft genug gesehen. In Rußland -liegen die Dinge aber denn doch ein gut Teil anders. Von frühester Kindheit an sind wir nicht dazu erzogen, un­ sere Flagge zu lieben. Wir sind nur dazu er­ zogen, unsere "nachalstvo", unserer Regierung, unserem Zaren zu gehorchen, der von Gottes Gnaden als Despot regiert. Wir wissen kaum, was eine Flagge ist, aber wir wissen dafür umso besser, was eine Nagaika ist. Wir freuen Uns deshalb auch nicht über die Siege unserer Truppen. Ist doch- jeder Sieg eine Nieder­ lage für das russische Volk; denn er trägt! nur dazu bei, die Regierung zu kräftigen, dem kaltherzigen Zaren und seinen gefühl­ losen Kosaken neuen Mut einzuflößen. Jeder Mensch, der imstande ist, die Politik des Za­ ren in ihrem Wesen zu erkennen, hat einen Greuel von ihr und haßt ihn aus tiefstem 1 Herzen. Dieses Gefühl ist bei keinem stärker als bei den russischen Studenten; aber der Einfluß der Reaktion in Rußland ist so gewal­ tig, daß sie unter den Studenten eine kleine 1 Gruppe zusammengebracht hat, die den NaI men der "Akademiker" trägt, und die dem | schwarzen Hundert, den ochtrussischen Leuten zuzurechnen sind. Sie haben das Recht, einen Revolver, einen Gummiknüttel und eine Polizeipseife zu tragen; denn sie bekämpfen ja des Zaren Feinde. Studenten dieser Art wa­ ren es, die den deutschen Adler -heruntergeholt und die russische Flagge aufgezogen haben, dieses Symbol der Barbarei und der BrutaAtät der Regierung, nicht des russischen Volkes. ' Aber ich hoffe, daß bald und zwar sehr bald eine andere Zeit hereinbrechen wird, eine Zeit, in der die echten Studenten die Flagge der Sklaverei herunterreißen und eine neue Flagge über dem freien Rußland wehen wird." ────────── Bayerische Nachrichten. Das Eiserne Kreuz wurde dem Infanteristen Fritz Sang aus Fürth verliehen. Nachdem sein Leutnant schwer verletzt zu Boden sank, übernahm er das Kommando über ca. 50 Mann. In hitzigem Kampf mit dem Feind erbeutete sodann die Kom­ pagnie 4 Geschütze und 2 Maschinengewehre, 300 Franzosen wurden aufgerieben. Fleisch«versorgung des Heeres. Nachdem das K. Kriegsministerium in Erfahrung ge­ bracht hat, daß mit den von den Militärbe­ hörden ausgestellten Bescheinigungen über die Ermächtigung zum Vieheinkauf für die Mi­ litärverwaltung vielfach grober Mißbrauch ge­ trieben wurde, wurde die Einziehung aller Bescheinigungen fraglichen Inhalts angeord­ net. Auch für die Viehlieserungen für den Bedarf der Konservenfabriken wird die Aus­ händigung solcher Bescheinigungen nicht für erforderlich erachtet. Viehhändler sind daher nicht mehr berechtigt, sich beim Einkauf von Schlachtvieh aus die Ermächtigung durch die Militärbehörde zu berufen. Teuerung. Das stellvertretende General­ kommando I. Armeekorps gibt folgendes bekannt: Eine Münchner Firma verkauft Feldpostbrief-Kartons in der Größe 24: 15: 4 zum Preise von 30 Pfg. das Stück. Nach Sachverständigengutachten ist dieser Preis unverhältnismäßig hoch; bei einem Verkaufs­ preis von 20 Pfg. für das Stück würde dem Ver­ käufer noch ein durchaus angemessener Gewinn ver­ bleiben. Das stellvertretende Generalkommando er­ ließ eine Warnung. ────────── Verlustliste 3 der kgl. bayer. Armee. (Schluß.) (Abkürzungen: v. — verwundet, f. v. — schwer ver­ wundet, l. v. — leicht verwundet, verm. = vermißt, S. — Schuß, r. — rechts, l. — links.) 14. Infanterie-Regiment. 3. Kompagnie: Reservist Georg Zahn aus Püchersreuth (Oberpfalz), tot. 7. Kompagnie: Gefreiter Michael Georg Gsänger aus Hammerstein (Mittelfranken), f. v., Kopf. 9. Kompagnie: Infanterist Siegfried Wklmersdörfer aus Neumarkt (Oberpfalz), tot, Hitzfchlag. 21. Jufanterie-Regiment. 5. Kompagnie: Sergeant Johann Braun aus Gebhardsreuth, Oberpfalz, l. v., l. Arm und l. Bein. Unteroffizier d. Res. Wilhelm Hertel aus Nürnberg, l. v., B^nschuß. Die Gefreiten d. Res.: Johann Sigmund Guttendorser aus Stettberg (Mittelftanken), l. v., l. Arm, Peter Stopp aus Nürn­ berg, verm., Johann Reh aus Ley (Mittelftanken), verm. Die Infanteristen: Johann Reger aus Gröbenstabt (Oberpfalz). I. v., Armschuß. Max Fleisch, mann aus Oberlangenstadt (Oberftanken), l. v., Rücken, Johann Eckstein aus Weigenhofen (Mittel­ franken), l»., l. Arm. Die Reservisten: Jos. Leid! aus Moos (Oberbayern), l. v., Johann Klemm aus Seeletnsbühl (Mittelftanken), l. v., Beinschuß, Georg Streng aus Nürnberg, l. v., Beinschuß, Johann Holzmann aus Forth (Mtttelftanken), l. v., r. Betn, Ludwig Ransbacher aus Trüppach (Oberfranken), I.»., Kopfschuß, Johann Ktttllnger aus Obersachsen (Mtttelfranken), l. v., l. Bein, Georg Voigt aus Bayreuth (Oberftanken), verm., Konrad Nehm aus Fürth (Mittelfranken), verm., Georg Büchner aus Unterlindelburg (Mtttelfranken), verm. 6. Kompagnie: Vtzefeldwebel d. Reserve Friedrich Lippert aus Fürth (Mtttelftanken), f. v., I. Arm. Unteroffizier Georg Rubenbauer aus Sulzdach (Oberpfalz), l. v., r. Arm. Unteroffizier d. Res. Peter Bina aus Fürth (Mittelftanken), l. v., r. Arm. Die Gefreiten: Johann Ascherl aus Schillern (Ober­ pfalz), f. v., Bauchschuß, Johann Karl aus Nasnitz (Oberpfalz), f. v., Brustschuß. Die Gefreiten d. Res.: Johann Knauer aus Fürth (Mtttelftanken), verm., Georg Hösch aus Nürnberg, verm. Die Infanteristen: Sixtus Doßler ans Fürth (Mtttelftanken), l. v., r. Bein, Karl Reiß aus Gunzenhausen (Mtttelfranken), l. v., Bein, Johann Völkl aus Waldeck (Oberpfalz), l. v., r. Betn, Xaver Ziereis aus Schwarzenfeld (Oberpfalz), l. v., l. Betn, Leonhard Strobel au» Ofternohe (Mittelftanken), f.v., Rückenschuß, Johann Zweck aus Sulzbach (Oberpfalz), f. v., Bauchschuß, Johann Krichbaum aus Berngau (Ober­ pfalz), f. v., Brustschuß, Andreas Schneider aus Neudeck (Oberpfalz), l. v,, I. Bein, Karl Flusty au» Konstetn (Mtttelftanken), l. v., Oskar Krämer aus Fürth (Mtttelftanken), verm, Hans Moßgöller aus Rothenburg (Mtttelftanken), verm., Konrad Wiefener aus Poppenreuth (Mtttelftanken), verm., Georg Besold aus Unterasbach (Mittelfranken), verm. Die Reservisten: Michael Flühr aus Nürnberg, verm., Johann Fotsinger aus Raitratn (Oberbayern), f. v., Brustschuß, Leonhard Kirllert auS Buch (Mittel­ franken), f.v.. Rückenschuß, Ludwig Schreyer aus Floßenburg (Oberpfalz), f. v., Bauchschuß, Josef Hermann aus Rohrbach (Oberpfalz), l. v., Kopfschuß, Daniel Hopfner aus Hirschau (Oberpfalz), l. v., Hals, Simon Höchster öü» Matnstockheim (Unterfranken), l. v., l.Arm. 7. Kompagnie: Leutnant Alois Wolferseder aus Deggendorf (Niederbayern), s. v., Kopfschuß. Gesretter Martin Roth aus Unterfürberg (Mtttel­ ftanken), l. v., Streifschuß am Kopf. Gefreiter der Reserve Christian Knödel aus Wittelshofen (Mittelfranken), L v., Beinschuß. Die Infanteristen: Christoph Wedel au» Fürth (Mtttelfrauken) s. v., Kopfschuß, Georg Geist aus Schwaig (Mtttelftanken), f. v., Schulter und Kinn, Johann Gtlch aus Moosbach (Oberpfalz) l. v., Beinschuß. Die Reservisten: Wilh. Rottner aus Vach (Mtttelfranken), s. v., Schulter, Ludwig Krempel aus Burglengenfeld (Oberpfalz), f.v., Kopfschuß, Michael Vogel aus Velden (Mittelfranken), f.»., Schulter, Nikolaus Rillhöfer au» Al­ feld (Mtttelfranken), l. v., Streifschuß am Kopf, Georg Meßner aus Hubmersberg (Mittelfranken), l. v., Arm, Leonhard Prottengeier aus Heroldsberg (Mittelftanke»), l. v., Arm, Friedrich Ritsch aus Gaelingen (Fttedland), verm., Friedrich Schlicht aus Nürnberg, verm., Matthäus Götz aus Deyerltng (Oberpfalz), verm. August Köhler aus Wetßenburg (Mtttelftanken), Lt>., l. Fuß, Lorenz Haber aus Wtndshelm (Mtttel­ franken), L v., l. Betn, Erhard Lotte» au» Stamm­ bach (Oberftanken), l. v., Hand. 8. Kompagnie: Gefteiter d. Res. Leonh. Geißler au» Fürth (Mtttelftanken), l. v., l. Arm, Tambour Johann Küspert aus Mühlbühl (Ober­ franken). verm. Die Reservisten: Thomas Feße aus Schwiegling (Mtttelfrauken), verm., August Wetdensammer aus Bayreuth (Oberfrauken), verm., Friedrich Sperk au» Buchklingen (Mittelfranken), verm. Die Infanteristen: Baptist Rugier aus Nasnitz (Ober­ pfalz), l. v., l. Daumen, Johann Prem aus Gmein»riüh (Oberpfalz), I. v., r. Mittelfinger. Reserve-JSger-Bataillo» Nr. 2. Gefteiter d. Res. Gotthard Weber aus Beckeu­ dorf, (Mederbayern), tot. Oberjäger d. Res. Chttstlan Hetnttch Barsch au» Themar, (Sachsen-Meiningen), l. v., L Hüfte. Die Jäger d. Res. Eduard Häßler aus Kaiserslautem, (Pfalz), l. v., l. Unterarm. Hetnttch Dietz aus Beratzhausen, (Mtttelftanken), s. v., r. Arm. Ludwig Lang aus Kusel, (Pfalz), f. v., L Schulter. Joseph Weimann au» Pirmasens, (Pfalz), f. v. I. Schulter. 5. Feld-Artillerie-Regiment. Reitende Abteilung, Stab: Fahrer d. Res. August Marhöfer au» Obernhetm, (Homburg,) l. v., Schulter. Fahrer d. Res. August Friedrich Graf au» Pirmasens, (Pfalz), l. v., Gesäß. Fahrer d. Res. Peter Mater au» Starkettshofen, (Oberbayern), f. v., Lenden, Schenkel, Hand. 1. reitende Batterie. Kanonier b. Ref. Rudolf Lang aus Erfwttler-Ehltngm, (Pfalz), l. v. Oberschenkel. Kanonier d. Res. Franz Mage» au» Kaiserslautem, (Pfalz), verm. 2. reitende Batterie. Bizewachtmetster Otto Schwarz aus Pölitz, (Greiz), L v., Rücke». Bizewachtmetster Karl Hermann au» Bllesmeugen, (Pfalz), f. v. Brust. Etnj. Gefteiter Max MeterGldton aus Mannheim, l. v., Arm. Die Kanoniere Ludwig Lang aus Kaiserslautern, (Pfalz), tot. Fmnz Sander aus Kaiserslautern, (Pfalz), tot. Karl Glöckner aus Schopp, (Pfalz), s. v, r. Arm. Otto Hitth au» Schwappach, (Pfalz), s. v,. L Betn. Karl Bester au» Kaiserslautern, (Pfalz), f. v., r. Bein. Chttstlan Gaubatz au» Pirmasens, (Pfalz), f. v., Arm und Bttn. Die Kanoniere d. Ref. Friedrich Schmitt aus Nekarsulm, f. v., Bein. Luitpold Diehl aus Eisenberg, (Pfalz), l. v., Betn. 3. reitend e Batterie. Unteroffizier Jakob Woock aus Kapsweyer, (Pfalz), f. v., Betn. Gefreiiter Ferdinand Stefan Bauer au» Frankenthal, (Walz), f. v., Bauch. ────────── Allerlei. Riesenbrand. In Adrtanopel (Türkei) fielen einem aus unbekannter Ursache entstandenen Brande etwa 700 Häuser zum Opfer. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Rege«, 28. Aug. (Verhafteter Ochsendieb.) Eisgeliefert in die hiesige Fronfeste wurde der Dieb, welcher dem Bürgermeister Baumann in Bruck ein paar Ochsen gestohlen haben soll. Es war der Htttensohn @lmer in Raindorf. Die Ochsen konnte» ihrem Eigentümer wieder zugefühtt werden. Grafen««, 28. August. (Brand.) Gestern mittags brannte das Anwesen des Bauern Johann Ranzinger (Seppnbauer) in Einberg ab. Die Familie ist vom Unglück stark verfolgt. Im Juni 1901 zündete der Blitz und äschette das ganze Anwesen ein. In der Frühe des 22. Juli 1911 wurde durch ruchlose Hand Feuer gelegt; damals brannte Stadel und Stallung nieder, auch verbrannte sämtliches Vieh oder es mußte infolge Rauchvergiftung ge­ schlachtet und dem Wasenmeister übergeben werden. Gestern ist wieder der fchöne Stadel mit der schon vollständig eingebrachte» Ernte und die Stallung etn Raab der Flammen geworden. Diesmal konnte das Vieh gerettet werden. Zwei Stück mußten ge­ schlachtet werden. Die Brandursache ist vorläufig »och unbekannt. ────────── —* Der dritte Verwund etentransp or t kam gestern hier an. Es war ein langer Zug mit Personen- und Frachtwägen. Letztere waren durch Strohbelag für Transportzwecke eingerichtet und mit gefangenen und verwundeten französischen Soldaten belegt. Auch in einem Personenwagen be­ fanden sich schwer verletzte Franzosen und mehrere französische Offiziere. Die Freiw. Ganitätskolonne trat in Tätigkeit und übernahm ca. 100 der Ver­ letzten, darunter 65 schwer verwundete, jedoch aus­ nahmslos deutsche Krieger, die in die Infanteriekaserne verbracht wurden. Die übrigen deutschen Verwundeten wurden durch die Herren und Damen vom Roten Kreuz gelabt und ihnen Limonaden, Tee, Würste und Brot gereicht und mit Zigarren, Scho­ kolade 2c. beschenkt. Auch den Franzosen, die seit morgens ohne Nahrung waren, wurde frisches Wasser und Brot gereicht. Die französischen Offiziere, die während des Zugsaufenthaltes im Wartesaale 1. Kl. interniert waren, konnten sich dort aus eigener Tasche verpflegen, während die deutsche Bewachungsmann­ schaft auch durch das Rote Kreuz gelabt wurde. Nach 7 Uhr setzte der Transportzug feine Fahrt wieder fort. —* Seiner Verletzung (Kopfschuß) er­ legen ist heute Nacht in dem Lazarett in der Ko­ lonnenhalle der mit dem gestrigen Verwundeten­ transport hier angekommene Infanterist Lorenz Kräher von Meitingen (Schwaben) eines ReserveInfanterie-Regiments. -* Ein Militärfriedhof wird in der neuen Abteilung des städtischen Friedhofes angelegt. In demselben werden die ihren Wunden erlegenen Krieger beerdigt. Der Friedhof soll durch gärtneri­ schen Schmuck geziert werden. —* Die Einberufung des Landsturms gilt nicht für die Landwehr, diese erhält noch be­ sonderen Befehl. —* Kriegsspenden. Unter den beim Magistrat hier eingegangenen Beträgen be­ finden sich seit 24. August folgende Spenden: 53 Mark die Beamten der Landesversicherungs­ anstalt (früher einbezahlt), 200 Mark Chiffre P, 40 Mark Arbeiterinnenverein, 30 Mark Gewerkschaftsverein, 500 Mark Kreistierschutz­ verein, 200 Mark Lokaltierschutzverein, 100 Mark vom Frauenverein vom Roten Kreuz (für die Angehörigen), 300 Mark vom Vete­ ranen- und Kriegerverein Landshut (in Pfand­ briefen), 100 Mark vom Schwaigerverein, 10 Mark von zwei Namenstagen, 150 Mark Ver­ einigung Landshnt Süd und West, sowie meh­ rere größere Beträge von ungenannt sein wol­ lenden Spendern. * Bei der Kreissammelstelle in der K. Residenz dahier sind eingegangen: a) an Liebesgaben: 877 Hemden, 386 Bein­ kleider, 864 Paar Socken, 343 Leintücher, 162 Bezüge, 115 Leibbinden, 277 Taschentücher, 404 Handtücher, 38 Kopfkissen und Oberbet­ ten, 59 Decken, 24 kleine und größere Ballen Leinwand, 20 Meter Oxfordhemdenstoff, 42 Paar Schuhe. Lebensmittel: viele Fruchtsäfte, Weine, Zigarren, Zigaretten. Schmuck: Ro­ senkranz, silberne Knöpfe, 1 Ring, 1 Kett­ chen. Verbandmaterial. Schlafröcke und Jakken: b) an Geldbeträgen: 1) von aus­ wärts 2007 Mark 75 Pfg., 2) von Landshut 671 Mark, 3) Ergebnis aus dem Verkauf von Eichenlaub 847 Mark 69 Pfg., 4) von Privaten 350 Mark. Außerdem zeigt sich der opfer­ willige Sinn der Landshuter Bürgerschaft in glänzendem Lichte darin, daß hiesige Werk­ meister auf Begleichung von Rechnungen für i in das Lazarett gelieferte Arbeiten im Betrage • von 618 Mark zu Gunsten des Roten Kreu- : zes verzichtet haben. Es wird unter bestem ; Dank für das Geleistete um weitere Gaben ge- beten. { —* Fleischpreise und Ver minde- j rung des Viehstandes betr. wird auf die | Bekanntmachung des K. Bezirksamtes Lands- ! Hut in der heutigen Nummer unseres Blat­ tes verwiesen. —* Unter d en Liebesgaben für unsere Krieger werden vor allem Rauch- und Schnupftabak, Zigarren, auch Dauer- unb Hartwürste, wie Haurgrräuchertes, vermißt. Es wird gebeten, gerade diese Gegenstände, die von unseren Landessöhnen sehnlichst ; erwünscht sind, in erster Linie und in großen Mengen ! spenden zu wollen. j —* Auskunft über Heeresange-, hörige. Das Kriegsministerium gibt bekannt: —® Der Kreisverband niederbay. Ob st bauvereine erließ an die Bezirksobst­ bauverbände und Obstbauvereine einen Auf­ ruf, die Mitglieder derselben möchten Obst und Gemüse das in frischem Zustande nicht ver­ wertet werden kann, durch Einkochen und Trocknen haltbar machen. Praktische Anwei­ sungsungen hierüber erteilt bereitwilligst Herr Kreisobstbaulehrer Grill in Deggendorf. Eben­ so werden unsere niederbaherischen Garten­ besitzer aufgefordert, ebenfalls dem guten Bei­ spiele der anderen Kreise zu folgen. Jeder Bezirksverband solle mit den ihm angegliederten Obstbauvereinen Sorge treffen, daß die Mit­ glieder und Gartenbesitzer einen Teil ihrer Ernte an Obst -und Gemüse, sowie an Kon­ serven und Dörrproduktion den kranken und verwundeten Kriegern, wie auch deren hilfsbe­ dürftigen Hinterbliebenen zuweisen möchten. Die Bezirksverbände sollen zu diesem edlen Zwecke mit ihren Vereinen in Fühlung treten, und sich von selben mitteilen lassen, welche Mengen und Arten von Obst, Gemüse und anderen Obstprodukten kostenlos zur Verfü­ gung gestellt werden könnten. Die Bevölkerung wird ersucht, Anftagen über den Verbleib von Angehörigen, die im Felde stehen, nicht an das Kriegsministerium sondern an das Nachweis­ bureau im Kriegsminifterium, Eingang Ludwigstraße, München zu richten. Das Kriegsministerium selbst ist nicht in der Lage, über Heeresangehörige Aus­ kunft zu erteilen. »Vermißt". Zur Beruhigung des Publi­ kums hinsichtlich des in den Verlustlisten vorkommen­ den Vermerks "Vermißt" möge aus folgendes hin­ gewiesen sein: Die in die Verlustliste übergehende Meldung eines Truppenteils, et%e Person werde "vermißt", besagt lediglich, daß diese Person zur­ zeit der Meldung sich nicht bei ihrem Truppenteil befand und diesem auch über ihren Verbleib nichts bekannt war. Dies berechtigt aber noch nicht ohne weiteres zur Annahme, daß der "Vermißte" etwa in die Gefangenschaft des Feindes geraten wäre Es kann vielmehr bet jedem Gefecht begegnen und begegnet bei größeren Gefechten häufig, daß Leute von ihrem Truppenteil aus irgend welchen Ursachen abgesprengt werden und ihn erst nach längerer Zeit, unter Umständen erst nach Tagen wieder finden. Ferner muß damit gerechnet werden, daß Verwundete häufig in ein Lazarett verbracht werden, ohne daß ihr Truppenteil sofort hievon Kenntnis erlangt; dann werden sie von ihrem Truppenteil als "vermißt" betrachtet und erst nach einiger Zeit ergibt sich aus den Lazarettmeldungen, daß sich der »Vermißte" in Wirklichkeit in irgend einem deutschen Lazarett be­ findet, wo jeder der besten Pflege ver sichert sein darf. In allen Fällen wird die Richtigstellung der Sachverhalts selbstverständlich mit ' der größtmöglich­ sten Beschleunigung herbeigeführt und bekannt gemacht. ────────── Letzte Posten. Die Ueberführung der Leiche des Erbprinzen Luitpold von Bayern von Berchtesgaden nach München erfolgte am Samstag abends. Um 6 Uhr 20 Nr. 235. Min. lief der Sonderzug mit der Leiche des Prinzen im Hauptbahnhofe ein. Die Fahnen in der Stadt waren auf Halbmast gehißt. Un­ ter Trauergeläute erfolgte die Ueberführung in die Theatinerhofkirche, wo der König, die Königin und der K. Hof die Leiche erwarteten. Der König legte seinem Enkel einen Blumen­ strauß auf den Sarg, um den sich alsbald herr­ liche Kranzspenden türmten. Leibgarden und Unteroffiziere des 1. Feldartillerieregiments nahmen in dem stillen Raum die Totenwache. Eine Dnm-Dum-Maschline. Berlin, 30. August. (Wolffbüro.) In Longwy ist eine maschinelle Einrichtung vor­ gefunden worden, die dazu dient, Gewehr- und Karabinergeschosse oben abzuplatten und mit einer von der Spitze ausgehenden trichter­ förmiger Ausbohrung zu versehen. In den Taschen französischer Und englischer Gefangener fand man bereits zahlreiche Dum-Dum-Geschosse, d. h. Hohl- oder Bleispitzengeschosse. Durch die Entfernung eines Teiles der aus Hartmetall bestehenden Geschoßmantelspitze tritt beim Aufschlagen der weichere Geschoßkern nach vorne, schlägt sich breit und verursacht be­ sonders grausame, mit unnötigen Leiden ver­ bundene Verwundungen. Deutschland sieht sich genötigt, mit allerschärfsten Maßregeln vor­ zugehen, wenn diese durch das Völkerrecht (ver­ gleiche insbesondere Artikel 23, Abs. 1, e der Haager Landkriegsordnung) verbotenen Ge­ schosse noch weiter verwendet werden sollten. ────────── Handel und Verkehr. Landshut, 28. Aug. (Kleinvieh mar kt.) Es wurden zugetrieben: 23 Kälber, 20 Schweine, 89 Spanferkel. Preise: Kälber lebend 45—48 dl., tot — dl., Schweine lebend *- dl., tot 70—75 dl. per Pfund, Spanferkel 25—35 Mark per Paar. München, 29. Aug. (Vieh mar kt.) Bericht vom 22. bis 28. Aug. Preise per 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: 1. Qualität 57—61, österr. 00- 00, Holland. 00—00, 2. Qual. 53—56, österr. 00—00, holl. 00—00, 3. Qual. 48—52, österr. 00—00, schweb. 00—00, 4. Qual. 42—47, österr. 00—00, schweb. 00—00, 5. Qual. 35—41, österr. 00—00. Bullen: 1. Qual. 42—45, 2. Qual.» 38—41, 3. Qual. 32—37;Kühe u. Kalbinnen: 1. Qual. 46—53, 2. Qual. 43—48, 3. Qual. 37—42, 4. Qual. 30—36, 5. Qual. 17—29; gering genährtes Jungvieh: 26—31; Kälber: feinste 48—52) mittlere 41—47, geringe 32—40* Schafe: Stallmastschafe, Mastlämmer und jüngere Masthammel 00—00, ältere Masthammel 00—00, mäßig genährte Hammel—, gering. Lämmer 00—00; Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 40—50, vollfleischige von 120 bis 150 Klgr. 40—50, von 100 bis 120 Klgr. 42—51, von 80 bis 100 Klgr. 40—52, dto. unter 80 Klgr. 40—52, Sauen 00 bis 00, Bratenschweine 46—52 Mk. Preise per 50 Klgr. Schlachtgewicht: Bullen 2. Qual. 67—70, 3. Qual. 00—00, Kälber: feinste 60-65, mittlere 52—58, geringe 45—51; Schafe: Mast­ lämmer und jüngere Masthammel 61—68, ältere Mafthammel 00—00, mäßig genährte Hammel und Schafe 00—00; geringere Lämmer und Schafe 38 - 60. Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 00—00, vollfleischige von 120—150 Klgr. 54—66, von 100 bis 120 Klgr. 54—67, von 80 bis 100 Klgr. 54—67, unter 80 Klgr. 40—68, Sauen 00—00, Bratenschweine 58—68 Mk. — Gesamtzufuhr: 2356 Großvieh, aus dem Auslande —, und zwar — Ochsen (darunter — aus Schweden und — aus Oesterreich), — Bullen (darunter — aus Oesterreich), — Kühe (darunter — aus Dänemark und — aus Oesterreich), — Jungrinder (— aus Oesterreich), 3847 lebende und 180 tote Kälber, 4775 lebende und 4959 tote Schweine, 21 lebende und 151 tote Schafe und Ziegen, 595 lebende und 417 tote Lämmer, Spanferkel und Kitze. Nach Auswärts wurden — Stück Großvieh und ' — Schweine. Marktverlauf: Großvieh: unverändert, gute Qualität gesucht; Kälber und Schweine: nachgebend; Schafe: unverändert. Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Verantwort!. Redakteur F. X. Wagner, Landshut. ────────── Bekanntmachung. Fleischpreise und Verminderung des Viehstandes detr. Die Versorgung der Truppen, sowie der im Lande zurückbleibenden Bevölkerung mit Fleisch ist zurzeit eine der wichtigsten Aufgaben unserer Land­ wirte. Glücklicherweise ist der Ausfall der Ernte Heuer in jeder Hinsicht befrie­ digend, sodaß diese Aufgabe auch erfüllt werden kann. Die Heuernte war gut und dasselbe gilt auch für die bereits begonnene Grummeternte. Die Körnerfrüchte sind gut eingebracht worden und im Ertrag größtenteils sehr befriedigend. Sehr gut stehen die Weiden. Wenn nicht unvor­ hergesehene Witterungsverhältnisse eintreten, wird ein großer Teil unseres Viehes bis spät in den Herbst hinein auf den Weiden gut und billig ernährt und das Rauhfutter für den Winter aufgespeichert werden können. Die für die Schweinehaltung so wichtige Kartoffelernte wird voraussichtlich sehr gut werden, sie wird zu den besten der letzten 40 Jahre gehören. Auch die Rüben, die in der Ernährung der Rinder und Schweine eine erhebliche Rolle spielen, versprechen eine sehr gute Ernte. Aus all dem geht hervor, daß die Grundlagen für eine intensive Entwicke­ lung unserer gesamten Viehzucht in hohem Maße gegeben sind. Erfreulicherweise zeigen unsere Viehbestände nach den letzten Zählungen eine nicht unerhebliche Steigerung, ja man kann sogar von einer Ueberfüllung mancher Stallungen sprechen. Die Folge war denn auch, daß sich Ende Juli ds. Js. im gesamten Viehhandel ein flaues Geschäft geltend machte, sodaß die ' Gefahr einer Einschränkung der Viehhaltung nahelag und Klagen über Rückgang der Viehpreise, namentlich der Schweinepreise, Unoerkäuflichkeil von Vieh x. x. an der Tagesordnung waren. Mit Beginn des Krieges haben die Preise — ausgenommen die der Kälber — etwas angezogen, namentlich sind die Preise für Ochsen, die als Ersatz für die vom Militär beanspruchten Pferde zu dienen haben, gestiegen. Diese Preissteigerung wird wahrscheinlich anhalten, auch wenn die Feldbestellung im Herbste vorüber ist. Wenn zurzeit auch alle Vorbedingungen für eine gute Weiterentwicklung unserer Tierzucht gegeben sind, so liegt doch die Gefahr nahe, daß durch die Berufung vieler Landwirte zu den »Waffen und durch das Be­ streben lebendes Kapital in Geld umzuwandeln, vielleicht auch infolge einsetzen­ der Spekulation x x. eine Verringerung unserer Viehbestände eintritt, die von unheilvollen Folgen für Heer und Bevölkerung begleitet sein muß. Es ist daher heiligste Pflicht unserer Landwirte während des Krieges die Viehhaltung nicht nur weiterzuvetreiben, sondern sie so­ gar noch zu vermehren. Dies gilt insbesondere für jene Viehgattung, die uns am schnellsten große Mengen Fletsch liefert, das Schwein. Um einen Rückgang der Zucht und eine kopflose Verschleuderung unserer Viehbestände hintanzuhalten, empfiehlt sich für unsere Landwirte folgende Maß­ nahmen durchzuführen: ^ I. Hebung des Futterbaus und richtige Einteilung der Futtervorräte. Wenn auch die Futterernte bis jetzt sehr günstig ausgefallen ist und auch die Aussichten auf die noch zu erwartende Ernte sehr erfreulich sind, so empfiehlt sich doch mit den Vorräten "haushälterisch" umzugehen. Es darf nicht vergessen werden, daß die Einfuhr von Brotgetreide, von Vieh, Fleisch und Eiern, beson­ ders aber von Gerste nach Deutschland, die 53% des gesamten Verbrauchs im Inland ausmachte, in Wegfrll kommt. Die zur Zucht bestimmten Tiere sollen in einem entsprechenden Nährzustand erhalten werden; jede Uebernährung ist eine Kapitalverschweniung. Es kann viel Futter hiedurch erspart werden. Das Jungvieh und die Zuchtschweine sollen möglichst lange auf der Weide gehalten werden. Zuchtkälber lasse man tunlichst lange an dem Muttertier. Das anfallende Stroh sollte, wenn irgend möglich, zur Fütterung heran­ gezogen werden. Als Streu kann Waldstreu, Torfstreu, Sägemehl, Sand, Moos. Heidekraut usw. verwendet werden. Empfehlenswert ist ferner die Ansaat von Senf und Stoppelrüben. Der Mais, dessen Berfütterung sehr oft so lange hinausgeschoben wird, daß ganze Felder durch Fröste vernichtet werden, ist so frühzeitig zu füttern, daß sein Nährwert noch ausgenützt wird. Von ganz besonderem Wert ist es, unsere Kartoffelernte und Rübenernte für die Schweinezucht und Mast richtig auszunützen. Wir dürfen nicht ver­ gessen, welche hervorragende Rolle die russische Gerste in den letzten Jahren in unseren Kraftsuttermehlen gespielt hat. An ihre Stelle mutz unsere einheimische Kartoffel trete». Sorgen wir daher, sie möglichst gut zu ernten und möglichst lange zu erhalten durch sorgfältiges Einmieten oder Trocknen in einer Kartoffeltrocknungsanlage, wie wir sie in Altheim besitzen. Ein recht brauchbares Schweinefutter bilden neben den Kartoffeln und Rüben auch Streu, besonders Roggen- und Weizenstreu, ebenso Wiesen-, Kleeund Luzernenheu mit heißem Wasser angebrüht. Im heurigen Jahre kann auch Abfallobst als Beifutter verwendet werden. II. Durchführung züchterischer Maßnahmen. Von größter Bedeutung ist die Sicherung des Fortbetriebes unserer Vieh­ zucht. Hier wäre ein Stillstand gleich einem Rückgang und der Schaden nicht nur ein momentaner, er würde sich vielmehr auf Jahre hinaus in der Volks­ ernährung und in der Rente des Landwirtes geltend machen. Erste Bedingung ist Erhaltung der männlichen Zuchttiere und der leistungsfähigen Muttertiere. Niemand taffe sich durch die Einberufung des Bullenhallers oder des Stallpersonals oder um sich eine momentane Ein­ nahmequelle zu verschaffen, bestimmen, den Bullen abzuschaffen. Sehr wichtig ist auch, daß die weiblichen Zuchttiere nach erfolgtem Abkalben oder Abferkeln möglichst bald wieder belegt werden • und die gesunden und leistungsfähigsten weiblichen Zuchttiere erhallen bleiben. Kein vernünftiger Landwirt wird seine beste Milchkuh oder sein bestes Mutterschwein verkaufen, solche Tiere müssen den eisernen Bestand des Landwirtes bilden. Alle gesunden Kälber müffen aufgestellt werden. Hierauf mutz ganz besonders hingewiesen werden; denn in letzter Zeit hat die Abgabe von Kälbern derart überhandgenommen, daß die größere» Schlachtviehmärkte koloffall überstellt waren «nd die Preise ans 26—28 Pfg. per Psd. zurückfielen. Bor einer derartigen Ver­ schleuderung kan« nicht eindringlich genug gewarnt werden. Die Abgabe halbausgemästeter Schweine sollte aufhören und nur Schweine im Gewicht von 2(00—250 Pfund wären abzugeben. Schon aus finanziellen Gründen allein ist den Landwirten zu raten, die Schweinezucht und Mast mit Hochdruck zu betreiben, den beide werden auf Jahre hinaus rentabel sein. Mit diesen wenigen Maßnahmen ließe sich schon sehr viel erreichen, wer irgend in der Lage ist, auch nur einen Teil davon zur Durchführung zu bringen, möge dies tun. Die Landwirte haben jetzt Gelegenheit ihr Können und ihren guten Willen, die Ernährung der Bevölkerung aus eigener Kraft zu vollziehen, zu zeigen. Jeder kann zum Gelingen des großen Werkes beitragen. Landshut, den 26. August 1914. K. Bezirksamt. I. V. Kaufmann.