Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1914-09-17. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 67. Jahrgang Nr. 252, 1914-09-17. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 67 Nummer 252 17. September 1914 ────────── offiziell der chinesischen Regierung den Aus­ bruch einer Revolution in Indien. Japan, um militärischen Beistand in Indien ersucht, hat Hilfe zugesagt, aber unter schweren Bedin­ gungen: Freie Einwanderung in den britischen Besitzungen im Stillen Ozean, eine Anleihe von 200 Millionen Dollars und freie 'Hand itt China. England hat diese Bedingungen angenommen. Der deutsche Gesandte -in Ko­ penhagen hat dieser gleichen Mitteilung noch folgendes hinzugefügt: Die Engländer befürch­ ten einen türkischen Angriff auf Aegypten. Tie indischen Truppen, 40—50 000 Mann stark werden seit 25. August erwartet, sind aber noch nicht eingetroffen. Von einem in Kairo lebenden Wiener ist, wie dem ,,Berl. Tagbl." aus Wien gemeldet wird, auf Umwegen ein vom 4. September datierter Brief eingetroffen, in dem es heißt: Die Lage in Kairo ist sehr ernst. Fortwährend finden Revolten auf of­ fener Straße statt, sodaß man des Lebens nicht mehr sicher ist. Die Regierung hat sehr ernste Maßregeln getroffen. Wahrscheinlich wird das Standrecht verhängt werden. Seit dem 13. Au­ gust haben wir keine Zeitungen mehr aus der Heimat erhalten,' sie kommen wohl an, werden aber in Alexandrien verbrannt, damit die Be­ völkerung die wahren Tatsachen nicht erfährt. Das Geschäft ist abgestorben. Fkugzeugmotore für Japan. Stuttgart, 16. Sept. Der Württem­ bergische Staatsanzeiger schreibt: Anfang Juli erhielten die Daimler Motorenwerke in Un­ tertürkheim den Besuch von Vertretern der japanischen Regierung. Sie sprachen von einer Lieferung von 400 Flugzeugmotoren, die Ja­ pan zu vergeben habe. Die Japaner wollten vor allem die kürzeste Frist wissen, in wel­ cher diese Zahl von Jlugzeugmotoren herge­ stellt werden könnten. Die Frist, die der Ver­ treter Japans für die Lieferung von 400 sol­ cher Motoren vorschrieb, war so knapp, daß die Daimler Motorengesellschaft der Sache nicht näher treten konnte, zumal die Werke zu je­ ner Zeit außerordentlich stark beschäftigt wa­ ren. Es ist also in dieser Angelegenheit über eine unverbindliche Vorbesprechung nicht hin­ ausgekommen. Jetzt wird män sich aber un­ willkürlich fragen, wozu Japan es mit der Lieferung einer so großen Zahl von Flug­ zeugmotoren damals so ungeheuer eilig hatte, doch der Gedanke liegt nahe, daß Japan schon Anfang Juli mit der Suche nach Flugzeug­ motoren Rüstungszwecke verfolgte. ────────── des Geldes fehlte? — Ein hilfloser Tor wäre ich, der sein Liebstes unrettbar verlieren müßte! Aber komm, setze Dich! Niemals kamst Du mir gelegener als heute, denn nun können wir gemeinsam den bequemsten und zugleich male­ rischsten Weg aussuchen, der über die Alpen in die Heimat der Orangen und Zitronen führt!" Er schob seinen Arm in den des Bruders und wollte ihn mit sich fortziehen, doch Her­ bert ließ es nicht dazu kommen. "Laß gut sein, (Senta," sagte er mit fester Stimme. "Ich bin gekommen, um Ernstes mit Dir zu besprechen, und wenn es mir auch! schwer fällt, gesagt muß es werden; deshalb lieber gleich, lieber mit ein paar einfachen Worten, die Dir den Sachverhalt klar machen! Schlage Dir diese projektierte Reise in den Süden aus dem Sinn, mein Junge! Du kannst sie nicht unternehmen, weil ein solches Ver­ gnügen Geld, viel Geld kostet; wir aber sind arm, arm wie früher!" Entsetzt starrte Eugen den Bruder an. Es lag für ihn außer jedem Zweifel, daß Herbert krank war, 2>aß er 'im Fieber sprach, oder, was schlimmer war, an einer Wahn­ vorstellung litt, und noch immer nicht recht wissend, was er von dieser seltsamen, unglaub­ würdigen Erklärung halten sollte, suchte er sich zu fassen, um dem anderst nichts von seinem Schreck merken zu lassen. "Ich verstehe Dich nicht, Herbert!" ver­ suchte er Jo ruhig wie möglich zu erwidern un d'zwang sogar ein blasses Lächeln aus seine Lippen. "Der Doktor drängt zu dieser Reise, er findet, daß Eljens geschwächter Organismus der hiesige Herbst nicht zuträglich ist. Da aber mein Urlaub in den nächsten Tagen abläuft, rät er mir, ihn entweder zu verlängern oder, da das schwerlich länger als ein paar Wochen möglich sein wird, meinen Abschied zu nehmen, auf jeden Fall aber so bald als möglich- zu reisen!" "Und wovon wollt Ihr leben, wenn Du wirklich, tote Dein Arzt Dir rät, den Dienst quittierst?" "Wieso wovon? — Ich denke, Lilienkron bringt immerhin Einkünfte, außerdem besitzen wir einiges Barvermögen, und —" "Wir besitzen nichts, — nichts, verstehe mich recht!" unterbrach Herbert ihn leidenschaft­ sich- und begann erregt durch das Zimmer zu stürmen. "Unser Reichtum war ein Hohn, das Schicksal ^erlaubte sich einen schlechten Scherz mit uns, machte uns auf einen Tag zu Krö­ sussen, damit wir am anderen die Last unserer Armut um so mehr empfänden! — Alles war nur ein Traum, Genia, an den Gedanken müs­ sen wir uns gewöhnen! Mir — ist er nicht, schrecklich, aber für Dich wünschte ich, es wäre anders! Doch was hilft das? Gegen das Un­ abänderliche kämpft der Mensch vergeblich, und — wenn wir auch arm sind, unsere Ehre bleibt unbefleckt!" Er legte beide Hände auf Eugens Schul­ tern und blickte ihm ernst in die Augen. Der andere hatte endlich die Erstarrung, die sich beim Anhören dieser verworrenen Reden seiner bemächtigte, so weit überwunden, um wieder ein Wort über die Lippen bringen zu können. "Was sprichst Du, Herbert?" fragte Eugen und schüttelte in zorniger Leidenschaft die Hände seines Bruders von seinen Schultern. "Weshalb schreckst Du mich gerade heute mit Worten, die nicht wahr sein können, denn ich — ich darf nicht arm fein, heute weniger denn je! Ich habe ein anderes Leben an das meine geleitet; dieses Leben braucht zu seiner Erhal­ tung Sonnenschein, braucht Licht und Blumen, und welkt, wenn ich ihm das alles nicht bieten kann! Arm sein! Mir graut vor dem bloßen Wort! Wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Du nur ein grausames Vergnügen daran findest, mich mit diesen unmöglichen Dingen zu quälen, ich — verlöre den Verstand!" (Fortsetzung folgt.) ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie Frauen und Kinder von Salles. Das "Berliner Tageblatt" meldet aus Straßburg i. Elf.: Die von den Franzosen entführten Frauen und Kinder deutscher Zoll- beamtet in Salles sind durch deutsches Eint greifen freigelassen worden, leiden aber noch | seelisch stark unter der erlittenen unwürdigen ] Behandlung. Ein fünfjähriges Kind ist den 1 Strapazen erlegen. In St. Die wurden die Frauen 16 Tage lang ohne die geringste hy­ gienische Einrichtung eingesperrt. Die Franzosen als Giftmischer. Berlin, 16. Sept. Generalmajor Freiherr von L., Kommandant einer Kavalleriebrigade, über­ reichte am 5. September vormittags der chemischen Untersuchungsstelle beim Sanitätsamt seines Armee­ korps einen Rest von Kaffee, nach deffen Genuß er | sofort unter Vergiftungserscheinungen erkrankte. L. | erhielt den Kaffee in einem französischen Dorfe in | der Nabe von Luneville. Die Untersuchung ergab ] zweifelsfrei, das der Kaffee arsenige Säure, von der I sich ein Teil in Pulverform am Boden der Flasche jj befand, enthielt und zwar in einer Menge, die ge| nügte, um den Tod eines Menschen herbeizuführen. I Der Generalmajor wurde inzwischen wieder hergestellt. | Die Not in Antwerpen. | Ein Mitarbeiter schreibt im "Tag" aus RosenI daal: Gestern hatte ich Gelegenheit, mich mit einem j aus Lüttich gebürtigen Belgier zu unterhalten, der s mit deutschen Pässen die Reise nach Antwerpen unterI nommen hatte, um seinen dort befindlichen Sohn, I der bei der belgischen Kavallerie dient, zu besuchen. | Mein Gewährsmann, der seinem Unwillen über die ! belgische Regierung Lust machen wollte, erzählte mir \ folgendes r I Entgegen den Darstellungen der Antwerpener | Presse ist die Stimmung daselbst sowohl unter den | Soldaten als auch unter der Zivilbevölkerung sehr t gedrückt. Alle bemittelten Familien haben nach den ) Bombenwürfen durch den Zeppelin die Stadt flucht1 artig verlassen, und unter der zurückgebliebenen armen i Bevölkerung herrscht eine unbeschreibliche Not. Der r Mangel an Nahrungsmitteln ist um so fühlbarer, als | in den letzten Tagen viel armes Volk aus der Umf gebung in die Stadt flüchtete. Die Stadtverwaltung • ist nicht mehr in der Lage, für die Notleidenden zu sorgen, so daß die Verhungerten in den Soldaten1 küchen gespeist werden müssen. — Ueber die Stim| mung unter der Besatzung befragt, antwortete der I Belgier: Nachdem in Antwerpen endlich bekannt ge> worden, daß der Widerstand der belgischen Truppen j im ganzen Lcande gebrochen ist, ist das BefatzungsHeer mehr oder minder demoralisiert. Die Soldaten j lind davon überzeugt, daß sie die Zahl der Opfer ; des Krieges ohne jeden Nutzen vergrößern und daß | sie ihr Blut nutzlos vergießen. Sie gehen nur mit \ Widerstreben in den Kampf, ja, sie werden von ihren I Führern hineingetrieben. In ganz Antwerpen geht ! das Gerücht von Mund zu Mund, daß König Albert, I der seit mehreren Tagen nicht mehr zu sehen, ist die ! Flucht ergriffen habe. Ein interessantes Dokument übet die Plünde­ rungen der Franzosen. Berlin, 16. Sept. (Nichtamtlich.) Un­ seren Truppen fiel folgender Befehl des Kom­ mandanten der ersten französischen Armee in die Hände, der in deutscher Uebersetzung lautet: Es ist dem Oberbefehlshaber der ersten Ar­ mee durch die Stadtbehörde von Rambervillers zur Kenntnis gebracht worden, daß sich die Soldaten in dieser Stadt zu Akten der Gewalt­ tätigkeit und der Plünderung haben hinreißen lassen. Diese Handlungen sind umso bedauer­ licher und verwerflicher, als sie auf franzö­ sischen Boden begangen wurden. Der komman­ dierende General des 21. Armeekorps wird sofort eine Untersuchung dieser Angelegenheit einleiten, damit die Urheber der Verbrechen dem 'Kriegsgericht übergeben werden können. Gez. Dubail. — Mit diesem Dokument wird die besonders bei unserer kronprinzlichen Armee gemeldete Wahrnehmung, daß die französischen Truppen sogar in eigenem Lande plündern und rauben, von amtlicher französischer Seite bestätigt. ────────── Dse nervösen Pariser. Einer der Pariser Korrespondenten des Mailänder "Corriere", der mit Bewilligung des Militärkommandos auf seinem Motorrad eine Inspektionsreise in die Umgegend von Paris gemacht hat, gedenkt unter andern auch der folgenden tragikomischen Szene: "Auf dem ersten Seitenwege, der sich öffnet, biege ich von der Straße ab, um im Schatten weiter zu fahren, als ich plötzlich die Spitze eines Ba­ jonetts unmittelbar vor mir sehe. Selbstver­ ständlich halte ich sofort an und erwarte den etwas angejahrten Unterleutnant, augenschein­ lich einen Reserveoffizier, der herbeieilt. Dem Mann springen vor Entsetzen fast die Augen aus dem Kopse, und mit vor Erregung zittern­ der Stimme fragt er den Soldaten, ob er sein Gewehr auch geladen habe. Ich bücke mich vom Rade herab, um am Pedal etwas in Ordnung zu bringen. "Rühren Sie sich nicht von der Stelle!" brüllt der erschreckte Offizier, während er entsetzt zwei Meter zurückspringt. Ich kreuze gemütlich die Arme über der Brust und erkläre ihm, was meine Absicht ist, und wer ich bin. Als ich endlich die Erlaubnis erhalte, mich zu rühren, zeige ich ihm meine Visitenkarte. Ter Offizier hält sie in der Hand, wendet kein Auge von mir und befiehlt dem Soldaten, Z mich nicht eine Sekunde unbeaufsichtigt zu las- i fen. Ich hole eine zweite Karte aus der Tasche, f die mir von General Arrivet mitgegeben wurde. Dem Mann ist auch damit nicht gedient. Er kann sich nicht erklären, daß ich von einer Seite gekommen bin, auf der die Deutschen stehen. Alle meine Erklärungen können sei­ nen Verdacht nicht beschwichtigen. Schließlich befiehlt er dem (Soldaten, mich zum Hauptmann zu führen, der mich schon vorher gesehen hat, der mich sofort frei läßt und mir lächelnd er­ klärt, weshalb der Leutenant so erschrocken war. Am frühen Morgen hatte sich nämlich in Marly ein Panzerautomobil der Teutschen gezeigt, das bis aus wenige Meter herange­ fahren war, auf die Soldaten ein Feuer er­ öffnet hatte und unter dem Kugelregen der das Feuer erwidernden Soldaten unbeschädigt da­ vongefahren war. So kam es, daß der aufge­ regte Leutenant in mir einen Teutschen, in meinem Staubmantel ein Panzerhemd und in meinem Motorrad irgendein teuflisches Höllen­ instrument gesehen hatte. Ich fahre nach Paris zurück durch ein dichtes Netz von Truppen, durch Dörfer, die völlig von ihren Bewohnern verlassen sind. 'In Fontenay habe ich z. B. nur eine cklte Frau gesehen, die vor ihrem Häuschen sitzend, ein Huhn rupfte. Aus meine Frage stellte sie sich taub und setzte, ohne den Mund zu Vffnen, ihre Arbeit fort. Sie hielt es augenscheinlich für einen taktischen Kniff, sichl dem Fremden gegenüber blödsinnig zu stellen. Vergebens habe ich mich auf der langen Fahrt bemüht, irgend etwas zum Essen und Trin­ ken zu kaufen. Es blieb mir nichts weiter übrig, als im Schatten eines mit reichen Bir­ nen schwer beladenen "Baumes dem Beispiel der unter ihm lagernden Alpenjäger zu fol­ gen und die saftigen Früchte vom Baume zu stehlen, ehe sie den Deutschen in die Hände fielen." ────────── Tages-Uebersicht. Die Kriegsanleihe. An der Berliner Börse wurde mitgeteilt, daß die Beteiligung an der Zeich­ nung auf die Kriegsanleihe äußerst rege ist und sich auf alle Schichten der Bevölkerung erstrecke. Man dürfe mit Sicherheit auf ein glänzendes Er­ gebnis rechnen. 5 Millionen-Anleihe. Die Bürgerschaft in Hamburg bewilligte weitere 5 Millionen zur Bestreitung von aus den Kriegsverhältnissen erwachsenden außerordentlichen Ausgaben und 2 Millionen zur Erhöhung des Fonds für den Anleihenzinsendienst sowie 950 000 Mark zur Ausführung von Arbeiten auf dem zur Er­ weiterung des Ohlsdorfer Friedhofes erwor­ benen Gelände. Der Lehrer als Goldsammler. Ein nachahmenswertes Beispiel nationaler Gesinnung wird dem "Oranienburger Generalanzeiger" mitge­ teilt. In ein dortiges Bankhaus kam dieser Tage der Lehrer Hahn aus Stolzenhagen und brachte mehrere tausend Mark in Gold mit der Bitte, ihm die Summe in Papiergeld einzutauschen. Auf die Frage, wie er zu dem Golde gekommen sei, erklärte der Lehrer, daß er es aus eigenem Antriebe über­ nommen habe, in seiner Gemeinde das zurückgehaltene Gold einzusammeln. Es hätte nur dieser kleinen Anregung bedurft, um eine verhältnismäßig große Menge Goldes dem Dienste der Rekchsbank nutzbar zu machen. Dieses Beispiel legt Zeugnis davon ab, welche Summen Goldes noch heute besonders von den kleinen Leuten zurückgehalten werden, anstatt daß man sie zur Stärkung des Goldschatzes der Reichsbank überweist. Amerika und Mexiko. Aus Washington wird gemeldet: Die amerikanischen Truppen erhielten den Befehl, sich aus Veracruz zurückzuziehen. (Nicht amtlich.) ────────── Hafen verlassen hatte, abends 8 Uhr 41 Minuten wieder ln München eingetroffen. Seine Majestät der König hat an den Reglerungsprästdenten der Pfalz nachstehendes Hand­ schreiben gerichtet: Mit Genugtuung habe Ich in diesen Tagen persönlich gesehen, welche gute und umfaffende Einrichtungen in der Pfalz, dem durch die Kriegsereigniffe zunächst betroffenen Landesteile, von Gemeinden. Korporationen und Privatpersonen zur Fürsorge für unsere verwundeten tapferen Sol­ daten und für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer in das Leben gerufen worden sind. Indem Ich allen, die hieran in opferwilliger Weife mitgewirkt haben, Meinen Dank und Meine volle Anerkennung ausspreche, stelle Ich hiemit eine Spende von zehn­ tausend Mark zur Verfügung und ersuche Euere Exzellenz, diese Summe dem Roten Kreuz und den Fürsorgeeinrichtungen der Pfalz zuzuwehen. Die I. Hofkaffe ist zur Auszahlung des Betrages ange­ wiesen. Schloß Ludwigshöhe, den 16. Sept. 1914. Ludwig. Eine Million Kriegsanleihe hat das Deutsche Museum-München aus feinen verfügbaren Mitteln gezeichnet, um auch hierdurch den vaterländischen Jntereffen soweit irgend möglich zu dienen. Der Bayer. Landwirtschaftsrat hält am Donnerstag, den 24. ds., in München eine Sitzung ab. Die Verlustliste Nr. 12, die heute ver­ öffentlicht wird, nmfaßt das 1. Bataill. des 12. Jnf.Regts. (Neu-Ulm) und weißt 494 Namen auf. Dar­ unter sind tot: 99, schwer verletzt: 124, leicht ver­ letzt: 245, vermißt: 26. Gefallene, verwundete und vermißte Bayer». Die im "Reichsanzeiger" veröffentlichte preußische Verlustliste Nr. 23 enthält die Namen folgender Bayern: Jnf.-Regt. Nr. 30, Saarlouis, 5. Komp.: Musketier Franz Dafchner aus Stadtamhof, vermißt; Gefreiter Heinrich Senft aus Bamberg, vermißt; 6. Kompagnie: Gefreiter der Reserve. Christian Karg aus Frankenthal, vermißte Reserve-Juf.-Regt. Nr. 37, Krotoschin, 2. Bat., 5. Komp.: Reservist Friedrich Mößner aus Langenaltheim (Weißenburg i. 58.), ver­ mißt. Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 50, Mainz, 1. Komp.: Feldwebel Friedrich Ztmmermann aus Obernsees (Bayreuth), leicht verwundet; 3. Komp.: Unteroffizier Martin Trambauer aus Hilpoltstein, schwer verwundet; Reservist Rudolf Herter aus Lam­ brecht (Neustadl), leicht verwundet. Jnf.-Regt. Nr. 30, Metz, 8. Komp.: Musketier Xaver Bockler aus Zweibrücken, verwundet. Referve-Jnf.-Regt. Nr. 130, Metz, 2. Bat., 8. Komp.: Reservist Lorenz Freunscht aus Kaiserslautern, schwer verwundet; Unteroffizier d. Res. Jakob Jenzer aus Rannstein- (Zweibrücken), leicht verwundet. Feldartlllerie-Regt. Nr. 6, Breslau, 2. Batterie: Fahrer Franz Graßl aus Ulrichsgrün (Oberpfalz), leicht verwundet. Feldarttllerie-Regt. Nr. 14, Karlsruhe, 2. Abteilung, 5. Batterie: Re­ servist Friedrich Scheuenstuhl aus Bierbach (Neustadt), schwer verwundet; 6. Batterie: Reservist Christian Sachs ans Riedheim (Günzburg), fchwer verwundet. Fußartillerie-Regt. Nr. 18, 1. Bat., FußartillerieSchießplatz Wahn, leichte Munttionskolonne: Ge­ freiter Emil Puff aus Heuermannsgrün (Hof), ver­ mißt. Pionier-Bat. 3., Spandau, 2. FeldptonierKomp.: Pionier Simon Kölbe aus Kastei (Ober­ pfalz), leicht verwundet. Zur Verhütung von Brandschäden wendet sich das StaatSministertum des Innern mit einer Bekanntmachung an die DtstriktSverwaltungsbehörden mit dem Hinweis darauf, daß noch mehr als im Frieden jetzt auf die Verhütung von Schadenfeuern hingewirkt werden muß. Die Vernichtung von Vor­ räten aller Art, insbesondere von Lebensmitteln, Getreide und Futter, die fönst in der Hauptsache nur den Einzelnen treffe, bedeute jetzt auch für die Allgemeinheit einen schweren Verlust, da solche Vor­ räte zur Zeit vielleicht gar nicht ersetzt werden könnten. Die Distriktsverwaltungsbehörden werden daher veranlaßt, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung mit allem Nachdruck auf die Notwendigkeit erhöhter Vorsicht im Umgänge mit Feuer und Licht hinzu­ lenken. Hopsenverwertnng. Die heurige reiche Hopfenernte kann leider infolge der durch den Krieg bewirkten Einschränkung der Absatzmöglichkeit nicht so verwertet werden, wie es im Interesse der Hopfen­ bauern zu wünschen wäre. Um eine starke Ueberfüllung des Marktes htntanzuhalten, hat auf An­ regung des k. Staatsministeriums des Innern der deutsche Hopfenbauverein mit der Kriegsdarlehens- | kaffe in Nürnberg ein Abkommen getroffen, wonach I diese gut getrockneten und präparierten Hopfen mit I 40 Prozent des Wertes belehnt und unter Verschluß nimmt. Dadurch wird es auch möglich sein, den Hopfenbauern über die gegenwärtige schwierige Lage hinwegzuhelfen und sie vor jenem Händler- und Wuchertum zu bewahren, das sich nicht scheut, unter allerhand Vorspiegelung falscher Tatsachen, die Not­ lage der Schwachen auszunutzen und ihnen den Hopsen zu Schleuderpreisen abzunehmen. Das k. StaatSministertum des Innern hat daher auch Veranlaffung genommen, die äußeren Behörden an­ zuweisen, gegen ein solches Gebühren eins gewissen Händlertums, das sich namentlich gegen geschäftsun­ kundige Frauen wendet, deren Männer im Felde stehen, mit allen gebotenen Mitteln einzuschreiten ────────── Niederbayerische Nachrichten. Landau, 15. Sept. (Auf dem Feld der Ehre gefallen.) Der Sohn Joseph des Herrn Landtags­ abgeordneten Schefbeck in Straubing, Reservist im 13. Inf.-Regt. hat sich zu einem gefährlichen Patroutllengang freiwillig gemeldet und ist im heftig­ sten Feuer den Heldentod für'S Vaterland gestorben. Von Herrn Schefbeck stehen 6 Söhne im Felde. Weihmörting, 13. Sept. (Begräbnis.) Gestern fand die Beerdigung des durch einen llnglücksfall ums Leben gekommenen Landtagsabgeordneten und Gutsbesitzer Herrn Josef Haslinger statt. Die Feier gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung für den allzu früh Dahingeschiedenen. Der Ortspfarrer von Weihmörting hielt eine erhebende Trauerrede am offenen Grabe, worin er die große» Verdienste des Verstorbenen um die Landwirtschaft und seine vortrefflichen persönlichen Eigenschaften hervorhob. Ansprachen hielten ferner noch der Bezirksamtmann von Griesbach, Abg. Eisenberger, Dr. v. Pichler und als Vertreter des k. Landgestüts Bezirkrtierarzt Dr. Kränzle. Eine große Anzahl von Kränzen und Blumen wurden am Grabe niedergelegt. Pfarrkirchen, 14. Sept. (Hohe Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Bizefeldwebel Ranzinger im 2. Jäger-Bataillon das Eiiferne Kreuz 2. Klaffe verliehen. Herr Ranzinger ist: ein Pfarrkirchner. Deggendorf, 14. Sept. (Den Heldentod) Im Kampfe gegen die Ruffen hat gesundem der älteste Neffe des Herrn Grafen von Hohenthal und Bergen auf Schloß Egg, der Leutnant im 6. Garüe-RetterRegiment Graf Adolf von Hohenthal und Bergen, Fidetkommißherr auf Klaushetm in Sachsen. Neukirchen hl. Bl., 13. Sept. (Nicht geistes­ krank.) Der Gütler Franz Wanninger von Ritt­ steig, welcher wegen Körperverletzung mit Todesfolge, verübt an dem Gastwirt Max Eck in BöhmifchLuft in Untersuchungshaft ist und zur Untersuchung seines Geisteszustandes in der Kreisirrenanftalt Deggendorf untergebracht wurde, wird sich wegen seiner Tat bet der nächsten Schwurgerichtsperiode in Straubing Ende dieses Monats oder anfangs nächsten Monats zu verantworten haben, falls die benötigten Zeugen nicht wegen Einrückms am Er­ scheinen verhindert sind. Kötzting, 13. Sept. (Unterirdische Erdbauten.) Neben der Rabmühle bet Stamsried, eineinhalb Stunden von der Bahnstation Pösing entfernt, wurde durch Zufall wieder einer jener künstlichen unter­ irdischen Erdbauten entdeckt, an denen unsere Gegend so reich ist, und über deren Bedeutung man bis jetzt über Vermutungen noch nicht hinausgekommen ist. Man betritt zunächst einen 12 Meter langen, mannshohen Gang von 80 bis 100 Zentimeter Brette, der nach 8 Metern durch et» Schlupfloch eine Abzweigung nach links schickt und eine Aus­ mauerung, aus großyl Steinen und Lehm zeigt, die einer Herdanlage nicht unähnlich ist, aber vielleicht nur ein Luftloch war. Der Gang zieht dann ein paar Meter in einem stumpfen Winkel nach rechts und endigt ln einem meterttefen Falloch von 50:60 Zentimetern Durchmesser, das unten eine Fortsetzung des Ganges zeigt, der nur kleinen Menschen zugäng­ lich ist. Verschiedene Verzweigungen und Ver­ schüttungen weisen darauf hin, daß sich diese Erd­ bauten weithin ausdehnten. Charakteristisch sind die in einer Höhe von l 1 /* Metern links und rechts in die Gangwände geschlagenen Tastnischen von 15 Zentimetern Breite und 10 Zentimetern Höhe. Auch hier hat sich wie in einem unterirdischen Gang zu Arnschwang bei Furth und zu Regenpeilstetn bei Roding ein stark abgenützter Mühlstein, sonst aber auch gar nichts gefunden, was auf den Zweck und das Alter dieser räselhaften Erdbauten htnweffen würde. Paffa«, 15. Sept. (Beerdigung eines franzö­ sischen Soldaten.) Heute Nachmittag wurde ein weiterer hier verstorbener französischer Soldat mit militärischen Ehren beerdigt. Es ist dies bereits der fünfte französische Soldat, der im hiesigen Militärlazarett gestorben ist. > vm« r«,m Ausknnftsstelle für Pflanzenschutz. Aus verschiedenen Teilen des Wanderlehrbezirkes der K. Landw. Winterschule Landshut, insbesondere VtlSbiburg, kommen Meldungen und Anfragen, daß sich heuer wieder die Ackerschnecken sehr bemerkbar machen und wie sie bekämpft werden. Wo die Schnecken in erheblichem Maße auftreten, stellen sie eine nicht unbedeutende Gefahr für die jungen Wintersaaten dar, die wir nicht unberücksichtigt lassen dürfen. Die Schnecken sind daher energisch zu be­ kämpfen. Dies geschieht: 1. Durch Walzen der Saaten mit schweren, rauhen Walzen. 2. Durch reichliches Ueberstreuen mit Kalkstaub oder frisch gelöschtem Kalk am frühen Morgen oder ganz spät abends und zwar mit einer Pause von 1 U— 1 ft Stunde zweimal hintereinander. An Stelle von Kalk kann auch Asche, Kaintt, Viehsalz, Thomas­ mehl in der gleichen Weife angewendet werden. 3. Um die Weiterverbrettung der Schnecken von den befallenen Feldern auf benachbarte zu ver­ hindern, streut man zwischen beide nicht zu schmale Streifen Kalk, Häcksel, Gerstenfpreu und dergleichen. • Kraus. ────────── —* Die Landsturmmusterung und -Aushebung für Landshut - Stadt findet morgen Freitag, vormittags 7 Uhr statt. —* Die Landsturmmusterung und -Aushebung für Landshut-Bezirksamt fin­ det Übermorgen, Samstag, 19. September im Hotel Bernlochnersaal und zwar für die Jahr­ gänge 1883—94 statt. —*Das k. humanistische Gymna­ sium zählt im Schuljahre 1914/15 338 Schüler. Für die 1. Klaffe hatten sich der Aufnahmeprüfung noch 4 Prüflinge unterzogen. —* Die Ursulinens chule zählt im neuen Schuljahre in der Volksschule 725 und in der Volksfortbildungsfchule 230 Schülerinnen. —* Gebt die Salzsäcke zurück. Von beteiligter Sette wird uns geschrieben: Die Salinen haben im Laufe des Krieges mit einer Not in Säcken für die Salzverpackung zu rechnen, da die Zufuhr des zur Herstellung der Säcke benötigten Rohstoffes schon mehrere Wochen abgeschnitten ist. Um im Salzversand Störungen zu vermeiden, ist es dringend notwendig, daß die Käufer von Salz bei Bezug in Säcken die leeren Säcke an die Händler gegen Vergütung eines angemeffenen Betrages wieder zurückgebe». Die Salzniederlagen der bayer. Salinen sind angewiesen, die leeren Salzsäcke aufzukaufen und an die Salinen zurückzuliefern. —* Festgenommen wurde gestern hier der im Zentralpolizeiblatt wegen Diebstahl von der Staatsanwaltschaft München gesuchte ledige Dienstknecht Franz Lichtenfurtner von Mies­ bach. —* Feldpostkarten. Bei den Postan­ stalten gelangen Feldpostkarten an Angehörige des Feldheeres mit angebogener Antwortkarte zum Vertrieb. Der Verkaufspreis ist der glei­ che wie für einfache Postkarten an das Heer, also 10 Doppelkarten 5 Pfg. —* An freiwilligen Spenden gingen bisher bei der Sammelstelle I im Rathaus (Zimmer ────────── Letzte Posten. Das Eiserne Kreuz erster Klasse wurde demGroßherzog von Oldenburg verliehen. Ter neue Erzbischof von Posen. Berlin, 16. Sept. Wie der Staatsanzeiger meldet, ist unter Zustimmung der K. Staatsregierung der bisherige Kapitularvikar der Erzdiözese Po­ sen Domdekan und Weihbischof Dr. Eduard Likowski zum Erzbischof von Posen Gnesen durch den Papst ernannt worden. Entsprungener Mörder. Der Strafgefan­ gene Ludwig, der im April den Gendarmen Kießling in Jockgrimm ermordet hat, ist wäh­ rend des Transportes in das Zuchthaus zwi­ schen Donauwörth und Ingolstadt aus dem Zuge entsprungen. Für seine Eingreifung, oder für die sichere Ermöglichung seines Ergrei­ fens ist eine Belohnung von 500 Mark aus­ gesetzt. Tie Neutralität Hollands. Berlin, 17. Sept. Die "Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Königin der Niederlande hat in der Thronrede darauf hingewiesen, in wie ernster Zeit die Generalstaaten zusammen­ getreten sind. Mit besonderem Nachdruck hat die Königin ihrem Volke die Pflichten der Neu­ tralität vorgestellt und wir wollen gern und mit Befriedigung feststellen, daß die Nieder­ lande diesen Pflichten mit der größten Sorg| sarnkeit nachzukommen sich bemühen. Diese FestI stellung erscheint um so wertvoller, als es ! nicht an Versuchen fehlt, die holländische BeI völkerung in ihren Anschauungen über das, | was die Neutralität in dem gegenwärtigen « Krieg gebietet, wankend zu machen. Dazu rech­ nen wir namentlich die niedrigen Verleumdun­ gen unserer Truppen, die fortgesetzt aus eng­ lischen, französischen und belgischen Quellen in die holländische Presse strömen. Wüßten die Holländer nicht aus eigener Anschauung deutschen Truppen, so müßten sie diese nach genug von den letzten Ereignissen und den den verleumderischen Schilderungen unserer Feinde für eine Horde von Räubern, Dieben und Trunkenbolden halten. Hoffentlich trägt die Thronrede dazu bei, daß die holländische Presse sich trotz dieser Machenschaften, die dar­ auf berechnet sind, das holländische Volk ge­ gen uns aufzuhetzen, ein unparteiisches Urteil bewahrt. Italien bleibt neutral. Berlin, 17. Sept. Aus Rom wird dem "Berl. Tagbl." berichtet: In leitenden Krei­ sen wird versichert, die Regierung sei fester denn je entschlossen, die Neutralität zu wahren, solange die italienischen Interessen auf dem Balkan und in der Adria nicht verletzt wür­ den; die Reigierung werde sich vom Pöbel nicht einschüchtern lassen, vielmehr alle etwaigen Ausschreitungen mit eiserner Hand niederhal­ ten. Die Regierung fährt fort, alle Angriffe auf die Politik der Neutralität in loyalster Art zurückzuweisen. Tic Lage in Montenegro. Wien, 17. Sept. Die "Südslawische Kori respondenz" meldet aus Serajewo: Montenei griner, die in unsere Gefangenschaft geraten sind, schildern die innere Lage Montenegros als sehr traurig. Das aus dem bisherigen Kriege gänzlich erschöpfte Land ist für diesen neuen Krieg, der die größten Menschenopfer kostet, in keiner Weise vorbereitet und besoni ders sind es die sanitären Einrichtungen, die sich als vollständig unzulänglich erweisen. Es fehlt an Aerzten, Medikamenten und Sanitäts­ einrichtungen; die zahlreichen eingebrachten ' Verwundeten bleiben so tagelang ohne ärzt­ liche Hilfe und viele Verwundete sind bereits auf diese Weise zugrunde gegangen. (Z.) Die ruffischen Gesangeuen. Dresden, 16. Sept. Auf dem städtischen Flugplatz wurden laut ^.Frankfurter Zeitung" 30 000 russische Gefangene untergebracht. * ^ Rückgang des englischen Handels. Kopenhagen, 17. Sept. Der englische Handel ging im Monat August in der Ausfuhr um 500 Millionen Mark, in der Einfuhr um 350 Mtll. Mark zurück. Das zeigt bereits, wie sehr sich Eng­ land verrechnet hat, wenn es mit einer Förderung seines Handels durch den Krieg gerechnet yat. ────────── Inserate. ────────── Der Krieg mit England. Es» englischer Kreuzer in den Grund gebohrt. Frankfurt, 16. Sept. Die "Frkf. Ztg." meldet: Gerüchtweise verlautet, daß ein deut­ scher Kreuzer den englischen Kreuzer "Glas­ gow" in den Grund gebohrt hat. (Glasgow ist ein 1909 erbauter geschützter Kreuzer von 4900 Tonnen Wasserverdrängung und 26 Seemei­ len Geschwindigkeit. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von 376 Mann.) Die Verluste der "Hela". WTB. Berlin, 1'6. Sept. (Amtlich.) Wie uns von amtlicher Seite mitgeteilt wird, be­ tragen die Verluste beim Untergange S. M. S. "$SeIct": 1 Toter und 3 Vermißte. Die englische Rekrutierung. Bern, 16. Sept. Unter der Ueberschrift: "Wie in England rekrutiert wird," meldet der Bund: Wie die »Daily Mail" berichtet, kündigten die Frauen an, daß sie den zuhause bleibenden Männer» eine weiße Feder schenken wollen. Diese Drohung jj mit einer öffentlichen Brandmarkung soll gewirkt ‘ haben. Lord Kltschener schlug vor, die Gesellschaften, besonders die Sportklubs sollten gemeinsam in die Armee eintreten. Die Architekten und Bauunter­ nehmer folgten diesem Rufe und stellten zwei Abtei­ lungen Genietruppen. In Birmingham wurde ein Bataillon aus Angehörigen der freien Berufe und in Liverpool ein solches aus 1000 Mann aus Kaufleuten gestellt. Eine deutsche Trnppenabteilung gefangen? Kapstadt, 16. Sept. Das Reuterbüro meldet: Eine südafrikanische Streitmacht von britischen Schützen überraschte, nachdem sie 2 Nächte marschiert war und sich bei Tage ver­ borgen hatte, eine deutsche Truppenabteilung, welche eine Furt, ungefähr 60 Meilen von Steinkop in Namaland besetzt hielt. Nach einem scharfen Gefecht wurden die Teutschen zur Uebergabe gezwungen. Kämpfe in Afrika» Blanthre (Nhassaland), 16. September. (Nichtamtlich. — Reutermeldung.) Tie Deut­ schen ziehen sich in kleinen Gruppen über Land zurück und brachen die Brücke über den Songwesluß ab. Tie britischen Truppen nah­ men gestern eine Erkundung jenseits derGrenze vor, ohne mit dem Feind in Berührung zu kommen. Die Kolonialkämpse. Paris (über Amsterdam), 16. Sept. Einer Meldung der "Agence Hovas" zufolge sind deutsche Truppen, wahrscheinlich über Kamerun, in die Kongo­ kolonie eingedrungen. Belgien soll mit England ein Abkommen über die Verteidigung der Kongokolonie getroffen haben und Frankreich hiervon entsprechende Mitteilung gemacht haben. Tie Gefangenenlager in Südafrika. London, 16. Sept. Ter "Daily Tele­ graph" meldet aus Johannesburg: Das Ge­ fangenenlager in Robertsheights wächst täglich. Deutsche und Oesterreicher im Alter von 19 bis 45 Jahren werden aus allen Teilen Südafrikas zusammengebracht. Sie sollen bereits 4500 be­ tragen. En'glands Schrecken! Die Zeppeline! Das ist der Alpdruck, der heute auf dem Herzen jedes Engländers lastet. Phantasiereiche Schriftsteller, wie H. G. Wells, Louis Tracy u. a., haben ihnen feit langem, Jules Verne übertrumpfend, von dieser deut­ schen Invasion durch die Luft erzählt, und nun wird es ernst. Was in Antwerpen pas­ siert ist, kann sich in London wiederholen. Diese Zeppelin-Angst der Briten findet ihr Echo in so manchen englischen Stimmen des Auslandes. So erzählt z. B. ein bekannter englischer Fachmann Harry E. Tudor in einem der größten Newyorker Blätter den Ameri­ kanern von dieser "größten Gefahr", die den Engländern droht. Der Verfasser wirft einen Rückblick auf die Entwicklung des Flugwesens betont, wie Deutschlands Energie von Anfang an auf den Bau von'Luftschiffen gerichtet ge­ wesen sei und durch keine Mißerfolge "habe entmuügt werden können. Zwar haben auch die deutschen Flieger die französischen und eng­ lischen Rekorde in der letzten Zeit überholt, aber das eigentliche Schwergewicht als KriegsWaffe habe bei der deutschen Heeresverwaltung stets bei den Zeppelinen gelegen. "Nach meiner f Ansicht", sagt Tudor, "wird es der Zeppe| litt sein, der eine neue und furchtbare Epoche | der Kriegsführung eröffnet, Zerstörung mit sich » führend in einer Form, deren Verwirklichung j in ihrem Schrecken weit über alle Träume | hinausgeht. Und zwar wird es vor allem ; die Stille der Nacht sein, in der diese riesigen i Uebertrumpfungen aller Dichterphantasie heimE lich und ungesehen über eine Flotte von KriegsI schiffen oder ein schlafendes Armeekorps hin­ fliegen und durch eine Reihe von Bomben I einen größeren Schrecken und furchtbare Ver] lüfte hervorbringen, als irgendeine andere Art I des Kampfes erreichen könnte. Dazu nehme | man die völlige Entmutigung, die dem An1 griff eines so gefährlichen und unsichtbaren { Feindes folgen würde, und man wird die ZepPelin-Angst der Engländer verstehen. "Die heu­ tigen Mittel der Erkundung gestatten, einen Zeppelin genau an die Stelle zu führen, an der man ihn haben will, und das Operieren mit Scheinwerfern sowie das Verwenden von starken Ferngläsern ermöglicht den Bomben­ werfern das beste Ziel für ihr Vernichtungs­ werk. Es ist allgemein bekannt, daß weder die englischen noch die französischen Heere an Luftschiffen dem Zeppelin-Typ irgend etwas Gleichwertiges entgegensetzen können. Bei Ta­ geslicht ist die Gefahr der Zerstörung dieser großen deutschen Luftschiffe größer, und des­ halb dürfte man sie in erster Linie für die nächtliche Arbeit verwenden. Die "Luftaugen" der deutschen Heere werden hauptsächlich in den Flugmaschinen und hier wieder in den Eindeckern gefunden werden. Für das Wer­ fen von Bomben aber dürften die Flugzeuge von geringem oder gar keinem Nutzen sein, denn eine Flugmaschine kann in der Luft nicht anhalten, und darin besteht der ungeheure Vor­ teil der lenkbaren 'Luftschiffe. Man hat in England zahlreiche Versuche angestellt, um Bomben von Flugmaschinen zu werfen, und hat nicht die geringste Wirkung damit erzielt. Bei der großen Schnelligkeit, mit der die Flug­ zeuge dahinschießen, ist ein ruhiges Zielen un­ möglich, und so ist denn Schießen oder Bom­ benwerfen unter solchen Bedingungen fast nutz­ los. Man wird nun sagen, daß sogar schon einige wenige Schüsse in die Hülle der Lenk­ ballons genügen, um diese außer.Tätigkeit zu setzen, aber sogar mit dieser Möglichkeit ist bei der Herstellung der Ballonhüllen gerechnet, da sie aus einer Substanz bestehen, die selbst eine. Ziemlich große Durchlöcherung wieder schlie­ ßen läßt. So sind denn die Zeppeline bei einer nächtlichen Kriegsführung eine Waffe, mit der sich nichts in der Geschichte des Krie­ ges vergleichen läßt. Des Kaisers gewaltige Zeppelin-Flotte ist auf dem Plan, und was wir in den nächsten Wochen, vielleicht auch Tagen oder gar Stunden erleben werden, wer kann es wissen?" (Weitere Nachrichten siehe "Letzte Posten".