Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-01-19. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 15, 1915-01-19. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 017 19. Januar 1915 ────────── Der Krieg. Aus dem Westen kam gestern die Rächn richt von einem Kampfe bei La Boiselle, bei dem die Franzosen 3 Offiziere und 100 Mann als Gefangene verloren. Im Argonnerwalde wo unsere Truppen in ständigem Vormarsch begriffen sind, kam es ebenfalls zum Kampfe, der mit großer "Erbitterung geführt worden sein mußte, denn der Bericht der Heereslei­ tung besagt, daß die französische Besatzung der Schützengräben fast vollständig aufgerie­ ben wurde. Ueber die Kämpfe bei Soissons, deren Erfolg für die Deutschen von den Verbündeten jetzt unumwunden zugegeben wird, gibt das Große Hauptquartier einen umfassenden Be­ richt, der die chronologische Reihenfolge der Kämpfe anschaulich schildert und mit den Wor­ ten schließt: "Was unsere wundervollen Truppen, zwar schmutzig anzusehen, aber prachtvoll an Kör­ perkraft und kriegerischem Geist da geleistet haben, ist über alles Lob erhaben. Ihre Tap­ ferkeit, ihr Todesmut, ihre Ausdauer und ihr Heldentum fand gebührende Anerkennung da­ durch, daß der oberste Kriegsherr, der in je­ nen Stunden unter ihnen weilte, die verant­ wortlichen Führer noch auf dem Schlachtfelde mit hohen Ordensauszeichnungen schmückte. Ge­ neral der Infanterie v. Lochow wurde mit dem Orden Pour le merite und Generalleut­ nant v. Wichura mit dem Komtur des Haus­ ordens der Hohenzollern ausgezeichnet. Neben einer energischen, zielbewußten und kühnen Führung und der großartigen Trup­ penleistung ist der Erfolg der Schlacht bei Soifsons der glänzenden Zusammenarbeit aller Waffen, vor allem der Infanterie, Feldartil­ lerie, Fußartillerie und der Pioniere zu ver­ danken, die sich gegenseitig auf das Vollendetste unterstützten. Auch die Fernsprechtruppen ha­ ben nichtivenig zum Gelingen des Ganzen bei­ getragen. Auf Truppen und Führer solchen Schlages kann das deutsche Volk stolz sein." Aus dem Osten liegen auch heute nur wenig Meldungen vor. Das andauernd un­ günstige Wetter beeinflußt die Truppenbewe­ gungen dort in nachteiliger Weise. Nur in Nordpolen wurde ein russischer Angriff zurück­ geworfen. Tie Oesterreicher haben die Russen bei Zaklichn zum Rückzüge gezwungen. Tie Türken sind in neue Kämpfe mit den Russen im Kaukasus verwickelt, deren Ent­ scheid noch aussteht. Tie Engländer!' die Zeter und Mordio schrien, als deutsche Kriegsschiffe die mit Ar­ tilleriestellungen bewehrten englischen Städte beschossen, haben in Südwestarrika die offene deutsche Stadt Swakopmund beschossen. Gestern nachmittags wurde berichtet: ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. Bericht des deutschen Hauptquartiers. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend von Nieuport nur Artil­ leriekämpfe. Feindliche Angriffsbewegumgen sind in den letzten Tagen nicht wahrgenommen worden. An der Küste wurden an mehreren Stel­ len Minen angeschwemmt. Bei La Boiselle, nordöstlich Albert, war­ fen unsere Truppen im Bajonettangriff die Franzosen, die sich! im Kirchhof und im Ge­ höfte südwestliche davon festgesetzt hatten, her­ aus und machten 3 Offiziere und 100 Mann zu Gefangenen. Im Argonnerwalde wurden mehrere fran­ zösische Gräben erobert und die französische Besatzung fast aufgerieben. Ein Angriff der Franzosen auf unsere Stellung nordwestliche Pont au Moufson führte auf einer Höhe, zwei Kilometer südlich! Vilceh bis in unsere Stellungen. Ter Kampf dauert noch! an. In den Vogesen und im Oberelsaß herrscht starkes Schneetreiben und Nebel, die die Ge­ fechtstätigkeit behindern. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen ist die Lage unverändert. Im nördlichen Polen versuchten die Rus­ sen über den Wkraabschmitt bei Radcanows vorzustoßen, wurden aber zurückgewiesen. In Polen westlich! der Weichsel hat sich nichts Wesentliches ereignet. Oberste Heeresleitung. Heute früh wurde telephonisch gemeldet: ────────── Die Kämpfe der Oesterreicher. Die Kämpfe der Oesterreicher. WTB. Wien, 18. Januar. Amtlich wird gemeldet: Nördlich der Weichsel keine wesentlichen Ereignisse. Auf den Höhen östlich Zaklichn zwang unsere Artillerie durch ein konzentrisches Feuer die Russen zum Verlassen einiger vorderster Schützenlinien. Die rückgängige Bewegung übertrug sich beim Feinde auch auf andere Frontteile, sodaß schließlich in einer Ausdeh­ nung von 6 Kilometern der Gegner die vor--' berste Stellung räumte und in unserem wir­ kungsvollsten Artillerie- und Maschinengewehrfeuer in Unordnung auf die nächsten Höhen­ linien zurückging. Hierbei ließ er zahlreich« Gewehre und viel Munition in seiner früheren Stellung zurück. An der übrigen Front in Westgalizien nur Geschützkampf. , In den Karpathen nur unbedeutende Pa­ trouillengefechte. Der stellvertretende Chef des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ────────── an 7000 Turner auf blutiger Walstatt in Ost und West den Heldentod erlitten und fast die dreifache Anzahl hat im Kampf ehrenvolle Wunden erhalten. Weit über 6000 Turner — auch, hier liegen erst die Berichte von etwa der Hälfte der Vereine zugrunde, — sind in den ersten 5 Monaten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Auch die Daheimgebliebenen der Deutschen Turnerschaft arbeiten in schwerer Zeit für unser Volk. In umfassender Weise hat die Liebestätigkeit der Turnvereine ein­ gesetzt. Tie Summe aller Stiftungen für das Rote Kreuz und die allgemeine Kriegssürsorge aus den Turnerkreisen dürfte mit einer halben Million Mark kaum zu hoch angegeben sein. Tie vielen vereinseigenen Turnhallen stehen außerdem überall zu vaterländischen Zwecken offen und sind zur Aufnahme Kranker und Verwundeter zur Verfügung gestellt. Wenn auch, die Reihen der Turner stark gelichitet sind, so ist doch nach Möglichkeit ver­ sucht worden, die körperliche Ausbildung von jung und alt aufrecht zu erhalten. Namentlich haben sich alle Vereine bemüht, die heranwach­ sende Jugend zwischen 14 und 18 Jahren sowie die Knaben zu regelmäßiger Turnarbeit her­ anzuziehen. Die Alten aber sind vereint in Landsturmriegen,. um, falls das Vaterland sie auch noch rufen fehlte, schon jetzt ihre Ausdauer zu erproben und zu steigern. C. R. Tie österreichischen Verluste. B erlin, 18. Januar. Aus Wien wird der "Voss. Ztgch gemeldet: Nach. den bisher ausgegebenen 100 Verlustlisten sind die Ver­ luste des österreichischen Heeres wie folgt: 8980 Offiziere verwundet, 2263 gefallen, 628 kriegs­ gefangen, Mannschaften: 231,160 verwundet, 40 827 tot und 9502 gefangen. Von den Ver­ wundeten sind viele bereits wieder an die Front zurückgekehrt. Die Sterblichkeit der Truppen ist ausfallend gering, was den moder­ nen Waffen zuzuschreiben ist. (Z.) Angeblich« Forderung des Treiberbandes an Schweden. Ter "Newhork Herald" meldet aus Stock­ holm: Tie Gesandten des Dreiverbandes for­ derten von Schweden die Aufhebung des Ver­ botes der Durchfuhr von Kriegsmaterial nach Rußland. (Z.) Ein italienischer Kreuzer beschädigt. Ter italienische Kreuzer "Coatit" ist aus unbekannten Gründen schwer beschädigt von einer Fahrt im Adriatischen Meer zurückge­ kehrt. Er lief im Schlepptau des Kriegs­ schiffes "St. Bon". (Z.) Zur Haltung Rumäniens. Berlin, 18. Jan. Aus Rotterdam mel­ det die "Deutsche Tgsztg.": Die "Times" bringt die Nachricht, daß, in Petersburg die voll­ kommene zuverlässige Meldung vorliegt, wo­ nach Rumänien innerhalb weniger Wochen ant Kriege teilnehmen werde. Der "Ton" mel­ det aus Genf, daß die rumänischen Studenten der schweizerischen Hochschulen Mobilmach­ ungsbefehle erhielten. (Z.) ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie Kämpfe bei Soissons. Genf, 17. Januar. Tie ^hinter der Kathe­ drale von Soissons und dem Justtzgebäude aufgestellten französischen Batterien wurden durch deutsche Treffer bei dem gestrigen er­ neuten Bombardement zum Schweigen ge­ bracht. Tie Kathedrale und die Johanniskirche erlitten nur geringe Beschädigungen. Tie Ge­ samtlage der Verbündeten zwischen Lhs und Somme ist durch die deutschen Erfolge bei Earench, Albert und Arras ungünstig beein­ flußt- (Z-) Aus ver Kriegsgeschichte von Soissons. Eine siegreiche Schlacht bei Soissons! Mit großem Jubel erfüllt uns diese Botschaft aus dem Westen? ist sie für uns doch! ein Beweis, daß der langwierige Stellungskampf wenig­ stens an einer Stelle zum Kampf in offener Schlacht geworden ist. Schon seit dem Beginn des Krieges spielt ja Soissons als Knoten­ punkt der Nord- und Ostbahn eine bedeu­ tende Rolle. Nordwestlich von Reims liegt der vielumstrittene Ort an der Aisne, deren brausende Hochwasserfluten den Franzosen jetzt so gefährlich werden sollten. Tie Entfernung von Soissons nach Paris, nach dem Herzen Frankreichs, beträgt kaum 100 Kilometer! Es ist nicht das erstemal in der Weltgeschichte, daß Deutsche und Franzosen hier in tätlichem Kampf zusammentraten. Bereits in den Krie­ gen von 1814 und 1815 sowie im Jahre 1870 war Soisson der Schauplatz ^hartnäckigen Rin­ gens. Am 3. März 1814 rückten Bülow und Wintzingerode mit ihren Truppen in die da­ mals befestigte Stadt ein, mußten sich, jedoch ein paar Tage später vor überlegenen fran­ zösischen Kräften zurückziehen. Am 14. Au­ gust des folgenden Jahres aber wurde die Aisnefestung von den Preußen endgültig be­ zwungen. Vom 13. bis 15. Oktober 1870 litt Soissons großen Schaden infolge der dreitägi­ gen Beschießung durch die deutsche Maasarmee, die ynter dem Befehl des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin stand. Auch die weit zurückliegende Vergangenheit von Soissons ist überwiegend kriegerisch. Im Altertum den Rö­ mern als Noviodunum bekannt, war Soissons lange Zeit ein Palatium der römischen Kai­ ser, und auch nach dem Zusammenbruch der römischen Weltherrschaft verteidigten die Rö­ mer mit Zähigkeit diese Stadt als letztes Be­ sitztum gegen die Gallier, bis schließlich die Katastrophe durch die bekannte Schlacht des Jahres 486 hereinbrach, in der Chlodwig den römischen Statthalter Syagrius entscheidend schlug und damit der Herrschaft der Römer in Gallien ein für allemal ein Ende machte. In der Merowingerzeit behauptet Soissons seine Bedeutung als Residenzstadt von Neustrien. Hier ist die Wiege der französischen Monarchie? denn hier setzte sich im Jahre 751 der erste Karolinger, Pipin der Kleine, die Königs­ krone aufs Haupt. Seit dem neunten Jahr­ hundert war die Stadt Sitz des Grafens von Soissons, wechselte dann durch Kauf oder Hei­ rat mehrmals ihren Herrn, und wurde schließ­ lich im Jahre 1734 Besitz der französischen Krone. Eine Geschachte von den "Barbaren", die für den Geist unserer Truppen bezeichnend ist, wird in "Ueber Land und Meer" erzählt. Nach einem hartnäckigen Kampf hatte ein baye­ risches Landwehrbataillon mit vielen anderen Truppen die Franzosen aus einem heißum­ strittenen Torfe geworfen, und die kampfmüden Soldaten durften nun rasten. Tie Mannschaf­ ten waren vom größten Durst und Hunger ge­ plagt, und so erlaubten ihnen die Vorgesetzten, die Häuser nach genießbaren Dingen zu durch­ suchen. Tie zahlreichen, mit der Flagge des Roten Kreuzes geschmückten Gebäude wurden natürlich verschont, in den anderen von den Einwohnern verlassenen Häusern aber machte man sich, an die Arbeit, um noch etwas auf­ zutreiben. Viel war es nicht. Nur in einem weiter außen an der Ostgrenze gelegenen Häus­ chen fand man Lebensmittel und Wein in Fülle, und die glücklichen Endecker füllten denn auch ihre Feldflaschen mit dem feurigen Bac­ chustrank, versahen sich mit Speck und Brot, und wollten, mit eß- und trinkbarer Beute beladen, abziehen. Ta fiel der Blick eines bayerischen Kandwehrmannes auf einen klei­ nen Zettel, der an der Haustür befestigt war. Tie Schrift besagte, daß der Besitzer und die Besitzerin des Häuschens, zwei hochbetagte Leute, sich in anerkennenswerter Weise um die Pflege der Verwundeten verdient gemacht hätten und auch deutschen Soldaten Hilfe ange­ deihen ließen. Sofort ertönte aus dem Munde des Wehrmanns ein kräftiges: "Halt, Kame­ raden! Daher mit Euren Sachen. Wir müssen sie sofort wieder zurücktragen, denn ein Hunds­ fott derjenige, der einen deutschen Befehl nicht respektiert — und da seht her, hier steht einer!" Dabei zeigt der Brave auf die Inschrift und erläuterte den Herzudrängenden, daß der Zettel gewiß von einem Offizier, der bereits früher hier gewesenen deutschen Truppen angeschlagen worden sei. So sehr die Leute sich über die erbeuteten Sachen gefreut hatten, so hungrig und durstig sie waren, trotzdem trug jetzt jeder die mitgenommenen Eßwaren und den Wein wieder in das Haus zurück. Ter Wein wurde in ein sauberes Gefäß geschüttet? Speck und Brot auf den Tisch, gelegt und dazu ein Zettel, auf den der wackere Landwehrmann mit Beistift die Worte schrieb: "Entschuldigen Sie, Mosjö und Madam B . . ., Teutsche hat­ ten Hunger, ihre Lebensmittelwagen lagen weit zurück. Wir suchten also und fanden Lebens­ mittel, aber auch einen Zettel, der uns von Ihrer Tätigkeit für Verwundete erzählte. Sie opfern also der Menschlichkeit, und drum gehen wir wieder hungrig ab. Von Ihren Sachen fehlt keine Krume!" Intimes vom französischen Sanitätsdienst. Bern, 17. Jan. Der "Bund" gibt einen Auszug aus dem Kriegstagebuch von Georg Ohnet wieder, das er, ohne an der Front gewesen zu sein, geschrieben hat. Ueber sei­ nen Besuch in Noisy le Sec, den er unternom­ men, um sich über Mängel im Sanitätswesen zu orientieren, schreibt er: In den ersten Kriegstagen fehlte alles, Aerzte, Krankenpfle­ ger, in den Eisenbahnzügen Medikamente und Nahrungsmittel für die Verwundeten. Auf den Stationen stiegen dann allzu eifrige Leute ein, die von einem Ueberfluß an Mitleid be­ seelt waren und sich, vieler Tinge annahmen, die sie nichts angingen ;den Soldaten zu essen und zu trinken gaben, kunterbunt durcheinan­ der, ohne zu beachten, ob sie nützten oder schaden. Wenn man ihnen Bemerkung machte, so waren sie beleidigt, als ob ihnen die Arm­ binde des Roten Kreuzes, die sie schmückte, alle Wissenschaft und Autorität verliehen hätte. Alle Welt ist sich schon einig über die Frivoli­ tät, die Wichtigtuerei und Koketterie vieler Da­ men vom Roten Kreuz, die nur deshalb ein­ getreten waren, weil man mit hochbetitelten Leuten in den Komitees zusammenkam. Man hatte überall nur vorausgesetzt, daß der Ein­ tritt irgend welche Dienste nicht mit sich brin­ gen würde. Man betrachtete die Sache ledig­ lich. vom gesellschaftlichen Standpunkte aus. Es war schick. Man machte hübsche Bekannt­ schaften. Als die Lage sich änderte und man Wunden verbinden, Blut sehen und Instru­ mente Herrichten mußte, flohen die Santen er­ schreckt davon. Tann erst kamen die Kranken­ schwestern, die mit aufopfernder Hingebung jedem dienten und seither funktioniert der Spitaldienst. ────────── Der Krieg mit England. Unterseeboote in Kanada. Amsterdam, 18. Jan. Nach, einer Reu­ termeldung aus Montreal hat das kanadische Milizdepartement bekannt gegeben, daß acht erstklassige Unterseeboote von der kanadischen Vickers-Gesellsch.. auf Kiel gelegt worden sind. Einige davon sollen bereits im August in Dienst gestellt werden. In dem Werk wird mit Hochdruck gearbeitet. (Z.) ────────── len zur Zwangsarbeit im Mittendistrikt Ver­ wendung finden, was die Erbitterung weiter Kreise natürlich noch verstärkt hat. ihre Textbehandlung erfordert noch! viel Sorgfalt. Tie berühmte Arie im ersten Akt, sowie der als Einlage gesungene Parla-Walzer trugen ihr regen Beifall ein. Schließlich wäre auch noch der zum Basse um­ gemodelte Basilio des Herrn Brenner zu be­ nennen. Die bei Ensemble-Gastspielen immer vermißte Sorgfalt der Szenerie, machte sich auch diesmal geltend; besonders stilwidrig für Sevilla wirkten die Biedermeier-Möbel. Tie Opernaufsührung hätte einen besseren Besuch verdient. — Nachmittags fand die veraltete Plötzsche Komödie für große und kleine Kinder "Ter verwunschene Prinz" ein dankbares Sonntagspublikum. Grm. ────────── den" absichtlich auf das Riff von Nord-Keeling gelaufen sei, um ein Sinken zu vermeiden. Tie deutsche Landungsabteilung, die ihr Schiff nicht mehr erreicht hatte, war inzwischen zurückgekehrt und hatte die deutsche Fahne auf der Station gehißt. Kapitänleutnant von Mücke erklärte, daß, falls die "Emden" bis zum Abend nicht zurückgekehrt sei, er auf den Schoner "Ahesha" Beschlag legen würde, um damit die Insel zu verlassen. Um 6 Uhr abends fuhren sie mit "Ahesha" fort, die von der Barkasse geschleppt wurde. Nachdem sie die deutsche Flagge gehißt hatten, verschwan­ den sie nach, einem dreimaligen Hurra in der Dunkelheit, v, Mücke erzählte mir, daß er — mit Ausnahme von sieben Minuten auf einer anderen Insel — zum erstenmal in drei Monaten einen Fuß an Land setzte. Ter Schoner "Ahesha" lief am 28. Nvoember mit der Kriegsflagge in Padang ein. An Bord waren Kapitänleutnant v. Mücke, Ober­ leutnant zur See Gißling, Leutnant zur See Schmidt und 47 Mann. Sie waren 18 Tage unterwegs gewesen und lebten von Schokolade, Reis und anderen Nahrungsmitteln. • Brot konnte aus Mangel an Brennstoffen nicht ge­ backen werden. Nach den Neutralirätsbestimmungen durfte der Schöner nur 24 Stunden in Padang bleiben und wurde in dieser Zeit mit Proviant, Kleidern und Tabak versorgt. Am nächsten Abend verließ der Schoner, während die heldenhafte Mannschaft "Tie Wacht am Rhein" und "Deutschland, Deutschland über alles"sang, den Hafen von Padang, mit der 91b* sicht, den Feind weiter zu schädigen. Das haben sie inzwischen als Erben eines berühmten Schiffsnamens auch redlich besorgt. ────────── Letzte Posten. Höhen, um den Rückzug zu decken und fuhr fort zu feuern, bis nur noch, wenige Leute übrig waren. Berlin, 19. Januar. Das "Berl. Tagebl." meldet aus Halle: 3300, in der Schlacht bei Soissons gefangene Franzosen sind ge­ stern im Gefangenenlager von Langensalza an­ gekommen. Tie Kämpfe bei Soissons. Berlin, 19. Januar. Holländische Blät­ ter melden die Fortdauer der Beschießung von Soissons durch die Teutschen. Berlin, 19. Januar. Ueber den deut­ schen Sieg bei Soissons finden sich in den hol­ ländischen Blättern Berichte äus Paris, welche besagen: Tie Franzosen wurden durch die Zerstörung der Brücke bei Missy von der Hauptmacht abgeschnitten, ihre Leichen bedeckI ten die Ufer des Flusses. Tie Ambulanzen | mußten sich, teilweise vom Schlachtfelde zu: rückziehen, da in dem dichten Puloerdampf ■ die Abzeichen des Rpten Kreuzes nicht mehr zu erkennen waren. Von einem Regiment am nördlichen Ufer blieb nur ein Viertel des Bestandes unverletzt. London, 19. Januar. Daily Chronicle berichtet aus Paris: Flüchtlinge aus Sois­ sons geben anschauliche Schilderungen über den Kampf bei den Schieferbrüchen bei Crouh. Der Kampf dauerte 7 Tage unb nahm nach einem anfänglichen Erfolg der Franzosen in dem Tale von Crouh einen unglücklichen Aus­ gang. Tie Franzosen wurden unter einem Granathagel begraben. Darauf kamen die Teutschen, schätzungsweise 50 000 Mann, von der Hochebene von Vrenje, und zwangen die Franzosen zum Rückzug. Eine Abteilung fran­ zösischer Infanterie, die die ganze Nachr unter den Waffen stand, erhielt am 14. Januar bei Tagesanbruch de/r Befehl, über den Fluß zu­ rückzugehen. Viele Soldaten waren seir zwei Tagen ohne Nahrung. Tie 'Mannschaft trifte von dem durch die Granaten aufgeworfenen ' Schmutz. Eine Batterie blieb nördlich der ────────── Literarisches. Von der Illustrierten Kricgschronik des Taheim (Verlag von Velhagen und Klasing in Bielefeld und Leipzig) liegen uns drei neue umfangreiche Hefte vor, welche in Bild und Wort die Ereignisse des Krieges von Anfang November bis zum Zusammenbruch, der rus­ sischen Offensive begleiten und darstellen. Tie bewährten Mitarbeiter der Chronik Män­ ner wie Prof. Tr. Otto Hoetzsch, Graf E. Reventlow, Hanns und Fedor von Zobelritz, Prof. Tr. Ed. Hehck, Paul Oskar Höcker, Le­ gationsrat Zimmermann, Johannes Höffner, • Prof. Tr. G. Roloff — sind ihr auch in dieI sen Heften treu geblieben und schaffen zusam$ men mit anderen gewandten Federn an dem Werk, das, je weiter es vorschreitet, ein desto wertvolleres Gedenkbuch an den Krieg zu wer­ den verspricht. Auch die Bilder sind mit fei­ nem Geschmack und großer Umsicht ausgewählt. Zu den Photographien, die selbstverständlich, die Mehrzahl bilden, gesellen sich Gemälde und Zeichnungen bedeutender Künstler. So | hat der ehrwürdige Eduard von Gebhardt ! einen farbig wiedergegebenen "Erzengel der j Teutschen" beigesteuert. Ebenfalls farbig sind | das gemütvolle Bild von Fritz Reiß und die I Zeichnung aus dem winterlichen SchützengraI ben von Tille. Für die Uebersicht der Kämpfe I in Lstfrankreich wird die anschauliche Relief-' I karte von Ott und Rueg willkommen sein.' j Tie Chronik, die sich auch weiter Verbrei] tung im Felde erfreut, erscheint aller 14 Tage, I jedes Heft kostet 60 Pfg. ────────── Die Verluste in den Schlachten des 19. Jahrhunderts. Man nimmt im allgemeinen an, daß in großen Schlachten der Lieger stets geringere Verluste habe, als der Besiegte. Daß diese Meinung irrig ist, acht aus einer Statistik hervor, die das "Algemeen Handelsblad" über die Verlustziffern der bedeutendsten Schlachten des vergangenen Jahrhunderts zusammen­ gestellt hat. Daraus ergibt sich, daß in einer ganzen Reihe von Schlachten der Sieger die gleichen Ver­ luste, ja, manchmal sogar größere als der Unterlegene zu beklagen hatte. Die interessante Uebersicht stellt folgendes fest: Feldfchlachten Sieger Besiegte Großgörschrn Bautzen Katzbach Dresden Kulm Dennewitz Leipzig Ligny Waterloo Solferino Königgrätz Wörth Mars-la-Tour Gravelotte Beaurnont 2. Mai 1813 20. und 21. Mai 1813 26. August 1813 26. und 27. August 1813 29. und 30. August 1813 6. September 1813 16. bis 19. Oktober 1813 16. Juni 1815 18. Juni 1815 24. Juni 1859 3. Jpli 1866 6. August 1870 16. August 1870 18. August 1870 30. August 1870 Noiffeoille 31. ?ügust und 1. Sept. 1870 Sedan 1. September 1870 Braune la-Rolande 28. November 1870 Champigny 2. Dezember 1870 Orleans 3. und 4 Dezember 1870 Beaugency Cravant 8. Dezember 1870 Le Mans 10. bis 12. Januar 1871 St. Quentin 19. Januar 1871 Liau-Jang 25. August bis 3. Sept. 1904 Schahs 8. bis 18. Oktober 1904 Mukden 1. bis 10. Marz 1905 244 Proz von 78 000 12.7 Proz. von 167 000 5.0 Proz. von 80 000 10.0 Proz. von 100 000 10.7 Proz. von 103 000 18.0 Proz. von 80 000 22.8 Proz. von 325 000 17.0 Proz. von 71000 15.8 Proz. von 120000 10.2 Proz. von 143 000 4.1 Proz. von 220 000 11.3 Proz. von 82 000 23.6 Proz. von 63 000 10.5 Proz. von 187 000 5,0 Proz. von 68 OOO 3.6 Proz. von 78 000 5.2 Proz. von 160 000 2,5 Proz. von 40 000 12.5 Proz. von 28 600 2,4 Proz. von 86000 11.7 Proz. von 30 000 4,8 Proz. von 72000 7.7 Proz. von 33 000 12.3 Proz. von 135 000 11,7 Proz. von 145 000 13.0 Proz. von 314 000 17,1 Proz. von 70 000 11.3 Proz. von 97 000 20.0 Proz. von 60 000 7,5 Proz. von 200 000 24.3 Proz. von 37 060 10,8 Proz. von 70000 25.7 Proz. von 175 000 19.0 Proz. von 84 000 34.8 Proz. von 72 000 10.1 Proz. von 130000 11.0 Proz. von 215 000 198 Proz. von 41000 15.0 Proz. von 113 000 11.3 Proz. von 113 000 9.4 Proz. von 59 000 3.7 Proz von 96 000 18.0 Proz. von 95 000 6.7 Proz. von 60000 6.8 Proz. von 52 000 3,7 Proz. von 64 000 8.4 Proz. von 60 000 7,0 Proz. von 88 000 7.4 Proz. von 47 POO 11.0 Proz. von 150000 21.8 Proz. von 210 000 23.0 Proz. von 310 000 ────────── Inserate. ────────── Tages-Uebersicht. Bollmar über den Krieg. Tie "National Tidende" hat den Abgeordneten von Vollmar über die Stellung seiner Partei zum Kriege beftagt. v. Vollmar hat geantwortet: Augen­ blicklich ist das deutsche Volk in seiner Ge­ samtheit von dem einzigen unbezähmbaren Wil­ len beseelt, das Vaterland zu verteidigen, seine Unabhängigkeit und seine Kultur gegen die Feinde zu verteidigen und nicht eher zu ru­ hen, als bis diese besiegt sind. Es gibt keinen Teutschen, der nicht die größten Opfer, die von ihm gefordert würden, bringen wollte, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn man im Auslande hieran zweifeln wollte, würde man enttäuscht werden. (Z.) Ter Weichsel im Wiener Kabinett nnd der Krieg. Einer Konstantinopeler Depesche der "Köln. Ztg.f' zufolge erwartete man in der Türkei den Rücktritt Berchtolds seit dem Ein­ greifen Italiens in Albanien. Tie Blätter nehmen einstimmig einen Zusammenhang zwi­ schen diesem Personenwechsel an und angeblich jetzt in Rom stattfindenden Verhandlungen zwischen d en Zentralmächten und Italien- Ru­ mänien, denen sie die größte Bedeutung für den endgültigen Ausgang des Weltkrieges bei­ messen. Laut einer Dresche aus Sofia er­ blickt man dort in der Ernennung Burians! die Absicht, den Balkandingen den Wert bei­ zumessen, den sie verdienen. Einflußreiche Bulgaren sandten Glückwünsche an Burian. Preissteigerung in England. Aus London melden holländische Blätter, daß die Steige­ rung -er Preise für Kohlen und Brot und anderer Lebensrnittel unter der englischen Be­ völkerung eine große Unruhe erzeugt.