Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-01-29. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 23, 1915-01-29. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 027 29. Januar 1915 ────────── fdEjiht. Im allgemeinen ist uns der Dienst durch die enorme Kälte erschwert. Aber sonst geht es uns ganz gut. Steries aus Löwen. Auch in dem übelbeleumundeten Löwen, das im Franktireurkrieg eine so traurige Rolle gespielt hat, sind jetzt unter der deutschen Besatzung durchaus annehmbare Zustände ein­ getreten, wie der Bericht erkennen läßt, den «in Bürger von Löwen an ,.De Tijd" gesandt hat. "Durch die Maßregeln, die das deutsche Militär verfügt hat," so heißt es da, "hat Löwen wieder ein friedliches Gesicht bekom­ men. Verschiedene der aus Holz zusammenge­ zimmerten Notwohnungen sind ausgeräumt u. als Hospital eingerichtet worden. Es wer­ den hier ungefähr zweihundert schwerverwun­ dete Offiziere und Unteroffiziere verpflegt. Da­ runter befinden sich, auch> 16 französische Leut­ nante und ein Hauptmann. In Löwen und der Umgegend liegen etwa zehntausend deutsche Soldaten, die zum größten Teil der Reserve angehören. Vor einigen Tagen kamen hier aus dem Südwesten 1800 gefangene Franzosen, sowie einige Kanonen und anderes Kriegsma­ terial durch!. Tie Wege wurden streng be­ wacht, und die Gefangenen, die hier über Nacht blieben, mußten in den Eisenbahnwagen schlafen. Toch, bekam jeder Gefangene zunächst eine Schüssel voll heißer Suppe mit einem guten Stück Fleisch darein. Tie französischen Soldaten benahmen sich, ruhig und zeigten sich durchaus zufrieden mit der ihnen zuteil ge­ wordenen Behandlung . Tie deutsche Verwal­ tung lastet nicht schwer auf uns. Es wird auch wieder wie in Friedenszeiten Markt abgehal­ tn, und die Bauern kommen wie früher zur Stadt und halten ihre Waren feil. Die Preise sind natürliche höher als vor dem Kriege, hal­ ten sich aber immerhin in erträglichen Gren­ zen. So kostet z. B,.' ein Pfund Butter 1,65 Mark. Von dem erlösten Gelde müssen die Verkäufer zehn Prozent abliefern, die der Sammlung zur Unterstützung notleidender Bürger zugeführt werden. Diese Unterstützüngskasse wurde bereits im Dezember von den Teutschen eingerichtet. Auch die Verhältnisse in den umliegenden Dörfern sind den Umstän­ den nach zufriedenstellend. Ueberfluß an Le­ bensmitteln herrscht natürlich nicht. Zwar kommen aus Antwerpen und aus Holland ziemliche häufig ganze Waggonladungen mit Le­ bensmitteln an, doch reicht jede Sendung im­ mer nur für wenige Tage. Auf Verordnung des Provinzialgouverneurs darf das Brot nur noch auf eine ganz bestimmte, das Korn spa­ rende Weise gebacken werden. " ────────── ganz jungen Anfänger so tatkräftig unter­ stützt, daß ich, schnell eine gute Praxis bekam, und bis zu seinem Ende war er mir ein treuer Freund. Es war mir Ehrensache, den Platz, den erst seine verehrungswürdige Gattin und dann seine nicht minder verehrungswür­ dige Tochter einnahm, von einer Abenteuerin zu säubern." Tie beiden Männer sahen sich an und verstanden sich. Sie drückten sich die Hände, und Norbert sagte halberstickt vor Erregung: "Nie — nie werde ich, Ihnen das ver­ gessen." Tr. Bruckner ließ sich, bei der Baronin melden. Norbert war in seinem Zimmer geblieben, eine Beute der stürmischen Empfindungen. Er hatte sich! auf den Divan geworfen. Seine Gedanken kreisten unruhig und fieberhaft hin­ ter seiner Stirn. So lag er und wartete auf die Enffcheidung. Nur volle Gewißheit seiner ^Befreiung wollte er haben, dann wollte er hinüberfliegen — zu Annettes, und ihr sein übervolles Herz ausschütten. Heute mutzte sie ihn empfangen, er muhte ihr selbst sagen, daß er frei sein würde. So ilag er wie gefesselt und wartete, bis Bruckner feine Mission erfüllt hatte. Lena saß in denkbar schlechtester Stim­ mung in ihrem Salon, als ihr Bruckner ge­ meldet wurde. Sie sah etwas verwundert auf die Karte herab. Ta fiel ihr ein, daß dieser Name auf dem Postabschnitt gestanden hatte, als sie tzie letzte Rate von Norbert erhielt. Jedenfalls kam er heute als Abgesandter ihres Gatten. Vielleicht hatte er doch, neue Vor­ schläge in seinem Namen zu machen. Vor allen Dingen aber war es ein Mensch., mit dem sie reden konnte. Dieses ewige Schweigen vertrug sie nicht mehr. "Ich lasse bitten," sagte sie hastig. Bruckner trat ein und verbeugte sich,. "Frau Baronin verzeihen, wenn ich, störe — ich komme im Aufträge des Herrn Barons Norbert von Falkenau." Lena neigte den Kopf. "Sie stören mich, nicht, Herr Doktor. Bitte, nehmen Sie Platz und sagen Sie mir, was mir die Ehre Ihres Besuches verschafft." Bruckner setzte sich nieder, und Lena dra­ pierte sich, graziös ihm gegenüber in einem Sessel. Sobald sie sich einem Mann gegen­ über sah, kokettierte sie mit ihren Reizen, das war ihr in Fleisch, und Blut übergegangen. Ä. —f (Sovtsetzung folflt.l __ j wird durch, alle Zeitungen geschleift, und es wird alles, was hinter Ihnen liegt, wieder aufgerührt. Daran kann uns nichts liegen., .Ich, werde ihr die Wahl lassen, sofort abzu­ reisen und in die Scheidung zu willigen — Dann soll sie, sagen wir fünftausend Mark, Mente von Ihnen bekommen — oder sich den Prozeß wegen Betrugs und Eingehung einer Ehe unter falschem Namen von uns machen lassen. Ta sie im letzten Falle nicht einen Pfennig bekommen wird, bin ich überzeugt, sie wählt das erstere. Dafür werde ich durch, meine Darstellung der Sachlage sorgen. In wenig Stunden wird Falkenau von ihr befreit sein. Sie können dann das neue Jahr unter einem günstigen Zeichen beginnen." Norbert drückte ihm so stark die Hand, datz Toktor Bruckner eine Grimmasse schnitt. "Lieber Herr Toktor — lieber Herr Dok­ tor — wie danke ich, Ihnen nur? Sie schenken mir das Leben wieder und — ach — Sie wissen ja gar nicht, welche Wohltat Sie mir erweisen." Bruckner lachte gerührt. "Nun, nun — das braucht keinen Tank, ich habe Ihren Auftrag erfüllt und werde Zchnen schon die Kostenrechnung schicken," scherz­ te er. Ernst werdend fuhr er fort: "Außerdem — Baron Donatus Falkenau hat mich, als ────────── Aus den Kolonien. Ar de« Kolonie«. Frankreichs auf die Tauer des Krieges nach Frankreich, übersiedelt. Die Regierungsgewalt wird inzwischen von Frankreich ausgeübt wer­ den. (Z.) — Richtig gelesen, ist der Bey nach Frank­ reich! gebracht worden, natürlich weil man ihm des heiligen Krieges wegen nicht traut. ────────── Deutschland und Japan. Wie die Japaner Jaluit besetzten. Ter Stationsleiter von Jaluit Paul Merz, der bei Besetzung der deutschen Marschall-Jnseln duvch, die Jäpaner als Kriegsgefangener nach, Tokio gebracht, dort aber nach kurzem Aufenthalte freigelassen wurde, sendet seinem in Bayreuth lebenden Vater aus San Franzisko einen ausführlichen Bericht über seine Erlebnisse. In dem von der "Oberfvänkischen Zeitung" veröffentlichten Briefe heißt es: "Am 29. September 1914 erschienen drei japanische Kreuzer und zwei Torpedobootszer­ störer vor Jaluit. Gegen halb 12 Uhr mit­ tags landeten sie auf Jabwor etwa 350 Offi­ ziere und Mannschaften. Nachdem die ganze Insel besetzt worden war, wurde ich zum Be­ fehlshaber des Landungskorps gerufen. Ich war von sämtlichen Beamten begleitet. Wäh­ rend der Verhandlungen, die nun begannen, wurde plötzlich, Gewehrfeuer eröffnet. Als ich sofort dagegen protestierte, erwiderte mir der kommandierende Offizier, daß die japanischen Soldaten "very wild" seien. Das Feuer wurde jedoch wieder eingestellt. Zwei Kugeln hat­ ten mein Haus getroffen, eine war 20 Zenti­ meter über dem Kopf meiner Frau, die sich, mit unseren zwei Töchterchen und zwei Die­ nern allein im Hause befand, ins Verandadach eingeschlagen. Das geschah, während wir Beamten uns unbewaffnet dem Kommandeur der Landungstruppen gegenüber befanden. Tann wurden sämkliche Häuser durchsucht, Uhren und andere Goldsachen wurden mitgehen geheißen, Bier, Butter, Milch, usw. bildeten eine willkommene Abwechselung für die ja­ panische Kriegskost an Bord. Das Bild des Kaisers wurde beim Händler Capelle mit 10 Bajonettstichen durchbohrt. Als Abschluß der Verhandlungen wurde mir schließlich bekannt gegeben, daß die ja­ panische Regierung die Insel Jaluit als Haupt­ stadt der MarschaUinseln ihrer Verwaltung un­ terstelle, so lange sich die deutsche Flotte im fernen Osten zeige. Sämtliche Akten wurden durchwühlt, verschlossene Schränke aufgebrochen und alles beschlagnahmt, was nach außen offi­ ziell aussah. Besondere Genugtuung bereitete die Auffindung des deuffchen Exerzierregle­ ments. Atlanten, Karten und ähnliches waren willkommene Beute. Das Postgebäude wurde duvch, Kolbenstöße aufgebrochen, die lagernden Briefe und Pakete erbrochen und ihr Inhalt ebenso wie die Markenwerte in alle Winde verstreut. Selbst die Uhr, die an der Wand hing, wurde herabgerissen und zerstört. Tie Segelboote der Station, offene Kutter, der eine etwa 24, der andere 20 Fuß lang, wur­ den, nachdem Segel, Taue und Blöcke weg­ genommen waren, aus dem Hafen geschleppt und ausgebrannt. Ein Kohlenleichter und ein Boot der Jaluitgesellschaft, das grau ange­ strichen war, wurden zerstört, während drei andere Boote unversehrt blieben. Am 2. Oktober erschien das Geschwader zum zweiten Male und landete eine Abteilung Matrosen. Ter kommandierende Offizier über­ reichte mir eänen Brief des Admirals Yomamya, in dem er unter Fesffetzung einer etnstündigen Frist um Aufklärung über schlechte Behandlung eines in Jaluit internierten Ja­ paners bat. Gleichzeitig wurde mir eröffnet, daß eine Antwort ohne den Ausdruck des Be­ dauerns und der Entschuldigung nicht ange­ nommen würde. Was blieb mir anderes übrig, als dem Ansinnen zu entsprechen, wenn ich nicht die kleine wehrlose Kolonie der Willkür der Japaner ausliefern wollte, da den Wor­ ten eines feigen, japanischen Kulis — er war Viehtreiber — unbedingter Glaube geschenkt wurde. Während der Verhandlungen war ich von Soldaten umringt, die ihre Gewehre stets auf mich, gerichtet hatten. Bei jeder Bewe­ gung meinerseits wurde ihre Haltung drohen­ der. Abends zog das Geschwader wieder ab, um am nächsten Mittag wieder zu erscheinen. Wieder fuhr ein Zerstörer in den Hafen, und von ihm und dem Kreuzer wurden abermals etwa 350 Offiziere und Mannschaften gelan­ det und die Insel besetzt. Tann wurde mir eröffnet, daß die japanische Flagge gehißt sei, die japanische Regierung habe anders beschlos­ sen, sie nehme nunmehr von Jaluit Besitz. Um diese Besitznahme rechtswirksam zu ma­ chen, mußte ich als Kriegsgefangener erklärt und nach Japan gebracht werden. Es stehe mir frei, meine Familie und einen Diener mit­ zubringen. Ich erklärte, mich, der Gewalt fü­ gen zu müssen. Tie Sicherheit des Lebens und des Eigentums der Zurückbleibenden wur­ de mir garantiert. Unter militärischer Kon­ trolle hatten wir dann zwei Stunden Zeit, unsere Sachen zu packen. Um 6 Uhr wurden totr auf den Torpedobootszerstörer gebracht und verließen als Kriegsgefangene Jaluit, un­ sere zweite Heimat." ────────── Besagen, daß, bei -er russischen Artillerie immer mehr Munitionsmangel in Erscheinung trete. Bei den letzten Artilleriekämpsen am Tunajec funb an der Nida würd« verschiedentlich kon­ statiert, daß, die Russen diesem Mangel durchs Verwendung alter Muniition zu steuern such­ ten. Dies geht einmal daraus hervor, daß, die österreichischen Batterien, in denen die Rus­ sen ganze Serien von Treffern placierten, nicht im geringsten Schaden nahmen, dann aber auch aus aufgefundenen, nicht krepierten Ge­ schossen. Auch schon bei der Beschießung der Außenforts von Krakau wurde einwandfrei festgestellt, daß viele Granaten der Flachbahn­ geschütze wirkungslos niedergingen. Ter Muuitionsmangel zeigt sich auch bei der immer stärker sich ausprägenden Sparsamkeit beim Positionskampf. Während die Russen in den ersten Monaten des Krieges selbst kleinste Grup­ pen mit ganzen Lagen von Geschossen über­ schütteten, schweigt die russische Artillerie jetzt uachts fast vollständig. E. Lennhoff, Kriegsberichterstatter. Die Leiden unserer Landsleute in Sibirien. In Tomsk herrscht eine Temperatur von minus 45 Grad Reaumur. Laut "Slowo" sind die Leiden der Kriegsgefangenen groß. (Z.p Die Moslirns im russischen Heere meutern. Ter Budapester "Esti Ujsag" meldet vom Karpathen-Kriegsschauplatz: In einem Tscherlessenregiment, und zwar in dem 17. sibiri­ schen Infanterie-Regiment, meuterte dieMannschaft mohammedanischer Konfession, da sie durch nachgeschobene Truppen erfuhren, der Sultan habe den heiligen Krieg proklamiert. Tie Russen mißhandelten die Mohammedaner, worauf als Antwort die Verteilung Tausen­ der aufwiegelnder Schriften erfolgte. Die Unteroffiziere eines Regiments erschienen vor dem General und baten um beruhigende Er­ klärungen über das Los der Stammesgenossen, worauf alle gefesselt mach« Lemberg gebracht wurden. Tie mohammedanischen Truppen werden deshalb von den Karpathengebieten Zurückgezogen, weil die Russen ihnen nicht Imehr trauen. Die Proklamation wurde in Jekaderinodar gedruckt; sie fordert alleMohammedaner auf, der Fetwa des Sultans zu fol­ gen und an der Seite des Sultans zu kämpfen. ────────── Die Türkei im Kriege. Zeit öfters der Schauplatz von Kämpfen ge­ wesen. Sein Handel hat unter den unsicheren Zeiten sehr gelitten, während die «Stöbt frü­ her ein großer Lagerplatz für Waren aller Art war und im ganzen Orient sich« hohen Ruhmes wegen seiner zahlreichen schönen Ba­ zare erfreute. Im Bürgerkrieg von 1909 war die Stadt ein Hauptgegenstand erbitterter Kämpfe, und im April dieses Jahres besetzren russische Truppen den Ort, die so lange hier die Herren spielten, bis sie nunmehr wieder hinausgeworfen worden sind. Ter Han­ del mit Rußland hat sich, während dieser fünf Jahre gehoben, und auch der alte Handelsweg von Däbris nachi Trapezunt wurde wieder er­ öffnet, auf dem persische Karawanen die köst­ lichen Perserteppiche nach dem Schwarzen Meer führten, von wo sie nach! Europa gebracht wurden. Eine interessante Persönlichkeit ist der gegenwärtige Gouverneur von Täbris, Schuja-ed-Tauleh, früher als Samad Khan be­ kannt. In der persischen Pofitik der letzten Jahre hat er eine große Rolle gespielt und war der tapferste und tätigste Belagerer der Stadt, die er seitdem beherrscht und jetzt den Türken übergeben hat. Tie Regierung des jungen Schah war mißtrauisch gegen ihn und suchte ihn zu verschiedenen Malen zu stürzen, aber er hielt sich stets durch seinen großen Einfluß. Ein Besuch in Däbris. Ter wichtige Erfolg, den die Türken durch die Besetzung von Däbris über die Russen er­ rungen haben, bringt die zweitgrößte Stadt IPersiens in ihre Hände und verschafft ihnen ein großes Uebergewicht über ihre Feinde. Tie Volkszählung liegt zwar in Persien sehr int Argen, aber Däbris gehört zu den wenigen Städten, die in ihrer Größe und Einwohner­ zahl in Europa entschieden unterschätzt worden find. In Ausdehnung ist die Stadt größer als Teheran, die Haupfftadt Persiens, und die Einwohnerzahl muß auf wenigstens 200 000 beziffert werden. Im tiefsten Winter sind die Türken in diese schöne Gartenstadt eingezogen, und was solch ein Wimer in Däbris bedeutet, erzählt uns ein Besucher der Stadt, der eben­ falls im Januar dort geweilt hat. Tie Um­ gegend ist dann eine weite flache «Schneewüste, durch cheren Mitte der berühmte, aber recht unwirtlich' dreinschauende Araxes seine kalten Fluten wälzt. An den Usern bis ziemliche weit in das Flußbett ihinein ist er zugefroren, und so ist nur noch« ein dunkles Wasserband übrig geblieben. Schnee fällt schwer und erbarNrungslos, und nur mit großen Mühen kommt man vorwärts, da die Wege sehr schlecht sind. In neuester Zeit 'haben freilich die Russen von dem russischen Orte Julfa einen Schienenweg zu legen angefangen, der ein Stück des Weges nach« Däbris führt. Auch bieten Automobile jetzt dort ein besseres Fortkommen, wo ftüher der Reisende nur mit vierspännigem Postwagen vorwärts drang und sehr oft frische Pferde nehmen mußte. Ta Persien in den letzten 10 Jahren beständig durch kriegerische Wirren erschüttert wurde, so ist Däbris in jüngster ────────── Tages-Uebersicht. Kursverlust beim Zurückhalten der Gold­ stücke. Wie verlautet, plant die Reichsbank, alle eingezogenen Goldstücke umzuprägen und i mit einem Lorbeerkranze zu versehen, um sie | als Mitkämpfer im Kriege kenntlich zu ma° chen. Alle übrigen nach dem Kriege zum Vor­ schein kommenden Goldstücke sollen von den öffentlichen Kassen nur mit ganz erheblichem Kursverluste angenommen werden. Hierdurch! wird es gelingen, diejenigen zu bestrafen, die während des Krieges in übertriebener Aengstlichkeit ihre Goldfüchse zurückgehalten haben. Die neue Regierung in Portugal. Die "Daily Mail" meldet aus Lissabon vom 25. Januar: In der gestrigen Versammlung der demokratischen Partei wurde beschlossen, der neuen Regierung stark zu opponieren. — Ca­ stro ordnete die Freilassung aller Offiziere an, ferner die Rückgabe der Säbel an die Re­ gimenter und Einheiten, sowie an einzelne Personen, die sie fieiwillig abgelegt oder dem Kriegsamt zugesandt hatten. Tie Siegel, die an die Geschäftsräume des republikanischen Organs, sowie die "Tucta" und "Intransi­ gente" gelegt wurden, wurden entfernt. — Castro gewährte dem Korrespondenten der "Daily Mail" eine Unterredung, in der er sagte, seine Absicht sei, energisch vorzugehen; aber sich innerhalb der Grenze zu halten, sei nötig, um beruhigend zu wirken. Nach den Wahlen werde die Regierung wahrscheinlich! wieder mit Zivelpersonen besetzt. Er rnajcht nicht mit. Aus London wird gemeldet: Ta der mexikanische Gesandte in London sich außerstande sieht, irgendeine der sich in Mexiko bekämpfenden Parteien zu ver­ treten, hat die mexikanische Gesandtschaft ihre Tätigkeit eingestellt. Amerika int» ver Kauf fremder Schiffe. Tie Londoner "Times" melden aus Washing­ ton vom 24. ds.>: Präsident Wilson ist mehr denn je entschlossen, die Gesetzesvorlage über den Ankauf von fremden «Schiffen durchzu­ setzen. Er scheint bereits die Unterstützung des größten Teiles der Opposition gewonnen zu haben. Viele einflußreiche «Senatoren, die den Gesetzentwurf bekämpfen, sagen, sie hät­ ten wegen ihrer Haltung Proteste von ihren Wählern empfangen. ────────── Bayerische Nachrichten. «Seine Niajestät ver König sind gestern früh 8 Uhr in Begleitung des Kriegsministers Generalobersten Frhrn. v. Kreß und der Her­ ren des Gefolges zum Besuch! der bayerischen ' Truppen aus den Kriegsschauplatz abgereist. Die städt. Kollegien in Regensburg haben am Mittwoch! für Notstandsmaßnahmen, ins­ besondere für die Ernährung der städtischen Bevölkerung einen neuen Kredit von 300 000 Mark bewilligt. — Tie Stadt Regensburg be­ teiligt sich! an der Hindenburgspende zur Ver­ sorgung des Ostheeres mit Pelzwaren mit 2000 Mark. Bei einem Zusammenstoß zweier Straßen­ bahnwagen in München wurden 12 Personen verletzt. ────────── — Tie reichsgesetzliche Famili enunter st ützung, tote die Unterstützung aus freiwilligen Mitteln werden künftig nur mehr ! an Werktagen vom 1. mit 8. und 16. mit 24. * jeden Monats vormittags von 8 bis halb 12 Uhr im Rathaus Zimmer Nr. 6 bezto. Stadthaüptkasse abgegeben. —* Feldpo st briese bis zum Ge­ wichte von 500 Gramm. Feldpostbriefe nach dem Feldheer im Gewichte über 250 Gramm bis 500 Gramm werden für die Zeit vom 1. bis einschl. 7. Februar von neuem zugelassen. Tie Gebühr beträgt 20 Pfg. —* Die hiesige Neben st elle der Bayer. Landesgewerbeanstalt hält in den Monaten Februar und März Zeichenüb­ ungen für Bauhandwerker ab. Um die Teil­ nahme an denselben auch jenen zu ermöglichen die sich an den Fachzeichenkursen, bei denen täglüchi Unterricht stattfand, nicht beteiligen konnten, wurde angeordnet, daß die Uebungen Nur zweimal in - der Woche stattfinden sol­ len. Tie Unterrichtsgebühr beträgt 3 Markt Es ist dringend zu wünschen, daß, sich auch jetzt während der Kriegszeit genügend Teil­ nehmer finden, die sich im Zeichnen üben und ausbilden wollen. —* Ueber Vaterland, Vaterlands­ liebe und Religion sprach vorgestern im Saale des katholischen Gesellenhauses Pater Gaudentius Bachmaier aus Laufen. Er er­ läuterte eingehend den Begriff Vaterland, der zweierlei sei: das irdische Vaterland, das wohl ein schöner, aber kein starrer Begriff sei, durch, politische Verhältnisse Veränderungen unter­ worfen sein oder durch, eigenen Willen auch gewechselt werden könne und das himmlische Vaterland, die Heimat unserer Seelen. Vater­ landsliebe sei unser Recht, aber auch unsere Pflicht. Vaterlandsliebe sei Dankbarkeit, eine der edelsten Eigenschaften der Menschen, und Pflicht, weil uns kein Land das geboten hat, wie das Vaterland. Doch, müsse die Va­ terlandsliebe auch recht verstanden werden. Vor allem sei ihr Ausdruck der Gehorsam gegen den Herrscher und seine Stellvertreter, ohne zu fragen, welchem Bekenntnisse diese angehören, daß jeder dem Kaiser gebe, was des Kaisers ist, daß der mit Glücksgütern reicher Gesegnete zu den gemeinsamen Lasten auch, mehr beiträgt, als der Arme, der sich mühsam durch das Leben fristet. Es sei nicht Vaterlands­ liebe, wenn jemand die Güter des Vaterlan­ des genießen, von den Lasten aber sich, hin­ wegschrauben wolle. Es sei nicht Vaterlands­ liebe, wenn man nur Hurra ruft, wenn man nur an dem eigenen Volke Gutes sehe und an anderen nur Schlechtes. Mag auch der Teuffche sein Vaterland über alles lieben, so sei er nicht berechtigt, an anderen nur alles verächtlich zu finden. Namentlich dort sei es nicht angebracht ,wo ein Reich mehr Nationen in sich! schließe. Auch das Teutsche Reich schließe Polen, Elsaß-Lothringer und franzö­ sische Elemente in sich. Hier habe Bismarck vorbildlich gehandelt, als ihm eine Abordnung aus Oesterreich-Ungarn eine erweiterte deutschirredentistische Propaganda anbieten wollte. Er empfing die Herren gar nicht und ließ ihnen sagen, "sie könnten etwas Gescheiteres tun". Ta müßten wir sagen, war Bis­ marck ein ganzer und gerechter Teutscher, weil er nicht verlangte, alle Völker der Welt müß­ ten deuffch sein, aber alles solle Achtung ha­ ben können vor den Teuffchen. Wenn heute jeder waffenfähige Teutsche das Schwert zieht und mit Heldenmut sein Leben in die Schanze schlägt, wenn die Frauen daheim Werke der Liebe verrichten, so sei das eine Aeußerung der edelsten Vaterlandsliebe, die schon im Frie­ den vorhanden, im Krieg bis zur äußersten Opferwilligkeit sich vertieft habe. Tie echte, bis zur äußersten Opserwilligkeit gehende Vater­ landsliebe könne aber nur auf dem Boden der Religion gedeihen. Schon in den Kriegsliedern des griechischen Dichters Homer spiele das re­ ligiöse Moment eine große Rolle. Ebenso habe der Welteroberer Alexander bei der Ein­ nahme von Jerusalem vor dem Hohenpriester der Juden, als dem Vertreter der Gottheit seine Knie gebeugt. In idem Stifter der katholischen Religion, in Christus sei Vaterlandsliebe und Religion auf das innigste vereint gewesen. Und weil Christus sagte: "Gehorchet der Obrig­ keit", darum sei es eine hehre Aufgabe der Christen, gerechte Gesetze gewissenhaft zu hal­ ten. Ties ist auch, das Fundament, auf wel­ chem der Heldenmut unserer Offiziere und Soldaten gedeihe. Am Schluffe wies der Red­ ner noch, aus den Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers hin, dem wir mit gan­ zer Liebe ergeben sind und schloß seine Aus­ führungen mit einem begeistert aufgenomme­ nen Hoch aus Kaiser Wilhelm II. und König Ludwig III. , ────────── 5te Russen wollen Lemberg räumen? Wien, 29. Januar. Das in Lemberg er­ scheinende Blatt "Floro Polskie" berichtet, daß am 12. Januar in Lemberg Straßenplakate angebracht wurden mit der Ankündigung, daß die Russen wahrscheinlich genötigt sein wür­ den, aus strategischen Gründen Lemberg vor­ übergehend zu räumen. Tie Bevölkerung möge sich! ruhig verhalten und anläßlich der "vor­ übergehenden" Besetzung durch die Oesterrei­ cher "keine Dummheiten" machen. ────────── Handel und Verkehr. Nürnberg, 27. Jan. (Hopfenbericht.) In den ersten drei Tagen dieser Woche wurden 800 Ballen verkauft, die für Zwecke des Ausfuhr- und KundschastShandels Verwendung landen. Ersterer legte Preise an von 42 bis 58 Mark, letzterer bis zu 75 Mark. Zufuhren bis heute 600 Ballen. Stim­ mung ruhig. Preise: Markthopfen 32—45, GebirgSHopfen 50—60, Hollerdauer gering 25—32, mittel 35—50, prima 60—70, Hoüerdauer Siegel 35—55, Hollerdauer Siegel prima 65 — 75, Württemberger mittel 35- 50, Württemberger prima 65 75, Spalter Landhopfen 40—75, Elsässer 40-70 Mark. ────────── Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Prospekt des Herrn Georg Weng er, Landrhut, Vertreter nur deutscher Näh­ maschinen bei. der sehr interessante Aufklärung bringt über Herkunft von Nähmaschinen. Herr Georg Weng» führt ein auswahlreiches Lager guter deut­ scher Nähmaschinen, das sich Wagnergaffe 9/1 (Karlwirt) befindet. Literarisches. "D er Vorttupp", Halbmonatsschrift für dar Deutschtum unserer Zeit. Herausgegeben von Dr. jur. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutnant a. D. Hans Paafche, Berlin. Verantwort­ licher Schriftleiter Dr. phil. R. Kraut. Hamburg. Verlag von Alfred Janssen, Hamburg Preis: Jährlich 5 Mark, vierteljährlich 1 Mark 25 Pfg.; Einzelnummer 30 Pfg. Der "B a u m e i st e r", Monatshefte für Ar­ chitektur und Baupraxis (Verlag D. W. Callwey, München), bringt im 3. Hefte des XIII. Jahrganges u. a. den jetzt besonders interessierenden Aufsatz: "Bilder aus Warschau" als Fortsetzung des in Heft 2 begonnenen Artikels "Baugeschichtliches aus Ruß­ land". Neben 15 großen Abbildungen im Haupt­ blatt erläutern noch 12 große Tafeln eingehend die behandelten Bauten. Das Heft ist zum Preise von 3 Mark durch jede Buchhandlung zu beziehen. "Die Pl asttk", illustrierte Zeitschrift für die gesamte Bildhauerei und Bildneret und ihre Be­ ziehungen zu Architektur und Kunstgewerbe. Heraus­ gegeben von Alex. Heilmeyer, Bildhauer und Kunst­ schriftsteller, München. Monatlich ein Heft mit acht Kunstorucktafeln und einem Bogen Text. Preis vierteljährlich 3 Mark. Einzelnes Heft 1.20 Mark. Verlag von Georg D. W. Callwey, München. ────────── Der Krieg. lange also die Engländer hier nicht mit gu­ tem Beispiel vorausgehen, haben wir doch- si­ cherlich keine Ursache, unsere Maßnahmen zu ändern. Gestern nachmittags wurde berichtet: Bericht des beittfdjen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 28. Januar, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der flandrischen Küiste wurden die Ortschaften Middelkerke und Slype von feind­ licher Arttllerie beschossen. Auf den Craonner Höhen wurden dem Feinde weitere an die vorgestern eroberten Stellungen östlich- anschließende 500 Meter Schützengräben entrissen. Französische Gegenangriffe wurden mühe­ los abgewiesen. Tier Feind hatte in den Kämpfen turnt 28. bis 27. schwere Verluste. Ueber 1500 tote Franzosen liegen ans dem Schtachtfeldc. 1100 Gefangene einschließlich' der am 27. gemeldeten fielen in die Hände unserer Truppen. In den Vogesen wurden in der Gegend Senones und Ban de Sapt mehrere fran­ zösische Angriffe unter erheblichen Verlusten für den Feind abgeschlagen. 1 Offizier und 50 Franzosen wurden gefangen. Unsere Verluste sind ganz gering. Im Oberelsaß griffen die Franzosen auf der Front Niederaspach—Haidweiler—Hirtsba­ cher Wald unsere Stellungen bei Aspach—Am­ merzweiler— Haidweiler und Hirtsbacher Wald an. Neberall wurden die Angriffe mit schwe­ ren Verlusten für den Feind abgewiesen. Besonders stark waren seine Verluste süd­ lich- Haidweiler und südlich. Ammerzweiler, wo die Franzosen in völliger Auflösung zurück­ wichen. 5 französische Maschinengewehre blieben in unsere« Häuve«. Im Westen wurden Middelkerke und Slype wieder von feindlicher Artillerie be­ schossen. Ter Kampf auf den Craonner Höhen tobt noch weiter. Ten 1400 Meter Schützen­ gräben von vorgestern konnten gestern neue 500 Meter angefügt werden, so daß die Fran­ zosen jetzt auf einer Länge von 2 Kilometern aus ihren Gräben geworfen sind. Blutige Ar­ beit wurde dabei verrichtet, denn 1500 tote Franzosen bedeckten das Feld. 1100 Gefangene fielen an beiden Tagen unseren Truppen in die Hände. Auch' in den Vogesen wurde trotz der hohen Schneelage wieder gekämpft und Angriffe der Franzosen zurückgeschlagen. Hie­ bei machten unsere Truppen einen Offizier und 50 Mann der Franzosen zu Gefangenen. Im Oberelfah wurden fianzöfische Angriffe Mutig abgewiesen. Ter Feind ist nach dem Generab stabsberichte teilweise in vöttiger Auflösung zurückgeworfen und ließ. 5 Maschinengewehre in unseren Händen. Vom östlichen Kriegsschauplatz liegen nur wenig Meldungen vor. Bei Gumbinnen und Biezun wurden russische Angriffe abgewiesen. Tie russischen Vorstöße bei Gumbinnen dauern also noch' immer an, trotz der teilweise schweren Verluste, welche die Russen dort bereits er­ litten haben. Wenn aber ihre Versuche, die deutschen Linien zu durchbrechen, die angekün­ digte große russische Offensive darstellen sol­ len, so haben wir von ihr wohl nicht viel zu befürchten. Tie Oesterreicher haben die Russen nun auch aus dem Nagh-Ag-Tal geworfen. Hierbei fielen ihnen 700 Russen und 5 Maschinen­ gewehre in die Hände. Von den türfischen Kriegsschauplätzen lie­ gen heute nur wenig Nachrichten vor, doch ist denselben zu entnehmen, daß die Russen im Kaukasus auf dem Rückzüge sind. Als BeBefehlshaber der türkischen Armee, die gegen Aegypten operiert, wurde Tschemal ernannt. In Portugal ist eine ernste Krisis entstan­ den, doch- ist noch nicht abzusehen, ob sie einem monarchistischen Putsch, oder der Abneigung des Volkes und des Militärs gegen den Krieg sein Enfftehen verdankt, einer Madri­ der Meldung soll Exkönig Manuel die portu­ giesische Grenze überschritten haben. Tie in Ruhleben internierten Engländer, soweit sie deutsche Frauen geheiratet haben, sollen zu Kaisers Geburtstag an diesen ein Gesuch um Entlassung aus dem Internierungs­ lager gerichtet haben. Das Gesuch, wird wohl erfolglos sein, denn die Internierung, die von der deuffchen Regierung nur ungern vorge­ nommen wurde, war ja nur eine Vergeltungs­ maßnahme gegen hie Festsetzung aller Teutschen in England in Konzentratkonslagern. So