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        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1915-10-14"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">68. Jahrgang Nr. 280</biblScope>
          <date when="1915-10-14">1915-10-14</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Westlicher Kriegsschauplatz. Englische Vorstöße nordöstlich von Vermer­ kes wurden leicht Abgewiesen. Oestlich von Souchez verloren die Fran­ zosen wieder einige Grabenstücke, in denen sie sich, am 11. Oktober noch halten konnten. In der Champagne scheiterte gestern abends ein französischer Angriff südlich von Tahure. Ein an derselben Stelle heute früh wie­ derholter, in mehreren Wellen geführtes, An­ griff brach gänzlich zusammen. In den Vogesen büßten die Franzosen am Westhemg des Schratzmännle einen Teil ihrer Stellung ein.</p>
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          <p>zösischen Berichten mußte bei Loos sogar eine Ablösung englischer Truppen durch Franzosen gegenüber den immer heftiger und allgemei­ ner Werdenden deutschen Gegenangriffen ein­ treten. Gegen die Dardanellen konnten vou den Engländern und Franzosen ferne Erfolge erzielt werden. Gleichzeitig sind die Zentral­ mächte stark genug, um mehrere Armeen stet zu bekommen für eine große Offensive auf der Balkanhalbinsel. Daß dies möglich wurde, ist in der HaNptsache dem verständnisvollen Zu­ sammenarbeiten der deutschen obersten Heeres­ leitung und Oesterreich-Ungarns zuzuschreiben. (Z.) Wie Oesterreich! seine Feinde pflegt. tP i e n, 12. Oktober. Der russische Ober­ arzt Dr. Oltarsch,ewski aus Kiew, der verwun­ det in Kriegsgefangenschaft kam und zusamt men mit zehn anderen russischen Offizieren im K. und K. Reserve-Spital in Marmaros-'Sziget gelpflegt wurde, richtete, der deutschen Sprache in Wort und Schrift kundig, ein Dankschreiben an das Kommando des Reservespitals mit der Bitte um Veröffentlichung, worin es u. a. heißt: ' ' Anläßlich meines Scheidens aus dem Re­ servespital 'in Marmaros-Sziget, in welchem ich während der Zeit vom 8. März bis 12. September 1915 gepflegt wurde, drängt es mich, meine tiefste Dankbarkeit dem Spitalkbnw mando, dem Abteilungschesarzt, den übrigen Aerzten und dem gesamten Pflegepersonal aus­ zudrücken. Erfüllt von Ihrem edjen Berufe, sahen Sie alle in mir nicht einen aus Feindes­ land Gefangenen, sondern eineu kranken Men­ schen, dem zu helfen Sie ebenso heiß ver­ langten, wie einem Offizier der eigenen Ar­ mee. Schjwer verwundet kam ich hierher in das Spital. Nur den vier Operationen des Stabs­ arztes habe ich! es zu verdanken, daß mir mein Leben gerettet wurde und mein 'Fuß er­ halten blieb. Ich! bekunde hiermit, daß sowohl ich! wie auch sämtliche während meines hiesi­ gen Aufenthaltes hier gepflegten russischen Offiziere (zirka 10) auf das Liebevollste be­ handelt und daß zwischen den russischen Offi­ zieren und den österreichisch-ungarischen Und reichsdeutschen in keiner Weise ein Unterschied gemacht wurde. Die während meines Aufent- " Haltes hier gepflegten russischen MannschaftsPersonen (zirka 100) wurden ebenso wie die Soldaten Oesterreich-Ungarns auf das Gründ­ lichste und Liebevollste behandelt. Mein herz­ lichster Wunsch als Arzt ist, daß in Rußland die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen ebenso menschenfreundlich behandelt werden.</p>
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          <p>Vom westlichen Kriegsschauplatz. Sam westliche« KrieManM. Tolcassoe zurückgetreten. Paris, 13. Oktober. (Meldung der Agence Havas.) Im heutigen Miuisterrat teilte der Ministerpräsident Biviani mit, daß Tels cassee ihm sein Rücktrittsgesuch als Minister des Aeußern überreicht habe. Das Rücktritts­ gesuch wurde angenommen. Biviani über­ nimmt das Ministerium des Aeußern zusaw^ men mit dem Vorsitz im Kabinett &gt; Parlament und Regierung in Frankreich . Die Weigerung Vivianis, Millerands und Augagneurs, vor den Kommissionen für aus­ wärtige Politik, Krieg und Marine Aufklärun­ gen über den Balkan zu geben, wurde, wie die von den drei Kommissionen gngenomwjene Tagesordnung beweist, mit unverkennbarem Mißbehagen aufgenommen. Die Tagesordnung, die in der Kammer darüber eingebracht wu^de, spricht von einer "brüsken Entscheidung der Regierung" und nimmt nicht ohne Bitterkeit Kenntnis davon, daß drei Kabinettsmitglieder ihr ausdrückliches Versprechen zurückgezogen haben.! , Eine französische Nationalversammlung. 1 Genf, 13. Oft. Tie "Humamte" wirft die Frage auf, ob es unter den gegenwärtigen Umständen nicht besser wäre, während der Kriegszeit Kammer und Senat zu einer Na­ tionalversammlung zu vereinigen und eine Art Rat der nationalen Verteidigung zu bilden, der gegenüber der Regierung die Rofle einer parlamentarischen Kommission einnehmen Würde. (Z.)</p>
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          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 13. Oktober. Mittags. (Großes Hauptquartier).</p>
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          <p>Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Geireralfelvmarschalls vo« Hindenburg. Westlich, von Dünaburg brach ein russischer Angriff in unserem Artilleriefeuer zusammen. Versuche des Gegners, sich der von uns besetzten Insel des Madziolsees zu bemächti­ gen, sücheiterten. Ein russischer Angriff nordöstlich von Smorgon, der bis.an unsere Hindernisse ge­ langte, wurde abgewiesen. Eines unserer Lufffchiffe belegte in ver­ gangener Nacht die Befestigte und mit Truppen angefüllte Stadt Dünaburg ausgiebig mit Bomben. Heeresgruppe des Generalseldwarschalls Prinz Leopold von Bayern. Nichts Neues. . Heeresgruppe des Generals von Liusiugen. Der Feind wurde aus seinen Stellungen bei Rudka—Bielsko—Wolffaja vertrieben, soiroie über die Linie M. H. Weksandriaf-Höhen nördlich davon zurückgeworfen. Deutsche Truppen der Armee des Generals Grafen Bothmsr würfen den Gegner nordwestlich! Hajworunka, südwestlich Burkanow aus mehreren .Stellungen. Balkankriegsschauplatz. Ter Widerstand der Serben konnte unsere Vorwärtsbewegungen nur wenig aushalten. Südlich von Belgrad Wurden Dorf Zilsznik und Höhen beiderseits der Topciderka ge­ stürmt. Der Angriff aus Pozarewiac ist im gün­ stigen Fortschreiten. Die Straße Pozarewac—Gradiste ist in südlicher Richtung überschritten. Oberste Heeresleitung.</p>
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          <p>Vom östlichen Kriegsschauplatz. Tic russisch« Finanzlage. Im Petersburger Finanzministerium fand eine Beratung in Gegenwärt hinzugezogener Direktoren der Petersburger' und Moskauer Großbanken statt. Der Direktor der Ktieditkanzlei erstattete Bericht über Barks Aus­ landsreise und bezeichnete die derzeitige Fi­ nanzlage Rußlands als zwar nicht gefahrdro­ hend, aber außerordentlich! ernst. Es wurde beschlossen, zunächst die Möglichkeit einer kurz­ fristigen inneren Anleihe ins Auge zu fassen und jedenfalls mit der absoluten Notwendig­ keit für innere Anleiheoperationen schon jetzt zu rechnen. (Z.)</p>
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          <p>bestimmte Fragen: Tie Landung der Entente­ truppen in Saloniki sei eine schwierige Ope­ ration, welche jedenfalls keinen Einfluß auf dre militärische Lage ausüben werde. Sollte die Entente in Tedeagatsch eine Landung ver­ suchen, die hauptsächlich gegen die Türkei ge­ dichtet wäre, so würde sich die Türkei wohl Zu verteidigen wissen . Eine russische Lan­ dung an der Schwarz-Meerküste könnte nur auf einen moralischen Effekt berechnet sein, Wäre sehr schwer durchführbar und würde ei­ nen letzten Fehler des Vierverbandes bedeu­ ten. JekoW schloß seine bedeutsamen Aeuße­ rungen damit, daß Bulgarien fortan nur Real­ politik betreibe und Gefühlspolitik endgültig aufgeben müsse. i Der Beginn der bulgarischen Offensive gegen Serbien. «Bukarest, 13. Oktober. Bereits in den Vormittagstunden wär hier die Nachricht von der militärischen Aktion Bulgariens gegen Ser­ bien eingetroffen. Die Angriffsfront, so mel­ det Reuter, sei in der Vlasina gewesen, östlich! von Kranja. Nach! Angaben Reuters sind die Angriffe zurückgeschlagen worden. Eine an­ dere, direkt aus Nisch kommende Meldung be­ sagt, daß rin anderer bulgarischer Angriff nordöstlich von Nisch in der Richtung gegen Knjase'vac erfolgt sei. Die bulgarischen Trup­ pen hätten die Grenze bereits überschritten und befänden sich im Vormarsch gegen den Timok. , In Bukarest haben alle diese Nach­ richten tiefen Eindruck gemacht und beschäftigen lebhaft die maßgebenden militärischen Kreise. Die Lage Serbiens, das nunmehr gegen zwei Fronten zu kämpfen habe, wird als kritisch be­ zeichnet. Nisch befindet sich bon der Grenze nur 58, Wranja nur 30 Kilometer entfernt. Wie aus Sofia gemeldet wird, hat dort die Nachricht jbott dem Beginn der bulgarischen Offensive gegen Serbien, die amtlich bekannt «'gegeben würden ist, große Begeisterung hervor­ gerufen. Es fanden vielfach Straßenkundge­ bungen statt. Der König hat Sofia verlast-, sen und sich in das bulgarische Hauptquartier begeben. &lt;Z.) Serbisch-bulgarische Kämpfe. Die serbische Gesandtschaft in London cm* fpfing folgendes Telegramm aus Risch: "Seit der abgelaufenen Nacht begannen die Bulgaren den Angriff auf Vlasina. Alle Angriffe wur­ den mit schweren .Verlusten zurückgeschlagen. "Daily Mail" berichtet, daß bei Demir Kapu am Wardar bulgarische Banden die Eisenbahnbrücke aus der Strecke Saloniki—Ueskueb durch Dynamit gesprengt haben. Nach« weiteren Meldungen haben die Bul­ garen einen Angriff an der serbischen Grenze bei Nakovita unternommen und gehen in der -Richtung auf Zaitchar vor, um die Verbin­ dung mit den Deutschen und Oesterreichern her­ zustellen. Gestern wurde bereits gemeldet, daß die Bulgaren in der Richtung .auf Knjazvwac vorrücken. (Z.) Schließung der bulgarischen Schwarzmeerhäfen. Budapest, 13. Oktober. "Az Est" meldet aus Bukarest: Tie bulgarische Regierung ver­ ständigte die rumänische Regierung dahin, daß ihre Häfen im Schwarzen Meer durch Minen geschlossen sind. Rach einer authentischen Mel­ dung haben die Serben Prähova, die Donau­ station der serbischen Bahnen, geräumt. Italienischer Durchmarsch durch Montenegro. Bukarest, 13. Oktober. In Cetinje tra­ fen mehrere italienische Generalstabsoffiziere ein, Welche eine Unterredung mit dem König hatten, um angeblich einen italienischen Durchmarsch^ durch Montenegro vorzubereiten. (Z.)</p>
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          <p>"Die arme, süße, junge Frau," sagte sie mitleidig. Und Albert Horst stieß einen nicht gerade sehr schmeichelhaften Zornesruf über Dolf Falk­ ner aus.. Unruhig wartete Gerd auf das Wieder­ erscheinen seiner Tante. Als sie endlich ein­ trat, sprang er auf und sah sie erwartungs­ voll an. j "Wie steht es mit Rita? Ist sie etwas ruhiger, Tante Gertrud?" Sie nickte. "Ich« habe sie gleich zu Bett gebracht. Essen und trinken mochte sie nicht. Das arme, junge Ding ist ganz erschöpft und wird- hof­ fentlich« bald einschlafen. Dein Bruder scheint ja ein rechter Gentleman zu sein. So viel ich aus ihren unzusammeühängenden Worten erraten konnte, ist er angetrunken gewesen un dhat sich so benommen, daß sie in wilder Hast das Haus verlassen hat. Das liegt aber 'alles noch diel Kiefer, als man so beurteilen kann. So viel steht jedoch« fest, daß sie um keinen Preis zurückkehren will zu ihm." Gerd atmete gepreßt auf. "Das hat sie mir auch versichert^ sie will lieber sterben als noch« länger in Gemeinschaft mit ihm leben. In einem unbeschreiblichen Zustand kam sie zu mir und flehte mich utaf chen zu verwöhnen. Sie schwärmt ja für die schöne Juanita Falkner." "Ja, Mutti, sie ist aber auch ein süßes Geschöpf, yjtb jedenfalls freue ich mich, daß ich sie nun endlich einmal kennen lerne!" rief Lotti lebhaft. , Gerd verabschiedete sich gleich darauf. Ehe er ging, sagte Frau Gertrud noch: "Auf alle Fälle siehe -doch zu, ob du die alte Tina nicht sprechen kannst, damit diese dafür sorgt, daß für deine Schwägerin das Nötigste an Kleidungsstücken und dergleichen Au uns geschlickt wird." Gerd nickte. v 1 "Das will ich- bedenken. Und nun gute Nacht." * Dolf hatte, als sich« Juanita ihm ent­ rissen und er sich« von seiner Ueberraschung erholt halte, versucht, ihr zu folgen. Aber er mußte einsehen, daß sie ihm entwischt war. Und der Schlag, den sie ihm versetzt hatte, brannte in seinem Gesicht. Eine sinnlose Wut packte den noch! halb betrunkenen Mann. Wild und unsinnig schlug er um sich, warf krachend die Mibel durcheinander und machte seiner Wut auf die lärmendste Weise Luft. £;_! LJ Li Gortfetzung xoltzt.) L J -Lj u I J Hilfe an. Mein Vater soll krank sein, sie hat sich nicht in fein Haus gewagt, weil sie sich vor meiner Stiefmutter fürchtet." "Ich habe es immer gesagt, man hat sich an dem armen Kind versündigt, als man sie deinem Bruder zur Frau gab. Sie ist ja jetzt noch ein unerfahrenes Kind, das nichts pom Leben weiß, wie viel weniger vor drei Jahren. Aber nun sage mir, was du in der Angelegenheit tun willst, Gerd. Das wird eine sehr Heikle Aufgabe für dich," sagte Frau Gertrud ernst. , Gerd strich sich über die Stirn. "Ich« weiß es noch nicht, Tante, ich« muß mir das erst einmal ruhig überlegen. Es ist mir so überraschend gekommen. ZuW Glück Wußte ich gleich eine Zuflucht für Rita bei euch.. Ich bürde euch damft vielleicht eine Unbequemlichkeit auf. Aber ich bin nun schon so gewöhnt, all meine Sorgen zu dir zu tra­ gen, Tante Gertrud. Hab herzlichen Dank für deine Bereitwilligkeit." Damft küßte Gerd feiner Tante dankbar die Hand. . ' Sie lächelte gütig. "Ach«, geh, Gerd, mach nicht so viele Worte um etwas Selbstoerständlüches. Und unbequem wird uns die kleine Frau sicher nicht. Ichwette, Lotti brennt schon darauf, sie ein bis­</p>
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          <p>Die Türkei im Kriege. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 13. Oktober. Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenftcont beschoß unsre Artillerie ein feindliches Lager in der Gegend von Bujuk Kemikli und verursachte schwere Verluste. Bei Ari Buriun und Sedd il Bahr gegenseitiges schwaches In­ fanterie-, Artillerie- und Bombenfeuer. Am 10. Oktober wurde ein feindlicher Flieger, der in der Gegend östlich- von Elarieh einen Er­ kundungsflug unternahm, von uns herabge­ schossen. Das Flugzeug wurde erbeutet, die Insassen gefangen genommen. Sonst nichts von Bedeutung.</p>
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          <p>Der Krieg zur See. Englische U-Boote itt schwedischen Gewässern. Stockholm, 13. Oktober. "Svenska Telegrambyran" meldet: Die schwedische Regie­ rung beauftragte ihren Gesandten in London, gegen die Verletzung der Neutralität Schwe­ dens durch- ein englisches Unterseeboot in der Ostsee Einspruch zu erheben. Tie U-Boote im Mittelmerr. Berlin, 13. Oktober. Dem "Berl. Lok.Anz." wird aus Athen gemeldet: Der engll'che Dampfer "Borneo" wurde unweit Kreta von einem österr.-ungar. Unterseeboot ange­ halten, dessen Kommandant die Ausladung der Passagiere in die Rettungsboote befahl. An Bord des Dampfers brach eine Panik aus. 3i0 Griechen ertranken. Inzwischen war ein aus der Richtung von Aegypten auf Mudros zu fahrender, mit indischen Truppen vollbe­ ladener Transportdampfer erschienen. Das U-Boot machte sich sofort an seine Verfolgung, reinigte das Deck des Transportschiffes mit Maschinengellvehrfeuer und ibccfentte den Damp­ fer. Darauf kehrte Pas Tauchboot zu der "Borneo" Zurück, der es die Weiterfahrt er­ laubte, nachdem es sich überzeugt hatte, daß die Passagiere griechischer Nationalität waren. (SO Ein SvW^Tonnen-Tampser versenkt. London, 13. Oktober. Lloyds Ggentur meldet: Wie verlautet, wurde der Dampfer ,Halizones" (5093 Tonnen) versenkt. Die Be­ satzung ist gerettet.</p>
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          <p>In Bradford (Aorkshire) haben die Auf­ seher der Webereien, deren Lohnforderungen ebenfalls nicht bewilligt wurden, auf 14. Ok­ tober gekündigt. Sollten, was man als wahr­ scheinlich annimmt, die Arbeitgeber die Werke schließen, so würden Tausende von Arbeitern beschäftigungslos werden.</p>
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          <p>Kämpfe in Ostafrika. London, 13. Oktober. Das Gouverne­ ment von Britisch-Ostafrika veröffentlicht eine» amtlichen Bericht, wonach am 5. September auf der Ugandabahn am Meilenstein 237 and ant 19. September am Meilenstein 161 eine Mitte explodierte. In beiden Fällen wurde ein Zug gut Entgleisung gebracht, aber keine Menschen­ leben gingen verloren. Britische berittene Jnfantet ie "griff am 3. September den Feind 110 Meilen südlich von Mäktau (?) an. Er er­ litt schwere Verluste. Der Feind scheint die Neubewaffnung der schwatzen Truppen mit modernen rauchlosen Gewehren vollendet zu haben. London, 12. Oktober. Daily Telegraph Meldet aus Kalkutta untern 11. Äs.: Ein abermaliges ^Grenzgefecht hat mit 9000 MohMands stattgefunden. Die Kampffront erstreck­ te sich auf 8 englische Meilen. Artillerie er­ öffnete den Kampf; darauf rückten Infanterie und Kavallerie vor und ein verzwleifelter Kamps folgte. Der Feind versuchte, unsre beiden Flanken aufzurollen, wäs durch die Kavallerie am rechten und die Infanterie am linken Flügel vereitelt Wurde. Panzerautomobile deck­ ten den Rückzug unsrer Kavallerie. Der Feind versuchte nicht, die Verfolgung aufzunehmen. Aus den Kolonien.</p>
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          <p>Tages-Uebersicht. Zum Orden Pour le merite Wurde dem Generalobersten v. Eichhorn Md dem General der Artillerie v. Gollwitz das Eichenlaub verIlichen. t Ein neuer Petroleumersatz. Wie das Lebensmittelamt der Stadt Jena mitteilt, ist dort ein Petroleum-Ersatz erfunden worden, der sich billiger als Spiritus stellt. Der Erfinder ist der Inhaber einer Tapetenhandlung Alfred Müller, der feiner Erfindung den Namen "Staut" gab. "Almü" ist von fachmännischer Seite geprüft worden, wobet festgestellt wurde, daß es erheblich weniger feuerge­ fährlich ist als Petroleum, riecht gar nicht, weder während des Brennens, noch beim Ausblafen der Lampe. Es ist mit denselben Brennern und Dochzu verwenden, tote Petroleum, die Lampe braucht also nicht umgearbeitet zu werden. Im Verhältnis zu Petroleum ist das neue Ersatzmittel allerdings wesentlich teurer: der Liter kostet 1 Mk, doch stellt e§ sich im Gebrauch sparsam, so daß die Brennstunde bet einem 6 ltnigen Brenner l 1 /» Psg. kostet. Almü ist also erheblich billiger als das übliche Ersatzmittel, wird von dem Erzeuger nicht direkt an die Ver­ braucher abgegeben, sondern nur an das städtische Lebensmittelamt und durch besten Vermittlung an die Kaufleute.</p>
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          <p>Bayerische Nachrichten. Tier Dank der Königin. Die 74jährige Frau Karoline Gruber hat, wie jüngst berich­ tet, 100 selbstgefertigte, sorgfältig mit der Hand genähte Soldateühqmden dem Roten Kreuz übermittelt. Dies kam zur Kenntnis der Kö­ nigin. -Frau Gruber erhielt hieraus qus Aschau folgende Depesche: Erfahre soeben, in welch aufopfernder Weise Sie für unsre tap­ feren Krieger gearbeitet haben und spreche Ihnen hiermit den herzlichsten Dank und volle Anerkennung aus. Marie Therese. Der Finanzansschnß der Abgeordneten­ kammer fetzte die Beratung des Etats des K. Staatsministeriums des K. Hauses und des Aeußern fort. Der Herr Finanzminister, be­ gründete die Notwendigkeit einer Steuerer­ höhung, die in Bayern wirtschaftlich nicht be­ denklich, sei. Für die Annahme einer Vermö­ genssteuervorlage bestünde keine Aussicht. Ge­ genüber der Lage hinsichtlich der finanziellen Zukunft Bayerns müsse et vor allem hervor-' heben, daß schon in Friedenszeiten das Gleich­ gewicht nicht 'hergestellt und auftecht erhalten Werden könne ohne wesentliche Erhöhung der bestehenden hzwi. ohne Schaffung neuer Ein­ nahmequellen. Wolle man in der Erfüllung der bisher duvch!geführten ober neu sich erge­ benden kulturellen und sozialen Aufgaben nicht zurückgehen, so müsse man eben die Mehrlasten auf sich! nehmen. Ueber die Deckung der Fehlbeträge, die eine Folge des Krieges seien, zu sprechen, wäre zurzeit Mecklos. Po-, ruhigen könnte nur die Tatsache, daß unter dem Völkerkrieg die Feinde noch, schwerer lit­ ten und die Zuversicht, daß, wie man die Kraft zur Abwehr der Feinde gesunden habe, man so auch! die Kraft finden werde, sich wirt­ schaftlich wieder emporzuringen und die schwe­ ren öffentlichen Lasten, die zuverlässig kämen, zu tragen, und dadurch nach und nach und so weit als irgend nötig ist, tuntlichst bald die Schulden Wieder abzubürden. Ein Redner wünschte Aufschub der Entscheidung über das Finanzgesetz, bis ein besserer Uleberblick über die finanziellen Verhältnisse gÄvonnen wer­ den kann. Er betonte noch, die Abhaltung der Gemeind Mahlen sei ein schwerer politi­ scher Fehler gewesen, die Strafmilderung int Kriegszustandsgesetze müsse raschestens erfol­ gen. Die Unterdrückung des seit 44 Jahren bestehenden konfessionslosen Moralunterrichts stellte einen Bruch des Burgfriedens dar. Er besprach, sodann eine Reihe wirtschaftlicher Pro­ bleme und forderte die Uebernahme der Bah- nen auf das Reich. In der 6. Sitzung for­ derte ein anderer Redner die urtmittekbare Aufhebung des Reverses der Verkehrsverwälitung. Könne eine Vermögenssteuer nicht Er­ reicht werden, so müsse der Zuschlag zur Ein­ kommenssteuer unter Freilassung der Einkom­ men Pis 4000 oder 5000 Mark differenziert Werden. Redner frägt, wie die bayerischjeRe-' gierung sich! zu den im Reiche bestehenden Pro­ jekten auf Einführung eines Monopols für Leuchtstrom und Petroleum stellen. Ein Re­ gierungsvertreter besprach den Grundgedanken der Meiftbegünstigungsklausel und ihre ver­ schiedene Fassung in den Handelsverträgen. Ein anderer Redner beantragte, es solle einst­ weilen nur ein Gesetz über provisorischen Voll­ zug des Budgets erlassen Werden. Durch. Ueber­ nahme der Bcchnen auf das Reich! wurde die Landbevölkerung durch, die Haltung Preußens in der Lokalbahnfrage Schaden leiden. Die Lage des Baugewerbes im Krieg. Der Geschäftsbericht der Bayerischen BaugewerbS« berufsgeuostenschaft für 1914 zeigt deutlich, rote die schon seit einigen Jahren in Erscheinung getretene ungünstige Lage tm Baugewerbe durch den Krieg noch wesentlich beeinträchtigt wurde. Dies ergibt sich daraus, daß die Summe der der Umlagenbe­ rechnung zu Grunde zu legenden Löhne, die tm Jahre 1913 »och 98 776 408 Mark betrug auf 77 620 588 Mark — also um 21155 820 Mark — gefallen ist. Ein Jahr der Zigarreusammlung für «ufere Truppen. Das Ergebnis der seit einem Jahr in Münchner Gaststätten vorgenommenen Sammlung von Zigarren und Zigaretten für uusere Truppen ist ein recht erfreuliches. Bis jetzt konnten 1508 volle Sammelkisten abgeliefert werden, die 885 460 Stück Zigarren und Zigaretten, weiter eine große Zahl Rauch- und Schuupftabakpaketchen und 2196 Mk. in Bargeld bargen. Ei« peinlicher Vorfall ereignete sich am vergangenen Sonntag nachmittag auf dem Friedhof in Helmbrechts bet einer Beerdigung. Der Ein­ segnungsakt war bereits zu Ende, der Sarg ruhte auf zwei Riegel» auf der offenen Gruft, feiner Ver­ senkung harrend; da brach der eine Riegel entzwei, der Sarg stürzte in die Tiefe und öffnete sich, wo­ bei der Leichnam (einer 49 jährigen Frau) heraus­ fiel, sich überschlug und »uf den in der Gruft ruhen­ den Sarg ihrer ersten Ehemannes fiel. Die Situa­ tion war äußerst peinlich und beängstigend, selbst der Totengräber wußte in der Aufregung keinen Rat, denn er rief aus: "Ich weih meines Jammers kein End!" Aber zwei beherzte Männer, ein Schreiner und ein Kutscher, legten rasch Zylinder und Rock ab, stiegen in die Tiefe und brachten den Leichnam wieder in den Sarg, worauf die Beerdi­ gung zu Ende geführt werden konnte. Mit zwei Stiche« in per Brust wurde als Leiche der 18 Jahre alte Fabrikarbeiter Jakob Groß von Lemberg in feiner elterlichen Wohn nung in Zweibrücken aufgefunden. Ob Ver­ brechen oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden.</p>
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          <p>und Wenn sie Me ganze Stadt zusammenschie­ ßen muß." Eine solche Opferwilligkeit kam mir etwas verdächtig vor; ich fragte den Herrn: "Sind Sie während der Beschießung hier geblieben?" "Nein. Ich bin gestern aus Berg-op-Zom zurückgekehrt. Aber dort ist man gut informiert." "So? Und sind Sie aus Ant­ werpen?" "Nein, aus Brüssel; und Sie?" "Ich bin vor 8 Tagen aus Berlin gekommen. . ?‘ O! Dieser Blick, den er mir zuwarf — bövor er schleunigst verschwand . . . Eine Nacht in den Ruinen von Arras. Unter den Städten der Westfront, die bis­ her ant meisten unter der Gewalt der Gra­ naten und Schrapnells gelitten haben, ist auch Arras an erster Stelle zu nennen. Einen uächtlich&gt;e nBesuch in den Ruinen der Stadt schildert der Berichterstatter des Temps: "Nach vielen verschiedenartigen Schwierigkeiten nähern wir uns dem Weichbild von Arras. Unsre Herzen schlagen vor Erwartung: welch ein Anblick wird sich uns bieten? Das erste Haus, das wir erblicken, ist bis auf einen kärglichen Rest der Grundmauern vom Boden weggefegt. Die Hauptstraße — die ""Grande Rue" — bietet ein ergreifendes Bild. Alle Gebäude weisen Schußbeschädigungen auf; zur Linken wie zur Rechten eingeschlagene Dächer, durchbrochene und zusammengestürzte Mauern. Im Stadt­ gebiet selbst müssen wir unsre Pässe und Zu­ lassungsscheine beglaubigen lassen, dann dür­ fen wir uns frei bewegen — auf eigene Gsefahr, wie man betont, und nur nächtlicher­ weile. Das Wetter ist klar und ruhig, der Vollmond scheint. Die Straßen, die wir durch­ wandern, sind völlig verlassen. Das Leben vollzieht sich unter der Erde. Es verrät sich nur durch Me zitternden Lichtstreifen, die durch Spalten und Ritzen schlecht verschossener Kellertüren dringen. Auf der Straße schim­ mern die Haufen von Glasscherben — Me Fen­ ster sind fast sämtliche zersprungen — in far­ bigen Lichtreflexen. Kein Laut als das Gel­ len der Kanonen, das, zur Gewohnheit ge­ worden, in Abständen ertönt. Wir wandern weiter, an einzelnen Stellen verweilend, wo Geschosse und Feuer einen ganzen Gebäude­ komplex in Trümmer und Asche gelegt haben. Arras ist wahrhaftig ein modernes Pompeji geworden. . . ."</p>
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          <p>Ter Unabkömmliche. In Nr. 231 des "Bayer. Staatsanzeigers" findet fich nachste­ hendes zeitgemäßes Inserat: "Geschäftsgewandter Verwaltungspraktikant, bisher bei größe­ rer Stadtverwaltung tätig, zurzeit für unab­ kömmliche erklärt, sucht entsprechende ander­ weitige Verwendung. Gefl. Antr. mit Ge­ haltsang. erb. unter P. 531 an die Geschäftsstelle ds. Bl." — Wie wäre es, wenn sich die Militärbehörde für diesen Unabkömmli­ chen interessieren würde? Infolge Brandstiftung wurde ein Oekonomiegebäude des Landwirts Heilmann in Off­ stein (Pf.) mit ziemlichem Strohvorrat einge­ äschert. Der Brand war von einem wegen Nachlässigkeit entlassenen 53 jährigen Knecht aus Rache gelegt worden. Der Täter ist ge­ ständig. Ein tragisches Geschick. Der Berl. "Lok.Anz." berichtet: Ein tragisches Geschick hat die Familie des Berliner Baumeisters C. Z. heimgesucht. Der Baumeister selbst starb vor­ gestern während einer Bahnfahrt plötzlich in­ folge Herzschlages. Wahrscheinlich hatte ihn der Tod seines auf dem Felde der Ehre gseseltenen Sohnes zu sehr erschüttert, zumal er fast gleichzeitig die Nachricht erhalten hatte, daß sein zweiter Sohn schwer verwundet wur­ de. Als gestern seine Tochter den Tod des Vaters erfuhr, sank sie vor Schrecken tot zu 'Boden. Die unglückliche Mutter der schwer­ geprüften Familie liegt gramgebeugt schwer krank danieder. Schiesertonfunde. Nächst der hesstsch pfälzi­ schen Grenze wurde ein Schiefert mlager gefunden, das nach den angestellten Untersuchungen günstige Aurbeuteergebniffe erwarten läßt. Der Bergwerks­ betrieb soll in Kürze aufgenommen werden. Aus 6er Jagd verunglückt. Der Förster Zöllner von Waid a. Alz wurde auf der Treibjagd von einem Nebenfchützen durch einen Schuß sehr schwer verletzt. Allerlei.</p>
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          <p>Niederbayerische Nachrichten. Nenkirchen hl. Bl., 12. Okt. (Bischlag«ahmte Eier.) Die Gendarmerie in Eschlkam be­ schlagnahmte ein großes Quantum Eier, welche gestern mittelst Fuhrwerks in das K. Amtsgericht dahier verbracht wurden und voraussichtlich demnächst versteigert werden. Händler hatten dieselben zu Preisen angekauft, welche wegen ihrer Höhe den hiesigen Verhältnissen in keiner Weise mehr ange­ messen waren. Neben dem Verlust der Eier haben die Händler auch noch empfindliche Strafe zu ge­ wärtigen.</p>
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          <p>inspettion Straubing I in Atting, kommt ab 1- Januar 1916 zur Erledigung. Endtermin für Bewerbungen 8. November 1915. Die Volksschullehrer-, Mesner- und Orqanistenstelle in Ascholtshausen, K. DistrtktSschulinspektio» Mallerrdorf I in Ergoldsdach, kommt ab 1. Dezem­ ber 1915 zur Erledigung. Endtermin für Bewer­ bungen 8. November 1915. Zum Ausschreiben der Schulstelle Hartkirchen a. I., K. Distriktsschultnspektion Rotthalmünster, wird nachträglich bekanntgegeben, daß Verhandlungen wegen Abtrennung des Mesnerdienstes von der Schulstelle im Gange find. Die Bewerbungsfrist wird bis 8. Rcvember lfd. Ir. verlängert. Staatseiseubahnverwaltung. Ernannt wurde in etatsmäßiger Eigenschaft ab 1. Oktober 1915 zum Packmelfter, Zugspackmeister Richard Pohl von Mark­ redwitz in Straubing. Versetzt in etatsmäßiger Weise auf Ansuchen, Rechnungssührer Karl Weichselgärtner von der BeMebswerkstätte Ingolstadt zur Betriebs­ werkstätte Stmbach lJnn), Stationsmeister im Nebenbcrhndienst Georg Bierner von Schellenberg nach Geiselhöring, Schaffner Johann Hurt von München Hbf. nach Paffau Hbf., Joseph Kloiber von Paffau Hbf. nach Regensburg, Stationsaufseher Johann Eckinger von Gündlkofen nach Altheim (Rdb.), Weichensteller Johann Nickl von Eisenstein nach Rosenheim, Stationsdiever im Nebenbahndieust Karl Völkl von HerbertSfelden nach Wunsiedel, Bahn­ wärter Joseph Baar von Bm. Landstuhl nach Bm. Frontenhausen. Berufen in etatsmäßiger Weise, Eisenbahnsekretär Franz Heidecker von Pfarrkirchen nach Starnberg, Stationsdiener im gemischten Dienst Joseph Wax von Roding nach Eisenstein, entlassen Stationsaufseher Karl Kurzwart in Altheim (Ndb.) Dienstnachrichten. Schuldienst. Die Volkrschullehrer-, Mesrer und Organistenstelle in Perkam, K. Distriktsschul-</p>
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          <p>Lokales. Laudshut, 14 Oktober. —* Das Eiserne Kreuz 2. Kl. wurde dem im K. B 4. Inf -Regt. dtennenden Gefreiten Herrn Max Köppel, Sohn des Herrn kgl. Postoberschaffners a. D. hier verliehen. — * Unglücksfall. Der Gasarbeiter Betz vom hier stürzte gestern Nachmittags vor der Sommerschen Maschinenfabrik beim Reinigen einer Gaslalerne vom der Letter und erlitt eine schwere Gehirn­ erschütterung. Der Verunglückte wurde durch die Freiw. Santtätskolonne in seine Wohnung und auf ärztliche Anordnung spä'er in das städt. Krankenhaus verbracht. —* Die Trottoirausbesserung in der Altstadt hat begonnen und soll nach Maßgabe des zur Versügung stehenden Materials zur Durch­ führung gelangen. —* Alte Lieberglut. Eine 75 jährige Spitalitin, die anscheinend sich noch nicht mit dem Alleinsein befreunden kann, trägt sich noch mit Heiratsgedanken. Sie scheint hiefür auch ein ge­ eignetes Objekt gefunden zu haben, denn sie schrieb ' einen glühenden Lieberbrief, in welchem sie meinte, I e r solle nur nickt auslaffen, dann werde es schon I v'was werden. Ihr Angebeteter dürfte Witwer sein, ' denn sie beglückwünscht ihn zu seinen »lieben und schönen" zwei Kindern. Leider hatte die schwärmeri­ sche junge Alte das Pech, den Brief zu verlieren, der jetzt das Tagesgespräch unter den Spitalinsasien bildet. —* Krie gsinvalidenfürsorge. Ar­ beitgeber, welche offene Stellen an Krregsinvalide zu vergeben gewillt sind, wollen jene durch! die beim Arbeitsamt Landshut erhält­ lichen Anmeldekarten beim Arbeitsamt Strau­ bing anmelden. Kriegsinvalide melden ihre Stellungsgesuche mit den ebenfalls beim Ar­ beitsamt Landshut erhältlichen Anmeldekarten bei dem städt. Arbeitsamt Straubing an. Nur dann, wenn die Invaliden nur tu einem be­ stimmten Amtsbezirk in Arbeit treten wollen, wird es zweckmäßiger sein, sich unmittelbar an Pen Arbeitsnachweis dieses Bezirkes zu wenden. Auch Invalide, die nicht in Lazaretten untergebracht sind und die die Ver­ mittlung der Tistriktsverwaltungsbehörde zur Beschaffung eines Arbeitsplatzes nicht in An­ spruch nehmen wollen, bedienen sich am zweck­ mäßigsten der beim Arbeitsamt Landshnt er­ hältlichen Karten und richten ihre Gesuche —mit der oben erwähnten Ausnahme — an das Arbeitsamt Straubing, wenn sie nicht das städt. Arbeitsamt Landshut um Vermittlung bei dem Arbeitsamte Straubing ersuchen wol­ len. Das Arbeitsamt Landshut Rathaus Zim­ mer Nv. 9 ist bereit, Arbeitgebern und krsegsinvaliden Arbeitnehmern die in vorerwähn­ tem Sinne nötigen Aufschlüsse zu erteilen."</p>
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          <p>Teilnahme Italiens an der Balkanoperation. ? Rom, 14. Oktober. Es verlautet aus gu- | 4er Quelle, daß Italien an den Maßnahmen I der Alliierten auf dem Balkan sich, Beteiligen I Wird. Griechenland wird sich einer italienischen Trup­ penlandung widersehen. Kopenhagen, 13. Oktober. Ein ita­ lienischer Generalstabsossizier ist in Saloniki eingetroffen und hatte sofort längere Unters Handlungen mit den Generalstabsossizieren der Landungstruppen. Von verschiedenen Seiten wird mitgeteilt, daß Griechenland einem Lan­ dungsversuch, italienischer Truppen in Salo­ niki sich widersetzen werde. (Z.) Versenkte Schiss-. London, 14. Oktober. Das Fisch,erfahrzeug "Vulture" aus Grimsbh ist in der Nord­ see versenkt worden. Man glaubt, daß die aus 10 Mann bestehende Besatzung ertrunken ist. 3 Leichen wurden bereits gesunden. Amsterdam, 14. Oktober. Der nieder­ ländische Konsul in Archangelsk meldet, daß der Schlepper Holland", aus Rotterdam, nach Archangelsk unterwegs, im Weißen Meere sank. Die Besatzung ist gerettet. Amsterdam, 14. Oktober. Nieuve Rotterdamsche Courant meldet aus Dixmuiden: Der Fisch,dampser "Delphin" beobachtete, wie ein anderer Fischerdampfer aus eine Mine stieß und sank. Tie norwegischen StorthingwaUen. Am Montag begannen in ganz Norwegen die Storthingwvhlen, an denen zum ersten­ mal alle Frauen und Männer gleichberechtigt teilnahmen. Tie Wahlresultate, die bisher vor­ liegen, versprechen einen Sieg der Regierungs­ partei, die bereits einige Sitze von den Rechts­ parteien erobert hat .</p>
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          <p>Betreff: Besetzung einer Bnchhalterstelle auf Kriegsdauer. Für unser Rechnungswesen ist auf Kriegsdauer eine Bnchhalterstelle sofort zu besetzen und zwar mit einem Monatsgehalts von 175 Mk. bezw. 187 Mk. (statutmäßiger Anfangsgehalt eines Buchhalters bezw. Sekretärs), je nach Leistungsfähigkeit. Verwendung nach dem Kriege bleibt vorbehalten. Bewerber mit schöner Handschrift, welche im Rechnungswesen der Stadtund Sparkasse gute Kenntnisse besitzen und besonders auch zur Fertigung von Rechnungen befähigt sind oder event, auch Bewerber mit guter kaufmännischer Vorbildung wollen ihre Gesuche mit Lebenslauf und Zeugnissen über seitherige Verwendung und unter Angabe der Militärverhältnisse umgehend anher ein« zureichen. Bewerber mit kameralisttscher Vorbildung erhalten den Borzug. Landshut den 10. Oktober 1915. gta&amp;ttn&lt;XQxfiv&lt;xt. Marschall, Oberbürgermeister. 2244 Schwarz. Bekanntmachung.</p>
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          <p>Bekanntmachung. Betreff: Berkehr mit Brotgetreide und Mehl. Unter Bezugnahme auf die in der letzteren Zeit erlassenen Vorschriften über den Milch- nnb SchinalzverMuch in gewerblichen Betrieben wird darauf hingewiesen, daß die Herstellung von Kirchweihnudel» Heuer «icht gestattet werden kann. Landrhut den 13. Oktober 1915. gtaöttnaQißvai. I. V.: AmbroS. 224» Schwarz.</p>
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          <p>Bekanntmachung. Die Fleischbank Rr. S ist sofort neu zu verpachte«. Pachtangebote werden in der Stadthauptkafle entgegengenommen. Lands Hut den 13. Oktober 1915. Stadtmagistrat Limdshut. Marfchall. 2246 Schwarz.</p>
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          <p>Einspruch erhoben, Valona und das EpirusGebiet besetzt hat und den fast ausschließlich von Griechen bewohnten Dodekanes nicht wie­ der herausgeben will, ist der erbitterste Kon­ kurrent, ist der gefährlichste Feind Griechen­ lands. Und so ist es wohl nicht zuletzt die Besorgnis vor einem italienischen Einmarsch in griechisches Gebiet, wenn die Verhandln»-^ gen zwischen der Athener und der Sofioter Regierung über die Grenzregulierung und einen allgemeinen politischen Ausgleich einen so günstigen Fortgang genommen haben, daß eine Einigung als unmittelbar bevorstehend be­ zeichnet werden kann. Damit wäre aber für den Vierverband die letzte Hoffnung auch nur aus eine wohlverdiente Neutralität Griechen­ lands, geschweige denn auf dessen Unterstützung verloren. Unter diesen Umständen werden die Vievverbändler sich wohl oder übel, entschlie­ ßen müssen, Pas Saloniki-Unternehmen, wel­ ches sich jetzt schon als ihre Achillesferse er­ weist, aufzugeben, weil es sonst zum Grab des Bierverbandes würde. mis Voyageur für seine Haßwaren erkannte. Sie hatten alles auß Klügste berechnet, der Herr tote der Knecht, sie hatten auch England und Rußland Zusammengeführt, aber sie hatten in ihrer Rechnung einen einzigen Po­ sten vergessen: Die Kraft des deutschen Volkes. Und an dieser Vergeßlichkeit ist Herr Theo­ phile Deleassee Zugrunde gegangen. Ein italienisches Blatt schreibt, daß, Sa­ loniki die Achillesferse des Vierverbandes sei. Man kann vielleicht sogar behaupten, daß es vlle Aussicht habe, das Grab des Vievverbandes zu werden. Die wtderspruchvollen Nach­ richten der englischen, Italienischen und fran­ zösischen Blatter Wiegeln deutlich die völlige Zerfahrenheit wieder, die angesichts dieses ver­ zweifelten Theatercoüps innerhalb des Vier­ verbandes besteht. Man weiß, daß sowohl ein Teil des englischen wie des französischen Ka­ binetts durchaus gegen dies abenteuerliche Un­ ternehmen war, daß ,es vor allem von Telcasse, MiUerand und Joffre bekämpft wurde, und daß Deleasses plötzliche Erkrankung eben­ so aus diese Differenzen zurückzuführen .ist tote die planmäßig organisierte Pretzfehde ge­ gen Greh. Ein Teil der englischen Staats­ männer hofft durch die Landung in Salo­ niki und den Vorstoß nach! Serbien die Tür­ kei von dem sorgsam vorbereiteten Unterneh­ men gegen Aegypten und den Suezkanal ab­ zulenken, nachdem die zu gleichem Zweck ein­ geleitete Dardanellenaktion als gescheitert er­ kannt ist. Aber einflußreiche Stimmen in­ nerhalb des Kabinetts Asquith machen sich dahin geltend, daß es geratener sei, die Trup­ pen, die an den Dardanellen verbluten, und jene, welche man für das Saloniki-Abenteuer aufopfern will, nach Aegypten zu ziehen, um hier die Achillesferse des britischen Impe­ riums zu verteidigen. &gt; Da nun aber auch Joffre erklärt, keine Truppen von der fran­ zösischen Front entbehren zu können, so schei­ nen Engländer und Franzosen zu dem Ergeb­ nis zu kommen, daß nun der Dritte im Bunde, der arme Jtaliano bluten muß. Während der General Cherfils im "Echo de Paris" verlangt, daß Italien eine halbe Million Soldaten nach! Montenegro senden 'vder in Saloniki landen solle, bereiten einige italienische Blätter b»reits langsam und vorsichtig auf die Not­ wendigkeit der Beteiligung Italiens an dem Saloniki-Unternehmen vor, während freilich, andere, tote der "Messagero", von diesem neuen Aderlaß nichts wissen wollen, sondern den Engländern den guten Rat geben, die an dem zwecklosen Dardanellen-Unternehmen beteilig­ ten Truppen nach Serbien marschieren zu las­ sen. Wie aber auch dieser edle Wettstreit um die Nichtbeteiligung an dem Saloniki-s Abenteuer endet, über den Ausgang des Unter­ nehmens selbst kann kein Zweifel bestehen, da nicht nur die Truppen der Zentralmächte, son­ dern auch die Bulgaren und Türken zu einem gebührenden Empfang bereit sind. Für das Vorrücken nach Serbien über griechisches Ge­ biet kommen die Bahnlinien von Saloniki nach Ueskueb und Monastir in Betracht, die beide durch! Engpässe führen, welche von bulgari­ schen Truppen rechtzeitig besetzt werden durf­ ten. Die Besorgnis innerhalb des Vierver­ bandes vor diesem neuen Balkanfeldzug wird aber dadurch! vergrößert, daß die Stimmung in Griechenland sich immer entschiedener gegen den neutralitätswidrigen Durchmarsch wendet. Angesichts der angekündigten Teilnahme Ita­ liens an diesem Unternehmen kann das nicht Wunder nehmen, denn Italien, welches gegen das Vorgehen Griechenlands in Südalbanien</p>
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          <p>Bekanntmachung. Betreff: Besetzung der Sparkaffeverwalterstelle. Belm unterfertigten Amte ist die Sparkaffeverwatterstelle neu zu besetzen« Mit der Stelle ist auf Grund unserer Beamtenordnung ein statutmäßtger pensionsfähtger Anfavgsg ehalt von 3000 Ml. steigend in 6 dreijährigen Zulagen a 300 Ml. auf 4800 Ml. verbunden. Bewerber, welche das Bestehen der Prüfung für den mittleren Staatsuud GrmetndeverwaltungSdienst bezw. mittleren Finanzdienft II. Abt. mit min­ destens der Prüfungsnote 2 und längerer Verwendung im Kassa- (bef. Spar, kaffa-) Dienst oder solche, welche volle Bankausbtldung und erfolgreiche praktische Tätigkeit nachweisen können, wollen ihre Gesuche mit Lebenslauf und Zeugnissen über Gesundheit und seitherige Verwendung unter Angabe der Militärvrrhältntsse bte längstens 25. Oktober curr. anher einreichen. Der Dienstetntrttt soll sobald als möglich erfolgen. Die Kautionsleistung beträgt 3000 Mk. Landshut den 10. Oktober 1915. £pt&lt;x&amp;ttn a&amp;ifir at. Marschall, Oberbürgermeister. 2243 Schwarz.</p>
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