Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-10-29. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 295, 1915-10-29. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 295 29. Oktober 1915 ────────── Die FestungenPirot und Zajecar erobert. Nene Fortschritte vor Diinavurg. — Nene italienische Angriffe abgewiesen. — Große Fortschritte in Serbien: Pirot, Zajeear und Kvjazcbac tum den Bulgaren eingenommen, erfolglose Beschießung von Varna. — Zwei rnsfische Schlachtschiffe bor Barna versenkt. Vom Westen liegen keine neuen Nach­ richten vor. Im Osten wurden die neuen Fortschritte bei Garbunowka gegen russische Angriffe be­ hauptet und der'Kirchhof von Szaszaly neuer­ dings erobert, wobei 150 Russen als Gefan­ gene in unseren Händen blieben. Es sind ja keine überraschenden, großen Gewinne, die unsere Trüppen durch! solche Teilangriffe er­ zielen. Aber doch! tragen diese kleinen Ge­ winne unsere Front allmählich! immer näher an die Festungswerke Tünaburgs heran. Und es muß berücksichtigt werden, daß das ge­ schieht, trotzdem die Russen vor Dünaburg ge­ waltige Streitkräfte zusammengezogen haben, so daß unsere Soldaten vielfach! einer starken Uebermacht gegenüberstehen. Tie Armeen des Prinzen Leopold haben bei Schtscherssy einen starken russischen An­ griff nordöstlich! von Rowo-Grodek abgewie­ sen. Wolhynien ist Rudka, westlich! von Ezartorhsk von den Unsern genommen worden. Die Russen werden hier immer Weiher in den Styrbogen auf Ezartorhsk zurückgedrängt, der jetzt nach! ,Westen vollständig durch die Front der Unsern abgeschlossen ist. Am italienischen Kriegsschauplatz erneuer­ ten die Italiener ihre Angriffe auf die Hochifläche von Doberdo nicht, dagegen dauerten die Angriffe gegen das Flftscher Becken und an der Dolomitenfront fort, so bei Riva, ukst> Lafraun. Gegen den Col di Lana versuch­ ten die Italiener sechsmal zu stürmen, wurden aber stets zurückgeworfen. Nicht besser er­ ging es ihren am Tre Sassi, der Fanes-Stellung und im Travenanzestal. Auch! am Dirzli Vrh wurden italienische Angriffe abgewiesen, ebenso mißlangen italienische Vorstöße gegen den Görzer Brückenkopf, den Monte 'Sabatino und den Monte San Michele. ! In Serbien sind die Armeen v. Koevetz und b. Gallwitz in weiterem Fortschreiten.' Die Armee b. Gallwitz hat seit dem 23. Okt.. 2033 Gefangene gemacht. Diese verhältnis­ mäßig kleine Zähl beweist die Zähigkeit der Kämpfe, in denen Pardon wenig verlangt und wenig gegeben wird. Die österr.-ungar. Truppen haben die Ser­ ben östlich von Visegrad über die Grenze ge­ worfen und Werbei auch! die von der Flanke eingreifenden Montenegriner abgewiesen. Unsere bulgarischen Verbündeten haben weitere Erfolge &u verzÄchnen. Rach mehr­ tägigem Kampf ist die Festung Zajeear in ihre Hände gefallen. Auch! Knjazevac wurde, wie gestern bereits gemeldet, von den Bulgaren besetzt und hiebei mehrere Geschiütze erbeutet. Tie Höhe der Drenova-Gläva, 25 Kilometer nordwestlich! von Pirot, ist ebenfalls in bul­ garischem Besitz. Heute früh kam die Meldung der bulgarischen Telegräphenagentur, daß auch Pirot bereits in den Besitz der Bulgaren übergegangen sei. Allerdings erst nach! har­ ten Kämpfen mit den verzweifelt sich Wehren­ ten Serben konnten die tapfer kämpfenden Bulgaren in Pirot einziehen. Vor dem bul­ garischen Hafen Varna am Schwachen Meere erschien, trotzdem Rußland an BulgArien keine Kriegserklärung gesandt hatte, ein russisches Geschwader und beschoß die Stadt und den Hafen. Die bulgarischen Batterien erwider­ ten aber das Feuer energisch! und versenkten zwei Schiffe der Tri-Swiatitelja-iKlasse, wo­ rauf sich! die russischen Schiffe, verfolgt von Unterseebooten, schleunigst zurückzogen. Tie Beschießung hätte nur geringen Schaden ver­ ursacht. Unter den Ententediplomaten herrscht die babhlanische Verwirrung. Ueberall Konferen­ zen, die getrennt ihre Beschlüsse fassen und bei denen jeder die Arbeit dem andern zw= WiebA England will, daß Frankreich den Serben zu Hilfe eilt, dieses wieder glaubt, daß Rußland hierzu berufen sei. Alle drei aber sind höchst empört darüber, -aß Italien, der jüngste Genosse im Bunde, der sich! erst noch die Vierverbandssporen verdienen soll, so gar keine Miene macht, einzugreifen. Tjie Italiener werden eben allmählich iWe neuen Freunde erkannt haben. Außerdem braucht Cadorna seine Truppen selbst und will sie nicht für ein Abenteuer opfern, von betn sogar der serbische Generalissimus sagte, es sei eine militärische Komödie. Tie Bulgaren dürften ja auch! der Komödie bald genug ein Ende bereiten. Es ist in Frankreich! trotz aller Bemüh­ ungen der Zensur, die öffentliche Meinung ,m Ketten zu legen, mit dem Burgfrieden fch!lecht bestellt. 'Die Ausschaltung des Parlaments in allen Fragen von Bedeutung, vor allem die Ablehnung einer geheimen Sitzung, in der man seiner Stimmung freien Lauf lassen und Herrn Viviani in einem Kreuzverhör zwingen wollte, reinen Wein einzuschenken, hat die Seele der Deputierten und Senatoren ins Kochen gebracht. Früher hatte es ge­ nügt, wenn ein Wiwk aus London kam, oder 4 ••••U«. ■* * ilu-vtt .... . wenn gar einer der hohen Vorgesetzten von der Themse persönlich! erschien, die schlimmen Krisen, die schon wiederholt Viviani, Mille­ rand und Delcassee umtobten, zu besiegen, sehr zum Leidwesen des Herrn Clemenceau der das auferlegte Schweigen am liebsten durch die Versenkung des ganzen Kabinetts vergel­ ten möchte; heute aber geht die Bewegung viel tiefer, weil die Volksvertreter mit ihren Zweifeln und Sorgen die ganze Nation Hinter sich haben, und weil die Hoffnungen, die man vorher noch, hegte, nach dem Zusammenbruch der letzten Offensive Joffres und dem völligen Fiasko an den Dardanellen, fast völlig versiegt sind. Und so tauchen bereits Gerüchte aus, in denen von einer Präsidentenkrise geredet und auf Ribot, Deschanel und Bourgeois als die Nachfolger des Herrn Poincare gewiesen wird. Es ist nicht schwer zu erraten, daß König Georg von England, der jetzt die Front inspiziert, seinen Weg nur deshalb auch! nach Paris lenkt, um die wankenden Säulen des Elhsee durch sein in Form von freundschaft­ lichen Vorstellungen gekleidetes Machtwort zu stützen. Um dieses hohen Besuch,es willen ist nun vorläufig die Krisis "vertagt", dem von Clemenceau so unbarmherzig gejagten Wilde eine neue Schutzfrist gewährt worden. Tie Krisis darf ein paar Tage weiterschleichen. Wir unserseits können der weiteren Entwick­ lung jedenfalls ruhiger ins Auge sehen, als die Franzosen selbst, die nicht ohne Grauen zusehen mögen, wie man noch! immer nach einem Nachfolger für Herrn Delcassee sucht, und die es wohl auch! ahnen, daß in diesem -vergeblichen Suchen zugleich das Geständnis einer kaum heilbaren politischen Zerfahrenheit liegt. Wir könnten höchstens bedauern, daß Delcassee nicht die volle Verantwortung für seine Tätigkeit, die sein Volk in den Krieg gestürzt, zu tragen gezwungen ist. Wir dürfen uns nicht täuschen. Auch ein Nachfolger Delkassees wird in den Fußstapsen Deloassees wan­ deln. Was wir jetzt in Frankreich erleben, ist nicht eine Umkehr zu anderen Zielen, son­ dern nur das Symptom einer Zerfahrenheit, die den öffentlichen Geist allmählich zerrütten MUß. Nun beginnen auch, die finanziellen Schwierigkeiten für die Ententemächte. Sogar Griechenland hat den Wert des französischen Papiergeldes auf 75, des russischen auf 70 und des englischen auf 80 Prozent des Nomi­ nalwertes festgesetzt. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 28. Oktober. Mittags. (Großes Hauptquartier). ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. ────────── Heeresgruppe des Generalseldmarschalls von Hindenvurg. Nordöstlich! des Ortes Garbunowka sind neue Fortschritte gegen russische Angriffe be­ hauptet. Der Kirchhof von Szaszalh ist wieder in unserem Besitz. 2 Offiziere und 150 Mann wurden gefangen genommen. Unsere Artillerie ließ einen feindlichen Angriff südlich! von Garbunowka nicht zur Entwicklung kommen. Heeresgruppe des Generalfcldmarschalls Prinz Leopold von Bayern Bei Schischerssh (am Njemen) nordöstlich von Nowo-Grodek scheiterte ein starker russi­ scher Angriff. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. Westlich! von Ezartorhsk wurde Rndka ge­ nommen. Balkankriegsschauplatz. Die Armeen der Generale v. Koeveß und v. Gallwitz sind in weiterem Vordringen^ ; Die Armee des Generals v. Gallwitz hat seit dem 23. Oktober 2033 Gefangene gemacht und mehrere Maschinengewehre er­ beutet. Die Armee des Generals Bojadjeff hat Aajeear genommen. Nördlich von Knjazevac wurde derTimok in breiter Front überschritten. Knjazevac ist in bulgarischen Hände«. Mehrere Geschütze wurden erbeutet. Tie Höhe der Drenova-Glava (25 Kilo­ meter nordwestlich von Pirot) ist besetzt. Oberste Heeresleitung. Oestlicher Kriegsschauplatz. ────────── Bericht unserer Verbündeten. WTB. Wien, 28. Oktober, mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Die bei Chartorhsk kämpfenden verbünde­ ten Kräfte haben gestern das Dorf Rndka er­ stürmt. Sonst im Nordosten nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz» Das feindliche Artilleriefeuer war gestern an der Jsonlzoftont wieder lebhafter. Die ita­ lienische dritte Armee erneuerte den Angriff auf die Hochfläche von Doberdo bisher nicht; dagegen setzte die nördlich! anschließende zweite Armee ihre vergeblichen Anstrengungen ge­ gen unsre festen Stellungen mehrfach! fort und dehnte sie auch! auf das Flitscher Becken aus. Je eine weitere Armee greift die Dolomitenftont von Südtirol an. Im Abschnitt von Riva sind EinleitnUgskämpfe im Gange. Auf der Hochfläche von Laftaun geht der Feind mit Sappen vor. Ein Angriffsversuch! gegen unsre Stel­ lungen nördlich des Werkes Lusern scheiterte jn unsrem Artilleriefeuer. Vor dem Col di Sana brachen gestern nachmittags 6 Stürme der Italiener zusam­ men; ebenso mißlangen kleinere feindliche An­ griffe gegen Tre Sasfi, die Fanes-Stellung und den Nordausgang des Travenanizietales. Jin Raume -von Flitsch! schlugen die Ver­ teidiger am Westhange des Jaworcek einen Angriff an den Hindernissen Mutig ab. Gegen unsre Linien südöstlich! des Mrzli Vrh und gegen Dolje gingen abermals starke Kräfte vor. Sie wurden gleichfalls abge­ wiesen. Nur um einzelne Grabenstücke ist der Kampf noch! im Gange. Auch ein abends gegen* den Raum nördlich von Selo eingesetzter feind­ licher Angriff brach zusammen. Uebergangsoersuche der Italiener nördlich (Sonate wurden vereitelt. Der Görzer Brückenkopf stand wieder un­ ter schwerem Feuer. Ein vereinzelter Vorstoß des Feindes ge­ gen den Monte Sabatino mißlang vollständig. Mehrere italienische Bataillone, die ge­ gen den Abschnitt nördlich des Monte San Michele vorstießen, mußten in unsrem Artil­ lerie- und Maschinengewehrfeuer in ihre Dekkungen zurückflüchten. Südöstlicher Kriegsschauplatz: Die östlich> von Bisegrad vordringenden t. und k. Truppen haben den Feind beider­ seits der Karaula Balva über die Grenze zu­ rückgeworfen. Zwei flankierend angesetzte Gegenangriffe einer montenegrinischen Brigade wurden ckogeschlagen. TEr aus österr.-ungar. Kräften zusammen­ gesetzte rechte Flügel der Armee,des Generals von Koeveß hat die obere Kolnbara in breiter Front überschritten. Tie Deutschen erstiegen die Gebirgskette nördlich! von Rudnik. Oestlich davon drin­ gen auf gleicher Höhe österr.-ungar. Kolon­ nen beiderseits der Sttaße Töpola-Kragujevac vor. Tie Armee des Generals von Gallwitz gewann das Gelände westlich! der Eisenbahnstatian Lapovo und vertrieb den Gegner un­ ter schweren Kämpfen von den Höhen süd­ lich! und südöstlich von Svilajnac. Die bulgarische 1. Armee hat Zajecar und Knjazevac erobert und kämpft erfolgreich aus den Höhen des linken Timokufers. In Knjazevac wurden vier Geschütze und sechs Munitionswagen erbeutet. Ter stellvertretende Chef des Generalstabesr v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Eine Unterredung mit Hakki Pascha. Leipzig, 28. Oktober. Der türkische Bot­ schafter in Paris, Hakki Pascha, empfing den Hauptschriftleiter der "Leipziger Abendzei­ tung" zu einer längeren Unterredung, wo­ rüber dieser seinem Blatte folgendes berichtet: Hakki Pascha sagte: Der Vierverband hat eine üble Rolle gespielt. Er hat die Mörderischsten Pläne entworfen, aber kam stets zu spät. Die Ententetruppen werden wahrscheinlich kein Serbien mehr vorfinden. Wenn der Vierver­ band einen Erfolg haben wollte, müßte er in der Lage sein, überall starke Truppenmassen einzusetzen. Mit 50 000 oder 100 000 Mann ist nirgends etwas getan. Das zeigte sich! zu Beginn auf Gallipoli, das wird sich! auch jetzt in Serbien zeigen. Was die Landung in Saliniki anbelangt, scheint der Vierverband zu lvergessen, daß die Bulgaren durchaus nicht allein zu stehen brauchen, sondern daß starke türkische Truppenmassen sich seit geraumer Zeit unweit der Maritza befinden und daß der Name von der Goltz einen sehr guten Klang hat. Von Griechenland ist anzunehmen, daß dort, nachdem die Herrschast von Venizelos vorüber ist, nicht noch einmal eine.Schwenkung erfolgen wird. Auch! Rumänien zeigt immer deutlicher die Richtung seiner wahren Politik. Wir erkennen das beispielsweise aus dem schar­ fen Auftreten gegen die russenfieundlichen Kundgebungen, die in den letzten Tagen von Filipeseu und Genossen versucht wurden. Ruß­ land hätte in Rumänien nur dann einen star­ ken Truck oder einen Zwang ausüben können, wenn es sehr starke Truppenmassen in Be­ reitschaft gehabt hätte. Aber woher soll Ruß­ land diese jetzt nehmen? Auch! hier zeigt sich dasselbe Bild: Zu spät und zu wenig Soldaten! Ter Vievverband hoffte, die Türkei bezüglich der Munition aushungern zu können. Aber das gelang nicht einmal, solange die Kämpfe auf Gallipoli andauerten, denn die Türkei war in der Lage, selbst genug Munition zu erzeu­ gen. Jetzt braucht sie fast keine, da fast kein Angreifer mehr vorhanden ist. Ueberdies sind die serbischen Donauhäfen jetzt im Besitze un­ serer Verbündeten und wenn die Minen be­ seitigt sind, ist der Verbindungsweg zu Was­ ser hergestellt und der zu Laude wird erfol­ gen, sobald Risch! genommen ist. (Z.). Selbsterkenntnis im Bicrverband. Rom, 27. Oktober. Tie "Jdea Nazionale" schreibt, daß der Grund des Mißerfolges der Entente gan zwo anders zu suchen sei, als lediglich in dem Mangel an Einigkeit. Ter Entente mangele es vielmehr an Willenskraft, Energie und heiliger Begeisterung. In der Entente zähle man immer nur auf die Kräfte anderer, statt mit seinem eigenen Willen den Gegner niederzuringen. So gab man sich auch der Illusion hin, Deutschland könne zwar nicht durch die Heere der Entente überwunden werden, wohl aber durch! eine wirtschaftliche Aushungerung. Als diese nicht kam, hoffte man, Deutschlands Menschenmaterial und Kriegsmaterial würden bald erschöpft sein. Alle diese Illusionen waren nur möglich, weil man den Sieg in der Entente niemals von seinen eigenen Kräften erwartete. Dieses Mißttauen, dieser Mangel an Energie und Opsersinn und klarer Auffassung der Lage stellten sich besonders in gewissen parlamen­ tarischen Ländern ein, vor allem in England. Kein Mechanismus könne die Entente retten, sondern nur wirkliche Männer. Aus dem Par­ lamentarismus hervorgegangene Männer seien aber unfähig, einen so großen Krieg zu ver­ stehen und zu leiten. Monatelang sagte,Asquith: "Wartet ab, und Ihr werdet sehen!" Dieses "Wartet ab" heiße so viel, als lasset neue Ereignisse eintreten und hoffet, daß sie die Lage lösen werden. Niemals habe ein Mann der Regierung mit liebenswürdigerem Skeptizismus den verrückten Grundsatz auf­ gestellt, daß die Ereignisse abgewartet werden sollen, statt sie selber zu lenken. Wie könne man sich! jetzt wundern, daß die Dinge so ge­ kommen seien? "Wartet ab und Ihr werdet sehen!" sagte Asquith. Man habe abgewartet, und nun sehe man die Bescherung. Jede Na­ tion der Entente müsse für sich selbst an eine Besserung denken. Eines aber sei vor allen Dingen nötig, der Geist des Parlamentaris­ mus müsse in allen Ländern der Entente durch einen nationalen Geist ersetzt werden. Die Männer des Parlaments müßten den Männern der Nation Platz machen. ────────── TM neue französische Kabinett Amsterdam, 28. Oktober. Nach, Pri­ vatmeldungen aus Paris setzt sich, das neue Kabinett folgendermaßen zusammen: Briand Vorsitz und Aeußeres, General Galliens Krieg, Admiral Lucaze Marine, Viviani Justiz, Ribot Finanzen. Das neugeschaffene Amt eines General-Sekretärs des Auswärtigen erhält der frühere Berliner Botschafter Cambon. Zum Besuch! des Königs Georgs in Frank­ reich,. Berlin, 28. Oktober. Tie "TäglicheRundschau" meldet aus dem Haag: Der "Temps" schreibt: In diesem Augenblick, wo die große Gefahr im Osten Europas England zwingt, sein Ansehen zu verteidigen, hat die Konferenz König Georgs mit MarschallFrench eine besondere Bedeutung. Der Krieg ver­ langt, daß England immer neue Heere aus dem Boden stampft. Die englischen Anstren­ gungen haben die Erwartungen der größten Optimisten Wertroffen. .Englische Truppen kämpfen zurzeit am Euphrat, auf Gallipoli, in Mazedonien, 'in der Champagne und in Flandern, während die englische Flotte gleich­ zeitig den Verbündeten die Herrschaft über die Meere sichert. England, dessen Maßnahmen bisher manchmal etwas langsam waren, wird jetzt aus dem einmal beschrittenen Wege nicht zurückweichen. Es begreift sehr wohl, was es bedeuten würde, wenn deutschje Truppen in Konstantinoipel einrücken sollten. Zurzeit ist Englands Hilfe am dringendsten in Serbien nötig. — "Echo de Paris" schreibt: Der Gesuch des Königs ist ein glückliches Ereignis. Die Dauer des .Krieges hängt lediglich, von den Entscheidungen ab, die i.m jetzigen Augejnblick getroffen, und von der Schnelligkeit, mit der diese Entscheidungen ausgeführt werden. Eine mündliche Aussprache zwischen den Persön­ lichkeiten, die beide Nationen vertreten, ist dringend notwendig geworden. Wir hoffen, daß der Besuch! des Königs für die Sache der Verbündeten von größtem Nutzen sein wird. (Z.) ────────── Verurteilung des Kommandanten von Kowno. Stockholm, 27. Oktober. "Ranneje Utro" zufolge verhandelte das Dünaburger Mi­ litärbezirksgericht in Witebsk unter Ausschluß I der Öffentlichkeit gegen den ehemaligen Fe­ stungskommandanten von Kowno, Grigoriew, wegen 'Uebergabe -er Festung an den Feind ohne Ausnutzung aller Verteidigungsmittel. Das Gericht verurteilte Grigoriew unter Zu­ billigung mildernder Umstände zur Aberken­ nung aller Rechte und 15 Jähren Kerker. T«s Flüchtlings-Elend in Rußland. Sd. Moskau, 28. Oktober. "Nowoje Slowo meldet: Der Hauptausschuß für Flücht­ linge befindet sich, in einer tragischen Lage, da er kein Geld hat und das Ministerium gegenüber Bitten um Geld ganz taub bleibt. Von allen Prvvinzabteilungen treffen Bitten um Geldunterstützung ein. Der Ausschuß hat aber kein Geld. Aus dem Gouvernement Wi­ tebsk nach, dem Gouvernement Tw er sind 400 000 Flüchtlinge unterwegs. In der Stadt Tscheljabinsk in Sibirien lagern 5000 Flücht­ linge unter freiem Himmel. ────────── Der Krieg mit Italien. Ter römische AMniflerrat. Zürich, 28. Oktober. Die römische "Tri­ buns" glaubt, der Ministerrat werde sich- mit einer Verschiebung des Kriegsschauplatzes in die unmittelbare Nähe des Adriatischen Mee­ res befassen. (Z.) Auf dem Kirchturm von Aquileja. Chiasso, 28. Oktober. An dem heute nachmittags stattfindenden Ministerrat werden nach, dem "Carriere bellet Sera" alle Minister teilnehmen. Ter Minister Barzilai, der zwei Wochen lang im Hauptquartier weilte, wird heute nach, Rom zurückkehren, um über die Lage des italienischen Heeres zu berichten. Der Minister hat mit dem König den Kipchxturm von Aquileja bestiegen, von wo aus man Triest sähen kann. Zu Personen, die den König zu seinem guten Ausseheur beglück­ wünschten, habe dieser, wie Barzilai einem Mitarbeiter des "Giornale d'Jtalia" mitteilte, gesagt: "Wie soll ich, mich nicht wohl fühlen bei dem wundervollen Schauspiel, das unsreTruppen darbieten?" , ────────── garischen Telegrafenagentur.) Nach langen, blutigen Kämipfen haben die bulgarischen TrupIpen Pirot eingenommen, wo sie heute ihren siegreichen Einzug hielten. Die bulgarische Armee 'hat mit der österr.-nngar. und mit der deutschen die Verbindung hergestellt. Mißglückter Landungsrersuch an der bulgari­ schen Küste. Bud alpest, 28. Oktober. ,,A Vilag" mel­ det aus Sofia: Zwischen Makri und Maronia (zwei Küstenstädte westlich! von Dedeagatsch) versuchten Transportschiffe Ententetruppen un­ ter dem Schutze von 8 Kreuzern zu landen. Türkische Artillerie vereitelte den Versuch. Vier Barken mit feindlichen Truppen wur­ den versenkt. , Ter Empfang der Befreier stk Nest üb. Sofia, 28. Oktober. Ein Offizier schil­ dert den Empfang des Prinzen Cyrill von Bulgarien in Uesküb in bewegten Worten. Tie Bevölkerung überschüttete die einziehen­ den Truppen mit Blumen. Frauen, Greise und Kinder drängten sich, heran und küßten des Prinzen Mantel. So begrüßte die an­ geblich serbische Bevölkerung Ueskübs, der Wie­ ge des Bulgarentums, den Sohn des Befreiers. (Z.) Tie Franzosen im Bardartale. Rotterdam, 28. Oktober. "Daily Mail" läßt sich, wie aus London berichtet wird, aus Athen drckhten, daß 6 Züge mit französischen Truppen am letzten Sonntag Saloniki ver­ ließen. 5 davon waren für Gewgheli und 1 für Toiran bestimmt. Die Truppen des letz­ teren Zuges sollen die französischen Stellungen bei Strumica verstärken, wo die Verbünde­ ten sich eingeschanzt haben. Ter Kampf dauert auf dieser Linie fort. (Z.) Ter russische Landungsversuch aufgegeben. Kopenhagen, 28. Oktober. Der rus­ sische L andungsversuch an der bulgarischen Schwavz-Meerküste ist nach den letzten Pa-> riser Meldungen endgültig aufgegeben worden. Rußland werde bei der rumänischen Regierung noch einmal in nachdrücklichster Form das Ver­ langen stellen, den Durchmarsch russischerTruppen zu gestatten. Ter König von Rumänien und die Russrnsreunde. Bukarest, 28. Oktober. König Ferdi­ nand empfing am Montag Filipescu in ' Audienz. Eine Stunde später erschien auch Take Jonescu beim König und hatte,eine län­ gere Unterredung mit ihm, über deren Inhalt bisher noch nichts verlautet ist. Wa>nn trifft Rnmänien seine Entscheidung? Bukarest, 28. Oktober. Die Zeitung "Dimineatza" meldet aus diplomatischer Quel­ le: Tie Entscheidung Rumäniens wird erst nach! der Klärung der allgemeinen Balkanlage geschehen, wenn vorauszusehen ist, daß die Entente das Balkanspiel verloren hat und ihre in Saloniki gelandeten Trüppen das Schicksal Serbiens nicht abwenden können. Nach einem Balkansiege der Zentralmächte werde die rumä­ nische Regierung frei erklären, wessen Partei sie ergreifen werde. ────────── zustande. Er suchte jetzt alles zu vergessen, was in den letzten Jahren an herben Enttäu­ schungen an ihn ,herangetreten war und war so sorglich um seine Frau bemüht, daß diese ihm dankbar dafür sein mußte. Selsamerwteise gestaltete sich, jetzt Frau Helenes Verhältnis zu Gerd ganz eigenartig. Er brachte ihr eine so ehrliche Teilnahme entgegen und zeigte sich, ihr gegenüber so durchaus großmütig und erbarmend, daß sie eine Art scheue Zuneigung zu ihm faßte. Es war, als wisse sie mit der nun brachliegenden Mütterlichkeit nichts Besseres anzufangen, als sie Gerd zuzuwenden. Sie hatte für ihn einen Ton, wie früher nie, und er war viel zu gütig und taktvoll, um nicht darauf etnz,u-< gehen, daß sie ein besseres Verhältnis zwischen ihnen anbahnen wollte. Gleich nach Tolfs Beerdigung war Rita mit Fra.u Horst und Lotti ähgereist, nach Swinemünde. Erst hatte sie nun auf diese Reise verzichten wollen, aber Gerd und ihr Schwiegervater drangen daraus, daß sie mit­ gehen sollte. Es war viel Staub aufgewirbelt worden durch! die Duellassäre, und Rita wurde mit neugierigen, wenn auch, teilnahmsvollen Bücken verfolgt, wo sie sich sehen ließ, j ; , IslLJ BWetmi m- a** U.J "Zuletzt — Rita — da hab ich doch dich geliebt — mehr als die andern. Und ich habe noch einen Wunsch an dich." "Sprich ihn aus, Dolf, wenn ich kann, will ich, ihn dir gern erfüllen," sagte Nita bewegt. Er deutete matt auf sein Gesicht. "Da brennt noch dein Schlag. Soll ich ihn mit mir nehmen? Ein Schlag von Frauen­ hand — sühnt nur — ein Kuß." Six beugte sich, erbarmend über ihn und küßte ihn — ein letztes Mal. Er lag eine Weile mit geschlossenen Au­ gen. Dann b lichte er wieder auf, und ein feuchter Schimmer lag in seinen Augen. Als schäme er sich der Weichheit, sagte er ironisch,: "Welch, ein Zerrbild ist 'der Mensch. Da liege ich, nun wie ein sentimentales Frauen­ zimmer. Laßt es euch, nicht anfechten — ich bereue nichts — nichts. Und seid glücklich — das Leben ist kurz. Schlagt keine frohe Stunde aus — der Rest — ist — Schweigen." Dann lag er wieder lange stumm mit ge­ schlossenen Augen. Der Arzt kam herein, um nach, ihm zu sehen. Dolf blickte ihn an. "Ist es schon Zeit, Doktor?" Ter schüttelte lächelnd den Kopf und machte einen Scherz. Eine barmherzige Lüge. Frau Helenes Augen hingen angstvoll an denen des Arztes. Der sah nur .ernst in Gerds Augen. Dieser begriff sofort. Und da bäumte sich der Verwundete plötzlich auf. "Mutter!" rief v er gurgelnd. Ein Blutstrom schoß aus seinem Mund. Dann seufzte er tief auf und verschied. Gerd führte die halb ohnmächtige Nita aus dem Zimmer. Tie Eltern waren mit ihrem Söhne allein. Gerd hatte Juanita wieder zu Horsts ge­ bracht. Sie sollte nicht in dem Sterbehaus allein bleiben. Dolf Falkner war, trotzdem er seinen Un­ gehörigen viel Leid und wenig Freude be­ reitet hatte, nicht unbeweint gestorben. Rita hatte viel Tränen vergossen. Al­ les war vergessen, was Dolf ihr gngetan hatte, und sie beklagte ehrlich, daß er so jung hatte sterben müssen. Am meisten aber weinte sie um das tiefe Leid, das aus Bernhard Falkners Augen leuchtete. Und auch ihre Schwieger­ mutter tat ihr leid, deren Schmerz um den verlorenen Söhn bei der sonst so kalten Frau um so ergreifender wirkte. Zwischen Bernhard Falkner und seiner Frau kam in diesen Tagen gemeinsamen Schmerzes ein etwas erträgliches Verhältnis ────────── Aus den Kolonien. I Tie Verteidigung Teutsch,-Lstafrikas. Berlin, 28. Oktober. Wie die "Tägl. Rundschau" aus Tentsch-Ostafrika erfährt und ihr hier an zuständiger Stelle bestätigt wird, ist unsre vstafrikanische Kolonie mit Waffen und Munition in jvder Beziehung reichlich versorgt. Jedenfalls werde ein neuer An­ griff der Engländer dort nicht im geringsten gefürchtet, zumal die Schutztrüppen und über­ haupt die Wehrkräfte in Teutsch-Ostafrika sich ganz bedeutend vermehrt ^hätten. Ueber die gute Munitions- und Waffenversorgung der I Kolonie seilen die Engländer zweifellos auch, I unterrichtet, dagegen kennten sie nicht, wie starke Wehrkräfte sich, ihnen bei einem neuen Angriff entgegenstellen würden. (Z.) ────────── Tages-Uebersicht. Ter Beirat der Reichsprüfungsstelle für Lebensmittelpreise trat, wie amtlich, aus Ber­ lin gemeldet wird, Dienstag nachmittags in seinem Ausschuß für Kolonial- und Teigwaren zu einer Sitzung unter dem Vorsitze des Ministerialdirektors Lusenskh zusammen. Zur mög­ lichsten Vermeidung einer wesentlichen Stei­ gerung der Kaffeepreise und zur Sicherung der Lebensmittelregelung nach allen Teilen Deutschlands wurde die Gründung eines Ein­ kaufssyndikats für Kaffee allgemein gewünscht. Für Tee wurde jedes Eingreifen für über­ flüssig erachtet, da ausreichende Vorräte vor­ handen sind. Von einigen Seiten wurde die Verbrauchsregelung für Kakao gewünscht. Für alle drei Warengruppen wurden Bestandsauf­ nahmen angeregt. Die für Teigwaren, Grieß und Roggenkaffee in die Wege geleitete Re­ gelung, insbesondere die der Preisgestaltung, wurde mit Genugtuung begrüßt. ────────── wollen nur solange feilt Auslandhonig herein­ kommt, mit unserejmi Produkt ihre Kundschaft erhalten, um dann später wieder ihren aus­ ländischen Honig absetzen zu können. In Arie­ denszeit kennen diese Geschäfte unseren Honig nicht. Laßt euch nicht überreden und durch die höhen Preise beeinflussen, sondern kehrt diesen Händlern den Rücken, weist ihnen die Türe und seid bestrebt, durch eine richtige Or­ ganisation die günstige Lage für den Absatz unseres einheimischen Honigs auszunützen. Auskünfte hierüber erteilt gerne der K. Landes-Jnspektor für Bienenzucht, München, Mi­ nisterium des Innern (Schalter I) und der K. Kreiswanderlehrer R. Schreiber, Mün­ chen, Prin'zenstraße 48/11. Handwerkergenossenschaft. In Geldbach (Utfr.) wurde unter Mitwirkung der Gewerbe­ bank Aschaffenburg eine Einkaufsgenossen­ schaft für das Schmiedegewerbe für Aschaffen­ burg und Umgebung gegründet. Ter Zweck der Genossenschaft ist der gemeinsame Einkauf von Eisen und Kohlen. Kupfererze in der Pfalz. Die Mitteilun­ gen über Kupfererze in der Pfalz, die in den letzten Tagen die Runde durch die Presse mach­ ten, haben durch> die Sachverstand igen-Gut^ achten von Professor Oelbecke in München und Tr. Mehlis in Neustadt große Aufmerksamkeit gefunden . Das Gebiet, in dem ausgedehnte Küpferevzmengen begutachtet werden, zieht sich- das Donnersberg-Massiv in der Nordpfalz entlang. Eigentümer ist der Bayerische Land­ tagsabgeordnete und Gutsbesitzer Eugen Abresch-. ────────── früh- wurde aus der Bahnstrecke zwischen Holz­ kirchen und Darching der Soldat Joh. Gras­ berger tot aufgefunden. Vermutlich! ließ er sich- von dem Zug 1321 am Dienstag über­ fahren. , Selbstmord. In Gmund entleibte sich der 49jährige Säger Mathias Heinrich- durch zwei Schüsse aus einem Militärgewehre . Der be­ dauernswerte Mann litt schon seit Monaten an einer unheilbaren Krankheit in den At­ mungsorganen und nach- Ansicht der Aerzte wäre fein Ende nähe-bevorstehend gewesen. Verunglückt ist in der Grube Hausham der verheiratete Hauer Karl Stubenvoll von Miesbach-, Als der mit einem Kameraden mit dem Nachschießen eines Wassergrabens beschäf­ tigte Arbeiter bei einem nicht losgegangenen Schuß nachsehen wollte, entlud sich plötzlichderselbe und brachte ihm an der Brust und im Gesicht schwere Verletzungen bei. Bon einem Fuhrwerk totgefahren wurde in Würzburg der Volksschüler Fritz Hüttner. Allerlei. Eine Lesch-e ohne Kops. UnterhalbMoosburg wurde aus der Isar eine männlicheLeiche -geborgen. . Die Leiche war ohne Kopf, ohne Oberarm und ohne Unterschenkel. ’ Am rech­ ten Oberschenkel befand sich noch der Rest einer schwarz-weiß gestreiften Hofe. Die Leichs dürfte bereits längere Zeit im Wasser gelegen sein. Milchpantscher. Das Landgericht München 1 verurteilte die Molkereibesitzerseheleute Se­ bastian und Therese Moosmüller wegen eines fortgesetzten Vergehens gegen das Rahrungsmittelgesetz zu je sechs Wochen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe oder weitere 100 Tage Gefängnis . Die Angeschuldigten haben in den letzten Jahren abgerahmte Milch mit Vollmilch vermischt und von diesem Gepansch täglich 180 Liter an das 1 .Schwere Reiter-Regiment und ca. 350 Liter an das 2. Jns.j-Rgt. geliefert. Der Milch war durch die Pantscherei der Fettgehalt von 8—27 Prozent entzogen. Der dadurch! erzielte Gewinn betrug täglich 17 bis 23 Mark. tteti erfuhren und getötet. Die Eisenbahndirektion München teilt mit: Am Mittwoch ────────── Zwei tapfere Riederbayer«. Bei dem Durch-bruchsversuche der Franzosen am 9. Mai ,, bei N. holte der Chevauxleger der Reserve Josef Kriegl, Hufschmied aus Vilshofen, mit vollster Kaltblütigkeit mehrere Male Munition herbei und verband unter stärkstem Artil­ leriefeuer zwei verwundete Kameraden. Kriegs wurde mit der Goldenen Medaille belohnt. — Als am Nachmittage des 9. Mai die Fran­ zosen im Innern von N. weiter vordrangen, sollte sie ein Handgranatentrupp wieder ver­ jagen. Die Gruppe bestand aus Unteroffizier der Reserve Karl Wasmeier der 7. Kompag­ nie Res.-Jns.- artige Geschäftsbehandlung in Zukunft nicht ' mähr geduldet werden könne und die Beam; ten zu bestrafen seien. Sekretär Hofmann, als Verantwortlichem Beamten sei ein Beweis zu 1 erteilen. Tie Prüfung der freiwilligen Bei* träge habe ein Manko von 29,80 Mk. ergeben, $ die von Sekretär Hofmann einbezahlt werden 3 müssen, was noch nicht geschehen sei. In Zu* fünft sei das Kassenbuch sauberer zp führen, ' und nicht mehr sbviele Streichungen vozuneh' men. Von den rückständigen Beiträgen mit j 246,27 Mk. sei der Hauptteil bereits beige' trieben. Die Krankenversicherung habe mit ; Ende 1913 ihre Tätigkeit eingestellt. i Der Magistrat habe hierzu beschlossen, ; ausnahmsweise von der Quittungsbeschaffung « in jenen Fällen, in denen dies nachträglich f nicht rnejyt erfolgen könne, Abstand zu neh­ men. Eine derartige Geschäftsbe'handlung , könne aber in Zukunft nicht mehr geduldet , werden und sind die Kassenbeamten zu bestra; sen, damit sie sich an eine geordnete Ge■ schäftsführung gewöhnen. Dem Sekretär Hofi mann ist ein Verweis zu erteilen. G.-B. Wagner meinte, da habe man ein | klares Beispiel, wie bei uns das Rechnungs: wesen geführt werde, wenn der Herr Refe, rent int Finanzausschuß gesagt habe, das Kas! senbuch habe ausgesehen wie ein Schmierbuch. : Beim Kaufmann sei das Kassenbuch! ein Heilig; tum. Es ist ja jetzt eine ^vollzogene Sache, . aber bezeichnend für unsre gesamte Verwal: tung von A. bis Z. (Zwischenruf: Ein jammer, voller Zustand.) G.-B. Binder glaubte, daß für den schul­ digen Beamten ein Verweis zu gering sei. Es müsse strenger vorgegangen werden, denn , aus Grund des Kassenbuches scheine es, daß der Herr überhaupt sehr wenig anwesend ge; wesen sei und andere die Arbeit gemacht haben. ! Er glaube, daß das Kollegium sich ein Ver­ dienst erwerben würde, wenn man besser auf ────────── weil man in dem Markenbild ein Vexierbild zu sehen vermeinte, das dem aufmerksamern Beschauer unter dem Bilde des gegenwärtigen Königs das des Ermordeten zeigte. Die Sa­ che gab damals zu allerlei tollen Gerüchten und Geschichten Anlaß, in denen auch der Name der Königin-Mutter Natalie genannt wurde. Alle diese Geschichten erhielten noch einen besonderen sensationellen Anstrich! durch das Gerücht, daß König Peter nach allen be­ deutenden Briesmarkenmärkten der Welt Emissäre geschickt hatte, mit dem Auftrag, alle Marken, deren sie habhaft werden konn­ ten, auszukaufen. Es handelte sich! bei dieser "Mordmarke" augenscheinlich um ein Zufalls­ spiel, das beim Markendruckverfahren nicht selten ist. In jedem Falle hatten aber die romantischen Geschichten, die sich an die Marke knüpften, den Erfolg, die Nach,frage nach die­ sen serbischen Marken ins Ungeheure zu stei­ gern. Der "Daily Telegraph" knüpft daran die freundschaftliche Mahnung: "Wir können unsern serbischen Verbündeten nur den Rat geben, sich, das Zusammensuchen dieser hoch­ bezahlten Marken mit allem Fleiß angelegen sein zu lassen." — Das klingt angesichts der Lage, in der sich Serbien heute befindet, wie eine blutige Ironie. Wenn England für die Not seines lieben Verbandsbruders keine an­ dere Hilfe weiß als den güten Rat, Brief­ marken zu sammeln, so heißt das zum Scha­ den auch noch den Spott fügen. ────────── Handel und Verkehr. Nürnberg, 27. Olt. (Hopfenbertcht.) Während in den ersten beiden Tage» bei Anwesen­ heit zahlreicher Käufer 600 Ballen verkauft wurden, war heute das Geschäft weniger umfangreich und beschränkte sich auf einen Umsatz von kaum 100 Ballen. Die Stimmung ist zwar gegen die Vor­ woche etwas freundlicher, doch zeigt der Preisstand keine Aenderung. Dreitägige Landzufuhr 150 Ballen, Bahnzufuhr 500 Ballen, dreitägiger Umsatz ca. 800 Ballen. Preise am 27. Oktober für 50 kg: Markthopfen 23—38, Gebirgshopfen 40—48, Hal­ lertauer geringer 25—32, Hallertauer mittel 35—48, Hallertauer prima 55—60, Siegelgut 42—70, Spalter Landhopfen 35—60, Elsässer 35—50, Württemberger mittel 35—45, Württemberger prima 50-70 Mark. ────────── Der Krieg mit England. Ein englischer Panzerkreuzer gestrandet. Köln, 28. Oktober. Die "Köln. Ztg." meldet von der holländischen Grenze: "In London ist amtlich! bekanntgegeben worden, daß der Kreuzer "Argyll" heute morgens,an der Ostküste Schottlands gestrandet ist. Man be­ fürchtet, daß bei dem schlechten Wetter das Schiff ganz auseinander gerissen werden könnte. Die ganze Besatzung wurde gerettet. (Z.) Tpr neue australische Obcrkommissar in Lon­ don. Melbourne, 28. Oktober. (Reuter.) Premierminister Fisher hat den Posten des au­ stralischen Oberkommissars in London ange­ nommen.