Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-11-22. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 318, 1915-11-22. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Der Ca­ rasu wird den Franzosen im Gedächtnis blei­ ben, welche den tückischen Königsmördern zu Hilfe gekommen sind. Ami Carasu durchbohr­ ten die bulgarischen Bajonette Verleumdung und Lüge, welch!e 1913 die bulgarische Seele vergifteten. Am Carasu stürzte das stotze @e c bäude der traditionellen französischen Tapfer­ keit ein, welches von der Pariser Triumphfpforte versinnbildlicht wird. Wo ist. heute die ftanzösische Tapferkeit? Der Carasu wird ein ewiger Ruhm Bulgariens und eine ewige Schande der leichtsinnigen Franzosen bleiben. Novibazar in unserer Hand. Erfolgreiche Sprengungen im Westen. — Bisher 80 000 Serben gefangen. — Kritische Lage der Ententetruppen in Mazedonien. — Die Blockade über Griechenland beschlossen > Kitchener in Athen. — Rene italienische Vorstöße am Jsouzo blutig abgeschlagen. — Dir Zerstörung von Görz. — Die Russen in Persien geschlagen. Im Westen gelang unsren Truppen eine größere Sprengung in der feindlichen Stellung an der Bahn Ypern — Zoonebecke. Feindliche Sprengungen bei Souchez und Combres hatten keinen Erfolg. Bei Souchez kamen die Unsern den Franzosen sogar in der Be­ setzung eines Sprengtrichters zuvor, sodaß die Franzosen um den Erfolg ihrer Arbeit ge­ bracht boren. Vor Westende mußten sich feinde liche Monitore vor unsren Küstenbatterien zurüttziehen. Einer englischen Ente wird wieder ein­ mal der Kragen umgedreht. French! hatte, um seine "Erfolge" ins rechte Licht zu setzen, 8—9000 deutsche Leichen bei Loos vor seiner Front liegen lassen. Nun teilt das deutsche Armeekommiando aber mit, daß wir dort über­ haupt nur 763 Mann — Gefallene, Vermißte und nachträglich ihren Wunden Erlegene — verloren haben. Vom Osten lagen auch an den letzten bei­ den Tagen keine neuen Nachrichten vor. Die Italiener haben neuerdings unter Einsatz großer Verstärkungen den Görzer BrüSkenkopf angegriffen. Nur im Abschnitt von Oslanija gelang es ihnen, durch! ihre liebe vmacht in einen Teil der österreichischs-ungarischen Stellungen einzudringen, wurden aber alsbald wieder in erbittertem Gegenangriff hinausgeworfen. In Tirol griffen die Jtgliener nur am Col di Sana an, wurden aber zurückgeschlagen. In Serbien neigt der Kampf dem Ende zu. In Sturmeseile drängen unsre tapferen Truppen vorwärts. Während in Paris der große Kriegsrat tagt und Pläne zu schmieden versucht, wie dem irnm'er Mehr schwindenden Kriegsglück der Entente abzuhelfen sei, wckhrend Lord Kitchener die Sache von Saloniki aus begutachtet und vergeblich auf Wege sinnt, wie der Siegeszug der ZentraÜmächte aufzuhalten sei, naht der Verzweislungskampf der Serben, die, von den Ver­ bündeten im Stich. gelassen, das Schicksal ihres Landes und ihres Heeres nicht mehr abzu­ wenden vermögen, seinem Ende. In einem) gewaltigen eisernen Halbkreis umspannen die verbündeten deutschen, österr.-ungar. und bul­ garischen Heere die Reste der serbischen Trup­ pen, die, schon in der Auflösung begriffein, nur noch hier und da einen ernsthaften Wider»stand leisten, die aber nicht mehr die Kraft besitzen, den Vormarsch des Gegners nennens­ werter aufzuhalten. 'Und immer enger schließt der Halbkreis um sie, nur nach! Montenegro und der Nordspitze Albaniens einen Ausweg lassend, in diese schwer passierbaren, wilden Berggegenden, in denen, wenn die Serben wirklich ihre Flucht dahin fortsetzen, der Hun­ ger und eisige Winterkälte ihnen den Rest zu geben versprechen. 8200 Serben wurden in den letzten zwei Tagen von den Unsern gefangen. Schon ist Novibazar besetzt und unsre und die bulgarischen Truppen nahen sich Pristina. Damit ist auch schon der größte Teil des von Serbien im Frieden von Bukarest erhalteen Sandschaks besetzt. Noch wenige Tage und der ganze Nordteil Serbiens ist in unsrem Besitz, und was von Südserbien noch! in Fein^deshänden ist, wird wohl ebenfalls bald ge­ räumt sein, umsoMehr, als die Lage der Ententetruppen dort unhaltbar geworden ist, seit Griechenland offen erklärte, daß es Truppen, die in sein Gebiet zurückgedrängt würden, ent­ waffnen müßte. Damit ist der Ententeaktion in Serbien das Todesurteil gesprochen und nur schleunige Zurückziehüng der Truppen kann diese vor schimpflicher Gefangennahme retten. Schon ist ja auchl der Plan geschmiedet unjd Kitcheners Aufgabe wird es sein, die engli­ schen Hilfstruppen, die allerdings nicht allzuviele sein sollen, nach Aegypten zu verbringen. Vermutlich! werden auch die Franzosen dorthin folgen, denn wo es für England Kastanien aus dem Feuer zu holen gibt, darf der Bunsdesbruder Franzos ja nicht fehlen. Vielleicht verbrennt er sich! auch diesmal wieder, wie bisher nochi überall, wo er John Bull Ge­ folgschaft leistete, die Finger. Nach! neueren Berichten wurden bisher 80 000 Serben gefangen. Die Niederlage der Franzosen in Süd­ serbien hat das Schicksal dieser Helfer Ser­ biens besiegelt. Es bleibt ihnen nur der Rückfzug nach! Griechenland übrig. Das bulgarische Regierungsorgan Narodny Prava schreibt hier­ über: Am Carasu wurden nicht nur die un­ glücklichen verzweifelten ftanzösischen Regimen­ ter, sondern auch! der stütze Ruhm Frank­ reichs grausam geschlagen. Unter den Klän^ gen der "Schäume Maritza" zeigte der unauß. Haltsame Elan der bulgarischen Soldaten, daß Frankreichs Ruhm als Träger der politischen Freiheit und der Menschenrechte unter dem Einfluß der. russischen Reaktion zusammen­ gebrochen ist. Am Carasu ist der Zauber der Marseillaise zerronnen. Im Bunde mit der ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 20. November. Mittags. (Großes Hauptquartier.) ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Monitore, die Westende beschos­ sen, zogen sich! vor dem Feuer unserer Küsten­ batterien wieder zurück. An der Front stellenweise lebhafte Artil­ lerie-, Minen- und Handgranatenkämpfe. ────────── Keine wesentlichen Ereignisse. Balkan-Kriegsschauplatz. Nova Waros, Sienica und Raska sind besetzt. Im Jbartale ist Dren, östlich! des Kopaonic, ist Prepolac erreicht. 2800 Serben wurden gefangen genommen, vier Geschütze wurden erbeutet . Oberste Heeresleitung. WTB. Berlin, 21. November, mittags. (Großes Hauptquartier.) Oestlicher Kriegsschauplatz. ────────── Trichters Zuvor und behaupteten ihn gegen einen Angriffsoersuch. Aus der übrigen Front an verschiedenen Stellen lebhafte Feuerkämpft. Unsre Flugzeuge warfen auf die Bahn­ anlagen von Poperinghe und Furnes eine grö­ ßere Zahl Bomben ab. Es wurden Treffer beobachtet. Ter englische Oberbefehlshaber sagt in feinem Bericht vom 15. Oktober, daß nach zu­ verlässigen Schätzungen 8—9000 gefalleneDeutsche vor der englisch-französischen Stellung ge­ legen hätten. Diese Behauptung ist frei er­ funden. Unser Gesamtoerlust an Gefallenen, Vermißten und den ihrer Verwundung .Er­ legenen betrug 763 Mann. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkankriegsschauplay. Die deutschen Truppen der Armee des x Generals von Koevetz haben Novibäzar besetzt. Die Armee des Generals von Gallwitz und der rechte Flügel der Armee des Generals von Bojadjeff kämpfen um den Astritt in das Lab-Tal, nördliche von Pristina. Die Zahl der am 19. November gefangen genommenen Serben erhöht sich! auf , r \ : 3800. Gestern wurden über 4400 Mann gefangen genommen. Oberste Heeresleitung. ────────── WTB. Wien, 20. November. — Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Bei der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand wurde nordwestlich von Olyk ein russischer Angriff abgeschlagen. Sonst nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe int Görzschen dauern fort. Ter Brückenkopf von Görz wurde wieder an mehreren Stellen vergeblich, angegriffen. Die Stadt wurde eine Stunde lebhaft, dann mäßig beschossen. JmNordteile der Hochfläche von Doberdo erneute der Feind feine Vorstöße mit starken Kräften sowohl gegen unsere Stellungen am Nordhang des Monte San Michele, als auch gegen den Abschnitt von San Martino. Mehr­ fach, kam es zum Handgemenge. Die Italiener wurden überall zurückgeschlagen. UnsereKampflinie ist nach, wie vor in unserer Hand. Dasselbe gilt auch, von unseren Stellungen bei Zagora, wo der Gegner nächst der Stra­ ßensperrung eindrang, in erbittertem Nahtkampfe aber wieder vollständig vertrieben wurde. Unsere Flieger bedachten Verona, Vieenza, Tricesimo, Udine und Cervignano mit Boms ben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals der Infanterie von Köveß hat Nova Varos besetzt und die Li­ nie Sjenica-Dugapoljana-Raska überschritten. Südöstlich, von Raska nahm eine t. u. k. Brigade 2000 Serben gefangen. Die deutsch,en Truppen des Generals von Gallwitz kämpften südlich! des Prepolac-Sattels, die Armee des Generals Bojadjeff im Gebiete der Goljak-Planina. Der Feind wurde sonst gestern durchs die Waffen der drei verbündeten Heere von dem letzten Stück altserbischen Bodens vertrieben. Ter stellvertretende Chef de» GeneralstabeSr v. H o e s e r, Feldmarschalleutnant. WTB. Wien, 21. November, mittags. Amtlich, wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Im Wolhhnischen und am Sthr stellen* weise Geschützfeuer, wobei die Russen Gas­ bomben verwenden. Sonst keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener haben neuerdings Streit­ kräfte von der Tiroler Front ins Görzische gebracht. Unter Einsatz solcher Verstärkungen greift der Feind den ganzen Görzer Brückens köpf neuerlich an. Vor dem Monte Sabotino brachen mehrere Vorstöße in unsrem Feuer Zu­ sammen. Jmj Abschnitt von Oslanija gelang es betn Gegner, in unsre Verteidigungslinie einzudringen. Ein Gegenangriff brachte jedoch diese Stellung mit Ausnahme einer Kuppe nordöstlich, des Ortes, um die noch gekämpft wird, wieder in unsren Besitz. Drei feindliche Vorstöße gegen Pevma mißlangen unter schwe­ ren Verlusten. Besonders heftige Angriffe wa­ ren auch diesmal gegen die Podgora gerichtet. Auch hier wurden die Italiener blutig ab­ gewiesen. Der Raum beiderseits des Monte San Michele stand unter starkem Artilleriefeuer. Rachmitatgs gingen am Nordhang des Berges bedeutende feindliche Kräfte vor. Ihr Angriff scheiterte in unsrem Kreuzfeuer. Das gleiche Schicksal hatten mehrere Vorstöße ge­ gen den Abschnitt von San Martino und nörd!lich, des Görzer Brückenkopfes gegen die Stra­ ßensperre bei Zagora. In Tirol schlugen die Verteidiger des Col di Lana zwei italienische Angriffe auf die Spitze dieses Berges ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Eine österr.-ungar. Krastgruppe erzwang sich, gegenüber den nördlich von Cajnice einge­ nisteten Montenegrinern den Uebergang über die obere Drina. ; Novibazar wurde von deutschen Truppen besetzt. Oestlich, davon warf im Jbartale eine österr.--ungar. Kolonne den Feind zurück. Die Zahl der in diesem Raume gestern eingebrachten Gefangenen übersteigt 2000. An den Eingängen des Amselfeldes wird heftig gekämpft. Der stellvertretende Chef des Generalstabes; v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Bericht unserer Verbündeten. Was wird Holland tun? Die "Köln. Ztg." meldet aus dem Haag: Am Freitag fand im Kriegsministerium eine längere Besprechung zwischen dem Kriegs minister und Oberbefehlshaber der Land- und Seestreitkräfte und den Spitzen der niederlän­ dischen Uebersee-Trustgesellschaft statt. (Z.) Tie Russen in Persien. Konstantinopel, 21. November. Wie von hiesigen Persern mitgeteilt wird, erhielt auf Veranlassung des russischen Botschafters das in Kaswin befindliche russische Trüppendetachement den Befehl, nach Teheran zu mar­ schieren, um der dortigen russenfeindlichen Be­ wegung Herr zu werden. Kaum verließen die Russen Kaswin, so wurden sie unterwegs von persischen Freiheitskämpfern angegriffen und anstatt nach, Teheran zu marschieren, haben sie nach, großen Verlusten Halt machen müssen. ────────── Der Krieg mit Italien. Die Zerstörung von Görz. An die Basler Nachrichten schreibt aus dem k. und k. Kriegspressequartier der öftere. Schriftsteller Erwin Janischfeld einen flam­ menden Protest gegen die Beschießung von Görz, der wehrlosen Stadt, in der durch, die italienische Beschießung alles Leben vernichtet und Millionenwerte zerstört werden. Hierzu bemerken die Basler Nachrichten: Es hätte dieses offenen Briefes des bekannten Wiener Schriftstellers und tapferen Offiziers nicht erst bedurft, um für das unglückliche Görz die tiefste Teilnahme sowohl bei der Schweizer Presse als in der öffentlichen Mei­ nung der Schweiz auszulösen. Mt Abscheu und Verachtung wendet man sich von einem Akte ab, der ein Faustschlag ins Antlitz des Gewiffens der Menschheit ist. Görz ein Trüm­ merhaufen, die dortige an 27 000 Menschen betragende Bevölkerung das erbarmungslose Ziel italienisch,er Granaten, Schrapnels und Bomben. Man fragt sich,, warum dieses Furcht­ bare, warum? Görz ist eine offene Stadt und sollte als solche geschützt sein. Me ist auch kein strategischer Punft wie das unglückliche Upern. Denn hinter Görz kommt dieser erst. Es gibt keine, aber auch, sonst keine militäri­ schen Gründe für eine Bombardierung von Görz. Italien versprach Görz zu befreien, nun macht es eine Schutfflätte daraus. Es versprach, die dortige Bevölkerung besseren Tagen zuzuführen. Nun speist es sie mit einem Hagel von Geschossen aller Art. Diese Beschießung von Görz ist nicht mehr Krieg, es ist das blinde Wüten, das tolle Rasen der Verzweiflung über eine verlorene ©acfjc, gegen das sich, jedes menschliche Empfinden mit Empörung auflehnt und zu einem! flaimlmenden Protest sich, erhsbt. Herrgott im Himimel, wie soll das alles enden! Tie italienische Albanien-Expedition ausgegeben? Wien, 20. Nov. Es scheint, daß die italienische Spedition nach Albanien endgül­ tig aufgegeben ist und daß sie im letzten Minü sterrate nur mehr vom Kolonienminister Mar^ tini befürwortet wurde.Cadorna ist gegen jede militärische Aktion außerhalb Italiens und außerdem fürchtet man in Rom! durch Entsend­ ung größerer Truppenmassen nach, Albanien in offenen Konflikt mit Griechenland zu ge­ raten. — Ob die italienische Marine in die BalkaNhändel eingreifen wird, ist ebenfalls sehr zweifelhaft. ────────── Die Türkei im Kriege. Ter türkische Bericht. K o n st a n t i n o p e l, 20. Nor. TasHauptquartier teilt mit: An der Tardanellenfront verjagten Patrouillen eine kleine feindliche Abteilung aus den Schützengräben. Sie er­ beutete tausend Sandsäcke und eine Menge von Spaten und Hakken. 'Ein im Koyun Liman gestrandeter Schleppdampfer wurde durch Pio­ nierabteilungen zerstört. Unsere Torpedoboote trafen mit einer Granate ein feindliches Tor­ pedoboot, das auf der Höhe von Atche gegen uns feuerte. Das feindliche Schiff entfernte sich! in Rauch gehüllt. Bet Art Burun tobte ein heftiger Kampf mit Artillerieund Bomben. Bei Seddil Bahr gegenseitiges Infanterie- und Maschinengewehr,Feuer; desgleichen heftiges Feuer mit Artillerie und Kamps mit Boütben. Unsere Artillerie zerstörte ein feindlichesBlockhaus am Kerevizdere und brachte die dort aufgestellte Artillerie zum Schweigen. Sonst ist nichts zu melden. ────────── Der Krieg mit England. Aus dem englischen Oberhüuse. Lord Portsmouth sagte,: Eine tiefe Kluft besteht zwischen der offiziellen Auffassung der Koalitionsregierung und der tiefen und mächti­ gen Ueberzeugung des Volkes. Die ünionistischen (b. i. konservativen) Parteiorganisatoren empfanden eine wachsende MMmmüng da rüber, daß die unionistischen Führer der Koalh twnsregierung beitraten, ohne Bedingungen zu stellen und daß sie die eigene Partei mit der Erbschaft der Fehlschlage und der fchlechten Wirtschaft der liberalen Regierung belaste­ ten. Tie Rede Churchills habe gezeigt, daß ein beklagenswerter Mangel an Kontrolle bei dem Haupt der Regierung Vorhänden ist. Lord Nibblesdale sagte, er lehne durchaus den Gedanken ab, daß England ein Frieden auferlegt werde, oder daß England sich ft, einen Frieden hineinreden taffen könnte; aber er halte es für möglich., einen Mittelweg zu fittben, so daß Europa einen Frieden erlebe, der nicht von irgend jemandem direkt auf ge., zwungen würde, Wenn wir auf Grund von Vernunft, Würde und Ehre Frieden schließen können, wäre es jetzt gut für uns; aber es scheint, daß es uns jetzt zu gut geht, so daß es ratsam wäre, von Friedensbedingungen zu reden. ────────── von Reuter angegebenen Zahlen umfassen da­ her höchstwahrscheinlich sämtliche aus BritischOstaftika seit Beginn des Krieges nach! Indien gebrachten Deutschen und Oesterreicher, die vor Ausbruch des Krieges dort ansässig baren, also auch, Zivilpersonen. Zwei englisch« Geschwader auf dem Wege naichi Indien. Rotterdamer Blätter berichten, daß in den nächsten Tagen zwei englische Geschwader nach Indien abgehen werden. Die Absendung die­ ser Geschwader hängt mit den Berichten über innere Unruhen in Indien zusammen. '('S ) ────────── der muß auch! ein zu Herzen gebendes Sieb singen können." Anna Lehnhard hatte sich! noch nie in fremder Gesellschaft hören lassen und sie ist von Natur furchtsam und schüchtern; aber die Augen des bewunderten Mannes sehen sie so bittend, so lockend und zugleich! so herzlich ermunternd an, daß sie gehorsam aufstellt, und sich! an den Flügel setzt. Sie päludiert ein wenig und singt dann mit kleiner, aber syim pathisch klingender Stimme und anmutigem Vortrag ein schlichtes Volkslied und gibt da­ rauf, durch! den rauschenden, ehrlichen Bei­ fall mutiger geworden, eine Opernarie zum besten. Als sie geendet und sich! vom Klaviersessel erhoben hat, um zu ihren Platz zurückznkehren, springt der Leutnant auf und eilt ihr entgegen. Er küßt ihr dankend die 'Hand, eine Huldigung, die einen neuen Beifalls sturm unter den Anwesenden auslöst, und spru­ delt ihr nach! feiner Art eine Reihe von Kom-i plimenten entgegen. "Großartig, wahrhaftig großartig! Bin entzückt hingerissen, gnädiges Fräulein haben unrecht getan, Ihr Licht so lange unter den <Äheffel zu stellen. Sie haben mit einem Ge^ fühl, einer Innigkeit gesungen, die mir tief ins Herz gedrungen ist". , ; , , Sie lächelt beglückt und er küßt ihv noch einmal die Hand. Dann wendet er sich an Viktor Felden: "Nun, Herr Studiosus? Ein alter Korps­ student hat doch immer ein Liedchen bereit." Auch! Mr. Pemberton tritt herzu und flüstert bittend und dringlich!: "Sie tun ein gutes Werk, Mr. Felden!" Der Student läßt sich nicht lange bit­ ten. In diesen schweren Stunden hält er es für ein Gebot der Pflicht, zur Beruhigung beizutragen, soviel in seinen Kräften! sticht. Außerdem weiß er, daß er sich mit seiner Stimme schön hören lassen kann. Da .fällt ihm ein übermütiges Liedchen ein, das einen satirischen Anstrich hat, aber doch niemanden verletzen kann: Wie leben doch! die Heiden So herrlich! und so floh, Das war ein Volk von Seiden, Wir sind ein Volk von Stroh. Entführt ein Ochs ein schönes Kind Zuweilen auch!, doch glaubet mir; ' Die Heiden waren nicht so blind, ! I Nicht halb so blind als wir. ' ' ! Und bon Achill und Hektar, : 1 Wie's im Homerus steht, : : I I Bis zu dem letzten Rektor 1 j ; j Der Universität, O schreckliche Verworfenheit, Man wurde vom Spazierengehen Und von der Luft gescheit." Der Student hebt, wie er es meist im Kreise der Kommilitonen getan, nicht nur durch sein Mienenspiel, sondern mehr durch Nuancierungen im Vortrag, durch! gelegen^ liches Stakkato oder durch ein humoristisches DÄhnen des Tones die Pointen des Liedes hiervor und erntet dadurch herzliches Lachen und eine stürmische Beifallssalve. Mr. Pemberton steht hinter dem Klaviersessel. Er bittet den Studenten, einen Rundgesang anzustimmen, etwas, Wobei alle den Bkfrain mitsingen können. Viktor Felden nickt. Da hat er in seinem Gedächtnis nicht lange zu suchen. Er Prä, ludiert kurz und beginnt: "Studio auf einer Reis', juchheidi, juchheida, Ganz famos zu leben weiß, juchheidi, heida; Immerfort durch! dück und dünn schlendert er durchs Leben hin." Der Singende dreht sich! auf seinem Ses­ sel herum und taktiert mit der einen Hand, und allmählich! foEen sie alft ein; . i "Juchheidi, juchheida, juchheidi, heida!" Li i ! . U lMrtsetzunO JWfctj : IJ ────────── Tages-Uebersicht. Butter- und Fleischkartcn. Wie die Tgl. Rdsch. wissen will, sei die Absicht der Reichssregierung, Butterkarten nach dem Muster der Brotkarten einzuführen, an dem Widerspruch! des preußischen Staatsministeriums gescheitert. Ueber die gleichfalls von der Reichsregierung geplante Einführung von Fleischkarten sei die Entscheidung noch nicht gefallen. (Z.) Ter nächste Austausch Schwerverwundeter zwischen Deutschland und Frankreich findet am 1. Dezember über die Schweiz statt. Tie Ausfuhr von Flachs, Tors, Torsstreu und Kaffee-Extrakt ,aus Holland wurde ver­ boten. Tie Nationalisten des Abgeordnetenhauses i« Südafrika wählten wieder General Hertzog zum Führer. Hertzog ist ein entschiedener Geg? ner Bothas. ~ , ────────── König Ludwig ist gestern mit Sonderzug zu mehrtägigem Aufenthalte nach! Berchtesga­ den abgereist. Das Gemeindebeamtengesetz ttnl Ausschuß angenommen. Der Gemeindebeamtengesetzaus­ schuß hat gestern seine Beratungen zu Ende gebracht. Das Schlußergebnis war die An­ nahme des Gesetzentwurfes mit 20 gegen 7 Stimmen. Für das Gesetz stimjmtten geschlossen das Zentrum und die Liberalen, gegen das Gesetz die Sozialdemokraten, sowie die Abgg. Steiner (936b.) und Gebhart (Fr. V.). Die Sozialdemokraten gaben die Erklärung ab, daß sie heute gegen das Gesetz stimmen, daß ihre endgültige Abstimmung im Plenum aber von dem Entgegenkommen abhängen werde, das sie dort finden würden. 'Dieselbe Erklärung wurde von den Abgg. Gebhart und Steiner abgegeben. Ter Entwurf eines Gesetzes zur Wahrung der Rechte von Kriegsteilnehmern ist der Kammer der Reichsräte vom Minister des Innern Dr. Frhr .von Soden in Vorschlag gebracht worden. Neuregelung der Kriegsbesoldung der Be­ amten, Bestimmungen über die Neuregelung der Kriegsbesoldung der Beamten werben in der Nummer 58 des Verordnungsblattes des K. daher. Kriegsministeriums veröffentlicht. Tor Revers aufgehoben. Das bayerische Verkehrsministerium hat unterm 19. Noo. den vielbesprochenen Revers außer Kraft gesetzt u. ihn durch! folgende Bestimmung ersetzt: "Die Teilnahme an Bestrebungen, die den staatlichen oder dienstlichen Interessen zuwiderlaufen, ist verboten; darunter fällt insbesondere die Teil­ nahme an Vereinen, deren Zwecke oder Be­ strebungen die Gefahr eines Ausstandes herbei­ zuführen geeignet sind. " Eine bayer. Heut-erteilungsstelle ist seit Samstag für den Bezirk des stello. General­ kommandos 1. daher. Armeekorps in München errichtet, die das gesamte, für die Landwirtzschaft zur Erhaltung des Viehstandes nicht un­ bedingt notwendige Heu verteilen soll. Bei der Zuteilung von Heu werden in erster Linie die Heeresverwaltung und die bayer. Verbraucher berücksichtigt . Sodann erst erfolgt die Aus­ fuhr in die Übrigen Bundesstaaten, an jene Gemeinden, welche die Selbstversorgung der Verbraucher übernehmen. Zur Regelung des Bierpreises. In den nächsten Tagen wird die städtische Preisprü­ fungsstelle in München ihre umfangreichen Er­ mittlungen über die Gestellungskosten eines Hektoliters Bier vor dem Kriege und in ge­ genwärtiger Zeit unter Berücksichtigung des Gehaltes an Stammwürze und der Rohmlaterialienpreise abschließen und darüber Beschluß fassen können,was als angemessener Bierpreis zu betrachten ist. Dann wird die Lebensmit­ telversorgungskommission sich! rnft der Frage zu.befassen haben und eine eventuell nötige Regelung veranlassen. Fcldpostrerkehr im Monat Oktober 1915. Im Monat Oktober 1915 sind von den daher. Feldpostanstalten nach! der Heimat 31 351Brießpostsäche im Gesamtgewichte von rund 778 300 Kilo und von den bayer. Postsammelstellen nach dem Felde 110 948 Briefsäcke im Ge­ samtgewichte von rund 3 217 495 Kilo abge­ fertigt worden. Bestrafte Höchstpreisüberschreitung. Das stellvertr. Generalkommando des 1. Bayer.i Armeekorps teilt mit: Die Molkereimgschinenund Präparatesabrik Joseph! Hausers Nachfol, ger, Dinkelscherben (Inhaber Wilhelm März) hat beim Verkaufe größerer Mengen Quark den Höchstpreis für dies Erzeugnis um das Doppelte überschritten. Da durch diese Zu­ widerhandlung gegen die Vorschriften über die Höchstpreise die Unzuverlässigkeit dieser Firma in bezug auf den Handel mit Erlzeugniiffen der Milchwirtschaft dargetan ist, Bayerische Nachrichten. wurde der Molkereimaschinen- und Präparate­ fabrik Joseph Hausers Nachfolger, Dinkelscherben (Inhaber Welhelm März) auf Grund des Paragraph 1 der Bekanntmachung vom 23 .9. 1915 (RGBl. 603) zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel der Handel mit Erzeugnissen der Milchwirtschaft untersagt. Der kommandierende General gez. von der Tann. Schönherrs Weibsteufel sollte im Würz­ burger Stadttheater zur Aufführung gelan­ gen. Das bischöfliche Ordinariat legte gegen die Aufführung Protest ein. Drama. 'In Nürnberg hat die Eisenwal­ zerswitwe Kerschsteiner ity r 3jähr. Töchterchen erschossen und dann Selbstmord zu üben bet, sucht. Sie wurde schwer verletzt ins Kranken­ haus verbracht. Bon der Transmission z« Tode geschleu­ dert. In der Brünnermühle bei Münnerstadt (Untersranken) wurde die 16jährige Müllersjtochter Wehner von der Transmission ersaßt und derart herumgeschlendert, daß bald da­ raus der Tod eintrat. ────────── schmalz gelten für den Verkauf an den Ver­ braucher, (Ladenpreis) und find dieselben tote in Passau. Passau, 21. Nov. (Gegen jegliche Bier­ preiserhöhung) sprach! sich vorgestern in einer Entschließung einstimmig die Versammlung der hiesigen Gastwirte aus. Es kam hierbei zum Ausdrucke, daß bisher jede Preiserhöhung ei­ nen Rückgang des Umsatzes und damit des ohnehin schon kleinen Verdienstes der Wirte verursacht habe, daß fernerhin die Konkur­ renz der Kantinenwirte, die billiger verkaufen, sehr fühlbar sei, und daß die allgemeine Teuer­ ung und besonders auch! die neuen 'fleisch- u. fettlosen Tage dem Gastwirtsgewerbe sowieso schon besondere Lasten auferlegten. Würde über trotzdem ein Preisauffchlag erfolgen, so müß­ ten die Wirte dabei von den Brauereien etwas entschädigt werden. Der Biergehalt vertrage keinesfalls eine weitere Minderung. Wegscheid, 21. Nov. (Viehschmuggel.) Der Grenzaufseher Josef Schätz stieß bei dem 20 Minuten von Wegscheid entfernten Dorfe fflla* nigestedt auf vier Schmuggler, welche eine Kuh nach! Oesterreich schmuggeln wollten. Nach! har­ tem Ringen flüchteten die Schmuggler unter Zurücklassung der Kuh über best Grenzbach auf österreichisches Gebiet und gaben dort aus ge­ deckter Stellung auf Schätz. Schüsse ab, ohne diesen zu treffen. Doch! wurde die Kuh gef­ lötet. Tie Förderung des Obstverkaufes. 1 kam im Landrate ach letzten Freitag erneut zur Sprache. Herr L. R. Stadlberger betonte wieder^ holt, es solle Vorsorge getroffen werden, zu besserer Förderung der Obstperwertung. Herr Reg.-Rat Auer betonte, daß es selbstverständlich! Pflicht des Kreiswanderleh­ rers sei, für den Absatz des Obstes ebenso zu sorgen, wie für die Anzucht. Er bemühe sich! auch dafür im Benehmen mit den Lokalvereinen und Bezirksvereinen. Der HerrWanjderlehrer hätte eben aufmerksam gemacht wer­ den müssen, daß im Rottal so schlechte Stifts preise bezahlt worden feien.' Zum Absatz ge­ höre au!ch> das 'Pflücken des Obstes und richstige Sortierung und Packung. Wenn der Händ­ ler das Obst unsortiert kaufen muß, wird der Preis stets ein geringerer fein. Herr L. R. Holmer — Eiermühle bei Bo­ gen, wies darauf hin, daß in seinem Bezirk das Obst ebenfalls zu sehr billigen Preisen abgegeben werden mußte, so daß viele Obstzüchfter fidji mit dem Gedanken der Aufgabe der Obstzucht tragen, weil sie sich nicht lohne. . Herr L.-R.-Präsident Mittermeier meint, daß auch! das Ausfuhrverbot im Bezirke des 3. Armeekorps auf die Obftpreife einen Einfluß gehabt habe . Herr Reg.-Rat Auer fügte an, daß gerade die Vorstellungen des Herrn Kreiswanderlehf rers zur Aufhebung des Ausfuhrverbotes ge­ führt haben . Die Klagen über geringe Obshpreise seien ihm unbegreiflich: denn er wisse, daß drei bis Wer Mark für den Metzen mitt­ leren Obstes bezahlt worden sei. Wenn der Bezirksobstbauverein einmal ein Ausschreiben erlassen hätte, daß er so billiges Obst abzu­ geben hätte, wären wohl massenhaft Ange­ bote gekommen. Allein der Obstbauverein wird eben nichts getan haben. Herr L. R. Stadelberger betont noch, daß er dem Kreiswanderlehrer nicht nahe treten wolle, aber es fei feine Anficht, daß die Obstverwertung im Kreise Niederbahern besser or­ ganisiert werden müsse. ────────── Dienstesnachrichten. Postverwaltung. 'Versetzt wurde in etats­ mäßiger Weife auf Ansuchen ab 1. Nov. der Postexpeditor Jof. Thoma von Landau a. I. nach Grafing; befördert in etatsm. Weife ab 11. Nov. zum Postexpeditor der Oberpostassi, stent Gg. Dittmann von WÜrzburg in Landau tt. I.; ab 1. Dez. zum Oberpackneister der PachMeister Johann Huber in Landshut. ; _ i ────────── de, soll von nun an bereits um 1 9 Uhr abends durch, Gas ersetzt werden. Außerdem wer­ den jene elektrischen Straßenlaternen, die im Sommer nicht gebrannt werden, auch im> heu­ rigen Winter aus Ersparnisrücksichteu nicht in Dienst gestellt werden. —* Zur Petroleumversorgung hat­ te der Magistrat der Firma Max Kohlndorfer am letzten Freitag zur Karteuausgahe fiir Landshut-Land die Schrannenhalle zur Ver­ fügung gestellt. Diese Ausgabe war, Me in der letzten Magistratssitzung betont wurde, not­ wendig, um die Ordnung bei der Abgabe auß, recht zu erhalten. Die Karten sind im $ert= hältnis zu dem Vorrat für Stadt und Land ausgegeben. Eine Neuausgabe von Karten wird jetzt nicht mehv erfolgen. , —* Metallsammlung. Die freiwillige Ablieferung von beschlagnahmtem Metall ist beendet, doch! können auch jetzt noch nicht schlagnahmte Gegenstände, wie Tee- und Kaf­ feekannen, Altmetall aus Haushaltungen bis auf weiteres abgeliefert werden. Da das bis­ herige Lokal in der Gasfabrik nicht mehr ge­ eignet ist, hat der Magistrat beschlossen, die Ablieferungsstelle in das von ihm gemietete neue Lokal, die früher Bücherlsche Wagner, Werkstätte in der Kramergasse zu verlegen. Ablieferungen können dort jeden Donnerstag von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 5 Ahr nachmittags erfolgen. — Erst das Vaterland. Im Landrat wurde der Bericht Über die 8. Sitzung des Landes-Fremdenverkehrsrates am 7. Juni er. zur Kenntnis genommen. In diesem Berichte wird darüber geklagt, daß vonDeutschland jährlich, ungefähr eine halbe Milliarde Mark nach Italien gewandert ist. Gar viele unserer BoUsgenossen kennen Rom, Venedig, London Paris, aber das eigene deutsche Vaterland kennen sie nicht. Die Bestrebungen des Frerw denverkehrs sollen daher in ^Zukunft vor al­ lem dahin gerichtet sein, Daß die 'Rei­ sen im eigenen Lande gefördert werden, umso­ mehr ,als dadurch, auch das Geld im eigenen Lande bleiben würde. —* Die Jahresb erich te der Arbeitsämter Straubing und Landshut lagen dem Landrate zur Kenntnisnahme vor. Aus den­ selben geht hervor, daß Straubing 16133Arbeits- und Arbeitergesuche zu verzeichnen hatte. In Landshut beträgt diese Zähl 16 450, darniHter 9280 Gesuche um und von landwirtschaft­ lichen Arbeitern. — Gastspie l des Herrn Direktor K i tz m e r. Aus Colmar i. Elsaß wird geschrie­ ben: Es wird für manche Leser gewiß von Interesse sein, daß Direktor Kißmer, der frü­ here Leiter des Landshnter Stadttheaters, wel­ cher vom ersten Kriegstage an mit kurzer, durch Verwundung veranlaßter Unterbrechung an der Westfront steht und noch- kürzlich durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde, am 16. November in einer Mjilitävvorstellung im Stadttheater zu Colmar den Dir. Siedler im "Weißen Rötzl" zur hellen Freude seiner Regimentskameraden spielte. Der fri­ schen und temperamentvollen Leitung werkte man nichts von überstandenen Kriegsstrapazen an. ────────── Vermischtes. Das Völkergemisch, von Monasiir. Es dürfte in der Welt kaum ein zweites Lebenszentrum zu finden sein, Das sich, an malerischer Buntheit und interessantem An­ ziehungsreiz mit Monastir, der heute im' Brennpunkt des Interesses stehenden Stadt Mazedoniens, messen könnte. Alle Rassen, die sich auf der Balkanhalbinsel zum kunterbun­ ten Völkergemisch vereinen, finden sich inMonastrr auf einem kleinen Kreis zusammlenge, drängt. Wie in Saloniki wimmelt es auch, hier von spanischen Juden, jener widerspruchsvol­ len Raffe, die eine so wunderbare, unverwüst­ liche Lebenskraft offenbart, und in der ganz unvermittelt dem Proletarier der reiche Geld­ protz zur Seite steht. Es sind die Nachikommen der portugiesischen und spanischen Ju­ den, die durch Ferdinand und Jfabella nach der Eroberung Granadas und SeviUas von der Iberischen Halbinsel Vertrieben wurden. Auch die Albaner sind in Monastir zählreich vertreten. Albanien selbst wird ja in Frie­ denszeiten zumeist von Monastir aus verprch viantiert und zwar vermittels Karawanen, die die Lebensmittel, genau so wie es vor einem halben Jahrtausend geschah, auf dem Rücken von Pferden und Mauleseln befördern. Diese Karawanen zogen bis vor dem Kriege wie ehedem ununterbrochen über die Berge, die Albanien von Monastir trennen. Als Kara­ wanenführer betätigen sich, fast ausschließlich die Kutzowalachen oder Zinzaren, die aus der Umgebung von Balona aus den Salinen das Salz nach Mazedonien fuhren, um dann nach Albanien allerlei europäische Waren zurückzutransportieren, die zur See nach, Saloniki ge­ bracht und von dort nach Monastir überfuhrt worden sind. Der Name Kutzowalachen, den die Zinzaren führen, ist im letzten Grunde ein Spitzname und bedeutet "hinkender Ru­ mäne". Die Zinzaren find in der Tat die nächsten Blutsverwandten der Rumänen aus den alten SsonauFürstentümern Moldau und Walachei, die heute zum Königtum Rumänien vereint sind. Indessen kann sich doch ein Rn^ meine aus dem Königreich, mit den Blutsver­ wandten der früheren türkischen Provinz sprachlich nicht verständigen. Auf den DialektMischmasch, den die Zinzaren sprechen, ist wohl auch, der Name Kutzowalachen zurückzu­ führen. Sie haben es übrigens gelegentlich in Griechenland zu Ansehen und hohen Stel­ lungen gebracht. So ist beispielsweise der be­ kannte Millionär Averoff, der das Stadion von Athen wiederhergestellt und dem grie­ chischen Staat ein Schiff geschenkt hat, das aus seinen-Namen getauft wurde, ein Kutzwälache aus Monastir. Seine Stammesgenossen sind übrigens wegen ihrer sprachlichen Fähigkeiten in jener Gegend als Dolmetscher beliebt. Sie beherrschen neben ihrem eigenen Dialekt und der griechischen Sprache zumeist noch, zwei oder drei andere Sprachen, die sie sich auf ihren ausgedehnten Nomadenzügen angeeignet ha­ ben. Denn die Zinzaren sind gewissermaßen die einigen Wanderer des Balkans. Tie Be­ wohner ganzer Dörfer steigen im Herbst mit ihren Viehherden und allem, was ihnen ge, hört, von der Höhe der Gebirgszüge herab und ziehen dem Meere zu, um den Winter in günstigerem Klima zu verbringen und bei Frühlingsanfang wieder zu ihren Bergen und ihren Hütten zurückzukehren. Nichts ist in Al­ banien und Mazedonien sehenswerter, als diese unübersehbaren Karawanenzüge der auswändernden 'Zinzaren sind. Aber noch, andere Rassen sind auf der ethnographischen MM sterkarte Monastirs vertreten. Der griechische Kaufmann vertritt in der Hauptsache das Wirt, schaftliche und politische Element im Leben Monastirs. Militärisch und in den Kreisen der Beamten herrscht oder richtiger herrschte bisher der Serbe als unbeschränkter Herr und Gebieter. Serbische Soldaten bevölkern die Kasernen und serbische Beamten sitzen in den Bureaus, in denen früher die Türken zu Hanse waren. Endlich befinden sich neben Albanern Juden, Serben, Walachen, auch andere tür­ kische Familien in Monastir. Ebenso dürfen die Bulgaren bei der Aufzählung der Völker­ gruppen von Monastir nicht übersehen werden. Sie sind zwar in der Stadt selbst nicht zahl­ reich, vertreten, bilden aber ln der Umgegend ein starkes Bevölkerungselement. ────────── Letzte Posten. Kitchener auf Gallipoli und in Athen. Sd. Konstantinopel, 22. November. Kitcheuer weilte, von der Mndrosbncht kom­ mend, zwei Tage an der englischen Front an der Suvlabucht. Dem Chef der englischen Hee­ resmacht müssen beiml Wiedersehen der Halb­ insel Gallipoli sicherlich wehmütige Erinnernngen erwacht sein. Beinahe an der gleichen Stelle landete im Jahre 1877 der Gendarmeriehauptmann Kitchener, von Kreta kom­ mend, um sich, der ottomänischen Regierung gegen Rußland zur Verfügung zu stellen. Als Major Kitchener nahm er dann am Feldzüge gegen Rußland teil,unb verblieb 3 Jahre in türkischen Diensten Vorgestern begab sich Kit­ chener nach Saloniki, wo ein Kriegsrat unter seinem Vorsitze stattfand, dem 7 englische und 5 französische Generale beiwohnten. Rach Be­ endigung des Kriegsrates reiste Kitchener nach Athen. Ter englische Druck ans Griechen land. Sd. London, 22. Rvvember. Reuter be­ richtet aus Athen: Die Unterredung Kitcheners mit dem Ministerpräsidenten Skulndis dauerte anderthalb Stunden. Der englische Ge­ sandte wohnte derselben bei. Hierauf wurde ein langer Ministerrat abgehalten. Kitchener ist abends abgereist. Das Reiseziel ist unbe­ kannt. i Ter serbische Generalstab ans der Flucht. Sd. Berlin, 22. November. Der serbi­ sche Generalstäb soll sich auf dem Rückzüge nach Prizren befinden, wo die Regierung bereits eingetroffen sei. ────────── Handel und Verkehr. Äandshrrt, 19. No», («iftualieiunarlt.) Der heutige Viktualienmarkt war gut bestellte 7—8 Stück Eier erhielt man um 1 Mark, da» Pfund Rtndschmalz kostet, im Großverkauf 1,80 bis 0,00 Mk., im Kleinverkauf 1,90 bis 0,00 Mk., Landbutter 1,50—0,00 Mk., Molkereibutter 1,80 bis 2,00 Mk., Schweinefett 0,00—0,00 Mk., jung, Hühner und alte Suppenhennen 1,60—2,50 Mk., Hahne« 2,00—2,80 Mk., Gänse geputzt 6,50 bis 8,40 Mk" Enten lebend 0,00- 0,00 Mk.. Ent»» geputzt 3,80 bts 4,80 Mk., Indian 0—0 Mk., junge Tauben per Stück 55—65 dl. Fische: Forellen per Pfd. — Mk., Hechte 1,20—1,30 Mark, Karpfen 1,10—0,00 Mk., Schleie u. Rutten 1,00 Mk., Aitel, Nerfling, Frauenfisch und Brachsen 60 dl., Barben 60—70 bl.; Weißfische 30 dl., Suppen­ krebse — Mk. Wildbret: Rehziemer 1,40 Mark, Rehschlegel 1,30 Mark, Rehbug 90 dl., Einmach­ wildbret 75 dl., Hasen 4,20 Mark, Hasenrücken per Pfund 1,60 Mark, Schlegel 1,80 Mark, Hasen­ ragout 60 bl, Fasanen junge 2,30—2,60 Mark, Fasanen alte 1,80—2,00 Mark, Wildenten 2 Mark, Hrlbenten 60 dl., Rebhühner junge 1,40 Mark, do. alte 90 dl. Obst und Gemüse Im allgemeinen un­ veränderte Preise. Speisekartoffel (Höchstpreise) im Kleinhandel beim Verkauf auf dem Wochenmarkt per Zentner 3.75 Mark, per Pfund 4.2 dl., 5 Pfund 21 dl. Der Verkauf von Kartoffeln nach Hohl­ maßen Ist nunmehr verboten. Landshnt, 19. Noo. (Klelnviehmarkt.) Es wurden zugetrieben: 30 Kälber, 7 Schweine, 236 Spanferkel. Preise: Kälber lebend 1. Qual. 58—64 dl, 2. Qual. 56-58 bl, 3. Qual. 46 bis 50 dl, tot 00—00 bl, Schweine leb. 85—00 dl, tot 122—000 dl per Pfund, Spanferkel 28—40 Mark per Paar. Nürnberg, 17. Nov. (Hopfenbertcht.) Auch mit dem Beginn dieser Woche zeigte die Marktlage keine neuen Gesichtspunkte. Die Stim­ mung blieb unverändert und der Einkauf vollzog sich nach rote vor in ruhigen Grenzen. Der 3tägtge Umsatz betrug 700 Ballen, von denen 200 Ballen zu 22—25 Mark und 300 Ballen zu 28—40 Mark verkauft wurden. Die befferen und feineren Sorten erzielten von 50 bis 65 Mark. Die 3tägige Zu­ fuhr betrug 600 Ballen, darunter 300 Ballen vom Lande. Die Preise sind unverändert. ────────── Inserate. ────────── eigene Haut zu schützen. Ter Major zog Dann einen Revolver und drückte zweimal ab. Die / Schüsse gingen indes fehl, Pasic konnte in das i nächste Sgauä flüchten. Ter Major wurde ge­ stern festgenommen, von einem 1 sofort zusamsmengetretenen Feldgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. — Pasic und die Regierung setzen die Flncht nach Montenegro fort. Tie bulgarischen Grenztruppen. Christiania, 20. Nov. Aus Peters­ burg wird gemeldet: Die Bulgaren haben jetzt fast alle Truppen von der griechischen Grenze zurückgezogen. Die Grenzwache gegen Ru­ mänien wird jedoch in vollem Umfang auf­ rechterhalten. (Z.) i Tie Landungstruppen. Sofia, 20. Nov. Vom Landungskorps in Saloniki wurden bisher nur Truppen nach Serbifchj-Mazedonien dirigiert. Wie zuver­ lässige Nachrichten besagen, hatte der Vierver- | band an Griechenland die Forderung gestellt, i die Zusammenziehung dieser Truppen auch an ] der griechisch-bulgarischen Grenze zu gestat­ ten, was jedoch« entschieden verweigert wurde. Der griechische Generalstab widersetzte sich so­ gar der Entsendung von 'Ausklärungsabtei^ ungen der Vierverbandstruppen an die bul­ garische Grenze. (Z.) Tie englische französische Berteidignng. Budapest, 20. Nov. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die Franzosen bei Dedeli die serbischen Truppen, die sie für Bulgaren hiel­ ten, beschossen. Die Franzosen haben zwischen Krivolae und Gevg!heli eine 60 Kilometer lange befestigte Verteidigungslinie mit schweren Ge­ schützen errichtet. (Z.) Ausbruch« der Engländer ans Mazedonien? ] Der Voss. Ztg. wird aus Konftantinopel * meldet: Hier hält man auf Grund zuverlässiger [ Meldungen die Zurückziehung der englischen i Truppen von der Linie Gewgheli-Toiran und j deren Ueberführung nach« Aegypten für währ- I scheinlich. Kitchener soll geäußert hüben, daß j die weitere Teilnahme Englands am Balkan«- ; krieg angesichts der Bedrohung Aegyptens mit den Interessen Englands unvereinbar ist. (?) Tie Blockade Griechenlands beschlossen? London, 21. Növember. Den Blättern wird aus Athen gemeldet: Die britische Gch sandtschäft teilte mit, daß die Ententemächte die wirtschüstliche und kommerzielle Blockade Griechenlands beschlossen hüben. Zur griechischen Haltung. Zürich, 20. Nov. Im "Berner Bund" bespricht der gegenwärtig in der Schweiz sich aufhaltende Athener Professor Dr. Sphiris die Grundlagen der auswärtigen Politik Grie­ chenlands und führt zum Schluß aus: Heute ist das griechische Volk während des Weltfri'egeS so reich an Erfahrungen und so mich- • lern geworden, daß es ganz sicher eine deutsch, freundliche Politik und eine Annäherung an Deutschland, zwar ohne Begeisterung, aber mit Genugtuung und Zuversicht beschließen würde. Es ist im Laufe des Weltkrieges ein völliger Umschwung en der öffentlichen Meinung Grie­ chenlands erfolgt. In den ersten Monaten hielt man deutschfreundliche Gesinnung ganz ein­ fach für Hochverrat. Damals war jedes laute Wort über Deutschland lebensgefährlich und ich> persönlich weiß, welcher Gefahr ich! mich aussetzte, als ichi das erstemal in der griechvschen Presse vorsichtig die deutsche Sache zu verteidigen wagte. Es waren schwere Zeiten, die wir damals erleben mußten. Jetzt aber ist der Einfluß Venizelos für immer vorüber. Griechenland und Albanien. Basel, 21. November. Dem "Giornale d'Jtalia" wird aus Durazzo gemeldet, Grie­ chenland habe große Truppenmassen bei Berat konzentriert und seine Grenze gegen Albanien vollständig abgeschlossen. (Z.) , Rumäniens Haltung. London, 21. Nov. Mehrere Blätter drucken Telegramme aus Bukarest, wonach! der frühere Ministerpräsident Carp in diesen Ta­ gen sich über das Eingreifen Rumäniens in den Krieg geäußert haben soll. Er glaubt, daß die Zentralmächte Rumänien neue Kon­ zessionen machen werden und daß im D^emiber Rumänien an der Seite der Zentralmächte kämpfen werde. ────────── Literarisches. »Der Vortrupp", Halbmonatsschrift fßr das Deutschtum unserer Zeit. Herausgegeben von Dr. jur. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutnant a. D. Hans Paasche, Berlin. Ver­ antwortlicher Schriftleiter: Dr. phil R. Kraut, Ham­ burg. Verlag von Alfred Janssen, Hamburg. Preis: Jährlich 5 Mark, vierteljährlich 1.25 Mark Änzelnummer 30 Pfg. »Wachtfeuer" (Architektur-Verlag »Der Zirkel" G. m. b. H., Berlin, Wilhelmstr. 48, Preis 20 Pfg.) ist das neueste 59. Heft erschienen.