Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-12-16. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 341, 1915-12-16. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Im Westen 4 feindliche Flugzeuge vernichtet. — Die Griechen räumen Saloniki. — Neue Niederlage der serbischen Heerestrümmer in Albanien. — Arabische Angriffe auf die Westgrenze Aegyptens. — Neue türkische Erfolge in Mesopotamien. 1 Im Westen wurde an der belgischen Küste ein englischer Dampfer, der auf Gvunjd ge­ raten war, von unsren Fliegern mit Erfolg mit Bomben belegt. Mehrere Flugzeugge­ schwader, die der Feind hinter unsre Linien senden wollte, wurden zerstreut. Hierbei wur­ den von den Unsern vier feindliche Flugzeuge darunter ein großes mit zwei Moteren, zum Absturz gebracht. Aus Hem Osten liegen keine neuen Mel­ dungen vor. Auch vom italienischen Kriegsschauplatz wird heute nichts Neues gemeldet. In Montenegro geht es unaufhaltsam vor­ wärts. Tie von Plevlje vorrückenden österr.ungar. Truppen haben die Montenegriner aus ihrer ganzen Stellung an der Vrana-Gora geworfen und bis über die Tara zurückge­ drängt. Bei Berane kämpfen auch Muhamvi'edaner und Albaner gegen die Montenegriner. An der mazedonischen Front herrscht nach dem amtlichen bulgarischen Bericht gegenwäv tig Rühe. Es findet somit die Meldung, daß bulgarische Truppen bereits die griechische Grenze überschritten haben, keine Bestätigung. Tie Türken haben in Mesopotamien Kut el Amara erstürmt und einen englischen Moni­ tor aus dem Tigris durch Artilleriefeuer verx senkt. An den Dardanellen gab es nur Ar­ tillerie- und Minettkämpfe. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 15. Dezember. Mittags. (Großes Hauptquartier). ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. An der Front hat sich nichts von beson­ derer Wichtigkeit ereignet. Ein am 12. Dezember auf der Höhe von La Panne auf Grund geratener englischer Dampfer wurde gestern von unseren Fliegern mit beobachtetem Erfolge angegriffen. Der Feind, der mehrere Flugzeuggeschwa­ der gegen Baupaume—Peronne nach Lothrin­ gen und aus Mühlheim (Baden) angesetzt hat­ te, büßte im Lustkampfe oder durch Feuer un­ serer Abwehrgeschütze vier Flugzeuge,, darun­ ter ein großes Flugzeug mit zwei Motoren ein. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Balkan-Kriegsfchaniplatz. Südwestlich von Plevlje ist der Feind über die Tara und weiter östlich über, die Linie Grab-Brodarovo zurückgeworfen. Mehrere hundert Mann I wurden gefangen genommen. , Oberste Heeresleitung. ────────── Bericht unserer Verbündeten. WTB. Wien, 15. Dezember, mittags.; Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Tie von Plevlje aus vordringenden öster­ reichisch-ungarischen Streitkräfte des Generals v. Koeveß haben gestern auch die montene­ grinischen Stellungen südlich der Vrana-Gora in ganzer Breite geniontmen. Eine Kolonne drang in der Verfolgung bis an die TaraSchlucht vor pnd zersprengte bei Glibaci ein feindliches Bataillon. Andere Truppen kamen bis Grab. Auf den Höhen unmittelbar östlich von Berane stützen nebst unsren Abteilungen auch MoslimS und Albaner gegen die Montene­ griner tat Kampfe. Tie Zahl der gestern eingebrachten 'Ge­ fangenen: 340 .Soldaten und 150 Wehrpflich­ tige. > Der stellvertretende Chef des Generalstäbesr v. H o e s e r, Feldmarschalleutnant. Tvr holliinvischeu Ambulanz für Deutschland und Oesterreich-Ungarn! sind als Standorte Beuthen und Budapest ange­ wiesen worden. (Z.) Site englisch-französische Kriegsanleihe. Paris, 15. Dez. Die englisch-französi­ sche Anleihe ist in Newhork bis zu 93 drei Viertel angeboten worden. Dann wurde sie allerdings mit 95 ein Viertel notiert. Die Zeichner des Garantiesyndikates scheinen zu verkaufen, ad der Termin der Stückeliefer­ ung herannaht. (Z.) Englische Willkürakte. f Der ■ Nieuwe Rotterd. Courant protestiert gegen den englischen Willkürakt gegen henDam- pfer "Frisia", dessen niederländische Post in Deal von Bord geyokr wurde. Das Blatt nennt das Vorgehen der Engländer einen ern­ sten Machtmitzbrauch, und spricht die Erwar­ tung aus, daß die Regierung entsprechende Maßregeln ergreifen werde. ! ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Holden der Tat nicht des Wortes. Ein Mitarbeiter schreibt uns vom West­ lichen Kriegsschauplatz: Wie ich kürzlich von Roubaix nach Lille fahre, treffe ich auf der Elektrischen einen blutjungen Feldwebel, des­ sen Brust mit dem Eisernen Kreuz 2. Kl. und auch mit dem 1. Klasse geschmückt ist. Neu­ gierig frage ich ihü, bei welchen Wafsentaten er sich die beiden Auszeichnungen geholt habe. Der junge Feldwebel entgegnet: "Lieber Kame­ rad! Tie Frage ist mir schon so häufig gestellt worden, daß ich nicht mehv darauf antwor­ ten mag. Erspare mir also auch diesmal die Antwort!" — Bravo, dachte ich im Stillen. Das ist ein echt deutscher Zug, nicht in Worten, sondern in der Tat ein Held zu sein. — Ein ähnliches Erlebnis hatte ich kürzlich auf einer Fahrt durch Belgien. Mit mir tat Abteil saß ein ergrauter Landsturmmann, der tat 1 Knopf­ loch das Band des Eisernen Kreuzes trug. Auf meine Frage, bei welcher Gelegenheit er mit dem Kreuze ausgezeichnet worden sei, entgegnete er kurz, nachdem er aus seiner Pfeife noch einige bedächtige Züge ^geholt hatte: "Bei einem Fliegerangriff!" Das war alles, und' ich merkte sofort, daß ich ihn mit weiteren Fragen nur in Verlegenheit gesetzt hätte. Un­ sere Gegner zeichnen sich meistens durch das Gegenteil aus: sie sind Helden in Worten, lassen es aber an den Taten fehlen. Wir wollen ihnen diesen zweifelhaften Ruhm nicht mißgönnen! ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Rnßlanbs Wirtschaftslage. Die Vertreter der russischen Großindustrie des Handels und der Banken sind nach einer Meldung aus Petersburg zusammengetreten, um die Möglichkeit zu untersuchen, ob Rußland imstande sei, den wirtschaftlichen Krieg gegen die Zentralmächte, Bulgarien und die Türkei ohne fremde Unterstützung zu führen. Die Versammlung tarnt! nach längeren Verhandlun­ gen zu dem Schlüsse, daß die wirtschaftlichen Kräfte Rußlands hierzu nicht ausreichen, da es gegenwärtig bei der Beschaffung vieler für die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Le­ bens, und die Fortführung des Krieges not­ wendigen Dinge sich in voller Abhängigkeit von England unp Frankreich befinde. ────────── Italienische Rlilitärprozesse. Ter Bert. Lokalanz. meldet aus Lugano: In Partogruaro (Provinz Ferreha) beginnt am Donnerstag, wie der Popolo d'Jtalia berichtet, vor dem Kriegsgerichte ein Prozeß gegen Ma­ jor Zunini, militärischer Mitarbeiter der Turiner Stampa bis zu seiner kürzlich erfolgten Einberufung. Nach dem Secolo sind in die Sache noch andere, zum Teil hochstehende Per­ sönlichkeiten, ein Senator, bei dem eine Haus­ suchung vorgenommen wurde, und ein an­ derer Major verwickelt. Secolo fordert im Na­ men des Vaterlandes strengste Bestrafung,sagt aber nicht, um welche Vergehen es sich, handelt. Nach den Andeutungen des Popolo d'Jtalia scheint es sich um einen Tendenzprozeß gegen die Stampa zu handeln, wegen deren neutra­ listischer Haltung bis Kriegsausbruch und spä­ terer Opposition gegen die weitere Ausdeh­ nung des Krieges. In Verona wurde der Vorsteher der Intendantur, Oberst Pasquato, wegen Bestechlichkeit bei Militärlieferungen verhaftet. Der Krieg mit Italien. ────────── Vakkanhumor. Auch im Kriege hat der Humor seinRecht, sagte das englische Kriegsministerium und fügte in den Bericht über die Schlacht am Barbar die Wendungen ein: "Es gelang un­ serer 10. Division mit Hilfe von Verstärkun­ gen — zurückzugehen . . . Ta die Straße sehr gebirgig ist, wurde es nötig, acht Geschütze an einer 'Stelle aufzustellen, von wo sie beim Rückzüge nicht wieder geholt werden konn­ ten." Als Ergänzung kam dann weiter die Meldung, daß die Franzosen den Brückenkopf von Grvik räumten und daß die Engländer dieser Bewegung folgten, daß dies aber ge­ wollt, planmäßig vorbereitet und bewunder­ ungswürdig unter ganz geringen Verlusten ausgeführt worden sei. Planmäßig haben sich einst die Russen von den Karpathen und aus Lemberg, aus Warschau und Brest-Litowsk zu­ rückgezogen, planmäßig kehren die Engländer und Franzosen aus stark befestigten Stellungen an den Ausgangspunkt ihres Daseins auf dem Balkan zurück und planmäßig werden sie als­ bald aus Saloniki und ebenso von Gallipoli vertrieben. Und immer war es nötig, Ge­ schütze dort aufzustellen, wo sie nur der böse Feind abholen konnte, und immer tojmien recht­ zeitig die Verstärkungen, so daß die — Flucht gelang. Ob man glaubt, im eigenen Lande durch diese Kindereien die Wahrheit verbergen zu können? Sind ganze Völker so unmündig, daß sie die typische Wendung der englisch-frawzösischen Balkanberichte: "wir verbesserten un­ sere Stellung" niemals mit der Landkarte ver­ glichen? Fast scheint es so. Wer ganz gewiß gilt das Gleiche auch von Pen unbeteiligten Völkern, die nicht nur aus Neugier, .sondern gleich den Rumänen und Griechen auch mit dem allerpersönlichsten Interesse den Vorgän­ gen folgen und nach ihnen ihre Entscheidungen richten. Hier aber ist der Kredit der Entente so schmählich zusammengefallen, daß er durch die Planmäßigkeit der empfangenen Prügel und die Vorsorglichkeit, mit der man die Ge­ schütze verliert, nicht mehr aufgefrischt wer­ den wird. Beweise sind sowohl in Bukarest leicht zu finden, wo die eifrigsten Anhänger der Entente umzuschwenken beginnen, wie in 'Athen, wo man bisher mit allen Drohungen noch gar nichts erreichte und eine Gprache zu hören bekommt, die zwar höflich klingt, aber kaum noch etwas von jener Demut ver­ rät, mit der einst die kleinen Staaten auf die Offenbarungen von Großmächten lauschten. Gerade die Griechen sehen ja die "Erfolge" der Engländer und Franzosen, ihr planmäßi­ ges Davonlaufen aus nächster Nähe; ihre Truppen stehen dabei sozusagen Spalier. Sie hören täglich, stündlich das flehende Bitten um ihre Liebe und Freundschaft, und sie sehen den Bulgaren, den Oesterreicher, den Teut­ schen an ihver Grenze. Sie wissen, daß das Ziel des Unternehmens, von Saloniki die Ver­ bindung der Mittelmächte mit Konstantinopel zu zerschneiden, unerreichbar wurde, daß die Dardanellen fester stehen als je. — Es gibt ein Wort, das "Prestige" heißt und sich in allen seinen Merkmalen in deutscher Sprache kaum ausdrücken läßt, Es geht jetzt um das Prestige Englands und Frankreichs im Orient wnd damit zugleich um ihre Machtstellung. Und nur deshalb bleiben sie noch in Gallipoli, nur deshalb wollen sie aus der griechischen Hafenstadt ein verschanztes Lager machen. Es ist zu spät geworden, denn auch aus dem Irak gegenüber vom Euphrat und Tigris fontmit die Kunde von allzu planmäßigen Rückzügen im Jagdgalopp und von Geschützen, die man dorthin postierte, von wo man sie später nicht wieder holen konnte. "Wir verlassen unsere Stellung, man weiß, was das bedeutet",' schreibt grimmig George CleMenceau. Man habe auf ein Wunder gewartet, und das Wun­ der sei nicht gekommen, fügte er hinzu. Und doch, das Wunder ist da, nur in an­ derem Sinne: das kleine verachtete Bulga­ renvolk, das England, Frankreich und Ruß­ land auf der Londoner Konferenz wie einen ungetreuen Knecht behandelten, hat die eng­ lisch-französische Armee verprügelt und dieRussen gezwungen, in scheuer Ehrfurcht vor den Grenzen zu bleiben, und der verachtete kranke Mann am Bosporus, der Türke, den man mit Fußtritten zu bewirten pflegte, hat nun seinerseits den Fuß kräftig erhoben. So kräf­ tig, daß das Prestige der Entente zersplittert ist, wie bas Glas von Edenhall. "Wirklich, es geschehen noch Zeichen und Wunder! (L. N. N.) ────────── Die Türkei im Kriege. Der türkische Bericht. Konstantrnopel, 15. Dezember. Das Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfront tmtrben die letzten auf dem rechten Ufer des Tigris befindlichen Häu­ ser Kut el Amaräs am 13. Dezember erstürmt. Bon zwei feindlichen Monitoren, die in öst­ licher Richtung zu fliehen versuchten, wurde einer durch unsre Artillerie versenkt. Dev an­ dere kehrte auf den alten Platz zurück. Aus der Kaukasusfront ereignete sich nichts. Auf der Dardanellenfront örtliche Feuer­ gefechte aller Art, besonders mit Bomben un!d Lufttorpedos. Unsre Artillerie zwang feindliche Schiffe, die in der Bucht von KiMikli Lstman Schutz suchen wollten, zur Flucht. Bei Art Burun zerstörten zwei von uns auf dem rechten Flügel zur Explosion gebrachte Minen zwei feindliche Gegenminen. Ein feindlicher Kreuzer beschoß wirkungslos unsre Stellun­ gen in diesem Abschnitt und zog sich dann zurück. Unsre Artillerie zwang einen feind­ lichen Kreuzer sowie ein feindliches Torpe­ doboot, die sich der Küste näherten, um un­ seren linken Flügel zu beschießen, sich zu ent­ fernen und brachte einige feindliche Batte­ rien zum Schweigen. ────────── Kriegssteuerungen aus dem Wege zu gehen. Daily Mail teilt mit, daß die englische Regie­ rung bereits eine geheime Untersuchung we­ gen dieser Machenschaften vorgenommen hat. ────────── Hellmers zeigte eine bedenkliche Miene. > "Du, das ist eine bedenkliche Sache!" "Und was rätst du mir??" fragte der andere unruhig, dringlich. "Ja, das läßt sich nicht mit zwei Worten sagen. Du bist mir ohnhin noch immer dei­ nen Besuch schuldig. Weißt du was: komme doch morgen mittags zum Essen zu uns! Wir haben Truthahn. Ich garantiere, daß er dir schmecken wird. Das Kochen ist meiner Frau beste Eigenschaft. Damit hat sie seinerzeit mein Herz erobert." Ein Lächeln, in dem ein Zug bitterer Jrv. nie und Selbstverspottung lag, glitt über das verschämte, blasse Gesicht des Bierkutschers. "Danke schön! Ich komme. Meine beste Empfehlung an deine Frau Gemahlin." Der Kutscher machte eine nachlässig-abwehrende Handbewegung, als Wenn er sagen wollte: Stürze dich ihretwegen nicht in Un­ kosten! Dann stärkte er sich mit einem tie­ fen Zuge aus seinem Bierglase und fiel mit kräftiger Kehle in das zweite Lied ein, das die Kommilitonen inzwischen angestijmwit hat­ ten. Viktor Felden machte mit besonderer Sorg­ falt Toilette. Es galt ja, vor einer deutschen Dame, der Gattin seines Korpsbruders, Ehre einzulegen und ebnen möglichst guten Eindruck zu machen. Für die beiden Töchterchen Hell­ mers hatte er sich mit einigen Süßigkeiten versehen, denn er wußte bereits, daß in Ame­ rika Damen und Kinder Cahidies in noch viel größeren Quantitäten zu schlecken beliebten als daheim im Vaterlande. Mir. Nagel hatte ihm nur ungern Ur­ laub gegeben, obgleich das Restaurant des Sonntags mit Rücksicht auf die strenge ame­ rikanische Sonntagsheiligung von den Gästen nur verstohlen, durch die Hintertür 'im Haus­ flur, besucht werden durfte. Millie hätte zwar anfangs schmollend die Lippen aufgeworfen, daß er sie gerade am Sonntag verlassen wollte, aber zuletzt, als er sich an der Türe noch einmal mit emefntl "Leb Wohl, Millie!" um­ wandte, nickte sie Hm freundlich, verliebt zu und sandte ihm eine Kußhand nach. Frau Hellmers war eine vierschröttge Dame, Die sich in ein Kleid von schreiend hlellen Far­ ben geworfen hatte, das in der Taille zu weit und in den Schultern zu enge war und treffen ganzem Schnitt man deutlich Me ungeübte Hand der Dilettantin ansah. Ihr Gesicht mochte früher einmal Wbsch gewesen sein, jetzt ging es sehr in die Breite, und die Spuren dev materiellen Sorgen und der FreudlosigMt des Alltagslebens und harter Arbeit verschöner­ ten && nicht. ; ; (Forts, folgt.) _ ; ; , j aus ihrem ganz froh-übermütigen Wesen. Es « war ein Wunder, daß Mr. Nagel noch nichts gemerkt hatte. Jedenfalls war der Augenblick nahe, der das geheime Liebesverhältnis an den Tag brachte und eine Auseinandersetzung zwischen Kellner und Wirt herbeiführen mußte. "Was hast du denn, lieber Felde»!" fragte Hellmers, dem das stille, grüblerische Wesen seines Kvrpsbruders auffiel. "Ich glaube, ich stehe wieder inmal an einem Wendepunkte meines Schicksals. "Soll das heißen, daß du deine Stellung aufgeben willst?" Der Jüngere zuckte mit den Schultern. "Das ist's ja eben, was mich innerlich unaufhörlich beschäftigt und worüber ich mir selber nicht ins Klare kommen kann: soll ich gehen oder soll ich bleiben?" Hellmers schüttelte mit demi Kopse. "Du sprichst in Hieroglyphen, lieber Fel­ ben." Viktor Felden sHNte sich nach Mitteilung nach der Teilnähme eines verständnisvollen, mitfühlenden Menschen, und so berichtete er 8nr$ im Flüsterton, über die Zwangslage in die er sich selber durch seine geringe Wider­ standsfähigkeit gegen Millies Verliebtheit ge' bracht hatte. , p. , '■ l .; 'L i .1 ────────── Bayerische Nachrichten.