Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-12-29. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 353, 1915-12-29. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Ei« nentr französischer Angriff in den Vogesen. — Beschießung des Bahnhofes von Soiffons. — Starke rnsfische Angriffe an der betzarabischen Grenze abgeschlagen. — Die BersolgnngskSmsife in Montenegro. - Türkische Erfolge in Mesopotamien und an den Dardanellen — Oesterreich-Ungarn nnd Amerika. Im Westen tyat ein englischer Monitor. Westende-Bad beschossen. Hierbei wurden 3 Einwohner, darunter zwei Frauen, getötet. Am Hirzstein haben die Franzosen einen neuen Vorstoß unternommen, doch liegen noch! keine näheren Nachrichten Hierüber bor. Unsre Ar­ tillerie beschießt den Bahnhof in Soissons, in welchem die Franzosen einen regen Zngsverkehr unterhalten, vermutlich Truppeuverschiebungen vornehmen. Um den Bahnhof zu dekken, haben sie neben ihm ein Lazarett errichtet/ und auf demselben die Rote-Kreuzflagge an­ gebracht. Selbstverständlich! können unsre Ar­ tilleristen in diesem Falle keine Rücksicht nchimen. Das wissen ja auch die Franz-ösen, aber es handelt sich! doch! darum, den verdammten "Boches" wieder eines auszuwetzen, die "Hun­ nengreuel" um eine Tat tzu vermehren. Deich hat allerdings unsre Heeresverwaltung bereits vorgebeugt, indem sie den wahren Sachveöhalt offen und rückhaltlos der Oeffentlichkeit unter­ breitete. Im Osten gab es an der deutschen Front nur Zusammenstöße Mit russischen Erkundungs­ abteilungen. An der beßarabischen Front ha­ ben die österr.-ungar. Truppen nordwestlich von Zaleszezyki starke russische Angriffe abge­ wiesen. Besonders zwischen Pruth und Toporoutz kamen die Russen in 15—16 dichten Reihen hinter einander. Doch alles war um­ sonst. Sie wurden mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. An der italienischen Front gab es nur Geschütz kämpfe. In Montenegro drängen die österr.-ungar. Truppen die Montenegriner immer weiter zu­ rück und erbeuteten hierbei drei moderne mon­ tenegrinische Geschütze. An der Dardanellenfront brachte die tür­ kische Artillerie die feindlichen Batterien zum Schweigen. In Mesopotamien wurde eine englische Abteilung, die von zwei Monitoren beschützt, auf dem Tigris gegen Kut el Amara zur Hilfe heraneilte, zurückgeworfen. In Aegypten kommen ijmlmier neue Ver­ stärkungen an. Auch die von den Dardanel­ len zurückgebrachten Truppen wurden nach, Ale­ xandrien geschafft. Die zweite amerikanifche "Ancona"-Note, wird Ende dieser Woche von Oesterreich-Ungarn beantwortet werden. , Schwere Kampfe an der betzarabischen Front. Ei« nentr französischer Angriff in den Vogesen. — Beschießung des Bahnhofes von Soiffons. — Starke rnsfische Angriffe an der betzarabischen Grenze abgeschlagen. — Die BersolgnngskSmsife in Montenegro. - Türkische Erfolge in Mesopotamien und an den Dardanellen — Oesterreich-Ungarn nnd Amerika. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Durch das Feuer eines feindlichen Mo­ nitors wurden in Westende Bad drei Einwog ner, darunter zwei Frauen getötet. An der Front entwickelten sich zeitweise lebhafte Artillerie-, Handgranaten- und Winenkämpse. Am Hirzftein erfolgte heute früh ein französischer Vorstoß. Nähere Meldungen lie­ gen noch nicht vor. Reger Zugsberkehr auf dem Bahnhöfe Soiffons wird von unserer Artillerie beschos­ sen. Die Franzosen haben seit kurzem das in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes lie­ gende Hospital', anscheinend zum Schutze des Bahnhofes mit Roter Kreuz-Flagge Persehen. Zufallstreffer in das Hospital sind bei der Nähe desselben vom Bahnhöfe nicht ausge­ schlossen. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Beresina, sowie nordwestlich von Ezartorhsk und bei Berestiany wurden russische Erkundungsabteilungen abgewiesen. . > Balkan-Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, 28. Dezember, mittags. Amtlich! wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. An der beßarabischen Front und am Tnjestr nordöstlich von Zaleszazhski wurden gestern wiederhvlte Angriffe starkev russischer KräHe blutig abgewiesen. > Besondere Anstrengungen richtete der Feind gegen den Abschnitt zwischen Pruth und Waldzone nördlich Toporoutz. Nach, Artillerie­ vorbereitung, die den ganzen Vormittag über anhielt, und sich stellenweise bis zum Trom­ melfeuer schwerer Kaliber steigerte, erfolgten in den ersten Nachmittagsstunden 5 Infanterieangriffe, die abgewiesen wurden. Ein anschließender Massenangriff, 15 bis 16 Reihen tief, brach im Artilleriefeuer untep schwersten Verlusten zusammen. Das gleiche Schicksal hatten die feindlichen Angriffe nördlich des Dnjeftr. i Unsre Verluste sind gering. Nachtsüber herrschte Ruhe. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Süd- und Südostsront dauern die Geschützkämpse fort. Montenegrinischer Kriegsschauplatz. Von unsren Kräften verfolgt, zogen sich die Montenegriner von Godijewo nach- Bijoca zurück. Nächst Kovren wurden drei montenegri­ nische Geschütze modernster Konstruktion von unsren Truppen ausgegraben. Ter stellvertretende Chef des Generalstaber r v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Oesterreich-Ungar« und Amerika. Wien, 28. Dezember. Die österr.-Ungar. Antwort auf die zweite amerikanische Note dürfte Ende der Woche abgehien. Man teilt mit, daß die Antwort kaum Anlaß zu einer Verschärfung des Konfliktes geben werde. .Frankreich' nnd Spanien in Marokko. London, 28. Dez. "Labour" bringt ei­ nen Artikel, wonach die französische Regier­ ung der spanischen eine nicht unerheblicheVergrößerung der spanischen Interessensphäre auf Kosten der französischen in Marokko angebo­ ten höbe, damit Frankreich 20 000 MannTrupPen aus Marokko zurücknehmen kann. Bedin­ gung sei, daß Spanien dafür Sorge trägt, daß in diesem von Truppen entblößten Gebiet die Ruhe aufrecht erhalten bleibt. Diese französi­ schen Vorschläge seien bei der spanischen Re­ gierung offenbar auf wenig Gegenliebe ge­ stoßen, da ja Spanien, um sein Budget zu erleichtern, selbst Truppen aus Marokko zu­ rückziehen will. Die letzten Konferenzen des spanischen Ministerpräsidenten Romanones mit dem König von Spanien, welche kurz noch der Zusammenkunft des französischen Oberbe­ fehlshabers in Marokko mit dem spanischen Gouverneur stattgefunden haben, sollen zur endgültigen Ablehnung der französischen Vor­ schläge geführt haben. ────────── nrückziehung der invischen Trappen ans Frankreich. Amsterdam, 28. Dezeimher. Reuter be­ richtet: Der amtliche Bericht gibt bekannt, daß die indischen Truppen aus Frankreichs zurück­ gezogen sind. Vor ihrer Abreise übermittelte ihnen der Fürst von Wales eine königliche Bot­ schaft, in der den britischen Indiern, die setzt aus anderen Kriegsschauplätzen benötigt wür­ den, für ihve bisherigen Dienste herzlich ge­ dankt wird. (Z.) \ Verschlechterung der französischen Han­ delsbilanz. Die Tägl. Rdfch. meldet aus dem Haag: Reuter berichtet aus Paris: Frankreich mußte in den ersten elf Monaten dieses Jahres seine Einfuhr um 1206 Millionen Franken gegenü­ ber der gleichen Zeit des Vorjahres steigern. Tie Einfuhr von Rohstoffen für die Industrie weist eine Abnahme von 547 Millionen Fran­ kenauf, was auf die Lahmlegung eines großen Teiles der französischen Industrie hinweist.Die Ausfuhr verminderte sich um 1871 Millionen Franken. Durch die Zunahme der Einfuhr und die Verminderung der Ausfuhr hat sich somit die französische Handelsbilanz in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Dezember 1915 um 3077 Millionen Franken verschlechtert. (Z.) Vom westlichen Kriegsschauplatz. ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. i Meutereien in Rußland. Ctzernowttz, 28. Dez. Ein gefangener russischer Offizier berichtet, daß im russischen Heere in der letzten Zeit umfangreiche Meu­ tereien aüsgebrochen seien, als deren Ursache der Offizier die lange Dauer ges Krieges an­ gibt. Einige Regimenter hätten aus derFront in das Hinterland geschafft werden müssen. Die Uebertreibung gelegentlicher Plänkeleien durch den russischen Bericht erkläre sich darlaus, daß die russische Heeresleitung durch! fingierte Siege den Mut der Truppen heben wolle. Das Jntendanturwesen habe trotz der langen Dauer des Krieges sich nicht gebessert. Die Zufuhr durch den Train funktioniere noch! im­ mer schlecht und UnterschlagungeirHeien an der Tagesordnung. (Z.) ────────── Am Balkan. Tie Unverletzlichkeit des griechischen Ge­ bietes. Nach einer Meldung der Köln. Ztg. be­ richtet Kairi, daß zwischen den Regierungen des Vierbundes der Zentralmächte und Grie.chenland ein Abkommen getroffen worden sei, das für den Fall der Verfolgung der fran­ zösischen Truppen in Richtung auf Saloniki die Unverletzlichkeit des griechischen Gebietes sicherstellt. (Z.) Ein griechisches Ausfuhrverbot nach Saloniki. Genf, 28. Dezember. Der Athener Be­ richterstatter des "Petit Journal" drahtet, daß die griechische Regierung ein Ausfuhrverbot für Lebensmittel nach Saloniki erlassen har. Die französische Presse drückt ihren Unwillen über diese Maßregel aus, die nicht nur die Zivilbevölkerung und die Soldaten schädige, sondern auch ein neuer Beweis des schlech­ ten Willens der griechischen Verwaltung fei, die den Verbündeten unausgesetzt Schwierig­ keiten bereite. (Z.) Tie Lage in Saloniki. Die Köln. Ztg. meldet aus Wien: Eine hochgestellte Persönlichkeit, die Saloniki am 21. Dezember verlassen hat, schildert die dortigen Verhältnisse dem Berichterstatter der N. Mrtz >Pr. folgendermaßen: Die Stadt wird aus­ schließlich! von den Griechen verwaltet: Die Engländer und Franzosen besitzen nur das Zollamt, die Kasernen und Schulen und wohlnen 'in Privathöusern gegen im Voraus be­ zahlte Miete. Die Angehörigen OesterreichsUngarns und Deutschlands haben Saloniki auf den Rat ihres Konsuls verlassen. Griechische Truppen stehen hauptsächlich! von Doiran und östlich Seros. Die Franzosen haben 'breite Verbindungslinien angelegt und errichtenTag und Nacht Schützengräben und Drahtverhaue. Nach der Anlage ihrer Befestigungen sichern sich die Pierverbandstruppen den Rückzug auf Chalkidike. An den drei Südspitzen der Halb­ insel haben die Engländer Einschiffungsbrück!ken für die zurückflutenden Truppen geschla­ gen. Der heutige 'Stand der Vierverbandstruppen einschließlich! der Trains dürfte kaum 130 000 Mann übersteigen. Groß ist die Er­ bitterung der Franzosen gegen die Engländer und der Haß der Griechen gegen die Englän­ der und Franzosen. (Z.) Tie Unzulänglichkeit Salonikis für große TruipPenmassen. Die Tgl. Rdsch. meldet aus dem Haag: Der Nieuwe Rotterd. Cour, meldet aus Lon­ don, es scheine, daß die Landung von weiteren großen Truppenmassen der Verbündeten in Sa­ loniki auf neue Schwierigkeiten stoße, die es geradezu unmöglich machen, ein genügend star­ kes Heer, das den Zentralmächten mit Uebermacht entgegenzutreten vermöchte, m Salo­ niki unterzubringen. Jetzt schon, wo das fran­ zösisch-englische Heer auf griechischem Gebiet etwa 200000 Mann zählt, hat man bei der Unterbringung und Verpflegung der Truppen die größten Schwierigkeiten. Der Hasen von Saloniki ist mit Proviant, Munition und son­ stigem Kriegsmaterial angefüllt. Neu ange­ kommene Transportschiffe Müssen sehr lange vor dem Hafen liegen, bevor sie eingelassen werden, aber auch dann können sie noch! lange nicht an die Löschung ihrer Ladungen denken. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. Ter türkische Bericht. WTB. Konstantinopel, 27. Dezem­ ber. Das Hauptquartier teilt mit: ' ' An der Dardaneilenfront wurde eines von drei feindlichen Flugzeugen, die Ari-Burun überflogen, durch das Feuer unsrer Artillerie beschädigt und fiel ins Meer. Zwei Schiffe schleppten seine Trümmer gegen Embros. Bei Sedd il Bahr dauert der gewöhnliche Kampf mit allen Arten Bomben und Lufttorpedos an. Ein Panzerschiff der "Agamemnon"-Klasse be­ schoß unter dem Schutze zweier Kreuzer, zweier Monitore und von acht Torpedobooten eine Zeitlang mit Unterbrechungen unsre Stellun­ gen. Unsre Artillerie erwiderte und traf mit zwei Haubitzen ein Panzerschiff und einen Kreuzer. Am 27. Dezember warf ein hinter der Insel Merkeb aufgestellter Monitor 80 Haubitzenschlüsse auf die anatolische Küste der Meerenge. Unsre anatolischen Meerengenbat­ terien nahmen die Landestellen von Tekke-Burun und Sedd il Bahr verschiedene Male unter Feuer, verhinderten und störten einen feind­ lichen Transport und versenkten bei TekkeBurun und ein Boot und zerstörten einen gro­ ßen Schuppen durch, zwei Treffer. Eines un­ serer Wasserflugzeuge warf nachts mit Erfolg vier Bomben auf ein Zeltlager. Sonst nichts Neues. Konstantinopel, 28. Dezember. Be­ richt des Hauptquartiers: Auf der Jrakfront wurde eine feindliche Abteilung mit zwei 'Maschinengewehren und einer stattlichen Zahl von Reitern, die, ge­ schützt von zwei Monitoren, von Jman Ali Guarbi, östlich Kut el Amara gelegen, Kut el Amara zu Hilfe kommen wollte, in der Rich­ tung auf Jmsam Ali Guarbi zurückgeworfen. Auf der Kaukasusfront zwangen einzelne unsrer Patrouillen starke feindliche Pqtzrpuillen zur Flucht. An der Tardanellenfront warf ein Kreu­ zer einige Bomben aus die vom Feinde ver' lassenen Stellungen bei Anasorta und Art l Burun und zog sich darauf zurück. Bei Sedd 5 il Bahr warf die feindliche Artillerie eine große Anzahl Bomben gegen unsren rechten Flügel und richtete ein ununterbrochenes Feuer mit Maschinengewehren, -Bomben und Luft­ torpedos gegen unsren linken Flügel. Unsre Artillerie antwortete und brachte die feind­ liche Artillerie zum Schweigen. Sie zerstörte einen Teil der feindlichen Gräben. Am 25. Dezember bewarfen feindliche Flieger erfolg­ los, ohne Schaden anzurichten, die Umgegend von Galatköh mit Bomben. Von den afttl Ufer von Buyuk-Kemikli gescheiterten feindlichen Transportschiffen nahmen wir die nützlichen Gegenstände fort. ────────── Der Krieg mit England. Tie Kämpfe an der ägyptischen Smta*. Ueber das gestern gemeldete Gefecht bei Solum gibt, wie die Köln. Ztg. meldet, die Exchen ce Telegr.Comp. noch! folgende Einzel­ heiten: In Solum befand sich außer einer klei­ nen Küstenwache nur eine kleine Besatzung ägyptischer Jnfanterietruppen, bestehlend aus 60 bis 80 Mann, die von einem englischen Of­ fizier befehligt wurden. Etwa eine Meile von Solum entfernt befand sich ein arabisches La­ ger, von wo aus eine Abteilung von Aus­ rührern den Angriff gegen Solum unternahm', während vom 'Meere lher plötzlich ein deut­ sches Unterseeboot sich! der Küste näherte und die ägyptischen Truppen öeschoß. Diese wurden so zwischen zwei feindliche Feuer genommen und mußten unter Hinterlassung von ungefähr zehn Toten zurückweichen. (Z.) Ten riesigen Umfang der englischen Regie­ rungseinkäufe in Amerika zeigt die amtliche Angabe, daß die englische Regierung dort nicht weniger als eine viertel Milliarde Mark allein für Pferde und Mu­ nition ausgegeben hat. Eine einzige ameri­ kanische Firma, die Guyton and Harrtngton Mule Company in Cansas City, besorgte der britischen Remonten-Konhmjission unter Gene­ ralmajor Benson 120 000 Maultiere und 60000 Pferde. Dieselbe Firma lieferte der britischen Regierung während des Burenkrieges 55 23 Pferde. Die britische Regierung besitzt auf amerikanischem Boden riesige Depots und Stal­ lungen, wo die von ihr angekauften Tiere auf dem Wege nach den Eirchhifftmgshäfen ver­ pflegt werden, so in Calthrop, Missouri; in Cast St. Louis, Illinois; in Nashville und Columbia. ────────── Der Krieg zur See. Versenkter Tampser. Zürich, 28. Dezember. Ein italienischer Pafsagierdampser der Linie Port-Said-Cata' nia-Masfana mit 268 Personen an Bord, wur­ de bei Derna von einem österr.-Ungar. Tauch­ boot versenkt. Bei der Rettungsaktion kamen 6 Menschen durch! Umschlagen eines Rettungs­ bootes ums Leben. Das Tauchboot feuerte 30 Schüsse gegen den Danipser ab. Die sofortige Verfolgung durch einen italienischen Kreuzer war ergebnislos. (Z.) Versenkt« Schiffe. London, 28. Dez. Lloyd meldet, daß von den Passagieren und der Besatzung des versenkten französischen Dampfers Pille de la Ciotat 80 umgekommen find. Der britische Dampfer "Jeddo" aus Glas­ gow (4552 Bruttotonnen) wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet. Der britische Dampfer "Cottingham" (513 Tonnen) wurde versenkt. 7 Mann wurden gerettet. Der belgische Dampfer "Ministre Beernaert" (4215 Bruttotonnen) ist versenkt wor­ den . ────────── Sieg über das morsche Römertuim heftet, nach bestem Können geschont. Unsre Batterien ste­ hen auf den Höhen, und es bedarf eines Be­ fehles, dann flammen unten in Soissons hun­ dert Dächer als Feuergarben aus. Kein Kriegsnoch Völkerrecht könnte uns daran hindern. Wir würden nur vergelten, was irgend ein französischer Schuft durch die feige Zerstörung des Klosters Oelenberg, durch die sinnlose Be­ schießung von Kulturstätten wie Sulz und Sennheim verübt -hat. Aber wir sind "Bar­ baren boches". In Soissons gehen die Bür­ ger mit Regenschirmen über die Straße, statt bei Nacht vor den deutschen Geschützen *u slichen. Das ist die Lage an der Aisnefront nun seit vielen Monaten. Ich war auf einem Ar­ tilleriebeobachtungsstande, wo man mir er­ zählte, daß man im Sowlmer auf die Stunde genau beobachten konnte, wie aus vornehmen Häusern die Damen in hellen Kleidern spa­ ziert kamen, um ihte Einkäufe zu mächen. Man hatte der und jener, die man alle Tage sah, Namen gegeben. Zum Beispiel die große Schlanke, die immer,Mt drei kleinen Kindern ausging, das war Marguerite. Ihr Mann war Rittmeister, irgendwo im Felde. Man ver­ ehrte sie, und wenn sie einen neuen Hut auf hatte, kamen alle an das Scherenfernrohr, um ihn zu bewundern. Oder wenn sich der Aus­ gang von Marguerite einmal verspätete, so waren alle unermüdlich in Erfindung der Gründe. Einmal war Marguerite zwei Tage krank. Da war: es ein Ereignis, als sie am dritten Tage zum erstenmale wieder ausging. Arme Marguerite! Die Männer Hieroben an den Scherenfernrohren, das sind die Rekken deiner Rasse, die in dies Land des wel­ schen Schmutzes einst die Grundsätze der Rit­ terlichkeit gebracht haben, einst, als König Chlodwig eigenhändig den Zerstörer des Kel­ ches von Soisson erschlug. Arme Marguerite! Tie Deutschen sind geduldig. Sie warten. Ob­ wohl in ihren Munitionsunterstanden der böse Segen gehäuft liegt. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── in irgend einer, deutschen Bierwirtschaft die Gäste zu bedienen. Ter neulbestallte Redakteur des "Kendall­ viller Pioniers" hätte seinen ersten Leitartikel eben in Angriff genommen, als Herr von Flottwitz die Office betrat .Sein Gesicht strahlte noch vergnügter als sonst. "Sehen _@ie, ich sagte es ja!" ries er, ofö Selben die Feder weglegte und aufsprang, um ihm einen Stuhl anzubieten. "Well, ich gratuliere von Herzen, Herr Ehefredäkteur!" "Und Sie, Flottwitz?" "Mir ist großes Heil widerfahren! Hurrfi!" Gr griff in seine Rocktasche und zog einen Brief hervor, der ein angenehmes Parfüm ausströmte. "Bon meinem Aennchen! Hören Sie nur, was das süße, herzige Kind mir schreibt!" Der glücklich Strahlende entfaltete das Blatt und las: "Einziggeliebter Bodo! Wie bin ich froh, wie jubelt mein Herz! In kur­ zer Zeit werde ich Dich! wiedersähen, mein Haupt a» Deiner Brust betten und wieder in vie guten, treuen blauen Augen Wauen! Du glaubst nicht, wie unsinnig glücklich! ich bin. Wie furchtbar lieb von Dir, daß Du die gro­ ßen Strapazen nicht gescheut hast, imt mrv näher zu kommen. Du Aermster! Wie entsetz­ lich mußt Du Nicht ictuf der beschwerlichen Wan­ derung gelitten haben. Und wenn Du auch scherzest und immer froher Laune bist in Dei­ nen Briefen, ich häbe doch! bluttge Tränen ge­ weint ..." Der Lesende unterbrach sich!. "Das gute Kind!" Na, das Klagelied will ich Ihnen schen­ ken, Felden." Er überflog die nächsten Zeilen mit schnel­ len Blicken und' las dann weiter: ""Einzigster Bodo! Das Herz bebt mir Vor Entzücken. Je­ der Tag wird mir ein Fest werden, denn je­ den Abend werde ich Dich! sehen, mindestens dochi zwei oder dreimal in der Woche. Der Himmel auf Erden! O Süßer, Süßer! Wenn ich Dich Wer hätte, ich würde Dich! küssen/ Bis ich schwindlig würde. Du Weißt nicht, wie unendlich ich! mich nach Dir sehne. Wenn ich des Abends die Hände zum Gebet falte, steht im­ mer Dein Mld bor meiner Seele und ich' bete zu Dir, als ob Du ein Gott wärst. Aber ich denke, unser gütiger Vater im Himimiel wird es mir nicht als Sünde anrechnen, denn er weiß ja, daß meine Liebe zu Dir mich gut und fromm mächt und daß ich! beim besten Willen nicht anders kann, als immer an Dich! zu denteh . . : i " ) , l , i (Fortsetzung folgt.) “ Pioniers" saß selbst auf dem Redaktionsstuhl und schwitzte Blut bei der ungewohnten gei­ stigen Arbeit. Es hieß, einen fulminanten Ar­ tikel über die rohe Tat und über die Partei des Mordbuben zu verfassen. Ersatz für den sozusagen auf dem Felde der Ehre gebliebenen Redakteur zu beschaffen, war in der kleinen Stadt natürlich nicht leicht. Alle ansässigen Deutschen waren ausnahmslos Handwerkerund auch der Verleger des "Kendallviller Pioniers" war von Haus aus ehrsamer Gerbermeisterl Als 'Felden nun eirkkrat und sich als ehe­ maliger deutscher Student legitimierte, da sprang der Zeitungsbesitzer wie elekttisiert auf. "Well, Sie sind mein Mann!" Er mevkte es ja an jedem Worte, daß er einen gebildeten Menschen vor sich! hätte, und meihr war nicht nötig. Tie erforderlichen In­ formationen würde er dem Neuling schon ge­ ben. i Das Engagement wurde also, wie in Ame­ rika üblich, ohne wettere Formalitäten voll­ zogen. Der neue Redakteur erhielt freie Kost stnd Logis und wöchentlich! 5 Dollar bar. Da­ für hätte er die ganze Redaktion zu besorgen, Venn das Blatt erschien nur zweimal in der Woche. Es blieb noch Zeit, irgend eine Ne­ benbeschäftigung zu betreiben, etwa des Wends ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, den 27. Dezember 1915. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Jährt durch die heilige Nacht. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegs­ berichterstatter. Njemen-Armee, 24. Dezeimber. Schnee und Wind steigerten sich! im Laufe des Nachmittags, so daß in der heiligen Nacht starker Schneesturm über Kurland und Li­ tauen ging. Zwölf Grad Kälte, die zur Nacht wuchs. Die Straßen sind hoch verweht. Man kann nicht zehn Meter sehen. In einem li­ tauischen Ort wurden nachmittags die russisischen Gefangenen beschert. Ein paar pol­ nische Damen haben Wollsachen and Wurst für sie gesammelt . Sie sitzen in der kleinen Stube, die drei Polinnen und erzählen von der ver­ gangenen Weihnacht, in der sie noch! für nicht in Gefangenschaft geratene russische Soldaten Weihnachtspakete geschickt haben. Da mußten wir Weihnachten noch! 13 Tage später feiern mit Sibirien, heute können wir in Litauen es mit Europa feiern. Ist feiern ein guter Aus­ druck? Wir waren einmal zwölf um denEhristbaum und jetzt sind es zwei. Aber das geht hier und dort so. "Hier und dort so", sagen die andern . Durch den sttebenden Schnee marschiert die Kompagnie zur Kirche. Ein hvher lichterge­ schmückter Baum glänzt. Ein Leh«rer spielt die Orgel, an der die Pedale zerbrochen sind. "Stille Nacht, heilige Nacht". Die vielen, nicht mehr jungen Gesichter, die der Krieg gezeich^net hat, werden still. Die Augen sehen in die Ferne. "Kameraden", sagt der Haichtmann und Kompagnieführer, seine feste Stimünle be­ herrscht den Raum. "Das ist das zweite Kriegs­ weihnachten. Würde es wohl jeder gern an­ ders feiern. Der Krieg dauert. Wiri sind in Feindesland und tun unsere Pflicht. Haben gar keinen Grund ,den Kbps Hängen zu 'las­ sen, können froh sein und stolz sein, über diese deutsche Weihnacht in Feindesland. Im Osten,^ im Westen ,im Norden ,iM Süden ste­ hen siegreich unsere 'Kameraden. Feiern wir Weihnachten in dankbarer Demut, im heißen Gedenken, in Kameradschaftlichkeit mit allen, die für deutschen Frieden kämpfen, arbeiten/ siegen." Das niederländische Dankgebet braust durch den Raum. "Wir treten zum Beten vor 1 Gott, den Gerechten . . ." Eine kleine Pause! | Sie Mannschaften holen sich! die aufgebauten Geschenke . Wollsachen, Pfefferkuchen,ein schö­ nes Messer. Ihr schönstes Geschenk war, daß jede Familie zu Hause fünfzig Mark von der Kompagnie bekommen hat. Ein OsfiziersheiMs hatte diesen Ueberschuß erwirtschaftet. Die Leute nahmen ihre Sachen, die Lichter verglänzten. Langsam stampfen sie in dieSchneenacht hinaus. Ihre schweren Gestalten schie­ ben sich fest gegen Sturm und Schnee, wie ihre Gedanken sich gegen 'jeben Druck richten. Deutsche Weihnacht. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Tages-Uebersicht. Tie künftige Steuerpolitik. Wenn auch! hinsichtlich! der vom Reichsschatzamssekretär an­ gekündigten neuen Steuerpläne endgültige Be­ stimmungen noch nicht getroffen worden sind, solche vielmehr einer Besprechung mit den ein­ 9t*. 353 zelstaatlichen Finanzministerien Vorbehalten bleiben, so kann dem "Tag" zufolge doch be­ reits mit einiger Sicherheit gesagt werden, daß die Einführung von Reichsmonopolen vorläu­ fig noch nicht vorgeschlagen werden wird. Zu­ nächst wird man aller Voraussicht nach in erster Linie die Erhöhung bereits bestehender Reichssteuern, insbesondere der Zigarettensteuer und anderer Steuern, die nicht die große Masse des Volkes treffen, ins Auge fassen. Es ist anzunehmen, da tzdie Steuervorlagen gleich­ zeitig mit dem Reichshaushaltsplan für 1916 dem Reichstag zugehen werden. " ────────── Allerlei. Unter sie Räder geriet beim Aufsteigen auf d en abfahrenden Lokälbahuzug in Herolds­ berg der 63jährige Braueyeibuchhalter Georg Friedrich aus Weißenlohe. Er wurde getötet. Beim Kahnfahrcn auf der Pegnitz ist der Schuhmachermeister Hering aus Bug bei Bavv berg in dem gegenwärtig hochgehenden Flusse ertrunken. Schwerer Zugsunfalk. (Amtlich!.) Bei Posen entgleiste gestern früh 3 Uhr "40 Min. ein von Berlin kommender Militärurlauberzug bei der Durchfährt auf dem Bahnhöfe Bentschen. Von den Urlaubern und dem Be­ gleitpersonal wurden 18 getötet und 47 ver­ wundet. Ter Sachschaden ist bedeutend. ────────── les Bier um 28 Pfg. und Helles Bier um 30 «Pfg. abgegeben wird. Flaschenbiere, von Händ­ lern bezogen, wurden von den Brauereien mit Rücksicht auf ihre Wirte auf den Preis des Faßbieres gesetzt. Von diesem Schreiben der vereinigten Brauereien Straubings und Um­ gebung wurde mit Befriedigung Kenntnis ge­ nommen und zugleich beschlossen, tot Rück­ sicht aus die Annähme des von der Preis­ prüfungsstelle begutachteten Bierpreises durch die Brauer und deren bindende Erklärung vom 22. Dezember von der Festsetzung von Höchst­ preisen Umgang zu nehmen. ────────── Dienstesnachrichten. MeOesnachrichtenK. Bank. Zur Bankassistentin wurde die Probeassistentin Maria Wimmer der K. Filialbank Landshut in etatsmäßiger Weise ernannt. ────────── | nicht angemessen sei. Bei allen LebensmitI teln seien die Höchstpreise, wie sie festgesetzt | wurden, anstandslos genehmigt worden, nur | beim Bier mache Man Schwierigkeiten. Er | verarge es niemand, wenn er schimpft, wenn I alles teurer wird, allein man solle die SaI chen doch objektiv prüfen. I Herr R.-R. Ambros meinte, für die PreisI prüfungsstelle sei das Beispiel von Passau I maßgebend getoefen. I Herr M.-R. Koller erklärte hiezu, daß I des Abgabepreis in Passau und Landshut mit | 22 Pfennige gleich sei. In Passau verdienen die Wirte nur 8, in Landshut 10 Pfennige. Man habe hier den Wirten mehr (leinhalb Pfennig, beim hellen Bier hat der Pächter 2 Pfennig mehr) gegeben, um sie wirtschaftlich! I zu stärken. In Ingolstadt höre man nichts jj von Höchstpreisen und Stammwürze, es komMe $ dies daher, daß dort viel Militär liege, der ! Bierverbrauch ein größerer sei und daher ein | Stammwürzegehalt bei der Kontingentierung | des Malzhezuges nicht eingehalten werden i könne. In der gestrigen Magistratssitzung betonte Herr '9t.=9t. Ambros, daß, in der Sitzung der Preisprüfungsstelle von den Vertretern der? Brauereien in eingehendster Weise nachzuweisen versucht wurde, da tzdie Erhöhung des Bierpreises auf 32 Pfennig absolut notwen­ dig sei und daß eine Herabsetzung des Preises für dunkles Bier auf 30 Pfg. nicht möglich sei, insbesonders auch aus dem Grunde nicht, weil sonst die Wirtschaften nicht mehr exi­ stieren können, da der Nutzen, den der Wirt hübe, nicht mehr ausreichend sei, um seine Existenz nur einigermassen zu sichern. Zu diesem Beschlusse hatte die hiesige Brauereivereinigung eine Eingabe an den Ma­ gistrat gerichtet. In dieser Eingabe wurde anscheinend (sie gelangte nicht zur Verlesung D. Red.) auf animose Zwischenfälle in der Sitzung derPreisprüsungsstelle hingewiesen, denn Hexr R.-R. Ambros sah! sich veranlaßt, zu erklären, daß die Gegner der Bierpreiserhöhung zw atz in aller Schärfe ihre Meinung zum Ausdruck ge­ bracht haben, daß aber von Beleidigungen keine Rede sein könne. Er wäre sonst als Vorsitzen­ der seiner Pflicht gemäß eingeschritten. Er konstatiere, daß in der Sitzung bei aller Schärfe in der Geltendmachung der Auffas­ sungen die Grenzen des parlamentarisch zuläs­ sigen nicht überschritten worden seien. Nach­ dem jetzt eine neue Eingabe der Brauereien vorliege und auch eine solche der Gafiwirtevereinigung zu erwarten sei, glaube er, der Magistrat 'solle noch keine abschließende Stel­ lung nehmen, umsomehr als gerade dieseFrage auch in anderen Städten sehr verschieden be­ handelt worden ist. In Nürnberg habe sich der Magistrat zur Sache völlig ablehnend Ver­ halten und die Bierpreiserhöhung den Braue­ reien innerhalb der vom Generalkommando gezogenen Grenzen überlassen. Die Angelegenheit solle daher auf acht Tage vertagt werden. Herr M.-R. Kohlndorfer meinte, dieSache solle nochmals der Preisprüfungsstelle zuge­ leitet werden. Herr R.-R. Ambros betonte, daß dies überflüssig sei, denn diese Stelle habe ihren Standpunkt bereits eingehend klar- und festge­ legt. Herr M.-R. Kohlndorfer fragte, ob der! Preisprüfungsstelle ein Beschwerderecht zur K. Regierung zusteht. Herr M.-R. Ambros erwiderte, daß ein solches jedem Konsumenten gegen die Fest­ setzung von Höchstpreisen zustehe. Herr M.-R. Jllinger wünschte bis zur nächsten Sitzung zur gütigen Verbescheidung die Feststellung, welche Grundpreise für die von dem Generalkommandos als zulässig erach­ teten Bierpreiserhöhungen in Frage kommen. Herr M.-R. Kohlndorfer meinte, es werde auch vielfach! gefragt, welche Stammwürze un­ sere Biere jetzt hüben; wozu Herr R.-R. Am­ bros betonte, daß diese heute meist den gefor­ derten Geihalt aufweisen. Herr M.-R- Koller erklärte, sich bei betf Wichtigkeit der Frage mit der Zurückstellung zur genauen Prüfung einverstanden. Was den Vorwurf in der Behandlung der Frage in der Preisprüsungsstelle betreffe, so erklärten die Vertreter der Brauereien, Herr Direktor Schuster und Herr Syndikus Dr. Fehle, daß Ausdrücke gefallen feien, wie Wucher, Plem­ pe!. Es hatte den Anschein, daß die Herren schon mit einer gewissen Voreingenommenheit an die Frage herangegangen seien. Ter Krieg habe große Veränderungen im Wirtschaftsleben hervorgerufen und man könne es den einzelnen Geschäften nicht in Uebel nehmen, wenn sie den Verkaufspreis ihrer Produkte erhöhen, oder ihre Preise nach dem Preis der Roh­ produkte regulieren . Tie Bierpreiserfhöhung sei bereits seit 1. Dezember eingeführt und sei ohne jede Störung bewerkstelligt worden. Jetzt wünscht die Kommission, daß dunkles Bier bei neun Prozent 30 und helles bei zehn Prozent 32 Pfennig kosten soll. ' Wer abvr die Denkschrift des Bayer. BrauerbundeS durchlese, werde finden, daß ein Preis von 30 Pfennig den heutigen Produktionskosten Herr M.-R. Bartmann meinte, der Zeit­ punkt der Bierpreiserhöhung sei eben sehr un­ zeitgemäß gewählt, nachdem gerade jetzt alle Tage die Bilanz einer Brauerei in der Zeitung stehe, in denen hohe Dividenden, oft höher als in Friedenszeiten ausgewiesen werden. Bei den Bäckern sei dies zum Beispiel ganz an­ ders. Diesen schreibe man den Mehlpreis und den Brotipreis vor und zwar derart, daß der Bäcker oft daraufzahle. "Die Herren Bräuey müßten sich eben auch! mit einchnl Reineren Nutzen zufrieden geben. Herr M--R. Koller wies darauf hin, daß die Brauereien vielfach noch alte Vorräte hät­ ten, die aber jetzt aufgebraucht seien. Im näch>sten Jahre werden, wie auch der Direktor dev I Löwenbrauerei vor kuHem erklärte, die Ab$ schlüsse viel schlechter ausfallen. | Es entspann sich eine kurze "Debatte über ! Pie Beschlagnahme von Bier, wobei betont wurde, daß die Kontingentierung des Malzverbrauches jetzt doch fallen gelassen werden könnte, da Gerste genügend vorhanden sei (Zu­ ruf: die geht alle nach Norddeutschland zu Futtevzwecken). Die Kontingentierung sei bereits bis 1. Oktober 1916 festgelegt, falbem komMie Gerste auch für Futter- und Nahrungszwecke in Betracht. Nachdem die Aufstellung eines Unteraus; schusses zur Beratung der Angelegenheit ab°; gelehnt worden war, würde die Beschlußfas­ sung bis zur nächsten Sitzung vertagt. ────────── Letzte Posten. Letzte WN. Tie Eröffnung Ser bulgarischen Kammer. Sofia, 29. Dezember. Nachdem Rado­ slawow den König von dem Beschlusse der Agrarpartei, die Regierung bei Votierung des Budgets und der Kriegstredite zu unterstützen, verständigt hatte, wurde zwischen dem Kö­ nig und Radoslawow vollkommene Ueberein­ stimmung "festgestellt. Radoslawow ergriff in der Kammer das Wort: Er schilderte die ge­ genwärtige Lage Bulgariens, sowie die erziel­ ten Waffenerfolge und kam dabei besonders aus den Sieg bei Prizrend zu sprechen, der die endgültige Vernichtung des serbischen Hee­ res herbeigeführt habe. Ter Ministerpräsi­ dent teilte dann weiter mit, daß die bulgari­ schen Truppen bei Prizrend u. a. die ser­ bischen Staatsarchive und König Peters sil­ bernen Galawagen erbeutet hätten. Radoslawow erklärte, die Grenzen Bulgariens werpen sich bis dahin erstrecken, wohin die bulgarischen Soldaten vordrangen. Auch Monastir werde bulgarisch bleiben. Bulgarien wird an Oester­ reich-Ungarn grenzen. Die Frage dev Eng­ länder und Franzosen werde in endgültiger Form in einigen Tagen entschieden werden. Nachdem Radoslawow die in Form ovn Getreidelieferungen gekleideten ,Bestechungsmanöoer der Entente berührt hatte, sprach er die Hoffnung aus, daß die sämt­ lichen Parteien sich zu gemeinsamer gedeihilicher Arbeit die Hände reichen werden. Ter/ Vizepräsident der Kammer, Uipnftschilow, sprach sich! sodann begeistert über die Rede Radoslawows aus. Ties sei die bedeutendste Rede gewesen, die Radoslawow' je gehalten habe. Was uns Radoslawow mitgeteilt hat, berührt uns tief. Das bulgarische Volk kann mit Rühe in die Zukunft blicken. Wo ist das serbische Heer? Paris, 29. Dezember. "Petit Parisien" bringt einen Artikel seines Vertreters aus Brindisi, worin auseinandergesetzt wird, daß der überseeische Lebensmitteltransport für die Serben an der Küste aus die serbischen Trup­ pen selbst warten müßte, bis diese aus dem Innern des Landes herbeigekommen sein wer­ den. Gegenwärtig weiß man gar nicht, Wo die Hauptteile des serbischen Heeres im Landinnern sich befinden. 1 Aus Saloniki. Sd. London, 29. Dezember. Der "Ti­ mes" wird aus Saloniki berichtet, daß die Bulgaren ungefähr vier Meilen vor der grie­ chischen Grenze stehen und zwar in Gewgheli und Toiran, wo sie damit beschäftigt sind, die an und für sich starken natürlichen Stellungen noch weiter zu verschanzen. Das Wetter hat auch für die Alliierten diese Schanzarbeiten' erleichtert, die ebenfalls energisch! fortgesetzt werden. BrianSs Reise aufgeschoben. N e w h o r k, 29. Dezember. Briand schiebt die geplante Reife nach Europa aus, da Ford von der Fortsetzung seiner Friedensbemühun­ gen Abstand genommen hat. Die bevorstehende Revolution in China. Sd. P e k in g, 29. Dezember. (Meutert) Der Militärgouverneur von Aünnan erlließ, eine Proklamation, in welcher die Unabhängig­ keit von Aünnan erklärt wird. Es heißt darin) daß Auanschikai die Eide, welche er als Prä­ sident abgeregt hat, gebrochen 'habe und den Ermahnungen, die Republik wieder herzustel­ len, nicht nachgekommen ist. Zahlreiche aus -nördlichen Truppen bestehenden Verstärkungen werden nach dem Süden transportiert. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 28. Dezember, mittags. (Großes Hauptquartier).