Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-02-23. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 42, 1915-02-23. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Sie werden gegen französisch« Invalide, die bereits in Schaffhausen ange­ langt sind, ausgetauscht. ────────── Der Krieg. des Tnjestr machten die Oesterreicher 2900 Ge­ fangene und erbeuteten vier Geschütze und viel Kriegsmaterial. Zugleich! gibt der österreichi­ sche Bericht bekannt, daß die Oesterreicher seit Ende Januar 64 Offiziere und 40 806 Mann zu Gefangenen gefacht, 9 Geschütze und 34 Maschinengewehre erobert haben. Ter Unterseebootskrieg hat nun bereits eine Reihe von Erfolgen für unsre U-Boote gebracht und die Nervosität der Engländer er­ heblich! erhöht. Aus dem Westen kam gestern Die Kunde, daß bei Astern ein neuer feindlicher SchützenI graben genommen wurde. Feindliche Gegen1 angriffe blieben erfolglos. In der Champagne machten wir in den letzten Kämpfen 15 Offii ziere und 1000 Mann Franzosen zu Gefange­ nen. Tie Schwere der dortigen Kämpfe geht wohl am besten aus der Bemerkung des Be| richtes hervor, in welcher gesagt wird, die i ..blutigen Verluste" des Feindes haben sich | "als außergewöhnlich" herausgestellt. Bei Ver! dun machten die Franzosen wieder vergebliche ! Angriffe. In den Vogesen wurden die Orte Hohrod und Totweiler nach Kampf genommen. I Im Osten entwickeln sich bei Grodno und f nördlich! Suchawola neue Kämpfe. Tie KämI pfe bei Ostrowieca und Lomzia. wie bei Praß[ nisz nehmen ihren Fortgang. I Nunmehr liegt die Gesamtrechnung der t Schlacht in Masuren vor und sie übertrifft Wohl die gehegten Erwartungen. Wenn man auch wußte, daß unser Hindenburg nur ganze I Arbeit zu machen gewöhnt ist. so muß es I uns doch mit Freude erfüllen, daß der Bericht 1 so schlicht melden konnte, "die 10. russische I Armee ist als völlig vernichtet anzusehen. 7 i Generale und über 100 000 Mann sind die | Beute an Gefangenen, denen sich der gesamte ; Artillerie- und Gerätepark der Armee an> schließt: 150 Geschütze und noch nicht annäh­ ernd übersehbare Geräte aller Art einschließ; sich Maschinengewehren. Es half dem Feinde | auch nichts, daß er Kanonen in die Wasser i der Seen versenkte, die Unsern holten sie her­ aus. Tie Russen konnten sich der Wucht des Hindenburgschen Stoßes nicht mehr entziehen. ‘ Auch die letzten 'Reste der feindlichen Armee wurden vernichtet. Hindenburg folgte dem Feinde aus den Fersen und heute stehen un­ sere siegreichen Truppen bereits int Innern Rußlands, vor der Festung Grodno, unter deren Mauern sich mit den herbeigeschickten Hilfstruppen neue Kämpfe entwickeln, die je­ denfalls auch bald ihre Lösung finden werden. Tiefe Kämpfe sollen wohl hauptsächlich den Aufmarsch russischer Ersatztruppen an der hin­ ter der jetzigen russischen Front liegenden Fe­ stungslinie verschleiern. Doch wird Hinden­ burg diesen Schleier wohl bald zu zerreißen wissen. Rechnet man noch die Erfolge unsrer Truppen int nördlichsten Teile des Reiches hinzu, so haben wir wohl alle Ursache, freu­ digen Herzen der jüngsten Taten unsres tap­ feren Ostheeres unter seinem schneidigen sieg­ gewohnten Führer zu gedenken. Tie Oesterreicher haben in Westgalizien russische Vorstöße abgewiesen. Ebenso schei­ terten in den Karpathen russische Angriffs pnter großen Verlusten für den Feind. Südlich ────────── WTB. Berlin, 22. Februar, nnittags. (Großes Hauptquartier.) Tie Verfolgung nach, der Winterschlacht in Masurerr ist beendet. Bei der Säuberung der Wälder nordwest­ lich! voll Grodno und bei den in den letzten Tagen gemeldeten Gefechten int Bobre- und Narewgebiet wurde bisher ein kommandieren­ der General, zwei Divisionskommandeure, vier andre Generäle und annähernd 4 0 0 0 0 Mann gefangen. 75 Geschützc, eine noch nicht festgestellte An,zahi von Maschinengewehren mit vielen son­ stigen Kriegsgeräten wurden erbeutet. Gestern nachmittags wurde berichtet: Die Winterschlacht in Masuren. ────────── aus der Wmterschlacht tu Masuren steigt damit bis heute auf 7 Generate, über 100 000 Mann, über 150 Geschütze, noch nicht an­ nähernd übersehbare Gerate aller Art einschtietztrch Maschinengewehren. Schwere Geschütze und Munition wurden vom Feinde mehrfach vergraben oder in den Seen versenkt. So sind gestern int Lötzen-Widminnensee 8 schwere Geschütze von uns ausgegraben oder aus dem Wasser geholt worden. Die 10. russische Armee des Generats Baron Sievers kann hiemit als vö tt ig vernichtet angesehen werden. Die Gesamtbeute. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 22. .Februar. Mittags.) (Großes Hauptquartier.) ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Oestlich Astern wurde gestern wieder ein feindlicher Schützengraben genommen. Feind­ liche Gegenangriffe auf die gewonnenen Stel­ lungen blieben erfolglos. In der Chamstagne herrschte auch gestern verhältnismäßige Ruhe. Tie Zahl der von uns in den letzten der dortigen Kämpfe ge­ fangen genommenen Franzosen hat sich aus 15 Offiziere und über 1000 Mann erhöht. Tie blutigen Verluste des Feindes haben sich, als außergewöhnlich hohe herausgestellt. Unsere Stellung nördlich Verdun hat der Gegner gestern und heute Nacht ohne jedem Erfolg angegriffen. c In den Vogesen wurden die Orte Hohlrod und Totweiler nach! Kamstf genommen. Sonst nichts Wesentliches. Oestlicher MgsfWag. Neue Gefechte beginnen sich' bei Grodno und nördlich Suchawola zu entwickeln. Tie gemeldeten Kämpfe nordwestlich Ossowiec und Lomcza sowie bei Prasznhsz nehmen ihren Fortgang. ? In 'Polen südlich der Weichsel nichts neues. Oberste Heeresleitung. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Neue Gefechte beginnen sich' bei Grodno und nördlich Suchawola zu entwickeln. Tie gemeldeten Kämpfe nordwestlich Ossowiec und Lomcza sowie bei Prasznhsz nehmen ihren Fortgang. ? In 'Polen südlich der Weichsel nichts neues. Oberste Heeresleitung. ────────── Genf, 23. Februar. Ter "Petit Puristen^ glaubt zu wissen: Frankreich habe beschlossen, sich! einer Londoner Erklärung anzuschließen^ nach welcher die Kriegskonterbandeliste bedeu­ tend erweitert werden soll. Erweiterung der Kriegskonterhandeliste. ────────── Sohn empor und sagte: "Junge, ich freue mich schon darauf, trenn ich erst mit Tir am Biwak­ feuer sitzen werde, int Kampfe gegen Ruß­ land!" Schon meinte er, paß es wohl nie daz.n kommen werde. "Er ist nie ernsthaft krank gewesen", erzählt der Bruder. "Bor kurzem kaufte er sich. in eine Lebensversiche­ rung ein; als er nach. Hause kam, fragte seine Frau ängstliche "Was hat denn der Arzt ge­ sagt?" — "Ich bin kerngesund!", berichtete er in seinem tiefen Baß/ halb traurig) halb erfreut. Er nahm den Abschied, weil er schon acht Jahre kommandierender General war und stets den Grundsatz vertreten hatte, man solle auch dem Nachwuchs Raum schaffen und den Zeitpunkt nicht verpassen, zur rechten Zeit zu gehen." Als dann her Krieg kam, erwar­ tete der pensionierte General mit größter Spannung den Augenblick, wo man ihn brau­ chen könnte, und gro.ß war seine Freude und der Tank gegen seinen «König, als am Samstagden 22. August ein .Telegramm kam, Seine Majestät habe ihn zu hoher Kommandostelle ausersehen. 12 Stunden später Holte ihn be­ reits sein Generalstabschef Ludendorf mit dem Extrazuge ab, und so fuhr er denn in der Nacht fort, bis er am Sonntag tun halb 2 Uhr in Marienburg eintraf . . . Und dann kam die Nachricht vom Siege bei Tannenberg.' ────────── Heute früh wurde telephonisch gemeldet: Die Kämpfe der Oesterreicher. WTB. Wien, 22. Februar, mittags. — Amtlich wird gemeldet: An der Front in Russisch-Polen und Westgalizien Artilleriekänipfe und Geplänkel. Vereinzelte Vorstöße des Feindes wurden mühelos abgewiesen. In den Karpathen zahlreiche russische An­ griffe, die im westlichen Abschnitte auch wäh­ rend der Nacht andauern. Alle diese Ver­ suche, bis zu unsern Hindernislinien vorzu­ gehen, scheiterten unter großen Verlusten für den Feind. Südliche des Tnjestr entwickeln sich Käm­ pfe in größerem Umfange. Eine starke Gruppe des Feindes wurde gestern nach längerem Kampfe geworfen und 2000 Gefangene gemacht. Außerdem wurden vier Geschütze und viel Kriegsmaterial erbeutet. Tie in einem offiziellen russischen Communique als falschl bezeichnete Summe von 29000 Kriegsgefangenen die unsre Truppen bis vor einigen Tagen in den Karpathenkämpfen seit Ende Januar einbrachten, hat sich mittlerweile vergrößert und ist.auf 64 Offiziere und 40 806 Mann gestiegen. Es kommen ferner noch hinzu 34 Maschinengewehre und 9 Geschütze. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v .Höfer, Feldmarschalleutnant. ────────── ibions vom Boden auf und schloß die Türe der Kajüte von außen. Morin aber trat auf den schwäbischen Dich­ ter zu, zog den Hut und sagte: "Sehen @te" mein Herr, wenn Deutschland ordentlich auf­ tritt, muß England Platz machen." ────────── stantinopel kennen, bevor er als Offizier in eines der vornehmen Regimenter der GardeKavallerie in Berlin eintrat. Hier wurde er bald der bevorzugte Lieb­ ling der vornehmen Gesellschaft. Von Jugend aus daran gewöhnt, daß ihm alle Wünsche er­ füllt wurden, genoß er in vollen Zügen die Freuden der Residenzstadt und erlaubte sich jeden Luxus und jedes Vergnügen, nach wel­ chem sein Herz verlangte. Sein Vater aber, viel zu schwach und nachsichtig dem ältesten Sohne und Erben gegenüber, in dem er der Vorfahren Ritterlichkeit verkörpert sah, die sein eigener Vater an ihm selber schmerzlich ver­ mißt hatte, brachte es nur selten über das Herz, ihm irgend einen Wunsch zu versagen. Es freute ihn, daß sein Sohn in der Ge­ sellschaft, bei seinen Vorgesetzten und Kame­ raden so allgemein beliebt war, daß er bei keiner Festlichkeit fehlen durste. Auch daß er sich! die teuersten Rennpferde hielt und fast jedem vornehmen Sport huldigte, fand er ganz in der Ordnung. Jugend will sich austoben, und sein Sohn war wenigstens kein Spieler. Damit pflegte er sich zu trösten, wenn es ihm manchmal etwas sauer wurde, die einlaufenden hohen Rechnungen zu bezahlen. Einem helleuchtenden Frühlingstag gleich, seine immer wachsenden Verbindlichkeiten ausI zugleichen. 1 (Fortsetzung folgt.) jL_ ^ _ j die Hände seiner Beamten gelegt und war nie froher gewesen, als wenn man ihn mit Sachen, die in ein Fach schlugen, dem er mit denk besten Willen keine Teilnahme abgewinnen konnte, unbehelligt ließ. Aber schon von der Zeit an war es mit Reinstein zurückgegangen, zuerst ganz allmäh-> lich, dann immer schneller und schneller, bis das Unglück, durch die Veruntreuungen eines gewissenlosen Verwalters beschleunigt, plötz­ lich in voller Wucht über den sorglos dahin­ lebenden Sohn und Erben hereinbrach. Gras Kurt, der einzige Sohn aus Graf Erichs erster Ehe, war bis zu seinem 13. Jahre daheim in Reinstein unter der Aussicht des Vaters und besonders seiner ihn säst abgöttisch liebenden Mutter, sowie eines gewissenhaften Hauslehrers aufgewachsen, harte dann die Brandenburger Ritterakademie besucht und wurde dort von seinen Lehrern zu den begab­ testen, wenn auch nicht immer zu den fleißig­ sten Schülern gezählt. Ter frühe Tod seiner von ihm zärtlich geliebten Mutter war der erste tiefe Schmerz seines Lebens. Noch bevor er das 18. Jahr erreicht hatte, absolvierte er sein Abiturium und studierte dann einige Semester in Heidelberg. Tie Ferien wurden fast regelmäßig zu größeren Reisen benutzt. So lernte er Wien, Paris, London und Kon­ ────────── Aus den Kolonien. Bom Burenaufftand. A m st e r d a m, 22. Februar. Reuter be­ richtet aus Johannisburg: Ein Kriegsrat, der in Bojen Camp abgehalten worden ist, ver­ urteilte 63 Bürger, die ohne gültigen Grund dem Aufruf zu den Operationen gegen TeutschSüdwestafrika nicht Folge geleistet hatten. Das Urteil lautete auf ein Jahr Zwangsarbeit. Wie verlautet, werden sie in den Eisenbahnen im Distrikt Upington beschäftigt werden. (Z.) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Erfolg der österreichischen Mörser in Przemysl. Ein nach Krakau gelangter Feldpostbrief berichtet, d aß eine der schweren österreichischen Batterien in Przemysl einen großen Erfolg hatte. Mit vier Schüssen wurden 7 feindliche Kanonen und zwei Maschinengewehre vernich­ tet und die Bedienungsmannschaft getötet. Tie Russenherrschaft in Ostpreußen. Aus Kopenhagen wird dem Berliner "Lok.Mnz." berichtet: "Rußkoje Slowo" mel­ det aus Wilna: Von Beginn des Krieges bis Ende Januar sind 5680 Zivileinwohner aus Ostpreußen als Kriegsgefangene auf dem Transport in das Innere Rußlands hier durch­ gekommen. (Z.) Freilassung deutscher Konsuln in Rußland. Aus Petersburg wird gemeldet: Vierzehn deutsche Konsuln, die bisher zurückgehalten wurden, sind in Finnland nach Schweden ab­ gereist. Das Näher rücken der Verbündeten gegen Wairschau. "Naprzod" veröffentlicht einen von der Petrikauer Konföderation in Polen massen­ haft verbreiteten Aufruf, in dem auf das Nä­ herrücken der verbündeten Truppen aus War­ schau hingewiesen wird. Es heißt darin: "Es wäre ein Verbrechen und ein Wahnsinn, in diesem großen historischen Augenblick sich passiv zu verhalten. Tie Versprechungen des russi­ schen Despoten können nur die Russifizierung Galiziens bedeuten, um den Rest unserer teu­ ren Andenken in Krakau und Lemberg zu ver­ nichten, die blutige Geschichte unseres Landes in Polen zu wiederholen. Tie Hoffnungen auf die angeblichen Freunde Rußlands — Eng­ land und Frankreich — müssen verschwinden, wenn man der traurigen Tatsache eingedenk ist, daß die Freunde bereit sind, für ein Dorf Int Elsaß oder für ein Stück Erde in den Kolonien das Schicksal Polens preiszugeben. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. Ter erfolglose Klottenangriff auf die Tardanellcn. Konstantinopel, 22. Februar. Ter englisch-französische Flottenangriff auf die Dardanellensorts war schon seit einiger Zeit sorgsam vorbereitet. Daß auch dieser Versuch -zu keinem Erfolg geführt hat, ist der großen Wachsamkeit und den ausgezeichneten Vertei­ digungsmaßnahmen der Türken zu verdanken. Es war schon seit einiger Zeit zuverlässig be­ kannt geworden, daß Rußland von seinen Ver­ bündeten kategorisch einen neuen Vorstoß gegen die Meerengen forderte.