Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-02-04. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 27, 1915-02-04. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Das Hamburger Fremdenblatt meldet aus Kopenhagen: Tch englische Admiralität hat das Auslaufen eng­ lischer Schiffe aus englischen Häfen ohne Be­ gleitung von Torpedobooten im allgemeinen verboten. Zürich. 4. Februar. Ter Hafen von Fleetwood ist geschlossen worden. Kein Schiff, darf an- oder auslaufen. Auch, die Häfen von Narrow und Hehsham wurden gesch.lossen, London, 4. Februar. Die Erhöhung der Frachtsätze hält an. Der Normalsatz ist jetzt 70, vor Kriegsausbruch war er 12,5 Schil­ ling. Für Warentransporte von Galveston nach! Havre sind Verträge auf der Basis von 155, von Galveston nach. Liverpool auf der Basis von 120 Schilling abgeschlossen wor­ den. ────────── Der Krieg. ────────── Tie Ruhe im Wester, dauert an. Nur bei Perthes unternahmen die Franzosen einen An­ griff, der jedoch abgewiesen wurde. Im übrigen fanden nur Artitleriekämpfe statt. Tie Waffenruhe scheint, wenigstens bei den Geg­ nern, mit der Erwartung der englischen Ver­ stärkung zusammen zu hängen. Tie weiteren Vorgänge auf dem westlichen Kriegsschauplatz, dürften zum Mindestens stark von den Opera-, tionen zur See beeinflußt werden. Jeden« falls aber rückt der Zeitpunkt entscheidender Ereignisse immer näher. Im Osten geht es immer vorwärts. Un­ sere Truppen haben das Torf Humin ge­ stürmt und an den beiden letzten Tagen in jenem Gebiete 4000 Russen gefangen und 8 Maschinengewehre erbeutet. Nördlich der Weichsel wurde russische Kavallerie zurückge­ worfen, doch! ist diesen Kämpfen nicht zu viel Bedeutung beizumessen, denn mit Kavallerie kann man keine Verteidigungslinien stürmen. England tobt. Es fühlt den vernichtenden Stoß, der gegen sein Herz ausholt. Noch, ist ja der Stoß in Englands Herz, gegen Lon­ dons Schatzkammern und Tocks nicht geführt worden, aber schon hören wir das Geschrei aller, die auf dem Meere hantieren und auch, derer, die mit England ihre Lust trieben; Frankreich begann mit dem Klagegeschrei über die deutschen Boote, die "planmäßig und leicht-, fertig die Menschenrechte verletzen und sich aus der Liste der Menschheit streichen", in­ dem sie englische Handelsdampfer versenken: "Tie ganze Welt wird sich mit Grauen gegen ein derartiges, einer zivilisierten Nation un­ würdiges Kriegsverfahren auflehnen." Tie Unterstimme sang England, das olle ehrliche England, das sadistisch! in der Vorstellung wühlt, zuerst unsere Kinder, dann unsere Frauen in den Hungertod zu treiben, um so die Männer, die es in ehrlichem Kampfe nicht besiegen kann, auf die Knie zu zwingen. Und es schüttelt sich vor Entsetzen, verdreht die Augen und plärrt: Teutschland stelle sich, in­ dem es wehrlose Handelsschiffe mit Torpedos begrüßt, außerhalb der zivilisierten Gesell­ schaft; die ganze Welt werde mit Abscheu er­ füllt durch Taten, die einer zivilisierten Na­ tion unwürdig seien! Terselbe John Bull, der in seinem Gesetz über das Privateigentum im Kriege ausdrück­ lich feststellt, daß ein feindliches Handelsschiff wenn die Wegführung den angreifenden Kreu­ zer dringender Gefahr aussetzt, unbekümmert diese Schiffe in den Grund bohren darf. Ter-selbe John Bull, der ganze Meere mit schwim­ menden Minen durchseucht und schon unzäh­ lige harmlose Seeleute auf neutralen Schif­ fen, Tänen, Holländer, Norweger und Schwe­ den in das Jenseits gesprengt hat. Aber fleilich: Wenn ein englischer Baby in dem befestigten Hafen von Skarborough durchleinen Bombensplitter verletzt wird, so ist eine Tod­ sünde begangen, wenn aber eine Million deut­ scher Kinder verhungert, so duftet dies lieb­ lich! gen Himmel. Wenn England den See­ raub schamlos zum Hauptgewerbe macht, bann handelt es edel, hilfreich! und gut; wenn tap­ fere deutsche Seeleute mit unerhörtem Mute bis in die Irische See vordringen, und eng­ lische Tampfer vernichten, dann ist's eine pure Gemeinheit. Moral mit doppeltem Boden.! Tie Oesterreicher haben in den Beskiden neue russische Angriffe zurückgeschlagen. In den mittleren Karpathen haben die verbün­ deten Teutschen und Oesterreicher 1000 Rus­ sen gefangen und mehrere Maschinengewehre erbeutet. Tie Offensive gegen Serbien hat wieder begonnen. Reichlich sieben Wochen hat die Umgruppierung der österreichischen Streitkräste gedauert, ist aber jetzt so weit vorgeschritten, daß der Oberkommandierende Erzherzog Eugen die Feindseligkeiten wieder eröffnen kann. Bei Milanowae und Grodischte haben sie begonnen. Tie Offensive geht also von Osten dirett nach Valjewo und Nisch, also mitten ins Herz Ser­ biens und schiebt sich wie ein Keil zwischen die rumänisch-bulgarische und serbische Grenze. Ob gleichzeitig auch eine Offensive von den bei­ den strategisch! wichtigen Punkten Krüpanh— Schabatz—Obrenowatsch, die Wohl noch von den Oesterreichern besetzt sind, einsetzt, ist nicht bekannt. In letzterem Falle würde die ser­ bische Armee zwischen zwei Feuer geraten. Tie österreichische Armee wird noch große Schwie­ rigkeiten in dem teils unwegsamen Gebiete zu überwinden haben. Sehr zuverlässig scheint man in Serbien diesem neuen Kampfe nicht entgegenzusehen, nachdem man eingesehen hat, daß von Rußland keine Hilfe zu erwarten ist. Trotzdem wäre es nicht zu verwundern, wenn auch diese neue Offensive bis zur endgültigen Niederringung Serbiens eine beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen würde, denn die Serben werden, un­ terstützt durch das überaus schwierige Gelände, bis zum letzten Mann kämpfen, eingeben? daß eine entscheidende Niederlage — Vernichtung bedeutet. , , 1 Tie Türken haben bei Korna neuerdings ein englisches Detachement zurückgeworfen. Die Senusst sollen sich, gegen Aegypten in Bewe­ gung gesetzt haben und bis zur Oase Siwa vorgedrungen sein. Ter Zuzug an Kriegsfrei­ willigen hält noch an. ────────── Gestern nachmittags wurde berichtet: Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 3. Februar, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschallplag. Französische Angriffe gegen.unsere Stel­ lungen bei Perthes wurden abgewiesen. Auf der übrigen Front fanden nur Arttlleriekämpfe statt. t Seitlicher KritgsschaiM. Von der ostpreußischen Grenze nichts! Neues. In Polen, nördlich, der Weichsel, haben russische Kavallerieangriffe mit dem Zurück­ werfen der Russen geendet. v Südlich der Weichsel ^führte unser An­ griff östlich! Bolymow zur Eroberung des Tor­ fes .Humin. Um Wola und Sydlowika wird noch! gekämpft. Seit dem 1.,Februar sind hier übjer 4000 Gefangene gpmajcht und 6 Maschinengewehre erbeutet wor­ den. Russische Nachtangriffe gegen unsere Stel­ lungen an der Bsura wurden abgewiesen. Oberste Heeresleitung. ────────── Heute früh wurde telephonisch gemeldet: Die Kämpfe der Oesterreicher. WTB. Wien, 3, 3. Februar, mittags* Amtlich wird gemeldet: In den Ostbeskrden wurden neue, sehr heftige Angriffe, die auch! nachts andauerten^ wieder unter schweren Verlusten für die Rus­ sen zurückgeschlagen. Tie Kämpfe im mittleren Waldgebirge, nehmen einen günstigen Verlauf. Tie verbün­ deten Truppen, die gestern vom Feind hart­ näckig verteidigte Höhenstellungen erorberten^, machten 1000 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinengewehre. In Polen und Westgalizien ist die Si­ tuation unverändert. Es herrscht größtenteils Ruhe. Ter stellvertretende Chef des GeneralstabeSr , ». Höfer, Feldmarfthalleutnant. , ────────── Budapest, 4. Februar. Tie Blätter be* richten aus Ungvar: Größere Gefechte fan­ den im Zempliner Komitat statt. Tie Rus­ sen machten verzweifelte Versuche, den Lup-. ferner Paß. wieder zu nehmen, die aber an dem Widerstand der Gebirgsartillerie scheiter­ ten, die unter den Russen fürchterliche Ver­ heerungen anrichtete. <■ Frankfurt, 4. Februar. Tie "Frkf. Ztg." meldet aus dem österreichischen Kriegspressequartier: Nunmehr tritt auch, in deu Karpathen das enge Zusammenwirken der ver­ bündeten Armeen zutage. Tie dort mit unsernTruppenvereinigtenTeutschen haben gleich in dem ersten Kampfe, in den sie eingriffen, außerordentliche Bravour bewiesen. Ter X Sturm auf die von ihnen im Waldgebirge gestern genommene, befestigte Höhe, die für uneinnehmbar galt, war eine Heldentat er­ sten Ranges. Die Kämpfe in den Karpathen. ────────── Lyon, 4. Februar. "Novelliste" meldet aus Soissonsr Die Trinkwasserbehälter inSoissons sind durch. die deutsche Beschießung sehr beschädigt worden. Ter Bürgermeister von Soissons traf Maßnahmen, um die Wirkung der Brandgranaten zu bekämpfen. Die Beschießung von Soissons. ────────── habe man Beispiele dafür, eine wie gefähr­ liche Angriffs- und Verteidigungswaffe diese Boote seien . Jetzt hätten sie sich, auch als Blockadeschiffe erwiesen und zwar mit einer Wirkung, die die grüßten Folgen nicht nur für den Handel der Kriegführenden, sondern auch, für den Seehandel der Neutralen haben werde. (3) Tie wcattraM Schiffahrt und England. Stockholm, 3. Febr. In Göteborg kam am 31. Januar der Dampfer "Augusta" mit der Meldung an, daß er auf der Reise von Amerika in einem englischen Hafen über vier Wochen festgehalten worden sei. Seine Fracht, Aluminium, sei von England nicht freigege­ ben worden und mutzte vor der Abfahrt an Land gebracht werden. (Zh Unsere Untepsepboote im Lichte der Neutralen. Aus Amsterdam wird der "Berl. VolksZtg." gemeldet: Tie holländische Presse ist erfüllt von Bewunderung für die mutige und kühne Fahrt der deutschen Seeleute in die Irische See, und unverhüllt kommt dabei die starke Genugtuung zum Ausdruck über den England zugefügten Schlag. Ist es doch gerade der Seeterrorismus Englands, der bet Durch­ führung dieses Handelskrieges Holland aufs schwerste trifft, seinen Ausfuhr- und Einfuhr­ handel völlig lahmlegt, ganze Industrien nach, einander erdrosselt und die Versorgung des Landes mit dem notwendigen Brotgetreide bald zu einem schwierigen Problem machen wird. (Z.) Kristiania, 3. Febr. ">Sjöfarths Tidende" schreibt: Man stehe hier einer neuen Wirkung der Unterseeboote gegenüber. Bisher ────────── 10 SOtinuten vergehen, da nahen Offiziere und begeben sich- zu den bereitstehenden Wagen, deren Scheinwerfer blendendes Licht verbrei­ ten. Klopfenden Herzens gehen wir frank und frei hinter dem Wagen herum, wo es dun­ kel ist. Niemand «kümmert sich um uns, da alles beschäftigt ist, den Offizieren zu hel­ fen. Mein Fahrer fetzt fidj. an das Steuerrad, ich, werfe den Motor an, der gehorsam an­ springt, und setze mich bann neben meinen Fahrer. Tie Scheinwerfer haben wir nicht angezündet, um nicht.erkannt zu werden. Wir warten. Stunden dünken uns die paar Mi­ nuten, bis endlich, Pie Autos sich in Bewegung setzten. Zwei, drei Magen verlassen das breite Hostor, da schalten wir die elektrischen La­ ternen ein und fahren los. Dicht hinter betn vierten französischen Wagen biegen wir durch das Jor hinaus auf die Straße der erste Teil unserer Flucht ist geglückt! In flottem Tempo ziehen vorn,die Franzosen los. Auf­ merksam pergleiche ich die Karte. Bald müs­ sen die Franzosen xechts ab, wir aber zunächst gerade aus und später halblinks. Und rich!tig, schon sehen wir die Lichter des ersten Wagens nmfji rechts zu den Weg verlassen, die drei andern folgen, während wir entschlos­ sen geradeaus steuern. Ein kurzes Stück wei­ ter stehen französische Loldaten. Sie hatten wohl schon von ferne die Lichter der Wagen gesehen und hielten uns natürlich, für Fran­ zosen. Wir sausen.glatt vorbei . . So jagen wir mit 60 Kilometer durch, die Dämmerung. Sind wir noch, picht bald an den deutschen Linien? "Halblinks!" rufe ich, als ich, einen breiteren Weg den.unseren kreuzen sehe. Wir biegen herum — -und im gleichen Augenblick springen dunkle ©,eftalten ,aus den Straßen­ gräben, die Gewehre schußbereit. Vorbei, denke ich,, die Flucht ist mißglückt, während mein Fahrer mit wildem Fluche den Wa­ gen zum Stehen bringt. "Hände hoch,!" ruft's uns entgegen, und -^Deutsche!" antworte ich so laut ich, kann. Ta springen sie herbei, die grauen Burschen, mächtige Gardemänner. Wie staunen sie, als sie in uns Landsleute er­ kennen!" Nachdem der Sachverhalt aufgeklärt war, hat man viel gelacht über diese kühne, wohlgelungene Flucht. ────────── fahren. Sie fühlen nicht das Erniedrigende, Gemeine, einer solchen Tat. Englische Schiffe sollen sich- hinter ftemden Farben verstecken. Es ist weit gesunken, das mächtige llbion. Hie­ zu wird berichtet: Berlin, 3. Febr. Aus sicherer Quelle wird folgender Geheimbefehl der englischen Admiralität bekannt: Wegen des Auftretens deutscher Unterseeboote im englischen und iri­ schen Kanal sollen sofort alle englischen Handelsschiffe neutrale Flaggen hissen und alle Abzeichen, die Reedereizeichen, ihre Namen usw. verdecken. Hausflaggen sind nicht zu füh­ ren. Tiefer Befehl ist geheim zu halten. Paris, 3. Februar. Eine amtliche Note des Marineministeriums meldet, daß am 1. Fe­ bruar nachmittags 5 Uhr 15 Meilen nordwest­ lich, Havre ein deutsches Unterseeboot gegen das Hofpitalschifs "Asturia" gefeuert habe, ohne übrigens zu treffen. Dadurch- seien die Vor­ schriften der Haager Konvention vom 18. Ok­ tober 1907 verletzt worden. (Ein deutscher Bericht bleibt hierüber abzuwarten. T. R.) Aus Southport in Laneashire wird gemeldet, das Unterseeboot "U 21" sei gestern auf der Höhe jener Küste gesichtet worden. (Z.^ Amsterdam, 3. Februar. Zum Unter­ gang des "Tatomaru" schreiben die "Times" noch: Ter Dampfer, der 6238 Tonnen Wasser­ verdrängung hatte, verließ Wellington (Neu­ seeland) ant 9. Dezember, um nach London -zu segeln. Er lief Montevideo und Teneriffa an und befand sich- auf dem Wege nach Havre. Seine Ladung bestand aus gefrorenem Fleisch-, Früchten und Gemüsen, aus Teneriffa für London, sowie aus Kleidungsstücken. Fm Mo­ ment der Explosion stieg eine Wassersäule bis zur Spitze 'des Schornsteins empor und das Wasser färbte sich- wie Tinte, ein Beweis da­ für, daß das Wasser in die Kohlenräume ge­ strömt ist. Auf den drahtlosen Hilferuf hin, kamen ftanzösische Torpedobowte und ein Schleppdampfer, die dem "Takiomaru" aber keine Hilfe mehr bringen konnten. Er sank 1 Stunde 40 Minuten nach der Explosion. Amsterdam, 3. Februar. Einige Schifffahrtsgesellsch-aften in Dublin haben ihre Ab­ fahrten eingestellt. In Belfast sind starke Vor­ sichtsmaßregeln ergriffen worden. Neun Ka­ nalpassagierdampfer und 14 Frachtdampfer wa­ gen es nicht, den Hafen zu verlassen. Der Krieg mit England. Tie Furcht vor den deutschen Unterseebooten. Tie Engländer sind aus Furcht vor den Angriffen der deutschen Unterseeboote völlig kopflos geworden. Tie Frachtsätze sind umdas Fünffache gestiegen, ebenfalls die Ver­ sicherungsquoten. Ter Handel stockt, doch die englische Admiralität weiß sich zu helfen. Einen ehrlichen Kampf zwar scheut sie, dafür gibt sie einen Geheimbefehl heraus, die englischen Handelsschiffe sollen unter neutralen Flaggen ────────── Aus den Kolonien. Ein unaufgeklärter Zwischenfall in Portngiesisch«-Angota. WTB. Berlin, 3. Februar. (Amtlich,.) Ueber blutige Vorgänge an der Grenze von Teutschd-Südwestafrika und Angola, wobei 3 Teutsche, ein höherer Bezirksbeamter und 2 Offiziere, auf portugiesischem Gebiete getötet wurden, sind jetzt Mitteilungen in die deutschen Blätter gelangt. Tie Nachrichten stammen vom Oktober 1914. Ter Tod der drei Deut­ schen ist durch die kurze amtliche Nachricht aus Windhuk nunmehr bestätigt. Ueber die näheren Umstände des Vorfalls ließ sich je­ doch trotz vielfacher vergeblicher Versuche, mit Windhuk darüber Fühlung zu gewinnen, noch nichts ermitteln. Tie Bemühungen zur Auf­ klärung der Angelegenheit, namentlich, zur Feststellung der Schuldftage, werden fortgesetzt. Slu-s Südafrika. Pretoria, 3. Febr. Reuter meldet Gegen Piet Trödler, einem Enkel des Prä­ sidenten Krüger und Parlamentsmitglied der Partei Herzogs, wird das Hauptverfahren we­ gen "Verrats" eröffnet. — Der Geistliche Steenkamp ist wegen "Verrats" zu sechs Mo­ naten Gefängnis ohne Zwangsarbeit verurteilt worden. ────────── Russischs Verfügung. , Warschau, 3. Februar. Wie der Warfzawska Tneumik berichtet, ist von dem rus­ sischen Oberkommandierenden eine Verfügung getroffen, daß alle deutschen Kolonisten aus dem Gouvernement Plotzk ausgewiesen wer­ den. Tie Deutschen erhielten Befehl, inner­ halb 6 Tagen nach! Empfang der Benachrich­ tigung das Land zu verlassen. Ganze deutsche Familien reisen eilig nach! den.nun zur An­ siedelung bestimmten Orten im Innern Ruß­ lands ab. ────────── Und der Frau und Erwin freundlich zu­ nickend, führte sie, gleich! einem Engel der Barmherzigkeit, den Kleinen mit sich fort. Erwin von Voß aber stand da und sah ihr mit so entzückten Blicken nach, als wäre sie eine Erscheinung aus xiner andern Welt. "Erwach' — erwach' Tu Menschenkind, Daß Dich der Lenz nicht schlafend find'!" hallte es in feinem Herzen wider, und sin­ nend, mit einem glücklichen Lächeln auf dem frischen Antlitz, nicht rechts noch links sehend, setzte er seinen Weg fort, bis dieser ihm an einer Straßenbiegung durch, einen schlanken, hochgewachsenen Herrn verstellt wurde und eine klangvolle Stimme seinen Namen rief: "Erwin! — Ei, das nenne ich aber eine freudige Ueberraschung! Guten Morgen, alter Junge — wie geht es Dir? Du machst ja bei diesem gräßlichen Wetter ein so verklär­ tes Gesicht, daß man glauben könnte, Tu hät­ test in der Lotterie gewonnen oder eine schon sehnlichst erwartete Erbschaft angetreten." Erwin schüttelte ihm erfreut und mit kräftigem Drucke die Hand. "Ach, nichts von alledem, Kurt!" seufzte er mit komischem Augenaufschlag. "Ich gab mich im stillen allerhand ZukunftspEnen hin." "Na, ganz gleich, alter Junge — wenn es Dir sonst nur gut geht! Und Deinem Aus­ sehen nach scheint das ja der Fall zu sein!" rief lachend der Freund, dessen vornehme Er­ scheinung trotz der Zivilkleidung auf den ersten Blick den Offizier verriet. "Ja Du, — Du hast gut spotten!" klagte Erwin, mit einem Vorwurfsvollen Blick die schlanke Gestalt des Freundes umfassend. "Ich, glaube, ich, könnte mich kasteien und so viele Sorgen haben, wie Zaare auf dem Kopfe, es würde meinen Taillenumfang auch! nicht um einen Zentimeter verringern." "Armer Ticker! Doch gräme Dich nur nicht; noch kannst Du es immerhin ein Weil­ chen mitansehen, ehe Tu Dich einer Entfet­ tungskur unterziehst. Aber seit wann bist Tu denn in Parkhof?" "Seit gestern." ■ "So, und Tn ahntest natürlich nichts von meiner Nähe?" "Natürlich! nicht, da ich Dich in Berlin glaubte." "Ich bin seit fast acht Tagen in Rein­ stein," erwiderte der Freund, und sein eben noch so ftohes Gesicht nahm einen ernsten, fast düsteren Ausdruck an. (Fortsetzung folgt.) ^ sich zu betn Kleinen und bestürmte ihn mit Fragen. Aber die einzige Antwort, die sie erhielt, war nur ein schluchzend hervorgesto­ ßenes: "Mutter — wo ist Mutter?" "Ich! werde ihn auf die Polizei bringen. Tas arme Würmchen kann doch hier in dem scheußlichen Schneewetter nicht stehen bleiben; es ist ja fast schon halb erfroren," sagte Erwin und faßte entschlossen des Kleinen Hand. Ta stand plötzlich dicht neben ihm eine vornehme junge Dame in elegantem dunkel­ blauem Tuchkostüm, und eine sanfte Stimme fragte, was es mit dem jammernden Kinde für eine Bewandnis hätte. Tie redselige Frau gab ihr sofort die ge­ wünschte Auskunft, während Erwins Augen wie gebannt an dem lieblichen Antlitz der jungen Dame hingen, die aber seine Bewun­ derung nicht bemerkte, da ihre ganze Aufmerkfamkeit dem hilflosen Kinde gewidmet war. "Weine nicht Enger, Tu armer Kleiner! Ich! nehmd Tichl mit mir, und dann suchen wir Deine Mutter," tröstete sie und trocknete Mit ihrem Batisttuche das tränenfeuchte Gefichtchen, das sich unter der sanften Berührung und den liebreichen Worten bald aufhellte, |a sogar zu einem glücklichen Lächeln verzog. "Siehst Tu — so, nun gib mir Deine Patschhand und komm!" ►— ────────── Der Krieg zwischen OesterreichUngarn, Serbien und Montenegro. Flieger über Belgrad. Nach! Meldungen aus Semlin haben unsere Militäraviatiker in den letzten Wachen wieder­ holt Aufklärungsflüge über Belgrad unternom­ men. Erst in den letzten Tagen haben unsere Piloten als Antwort auf die in den serbi­ schen Blättern erschienenen Spottartikel auf unsere Luftschiffer Bomben geworfen und mit diesen Kasernen und andere militärische Ge­ bäude beschossen. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. Bon der türkis,chjeu Flotte. Ter "Berl. Ztg. am Mittag" wird aus London geschrieben: Hier eingetroffene, vom 13. Januar datierte Privatbriefe aus Kon­ stantinopel besagen, daß die Kreuzer "Sultan Jäwus Selim" und "Midilli" in jenen Tagen am Bosporus wieder kreuzten. Reuter knüpft daran die sehr richtige Bemerkung, daß die beiden Schisse also nicht dienstunfähig seien und meint, sie seien in Konstantinopel als Hauptwaffe für die Beaufsichtigung der dor­ tigen Lage zurückgehalten worden. (Z.) ────────── teinlehrer diese lateinische Unterhaltung ge­ hört Hütte, er würde trotz der vermutlich! hane­ büchenen grammatischen Schnitzer seine helle Genugtuung gehabt haben. Im Kriege kann man eben tausend Tinge nützlich! anwenden, die man längst in einen Winkel gepackt hatte. Tie schwarze Mutter Gottes von Czenstochau sah von der Wand herab aus unsere Unterredung über polnische Revolutionskirchen und das müchitige hölzerne Kruzifix, das aus Köln stammen sollte. Eine alte ganz ver­ krümmte und verhuzzelte polnische Bäuerin lag auf den Knien vor dem Bilde. Sie hob ihre Arme inbrünstig zu der schwarzen Maria. Ich verstand ihr Gebet nicht. "Für ihren Sohn" sagt der Geistliche. Mhonchn war erstaunlich! sauber. Tie Wege waren mit gelbem Sand bestreut, jeder Unrat zur Seite gekehrt. Eben, da wir un­ serem Erstaunen Luft machten, kam der Orts­ kommandant und meinte, "ja, sie mögen es jetzt auch> nicht mehr leiden, es kommt ihnen so fremd 'vor. Es war aber eine schwere Arbeit, das durchzusetzen." Tie Dorfjugend hatte sich um uns ver­ sammelt. Ich! gab einem kleinen, niedlichen Mädel ein Stückchen Schokolade. Tie machte einen Knix, tief und anmutig und küßte mir — ich mochte wollen oder nicht, — die Hand. Tziekw je bardzo. Ich danke sehr. Sie war eine arme Polin. Sie wird dem die Hand küssen, den sie für den Herrn hält, wie ihre Schwester und Brüder auch. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Tages-Uebersicht. Erfrpplichier Gesinnungsumschlag in Rordschchäswig. Tem "Essener G.-A." wird ge­ schrieben: Was die lange Friedenszeit nicht an der nordschleswigischen Bevölkerung sertig zu bringen vermochte, hat auf einmal, wie durch ein Gotteswunder, der Krieg be­ wirkt. Tie ganze Bevölkerung, fast ohne Aus­ nahme, ist sich> plötzlich! ihrer deutschen Na­ tionalität bewußt geworden. Tie dänischen Versammlungen sind seit dem Kriegsausbruch! gänzlich von der Tagesordnung verschwunden. Tie Kriegspflichtigen sind alle ohne Zögern zu den Waffen geeilt, auch, haben sich viele Kriegsfreiwillige gemeldet. Wie aus den Feld­ briefen in der Zeitung "Flensborg Avis" er­ sichtlich ist, haben die nordschleswigischen Krie­ ger auch mit den ursprünglich Teutschen treue Kameradschaft geschlossen. Bemerkungen tote; "Unser Unteroffizier aus Posen, Sachsen usw. ist ein lieber Mensch, uns ein treuer Kamerad jusw.", konnte man wiederholt lesen. Tie Zu­ rückgebliebenen haben ebenfalls ihr deutsches Empfinden durch reichliche Liebesgaben für die Krieger ,und Geldspenden für das Rote Kreuz bewiesen. Sie haben sich würdig den übrigen Teutschen zur Seite gestellt Ihre "dänischen Versammlungshäuser" haben sie teilweise in Lazarette umgewandelt. So hat vorerwähntes Blatt kürzlich berichtet, daß die verwundeten Krieger in den schönsten hellen Räumen des Sonderburger Versammlungs Hauses mit Zufriedenheit ihrer Genesung ent­ gegensehen. Es sind ebensoviele Nordschleswiger für Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden, wie es anderswo ge­ schehen ist. Zuletzt soll noch! das Schönste erwähnt werden. In dem kleinen Torfe Ket-, tingskops auf Alsen (etwa 20 Gehöfte) haben sich! die Landwirte zusammengeschlossen, um die Beflaggung zum Kaisers Geburtstage zu regeln. Wie aus dem "Flensborg Avis" vom 22. Januax ersichtlich ist, haben am genann­ ten Tag nicht weniger wie 12 Fahnen gewehte Es ist wohl das erste Mal, daß da auf Pri­ vathäusern deutsche Fahnen wehten. — Jetzt hat man als Alsener wirklich, Ursache, stolz auf seine Landsleute zu sein. Was die deutsche Obrigkeit — auch! mit Milde und Nach­ sichtigkeit nicht — bei der dänischen Bevölke­ rung fertig bringen konnte, das hat der Krieg mit seinen Schrecken und die Angst um das Vaterland erreicht. Möge dieser Gesinnungs­ umschwung nach, dem Kriege die schönsten Früchte tragen. Gewinnung der Zuckernaichprovukte zu Fnttewnittolzwecken. Ter deutsche Landwirt­ schaftsrat hat dem "Berl. Lokalanz.'" zufolge bei den zuständigen Behörden des Reiches und der Bundesstaaten folgende Anträge gestellt:, 1. Zulassung der steuerfreien Abgabe des Nach­ produktes bei der Zuckerfabrikarion in unvergälltem Zustande als Futtermittel; die Vor­ schrift der Vergällung könne beim Nachpro­ dukt ohne Bedenken fallen, da es nach! seiner Beschaffenheit für die menschliche Nahrung nicht in Betracht komme und deshalb ein Miß­ brauch, nicht zu befürchten sei. 2. Tie Vor­ schrift, daß die gesamte MelassE nur zu Füt­ terungstzwecken Verwendung fitnben darf und daß zu diesem Zweck die Zuckeerfabriken von ihren kontraktlichen Verpflichtungen, ihre Me­ lasse den Entzuckerungsanstalten zur Verfü-, gung zu stellen, entbunden werden. Ta die Campagne der Zuckerfabriken sich .ihrem Ende nähere, sei dringend geboten, daß diese Maß-, nahmen so schnell wie möglich im Interesse der deutschen Viehstände getroffen würden. Tie Upberfirllnng des Hafens von Ge­ nu,». Nachdem der Bundesrat die Herausgabe von Privatwaren erlangt hat, die in Genua mit Order oder Konossements bis 31. Dezember anlangten, wird heute offiziell gemeldet, der Hafen von Genua sei wegen Anhäufing von Waren seit dem letzten Samstag für die über­ seeische Ausfuhr geschlossen. (Z.) Ein Komödiant. Ter Pariser Theaterdi­ rektor und Schauspieler Antoine wirkte am Sonntag in einer patriotischen Nachmittags­ vorstellung mit und benutzte die Gelegenheit, sich bei dem französischen Publikum zu ent­ schuldigen, daß er in früheren Jahren sich be­ müht habe, es mit den Vertretern deutscher Kunst bekannt zu machen. Er schloß unter dem Beifall des Publikums, indem er erklärte: "Hauptmanns Sohn besuchte mich! und am Abend plauderte er mit meinem eigenen Sohn unter der Lampe über Literatur und Kunst. In dieser Stunde stehen beide an der Front auf einer anderen Seite der Barrikade. Ich! habe meinem Sohne gesagt: "Wenn Du ihm begegnest, töte ihn ohne Erbarmen!" (Z.) Verstimmung in China. Tie Peters­ burger "Nowoje Wremja" meldet aus Peking: Tie diplomatischen Kreise verfolgen mit Span­ nung die Entwicklung des japanischnchinesischen Konfliktes. Ta China die letzte japanisch« Note nicht beantwortete, erzwang der japa­ nische Gesandte sich eine längere Unterredung mit Auanschikai. Er warnte China kategorisch, vor der eingeschlagenen Richtung in der Schantungfrage. Tie chinesischen Blätter machen in den schärfsten Wendungen England ver­ antwortlich, für Japans Auftreten. Tie Rü­ stungen in China werden mit Energie betrie­ ben. Nach, einer Pekinger Mewung des Rjetsch überreichte China dem russischen Gesandten eine zweite Protestnote gegen die russisch-mon­ golischen Vereinbarungen über Eisenbahnen und Telegraphen in der Mongolei. (Z.) ────────── Bayerische Nachrichten. Entwichen sind aus dem Regensburger Gefangenenlager vorgestern abends die zwei kriegsgefangenen Franzosen Albert Jaggimin, geboren am 23. Juni 1893, Infanterist des 31. Regiments, 1,75 Meter groß, kräftig ge­ baut, hat kastanienbraune Haare, kleines Schuurrbärtchen, und Georg Frottot, geboren am 21. Februar 1893, Infanterist des 82. Regiments, 1,62 Meter groß, ziemlich, schwäch­ lich!, hat schwarzbraune Haare und kleinen Schnurrbart. Beide sprechen nicht deutsch, sol­ len im Zivilleben Beamte gewesen sein und haben bei ihrer Entfernung vermutlich! Zi­ vilkleider getragen. ────────── Passa», 3. Februar. (Tas Fest der silber­ nen Hochzeit) 'konnte gestern Herr Schneider­ meister und Vorsitzender der Niederbaherischen Handwerkskammer, Georg Lasser von hier, be­ gehen. ────────── Namen meiner Führer und fand Glauben. Sofort wurde ich, natürlich zum Beobachtungs­ posten unserer Artillerie beordert. Man sah in der Tat, genau so wie ich! angenommen hatte, von dort den hohen Baum nur mit seiner obersten Spitze über die vorgeschobene Höhe wie einen Busch! gucken. "Ten hatten wir gestern schon unter Feuer." "In der weitesten Entfernung, die ge­ nommen war, aber noch! 250 Schritt zu kurz." Unser Flieger wurde gerufen. Ich be­ schrieb ihm meinen Weg. Gleich, ging er hoch und kreuzte über der jenseitigen Höhe. Mittlerweile ergriffen die Mörser das Wort. Eins. — Zwei. — Tret. — Sss. — Sss. — Sss. Tie Taube kam zurück. Ich hatte gut gekundschaftet und die Bat­ terie vorzüglich geschossen. Nun hatten wir Ruhe und konnten schon am folgenden Tatz weiter vorstoßen. Wenn es mir vergönnt sein sollte, wie­ der im Zirkus auftreten zu können, dann wirst du eine neue Nummer von mir belachen können —: "Ter dumme August vor dem Feind." Er ist drei Tage bei mir gebfieben. j Baum hockte, als ob das immer mit mir so gemacht werden müsse. Brosss. Wie eine Hormsse sauste die Granate. Ich, überschlug mich tote oorSchmerz bei dem Schuh und streckte alle Vier. Ta warfen sie mir meine Lumpen zu, gaben mir einen Tritt und ließen mich! querfeldein ziehen. Nach einer Stunde kam ich! aus die Straße, die nach! Beaurieux führt und fühlte mich schon halb geborgen. Allein da erwischte mich, noch zuguterletzt ein Lancier und stellte ein Verhör mit mir an. "Charles, Charles, Charles!" Das war mein Spruch. Er ritt langsam dahin und ich mußte gleichen Schritt mit ihm halten. Ta pfiffen uns aus einmal die Kugeln derBahern um den Kops. Sein Pferd bäumte auf, daß sich, der Sattelgurt lockerte. Schnell sprang er ab, zog es hinter einen Baum und gab mir die Zügel. "Nun," denke ich da, "kannst du wieder einmal zeigen, daß der dummeAugust so gewandt ist, wie der beste Voltigeur bei Sarasani", gab dem Lancier einen Stoß, sprang auf und raste unseren Posten zu, die mich um ein Haar niedergeknallt hätten. Da sie mich, trotz meiner Beteuerungen und meines geläufigen Deutsch,, auch für einen Spion hiel­ ten, ging es mir bis zur nächsten Feldwache nicht gerade rosig. Dort beschrieb ich dann die Stellung meiner Kompagnie, nannte die Der dumme August vor dem Feind. Von Valen tin Traudt. Nachdruck verboten. (Schluß.) Ich hielt den Zwieback hoch und lachte. Es war ein Riese von einem Turko, der mich festhielt. Da ging wieder ein Schuß los. Ich! brummte wie ein Bär und wankte. Der Turko verstand mich, nicht. Ter Soldat durfte offenbar seinen Platz nicht verlassen und zeigte nur nach der Gegend, aus der geschossen wor­ den war. Ich! lachte ihn an und schlich weiter. Bei dem nächsten Schuh fiel ich um und war für den Posten nicht mehr da. Nun kroch! ich bis zur Waldlichtung und sah vor Mir einen Kalksteinbr«ch, in dem die Batterie Stellung genommen hatte. Tausend Schritt hinter dem Merkbaum, sagte ich« mir, schlug wie ein Hase vor dem Hund einen großen! Haken und kam an einem Zipfel, der tief in das Tal zurückreichte, aus dem Wald. "Spion! Spion!" Wieder hatten sie mich!. "Charles!" Ich wurde bis auf das Hemd ausgezogen und untersucht, wobei ich die tollsten Possen machte und mich endlich halbnackt hinter einen ────────── Landsdut, 4 Februar. —* Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde dem Fliegeroffizier Herrn Leutnant Hermann Kraft, früher im hiesigen Jnfanteriebataiklon, für besondere Leistungen und tapferes Verhal­ ten im Felde, verliehen. —* Das Eiserne Kreuz erhielt Herr Kunstmaler Selter von hier, Reservist im 2. Ref.-Jnf.-Regt. für hervorragende Leistungen im Patrouillendienste. —* Das Luitpoldkreuz wurde dem Oberforstrat Herrn Andr. Abele an der K. Re­ gierung von Niederbayern verliehen. —* Ersatzmannschaften sind am letz­ ten Dienstag beim hiesigen Ersatzbataillon ein­ gerückt. Es waren 280 Mann, von denen 200 im Schulhaus St. Nikola und 80 Mann im Leiderersaal untergebracht worden sind. —* Tie Wahl der Distriktsräte für die Wahlperiode 1915/17 findet, soweit es sich um Vertreter der Gemeinden handelt, am Samstag, den 13. Februar in allen Gemeinden des hiesigen Distriktes statt. —* Die 2. Präfektenstelle ifm K3 Erziehungsinstitute für Studierende wurde dem geprüften Lehramtskandidaten der Phil, histo­ rischen Fächer, Josef Kaiser aus München, in widerruflicher Weise übertragen. —* Kriegsspende. Tie Freie Vereini­ gung l. d. I. hat in ihrer letzten VersamMilung beschlossen, als Kriegsspende 100 Mark zu leisten und hiervon je 50 Mark dem Stadt­ magistrat zur Unterstützung der Angehörigen von Kriegern und dem Solanushaus zur Ver­ wundetenpflege zuzuwenden. —* Militärische Jugenderziehung Am 13. und 14. Februar findet hier für die Führer der Jugendwehren ein einmaliger Füh­ rerkurs statt, um ein rasches Einleben x der Richtlinien und einen gleichmäßigen Unter­ richtsgang zu erzielen. —* Ein Waggon Liebesgaben ging gestern von der Sammelstelle bei Herrn Kauf­ mann Mühldorfer hier an das LandsturmBataillon Passau 2 im Osten ab. Tie Sendung enthielt auch 14 Kisten, die vom Roten Kreuz gestiftet waren. —* Tie E i s g e w i n n u n g ist gegenwärtig in vollem Betrieb. Das Eis, das bereits eine Stärke von 20 Zentimeter besitzt, wird in schweren Fuhren zu den Aufbewahrungsräu­ men gebracht, um dort für die Sommerzeit aufgespeichert zu werden. —* Wochenbericht der Kreissa in­ nre lstell e vom Roten Kreuz. In der letzten Woche des Januar konnte erfreulicher­ weise auch reichlicher Liebesgabeneingang ver­ zeichnet werden: 33 Hemden, 5 Beinkleider, 481 Paar Socken, 46 Leibbinden, 17 Hand­ tücher, 6 Taschentücher, 24 Bettücher, 6 Kopf­ kissen, 8 Jacken, 24 Bezüge, 3 Decken; 8 Ser­ vietten, 200 Meter Leinwand, 200 Paar Puls­ wärmer, 22 Paar Fußlappen. 374 Stück Zigar­ ren, 28 Paar Ohrenschützer, 87 Schneekappen, 10 Tabakspfeifen, 66 Paar Handschuhe, 23 Paar Kniewärmer, Schokolade und Bonbons. An Geldspenden sind 393.75 Mark eingelau­ fen. Seit einigen Wochen bleiben Spenden an warmen Hemden und Hemd st offen fast ganz aus. Gerade diese Kleidungsstücke sind für unsere Truppen in der jetzigen Jah­ reszeit sehr notwendig, weshalb an die Landshuter und Kreis-Bevölkerung die dringende Bitte gerichtet wird, rechtbald solche Sachen schenken zu wollen. Auch Nahrungs- und Genußmittel sind sehr erwünscht. —*3. Vaterländisch esKonzert der Landshuter Liedertafel am Sonntag, 7. Februar 1915 im Rathausprunksaale. Tie der Landshuter Liedertafel seitens der verwun­ deten Krieger für das letzte ihnen zu Ehren veranstaltete und so erhebend verlaufene Va­ terländische Konzert zugegangenen herzlichen Tanffchreiben veranlaßten den Ausschuß, auch das nächste Konzert den Verwundeten zu wid­ men. Von den übrigen wird sich, dieses Kon­ zert baburd), unterscheiden, daß fünf bedeuten­ de auswärtige Künstler durch ihre Mitwirkung der Veranstaltung eine Mannigfaltigkeit ver­ leihen, wie sie wohl noch niemals ein hier ge­ gebenes Konzert aufzuweisen hatte. Fräulein Auguste Kroitz, sine hier als vorzügliche Piani­ stin wohlbekannte, aus Landshut stammende Künstlerin, und Fräulein Frieß, welch, beide auch, in München einen ausgezeichneten Ruf besitzen, werden mit hier seit langem nicht mehr gehörten -Vorträgen für zwei Klaviere erfreuen. Herr Simon aus Franffurt a. M. verfügt über einen großen, markigen Bariton. Am meisten fesseln werden größtem Gertrud Schuster-Woldan, welche trotz - ihrer Jugend überall, wo sie auftrat, besonders in Berlin und München, begeisterten Beifall erntete, und nicht zuletzt Adalbert Ebner aus Augsburg, welcher Durch seinen herrlichen, geschmeidigen und mannhaften, an den unvergeßlichen Vogl erinnernden Tenor und durch die seelische Tiefe des Vortrags sich, überall stürmischen Dank der Zuhörerschaft erwarb. Da das Rein­ erträgnis des Konzertes kriegswohltätigen Zwecken zugewendet wird, darf wohl, wie das letzte Mal, auf einen vollbesetzten Saal gerech­ net werden. ────────── Stimmen aus dem Publikum. (Die Redaktion übernimmt für Einsendungen unter Mr tt Rubrik dem Publikum gegmüBer feine Verantwortung.) Verhaltungsmaßregeln beim Robeln. Nicht zu zweien fahren, wer nicht gut rodeln Farm, weil der Truck zu stark ist, allein wird zricht leicht ein Unfall vorkommen. — Nie Hie Füße auf die Schlittenkufen stellen,, weil da ant ehesten ein Fuß gebrochen wird. — Wer umwirft, rasch aus der Bahn und den Schlitten mitnehmen. — Nicht auf der Ro­ delbahn bergauf gehen, sondern auf dem Ne-, benwege. — Sich den Anordnungen fügen, selbst zur Ordnung mithelfen, nicht nur im­ mer schimpfen, da es ja in jedermanns eigen­ stem Interesse ist, wenn Ordnung herrscht. — Links vorfahren und rechts ausweichen. — Speziell werden die Zuschauer ersucht, nicht in die Rodelbahn hinein zu gehen, sondern s hinter dem Rodelaufgangsweg zuzusehen, da \ von dort aus die ganze Fahrbahn übersehen I werden kann und nicht wie es am Sonntag | wieder der Fall war, wenn der Ordnungsmann | die Leute zurückdrängte, immer wieder in die 1 Fahrbahn zu laufen und zu schimpfen. — I Ein Schneedamm wurde übergangen, da ist ! keine Ordnung zu schaffen. — Keine kleinen 1 Kinder an Tagen fahren zu lassen, an denen ; die Bahn stark besetzt ist. — n— ────────── Letzte Posten. Die Sühne per Ermordung des österreichischen | Thronfolgers. I WTB. Serajewo, 3. Februar. Heute ! früh wurden int Hofe des Festungsgefängnisses ! Beljko, Cabrilovic, Mieko Jooanopic undTa| nilo Jlic, die im Hochverratsprozeß zum Tode I verurteilt waren, hingerichtet. Tie Hinrich| tung vollzog sich, ohne Zwischenfall. Tie gleichi falls zum Tode verurteilten Jakob Milowic J und Nedjo Kerovic wurden begnadigt. Tie I Todesstrafe wurde in lebenslänglichen, bzw. i 20jährigen schweren Kerker umgewandelt. I Princip, der Mörder des Erzherzogs, der be­ kanntlich. wegen seines jugendlichen Alters j nicht zum Tode verurteilt werden konnte, er- hielt eine 20jährige Kerkerstrafe. Tie vjcrmißtc englische Garde. London, 4. Februar. Wie "Daily Chronicle" erfährt, werden seit den letzten Kämp­ fen bei La Bassee leinhalb Kompagnien der britischen Garde vermißt. 3l4 Fischn» amtpfrr verloren. London, 4. Februar. Ter Grimsbyer Fischdampfer "Earl Howard" wird mit der | Besatzung verloren gegeben. Es ist der 341 | Grimsbyer Fischdampfer, der seit dem Beginn des Krieges verloren gegangen ist. Die Angst vor dtzm deutschen Unterseebooten, treibt in England erstaunliche Blüten nach folgender Meldung: London, 4. Februar. Meldung der "Central News": Shipping Gazette setzt eine Belohnung von 500 Pfund Sterling für die Bemannung desjenigen Handelsschiffes aus, das zuerst ein deutsches Unterseeboot zum Sin­ ken bringt. ────────── Literarisches. DieKreuzerschlacht in den chileni­ schen Gewässern bedeutet einen glänzenden deutschen Sieg über das "meerbeherrschende" Albton. Daß es kein Zufallssteg der Uebermacht, wie die Engländer behaupten, sondern ein Sieg ist, der durch klug überlegte Vorbereitung eingeleitet und durch entschlossene Schnelligkeit des Handelns durchgeführt wurde, zeigt Graf Reventlow in einem interessanten Artikel in Nummer 48 der "Gartenlaube", dem acht Abbildungen beigefügt stnd, darunter das Porträt des tapferen Geschwader führers Grafen Spee. Wir können stolz fein auf die Leistung des deutschen Ad­ mirals, der alle Eigenschaften gezeigt hat, die den erfolgreichen Führer zur See ausmachen. Aus der Feder Oberstleutnant Frobenius', des berühmte« Verfassers von "Des Deutschen Reiches Schiüsalsstunde", erscheint jetzt unter dem inhalt­ schweren Titel "Durch Not und Tod" im Doppelverlag TempSky-Wien und Freytag Leipzig eine Serie höchst packender Schilderungen aus dem gegenwärtigen Weltkriege. Bis jetzt sind zwei Bände des vornehm ausgestatteten Werkes zur Ausgabe ge­ langt. Der Text bietet meisterhafte Schilderungen verschiedener markanter Abschnitte aus dem Kriege und mit geschickter Auswahl sind sowohl die be­ deutendsten Momente aus den Kämpfen der deutschen wie der österreichisch ungarischen Armee herausgegriffen. Bei der Beschaffung des Materials wurde Oberst­ leutnant Frobenius von seinem Sohne, betn bekann­ ten Maler, dessen Künstlerhand der wirkungsvolle, in den Farben des Deutschen Reiches und der Mo­ narchie gehaltene Umschlag zu danken ist, aufs beste unterstützt. Die in Form und Inhalt gleich bedeut­ same Veröffentlichung darf des Interesses weitester Kreise des gebildeten deutschen Lesepubltkums stcher sein, um so mehr als der bescheidene Preis von 1 Mark = 1.20 Kronen per Band oder 25 Pfg. — 30 Heller per Lieferung in keinem Verhältnisse zu dem inneren Werte des Werkes steht. Wachtfeuer. Das soeben erschienene 14. Heft, das erste des 2. Quartals des "Wachtfeuer", Architektur-Verlag, G. m. b. H., "Der Zirkel", pro Heft 20 Pfg., enthält: Johannes Trojan "Zum neuen Jahr" — Cornelius Gurlitt "Durchhalten" — Emtl Pottner "Der englische Reinecke Fuchs — Hans Balufchek "Hampelmarmverkäufer" — Erich Büttner "Neujahrsgruß an England" — Ernst Bischofs Culm "Ohne Heim" — Reent Looschen "Totwund" — Brinkmann "Gardefüselter Plischkat mit dem indi­ schen Rahja". Das Feldbüchl für den Schützen­ graben von Rechtsanwalt Dr. Robert Bandorf, Kriegsfreiwilliger, München. Verlag Jos. C. Huber, Dieflen vor München. Einzelpreis 25 Pfg. Von einem Soldaten für seine Kameraden geschrieben schildert es den gesamte» Verlauf des Weltkrieges in einer schlichten, aber jeden Soldaten begeisternden Sprache. Aber auch für uns, die wir zu Haufe tag­ täglich in den Zeitungen die Kriegsereigntffe verfol­ gen, ist das Büchlein äußerst lesenswert; denn es lehrt zum erstenmal die Zusammenhänge der Er­ eignisse. Wiener Mode. Das soeben erschienene neue Heft dieses großen ModeblatteS bringt zur rechten Zeit Anregungen zur Berufskleidung, schöne, einfache, geschmackvolle Kletdschürzen, Kleider, Anzüge. Auch ein Berufskletd soll Zeugnis von dem persön­ lichen Geschmack ablegen und die Modelle der "Wiener Stöbe“ sind an Kleidsamkeit nicht zu über­ treffen. Man abonniert die "Wiener Mode" k« jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlage, Wien VI/2, Gumpendorferstraße 87, zum Preise von 3.50 Kronen (3 Mark) pro Quartal. ────────── Inserate.