Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-03-17. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 60, 1915-03-17. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 074 17. März 1915 ────────── erbitterten Kämpfen unter großen Verluste« für Ven Kein- zurückgeschlagen. Nach dem Eingreifen weiterer Verstärkun­ gen ging der Gegner abermals auf diesen Höhen vor, griff in dichten Massen im Laufe des Nachmittags dreimal unsre dort stehenden Kräfte an und erlitt wieder schwere Verluste. Das Infanterie-Regiment "General der Kavallerie Tankt Nr. 53" hielt dem wieder­ holten Ansturm feindlicher Kräfte heldenmütig stand; alle Angriffe wurden blutig abgewie­ sen. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Bulgarien «uv der Treivcrban». Von besonderer Seite gehen der "Tägl. Rundschau" aus Sofia Mitteilungen zu, denen wir folgendes entnehmen: Vor kurzem haben trotz aller offiziösen Ableugnungen Rußland, England und Frankreich gemeinsam Schritte getan, um Bulgarien zum Eingreifen auf ihrer Seite zu veranlassen. Es war das gewisser­ maßen der letzte Versuch, bei dem die schärf­ sten Mittel angewandt wurden, aber er hat sich trotzdem als ein Versuch am untauglichen Objett erwiesen. Noch einmal wurden der bul­ garischen Regierung zunächst die lockendsten Versprechungen gemacht und als das nichts fruchtete, erfolgte die Drohung mit einem rus­ sischen Einfall und mit der gänzlichen Auf­ teilung Bulgariens zwischen Rumänien, Ser­ bien und Griechenland. Selbstverständlich ver­ fing diese Drohung noch weniger, da der Um­ stand, daß sich der Dreiverband genötigt sieht, zu solchen Mitteln zu greifen, deutlich erken­ nen ließ, wie nötig er die Unterstützung der Balkanstaaten braucht, um mit der Türkei fer­ tig zu werden. Eine ähnliche diplomatische. Aktton Englands lies nebenher. Der bulgari­ sche Gesandte in London, Mischew, berichtet, daß ihm Sir Edward Greh wörtlich gesagt habe: "Man weiß bei uns, daß Bulgarien ein Doppelspiel treibt. Bei jeder Gelegenheit ver­ sichert die bulgarische Regierung ihre Neutra­ lität, aber wir haben Kenntnis davon erhalten/ daß sie ihre Gunst den Zentralmächten zuwen­ det. Wir haben nichts dagegen, daß Bulgariendas tut, wenn sich das mit seinen Interessen deckt, aber wir verlangen, daß Bulgarien offen Farbe bekennt. Sie wissen, daß sich England um die Schaffung eines starken Bulgariens, bemüht hat; aber bei der heutigen Lage kann es weder mit dem, was Bulgarien unter sei­ nem Interesse versteht, sympathisieren, noch, sich zu dessen Schutz seinen eigenen Bundes­ genossen widersetzen." Im größten Teil der bulgarischen Presse hat dieses unerhörte Auf­ treten der Diplomaten des Dreiverbandes eine gewaltige Entrüstung erzeugt, die ungeschminkt. erkMrten Absichten Rußlands aus den Besitz Konstantinopels haven überdies denjenigen Balkanpolitikern, die überhaupt zu sehen fähig sind, bisher aber noch auf Seite des Dreiver­ bandes standen, die Augen geöffnet. Tie Be­ geisterung für Rußland und England, die noch, vor kurzem in vielen Kreisen anzutreffen war/ ist vollständig abgeflaut. Wer heute noch für blinde Gefolgschaft im Schlepptau des Drei­ verbandes schwärmt, hier wie anderswo, steht einfach im Bann des rollenden Rubels. (S> Griechenland bleibt neutral. Aus Kopenhagen wird dem Berliner"Lok.Anz." gemeldet: Ter griechische Gesandte in Paris teilte Telcasse offiziell mit, die neue griechische Regierung beabsichtige keine Aen­ derung der bisherigen Politik Griechenlands. ────────── Für jede Familie. ist eine der wichtigsten und unerläßlichsten Notwendigkeiten das Abonnement auf cmc moderne Tageszeitung. Zuverlässig muß sie sein, weil jeder Leser einen Anspruch darauf hat, daß der Inhalt seiner Zeitung die Ereignisse der Zeit getreu und unentstellt wiedergibt. Reichhaltig muß sie sein, damit der Leser getreu über alle Ereignisse m dem jetzt tobenden furchtbaren Kriege unterrichtet ist. Diese Vorzüge vereinigt der ist eine der wichtigsten und unerläßlichsten Notwendigkeiten das Abonnement auf cmc moderne Tageszeitung. Zuverlässig muß sie sein, weil jeder Leser einen Anspruch darauf hat, daß der Inhalt seiner Zeitung die Ereignisse der Zeit getreu und unentstellt wiedergibt. Reichhaltig muß sie sein, damit der Leser getreu über alle Ereignisse m dem jetzt tobenden furchtbaren Kriege unterrichtet ist. Diese Vorzüge vereinigt der Mer für NiederAyern. Er bietet seinen Lesern einen vorzüglichen Nachrichtendienst, der es -chm ermöglicht, alle Meldungen von Wichtigkeit gleichzeitig oder gar früher als selbst die hauptstädtischen Blätter zu veröffentlichen. Jede Postanstalt und Postbote vermittelt den Bezug unseres Blattes, das viertel­ jährlich und auch monatlich bestellt werden kann. Wir können also ohne Ueberhebung behaupten: Der "Kurier für Niederbayern" ist sur jede Familie bas geeignetste Matt! ────────── WTB. Berlin, 16. März, mittags. — (Großes Hauptquartier.) Gestern nachmittags wurde berichtet: Bericht des deutschen Hauptquartiers. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Tie englische Höhenstellung bei St. Eloi südlich von Apern, um die seit vorgestern gekämpft wurde, ist in unsern Händen. Am Südhang der Lorettohöhe, nordöst­ lich von Arras, wird um eine vorspringende Berglage gekämpft. ‘ In der Champagne brachen mehrere fmn» zösische Teilangriffe in unserem Feuer unter starken Verlusten zusammen. Nördlich- von Beausejour entrissen unsre Truppen den Franzosen mehrere Gräben. In den Argonnen und am Ostrande der­ selben kam es zu Gefechten, die noch andau­ ern. In den Vogesen wird an einzelnen Stel­ len weitergekämpft. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Beiderseits des Orzyc, nordöstlich- Praßnioz, griffen die Russen an. «io wurden überall abgewiesen. Besonders erbittert war der Kampf um Jednorozek , 2000 russische Gefangene blieben in unsern Händen. , Südlich- der Weichsel nichts zu melden. Oberste Heeresleitung. Irr Kreuzer "Dresden" verloren. Berlin, 16. März.Amtlich wird von der britischen Admi­ ralität bekannt gegeben, daß die englischen Kreuzer "Kent" und "Glasgow" und der Hilfs­ kreuzer "Orama" im Stillen Ozean bei der Insel Juan Fernandez auf Sr. Maj. Kleinen Kreuzer "Dresden" gestoßen seien. Nach- kurzem Kampfe geriet die ,;Tresden" durch die Explosion einer Munitionskammer in Brand und sank. Tie Besatzung soll von den englischem Kreuzern gerettet worden sein. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes goz. Bohnke. Heute früh wurde telephonisch gemeldet: Ile Kämpfe der Oesterreich«. WTB. Wien, 16. Aiärz. Mittags. Amtlich- wird gemeldet: Angriffe stärkerer feindlicher Infanterie aus unsre Stellungen östlich Sulejow und bei, Lopuszno an der Front in Polen wurden ab­ gewiesen; ebenso scheiterten mehrere Nachtan-t griffe, die die Russen im Raume bei Gorlice durchführten. Bei der Abwehr dieser Angriffe, brachte die eigne Artillerie durch flankierendes, Feuer aus nächste Distanz dem Feinde schwere, Verluste bei. In den Karpathen hielt gestern an dem größten Teil der Front nur Geschützkampf an.Auch an den Stellungen nördlich des Uzsoker-, Passes herrschte nach den Ereignissen am 14j März verhältnismäßig Ruhe. , Tor Gegner erlitt in den Kämpfen die-, ses Tages große Verluste. Von sen vordersten russischen Abteilungen wurden zwei Bataillone vernschitet, 11 Offiziere und 1650 Mann < gefangen genommen und drei Mafchinengv-, wehre erbeutet. In der Gegend nordwestlich von Whszkow, eroberten eigne Abteilungen eine Höhe untz nahmen 380 Mann | gefangen. Sie hielten trotz wiederholter ruf-, sischer Gegenangriffe die gewonnene Stellung; Tie Schlacht südlich des Dnjestr dauert an. Ter von starken russischen Kräften auf den Höhen östlich Otthnia in Richtung Kolomeq versuchte Durchbruch wurde in mehrtägigen, ────────── Der Kreuzer "Dresden" verloren. Berlin, 16. März.Amtlich wird von der britischen Admi­ ralität bekannt gegeben, daß die englischen Kreuzer "Kent" und "Glasgow" und der Hilfs­ kreuzer "Orama" im Stillen Ozean bei der Insel Juan Fernandez auf Sr. Maj. Kleinen Kreuzer "Dresden" gestoßen seien. Nach- kurzem Kampfe geriet die ,;Tresden" durch die Explosion einer Munitionskammer in Brand und sank. Tie Besatzung soll von den englischem Kreuzern gerettet worden sein. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes goz. Bohnke. Heute früh wurde telephonisch gemeldet: ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Eine Frage für Äricgshistoriter. Ter Kopenhagener "Politiken" schreibt: Eine interessante Frage für künftige KriegsHistoriker werde sein, ob General Joffre Mitte . September stark genug gewesen sei, um mit den erforderlichen Opfern die deutsche Li­ nie zu durchbrechen, die damals bedeutend schwächer gewesen sei als jetzt. Tie deutsche Front sei jetzt so stark, daß nach eigner An­ gabe der Franzosen Kämpfe während eines ganzen Monats in der Champagne erforder­ lich gewesen wären, um ein Gebiet einzu­ bringen, das zwei Kilometer tief und sieben Kilometer breit sei. (Z.) Tie Absperrung des Oberclsaß gegen die * Schweiz. Aus Basel wird dem "Lok.-Anz." zur Ab­ sperrung des Oberelsatz, gegen die Schweiz ge­ meldet: Wer sich dem Trahtzaun - ob hü­ ben oder drüben — unbefugt auf mehr als 2Ö Meter nähert, auf den wird geschossen, des» gleichen auf jeden, der sich^durch Zurufe oben Zeichen mit einer Person auf der anderen Seite zu verständigen sucht. Ausnahmsweise kann Beamten, Aerzten, Geistlichen und Heb­ ammen die Erlaubnis zum Ueberschreiten der, Sperre an bestimmten Turchlaßstellen erteilt werden. Geringe Mengen von Lebensmitteln, Waren usw. können vom Süden nach Norden/ nicht umgekehrt, von Zivilpersonen bis auf 20 Meter an die Sperrlinie herangebracht und dann von Soldaten den Adressaten jenseits der Sperrlinie eingehändigt werden. Wer mit solchen Sendungen Briefe oder sonstige Mit­ teilungen über die Sperrlinie zu schmuggeln versucht, wird erschossen. (Z.l ────────── Unsere Auslandskreuzer. Tic Versenkung des "William P. ,>ri)e". Ter "Daily Telegraph" meldet aus Was­ hington, daß der deutsche Botschafter sich zur Regierung begeben und sein Bedauern über« das Jngrundbohren des "William P. Frhe" durch den ,,Prinz Eitel Friedrich" ausgespro­ chen habe. Aus diesem Schritte des Bot­ schafters gehe überzeugend hervor, so sagt der Korrespondent des "Daily Telegraph", daß Deutschland Willens sei, Genugtuung zu ge­ ben und daß die deutsche Regierung dem Kom­ mandanten des "Prinz Eitel Friedrich" für den Vorfall einen Tadel aussprechen werde. Ter Botschafter habe noch erklärt, daß dem Kommandanten des Hilfskreuzers die Prisen» Verordnung nicht bekannt gewesen sei, welche ant 3. August durch die deutsche Regierung er­ lassen wurde und durch die festgestellt wurde, daß die Konsignierung von Nahrungsmitteln nach befestigten Hafenplätzen noch kein genü­ gender Grund sei, die Nahrungsmittel als Konterbande zu behandeln: die Prisengerichts­ ordnung vom 3. August habe die Bestimmun» gen der Londoner Deklaration geändert, wo­ nach der deutsche Kapitän gehandelt hätte. (Z.) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Wir dip Russen hausen. Laut "Köln. Ztg." berichtet das hollän­ dische Blatt "Tijd": In Galizien setzten die Russen bei ihrem Einfall vier Jesuitenpa­ ter gefangen. Unterwegs sei einer von ihnen totgeschlagen worden. Zwei andere seien in einer Kirche zu Lemberg erschossen worden. In einem Teil Galiziens seien etwa 250 Ein» wohner durch die russischen Truppen vor die Wahl gestellt worden, entweder dem Katholi» zismus zu entsagen oder den Tod zu erleiden. Später seien alle getötet worden. (Z.) Kohlennvt in Rußland. Petersburg, 15. März. Ter "Rjetsch" zufolge hat die Petersburger Stadtverwaltung Maßregeln zur Beseitigung der herrschenden« großen Not an Feuerungsmitteln und nament­ lich des Mangels an Kohlen ergriffen. Er-forderlich sind monatlich etwa 1300 Waggons Kohlen; geliefert wurden im Monat Februar nur 96 Waggons. ────────── Nf ugrtippiprung der scrbffchen Sireitträfte. Aus Sofia wird gemeldet: Tie "Prava", erfährt aus Niseh, daß seit Sonntag der Per­ sonenzugsverkehr in ganz Serbien auf Ver­ fügung des Hauptquartiers bis zum 17. März eingestellt worden sei; zweifellos stehe dies mit einer Neugruppierung der serbischenStreitkräfte in Zusammenhang. Der Krieg zwischen Oesterreich-Ungarn, Serbien und Montenegro. ────────── zukommen und die Blinen wegzuräumen, wur­ den durch die Wachsamkeit und ein wirksames Feuer der Verteidiger vereitelt. Ter der «esichretzung. Laut "Köln. Ztg." erklärt der Madrider "Jmparcial", es sei wohlunterrichteten mili­ tärischen Kreisen bekannt, daß der Entschluß mit der Beschießung der Dardanellen vorzuge­ hen, auf den Einfluß des Schatzkanzlers Lloyd George zurückzuführen sei, der aus finanziellen Gründen auf baldige Beendigung des Krieges drängt. Ter englische und der französische Kriegsminister, sowie Greh hätten Bedenken wegen der Verzettelung der Kräfte geäußert, die Lloyd George jedoch zum Schweigen brachte. (3.) ────────── Japan und China. 2it chinpsisch-japanischen Verhandlungen. China soll an Japan das Recht zur Aus­ beutung der Südmandschurei und bis 1917 die Schürfrechte der Bergwerke eingeräumt ha­ ben. Dadurch wird Japan zur meistbegün­ stigten Nation. Trotzdem ist Japan noch nicht zufrieden. Aus zuverlässiger Quelle verlau­ tet, daß Japan 27 000 Mann japanischer Trup­ pen bereits in China gelandet oder sie einge­ schifft oder zur Einschiffung bereit habe. — Uuanschikai teilte Freunden mit, daß er die Lage für hoffnungslos ansehe, und daß er bezüglich der Verhandlungen mit Japan mut­ los sei, da China schon bis zum Aeutzersten gegangen sei. Es soll noch ein dritter Apell an England gerichtet werden. (Wettere Nachrichten siehe "Letzte Posten".) ────────── Sekunden dauerte es, bis die 'Erdklumpen und die Stückchen wieder aus der Luft zurückkehr» ten. Ter Boden war weich, wir bekamen nur ein wenig Schmutz ab. Rechts und links, bald näher, bald weiter funkte die russische Bat­ terie, die — jetzt schien es sicher — die deut­ schen Reserven am Nachrücken hindern wollte^ Denn die deutsche Infanterie ging just vor, das rasende Feuer schwieg, und gerade,, als wir den Torfrand wieder — einigermaßen froh immerhin — erreicht hatten, ließ die russi­ sche Artillerie die Kanonade allmählich ein­ schlafen. Der Hügel 205 war in deutschem Besitz, 500 Gefangene sielen bei erbittertem Gefecht in unsre Hand. Wieder stellte ich die große moralische Wirkung der ganz schweren Artillerie fest. Es ist durch die ununterbrochene dreistündige Beschießung der Mulde und des Dorfrandes, soweit mir bekannt wurde, kein einziger Ver­ lust bei uns eingetreten. Die Reserven läge» an andrer Stelle. Aber ich kann mir vorstel­ len, wie schwer es sein muß unter solchem selbst Ergebnislosem Artilleriefeuer still aus­ zuhalten. Ter Befehl zum Vorgehen muß eine Erlösung sein. Tie Reserven sammeln sich. Unsre Ar­ tillerie, die uns bisher überschössen hatte/ machte Feuerpause. Wir konnten weiterfah» ren. Tie Straße nach Lipsk und nach der Seenge vor Augustowo, der Rückzugsstraße des 25. russischen Korps. Immer wieder zur Lin­ ken dröhnten in großen Pausen die Kanonen von Grodno. Aus den Dörfern in der Feuerlinie zogen die Bauern mit Sack und Pack, mit Schlitten und Wagen landeinwärts. Tie bunten Kopftücher der Frauen leuchteten. Es war wie ein Zug aus der Völkerwanderung. Ueber die trümmerbesäte Straße, die von der russischen Artillerie noch erreicht wurde,, vorbei an mit aller Kraft trabenden Munft» tiouskolonnen, sauste das Auto Augustowo zu. Zur Rechten stand der Waldrand von Wolkusz, hinter dessen Schleier 7000 gefallene Russen lagen. Tausend Meter Batteriesalve", hatte mir der Hauptmann erzählt, war das erste Kommando. "900 Meter, 800 Metex . . . und die dichten braunen Kolonnen sanken, ver»suchten immer wieder den Durchbruch und fielen." Ich sah nach dem Waldrand, bis die Stra­ ße selbst wieder die Spuren des Rückzuges des 26. Korps auf jeden Meter zeigte. Der ganze große Wald vor Augustowo und alle die Straßen an seinem Rande sind ja nichts' als stumme Zeugen eines gewaltigen, schweren Kampfes und eines Sieges, der mit Anstrem gungen und durch Leistungen erfochten wurde, die in der Kriegsgeschichte einmal erst später in ihrer ganzen Größe richtig gewürdigt wer» den können. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Heulen der Lust wurde stärker, eine Granate krepierte ganz in der Nähe. Ter russische Ge­ genstoß aus Grodno war in voller Kraft. Nach der Niederlage in Ostpreußen und bei Wolkucz hatten die Russen stärkere Kräfte nach Grodno geworfen. Tas 15. russische Korps das bei Tannenberg vernichtet worden war, — der damalige kommandierende General Mar­ ios war in unsre Gefangenschaft geraten — hatte man jetzt, nach einem halben Jahr, wie­ der neu aufgestellt. Dies neue Korps und andre russische Kräfte stießen von Grodno aus jetzt zum zweitenmale auf unsre Linien. Tas Gefecht schien im Höhepunkt zu stehen. Tie Leitung hatte fürsorglich ein Auto bereitstellen lassen. Endlich konnte ich wie­ der in die Feuerlinie unserer im schweren Kampfe ringenden Truppen. Wir fuhren die direkte Straße auf Grodno; bei einem stei­ nen Torf mußte das Auto halten, die russischen Granaten schlugen ein paar hundert Meter weiter vorwärts ein. Ter Kampf ging ym 1 die Höhe 205 bei Racieze, die die Straße nach Lipsk und nach Sopockinie beherrscht. Das Ge­ lände ist stark hügelig, schon kurz vor Sopockü nie beginnt die erste Hügelreihe, von der man weit in das dunkelgrüne Waldland hinein sieht. Hier vor Racicze geht die Bodenwelle allmähliche in die Höhe, aber der eigentliche be­ herrschende Punkt ist dann ziemlich steil. /Sein Besitz ist von ausschlaggebender taktischer Be­ deutung für die ganze Stellung. Wir gingen an unsern Batteriestellungen vorüber, um eine Hügelkuppe zu gewinnen, vor der unsre Infanterie vorging. Man hörte das unregelmäßige Schnellfeuer der Infanterie, dazwischen schrien unsre Geschütze und die gro­ ßen 21-Zentimeter^Granaten der Russen heul­ ten durch die Lust. Wir mußten durch eine Bodensenkung. Nach links lagen noch ein paar armselige Gehöfte. Alle Augenblicke schlug dort eine der schweren Granaten ein, daß die schwar­ zen Erdfontänen nur so aus dem Torfrand herauszuschießen schienen. Wir gingen schnell vorwärts, denn die Hügelküppe vor uns war von Granaten noch nicht belegt. Etwa hundert Meter waren wir von unserm Ziel entfernt, da erschienen Schrapnellwolken etwa auf dem jenseitigen Abhang. Tie nästche Ladung war 50 Meter näher. Wir hielten. Tas Gewehr­ feuer knatterte jetzt rasend schnell vor uns, russische Gewehrgeschosse, die blauen Fliegen summten mit diesem Ton wie große Brum­ mer an uns vorüber. Tie nächsten Schrapnellwolken erschienen auf der Hügelkuppe. Hier war nicht vorwärts zu kommen. Tie Russen schienen in der Bodenwelle deutsche 9tefer? ven zu vermuten, denn sie begannen jetzt eine heftige Beschießung des Tales, das wir durch» schreiten mußten. Vierzig Meter vor uns stieg eine haushohe Granatengarbe auf, dann wie» der das Heulen, wir warfen uns nieder, dies­ mal waren es dreißig Meter. Ich zählte: zwölf ────────── dem ganzen Zauber des entzückend schönen Ei­ landes, aber doch allein — mutterfeelen allein,' und mehr als das: getäuscht, betrogen in ihren heiligsten Gefühlen. Sie gedachte der toten Eltern, die einst vor Jahren sich hier kennen und lieben ge­ lernt hatten. Sicherlich waren auch sie hier oben auf dem "Königsstuhl" gewesen und har­ ten sich gemeinsam des herrlichen Anblicks ge-/ freut. Gemeinsam, nicht so wie sie und Kurt, sondern vereint in Liebe, in himmelhochjauch» zender Liebe und Seligkeit. Eine tiefe Hoffnungslosigkeit hatte sich' ihrer bemächtigt, seitdem sie jene Unterhaltung mit angehört hatte. Er liebte eine Andere — ihr Kämpfen und Ringen um seine Liebe würde vergebens sein, vergebens! Unwillkürlich schweiften ihre Blicke hin zu ihm. ────────── Bayerische Nachrichten. Vergehen gegen das Kriegszustandgesetz. Ter Wirt Willibald Brunner in München, der durch seine Tochter, die Schreinersfrau Anna Riendl in seiner Gastwirtschaft Weißbrot für die Gäste in einem Körbchen auflegen ließ, wurde ebenso wie seine Tochter zu zwei Ta« gen Gefängnis verurteilt. < Erhängt hat sich im Aborte des Laza« retts in Ingolstadt gestern ein gefangener Franzose. Derselbe hatte die Nachricht bekom­ men, daß sein Haus in Flammen aufgegangen -und seine Frau bei der Katastrophe mitvervrannt sei. Dies regte den Mann derartig auf) daß er freiwillig aus dem Leben schied. ────────── Allerlei. Ter fälsche Bürgermeister Vor dem Schwurgericht in Köslin fand litt den letzten Tagen die Verhandlung gegen den früheren Kreisausschußassistenten Heinrich Thormann, bekannt als "Bürgermeister Tr. Alexander" wegen Betrugs in mehreren Fällen, schwerer UrkundenMschung in einer ganzen Reihe von Fällen, Führung eines falschen Na» mens und unbefugter Annahme der Doktor­ würde, statt. Tie Hauptanklage geht im we­ sentlichen dahin, daß er sich durch falsche Pa­ piere nach und nach zur Stellung eines Bür­ germeisters in Köslin und gleichfalls durch Fälschungen Vermögensvorteile verschafft fyatj Thormann ist noch verhältnismäßig jung, er wurde 1885 zu Osterrode ,i. O. als Sohn des Eisenbahnschlossers Richard Thormann gebo­ ren. Er ist wegen Betrugs bereits einmal und zwar mit 4000 Mark Geldstrafe vorbe­ straft. Nach seiner Erziehung im Potsdamer Militärwaisenhaus kam er zu verschiedenen Landratsämtern und 1907 auch auf Grund eines gefälschten Einjährigenscheines zum Kom­ munalverband Niederbarnim, wo er wegen Be­ trügereien entlassen und vom Gerichte zu 4000 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Hierauf tauchte er als Tr. jur. Heinrich Thormann Ende August 1909 als juristischer Mitarbeiter bei den Magistraten Schmargendorf, Neukölln und Brandenburg auf. Hier wurde er auf Grund des gegen ihn erlassenen Steckbriefes festgenommen, aber, da er die Staatsanwalt­ schaft zu täuschen wußte, wieder freigelassen^ Wald darauf trat er als Tr. Alexander als juristischer Hilfsarbeiter in Weißenfels und 11911 beim Magistrat in Bromberg ein. Hier verlobte er sich mit der Tochter des -Eisen» bahndirektionspräsidenten Gertrud Pedell, die Ehe ist aber inzwischen gerichtlich geschieden worden. Am 16. September 1913 wurde "As­ sessor Tr. Alexander" zum Bürgermeister in Köslin gewählt, durch Allerhöchsten Erlaß vom 29. Oktober 1913 bestätigt und am 20. No­ vember 1913 in sein Amt eingeführt. Alle diese Schwindeleien waren nur dadurch möglich, daß nie die Originalzeugnisse eingefordert wur­ den. Ter Angeklagte spielte auch vor dem Gerichte, wie bereits des öfteren während der Voruntersuchung, den wilden Mann. Das Ur­ teil lautete auf 10 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. ────────── Haushalten werden unsere Vorräte reichen. Sparen hauptsächlich an Mehl. In dieser ern­ sten Zeit kommt es sogar aus einen Kochlöffel voll Mehl an. Man dürfe jetzt nicht mehr fragen "können wir uns das leisten", sondern "brauchen wir das". Vergeudete Nahrungs­ mittel sind gleich verlorener Munition. Eine gewisse Verminderung findet schon dadurch statt, daß bisher in manchen Kreisen zu viel genossen worden ist. Wir sollen weniger essen, dafür aber besser kauen. Ter Aufruf zum Sparen gelte jeder deuffchen Frau und jedem Mädchen, das im Haushalt tätig ist. Jede Köchin hat dieselbe Pflicht, mit den Lebens-, Mitteln zu sparen. Aber auch die Herrschaft ihat die Pflicht, nicht bei den Dienstmädchen/ die im Frieden treu gedient, jetzt das Sparen zu beginnen. Das Sparen soll vor allem im Verzicht auf liebgewordene, aber nicht not­ wendige Tinge liegen. Unsere tapferen Käm­ pfer im Felde müssen aus alles Verzicht leisten. Da ist das, was uns zugemutet wird, doch nuy eine Kleinigkeit. Die Mütter sollen den Kin­ dern wieder die Ehrfurcht vor einem Stück, Brot lehren. Mit einem nochmaligen begeister­ ten Appell an alle Frauen zu treuem Zusam­ menstehen im Aushalten und im Haushalten schloß die Rednerin, der lebhafter Beifall den Dank der Versammlung zum Ausdruck brachte, den Herr Oberbürgermeister Hofrat Marschall noch besonders in warmen Worten erstattete. Er fügte zugleich an, es sollen alle einig und fest vorgehen und gegen jene wenigen, die in ihrem Unverstand gegen alles räsonieren, bei allen Gelegenheiten Front machen, dann werde alles sicher zu einem guten Ziele füh­ ren. Mit einem begeistert aufgenommenen. "Heil Deutschland" schloß der Herr Lberbür-. germeister die Versammlung. * Atlantis, Gerhart Hauptmanns fes­ selnder Roman für die Lichtbildbühne verar­ beitet, wird heute mit Freitag einschließlich in den Krön Prinz lichtspie len seine große Anziehungskraft nicht verfehlen. Was die Lichtspielkunst im Verein mit berufenen Schauspielern hier vollbracht hat, darf mit Recht als vollwertige Leistung bezeichnet wer­ den, die der Anerkennung würdig ist. Tie Tar< steiler haben sich mit selbstloser Hingabe und Opferfreudigkeit ihrer schwierigen Aufgabe un­ terzogen. Diesem Umstande ist es in erster Linie zu danken, daß der kühne Wurf ge­ lungen ist. Daneben muß hervorgehoben wer­ den, daß die Aufnahmen fast sämtlich mit gu­ tem Geschmack und sicherem Blick für die Film­ wirkung gewählt sind. Welche Fülle von Ar­ beit, welche technische Vollendung fordert solch ein Riesenfilm von ca. 2500 Meter Länge. Gilt es doch, allen, denen Hauptmanns Roman un­ bekannt ist, den Inhalt seines Werkes durch die kinematographische Darstellung zu vermit­ teln. Es sei hier nur der großen Momente gedacht, die in ihrer greifbaren Wirklichkeit den Zuschauer zum Miterleben drängen und ganz in den Bann des Stückes hineinziehen ~ z. B. der Vision des Tr. o. Kammacher,' der Hauptfigur des Romans. Er durchwan­ delt im Traum an der Seite seines Freundes die versunkene Stadt Atlantis, die in märchen­ haftem Zauber dem Grunde des Meexes ent? steigt. Ten Glanzpunkt jedoch bildet der Un­ tergang des Riesendampfer "Roland", der bei dichtem Nebel infolge Zusammenstoßes mit einem Wrack ein Raub der Meereswogen wird.. Hier hat die Phantasie ihre höchsten Triumphe gefeiert. Die schauerliche Tragödie, die in ihren einzelnen Phasen lebhaft an den grauen­ vollen Untergang der "Titanic" erinnert, ist mit einer geradezu verblüffenden Lebenswahr­ heit zur Darstellung gebracht: Mit realistischer Deutlichkeit sieht man die Wogen in den Leib des Riesenschiffes eindringen, man erlebt die fürchterliche Panik, welche die mit dem Tode ringenden Passagiere ergreift, man sieht, wie das stolze Fahrzeug von Minute zu Minute tiefer und tiefer sinkt, während sich an Bord die ergreifendsten Szenen abspielen und jeder rücksichtslos um das nackte Leben kämpft, bis schließlich der Koloß in den gurgelnden Fluten verschwindet, um in der Tiefe des Ozeans sein Grab zu finden. Einige wenige Rettungs­ boote treiben auf der endlosen Wasserfläche, bis ihnen nach langer Irrfahrt Hilfe naht. Von einem Frachtdampfer werden die Schiffbrüchi­ gen gastlich aufgenommen und nach Newhork gebracht. Unter ihnen befindet sich Friedrich o. Kammacher, der dann im Hause seiner Freunde das furchtbare Schicksal zu vergessen sucht. Im Atelier des Bildhauers Ritter lernt er später dessen Schülerin Nttß Eva Bruns kennen, zu der er sich in auftichtiger Liebe hingezogen fühlt. An ihrer Seite geht ihm nach vielen schweren Prüfungen und Schick­ salschlägen ein neues, schöneres Leben auf. Stimmungen von starker künstlerischer Wir­ kung, atemberaubender Spannung wechseln mit allerlei fesselnden und unterhakenden Szenen und schaffen ein klares Bild der Handlung und der mannigfaltigsten Ereignisse. Zu den hei­ teren Episoden gehören die Darbietungen des bekannten armlosen Künstlers Arthur Stoß, dessen Geschicklichkeit staunenerregend wirkt. Al­ les in allem bedeutet Hauptmar.ns "Atlantis" im Film wieder einen bewunderungswürdigen Fortschritt in der Kinematographie und werden diese künstlerischen Tarbietungen unserm schö­ nen Lichtspielhause gewiß in diesen Tagen manch volles Haus erringen, zumal ein Auf­ schlag in den Eintrittspreisen, wie dies bei solchen kinematogräphischen Ereignissen in Friedenszeiten der Fall zu sein Pflegt, nicht erfolgt. Näheres über Beginn der Vorstellun­ gen usw. siehe Inserat. ────────── Letzte Posten. Tas lefcfcc Opfer der "Dresden". Ter Kleine Kreuzer "Dresden" hat am 27. Februar bei der Insel La Mocha an der chilenischen Küste die Londoner Bark "Comwah Castle" in Grund gebohrt. Tie Mannschaft des Schiffes ist in Valparaiso angekommen. Nojch ein deutscher Soldat in Frankreich ver­ urteilt. Genf, ,17. März. Vom Kriegsgericht in Chalon sur Marne wurde der deutsche Soldat Otto Reutter, der bei den Kämpfen in der Champagne gefangen genommen wurde, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Es war die übliche Anklage aus Raub und Plün­ derung, von denen er angeblich in seinem Tagebuch Auszeichnungen gemacht hatte. (Z.) Bom Unterserbootskricg. Amsterdam, 17. März. Ter Nieuwe Courant meldet: Auf der Insel Amelandin Nordholland ist ein Boot angespült worden mit der Auffchrift "Kitth York". Am Strande wurden ferner Säcke mit Mehl angespült, die dieselbe Auffchrift trugen. Augenscheinlich handelt es sich um ein untergegangenes eng­ lisches Tampffchiff. . (3.) 2'cr Personenverkehr am Kanal eingestellt. Berlin, 17. März. Ter englisch-fran­ zösische Personenverkehr über den Kanal ist eingestellt und die Route Helston—Brest eröff­ net worden. Eine neue englische Gemeinheit. London, 17. März. Die "Times" be­ richtet in einem durch besondern Truck hervor­ gehobenen Artikel, künftig die Besatzungen von in den Grund gebohrten deuffchen Untersee­ booten nicht mehr zu retten, sondern als außer­ halb der Kriegsgesetze stehend, einfach ihrem Schicksal zu überlassen. ────────── Inserate.