Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-03-18. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 61, 1915-03-18. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 075 18. März 1915 ────────── Tages-Übersicht. Aussährverbot. Wie die Blätter melben, ist ab heute die Schweinefleischausfuhr aller Art aus Holland verboten. Nortvegischer Schisfsarbeitcrstrcik. Sämt­ liche Lotsen und Steuermänner des Bergener Lotsenverbandes sind gestern in den Ausstand getreten, da sie sich! wegen der Minengefahv weigern, die Küstengewässer zu befahren. Tie Zahl der nach England bestimmten Schiffe, die festliegen, nimmt ständig zu. Im Streik der Hafenarbeiter von Trontheim soll ein Ein­ greifen der norwegischen Regierung bevor­ stehen. (Z.) ────────── Der Krieg. Vor den Dardanellen ist es jetzt ruhig ge­ worden. Die Türken haben sich dort wacker gehalten und den Verbündeten 11 Schiffe der­ art beschädigt, daß sie aus dem Gefechte schei­ den mußten? Einige Minensucher und zwei Kanonenboote der Feinde liegen auf dem Grunde der Dardanellen. Verluste an Ma­ terial und Menschen hat also den Verbündeten der Angriff auf die Dardanellen gekostet und doch, haben sie nicht einmal ihren politischen Zweck erreicht. Gestern nachmittags wurde berichtet: 3!tn Westen wurde die Bergnase am Südhange der Lorettohöhe, um die schon zwei Tage mit den Engländern gerungen wurde, von den Unsern in Besitz genommen. Tie Wichtigkeit dieser Höhe geht schon aus der zähen Verteidigung derselben hervor. In der Champagne haben die Franzosen bei Perthes und Le Mesnil ihre Angriffe wieder erneuert, aber ebenso ohne Erfolg, wie bisher. Bei Le Mesnil griffen dann abends die Franzosen mit starken Kräften nochmals an und der Kamps dauert noch an, wie auch in den Argonnen. Bei Vauquois gelang es unsrenTruppen die Franzosen von einem von ihnen be­ setzten Hang herunterzuwerfen. In den Vo­ gesen fanden nur Artilleriekämpfe statt. Im Osten wurde es in Nordpolen nach dem eiligen Rückzug der Russen auf Grodno etwas ruhiger. Dafür wurde der Schwerpunkt der Kämpfe auf Praßnicz verlegt, wohin die Russen große Verstärkungen geworfen hatten, vor denen unsre Truppen Praßnicz aufgeben und sich fast bis zur Grenze zurückziehen muß­ ten. Doch weiter kamen die Russen nicht mehr.» Im Gegenteil, unsre verstärkten Truppen er­ griffen jetzt die Offensive und warfen die Rus­ sen bis 4 Kilometer vor Praßniez zurück, wo­ bei sie innerhalb 6 Tagen 8200 Gefangene machten. Trotzdem machen die Russen noch immer neue Turchbruchsversuche, die aber stets unter schweren Verlusten für den Feind .zur­ rückgeschlagen werden. Auch bei Tauroggen, wo es jetzt längere Zeit still war, wurde gestern von einem schwachen Vorstoß der Russen ge­ meldet, der aber abgewiesen wurde. Tie Oesterreicher haben in Südpolen und Westgalizien russische Angriffe abgewiesen. Ebenso scheiterten russische Vorstoßversuche bei Whszkow. Ein Vorstoß russischer Infanterie östlich von Ezernowitz scheiterte im Feuer der Oesterreicher. Unsre Unterseeboote lassen sich durch alle englische Drohungen nicht abhalten und ar­ beiten tapfer und mit Umsicht weiter. Täglich mehren sich die Meldungen von feindlichen Schiffsverlusten. Trotz falschen Flaggen und Uebermalung der englischen Schiffe mit frem­ den Farben wissen unsre Unterseebootsleure mit sicherm Blick die feindlichen Schiffe heraus­ zufinden. Tie Lage in Italien ist noch nicht geklärt. Während gestern gemeldet wurde, es seien erst Vorverhandlungen angebahnt, wurde gestern berichtet, die Verhandlungen seien bereits in vollstem, befriedigendem Gange. Ja, es wurde sogar schon von Grenzregulierung gesprochen. Tie nächsten Tage werden wohl einige Klar­ heit bringen. ^ ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 17. März, mittags. — (Großes Hauptquartier.) ────────── Westlicher Kriegschauplatz. Der Kampf um die Bergnase am Süd­ hange der Lorettohöhe, nordwestlich, von Arras, wurde zu unsern Gunsten entschieden. In der Champagne westlich, von Perthes und nördlich Le Mesnil griffen die Franzosen tagsüber mehreremale erfolglos an. Am Abend setzten sie nördlich von Le Mesnil zu neuen Angriffen mit starken Kräf­ ten ein. Ter Kampf ist noch im Gange., In den Argonnen sind die Gefechte noch nicht beendet. .Vom Hange südwestlich Vauguois, östlich der Argonnen, wurden die Franzosen, die sich dort vorübergehend eingenistet hatten, herun­ tergeworfen. Im Priesterwalde, nordwestlich von Pont au Moussou scheiterten zwei französische An­ griffe. In den Vogesen fanden nur Artillerie­ kämpfe statt. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Schwache russische Vorstöße auf Taurog­ gen und Laugszargen wurden abgewiesen. .Zwischen Szkwa und Orzhc wurden russi­ sche Durchbruchsversuche zurückgeschlagen. Südlich der Weichsel hat sich nichts ver­ ändert. Oberste Heeresleitung. Heute früh wurde telephonisch gemeldet ────────── WTB. Wien, 17. März. Mittags. — Amtlich, wird gemeldet: In Russisch-Polen und Westgalizien wur­ Die Kämpfe der Oesterreicher. den auch gestern vereinzelte Angriffe des Fein-» des abgewiesen. i An der Karpathenfront keine wesentlichen Ereignisse. In der Gegend bei Whszkow ver­ suchten feindliche Abteilungen durch wieder­ holte Vorstöße während der. Nacht die von unsern Truppen genommenen Stellungen zu­ rückzugewinnen. Die Angriffe scheiterten durch­ weg. Südlich des Tujestr wird stellenweise ge­ kämpft. Die Situation hat sich nicht geän­ dert. Ein Vorstoß feindlicher Infanterie auf das südliche Pruthufer östlich Ezernowitz wur­ de in unserm Feuer bald zum Scheitern ge­ bracht. Ter stellvertretende Chef des Generalstabesr v. Höf er, Feldmarschalleutnant. ────────── gegen halb ß Uhr mit Bajonett im Sturm genommen wurde. "Tic Zeit des LteUnngstricges bald zu Ense." Jrn "Stockholmer Dagbladet" schreibt des­ sen militärischer Mitarbeiter: Ter Krieg ist in$ zu einem Punkte gekommen, wo es für alle gilt, die äußersten Kräfte einzusetzen^ um ein bleibendes Ergebnis zu gewinnen. Nach allen Urteilen ist die Zeit des langen Stel-< lungskrieges bald zu Ende. Tie entscheidenden Feldoperationen werden kaum lange auf sich warten lassen. Tie dreiverbandsfreundliche "Tageus Nyheter" schreibt: Ein Zeichen da­ für, wieweit das Abknappern der Kräfte fort­ geschritten ist, ist die Einberufung der Re­ krutenjahrgänge vor der normalen Zeit. Un­ leugbar bietet Frankreich dabei ein bedenkliches Bild. Tie Ziffern, die für die Kontingente 1914/15 angegeben werden, lassen darauf schlie­ ßen, daß man bei der Musterung auf ein Min­ destmaß der Anforderungen an körperliche Tauglichkeit heruntergegangen ist. Frankreich scheint demzufolge gezwungen zu fein, alle feine Einkünfte an Menschenmaterial zusam­ menzuscharen, während Teutschland noch keine Rekruten vor der normalen Zeit einzurüsten braucht. Tas ist ein Vergleich, der einen ge­ wissen Anhalt gibt, um zu beurteilen, auf welcher Seite der Zermalmungsprozeß am mei­ sten fortgeschritten ist. Tic französischen Kriegskosten int Februar Nach einer Mitteilung Ribots im fran­ zösischen Kammerausschuß betrugen Frank­ reichs Kriegskosten im Monat Februar 1400 Millionen Franken, worin die an die Verbün­ deten geliehenen Summen nicht einbegriffen sind. Tie Einberufung der Jahresklassen 1915. 1916 und 1917 wird die Kriegskosten noch weiter erhöhen. ────────── Der Unterseebootsund Minenkrieg. Gesunkener Transportvampfer. "Taily News" berichten aus Madrid: Ein Telegramm aus Ferral meldet, daß an -der Küste in der Nahe dieses Hafens eine große Anzahl Pferde und Vieh angeschwemmt worden sei, was darauf schließen lasse, daß dort ein großer Transportdampfer gesunken sei. (Z.s Unsre Unterseeboote an »er Arbeit. London, <7. März. (Reuter, amtlich.) Der Dampfer "Fingal" (156.1 Tonnen), der am Dienstag an der Küste von Northumberland torpediert wurde, ist gesunken, 6 Mann sind ums Leben gekommen. Ter Dampfer "Atlan­ ta" (519 Tonnen), der am Sonntag an der Küste von West-Irland torpediert wurde, ist gesunken. Amsterdam, 17. März. Aus Hoek van Holland wird gemeldet, daß die britischen Dam­ pfer "Avoeat" und "Lestris" von der Cork SteamshiP Co. von einem deutschen Unter- ' seeboot verfolgt wurden, das die Verfolgung in den holländischen Territorialgewässern ein­ stellte. Der britische Dampfer "Leeuwarden", auf der Fahrt von London nach Harlingen, wurde vier Meilen südöstlich des Maasleuchtschiffes von einem deutschen Unterseeboot torpediert. Tie 17 Mann starke Besatzung des Dampfers wurde durch ein Lotsenboot nach Hoek van Holland gebracht. Frankfurt, 17. März. Tie "Franks. Ztg." meldet aus London Die Admiralität gibt bekannt, daß auch der Dampfer "Florazawh dessen Torpedierung seinerzeit gemeldet wurde, gesunken ist. Untcrseebootsangriss aus ein englisches Hafen­ boot. Amsterdam, 17. März. "Daily Te­ legraph" meldet, daß das englische Hafenbovt "Kelly" aus Deal am Sonntag abends mit Mühe und Not einem deutschen Unterseeboot entging. Kurz vor 6 Uhr wartete das Schiff in der Nähe von Goodwin Sands auf zwei ankommende Dampfer, die Lotsen aufnehmen mußten. Plötzlich hörte die Mannschaft ein zischendes Geräusch im Wasser, und 25 Meter von ihnen entfernt tauchte ein deutsches Un­ terseeboot auf. Es blieb 10 Minuten an der Oberfläche, woraus es wieder verschwand. Tie Mannschaft ruderte das Schiff näher zur Un­ tiefe und kehrte dann so schnell wie möglich nach Northdeal zurück. ────────── Unsere Auslandskreuzer. Der Untergang des Kreuzers "Tresven". Berlin, 17. März. Aus London wird über Amsterdam gemeldet: Bereits die ersten Schüsse aus den schweren Kanonen der "Glas­ gow" machten die "Dresden" durch die Be­ schädigung des Steuers hilflos, sodaß das eng­ lische Geschwader den kleinen Kreuzer von drei Seiten einschließen konnte. Vergeblich hatte die "Dresden" alle Geschütze bis zu dem Mo­ ment arbeiten lassen, wo der Brand weiteren Widerstand unmöglich machte. Ter Kapitän^ hatte mit der heldenhaften Mannschaft all^ Maßregeln getroffen, damit das Schiff auch für den "Feind verloren ging. Hierzu erfährt der "Lokalanzeiger", von gut unterrichteter Seite, daß die "Dresden" Maschinenhavarie hatte und die Kohlen aus­ gingen. (Z.) ────────── Aus den Kolonien. Kämpfe in Kamerun. Tie englische Verlustliste gibt an, daß ant 8. März der Marineoffizier Ford in einem Gefecht am Niongflusse in Kamerun schwer verwundet worden ist. Eigenartigerweise schweigt aber das englische Kolonialamt über dieses Gefecht völlig, während es sonst spal­ tenlange Berichte veröffentlicht, wenn in Süd­ afrika ein Herero von einer deutschen Pro­ viantkolonne .einen Streifschuß erhalten hat. Es scheint daraus hervorzugehen, daß die Engländer von den deutschen Schutztruppen wieder eine beträchtliche Schlappe zugefügt erhaltlen haben. ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. T«r "Teufel Hinvcnburg". "In Polen," so schreibt Oberstleutnant Rousset im "Petit Parisien", "ist die Schlacht mit neuer Erbitterung aufgenommen worden. Tiefer Teufel Hindenburg besitzt tatsächlich eine außergewöhnliche Kühnheit, in deren Dienst er seinen so sehr gefürchteten Willen stellt. Jetzt versucht er, die Russen zwischen Przasnysz und der Grenze auf beiden Ufern des Orzhe zu formieren, während er gleich­ zeitig an der Piliea wütend angreifen mutz, um die Russen an der Entwicklung ihres linken Flügels zu verhindern. Es werden da unten wahrhaft heldenhafte Kämpfe geliefert, die nur wenige Beispiele in der Geschichte Haben." (Z.) Mafscnvlerabschicdnng russischer Generäle. Von den wegen der Winterschlacht in Ma­ suren zur Disposition gestellten 19 russischen Generälen wurden 12 verabschiedet, darunter zwei Divisionskommandeure. ────────── über die Hälfte der Bevölkerung verliert. In dem Hospital von Ghevgheli fehlte es an Mat­ ratzen und Decken. Kranke liegen in den Klei­ dern. Sieben von zwölf Krankenschwestern und drei von sechs Aerzten sind an Typhus er. krankt. Nisch ist voller Krankheit, meist Ty­ phus. Tie Hospitäler sind überfüllt, Auch in Belgrad herrscht der Typhus, obwohl nicht so schlimm wie in Nisch. In dem serbischen Hauptquartier in Kragujewatz wütet eine schwere Typhusepidemie. Tas Hospital in der Gendarmeriekaserne hat 600 Kranke und eine einzige Schwester. Tie einzige Unterstützung sind österreichische Gefangene. Es herrscht Mangel an Arzneien und Decken und allem, was zur Krankenpflege gehört. Die gleichen Zustände herrschen im ganzen Lande. Es be­ steht ein großer Mangel 'an Hospitälern, so daß es unmöglich ist, die Typhusfälle zu iso­ lieren. Lipton schließt, wohl fein Land be­ finde sich in einer so gefährlichen Lage. Der Krieg zwischen ÖsterreichUngarn, Serbien und Montenegro. Serbien ein Thphuslager. Tie "Daily Chroniele" macht Mitteilungen aus einem Briefe Sir Thomas Liptons an das britische Rote Kreuz über die Lage in Ser­ bien : Es sei unmöglich, die schreckliche Lage zu schildern, in der sich das Land infolge von Armut und Krankheit befindet. Tie Ho­ spitäler seien überall voll Typhuskranker. Tr.Ryan, der die amerikanische Abteilung leitet und etwa 2900 Kranke versorgt, meint, daß wenn nicht bald etwas geschieht, um die Aus­ breitung des Typhus zu verhindern, das Land ────────── Die Türkei im Kriege. Vor den Tarvanellen. Tas Mailänder Blatt "Untone" erfährt aus Athen: In Lemnas sind bis zum Samstag xlf Schiffe der Verbündeten wegen schwerer Beschädigungen durch die türkischen Forts in den Dardanellen eingeschleppt worden. Laut Meldungen von Chios haben ge­ gen Smyrna (wo angeblich feindliche Trup­ penlandungen erfolgt fein sollten) seit zwei Tagen keine ernstlichen Operationen stattge­ funden. In der Stadt und auf den umlie­ genden Höhen wurden türkische Truppen kon­ zentriert, die aus 80 000 Mann gerechnet wer­ den. Tie türkischen Batterien der Forts Dho und Adelphia setzen ihr wohlgezieltes Feuer gegen die feindliche Flotte fort und verhinder­ ten jede Operation. Aus Tenedos wird gemel­ det, daß ein englischer Kreuzer bei dem Herausfchleppen einer Mine aus den Dardanellen auf diese stieß und schwere Beschädigungen er­ litt. Ter ermattete Tardanellenangriff. Konstantinopel, 17. März. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: Heute wurde nichts gegen bie Meerengen unternommen. Ten Eingang bewachten einige feindliche Schiffe. Paris, 16. März. Tas "Echo de Paris" meldet aus Athen: Ter Kreuzer "Amethist" stieß mit voller Kraft bis Nagara vor, wurde dabei aber von drei Granaten getroffen, die 28 Mann töteten und etwa 30 verletzten. ────────── Japan und China. Haag, 17. März. "Central News" mel­ den aus Washington: Offiziös wird hier be­ kannt gemacht, daß Japan in verschiedenen Punkten bei den Verhandlungen mit China nachgegeben habe. So soll von Japan von der Kontrolle über die bei Schantung sich be­ findenden Eisenerzfelder und angeblich auch über die großen chinesischen Eisenwerke zu Hanyaug Abstand genommen worden sein. An­ derseits lege jedoch Japan in Forderungen hochpolitischer Bedeutung nicht die geringste Nachgiebigkeit an den Tag. Auch eine Privatnachricht des "Nieuwe Courant" aus Washington besagt, daß nach dort eingetroffenen Meldungen Japan feine Forderungen wegen des Hinziehens der Ver­ handlungen durch China jetzt noch verschärfte. Japan habe nunmehr auch einen 19jährigen Handelsvertrag mit China verlangt, wodurch japanische Waren in der Südmandschurei und im übrigen China zu Vorzugszöllen einge­ führt werden sollen. (Z.) Tic japanischen Rnstnngsnraßnahmen. . Tas Mailänder Blatt "Sera" meldet aus Tokio: Ter japanische Kriegsminister veröf­ fentlicht den Einberufungsbefehl von vier wei­ teren Reserveklassen und für alle Jahrgänge, der Landwehr. (Weitere Nachrichten stehe "Letzte Posten".) ────────── Sn bitterer Sotdateudienst. Großes Hauptquartier, 6. März. Auf einer Wanderung über ein Schlacht­ feld vor Antwerpen begrüßte mich- ein Unter­ offizier, dem ich- in den Tagen der Belagerung im Kugelregen begegnet war. Ich hatte ihn damals in heißer Stunde als einen aufge­ räumten Mann kennen gelernt. Heute fiel mir feine wortkarge Versunkenheit, seine gedrückte Zurückhaltung auf. Solche Soldaten sieht man nie, wenigstens habe ich- an der Front noch keinen angetroffen. Darum erstaunte mich sein Wesen hier in einem Gebiete, dessen Kriegs­ lage schon der Geschichte angehören, desto mehr. Daher fragte ich ihn nach dem Grunde. "Ach", erzählte der niedergeschlagene Un­ teroffizier, "ich habe heute wieder, zu viel ge­ sehen. Sie müssen nämlich wissen, daß ich jetzt ein bitteres Kommando habe: Totengräber. Wir liegen jetzt in dem Fort, um welches wir damals gerade kämpften, als wir uns be­ gegneten. Ta bin ich eine Art Polizeimeister für die Dörfer der Umgegend. Zu meinen kommen sie aus ihren schon jetzt der Verges­ senheit verfallenen Gräbern in würdige Bestattungsplätze, wo ihre ewige Ruhe nicht mehr gestört werden wird. Sehen Sie, dort drüben ist solch ein kleiner Friedhof." Wir betraten einen Fleck unter Bäumen, nahe der Straße. Auf einem großen schwarzen Holzkreuze hatten deutsche Soldaten in weißen Buchstaben deutsch- gufgemalt, daß hier acht tapfere Belgier liegen, die als Helden für das Vaterland gefallen sind. Weiße Steine um­ friedeten das Geviert, an dessen Ecken vier junge Cypressen düstere Wacht hielten. "Tie hier sind von deutschen Soldaten be­ stattet worden, welche gegen sie im Feuer gelegen haben. Tos sind wir Barbaren. — Ueber jeden Toten nehmen wir ein Aktenstück auf. Wo wir den Namen nicht feststellen konn­ ten, da bekommt er eine Nummer und wir hoffen, daß man vielleicht später erfahren wird, wer er ist. Das ist nun mein Dienst. Es ist harter Soldatendienst, vielleicht per bitterste, den es gibt. Wenn einer die Wahl hätte zwischen frischem Traufgehen oder auch zwischen dem Liegen im Schützengraben, dann würde sich keiner freiwillig melden. Aber es ist Soldatendienst und auch ein Gebot der Menschlichkeit. Wenn es mir am schwersten ist, dann denke ich an die arme belgische Mutter und an die Braut, die um den Mann weinen und daran, daß er ein ta­ pferer Soldat gewesen ist, wie wir auch." Wir kamen an einem alten belgischen Schützengraben vorbei. Wie viele mögen darin verblutet sein! Er bot ein überraschende Bild. Das Korn aus dem ungedroschenen Stroh, welches sie im Herbst züm? Lagern benutzten, war ausgeschlagen und lichtgrün zeichnete sichdie lange schlangenförmige Stellung im grauen Lande ab. Wie lange wird es dauern, bis fruchtbare Saat aus all dem Menschenleid kei­ men wird, was hier gesät wurde! "Gerade heute," sagte mein Begleiter, habe ich wieder so viel gesehen!" Ich fragte nicht weiter. SB. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. redungskunst so wenig ausgeschaltet werden könne, daß ihre persönliche Anwesenheit gebo­ ten sei . Gegen die Rückkehr nach Antwerpen Hatte aber ein ganzer Teil von ihnen das schwerwiegende Bedenken, daß sie Antwerpen His zum Kriege als eine Freistätte angesehen Hatten, nun aber fürchteten, wegen des Bünd­ nisses zwischen Oesterreich und Deutschland von Inns an die habsburgische Monarchie ausgeKiefert zu werden und ihren verabsäumten Mi­ litärdienst dort nachleisten zu müssen. Hier­ über konnten sie durch Vermittlung eines Herrn vom jüdischen Hilfskomitee beruhigt werden. Nun sind schon 20 der Antwerpener Schleifereien wieder im Gange, so daß die Gefahr, diese besonders freizügige Industrie, deren Betriebsrohstoffe in einer Brieftasche transportiert werden können, werde bort Ant­ werpen abwandern, beseitigt erscheint. Prä­ siden hStrandes sprach, die Absicht aus, daß die Antwerpener Diamantschleifer, die es ver­ standen Haben, zu einem beträchtlichen Teile der Bevölkerung zu werden, uns in Zukunft Hier jtur willkommen sein können. Schließlich gemerkte der Präsident über die Zeitungen der Provinz — es erscheinen jetzt hier fünf vlämische und drei französische Blätter >— daß auch diese im allgemeinen der deutschen Verwaltung keine Schwierigkeiten machen. Sie unterstehen selbstverständlich der Zensur, dürfen an Kriegsnachrichten nur die offiziellen — und zwar die deutschen ebenso­ wohl wie die englischen und französischen ver­ öffentlichen, Haben aber das Recht zu weitgeHender Kritik von dem sie verständigen Ge­ brauch wachen. SB. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Obliegenheiten gehört auch das Feststellen und Umbetten der Gräber. Von solch einem Gange komme ich eben. Unsre deutschen Kameraden sind hier allp in Stellungen gefallen, welche in unsren Händjen waren, und sind mit allen Ehren würdig bestattet worden. Aber die Bel­ gier hatten auf der Flucht keine Zeit, sich um ihre Toten viel zu kümmern. Tie haben sie teils notdürftig verscharrt, teils liegen las­ sen, bis sie irgend ein Einwohner mit Erde bedeckt hat. Nun liegen diese Gräber weit und breit verstreut, zum Teil im Gebiete sehr abgelegener Höfe jtrtö müssen von uns aufge­ sucht werden. Man sollte glauben, daß uns hierin, da es sich doch um ihre eignen Landsleute han­ delt, die Einwohner gern unterstützen, zumal wir doch in einem recht freundlichen Verhältnis zu ihnen stehen. Tie Leute müssen sich doch selbst sagen, daß wir eine Menschenpflicht ge­ gen ihre gefallenen Landsleute erfüllen und zum Besten der Gesundheit der lebenden Ein­ wohner arbeiten. Aber dafür haben sie gar kein Verständnis. Wir müssen einen förm!lichen Spionendienst einrichten, um die Lage der Gräber festzustellen. Wird uns wieder eines gemeldet, so muß ich hin und es auf­ suchen. So bin ich oft 40 Kilometer und mehr von einem weit von der Straße gelegenen Ge­ höft zum andern gewandert. Manchmal haben sich die Verwundeten noch weit geschleppt, bis sie ein einsames Haus gefunden haben, wo sie gestorben sind. Was man da hört, man könnte Romane schreiben ... Gewöhnlich stellen sich die Leute, wenn man sie fragt, so an, als ob sie von Gräbern nichts wüßten. Sie fürchten die Störung und die Unbequemlichkeiten. Oft haben sie, trotz unsrer Strafandrohung gegen die Zerstörung von Grabstätten, den flachen Hügel einfach zugepslügt, weil sie fürchteten, ein Stückchen Acker durch das Grab zu verlieren, der tote liegt kaum einen Fuß unter der sprießenden Saat. Ta braucht man doch nicht zu fragen, wo das Grab ist, man weiß es so. . . Tann kommt das Schlimmste, das Oeffnen der Grube und das Umbetten. Das machen bel­ gische Zivilarbeiter, die sich dazu freiwillig melden. Es sind auch Leute danach. Ta darf ich dann etwas nicht sehen, das ist nämlich furchtbar. Sie schneiden den Toten die Män­ tel aus und nehmen ihnen die paar Centimes aus dem Lederbeutel. Ja, da könnte man viel sagen. Tie Hoffnung auf diese elende Beute ist das Einzige, was diese jämmerlichen Kerle reizt, sich zu der Arbeit anzubieten. Ohne das könnte man ihnen eine noch so hohe Bezahlung anbieten, sie würden nicht kommen. Wir machen an den gefallenen Feinden wieder gut, was ihre Landsleute an ihnen sündigen. Jeder wird in einen Totenmantel eingeschlagen, die Lage seines Grabes und die Erkennungszeichen aufgenommen, und dann ────────── neu Vögeln jm Käfig, nur immer in gewissen ünd oft xecht eng bemessenen Grenzen bewe­ gen dürfen. Ich entsinne mich noch deutlich, daß ich« als Knabe ganz schwermütig umher­ gehen konnte, wenn die Zeit kam, wo die Zug­ vögel sich versammelten, um ihre Reise in fremde Länder .anzutreten. Tann wurde es mir zu eng daheim; ich hätte am liebsten mit ihnen hinausziehen.mögen in unbekannte Fer­ nen, weit fort über Länder und Meere. "Kurt Hat den Wandertrieb, laßt ihn nur!" pflegte mein Vater dann wohl zu sagen, wenn ihm Klagen über meine Unlust zu allem, was mir sonst Freude.machte, hinterbracht wurden, und oft fügte er hinzu: "Ich glaube, in ihm steckt das Zeug zu einem großen Natursforscher." "Aber diese Prophezeiung hat sich nicht erfüllt," meinte Feodora mit einem matten Versuch zu lächeln. "Leider nein — vielleicht wäre es besser für mich- gewesen! Doch der kriegerische Sinn, ein Erbteil meiner Vorfahren, die einst unter Friedrich dem Großen und zur Zeit der Frei­ heitskriege so .ruhmvoll für das Vaterland gekämpft haben, meldete sich nur zu bald bei mir und besiegte den in mir schlummernden Hang zum Beruf eines friedlichen Gelehrten. Mein Sehnen aber, fremde Länder und Men­ schen kennen Ku lernen, hat sich nie ganz unter­ drücken lassen, pnd nie war ich- glücklicher, als wenn ich- meinem Wandertrieb folgen durfte." "Und jetzt — ? Ist dieser Wandertrieb denn nun zur Ruhe gekommen?" fragte Feo­ dora. "Nicht ganz. Dem Zugvogel sind leider die Schwingen beschnitten worden, sonst wäre er noch vor kurzem feinem glühendsten Wun­ sche gefolgt und auf und davon­ geflogen, um im ftemden Lande, in einem anderen Erdteil, ein neues Leben zu be­ ginnen." "Und warum ließ sich dieser glühende Wunsch denn nicht verwirklichen?" "Ja, warum! Es wird mir schwer, Dir diese Frage zu beantworten, und doch —" Er hielt inne, als müßte er sich besinnen, was er ihr sagen sollte. "Weißt Du, was es heißt, der Sproße eines alten Geschlechts, der Erbe eines Besitztums zu sein, das seit Jahrhunderten der Stolz der Familie war?" fragte er dann. "Wenn Du das nachfühlen kannst, so wirst Du auch- begreifen können, wie mir zumute war,s I als ich einsehen mußte, daß ich im Strudel des Lebens dieses heiligen Vermächtnisses der Väter vergessen hatte. Wie ein Unwürdiger, Verdammter kam ich- mir nach dieser Erkennt­ nis vor, und ein mühevolles Ringen in harter Tienstbarkeit im ftemden Lande wäre die ge­ rechteste Strafe für mich gewesen." Er schwieg und schaute auf das Spiel der Wellen, die sich in eintönigem Getöse am steinigen Strande brachen. "Und da brachtest Du Deinen Lieblings­ wunsch, um Dich zu strafen, gewaltsam zum Schweigen?" "Nicht gewaltsam — er schwieg von sel­ ber; das Heimatsgefühl war doch mächtiger. Als ich Reinstein fremden Händen übergeben und auf alles verzichten sollte, was mir lieb und teuer war, da erst fühlte i-dj,* daß ich mit jeder Fiber festgewurzelt war an der hei­ matlichen Scholle und daß ein vollständiges Losreißen von dieser einem langsamen Hin­ siechen gleichkommen müßte. Aber der Him­ mel Hat es gnädiger mit mir gemacht, als ich es verdiente," schloß er mit einem leidenschaft­ lichen Blick in ihr liebliches Gesicht. Feodoras Augen glänzten verräterischfeucht, und ein tiefes Erbarmen mit ihnt regte sich bei seinen schonungslosen Selbstanklagen I in ihrem Herzen. "Aber nein" — flüsterte | eine innere Stimme ihr plötzlich- zu, "um alles $ in der Welt, nur kein Mitleid haben mit dem I leichtsinnigen Verschwender, dem herzlosen I Egoisten, der Dich belogen und um Dein LebensI glück betrogen hat!" - (Fortsetzung folgt.) ────────── Bayerische Nachrichten. Ostern hei Hofe. S. M. der König hat in Anbetracht des bestehenden Kriegszustandes an­ geordnet, daß das diesvährige Osterfest ohne die üblichen höfischen Feierlichkeiten begangen wird. Tie Fußwaschung an den sog. 12 Apo­ steln wird ohne Teilnahme des Hofes nur als kirchliche Handlung durch den Stiftsprobst vollzogen. Ein Vielfraß. Ein Dienstknecht aus einem Torfe bei Luxburg (Opf.) aß zum Vesper zwei Bauernseufzer samt einer entsprechenden Brot­ lage und aß darauf noch ein ganzes Pfund EmMenthaler Käse. Ob seiner gewaltigen Leistung bewundert, meinte er schmunzelnd, wenn einer der Gäste noch. 1 Pfund Emmenthaler Käse bezahlen wolle, so ließe er sich gerne noch! auf ein halbes Pfund ein, ein ganzes sei ihm zu viel. Prost Mahlzeit! Armer Bauer, der den Mann zu verköstigen hat! 200 Gramm! Wehl oder 225 Gramm Brot reichen für einen solchen Mann allerdings nicht aus. Das beschlagnahmte Leichenbrot. Trotz des Verbotes Halle ein Bäckermeister und Bierwtrt in Pegnitz (Obs.) für einen sogen. Leichentrunk ein Quantum reines Weizenbrot gebacken. Als aber die Trauergesellschaft zum Schmaus betsammensaß und einige der delikaten Weißbrotlaibe schon angeschnitten waren, erschien ein Beauftragter des Bezirksamts und beschlagnahmte sämtliches Leichenbrot. Die Gesichter der "Feftgäste" wurden darob sehr lang Einige Landwirte aber hatten vorgebaut: sie zogen das vorsichtshalber mitgebrachte Schwarzbrot hervor und der Leichenschmaus konnte seinen Fortgang nehmen, wird aber für den Bäcker noch ein unangenehmes Nachspiel zeitigen. ────────── Zur Aufführung des Requiems von Mozart als Gedenkfeier. Mit der Aufführung des Requiems von Mozart am Sonntag den 21. März nachmitt. 5 Uhr in der Martinskirche steht unserer Stadt wieder ein erhabener Kunstgenuß bevor, wie ihn Städte ähnlicher Größe wohl selten erleben dürften. Schon der Name Mozart ist ein musikalischer Begriff, der Inbegriff alles Schö­ nen. Daher ist die Sache Mozarts noch immer die Sache der ganzen musikalischen Welt. Es gibt bereits Musiker, denen Beethoven nur noch in dem Schaffen seiner letzten Periode nahe steht, denen Haydn, selbst Mendelssohn und Schumann abgetane Größen sind. An Mozart ist niemand irre geworden, der einen Klang im Herzen trägt, incht die Anhänger der Bach'schen und vorklassischen Kunst, nicht die Jünger des Bahreuther Meisters. Sein Requiem ist ein heiliges Werk, in Todesnöten dem entfliehenden Geiste abgerungen. Es ist das Vermächtnis eines sterbenden, großen, deuffchen. Meisters. Tie Entstehungsgeschichte ist in ein mysteriöses Dunkel gehüllt. Die Le­ gende erzählt, daß ein Unbekannter das Re­ quiem in geheimnisvoller Weise bei Mozart bestellt haben soll. Trotzdem Mozart leidend war, habe er sich mit großem Eifer an die Komposition gemacht, die ihn im höchsten Grade ergriff. Während der Arbeit sei ihm ein furchtbares Licht aufgegangen, daß jener ge­ heimnisvolle Besteller sein Todesbote gewesen sei und Mozart das Werk für sich schreibe. Wir wissen mit Besttmmtheit, daß es Mozart nicht vergönnt gewesen, das Requiem zu beenden Tie drei letzten Nummern sollen nicht authen­ tisch sein, sondern von Mozarts Schüler Süß­ mayer stammen. Ter Anteil Süßmahers an dem Werke wird vielfach überschätzt. Mozart hatte nach seiner Gewohnheit die Instrumen­ tation in der Skizze schon angedeutet und mit Süßmayer oft und viel über das Requiem gesprochen. Es konnte einem in die Art und Absichten des Meisters so eingeweihten Mu­ siker nicht schwer sollen, das fast unter seinen Augen entstandene Werk, soweit es sich um Ausführung von Einzelheiten handelte, in Mo­ zarts Sinne zu vollenden. Daß Süßmayer an thematischer Erfindung oder Konzeption nichts Eigenes hinzutat, läßt sich leicht aus dem Werke beweisen. Tie Schönheit und der Inhalt ist ganz und gar Mozart. Trotz der unklaren Entstehungsgeschichte nimmt dasWerk einen bevorzugten Platz ein in der gesamten Musikliteratur. Schon der erste Satz zählt zu dem Höchsten und Schönsten, was je in Tönen geschrieben wurde. Das stark von Hän­ del beeinflusste Kyrie, das mit erschütternder Kraft dargestellte Ties irae, das milde Lacrymosa und vor allem das rührend ausdrucks­ volle Resordare sind Offenbarungen echt Mozartschen Geistes, über denen eine eigentüm­ lich weihevolle Stimmung liegt. Das ganze Werk muß die Seele unwiderstehlich ergrei­ fen. — Die Soli werden in bedeutende Künst­ lerhände gelegt. K. Bayer. Kammersängerin Möhl-Knabel-München (Sopran) zählt zu den besten Koloratursängerinnen und ist "in al­ len deutschen Musikstädten eine gesuchte Kraft. Unsere einheimische Gesangskünstlerin Frau Kammersänger Kläpfer-Landshut (Alt) dürfte von ihrem Auftreten anläßlich des Orgelkon­ zertes in der Martinskirche noch in bester Erinnerung sein. Konzertsänger Adalbert Ebner-Augsburg (Tenor) hatte schon bei dem kürzlich stattgefundenen Liedertafel-Konzert durch seine herrlichen Stimmittel und seine ausgezeichnete Schulung die Zuhörer gefes­ selt. Hofopernsänger Franz Geßner-München (Baß) ist für uns neu. Tie Köln. Ztg. schreibt von seinem Auftreten: "Daß ein Opernsänger auch ein so ausgezeichneter Vertreter des Kon­ zertgesanges, insbesondere ein so vortrefflicher Oratoriensänger ist, wie Herr Hosopernsänger Franz Geßner, pflegt sehr selten vorzu­ kommen. Meistens fft der Opernsänger für den Konzertsaal verdorben, da die subtile Ge­ sangskunst, die für den Konzertsaal das Aus­ schlaggebende ist, verloren geht. Herr Geßner erfüllt alle Anforderungen eines Konzertsän­ gers im höchsten Matze. ' Sein Tonansatz, Aus­ sprache, Phrasierung und Atemtechnik sind be­ wundernswert." — Tie Ausführung des Wer­ kes ist: dem Gedenken an unsere gefallenen tgetbem gewidmet. Seine Harmonien werden im herrlichen Martinsdome mit seiner prächti­ gen neuen Orgel auf die Seelen. aller Zuhö­ rer wirken und in der jetzigen schweren Zeit Trost zu spenden vermögen. - k— ich morgen oder übermorgen schon wieder ins Innere usw. Dieses Zeugnis unsres deutschen Landsmannes beweist, daß auch vor Smyrna die Verbündeten keine Erfolge zu erringen vermochten. —* Als landwirtschaftlicher Kon­ tra! lsachv er ständiger für den Amts­ bezirk Landshut-Land zur Nachprüfung "der Angaben über die Getreidebestände wurde Hr. Josef März von Landshut ernannt. —* Höchstpreise für Kartoffel sind festgesetzt bei einem Verkauf von 20 Zentnern und weniger bei Wöhltmann, Imperator, Schneeflocken und Up do bäte auf 5.40 Mark und bei allen anderen Sorten auf 5.10 Mark pro Zentner. Pfundweise darf der Preis bei ersteren 7 Pfennig, bei letzteren 6 Pfennig nicht übersteigen. Bei Verkauf nach dem Metzel (20 oder 10 Liter) ist der Höchstpreis bei den ersteren Sorten auf 1.50 Mark (bzw.' 80 Pfg.) bei den anderen auf 1.90 Mark (bzw. 65 Pfg.) festgesetzt. Tie Abgabe nach Zentner darf nicht verweigert werden. —* Berk ehr mit Brotgetreide und M r h l. Infolge Vereinbarung zwischen dem Stadtmagistrat und dem k. Bezirksamt ist es den Bewohnern von Berg o. L. und Schön­ brunn ermöglicht worden, hier gegen Abgabe von Ausweismarken Brot und Mehl zu erhal­ ten. Nach den abgegebenen Marken erfolgt dann der Ersatz von Brotgetreide oder Möhl. —* Pachtweise übernimmt der bisherige Pächter des Kollerkellers, Herr Josef Pittner/ ab 1. April den Betrieb des Restaurants "zum Leiderer" hier. Der bisherige Pächter, Herr Fischer, ist, wie seinerzeit gemeldet, den Hel­ dentod für das Vaterland gestorben. —* Ve rst e i g e r u n g. Am Mittwoch, den 10. März fand im Notariat 1 die Versteigerung des Anwesens Ländgasse 38 hier, bisher Herrn Architekten Hans Lehmann-München gehörig, statt. Gestern wurde nun der Zuschlag Herrn Privatier Josef Tanner hier um den Preis von 22 130 Mark erteilt. ────────── Letzte Posten. St. Eloi wieder in deutschem Besitz. Berlin, 18. März. Nach dem "Echo de Paris" griffen die Deutschen das von den Englän­ dern besetzte St. Eloi an. Dieser Angriff war furchtbar. Wie rasend stürzten die Deutschen vor f und zwangen die Engländer, St. Eloi zu räumen. Die Verluste der französischen Handelsflotte. Kopenhagen, 18. März. Französische Blätter veröffenilichen im Anschluß an die englische Schiffsverlust liste eine Aufstellung französischer SchiffSverluste, Danach hat Frankreich bis zum 10. März 20 Schiffe durch Torpedierung verloren. Die französische Presse tröstet sich mit der Behauptung, Eng­ lands und Frankreichs Handelsflotte, die bei Kriegs­ beginn 13 214 Schiffe mit 23 306 988 Tonnen zählte, fei durch Neubauten und beschlagnahmte feind­ liche Handelsschiffe während des Krieges trotz aller Verluste auf gleicher Höhe geblieben. (Z.) Die Ueberlebenden der "Dresden". Valparaiso. 18 März. Unter den von dem englischen Dampfer "Drama" ausgeschifften Ueberlebenden des Kreuzers "Dresden" sind 15 Ver­ wundete, barunter der 2. Offizier der "Dresden". Tic "Dresden" hat der englischen Handelsschiffahrt einen Scha­ den von 6,5 Millionen Pfund gleich 130 Mil­ lionen Mark verursacht. Ter englische Kreuzer "Amethyst'" verloren. Genf, 18. März. Der englische Kreu­ zer "Amethyst", welcher bis zu dem Tardanellenpunkt Nagara gelangte, gilt infolge be­ deutender Beschädigungen durch türfische Ge­ schosse als verloren. Tie Wachsamkeit der Chefs der Uferbatterien verhinderte andre Kreuzer der Verbündeten, Nagara mit Volldampf zu passieren. (Z.) Ein englischer Hilfskreuzer i» Spanien cnt' waffnet. Genf, 18. März. Nach einer Meldung des "Eclair"" befahl die Behörde von Bilbao die Entwaffnung des englischen Hilfskreuzers "Northfield"", der länger als 24 Stunden im Hafen blieb. Tic Verbündeten auf Lcmnos. Sofia, 18. März. Nach Meldungen ans Athen sind dort amtliche Nachrichten ein­ getroffen, wonach die englisch-französische Flotte aus Lemnos 2000 Mann gelandet unb die dor­ tigen griechischen Behörden abgesetzt habe; Griechenland sei gegen diese offenkundige Ver­ gewaltigung ohnmächtig und könne sich bloß auf platonischen Einspruch beschränken. (ZA Amerita und dip englische Blockade. Amsterdam, 1,7. März. Reuter meldet aus Washington: Das Kabinett besprach die englischen Repressalien. Man erwartet nach einer Konferenz Wilsons mit dem Auswärtigen Ernte eine Note des Präsidenten an England. Der holländische Gesandte erkundigte sich von neuem inoffiziell nach der Möglichkeit einer gemeinsamen holländisch-amerikanischen Aktion zur Verbesserung durch- die englischen Repressalien hervorgerufenen Lage. (Z.) ────────── Literarisches. Die Schuldigen. So bezeichnet Melanie Ebhardt ihren Leitaufsatz in der jüngsten Nummer des "Vortrupp"" (Verlag von Alfred Janssen, Ham­ burg, Preis jährlich 5 Mk., vierteljährlich 1.25 Mk., Einzelnummer 30 Pfg.) und macht dabei die folgen­ den, besonders zeitgemäßen Ausführungen: Wenn wir den Kampf, der säst die ganze Erde ergriffen hat, nicht bis in unser Inneres hinein fortsetzen, wird er uns letzten Eudes das Glück nicht bringen, das hinter dem Siege stehen muß. damit er uns zum Segen wird und nicht zum Fluche. Als das hinreißende, alle Schranken wegfegende, uns alle einigende Glück der ersten erschütternden Tage dieses Krieges uns aus uns selber emporriß, haben viele von uns erkannt, daß das ungeheure Ringen uns mehr noch bringen sollte als nur den Steg, — eine tiefgehende sittliche Erneuerung, Sie vergaßen es seitdem. Wie starren wir gebannt aus die Brenn­ punkte des Kampfes in Ost und West, auf den einen, den schändlichsten Gegner jenseits der See, spähen mit pochendem Herzen nach seiner verwund­ barsten Stelle und vergessen, daß ein gefährlicher Feind dicht neben uns steht, sehen und hören ihn nicht, der wohl gar in unserer eigenen Brust haust, darauf bedacht, uns gänzlich zu verderben. Unsere eigene Unbesonnenheit und Selbstsucht ist der beste Bundesgenosse unserer Feinde. Wenn wir das völlig begreifen, werden wir unbesiegbar sein, eher nicht. Aber wie viele von uns sind noch weit davon ent­ fernt ! Die Menschheit hatte — wie lange schon! — den alten Gott gestürzt, und das goldene Kalb auf dem Altar erhöht. Die Völker wetteiferten in heißem Bemühen, wer dem Götzen die meisten, die begeistertsten Priester stellen sollte. Sie merkten nicht, daß das Scheusal, dem sie sich aus Gnade und Ungnade auslieferten, ihr Blut trank. Sie führten den besinnungslosen Tanz um den selbstge­ schaffenen grausamen Gott bis zur Erschöpfung ihrer besten Kräfte dyrch, und der Tag mußte kommen, an dem er kn Raserei ausartete. An diesem Tage erklärte England seinem Brudervolke den Krieg und verkündete es der ganzen Erde als sein Glaubens­ bekenntnis: "Was schiert mich meine Seele, wenn ich nicht die ganze Welt gewinne!"" Wir wollen nicht werden, was das englische Volk heute ist. Meie von uns waren auf dem besten Wege dazu. Auch heute noch haben wir Volksgenossen unter uns, die de» Krieg nur unter dem Gesichtspunkte des persön­ lichen Vorteils oder Nachteils begreifen können, dt« reich werden, weil sie ihn ausnutzen wie eine günstige Geschäftslage. Und auch heute noch steht manchen unter uns das eigene Behagen höher als das Schick­ sal des Volkes. Sie murren und widerstreben und hängen wie ein totes Gewicht am deutschen Volkrkörper, der sich emporrecken will zu noch unerreichten Zielen. Und dies« Menschen der niedrigen Ge­ sinnung gehören zu unseren Feinden, ob sie auch verbrieft und unbestritten den deutschen Name« tragen