Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-03-09. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 54, 1915-03-09. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Es wird auch« wohl das am besten erhaltene Haus in Goldap sein; aus Briefen und Papieren, die noch in wirrer Fülle über­ all umherlagen, fand ich, daß mehrere rus­ sische Stabsoffiziere, ein Oberst unter anderen, in dem Hause einquartiert waren . Eine Postkarten-Photographie der Tochter des Obersten leg noch aus dem Schreibtisch: ein sehr schö­ nes Mädchen, im Reitkleid neben einem klei­ nen sibirischen Pferde "Auf Wiedersehen, auf bald Wiedersehen ,mein sehr lieber Vater. stand als einzige Unterschrift auf der Karte. Vielleicht war es einer der vielen russischen Obersten, die uns später an der Spitze von Gefangenenkolonnen begegneten, vielleicht war es einer der vielen ,die in den Sumpfwälidern hinter Augustow bei dem außerordentlklich tapferen und außerordentlich nutzlosen Vorgehen in Kolonnentiefe den Tod fanden. Ich habe das Zählen der Leichen aufgegeben, als ich gestern zu Fuß durch die Wälder bei Augustow streifte .... Wie ein irrendes Geistchen fuhr der Alte, während ich mein Gepäck ordnete, und einen Augenblick still vor den Schriftstücken des Schreibtisches stand, durch das Haus. Er nahm zwecklos einen Kasten an einer Stelle fort, um ihn ebenso zwecklos an einer anderen Stelle hinzusetzen, er suchte nach einem alten schmiedeeisernen Schloß, während die Truhe, die es abgeschlossen hatte, doch längst ver­ brannt war, Er führte mich schließlich zu den Bodenräumen an die eine Mansarden­ wohnung anstieß. Da sah ich das Brandgeheimnts dieser Häuser alle. Mit sorgfältig­ ster Arbeit war eine Lage Papier und Werg und eine Lage Möbel geschichtet, ein paar Petroleumlampen waren oben umgekehrt auf die untere Seite der Polstermöbel gestülpt, die die oberste Lage des Aufbaus bildeten. Das Aufflammen eines Streichholzes genügte, um das Haus in Brand zu setzen. Es war dies selbst jetzt noch bei einiger Unvorsichtigkeit vröglich und der alte Herr war nicht zu bewe­ gen, des Nachts seinen Wachposten vor dem niederträchtigen Scheiterhaufen aufzugeben. Das war russische Kriegsführung. Nicht, daß ein Haus in Flammen aufgeht, erscheint mir,, schlimm, sechs Monate Krieg haben mich ge­ lehrt, daß davon nicht viel Wesens zu machen sei, aber daß man die Arbeit von Tagen auf­ wendet, um beim Abzug systematisch! Privat eigentum nur der Vernichtung wegen zu zer­ stören, ist das ' Zeichen russischer Kriegsfühirung, und ich kann mir keine härtere und beschimpfendere Bezeichnung für Mordbrennerei mehr denken, als daß man sagt: man führt Krieg wie die russische Armee des Nicolai Nicolajewitsch. Dem alten Mann in seinem verwüsteten Haus mußte gehoffen werden. Ich ging zum Kommandanten und ließ mir ein paar ge­ fangene Russen zur Hausreinigung geben. Sie schrubbten und kehrten und sahen mich bei je­ dem Dienst aus ängstlichen und willigen Augen an, ob es so recht wäre. Sie brauchten kaum Geräte, es gab nichts, vor dem ihre Finger sich gescheut hätten. Tie Verständigung ging mit "stoi!" und "marsch!", mit "alter Hammeldieb" und einigen Handbewegungen sehr gut vor sich. Man konnte sich darnach beinahe ein­ bilden, die Wohnung sähe etwas sauberer aus. Tann bin ich- durch die Stadt gegangen 280 Bewohner waren geblieben. Arme Leute, die das Enffetzen des Krieges bis zur Neige getrunken haben. Am Rathaus stand noch- die große russische Inschrift "Goldaper Platz", und an den Türen waren oft drei Inschriften hin­ tereinander zu lesen. So an einem größeren Haus auf dem Wege zum Bahnhof etwa: 3, Oft .14. Fliegerabteilung der 8. Armee; dann eine russische Inschrift, die das Haus mit Da­ tum 1915 belegte und dann die letzte deutsche Inschrift vom 15. Februar 1915. Tie alte Kirche in Goldap ist, wie ein Blick in die Sakristei und hinter den Altar­ raum zeigt, ausgeraubt worden. Uebrigens die einzige Kirche, von der ich dies mit Sicher­ heit annehmen konnte. Als idj« in das Auto stieg, Goldap zu verlassen — diesmal gern, es ist traurig/ in diesen zerstörten ostpreußischen Städten zu sein, und es ist bitter — traf ich zufällig den Bürgermeister, der das Eiserne Kreuz trug. "Es wird eine schwere Arbeit geben, aber wir werden sie gern tun, wenn . . ." Er sah nach Osten auf die Rückzugsstraße der Russen, und seine Augen ergänzten den Satz. Die 'Größe des deutschen Sieges wird inzwischen das kleine "Wenn" zum Schweigen gebracht haben. Suwalki erschien mir diesmal belebter, als im Herbst, da ich zum erstenmal die Stadt mit den drei schönen Kirchen betrat. Tie Bevölkerung aber — viele Polen hatten dies­ mal nicht "fort können" — schien mir un­ zweifelhaft unfreundlicher. Vielleicht haben die Russen die Drohung, die sie in Goldap hin­ terließen, daß sie in einer Woche wiederkämen,, auch. hier als schlechtes Abschiedswort ge­ sagt. Sie hätten es dann sogar gehalten. In der prächtigen zwiebeltürmigen orthodoxenMilitärkirche in der Kasernenstadt von Suwalki waren drei-, bis viertausend Gefangene, als ich- auf dem Wege nach Augustow vorbeifuhr. Ein nicht eben hohes Gitter umgibt den Kirchenplatz, den man mitsamt der Kirche den Russen einräumte. Sie hocken draußen an kleinen Feuerchen und kochen sich in ihren Kup­ fergeschirren heißes Wasser und allerlei Fleischfreste. Ich- gehe an den deutschen Posten vorbei, durch das Treiben, das wie Zigeunerbiwak an­ mutet, in die Kirche ^Auch hier auf dem Steinpflaster brennen kleine Feuer. Dampf und Rauch« wogt in großen Schwaden durch den metallstrotzenden Raum. Hinter dem Al­ tar, in der Sakristei fällt das Licht durch gelbe, rote und blaue Scheiben,, es tanzt auf den hockenden, liegenden, knienden Gestalten. Gelb und golden und dunkelrot flammt es durch den Nebel und Dampf. Es gibt keinen Maler, der den farbigen Reiz der Szene fest­ halten könnte, denn jeden Augenlblick verän­ dern sich die Gruppen stellen sich« zusammen und lösen sich, auf und die dunk«lglühenden Farben huschen umher und geben allein einen seltsamen Schein von Unwirklichkeit. In allen Sprachen des weißen Zaren spricht es um sich her, man bittet mich um Brot, fragt wann es weiterginge, und ob es Zigaretten gäbe. Man fragt vieles, was ich nicht verstehe, man spricht Dialekte, die ich nicht ihrer Art nach, abschätzen könnte. Manche springen aus und salutieren. Ich« bin der einzige Deutsche zwi­ schen dreitausend russischen Menschen, ich könnte meinen, innerhalb der russischen Armee zu weilen. Aber alle diese Augen, die sich fragend und bittend an mich saugen, haben einen gemeinsamen Ausdruck: es sind die Au­ gen von Besiegten, von Waffenlosen, die für ihr Schicksal und das von Rußland nichts mehr hoffen. Diesen Eindruck der Vernichtung einer Ar­ mee, der Haltlosigkeit ihrer gefangenen Teile, diesen Eindruck: Das ist ein Anfang vom Ende, bekam ich dann noch stärker in dem Riesenka­ sernenkomplex vor Augustowo. Fünfzehntau­ send russische Gefangene lagerten zwischen den Plätzen vor den verschiedenen Kasernen. Man glaubte eine russische Armee zu sehen, die dort biwakierte. Schon Augustowo, dessen Straßen gepreßt voll waren mit Zügen von russischen Gefangenen, wirkte wie ein Kriegs­ wunder. Diese gewaltige graubraune Masse, die sich um die Mittagszeit zu endlosen Zügen formierte, war ein so eindringliches Bild des deutschen Sieges, dckß man es kaum fassen konnte. Kompagnienweise zogen die Offiziere voran, oft mit demselben trostlosen und er­ gebenen Ausdruck in den Augen wie die Mann­ schaften, und dann bewegte sich auf die deut­ schen Kommandorufe plötzlich der ganze weite Plan und ergoß sich, auf die breite Waldchaus-see wie ein nicht mehr versiegender Bach von Gefangenen der russischen Armee, wie ein brauner quellender Waldstrom. Eine Anzahl der Unseren mit sieben Of­ fizieren war bei dem schnellen Vormarsch den Russen in die Hände gefallen. Als die Ein­ kreisung dieser russischen Division keinen Aus­ weg mehr gab, stellte man den Aefangenen die Rülttehr frei. Sie entfalteten eine weiße Fahne und bewegten sich auf die Linie ihrer deutschen Kameraden. Ta sahen sie beim Um­ blicken, wie erst sechshundert, dann achthuwdert, dass tausend, dann sahen sie nicht mehr, wie viele Russen ihnen folgten. In der Nacht kamen die Befreiten in Augustowo an. Ich lag aus dem Svpha eines jüdischen Schulmei­ sters und trank Tee, da klopfte es, und ein Gefteiter bat um Quartier: "Wo kommen Sie denn her?" "Von den Russen". Er machte eine Pause und sah auf das Brot, das auf dem Tisch lag, er sagte aber nichts. Ich fragte kurz: "Schon gegessen?" "Seit vier Tagen kaum einen Bissen." Es war noch« Brot genug da und auch Wurst. Ter Mann biß in gierigen Bissen hinein. Tann lachte er: "Sie waren ganz anständig zu uns, 'aber sie hatten selbst nichts. Ja, und nun kann's weitergehen!" Die gute Behandlung bestätigte mir auch« später ein Hauptmann, der einer von den sie­ ben gewesen war. "Aber sie hatten noch län­ ger gehungert als wir . . ." Durch, den dichten Wald, der noch voller Schnee «lag, ging ich. am nächsten Morgen die russischen Schützengräben entlang. Tote la­ gen noch da, das Gewehr neben sich, armselige Lumpen auf die Wunde gepreßt. Ich« ging an dem Ufer eines gefrorenen Sees, der stählern heraufglänzte entlang, tiefer in den Wald. Ueberall russische Gefallene, bald nicht mehr einzeln. Ter Schnee sickerte mit leisem Gur­ geln zu kleinen Gerinseln zusammen, die wa­ ren rot ... Ein Eichhäher schrie, daß es deutlich und laut wie "Hunger, Hunger" klang. Immer wieder schrie der Hungervogel. Tann wurde es plötzlich« still. Vereinzelte Schüsse fielen näher, und weiter nach, dem Waldrand zu entwickelte sich fernes regelmäßiges Gewehr­ feuer. Raff Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Flieger bewarfen Ostende mit Bomben, die drei Belgier töteten. Die Kämpfe in der Champagne dauern fort. Bei Souain wurde der Feind gestern abends int Handgemenge zurückgeschlagen. ♦ Nachts setzte der Kampf wieder ein. In der Gegend nordöstlich! von Le Mesnil mißglückte ein feindlicher Angriff nachmittags gänzlich. Unser nächtlicher Gegenangriff war er­ folgreich. "| $| 140 Franzosen wurden gefangen genommen. Im Priesterwalde nordwestlich von Pont au Mouffon wiesen wir französische Vorstö­ ße ab. In den Vogesen sind die Kämpfe in der Gegend westlich von Münster und nördlich von Sennheim noch! nicht abgeschlossen. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Südlich von Augustowo scheiterten russische Angriffe unter schweben Verlusten für den Feind. Auch bei Lomcza sind weitere Kämpfe im Gange. Westlich, von Praßnicz und östlich von Plock machten die Russen mehrere vergeblich« Angriffe. Bei Rawa schlugen unsre Truppen zwei russische Nachtangriffe ab. Russische Vorstöße aus der Gegend Nowemiasto hatten keinen Erfolg. Die Zahl der gefangenen Russen betrug dort 1500 Mann. Oberste Heeresleitung. Heute früh wurde telephonisch gemeldet: ────────── Gneisenau wieder flott. Der "Berl. Lok.-Anz." meldet,aus Brüs-i sel : Ter von den englischen Truppen ver­ senkte Lloyddampfer "Gneisenau" wird dem­ nächst flott gemacht. Alle von den Belgiern und Engländern beschädigten Schiffe sind jetzt ausgebessert. ────────── Die Verluste unsrer Feinde im Februar. Während im Januar trotz der großen Er­ folge bei Craonne und Soifsons nur 12 000 Franzosen gefangen wurden, daneben aber die hohe Zahl pon 56 Geschützen und 82 Ma­ schinengewehren erbeutet wurde, haben wir für den Februar wieder gewaltige Zahlen an Ge­ fangenen und Kriegsbeute zu verzeichnen. Nach den amtlichen deutschen Berichten wurden, wie die "Köln. Volksztg." zusammengerechnet hat, im Februar gefangen genommen: 1. Franzosen: 50 Offiziere, rund 5000 Mannschaften. 2. Russen: 11 Generale, mehrere hun­ dert Offiziere und rund 135 000 Mannschaften. 3. Engländer: 8 Offiziere, 350 Mann­ schaften oder insgesamt rund 140 000 Mann­ schaften. Auffällig ist die geringe Zahl der Eng­ länder, aber seit ihren entsetzlichen Verlusten Ende Tezember haben sie keinerlei Angriffe mehr gewagt! Nicht minder ist die ungeheure Menge an Kriegsmaterial aller Art: 1. Franzosen: 15 Geschütze, 27 Minen­ werfer und 27 Maschinengewehre. 2. Russen: rund 350 Geschütze und Ma­ schinengewehre, deren Zahl nicht annähernd angegeben ist, aber nach dem Wortlaut der deuffchen Tagesberichte auf nicht unter 400 Stück zu schätzen ist. Alles in allem hat der Februar in Ost und West große Beute gebracht. Auch wollen wir nicht vergessen, welche Erfolge der Unter­ seebootskrieg seit dem 18. Februar schon ge­ zeitigt hat. Amtlich ist dennoch nichts mit­ geteilt, aber selbst unsre Feinde haben schon rund 25 Schiffsverluste zugestanden. Auch die Oesterreicher haben in der Bu­ kowina und in Ostgalizien int Februar rund 50 000 Russen gefangen genommen und viel Kriegsgerät, das zahlenmäßig nicht genau an­ gegeben ist, erbeutet. An den Pranger! Ter Landrat des Kreises Lübben erließ folgende Warnung: "Noch immer gehen Anzeigen ein über Verfüttern von Brotgetreide. Tie Täter ha­ ben Gefängnisstrafen zu erwarten. Ich werde außerdem ihre Namen auf eine Liste bringen und diese überall im Kreise öffentlich aus­ hängen, damit unsre siegreich heimkehrenden Krieger mit Fingern auf diese Leute zeigen, denen ihre Schweine lieber sind als ihre Brü­ der auf dem Felde der Ehre." — Sicher wird diese energische Mahnung ihre Wirkung nicht verfehlen. Recht so! Tie sich dem Ernst der Zeit nicht fügen können, müssen öffentlich blosgestellt werden. Es ist unglaublich, daß es noch Leute gibt, die sich den notwendig gewordenen Einschränkungen widersetzen. Keine Strafe ist scharf genug für diese Unvernünftigen. Oestcrreichische Flottenbeivcguugen. In Paris ist eine Athener Meldung ein­ getroffen, wonach eine österreichisch-ungarische Flotte, bestehend aus vier Dreadnoughts, drei Kreuzern und zwölf Unterseebooten zwischen der Bucht von Triest und dem Otrantokanal kreuze. Eine italienische Stimme über die Verdienste der österreichisch-ungarischen Armee. Tie ,M. Fr. Presse" in Wien hat vor kurzem einen Aufsatz gebracht "Wir und Ita­ lien", worin sie die Grundsätze der österreich­ isch-ungarischen Politik gegenüber gewissen Er­ örterungen der italienischen Presse festlegte. In der Antwort, welch-e die in Rom erscheinende "Tribuna" hierauf gab, ist folgendes Urteil über die militärischen Leistungen der Donau­ monarchie bemerkenswert. Tie "Tribuna" schreibt: - "Um von vornherein allen Miß­ verständnissen vorzubeugen, bekennen wir un­ umwunden die vielleicht selbst von OesterreichUngarns Verbündeten nicht genügend aner­ kannte Wahrheit, daß die Monarchie vom ersten Kriegstage an eine Energie und kriegerische Tüchtigkeit bekundet hat, die unsere höchste Be­ wunderung verdienen und die allgemeinen Er­ wartungen weit übertroffen haben. Nicht bloß in einem kleinen Teil der neutralen Presse, auch in einem nicht geringen Teil der deutschen .Presse spricht man von Deutschland, als ob es die ungeheure Last des Krieges allein zu tragen hätte und vergißt nur zu oft, Oester­ reich-Ungarn auch nur mit einem Worte zu erwähnen, was doch nicht bloß unedel, son­ dern auch höchst ungerecht ist. Ohne den be­ wunderungswürdigen hartnäckigen Widerstand, den das österreichisch-ungarische Heer den Rus­ sen entgegensetzte, wäre Deutschland demFeinde längst preisgegeben. Ter Heldenmut der deut­ schen Truppen hätte nicht genügt, den Krieg vom deutschen Boden fernzuhalten. Die sich immer wieder erneuernde, durch kein Mißge­ schick zu brechende Energie des österreichischiungarischen Widerstandes ist über jedes Lob erhaben. Wer es leugnen wollte, würde sein eigenes Gewissen verleugnen." Dieses zutreffende Urteil verdient auch in Deutschland vollste Beachtung. Nicht nur in positiven militärischen Erfolgen erschöpft sich die Wirksamkeit eines Heeres, sie findet ihre Hauptaufgabe vor allem auch in der Verhüt­ ung des Schlimmen, eine Tätigkeit/ ,bie wie in der Politik und auf allen anderen Lebens­ gebieten oft mehr Schwierigkeiten bietet pls die Erzielung eines in die Augen fallenden Effektes. Zur Politik Bulgariens. Tie "Kambana" schreibt: Der römische Korrespondent der "Nowoje Wremja" veröffent­ lichte eine angebliche Unterredung mit Ghenadiew, dem Führer der Stambulowisten^ nach der dieser erklärte, wenn Bulgarien gegen Rußland kämpfen wollte, bräche eine innere Revolution in Bulgarien aus, an deren Spitze sich Ghenadiew selbst stellen würde. Unter den Nationalisten ju Sofia erregte die Ver­ öffentlichung der Unterredung großen Unwillen. Man hält sie allgemein für eine Fälschung, zumal führende Stambulowistenkreise selbst er­ klären, daß Ghenadiew die ihm zugeschriebenen Sleußerungen unmöglich gemacht haben könne, weil sie allen Grundsätzen der Stambulowisten widersprächen. Nach den Traditionen Stambulaws, des Gründers der Partei seien die Stambulowisten bereit, für die politische Un­ abhängigkeit Bulgariens plle Opfer zu brin­ gen und selbst gegen Rußland die Waffen zu erbeben. Rumänien auf dem Wendepunkt. Aus dem Haag meldet die "Tägl. Rund­ schau": In Londoner Börsenkreisen erregte einer Mitteilung von "Het Baderland" zufolge eine Bukarester Korrespondenz der jetzt in Lon­ don erscheinenden "Jndependenee Belge" gro­ ßes Auffehen, weil darin zum erstenmal offen zugegeben wird, daß Rumänien endgültig auf den Anschluß an den Treiverband verzichtet. Tie Korrespondenz teilt mit, es gelte jetzt als sicher, daß die Haltung des Königs Ferdinand mit der des verstorbenen Königs Carol über­ einstimme. Ter Anschluß der deutschen und österreichischen Diplomaten an die rumänische Regierung habe sich in den letzten Wochen zu­ sehends enger gestaltet, der österreichische und der deuffche Gesandte besprächen sich fortgesetzt mit dem König, den sie auch auf die Jagd be­ gleiten, und die Militärattaches betber -Stmbet; verkehrten fortgesetzt im Kriegsministerium.! C8-) Beschießung von Smyrna. K o n stan ti n op el, 9. März. Tie Zei­ tung "Turan" meldet aus Smyrna: 4 eng­ lische Kreuzer und 6 Torpedoboote bombardier­ ten gestern ein Fort. Unsre Batterien trafen einen Kreuzer, der sich sofort zurückziehen mußte. Ein englischer Transportdampfer wur­ de zum Sinken gebracht. ────────── aus Lyon, daß der französische Kriegsminister den Obersten Pethoy, den Kommandanten des Truppendepots Avignon, telegraphisch ange­ wiesen habe, die Garibaldiner-Legion aufzu­ lösen. Ter Grund der Maßregel sei unbekannt. Patrouillen durchziehen Avignon, um die Ord­ nung unter den Garibaldinern aufrecht zu er­ halten. Wie eilt Wilderer sich das Eiserne Kreuz erschoß. In der "Teutschen Jägerzeitung" erzählt Tr. Hornung, zurzeit Stabsarzt im Felde/ folgendes Schützenkunststückchen aus dem Felde: Ter Schuhmacher Georg Mühlberger von Prien am Chiemsee, vom Volke der "Radlschuasta" genannt , machte in den letzten Jahren ganz Oberbayern in dem Matze unsicher, daß schließ­ lich ein Preis oon 400 Mark auf seine Er­ greifung ausgesetzt wurde. Bor anderthalb Jahren verschwand er. Als der Krieg aus­ brach, war der Radlschuasta da. Ich lernte ihn bei folgender Gelegenheit kennen: Das 3. Bataillon des 12. bayerischen Reserve-Jnfanterie-Regiments, das sich den Namen des "eisernen Bataillons" verdient hat, sollte einen Graben nehmen. Ter Führer der 9. Kompag­ nie, die zur Wegnahme bestimmt war, wendet sich an eine Gruppe und fragt, wer als Schild­ träger, Scharfschütze usw. vorausgehen will. Die ganze Gruppe lauter Landwehr II, meldet sich. Ter Leutnant bespricht dann die näheren Anordnungen mit dem Zugführer. Ta fragt ein Mann, der aus einem Schützenloch sehr interessiert zugehört hatte: "Herr Leutnant, darf ich nicht auch mittun? Ich bin nämlich ein Wilderer und schieß nit schlecht!" Seine Bitte ward ihm gewährt. Tann melden sich die Leute beim Bataillonsführer mit Namen« Zum Mühlberger sagt er: "Also Sie sind der Wilderer?" "Ja, Herr Hauptmann, 400 Mark sind auf mich ausgesetzt. Glauben's, daß sie mir noch was tun? Gelt, ich glaub' nicht, Herr Hauptmann?" Jeder Mann bekommt ein paar Zigaretten und dann sagt der Hauptmann; "So, nun macht eure Sache gut, und wenn ihr euch brav gehalten habt, gebe ich euch jedem die Hand!" Es geht aus Leben und Tod, und als Belohnung steht ihnen ein Händedruck ihres Hauptmanns in Aussicht, bezeichnend für den Geist, der in dieser Truppe herrscht. Am an­ dern Tag findet der Angriff statt. Mühl­ berger ist als Scharfschütze zur Teckung der Schildträger eingeteilt. Ta die Grabenbarri­ kade, über die er schießen solh hinderlich ist, klettert er auf sie hinauf und schießt von dort, frei Iehend, mittags halb 12 Uhr, im heftigsten feindlichen Feuer 4 5 Franzosen nie­ der. Er selbst wird nur leicht verletzt. Tas Eiserne Kreuz und die goldene Tapferkeits!medaiUe sind sein Lohn. Hoffentlich findet sich nach dem Feldzuge ein Jagdherr, der die Jagdpassion dieses schneidigen Kerls in die gesetzlichen Bahnen leitet. Er war übrigens während seines anderthalbjährigen Verschwun­ denseins unter falschem Namen Jagdgehilfe in Tirol. Die Mängel des französischen Heeresersatzes. In letzterer Zeit haben die Klagen der fran­ zösischen Territorialen sowie der Reservisten der Terri­ torialarmee über die unhaltbare Lage, in die sie durch das sogenannte "Depotsystem" gekommen sind, so überhand genommen, daß jetzt auch der "$emp8' sich genötigt sieht, den Anwalt der Unzufriedenen zu spielen. Jedes französische Regiment, das an der Front steht, hat, wie bekannt, fein Depot, aus dem es Erfatzmannschaslen nimmt. Für jedes Depot wird die gleiche Anzahl Leute bestimmt. In der Praxis bewährt sich diese Organisation, wie der "Temps" zugibt, aber durchaus nicht. Erleidet z. B. etn Regiment sehr schwere Verluste, dann findet es in seinem Depot nicht Soldaten genug vor um die entstandenen Lücken wieder auszufüllen; bei einem anderen dagegen, das wenig ins Feuer kommt, ist das Depot stets überfüllt, und man ist gezwungen, die bereits ausgehobenen Reservetruppen, die eigent­ lich schon unter Waffen stehen müßten, zu Hause zu lassen. Dadurch kommen die Reservisten in eine ganz schiefe Lebensstellung. Von der Militärbehörde werden sie noch als Bürger behandelt, von den Bür­ gern aber wie eingezogene Soldaten. Sind sie selbständig im Handel oder in der Industrie tätig, dann können sie nichts unternehmen, weil sie fürchten ihr Vorhaben nicht zu Ende führen zu können. Sind sie in Stellung, dann wird ihnen gekündigt, weil sie jeden Augenblick abgerufen werden können. Sie verlieren ihr Gehalt, und die Militärbehörde gewährt ihnen weder Kost noch Wohnung. Ange­ sichts dieser mißlichen Verhältniffe gibt das Pariser Blatt den Behörden den guten Rat, statt des Depotsystems zur Organisation von neuen Heeresformationen zu schreiten, stellt also das deutsche Vorbild als nachahmenswertes hin! Welcher Mangel an Soldaten­ material in Frankreich bereits herrschen muß, geht aus dem merkwürdigen Vorschlag hervor, den der "Temps" zum Schluß seiner AuRführungen macht. Er findet es nämlich nicht richtig, die Krüppel, die für den Militärdienst untauglich sinid, nach Haufe zu schicken. Man sollte zunächst festuelllen, ob nicht einer dieser Untauglichen vielleicht ein brauichbarer Chauffeur, ein geschickter Handwerker oder gewandter Bureauschreiber ist. In diesem Falle muß die Behörde ihre Hand auf den Mann legen, und dann kann an seiner Stelle ein Felddienstfähiger zur Front. ────────── »verke erklären, daß die hohen Kohlenpreise sie zwingen würden, die Hochöfen auszublasen. ────────── England und die Neutralen. England und Amerika. Aus Gens berichtet die "Welt am Mon­ tag": Tie Havas-Agentur meldet aus Sorte' don: Der borgestrige Kabinettsrat beschloß die ablehnende Erwiderung der in der letzten Note von der amerikanischen Regierung unterbreite­ ten Vorschläge. (Z.) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Ztvangskurs für deutsches Geld in Rußland, WTB. Berlin, 8. März. Ter Ober­ befehlshaber im Osten hat für das gesamte von deutschen Truppen besetzte Gebiet Ruß­ lands deutsches Geld als Zahlungsmittel mit dem Zwangskurs von 100 Mark bei 60 Rubel festgesetzt. Tbuierung in Petersburg. Petersburg, 8. März. Hier herrscht eine erhebliche Teuerung für alle Lebensmittel, besonders für Fleisch, Butter, Roggenmehl und Haber. ────────── Japan und China. China lehnte ab. Aus dem Haag wird der Täglichen Rund­ schau berichtet: Einer Londoner Meldung des "Rotr. C." zufolge, lehnte China entgegen anderen Nachrichten alle Forderungen betreffs Kiautschaus ab. Aus Peking wird die An­ kunft von 8000 japanischen Soldaten in der Provinz Schantung gemeldet. (Z.) Chinesisch - japanische Berhandlungen. A m st e r d a m, 8. März. "Handelsblad" meldet aus London: Nach einem Bericht der "Times" fand gestern in Peking die siebente Konferenz der chinesischen und japanischen De­ legierten statt. China stimmte angeblich der Verlängerung des Abkommens über die süd­ mandschurische Bahn um 19 Jahre zu. Die Bestimmung über den Rückkauf soll erst später erwogen werden, da die Chinesen derzeit nicht bereit waren, alle Forderungen sofort zu be­ handeln. ────────── geben. Es müßte besonders für eine entspre­ chende Unterkunft gesorgt werden, die sicherlich auf dem Land überall geschaffen werden kann. Alles Nähere kann erfahren werden durch die Zentralstelle der Bayer. Bauernvereine in Regensburg. ────────── Der Krieg. Vom Westen wird gemeldet, daß feindliche Flieger Ostende mit Bomben bewarfen, wobei drei Belgier den Tod fanden. In der Cham­ pagne dauern die Kämpfe an., Bei Souain setzten neue Kämpfe ein. Ter Feind wurde im Handgemenge zurückgeworfen, grif aber neuerdings an. Bei Le Mesnil mißglückte ebenfalls ein französischer Angriff. Im Ge­ genstoß nahmen unsre Truppen 140 Fran­ zosen gefangen. Bei Pont au Mouffon, wo jetzt lchnge Zeit Ruhe herrschte, wurde ein neuer französischer Vorstoß abgewiesen. Im Oberelfaß dauern die am Samstag neuerdings begonnenen Kämpfe noch an und konnten da­ her bisher ein Ergebnis noch nicht gemeldet werden, doch wußten Schweizer Blätter be­ reits zu berichten, daß die Franzosen bis an die Grenze zurückgeworfen seien. Im Osten sind in Nordpolen südlich von Augustowo russische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen worden. Einige russische Vorstöße in jenem Teile Nord-! Polens, der in den letzten Tagen bereits das Ziel russischer Angriffe war, bei Lomcza und Praßnicz, wurden abgewiesen. Bei Lomcza ist der Kampf noch! im Ganges Seit zwei Tagen haben wir wieder Nachrichten aus Süd­ polen, wo es zum Stellungskampfe gekommen war. Bei Rawa haben die Unsern vorgestern 0400 und gestern 1500 Russen zu Gefangenen machen können. Es entspinnen sich also an­ scheinend auch hier wieder neue Kämpfe, deren Beginn ein recht vielversprechender für die Unsern ist. Tie Oesterreicher haben in Russisch-Polen wieder mehrfache Erfolge erzielt und den Geg­ ner aus mehreren Stützpunkten geworfen. In Westgalizien wurde Gorlice nach- blutigem Kam­ pfe erobert, mehrere Offiziere und 500 Rus­ sen gefangen. In den Karpathen wurden hef­ tige russische Angriffe abgewiesen unter ver­ nichtenden Verlusten des Feindes. Hunderte von toten Russen liegen dort. In einem an­ deren Kampfabschnitt wurden 10 Offiziere und 700 Russen gefangen und auf einer benachbarten Höhe weitere 1000 Russen gefangen. In Südostgalizien erlitt russische Kavallerie eine schwere Schlappe. Ter Tag verlief also für die Oesterreicher sehr ergebnisreich und zufriedenstellend. Ter Angriff auf die Dardanellen hat beit' Verbündeten trotz aller Siegesmeldungen noch keinen Erfolg gebracht. Nur die äußeren, ver­ alteten Werke konnten sie niederringen, doch! die eigentlichen modernen Batterien feuern unentwegt weiter. Tie inneren Dardanellen­ befestigungen hatten also überhaupt noch keine Gelegenheit, zu schießen. Landungsversuche von Truppen wurden von den Türken leicht abge­ wiesen. Auch aus Smyrna versuchten die Eng­ länder und Franzosen einen Angriff zu ma­ chen, der aber von den dortigen türkischen Forts abgewiesen wurde. Tie italienische Sphhnx hat ihr wahres Gesicht noch nicht enthüllt. Es dürste beson­ ders nach der Entscheidung der Haltung Grie­ chenlands auch noch nicht mit einer sofortigen Entscheidung zu rechnen sein, wenn sich nicht am Balkan oder an den Dardanellen Koch­ plikationen ergeben. Tie italienische Regie­ rung will anscheinend zwei Eisen int Feuer behalten. In Griechenland dauert die MinisterFrise noch an, da Zaimis das Mandatt zur Ka­ binettsbildung zurückgegeben hat, droch dürste noch! heute ein neues Kabinett zustamde kom-! men. Die Ententepresse gibt ihrewt Aerger über die Wendung der Tinge in Griechenland in giftgeschwollenen Artikeln kund, in denen König Konstantin scharf angegriffen wird. In Nordportugal wählten die Demokra­ ten den General Correra Barreto zum Prä­ sidenten der Republik Nordportugah Es scheinen also die Demokraten offen die Fahne des Aufruhrs erhoben zu haben, sicherlich zum besonderen Behagen der Monarchisten, die nur auf die Gelegenheit lauern, der morschen Re­ publik den Garaus zu machen. Recht viel Freude wird England an diesem "Bundes!genossen" also nicht haben. China soll die japanischen Forderungen wegen Kiautschau abgelehnt haben und Ame­ rika soll "unter allen Umständen" die Integri­ tät Chinas zu schützen bereit sein. Man muß, also noch auf ernstere Tinge dort gefaßt fein* wenn Amerika den Worten auch Taten folgen läßt. Japan soll inzwischen in Schantung be­ reits 8000 Mann Truppen gelandet haben. Gestern nachmittags wurde berichtet: ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 8. März, mittags. — (Großes Hauptquartier.) ────────── und mit allen Mitteln vorgetrieben und der Angriff trotz schwerer Verluste dreimal bis nahe an unsre Stellungen vorgetragen. Jedes­ mal scheiterte der letzte Ansturm der Russen unter vernichtenden Verlusten an unsern Hin­ dernislinien. Hunderte von Toten liegen vor unsern Stellungen. In einem andern Abschnitt der Kamlpffront gingen unsre eignen Truppen nach den abgeschlagenen russischen Vorstößen überra­ schend Min Angriff bor, eroberten eine bis­ her vom Feinde stapk besetzte Kuppe und mach­ ten neuerdings 10 Offiziere und 700 Mann zu Gefangenen. Auf einer anderen benachbarten Höhe wurden noch 1000 Russen ' gefangen. In Südostgalizien holte sich starke feindliche Kavallerie, die ge­ gen den Flügel unserer Stellungen isoliert! vorging, eine empfindliche Schlappe. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v .Höfer, Feldmarschalleutnant. ────────── Ein englischer Dampfer gesunken. Berlin, 9. März. Tas "Berl. Tagebl." meldet aus Gens: Ter englische Dampfer "Surra", ein Schiff von 4000 Tonnen Größe, das eine Ladung Gefrierfleisch von Liverpool nach Tünkirchen bringen sollte, ist unterwegs ge­ sunken. Nach der einen Meldung soll das Schiff auf eine Mine gelaufen sein, nach der andern soll es von einem deutschen Untersee­ boot versenkt worden sein. ────────── Der Unterseebootsund Minenkrieg. Von einem Unterseeboot verfolgt. Aus dem Haag meldet die "Tägl. Rund­ schau": Der englische Dampfer "Marlborought" begegnete einer Meldung des "Taily Chroni-cle" zufolge am Donnerstag 40 Seemeilen vor der Humbremündung einem großen deutschen Unterseeboot. Ter Käpitän des Dampfers stellte alle Mann an die Kessel und suchte die größtmögliche Geschwindigkeit zu erzielen. Trotzdem gelang es kann., der Verfolgung zu entgehen, da das Unterseeboot eine verhältnis­ mäßig große Geschwindigkeit entwickelte. IM entscheidenden Augenblick erschienen jedoch, auf die Rufe des Dampfers herbeigeeilt, zwei eng­ lische Torpedoboote, worauf das Unterseeboot tauchte und verschwand. (Z.) Wieder ein englisches Kriegsschiff beschädigte Ter am Sonntag von Leith in Rotterdam angekommene Dampfer "Rotterdam" meldet, daß am 6. März ein am Vordersteven schwer beschädigtes englisches Kriegsschiff (der Name war nicht festzustellen) von zwei Schleppern in den Firth of Forth geschleppt wurde. (Z.) Abwehrmaßnahmcn ver Entente. Nach einer Meldung des "Temps" siyd jetzt 40 französische und 50 englische Torpedo­ boote für den ständigen Sicherungsdienst im Kanal stationiert; 20 davon am Südeingange der Irischen See und 25 längs der englischen Ostküste. ────────── vor ihrem Mitleid, ihrem Spott. Ach nein, lieber tot! Welch eine Wohltat müßte es sein, einzuschlafen, um nie wieder zu erwachen) Ihr Kopf schmerzte; ihre Augen brannten, und in Brust und Schläfen hämmerte es un­ unterbrochen von quälenden Gedanken, die sich in wildem Auf und Nieder jagten, ohne daß sie das Richtige fanden. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie sich so grenzenlos ein­ sam, so von Gott und aller Welt verlassen gefühlt, wie heute an ihrem Hochzeitstage.' Immer rätselhafter wurde es ihr, wie sie wei­ terleben sollte mit diesem dumpfen Weh im Herzen, dieser bleiernen Schwere in allen Gliedern. Vielleicht, daß ihr Kopf klarer wurde) wenn sie einige Stunden ruhte. Aber Ruhe; würde sie je wieder Ruhe finden? Sie suchte ihr Schlafzimmer auf und be­ gann mit zitternden Händen sich auszukleidenAch, wenn sie doch schlafen könnte — lange) lange schlafen könnte! Aber die Dunkelheit ließ ihr das Unrecht, das man ihrem stolzen Herzen angetan hatte, ihre ganze trostlose Lage, in noch viel grelle­ rem Lichte erscheinen. Nun war sie erwacht aus ihrem holden Liebestraum, aber nicht heller, strahlender Sonnenschein grüßte sie, sondern dunkle, öde Nacht starrte ihr entgegen und erfüllte ihr Herz mit unsäglichem Bangen. O, jetzt verstand sie alles, alles! Dev Großmutter Angst und Trauer damals, als sie sich entschlossen hatte, die Werbung des Grafen anzunehmen, seine kurzen und selte­ nen Besuche während der Brautzeit, sein son­ derbares kühles Wesen und des Onkels Bestre­ bungen, ihn allzeit zu entschuldigen und in Schutz zu nehmen. Wie hatte sie nur so un­ glaublich blind und vertrauensselig sein kön­ nen, trotz aller dieser ausfälligen Zeichen! Sie faltete in tiefster Trauer die Hände und schickte ein inbrünstiges Gebet empor zu dem allgütigen Vater, dem Gott des Lichtes, der alle, Finsternis erhellen kann. Nie hatte sie frommer, inniger gebetet. Ihre Seele rang förmlich um einen Fingerzeig von oben, um Offenbarung des göttlichen Willens. O, mein Gott, leite mich- stärke mich, daß ich das Rechte tue zu seinem und zu meinem Heile! flehte sie wieder und wieder, bis der Schlaf sich doch endlich ihrer erbarmte und die müden Augen zum wohltuenden Schlummer schloß. Als sie erwachte, grüßte die Morgensonne mit goldigen Strahlen durch die weißen Fen­ stervorhänge. * (Fortsetzung folgt.) _j Sie wußte nicht, sollte sie fliehen oder bleiben. Und wenn sie ihren Gatten verließ, wohin sollte sie sich wenden? Nach Hause — in das Haus ihres Onkels, der sie wie eine Ware ausgeboten und angepriesen hatte, der diese unselige Heirat zuließ, trotzdem er wußte, daß der Graf nicht einen Funken von Liebe für sie empfand? Nein — nimmermehr! Sie hätte Rechenschaft von ihm fordern, der treuen) alten Großmutter Aufklärungen geben müssen, die auf ihren vergötterten Sohn, den Stolz und die Freude ihres Mutterherzens, ein häß­ liches Licht werfen mußten. Nein — dorthin konnte sie nicht; das war ganz ausgeschlossen. Bekannte und Ver­ wandte besaß sie nur wenige, und auch diese wußte sie meiden: sie scheute ein Begegnen mit ihnen, weil sie sich entehrt- ihrer Men­ schenwürde beraubt, vorkam. Am liebsten hätte sie fliehen mögen, weit, weit fort bis an das Ende der Welt. Aber ach, sie war noch so unerfahren, auch fehlte es ihr an Geld. Die wenigen Sa­ chen, die ihr Koffer enthielt, waren ihr ganzes Besitztum. Und was sollte sie anfangen in der großen fremden Welt, wo ein Unterkommen suchen? Sie fürchtete sich entsetzliche vor den Fragen und Bücken neugieriger Menschen — ────────── Die Türkei im Kriege. Die Beschießung der Dardanellen hatte für die Verbündeten bisher keinen Er­ folg. Nur ganz veraltete Außenwerke wur­ den zum Schweigen gebracht. Es hat also noch kein Fahrzeug das Minenfeld in den Dardanellen erreicht, somit auch noch keine Mine beseitigt. Alle Meldungen hierüber sind Erfindungen. Auch Truppenlandungsversuche der Verbündeten scheiterten. Tie Beschießung von Smyrna. Französische Blätter melden: Englische Schiffe nahmen die türkischen Batterien, die auf dem Berge Tho Adelphi (Zwei Brüder) gelegen find, unter Feuer. Ueber den verur-l fachten Schaden schweigen die Blätter. Fünf Minensucher fischen die Minen im Golfe von Smyrna auf. Nach Meldungen aus Chios find zwei englische Dreadnoughts, zwei Unter­ seeboote und eilt Kreuzer in Brhorla einge­ troffen. Das Forts von Smyrna eröffnete am Nachmittag ein kräftiges Feuer. Die Konstantinopeler Blätter melden, daß die feindlichen Schiffe, welche vorgestern die Forts von Smyrna auf große Entfernung be­ schossen, sechzig Granaten abfeuerten, ohne je­ doch Schaden anzurichten; die Bevölkerung blieb ruhig. Ein feindlicher Kreuzer beschoß einige Hütten von Papaslik bei Edremid (Adramyttium). ────────── Tages-Übersicht. Der Bundesrat hat in seiner gestrigen Sitzung angenommen: die Vorlage betreffend Mindesffuttermengen an Haber, die Entwürfe eines Reichskontrollgesetzes, eines Gesetzes über die Ausgabe von Reichskassenscheinen und Reichsbanknoten zu 10 9011., sowie einen Ent­ wurf einer Bekanntmachung über vorüber­ gehende Zollerleichterungen. Tjer Reichskanzler und die Parteien. Ge­ stern abends fand int Reichskanzler-Palais eine Besprechung zwischen Vertretern der Reichs­ regierung und den Vorständen der Reichstagsftaktionen über die in der bevorstehenden Ta­ gung des Reichstags zu erlebig&iben Geschäfte und die Art ihrer Behandlung statt. Auszeichnung der heimkehrenden Kriegs­ invaliden. Der Kaiser hat sämtlichen aus der französischen Gefangenschaft zurückgekehrten deutschen Kriegsinvaliden das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Kriegsbrot in Italien. Eine amtliche Verfügung bestimmt, daß ab 22. März nur noch «eine einzige Sorte Brot mit Mischung von 80 Proz. Weizenmehl gebacken werden darf. Theses Brot entspreche den Anforder­ ungen der Ernährungshygiene und werde einen bemerkenswert geringeren Verbrauch von Wei­ zen bewirken. Man braucht Deutschland! Das Londoner Handelsamt erteilte in vier Fällen die Erlaub­ nis, Waren, die in England nicht zu haben sind, äus Deutschland einzuführen. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Pass««, 8. März. (Dammrutsche.) Gestern erfolgten auf der Lokalbahnstrecke Passau— Haidmühle Dammrutschungen zwischen Jandelsbrunn und Spitzenberg sowie nahe dem Halteplatz Fischhaus. Tie Züge 4 und 5 muß­ ten zwischen Waldkirchen und Haidmühle ent­ fallen. Ter Verkehr wird durch Umparkieren der Reisenden und des kleinen Reisegepäcks an den Rutschsteften auftecht erhalten. Landshut. 9 März. —* Zum Prüsungsbeifitzer für die Handelshochschule München wurde von der niederbaherischen Handelskammer Herr Kommer­ zienrat Max Kohlndorfer hier ernannt. Tie mündlichen Prüfungen sind für Freitag, den 12. März und Samstag, den 13. März fest­ gesetzt. —* Ein Dankschreiben des Herrn Ma­ jor von Reulling vom 1. Bat. 16. Jnf.-Regts. kam aus dem Felde an die Sammelstelle des Herrn Mühldoreft. »In dem Schreiben wird die Ankunft der Liebesgaben bestätigt und allen edlen Spendern Landshuts herzlichst ge­ dankt, zugleich, aber mitgeteilt, daß die Ver­ teilung erst in 5 Tagen stattfinden »könne, da das Bataillon bei Ankunft der Sendung in die Schützengräben abrücken mußte. —* Ueber Annäherung an Gefan­ genen berichteten wir in der Samstagsnum­ mer. Tie amtlichen Erhebungen haben nun ergeben, daß es sich, lediglich um eine harnü lose Absicht der Zusteckung von Liebesgaben (Brot) handelte. —* Von der Landsturmkompagnie hier sind nun bereits eine Reihe von Teilneh­ mern einberufen worden und die zahlreich an den Führer der Kompagnie, Herrn Kaufmann Füßl hier eingegangenen Dankschreiben bezeu­ gen, wie wichtig den Leuten die hier genossene Vorbildung ist. Uebereinstimmend bekunden alle die starke Bevorzugung, die sie bei ihren Truppenteilen genießen, ja vielfach werden die Leute bereits als Abrichter in Dienst gestellt. Es ist daher nicht zu verwundern, daß in allen Briefen der Tank an die Führer für ihre Mühewaltung zum Ausdrucke gelangt. Es ist jetzt beabsichtigt, vorausgesetzt, daß die genü­ gende Anzahl sich einfindet, für die neuerdings zum Landsturm ausgehobenen Mannschaften eine neue Abteilung zu bilden. Anmeldungen können bei Herrn Kaufmann Füßl erfolgen^ —* Bettlerfrechheit. Gestern abends kam der ledige Taglöhuer Josef Fischleitner von Alhortsmais, Bez.Amt Deggendorf, zu einem Bauern in Ergolding, wo er bettelte! Als er ein Stück Brot erhielt, fing er zu schim­ pfen an und schlug ein Fenster des Hauses' ein. Fischleitner floh sodann, wurde aber ver­ folgt und in der Regensburgerstraße hier fest­ genommen. Es stellte sich, dabei heraus, daß der Festgenommene auch vom Amtsanwalt in Grafenau wegen Hausfriedensbruch gesucht wird. ' > * Zur Mehl- unb Brotverteilung sind auch hier Brotkarten vorgesehen, die in doppelter Fassung ausgegeben werden sollen und zwar für 200 Gramm Mehl oder 300 Gramm Schwarzbrot oder 6 Stück Weißbrot und für 100 Gramm Mehl oder 150 Gramm Schwarzbrot oder drei Stück Weißbrot. Die auf Namen lautenden Karten sollen, vorbehalt­ lich der Genehmigung der K. Regierung am 15. März hier zur Einführung gelangen. —* Als Reinertrag aus dem Vortrage des Herrn Professors Förster konnte der kath> Frauenbund zu Gunsten der Kriegsfürsorge den Betrag bort 370 Mark ab liefern. —* Ter Vortrag im Verein für Frauen­ interessen, der am nächsten Donnerstag statt­ finden sollte, ist verschoben worden. —* Als Erlös an Kriegstelegram­ me n konnten wir gestern wiederum 300 Mark an den Stadtmagistrat abliefern, somit bis jetzt insgesamt, 3300 Mart 36 Psg. —* Tätigkeitsbericht der Kommission zur Unterstützung bedürftiger Angehöriger von ins Feld gezogenen Kriegern pro Monat Fe­ bruar 1915. Bis 23. Februar sind dem Ko­ mitee an freiwilligen Spenden, Rathaus, Zim­ mer Nr. 2, zur Verfügung gestellt worden: 32 205,03 Mk. in bar. Tie Ausgaben betru­ gen 25 743,47 Mk, verbleiben 6461,56 Mk. Wertpapierbestand 1700 Mk. Tie Zahl der bisher zur Empfangnahme reichsgesetzlicher Un­ terstützung angemeldeten Fälle betrug: 1015, bisher 950 (Mehrung 65). Eingewiesen wur­ den: 920, bisher 860 (Mehrung 60). Abge­ wiesen bezw. nicht eingewiesen 95 Fälle. Tie pro Monat Februar an reichsgesetzlichen Un­ terstützungen ausbezahlten Beträge beziffern die Summe von 15 527,64 Mark bei 920 Fäl­ len. Tie Leistungen an freiwilligen Spenden betrugen 4498,95 Mark bei 391 Fällen (bisher 376). Tie bekannt gewordenen Unterstützun­ gen der Arbeitgeber beziffern die Summe von ca. 4500 Mark, ohne Gehälter für das nicht dem Arbeiterstande ungehörige Personal. Tie von der Stadt an Angehörige städtischer Ar­ beiter, welche ins Feld gezogen sind, gewähr­ ten Unterstützungen betragen pro Monat Febr. 466 Mark. Nicht eingerechnet sind die den berechtigten Empfängern ev. noch zufließen­ den Gaben pon der fteiwilligen Sanitätskolonne (in Natura) und der fteiwilligen Feuer­ wehr. ────────── Der Haushaltsplan der Stadt Landshut für das Jahr 1915. III. Das "eigentliche G e me in d e ver­ mögen" erträgt 88 091,77 Mk. (gegenüber 84 552,05 Mk. im Vorjahre). Tie Gruppe "gewerbliche Betriebe" schließt ab mit einer Reineinnahme von 157 017,89 Mk. gegen 121 '>63,54 Mk. im Vor­ jahre. In dem Berichte heißt es hierzu: Wenn auch anzuerkennen ist, daß die ganze Etataufftellung infolge des Weltkrieges schwieriger und in mancher Hinsicht unsicherer ist als in Friedenszeiten, so hat doch Deutschland in die­ sem Kriege eine solche wirtschaftliche, mili­ tärische und finanzielle Kraft bewährt, daß auch der gemeindlichen Finanzgestaltung mit Zuversicht entgegengesehen werden kann und wir eine Besserung des Wirtschaftslebens ge­ genüber den ersten Kriegsmonaten wieder hof­ fen dürfen und ein so großer Ausfall wie ursprünglich angenommen, nicht eintreten wird. Von diesem Standpunkte sind auch andere Städte — wie z. B. Erlangen - ausgegangen; nach n euerlicher Erklärung der Lichtwerkdirek­ tion konnten mit Rücksicht auf die große In­ anspruchnahme des Gas- und Elektrizitätswer­ kes durch Neuanschlüsse die Einnahmen beim Gaswerk um 21 724 Mk. und beim Elektri­ zitätswerk um 7000 Mk. höher erzielt wer­ den. Hierbei hat jedoch laut Ratsbeschluß vom 18. Januar 1915 der Sommergaspreis, wel­ cher eine Differenz von 2 Pfg. pro Kubikmeter ausmacht, in diesem Kriegsjahr in Wegfall zu kommen, was auch mit Rücksicht auf die hohen Kohlenpreise tzerechtfertigt ist. Außer­ dem wurde feine weitere Einnahme dadurch erzielt, daß der Ueberschuß der Kohlen aus dem Etatjahr 1914 auf das Jahr 1915 über­ trag en wurde, wodurch sich dann die Ausgabe­ position für Kohle um 9000 Mk. vermindert hat und die Gesamteinnahmen des Gaswerkes sich um 30 700 Mk. erhöhen. Bei der Gruppe "besondere gesetz­ liche Abgaben" ergibt sich gegenüber 1914 ein Minus von 8000 Mk., da die Besitzverände­ rungsabgaben um 5000 Mk. und die Lustbar­ keitsabgaben um 3000 Mk. niedriger einge­ stellt wurden. Der "Lokalmalz- Und Bierauf­ schlag wurde tnit 4 t 000 Mk., d. i. um 900 Mk. weniger als im Vorjahre, belassen, da wir durch die Truppen- und Gefangenenhierher--! Verlegung voraussichtlich den gleichen Bedarf haben werden. Ter "Friedhof" erbringt eine Mehr­ einnahme von 4123,59 Mk. Tie Einnahmen aus "Märkten und Suiten" mußten mit Rücksicht auf die Kriegs­ lage bezw. die Maul- und Klauenseuche um 4000 Mk. minderer eingesetzt werden. Tie gesamten Betriebsausgaben für den Gemeindehaushalt 1915 mit Einschluß der im Teilvoranschlag vorgesehenen Gemeindeumla­ gen betrugen 2 140 861,57 Mk., die Betriebs­ ausgaben mit Ausschluß der Gemeindeumlagen betragen 1 724 867,79 Mk. Ter durch Gemein­ deumlagen zu deckende Ausfall beträgt sohin 415 993,78 Mk. Insgesamt bilanziert der Gesamtetat incl. der Stiftungen, Sparkasse und Pfaudleihanstalt mit 4 308 945,91 Ml. in Einnahmen und Ausgaben. Von wesentlichem Einfluß aus den Ab­ schluß unsres Haushaltsplanes war die Staatssteuersollfesffetzung. Pro 1914 konnte ein Staatssteuersoll von 322 340,82 Mt. nach Abschreibung von 2 Prozent bestimmt werden, das 1915 um 16 000 Mk. gekürzt an­ genommen werden muß. Nachdem der Berichterstatter Oberbürger­ meister Hofrat Marschall in dem Generalbe­ richte noch die Schaffung eines Ausgleichsfonds angeregt und bemerkt hatte, daß mit Rücksicht auf einen Ausfall von 20 000 Mk. an Ge­ meindeumlagen durch das verminderte Steuer­ soll die Umlagenerhöhung von 5 Prozent ge­ rechtfertigt und den Umlagenzahlern gewiß auch begreiflich ist, schließt er in seinem Be­ richt mit den Worten: "Im Felde schreibt unser herrliches Heer mit eisernem Griffel Weltgeschichte, in der Hei­ mat entsteht ein neues soziales Gemeinschafts­ gefühl, ein neues Pflichtbewußtsein für fremde Not ist in die öffentlichen Verbände, in die Vereine und die Privaten eingedrungen. Ter Boden ist vorbereitet. Gebe Gott, daß die Saat im Felde und in der Heimat bald reist!" ────────── Letzte Posten. Kanonendonner im Kanal. A m st e r d a m, 9. März. "Telegraph" be­ richtet aus Hoek van Holland, daß von der See her schwerer Kanonendonner gehört worden sei. Tie grijgchische Kabinettskrise. Athen, 9. März. Ta Venizelos auf eine Anftage des Königs erklärte, daß er in der Kammer nicht eine Regierung unterstützen kön­ ne, deren 'Ansichten über die äußere Politik den seinen zuwiderlaufe, legte Zaimis das Mandat zur Kabinettsbildung in die Hand des Königs zurück. Dieser berief Gumali zu sich, der sich, heute nachmittags entscheiden wird. Truppen tu Tunis. Rom,! 9. März. In Tunis, wo bei Be­ ginn des Krieges 75 000 Mann standen,, be­ finden sich nur noch 40 000 Mann. Auch von dort wird bestätigt, daß eine Landung von eng­ lischen und französischen Truppen in Syrien geplant ist, die der türftschen Kanalarmee den Rückzug abschneiden sollen. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Verbot bes Verkehrs mit Gefangenen. Die Tatsache, dah kürzlich eine Frau und einige Kinder den Gefangenen Liebesgaben (Brot) zustecken wollten, ist im Publikum hier und auswärts sehr mitzsälltg empfunden worden und hat öffentliches AerqerniS erregt und auch verschiedene unliebsame Zuschriften aus Verwundeten Lazaretten hervorgerufen und Verdächtigung unserer wetbl. Bevölkerung veranlaßt. Unsere Einwohner­ schaft möge daraus erkennen, welche unangenehme Folgen auch aus harmlosem Verkehr mit Gefangenen entstehen und wird deshalb unter Hinweis auf die bereits veröffentlichten Strafbestimmungen wiederholt und dringend aufgefordert, sich jeder Annäherung an die Gefangenen zu enthalten und mitzuhelfen, daß hiegegen Zuwiderhandelnde zur Strafanzeige gebracht werden. Landshut, den 8. März 1915. Stadtmagistrat. Marschall, K. Hofrat. 650