Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-05-06. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 123, 1915-05-06. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Aus Cetinje wird gemeldet, daß die aus allen Teilen des Landes einlaufenden Nach­ richten übereinstinimend besagen, daß die Lage der montenegrinischen Bevölkerung infolge des Krieges von Tag zu Tag schlimmer werde. Besonders in den Gegenden, welche von den österreichischen Truppen besetzt gewesen seien, mache sich Lebensmittelteuerung und Lebens­ mittelmangel fühlbar. Infolge der ununter­ brochenen Ausfahrten der österreichisch-unga­ rischen Flotte sei die Verproviantierung un­ möglich- geworden. Tausende von Familien, die sich aus Bosnien und der Herzegowina nach- Montenegro geflüchtet haben, liegen nun­ mehr der Regierung zur Last. Tie österreichi­ schen Flieger werfen täglich auf Städte und Dörfer des Landes Bomben, wodurch viele Personen getötet wurden. ────────── Literarisches. Vom "Kriegsecho" (VerlagUllsteinu.Co.) find jetzt Heft 36—38 erschienen. In ihnen find enthalten u. a.: die Osterschlacht in den Karpathen, die Angriffe der Franzosen zwischen Maas und Mosel, die Karpathenschlacht, die Seeschlacht in den Dardanellen am 18. März, die Kämpfe bei Iper«, der Gegenstoß in den Karpathen usw Wettere Beiträge handeln über Luftkrieg, Seekrieg, Handels­ krieg, über die Türkei und bin heiligen Krieg und über die gute Lage in den Kolonien. Zahlreiche Bilder veranschaulichen den Inhalt. ────────── Der Rückzug der Russen in Galizien. ────────── Weiteres Vordringen der Deutschen bei Apern. - Die Russen aus einer 150 Kilometer langen Front geschlagen. — Unsere Unterseeboote an der Arbeit. — Die italienischen Mindestforderungen. — Die Kämpfe an den Dardanellen. — Ein japanisches Ultimatum an China bevorstehend. die zur Entlastung der Engländer bei Ypern und der Russen in Galizien unternommen wird, ähnlich! wie seinerzeit die Winterschlacht in der Champagne. Bei Pont a Mousson wurde ein französischer Angriff unter star­ ken Verlusten des Feindes abgewiesen. Bei Ailly dagegen griffen die Unsern mit gutem Erfolge an und nahmen 10 Offiziere und 750 Franzosen gefangen. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz stießen die Russen zum Angriff auf unsre neue Front in Südwestrußland gegen Rossinis vor, wur­ den aber abgewiesen. Tie Verfolgung des Feindes ist im Gange. Bei Kalwarija, Suwalki und Augustowo scheiterten gleichfalls rus­ sische Vorstöße. Bei Augustowo wurden 500 Russen gefangen. Bei weiteren Nahkämpfen blieben ebenfalls die Unsern Sieger. Unsre Unterseeboote haben wieder neun englische Fischdampfer, die von den Engländern zu Kriegszwecken benützt wurden, in den Grund gebohrt. Dasselbe Schicksal soll der schwedische Schoner "Elsa Hamstadt" erlitten haben. Einen interessanten Beleg für die Ver­ hältnisse in Frankreich! bietet die Nachricht, daß Frankreich seine aus Teurschland zurück­ gekehrten Austauschgefangenen (Invaliden) nicht in ihre Heimat entläßt, sondern in eige­ nen Lagern einsperrt. Tie Herren Franzosen fruchten anscheinend, die Entlassenen könnten im Volke die Wahrheit über die Verhältnisse in Deutschland verbreiten und dadurch! dem Treiben der Kriegshetzer einen Riegel vor­ schieben. Tie italienischj-österreichischen Verhandlun­ gen sollen zu einem Abschluß geführt werdvn können. Zu diesem Zwecke hat nach einer Baslermeldung Italien an Oesterreich seine Mindestforderungen eingereicht. Allerdings, wie es scheint, einige Stunden vor der Nach­ richt vom Siege in Galizien. Es ist daher anzunehmen, daß Italien noch mit sich reden läßt und den veränderten Verhältnissen sich, weiter anpaßt. Tas erste Zeichen hierzu hat ja der König und die Regierung bereits ge­ geben durch den Verzicht auf die Teilnahme an der Feier in Quarto, der wie es in italieni­ schen Blättern heißt, wie "eine schmerzliche und entsetzlich! kalte Touche" gewirkt hat. Wir können dem Treiben ja ruhig zusehen, doch, können wir schon sagen, es schadet nichts, wenn die heißblütigen Herren Italiener einmal et­ was abgekühlt werden. Vom südöstlichen Kriegsschauplätze kann auchl heute noch kein endgültiges Resultat ge­ meldet werden, wie dies auch nicht anders möglich ist, denn die Kämpfe und die Verfol­ gung des fliehenden Feindes dauern noch im­ mer an. Eines steht aber fest: Tie russische Front in Westgalizien ist von der Weichsel bis zum Tuklapaß vollständig geworfen. Nach! dem gestrigen deutschen Berichte ist bereits die dritte befestigte Linie der Russen über den Haufen gerannt, sodaß sie bis auf die Wisloka zurückweichen müssen. Ob sie dort in vielleicht noch vorbereiteten Stellungen Wi­ derstand leisten können, werden die nächsten Tage lehren müssen. Bei dem scharfen Nach­ drängen der Verbündeten werden sie schwer­ lich viel Zeit zum Festsetzen finden. Tie Rus­ sen beginnen auch bereits ihre südöstlich von Tukla gelegene Stellung zu räumen, da diese unhaltbar geworden ist. Tie vorläufige Zahl der Gefangenen wird auf über 30 000 ange­ geben. Ter österreichische Bericht gibt noch weitere Aufklärung über den Erfolg der Ver­ bündeten. Tie russische Beskidenfront Zboro— Sztropko—Lupkow ist unhaltbar geworden, nachdem die Verbündeten bereits bei Jaslo— Zmigrod, weit im Rücken dieser Front ange­ langt sind. Tie Müssen sind daher dort in vollem Rückzug, von österreichischen und deut­ schen Truppen verfolgt. Damit ist der letzte Streifen ungarischen Landes vom Feinde be­ freit. Tie Front, auf der die Russen zum Rück­ zug gezwungen wurden, hat eine Länge von 150 Kilometern. Es ist damit eine neueKriegsPhase in Galizien eingetreten. Aus dem Stel­ lungskampfe ist ein Bewegungskrieg gewor­ den, der von den Verbündeten mit Kraft ge­ führt, den Gegner in raschem Zuge verjagt. Zn Westen geht es bei Ypern ununter-, brachen vorwärts. Zu den vorgestern gemel­ deten 5 Ortschaften, welche die Unfern dem Feinde abgenommen haben, sind gestern vier neue gekommen. Tie Engländer sind, mit schwersten Verlusten weiter in der Richtung auf dem hart östliche von Ypern gelegenen Brückenkopf zurückgeworfen und es dürfte die Einnahme dieses Platzes, oder besser gesagt, die Besetzung des Trümmerfeldes von Ypern in Bälde zu erwarten sein. Zwischen Maas und Mosel herrscht wieder regere Tätigkeit, sagt der Bericht, ohne aber hierfür nähere Ein­ zelheiten anzugeben. Es dürfte sich hier wohl um eine Hilfsaktion der Franzosen handeln, Tie italienische und die griechische Presse sind sich in die Haare geraten und zwar wegen Smyrna, das aber zufällig nach! der Türkei gehört, deren Besiegung aber viel mächtigeren als es Italien oder Griechenland sind, bis jetzt nicht gelungen ist und wahrscheinlich auch nicht gelingen wird. Tie französische Presse, die beide Länder schon als "Verbündete" sieht, mahnt zur Einigkeit. Nun den Herren wer­ den ja die Bäume nicht in den Himmel wachfsen. Tie Türken haben neue Landungstruppen der Verbündeten bei Kaba Tepe und südlich von Ariburun in ihre Boote zurückgejagt. Auch bei Seddil Bahr wurden die Truppen der Verbündeten zurückgeworfen, die nur durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe vor der Gefahr be­ wahrt bleiben, ins Meer geworfen zu werden. Chinas Antwort auf die letzten japanischen Forderungen, die ablehnend ausgefallen war, wird jetzt veröffentlicht. Wie verlautet, soll die japanische Regierung noch ein Ultimatum an China richten, worauf wohl die 60 000 Japaner, die bereits "zum Schutze der japani­ schen Untertanen" in China stehen, marschie­ ren werden. Tie Japaner haben ja jetzt Ellbogensieiheit, nachdem Amerika erklärt hat, in einem japanisch-chinesischem Krieg neutral bleiben zu wollen. Das Letztere ist allerdings nicht zu verwundern, nachdem Amerika seine, unsagbare Schwäche betritt gekennzeichnet hat, daß es nicht einmal sich Protest einzulegen ge­ traute gegen die Anwesenheit von japanischen Kriegsschiffen und die Ausbootung von ja­ panischen Soldaten in der Turtlebai. ────────── WTB. Berlin, 5. Mai. Mittags. — (Großes Hauptquartier). Bericht des deutschen Hauptquartiers. ────────── Im Priesterwalde, nordwestlich von Pont a Moufson griffen die Franzosen gestern mit starken Kräften an. Trotz langandauernder Artillerievorberei­ tung brach der Angriff mit starken Verlusten für den Feind in unserem Feuer zusammen. Dagegen gingen wir bei dem Walde von Aillh und östlich zum Angriff über, der gute Fortschritte machte. Hier nahmen wir bisher 10 Offiziere und 750 Mann gefangen. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Von Südosten kommende russische Angriffe auf Rossienie wurden abgewiesen. Tie Verfolgung des Feindes ist im Gange. Auch bei Kalwarija sowie nordöstlich von Suwalki und östlich von Augustowo scheiter­ ten mehrere russische Vorstöße. Tort wurden insgesamt 500 Russen gefangen genommen. Aus der übrigen Front fanden einzelne Nahkämpfe statt, die sämtlich zu unseren Gun­ sten entschieden wurden. ────────── Die Angriffe der verbündeten Truppen nördlich! der Waldkarpathen durchbrachen ge­ stern bereits die dritte befestigte Linie der Russe«, die dort auf der ganzen Front geworfen wurden und auf die WiSloka zurückweichen. _____ Tie Größe des Sieges kann man daraus ersehen, daß infolge des Durchbruches der Verbündeten die Russen ihre in der nördlichen Flanke bedrohte Stellung in den Waldkar­ pathen südöstlich von Dukla zu räumen beginnen. Tie Schnelligkeit, mit der unser Erfolg erreicht wurde, macht es unmöglich, ein zah­ lenmäßiges Bild über die Siegesbeute zu geben. Nach> den vorläufigen Meldungen scheint die Zahl de rGefangenen bisher Üb« 30000 zu betragen. Oberste Heeresleitung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. ────────── Die Kämpfe der Oesterreicher. WTB. Wien, 5. Mai. Mittags. — Amtlich wird gemeldet: Tie Rückwirkung des Sieges beginnt sicht­ bar zu werden. Tie russische Beskidenfront Zboro—Sztropko—Lupkow ist unhaltbar ge­ worden. Ta die siegreichen verbündeten Streitkräfte unter andauernd erfolgreichen Kämpfen von Westen her gegen Jaslo und Zmigrod wei­ ter vordringen, ist der Gegner im Westabschnitt der Kavpathenfront seit heute früh im vollen Riühng aus Ungarn, verfolgt von unsern und deutschen Truppen. Me Russen sind somit an einer etwa 150 Kilometer langen Front geschlagen und nnter den schwersten Verlusten zum Rückzug gezwun­ gen. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. H o e f e r, Feldmarsch alleutnant. Seine Berliner Eindrücke schildert in einem längeren Aufsatz der auf betn Wege an die deutsche Ostfront begriffene Mitarbeiter des Madrider ,,A. B. C." Juan Pufol in der Nummer dieser Zeitung born 1 24: April: "Tie Einbildungskraft muß förmlich dazu gezwungen werden, sich zu vergegenwärtigen, daß dies die Hauptstadt eines von rachsüch­ tigen, zahllosen und unerbittlichen Feinden umgebenen Landes ist. Ich, der ich mich bis vor wenigen Wo­ chen in London aufhielt und vor noch kür­ zerer Zeit durch Paris kam, kann besser als ein anderer das Vertrauen und die Gemüts­ ruhe der Berliner Einwohnerschaft beurteilen. Berlin macht einen derartigen Eindruck von Heiterkeit, Ausgeglichenheit, Zuversichtlichkeit und Kraft, daß man sich schämen möchte, auch nur einen einzigen Augenblick an Deutschlands endgültigem Siege gezweifelt zu haben. Tie Opfer sind groß: es tut nichts. Die Zahl der Feinde nimmt zu: es tut nichts. Tie Industrie hat unvermeidliche Einbußen erlitten, der Außenhandel hat abgenommen: es tut nichts! Tie Fähigkeit und der Wille zum Opfer sind hier bei den Teutschen keine eitlen Worte. Man lebt und stirbt hier heiter und schön wie im klassischen Altertum. Denn das ist das ungeheuerlichste und erstaunlichste Paradoxon, das mir auf meinen Reisen im Kriege vorge­ kommen ist: Wenn es eine Stadt gibt, welche in den klassischen Eigenschaften der Klarheit, Ordnung und Symmetrie geradezu ausgeht, und ein Volk, das bereit ist, sein Leben hin­ zugeben, um ihm den höchsten idealen W>ert zu verleihen, dann ist Berlin diese Stadt und dieses Volk das deutsche! — Müssen in einem gewissen Lande die Restaurants um 9 Uhr geschlossen werden, um der Trunksucht Ein­ halt zu tun, verhält man sich in einem an­ deren Lande still und schweigsam bis Mitter­ nacht, so hört man in Berlin "Parsifal" oder lauscht Shakespeareschen Stücken. Ta ist es wohl nicht schwer zu entscheiden, welchem von diesen Völkern das Attribut der Barbarei zu Recht zuzusprechen ist. Fürwahr: alles, was ich sonst in den europäischen Städten gesehen habe, deutet auf Furcht, die Sucht, das Althergebrachte auf­ recht zu erhalten, das stillschweigende Bewußt­ sein, daß die Menschheit den Gipfel aller Ent­ wicklung erreicht habe und es ein Verbre­ chen sei, sie vorwärts bringen zu'wollen, und das geflissentliche Bestreben, dem Schmerz aus dem Wege zu gehen, kurz auf eine Ueberschätzung des materiellen Lebens. Hier in Berlin finde ich vollkommen das Gegenteil. Es liegt in diesen Menschen eine Schöpferkraft, welche fähig ist, die Welt zu erneuern. Und das nennen seine Feinde eine rohe Kraft. Nein, es ist weder rohe noch blinde Kraft, sondern jugendliche Stärke, Ueberfülle, Vollkraft des Lebens. Und dieses unüberwindliche Ungestüm, das mehr in die Zukunft als in die Vergangenheit schaut, birgt in sich eine große Bewegung und eine tiefe, eigene Poesie. Um sie zum Ausdruck zu bringen, bedürfte es eines Dichters, der die Gaben eines Walt Whitmann mit denen eines Rudyard Kipling und etjjes Verharren vereinigte, und dabei weder Amerikaner, nochi Engländer oder Bel­ gier wäre. Tie Transporte durch! die Schweiz. Basel, 5. Mai. Am Dienstag nachmittag kam der hundertste mit Franzosen besetzte Zug von französischen Evakuierten nach Schaffhau­ sen in der Schweiz, seitdem die Transporte,, militärisch geleitet werden. Tamit beträgt die Zahl der. seit dem 4. März durch die Schweiz transportierten Personen annähernd 30 000. Amerikanische Arbeiter gegen die Munitions­ lieferungen der Union. Aus Wien berichtet die "Tägl. Rundsch.": Tie "Reichspost" meldet über Rotterdam aus Newyork: Acht in Boston liegende Munitions­ frachtdampfer, deren Abfahrt nach England letzte Woche erfolgen sollte, konnten nicht ausfahren, weil die Bostoner Schiffsarhtiter sich- im Interesse des Friedens weigern, die Dam­ pfer zu befrachten. Tie Verhandlungen der Reedereien mit der Arbeiterschaft erbrachten bisher kein Ergebnis. ,(Z.) ────────── Italien. Ein italienisches Ultimatum Nach der "Frankfurter Zeitung" schreiben die "Basler Nachrichten": Nach dem Secolo soll Italien gestern abend an Oesterreich mit einem Mindestprogramm herangetreten sein, das einem Ultimatum gleichkomme. Es wäre eine seltsame Ironie der Weltgeschichte, wenn Italien aus seiner vorsichtigen Haltung gerade einige Stunden vor dem Bekanntwerden der Siegesnachricht vom Tunajec herausgetreten wäre, die, ob sie nun optimistisch oder zurück­ haltend zu bewerten sei, doch! jedenfalls die diplomatische Position Oesterreichs wesentlich stärken wird. Wenn die russische Stellung in Galizien erschüttert werde, so gewinnt in Pe­ tersburg der Gedanke an einen Separatfrieden vielleicht sehr an Einfluß, noch mehr vielleicht, wenn sich die Unfähigkeit der Verbündeten zei­ gen sollte, den Tardanellenriegel zu sprengen, also dem russischen Hauptinteresse wirksam zu dienen. (Z.) Ein vernünftiger Italiener. Tie "Köln. Volksztg." meldet aus Rom: Senator Ballt empfiehlt in einem viel bespro­ chenen Schreiben an den "Popolo Romano", daß der König statt in den Krieg zu ziehen und Zerstörung auf Zerstörung zu häufen, sich zur Friedensstiflung mit dem Papst verbinden möchte. König und Papst würden damit zju einem heiligen Friedenswerk in den eigenen Pflichtenkreis zurückkehren und die Dankbar­ keit der ganzen Welt ernten. Schon ein Waf­ fenstillstand von wenigen Tagen wäre eine segensreiche Wohltat. (Z.) Tie Küinpse in Tripolis. Aus Rom meldet die "Deutsche Tagesztg.": Ter Verrat von 4000 eingeborenen Soldaten durch Ue6erlaufen zu den Angreifern des ins­ gesamt über 6000 Mann zählenden Expe­ ditionskorps bei Sirte beschäftigt die politi­ schen Kreise lebhaft und der Tod von 18 Offi­ zieren und 200 italienischen Soldaten sowie die Verwundung von 20 Offizieren und 400 Soldaten wird allgemein schmerzlich empfun­ den. Die Schuld an dem Vorkommnis wird dem örtlichen Kommando beigemessen, das sich von den Küstenorten nicht entfernen und jeden­ falls das Gelände etwaiger Expeditionen sorg­ sam auskundschaften sollte. Es werden weiter Irrtümer in der Anwerbung eingeborener Sol­ daten und zu weitgehendes Vertrauen gegen die Eingeborenen und ihre Häuptlinge auch, aus Seiten des Kolonialministeriums beklagt. ────────── reichischen Sieges in Westgalizien an, indenk sie schreiben, daß ein bloßer Blick auf bie Karte genüge, um die Wichtigkeit dieses Er­ folges vom strategischen Standpunkt aus zu ersehen. (Z.) Zur Schlacht in Westgalizien. Die "Köln. Ztg." meldet aus dem Kriegs­ pressequartier: Zn der großen Schlacht iuWestgalizien spielten nicht bloß die Geschosse der 42-Zentimeter-Mörser, sondern auch die Wir­ kung der 30,5-Zentimeter-Mörser eine um so größere Rolle, je kläglicher die Rolle der russi­ schen Artillerie sich gestaltete. Ihr Munitions­ mangel scheint erwiesene Tatsache geworden zu sein, sie betätigte sich, überraschend schwach. Andererseits ging die verbündete Infanterie an vielen Stellen so blitzartig vor, daß sich! die russische Artillerie zwar neu einstellte, aber überhaupt nicht mehr zum Feuern kam. Tie artilleristische Vorbereitung und die Wirkung der Artillerie war auf unserer Seite grpß? artig. Tie ganze Front war förmlich gespickt tritt unseren so zahlreich herangebrachten deut­ schen Geschützen schwersten Kalibers, gegen wel­ che die stärksten russischen Stützpunkte wehrlos waren. Erschütternd für die Russen waren die Minenwerfer, welche gründlichste Arbeit täte«. Tie Führung der Schlacht war meisterhvft. (Z.) 2er Einvruck in Holland. Die holländische Presse widmet den deut­ schen und österreichisch-ungarischen Kriegsbe­ richten, die eine Ueberraschung brachten, län­ gere Besprechungen. Ter "Haager Rieuve Cou­ rant" fragt, wie es möglich sei, daß so schnelle Fortschritte gemacht würden, und sagt, das mache die unglaubliche Energie der Menschen, und die Industrie einerseits und die kolossale technisch« Vollendung der Kriegsmittel ander­ seits. Beide ergänzen sich. So erreiche man in diesem Kriege Erfolge, die ans Wunder­ bare grenzen. Wer das zuerst zu tun ver­ möge, sei der Anderen Meister. — "Handels­ blad" schreibt: Wie groß die Veränderung der Lage an der galizischen Front ist, läßt sich noch nicht absehen, aber man kann aus den deutschen und österreichisch-ungarischen Berich­ ten Entnehmen, daß den Russen ein tüchtiger Stoß versetzt wurde. — "Tijd" erklärt: Wer jetzt Näheres über die Operationen der ger­ manischen Bundesgenossen zu erfahren wünscht, kann sich die Mühe sparen, die armseligen Berichte des russischen - Generalstabes zn Rate zu ziehen, die an Unbedentendsein nicht viel den Berichten der Franzosen und Engländer über die Kämpfe in Flandern nachgeben. — Ter "Rieuve Rotterdamsche Courant" meint: Tie kräftige Offensive über den Dunajec, ge­ paart mit starkem Truck in den Karpathen, iriuft, wenn es gelingt, die Russen zwischen dem Uzsokerpaß und der Stelle, wo die Front nach Norden umbiegt, in eine heikle Lage bringen und sie zum Rückzug nötigen. Tie Gefangenen von Przemisl als Bergarbeiter Kopenhagen, 5. Mai. Nach einer Pe­ tersburger Meldung werden im Kohlenbezirke am Don nahezu 20 000 Gefangene aus Prze­ misl zu Grubenarbeiten verwendet. (Z.) ────────── Der Krieg zur See. Auszeichnungen des österreichischen "U 5". Wien, 4. Mai. Ter Kaiser verlieh dem Linienschiffsleutnant Ritter v. Trapp, Kom­ mandant des Unterseebootes "U 5", das Ritter­ kreuz des Leopoldordens mit der Kriegsde­ koration, dem zweiten Offizier des Untersee­ bootes, Linienschiffsleutnant Seiffertits, den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und der Mannschaft des Un­ terseebootes goldene bzw. siberne Tapferkeits­ Medaillen 1. Klasse. — Kaiser Wilhelm ver­ lieh dem Kommandanten Ritter v. Trapp das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse. Der Nntcrseckrieg. London, 5. Mai. Fünf weitere Fisch­ dampfer "Hector", "Progreß", "Rudbh", "Coquet" und "Bobwhite", sind von deutschen Un­ terseebooten in der Nordsee versenkt worden. London, 5. Mai. Tie Besatzungen dreier Fisch-dampfer ans Hüll, "Jolanthe", "Heros" und "Northward Ho" kamen gestern abend in Hüll an und meldeten, daß ihre Schiffe am 3. Mai von einem deutschen Untersee­ boot in der Nordsee in die Luft gesprengt worden seien. Ter englische Fischdampser "Cruiser" wur­ de durch ein deutsches Torpedoboot beschossen. Vier Mann der Besatzung wurden getötet. Tie übrigen sieben trachteten, in Booten zu entkommen. Ein Boot kenterte. Tie Insassen wurden gerettet und werden nach Aberdeen » gebracht. ' Nach einer Lloydsmeldung aus Leith wurde der schwedische Schoner "Elsa Hamstadt" - am 2. Mai früh durch- ein deutsches Unter* | seeboot in Brand geschossen. Tie Besatzung | wurde durch, den Dampfer "Fermebo" in Leith | gelandet. | Ter Seekrieg in der Ostsee. | Aus Kerdbh wird die Versenkung eines größeren Handelsdampfers in der Fehmardbelt durch ein deutsches Torpedoboot gemeldet. Tie Besatzung wurde durch das Torpedoboot gerettet. Nach den bisherigen Nachrichten han­ delt es sich- um einen russischen Kohlendampßer.Nach den letzten Meldungen soll es sich! aber um den schwedischen Tampser "Vanadis" handeln, der von einem deutschen Wachtschiff zum Hal­ ten aufgefordert, worden war, ohne sich darum zu kümmern. (SO ────────── Der Krieg mit England. Ein neues Wehrgesetz in England? Ans Kopenhagen meldet die "Volksztg.": "Politiken" berichtet aus London: Tie Ober­ leitung der Lederindustriellen und andrer Gruppen von Heereslieferanten hätten vom! Kriegsministerium die Weisung erhalten, recht­ zeitig für Arbeiterersatz durch angelernte weib­ liche Kräfte zu sorgen, da innerhalb der näch­ sten drei Monate die Einziehung der waffen­ fähigen Arbeiter auf Grund eines neuen Wehr­ gesetzes erfolgen werde. (SO ────────── Gestern vormittags beschoß die russische Flotte ergebnislos das unverteidigte DorfJghne Adana, worauf sie sich zurückzog. Von den übrigen Kriegsschauplätzen ist nichts zu Melden. Dias französische LanvungstorPs vernichtet. Tie Mailänder "La Sera" meldet aus Athen: Das Landungskorps des Generals d'Amade auf Seddil-Bahr ist zum größten Teil von den Türken vernichtet worden. Nur etwa 8000 Mann konnten sich auf die Schalüppen der Kriegsschiffe retten. Von diesen Schalup­ pen sind noch zwölf von den Türken in den Grund gebohrt worden. T'eutschze Flieger an den TarSanelten. Teutsche Flieger nehmen nach Meldungen aus Mytilene an den Erfolgen bei der Abwehr der Landung an den Dardanellen fortgesetzt großen Anteil. Ein Flugzeug, das während der KäMpfe bis auf hundert Meter herunter­ gegangen war, konnte trotz heftiger Beschießung duvch Bombenwürfe zwei Schleppschiffe, aus denen sich Kanadier befanden, die nach dem Transportschiffe zurückkehrten, treffen undzutll Sinken bringen. Tie Blätter veröffentlichen ausführliche Erzählungen verwundeter Offiziere und Sol­ daten. Daraus ist hervorzuheben, daß die feindlichen Offiziere größtenteils junge Leute -find. Ter Feind bedient sich Fesselballons, um das Feuer der Schiffsartillerie zu leiten, sowie Flugzeugen, welche Bomben werfen. 2icc beschädigte englische Panzer "I,Flexible". Tie "Köln. Ztg." meldet aus Madrid: Aus Algeciras wird berichtet, daß der Zustand des bei den Dardanellen beschädigten englischen Panzerschiffes "Inflexible" so .ernst ist, daß man Monate für seine Wiederherstellung rech­ net. Tas Schiff ist durch Holzverschalungen am Bug fahrbar gemacht. Mit bloßem Auge find an dem Schiff etwa 200 von Treffern herrührende Löcher am Vorderschiff, ©teuer* bord und den Schornsteineü zu erkennen. Tie 3000 in Gibraltar tätigen Arbeiter haben sich zur Nachtarbeit verpflichten müssen, um die Ausbesserungsarbeiten zu beschleunigen. (Z.) ────────── Gewagtes Spiel. Roman hott C. Teutgen-Horst. 78] (Nachdruck verboten.) Tier Graf stand am geöffneten Fenster. Ruhig, als wäre nichts geschehen, ruhte sein Blick aus den Ranken des bereits herbstlich« gefärbten Weinlaubes. :Bvrsichtig trat sie näher und rief leise seinen Namen. "Kurt —!" Unwillig, als fürchte er, daß die unan­ genehme Szene von vorhin noch eine Fort­ setzung finden könne, wandte er sich- um. Als er Feodora erkannte, taumelte er einen Schritt zur Seite und suchte nach einer Stütze; ihr Anblick schien ihn vollständig zu überwältigen. "Feodora — Tu —" stammelte er, sich! mit aller Wacht zur Ruhe zwingend. "Kommst Tu endlich-, um auch. einmal nach mir zu sehen? Ich, danke Tir." Aber sie ergriff seine ihr entgegengestreckte Rechte nicht. Mit gefalteten Händen stand sie vor ihm, und ihre Augen strahlten ihn an, daß ihm das Blut siedend heiß zum Herzen schoß. "Ich- war immer bei Tir, Kurt — wäh­ rend der ganzen Seit, wo Tu krank lagst", sagte sie leise. Er sah sie an, als vermöchte er nicht zu begreifen, was sie ihm da enthüllte; dann plötzlich- leuchtete ein heller Freudenschein in seinem Antlitz aus. "Schwester Desideria — Du — Du warst es selber? Tu hast mich, so aufopfernd gepflegt — freiwillig, und nicht, um vor der Welt Teine Pflicht zu tun, bist Du zu mir gekommen?" Sie nickte mit glücklichem Lächeln, wäh­ rend er sie noch, immer fassungslos anstarrte. "Freiwillig und nur getrieben von meiner Sehnsucht," flüsterte sie. "Und jetzt —" sie stockte, und eine heiße Blutwelle überflutete ihr Gesicht. "Kurt, sei nicht böse, aber ich habe Teine Unterredung tritt jener Frau, auf die ich, so schrecklich eifersüchtig war, mit ange­ hört — ich weiß, alles — weiß, daß ich Tir bitteres Unrecht getan habe." "Feodora — Fee!" Eine Welt von Liebe und Glückseligkeit tönte ihr aus diesem Ruf entgegen. Sieine Arme breiteten sich, aus, und im nächsten Augenblick hielt er sein Weib an seinem Her­ zen. Fest und immer fester preßte er sie an sich, als wollte er sie nie mehr von sich lassen. "Glaubst Tu nun endlich an meine Liebe? Und hast Tu mich, denn wirklich lieb?" fragte er, trunken vor Seligkeit. Sie nickte, die liebverklärten Augen zn ihm aufschlagend. Tann schlang sie die Arme um seinen Hals und flüsterte, ihr erglühendes Gesicht an feiner Brust bergend: "Ich, habe Ttch immer geliebt, Kurt — immer, so lange ich denken kann." Es klopfte, aber die beiden in ihr Glück versunkenen Menschen hörten es nicht. Ta öffnete sich, die Tür, und der Justizrat sah in das hellerleuchtete Simmer. Aber er trat nicht ein; wie gebannt blickte er auf das sich! engumschlnngerihaltende Paar. Er hörte das Flüstern und Kosen, und leise — ganz leise, um die beiden Glücklichen, die sich nun end­ lich gefunden hatten, nicht zu stören, schloß er die Tür. Sein Herz war voller Jubel, aber auch] voller Tank gegen Gott, der das verwegene Spiel, das er in törichter Bermesienheit mit dem Glück zweier Menschenherzen gespielt, so gnädig zu Ende geführt hatte. Ende. ────────── Japan und China. Chinas Zugeständnisse. China hat vor einigen Tagen an Jäpan eine Note überreicht, in welcher die letzten 'Zu­ geständnisse enthalten waren, die China auf die japanischen Forderungen zu machen be­ reit ist. Durch' dieselben gibt China seine Provinzen Fukien und die Ostmongolei fast vollständig preis. Trotzdem sind die Japaner nicht befriedigt, da ihre viel weitergehenden Forderungen nicht erfiillt sind. ────────── betreffenden Gemeinde selbst anstandslos in Zahlung genommen. Kam man aber mit die­ sen Scheinen in die eine halbe Stunde ent­ fernte Nachbargemeinde, so verweigerte man hier die Annahme. Allmählich wuchs auf diese Weise in jeder Brieftasche eine Samwlung von sehr verschiedenen, z. T. abenteuerlich­ aussehenden Geldscheinen, die kostspielig ge­ nug und von sehr zweifelhaftem Sammelwerts war. Tiefe Wirrnis, unter der alle, unsre Soldaten wie die Einwohner, die einheimischen wie die deutschen Behörden zu leiden began­ nen, konnte schließlich nicht weiter gehen und bedurfte eines helfenden Eingriffes. Es wurde daher von unsrer Seite, nach­ dem schon aus eignem Entschlüsse sich einige große Städte, die in natürlichen Beziehungen stehen, wie Lille, Tourcoing und Roubaix, zu­ sammengefunden hatten, darauf hingewirkt, daß die Gutsscheine der kleinen Gemeinden zurückgezogen wurden und möglichst die Arrodissements als Bürgen für die Bons auf­ traten. Eine weitere Hilfe von unsrer Seite be­ stand in der Verordnung, daß die Bons aus 5 Arrondissements überall in Zahlung genom­ men werden müssen, und daß. derjenige, welcher sie ablehnt, von einem Teutschen keine andre Bezahlung beanspruchen kann. Ferner wurde angedroht, daß wir, falls die Bevölkerung sich! weigern sollte, das Papiergeld ihrer eignen Behörden anzunehmen, auch wir keines mehr für militärische Kassen annehmen würden. Hierbei ist aber anzumerken, daß die Bevöl­ kerung sich, nur gegen Geld sträubte, welches nicht aus ihrer eignen Gemeinde stammte. Geographie ist bekanntlich nie die starke Seite der Franzosen gewesen und so haben wir die Beobachtung gemacht, daß man in Lille, Valenciennes und dem benachbarten Gebiete dem Gelde von St. Quentin Mit Mihvertrauen be­ gegnete, nur aus dem einen Grunde, weil St. Quentin zu weit abliegt und dem Durchschnitt der Bevölkerung zu wenig bekannt ist. Tagegen hatte man von Anfang an zu dem Gelde der eignen Behörden volles Vertrauen, ja, man zog es dem deutschen Metallgelde vor. Als nicht lange nach der Besetzung des französi­ schen Nordens durch uns in Roubaix bekannt gemacht wurde, daß wir deutsches Geld gegen Stadtscheine umtauschen wollten, vereinnahm­ ten wir in wenigen Tagen über 200 000 Mk., davon über 3000 Mk. in deutschem Golde. Damals.glaubten die Leute hier noch, daß die Russen im Anmarsche auf Berlin seien und daß selbst das Gold des in Kürze von England völlig zerschmetterten Teutschen Reiches keinen Wert mehr habe. Völkerpsychologisch ist es zweifellos recht bemerkenswert, daß der Nordund Ostfranzose, trotz des noch heute aus dem Gedächtnis der Mehrzahl nicht ganz ausgelösch­ ten Sl f srgnaten schrecke ns und trotz der gedrück­ ten Stimmung, die in den besetzten Gebieten 6 herrscht, mit einem gewissen Selbstgefühl auf den natürlichen Reichtum seines Landes ver­ traut und daher dieses mehr auf das Selbst­ gefühl als auf ordentliche Kredite gegründete Makulaturgeld ohne große Schwierigkeiten auf­ nimmt. Wenige nur mögen sich Gedanken darüber machen, was aus diesen Scheinen später ein­ mal werden soll, wenn auf der Welt wieder alles in sein Gleichgewicht kommen wird. Von denen, die darüber nachdenken, waren die mei­ sten früher der Ansicht, daß das besiegte Teutschland, wie es alle andern Kosten tragen sollte, auch die Haufen von französischen Pa­ pierscheinen einlösen müsse. Seit sich aber im­ mer mehr die Ueberzeugung durchgerungen hat, daß wohl nicht Deutschland, sondern Frankreich! die französischen Kriegskosten wird bezahlen müssen, hofft man wenigstens, daß das übrige Frankreich bei der Einlösung der Bons den betroffenen Gebieten helfen wird. Tie Republik könne ihren reichen Norden nicht im Stiche lassen. Tas sind Sorgen, die uns nicht berühren. Tie spätere Entschließung der französischen Re­ gierung aber, der irgendwie vorzugreifen nicht in unserer Absicht liegt, dürften wir sehr da­ durch! erleichtert haben, daß wir die Bons der verschiedenen Städte und Arrondissemients möglichst gemischt haben, was gleichzeitig eine ungeheure Erleichterung für den französischen Handel und Wandel im besetzten Gebiete be­ deutet hat. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── ein kleiner Kreuzer und eine Reihe gedeckler Barkasien mit Kanonen und Maschinengewehren die Stadt, die nur vier alte unschädliche Salutkanonen besaß, und verschwendeten ungeheuer viel Munition. Eine Streit­ macht von 12 000—14 000 farbigen Truppen war gegen die 70 Weißen und 300 Schwarzen in Duala zusammengezogen. Die veräterischen Dualaneger zeigten zudem den Engländern noch die versteckien Zugänge. Scheußlich wurde in dem "eroberten" Ort gehaust. "Die Dualas durften plündern, solange die Deutschen es sahen und es schmerzlich empfanden. Sie durften die Türen aufbrechen, die Häuser durch­ wühlen, Geld und Gold rauben; sie durften dem Gefangenen den Schmuck vom Körper reißen nnd ihn mißhandeln. Als fei es den Engländern Wollust gewesen, die unter der Unkultur leiden zu sehen, die Kultur hier zu verbreiten bestrebt gewesen — so mußte man ihre Teilnahmlosigkeit den Greueln gegenüber deuten. Dann aber, als die Gefangenen portgeführt und nur noch einige Nachzügler Zeugen waren, da geboten sie plötzlich dem Tun Einhalt; da gingen sie mit grausamsten Strafen vor, erlag noch ein Schwarzer der Lockung; da plünderten sie selbst." Der Misitonar kann diese Angabe mit einem Eide bekräftigen. Ein Soldat, der fein Gedächtnis verloren hat. Im Queen Mary-Hospital liegt, wie die "Tailh Mail" erzählt, ein verwundeter Sol-, bat, der sich nicht mehr seines Namens und seines Regiments entsinnen kann und so den Aerzten viel Kopfzerbrechen macht. Bis jetzt konnte noch! nicht festgestellt werden, wer er eigentliche ist. Seines 'A ussehen nach ist er ein Vierziger, er hat dunkle, leicht ergraute Haare und grobe Gesichtszüge. Er kam Mitte März mit einem Trupp andrer Verwundeter aus der Schlacht bei Neuve Chapelle. Ter Unbekannte ist wieder bei Bewußtsein, sitzt aufrecht ,tn seinem Bett und spricht ganz ver­ nünftig, aber jede Erinnerung an sein früheres Selbst (Ober an feine Familie scheint völlig aus seinem Gedächtnis geschwunden zu sein. Neulich hörte er ein paar Männer von In­ dien sprechen, da entwarf er eine so leb­ hafte Schilderung des Lebens in Bombay, daß man puf die Vermutung kam, er habe in In­ dien gedient. Man glaubt aus seinen Reden/ zu ersehen, daß er den Krieg in Südafrika' miterlebt hat. "Sind Sie ein Mre?" würde er gestern gefragt. "O nein, ich! bin Engländer", gab er unverzüglich zur Antwort. "Mehr aber wissen Sie nicht von sich?" Ter Unbekannte wußte nichts zu erwidern. Wie man Handgranaten schleudert. Tie Verwendung der Handgranaten spielt in den Kriegsberichten der letzten Zeit eine immer größere Rolle. So ist im heutigen Schüt­ zengrabenkrieg eine Waffe wieder zu Ehren gekommen, die in den Heeren früherer Zei­ ten die besondere Truppe der "Grenadiere" hat entstehen lassen, die es dem Namen nach ja auch! heute noch bei uns gibt, obwohl sie mit den Handgranaten bisher nichts zu tun hatten. Tie Granatenschlenderer, die eigent­ lichen Grenadiere dieses Krieges, üben sich/ so schreibt das Journal, auf ihre Waffe mit nachgemachten Granaten ein. Wie die Diskus­ werfer des Altertums müssen sie ihre Mus­ kelkraft und Geschicklichkeit in einer besonderen Weise ausbilden. Ter "Grenadier" muß int Kampfe sich so weit wie möglich dem feindlichen Schützengraben zu nähern suchen, um dann mit einer Drehung des Armes die Bombe zu schleudern, daß sie gerade in den feindlichen Schützengraben hineinfällt. Ein guter Granatenschleuderer vermag seine Bombe aus 30 Meter Entfernung zu werfen. Oft ist die Bombe so zusammengesetzt, daß sie nicht unmittelbar, nachdem sie zu Boden gefallen ist, platzt, son­ dern zwischen dem Fall und der Explosion vergehen einige Sekunden, die geschickte "Gre­ nadiere" benutzen, um das feindliche Wurfge­ schoß zu ergreifen und es an feinen Ansangsort zurückzuschleudern. Im französischen Heere stehen übrigens die Zuaven in dem Ruf, die be-; sten Bombenwerser zu sein. , j, ────────── Tages-Uebersicht. 2et Reichstag wird seine nächste Sitzung am 18. Mai abhalten. 2|ie Zeichnung auf die fünsprozentige österreichische Kriegsanleihe beginnt am 8. Mai und endet am 29. Mai. 2te englischen Postbeamten hielten in Bir­ mingham eine stark besuchte Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, von der Post­ verwaltung eine Kriegsteuerungszulage zu for­ dern. Bankkrach. Die Privatbank von Hagersleben ist nach stattgesundrner Revision geschloffen worden. Nach den bisherigen Feststellungen wurde ein Fehl­ betrag von 450 000 Mk. gesunden, der dem ganzen Aktienkapital und dem Resrrvesond entspricht. Erheb­ liche sehlgeschlagene Spekulationen der Bankverwalter haben das Minus herbeigeführtIm Solde unserer Gegner. Der "Berl. Börsenkurirr" schreibt: Es hat in weiten Kreisen Aufsehen erregt, daß die angesehene und früher hochstehende brasilianische Zeitung "Journal do Co« mercis" in Rio de Janeiro seit Beginn des Krieges eine unseren Feinden günstige Haltung eingenommen und sich nur mit Mühe dazu bequemt hat, dann und wann auch dem deutschen Standpunkt gerecht zu werden. Diese Haltung war um so unverständlicher und rätselhafter, als eine große Anzahl Leser nament­ lich uns den geistig hochstehenden Kreisen der brasi­ lianischen Gesellschaft Deutschland sehr gut kennt und keineswegs eine deutsch-feindliche Gesinnung hegt. Von einem genauen Kenner der brasilianischen Ver» hältniffe wird uns nun des Rätsels Lösung mitgeteilt: Das genannte Blatt schuldet der berüchtigten fran­ zösischen Nachrichtenagentur "Havas" für gestundete Depeschen einen größeren Betrag, der auf annähernd 400 000 Mark geschätzt wird. Alles verstehen, heißt alles verzeihen, und wir verstehen jetzt, warum das Blatt mit vergifteten Pfeilen auf Deutschland schießt, nachdem die silbernen Kugeln unserer Feinde nicht ohne Einfluß auf seine Haltung geblieben sind. ────────── Höchstpreise für Käse, Butter und Milch wurden in einer Konsumenten- und Produ­ zentenversammlung in Jmmenstadt gefordert. Abschaffung des Schulgeldes. Mit Be­ schluß des Magistrats Süvandorf wurde das Schulgeld für die Schulgemeinde Schwandors mit Rücksicht auf den Krieg und die damit ver­ bundene Notlage der Minderbemittelten und der kinderreichen Familien ab 1. Januar ds. Jrs. aufgehoben. Tie hierdurch veranlaßte Mehrbelastung beträgt 1,2 Prozent an Um­ lagen. Tragisches Geschick. Baronesse Hildegard von Gumppenberg in Pöttmes unternahm am Montag nachmittags eine Ausfahrt, wobei sie ihr neues Gespann selbst lenkte. Tie Pferde scheuten und die Baronesse wurde auf die Straße geschleudert und so schwer verletzt, daß sie abends verstarb. Ilebersallen und ihrer Barschaft von Mk. 11726 wurde auf dem Wege nach Stockheim (Schwaben) die dortige Käsersfrau Völk. Tie Täter, welche zur Tat mit Gesichtsmasken ver­ mummt waren, konnten noch nicht eruiert wer­ den. Ans Eifersucht versetzte der ledige Fa­ brikarbeiter Jakob Mahr in Augsburg seiner Geliebten, der verwitweten Wäscherin Balbina Renner, im Streit einen Sticht in die Brust und brachte dem Kinde, das Renner auf dem Arme hatte, eine Verletzung an der Hand bei. Tie zu Hilfe eilende Frau Barbara Un­ fried erhielt einen Stich in den Arm. Bayerische Nachrichten. ────────── über die vordere Linie hinaus als Feldwache vorgeschoben; in seiner linken Flanke lag eine Papiermühle. Am 2. Oktober begannen die j Franzosen nach Einbruch der Tunkelheit auf I der ganzen Linie anzugreifen, indem sie abds. > halb 9 Uhr zunächst gegen die nur von zwei i Gruppen besetzte linke Flanke des Torfes vor- | gingen. Infolge dichten Nebels gelang es ihnen unbemerkt nahe heranzukommen und sich im Kirchhofe festzusetzen. Immerhin aber war es der großen Untsicht und Tapferkeit der beiden Gruppenführer, Unteroffizier bet 1 Reserve Karl Tänzer, Bauer aus Walchsing, B.-A. Vilshofen, und Gefreiter Sebastian Schweiger, Gütler aus Minnberg, B.-A. Pfaf­ fenhofen, zu danken, wenn sie mit einer gerin­ gen Zahl von Verteidigern den 150 Meter langen Ortsrand gegen giriert mehrfach über­ legenen Feind zu halten vermochten. Schon drangen indes einzelne Franzosen von rück­ wärts in die Ortschaft ein, als Vizefeldwebei Kölbl mit §iner in der Mitte des Torfes zurückgehaltenen Gruppe herbeieilte. Tie ein­ gedrungenen Feinde wurden niedergemacht, die übrigen zogen sich nach einstündigem Feuerge­ fechte zurück. Kaum aber war in der lin­ ken Flanke Ruhe geschafft, als sich gegen 10 Uhr äm andren Ortsrande der gleiche Vor­ gang wiederholte. Abermals eilte Kölbl mit seiner Gruppe vor und wies den Angriff kräf­ tig .zurück. Nach! dem Geschrei zu urteilen, hatten die Franzosen zahlreiche Verwundete, die sie mit Wegnahmen; 7 Mann blieben tot am Platze. (Kölbl Goldene Medaille, Dan­ zer und Schweiger Silberne Medaille.) In der Nacht zum 3. September sollte die 8. Kompagnie 13. Jnf.-Regts. von V. aus durch den Wald von E. bis zum Westrande durchstoßen und die feindliche Stellung er­ kunden. Von 8 Uhr abends ab trat sie aus einer Schneise, die sich in einem tief einge­ schnittenen Tale hinzog, von Abschnitt zu Ab­ schnitt den Vormarsch! an. Nach zwei Stun­ den meldete die Spitze, sie habe den Gegner vor sichl und von dort erstreckten sich im Halb­ kreis nach rechts und links Ast- und Draht­ verhaue. Unniittelbar darauf erhielt auch die Kompagnie bereits von drei Seiten auf nächste Entfernung Fewrr. Ta weiteres Vorgehen die Gefahr nahelegte, in eine Falle zu geraten, ließ der Führer feine Leute sich zunächst nie­ derwerfen und die weiteren Bewegungen aus dem Waldstücke links der Schneise kriechend vornehmen. Zwei Züge hatten eine Auf­ nahmestellung 100 Meter links rückwärts zu besetzen, der 3. Zug sollte unter Führung des Vizefeldwebels Georg Seitz aus Aufseß, BA. Ebermannstadt, den Rückmarsch hecken. Bald aber erkannte dieser Unteroffizier aus dem Aufblitzen der Schüsse, daß der Feind bei­ derseits anschwoll, hieß Seitz seinen im Halb­ kreise ausgeschwärmten Zug das hastige und schlecht gezielte Feuer der Franzosen mit aller Besonnenheit erwidern. Gegen ihre vorgebo­ genen Flügel setzte er je eine Gruppe an, die sich kriechend vorarbeitete und ihrerseits die feindliche Flanke bedrohte. Indem er noch da­ zu bald da bald dort durch, laute Abgabe von Kommandos den Schein erweckte, als befänden sich deutscherseits weit stärkere Kräfte im Kampfe, gelang es ihm, den bedeutend über­ legenen Gegner etwa eine Stunde in Schach zu halten. Inzwischen hatten die beiden an­ dern Züge die befohlene Aufnahmestellung ein­ genommen, so daß sich auch Seitz allmählich vom Feinde loslösen konnte. Ohne daß dieser nachzustoßen wagte, erreichte er mit verhält­ nismäßig geringen Verlusten die Kompagnie. (Goldene Medaille.) ────────── Niederbayerische Nachrichten. von hier, welcher bereits das Eiserne Kreuz besitzt, i wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedatlle aus­ gezeichnet. Deggendorf, 2. Mai. (Roteichenhain.) Auf Kosten der Stadtgemeinde wird zurzeit auf dem höchsten Teil des Geierberges, der einer der schönsten und umfangreichsten Naturparke Bayerns ist, ein Heldenhain aus Roteichen gepflanzt. Jedem Krieger, der im gegenwärtigen Völkerrtngen den Tod findet, wird zum dauernden Gedenken ein Eichenstamm gewidmet, der auf einer Emailtafel Namen, Stand, militärische Eigenschaft und Todestag des Helden tragen wird. Pfarrkirche», 3. Mai. (Tragisches Geschick.) Der Bauer Sttnglhammer von Kelchham, dessen Frau in der Irrenanstalt untergebracht war, holte diese von Deggendorf ab, da ihre Heilung erfolgt war' Um die gleiche Stunde brach in seinem An­ wesen Feuer aus, das mit Ausnahme des Wohn­ hauses den ganzen Hof einäscherte. Als der Besitzer mit seiner Frau von der Bahn zurückkehrte, sah er sein Anwesen in Flammen stehn. Stra»bi«g, 4. Mai. (Auszeichnung.) Der 17 jährige Kriegsfreiwillige Pionier Hans Dengler ────────── Dienstesnachrichten. Genöarmerie-Dienst. In den Ruhestand versetzt: Der Gendarmerie-Sergeant Michael Herr­ mann in Sünching. Versetzt: Der GendarmerieSergeant Adam Ztelbauer von Ruhmannsfelden nach Pöcking; die Gendarmen Alois Piehler von Pöcking nach Ruhmannsfelden, Heinrich Bräuer von Sünching nach Regrnstauf; der Gendarmerie-Sergeant Johann Walter von Kallmünz nach Sünching. j ────────── Lokales. Laudshut, 6 Mai. —* Das Eiserne Kreuz erhielt der K. Forstaffistent Herr Anton Wagner von hier, Unter­ offizier der Reserve verliehen. —* Ein Flieger überflog gestern in großer Höhe von Osten kommend unsere Stadt. In eine großen Schleife, die er über der Stadt zog, ging er auf ca. 100 Meter Höhe herab, setzte aber dann seinen Flug nach Westen wieder fort. Auch heute früh kam ein Flieger auf der Fahrt von West nach Ost hier durch. —* Fünfzig Pferde, darunter 36 zwei­ jährige, 6 kräftige Stuten, 3 Absatzfohlen und eine Stute mit Fohlen wurden von Herrn Kreissekrelär Nebesky und Herrn Landrat Wasner als Beauftragte des Landwirtschaftlichen KreisauSschuffeS für Nieder­ bayern auf belgischen Fohlenmärkten angekauft. Diese Tiere wenden am Montag auf dem Viehmarktplatze hier an Mitglieder des Landwirtschaftlichen Vereins versteigert. Händler haben hierbei keinen Zutritt. —* Unechte Z w ei m a r k s ch e in e sind gegenwärtig im Umlauf. Der kleine weiße runde Stempel mit der Inschrift "Reichsschuldenverwaltung" ist bei den Falsifikaten nicht erhaben eingeprägt, sondern glatt. Man kann also schon durch das Gefühl den echten Schein vom unechten unterscheiden. Außerdem geht die Unterschrift "Vieregge", wie bei den Einmarkscheinen über die Verzierung hinaus, während dies bet den Zweimavischeinen eben nicht der Fall ist. —* Liebesgaben an die beiden von hier abgegangenen Sanitätszüge, den mobilen Transportzug Nr. 2 und den Beglettzug Nr. 7 gehen mit dem heute van hier ins Feld rückenden Ersatztransport für den Beglettzug ab. Darunter befinden sich auch einige Fässer Bier, die für die wackeren Sanitäter von den Brauereien Wittmann und Koller und dem Herrn Oberbürgermeister gestiftet worden sind. —* Keine besonderen Pfingstsendüngen. Die von der Heeresverwaltung gegen die Oster-Liebesgabensendungen erlassene Erklärung gilt demgemäß auch für derartige Sendungen aus Anlaß des Pfingstfestes. Hiernach ist es nicht an­ gängig, besondere Pfingstltebesgabensendungen an die Fron! zu senden. Weder die Mtlitärpaketdepots noch di« Güterabfrrtigungsstellen übernehmen die Vorführumg von geschlossenen Transporten mit LiebesgabenPakleten, die aus Anlaß des Pfingstfestes etwa geplant fein sollten. (WTB.) —* Vaterländischer Abend. In der Jägerhalle veranstaltet Montag den 10. Mai 8 Uhr die hiesige Ortsgruppe des Preßveretns lt. Inserat einen vatterländischen Abend. Den Vortrag mit 80 herrlichem Lichtbildern über den westlichen und öst­ lichen Kriegsschauplatz hält Generalsekretär Dr. L. Müller—München, der bereits in vielen andere» Städten aufgetreten ist und überall reichen Beifall leemtet Ihat. In Regenrburg mußte der Lichtbtlder»ortrag zweimal wiederholt werden. ────────── Letzte Posten. Tie Stellung am Hartmannsweilerkopf. Zürich, 6. Mai. Tie "Neue Züricher Zeitung" gibt folgendes Telegramm des Ober­ sten Müller wieder: "Ich beging vormittags die deutschen Stellungen auf dem Hartmannswei­ lerkopf und überzeugte mich, persönlich, daß die Deutschen alle für sie taktisch wichtigen, nach! freiem Willen gewählten Stellungen und Beobachtungspunkte fest in ihrer Hand haben. Tie Behauptung des Gegenteils widerspricht den Tatsachen. Vielmehr liegen sich die deut­ schen und französischen Horchposten auf dem! mit 956,5 bezeichneten flachen Gipfel auf näch­ ste Entfernung gegenüber. Tie Russen aus dem Rückzug. Berlin, 6. Mai. Das "Berl. Tagebl." meldet: Zur Lage in Westgalizien schreibt un­ ser dortiger Korrespondent: Ter Rückzug des Südflügels der westgalizifchen Front hatte auch den Zusammenbruch der Front an der Duklasenke zur Folge. Tie Russen haben jetzt schleu­ nigst, der Flankendeckung beraubt, über die Pässe zurückgehen müssen, um nicht abgeschnit­ ten zu werden. Tie ihnen gegenüberstehende 3. österreichisch-ungarische Armee blieb ihnen hart auf den Fersen. .Auf der Flucht vor den Teutschen haben die Russen schleunigst Taslo verlassen. Verzweifelten Widerstand leisten sie noch am Nordflügel. Tie "Voss. Ztg." schreibt: Zum Rückzug der Armee Timitriew wird berichtet: Von besonderer Heftigkeit sind die Kämpfe, die nach der Ueberschreitung des Tunajec um Tarnow gingen, dessen Fall binnen kurzem zu erwarten ist. Mit besonderem Erfolg wird hier eine österreichische 42 Zentimeter-Batterie verwen­ det, um die stark angelegten russischen Stütz­ punkte zu brechen. Auf eine Entfernung von fast 18 Kilometer fegte der erste Schuß einen hohen Turm fast vollständig weg. Tas Ge­ schoß ist noch um 300 Kilogramm schwerer als das der deutschen 42 Zentimeter-Gpschütze. Tie Garibalbiseicr in Quatro. ging nach den bisherigen Meldungen gestern ohne besondre Ereignisse vor sich. Trei englische Schiffe von den Türken in Sen Grunb gebohrt. Rotterdam, 6. Mai. Ter Rotterdamsche Courant meldet aus englischer Quelle, daß die Türken die drei englischen Dampfer "Assiouth", "Bslliter" und "City of Chios" in den Grund gebohrt haben. Tie englischen Verluste an den Tardanellen. Tie "Times" veröffentlichen die erste Ver­ lustliste von den Tardanellen, die 2000 Mann umfaßt. Japanisches Ultimatum. Reuter meldet aus Tokio: Ter Minister­ rat hielt eine Versammlung ob. Wie man vermutet, wurde die Frage des Ultimatums an Lhina behandelt. Tie japanischen Blätter halten die Ausfertigung eines Ultimatums für unabwendbar und sprechen die Meinung aus, China habe mit seiner Antwort aus die ge­ änderten Forderungen Japans die Verhand­ lungen nur in die Länge ziehen wollen. (Z.) Amerika bleibt neutral. "Rutzkoje Slowo" meldet aus Wladiwo­ stok: Tie Regierung in Washington ließ in Peking erklären, sie werde im FaU eines chi­ nesisch-japanischen Konfliktes neutral bleiben.