Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-06-01. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 147, 1915-06-01. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Außergewöhnlich schwere Verluste der Franzosen bei Arras. — Fortschritte der Ver­ bündeten vor Przemysl «nd am Strij. — An Ser italienischen Grenze. — Die Schiffs­ verluste unserer Gegner. — Die Erfolge unserer Unterseevote. ────────── Im Westen haben die Franzosen, nachdem ihr Turchbruchsversuch, bei Souchez gescheitert ist, nun Versuche bei Arras und im Priester­ walde gemacht. Ersterer gestaltete sich infolge der Tapferkeit rheinischer und bayerischer Re­ gimenter, die jene Stellung verteidigten, zu einer gänzlichen Niederlage der Franzosen, die außergewöhnliche Verluste hatten. Nur im Priesterwalde konnte der Feind in einige vorgeschobene Gräben eindringen, doch ist auch hier der Angriff im übrigen abgeschlagen wor­ den. Im Elsaß hatten hie Franzosen den zerstörten Eisenbahnviadukt bei Tammerkirch in monatelanger Arbeit wieder hergestellt. Nun hat ihn unsre Artillerie mit wenigen Schüssen wieder zerstört. Ter Luftkampf wird immer schärfer. Vor kurzem griff ein Geschwader von 18 feindlichen Flugzeugen Ludwigshafen an. Es kamen aber nur 12 Flugzeuge zurück. Teutsche und eng­ lische Flugzeuge kämpften vor einigen Tagen über der Nordsee. Bei Ostende konnte eine unsrer Küstenbatterien einen feindlichen Flie­ ger herunterholen. Im Osten hat sich nichts Wesentliches er­ eignet. Doch geht aus verschiedenen Meldun­ gen hervor, daß. von beiden Seiten in den russischen Ostseeprovinzen größere Truppenmas­ sen zusammengezogen werden, sodaß wohl bald ein größerer Zusammenstoß dort zu erwar­ ten ist. In Galizien haben die Russen am Sonn­ tag keinen neuen Angriff versucht, nachdem ihre bisherigen Vorstöße mit schweren Ver­ lusten für sie von den Unsern abgewiesen wor­ den waren. Tagegen gelang es unsren Trup­ pen sich nördlich und nordöstlich! näher an Przemysl heranzuschieben, von dessen Mitte unsre Truppen nur noch 6 Kilometer entfernt stehen. Am Strij erstürmten die verbündeten Truppen mehrere Ortschaften und eroberten eine russische Batterie. An der italienischen Grenze wurde der Angriff eines Alipini-Regiments bei Lavarone blutig abgewiesen. Hier griffen zum erstenmale auch! deutsche Truppen ein. Bei Paneveggio nahm eine schanzende Abteilung des Feindes vor dem Feuer der Oesterreicher Reißaus. An der kärtnerischen Grenze konn­ ten die Oesterreicher einige Erfolge ernteten. Im Küstenland greift jetzt auch! die schwere österreichische Artillerie in den Kampf ein. Tie Tätigkeit unsrer Unterseeboote geht den Engländern bereits in die Nerven. Nun hat die Cunardlinie sogar beschlossen, ihre gro­ ßen 30 000 Tonnen-Tampser nicht mehr Ver­ kehren zu lassen. Tas ist allerdings das beste Abwehrmittel und die englische Regierung wird sich nun andre Schiffe suchen müssen, um ihre Munitionstransporte aus Amerika zu hoeln. Tie englischen Unterseeboote wol­ len ihr Tasein auch! kundtun. Um auch einen Erfolg zu verzeichnen, hat nun eines von ihnen vor wenigen Tagen den amerikanischer Tampser "Nebraska" in den Grund gebohrt. Allerdings die Flagge hat es nicht gezeigt, denn es war ein ganz besonderer Zweck, den es verfolgte. Tie Amerikaner, deren Zorn wegen des Verlustes der "Lusitania" man durch! eine zügellose Pressekampagne auf die bösen Teutschen zu lenken versuchte, die so ruch­ los waren, die heißersehnten "Schätze" der "Lusitania" auf den Meeresgrund zu beför­ dern, sollen zur Gluthitze entflammt werden. Taher sollte der Glaube erweckt werden, ein deutsches Unterseeboot habe sich am amerika­ nischen Eigentum vergriffen. Tiesmal aber ist der Streich mißlungen, denn von deutscher Seite wurde sofort betont, daß ein deutsches Unterseeboot nicht in Frage komme und nun können sich die Amerikaner an ihre "Vet­ tern" um Schadenersatz wenden. Man siecht, auch die englischen Unterseeboote haben Er­ folge zu verzeichnen, wenn auch negativer Art. Bericht des deutsche» HWWMiers. WTB. Berlin, 31. Mai. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegsschWlatz. Gestern versuchten die Franzosen sowohl nördlich Arras wie im Priesterwalde mit star­ ken Kräften unsre Front zu durchbrechen. Bei Arras hatte der Gegner sich auf der Front Neuville—Roclincourt in den letzten Tagen durch Sappen herangearbeitet. Ein An­ griff auf dieser Linie wurde daher, nachdem alle Versuche, uns weiter nördlich aus un­ serer Stellung zu drücken, mißlungen waren, erwartet. Er erfolgte gestern nachmittags nach stun­ denlanger Artillerieverbereitung und führte durch die Tapferkeit rheinischer und bayeri­ scher Regimenter zu einer gänzlichen Niederlage des Gegners. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. hat die Cunardlinie sogar beschlossen, ihre gro­ ßen 30 000 Tonnen-Tampser nicht mehr Ver­ kehren zu lassen. Tas ist allerdings das beste Abwehrmittel und die englische Regierung wird sich nun andre Schiffe suchen müssen, um ihre Munitionstransporte aus Amerika zu hoeln. Tie englischen Unterseeboote wol­ len ihr Tasein auch! kundtun. Um auch einen Erfolg zu verzeichnen, hat nun eines von ihnen vor wenigen Tagen den amerikanischer Tampser "Nebraska" in den Grund gebohrt. Allerdings die Flagge hat es nicht gezeigt, denn es war ein ganz besonderer Zweck, den es verfolgte. Tie Amerikaner, deren Zorn wegen des Verlustes der "Lusitania" man durch! eine zügellose Pressekampagne auf die bösen Teutschen zu lenken versuchte, die so ruch­ los waren, die heißersehnten "Schätze" der "Lusitania" auf den Meeresgrund zu beför­ dern, sollen zur Gluthitze entflammt werden. Taher sollte der Glaube erweckt werden, ein deutsches Unterseeboot habe sich am amerika­ nischen Eigentum vergriffen. Tiesmal aber ist der Streich mißlungen, denn von deutscher Seite wurde sofort betont, daß ein deutsches Unterseeboot nicht in Frage komme und nun können sich die Amerikaner an ihre "Vet­ tern" um Schadenersatz wenden. Man siecht, auch die englischen Unterseeboote haben Er­ folge zu verzeichnen, wenn auch negativer Art. Bericht des deutsche» HWWMiers. WTB. Berlin, 31. Mai. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegsschWlatz. Gestern versuchten die Franzosen sowohl nördlich Arras wie im Priesterwalde mit star­ ken Kräften unsre Front zu durchbrechen. Bei Arras hatte der Gegner sich auf der Front Neuville—Roclincourt in den letzten Tagen durch Sappen herangearbeitet. Ein An­ griff auf dieser Linie wurde daher, nachdem alle Versuche, uns weiter nördlich aus un­ serer Stellung zu drücken, mißlungen waren, erwartet. Er erfolgte gestern nachmittags nach stun­ denlanger Artillerieverbereitung und führte durch die Tapferkeit rheinischer und bayeri­ scher Regimenter zu einer gänzlichen Niederlage des Gegners. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. hat die Cunardlinie sogar beschlossen, ihre gro­ ßen 30 000 Tonnen-Tampser nicht mehr Ver­ kehren zu lassen. Tas ist allerdings das beste Abwehrmittel und die englische Regierung wird sich nun andre Schiffe suchen müssen, um ihre Munitionstransporte aus Amerika zu hoeln. Tie englischen Unterseeboote wol­ len ihr Tasein auch! kundtun. Um auch einen Erfolg zu verzeichnen, hat nun eines von ihnen vor wenigen Tagen den amerikanischer Tampser "Nebraska" in den Grund gebohrt. Allerdings die Flagge hat es nicht gezeigt, denn es war ein ganz besonderer Zweck, den es verfolgte. Tie Amerikaner, deren Zorn wegen des Verlustes der "Lusitania" man durch! eine zügellose Pressekampagne auf die bösen Teutschen zu lenken versuchte, die so ruch­ los waren, die heißersehnten "Schätze" der "Lusitania" auf den Meeresgrund zu beför­ dern, sollen zur Gluthitze entflammt werden. Taher sollte der Glaube erweckt werden, ein deutsches Unterseeboot habe sich am amerika­ nischen Eigentum vergriffen. Tiesmal aber ist der Streich mißlungen, denn von deutscher Seite wurde sofort betont, daß ein deutsches Unterseeboot nicht in Frage komme und nun können sich die Amerikaner an ihre "Vet­ tern" um Schadenersatz wenden. Man siecht, auch die englischen Unterseeboote haben Er­ folge zu verzeichnen, wenn auch negativer Art. Bericht des deutsche» HWWMiers. WTB. Berlin, 31. Mai. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegsschWlatz. Gestern versuchten die Franzosen sowohl nördlich Arras wie im Priesterwalde mit star­ ken Kräften unsre Front zu durchbrechen. Bei Arras hatte der Gegner sich auf der Front Neuville—Roclincourt in den letzten Tagen durch Sappen herangearbeitet. Ein An­ griff auf dieser Linie wurde daher, nachdem alle Versuche, uns weiter nördlich aus un­ serer Stellung zu drücken, mißlungen waren, erwartet. Er erfolgte gestern nachmittags nach stun­ denlanger Artillerieverbereitung und führte durch die Tapferkeit rheinischer und bayeri­ scher Regimenter zu einer gänzlichen Niederlage des Gegners. Seine Verluste sind außergewöhnlich! groß. Im Priesterwalde gelang es den Fran­ zosen nur in einige vorgeschobene, schwach be­ setzte Gräben einzudringen. Im übrigen ist auch hier der feindliche Angriff gescheitert. Bei Ostende schoß eine Küstenbatterie einen feindlichen Flieger ab. Ter Eisenbahnviadukt von Damwerkirch ist gestern von unsrer Artillerie mit wenigen Schüssen wieder zerstört worden, nachdem es den Franzosen nach! monatelanger Arbeit vor einigen Tagen gelungen war, ihn gebrauchs­ fertig zu machen. Seitlicher KritgsschWlatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den Kämpfen bei Przemysl schoben sich die deutschen Truppen gestern näher an die Nord- und Nordostfront heran. Oberste Heeresleitung. Sie KSWse der Sestmeicher. WTB. Wien, 31. Mai. Mittags. — Amtlich wird gemeldet: Am San und östlich des Flusses haben gestern keine nennenswerten Kämpfe stattge­ funden. An der Südwestfront von Przemysl sowie am oberen Dnjestr wird gekämpft. In der Gegend von Strij erstürmten die Ver­ bündeten Truppen in heftigem Kampf meh­ rere Ortschaften und eroberten eine russische Batterie. Tie sonstige Lage im Nordosten ist unverändert. * Gestern vormittags wurde der Angriff eines Alpini-Regiments auf einem Abschnitt unserer Befestigungen auf dem Plateau Lavarone blutig abgewiesen, nordöstlich Paneveg­ gio begann eine feindliche Abteilung zu schan­ zen, ging aber vor dem Feuer unsrer Patrouil­ len sofort zurück. An der kärntnerischen Grenze fanden klei­ nere für unsre Waffen erfolgreiche Kämpfe statt. Oestlich Karfreit versuchte der Feind vergeblich, die Hänge des Krn zu ersteigen. In dem Geschützkampf im küstenländischen Grenzgebiet begann unsre schwere Artillerie einzugreifen. Der stellvertretende Chef des Generalstabes r v. Höf er, Feldmarschalleutnant. ────────── Seine Verluste sind außergewöhnlich! groß. Im Priesterwalde gelang es den Fran­ zosen nur in einige vorgeschobene, schwach be­ setzte Gräben einzudringen. Im übrigen ist auch hier der feindliche Angriff gescheitert. Bei Ostende schoß eine Küstenbatterie einen feindlichen Flieger ab. Ter Eisenbahnviadukt von Damwerkirch ist gestern von unsrer Artillerie mit wenigen Schüssen wieder zerstört worden, nachdem es den Franzosen nach! monatelanger Arbeit vor einigen Tagen gelungen war, ihn gebrauchs­ fertig zu machen. Seitlicher KritgsschWlatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den Kämpfen bei Przemysl schoben sich die deutschen Truppen gestern näher an die Nord- und Nordostfront heran. Oberste Heeresleitung. Sie KSWse der Sestmeicher. WTB. Wien, 31. Mai. Mittags. — Amtlich wird gemeldet: Am San und östlich des Flusses haben gestern keine nennenswerten Kämpfe stattge­ funden. An der Südwestfront von Przemysl sowie am oberen Dnjestr wird gekämpft. In der Gegend von Strij erstürmten die Ver­ bündeten Truppen in heftigem Kampf meh­ rere Ortschaften und eroberten eine russische Batterie. Tie sonstige Lage im Nordosten ist unverändert. * Gestern vormittags wurde der Angriff eines Alpini-Regiments auf einem Abschnitt unserer Befestigungen auf dem Plateau Lavarone blutig abgewiesen, nordöstlich Paneveg­ gio begann eine feindliche Abteilung zu schan­ zen, ging aber vor dem Feuer unsrer Patrouil­ len sofort zurück. An der kärntnerischen Grenze fanden klei­ nere für unsre Waffen erfolgreiche Kämpfe statt. Oestlich Karfreit versuchte der Feind vergeblich, die Hänge des Krn zu ersteigen. In dem Geschützkampf im küstenländischen Grenzgebiet begann unsre schwere Artillerie einzugreifen. Der stellvertretende Chef des Generalstabes r v. Höf er, Feldmarschalleutnant. Oestlicher Kriegsschauplatz. ────────── Südöstlicher Kriegsschauplatz. Seine Verluste sind außergewöhnlich! groß. Im Priesterwalde gelang es den Fran­ zosen nur in einige vorgeschobene, schwach be­ setzte Gräben einzudringen. Im übrigen ist auch hier der feindliche Angriff gescheitert. Bei Ostende schoß eine Küstenbatterie einen feindlichen Flieger ab. Ter Eisenbahnviadukt von Damwerkirch ist gestern von unsrer Artillerie mit wenigen Schüssen wieder zerstört worden, nachdem es den Franzosen nach! monatelanger Arbeit vor einigen Tagen gelungen war, ihn gebrauchs­ fertig zu machen. Seitlicher KritgsschWlatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den Kämpfen bei Przemysl schoben sich die deutschen Truppen gestern näher an die Nord- und Nordostfront heran. Oberste Heeresleitung. Sie KSWse der Sestmeicher. WTB. Wien, 31. Mai. Mittags. — Amtlich wird gemeldet: Am San und östlich des Flusses haben gestern keine nennenswerten Kämpfe stattge­ funden. An der Südwestfront von Przemysl sowie am oberen Dnjestr wird gekämpft. In der Gegend von Strij erstürmten die Ver­ bündeten Truppen in heftigem Kampf meh­ rere Ortschaften und eroberten eine russische Batterie. Tie sonstige Lage im Nordosten ist unverändert. * Gestern vormittags wurde der Angriff eines Alpini-Regiments auf einem Abschnitt unserer Befestigungen auf dem Plateau Lavarone blutig abgewiesen, nordöstlich Paneveg­ gio begann eine feindliche Abteilung zu schan­ zen, ging aber vor dem Feuer unsrer Patrouil­ len sofort zurück. An der kärntnerischen Grenze fanden klei­ nere für unsre Waffen erfolgreiche Kämpfe statt. Oestlich Karfreit versuchte der Feind vergeblich, die Hänge des Krn zu ersteigen. In dem Geschützkampf im küstenländischen Grenzgebiet begann unsre schwere Artillerie einzugreifen. Der stellvertretende Chef des Generalstabes r v. Höf er, Feldmarschalleutnant. ────────── Tic neuen Nniformstoffc für die Sommermonturen. Kürzlich sind die neuen Baumwollstoffe, die zur Anfertigung der Sommeruniformen unsrer Soldaten dienen sollen, ausgegeben worden, und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Tuche in die Hand der Militärschnei­ derwerkstätten gelangen. Die neuen Tuche gliedern sich, wie August Axmacher in der Färbereizeitung schreibt, in Rock- und Ho­ senstoffe. Von diesen sind erstere in einem neuen feldgrauen Ton zu färben, während die Hosenstoffe ein Blaugrau zeigen. Für die Fär­ bung sind Küpen- und Schwefelfarbstoffe von den Behörden zugelassen. Mit den Farbstoffen werden die Tuche auf Quetschwalzenjiggern gefärbt. Wenn die Ware getrocknet ist, wird sie imprägniert, um wasserdicht zu werden. Es wird verlangt, daß die Hosenstoffe bei einem Wasserdruck von 12 Zentimeter und die Rockstoffe bei einem solchen von 7,5 Zentimeter 24 Stunden lang dicht bleiben. Das Wasser darf in dieser Zeit wohl durchschwitzen, aber nicht durchtropfen. Die Imprägnierung findet durch ameisensaure Tonerde statt. Nach dem Imprägnieren werden die Stoffe leicht ge­ preßt. Eine bulgarische Stimme über Italiens Treu­ bruch. Das bulgarische Regierungsorgan "Na « rodni Prava" äußerte sich zur Einmischung Italiens folgendermaßen: Nur in dem Falle, daß Italien und die Entente siegen, wären die Interessen Bulgariens in einem späteren Zeitpunkte dadurch berührt, daß Italien sei­ nen wirtschaftlichen und politischen Einfluß auf Mazedonien bzw. Monastir erstrecken wür­ de, welches den Mittelpunkt der bulgarischen nationalen Bestrebungen darstellt. Von der Einmischung Italiens in den Krieg wird die Neutralität Bulgariens keineswegs berührt. Bulgarien wird neutral bleiben .solange nie­ mand seine Lebensinteressen verletzt. Das bul­ garische Volk möge ruhig bleiben und die Entwicklung der Ereignisse nüchtern verfolgen und beurteilen. Die nationalistische "Kambana" schreibt: Die Treulosigkeit Italiens ent­ spricht vollkommen dem Treubruche Serbiens gegen Bulgarien im Jahre 1913. Man muß daher feststellen, daß die Russen und Fran­ zosen sich der Freundschaft Italiens ebenso würdig zeigen, wie seinerzeit der Freund­ schaft des treulosen Serbiens. Gleich! und gleich gesellt sich gern. Mit schamloser Heu­ chelei bezeichnen heute dieselben Leute, welche früher über die Vergewaltigung Belgiens sei­ tens Deutschland fidg entrüsteten, Italiens Treulosigkeit als schöne Geste. Wir werden gewiß Zeugen werden, wie sich der Zorn der Gerechtigkeit Mer die beiden treulosen Staa­ ten Italien und Serbien ergießen wird. Tie Waffen Oesterreich-Ungarns und Deutschlands sind bis heute unbesiegt und werden auch fer­ nerhin unbesiegt bleiben, weil sie für die ge­ rechte .Sache kämpfen. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. ────────── Die Kämpfe in Galizien. Sie Kämpfe in Galizic«. Tie Schwäche -er russischen Gegenangriffe in Galizien. Lenhoff schreibt de r"Voss. Ztg." aus dem Kriegspress'equartie'r: Tie Russen haben ihren unbedeutenden Erfolg bei Sieniawa nicht wei­ ter auszubauen vermocht. Trotzdem sie vor­ gestern wieder durch, andere heftige Gegen­ angriffe versucht hatten, ihre schlechte Lage am östlichen Sanufer durch einen Vorstoß auf dem nördlichen Flügel zu verbessern, kamen sie keinen Schritt vorwärts. Unter sehr schwe­ ren Verlusten, die unter den neu herangezoge­ nen Kräften in bedeutendem Maße ausräumten, mußten ihre Sturmkolonnen immer wieder in die Deckungen zurückgehen. Am San—Wislokwinkel bei Sieniawa scheiterte ein Versuch, den San zu forcieren, in starkem Artillerie­ feuer. Was aber am besten die Bedeutungs­ losigkeit der russischen Gegenoffensive kenn­ zeichnet, ist das unentwegte Vorrücken des gegen die Straße Przemhsl—Moscziska ange­ setzten Südflügels der Armeegruppe Macken­ sen. Ter schmale Ausgang, der dort Przjemhsl noch eine rückwärtige Verbindung gestattet, hat sich dadurch wieder wesentlich, verengert. Seine völlige Schließung ist nur noch eine Frage kurzer Zeit. Tie Verbündeten sind bis 6 Kilometer auf Przemhsl vorgerückt. Auch der Widerstand bei Strij, der zeitweise hefti­ gen Charakter annahm, vermochte asd Vor­ rücken der Armeegruppe Linsingen nicht we­ sentlich zu verlangsamen. (Z.) Russische Vorsicht. Tie Petersburger Telegraphenagentur be­ richtet: Tas russische Generalgouvernement für Galizien ist von Lemberg nach. Brodh (an der galizisch-rusfischen Grenze) verlegt worden. ────────── aufnterffamieit sei auf absehbare Zeit fast aus­ schließlich guf die österreichische Grenze ge­ richtet. Gerüchte bon einer Teilnahme der ita­ lienischen .Flotte und eines Landungskorps an den Dardanellen seien daher mindestens ver­ früht. Ter italienische Pöbel. Dias deutsche Konsulat in Mailand ist, ohne daß die Polizei es verhindern konnte, vom Pöbel gestürmt worden. Tie Möbel und Aktenstücke wurden auf die Straße geworfen und verbrannt. Tie große Fabrik für Zekluloidartikel in Mailand ist mit ihren riesigen Vorräten niedergebrannt. Tem Direktor der Maschinenbauanstalt Kichner wurde die ge­ samte Mobiliarschaft zerschlagen und auf die Straße geworfen. •' ────────── Der Luftkrieg. Irr Luftkrieg. Teutsche Fliegertiitigkcil. Ter Pariser "Temps" meldet, daß vor­ gestern vormittags deutsche Flieger Montdidier überflogen und 13 Bomben abwarfen, wo­ durch bedeutender Materialschaden verursacht wurde. Die deutschen Flugzeuge setzten ihre Tätig­ keit über Belfort fort. Vorgestern wurde eine Taube von der Artillerie der Forts heftig be­ schossen, entkam jedoch unverletzt. Mehrere Flugzeuge versuchten Angres zu bombardieren, wurden aber durchs den Abwehrdienst zur Um­ kehr gezwungen. Verschiedene umliegende Ort­ schaften wurden mit Bomben beworfen. ────────── Ser Krieg zur See. Tirci Schiffe versenkt. Amsterdam, 31. Mai. Reuter meldet, der Tatstpfer "Dullochmoor" wurde auf der Höhe der Insel Quessant gegenüber von Brest an der französischen Nordwestküste am 28. Mai von einem deutschen Unterseeboot tor­ pediert. Tie Mannschaft landete in Barrh. Brest, 31. Mai. (Agence Havas.) Von einer Patrouillenfahrt heimkehrende Torpedoboote 'Haben die Besatzungen des englischen Dampfers "Glenlee" und des Iportugiesifchen Schiffes "Cyene" (Chgne?), die an der Küste von Finisterre von einem deutschen Untersee­ boot versenkt worden waren, in ihren Booten geborgen und hier gelandet. Bon einem U-Boot verfolgt. London, 31. Mai. (Reuter.) Der Damfer "Pingueh" von der China Mutuel Steam Navigation Co. mit wertvoller Ladung auf der Heimreise von Batavia, wurde im Kanal zwei­ mal von Unterseebooten verfolgt und mit Gra­ naten beschossen; er vermochte jedoch Plymouth wohlbehalten zu erreichen. Ein Mann der Be­ satzung wurde verwundet. Die litt tcrseebo o tsgcfakir. Haag, 31. Mai. Ein Londoner Tele­ gramm meldet, daß die Cunardlinie beschlos­ sen hat, ihre großen 30 000-Tonnen-Tampfer nicht mehr in Dienst zu stellen. Im Schiff­ fährtskalender ist eine entsprechende Eintra­ gung vorgenommen worden. (Z) Teutsche Unterseeboote in den Dardanellen. Tie französische Presse äußert sich in sehr besorgtem Tone über das unvermutete Auf­ tauchen deutscher Unterseeboote tut Marmara­ meer. Ter Marinemitarbeiter des "Journal" spricht von der fabelhaften Geschicklichkeit, mit der die Teutschen sich dieser Waffe zu bedienen verstehen, und hält es für durchaus nicht un­ möglich, daß die Tauchboote tatsächlich durch die Meerenge von Gibraltar gekommen sein könnten. Jhv Auftauchen kompliziere das Un­ ternehmen bedeutend. Tie Schiffsverluste unsrer Feinde. Nach einer Aufstellung der "B. Z. a. M." erreichen die amtlich festgestellten Schiffsverluste unsrer Gegner rund 400 000 Tonnen. Tie Liste umfaßt für England: 9 Linienschiffe mit 141150 Ton­ nen, 7 Panzerkreuzer mit 100000 Tonnen, 5 geschützte Kreuzer mit 22,230 Tonnen, 6 Torpedobootszerstörer, 10 Unterseeboote und 5 größere Hilfskreuzer. Frankreich : 1 Linienschiff mit 12 000 Ton­ nen, 2 Panzerkreuzer mit 22100 Tonnen, 1 Kanonenboot, 1 Torpedobootszerstörer, 2 Un­ terseeboote. Rußland: 1 Linienschiff ("Panteleimon") 12 800 Tonnen, 1 Panzerkreuzer ("Pallada") 8000 Tounen, 1 geschützter Kreuzer, 2 unge­ schützte Kreuzer., Außerdem hat die russische Flotte den Minenräumer "Pruth" (5000 Ton­ nen) verloren und weiterhin noch eine An­ zahl kleinerer Torpedoboote eingebüßt. | Japan hat den 10 000 Tonnen großen ; Panzerkreuzer "Asama" verloren; ferner wur| de in der Bucht von Kiautfchau ein Kreuzer 1 "Takapschio" durch "S 90" zum Sinken ge| bracht. I Nicht verzeichnet sind in dieser Liste die I Opfer der Gefechte bei Helgoland ant 28. Au| gust, der Vorstoß gegen die englische Küste ant 2. November, 16. Dezember und 14. Januar, bei denen nach sicheren Wahrnehmungen eine nicht unerhebliche Anzahl kleinerer Gefechts$ einheiten verloren gingen. (Z.) Der Krieg zur See. ────────── Der Krieg zur See. I Der Krieg mit Eugluud. I Fricvensschnsucht in England. f Aus Amsterdam wird berichtet: Die Tat­ sache, daß in England eine starke Strömung gegen den Krieg und für einen schnellen Frie­ densschluß. besteht, wird zwar von den unionistischen und liberalen Parteiorganen nach Möglichkeit verhüllt, tritt aber dennoch in die Oeffentlichkeit. Ties geschieht durch die ganz und gar nicht vereinzelten Zuschriften aus dem Leserkreise, denen die Aufnahme nach, eng­ lischem Brauch nicht verweigert wird. Beson­ ders in den Blättern der Arbeiterpartei hat diese Strömung in den letzten Wochen offen­ bar an Breite und Tiefe zugenommen in­ folge des Ausbleibens der Nachrichten von großen Siegen und infolge der ungeheuren Verluste an Offizieren und Mannschaften, in­ folge der Hungersnotpreise, die überall herr­ schen und der bestimmten Aussicht auf eine Erhöhung der direkten Personalsteuern. In den Organen der Arbeiterpartei wird immer entschiedener gefordert, daß die Regierung eine Grundlage für die Beendigung des Krieges biete durch, eine nicht mißzuverstehende Er­ klärung, unters welchen Bedingungen sie Frie­ den schließen würde. Tann wäre eine Ver­ ständigung möglich,. (Z.) Gegen die allgemeine Wehrpflicht. "Morning Post" teilt ein Flugblatt mit, das von der Union of democratic Control und der Unabhängigen Arbeiterpartei veröffent­ licht worden ist und zum Beitritt zum Verein gegen die allgemeine Wehrpflicht auffordert. Ter Verein wird darin als eine Organisation von Männern beschrieben, die sich aus ge­ wissen Gründen weigern, Waffen zu tragen. Sie würden jeden Versuch der "Einführung der allgemeinen Wehrpflicht mit allen Mitteln bekämpfen. Sollte aber der Versuch, erfolgreich, rein, so würden sie ungeachtet aller Konsequen­ zen lieber ihrer Ueberzeugung als dem Befehl der Regierung gehorchen. Tire Fleifchlnot in England. In Glasgow (England) schlossen wegen der Fleischnot 200 Fleischerläden. Ter Han­ delsminister, der Ackerbauminister und der Verband der Fleischhändlervereine beraten nun darüber, wie die Vorräte an australischem und neuseeländischem Fleisch auf den Markt zu bringen wären, sobald die Armee damit ver­ sorgt ist. ────────── Aus den Kolonien. Aus ben Kulmen. Unsre ostafrikanische SchuHtrulppe. Tas Reutersche Büro meldet aus Livingstone: Tie Deutschen haben in der Nacht zum 17. Mai eine Patrouille der nordrhodesischen Infanterie angegriffen. Sie verloren 10 Tote, die Engländer 2 Tote und 7 Verwundehe. ────────── dert hinzusetzte: Von all dem Glanz, mit dem Papa uns jetzt umgibt, hatten wir daheim nicht mal eine Ahnung und doch waren wir so glücklich! Mein Vater würde sich, glaube ich, noch im Grab umdrehen, wenn er wüßte, wie­ viel Dinge, die er für sündhafteste Verschwen­ dung erklärt huben würde, ich mir so nach und nach! als unentbehrlich angewöhnt habe." "Za, dein Großvater, der Rentmeister Grieben, war ein strenger, sparsamer Mann. Er würde es nie begreifen, daß trotz der über­ all erhöhten Gehälter heute so viele Men­ schen in Not und Elend geraten. Aber nun laß mal sehen, Kind, was du gekocht hast, denn ich muß eilen, wieder heimzukommen." Lolo brachte stolz allerlei Kostproben. Frau Reeti nickte beifällig. Gut ist es schon — ich sehe, mit dem Kochen wirst du keine Schwierigtkeiten haben. Aber — für einen kleinen Nechnungsbeamten ist das kein Speisezettel, Solo! Hast du denn nicht, wie ich dir riet, genau festgestellt, was du täglich! für Fleisch, Zutaten usw. ausgeben darfft?" "Nochi nicht. Ich. hatte bisher keine Zeit —" . , "Tann tue es sobald als möglich. Es scheint, du hast ganz vergessen, daß das Haus­ haltungsgeld auch für Kohle, Licht, Lohn und eine Menge anderer Tinge reichen muß! Heute hast du mal ganz als "Prinzeßchen" gekocht." Wenn Tante Paula neben dem Lob auch Tadel nicht zurückhielt, so war der junge Gatte dafür ausschließlich Entzücken und Begeister­ ung. Selbst Solos trübe Erfahrungen, die sie ihm während des Essens in reizender Anmut beichtete, entzückten ihn. "Tu bist köstlich, mein armes Kleines! Wegen der paar lumpigen Kronen —" "Oho du!" unterbrach sie ihn schelmisch, "eine Krone ist nie "lumpig". Das ist sogar schon recht viel Geld! Ein ganzes Kilo Zucker kann man dafür bekommen!" "Wirklich!?" Er zog sie zärtlich! an sich und küßte ihre roten Lippen. "So. Für mich ist das so süß, wie zehn Kilo Zucker. Und wenn du mir also täglich zum Kaffee dein Mündchen gibst, dann kannst du meinetwegen den "teuren" Zucker vom Kaufmann ganz sparen!" . "Ach du — sei doch, mal ernsthaft! Tu darfft michi nicht so verwöhnen, wo ich Tadel verdient habe. Denke nur, die schönen Obstbäumchen — wenn sie nun wirklich! nicht fort­ kommen, wie Fina meint?" ^ s (Fortsetzung folgt.) ., L j. "Na, darüber brauchst du doch- den Köpf nicht so hängen zu lassen, Kleines. Tu wirst noch manches Lehrgeld zahlen müssen, aber trotzdem dabei eine tüchtige Hausfrau werden. Daß dr?s z. B. vom Vergnügungsgeld ab­ sparen willst, gefällt mir sehr gut." "Ach, aus Vergnügen mache ich! mir ja wirklich nichts. Ich. will nur, daß Gisbert glücklich ist und es nie bereut, durchs mich, in so kleine Verhältnisse gekommen zu sein." "Das ist brav. Er Wirdes auch nicht be­ reuen, wenn er merkt, daß du froh und zu­ frieden bist. Siehst du, anfangs war mir Wohl oft bange um euch, aber jetzt bin ich ganI ruhig. Es ist Unsinn, wenn man sagt, "so und so viel braucht man unbedingt zum Le­ ben". Jeder Mensch braucht so viel zum Le­ ben, als er an Ansprüchen mitbringt. Wenn die Menschen von heute nicht immer ihr Glück nur von einem möglichst großen Einkommen abhängig machen würden, sondern dächten wie unsere Eltern einst: Ich! muß mich mit meinen Bedürfnissen nach! dem Einkommen richten, dann glaube mir, Kind, wäre viel mehr Glück und Zufriedenheit in der Welt." "Das glaube ich gerne, Tantchen! Ich muß jetzt auch so oft an Mama denken, wie sie von ihrer harten, entbehrungsreich,en Ju­ gend erzählte und dann immer wie verwun- ────────── Am Balkan. Am Man. Tier Dreiverband und Bulgarien. Tie Bekräftigung der bulgarischen Neu­ tralitätserklärung rief in Paris unangeneh­ me Ueberraschung hervor, weil Telcafse der Presse noch vorgestern ankündigen zu können glaubte, daß alle Hindernisse einer Wiederherstellung des Balkanbundes beseitigt seien. Die Intervention nach den Absichten des Dreiver­ bandes sei gesichert, Bulgarien werde den Reigen eröffnen. ────────── Die Türkei im Kriege. Me Türkei im Stiege. Bor den Dardanellen. Genf, 31. Mai. Der vor den Darda­ nellen befehligende Admiral berief die Schifsskommandanten ein, um über die Möglichkeit einer Erneuerung der Seeaktion unter den gegenwärtigen Umständen zu beraten. Ter Verlust eines britischen Schlachtschiffes vom Agamemnonthp wird von verschiedenen Sei­ ten bestätigt. (Z.) Um die Dardanellen. Ter vor den Dardanellen befehligende englische Admiral Rehbock berief die britischen und .französischen Kommandanten ein, um mit ihnen Hb er die Möglichkeit einer Erneuerung der Seeaktion unter den gegenwärtigen Um­ ständen zu beraten. — Ter Verlust eines wei­ teren britischen Schlachtschiffes wird nunmehr von mehreren Seiten bestätigt. Tie Pariser Fachmänner erkennen rückhaltlos an, daß die deutschen Unterseeboote mit ihrem Reiserekord von 5000 Meilen und dem Torpedo von un­ abwendbarer Durchschlagsfähigkeit die Sicher­ heit selbst des modernsten Ozeanriesen hinfällig machen. (Z.) Ein französischjes Torpedoboot gescheitert. Konstantinopel, 31. Mai. Gestern scheiterte ein französisches Torpedoboot, das an der Küste des Wilajetts Smhrna vor dem Hafen Kuschiassi Beobachtungen anstellte, in der Nähe des Kaps Jilandschi. Ein türkischer Mitkämpfer auf Gallipoli. Ueber die Psyche der türkischen Tardanellen-Verteidiger gibt folgender Brief eines türkischen verwundeten Offiziers, der den er­ sten Sieg über die Landungstruppen mit er­ rungen hat, ein zutreffendes Bild: In aller Frühe des 26. April erhielten wir den Befehl, unser Lager in Maltepe zu verlassen und uns nach Gallipoli einzuschif­ fen. Nach mehrstündiger Fahrt langten wir an der Halbinsel an und marschierten sofort auf Ari Burun. Ter Feind, der von unsrem Anmarsch Kenntnis hatte, überschüttete uns mit einem Granathagel. Etwa 100 Meter Kxrter ! toott unsren Schützengräben entfernt gelang es uns, in Deckung zu kommen. Dort verblieben wir die erste Nacht. Erst im Laufe des fol­ genden Tages 'war es uns möglich,, unsre Schützengräben zu erreichen, wo wir die zweite Ngcht verbrachten. Gesehen hatten wir den Feind bis jetzt noch nicht. Ta endlich, am dritten Morgen, sollten wir mit ihm zum erstenmal in Fühlung kommen. Als wir das Signal zum Sturm hinter uns hörten, da war es, als oh in den Unseren hundert Löwen erwachten. Aus Tausenden von Kehlen stieg der Ruf "Allah! Allah!" gen Himmel, und mit einer bisher noch nie empfundenen Wut stürzten wir uns auf den verruchten Feind. Wir waren außer uns und hatten nur den einen Gedanken, so viele wie möglich der ver­ ruchten Eindringlinge mit unsren Bajonet­ ten niederzumachen. Endlich waren die feind­ lichen Schützengräben erstürmt. Wer von den Feinden noch fliehen konnte, floh in wahn­ sinniger Hast, verfolgt von unsren braven Sol­ daten. Ter Kampfplatz vor uns hatte sich in ein Meer von Blut verwandelt, das die Leichen der Niedergeschlagenen bedeckte. Noch einmal wollte später der Feind einen Versuch! machen, die verlorenen Stellungen zu­ rückzuerobern. Nachdem er nachts durchScheinwerfer unsre Stellungen ausgekundschaftet und sich durch Zeichen mit den Kriegsschiffen ver­ ständigt hatte, wurden wir von diesen mit einem Schrapnellregen überschüttet. Ich gab den Befehl zum Niederlegen und wollte es eben selbst tun, als ein Schrapnell hinter mir explodierte und mich verwundete. So lag ich zwei Tage und zwei Nächte. Meine Wunden waren eingetrocknet. In der dritten Nackt hörte ich auf einmal wieder die bekannten Sturmrufe der Meinen, die sich mit "Allah! Allah!" auf den Feind stürzten. Ich nahm meine ganze Kraft zusammen und schrie: "Vorwärts, Leute stürmt!" Dann wußte ich nicht mehr, was geschah. Als ich erwachte, befand ich mich im Feldlazarett. Da liege ich noch und bitte Gott tagtäglich, daß er mir baldige Genesung gebe, damit ich von neuem für Gott, für den Padischah und für mein Land und gegen den niederträchtigen Feind loszivhen kann. ────────── kunftsinteressen der Menschheit statt. Aus Deutschland waren u. a. anwesend: Reichs­ tagsabgeordneter V o gth-err-Tr egbett,, Pfarrer Umfried-Stuttgart, Vizepräsident der deutschen Friedensgesellschaft, aus Frankreich nur der Abgeordnete Hubbard. Außerdem waren zu­ gegen Vertreter Hollands, Italiens, Rußlands, Amerikas und der Schweiz. Tie Konferenz nahm mehrere Entschließungen an,u. a. gegen die Verbreitung des Völkerhasses durch. Greuelberichte. Umano, der Präsident der Friedens­ gesellschaft in Rom erklärte, daß das ita­ lienische Volk gegen den Willen ^ der großen Mehrheit von der Regierung in den Krieg gestürzt wurde. Hubbard drückte den leiden­ schaftlichen Wunsch aus, daß eine Verständi­ gung zwischen den kriegführenden Nationen angebahnt werde, wofür die Schweiz als drei­ sprachiges Land gute Dienste leisten könne. Tie Konferenz beschloß die Schaffung einer ftimbigen Kommission mit dem Sitze in der Schweiz zur Vorbereitung der Wiederannähe­ rung der feindlichen Nationen nach dem Krie­ ge. — Man sieht, die Herren sind unver­ besserlich, als wenn schöne Reden und Be­ schlüsse den Ausbrüchen des Völkerhasses, der besonders im gegenwärtigen Kampfe so scharf zutage tritt, zu steuern vermöchten. Für alle Unhaltbarkeit theoretischer Erörterungen in dieser Hinsicht bietet doch der Friedenspalast im Haag ein so eindrucksvolles Beispiel, daß. man doch. meinen könnte, es müßte endlich auch diesen Herren die Ahnung dämmern, daß sich Bolksleidenschaften eben nicht eindämmen las­ sen und .Völkerschicksale nicht am grünen Tische geregelt werden können. ────────── MdeMerische toürWw Landau a. I., 30. Mai. (Gemeingefähr­ liche Burschen.) Hauptlehrer Bayer von Wil­ ling wurde auf dem Heimwege von drei Bur­ schen überfallen und derart mißhandelt, daß er einen Rippenbruch, Zersplitterung des Schulterbeines und Blutung aus Mund und Nase erlitt. Dabei sollen ihm auch 40 Mark abhanden gekommen sein. Bilshofen, 29. Mai. (Einschränkung des Ausschankes.) An den Schankstellen der hiesi­ gen Brauereien und Gastwirtschaften kann man seit Mittwoch lesen: Infolge der staatlich angeordneten Bierproduktionseinschränkung muß eine Einsparung des Ausschankes erfol­ gen. Es wird hierdurch bekannt gegeben, daß die Bierabgabe über die Gasse nur bis 9 Uhr abends geschehen kann. Der Ausschank in den Gastlokalen endet um 11 Uhr abends, l Niederbayerische Nachrichten ────────── Males. Landshut, 1. Juni. —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Sohn des Schwaigers Oberpriller hier, Herrn Seb. Oberpriller verliehen. Ter mit dieser Auszeichnung Bedachte wurde durch eine Gra­ nate verletzt und liegt zur Zeit in einem Lazarett. —* Herr Generalmajor Knorr, der Korpschef der Gendarmerie in Bayern, war gestern hier zur Inspektion der Gendarmerie­ hauptstation Landshut. Auch die Gendar­ meriewachtmeister des Bezirkes Landshut wa­ ren zur Vorstellung kommandiert. —* Todesfall. In München verstarb im 70. Lebensjahre der Rentier Franz Pier­ ling, der Gründer und Vorsitzende des Bayer. Veteranenvereins und Stifter des Teutschmeisterdenkmals in Niederummelsdorf. Herr Pier­ ling hatte zum Tanke für die gastfreundliche Aufnahme zur Vorfeier in unsrer Stadt am Vorabend der Enthüllung des Teutschmeisterdenkmals unsrem Stadtmagistrat sein lebens­ großes Oelporträt gewidmet, das in den Räu­ men unsres Fremdenbüros Aufftellung fand. —* Die Bee rdigung des hier seinen Verletzungen erlegenen Ersatzreservisten Gu­ stav Lösaus des preuß. Lehr-Jnf.-Regts. fand gestern im Ehrenfriedhofe hier statt. Herren Offiziere und Kameraden geleiteten den Sarg des verblichenen Helden zur letzten Ruhestätte, an der Herr Prot. Stadtpfarrer Seidel in Erdbeere, die rotprangende Kirsche kommt aus den.Markt und diese beiden Früchte geben in erster Reihe dem Juni in Küche und Haus sein Gepräge. Dazu kommt bald die Sta­ chelbeere, und um die Tage der Sommerwende wenn die Rose erblüht, reift auch die beliebte Johannisbeere, die vom Johannistag ihren Namen hat, nicht zu vergessen die Wald- und Heidelbeere. Für die Hausfrau beginnt dann die Zeit des Einmachens, und je reicher der Segen ist, den uns die Natur an frischen Früch­ ten gewährt, umso besser vermag sie Vor­ sorge zu treffen für die langen Wintermonate, in denen wir frische Gaben der Natur auf der Tafel entbehren müssen. Lokales. erhebenden Worten der heldenmütigen Kämp­ fer für das Vaterland gedachte. Herr Magi­ stratsrat Gstettenbauer legte im Namen der Stadt eine prächtige Kranzspende an dem of­ fenem Grabe nieder, über das die drei Ehren­ salven als letzter Gruß für den gefallenen Helden donnerten. —'* W ie der eingefangen wurden die im hiesigen Gefangenenlager in der Reiterka­ serne entwichenen französischen Kriegsgefan­ genen in der Nähe von München. Sie wurden den Militärbehörden übergeben. —* Ein Fahrraddieb wurde gestern hier in der Person eines 14jährigen Burschen ermittelt. —* Der Schluß der Maiandachten fand gestern abends in der Klosterkirche Se­ ligenthal in feierlicher Weise mit Schlußprozession statt, zu der sich noch eine große Schar von Sündächtigen eingefünden hatte . —* Der Frauenverein vom Roten Kreuz hält morgen Mittwoch nachmittags 3 Uhr im Cafe Schuh (Stadtpark) eine Ver­ sammlung ab, zu der alle eingeladen sind, die sich für die Leistungen des Roten Kreuzes interessieren. 1 —* Das Gastspiel des Münchner OpernEnsembles am letzten Sonntag in der Jägerhalle hatte leider nicht den Besuch aufzuwei­ sen, den es verdient hätte. In 2 Einaktern, der komischen Oper "Tie Nürnberger Puppe" und der Operette "Des Löwen Erwachen" er­ wiesen sich Frl. Herberger und die Herren Tiedemann, Krafft-Lortzing und Lübenau als tüchtige Kräfte. Vor allem entzückte Frl. Her­ berger, als Berta, aber noch- mehr als Mül­ lerin. Ihre melodische, wohlgeschulte Stimme, das temperamentvolle Spiel und der Reiz.ihrer Erscheinung gewann ihr rasch die Herzen der Zuhörer. Herrn Tiedemanns Cornelius und wohl noch, mehr sein Magister Fuchser waren, vor allem auf schauspielerischem Gebiete, Prachtleistungen. Herr Krafft-Lortzing gab sei­ nem schüchternen Liebhaber eine abgerundete sympathische Form. Herr Lübenau vereint eine schmiegsame prächtige Baritonstimme mit gewandtem Spiel. Reicher Beifall belohnte die Mitwirkenden für ihre prächtigen Darbietungen. —* Der Zirkus Leysek, dessen vortreff­ liche Leistungen bereits von uns besprochen worden sind, wird morgen und am Donners­ tag noch Vorstellungen hier geben. Aus der Vorstellung vom letzten Sonntag konnte der Direktor des Unternehmens den Betrag von 107,05 Mark an den Magistrat zur Unter­ stützung der Angehörigen von Feldzugsteil­ nehmern abführen. —* Der Juni nimmt heute seinen Anfang. Ter Juni — das sind die Tage der Rosen. Ueberall prangt es nach des Maimonats üp­ piger Entfaltung der Natur in leuchtenden Farben; ein betäubender Tust geht von der Pracht der Gärten aus, wenn erst die Kö­ nigin der Blumen ihre Hülle gesprengt hat hat und sich in ihrer strahlenden Schönheit darbietet. Doch zuvor sendet die Lindenblüte ihre süßen Düfte in die lauen Sommernächte hinaus, in denen ein lichter Schimmer das Firmament eckhellt und nach! kurzen Stunden der Dunkelheit von neuem das strahlende, hochistehende Tagesgestirn emporführb. Draußen, in der Weite der Felder, spielt der Wind in den wogenden Aehren. Das Korn blüht, und wie eine Verheißung der nicht mehr fernen Erntezeit liegt es über dem reifenden Segen. Des Landmanns große Hoffnung knüpft sich, in dieser Zeit des Jahres an das Gedeihen der Feldfrüchte und mit Sorge blickt er zum Him­ mel empor, fei es, daß sich- nach glühender Sommeckhitze das Firmament mit schwerem Ge­ wölk bedeckt; sei es, daß nach, Wochen feucht-i kühlen Regenwetters die Sonne immer noch nicht wieder sieghaft durchbrechen will. Bei­ des ist gleich, von Uebel, und gerade in diesem Kriegsjahve bedürfen wir einer reichen und guten Ernte. Hoffen wir jedenfalls, daß uns der Juni diesem Ziel um ein bedeutendes Stück näher bringt. Besonders ffeudig wird man in diesem Jahre auch, die Obstreife be­ grüßen, die sich! infolge der langen Kühle des Frühjahrs etwas verspätet hat. Tie köstliche ────────── Unterstützungen) leitete in anerkenneswerter Hingebung Herr Magistratsrat Gerstenecker, unterstützt von bett, für die einzelnen Distrikte aufgestellten Pflegerinnen, die für tfjtee Mühe und ihr aufopferungsvolles Walten besonderes Lob verdienen. Es sind dies die Damen: Frau Postverwalter Bartl *, Fräulein Jörg, Frau Regierungsrat Heim, Frau Apotheker Weichselfelder, Frau Lchrer Gruber, Frau Kommerzienrat Jeckle *, Frau Obergeometer Gareis, Fräulein Kelber, Fräulein Steger *, Frau Assessor Hubrich, Frau Direktor Hutxter *, Frau Fabrikant Gerstenecker *, Frau Professor Hillgärtner *, Frau Regierungsrat Wüst, Fräulein Schilling *, Frau Regierungs­ assessor Leuipoldt *, Frau Kammersänger Klop­ fer *, Fräulein Müller, Frau Architekt Förstl. (Tie mit * bezeichneten Damen sind in den verschiedensten Arbeiterausschüssen tätig.) Hinsichtlich besonderer Tätigkeit dieser Da­ men sei zurückerinnert an den Postkartientag, an die Weihnachtsbescherung der Kriegerkin­ der, an die Veranstaltung der Haussammlung, an die Veranstaltung eines Glückhafens, an die Durchführung der Kriegskochkurse usw. Soviel über unsre magistratische Kriegs­ fürsorgetätigkeit, neben der die Hilfstätigkeit des Roten Kreuzes und seiner hiesigen Sam­ melstellen und außerdem die private Wühl­ tätigkeit, die im Stilln so fürsorgljch! mit­ arbeiten, hilft Tank und Anerkennung ver­ dient. Bei der Unmöglichkeit all die um dje Sache verdienten Personen zu nennen, sei ihnen allen, auch den Ungenannten, gedankt, und die dringende Bitte an Alle gerichtet, auch weiterhin, nachdem jetzt der Krieg von neuem beginnt, tunlichst mitzuhelfen, damit wir audji zuhause "wie unsre tapferen Krieger im Felde" in der Unterstützung ihrer Angehörigen durch? halten können. ────────── Bayerische Ehrentafel. Bayerische Ehrentafel. Das IU. Bataillon Reserve-Jnfanterie-Regk« ments Nr. 13 hatte bei N. unweit V. einen französischen Schützengraben genommen, zu dem ein feindlicher Annäherungsweg vorführte. Um diesen baldigst als Sappe für die Fortsetzung des eigenen Angriffs verwenden zu können, mußte man ihn möglichst nahe der neuen französischen Stellung ver­ bauen. Hierzu meldeten sich freiwillig Untereffizier der Reserve Heinrich Wild, Fabrikarbeiter aus Eckers­ mühlen, B. S. Schwabach, Gefreiter der Reserve Benedikt Zitzeisberger, Braugehilfe aus Finkenried, B. A. Regen, sowie die Reservisten Joseph Härtlein, Landwirt aus Mindorf, B. A. Htlpoltstein und Alois Deuerler, Landwirt aus Meckenhaufen, B. A. Hilpoltstein, denen sich auf Herbetruf noch der bei einer anderen Sappe arbeitende Gefreite der Landwehr der 1. Reserve Kompagnie 2. Pionier-Bataillons Johann Hörtel, Maler aus Schweigen, B. A. Bergzabern, anschloß. Am 7. November abends nach 7 Uhr schlich sich die kleine Schar gebückt in dem seichten, Dutzende von Zuavenleichen bergenden und ständig von vorne, zumal aber von rechts her unter Feuer gehaltenen Graben vor; jeder Mann trug außer seinem Gewehr einen Sandsack nebst Schutzschtld und kleiner Hacke, Hörtel auch noch eine Handgranate. Nach Erkundung einer geeigneten, etwa 50 m vor­ wärts gelegenen Stelle durch den Führer machten sich die Infanteristen an den Einbau der Sandsäcke, während der Pionier zur Abwehr feindlicher Angriffe mit der Handgranate bereit stand. Bald darauf kamen aus freiem Antriebe von der Pionier-Kompagnie noch Mzrfeldwebel der Referpe und OfftzierssteUvertreter Richard Binder, geprüfter Rechtspraktikant aus Frankenthal und Unteroffizier der Reserve Alfred Hartmann, Schiffer aus Retstenhausen, 31. A. Mark­ theidenfeld, nach Da Binder die Möglichkeit erkannte Int Graben noch weiter vorzudringen, sorgte er zu­ nächst trotz des Ekels, der die meisten feiner Begleiter packte, für Hinausschaffung und Verscharrung der im anstoßenden Grabenstücke die Luft verpestenden mehr als 20 Leichen, um sodann 20 m vorwärkS eine neue Sandsacksperre anzulegen und beiderseits des Abschluffes Schulterwehren als Schutzstellung für mehrere Gruppen einzubauen. Dadurch schuf eine Handvoll Leute in einer einzigen Nacht die Anfänge einer neuen Jnfanteriedeckung in nur etwa 150 m Entfernung vom Feinde. Wild und Binder wurden mit der Goldenen, die übrigen fünf Mann mit der Silbernen Medaille ausgezeichnet. Im Gefechte nördlich A. wurde am 9. Oktober zur Unterstützung der schwer bedrängten Infanterie rin Zug der 1. Batterie Reserve-Feldarttllerte-Regiments Nr. 5 auf die L. Höhe vorgeschickt. Während die in Gräben, hinter Hecken und ln den Baumkronen gut gedeckten Franzosen auf kurze Entfernungen von 80 bis 150 m von vorne und in beiden Flanken rasendes Feuer unterhielten, brachten die Bedienungs­ mannschaften mit Hilfe der Infanterie unter den größten Anstrengungen die beiden Geschütze in Stellung. Mit musterhafter Kaltblütigkeit leitete sodann bei dem einen der Gefreite und nachmalige Unteroffizier Wolfgang Betz, Maschinenschlosser aus Dixeuhausen, B. A. Hilpoltstein, zugleich als Geschützführer und Richtkanonier das Feuer; nach Außergefechtsetzung der beiden anderen Kanoniere übernahm er die Be­ dienung ganz allein. Als er dabei einen Schuß durch den Hals zunächst der Wirbelsäule und einen zweiten in den Vorderarm mit Zerreißung der Schlag­ ader erhielt, war er trotz außerordentlichen Blutverlustes nur mit Mühe zum Aufsuchen des Verbandplatzes zu bewegen; kaum aber hatte er dort die notwendige Hilfe gefunden, als er dem ärztlichen Rat entgegen sich abermals zur Batterie vorschlepple, um sein Ge­ schütz wieder zu übernehmen; "Ich bin Richtkanonier", sagte er, "so lange ich gehen kann, lasse ich mein Geschütz nicht in Stich". Erst auf wiederholten Befehl des Batterieführers ließ er es geschehen, daß mau ihn im Fteberzustande und dem völligen Zu­ sammenbruche nahe ins Lazarett führte. (Goldene Medaille.) Wehrmann Johann Gigertch der 9. Kompagnie Landwehr-Jnfanterte-Regiments Nr. 1, Pferdewärter des Bataillonsadjutanten, erbat sich, als man am 22. August bei I. ins Gefecht trat, die Erlaubnis in die Feuerlknie einrücken zu dürfen. In starkem Strichfeuer vorlaufend überzeugte er sich zunächst daß rückwärtige Schützen auf die eigene vorderste Linie schaffen, eilte daher zurück und veranlaßte jene zu ruhiger und überlegterer Feuerabgabe. Bald darauf beobachtete er, daß ein vor der Front gelegenes und angeblich vom Feinde besetztes Haus bereits im Be­ sitze eigener Truppen war, und bewirkte durch Auf­ klärung des Irrtums die Fortsetzung der von der Schützenlinie unterbrochenen Vorwärtsbewegung. Schließlich setzte er sich mit einem Kameraden in einem anderen Hause fest und beschoß nach Ent­ fernung einiger Schindeln aus dem Dache einen Trupp Alpenjäger solange mit bestem Erfolge, bis ihn die Steigerung des feindlichen Feuers endlich vertrieb. (Silberne Medaille.) Während der langen Kämpfe vor L. von Ende September bis Mitte Oktober wurden den unserem 2. Infanterie-Regiment gegenüberliegenden Franzosen fast täglich Patrouillen, einzelne Meldegänger und Radfahrer oder auch in und neben den Schützen­ gräben auftauchende Leute abgeschoffen und sogar feindliche Kolonnen und geschloffene Abteilungen teils mit Kleingewehrfeuer belästigt, teils unter das Feuer unserer Artillerie genommen, die doch nur von einem ganz bestimmten Beobachtungsposten aus über das Verhalten der Franzosen unterrichtet sein konnten. Dies alles war im wesentlichen das Werk eines ein­ zelnen, unerschrockenen Mannes, des Gefreiten Georg Herrenreiter der 3. Kompagnie 2. Infanterie-Regiments eines itnfadjen Arbeiters aus Reisbach, B. A. Dingolfing. Als nach dem ersten Angriffe auf L. in der Nacht zum 26. September das I. Bataillon zurückging und sich nordöstlich der Ortschaft eingrub, sollte eine Gruppe der 3. Kompagnie, darunter auch Herrenreiter, deffen Sicherung übernehmen. Auf die Aufforderung des Gruppenführers an feine Leute, sich freiwillig zur Besteigung eines Baumes zu melden, der guten Einblick in die feindlichen Schützen­ gräben und weiten Umblick über die ganze Gegend bot, trat Herrenreiter sofort vor und bezog fortan, solange das Bataillon vor L. lag, fast täglich vom Morgengrauen bis zum Eintritt der Dunkelheit seinen Baumposten, um nicht nur alles, was ihm vor das Rohr kam, zu beschießen, sondern auch wichtige Beobachtungen über feindliche Artilleriestellungen, Truppenbewegungen usw. herunterzumelden. Die Franzosen hasten seinen Hochsitz bald entdeckt, und als ein von ihnen vorgetriebener Baumposten von 2 Mann durch Herrenreiter abgeschoffen war, suchten sie mit Salven und zuletzt sogar durch Artillerie den unbequemen Schützen zu vertreiben. Vergebens — Herrenreiter blieb ruhig auf seiner Warte und erkor sich jeden Tag neue Opfer für seine fast nie versagende Waffe. Und wie so häufig, war auch diesem Tapferen das Glück hold: Wohl wurde sein Gewehr zweimal gänzlich entzwei geschaffen und ein drittesmal durch Granatsplitter am Kolben beschädigt, wie auch seine r Bekleidung mehrfach von Geschaffen durchlöchert, er selbst aber erlitt nur ein einziges Mal durch einen Streifschuß eine leichte Verletzung. Außer dem Eisernen Kreuz wurde dem ebenso auSdauerden als hervorra­ genden Schützen die Goldene Medaille als reichverdtenter Lohn zuteil. Kr. A. ────────── Verlosungen. B Prenßisch-Süööeutsche Klafsenlotterie?^ Ziehungstag, 29. Mai 1915. ES fiele»: 40 000 Mk. auf “ Nr. 183 530, 15 000 Mk. auf Nr. 111014, je 10 000 Mk. auf Nr. 31449, 95 248, ferner wurden gezogen: 8 Treffer zu 5000 Mk.. 142 Treffer zu 3000 Mk., 300 Treffer zu 1000 Mk, 448 Treffer zu 500 Mk. (Ohne Gewähr.) Verlosungen. ────────── Letzte Posten. Legte Wen. Eine Zusammenkunft der Verschwörer. Berlin, 1. Juni. Unter Vorbehalt ist eine Nachricht der Teutschen Tageszeitung aus dem Haag zu buchen, nach der der König von Italien in Calais erwartet wird, wo auch der König von England und Präsident Poincare erwartet wird. 5tc Beschießung von Mern. Berlin, 1. Juni. Wie mehrere Mor­ genblätter berichten, soll Ypern in den letzten vier Tagen von 2000 Geschossen getroffen wor­ den sein. Bon der italienischen Grenze. Ber lin, 1. Juni. Nach der Meldung eines zum italienischen Kriegsschauplatzes ent­ sandten Berichterstatters seien die Alpini auf, dem Plateau von Lavarone unter Verlust von vielen hundert Mann in regellose Flucht ge­ schlagen worden. Bor Przcmysl. Berlin, 1. Juni. Nach einer Meldung der "Voss. Ztg." macht die Einschließung von Przemysl ständig Fortschritte. An der Südfront hätten sich die Belagerungstrtrppen be­ reits auf Sturmweite genähert. Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 1. Juni? Bericht des Großen Hauptquartiers: An der Tardanellenfront. griff der Feind gestern bei Ariburun unsren rechten Flügel an. Er wurde mit Verlusten, die auf 100 Tote geschätzt wer­ den, zurückgeschlagen. Andere Leichen der Fein­ de wurden in Tälern bemerkt. Ter Feind wollte gestern abends einen Teil der von ihm vorgestern verlorenen Schützengräben im Zen­ trum duvch einen überraschenden Angriff wie­ der nehmen. Er wurde aber in die alten Stel­ lungen zurückgedrängt und ließ vor den ge­ nannten Schützengräben viele Tote, Waffen und Bomben zurück. In dem Abschnitt von Sedd il Bahr wurde Infanterie- und Artil­ leriefeuer gewechselt. Auf den übrigen Fron­ ten ereignete sich- nichts wichtiges. in ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. sandtschaften unter Führung des Prinzen Reutz und des Grafen Lotogheti zwei Tagemärsche von Teheran niedergemetzelt werden sollten. Die Russen hatten für die geplante Bluttat ein persisch-armenisches Torf gedungen, das die gemeinsam reisenden Gesandtschaften pas­ sieren mußten. Tank der Loyalität der per­ sischen Kosaken-Offiziere wurde der ruchlose russische Mordplan rechtzeitig aufgedeckt und vereitelt. Tie Hauptbeteiligten des armeni­ schen Torfes wurden verhaftet. (Z.) Tas "nüchterne" Rußland. "Nowoje Wremja" erzählt folgendes Geschichtchen: In einem Ort im Kaukasus ge­ stattete der Gouverneur von Tagestan den Be­ amten, im Klub im "beschränktem Umfange" Wein zu trinken. Tem Verwalter des Klubs wurde befohlen, genaue namentliche Listen über den Verbrauch, jedes Beamten zu führen. Da alle Klubmitglieder Beamte waren, wollte kei­ ner auf der "Betrunkenen-Meldung" figurie­ ren. Es stand also allabendlich hinter dem Namen jedes Beamten: "Eine Flasche!" Da­ für tauchte aber aus der Liste ein von nie­ manden gekannter "Artist" auf und jede Mel­ dung schloß mit der Nachschrift: "Ter Herr Artist tranken: 30 Flaschen Kachetinerwein, 5 Flaschen Abchasier." Lange duldete der Ge­ neral den Artisten, schließlich wurde es ihm zu bunt und er verfugte: "Mögen Artisten im allgemeinen trinken müssen, den Artisten des Klubs bestrafe Ufy mit Ausweisung innerhalb 24 Stunden. Ter Artist war zur Zustellung des Befehls nirgends zu finden. — In Mos­ kau kann man soviel Wein bekommen, wie man will. Tie Besitzer der Restaurants haben eine Art Versicherung gebildet, aus deren ge­ meinsamer Kasse, falls eine Anzeige erfolgt, die Strafe bezahlt wird.