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      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1915-06-15"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">68. Jahrgang Nr. 160</biblScope>
          <date when="1915-06-15">1915-06-15</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Im! Westen erlitten die Franzosen zwischen Siebin und Arras eine schwere Niederlage, die ihnen schwere Verluste brachte. Auch ernt Nserkanal, bei Hebertune und in der Cham­ pagne scheiterten feindliche Angriffe. Im Osten wurden bei Szawle wieder einige russische Stellungen genommen und 3 Offiziere und 300 Russen gefangen. Auf der Straße Mariampol—Kowno erstürmten unsre Trup­ pen die verdersten Linien der russischen Stel­ lung und nahmen 2 Offiziere und 313 Mann gefangen. In Galizien ist jetzt die gesamte Armee Mackensen zum Angriff vorgegangen. In einer Breite von 70 Kilometer wurde die russische Front geworfen. Am ersten Tage blie­ ben bereits 16000 Russen als Gefangene in den Händen der Unsren. Die Verfolgung wird auch hier die Zahl noch, erheblich vermehren und die Folge dieses Durchbruches dürfte eine Räumung Nordostgaliziens vom Feinde sein, zugleich aber auch, eine Uebersiüglung und Bedrohung der Russen bei Lemberg. Ueberhaupt kommt der russische Südflügel immer mehr in die Enge, besonders auch durch, das ständige Vorschreiten der Armeen von der Mar­ witz und von Linsingen, die den Feind immer Mehr auf Lemberg und die russische Grenze zurückwerfen. Es dürfte nicht mehr allzulange dauern, bis Galizien vom Feinde befreit ist und die russische Verwaltung Galiziens dürste auch, in Brodh nicht ihr dauerndes Heim fin­ den, sondern mit der Vertreibung der Rus­ sen aus Galizien Wohl bald der Vergangen­ heit angehören. Die österreichisch-ungarischen Truppen set­ zen ihren Vormarsch in Ostgalizien fort. Bei Mikolajow wurden vier russische Angriffe ab­ gewiesen. Nordwestlich von Zurawno wurde der Ort Boguzno erobert. Bei Tlumacz fie­ len viele Gefangene in die Hände unsrer Ver­ bündeten. Bei Zaleszyki brach ein breiter viergliedriger Angriff der Russen zusammen. An der italienischen Grenze wurden die Italiener bei Plava wiederum abgewiesen. Bei dem Angriff am 12. ds. ließen die Italiener dort über 1000 Tote und sehr viele Ver­ wundete vor der Front der Oesterreicher lie­ gen. Es ist den Italienern nirgends gelungen, die österreichische Front zu durchbrechen. Die Stimmung in Italien ist denn auch bereits eine gedrückte geworden und die italienische Presse sucht durch allerhand Schauergeschichten Mer erdichtete deutsche Barbarei und über den bevorstehenden Zusammenbruch OesterreichUngarns das Volk weiter bei guter Laune zu evhalten. Die Serben haben bereits die Hügel vor Durazzo besetzt, während in der Stadt Essad Pascha sich mit italienischen Truppen befindet. Man darf gespannt sein, wie sich, diese An­ gelegenheit weiter entwickelt. Kommt es zum Kamps, so dürften die Italiener kaum ohne Widerstand die Stadt räumten. Nunmehr er­ hebt auch der Bundesbruder Montenegro ener­ gischen Einspruch gegen das Vorgehen Ser­ biens und droht, sich! Albanien anzuschließen, falls Serbien in Durazzo einntarschiert. Rumänien und Bulgarien haben neuer­ dings die Angebote der Entente abgelehgit und ihr weiteres Verharren in der Neutrali­ tät Lum Ausdruck gebracht. Vor den Dardanellen beschossen 2 feind­ liche Schiffe unter dem Schutze von Torpedo­ booten die türkischen Stellungen bei Ari Burun und Sedd il Bahr ohne Erfolg. Bei Mohleh am Roten Meer wurde ein englischer Flieger abgeschossen. An der Kaukasusfront zogen sich die Russen zurück. Brhan richtete jetzt einen Appell an die Deutsch-Amerikaner, in welchem er ihnen das Recht zugesteht, in dem gegenwärtigen Kriege mit ihren Sympathien auf Seiten ihres Ge­ burtslandes zu stehen. Auch damit setzt sich Brhan in Widerspruch mit Wilson, der alle Amerikaner für die amerikanische Politik in Anspruch nimmt. Bericht des öeutfdjen HWWartiers. WTB. Berlin, 14. Juni. Mittags. — (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Front zwischen Lievin und Arras erlitten die Franzosen eine schwere Nieder­ lage. Nachdem int Verlaufe des Tages mehr­ mals die zum Vorgehen bereit gestellten feind­ lichen Sturmkolonnen durch unser Artillerie­ feuer vertrieben worden waren, setzten gegen Abend zwei starke feindliche Angriffe in dich! ten Linien gegen unsere Stellungen beiderseits | der Lorettohöhe sowie auf der Front NeuvilleI Roclincourt ein. Neuer deutscher Durchbruch in Galizien. Schwere Niederlage der Franzosen bei Arras. — Mackensen durchbricht neuerdings die rusfischeu Stellungen in Galizien: 16 000 Russen gefangen. — Eine Niederlage der Italiener am Jsoazo. — Bor den Dardanellen. — Die Serben vor Dnrazzo. — Die Haltung Rnmiiniens und Bulgariens. — Die Wahlen in Griechenland.</p>
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          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 14. Juni. Mittags. — (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Front zwischen Lievin und Arras erlitten die Franzosen eine schwere Nieder­ lage. Nachdem int Verlaufe des Tages mehr­ mals die zum Vorgehen bereit gestellten feind­ lichen Sturmkolonnen durch unser Artillerie­ feuer vertrieben worden waren, setzten gegen Abend zwei starke feindliche Angriffe in dich! ten Linien gegen unsere Stellungen beiderseits | der Lorettohöhe sowie auf der Front NeuvilleI Roclincourt ein. Der Gegner wurde überall unter schwere« Berlusten zurückgeworfen. •' Sämtliche Stellungen sind voll m unserem Besitze geblieben. Schwächere Angriffe des Feindes am Userkanal wurden abgeschlagen. Südwestlich Hebuterne haben die Jnfanteriegefechte zu keinem nennenswerten Ergeb­ nis geführt. Vorstöße gegen die von uns eroberten Stellungen in der Champagne wurden im Keime erstickt. Sestlicher Kriegsschauplatz. In der Nähe von Kuzowymia, nordwest­ lich Szawle, wurden einige feindliche Stellun­ gen genommen und dabei ; 3 Offiziere und 300 Mann zu Gefangenen gemacht. Südöstlich, der Straße Mariampol-Kowno erstürmten unsere Truppen die vordersten Linien. 1 2 Offiziere, 313 Mann waren hier die Beute. LiidSstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des General­ obersten von Mackensen ist in einer Breite von 70 Kilometer aus ihre« Stellungen zwischen Czerniawa, nordweftl. Moszyea und Sieniawa zum Angriff vorgegangen. Die feindlichen Stellungen wnrden auf »er ganzen Front erstürmt. 16000 Gefangene fielen gestern in «nsere Hände. Auch, die Angriffe der Truppen des Ge­ nerals von der Marwitz und des Generals von Linsingen machten gute Fortschritte. _ Oberste Heeresleitung. ,</p>
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          <p>WTB. Wien, 14. Juni. Mittags. — fitmtltdh wird gemeldet: Die verbündeten Armeen in Mittelgali­ zien griffen gestern erneut an. Die russische Front östlich und südöstlich von Jaroslau wurde nach heftigem Kampfe durchbrochen, und der Feind unter den schwer­ sten Verlusten zum Rückzug gezwungen. Seit heute nachts sind die Russen and)' bei und südöstlich Mosziska im Rückzug. 16 000 Russen wurden gestern gefangen. Unterdessen dauern die Kämpfe südlich! des Dnjestr fort. Bei Dorzow südlich Mikolajew schlugen unsere Truppen vier starke Angriffe blutig ab. Der Feind räumte zuletzt fluchtartig das Gefechbsfeld. Nordwestlich Zurawno dringen die ver­ bündeten Truppen gegen Zhdaczow vor und eroberten gestern nach' einem schweren Kam­ pfe Boguzno. Auch nördlich. Tlumacz schreitet der An­ griff erfolgreich fort. Viele Gefangene, deren Zahl noch nicht feststeht, fielen dort in die Hände der Unsrigen. Nördlich Zalhszcziki griffen die Russen nach 11 Uhr nachts in einer drei Kilometer breiten Front vier Glieder tief an. Unter großen Verlusten brach der Massenvorstoß im Feuer unsrer Truppen zusammen. * In dem Kampf bei Plava am 12. Juni ließ der Feind, wie nun festgestellt wurde, über 1000 Tote 1 und sehr viele Verwundete vor unsren Stel­ lungen liegen. Gestern spät abends wiesen unsre Trup­ pen einen abermaligen Angriff gleich einem früheren ab. Die Italiener vermochten so­ mit an der Jsonzo-Front nirgends durchzu­ dringen. Im Kärtner- und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts wesentliches ereignet. * Südlich Avtovac wies eine unsrer Feld­ wachen den Angriff von etwa 200 Montene­ grinern nach, futtern Kampfe ab. Sonst ist die Lage im Südosten unver­ ändert. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Die Kämpfe der Oesterreicher.</p>
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          <p>Ein Handschreiben des Königs von England an den Zaren von Bulgarien. Die "Stampa" meldet aus Shracus: Oberst Syker aus London kam vorgestern hier an und reiste mit dem Dampfer "Egadi" nach, dem Pyrräus weiter, um dem Zaren von Bul­ garien ein Handschreiben des Königs von England zu überreichen. (Z.) Die zwei Füße Rußlands. "Asten Posten" (Christiania) enthält einen aufsehenerregenden Leitartikel mit der Ueberschrift: "Die zwei Füße Rußlands!" Das Blatt beleuchtet darin Rußlands Wunsch nach einem eisfreien Hafen. Selbst die Besitznahme Konstantinopels würde diesen Wunsch nur halb erfüllen, denn England wäre jederzeit in der Lage durch Gibraltar und den Suezkanal diesen Ausgang zum Meer zu verschließen. Kola und Alexandrowsk könnten mit ihrer mittleren Jahrestemperatur unter Null nicht als eisfreie Häfen angesprochen werden. Das Blatt fährt dann fort, daß Norwegen unter allen Nachbarn Rußlands mit diesem noch in kei- nem Kriege gestanden wäre. Auch gegenwärtig sei nicht der geringste Anlaß zu Unstimmig­ keit zwischen den beiden Ländern vorhanden, aber es wäre falsch zu verkennen, daß nur ein Hafen an der norwegischen Küste land. freie Hand nach allen Seiten hin ge­ ben könnte. Dieser Gefahr, ob nun groß oder gering, müsse man auch in Norwegen ent­ gegensehen. (Z.)</p>
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          <p>Der zerstörte Zeppelin. Die "Köln. Ztg." berichtet: Ueber die im amtlichen französischen Bericht vom 10. Juni erwähnte Zerstörung eines Zeppelins hat die englische Admiralität unter dem 7. Juni fol­ genden Bericht gegeben: Heute morgen um 3 Uhr griff der Flieger Unterleutnant R. A. I. Warneford von der Kgl. Flotte in einer Höhe von 6b00 Fuß (1800) Meter) einen Zep­ pelin zwischen Gent und Brüssel an. Er warf sechs Bomben, das Luftschiff explodierte, siel zu Boden un dverbrannte in kurzer Zeit. Die Gewalt der Explosion warf den MoräneEindecker um; es gelang dem Flieger zwar, die Maschine aufzurichten, er mußte aber im feindlichen Lande eine Notlandung unterneh­ men. Er konnte indes wieder auffliegen und kehrte wohlbehalten zu seinem Schuppen zu­ rück. — Der "Daily Telegraph" meldet aus Rotterdam: Der Zeppelin wurde bei seiner Rückkehr von einem Erkundungsfluge über der belgischen Küste nach Gent am Montagmorgen bereits seit einiger Zeit von zwei englischen 'Fliegern verfolgt. Das Luftschiff war sehr hoch gestiegen, um zu vermeiden, daß die englischen Flugzeuge es überfliegen konnten. Als es sich Gent näherte, mußte es tiefer gehen, um später landen zu können. Diesen Umstand machten sich die beiden englischen Flieger zu­ nutze; sie richteten zuerst ein heftiges Feuer mit ihren Maschinengewehren auf das Lenk­ luftschiff. Dieses erwiderte, ohne daß von irgend einer Seite ein Ergebnis erzielt worden wäre. Der Zeppelin mußte aber inzwischen tiefere gehen, und es gelang dann den beiden Fliedern, ihn zu überfliegen, wobei der Flie­ gerleutnant Warneford einige Bomben warf, die den Zeppelin trafen und kleine Explosionen hervorriefen. In wenigen Sekunden stand das ganze Luftschiff in Flammen und stürzte neben dem Beguinenstift von St. Elisabeth in Gent nieder. Das Beguinenstift fing Feuer; es kam zu Schreckensszenen, bei denen mehrere Per­ sonen ums Leben kamen. (Z.) Ein Arsenal in die Lust geflogen? Am Sonntag nachts zwischen 11 und 12 Uhr wurden nach Meldungen französischer Blätter einige Touloner Arsenals ein Raub der Flammen. Der Schaden, der sehr bedeu­ tend sein soll, ist noch nicht näher festgestellt. Auch die Ursache des Brandes ist bisher noch nicht bekannt. (Z.) Vom westlichen Kriegsschauplatz.</p>
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          <p>Der Russenschaden in Ostpreußen. Königsberg, 13. Juni. Nach dem nunmehr gewonnenen übersichtlichen Bild über die Kriegsfchäden in der Provinz Ostpreußen haben von den Einwohnern während der feind­ lichen Einbrüche längere oder kürzere Zeit die Heimat verlassen etwa 190 000 im Regierungsbezirk Königsberg und etwa 260 000 im Regierungsbezirk Allenstein. Die Höchstzahl der Einwohner, die die Provinz Ostpreußen verließen, dürfte 350 000 bis 400 000 betragen. Zurückgekehrt sind bisher der größte Teil der FLüchtlinge, besonders auf dem Lande. Von den Russen sind, soweit bisher festgestellt, in der Provinz 1620 Zivilpersonen getötet, und 433 verwundet worden. Bestimmte Zahlen über Vergewaltigungen und Schändungen lassen sich nicht geben. DIe Zhl der nach Rußland verschleppten Einwohner beträgt nach den bisherigen ANgaben insgesamt 5419 Männer, 2587 Frauen und 2719 Kinder. Von ihnen besteht der größte Teil aus hilflosen Greisen. Die Verschleppten haben infolge der Strapazen Leben oder Gesundheit verloren. Durch feindliche Brandlegung ganz oder zum erheblichen Teil sind zerstört im Regierungs­ bezirk Königsberg 7 Städte, 75 Dörfer und 56 Güter, im Regierungsbezirk Allenstein 10 Städte, 292 Dörfer und 97 Güter, im Regie­ rungsbezirk Guntbinnen 7 Städte, 205 Dör­ fer und 83 Güter. Die Zähl der insgesamt zer­ störten Gebäude beträgt 33 553. Etwa ein Drittel waren Wohnhäuser. Hausrat ist schät­ zungsweise in 100 000 Wohnungen vollständig und in ebensovielen Wdhnungen teilweise ge­ raubt oder vernichtet. In dem während des Winters vom Feind besetzten Fünftel der Pro­ vinz war, als der Feind vertrieben war, kaum ein Stück Bi eh mehr übrig. In den ganzen Grenzkreisen waren fast alle landwirtschaft­ lichen Geräte und Maschinen geraubt oder ver­ nichtet. Die meisten Mühlen, Ziegeleien, Bren| nereien und Molkereien waren systematisch zer­ stört. Trotzdem sind in dem ganzen Kreis etwa 800 000 Morgen mit Sommersaat be­ stellt und nur 160000 Morgen sind unbestellt geblieben. An Borentschädigung sind bis 1. Juni 125 340 726 Mark ausgezählt worden. Der russische Generalissimus. Der russische Generalissimus Großfürst Ni­ kolaus befindet sich' in Moskau. Ein neues Aerztekonsilium ist einberufen. Der russische Generalarzt der Armee, Freiherr Zöge v. Manteuffel, erachtet einen zweiten oparativen Ein­ griff als ntwendig. Die Meuterei in der russischen Osfferslotte. Einer Petersburger Meldung der "Köln. Volksztg." zufolge, stellt es sich nunmehr her­ aus, daß der Tod des Admirals v. Essen, des Oberbefehlshabers der russischen Ostsee­ flotte kein natürlicher gewesen ist. AM glei­ chen Tage sind auch 4 Seeoffiziere seines Sta­ bes ums Leben gekommen. Unwillen in Rußland «der Frankreich!. Die "Nowoje Wremja" gibt dem tiefen Un­ willen der russischen Bevölkerung Ausdruck über die Schwächlichkeit und Zerstreutheit der Angriffe aus der Westfront, die den Moment zur Offensive vorübergehen ließen, wo der Feind durch die Operationen an der Ostfront ge­ schwächt war. Das Blatt hofft, daß endlich die angekündigte Offensive Joffres zur Tat werde. 1 Vom östlichen Kriegsschauplatz.</p>
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          <p>Die Kämpfe in Galizien. Die Flucht aus Lemberg. I Der "Czas" meldet, daß nach Erzählun* gen von Flüchtlingen aus LeMberg die Flucht 1 der Russen aus der galizischen Hauptstadt imI Mer mehr zunimmt. Auf dem Bahnhof herrscht I ein furchtbares Gedränge. Die nach Rußland I abgehenden Züge verlassen erst Mit 6—8stünI diger Verspätung die Stadt. Vor allem reisen | die Familien der russischen Beamten, Offif ziere und Kaufleute, ab, die sich in LeMberg } niedergelassen hatten. (Z.)</p>
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          <p>Tie italienischen Geistlichen tut Heere. "(Sortiere bellet Sera" veröffentlicht nach bett Berichten der Bischöfe an den Papst eine statistische Uebersicht, nach welcher sich 18000 Geistliche bei der Armee befinden. Ueber 700 amtieren als Feldgeistliche, übet 1000 dienen dem Roten Kreuz, alle anderen 'kämpfen in der Armee. (Z.) Die päpstliche Nobclgarde geht na# dem Kriegsschauplatz. Einer Meldung des "Giornale d'Jtalia" zufolge wird die päpstliche Nobelgarde dem­ nächst nach, dem Kriegsschauplatz abreisen. (Z.) Die kriegsbegeisterten Italiener. "Meffagero" verspottet die Römer, die erst mit großem chauvinistischem Geschrei zum Kriege gedrängt, aber jetzt, wo es sich um! Beiträge für die Familien der Einberufenen handelt, kaum 120 000 Lire zusammengebracht hätten. Der "Avanti" macht den Vorschlag, den hunderttausend italienischen Beamten, die ja haupffächlich die Kriegshetzer bildeten, für einige Tage kein Gehalt auszubezahlen. Die Kriegsbegeisterung in diesen Kreisen würde sich, dann sehr bald legen. (Z.) Italien und Griechenland. Die griechischen Zeitungen besprechen viel­ fach Erklärungen des Athener italienischen Ge­ sandten, welcher zu beweisen versucht, daß es zwischen Griechenland und Italien keine Reib­ flächen gäbe. Die Athener Presse ist jedoch, anderer Ansicht. "Esha" schreibt, daß das griechische Volk nie vergessen könne, daß von Italien nach der Besetzung des Dodekanes Hunderte von Griechen verfolgt und ausge­ wiesen worden wären. Außerdem beständen auch im Nordepirus Gegensätze zwischen der italienischen und griechischen Politik. (Z.)</p>
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          <p>Der Krieg mit England. Die englischen Verluste. "Daily Mail" weist daraus hin, daß. die englischen Verluste in 12 Tagen über 30 000 Mann betragen haben. Schwere Ernüchterung in Engländ. In England wird die "Unterseebootpest", über die man anfangs so hochmütig urteilte, immer schwerer empfunden und ebenso die große Zahl der Verluste im Landkriege. Wäre die Erkenntnis deutschen Geistes, der nach. Lloyd George jede Klasse und jede Schicht der Bevölkerung Deutschlands beherrscht, den eng­ lischen Staatsmännern früher aufgegangen, so wäre es nicht zu diesem furchtbaren Welt­ krieg gekommen.</p>
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          <p>Der Nnterseebootskrieg. Stockholm, 14. Juni. Der Kapitän des schwedischen Dampfers "Vidar" berichtet, daß bei seinem Aufenthalt in Kirtwall ein hol­ ländischer Dampfer die gerettete Besatzung eines großen Wilsondampfers an Land setzte. Die amtlichen englischen Berichte verheimlichen den Verlust. (Z.) London, 14. Juni. (Reuter.) Ein Fi­ scherfahrzeug landete in Milfordhaven die Be­ satzungen des Kohlendampfers "Crown of Jndia" und des norwegischen Seglers "Bellgarde", die von einem deutschen Untersee­ boot bei Cap St. Ann-Head versenkt worden waren. London, 14. Juni. (Reuter.) Ein deut­ sches Unterseeboot versenkte den Dampfer "Ho­ pemount" im Bristolkanal. Die Besatzung wur­ de gerettet. — Der Fischdampfer "Queen Ale­ xandria" wurde bei Dundee torpediert. Die Besatzung wurde gerettet. Ein holländischer Dampfer angehalten. Rotterdam, 14. Juni. Dem Rotterdamschen Courant zufolge wurde der Dampfer "Rotterdam" von der Holland-Amerika-Linie von Newyork nach Rotterdam unterwegs, in Dover angehalten. Der Krieg zur See.</p>
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          <p>Am Balkan. Tie Serben in Durazzo. Wien, 14. Juni. Zuverlässige, über Skutari aus Albanien kommende Nachrichten be­ stätigen, daß sich, reguläre serbische Truppen Durazzo genähert und die Hügel in der Um­ gebung der Stadt besetzt haben. In Durazzo selbst hält sich Essad Pascha noch mit italieni­ scher Hilfe. Jedoch soll die italienische Truppen­ menge in Durazzo gering sein. In der Gegend des Ochridasees fanden wiederholte heftige Zusammenstöße zwischen serbischen und griechischen Banden statt. Auch im Nordepirus wird die griechische Banden­ tätigkeit lebhafter. ' Serbisch-montenegrinische Unstimmigkeiten. Sofia, 14. Juni. Hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß zwischen Serbien und Montenegro in der letzten Zeit große Mei­ nungsverschiedenheiten wegen Albanien aus­ gebrochen sind. Wie behauptet wird, soll es sogar zu Zusammenstößen gekommen sein. § Endlich sollen auch die Montenegriner gedroht I haben, sich an Albanien anzuschließen, falls | die Serben gegen Skutari zögen.</p>
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          <p>Sie TMei is Kriege. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 14. Juni. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Kau­ kasusfront ging der Feind gestern aus der Richtung Olty vor. Nachdem er sich überzeugt fyaite, daß unsre Truppen gegen ihn vorrücken, zog er sich eilends zurück und ließ seine Stel­ lungen völlig im Stich. Wir besetzten sie. An der Dardanellenftont schossen gestern morgens zwei feindliche Kriegsschiffe unter betn Schutz von 7 Torpedobooten ungefähr 90 Gra­ naten auf einige unsrer Stellungen bei Ari Burun und Sedd il Bahr ab. Sie erzielten kei­ nerlei Wirkung und zogen sich, bald daraus nach Jmbros zurück. Zu Lande fand bloß ein schwacher Austausch von Artillerie- und Jnfanteriefeuer statt. Unsre anatolischen Bat­ terien richteten ein erfolgreiches Feuer auf den Feind. Am 24. Mai erschien ein eng­ lischer Kreuzer vor der kleinen Stadt Moyleh an der Küste von Medina am Roten Meer und ließ ein Flugzeug über diese Stadt auf­ steigen. Die Flieger wurden durch das Feuer unsrer Soldaten und Feldwachen abgeschossen und stürzten ins Meer. An den andren Fronten keine Verände­ rung. Ein englischer Doppeldecker abgeschossen. Nach, einer Privatmeldung aus Athen wurde ein englischer Zweidecker bei dem Ver­ such, ein türkisches Lager zu überfliegen, ab­ geschossen. (Z.) Sie TMei is Kriege. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 14. Juni. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Kau­ kasusfront ging der Feind gestern aus der Richtung Olty vor. Nachdem er sich überzeugt fyaite, daß unsre Truppen gegen ihn vorrücken, zog er sich eilends zurück und ließ seine Stel­ lungen völlig im Stich. Wir besetzten sie. An der Dardanellenftont schossen gestern morgens zwei feindliche Kriegsschiffe unter betn Schutz von 7 Torpedobooten ungefähr 90 Gra­ naten auf einige unsrer Stellungen bei Ari Burun und Sedd il Bahr ab. Sie erzielten kei­ nerlei Wirkung und zogen sich, bald daraus nach Jmbros zurück. Zu Lande fand bloß ein schwacher Austausch von Artillerie- und Jnfanteriefeuer statt. Unsre anatolischen Bat­ terien richteten ein erfolgreiches Feuer auf den Feind. Am 24. Mai erschien ein eng­ lischer Kreuzer vor der kleinen Stadt Moyleh an der Küste von Medina am Roten Meer und ließ ein Flugzeug über diese Stadt auf­ steigen. Die Flieger wurden durch das Feuer unsrer Soldaten und Feldwachen abgeschossen und stürzten ins Meer. An den andren Fronten keine Verände­ rung. Ein englischer Doppeldecker abgeschossen. Nach, einer Privatmeldung aus Athen wurde ein englischer Zweidecker bei dem Ver­ such, ein türkisches Lager zu überfliegen, ab­ geschossen. (Z.)</p>
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          <p>französischen Kreis- und Ortsbehörden. Der französische Kreisvertreter antwortete in einer tief empfundenen tranzösischen Rede; er dankte dafür, daß die deutschen Militärbehörden anerkannt hätten, daß die Tapferkeit nicht allein bei den Bataillonen sei, welche siegreich vor­ wärts kommen, sondern daß, die Ehre allen, die ihr Blut für das Vaterland vergossen ha­ ben, in gleichem,Maß,e gebühre. Das Denkmal werde von den Einwohnern für ewige Zei­ ten geschützt und in Ehren gehakten werden. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.</p>
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          <p>Er verlangte einen Geldbriefumschlag, schrieb hastig die Adresse darauf und schob dann vor den Augen des Beamten zähn wohl­ gezählte und funkelnagelneue Hundertkronenscheine hinein. Sie waren für Gisbert be­ stimmt. Einen Augenblick zögerte er überlegend. Sollte er ein paar Worte dazu schreiben? Einen Ostergruß, vielleicht nur? Oder wenig­ stens eine Osterkarte — er Hatte deren eben eine Anzahl gekauft — beilegen? Nein, dachte er dann trotzig, er würde es auffassen, als glaubte ich mich im Unrecht und wollte ihn versöhnen. Wo es doch an ihm ist, den ersten Schritt zu tun! Er fühlte wohl, daß, das Geld so ganz ohne Begleitwort, Erklärung oder Gruß wie ein Almosen wirken mußte. Aber mehr sollte es ja auch nicht sein. Das Weitere war Gis­ berts Sache. Bedanken mußte er sich ja nun wenig­ stens. Und aus der Art seines Dankes würde Wan sehen, ob — sich ein Faden finden ließe, der wettergesponnen werden konnte. Sehr zufrieden mit sich, selbst fuhr Roden­ bach heim'. Sein Gewissen war beruhigt. Sy­ bille aber sagte er nichts von der Sache. Er wollte sie mit Gisberts Antwort überraschen. 15. Gisbert eilte heute rascher heim als sonst, denn er hatte Solo eine große Neuigkeit zu bringen. Kurz vor Bureauschluß lies; ihn sein ober­ ster Vorgesetzter, der Statthalter, zu sich, rufen und teilte ihm mit, daß er soeben ein Schreiben von Baron Korab aus Wien erhalten habe, worin Seine Exzellenz ihn verständige, daß er sich aus der Durchreise nach Abbazzia, wo er seinen Osterurlaub verbringen wollte, einige Tage rn Graz aufhalten werde. "Seine Exzellenz beauftragt mich aus­ drücklich," schloß der Statthalter mit säuer­ lichem Lächeln, "Sie davon in Kenntnis zu setzen, und knüpft die Hoffnung daran, seinen Schützling bei dieser Gelegenheit recht oft zu sehen." i Das bedeutet zwar eine große Ehre, dachte Gisbert nun auf dem Heimweg, aber auch eine Menge Verlegenheiten. Einmal für mich den Kollegen gegenüber, die mir nun aus Neid noch weniger verzeihen werden, daß ich als Außenseiter in ihren Kreis eingedrungen bin und einen anderen am Vorwärtskommen hindere. Dann für Statthalters, die gewiß Korab zu Ehren etwas veranstalten und nun f nicht wissen werden, wie sie sich, dem bisher d übersehenen Unterbeamten gegenüber verhal­ ten sollen. Läden sie uns ein, so ist es eine Verlegenheit für sie, laden sie uns nicht ein, beleidigen sie vielleicht Korab, der sicher mit voller Absicht dem Statthalter gegenüber seine Freundschaft für mich, betonte. Endlich! aber — und das ist vielleicht die größte Verlegenheit — wird die arme Lolo gezwungen sein, Korab zum Abendbrot zu bitten! Arme Kleine! Ich sähe schon ihr ent­ setztes Gesichtchen. Jetzt, ant Ende des Mo­ nats einen Gast! Lolo war wirklich' im ersten Augenblick sprachlos vor Schrecken. Bis zum Ersten wa­ ren noch volle zehn Tage, und sie hatte genau noch sünfunddreißig Kronen in der Kasse. Der Winter war lang und streng ge­ wesen — erst seit vierzehn Tagen hatte man mit dem Heizen aufhören können — und in­ folgedessen waren, wie alljährlich, um diese Zeit, die Lebensmittel teurer geworden. Durch' einen mit vieler Mühe und äußerst kunstvoll zusammengestellten Speisezettel hatw Lolo ihre sünfunddreißig Kronen so eingeteilt, daß sie knapp für die restlichen zehn Tage ausreichten. Und nun kam das dazwischen. «f, ,i , (Fortsetzung folgt.) Jl , _■ M j</p>
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          <p>Berlin, 13. Juni 1915. Die französische Angst vor der Wahrheit. Von unserem Kriegsberichterstatter. Großes Hauptquartier, 10. Juni. Die bekannte, im französischen Okkupationgebiete erscheindende und von der französischen Bevölkerung in einer Auflage von 90 000 Exemplaren gelesene "Gazetta des Ardennes" veröffentlicht in ihrer Nr. 53 folgende, kenn­ zeichnende Mitteilung: "Liste ver in ihr Vaterland zurückgekehrten französischen Verwundeten." Wir veröffentlichen nachfolgend außer un­ serer "Liste der Gefangenen" eine Rubrik der französischen Schwerverwundeten, die auf dem Wege des Austausches in ihr Vaterland zurück­ gekehrt sind und sich gegenwärtig in Frank­ reich befinden. Diese Liste, welche fortgesetzt wird, soll die Familien über das Schicksral ihrer Angehörigen unterrichten. Deshalb ge­ ben wir bei jedem ausgetauschten Verwundeten die Art der Verwundung an, die er erhalten hat. Diese Veröffentlichung scheint uns einer Pflicht der Menschlichkeit zu entsprechen, wel­ che umso dringender ist, als wir gute Gründe haben zu glauben, daß, die Verwandten dieser Unglücklichen nicht immer über deren Schick­ sal unterrichtet sind, weil die Republik fort führt, ihre Schwerverwundeten zu verstecken. Immer noch kommen Briefe aus Frankreich, die an längst in ihr Vaterland zurückgekehrte Invalien gerichtet sind, in den deutschen Militärlazaretten an, daher besteht unsere in dieser Angelegenheit in Nr. 46 der Gazette des Ardennes ausgeworfenen Frage noch mit vollem Rechte, und es ergibt sich fol­ gende Schlußfolgerung: Die französische Regierung will nicht, daß diese Invaliden in das Leben der Nation zu­ rückkehren. Sie fürchtet, daß deren Mund, den der Schmerz ernst gemacht hat, ein wenig jener Wahrheit aufdeckt - unter anderem über die Behandlung, welche sie in Deutschland gefunden haben - jener Wahrheit, welche die Regierung dem französischen Volke verbirgt, in der Absicht, die unsaubere Arbeit nicht zu hemmen, welche darin besteht, einen blinden Haß gegen das deutsche Volk zu erhalten. Es folgen dann die 200 ersten Namen der ausgetauschten Schwerverwundeten, darunter die zahlreicher Offiziere. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.</p>
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          <p>Berlin, 13. Juni. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Kampfe an der Dubiffa. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Armee-Oberkommando, 12. Juni. In vergeblichen Vorstößen hatten die Rus­ sen unsre Front an der Dubissa zu durchstoßen versucht. Ihre artilleristisch schlecht vorberei­ teten Angriffe, brachen vor unsren DrähtHindernissen zusammen; ihre Verluste in den vergangenen Wochen waren gewaltig, so daß die deutschen Kräfte trotz der russischerseits von Bjelistock über Riga—Mitau herangezoge­ nen Verstärkungen zum Angriff übergehen konnten. In der letzten Woche kam es zu hef­ tigen und blutigen Gefechten, die uns mehrere tausend Gefangene und viel Kriegsmaterial einbrachten. Auf dem südlichen Flügel wurde Eiragola und die Straße Betygola-Jlgize er­ reicht. Dem schweren Druck in dieser Um­ fassungsbewegung setzten die Russen neue Kräfte entgegen, die vermutlich anderen Front| teilen des Nordflügels entnommen wurden. Auf dem nördlichen Flügel der DubissaLinie drangen unsre Truppen inzwischen von Sawkiani aus entlang dem Windawski-Kanal durch das Waldgebiet nordöstlich Szawle vor. Die Bahnlinie Szawle—Marajewo wurde von unsren Vortruppen unterbrochen. Die Kämpfe in dem hügeligen, von kleinen Flußläusen durchzogenen Gelände, das die Rus­ sen mit jedem Mittel für die Verteidigung hergerichtet hatten, waren sehr schwer, sie wurden von jungen und alten Truppen heldenhaft überwunden. Um das Vordringen der deutschen Divisionen zu erschweren, hatten die Russen das Waldgelände am Kanal in Brand gesteckt und an vielen Stellen loderten die Waldbrände, die bei dergroßen Trockenheit schnell weiterfraßen. Die unzähligen russischen Leichen, die noch nicht geborgen werden konnten, verpesten unter der Wirkung der glühenden Sonne die Luft. Das vor ein paar Wochen noch völlig unberührte Land trägt alle schweren und grausamen Zeichen des Krieges, und es ist zu erwarten, daß die Kämpfe noch an Heftigkeit zunehmen werden, da vermutlich weitere russische Verstärkungen im Anmarsch sind. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Kriegsbriefe aus dem Osten.</p>
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          <p>Niederbayerische Nachrichten. Alburg, 13. Juni. (Blitzschlag.) Während eines heftigen Gewitters, das gestern über unsere Fluren ?og, suchten mehrere Heuarbeiter in dem Hause des WiejenaufseheiS Herrn Zwack, das kn den Alburger Wiesen gelegen, Schutz. Unter den Ar­ beitern befand sich auch der OekonomenSsohn Michael Fuchs von Alburg, welcher mit seinen beiden Pferden und der Mähmaschine vor dem Hause stand. Plötz­ lich fuhr ein Blitzstrahl zwischen ihm und den Pferden nieder, wodurch Fuchs etwas betäubt wurde, ohne aber glücklicherweise wetteren Schaden zu nehmen. Deggendorf, 13. Juni. (Beim Baden er= 1 unken.) Gestern badeten mehrere Knaben von der nahen Ortschaft Deggenau in dem Altwasser der Donau, wobei der 9 1 /aiä^rfQC Sohn Ludwig des Maurers Blenck von hier ertrank. Ein zweiter Knabe konnte gerade noch vom Ertrinken gerettet werden.</p>
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          <p>| per Bahn hier an und wurde am Bahnhof von Herrn Stadtpfarrer Frischeisen mit dem Klerus und der Kirchenverwaltung und Herrn Oberbürgermeister 1 Hofrat Marschall mit Vertretern der städt. Kollegien t empfangen und zur Pfarrkirche St. Nikola geleitet, j Nach Spendung des bischöflichen Segens begab sich I Herr Bischof v. Henle in den Pfarrhof, wo er Abj steigequartter nahm. Heute Vormittag findet in der I Pfarrkirche die Firmung der Knaben und Mädchen | der Pfarrei St. Nikola und der Zöglinge von Seligenthal statt. i —* Das Eiserne Kreuz wurde deut I Kriegsfreiwilligen Karl Linsmaher von hier, ! Kanonier int 3. daher. Fuß^-Art.-Regt., unter I Beförderung zum Unteroffizier verliehen. ; —* Schw er verletzt wurden auf dem ; Schlachtfelde die Kriegsfreiwilligen Max Kuhn, | Sohn des Herrn Professor Kuhn hier, und S Willy Härtl, Sohn des Herrn Oberstabsarztes i Dr. Härtl hier. ; —* Die Beerdigung des Herrn OberI leutnants Dr. Bruno Friedrich, die gestern ' nachmittags im städtischen Friedhofe hier stattf fand, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen j Trauerkundgebung, Vertreter des Finanzmi- nisteriums, der städt. Kollegien, des Korps li Palatia, des Korpsphilisterverbandes, Herren | Offiziere und zahlreiche andre Leidtragende i hatten sich eingefunden, um dem teuren Toten t die letzte Ehre zu erweisen. Herr Prot. Stadt­ pfarrer Seidel widmete dem gefallenen Hel­ den einen tiefempfundenen Nachruf. Prächj! tige Kranzspenden wurden an dem offenen I Grabe niedergelegt von der Aktivitas desKorps i Palatia, dem Korpsphilisterverband Landshut, t der Generaldirektion der Zölle, der Stadt, (| dem hiesigen Offizierskorps und der Ortskom&lt; mandantur der Etappenstation Haloin. i —* In Galizien haben unsre Truppen j wieder einen neuen großen Erfolg errungen, j Die Armee Mackensen hat die ruffische Front j in einer Breite von 70 Kilometern durchstoßen ; und die russischen Stellungen erstürmt. 16 000 ! Gefangene bilden den Anfang der Siegesbeute. 1 Diese freudige Nachricht war denn auch alsj bald in aller Mund und zahlreiche Fahnen I erschienen an den Häusern zum äußeren Ausii druck der Freude über den Erfolg unsrer wäk? leren Truppen. I —* Ein Flugzeug überflog heute früh I in nur geringer Höhe unsre Stadt auf der ; Fahrt von Ost nach! West. j —* Ein Wie senbrand entstand gestern ; mittags am Annaberg. Durch sofort herbei! geeilte hilfsbereite Nachbarn wurde das Feuer | alsbald gelöscht. i —* Die große Trockenheit mächt sich I auch in den Bahnkörpern bemerkbar. An der ! Neumarkter Bahnlinie sind in den letzten Ta­ gen mehrmals, vermutlich durch Funken, die aus der Lokomotive auf die Bähnböschung ge- 1 fallen waren, dort Brände entstanden, die an I dem trockenen Grase und Strauchwerk gute I Nahrung fänden, doch gelang es stets, die S Brände zu löschen, ehe sie größeren Schaden j anrichteten. I —* Lichtspielhaus. In den Kronprtnz1 lich.spielen gelangt zur Zeit ein hervorragendrs hochI dramatisches Schauspiel zur Vorführung "Der Schuß" eine von Anfang bis zum Ende fesselndes Bild aus dem Leben, das in Münchens Sendltngertorlicht» spielen wiederholt den Spielplan beherrschte. Die lebenswahre Handlung ist von ganz hervorragenden deutschen Künstlern in ergreifender Weise dargestellt und zwingt jeden Beschauer in ihrem Bann. Der Liebesroman "Das Blumenmädchen von Capri" zeichnet sich mehr aus durch eine Reihe prächtiger Naturaufnahmen. Auch das übrige Programm reiht sich den gen. Hauptnummern würdig an, fodaß ein Besuchjsehr zu empfehlen ist, umsomehr als tle Direktion trotz des derzeit ruhigen Betriebes und der infolge großen Mangels an guten Films sehr gestiegenen Preise keine Kosten scheut, ihren Gästen immer nur das Beste zu bieten. Das Programm gelangt nur noch heute zur Aufführung. Bayerische Ehrentafel. Während der zweiten Hälfte des Oktober bis Anfang November lag die 7. Kompagnie 19. Infanterie-Regiments im Regimentsverbande im Walde von A. dicht westlich der L.-Straße den französischen.Schützengräben auf 100 bis 150 Meter gegenüber. Es ließ sich- annehmen, daß die vorderste Grabenlinie nach der vorausgegangenen Beschießung nicht mehr in voller Stärke, immerhin aber mit Posten besetzt war, wichrend Mer die rück­ wärtigen Anlagen verlässige Kenntnis fehlte. Artillerie und Minenwerfer standen zu wei­ terer Beschießung bereit; um sie jedoch nicht vielleicht unnötig in Tätigkeit zu bringen, sollte erst Klarheit Mer die Besetzung, geschaf­ fen werden. Zu dieseim Zwecke untternahnt Vizefeldwebel Georg Hundhämmer ams Lipperts, BA. Hof, am 26: Oktober nachmittags einen verwegenen Patrouillengang. Durch ab| geschlossenes Dickicht auf nächste Entfernung I anschleichend, kroch er den feindlichen Schützen1 graben entlang und erkundete, dem Feinde fortwährend sichtbar, solange bis ihn starkes Feuer von der zweiten Linie zur Rückkehr zwang. Es stand also fest, daß zur Zeit die vorderen Gräben verlassen, dagegen die rück­ wärtigen besetzt waren. Hundhammer, der sich durch! seine besondere Tapferkeit in alten Ge­ fechten bereits das Eiserne Kreuz «erworben hatte, erhielt nunmehr auch die Silberne Me­ daille. ’ i Am 20. November bemerkte man bei der 2. Kompagnie Res.-Jäger-Bataillons Nr. 2, daß die in Schützengräben gegenüberliegenden Franzosen Unterhandlungen anknüpfen woll-</p>
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          <p>feindlichen Feuerbereiches alle aus der vor­ deren Linie zurückweichenden Leute durch' Zu­ ruf auf sich' zu sammeln und mit Nachdruck zum Standhalten veranlassen. Indem er aus den allmählich' eintreffenden Mannschaften ver­ schiedener Kompagnien neue Gruppen bildete und dazu Führer bestimmte, gab er die erfor­ derlichen Anweisungen für den Fall eines feindlichen Angriffes und trat einzelnen Ver­ suchen, den Rückzug fortzusetzen, mit solcher Entschiedenheit entgegen, daß er schließlich dem hinzugbkommenen Bataillonskommandeur einen Zug von 82 Mann zur Verfügung stellen konnte. So blieb er in voller Bereitschaft, bis Weisung kam, in Gruppen zurückzugehen und sich der 3. Kompagnie anzuschließen. — (Silberne Medaille.) Als sich am 19. August die 1 .Kompagnie Landwehr-Jnf.-Regts. Nr. 2 am Gr. H. bei­ derseits der Straße nach M. zum Gefechte entwickelt hatte, schloß sich, ihr linksvorwärts in den Hochwald eingetretener 1. Zug alsbald der bereits im Feuer liegenden 3. Kompagnie an; das gleiche war mit Mannschaften der vorwärts am Hange des Gr. H. stehenden 4. Kompagnie der Fall. Indem aber dabei der Anschluß der 3. an die 4. Kompagnie verloren ging, erhielt jene von ihrem be­ drohten linken Flügel wie von der Front her starkes Infanterie- und überdies von rechts Maschinengewehrfeuer. Die wachsenden Ver­ luste veranlaßten den Kompagnieführer, die Verbindung mit der 4. Kompagnie wieder auf­ zusuchen. Hierzu meldete sich' Landwehrmann Gustav Benz der 1. Kompagnie, dem auch der weitere Auftrag mitgegeben wurde, die j feindliche Stärke und Stellung auszuforschen j und der 4. Kompagnie Unterstützung anzubie- 1 ten. Etwa 300 Meter nach links gehend, fand Benz zwar die Kompagnie nicht, konnte da- j gegen feststellen, daß der aus Alpenjägern be- stehende Gegner sich nach' Aussage eines Ver- 1 Mundeten der 4. Kompagnie zurückgezogen j habe. Als er hierüber Meldung an den Führer \ der 3. Kompagnie brachte, ordnete dieser eine | neue Erkundung in der Frontrichtung an. Auch dazu erbötig, vermochte sich Benz zu überzeu- j gen, daß der gerade gegenüberstehende Find ; geringere Stärke als in der linken Flanke be- ] saß, und daß das auf die Bayern abgegebene j Feuer zumeist von Alpenjägern stammte, die j sich auf Bäumen eingenistet hatten. Die dar- ' über erstattete Meldung veranlaßte den Kom- ; pagnieführer, seinen linken Flügel sofort zu- : rückzubiegen. Seine Erfahrungen über die Lage der 3. Kompagnie an das Bataillon weiter befördernd, hatte Benz einen langen schwierigen Weg nach dem Sattel zwischen den beiden H. zurückzulegen, wo Leute ver­ schiedener Kompagnien eine Ausnahmestellung bildeten und brachte sodann den Befehl des Bataillons an die 3. Kompagnie, ebendorthin auszuweichen. Die Erkundungs- und Weldegänge des Benz waren zum größten Teil unter starkem feindlichem Feuer erfolgt. Da er sich auch sonst stets durchs Unerschrockenheit aus­ zeichnete, wurde er mit der Silbernen Me­ daille belohnt. Da beim Vormärsche des 1. Bataillons Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 7 durch den Wald von B. in der Nacht zuM 24. September das Ende der 4. Kompagnie abge­ rissen war, sollte bei Tagesanbruch eine aus einem Unteroffizier und drei Mann gebildete Patrouille den verloren gegangenen Teil der Kompagnie aufsuchen und dem Bataillon nach­ führen, brachte jedoch nach kurzer Zeit die Meldung zurück, auf etwa 100 Meter aus dem dichten Unterholz dringendes Geräusch lasse auf Anwesenheit einer stärkeren Abteilung schließen, und nachdem man auf wiederholten Aufruf leiste Antwort erhallen habe, muffe man annehmen, daß im Walde Franzosen steck­ ten. Die Patrouille wurde deshalb um 5 Mann verstärkt und ging nunmehr unter dem Befehl des Offiziersstellvertreters, jetzt Leut­ nants der Reserve Hans Mohr, Rechtsprak­ tikant aus Neustadt a. A., neuerdings gegen die bezeichnete Waldstrecke vor ;nach der Aus­ dehnung, in der man das Rascheln des Laubes und Knacken der Aeste vernahm, hatte sie min­ destens 50 bis 60 Mann vor sich. Da wieder­ holter Aufruf zunächst unbeantwortet blieb, arbeitete sich, die Patrouille in breiter Kette durch das Gebüsch, bis man endlich die Worte hörte: "Deutsche Gefangene!" Als die Ein­ ladung Mohrs, herüberzukommen, keinen Er­ folg erzielte, ging es wieder vorwärts, um plötzlich einer Anzahl Franzosen gegenüberzn stehen. Der sofortigen Aufforderung an sie, die Waffen zu strecken, kam nur ein ein­ ziger Mann nach, zwei andern entrissen Mohr und der Unteroffizier die Gewehre, alle übri­ gen begannen auf die Patrouille zu schießen, wie auch alsbald aus den nächsten Büschen Feuer gegeben wurde. Unsre Bayern blie­ ben eine kräftige Antwort nicht schuldig, und als ein Franzose tot zusammenbrach, ver­ schwand der sichtbare Teil des Feindes, wäh^rend&gt; man auch die andern im Walde Verbor­ gegenen Franzosen in südlicher Richtung ab; ziehen hörte. Inzwischen fanden sich die am i Vorabende in Feindeshand gefallenen deut| scheu Gefangenen, 1 Assistenzarzt und 7 Sa| nitätsmannschaften eines Württembergischen i Landwehr-Jnf.-Regts. bei der Patrouille ein; nach ihrer Angabe hatte ihre französische Be- f j deckung 60—70 Mann gezählt. Selbst ohne | i Verlust geblieben, brachte die Patroille noch &lt; &gt; zwei gefangene Franzosen zur Kompagnie zu- j j rück. Die Württemberger suchten alsbald ihren | ; Truppenteil wieder auf. Für diese schneidige s Tat erhielt Mohr die Silberne Medaille. •</p>
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          <p>auf der andern Seite des Aki Baba aufgestellt waren, festzustellen. Dte Lage sah ernst aus, aber es gelang den Franzose», durch einen Gegenangriff von Reserven die schon verlassenen Schützengräben wieder zu besetzen. Um 5 Uhr begann ein neuer englischer Angriff auf den rechten Bergarm und das Dorf' Krithia, der beim Vordringen ein ebenso furchtbares Schrapnellfeuer der Türken erhielt, wie es die Franzosen auf ihrem Flügel erlebt hatten. Die Geschosse platzten genau über.den Engländern, ganze Kompagnien wurden durch' die Wolken von Erde und Sand, die durch dte Geschosse aufgeworfen wurden, den Bücken ent^ zogen. Dem weiteren Vordringen der Engländer setzte die hereinbrechende Finsternis ein Ziel. Aber es war den Engländern klar geworden, daß die Türken durch kein noch so schweres Artilleriefeuer zu erschüttern waren. "Sie hatten mit äußerster Tapteiksit und Entschlossenheit gefochten, während die Handdabung ihrer Artillerie meisterhaft gewesen war, denn sie verwandten sie nur in dem Umfange, in dem es unbedingt nötig schien. Entweder wollten sie ihre Munitton sparen oder sie fürchteten, die Stellung ihr».r Artillerie zu verraten." Der 8. Mat brachte den Höhepunkt der Kämpfe. Als diese den ganzen Tag ohne sichtlichen Erfolg gedauert hatten und man bereits glaubte, daß sie wieder zu Ende gingen, er­ öffneten plötzlich um 5 Uhr 15 die Verbündeten von jedem Schiff und von jeder Batterie an der Küste die erstaunlichste Beschießung. "In der Tat erklärten dte Offiziere, dte früher in Frankreich gedient hatten, daßm sie nie etwas Aehnliches erlebt hätten. Alle Schlachtschiffe und Kreuzer eröffneten mit ihren schweren und leichteren Geschützen ein Schnellfeuer auf be ide Arme des Aki Baba, auf Kruhla und auf jeden Fleck Gebüsch und jede Schlucht, die einen Feind verbergen konnte." Die 15 Zoll Granaten, die mit Lyddit geladen waren, machten dte scheuß­ lichsten Explosionen und hüllten ganze Hügel in Riesenwolken von gelbem Rauch. Die 12 Zoll-Ge­ schosse suchten jeden Zoll der Abhänge ab, die zum Ak! Baba hinaufführten, während die kleineren Kanonen das Gelände, das unseren Schützengräben näher lag, bestreuten. Das Geräusch war schrecklich, die Hügel gaben ein Echo von dem Donnern der schweren Ge­ schütze und dem Knall der Tausende von platzenden Geschossen. Als Schaauspiel ist die Scene wohl nie überboten worden, da? ganze Land sah nicht aus, als ob es beschoffen würde, sondern als ob es plötzlich ganz in Brand gesteckt und in wenigen Minuten von einer festen Schicht von gelbem, grünem und weißem Ranch bedeckt wäre, aus dem plötzlich Vulkane aus­ zubrechen schienen, wenn die Granaten auf den höheren Bergkuppen platzten. Es war jetzt 5 Uhr 15, die Beschießung hatte eine Viertelstunde gedauert. Jeder­ mann wußte, daß etwas Entscheidendes eintreten mulßte. Nach allen Theorien über das Artilleriefeuer musste der Feind vernichtet sein, so völlig betäubt von dem explodierenden Lyddit, daß er unfähig war d.'m Ansturm unserer Infanterie zu widerstehen. | Kein Türke war zu sehen, ihre Artillerie hatte keinen Schuß abgefeuert, oder wir hatten es in dem furchtbaren Lärm nicht bemerkt. Plötzlich, wie von einem einzelnen Willen geleitet, hörten die Geschütze einige Sekunden zu feuern auf. Das war das Signal für die Infanterie. Wie ein Mann erhob sich die ganze Linke und ging zum Sturm auf Krithia vor. In demselben Augenblick machten auch die Franzosen aus ihren Schützengräben einen Angriff auf die Höhen. Aber trotz aller Vorbereitung war der Feind gerüstet. Kaum tauchten unsere Leute aus der Deckung auf, als ein wahrer Sturm von Gewehr- und Maschinengewerfeuer aus den Schützengräben und der Buschdeckung, die die Granaten verbrannt hatten. und die noch brannten, losbrach. Das Gewehrfeuer erhob sich schnell zu einem ununterbrochenen Lärm, in den nur die noch schnellere Note der Maschinen­ gewehre hineinklang., ." Ashmead Bartlett schildert nun die verzweifelten Versuche der Engländer, die türkischen Schützengräben zn überrennen, aber sie kommen nur wenige hundert Meter vor, und zum Schluß ist es klar, daß die Hoffnung, Krithia im Sturm zu nehmen, ausgegeben werden muß. "Dte Verbündeten hatten wohl etwas Gelände gewonnen, aber das Hauptziel des Angriffes war nicht erreicht. Akt Baba blickt noch trotzig auf die Ebene zu seinen Füßen herab, und es ist offensichtlich, daß Stellungen wie diese, die von einem so unbezwingbaren Feind wie die Türken gehalten werden, nur mit äußerster Geduld gewonnen werden können "</p>
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          <p>München, 12. Juni. (Vieh markt.) Bericht vom 7. bis 12. Juni. Preise per 50 Kilo Lebendgewicht: Ochsen: 1. Qualität 75—78, öften. 00—00, Holland. 00—00, 2. Qual. 71—74, österr. 00—00, holl. 00—00, 3. Qual. 67—70, österr. 00—00, holl. 00—00, 4. Qual. 62—66, österr. 00— 00, schweb. 00—00, 5. Qual. 54—61, schweb. 00—CO. Bullen: 1. Qual. 60—64, 2. Qual. 55—59,3. Qual. 50—54; Kühen. Kalbinnen: 1. Qual. 62—71, 2. Qual. 60—68, 3. Qual. 53—59, 4. Qual. 43—52, 5. Qual. 31—42; gering genährtes Jungvieh: 35—49; Kälber: feinst» 72—77, mittlere 64—71, geringe 50—63; Schafe: Stallmastschafe, Mastlämmer und jünger» Masthammel 00—00, ältere Masthammel 00—00, mäßig genährte Hammel—, gering. Lämmer 00—00; Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 100—115, vollfleischige von 120 bis 150 Klgr. 95—110, von 100 bis 120 Klgr. 95—116, von 80 bis 100 Klgr. 95—115, dto. unter 80 Klgr. 87—115, Sauen 97 bis 105, Bratenschweine 108—112 Mk. Preise per 50 Klgr. Schlachtgewicht: Bullen 2. Qual. 00—00, 3. Qual. 00—00, Kälber: feinste 83—90, mittlere 76—82, geringe 65—75; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel 81—88, älter« Masthammel 00—00, mäßig genährte Hammel und Schafe 00—00; geringere Lämmer und Schaf» 65—80. Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 00—00, voüfleischige von 120—150 Klgr. 000—000, von 100 bis 120 Klgr. 000-000,von 80 bis 100 Klgr. 120—145, unter 80 Klgr. 90—130, Sauen 00—00, Bratenschweine 128— 135Mk. — Gesamtzufuhr: 2177 Großvieh, aus dem Auslande —, und zwar — Ochsen (darunter — aus Schweden und — aus Oesterreich), — Bullen (darunter — aus Oesterreich), — Kühe (darunter —aus Dänemark und — aus Oesterreich), — Jungrinder (— aus Oesterreich), 4031 lebende und 323 tote Kälber, 2332 lebend« und 1578 tote Schweine, 33 lebende und 262 tote Schafe und Ziegen, — lebende und 152 tote Lämmer, Spanferkel und Kitze. Nach Auswärts wurden — Stück Großvieh und — Schweine. Marktverlaus: Großvieh: ruhiger, bei gleichen Preisen; Kälber: sehr flau, bei starkem PretSrückschlag; Schafs: flau. StödtW SchwimMe. 15. Juni 1915 Luft . . 19 Grad R. Wasser . 17 Grad R. Handel und Verkehr.</p>
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          <p>Städtische Schwimmschule. 15. Juni 1915 Luft . . 19 Grad R. Wasser . 17 Grad R.</p>
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          <p>Druck u. Verlag Z. F. Rietsch, Landshut. Per» antwort!. Redakteur F.L. Wagner, Landshnt.</p>
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          <p>Inserate.</p>
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          <p>Betreff: Verkehr mit Brotgetreide und Mehl. Es wird bekannt gegeben, daß sich Personen, welche auf einige Zeit verreise», vorher Lan-esvrotmarken gegen Marken des Stadtmagistrats Landshut im Zimmer Nr. 6a umtauschen können. Landesbrotmarken, welche von fremden Personen in hiesigen Geschäften abgegeben werden, find gesondert der MehlverteilungSstelle bet Mehlbestellungen einzuliefern. In Wirtschastsdettie-en darf Brot Künftig nur mehr gegen ent­ sprechende Marken verabreicht «erden. Ferner wird wiederholt darauf hingewiesen, dar im Stadtbezirk die Marken des Kgl. Bezirksamtes Landshut nur Giltigkeit haben, wenn solche mit dem Gemekndesiegel gestempelt sind. Mit der Gemeinde Achdorf besteht keine Berrtnbarung bezüglich der Mehl« und Brotabgabe und ist daher die Lieferung von Brot oder Mehl an Angehörige dieser Gemeinde verboten. Landrhut den 14. Juni 1915. Marschall. Schwarz. Bekanntmachung.</p>
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          <p>Tages-Uebersicht. Die Fürsprache ver deutschst Kronprin­ zessin. Die Herzensgüte der deutschen Kron­ prinzessin schildert folgende kleine Episode: Unter die zahlreichen Glückwunschtelegramme die der Kronprinzessin aus Anlaß der aM 7. April erfolgten Geburt der Prinzessin Alexandrine Irene zugingen, war versehent­ lich^ auch folgendes Telegramm geraten: "Kommandantur Berlin. Kruschwitz, 12. 4. 15. Bitte um 8 Tage Nachurlaub wegen Entbindung meiner Frau. Reservist Welk, Polanowitz." ©ogleitfi; wurde das Telegramm nach, der Kommandantur durch einen Diener gebracht Mit folgendem von der hohen Wöchnerin eigen­ händig gemachten Zusatz: "Aus Versähen an Mich gekommen, bitte gewähren Sie ihm die Bitte. Kann es den Leuten so nachfühlen. Geeilte, Kronprinzessin." Daß der Reservist den beantragten Urlaub erhielt, ist selbstverständlich, zumal es sich um einen tapferen Krieger handelte, der seinen Mann schon vor dem Feinde gestanden hatte und schwer verwundet worden war. Man denke sich, aber die Freude dieses Mannes, als ihm gesagt wurde, welcher Fürsprache er die schnelle Erledigung seines Gesuches zu danken hatte. Auf das Hofmarschallamt beschieden, um hier seinem Danke Ausdruck zu geben, wurde ihm zudem im Auftrag der Kronprinzessin ein Geldgeschenk überreicht.</p>
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