Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-07-30. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 204, 1915-07-30. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 204 30. Juli 1915 ────────── Weitere Fortschritte im Osten. ────────── Im Westen wurden feindliche Angriffe bei Souchez abgewiesen. Bei Givenchh und in den Argonnen hatten unsre Minensprengungen Erfolg, seindl. Sprengungen in der Champagne blieben erfolglos. > Ihr Osten besetzten unsre Truppen nordöst­ lich Suwalki einen Teil der feindlichen Stel­ lung und machten hierbei 2910 Gefangene. Russische Vorstöße südlich des Narew schei­ terten unter schweren Verlusten des Feindes. Vor Nowogeorgiewsk nahm eine halbe Kom­ pagnie der Unsern bei einem Ueberfall 128 Russen gefangen. Bei Gora-Kalwarha wurde ein russischer Angriff abgeschlagen. Die österreichisch-ungarischen Truppen ha­ ben an der Grenze der Bukowina und Beß? arabiens eine feindliche Stellung überrascht und genommen, wobei die Russen 170 Tote hatten. Bei KaMionka—StruMilowa fielen den Oester­ reichern 8 Offiziere und 500 Russen in die Hände. An der italienischen Grenze haben nun die Italiener die SturMstellungen geräumt und sind auf ihre ursprünglichen Stellungen zu­ rückgewichen. Kleine Vorstöße der Italiener bei Sdraussina und Vermegliano wurden ab­ gewiesen. An der Tiroler Grenze wurde ein italienisches Bataillon bei Marce zurückgewor­ fen und iM Gebiete der Tofana eine Kom­ pagnie zerstreut. Die italienischen Verluste in den zwei Monaten .des Feldzuges an 'Toten, Verwun­ deten und Vermißten werden von den Ita­ lienern auf ,180 000 Mann geschätzt. Unsre Unterseeboote arbeiten mit Hoch­ druck. Vor allem aber räumten sie in den letzten Tagen ganz gewaltig unter den Fi­ scherbooten auf, die unter dem Deckmantel des Fischens als bewaffnete Patrouillenboote der englischen Flotte tätig sind. Auf Serbien übt gegenwärtig der "Be­ schützer aller Slawen", Rußland, einen star­ ken Druck aus, um Serbien zum' Nachgeben in derimazedönischen Frage zu bewegen. Aber Serbien mag nicht, alle Unterhändler, die der Zar aNer Reußen bisher nach, Risch entsandte, Mußten wieder unverrichteter Dinge nach Pe­ tersburg zurückkehren. ^ An den Dardanellen beschossen die Tür­ ken feindliche Kanonenboote, worauf diese sich entfernten. . Im Kaukasus versetzten die Türken den Russen eine empfindliche Schlappe, wobei 300 Artillerieerfolge und Minensprengungen im Westen. — Erfolgreicher Vorstoß bei Suwalli: 3OOO Gefangene. — Russische Angriffe am Rarew gescheitert. — Vor Warschau. — Die italienischen Gesamtverluste 180 000 Mann. — Türkische Erfolge im Kaukasus. — Unsere Unterseeboote an der Arbeit. Gefangene in den Händen der Türken blieben. \ Zudem gerieten die Russen noch mit ihren eigenen Verstärkungen in Kampf, wobei sie sich! gegenseitig Verluste beibrachten und au­ ßerdem noch, von türkischer Artillerie beschossen wurden. Ueber die amerikanische Note hat sich eine rege Diskussion entfaltet und es wird hin und her erwogen, was Deutschland antworten soll. Andre sagen gar: "Keine Antwort ist auchj eine Antwort!" Wenn man nun aller­ dings der Meinung sein kann, daß die nicht mehr anders als übelwollend zu bezeichuende Note Wilsons, welchle das elementarste und unbestreitbarste Recht Deutschlands sich! zu weh­ ren in Frage stellt, eine Antwort nicht wert ist, so muß doch gesagt, werden, daß dies den, fa­ mosen "neutralen" Präsidenten Amerikas nur in dem Wahne bestatten würde, daß er im Rechte ist. Daß er dies aber nicht ist, Muß ihm von uns wieder bewiesen werden. Aller­ dings pressiert es vorläufig nichlt. Nachdem die amerikanische Regierung "zur Abwehr be­ waffnete Dampfer", natürlich englische oder französische landen läßt und zugibt, daß ame­ rikanische Bürger auf ihnen über den großen Teich/ gondeln, kann sich ja vielleicht noch, ein weiterer Lusitianiafall Ihinzugesellen. Vor­ ausgesetzt, daß der Rauhreiter a. D. Expräsisident, ExtrustbekämPfer usw., Rposevelt mit seinem großen Maul nicht inzwischen alle Deut­ schen verspeist hat. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, ,29. Juli. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegsschniM. In Flandern schoß unsere Artillerie einen auf dem Furneskanal liegenden Prahm in den Grund, auf dem ein schweres Schiffsgeschütz eingebaut war. \ Westlich, von Souchez wurde ein franzö­ sischer Angriff abgewiesen. Bei Givenchi, in den Argonnen und Bei Vauquois sprengten wir Mt Erfolg Minen. Französische Sprengungen in der Champagne verliefen ergebnislos. , , , Micher KritgrschmM. Nördlich, des Njemen ist die Lage unver­ ändert. . Nordöstlich von Suwalki beiderseits der nach, Olita führenden Bahn besetzten unsere Truppen einen Teil der feindlichen Stellun­ gen. Sie machten 2910 Gefangene t und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Gestern und in der Nacht auf heute wie­ derholten die Russen ihre Angriffe gegen un­ sere Front südlich! des Narew- und südlich Nasiels'k. Alle Vorstöße scheiterten unter schwe­ ren feindlichen Verlusten. Westlich, von Nowogeorgiewsk auf dem Südufer der Weichsel nahm eine halbe deutsche Kompagnie bei einem 1 Ueberfall 128 Russen gefangen. In der Gegend von Gora-Kalwarha ver­ suchten die .Russen in der Nacht doch 27. auf 28. Juli nach, Westen vorzudringen. Sie wur­ den gestern angegriffen und zurückgeworfen. Südöstlicher StiegsfWoS. Die Lage bei den deutschen Truppen ist im allgemeinen unverändert. ────────── Sonst ist die Lage an der Nordostsront unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischen Front unternahfaten die Italiener nur am Plateaurande bei Sdraussina und bei Vermegliano erfolglose Vorstöße. Im Vorfelde des Brückenkopfes von Görz räumte der Gegner seine Sturmstellungen und ging in jene Linie .zurück, die er vor iw Schlacht inrte hatte. An der Kärntner Grenze Artilleriekämpf und Geplänkel. Im Tiroler Grenzgebiet wurde ein feindliches Bataillon bei Marce im Etsch­ tal zurückgeworfen, eine italienische Kompag­ nie im (gebiete der Tofana zersprengt. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Ein Neutraler über Deutschland. Der bekannte schwedische Nationalökonom Professor Heckscher erklärte in einer Unter­ redung, daß er nach seinen Reisen in Deutsch­ land, Frankreich und England und der Schweiz den Eindruck gewonnen habe, daß Deutsch­ land in wirtschaftlicher wie finanzieller Hin­ sicht am besten dastehe. (Z.) Häkeleien der Biekderdändler. Wien, 29. Juli. Die Politische Korre­ spondenz meldet: In Paris und London Murrt Man, weil Italien Mn seiner Mitwirkung an den Dardanellen zögert und in Petersburg herrscht Entrüstung über die Mitschuld Ita­ liens am Mißgeschick des Russenheeres in Po­ len. Der russische Botschafter in Rvm, Giers, soll Sonnino wiederholt über die schlweren Nachteile, welche für Rußland aus dem Schei­ tern der Jsonzo-Aktion erwachsen, herbe Worte gesagt haben. Anderseits ist man in RoM durch die Unfähigkeit der Russen, in Polen standzuhalten, schwer enttäuscht. Salandra sucht diesem Eindruck durch eingehende und strenge Weisungen an die Presse vorzubeugen, wonach- die russischen Niederlagen äls "stra­ tegischer Rückzug" dargestellt werden müssen und wobei empfohlen wird, zu volkstümlicher Erläuterung den russischen Rückzug von 1812 heranzuziehen. Diese Aufklärung ist jedoch! nicht geeignet, verständige Leser zu überzeugen. Die amerikanische "Neutralität". Der Berliner "Lok.-Anz." meldet aus Genf: Durch ein Versehen des Hauptredäkteurs gelangten die dem "Petit Parisien" von feinem 1 Washingtoner Berichterstatter telegraphierten Auszüge aus erstklassigen, die Wilsonsche Note auf das schärfste kritisierenden amerikanischen Preßorganen ohne jeden Kommentar in das genannte Pariser Blatt. In der KamMerkommission für das Ausw. Amt wurden diese Ar­ tikel, die darin gipfeln, daß Wilson die Wah­ rung der englischen Interessen als obersten Regierungsgrundsatz verkündet 'habe, eifrig erörtert. Delcafse war über das dem "Petit Parisien" widerfahrene Versehen besonders er­ regt, weil dieses Blatt als ein erstes Regier­ ungsorgan gilt. (Z.) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Die Kümpfe in Polen. Der Berliner "Lok.-Anz." meldet aus Rot­ terdam: Der "Times" wird aus Petersburg berichtet: Bei den Kämpfen zwischen Weich­ sel und Bug kann Man den Kriegsschauplatz in zwei Teile trennen. Der deutsche linke Flügel zwischen Weichsel und Wieprz nahm eine Defensivstellung an, während der rechte Flügel der Armee Mackensen, der von einem großen Teil der österreichischen Arimee unter­ stützt wird, den russischen linken Flügel bei Grubeschow zu umfassen versucht. (Z.) Die tapferen Steirer. Wie Grazer Blätter melden, hat ein steiri­ sches LandstuvMbataillon, am Bug kämpfend, 132 TapferkeitsMedaillen an einem 'Tage er­ halten. 'Steirer haben den verzweifelten Stö- ßen der Russen vier Tage lang gegen eine ! sechsfache Uebermachr nicht nur standgehalten, I sondern diese schließlich auch- noch, auf das i andere Ufer gedrängt. (Z.) i Reval bereitet sich auf den Einzug der I Teutschen vor. I Einem Revaler Telegramm zufolge wurI de auf Verfügung des SeefestungskomMandan! ten ein Aufruf zu freiwilliger Gestellung von ] 10 000 Männern und 300 Fuhrwerken erlas| sen, um Reval von der Landseite her in Vere teidigungszustand zu setzen. Ein feindlicher' I Einfall sei zwar unwahrscheinlich, aber immerj hin sollen genügende Vorbereitungen getros| fen werden, um dem Feind, wenn er kommen I sollte, einen würdigen Empfang zu bereiten. | Die Anmeldungen sind freiwillig, sollten sich aber nicht genügend Freiwillige melden, so Müßte eine Zwangsaushebung stattfinden. Der Taglohn ist auf 2—5 Rubel angesetzt. Nicht der Verdienst möge die Leute locken, sondern die Vaterlandsliebe solle sie dazu veranlassen.