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        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1915-08-10"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">68. Jahrgang Nr. 215</biblScope>
          <date when="1915-08-10">1915-08-10</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Kämpfe im Westen. — Französische Flieger über Saarbrücken. iE Erfolge unserer Kampf­ flieger. — Nowo-Georgiewsk und Lomeza eingeschlossen, Praga von den Unfern besetzt. Die Berfolgungskämpfe in Südpolen. — Ein englischer Hilfskreuzer torpediert und versenkt. Ein türkisches Wasserflugzeug vernichtete ein feindliches Unterseeboot. — Ein rumänisches Dementi. — Ans der russischen Duma. Im Westen hat sich ein Gefacht beiHooge entwickelt, über dessen Ausgang noch keine Meldung vorliegt. In den Argonnen wurde ein feindlicher Angriff abgewiesen. Im Luftkampse haben unsre Kampfflug­ zeuge im Westen 5 feindliche Flugzeuge ab­ geschossen. Zwei von diesen gehörten dem Ge­ schwader an, das Saarbrücken mit Bomben be­ legt hatte. Die Franzosen behalten also ihre Gepflogenheit bei, auf friedliche Städte Bom­ ben zu werfen und Unschuldige zu töten. So wurden in Saarbrücken 9 Bürger getötet, 24 schwer und eine größere Anzahl leichter verletzt. Die Wiedervergeltung dürfte nicht allzulange auf sich warten lassen. Sta! Osten nehmen die Ereignisse einen raschen Fortgang. Unsre Truppen - schoben sich näher an Kowno heran, das nach, an­ deren Meldungen von der russischen Zivil­ bevölkerung bereits geräumt worden sein soll. Bei den Kämpfen vor dieser Festung sind 430 Russen gefangen worden. Bei Lomeza, das vor der Einschließung steht, wurden 1400 Rus­ sen gefangen. Weiter südlich schreitet die deut­ sche Narewgruppe rasch, vorwärts hinter den geschlagenen Feind und hat die Straße Ostrow —Whskow bereits überschritten. Damit sind die Unsern aus ca. 15 Kilometer an die Peters­ burger Bahnlinie herangekompwn, womit die rückwärtigen Verbindungen der Russen, die schon durch das Bombardement des Bahn­ hofes von Bialostok erschwert wurden, völ­ lig unterbrochen werden. Der Ring uM Nowageorgiewsk ist jetzt vollständig geschlossen und die Russen auch aus Praga hinausgeworfen, das von der Armee des Prinzen Leopold be­ isetzt wurde. Damit ist auch diese Vorstadt Warschaus fit unsren Händen, und den Rus­ sen die Gelegenheit genommen, weiterhin War­ schaus Kunstdenkmäler in TrAMmer zu legen. In Warschau wurden einige Tausend Gefan­ gene gemacht. Genauere Zahlen werden wohl erst später gegeben. Wir wußten ja, daß bei dem Falle Warschaus nicht die Zahl der Ge­ fangenen, sondern der moralische Eindruck aus­ schlaggebend sei, daß dieser ein nachhaltiger war, das zeigt uns die Presse des Auslandes einschließlich, der feindlichen, soweit sie nicht die Welt mit einer rosenroten Brille sieht, am besten. Und der Eindruck von Warschau wird vor alleim am Balkan für uns von größ­ tem Nutzen und für die künftige Balkanpo­ litik seinen Einfluß gusüben. Auch im Südosten schreiten die Unsern und die verbündeten österreichisch-ungarischen Truppen von Erfolg zu Erfolg. Die Armee Woyrsch hat in der Verfolgung bereits nord­ westlich von Fwangorod hie Straße Garwolin —Rhcki überschritten, während die Armee Makkensen die Russen Mer den Wieprz zurückwarf und sich der Linie Ostrow—Hansk—Uchrusk nähert. Die österreichisch-ungarischen TrMpen des Erzherzogs Ferdinand konnten die Zahl der gefangenen Russen auf 8000 erhöhen. Auch am Dnjestr warfen österr.-ungar. TrMpen die Russen an Mehreren Punkten und nahmen hierbei 1600 Mann gefangen. AM italienischen Kriegsschauplätze gab es zuweist nur Artilleriefeuer. Bei Zagora miß­ lang ein italienischer Angriff, ebenso in Kärn­ ten, wo die Italiener am Plattner - Joch 100 Tote zurücklassen müßten. Im Tiroler Grenz­ gebiet brachtö eine österreichisch-ungarische Pa­ trouille einer feindlichen Halbkompagnie sehr schwere Verluste bei, ohne selbst einen Mann zu verlieren. Der gestrige österreichisch-ungarische Bericht sagt am Schlüsse: Westlich Daone (Judicarien) fand in der Nacht zuM 8. August ein lebhaftes Feuergefecht statt, an dem jedoch unserseits keine TrMpen beteiligt waren. Es scheinen sich also zwei italienische Abteilungen gegenseitig verkannt und beschos­ sen zu haben. Die Italiener scheinen Pech zu haben. In der Gegend von Grado tauchte gestern eine große Wassersäule aus dem Meere, sodaß angenommen werden mutz, daß dort ein ita­ lienisches Unterseeboot auf eine Mine stieß und vernichtet wurde. Unsre Unterseeboote, die ihr Tätigkeits­ feld nun rund um die ganze Küste von Europa gelegt haben und die Feinde an Englands und Frankreichs Küsten, im Mittelmeer und an der Nordküste bis zuM Weißen Meere in Schrecken versetzen, leisten besonders in der letzten Zeit hervorragende Dienste. Heute liegt neben einer Reihe von Meldungen über die Vernichtung feindlicher Dampfer ein Bericht über die Vernichtung des englischen Hilfskreu­ zers "Jndia" an der Nordküste Norwegens vor. Ueber Rumäniens Haltung tauchen imI Mer wieder Schauergerüchte auf, denen stets I von rumänischer Seite .das Dementi folgt. So hat auch jetzt wieder der rumänische Konsul in Kopenhagen die von der dortigen "Berlinske Tidende" gebrachte Meldung von einem Eingreifen Rumäniens an der Seite des Vier­ verbandes energisch dementiert und als eine bedauerliche Mystifikation bezeichnet, die jeder Grundlage entbehrt. Ebenso wird die Nach­ richt von einer rumänischen 500 Millionen­ anleihe in London Dementiert. Dagegen mel­ det die offiziöse rumänische Presse die be­ vorstehende Aushebung der «Ausfuhrverbote. Auf den Straßen in Bukarest kam es in den letzten Tagen allerdings zu Demonstrationen für den Krieg, doch hat sich! bis jetzt die ru­ mänische Regierung davon ,nicht einschüchtern lassen und wird dies wohl auch nicht tun, umsomehr als alle^vernünstigen Politiker Ru­ mäniens Gegner eines Kampfes an der Seite des Vierverbandes sind. Ein türkisches Wasserflugzeug versenkte vor Bulair an den Dardanellen ein feind­ liches Unterseeboot durchs einen Bombenwurf. Den alten "Barbaroß Heiredin", ein tür­ kisches Linienschiff, das 1891 erbaut, früher als "Kurfrürst Friedrich WilhelM" in der deut­ schen Marine Dienst getan, dann ausgeMüstert und von den Türken erworben wurde, hat ein feindliches Torpedoboot verseükt. Ein­ zelheiten fehlen zwar, doch lassen sich selbst die Türken über diesen Verlust nicht allzusehr betrüben, denn ihr Heeresbericht hebt aus­ drücklich hervor, daß ihre übrigen Schisse die­ selbe Tätigkeit entfalten werden und daß ihre, von glühender Vaterlandsliebe beseeltenMannschaften durch, ihre Geschicklichkeit und ihre Aufopferung dem Feind denselben Schaden zu­ fügen werden, wie ihre Kameraden. Die Türken haben an den Dardanellen frische feindliche Truppen, die bei Karatchalt gelandet wurden, pertrieben. Auch bei Art Burun waren neue TrMpen gelandet wor­ den, welche die Türken sofort angriffen. Bei Sedd il Bahr ließen die Feinde 2000 Tote vor der türkischen Stellung. Griechenland soll an den Vierverband eine geharnischte Protestnote gegen die Ue6ergriffe der Verbündeten gerichtet haben. In Amerika ist ein Streik der Munitions­ arbeiter ausgebrochen, der bereits 11 000 Mann umfassen soll. Nowo-Georgiewsk und Lomeza vor dem Fall.</p>
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          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 9. August. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegrschWlO. Mit Tagesanbruch entwickelte sich ein Ge­ fecht bei Hooge östlich von Ipern. In den Argonnen scheiterten französische Vorstöße. Gestern wurde bei DamMerkirch und am Schwarzen See, heute früh bei Ypern, Gondrexange und bei Harboneh je ein französi­ sches Flugzeug durch unsere Kampfflugzeuge abgeschossen. Die letzten beiden Flugzeuge ge­ hörten einem! Geschwader an, das vorher auf die offene, außerhalb des Operationsgebietes liegende Stadt Saarbrücken Bomben geworfen, natürlich keinerlei Militärischen Schaden ange­ richtet, wohl aber 9 friedliche Bürger getötet, 26 schwer und eine größere Anzahl leicht ver­ letzt hatte. gestlicher KrieMWlntz. Die Angriffstruppen von Kowno haben sich näher an die Festung herangeschoben. Es wurden 430 Russen, darunter 3 Offiziere, gefangen genommen und 8 Maschinengewehre erbeutet. Auch gegen die Nord- und Westfront von Lomcza machten wir unter heftigen Kämpfen Fortschritte. 3 Offiziere und 1400 Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 7 Maschinen­ gewehre und ein Panzerauto eingebracht. Südlich von Lomcza wurde die Straße nach Ostrow erreicht und die Straße Ostrow— Wyskow überschritten. Die äst einigen Stellen noch zähen Wider­ stand haltenden Russen wurden geworfen. Nowogeorgiewst wurde auch int Osten zwischen Nare'w und Weichsel abgeschlossen. Gegenüber von Warschau wurde Prag« besetzt. Unsere Truppen dringen weiter nach Osten vor. In Warschau wurden einige tausend Ge­ fangene gemacht. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Arimee des Generalobersten v. Woyrsch überschritt in der Verfolgung die Straße Garwolie—Ryki, nordwestlich von Jwangorod. Der linke Flügel der Heeresgruppe des GeneralfelÄMarschalls von Mackensen drängte die Russen über den Wieprz zurück. Mitte und rechter Flügel nähern sich der Linie Ostrow—Hansk—Uchrusk am'Bug. Oberste Heeresleitung.</p>
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          <p>licher Richtung überschritten. Das linke WieprzUfer und das ^rechte Weichselufer bei Jwango­ rod sind vom Gegner gesäubert. Unsre Trup­ pen übersetzten den Wieprz gegen Nordosten und Norden. K Tie Gefechtsfelder von Ljubartow und Miechow wiesen alle Sptrren einer eiligen Flucht des Feindes auf. Die Zahl der von der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand gemachten Gefangenen erhöhte sich quf 8000. Zwischen Wieprz und Bug wird weiter gekämpft. Am Tnjestr aufwärts Usciwczko warfen unsre Truppen die Russen an mehreren Punk­ ten, wobei über - 1600 Manu gefangen und 5 Maschinengewehre erbeutet wurden. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern stand der Südteil des Plateaus von Doberdo stellenweise hinter heftigem' Ge­ schützfeuer. 'Unsre Artillerie antwortete mit Erfolg. Auch in der Gegend von Plava herrschte erhöhte Artillerietätigkeit. Ein Versuch schwacher feindlicher Infan­ terie, in unsre Stellungen bei Zagora einzu­ dringen, mißlang. An der Kärntner Grenze griffen kleinere feindliche Abteilungen an mehreren Punkten erfolglos an. Vor unsren ßtelhmgen auf dem Plattner Joch ließ der Feind über 100 Tote zurück. Im Tiroler Grenzgebiet fing eine unsrer Patrouillen auf der Cresta Bianca (CristalloGebiet) eine feindliche Halbkompagnie ab und brachte ihr hierbei erhebliche Verluste bei, ohne selbst auch pur einen Mann zu verlieren. Westlich Daone fand fn der Nacht zum 8. August ei n lebhaftes Feuergefecht statt, an dem jedoch unserseits »keine Truppen betei­ ligt waren. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. H o e s e r, Feldmarschalleutnant. Bericht unserer Verbündeten. WTB Wien, 9. August. Mittags. — Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Der von der Weichselfront zurückgewichene Feind wird verfolgt. Oesterr.-ungar. und deutsche Streitkräfte haben schon gestern zwischen der Eisenbahn Jwangorod—Lukow und dem Orte Garwolin die große Straße Warschau—Lublin fn öst­</p>
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          <p>Tie Konferenz von Calais. W ie n, 9. August. Wie das hiesige Freimfdenblatt sich aus dem Haag melden läßt, deu­ ten englische Blätter an, daß die Konferenz von Calais sensationelle Ueberraschungen vor­ bereitet habe, die in Kürze in Erscheinung treten werden. Es werde ein großer Umfschwung in der Kriegführung des Vierverban­ des eintreten.</p>
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          <p>Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tic Kämpfe im Westen. Der Berliner "Lok.-Anz." meldet aus Genf: Auch heute, 9. August, Meldet General HuMbert, der neue Befehlshaber im Argonnen-Sektor, keinerlei französischen Erfolg, sucht dagegen die Wirksamkeit der deutschen Vorstöße rings um die Höhe 213 in Abrede zu stellen. Im Walde von ApreMont erzielte deutsche Artillerie seit 48 Stunden erhebliche Fortschritte, wodurch Gengenangriffsabsichten völlig vereitelt wurden. Südliche Dixmuiden suchten belgische Truppen für die bei Heer­ nisse verlorenen, von der Fachkritik als sehr wertvoll bezeichneten Stellungen Ersatz an an­ deren Punkten, konnten aber bisher einen eine Dauer versprechenden Stützpunkt nicht fin­ den. (Z.) Tie Folge« der Lügen. Die "Alsace" gibt eine starke pessimisti­ sche Strömung in Frankreich! zu. Die Schuld daran treffe die offiziellen und offiziösen Schönfärber. Im September 1914 habe man das baldige Erscheinen der Russen nicht nur in Berlin, sondern sogar am Rhein angekündigt. UM dieselbe Zeit habe Josef Reinach im "Fi­ garo" die Vernichtung der Oesterreicher fest­ gestellt. Man habe sogar einen Kalender her­ ausgegeben, nach deM die Deutschen intl Oktober 1914 kein Kupfer, im November keine Baum­ wolle, im Januar kein Sauerkraut und im März kein Brot mehr haben würden. Nichts sei eingetroffen, und infolgedessen sei die über­ große Hoffnungsseligkeit in das Gegenteil um­ geschlagen. Tie "heilige Einmütigkeit" in Frankreich. Ter Berliner "Lok.-Anz." meldet aus Gen?: Aus Paris wird berichtet: Klassenhaß und Angeberei beherrschten die Kammerdebatte über das GetreideiMonopol der Regierung. Den unerquicklichen Gesamteindruck kennzeichnete ein radikaler Zwischenruf: Gestern prieset Ihr die weihevolle Einheit, jetzt ist diese Einheit dem Tode geweiht! (Z.)</p>
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          <p>gorod mit ihrer weit vorgeschobenen doppell­ ten Fortlinie und dazwischen liegenden perma­ nenten Befestigungen aus Erde, Eisen, Beton und unzähligen Feldbefestigungen und Schüt­ zengräben, umgeben von einem breiten Gürtel! von Stahldrahthindernissen, Minen, Wolfs­ gruben, ausgerüstet mit Massen schwerster Ge­ schütze, Feldkänonen und Maschinengewehren, eine solch mvderne Verteidigungsanlage gröfc ktzn Stiles Müßte, sollte rnlan denken, den Geg­ ner zwingen, eine regelrechte Belagerung zu eröffnen, und müßte selbst einer jahrelangen Belagerung widerstehen können. Nun es zuM Treffen kommt, ist alles umsonst und völlig nutzlos- Die Deutschen manövrierten die Rus­ sen einfach aus ihren starken Stellungen her­ aus. Es ist die strategische Lage aüf deM ganzen Kriegstheater, so wie sie sich durch die kräftige Durchführung des tritt großer Tüchjtigkeit entworfenen Kriegsplanes seitens der Verbündeten gestaltete, die die Russen gezwun­ gen hat, die Festungen ohne Schwertstreich aufzugeben und sehen zu müssen, daß all die Hunderte von Millionen, die die Anlage, der Ausbau und ihre Ausrüstung verschlungen ha­ ben, ohne allen Nutzen weggeworfen waren. Die Geschichte Warschaus und Jwangorods be­ weist, daß mti modernen Kriege permanente Befestigungen eine verhältnismäßig unbedeu­ tende Rolle spielen. Fallen sie nicht wie Lüt­ tich und Namür oder Antwerpen durch die Beschießung mvderner schwerer Belagerungs­ geschütze, so können sie oft ohne besondere Zwangsmittel zu Falle mänövriert werden. Tie Stimmung in Rußland. Berlin, 9. August. Die "Boss. Ztg." irrieldet indirekt aus Petersburg: Der russische Erzbischof Nikon von Westsibirien, bettri der Heilige Shnod verboten hat, .sein Mandat als Dumwmitglied weiter auszuüben, veröffent­ licht eine Art Hirtenbrief, worin es heißt: Vor Jahresfrist, in den ersten Tagen und Monaten des Krieges schien es, als sei das ganze russische Volk von patriotischen Gefüh­ len durchglüht. Jetzt ist ein Jahr vergangen und — ich will weder mich! selbst noch&gt; andere betrügen — dieses einheitliche Gefühl ist fast nicht mehr vorhanden. Es hat sich! stark, sehr stark abgeschwächt. Augenscheinlich war da­ mals dieses Gefühl kein innerliches, sondern ein rein äußerliches. Freilich wird bei uns auch jetzt noch' viel, sehr viel gesprochen und geschrieben von einer, das ganze Volk, alle unsere Nationalitäten, Parteien und Klassen beseelenden einheitlichen Stimsmüng. Aber ich kann diese Stimirriung nicht finden. Reißt die Fenster auf, denn wir haben kein« Lust Mehr zu atmen. Wo ich bei uns Hinblicke, überall gegenseitiges Mißtrauen, KajMpf allen gegen alle, ein Gefühl der Unsicherheit bei allen Parteien. — soweit der russische KirchenfÄrst, einer der populärsten Rußlands, Rußlands Gewissen, wie man ihn in Sibirien nennt. Es ist kein Wunder, daß der Synod ihm einen weiteren Urlaub zur Teilnahm« an den Dumäsitzungen verweigert hat. (Z.) Milttärausschreitungen in Rußland. In Moskau haben sich bei der Einziehung der Neunzehnjährigen Straßendemonstrationen ereignet, an denen hauptsächlich das Militär beteiligt war. Die Leute riefen: "Schlachtet doch keine Kinder", "Nieder mit dem Krieg". Es kam zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Mifitär. Beide Teile Mächten von Der Waffe Gebrauch. (Z.) Unruhen in Finnland. Wie die "Basler Nachrichten" nach einem Petersburger Bericht mitteilen, sind infolge ausgebrochener Unruhen in Finnland das 5. und 6. Infanterie-Regiment nach Helsingfors abgegangen.</p>
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          <p>Ein italienisches Unterseeboot vernichtet. Wie der Berliner Nationalzeitung aus Wien gedrahtet wird, scheint es in der Ge­ gend von Grado eine Katastrophe für die Ita­ liener gegeben zu haben; eine riesige Wasser­ säule ging in den gestrigen Abendstunden plötz­ lich hochl, sie dürste von einem feindlichen Un­ terseeboot herrühren, das auf eine Mine auf­ gefahren ist. Italien und die Türkei. Der Berliner "Lok.-Anz." meldet aus Genf: Die italienische Note an die Türkei hat nicht die Forjm eines Ultimatums. Den italienischen Beschwerden wurde teilweise schon vor Absendung der Note abgeholfen. Gleich­ wohl herrscht in Paris die Meinung vor, daß die Beziehungen zwischen Italien und der Türkei vor Ablauf einer Woche abgebrochen sein werden. Das "Neue Wiener Jourmal" meldet, daß die italienischen Konsuln bereits dre Türkei verlassen haben. Der Schutz der italienischen Untertanen wurde den Vereinig­ ten Staaten übertragen. (Z.) Der Krieg mit Italien.</p>
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          <p>I traf aus New York der Dampfer "Lapampime" | in Rotterdam ein, der 13 Mann des versenkten Dampfers "Costello" an Bord hatte.' Die "Costello" war mit einer Ladung Stückgüter von Liverpool nach Genua unterwegs, als sie süd­ lich der Scillh-Jnseln von einem Unterseeboot torpediert wurde. Die "Costello" hatte auch Gerettete von einem! anderen, versenkten, eng­ lischen Dampfer, der nach' Amerika unterwegs war, aufgenommen. Ein Boot der "Costello" Mit Schiffbrüchigen wird noch' vermißt. C h r i st i a n i a, 9. August. Die norwegi­ sche Eiserne Segelbark "Normän" (995 Ton­ nen) mit Holzlast, also Bannware, wurde un­ terwegs nach de!M Thne von einem deutschen Unterseeboot bei Arendal versenkt. N h b o r g, 9. August. Der dänische Damjpfer "Lhnn" landete hier sieben Mann und eine Frau von der Besatzung des Gotenburger Dämpfers "Mai", der von Schweden nach! Eng­ land tritt Grubenholz unterwegs am Freitag in der Nordsee von eineim deutschen Unter­ seeboot in den Grund gebohrt worden ist. Ein englischer Hilfskreuzer versenkt. Kopenhagen, 9. August. Ritzaus Bu­ reau meldet aus Christiania: Nach hier ein­ getroffenen Nachrichten wurde gestern abends der englische Hilfskreuzer "Jndia" nördlich'von Bodä beim Einlaufen in das Vestjord torpe­ diert. Der schwedische Dampfer "Göstaland" ging mit 80 Mann der Besatzung nach Narvik, etwa 72 Mann wurden auf Helligvaer ge­ landet. Die norwegischen Militärbehörden ha­ ben die notwendigen Maßnahmen getroffen. Der Krieg zur See. Der Unterseekrieg. London, 9. August. Nach einer LloydsNteldung ist der schwedische Dampfer "Malm!laud", ferner der englische Dampfer "Gleuravel" und der Fischdampfer "Ocean Queen" versenkt worden. Die Besatzungen sind gelan­ det. (Demnach ist anzunehmen, daß der Dam­ pfer "Malmland" Bannware geführt hat. Die Red.) Rotterdam, 9. August. Der "Nieuwe Rotterdamsche Courant" Meldet: Gestern abend</p>
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          <p>Am Balkan. "Das ruÄÜänische Rätsel. Das Berliner "Tageblatt" meldet aus Ko­ penhagen: Die "Berfingske Tidende" berichten aus Paris, daß der dortige rumänische Gei­ sandte nach Bukarest abgereist sei. In Paris wird dies als ein günstiges Zeichen für eine schnelle Entscheidung Rumäniens betrachtet. Man erwartet, daß Rumänien jetzt, nach Ein­ bringung der Ernte, seinen endgülttgen Ent­ schluß bekanntgeben werde. — Ueber eine er­ heblich veränderte Stimmung in Rumänien zugunsten der Zentralmächte werden gleich­ falls Meldungen verbreitet, denen von anderer Seite ebenso entschieden widersprochen wird. Indessen verlautet von Berliner unterrichte­ ter Seite, es liege zurzeit kein Anlaß vor, daran zu zweifeln, daß die Haltung Rumä­ niens bis auf weiteres unverändert bleibt. (Z.) Bevorstehende Aufhebung der Ausfuhrverbote. B erlin, 9. August. Wie der "Voss. Ztg." aus Bukarest berichtet wird, meldet die offi­ ziöse Presse, daß die Aufhebung der Aus­</p>
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          <p>fuhrverbote unmittelbar bevorstehe. Die Mel­ dung der "Epoca", daß Rumänien eine An­ leihe von 500 Millionen in London aufnehme, wird offiziell demontiert. (Z.) Bulgarien und die Einnahme von Warschau. "Az Est" Meldet aus Sofia: Die Aussichten des Vierverbandes sind, wie auch hiesige russenfreundliche Blätter zugeben Müssen, seit der Einnahme von Warschau ungünstiger gewor­ den denn je. Diese Erfahrung mußte auch, der in einer SonderMission hier befindliche französische Gesandte Cruppi michen. Bulga­ rien besteht auf der unbedingten Zurückgabe von ganz Mazedonien. (Z.) Einberufung der griechischen KamMier. Wie nach Kopenhagen gemeldet »wird, wurde die griechische KamMer für den 16. August einberufen. Hierzu schreibt der TeMps: Venizelos komMende Machtstellung wird die TeMoralisierungsatMosphäre zerstreuen, doch dürfe Man nicht übersehen, daß die politische Situation heute nicht mehr so sei wie früher. .(Z.)</p>
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          <p>Der türkische Bericht. Konstantinopel, 8. Aug. Das Haupt­ quartier teilt mit: In den Dardanellen hat der vom 6. zum 7. ds. unter dem! Schutze seiner Flotte einen Teil frischer Streitkräfte in der Umgebung von Karatchali im Norden des Golfes von Saros gelandet, den Rest an zwei Orten nörd­ lich von Ari Burun. Wir vertrieben den bei Karatchali' gelandeten Feind vollständig, Er floh und ließ etwa 20 Tote zurück. Die nördlich von Ari Burun gelandeten Truppen rückten unter dom Schutze der Flotte am 7. August ein wenig vor. AM Abend hielten wir das feindliche Vorrücken durch Ge­ genangriffe auf. Heute früh schlugen wir die Angriffe des Feindes zurück und brachten ihm erhebliche Verluste bei. Wir Machten einige Soldaten und Offiziere zu Gefangenen. Bei Sedd il Bahr trieben wir einen Teil eines Grabens auf unsrem rechten Flügel ca. 40 Meter gegen den Feind vor. AM 6. August schlugen wir den Feind zurück, der bei zwei fruchtlosen Angriffen gegen diesen Flügel 2000 Tote vor den Gräben ließ. Am 7. August wie­ sen wir drei lange und heftige, aber frucht­ lose Angriffe zurück, die der Feind gegen diese Stellung in Massen gegen unser Zentrum und gegen unsren linken Flügel unternahm. Wir trieben den Feind vollständig in seine alten Stellungen zurück. Nicht zufrieden damit, diese wiederholten Angriffe zum Scheitern gebracht zu haben, drangen unsre tapferen Truppen in einen Teil der feindlichen Gräben ein und Die Türkei im Kriege. richteten sie gegen den Feind ein. Wir machiten 110 Gefangene. Der Untergang der "Barbaroß Heiredin", so bedauerlich er an sich ist, regt uns nicht übermäßig auf, nur, daß er das Stärkeverrhältnis unsrer Schiffe zu den feindlichen wie 1:10 gestaltet. Wir heben noch hervor, daß unsre übrigen Schiffe dieselbe Tätigkeit ent­ falten werde, und daß ihre von glühender Vaterlandsliebe beseelten Mannschaften durch ihre Geschicklichkeit und ihre Aufopferung dem Feind denselben Schaden zufügen werden wie ihre Kameraden. Ein türkisches Linienschiff gesunken. Konstantinopel, 9. August. Das Hauptquartier teilt mit: Ein feindliches 'Un­ terseeboot versenkte heute früh das Linien­ schiff "Barbarossa-Hairedin". Ein großer Teil der Besatzung wurde gerettet. Ein englischer Zerstörer gesunken. Wien, 8. August. Die Blätter melden aus Konstantinopel: Zn der Gegend von Sila wütete dieser Tage ein fürchterlicher SturM. Während dieses schweren Wetters versuchte ein Torpedojäger ans Ufer zu gelangen. Das Schiff geriet in eine Wasserhose und versank. Wahrscheinliche handelt es sich uM einen eng­ lischen Torpedojäger. (Z.) Ter Kampf um die Dardanellen. Konstantinopel, 9. August. Der seit einer vierzehntägigen relativen Ruhe zu er­ wartende Lsfensivgeist der ArMee vor denDardqnellen setzte endlich am 6. August ein. Der Angriff erfolgte auf beiden Flügeln durch die Gegner mit mächtigem Artillerie- und Jnfanterieverstärkungen. Im' Kampf am südlichen Flügel wurde der Angriff bei Seddil Bahr, i ausgeführt von englischen Truppen, unter großen Verlusten für diese zuM Stillstand ge­ bracht. Uns gelang es sogar, einige feindliche Schützengräben zu erobern. Vor den türki­ schen Stellungen konnten zweitausend engli­ sche Leichen gezählt werden. Im Norden lan­ deten die Verbündeten in der Suvla-Bucht, scheinbar mit der Absicht, den Türken in den Rücken zm fallen. Die Engländer stießen aber dort auf unerwartete, trotzige Gegenwehr^ Die Kämpfe am Nordflügel dauern noch fort. Sie nehMen für die Türken einen günstigen Fort­ gang. ($.) '</p>
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          <p>Berlin, 8. August 1915. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, Verbote«.) Die Jahresfeier von Mttich. (Telegramm unsres Kriegsberichterstatters.) Lüttich, 7. August 1915. 1 Zur Feier der Einnähme von Lüttich fand Kriegsbriefe aus dem Westen. heute auf dem! St. LaMbertplatze vor dem alten Fürstbischofspalaste die große Parole­ ausgabe statt, welcher auch! die gesamte deutsche Beamtenschaft Lüttichs beiwohnte. Hierbei hielt Gouverneur Exz. von der Schulenburg eine Ansprache, in der er u. a. Folgendes aus!führte: Die Parole ist heute Lüttich; denn heute vor einem Jahr wurde Lüttichs genommen. Während in ganz Deutschland die Mobilma­ chung in vollem Gange war und der Auf­ marsch der Armee noch nicht einmal begonnen hatte, rückte General v. EmMich mit nur vier schwachen Bataillonen und drei Batterien hier ein und besetzte die Chartreuse, die Maasibrücken und die Zitadelle. Der Gouverneur gedachte des starken Widerstandes, den die von Osten, Norden und Süden zur Sturm auf die Festung angesetzten 6 Brigaden schon auf dem Vormarsch durchs die irregeleitete Bevölkerung und in der Linie der starken Forts gefunden hatten. AM 5. abends waren die Truppen alle im Halbkreise bis dicht an die Fortlinie herangeschoben. AM 7. wurde die große Ruh­ mestat dieses gewaltigen Krieges vollendet. DaruM gedenken wir heute mit Stolz des gro­ ßen Führers EmMich und seiner damals noch kriegsungewohnteitz tjapferen' todesmutigen Truppen und nicht zuletzt gedenken wir des Generals von Ludendorff als Gehilfe EMmichs, der bald daraus nach dem Osten zu FeldMärsschall von Hindenburg berufen worden war, zu den großen Erfolgen in erster Linie beige­ tragen hat. Die Einnahme Lüttichs hatte un­ seren Armeen das Tor nach Belgien und Frankreich geöffnet. Ebenso verheißungsvoll nimmt das neue Kriegsjahr seinen Anfang. Der von unsren tapferen Truppen unter dem' fast 70jährigen Prinzen Leopold von Bayern erstrittene BesiF der großen Festung War­ schau gibt uns den Schlüssel nach Osten und die frohe Zuversicht, daß es nach der Niederzwingung der Russen bald auch im We­ sten wieder weitergeht. Vorwärts bis zuM siegreichen Ende! Daß jeder seine Pflicht tun und mithelfen wird, geloben wir und rufen: Seine Majestät der Kaffer hurra! Hierauf fand die Verleihung einer An­ zahl Auszeichnungen an die Garnison Lüt­ tich statt. An General von EmMich wurde folgendes TelegräMm abgesandt: Nachdem! wir gestern an den Gräbern der beim Sturm auf Lüttich gefallenen Helden gedachten, begrüßen wir heute aM Jahres­ tage des Einzuges Euer Exzellenz, den sieg? reichen Führer, gedenken Ihrer tapferen Trup­ pen und geloben, getreu über dem zu Ma­ chen, was daMals ruhmvoll erkämpft wurde. Gouverneur und Besatzung Lüttichs. Graf Schulenburg, Generalleutnant. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.</p>
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          <p>Er lächelte und streichelte ihr Haar. "Ja, Rita." Sie nickte. "Ich weiß, weil du spanisch! mit Mir sprichst wie mein Mütterchen und Pedro. Die andren können nur deutsch imit mir sprechen. Sag, hast du Nita ein wenig lieb, guter Gerd?" ."Ja, mein armes kleines »Vögelchen, ich! habe dich lieb. Hast dein warmes Nest ver­ lassen müssen, ehe du flügge warst, und frierst nun." "Was hast du gesagt, Herr Gerd? Gelt du Meinst, daß mich hier niemand lieb hat. Nur Onkel Bernhard ein wenig. Und Dolf, wenn er Mir Bilder zeigt. Aber er läuft imMer fort. Und Tante Helene — die ist böse, Herr Gerd." "Nenne mich nicht Herr Gerd, sage ein­ fach Gerd zu Mir." "Ja, das will ich tun, guter Gerd." "Und du &gt;mußt nun brav sein und gar nicht Mehr weinen, hörst du?" "Wenn du bei Mir bleibst, will ich ge­ wiß nicht weinen. Du hast so eine liebe, warMe Stimme — wie mein Väterchen. Und du bist gut, ich weiß es, nicht so böse wie Tante Helene, die Mich Mit so kalten Augen ansieht, wenn ich nach dex guten Tante Karia Sie wandte sich schluchzend u!m und faßte seine Hand. "Wer bist du?" fragte sie schluchzend, in­ dem sie sich auf die Knie emporrichtete. Er umfaßte sie Mitleidig, streichelte ihr die Wangen und als er Merkte, daß diese naß von Tränen waren, zog er das seidene Tuch aus seiner Brusttasche und trocknete ihr die Tränen. "Wer ich bin? Kennst du mich nicht? Ich bin ein Mensch, der deinen Schmerz versteht und Mit dir fühlt. Sei ruhig, arMe kleine Nita, weine nicht." Das Kind richtete sich, nun ganz empor und schmiegte sich, zitternd an ihn. "Ich fürchte mich, so allein! Mein Väter­ chen soll kommen oder Pedro, oder die gute Tante Maria. Ich will nicht allein sein." "Ich bin ja bei dir." Juanita schluchzte, wie Kinder nach! lan­ gem Weinen tun. "Du gehst aber wieder fort und wirst nicht wieder kommen, morgen, wenn es dun­ kel ist". "Ja, ja, Rita, ich koMme wieder." "Nicht wahr, du bist der gute Gerd, der im Garten saß, als ich! hierher kaM?" fragte Nita und suchte mit ihren Augen das Dunkel zu durchdrtngen. , . i (. i , | , , ; i , i \ i rufe. Sag, kömmt denn die gute Tante Maria nicht endlich zu mir?" "Sie kann nicht zu dir kommen — so lange du wach bist. Tante Maria ist ein En­ gel geworden und Mnjmt nur zu Dir, wenn du schläfst." "O — wie Imein Mütterchen! Dann ist sie Wohl auch iM Himmel bei Väterchen und Mütterchen?" "Ja, ja, Meine kleine Rita, und sie sind alle bei dir, wenn du hier allein bist, auch wenn du sie nicht siehst. Und wenn du schfälst, koMmen sie Zu dir und herzen und küssen dich." "Ach du guter Gerd — das hat mir Vä­ terchen auch versprochen. Aber daß Tante Maria auch ein Engel ist, hat er mir nicht ge­ sagt, sie ist gut und schön toie ein Engel und wird mich sehr lieb haben." Gerd fühlte sich tief ergriffen. Aber er war nun mit seinem Latein zu Ende und wußte nicht Mehr, was er dem Kinde sagen sollte. Aber das Mitleid half ihM weiter. "Dein Väterchen hat in deM fernen Lande nicht gewußt, daß Tante Maria nun ein rich­ tiger Engel geworden ist." r / i i i i . , (Fortsetzung folgt.) / ( l i</p>
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          <p>von Letzin einem Krummen nach dem Leben zu trachten. "Ja, mein Alter," erwiderte ich lachend. "Das scheint mir auch. Paris ist fest in ihren Händen and Calais geben die Engländer über­ haupt nicht wieder heraus." Aber der Alte hörte, nicht zu.. "Man sagt, daß sie morgen hier sein wer­ den, oder übevmlorgen, u,m alle Deutschen zu vertreiben. Immerhin muß man sagen, um viele Deutsche ist es schade. Viele von ihnen haben ein gutes Herz. Wenn ich ihnen er­ zähle. daß ich vier Söhne im| Felde habe und für sieben kleine Enkelkinder Essen suchen muß, so geben sie mir immer etwas. . Die Unsern geben nicht gern. Sie z. B. haben Mir noch nie.etwas gegeben." Jch gab ihm 10 Sous, in französischem Kupfer, däMit er eine bessere Meinung von den guten Herzen der Franzosen Betonte. * Neulich habe ich, auf derselben Straße einen andern alten Mann angetroffen, der Mich anbettelte. Er war ein Stelzfuß, der seinen Esel trieb. Als ich ihM sein Scherf­ lein gegeben hatte, sagte er statt alles Dankes: "Es ist doch wahr. Sie haben sie. Sie haben sie!" . "Wer?" j , 1 "Die Deutschen haben sie." "Was haben die Deutschen?" "Die Lünette 90. Sie haben sie!" Ein Vorübergehender Mischte sich in das Gespräch. "Sie Müssen nicht auf ihn hören. Das ist der alte Vater Gauthier aus E. Er hat 1870 einen Schuß in den Kopf bekom­ men und einen, der ihm das Bein weggerissen hat. Seither erzählt er allen Leuten, daß die Deutschen die Lünette 90 haben. Das ist alles, was er weiß". Der Alte wandte sich sehr feindselig ge­ gen den ungerufenen Vermittler. "Das ist die Wahrheit, was ich dem Herrn Jage. Die Deutschen haben sie. Man belügt uns!" "Aber niemand zweifelt daran," entgegnete der begütigend. s "Niemand zweifelt daran? Welche Lüge. Man hat uns gesagt, sie haben sie nicht, die Deutschen. Aber als wir hinkamen, haben sie uns schön empfangen." Und er hebt die Mütze, unter der man die vom Blei zerschla­ gene Stirn sieht. Efne häßliche Narbe, rot und gelb angelaufen, untilgbar. Der untilg­ bare Gedankenstrich, der deM Manne 1870 von einer Flintenkugel hinter all sein Den­ ken gesetzt worden ist. Er hat es nicht ge­ merkt, daß die Deutschen von 1870 aufs Neue als Sieger im Lande sind und es regt ihn nicht auf, wie feine Landsleute wieder belogen wer­ den. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Berlin, Z. August 1915.. ^Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Stimmungen und Gerüchte in einer französischen Kleinstadt. Bon unserem Kriegsberichterstatter. Großes 'Hauptquartier, 31. Juli. Heute gegen Abend, als ich mit .meiner Arbeit fertig war und rnltc der Kopf vom Briesschreiben ein wenig fumlmte, beschloß ich, weil der Grünspecht so laut durchs .die ver­ goldeten Buchenwipftl lockte, eine Waldfahrt zu 'machen. Aber es war ärgerlich!. .Wohin ich ton', scholl mir das Geklapper von Bei­ len und Sichelmessern entgegen. Es war, pls ob die ganze Gegend in den Wald gezogen sei, um Brennholz zu holen. Als mich eine Frau und ein paar Kinder als alten Bekannten begrüßten, fragte ich sie, warum heute alle Welt iml Walde sich herumtriebe. "Ja, es heißt, wir gehen einem neuest Winterfeldzug entgegen. Die Engländer »sagen es, hat ge­ stern in unsrer Zeitung gestanden. Da sorgt jeder vor . . . .obwohl. , ", Die gute Frau stockte. "Nun, Madame Vidal, mir dürfen Sie es schon verraten. , Was sagt man .denn wie­ der?" " . . . obwohl", führ MadaMe Vidal leise fort, "Man uns erzählt hat, .daß unsre ArMeen stark im Bordringen sind und uns am Jahrestage der Kriegserklärung befreien werden." "Na, dann, viel Glück. Und legen Sie ein gutes Wort für mich ein, sobald sch gefangen werde. Auf Wiedersehen, Madame Vidal!" Und ich ging ^fröhlich fürbaß in MeineM grauen Jagdwams, das ^ch zuletzt auf den gesegneten Fluren von Letzin an der • PomMersch- mecklenburgischen Grenze getragen hatte, und pfiff,nrir ein Liedchen. "Herr Tom, der Reiter lag.aM Bach". Aber der Wald war heute unausstehlich. Ueberall krabbelten und knackten und klopften Holzsucher herum, als ob es gälte, den Jahrestag der Kriegserklä-/ rung mit einem großen Freudenfeuer zu be­ grüßen. Mir schien, als ob der englische Pes­ simismus mehr Glauben bei der Bevölkerung gefunden habe, als die Siegesnachrichien vom PorMarsch der eigenen Heere. Und als jch über der nächsten Höhe war und mir zu Fü­ ßen ein früher industriereiches, jetzt verschla­ fenes Städtchen liegen sah, entschloß ich! mich, hinabzusteigen und in der Buvette einen Ape­ ritif zu trinken. &gt; * In der Buvette trifft Man uM diese Zeit iMmer zwei Männer, mit denen ich mich gern unterhalte. Der eine ist Monsieur Antoine, Repräsentant einer Eisenfirma, der darauf hält, daß man ihn als Kenner Deutschlands re­ spektiert . Denn auf einer Geschäftsreise nach Lüttich ist er, ganz ohne Auftrag und mit einem für echte Franzosen fabelhaften Wander­ trieb bis nach Aachen und von da bis Köln vorgedrungen. Wenn er über Deutschland spricht, so tut er es mit der Geste des weitge­ reisten Mannes, und gänzlicher weiß er es 'aus eigener Anschauung von jenem Tage her, den er im "Fränkischen Hof" in Köln gewohnt hat und nicht etwa aus den Leitartikeln der "HujManitee", wenn er gewichtig sagt: "Ja, die Deutschen sind ein fürchterliches Volk. Fürch­ terlich, weil sie Organisationstalent in sich ha­ ben. Vom ersten bis zum letzten Mann. Jch habe das ßleich erkannt, damäls, als jch in Deutschland reiste .... Wir werden arbei­ ten müssen, um jn diesem Kriege' mit den Deutschen fertig zu werden. Sie sind fürch­ terlich durch Organisation. Das ist es." . Er ist ein sehr kluger Mann und ich weiß nicht, warum Herr Molinel Manchmal über .ihn lächelt, obwohl er ihm immer recht gibt. Herr Molinel, das ist in seiner 'Art eine tragische Gestalt. Er war ein armer Bauernjunge, bet in Paris als kleiner Banclere angefangen und itrtit Spekulationen Glück gehabt hat. ~ Mit ,46 Jahren hatte er das Ideal jedes Franzosen erreicht, sich! als Rentner von den Geschäften zurückziehen zu können. Er besaß fünf .kleine Zinshäuser und eine Schublade voll "Titres". Da kam der Krieg, mit Flammen ging er Aber den dritten Teil des Städtchens dahin. Die fünf Zinshäuser sind ausgebrannt, die Titres sind Asche, Herr Molinel zweifelt daran, -aß ihn jemand entschädigen wird. Und nun .lebt er bei feiner greisen Mutter auf deM Väter/ lichen Gütchen, bekommt soviel Taschengeld, daß er feinen Aperitif trinken kann und träumt von der Zeit, wo er jedes Jahr vier­ zehn Tage nach Paris fahren, alle Sheater besuchen und dann iM Heimatstädtchen als Kunstsachverständiger auftreten konnte. Ob die Zeit nach dem Kriege wiederkommen wird? Wir fitzen in einer dunklen Ecke.und ich frage geradezu, was man wieder schönes er­ zählt. Jch hätte im Walde von großen Fort­ schritten der französischen Armeenj gehört. "Ach", sagen die Beiden, was sich, ,das Volk zusamMenerzählt. Rethel soll heute nacht von unsren Truppen erobert, Vouziers angegriffen, sein und die Besatzung.von Verdun Mächt einen Vorstoß, uM Sedan zum Jahrestage per Kriegserklärung zu befreien. Mt Sedan, das ist nun das dritte Mal in vier Wochen; zu dumM. Aber es gibt Leute genug, die es glauben. Und sie erzählen weiter. Vorgestern war das ganze Städtchen voll Aufregung. Man hatte erzählt, in R., einem benachbarten Flekten, habe die Bevölkerung einen Aufftand be­ gonnen, der von den Deutschen blutig erstickt worden sei. Fünf Deutsche und siebenundvier­ zig französische Zivilisten seien uMgekoMmen. Wan wußte schreckliche Einzelheiten und alles ganz genau. Als dann ato) anderen Morgen Warktleute aus R. nach dem Städtchen kamen, waren sie baß erstaunt, als sie von allen Seiten mit Fragen bestürmt wurden. Was, aus Hunger sollen wir einen Aufftand gemacht ha­ ben? Aber wir haben ja weniger Hunger als ihr, denn wir bringen euch das Gemüse und das Obst und die Hühner hier auf den Markt. Wir leben mit unsren Deutschen sehr gut, namentlich, unsre Kinder, denen sie Suppe und Brot schenken. Kein Wort war gn der Geschichte wahr. "Was wollen Sie, das sind die kleinen Aufregungen des Krieges", sagt Herr Moline. Nach dem Kriege werden wir darüber nicht schlecht lachen. Pierre Veber könnte darüber eine Farce schreiben." Und er besetzt in Gedanken die Rollen mit den Pariser Schauspielern, die er kennt, alle kennt. , Eine Gesprächspause entsteht und das ist Mir lieb. Denn vor kurzem haben vorn ant Fenster zwei alte Cultivateurs Platz genom­ men, aus deren laut geführter Unterhaltung Mich einige Stichworte anziehen. _ "Straßburg l" sagt der eine. "Du weißt sehr gut, daß ich 1870 dort gelegen habe. In einem' Quartier voller Wanzen. .Straß­ burg werden wir niemals zurückgewinnen. Du Mußt gesehen haben, was die Teutschen für Wälle darum gebaut haben. Uneinnehmbar, unmöglich!. 1905, als ich Meine Tochter .in Luneville besuchte, war ich dort und wollte tein altes Quartier wieder sehen. Alles ver­ ändert. Die ganzen Wanzen haben sie wegge­ rissen und Straßen gebaut, ich sage Dir, Stra­ ßen! Paris brauchte sich nicht schämen, solche Straßen zu haben. Und alles deutsch. Wen Du auf der Straße ansprichst, der versteht kein Französisch. Nein, daß.wir Straßburg zurückgewinnen, das glaube ich nicht, nie­ mals!" * Jch kehrte langsam auf der Landstraße nach meinem Quartier zurück. Da rief ptixii ein alter Mann, der auf seiner "brouette", der einräderigen Schubkarre voll Knüppelholz, ausruhte, und fragte mich nach! der Uhr. Und als ich ihM Auskunft gegeben hatte, mächte er ein geheimnisvolles Gesicht und raunte in der Sprache dieser Gegend, die nicht leicht nachzumachen und schwer zu verstehen ist: "Hein? Jl semble qu f P not avasse Beau coup!" Seine Augen leuchteten. Erst ver­ stand ich ihn nicht. Dann ging es mir puf einmal auf! "Es scheint, daß die Unsern tüch­ tig vorwärts kommen" — der gute Weitzbart hielt Mich in Meinem Jagdwams für einen Franzosen. Jch weiß nicht, wie ich das tra­ gen werde, wenn es mir je wieder beschieden fein sollte, auf den gesegneten Gefilden</p>
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          <p>der leitende Gedanke unsres politischen Lebens. Die Regierung hat alles getan, itlml die pa­ triotische Begeisterung des Volkes zu vernich­ ten. Selbst die Beziehungen zu den Ver­ wundeten wurden Mißtrauisch beobachtet. Un­ ter deM Vorwände des Kriegszwanges wur­ den die unsinnigen Verfolgungen fremder Völ­ ker, besonders der Juden, eingeleitet. Wir sahen die allerdÄMMsten und einfältigstenMaßnahMen, um unsre Religion und unsre Natio­ nalität in der neuerworbenen Provinz Ga­ lizien einzuführen. Als Beaimte wurde der Auswurf der Provinzbeamten hingesandt, die das Ideal der kleineren Nationalitäten so­ fort töteten. Erst heute ist nach früheren nebelhaften Aufrufen des Generalissimus das Wort von der Autonomie für Polen gefallen. Gegen die arMdn russischen Juden wurde eine systematische Drangsalierung rohester Art un­ ter der Beschuldigung der Spionage durchge­ führt, wofür keinerlei Beweise erbracht wor­ den sind. Dies sind Maßnahmen, die an die allerwildesten Zeiten des barbarischen Mittelalters erinnern, Rußland in den Augen der ganzen Welt herabsetzen, unsre Freunde detrübten und unsren Feinden die größte Scha­ denfreude bereiteten. Hinsichtlich! des Prozesses gegen die sozialistischen Dumiamitglieder habe ich Einsicht in die Akten genommen und er­ kannt, daß der Prozeß für alle Zeiten ein Symbol russischer Rechtsverdrehung bleiben wird. Die Verurteilten sind völlig unschuldig. Redner verlangte daraus die Zurückberu­ fung dieser Mitglieder in der Duma und so­ fortige völlige Amnestie für politische Ver­ brecher und schloß, im ganzen Volke spreche Man von Verrätereien, was von der Regie­ rung durch Hinweis auf Juden und nichtrussische FaMilien systematisch! genährt wür­ de, wodurch Pogromstimmungen wie in Mos­ kau hervorgerufen würden. Auch das BestechungssysteM blühe immer weiter. Mit dem Abgänge des Kriegsministers sei es nicht ge­ tan, da er die DuMa direkt betrogen habe, Redner verlangte eine gerichtliche Untersu­ chung, da solche Handlungen als Staatsverbre­ chen zu betrachten seien, und schloß Mit dem Verlangen einer vollständigen Aenderung des inneren Kurses, da für Rußland jetzt alles aus deM Spiele stehe. Miljukofs wurde fort­ gesetzt von den stärksten Beifallsrufen unter­ brochen und am Schlüsse mit einem Beifalls­ sturm' belohnt. "Rjetsch" enthält weiter einen Artikel, in dem' es heißt: Die Duma versammelte sich in einem unendlich schweren Augenblick für das Volk. Der Jahrestag des Krieges brachte nicht die erwarteten Früchte. Nach den aller­ größten Anstrengungen und deM Verluste vie­ ler teurer Menschenleben stehen die Russen heute auf derselben Linie, auf der sie seiner­ zeit den KaMpf beginnen wollten. Die Be­ rechnung des Feindes uns und unsre Alliierten unfertig vorzufinden, erwies sich als vollstän­ dig richtig. Wir wollen uns nicht verheim­ lichen, daß unsre Aufgabe sich als viel größer, verwickelter, und schwieriger erwiesen hat, als wir erwartet hatten. Nur eins kann Ruß­ land retten, nämlich die Organisation.</p>
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          <p>Bayerische Nachrichten. Ten Kopf zerquetscht. Ein schweres Un­ glück ereignete sich in DaMM bei Aschaffenburg. Das 6jährige Kind Anna Maidhof steckte seinen Kops in die Preßöffnung des dort stehenden Strohpreßwagens einer Dreschmaschine, wäh­ rend andere Kinder anfingen, die Kurbel zu drehen. Der Kopf des Mädchens wurde völ­ lig zerquetscht, es konnte nur tot aus der Maschine herausgezogen werden.</p>
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          <p>Niederbayerische Nachrichten. Arnftorf, 9 Aug. (Jahrmarkt.) Der heurige August- oder Erntemarkt war bet schönem Wetter, gestern und heute gut besucht. Zum Sonntagmarkt waren meistens nur junge Leute gekommen, die nur wenig Einkäufe machten. Der heutige Vtehmarkt war mit Hornvieh und Schweinen betrieben. Der Handel ging schleppend bei hohen Preisen. Ochsen kosteten •400—700 Mark, Stiere 250—580 Mark, Kühe und fit Mever-atzer«. Kalbtnen 280—420 Mark das Stück. Das Paar 5—6 Wochen alle Ferkeln kosteten bis zu 55 Mark. Nächster Viehmarkt dahier am Mittwoch den 18. August. Der. Viehmarkt war heute bald zu Ende, da die Landleute noch vielfach einigen Haber zum Einbringen haben, den Rest der Ernte den sie in letzter Zeit, des fast täglichen Regens wegen noch nicht unter Dach bringen konnten.</p>
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          <p>Schuldienst« Die Volksschullehrerstelle an der neuerrichteten mit einem Volkrschullehrer und einer Hilfrlehrerin zu besetzenden Schule in Salching, K. Distriktsschulinspektion Straubing II in Aiterhosen, ist voraussichtlich am 1. Oktober lsd. Js. zu besetzen. Endtermin 28. August Ifd. Js. für die bet der K. Distriktsschulinspektion einzureichenden Bewerbungen. Dienstesnachrichten.</p>
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          <p>j diese Frevler vorgehen, von denen bereits et­ liche ermittelt werden konnten. —* Zwei Zigeunerbanden, ca. 20 Köpfe kamen gestern abends von Altfraunhofen her, durch unsere Stadt wo sie übernachteten. Die Gegend um Landshut scheint für diese braunen Nomaden und Nichtstuer ein besonders gern besuchter Platz zu sein, worüber allerdings die Bewohner unserer Um­ gebung nicht besonders erfreut fein dürften. —* Das Hopfenzupfen ist fm Gange. Heuer scheint der Zuzug von Arbeitskräften in die Hollerdau nicht den sonst gewohnten Umfang gehabt zu haben. Es kamen zwar in der letzten Zeit größere Trupps von Leuten hier durch, die sich zum Hopfen­ zupfen begaben, doch war ihre Zahl eine beschränkte. Auch bestanden sie zumeist aus älteren Männern, Frauen und Kindern. —* Der Bezirkstelephonverkehr k o m m t n t ch t w i e d e r. Mit Beginn des Krieges war der Bezirkstelephonverkehr aufgehoben worden, zum Leidwesen aller jener die sich seine Vorteile, vor allem der Billigkeit, erfreuen konnten. Für de« Staat brachte dieses System allerdings keinen Nutzen, es war zweifellos unwirtschaftlich. Im Jntereffe von Handel und Verkehr hat nun die Handelskammer Regensburg bei Verkehrsministerium die Wiederein­ führung des Bezirkstelephonverkehrs beantragt, das Ministerium hat aber in ablehnendem Sinne »erbe» schieden, und zwar ist die Ablehnung eine dauernde und definitive. Als teilweifer Ersatz wurde lediglich ein Besser ausgebauter telephonischer Nahverkehr für die Zeit nach dem Kriege in Aussicht gestellt. Lokales. Landrhut, 10 August. —* Das Eiserne Kreuz wurde ver­ liehen dem Palier Herrn Ferdinand Kugler pon hier und dem Infanteristen Herrn Baltha­ sar Gasch er, Sohn des Herrn Gascher, Schwaiger auf Witterwöhr hier. —* Auf dem Felde der Ehre starb Herr Emil Denner, Gefteiter des 6. ReserveJnfanterie-Regiments, Kutscher von hier. Der Gefallene war Inhaber des Eisernen Kreuzes. —* Die Franziskaner der bayer. Orde-nsprovinz Im Krieg. Von den Franziskanern (sog. braunen) befinden sich im Kriegs­ dienst: Von den Patres als Feldgeistliche 3, als Lazarettgeistltche 8, als Sanitätspersonal 4; Studenten der Philologie und Theologie stehen im Dienst 24, Klerikernovizen 8, Laienbrüder und -Novizen 90, Servttialen 49, insgesamt 186. Von den Klöstern versieht Bamberg die Garnisonsseelsorge, Lechfeld die Militär- und Gefaugenensürsorge. Lazarette befinden sich in den Klöstern Altstadt-Hammelburg, Dettelbach, Freystadt, Ingolstadt, Landshut, Miltenberg. Gefallen^ sind auf dem Felde der Ehre 3 Kleriker, 1 Klerikkernooize, 5 Laienbrüder, 4 Servitialen, zu­ sammen 13. Auszeichnungen erhielten: Eisernes Kreuz 6 Patres, 3 Laienbrüder, 2 Seroitialen, zusammen 11. Der Milttärverdienstorden wurde verliehen an 3 Patres. Das Milttärverdienstkreuz erhielten 2 Kleriker und 2 Brüder. —* Die G e h i l f e n p r ü f u n g für das Nahrungsmtttelhandwerk fand hier unter dem Vor­ sitz des Herrn Bäckermeisters Bücherl statt. Es halten sich 16 Prüflinge eingefunden und zwar 1 Binder, 9 Bäcker, 4 Müller und 2 Metzger. 4 erhielten die Note I—II 9 die Note II, 2 die II—IU und 1 die Note IU. —* Die Gehilfenprüfung im Beklei­ dungshandwerk fand unter Vorsitz des Herrn Schneider­ meisters Röhr! in der letzten Zeit hier statt. Es hatten sich 58 Prüflinge derselben unterzogen und zwar 6 Friseure und Barbiere. 9 Schuhmacher, 8 Schneider, 1 Färber, 1 Sattler, 32 Näherinnen und 1 Modistin. Drei erhielten Note I, die übrigen zumeist die Note II und einige die Note IU. —-* Pferdeversteigerung. Am nächsten Samstag Vormittags 9 Uhr veranstaltet der Landw. Kreisausschuß für Niederbayern am Hagen in Strau­ bing eine Versteigerung von 59 Pferden, meist zweijährigen Tieren, darunter 26 Stuten. Diese Pferde sind auf den Fohlenmärkten in Mons und Maubeuge angekauft. —* 300 französische Fohlen sollten in der nächsten Zeit hier eintreffen und zur Ver­ steigerung gelangen. Nach einer Mitteilung des preußischen Landwirtschaftsministers an den Landw. Kretsausfchuß für Niederbayern werden diese Tiere vorerst bis zum Herbst auf Weiden im Etappenge­ biet zurückbehalten werden. —* Die Felddiebstähle in unsrer Um!gebung mehren sich in letzter Zeit in bedenk­ licher Weise. Meist werden nachts Kartoffel­ äcker beraubt, was um so verwerflicher ist, als diese Frucht eben erst in der Entwicklung sich befindet. Die Stöcke werden ausgerissen und die größeren Knollen abgelöst und die Stöcke, die noch reiche Frucht hätten bringen können, beiseite geworfen. Die Sicherheits­ organe werden daher mit aller. Schärfe gegen —* An freiwilligen Spenden gingen bei der Sammelstelle I im Rathaus (Zimmer Nr. 2) Wetter ein: für das für die Angeh. der Rote Kreuz Kriegsleitnehmer Mk. Mk. Uebertrag: 14 026.89 35 289.67 Vom 89er 25.— Hl. Getstspital-Stiftung Zuschuß pro Juli 300.— O. B. d. St. 60.— F. v. P. 100.— Buße in Sachen v. Z. 25.— gegen B. Spieltisch bei Riebe! 10.— Inhalt der Sammel­ büchsen lt. der Sammel­ stellen zugesandten Spezialquittungen 74.84 74.84 Sühnegeld Reiz 6.— Sühnegeld Agerer 5.— Sammelbüchseninhalt der Reichsbanknebenstelle -.32 Edelmut 250.Bon der Witwe eines Kriegers 20.— L. P. E. 5.— 5.— D. E. 50.— Von Rechtsanw. Schloder überwiesen als Sühnebe­ trag in der Sache Gig! gegen Maurer 20 — Summa: 14106.73 36 240 83</p>
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          <p>Bayerische Ehrentafel. Bei beim Angriffe des Res.-Jnf.-Regts. Nr. 3 vom! 18. Februar brach allen andren voran Infanterist Konrad Mast der 2. Kom­ pagnie aus Anterthingau, BA. Markt Ober­ dorf, aus dem. Graben heraus u. rannte unter starkem' Infanterie- und Handgranatenfeuer über freies Feld bis zu einer Rückenwehr, um von dort mit bestem Erfolge den Feind zu beschießen; dann sprang er wieder in den Gra­ ben zurück und schleuderte seine Wurfgeschosse mit sicherer Hand. Da ihm aber beim wei­ teren Vordringen die Handgranaten ausgin­ gen und der Feind vom! Graben aus nicht zu sehen war, beschoß er ihn, auf freiem! Felde aufrecht stehend, trotz wuchtiger Erwiderung seines Feuers so lange, bis er am Kopfe schwer verwundet zusammenbrach. Mast erhielt die Goldene Medaille. Am Spätabend des 4. Februar sollte die 11 .Kompagnie Res.-Jnf.-Regts. Nr. 12 eine Erkundung vornehmen, ob ein zwischen den beiderseitigen Stellungen liegender, von den eignen Truppen geräumter, am Nachmittage aber durch die Franzosen besetzter Schützen-' graben noch in Feindeshand sei. Sofort er­ bot sich Gefreiter der Reserve Vinzenz Wirth von Ustersbach, BA. Zusmarshausen, mit einem zweiten Mann zu dieser außerordentlich schwierigen und gefährlichen Aufgabe. Unter beständigem heftigen feindlichen Feuer über­ kletterten sie eine Sandsacksperre und drangen durch Drahthindernisse in dem Graben vor. Beinahe eingeebnet und kaum irgend eine Deckung bietend, weshalb sich auch die Pa­ trouille deM Feuer aus der feindlichen Haupt­ stellung fast schutzlos ausgesetzt sah, war dieser Graben versumpft und von früheren Kämpfen Mit Leichen gefüllt, so daß Man ihn allgemein "Leichensappe" nannte. Obwohl darin über­ dies zur Erschwerung einer Besetzung durch die Franzosen viele Spanische Reiter herum­ lagen, konnte sich Wirth zu feinem! eigenen Glück von der Abwesenheit des Gegners über­ zeugen, denn sonst wäre eine Rückkehr der Pa­ trouille über Drahthindernisse und Sperre weg wohl zur Unmöglichkeit geworden. Schon frü­ her mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, erhielt Wirth nun auch die Silberne Medaille. Bald nach Kriegsbeginn als Reserveun­ teroffizier befördert, Hatte sich der Feldwebel der 12. Kompagnie Reserve-Jnfanterie-Regiments Nr. 8 Karl Mayer, Forstassistent von Partenstein aus Stahlberg, BA. Rockenhausen, schon Ende September und Anfang Oktober in den Kämpfen bei M. und C. hervorgetan. Ganz besonders aber zeichnete er sich beim SturMe auf W. aus, indem er am 1. November seine durch den Verlust ihres Führers und vieler Mannschaften schwer betroffene KoM pagnie Mit großem! Geschick ohne weitere er­ hebliche Einbuße bis an den Ortseingang vor­ führte und aM 2. bei Fortsetzung des Angriffs Mit einem Zuge auf dem Dache des von ihm besetzten Pfründnevhauses Stellung nahm!, um von hier aus trotz feindlichen Artilleriefeuers den Angriff auf den Nordrand der Ortschaft seitlich zu unterstützen und durch seine Be­ obachtungen das eigene Artilleriefeuer aus ge­ schlossene feindliche Abteilungen und im! Ge­ fechte stehende Batterien zu leckten. (Silberne Medaille.) Kr. A.</p>
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          <p>Städtische Schwimmschule. 10. August 1915. Luft . . 24 Grad C. Wasser . 20 Grad C.</p>
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          <p>Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Ver­ antwort!. Redatteur F. X. Wagner, Landshut.</p>
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          <p>eines unserer Wasserflugzeuge durch Bomben ein feindliches Unterseeboot vor Bulair. Mnnitionsarbeiterstreik in Amerika. ^Berlin, 10. August. Nach einer Rotterdamer Courant-Meldung aus Newyork befinden sich, wie die Tgl. Rdsch. berichiet, 11 000 amerikanische Munitionsarbeiter im Ausstande, das ist V« der in amerikanischen jprivaten Munitonsfabriken befchäfligten Arbeiter.</p>
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