Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1915-08-25. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 68. Jahrgang Nr. 230, 1915-08-25. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 68 Nummer 230 25. August 1915 ────────── Materialtransporte nach England gebracht hatte. Seine Versenkung war daher ein Ge­ bot der Selbsterhaltung. ────────── leistende Feind wurde gestern in der Gegend « von Wierchowicze und Rasna neuerlich ge­ worfen und zum Weichen gezwungen. > Die Zahl der von der Armee des Erzher­ zogs Joseph Ferdinand .in den letzten Kämp­ fen eingebrachten Gefangenen .beläuft sich' auf 4 Offiziere und 1300 Mann. Nordöstlich Wlodawa haben pnsre Ver­ bündeten den Gegner abermvls zurückgedrängt und Raum' gewonnen. > Oesterreichisch-ungarische und deutsche Rei­ terei der Armde des Feldzeugmeisters Puhallo zog bei der Verfolgung des Feindes in Kowel ein und rückte weiter nordwärts vor. In Ostgalizien herrscht Ruhe. Italienischer Kriegsschauplatz. Am Südflügel der Mstenländischen Front kämpfte, gestern unsre schwere Artillerie feind­ liche Geschütze an der Sdobba-Mündung nieder, Weiter wurde eine .italienische Strandbatterie bei Golametto in einen Trümmerhaufen ver­ wandelt. Gegnerische Infanterie, die sich' gegenüber unsrer Stellung aus der Hphe östlich Monsalcone festgesetzt hatte, räuMite ihre Gräben fluchtartig vor unsrem Geschützfeuer. Oestlich Polazzo wiesen unsre Truppen zwei Vorstöße, bei San Martino drei nahe an unsre Kompfflont herangetragene Angriffe blutig ob. Ebenso scheiterte abends ein Vorstoß feind­ licher Kräfte gegen den Tolmeiner Brückenkopf. IM befestigten Raume von Flitsch und Raibl schiebt sich, .nun die gegnerische Infan­ terie stellenweise näher .an unsre Linien heran. Unsre Werke auf der Hochfläche von Lavarone und Folgaria standen gestern wieder unter lebhaftem! Geschützfeuer. . Auff unsre Stellung aM Stilsser Joch be­ gann die feindliche Artillerie zu schießen. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Bericht unserer Verbündeten. WTB. Wien, 24. August. Mittags, tNmtkich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Der nordwestlich Brest-Ltöwsk Widerstand Englische Lugen. Berlin, 24. August. Die "Nordd. Allg. Zig." schreibt: Der drahtlose englische Zei­ tungsdienst Poldhu meldete kürzlich: Der Kronprinz von Bahern gab in einer Unter­ redung mit den die Linien iM Artois besich­ tigenden Reichstagsabgeordneten zu, daß er kein Optimist Mehr sei. Es werde einige Zeit dauern, sagte er, ehe die Verbündeten die deutsche Stellung in Frankreich, ernstlich, schä­ digen würden; aber die Rollen seien 'ohne Zweifel vertauscht. Die feindlichen Hilfsquel­ len und Kräfte seien jetzt zu gut organisiert und der Feind sei in der Lage, die Wagschale I zu seinen Gunsten sinken zu machen. Wir DeutI sehe benützen jetzt unsere letzten Hilfsquellen, ' während "bet in besserer Lage befindliche Feind noch wichtige Reserven habe, auf die er zurückgreifen könne. Wie wir, auf Anftage bei der zuständigen Stelle erfahren, ist diese Meldung des engli­ schen ZUtungsdienstes von Anfang bis zum Ende erfunden. Tie Persenkung per "Arabic". Berlin, 24. August. DurchFunkenspruch wird dem' WTB. aus Newyork von seinem Kor­ respondenten- »gemeldet: Die Versenkung des Dampfers "Arabic" macht großes Auffehen. Die Presse ist .sehr erregt. Die Situation wird als bedenklich bezeichnet. Wan hofft noch., daß die näheren Umstände .bitte befriedigende Er­ klärung für die Versenkung bieten werden. Besonders hofft intim, .daß die Torpedierung nicht ohne vorherige Warnung erfolgte. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie Beschießung der Helgischrn Küste. Dem Berliner "Lokal-Anzeiger" wird aus Blissingen, 23. August, folgendes gemeldet: Heute früh! 3—8 Uhr wurde die belgische Küste durch eine kleine Anzahl feindlicher Torpedo­ boote und ein Wasserflugzeug bombardiert. Nach, einer anderen Meldung haben dagegen etwa 30 Kriegsschiffe heute früh in der Zeit von 5—8 Uhr die Küste und den Hafen von Zeebrügge beschossen. Ob und welchen Scha­ den sie angerichtet haben, war nicht zu erken­ nen. Die Kriegsschiffe wurden durch' deut­ sches Geschützfeuer gezwungen, .in nördlicher Richtung abzudampfen. (Z.) , ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. ' Tic Beute der ÄlrMM Gallwitz. Berlin, 24. August. Wie die "Berl. Ztg." Meldet, Hat die ArMee des Generals v. Gallwitz seit dem Tage des Durchbruches von Przasnhsz ant! 13. Juli bis 21. August 100 000 Gefangene gemacht, darunter 354 Offiziere, sie erbeu­ tete in derselben Zeit 21 Geschütze und 271 Masch inengewehre. (Z.) Tie Gefährdung «sw Petersburg. London, 24. August. Die "Times"be­ richten aus Petersburg: Die Gerüchte von einer Räumung Petersburgs, die von den PanikMwchern verbreitet werden, sind insoserne unbegründet, als sie in Verbindung mit den jüngsten Ereignissen gebracht worden sind. Angesichts der Möglichkeit von Angriffen auf dem Luftwege ist es allerdings möglich, ja sogar ratsam, daß der Hof und die Regierung sich anderswo hin begeben. ────────── Der Luftkrieg. Feindlicher Fliegerangriff. > Berlin, 24. August. (Amtlich.) Gestern abends warf ein feindlicher Flieger iBomlben auf die außerhalb des Operationsgebietes ge­ legene Stadt Offenburg. > Es wurde nur un­ bedeutender Sachschaden verursacht, J.2 Zivil­ personen wurden zum Teil schwer verletzt. ────────── Der Krieg mit Italien. Bersenkung des "U 3" eine französische Leistnng. Wien, 24. August. Aus dem Kriegs­ pressequartier wird gemeldet: Ms der italie­ nische amtliche Bericht die Vernichtung des österreichisch-ungarischen Unterseebootes "U 3" Mitteilte, verschwieg er sorgsam, daß die Tat nicht von der italienischen, sondern von der ftanzäsischen Marine vollbracht worden ist. Nunmehr, da die Wahrheit allgemein bekannt ist, mag es besonders für die italienische Presse welche die Versenkung Wertrieben feierte, überaus peinlich sein, zu erfahren, daß fiidjl die gepriesene "nationale Heldentat" in Wirk­ lichkeit als französische Leistung herausstellt. ────────── gen einzugehen, sei folgendes ausdrücklich nochImktlS festgestellt: 1. Die im' Rigaischen Meerbusen vorge­ drungenen deutschen Seestreitkräfte fanden doxt nur leichte russische Kräfte vor, die teils ver­ nichtet, teils vertrieben wurden. Von einer großen Seeschlacht kann somit gar keine Rede sein. 2. Deutsche Verluste traten außer den timi amtlichen Bericht veröffentlichten nicht ein. Kein größeres Schiff und kein Kreuzer ist ge­ sunken oder ernstlich geschädigt worden. Alle russischen Meldungen, die anders berichten, sind erfunden. 3. Vom Abschlagen eines Landungsver­ suches bei Pernau kann nicht die Rede sein; ein solcher ist weder begonnen worden, noch war er beabsichtigt. Die Torpedobootsstottille, die hier erschien, hatte den Zweck, die Sperrung des Hafens zu decken. Hierbei ent­ wickelte sich ein .Geschützkampf mit den Hafenund Feldbatterien, wobei pie Hafenbatterie zum Schweigen gebracht wurde und die Feld­ batterien mit gutem Erfolg beschossen wurden. Ein russischer Dampfer und 6 russische Segel­ schiffe wurden außerdem aufgebracht und ver­ senkt. < i 4. Die von den Russen angeblich erbeu­ teten Schiffe sind Dampfer, die von uns zur Sperrung von Fahrstraßen persenkt worden sind. ' Der Unterseekrieg. AMu iden, 24. August. Ter Fischdamp­ fer "Olhmpic" landete die Besatzung von vier Mann des englischen Fischkutters "Bohbert" aus Lowestoft (950 Donnen), per gestern nach­ mittags 54 Meilen östlich Lowestoft durch' ein deutsches Unterseeboot versenkt wurde. London, 24. August. Das Reuterbürv Meldet aus Hüll, daß das Fischerfahrzeug Com­ mander Bohle versenkt wurde. 9 Mann der Besatzung wurden gerettet. 3 Mann kamen ums Leben. ────────── Am Balkan. Das türkisch-bulgarische Hbtomktien. Berlin, 24. August. Der Sonderbe­ richterstatter der "Boss. Ztg." in Sofia meldet: Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen sind am. Samstag abgeschlossen worden. Die Ver­ einbarung wurde (wahrscheinlich, am 1 Freitag) in Konstantinopel unterzeichnet. Bulgarien verzichtet auf Kirkilisse und erhält dafür Karagatsch und von einem gewissen Punkte ab beide Maritzaufer. Die neue türkisch-bulgagarische Grenze läuft also längs des Tundschaflusses bis zu dessen Einmündung in die Maritza, sodann lnägs der Maritza und hier­ aus etwa von Kuelele Burgas oder DiMotika ungefähr 5 bis 10 Kilometer östlich der Maritza. Der Berliner "Lokal-Anzeiger" meldet aus London: Die Meldung, daß das Abkommen zwischen Bulgarien und der Türkei unterzeich­ net sei, hat hier große Enttäuschung hervor­ gerufen. Man verhehlt sich nicht, daß ein Ab­ schluß des türkisch-bulgarischen Einvernehmens auch auf die Haltung der übrigen Balkanstaaten von entscheidender Bedeutung werden könne. (Z.) Rußland und Rumänien. DeM "Hamburger Fremdenblatt" wird aus Bukarest gemeldet: Rußland hat die Schlie­ ßung sämtlicher Grenzen gegen Rumänien ver­ fügt. Die rumänischen Reisenden, die bisher von Odessa direkt nach Galatz fahren konnten, werden von den russischen Militärbehörden gezwungen, durch ganz Beßarabien zu reisen und dürfen erst bei Unheni, betn! einzigen noch offenen Grenzpunkt, nach scharfer Kontrolle rumänischen Boden betreten. Die Grenzschlie­ ßung ist auf Antrag des Generalissimus erfolgt. (Z.) ────────── die vielen Kisten von Konserven, die ihnen in die Hand fielen. Geschütze wurden, so viel ich gesehen habe, — es ist aber leicht Möglich, daß die Zähl nicht stimmt, — acht erbeutet und etwa ein Dutzend Maschinenge­ wehre. Ueberall waren die weißen Zettel mit der Nummer des betreffenden Bataillons, das die Beute gemacht hatte, befestigt. Ununterbrochen sausten inzwischen bit deutschen Granaten über das Fort der Zita­ delle zu, und ich glaube, ein biederer alter Landwehrwänn, der langsam eine russische Fleisch konserve aß, beurteilte die Sachlage ziemlich richtig, als er plötzlich in einer Eß­ pause den Pariser EinzugsMarsch zu pfeifen versuchte. "Das pfeift man doch beim Ein­ marsch in Festungen und so", und er zeigte .mit dem Daumen nach Nowogeorgiewsk , Da wir außerordentlich geringe Verluste bei der Einnahme hatten, war die Stimmung des Re­ giments, das nun in harten Tagen hinterein­ ander drei Forts gestürmt hatte, ganz beson­ ders glänzend, und als der Oberst in das ge­ nommene Werk einritt und den Offizieren des zuerst eingedrungenen Bataillons zurief: "Ich gratuliere dem Bataillon!", strahlten trotz des hundemiserablen Wetters die ganzen Stür­ mer vom Fort 3. In Nowogeorgiewsk waren inzwischen De­ tonationen zu hören, hohe schwarze Rauchwol­ ken stiegen auf, bald aber war jede Fernsicht wieder verhängt . Tie Infanterie arbeitet sich weiter. Am Abend spät endlich fällt Nowo­ georgiewsk . Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. das Drahthindernis in jeder Einzelheit er­ kennen. Mit der weißen Fahne schienen die Russen wie oft nur die Meinung irgend einer kleinen Abteilung haben andeuten wollerudenn das Jnfanterieseuer flatterte plötzlich lebhaft aus; einzelne Gruppen, die ziemlich unbeküm­ mert an dem schrägen Wall herausgestürmt waren, warfen sich nieder, Maschinengewehre streuten in rasendem HäMmern, aber von der anderen Seite waren schon Gruppen in die Festung gedrungen, und aus beim Walde rechts neben mir kanten jetzt helle Kommandos und Schützenschiwärme. Offiziere, Pen Degen hoch, voraus, sprangen Pen schrägen Rasen hoch; Itnctn hörte Pas durchdringende "Hurra" und dann sah män die schwarze Silhouette einen Augenblick auf per Wallspitze. Hinüber! Werk 2 schoß in diesem Augenblick seine letzten Schüsse vor der Einnahjmv flankierend auf die Straße und den Wkra-Einschnitt, so daß die Reserven und Pioniere, neben denen ich stand, auseinanderspritzten. Auf Bohlen konnte Man die Wkra überschreiten. Noch einmal fing Jnfanterieseuer aus etneim 1 Wäldchen hinter dem Fort an, aber die Batterien lagen bald Über dem Wald und dem Abschnitt dahinter. Tie Besatzung hob inzwischen die Hände. An einer Seite der hohen weitläufigen Anlagen wurde sie zur Reihe geordnet; es war etwas Mehr als ein Bataillon, was da Mit den so sichtlich zufriedenen Gesichtern russischer Ge­ fangener abtransportiert wurde. Tie Offi­ ziere, ich zählte nur sechs, sahen Müde und gleichgültig aus . In deM Augenblick, da sich der Komman­ dant des Werkes ergab, sah man aus der Zi­ tadelle Nowogeorgiewsk einen Freiballon hoch­ steigen. Ter FestungskowjMandant, sagte der gefangene Offizier und zuckte die Achseln. Ich, weiß nicht, ob tatsächlich der Kommandant in Nowogeorgiewsk sich in deM Freiballon be­ fand. Daß sein Unterführer diese Meinung hatte, genügte mir für die Beurteilung des letzten Restes von Widerstand, der noch zu erwarten ist. 3m 1 übrigen war günftigerWind, und der Ballon verschwand ziemlich schnell nach Osten. Tie Wirkung unserer Artillerie war an dem eben genommenen Werk nicht so eindring­ lich zu sehen wie in den übrigen Forts, weil die Anlagen aUzu ausgedehnt waren. Ein Schuß war Mitten in eines der großen Muni­ tionslager getroffen. Er Muß gräßlich eSprengwirkungen gehabt haben . Jedenfalls haben die Russen die kleinen auf Schienen lausen­ den Eisenwagen, die die Granaten zu der Artillerie bringen sollten, nicht Mehr benutzt, weil Wagen und Schienen und Granaten zer­ rissen waren. In allen Gewölben fanden sich gewaltige Vorräte von Munition jeden Ka­ libers. Tie Menge läßt sich nicht leicht ab­ schätzen, ist aber erstaunlich, groß. Die ein­ ziehenden Truppen freuten sich außerdem über ────────── das Bild herab. Und La fiel ihr erst auf, r daß es zu einem großen Artikel gehörte, der die Ueberschrift trug: "Das neue Werk Dr. Gerhard Falkners." Und darunter stand in kleiner Schrift: "Der verühmte kühne Forscher ist soeben von einer Südpolexpedition heimgekehrt." Voll Interesse las Juanita diesen Ar­ tikel durch.. , Es war nach! zwei Jähren wie­ der das erste, was sie von Gerd hörte. Mit der höchsten Anerkennung wurden darin Ger­ hards Falkners Verdienste beleuchtet und auf sein soeben erschienenes Werk aufMierksaM ge­ macht. Auch. dieses Werk war wieder iMHorstschen Verlag erschienen und Juanita beschloß, es sofort zu bestellen. Hatte sie doch schon Gerds erstes Werk, das vor ihrer Verlobung erschienen war, heimlich gelesen, aber Mit nie­ mand darüber gesprochen als Mit Tina. Sie freute sich. sehr auf diese Lektüre. Es war ihr, als käme sie Gerd dadurch innerlich wieder näher. ' Kaum war sie mit dem Artikel zu Ende, als Tina mit einem Tablett, auf dem sich allerlei Teegerät befand, auf die Veranda trat. "Gnädige Frau Müssen den Tee einnehMen — es ist schon 5 Uhr vorbei," sagte Tina förmlich, und deckte das Tischchen, das vor Rita stand, mit eifriger Geschäftigkeit. Die junge Frau sah lächelnd zu ihr auf. "Gute Tina — du sorgst, daß ich nicht Hunger leide." "Na ja doch, gnädige Frau vergessen sonst ganz und gar das Essen und Trinken. Und der gnädige Herr kpMmt ja doch nicht zum Tee nach Hause." Es lag ein düMpser Groll in Tinas letz­ ten Worten. Nita streichelte ihr die Hand. "Du, Altchen — nun laß aber auch die gnädige Frau beiseite — wir sind ja allein." Tina sah sich scheu üm. "Na, ja, Mein Nitachen — es ist män nur — wir haben zu viel Dienstboten iM Hause, die iMmier faul herumlungern, weil nicht genug Arbeit für sie da ist — und die brauchen es nicht zu hören, daß ich, dich "du" nenne, Kindchen. Eigentlich, ist es ja ganz respektlos." ,^Hast du Mich nicht mähr lieb, Tina?" fragte die junge Frau neckend. Tina schluckte. "Ach, du Mein lieber Gott — so eine Frage. Wie kyMMst du bloß darauf?" "Weil du mich Mt Respekt drangsalieren willst, Altchen." "Ach Gott, mein Nitachen — ich bin ja Man bloß bange, daß es jeMand hört," sagte die Alte zärtlich und tätschelte Rita die Hand. Diese schüttelte energisch den Kopf. "Dann ist es auch nicht schlimM, Altchen. Jetzt bist du doch bei Mir in Stellung, und niemand hat da etwas drein zu zu reden." "Aber der junge gnädige Herr, Nitachen." Juanitas Stirn zog sich zusammen. "Auch der nicht," sagte sie fast schroff. Tina fah sie besorgt und voll Liebe an. "Ach, mein Kindchen — was hab ich für ein schweres Herz um! dich. Du siehst jetzt imMer so blaß und traurig aus." Die junge Frau seufzte. "Laß nur, Tina, das ist nun nicht zu ändern." "Mein armes, arMes Nitachen. Komm, nun iß und trink, du koMmst mir sonst ganz von Kräften.". Sie legte Nita vor. Diese ergriff plötzlich in heiß hervorbrechendem Schmerz die harte, verarbeitete Hand der alten Dienerin und sah Mit feucht schimMernden Augen in ihr gutes besorgtes Gesicht. "Tina — daß auch du Mich, nicht ge­ warnt hast, damals! Du wußtest doch gewiß, wie der Mann beschaffen war, deM ich Meine Hand reichte." (Fortsetzung folgt.) k _ _ , , j ────────── Tages-Uebersicht. Ter Teutsche Reichstag nahm den Antrag auf Vertagung bis 30. NovelMber an. Unterstaatssekretär Dr. Michaeli widerlegte die Vorwürfe, daß die Kriegsge­ treidegesellschaft eine Versicherung .gegen den Schützengrabendienst sei. Abg. WanhofstNil.) fordert, daß alle diejenigen, pie wucherisch, eine Teuerung hervorgerufen haben, guf das Härteste bestraft werden,, ferner größere Haserrationem für schwer arbeitende Pferde, Er­ höhung der Brotration jmb pine Perteilung von Roggen als .Viehfutter. Die Massenschlach­ tungen der Schweine wäre ein Fehler gewissen, Zur Linderung der Fleisch not fväre es zweck­ mäßig, wenn der Fleischgenuß bei den Mahl­ zeiten eingeschränkt würde. .Bezüglich per Ge­ fangenenarbeit in der Landwirtschaft wünscht Redner eine weitergehende Berücksichtigung auch der kleineren Besitzer. ZuM Schluß dankt der Redner den deutschen Frauen für ihre Tätigkeit auf allen Gebieten, uM auch für ihren Teil beizutragen zum endgültigen Siege. StaatssekreMr Dr. Delbrück nimmt in län­ gerer Ausführung zu den Vorwürfen gegen die Kriegsgetreidegesellschaft Stellung und be­ tont dabei, daß er die Kritik nicht scheue und auch das Kritikrecht des Parlaments anerkenne. Abg. Koch (Fr. Vp.) betonte, daß gerade Die kleinen Besitzer Futtergerste erhalten sollen. Abg. Weilhöck (b.pt) empfiehlt bei per Ein­ schätzung größte Vorsicht. Für Pie Herbstbe­ stellung wünscht er dringend die Beurlaubung der älteren Landsturm- und Landwehrleute, desgleichen daß dem Lebensmittelwucher ener­ gisch zu Leibe gegangen wird. Abg. Behrens (W. V.) betont die großarrigen Leistungen der Landwirtschaft und auch der Frauen in den verschiedensten Berufszweigen. Er wünscht die Schaffung einer Zentralstelle für Lebensmittel­ versorgung. Abg. Tr. Pichler (Ztr.) zieht seine Beschuldigung gegen die Kriegsgetreidegesellschaft als aus unrichtigen Jnsorwmionen beruhend, zurück. Nächste Sitzung Mittwoch, 25. August. Verurteilte Hochverräter. Nach, mehr­ wöchiger Dauer wurde ,tn Wien der Prozeß gegen den Reichsratsabgeordneten Dimitri Markow, Oberlandesgerichtsrat Dr. MadiMiv Kurhlowicz, ferner gegen pie Advokaten Dr. Cyrill Czerlunczakiewicz aus Przewhsl und Dr. Johann von DrohoMilecki aus Zloczow, einen Grundbesitzer, einen Schlossermeister u. endlich gegen den Pertreter der "Nowoje Wremja", Dimitri Jantschewecki, sämtliche An­ gehörige der russischen nationalen Partei, be­ endet. Tie Angeklagten wurden wegen Hoch­ verrats und Verbrechen gegen die Kriegsmacht eines Staates zum S£obe durch den Strang verurteilt. ────────── preis für bett Liter Milch, frei ins Haus ge­ liefert, aus 20 Pfg. festgesetzt. ────────── Niederbayerische Nachrichten. Landau a. 24. August. (Schamlose Weiber.) Nach einer Meldung des hiesigen "Volksblattes" haben sich in der Umgebung zwei "Dämchen" in einige gefangene Franzosen — verliebt und folgen denselben überall hin nach, wo diese verwendet werden. Wenn Brot.tzeit ist und die Arbeit auf kurze Zeit ruht, dann stellen sich! die Beiden zu den Herren Franzosen und dann wird auf französisch (man Muß doch zeigen, was Man kann) geplaudert und gescherzt. Jetzt wird dies eklige Getue unsren Bauern und Bäuerinnen zu bumlrnf und sie drohen den "liebestollen" FrauenzimMern mit Anzeige. ────────── Dienstesnachrichten. Lehramt. Vom 1. September lfd. Jrs. an wurde in widerruflicher Weise als Assi­ stent beigegeben der K. Realschule Straubing der geprüfte Lehramtskandidat für neuere Sprachen Dr. Anselm AMann. Staatseisenbahnen. Berufen wurde in etatsmäßiger Weise Eisenbähnsekretär Georg Hier! von Regenstauf nach Zwiesel. — In den dauernden Ruhestand versetzt ab 1. September 1915 Zugführer Friedrich Lang in Landshut. — In den Ruhestand versetzt ab 1. Sseptember 1915 Schaffner Adolf Huber in .Passau für ein halbes Jahr. — Befördert in etatsmäßiger Weise ab 1. August 1915 zum Werkführer int Wahnunterhaltungsdienst VorarbeiterWolfgang Kronschnabl Bm. Deggendorf, Stationsmeister int Nebenbahndienst Stationsdiener Franz Kölbl in Waldkirchen (Ndb.), Wagenwärter Wagenwärtergehilfe Franz Kain in Plattling. — Ernannt in etatsmäßiger Eigenschaft ab 1. August 1915 zum Amtsassistenten Rech­ nungsführer Franz Leonhard von Deggendorf Bf. bei der Bahnstation Regensburg. — Ver­ setzt in etatsmäßiger Eigenschaft auf Ansu­ chen Lokomotivheizer (Führerbewerber) Johann Merl von Landshut und Johann Lermer von Passau nach Rötz, Lokomotivheizer Mich. Summerer von Ludwigshafen (Rhein) nach SiMbach (Inn). — Berufen in etatsmäßiger Weise Wureaudiener Ignaz Groll von der Betriebs­ werkstätte Plattling zur Eisenbahndirektion Re­ gensburg. ────────── Die Handwerkerkreditgenossenschaften über den Zusammenbruch der Landshuter Gewerbebank. (Schluß.) Bei der Revision im! Jahre 1913 wurde eine Erhöhung des Kontos Sch. auf 80 000 Mark konstatiert. Um sich zu decken, habe Worstand und Auffichtsrat das Schuldverhält­ nis der Generalversammlung vorgelegt, die es genehmigte. Dadurch entstehe die Frage, ob Vorstand und Auffichtsrat nicht hiedurch ent­ lastet seien. Die nächste Revision habe dann ein Schuld­ konto Sch. Mit 99 000 Mark festgestellt. Trotz der heiligsten Versicherungen Bechers und Sch>. war die Schuld wieder üntl 20 000 Mark ange­ wachsen. Auf Gefragen wieinte Becher hiezu, es sei eben gegangen, wie mit.jeder großen Schuld, daß nicht wehr der Gläubiger, sondern der Schuldner die Macht erlangt habe. Leider habe der Revisionsverband keine Exekutivgewalt, sondern könne nur mahnend wirken. Doch sei hier sogar ein cheiteres ge­ schehen und durch die daher. Landesgewerbe­ bank darauf gedrungen worden, daß Becher als Geschäftsführer beseitigt werde, allein es sei auch dies vergeblich! getoefen. Statt daß sie Becher abgesetzt haben, sind die Porstandsund AufsichtsratsMitglieder selbst , gegangen. Und gerade diese waren Herren, deren Ein­ tritt in die Genossenschaftsleitung mit Freu­ den begrüßt worden war, uw durch sie ein Gegengewicht gegen Becher zu gewinnen. Eine eingehende Prüfung der Verhält­ nisse der Bank, Hei der auch, Herr Rechtsanwalt Habereder anwesend war, hatte einen mut­ maßlichen Verlust der Bank mit 68 583 Mark ergeben. Selbst wenn noch 30000 Mark Mehr Verluste enfftanden wären, hätte dies noch keine Ueberschuldung der Bank bedeutet. Heute sei eine neuerliche Schätzung zu einem Per­ lust von 240 000 Mark gekommen. Wenn dies richtig ist, dann haben die bei der ersten Schät­ zung anwesenden Herren der Vorstandschaft und des Aufsichtsrates uns (Stahl und Haber­ eder) unverantwortlich getäuscht. Das Be­ streben des ersten Sanierungsversuches war, den Konkurs während des Krieges zu vermei­ den, da dieser bei rücksichtsloser Durchführung die Gläubiger schwer schädigen Müsse. • Redner ging Hierauf eingehend auf den Geschäftsverkehr der Gewerbebank Mit der stöbt. Sparkasse ein, deren prinzipielle Weigerung der Herausgabe einer Aufstellung die Prüfung des Geschäftsverkehres unmöglich! Machte. Als Lehren aus dem Landshuter Fall, Meinte der Iftebner, sollen die Genossenschaf­ ten ferner beherzigen, daß ein Kassier niemals Kredite beiwilligen dürfe, daß Vorstand und Auffichtsrat gegen solche Eigenmächtigkeiten Mit aller Energie vorgehen Müssen. Blanko­ kredite prinzipiell zu verwerfen, Kreditüber­ schreitungen mit aller Rücksichtslosigkeit zu be­ kämpfen, die Grenzen für Kreditbewilligung durch Vorstand und Auffichtsrat genau festzu­ legen, der Aufsichtsrat Müsse die ganzen Kreditverhältnisse prüfen und picht nur die vorliegenden neuen, die Kreditgrenze Müsse mit der Leistungsfähigkeit der Genossenschaft über­ einstimmen, Kredite dürfen nur gegen Sicher­ heit gegeben werden. Es sei besser, die Kasse zuzusperren, als schlechte Kredite hinauszu­ geben. Hierauf referierte Herr Sekretär Bühl, der die letzten Revisionen der Bank vorge­ nommen hatte. Er hob die Bilanzverschleier­ ungen hervor und gab ein eingehendes Bild des Geschäftsverkehres der Bank Mit der stöbt. Sparkasse. Trotz aller Bemühungen sei es noch nicht gelungen, hierin volle Klärung zu schaf­ fen, wie auch in anderen Dingen. So behaup­ te Sch., er habe das viele, auf sein Komto ver­ buchte Geld gar nicht alles erhalten. Es sei auch geradezu undenkbar, daß ein Mamn, der Mit 6 Gehilfen arbeite, jährlich 10 000 Mark zu seinem Verdienste zusetze. Es stimme da etwas nicht, aber es sei der Revision, zu der jetzt auch die Treuhandgesellschaft beigezogen sei, noch nicht gelungen, den Schleier zu lüf­ ten. Sehr große Differenzen ergeben auch die Buchungen der .Sparkasse und der Ge­ werbebank über den gegenseitigen Geldderkehr, die in einzelnen Jahren von 2000—130 000 Mark schwanken. Auch die Schuld von 33 000 Mark an die Sparkasse, die zuerst als Darlehen an Becher gegeben, dann gegen Schuldschein' der Bank in eine Schuld der Bank umgetauft wurde, sei noch nicht voll geklärt. Er stellte folgende Richtpunkte für Genossenschaften auf: Bei größeren Genossenschaften dürften als Leiter nur bankmäßig vorgebildete Beamte an­ gestellt werden. Die Beamten müßten zu strengster Pflichterfüllung angehalten und ihnen jede Nebenbeschäftigung verboten wer­ den. Während jeder Revision seien die ver­ antwortlichen Beachten zu entfernen, wenn Möglich in Urlaub zu schicken, damit der Re­ visor die nötige Ruhe habe. Aufsichtsrat und Vorstandschaft sollen jedes Jahr, oder halb­ jährlich ein Verzeichnis .aller Schuldner unter­ schreiben müssen. Hinterlegte Wertpapiere dürfen nicht verpfändet werden, oder doch! nur solche, auf welche ein Darlehen gewährt wor­ den ist. Besonders die Genossenschaften Mit beschränkter Haftung Müßten vor allem dar­ auf sehen, daß sie das Vertrauen des Publi­ kums genießen. Ter Konkurs der Gewerbe­ bank Landshut sei nicht mehr zu vermeiden gewesen und es werde Sache der Durchführung sein, die Schwierigkeiten desselben zu Mildern. Ter größte Fehler der 'Gewerbebank sei es gewesen, daß sie ihre Gelder zu 4 Proz. festlegte und dann Bankgelder zu viereinhalb Prozent aufnahm, für welche die Handwerker dann 5—6 Prozent bezahlen müßten. Ties wäre einem Bankfachmann nicht vorgekom­ men. Allein es sei hier wie überall bei sol­ chen Neugründungen, daß auf die Leute zu viel Rücksichten genommen werden, die sich! selbst vordrängen. Trotzdem hätte in Landshut alles vermieden werden können, wenn Vorstand und Auffichtsrat einigermaßen ihre Pflicht er­ füllt hätten. In Geldsachen aber Müsse jede Freundschaft aufhören, da müsse jeder seine Pflicht erfüllen. Auch! dürfe in solchen Ge­ nossenschaften niemals die Freundeswirtschaft und Familienzufammenschließung zu weit ge­ deihen. Er bedaure, daß durch die Vorkommnisse in Landshut betn 1 Genoffenschaftsgedanken, des­ sen weiterer Ausbau gerade nach betet Kriege sich als notwendig erweisen werde, Schaden zugefügt werde. Doch müsse der üngeheure Nutzen der Genossenschaften, der den hie und da entftefjenben Schaden weit überwiege, hierrin wieder trösten. Herr Vorsitzender Lasser betonte, es sollen diese VoxkomMnisse den anderen Genossen­ schaften eine Mahnung sein, RevisionsbeMerkungen auch zu Befolgen. Herr Pfarrer KliMMier regte die Frage an, ob nicht ein staatlicher Zwang zur Befol­ gung solcher Revisionsbeanstandungen zu erwünschen wäre. Er Meinte auch,, es gehe wohl nicht an, für kleine Genossenschaften auf betet Lande einen Bankfachmann als Leiter zu be­ stellen. Hier müßten Leute, welche die nötige Liebe und das Interesse für die Sache haben, zumeist ehrenamtlich der Genossenschaft über die Anfänge hinweghelfen. Später sei viel­ leicht die Bestellung eines Fachmannes möglich. Geschäftsführer Mertel der Landesgewer­ bebank wies unter anderem darauf hin, daß seine Bank der Landshuter Gewerbebank be­ reits seit 3 Jahren jeden weiteren Kredit ge­ sperrt habe und längst auf den Zusammenbruch vorbereitet war und für denselben vor gesorgt habe. , Auf die erstaunte Frage des Herrn Pfarrer KlimMer, warum die Landesgewerbebank dann nicht den Weiterbetrieb der Landshuter Bank verhindert habe, "Betonte Herr Mertel, daß hiefür jede gesetzliche Handhabe gefehlt habe, uMsoMehr, als Becher in der stöbt. Sparkasse ein Institut gefunden hätte, das ihM Kredit gewählte, ein Institut, von betet man nach den strengen Vorschriften für Sparkassen an­ nehmen müßte, daß es nur ordnungsmäßige Geschäfte mache. Herr Kreisanwalt Habereder tetemte, daß eine weitere Staatsaufsicht auf Genossenschafts­ banken gerade von maßgebenden Fachmän­ nern als Heihmung des Genossenschaftsbetrie­ bes empfunden würde. Zn Landshut hätten Vorstandschaft und Aufsichtsrat völlig ver­ sagt. Es seien in Zusammenkünften, auch in der k. Regierung, genaue Abmachungen Mer eine Sanierung der Schuld Sch. durch! eine KuratoriuMsbestellung u. a. getroffen, aber nicht befolgt worden. Es wurde von einetet Diskussionsredner sodann die Aufftellung eines Schemas für die Revisionen des Aufsichtsrates empfohlen, unä von anderen auf die Gewinnung von Gesäftsfiihrern durch die Ausbildung befähigter Kriegsinvaliden hingewiesen und die Erwei­ terung der Machtbefugnisse des Revisionsver­ bandes zur Erzwingung gerügter Mißstände gefordert. Herr Lasser schloß die Versammlung mit betet Wunsche, daß ähnliche Zusammenbrüche nicht mehr erfolgen mögen und die Ausspra­ che die Genossenschaften zu neuer tatkräftiger Arbeit ermuntern möge. ────────── deM schweren, uns aufgedrungenen Kampfe bis zu einem! endgültigen Siege, der Deutschland eine gesicherte Zukunft verbürgt. Hierfür käm­ pfen bayerische Truppen in Ost und West, in ihrer Tapferkeit bewundert von allen deut­ schen Stümjmen, der Schrecken der Feinde, hier­ für sind unablässig alle liitttl Qanbe Zurückge­ bliebenen tätig. Wir können daher imlit froher Zuversicht in die Zukunft blicken und uns in beml Wunsche einen: "Gott beschütze und erhalte unsren vielgeliebten König!" —^Durchgegangen ist gestern derSträfling Joh. Atzenbeck des hiesigen Landgerichts­ gefängnisses. Er begab sich bei einem! Trans­ port gespaltenen Holzes in den Abort des An­ wesens, in welches das Holz verbracht wurde, stahl aus der daneben befindlichen Garderobe einen Anzug und flüchtete über die Dächer der anstoßenden Nebengebäude. Tier Durch­ gänger, der noch ca. 3 Monate Gefängnis SU verbüßen hatte, ist 46 Jahre alt, ca. 1,68 bis 1,70 Meter groß, ohne Bart, schmales Gesicht, trägt grau und schwerz gestreifte Hose, blaue Joppe und schwarze Schuhe. Er konnte bis jetzt noch nicht ergriffen werden. —* Eine Vorbesprechung der Gläubiger der Gewerbebank findet am nächsten Sonntag, den 29. August nachmittags 2 Uhr im Gewerbehaussaale statt. —* Die Rebhuhnjagd ist vor wenigen Tage» aufgegangen und ergibt gute Resultate ────────── den gewaltigen Druck zurückgeschleudert und - teilweise verschüttet, halfen sich die Stürmen| den gegenseitig heraus und besetzten die Räni der des Sprengtrichters, um sie trotz .eines erneuten Feuerregens festzuhalten. Gefreiter der Reserve Michael Wieser, Bierbrauer aus Prackenbach, BA. Viechtach, wurde durch eine Handgranate niedergerissen und an einemMuge verletzt, sodaß er es nicht Mehr gebrauchen konnte, wich aber auch deswegen nicht, son­ dern wurde erst zurückgebracht, als er durch eine Stinkbombe betäubt war. (Silberne Me­ daille.) Den Infanteristen Johann Baumann : Dienstknecht aus Dengling, BA. Regensburg, traf eine Handgranate am) Genick und Hinter­ kopf. Mit Blut überströmt fttnd von Rauch geschwärzt, harrte er aus, bis ihm die Kräfte schwanden. (Silberne Medaille.) Inzwischen war jedoch der Kompagnieführer zur Ueber­ zeugung gelangt, daß mit Räumung und Sprengung des ftanzösischen Grabens der Zweck der Unternehmung erfüllt war, und riefseine i Leute zurück. Als letzter verließ der bereits genannte Unteroffizier Wolf den Posten, nachi dem er noch dafür gesorgt Hatte, die SchwerI verwundeten und Betäubten Mitzunehmen. — l (Goldene Medaille.) Kr. A. Bayerische Ehrentafel. Bäuerische EhllMfel. In der "Lehmstellung" des 12. Jnf.-Regts. hatten sich gm! Mittage des 5. März horchende Pioniere überzeugt, daß die .Spitze des feind­ lichen Minengangs 7 Meter unter bettn Erd­ boden bis auf Armlänge an den deutschen Querstollen heranreichte. Der leitende Offi­ zier beschloß deshalb, seinen Gegner nicht durch eine Quetsch,mine zu verschütten, sondern ihn beim Durchschlage des Ganges abzufangen. Die beiden Pioniere der 4. Kompagnie des Pionier-Regimients Reservist Georg, Dürrbeck, Maurer aus Hausen, BA. Forchheim, und Wehrmann Michael Schedel, Flößer aus Thon­ berg, BA. Kronach, begeisterten sich sofort^ wie sie auch schon beim Horchen an der gefähr­ deten Stelle eifrigst mitwirkten, für diesen Plan. Unter Aufgebot aller Kraft entfern­ ten sie in dem engen finsteren Stollen, die Keile mit den Zähnen herausziehend, zunächst ein halbes Dutzend Schurzrahmen. Obwohl M-an aber damit rechnen mußte, der mehrmals eine Viertelstunde lang nicht hörbare Feind könne jeden Augenblick eine Quetschmine ent­ zünden, warteten sie kaltblütig, bis er end­ lich nach vier Stunden Mt dem! Spaten die trennende Wand durchstieß, erweiterten sodann rasch die Oeffnung, um ihren Offizier einige Pistolenschüsse abgeben zu lassen, krochen, un­ bekümmert um eine von Feuerwaffen oder Handgranaten drohende weitere Gefahr, in dem nur 15 Meter langen feindlichen Stollen vor und holten einen verwundeten Franzosen heraus. (Beide Goldene Medaille.) Kurz nach Mitternacht drückten aM 13. Februar die Franzosen bei D. Mittels Quetschmline die Spitze eineg 67 Meter langen Stol­ lens ein und verschütteten dadurch mehrere Leute. Noch waren die Rettungsarbeiten iM Gange, da erfolgte Morgens 9 Uhr eine zweite Entladung und füllte den Stollen abermals Mit giftigen Gasen. Als zwei trotz des Ver­ botes in den Gang eindringende Infanteristen schon nach wenigen Minuten auf Anruf keine Antwort mehr gaben, schlüpfte der nur 17einhalb Jahre zählende Kriegsfreiwillige, Pio­ nier der 3. Kompagnie des Pionier-Regiments Joh. Dengler, Realschüler aus Straubing, un­ aufgefordert in den vielverzweigten Stollen, verspürte jedoch, weil er die mitgenommene RauchschutzMaske nicht richtig zu verwenden wußte,. sehr rasch starke Uebelkeit. Nichtsde­ stoweniger drang er bis zu einem der beiden bewußtlosen Leute vor und schleppte ihn un­ ter Aufgebot feiner ganzen Kraft etwa 40 Meter gegen bett Ausgang zu, bis er den Geretteten einem entgegenkommenden Kame­ raden übergeben konnte. Er selbst aber wankte zur Stollenmündung und fiel dort in schwere Bewußtlosigkeit, aus der man ihn erst nach 10 Minuten durch künstliche Atmung zu er­ wecken vermochte. (Silberne Medaille.) Während die 12. Kompagnie 15. Jns^Regts. am 29. August 1914 längs des Süd­ rands d§s Waldes von H. stundenlang unter wirksamem Artilleriefeuer lag, kamen Leute ihres rechten Flügelzuges, der außer dem Hauptmann viele Unterführer verloren hatte, zu der in der Reserve stehenden 9. Kompagnie und berichteten, die Stellung sei nicht Mehr zu halten, da sich vorne nur noch> Tote oder Verwundete befänden. Um sich darüber zu vergewissern, rief der Bataillonsführer eine freiwillige Patrouille auf und sofort meldete sich Unteroffizier der Reserve Joschh Leis aus Allmännshofen, BA. Wertingen, Metzger und Schutzmann zu Augsburg. Mit sieben anderen Freiwilligen, von denen einer gleich anfangs fiel, besetzte er den nur wenig Deckung bieten­ den Schützengraben, hielt unter dem verein­ ten Feuer von vier Batterien bis zum! Abend wacker aus, und versorgte seine Kompagnie Mit reichlichen Meldungen über den Feind wie über die eigne Artilleriewirkung. (Silberne Medaille.) i Wahre Heldentaten verrichteten am 10. und 18. April in den Kämpfen uM die Höhe von B. de S. Mannschaften des Res^-Jnf.^ Regts. Nr. 11. AIs am Abend des ersten Tages ein vor der ftanzösischen Hauptstellung vorgeschobener, eingedeckter Graben gesprengt und gestürmt werden sollte, -müßte die rechts vorbrechende Abteilung, da die Sprengung den Graben nicht erreichte, unter ständigem Feuer von Infanterie, Maschinengewehren und Hand­ granaten durch die Sappe heranarbeiten und mit Pickel und Schaufel in deM zunächst noch besetzten, teilweise noch verschütteten Unter­ stände einen Zugang schaffen. Rach Mehr als einstündigen, gefahrvollen Bemühungen dran­ gen die Stürmenden endlich in d'en Graben vor und breiteten sich seitlich aus, bis ein der Länge nach bestrichener Quergraben Halt gebot. Das genommene Stück wurde durch Sandsäcke abgesperrt und ausgebaut, wobei die Arbeit abermals unter heftigstem Feuer aus Maschilnengewehren geleistet werden Mußte. Ob­ wohl (aber der Feind überdies unausgesetzt aus nächster Entfernung Handgranaten, ge­ ballte Ladungen von Stinkbomben schleuderte, die durch Entwicklung giftiger Gase Erbre­ cken und Ohnmachtsanfälle hervorriefen, wur­ de der Graben gehalten. Unter bett Helden jener Kämpfe steht voran Unteroffizier der Reserve Friedrich Weiß der 2. Kompagnie, Hutmocher aus Deggendorf, der, obwohl zwei­ mal tiietrounbet und felddienstuntauglich er­ klärt, nun ein drittes Mal dem! Feinde die Stirne bot. Schon 8 Tage vorher hatte er sich zu der mit dem geplanten Sturme be­ auftragten 1. KoMpagnie gemeldet und trotz einer schmerzhaften Venenentzündung an bei­ den Händen seitdem die ganze Zeit ttttl Schüt­ zengraben zugebracht. Als einziger Unterofiizier Mit dem Sturmtrupp des Leutnants R. vorgehend, leitete er die Mannschaft zur Ver­ teidigungseinrichtung der gewonnenen Stel­ lung an und hielt so lange wacker aus, bis Man ihn wegen eines schweren Schwindelan­ falles zurückschaffen müßte. (Goldene "Me­ daille). Nachdem sich herausgestellt hatte, daß die linke Fortsetzung des genommenen Grabens nicht, wie vermutet, gänzlich verschüttet, son­ dern vielleicht sogar noch vom Feinde besetzt war, erhielt die 6. KoMpagnie Befehl, die­ sen Abschnitt zu erkunden und wenn Möglich wegzunehmen. Mit Einbruch der Dämmerung ging deshalb aM 13. abends unter Führung des Unteroffiziers der Landwehr Peter Woff, Bauer aus MausheiM, BA. Parsberg, ein kleiner Sturmtrupp auf den nur 10 bis 15 Meter entfernten Graben los und drang durchs einen Verbindungsgraben bis zur feindlichen Sandsacksperre vor. Als die Patrouille hier aus 5 Gewehren Feuer erhielt, verjagte sie ihren Gegner durch Handgranaten und stürmte unter einem wahren Hagel von Sprenggeschos­ sen und Stinkbomben über die Sperre hinweg. Sobald sie indes den eigentlichen Graben er­ reichte, wurde er von den Franzosen iM letz­ ten Augenblicke geräumt und^ gesprengt. Durch ────────── Letzte Posten. Die Besetzung von Kotvel. Berlin, 25. August. Das §8. Tgbl. melbet aus dem K K. Kriegsprefstquartter: Die Er­ reichung von Kowel bedeulet die Abtrennung der Verbindung der russischen Armee zwischen ihrer süd­ lichen und nördlichen Gruppe. Vor der Westfront von Brest-Litowsk haben sich bte Belagerungstruppen näher heran gearbeitet. Mackensen hat zwischen Kobriner, der Kobrinerstraße und dem Bug nicht unbe­ deutenden Vorsprung gewonnen Die Verpflegung der Truppen ist trotz aller Schwierigkeiten ausge­ zeichnet. ────────── Städtische Schwimmschule. 25. August 1915. Luft . . 19 Grad C. Wasser 17 Grad C. ────────── Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Ver­ antwort!. Redakteur F. X. Wagner, Landshut. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 24. August. Wittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegsWnM. Während ihres gestrigen Besuches vorZeebrügge gab die englische Flotte etwa 60—70 Schuh auf unsere Küstenbefestigungen ab. Wir hatten durchi diese Beschießung den Verlust von ei nein! Toten und 6 Verwundeten zu be­ klagen. Außerdem wurden durch zu weit ge­ hende Geschosse noch- 3 belgische Einwohner verletzt. Sachschaden ist nicht angerichtet. ' In den Vogesen nördlich von Münster ruhte tagsüber der Kampf. Abends griffen die Franzosen abermals unsere Stellungen am! Barrenkopf und nördlich davon an. Die An­ griffe sind zurückgeschlagen, eingedrungene schwache Teile des Feindes aus unserer Stel­ lung geworfen, einige Alpenjäger gefan­ gen genommen. Bei den gestern gemeldeten Kämpfen ist ein Grabenstück am Barrenkopf in Feindeshand geblieben. Bei Loo, südwestlich von DixMuiden, wur­ de vorgestern ein französischer Doppeldecker durch einen unserer Kampfflieger abgeschossen. Sestlichll KrieMmM. Heeresgruppe des GeneralfeldMarschaNs von Hiudeulmrg. Nördlich, des NjeMlen keine Veränderung. Auf der übrigen Front der Heeresgruppe wurde» Fortschritte gemacht. "Bei den Kämpfen östlich und südliche von Kowno nahmen unsere Truppen 9 Offiziere, 2600 Mann gefangen und erbeuteten 8 Maschinengewehrs. Heeresgruppe des GeneralfeldMarschalls Prinz Leopold von Bahern. Auf den Höhen nordöstlich von Klerzczele und im Waldgebiete südöstlich dieses Ortes wurde der Gegner gestern von unseren Trup­ pen erneut geworfen. Die Verfolgung nähert sich deM Bialowieskasorst. Der Feind perlor über 4500 Mann an Gefangenen und p Maschinengewehre . Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Auch vor dem Angriff der über die Pulwa und den Aug, östlich der PulwaMündung vordringenden deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen räumte der Feind seine Stellungen. Die Verfolgung ist ton! Gange.Auf der Südwestfront pon Brest-Litowsk wurde die Höhe Hei Kophtow gestürmt. Unsere durch das Sumpfgebiet nordöstlich' von Wlodawa vordringenden Truppen ver­ folgen den gestern geworfenen Feind. Oberste Heeresleitung.