Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-01-10. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 7, 1916-01-10. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Januar 1916 ────────── Erfolge in den Vogesen: Am Hirzstcin 1100 Franzosen gefangen, 15 Maschinengewehre erbentet. — Rene russische Angriffe in Ostgalizien zurückgeschlagen. — Bei Berane Sie Montenegriner erneut geschlagen. — Die Engländer von GalWoli vertrieben. — Auch ans Mytilene die Bierdnndskonsnln verhaftet. — Friedenssthnsncht in 'Montenegro. ────────── WTB. Berlin, 9. Januar, mittags.—' (Großes Hauptquartier). , Westlicher KriegsschanM. Südlich des Hartmannsweilerkopfes, dm! Hirzstein, gelang es gestern den letzten der am 21. Dezember in Feindeshand, gefallenen Gräben zurückerobern, dabei 20 Offiziere, 1083 Jäger gefangen zu nehmen und 15 Maschinenge­ wehre zu erbeuten. Seitlicher KriegsschmM. und ^ ' i Balkau-Kkiegsfchauplatz. | Die Lage ist unverändert. Oberst« Heeresleitung. Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 8. Januar. Mittags. sGrotzeS Hauptquartier.) " Westlicher KriegsschWlgtz. Die Gefechtstätigkeit wurde auf dem größ­ ten Teile der Front durch die Witterung un­ günstig beeinflußt. V| Südlich des Hartmannsweilerkopfes wurde den Franzosen durch Bitten üb erraschenden Vor­ stoß ein Grabenstück entrissen'. Ueber 60 Jäger ; fielen gefangen in unsere Hand. > f i destillier KrltMmM. und Battaukriegsschauplatz. Keine EreiWisse von Bedeutung. i Oberste Heeresleitung. ────────── An der Strypa hüt, wie bereits gemeldet wurde der Feind schon vor Tagesanbruch seine Angriffe begonnen. Einige starke Abteilun­ gen der Sturmtruppen waren' unter dem! Schutze des Nebels bis zu unseren Batterien vorgedrungen, als der Gegenangriff der Honvedregimenter Nr. 16 und 24 und des Mittelgaltzischen Infanterieregiments Nr. 57 ein­ setzte und die Angreifer über unsere Stellun­ gen zurückschlug. Unter den 720 hierbei gefangenen Russen befinden sich ein Oberst und 10 andere Of­ fiziere. Unsere Linien am Dnjestr standen tags­ über meist unter starkeim Geschützfeuer. An der beßarabischen Front leitete der Gegner seine Angriffe kurz vor Mittag durch Artillerietrommelfeuer ein. Seine Anstreng­ ungen waren abermals gegen unsere Stellun­ gen bei Toporoutz und östlich von Raranze gerichtet. Die Kämpfe waren wieder außer­ ordentlich erbittert. Teile seiner Angriffsko­ lonnen vermochten in unsere Gräben einzu­ dringen, wurden aber durch Reserven imHandgemenge wieder zurückgetrieben. Wir nähmen Hierbei 1 Offizier und 250 Mann gefangen. Bei Berestianh in Wolhynien "wiesen Un­ sere Truppen russische Erkundungsabteilun­ gen ab. Am Styr vereitelte die ArtiUerie durch Vonzentrisches Feuer einen Versuch> der Rus­ sen, den Kirchhof nördlich von Czarlorysk zu­ rückzugewinnen. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Italiener hielten den Nordteil des Tolmeiner Brückenkopfes und unsere Stellun­ gen nördlist» davon, besonders den unlängst genommenen Graben gegen den ficty auch ge­ stern wieder mehrere Angriffsversuche richte­ ten, unter sthr lebhaftem Artilleriefeuer. Auch bei Oslavija und stellenweise im Abschnitte der Hochfläche von Doberdo fanden ziemlich heftige Geschützkälmpse statt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der stellvertretende Chef des Generalstabes i v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. WTB. Wien, 9. Januar, mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Bor zwei Tagen an allen Punkten Ostgahiziens und der beßarabischen Grenze unter gro­ ßen Verlusten zurückgeschlagen, hat der Feind gestern seine Angriffe nicht wiederholt, sondern nur zeitweise sein Geschützfener gegen unsre Linien gerichtet. Er zieht Verstärkungen hvran. Am Kovminbache in Wolhynien verspreng­ ten unsre Truppen russische Aufklärungsabtei­ lungen. Sonst keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Südöstlicher' Kriegsschauplatz: Nordöstlich von Berane haben sich! die Montenegriner wiederholt gestellt. Die von ihnen besetzten Höhen wurden erstürmt, wobei wir ein Geschütz erbeuteten. An der Tara GepWnkel. An der herzegowinischen Grenze und im Gebiet der Bocche di Cattaro sind unsre Trup­ pen im Kämpf gegen die montenegrinischen Stellungen. Rer stellvertretende Chef des Generalstabesr v. H v e f e r, Feldmarfchalleutnant. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tic verhafteten Konsuln. Toulon, 8. Jan. (Havas.) Die Kon­ suln der feindlichen Staaten, die in Saloniki verhaftet wurden, find an Bord des Kriegs­ schiffes, auf dem sie interniert wurden, hier eingetroffen. Sie werden zur Verfügung der Behörden gestellt. Bestrafte Belgierin. Berlin, 9. Jan. Fräulein JulietteRenkin, eine Schwester des belgischen Kolonial­ ministers, die vor einigen Wochen in Bel­ gien verhaftet worden war, ist zu sechs Mo­ naten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt worben. (Z.) ────────── halten sei. Milos liegt inmitten der Schiffsahvtslinie zwischen Kreta und Athen. (Z.) Neue Verhastugcn wn Konsuln. A the n, 9. Januar. (Agenee Havas.) Aus, Mytilene wird gemeldet: Eine Abteilung von Truppen des Vierverbandes hat den dortigen deutschen Vizekonsul, der griechischer Unter­ tan ist, und seinen Sohn, den Dragoman des Konsulats, festgenommen; ebenso wurde der österr.-ungar. Konsularagent Bartzili, ein os, manischer Würdenträger, der deutsche Agent Hotfner und mehrere andere Personen, die "verdächtig" erschienen, verhaftet. Griechenlands weiteres Verhalten. Berlin, 8. Jan. Nach einer Athener Meldung soll König Konstantin zu einem eng­ lischen Zeitungskorrespondenten geäußert hü­ ben, daß Griechenland jetzt keinerlei Einwen­ dungen mehr gegen ein etwaiges Vorrücken der Bulgaren aus griechisches Gebiet habe. Ob die Aeußerung in dieser Form gefallen ist, läßt sich zwar von Mer aus nicht ohne wei­ teres feststellen, wir dürfen aber annehmen, daß die Aeußerung in der Tat die Auffaft sung wiedergibt, die dank dem unerhörten Auftreten der Westmächte in Saloniki an maß­ gebender Stelle in Athen in dieser Frage jetzt herrscht. ■’ Griechenland und die Entente. Die Athener Nachrichten sind widerspruchs­ voll. Man rechnet trotz der täglich! zuneM menden Abwendung iwl alten Königreich Grie­ chenland von den Ententemächten Mt dem Ausbruche einer ernsten inneren griechischen Krisis. Aus welchen Ursachen geht nicht klar hervor. Die Vertreter der Entente lassen in privaten Bemerkungen offen durchblicken, daß ihnen die unbequeme Anwesenheit der diplo­ matischen Mission d er Zentralmächte in Athen, nur nach eine Frage kurzer Zeit bilde. Die Entente werde von Griechenland ihre Ab­ reise verlangen. Es ist kaum anzunelhimjen, daß König Konstantin jemals seine Zustim­ mung zu dieser ehrlosen Degradierung Grie­ chenlands erteile. (Z.) Besetzung der Insel Milos durch die Entente. Budapest, 8. Jan. Wie aus Athen ge­ meldet wird, erregt dort die Mitteilung der Ententeleitung, wonach im Interesse der Ope­ rationen die Insel Milos (Milos, das alte Melos) für die Kriegsdauer als besetztes Ge­ biet erklärt wird, das größte Aufsehen. Die Ententeleitung besetzte bisher die Inseln Jmbros, Tenedos, Mytilene, Chios, Samos und Jkaria. Sie betonte dabei immer wieder, die Inseln gehörten noch nicht endgültig unter die griechische, Herrschaft, da die Türkei noch nicht völlig auf ihre Souveränität über sie ver­ zichtet habe. Die griechische Regierung pro­ testierte stets gegen die Besetzung griechischer Inseln, war sich aber bchvüßt, daß die Er­ klärung der Ententeleitung nur ein Vorwand sei, um das richtige Ziel zu verhüllen. Peinlich berührt ist man nun, daß bei der Besetzung der altgriechischen Insel Milos die Entente es nicht mehr für nötig hielt, sich! in irgend einer Weise zu rechtfertigen und als Begründung lediglich erklärte, die ver­ bündete Flotte sei infolge der für die nächste Zeit erhaltenen Weisungen genötigt, sich durch Besetzung der Insel Milos für ihre Operatio­ nen eine Flottenbasis zu schaffen. Die grie­ chische Presse stellt fest, daß in dieser Maß­ nahme eine Drohung gegen Griechenland et- ────────── wirrung im Angange der Parteien hervorgerufen, daß die Führer machtlos geworden sind. Tie Arbeiterparteien sind sehr erregt über Hederson, dem sie in öffentlichen Ver­ sammlungen Verrat und Irreführung der eng­ lischen Arbeiterschaft vorwerfen. Mehrere po­ litische Klubs in London hielten am Donners­ tag eine gemeinsame Sitzung ab, die die ganze Tätigkeit der Regierung einer scharfen Kritik unterzog und die von Lord Derby angegebenen ; Zählen als falsch bezeichnete. Man hätte viel mehr Soldaten erhalten können, wenn Asquith sein Versprechen an die verheirateten Männer unterlassen und wenn Derby einen einheit­ lichen Dienstvertrag und nicht 5 Schichten auf­ gestellt hätte. Einige Lords warfen Asquith vor, durch sein Versprechen den inneren Frie­ den gestört und nationalen Hader heraufbe­ schworen zu hüben, durch! den das englische Volk das Interesse am Krieg verliere. Dieser An­ sicht soll auch der König in einem Briefe an Asquith! Ausdruck verliehen haben. Politiker sind der Meinung, daß das ganze Kabinett zurücktreten müsse und nicht einzelne Minister. Grey über das Völkerrecht. London, 8. Jan. Unterhaus. Grey sagte auf eine Frage, die Gefangennahme der britischen Hauptleute Rapier und Wilson auf einem griechischen Schiffe durch ein feindliches U-Boot stand nicht im Widerspruch mit der allgemein anerkannten Auffassung des Völ­ kerrechts. ────────── Der Krieg zur See. Versenkt. Kotzenhagen, 8. Jan. Der norwegische Dampfer "Frithjof Nansen", der 3300 Tonnen faßte und 1897 erbaut war, ist auf der Reise von Algier nach Rotterdam im Kanal versenkt worden. Zwiei Mann sind umgekow!men, der Rest der Besatzung — 24 Mann — ist gerettet. (Z.) Auf eine Mine gelaufen. C e t i n j e, 8. Jan. Ein italienischer Dampfer aus Brindisi mit mehreren 100 Ton­ nen Lebensmitteln und 425 Montenegrinischen aus Amerika kommenden Rekruten an Bord stieß ganz nähe bei San Giovanni die Medua auf eine Mine. Das Schiff sank sofort/ Zweihundert Mann 'sind umgekommen. (Z.) ────────── Bayerische Nachrichten. Sc. Majestät König Ludwig ist gestern abends mit Sonderzug an die Front abgereist. Ter Valtau-Zugverkchr von Berlin und München nach! Konstantinopel und zurück be­ ginnt ctm'18. Januar. Schluß der Landtagsferien. Der Finanzausschuß der bayerischen Abgeordnetenkammer hält seine erste Sitzung im neuen ^Jahre Mor­ gen Dienstag, den 11. Januar. Die Tages­ ordnung für die erste Sitzung, die nachmit­ tags um 4 Uhr beginnt, lautet: 1. Etat des Kgl. Hauses und Hofes; 2. Etat des Ministe­ riums für Verkehrsangelegenheiten; 3. Etat der Bodensee-Dampfschiffahrt; 4. Etat der Würmsee-Dampfschiffährt; 5. Etat der Schiff fährt auf dem AMmersee und der Amper; 6. 'Etat der Kettenschleppschiffahrt auf dem Main; 7. Etat des Ludwig—Donau—MainKanals; 8. Etat des Frankenthaler KanalsDiese Tagesordnung ist also das nächste Ar­ beitsprogramm! des Finanzausschusses. Tie Münchner Sozialdemokraten haben die ihnen verliehenen Ludwigs-Kreuze abgelehnt. Das Sonderbare an der Sache ist nur, daß sie ursprünglich keine prinzipiellen Bedenken ge­ gen die Verleihung hatten, sonst wäre sie wohl auch nicht erfolgt, und jetzt post festum dennoch die Ehrung ablehnen zu müssen glauben. ────────── Das Ende des Dardanellen-Unternehmens. ────────── aber von der Infanterie vis über die vor­ dersten Gräben zurückgeworfen. 720 gefan­ gene Russen, darunter ein Oberst und 10 wei- , tere Offiziere, waren das Ergebnis des Kam­ pfes. Auch östlich von Czernowiz, bei Toporvutz und Rarancze, kamen die Russen in die österreichisch-ungarischen Gräben, wurden aber auch hier wieder hinausgeworfen; 250 Russen wurden gefangengenomjmlen. EinenErfolg häben die Russen also auch mit diesen Angriffen wieder nicht erzielt. In Montenegro haben die österr.-ungar. Truppen die Truppen Nikitas zurückgeworfen!. Auch! an der Westseite Montenegros kam es zu Kämpfen, in welche die österr.-uirgar. Flotte wirksam eingriff. Tie verhafteten Konsuln aus Saloniki wurden nach Toul in Frankreich! verbracht. Neuerdings haben die Ententemächte auch« die Konsuln auf der Insel Mytilene festgenommen. Die Türken haben gegen diese UeB-ergriffe so­ fort Gegenmaßregeln ergriffen. Bei uns wer­ den solche ebenfalls bereits in Erwägung ge­ zogen. Die Türken haben uns gestern noch in den Wendstunden eine erfreulich« Nachricht zukomMvn lassen. Die Engländer und Fran­ zosen mußten unter großen Verlusten nach has­ tigem Kampfe Sevd il Bahr räumen. Damit ist die Halbinsel Gallipoli Völlig dom Feinde gesäubert und das Gallipoli-Wenteuer, wenn auch wider Willen der Entente, zu Ende. Alle die gewaltigen Opfer an Schiffen und Menschen sind umsonst gebracht und die Dardanellen dank der Tapferkeit unsrer türkischen Bundes­ genossen auch heute noch! unbezwungen, was sie auch bleiben werden, da nach den trüben Erfahrungen die Entente kaum m!ehr Lust ver­ spüren wird, an dieser Stelle neue Opfer zu bringen. Ob wohl die Engländer auch diesmal wieder von einem "strategischen Rückzug" fa­ beln werden, an denen die Kriegsgeschichte ihres Bundes vhinedies schon so reich! ist? Uns kann es recht sein, besonders wenn jedesmal unsren Verbündeten so reiche Beute in die Hände fällt, wie die letzten Wale bei Ari Burun und Kut el Amara. Im Westen haben neue Kämpfe in der Ge­ gend des Hartmannsweilerkopfes ein erfreu­ liches Ergebnis gezeitigt. Südlich! des Hartmannsweilerkopfes würde den Franzosen ein Grabenstück durch! einen überraschenden Vor­ stoß der Unsern entrissen und hierbei 60 Al­ penjäger zu Gefangenen gemacht. Ajml Hirz­ stein wurde der letzte Teil der am 21. Dezeimfber vorigen Jahves verloren gegangenen Stellung zurückerobert und hierbei gewal­ tige Beute gemacht. 20 Offiziere und 1083 Alpenjäger fielen als Gefangene in unsre Hand und 15 Maschinengewehre würden erbeutet. Ey muß'" ein unwiderstehlicher Vorstoß unsrer Truppen gewesen sein, der sie hier so reiche Beute machen ließ. Vom Osten wie vorn Balkan würde an beiden Tagen nichts Neues gemeldet. In Galizien scheinen die Russen trotz der Aussichtslosigkeit eines Durchbruchs inOstgalizien und an der beßarabischen Grenze die­ sen mit imlmer neuen Angriffen erzwingen zu wollen. Und so schicken sie denn eine Truppe nach der andern gegen die feindliche Front, unbekümmert um die gewaltigen Verluste, die ihnen dieses sinnlose Anstürmen "kostet. Ge­ neral Iwanow, der hier komlmandiert, wird kaum m!ehr erzielen, als im Westen sein ita­ lienischer Kollege Cadorna. Zwar heißt es in den russischen amtlichen Berichten nun schon dreimal hintereinander, daß die Russen sich in den von ihnen in Ostgalizien genoMMeneu Stellungen befestigten. Aber daß sie wirk­ lich Stellungen genommen haben, braucht man trotzdem nicht zuglauben. Wird z. B. doch! auch im neuesten russischen Heeresbericht — zum wievieltentchal? — versichert, daß am Styr das vielumkämpfte Czartorhsk wieder von den Russen besetzt worden sei. Dabei wissen wir, daß der Ort Czartorhsk völlig in Trüm­ mern liegt und daß höchstens einmal eine russische Patrouille sich! in ihü verirren kann. Dann rühmt aber jedesmal der russische Ge­ neralstab die Einnahme Von Ezartorhsk. Die Russen brauchen eben notwendig Siegesnachjrichten; und sie fabrizieren sie, weil sie in Wirklichekit nicht damit aufwarten können.Die jüngsten russischen Angriffe richteten sich wie­ der gegen dieselben Stellungen, die schon in den letzten Tagen immer wieder vergeblich angegriffen worden sind. An der Strhpa ka­ men die Russen an einer Stelle bis an die österreichischen Batteriestellungen, wurden ────────── i Aus dem amerikanischen Senat. (Durch Funkspruch- vom Berichterstatter des WTB.) -Im Senat brachte Hichcock eine Resolution ein, die sich mit der Zurückweisung der ausländischen Störung amerikanischer Post­ sendungen auf hvher See beschäftigt. Die Re­ solution fordert den Generalpostmeister auf, alle in seinem Besitze befindlichen Schrift­ stücke über diesen Gegenstand dem 'Sengt vor­ zulegen. — Im Repräsentantenhäuse griffen die Republikaner Stafsord und Cooper aus Wisconsin den Republikaner Gardhier ausMassachusetts lebhaft wegen einer Rede an, in der dieser die Deutsch-Amerikaner und die deutsche Nation tadelte. Cooper, der zum Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten ge­ hört, rief aus: Tie Bemerkungen, die wir gehört haben, waren so heftig, als wären sie im englischen Parlament getan. Stafferd er­ klärte in einem erregten Zuruf: Cardher ist mehr Engländer als Amerikaner! und tadelte ihn wegen der Natur seiner Bemerkungen, während jedes Mitglied seine Worte vorsichtig wägen sollte. Der Redner verteidigte entschie­ den die Deutsch-Amerikaner. Er ging ins­ besondere auf die Behauptung ein, daß die Deutsch-Amerikaner amerikanische Munitions­ fabriken mit Gold und Dynamit zerstören wür­ den und sagte, solche Anschuldigungen können nicht gegen 'die acht Millionen Deutsch-Ame­ rikaner dieses Landes gemacht werden. Ich bin nicht Anwalt der deutschen Sache, aber ich weiß, daß in meinen eigenen Bezirken Muni­ tionsfabriken, in deren Umgebung tausende von Deutsch-Amerikanern wohnen, täglich! ohneUnterbrechung in Betrieb sind. Die grundlose Anschuldigung, die eines jeden Mannes un| würdig ist, bringt mich in Erregung. ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Bon der Strhpa-Aront. Budapest, 9. Januar. Das Blatt "Az Est" meldet von der Strhpa-Front: Aus den glatten amtlichen Berichten kann kaum! her­ ausgelesen werden, was für bedeutende Ereig­ nisse sich dort bisher abgespielt haben. Tie gefangenen russischen Offiziere bestätigen, daß der Zar eigens zu dem Zwecke in TreMbowla eintraf, um die dortigen Truppen zuM Angriff gegen unsre Front, die von dort nur wenige Kilometer entfernt ist, anzufeuern. Die rus­ sischen Offiziere erhielten in einem Tagesbefehl die Weisung, um jeden Preis durchzubrechen; zur Erreichung dieses Zieles seien neue Regi­ menter zur Verfügung gestellt worden. In der Tat meldeten unsre Beobachtungsflieger, daß vor unsrem verhältnismäßig kurzem Front­ abschnitte 12 neue Regimenter konzentriert wurden, die Wahrscheinlich! aus Odessa kamen. Mit diesen 12 Regimentern verstärkten die Russen ihre Angriffslinie. Vor unsrer Front befindet sich eine Höhe, die von unsren Truppen zu Ehven des Heer­ führers Pflanzer-Baltin das "Fort Baltin" ge­ nannt wird. Vom Standpunkte der Verteidignngstechnik aus betrachtet, bildet dieser Stützpunkt eine glänzende Position. Ein Be­ fehl des Zaren ordnete an, die Höhe um je­ den Preis zu besetzen. Seit 5. Januar rich- . toten -die Russen ihre Angriffe gegen diesen I Stützpunkt: nach deren Vergeblichkeit stellten ! sie ihre Angriffe ein. Vor unsrer Stellung i wurden viele taufrnv tote Russen gefunden. Die Russen bereiteten ihre Angriffe durch ein stundenlanges Trommelfeuer vor; trotzdem kam der Feind nur bis an unsre Drahtverhaue heran. In 12 Anstürmen wurden ganze Re­ gimenter vernichtet. Jetzt herrscht wieder Ruhe. : Ein sturmfähiges russisches Regiment gibt es i nicht mehr. Unsre Verluste sind gering. ] Bestechung — ein russisches Allheilmittel. Rußk. Slovo berichtet: In der Mo-s sauer Stadtverordneten-VersamMlung wurde vorgeschlagen, dem Bürgermeister Geldmittel zur Bestechung von Eisenbahnbeamten zurVerfügung zu stellen. Nur auf diese Weise seien die Zufuhren nach Moskau zu sichern und der Lebensmittelnot ein Ende zu Machen. Die­ ser Beschluß hat in Moskau tiefe Erregung hervorgerufen. Verschiedene Dnmamitglreder bezeichnen diesen Schritt als ein Zeichen des Verfalles der russischen Gesellschaft. DieMosVauer Duma habe niemals zuvor eine solche Er­ niedrigung erlebt. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. nitor und vier Torpedoboote erwiderten das Feuer durch ein erfolgloses Bombardement auf unsre Artillerie und hinter unsre Schützen­ gräben. Um 2 Uhr nachmittags rief das Feuer in den feindlichen Vorräten bei Tekke-Burun eine Feuersbrunst hervor. In der Nacht vom 6. zum 7. Januar beschossen unsre Batterien in der Meerenge wirksam feindliche Lager bei Sedd il Bahr und am 7. Januar feindliche Batterien in der Gegend von Tekke-Buruw. Tie feindlichen Batterien bei Sedd il Bäht, ein Panzer und ein Monitor, die bei Tekke-Burnn lagen, erwiderten das Feuer ohne Erfolg. Am 8. 'Januar beschossen unsre anatolischen Bat­ terien wirksam die Häfen von Sedd il Bahr und Tekke-Burun, eine Gruppe feindlicher Truppen und die Täler bei Kerevizdere und Mortoliman. — Sonst nichts Neues. Bon der genfront. Konstantinopel, 9. Januar. Nach­ richten von der Jraksront zufolge wird Kut el Amara, das durch die von den Türken bei itzrev Verteidigung am Tigris-Knie errichteten und von den Engländern später ein wenig umge­ bauten Befestigungen in eine kleine Festung umgewandelt wurde, von den Türken einge­ schlossen, die bereits bis zur Hauptvertetdigungslinie vordrangen. Man hösft, daß die Festung entweder durch Sturmangriffe oder durch Aushungern bald wieder genoMmien wer­ den wird, sodatz über 10000 M n:n der eng­ lischen Besatzung gefangen wären. Die Eng­ länder wollten, indem sie eine S.reitkraft in Kut el Amara festlegten, durch die Verteidi­ gung des Ortes einen geordneten Rückzug des Armeerestes sichern. Es gelang ihnen teil­ weise, doch konnten die geretteten Ärmeeteile die gegenwärtig südöstlich Kut el Amara sich! befinden, der Festung nicht Hilfe bringen, zu­ mal die Moral der AriMee erschüttert ist. Tie nationale Bewegung in Persien. K o n st a n t in v p e I, 9. Januar. Der Ver­ treter der Agentur Milli meldet aus Bagdad, gegenwärtig böten die Kämpfe iw! südlichen Persien das Bild einer nationalen Bewegung gegen Engländer und Russen. Gallipoli vom Feinde frei. Konstantinopel, 9. Januar. In der Nacht räumten die Engländer nach, heftigem! Kampfe unter großen Verlusten Lev) ü Bahr'. Tie Halbinsel Gallipoli ist vom Feinde gesäubert. Gallipoli vom Feinde gesäubert. Konstantinopel, 9. Januar. (Agen­ tur Mill.) Infolge des letzten Sieges unsrer Truppen bei Sedd il Bahr ist die ganze Stadt beflaggt. Ueberall fanden Freudenkundgebun­ gen statt, in den Moscheen wurden Gebete verrichtet und in allen Kivchen und Tempeln wurden Tankzottesdienste abgehalten. Das historifche Ereignis der Räumung des letzten Winkels der Halbinsel Gallipoli wurde durch eine Sonderausgabe des Amtsblattes bekannt gemacht. Einzelheiten wurden noch nicht be­ richtet. Man weiß nur, daß die Türken die Schützengräben bei Sedd il Bahv und TekkeBurun besetzten, die sie anfangs des Krieges ausgehvben haben. Tie Truppen des Zentrums nähmen dem Feinde 9 Geschütze und ein großes Lager mit Zelten ab und versenkten ein mit Truppen gefülltes feindliches Schiff. Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Jan. Das Haupt­ quartier teilt mit: An der Dardanellenfront in der Nacht vom 6. zuM 7. Januar ziemlich lebhafter BombenkaMpf auf unsrem rechten und linken Flügel. Am 7. Januar beschoß unsre Artillerie vier Stunden lang mit Unterbre­ chungen, aber sehr heftig, die unsrem linken Flügel gegenüberliegenden feindlichen Schützen­ gräben und verursachte dort schwere Schäden. Im Zentrum zerstörten unser Artilleriefeuers und unsre Bomben einige Schützengräben und Minenwerferstellungen des Feindes. Auf dem linken Flügel schwacher Feueraustausch. Die feindliche Landartillerie, zwei Kreuzer, ein Mo- ────────── richt, sinnlos, undankbar! Jchi liebe ihn, Jühn, liebe ihn noch. immer." Ter Enttäuschte stützte seinen Kopf in die Hand. Hätte er es sich. nicht selber sagen können? Tor, der er war!»Kannte er nicht Carries Charakter, ihr entschlossenes Wesen, ihre Energie, ihr festes Ausharren bei irgend einer Sache, bei einem Gefühl, das sie für wertvoll erkannt hatte? Ta fühlte er ihre Hand sanft auf seiner Schulter. "Lieber John, ich bitte, geben Sie mir noch 1 Jahr Frist! Ich! verspreche Ihnen, daß ich Ihnen an meinem! 23. Geburtstage mein Jawort geben werde, sollte ich bis dahin nichts mehr von Mr. Felden gehört haben." Wie von einem elektrischen Funken be­ rührt, fuhr John Pemberton von seinem)Ses­ sel auf. Das hatte er nicht mehr erhofft.! "Carrie!" rief er, und das Glücksgefühl in ihM war so stürmisch, daß der starke Mann am ganzen Körper zitterte. Sie reichte ihm ihre Hand, die er mit der seinen fest umschloß. Und vier Wochen später" sah! sie wieder -M Mann, der in ihrem, Herzen lebte, der ungezählte Male ihren Träumen.!.Farbe und. Glanz verliehen. In eleganter Kleidung saß er in einer der teuren Logen der Grand Opepa und an seiner Seite befand sich. ein bildschönes anmutiges Geschöpf, mit dem er sich! auf das lebhafteste und in einer so vertraulichen Weise unterhielt, daß die Beobachtende vom ersten Augenblicke an sich. über die Beziehungen der beiden glaubte klar sein zu können. Ein scharfer, schwindelnder Schmerz'durch­ fuhr das Herz der Eifersüchtigen, und zugleich bäumte sich. ihr Mädchenstolz auf. In so kur­ zer Zeit hatte er sie vergessen können und wäh­ rend sie ihm unerschütterliche Treue bewährte und ihre Phantasie in beseligenden Zukunfts­ träumen, in deren Mittelpunkt er stand, be­ rauschte, hatte er skrupellos, treulos'mit einer anderen geflirtet und ihr Andenken in den Küssen einer anderen verraten und beschimpft. "John!" flüsterte sie mit vor Aufregung hälb erstickter heiserer Stimme. "Haben Sie gesehen: Trüben in der Loge?" 'Er nickte resigniert. »Mister Felden — ja." "Und die Dame neben ihm — seine Braut?" i "Meinen Sie —?" ' ."r "Aber haben Sie denn keine Augen, zu sehen, John?" ^erwiderte sie ungeduldig, fast zornig, von ihrem Schmvrz gefoltert. "Allerdings, aber —j "Wir brauchen also kein Jahr mehr zu warten," unterbrach, sie ihn hastig, nervös^ aufs leidenschaftlichste erregt. "Ich gebe Ihnen schon heute mein Jäwort." "Sie befinden sich in einem Zustande der Aufregung, daß es mir widerstrebt, davon zu profitieren —". Ihre Augen stammten, ihre Stirn zog sich in zornige Falten. "Sie wollen nicht?" — zischelte sie, aufs jäußerste erbittert. "Tut es Ihnen leid?" "Aber Carrie, Sie wissen doch. ganz gut, daß ich nie anderen Sinnes sein werde, und daß mich. Ihr Wort znm> glücklichsten Men­ schen macht. . ." * * • Als der dritte Akt zu Ende und die dritte und letzte Pause gekommen war, erhvb sich Viktor Felden. "Sie entschuldigen mich!, Miß Bessie, ich entdeckte da soeben ein paar Bekannte, denen ich gern einen guten Tag sagen möchte. Da drüben in der Loge!" Sie erhvb überrascht- ihren Blick. "Sie haben Bekannte in Nckvhork?" "Nur eine Reisebekanntschaft. Drüben in der Keinen Loge lircks!" i (Schluß folgt.) ────────── Allerlei. Fahrt, in den Wirtschaften galt ihr Besuch! als willkommene, kostbare Reklame, denn mun­ ter verzehrte -sie Schweinsrippen, Kraut und Bier, worauf dann der Wirt nicht unterließ, auf die nahrhafte Kost seines Lokales hinzu­ weisen; die greise Reklameesserin bekam oann statt der Rechnung meist noch! ein Geschenk. Aber noch. mehr, lediglich! auf Grund ihres seltenen Alters bekam Frau ZchnMerli eine Pension von 300 Franken jährlich und an­ läßlich der Landesausstellung in Bern wurde sie sogar dem Bundesrat vorgestellt. Nun ist es aus mit der Herrlichkeit. 'Denn ein Schreiber auf dem Kontrollbureau der Ba­ seler Polizei hat festgestellt, daß Frau Zim­ mert! sich volle 22 Jahre zugelegt habe und daß sie noch nicht 80 Jahre alt ist. Das Ge­ genteil von dem, was sonst ältere Frauen und Jungfrauen tun, hat Frau ZimMerli voll­ bracht, und zwar in einem Maße, wo die Ge­ mütlichkeit aufhören würde, wenn die Fol­ gen dieser Tat nicht so drollig wären. Erschossen. Ter zur Zeit auf Erholung in Ingolstadt weilende Landwiehrmann Hasel­ meier wurde am Freitag von dem 12jährigen Wagnermeisterssohn Eckenharter aus Unvor­ sichtigkeit erschossen. Ter brennende Einbrecher. In einer Ber­ liner Laubenkolonie in Eichwalde entstand vor einigen Tagen abends plötzlich ein Brand. Als die Feuerwehr eintraf, fand sie das Holzhäus­ chen des Berliner Schneidermeisters Borowski in hellen Flammen stehend. Aus dem Jnnern der Laube drangen wimmernde Hisferufe und als zwei Feuerwehrleute in das Häuschen eindrangen, sähen sie einen Burscheu, der erhebliche Brandwunden am gan­ zen Körper aufwies. Es war ein Einbrecher, der bereits mehrere Lauben erbrochen hatte, um Metallgegenstände zu entwenden. Ten Brand hätte er unfreiwillig verursacht, in­ dem er eine Petroleumlampe durch unvor­ sichtiges Hantieren zur Explosion brachte. Der Bursche! wurde, nachdem er ärztliche Hilfe er­ halten hatre, in polizeiliche Gewahrsam ge­ nommen. Tie Hundertjährige. Eine lustige Seldwylergeschichie macht gegenwärtig ganz Ba­ sel lachen. Wie das Vaterland erzählt, lebt dort ein altes Frauchen, das bis vor we­ nigen Tagen als die älteste Einwohnerin von Basel galt, denn sie war nach der Ueberzeug­ ung der Behörden und der Baseler Einwohner 102 Jahre alt. Demgemäß war der Rest ihres Lebens ein rechtes Fest. Jhve Photographie war überall zu sehen; wv die Greisin sich blikken ließ, genoß sie alle Ehren ihres hohen Alters, in den Tramwahwägen hätte sie freie ────────── Mitnähme von eindmi Lodenüberwurf sowie Herren- und Frauenschuhen int Werte von 50 Mark verschwunden. Der "Sieß soll in den 20er Jahren stehen, Brillen tragen unö einen steifen Arm haben. Passau, 9. Jan. (Banknotenfälscher.)Die hiesige Polizei verhaftete gestern abends in seiner Wohnung den 60 Jähre alten Haller unter dem dringenden Verdachte der Bank­ notenfälschung. In seiner Wohnung wur­ den Formen und Platten für österreichische und französische Scheine gefunden. Der Ver­ haftete erklärtbe solche Scheine zu seinemPrivatvergnügen verfertigt, sie aber nie ausge­ geben zuhaben. Unter dem Verdachte der Mitwisserschaft wurde auch! seine Haushälte­ rin verhaftet. Man glaubt, daß die beiden mit den seinerzeit in München verhafteten Banknotenfälschern in Verbindung standen . ────────── ohne hinreichenden Grund verboten. Eltern und Vormünder wie die Jugendlichen selbst werden bei Uebertretung dieser Vorschriften mit. Geld- oder Haftstrafe bedroht. —* Die Enteignung von Metall wird in nächster Zeit in Angriff genomimjen. Hier­ zu wurde als Ablieferungslokal Wieder das Lokal in der Kramergasse (Bücherl Wagner) bestimmt und vom Magistrat als Lagerraum eine Einschütte im stöbt. Schrannengebäude zur Verfügung gestellt. — > Eine Kommission zur Verbescheiburtg' der Freilassungsanträge zur Metallbeschlagnähme wurde vvM Magistrat als der zu­ ständigen Behörde aufgestellt und hiefür die Herren M-R. Jllinger, Wicklmahr und Heilmater bestimmt. —* Schnee und Regen in kunterbuntem Durcheinander brachte uns der gestrige Sonn­ tag. Die Wege überzogen sich daher alsbald mit einer dichten Schjmlutzschicht, die im Verein mit dem feuchtkühlen Winde, der durch, die Straße blies, den Aufenthalt im Freien zu einem wenig angenehmen gestaltete. * Privatpakete an deutsche Hee­ re sangehörige in der Türkei und Bul­ garien können nach den allgemeinen Vor­ schriften über den Feldpaketverkehir zur Wei­ terbeförderung durch das Militärpaketdepot in Leipzig angenommen werden. Privatpäkete mit dem Zusatz "Durch die Kaiserlich! Deutsche Botschaft in Konstantinopel" unterliegen den für Auslandspakete geltenden Vorschriften. ────────── er seinen einsamen Weg verfolgte, daß er seinen Hund, der ihm ich Felde die besten Dienste leistete, in seinem Unterstand zurück­ gelassen hatte. Darum eilte er, als er ein ent­ ferntes Blockhaus erreicht hatte, sofort an den Apparat des dorthin geleiteten Feldtelephons und ließ sich mit seiner 2 Kilometer ent­ fernten Stellung verbinden. "Was gibt es", fragte die StimMe des Telephonisten im Schützengraben. "Ist mein Hund bei Euch,?" rief der Offizier zurück. "Jawohl". "Gutz bringt ihn an den Apparat!" Die Soldaten in dem Graben drückten die Hörchiuschel an das Ohv des Hundes, woraus der Offizier im Blockhaus einen Pfiff ertönen ließ und "Komm her, Bob", rief. Und tatsächlich, sprang der Hund auf, verließ den Graben und erreichte in gestrecktem Laus über ZKilvcheter seinen Herrn in der Blockhütte . . ." Wer wagt noch zu behaupten, daß ein Volk den Krieg ver­ lieren könnte, das über so geniale Kriegshunde verfügt.? . . . ────────── 1. Sitzung des Stadtmagistrats Landshut vom 8. Januar 1916. Vorsitzender: Oberbürgermeister Hostar M arschal l. Ein Zaun am ViehMarktplatze wurde durch ein Krümperführwerk der hiesigen Er­ satzeskadron beschädigt. Der Zaun wurde wie­ der hergestellt und der Ersatzeskadron die Ko­ stenrechnung mit 85 Mark zugeleitet, die von dieser als zu höch beanstandet wurde. Das Stadtbauamt hat jedoch- festgestellt, daß in der Rechnung für Material tttifo Arbeit nur 'die Selbstkosten verrechnet waren. Ebenso sei eine Behauptung der Eskadron, daß das Mauer­ werk der Einfriedung nicht mehr einwand­ frei gewesen sei, nicht zutreffend, da es erst vor zwei Jahren gründlich ausgebessert worden sei. Es wird daher die Rechnung als be­ rechtigt anerkannt. Der Kredit für Telegraphengebühren und die Kosten der Telephvneinrichtungen mit 1500 Mark hat sich als nicht ausreichend er­ wiesen. Es werden dahpr 500 Mark a conto Kommunalreserve nachgefordert und genehimigt. ────────── Fleischpreise in Landshut. Tie Preisprüfungsstelle hat für die näch­ sten 14 Tage für Landshut folgende Höchst­ preise für Fleisch festgesetzt: Dchsenfleisch-: rote bisher 1.30 Mark per Pfund. Ohne Bein und ohne Zuwage sind 15 Pfennig mehr noch als angemessen zu erachten. Filet ausgelöst, ohne Knochen und Zu­ wage 1.60 Mark, mit Zuwage 1.40 Marls. Geringwertige Teile: Stich, Hals, Waden, fette Weichen und Brustspitz 1.15 Mark per Pfund. Kuhfleisch: wie bisher 1.10 Mark per Pfund. Ohne Bein und Zuwage darf 10 Pfennig mehr noch als angemessen gelten. Filet ohne Knochen und Zuwage 1.40 Mark, mit Knochen und Zuwage 1.20 Mark per Pfund. Geringwertige Teile (wie bei Ochsenfleisch) 95 Pfennig per Pfund. Kalbfleisch,: Hier haben die Preise eine Erhöhung um durchschnittlich 10 Pfennig erfahren, die in dem starken Nachlassen der Anlieferung von Kälbern begründet ist. Es wurde der Preis festgesetzt auf 1.10 Mark per Pfund (bisher 1 Mark), für Schlegel darf 10 Pfennig per Pfund mehr verlangt werden. Geringwertige Teile, Kopf und Haxen dürfen höchstens 80 Pfennig (bisher 70 Pfg.) per Pfund kosten, Halsgrat höchstens 90 Pfg. (bisher 80 Pfg.) per Pfund. Schweinefleisch,: per Pfund 1.40 Mark (von der Regierung festgesetzter Höchstpreis). Geringwertige Teile, wie Kopf und Ha­ xen dürfen höchstens 1.10 Mark per Pfund kosten. i , ────────── Letzte Posten. j Der türkisch« Bericht. I Konstantinopel, 9. Januar. (Agentur Milli.).An der Tardanellenfront vertrieben wir' mit Hilfe Gottes den Feind nunMehv auch von Sedd il Bahr. Wir erhielten noch keinen ins Einzelne gehenden Bericht über die Schlacht, die seit drei Tagen vorbereitet war und gestern nachmittags durch unsren Angriff begonnen wurde. Wir wissen nur, daß. alle vor dem Kriege bei Sedd il Bahr und Tekke-Burun an­ gelegten Schützengräben von uns besetzt wurden und unsre im Zentrum vorrückenden Truppen I 9 Geschütze nahmen. Große Zeltlager des Fein! des fielen Mit den Zelten und Inhalt in unsre ■ Hände. Unsre Artillerie versenkte ein mit Truppen beladenes feindliches Transportschiff. Die außerordentlich' große Beute konnte noch, nicht gezählt werden . Die feindlichen Verluste dürften sehr groß sein. Einer unsrer Fliegev griff einen feindlichen Doppeldecker, System "Farman", an, und brachte ihn zuM Absturz. Das Flugzeug fiel in FlamMen gehüllt bei Sedd il Bahr nieder. Ter Feind, der an dieser Front seit fast einem Jahre alle Mittel anwandte, um uns ins Herz zu treffen, er-, litt als ganzes Ergebnis große Verluste und Einbuße an Material) wurde zur Flucht ge­ zwungen und hat alle Hoffnung aufgeben müs­ sen dank der Tapferkeit unsrer Armee, die ilmf Vertrauen auf ihr Recht, Tapferkeit und Aus­ dauer zeigte, die wert sind, in der Geschichte verzeichnet zu werden. Wir preisen die, welche in Erfüllung ihrer Pflicht den Tod gefunden haben und danken unsren siegreichen Truppen. — An der Jrakfront griff der auf eine Division geschätzte Feind, der sich, in Jmchii Alligarbi befand, in der Absicht, Kut el Amara zu Hilfe zu kommen, am 6. und 7. Januar unter dem Schutze von vier Kriegsschiffen unsre Stel­ lungen von Cheik Said, einem TageMarfch zwischen diesen beiden Orten, sehr heftig an. Ter Angriff wurde durch, einen Gegenangriff unsrer Truppen, die einige Gefangene machten, vollständig abgeschlagen. 'Die feindlichen Ver­ luste werden auf 3000 Mann geschätzt. Beson­ ders ein feindliches Kavallerie-Regiment ec* litt sehr schwere Verluste. Sonst ist nichts zu melden. ────────── Literarisches. "Ter Naturarzt", 44. Jahrgang, Nr. 1 bis 16. Kriegsnumjmer. (Auflage 150000) Red.: Dr. med. Schönenberger und Oskar MuMmert. Exped.: Berlin. SW., 11. Preis jährlich 3 Mark. Probe-NuMMer frei. (Diese älteste und verbreitetste Zeitschrift für Bolksgesundheitspflege ist wiährend des Krieges in ununterbro­ chener Folge in besonderen KriegsnumMevn erschienen.) "Hundesport und Jagd" ist eine seit 30 Jähren im Verlage von A. Gundlach in Bie­ lefeld erscheinende Fachzeitschrift von bestem Ruf. Die Redaktion (I. Berta), Erfurt, bringt ein reiches Material an guten Bildern und Lesestoff, der nicht nur für Hundezüchter in­ teressant ist. Dabei stellt sich der Bezugs­ preis der wöchentlich (in der Kriegszeit 14tägig) erscheinenden Zeitschrift durch die Post. bezogen auf nur 2,25 Mark einschließlich, Haft­ pflichtversicherung für Hundebesitzer, deren Be­ dingungen auf Anfrage ebenso wie Probenum­ mern der Zeitschrift kostenfrei von der Ge­ schäftsstelle in Bielefeld verschickt werden. ────────── K. Notariat Landshut I. Terminsbestimmung. SaupShut den 3. Januar 1916. Der Versteigerungsbeamte: (Amtssiegel.) Ba«fchi«ger, k. Notar. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das nachbezeichnete, in der Steuer­ gemeinde Landshut, K. Amtsgerichts und Rentamts Landshut, gelegene, im Grundbuch« für Landshut, Weißes Viertel. Band XIX, Blatt Nr. 2401, Seite 412, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen der «ewer bebaut Laudshat eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht in Landshut — über deren Vermögen mit Beschluß deS K. Amtsgericht» Landshut vom 5. August 1915 das Konkursverfahren eröffnet ist — eingetragene Anwese« Hmls-Rr. 22 an der Schwivnnschnlstraffe in Landshnt bestehend aus: '* Plan-Nr. 1440 Wohnhaus, Holzlege und Hoftaum zu . . 0,034 ha am Dienstag, den 29. Februar 1916, nachmittags 2 Uhr tat Amtszimmer de« K. Notariats Landshnt I (LaadShnt obere Altstadt Rr. 11/0) durch den unterfertigten, zum Versteigerungsbsamten ernannten Notar öffentlich versteigert »erden. * ' Der Bersteigerungsvermerk ist am 8. Mai 1915 in das Grundbuch eingetragen worden. ES ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des BersteigerungSvermerkS aus dem Grundbuch« nicht ersichtlich waren, spätestens im V«. steigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten anzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls die Rechts, bei der Feststellung beg geringsten Gebotes nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dan Ansprüche deS Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden; ferner werden biejtmgen, welches «in der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, auf. gefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes treten wird. ────────── Bekanntmachung. Biehmärkte in Laubshut betr. Nachdem die Maul- und Klauenseuche im Stadtbezirke Landshut wieder erloschen ist, werden die Biel,markte in Landshnt wieder regelmäßig abgehalten. Nächster Kleinvieh-«. Ferkelmarkt, Freitag, be» 14. Januar 1916 Nächster Grotzviehmarkt (Monatsviehrnarkt) Mittwoch öen 3. Febrnar 1916 1. Fastenviehmarkt (Großviehm.) Mittwoch, d. 16. Februar 1916 2. Fastenviehmarkt (Großviehm.) Mittwoch, b. 15. März 1916. Vorlage von Ursprungszeugnissen ist für jeden Markt erforderlich. Landshut, den 8. Januar 1916. Stadtmagistrat. Marschall. Schwarz. ────────── Der Krieg mit Italien. Tie Billa d'Este beschlagnahmt. Mailand, 8. Jan. Der Bürgermeister von Tivoli beschlagnahmte die Villa d'Este, das Eigentum des österreichisch-ungarischen Thronfolgers, für bürgerliche und militärische | Zwecke. (Z.) i Italienische Klagen über die Entente. Bern, 8. Jan. Corr. della Sera be­ dauert, daß von der Entente der Balkän rmimiev vernachlässigt worden sei und hofft, daß nicht auch für die albanische Frage sich das wie­ derholen werde. Eigentlich habe die Entente bis jetzt herzlich wenig für die Adriagebiete getan. Es genüge, daran zu erinnern, daß sie trotzdem der Lovzen von ihr selbst als ungemein wichtiger Punkt für die Beherrschung Cattaros von der Landseite her bezeichnet wor­ den sei, zuließ, daß die Montinegriner nicht instand gesetzt wurden, diese großartige öster­ reichische Marinebasis vom Lovzen aus an­ zugreifen. Montenegro habe zu 'Ariegsbeginn von Frankreich lediglich einige Kanonen er­ halten, die nicht nur zum Angriff, sondern auch zur Verteidigung vollständig ungenügend waren. Es seien nur alte Kanonen gewesen, die lediglich gut waren, durch! iht schwarzes Pulver die Stellungen der Montenegriner zu verraten und leicht von großkalibrigen öster­ reichischen Schiffsgeschützen zerstört werden konnten. Dies erscheine beinahe unglaublich und beweise, bis zu welchem Punkte der Des­ organisation die Entente gekomchien fei.