Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-01-25. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 18, 1916-01-25. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Skutari in österreichisch-ungarischen Handen. — Die Entwaffnung Montenegros vollzieht sich ohne Reibung. — Rege FliegeriStigkeit an allen Fronten. — Deutscher Flieger­ angriff auf Dover. — Ein englisches Transportschiff Sei Saloniki torpediert. Im Westen füllten Artillerie- und leb­ hafte Fliegerkämpfe die Kampftätigkeit aus. Ein feindliches Geschwader belegte Metz mit Bomben, wobei eine in das bischöfliche Wohn­ gebäude und eine in 'einen Lazareithof sieh. 2 Zivilpersonen würden getötet, 8 verwundet. Eines der Flugzeuge konnte abgeschossen wer­ den. Unsere Flieger bewstrfen Bahnhöfe und sonstige militärische Anlagen hinter der feind­ lichen Front, wdbei sie in mehreren Luftkämpsen die Oberhand behielten. ' Unsere Flieger richteten auch wieder einen Angriff auf die Ostküste Englands, wobei drei unserer Wasserflugzeuge Bahnhof, Kasernen und Dockanlagen von Dover und die Luftschiffhalle bei Hougham (westlich von Dover) erfolg­ reich mit Bomben belegten. Um den englischen Lügen vorweg den Boden zu ent­ ziehen, konstatiert der Bericht ausdrücklich!, daß starke Brandwirkungen beobachtet worden sind. Im Osten schoß unsere Artillerie einen russischen Eisenbahnzug nördlich von Düna­ burg in Brand. ( Vom Balkan kommt seit langer Zeit wie­ der eine Meldung. Feindliche Flieger, die von griechischem Gebiete aufgestiegen wären, bewarfen Monastir mit Bomben, wodurch meh­ rere Zivilpersonen getötet oder verletzt tolorf den sind. : Die Meldungen aus Montenegro erweisen sich immer mähr als Sensationen. Richtig dürfte nur sein, daß Nikita das Land ver­ lassen hat — ob aus Falschheit oder Tücke oder gezwungen, muß sich erst erweisen —, alles andere aber war Theatermache. Fand schon die Nachricht, daß das "montenegrinische Heer" weiterkämpfen wolle, wenig Glauben, so war die Phrase von dem Aufhalten der österr.-ungar. Truppen erst recht nicht von Dauer. Eine Sondernachricht, die gestern amt­ lich aus Wien kam, konstatiert ausdrücklich, daß die Entwaffnung des Landes ohne Stö­ rung vor sich gehe und zudem die österv.-ungar. Truppen Niksic, Danilwtzoad und Podgorica besetzt und damit die wichtigsten Plätze Mon­ tenegros und ebenso Skutari im benachbarten Albanien, die Sehnsucht Montenegros, in Be­ sitz genommen haben. Morgen Mittwoch soll im englischen Untevhaufe der von sieden Unionisten eingebrachte Antrag zur 'Verhandlung gelangen, welcher die Regierung auffordert, die Blockade gegen Deutschland "so wirkungsvoll wie möglich aus­ und zu Taten aufschwingen. Mit Worten ist gegen die Engländer nichts auszurichten, das könnten auch die Neutralen in den 18 Kriegs­ monaten gelernt haben. Bericht -er betttfflen Wprtiers. WTB. Berlin, 24. Januar, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegrWnM. Rege Artillerie- und Fliegertätigkeit auf beiden Seiten. Ein feindliches Geschwader bewarf Metz mit Bomben, von denen je eine auf das bischöf­ liche Wohngebäude und in einen Lazaretthof fiel. Zwei Zivilpersonen wurden getötet, 8 verwendet. Ein Flugzeug des Geschwaders | würde im Luftkampf abgeschossen, die Insassen sind gefangen. 1 : Unsere Flieger bewarfen Bahnhöfe und militärische Anlagen hinter der feindlichen Front; sie behielten dabei in einer Reihe von Luftkämpfen die Obevhand. zugestalten, ohne dadurch die normale Einfuhr der Neutralen für den Bedarf im Jnlande zu beeinträchtigen." Tie vorangegangenen Preßerörterungen lassen deutlich erkennen, daß nur der erste Teil des Antrages, nicht aber der zweite ernst gemeint ist. Auf die Rechte der Neutralen pfeift England ebenso wie auf das Völkerrecht überhaupt. Im übrigen versicherst die Londoner Presse, daß die Annahme des An­ trags zweifellos sei, daß das Parlament "die kräftigste Polirtik, welche die Minister einschla­ gen können, urm "Deutschland die Daumschrau­ ben anlegen zzu können" unterstützen werde. Zn der Tat, am diesem "guten Willen" ist nicht zu zweifeln, obwohl die Taumschrauben, die man hier 'freundlicherweise Deutschland an­ legen will, zugleich Taumschrauben für die handeltreibenden Neutralen bedeuten. Wenn im übrigen angekündigt wird, daß Sir Ed­ ward Grey im Laufe der Tebatte eine "wichtige Rede" ihalten werde, so hat man Anlaß, die­ ser Rede mit Interesse entgegenzusehen. Tenn vielleicht wird man daraus entnehmen, wie der "finstere Lügner" — so nannte ihn ein engli­ sches Blatt — sich jetzt zu den Erklärungen stellen wird, die er zu Beginn dieses Welt­ krieges losließ. Damals versicherte er, daß England das Schwert gezogen habe, um Frei­ heit und Recht im allgemeinen und Belgiens Neutralität im besonderen zu schützen. Unter­ dessen 'hat aber Greys Kollege, der Handelsmi­ nister Runciman, offenherzig das Kriegsziel Englands verraten, das darin bestehe, "dieWiedergeburt der deutschen Kraft nicht zuzulassen. Man muß dafür sorgen, daß nach dem siegrei­ chen Ende des Krieges Deutschland sein Haupt zu einem wirtschaftlichem Kriege nicht erhebe." Schon vorher hat ein hoher englischer Gerichts!hos, der Appellhof beim "Supreme Court of Judieature", den Lieferungsvertrag zwischen einer deutschen und einer englischen Firma für rechtsungültig erklärt auch für die Zeit i, nach dem Kriege mit der ausdrücklichen Bel gründung: "Einen solchen Vertrag anzuer­ kennen und ihm Wirksamkeit zu geben durch Annähme, daß er für die Bertragsteile rechts­ gültig geblieben sei, heiße das Ziel dieses Lan­ des, die Lähmung des feindlichen Handels ver­ eiteln." Nun, wir wissen uns damit abzu­ finden, umsomehr als uns der Anschluß an unsre südlichen Verbündeten längst gegen eng­ lische Willkürakte sicher gestellt hat. Tie NeuI traten aber welche die einzigen Leidtragenden | sein werden, müssen sich eben selbst rühren ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. und zu Taten aufschwingen. Mit Worten ist gegen die Engländer nichts auszurichten, das könnten auch die Neutralen in den 18 Kriegs­ monaten gelernt haben. Bericht -er betttfflen Wprtiers. WTB. Berlin, 24. Januar, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegrWnM. Rege Artillerie- und Fliegertätigkeit auf beiden Seiten. Ein feindliches Geschwader bewarf Metz mit Bomben, von denen je eine auf das bischöf­ liche Wohngebäude und in einen Lazaretthof fiel. Zwei Zivilpersonen wurden getötet, 8 verwendet. Ein Flugzeug des Geschwaders | würde im Luftkampf abgeschossen, die Insassen sind gefangen. 1 : Unsere Flieger bewarfen Bahnhöfe und militärische Anlagen hinter der feindlichen Front; sie behielten dabei in einer Reihe von Luftkämpfen die Obevhand. ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. und zu Taten aufschwingen. Mit Worten ist gegen die Engländer nichts auszurichten, das könnten auch die Neutralen in den 18 Kriegs­ monaten gelernt haben. Bericht -er betttfflen Wprtiers. WTB. Berlin, 24. Januar, mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KriegrWnM. Rege Artillerie- und Fliegertätigkeit auf beiden Seiten. Ein feindliches Geschwader bewarf Metz mit Bomben, von denen je eine auf das bischöf­ liche Wohngebäude und in einen Lazaretthof fiel. Zwei Zivilpersonen wurden getötet, 8 verwendet. Ein Flugzeug des Geschwaders | würde im Luftkampf abgeschossen, die Insassen sind gefangen. 1 : Unsere Flieger bewarfen Bahnhöfe und militärische Anlagen hinter der feindlichen Front; sie behielten dabei in einer Reihe von Luftkämpfen die Obevhand. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Schlich« MgrschWlch. Nördlich von Dünaburg würde von unserer Artillerie ein russischer Eisenbahnzug in Brand geschossen. Balkankriegsschauplatz. Ein von griechischem Boden aufgestiege­ nes feindliches Flugzeuggeschwader belegte Bitolj (Monastir) mit Bomben. Mehrere Ein­ wohner sind getötet oder verletzt. | Oberste Heeresleitung. Angriff deutscher Flieger auf Dover. i WTB. Berlin, 24. Januar. In der Nacht vom 22. aus 23. Januar belegte eines unserer Wasserflugzeuge den Bahnhof, Kaser­ nen und Dockanlagen von Dover mtt Bombest. Außerdem haben am 23. Januar nach­ mittags zwei unserer Wasserflugzeuge die Lustschisfhalle von Hougham (westlich Dover) mit Bomben belegt. Starke Brandwirkuug wurde einwandfrei festgestellt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. Ser östm.-W. Heeresbericht. WTB. Wien, 24. Januar, mittags. — Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Annäherungsversuche des Feindes im Ab­ schnitt Laufraun und ein neuerlicher Angriff einer italienischen Abteilung am RambonHange tourben abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Gestern abends hatten b'ir Skutari be­ setzt. Einige Tausend Serben, die die Be­ satzung des Platzes gebildet hatten, zogen sich, tifyne es auf einen Kampf ankommen zu las­ sen, gegen Süden zurück. Ueberdies sind unsre Truppen im Laufe des gestrigen Tages in Nikfic, Tanilowtzrad und Podgorica eingerückt. Tie Entwaffnung des Landes vollzog sich bis zur Stunde ohne Reibungen. An einzeltien Punkten haben die montenegrinischen Ab­ teilungen das Erscheinen unsrer Streitkräfte erst gar nicht abgewartet, sondern haben die Waffen vorher niedergelegt, um heimkehren zu können. Anderseits zog der beitaus größte Teil die Kriegsgefangenschaft der ihnen freigestell­ ten Heimkehr vor. ( Tie Bevölkerung empfing unsre Truppen überall freundlich, nicht selten mit Feierliche feit. Ausschreitungen, b'ie sie beispielsweise in Podgorica vorgekommen baren, hörten auf, sobald die ersten österr.-ungar. Abteilungen erschienen. Bet stellvertretende Chef des Generalstabesr v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. ────────── i Bündnisses ist, erklärt der Chefredakteur des "Uamato" offen, daß die Ententemächte diesen Krieg verlieren und sagt, daß selbst, wenn der Konflikt unentschieden enden sollte, Japan und England nicht imstande sein werden, in freundschaftlichen Beziehungen zu verbleiben. Japan wie Deutschland (?) befinden sich in der Zwangslage nach Expansion zu streben. Deshalb ist Englands traditionelle Politik, die gegenwäritgen Verhältnisse ausrecht zu erhal­ ten, für Japan unvorteilhaft. Das englisch­ japanische Bündnis hat Japan zum Verteidiger von Englands Interessen in Indien gemacht. Als der Vertrag erneuert würde, sagte sich England von jeder Verantwortung los, im Falle Japan und die Vereinigten Staaten zum Kriege kommen würden. "Uämato" führt weiter aus, daß die Teutschen stärker gewor­ den waren als es England lieb war, und daß England begonnen habe, die japanische Expansion in Indien, China und der Südsee tzu befürchten. Tie Schlußfolgerung des Chef­ redakteurs des "Uamato" ist, daß der Krieg enden wird, indem eine der verbündeten Na­ tionen sich von dem Londoner Abkommen zu­ rückziehen wird. "Uamato" deutet an, daß es nach dem Kriege zu einer Annäherung zwi­ schen Deutschland und Rußland kommen wird und befürwortet ein Bündnis zwischen Ruß­ land, Deutschland und Japan auf der Grund­ lage, daß Deutschland und Rußland freie Hand in Westasien und Indien bekommen und Ja­ pan in China. "Uamato" veröffentlicht eine Rundfrage, an der viele hervorragende Per­ sönlichkeiten sich beteiligt haben. Als erster äußert sich der Präsident des Abgeordnetenj Hauses Shimada in einem vorsichtigen Auf­ satz, dessen Hauptpunkt ist, daß der Krieg zu Japans Gunsten enden wird, weil er die euro­ päischen Mächte erschöpfen wird. Tic Entente wir» bescheiden. "Pol, Hir." meldet aus dem Haag: Anfang Frühjahr berden die Franzosen und Engländer an der Westfront, die Russen im Osten und Süden und die Italiener an der österreichi­ schen Front gleichfalls eine große allgemeine Offensive ergreifen. Ties bürb die erste ge­ meinsame Aktion der Entente sein, die der gemeinsame Kriegsrat leitet und bis zu den kleinsten Einzelheiten ausarbeiten wird. Man erhofft sich dadurch eine Aenderung der mili­ tärischen Lage. Die Entente ist nicht bestrebt, deutsches oder österreichischt-ungarisches Gebiet zu besetzen, sondern sie will bloß erreichen, daß die deutschen Truppen nach Deutschland zurückgedrängt werden. Wenn man dieses Ziel verwirklichen könne, so wird die Grundlage für einen Frieden geschaffen sein. — Warum auf einmal diese große Bescheidenheit? (Z.) Tie Stimmung in Japan. (Durch Funkfpruch von dem Privatkorckefpondenten des WTB.) Der Hearstsche Internationale Nachrichten­ dienst meldet aus Tokio: Mit großer Erbit­ terung wird in einem Teil der Tokioter Prsesse ein Feldzug gegen das englisch-japanischeBündnis geführt. Wenn diese Angriffe auch einen gewissen Grad von deutschfreundlichen Sympa­ thien, die in gebissen japanischen Kreisen herr­ schen, wiederspiegeln, so sind sie doch haupt­ sächlich durch das Empfinden inspiriert, daß England einer vollständigen Durchführung der japanischen Politik China gegenüber im Wege steht. Keine amtliche Stimme hat sich erhö­ hen, um diese Angriffe gegen England nicht einmal die erbittertsten unter ihnen, zu beant­ worten. Das Blatt "Yamato Shimbum" er­ klärt in einer Reihie von Artikeln, betitelt "Eine Botschaft an England", daß der Verlauf des Krieges das japanische Volk vollständig enttäuscht hat, welches erwartete, daß der Kamps innerhalb einiger Monate vorüber sein würde. Obgleich Japan Mitglied des großen ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Boa Kkftlichea MMMM. Broitkonflikte in Toulouse. Privatnueldungen deutscher Blätter be­ richten von einem ernsten Konflikt in Toulouse. Tort regelten behördliche Verordnungen die Brotbäckerei unter Bedingungen, mit denen sich die Bäcker nicht einverstanden erstarrn konnten. Wegen der allgemeinen Teuerung beanstandeten sie die Anordnung besonders be­ züglich Gasbeleuchtung und Brennholz. Ver­ suche der Handelskammer, den Zwist beizulegen, scheiterten an dem Widerstand des Bäckersyn­ dikates, das mit Ladenschließung und Ofen­ löschung ab 23. Januar drohte. Da auch die Behörden nicht nachzugeben erklärten, nahm das Generalkommando die Angelegeüheit in die Hand und beauftragte 86 Bäckereien, die Brotherstellung zu übernehmen. (Z) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Boa östlichen KriegssAAT ZmtWetter in Rußland. Die "Köln. Ztg." meldet aus Kopenhagen: "Berlingske Tidende" berichtet aus Peters­ burg: Im ganzen Südteil der Poletzje, im Gebiet der Rokitnosümpfe und in der Gegend I des Oginskikanals ist plötzlich heftiges TauWetter eingetreten, das von rasenden Schnee­ stürmen unterbrochen Wird. Das ohnehin schwierige Gelände ist dadurch so ungangbar geworden, daß gegenwärtig weder von militä­ rischen Operationen noch von Rekognitionen die Rede sein kann. (Sl) ────────── Der Krieg mit Italien. Der Stieg mit 3toticn. Tie amerikanische Diplomatie im Dienste der Entente. Nach dem Beschlusse des italienischen Mi­ nisterrates, Albanien unter allen Umständen zu halten, werden nunmehr die Vorbereitungen zur Verstärkung der albanischen Expedition I fieberhast betrieben; Salandra schob seine Reise nach Turin auf, der ganze Samstag War von Beratungen zwischen Salandra, Sonnino, dem Kriegsminister und dem Marineminister unter Teilnahme höherer Offiziere und Spezialkommissäre von Albanien angefüllt. Von fremden Botschaften empfing Sonnino außer dem englischen auch den amerikanischen, der angeblich Informationen zur Verfügung stellte, die sein soeben nach zweimonatigem Aufenthalt aus Albanien zurückgekehrter Kollege George Lorillard, bisher Gesandter am serbischen Hofe, mitgebracht hat — ein neuer Beweis für die Dienste, die die amerikanische Diplomatie der Entente erweist. ("Franks. Ztg.) (Z.) Serbische Abgeordnete in Rom. Nach dem "Seeolo" sind in Rom 70 ser­ bische Abgeordnete, darunter zwei ehemalige Minister zu mehrtägigem Aufenthalt ange­ kommen. (Z.) ────────── tralität aufgeben wird. Rach Rumänien be­ fragt, äußerte sich der Ministerpräsident, die Lage sei befriedigend, das Verhältnis normal, tote ja auch daraus hervorgehe, daß Rumä­ nien die Lebensmittelaussuhr nach Deutschland und Oesterreich-Ungarn gestatte. Die innere Lage Bulgariens sei durchaus befriedigend. Bulgarien habe dank seiner tapferen Armee schon mehr erreicht, als es früher! erwarten konnte. Unzufrieden damit könnten nur unsre Feinde sein. Auch für die kommenden Ereig­ nisse hat der Ministerpräsident die besten Hoffnungen. Die Kammer, die jetzt wieder zusammentrete, werde nur kurze Zeit tagen, da sie nur einige kleinere Gesetzentwürfe tzu erledigen habe. Für einen späteren Zeitpunkt werde sie dann wieder einberufen werden. (Z.) Frankreich abgelwiesen worden. Anch spre­ chen die Athener Blätter von einem Minister­ wechsel zugunsten Giolittis. (Z.) Fort aus Saloniki. Große Erbitterung erregt in Paris eine halbamtliche Auslassung der römischen Regie­ rung, die darlegt, daß das ganze SalonikiUnternehmen verfehlt sei, da es erstens zu spät und zweitens mit ungenügenden Mitteln unternommen worden sei. Das Unternehmen sei die Wurzel allen Uebels, das der Entente aus dem Balkan begegne. (Z.) Tie Lan-verbin-nng Saloniki—Athen. Der "Berl. Lok.-Anz." meldet aus Rotter­ dam: Die "Times" berichten aus Athen: Die griechische Regierung wird die Vollendung der Eisenbahnstrecke Larissa—Werria, welche Sa­ loniki zu Lande in direkte Verbindung mit Athen bringt, beschleunigen, so daß der Be­ trieb Ende Februar eröffnet werden kann. (Z.) König Konstantin über Sie Lage.. Reuter meldet aus Athen: Die Erklärung des Belagerungszustandes ist wahrscheinlich. König Konstantin erklärte einem Korrespon­ denten des "Ruskoje Slovo", er werde dem daraus bezüglichen Vorschlag des Kabinetts beistimmen; es sei keineswegs beabsichtigt, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken. Er könne aber nicht zulassen, daß gewisse Blätter fremde Regierungen geradezu anspornen, die griechischen Hoheitsrechte zu kränken. Ster Belagerungszustand werde dergleichen Miß­ bräuchen ein Ende machen. '(Z.) Scharfer Tadel der griechischen KöniginWitwe. Wie verlautet, hat sich die Königin-Witwie von Griechenland, die bekanntlich eine ge­ borene russische Großfürstin ist, in Privat­ briefen an Angelhörige des russischen Hofes in schärfsten Worten gegen das rücksichtslose Verhalten der Entente gegenüber Griechen­ land geäußert. (Z'.) Ministerpräsident Radoslamiow über Bulgarien Sofia, 25. Januar. Ministerpräsident Radoslawow empfing am Samstag abends et­ liche bulgarische Abgeordnete, die sich gerne über die Lage unterrichten wollten. Ueber die Zusammenkunft in Risch äußerte sichl der Ministerpräsident sehr befriedigt und hob be­ sonders hervor, daß auch der deutsche Kaiser! von der bulgarischen Armee besonders ent­ zückt gewesen sei. Bezüglich Griechenland meint der Ministerpräsident, es sei nicht wahr, wie die Ententepresse behaupte, daß Griechen­ land zum Vorgehen gegen Bulgarien bereit sei. Site griechische Armee stehe ganz zum König und die Politik des Königs sei bekannt genug. Ich glaube aber nicht, meint der Mi­ nisterpräsident, daß Griechenland seine Reu— Der mitte MW. Roman von Horst Bodemer. 12j (Nachdruck verboten.) Und nun sah er, wie sie mit Tränen kämpfte. Das durfte nicht sein! Seine Frau mußte stark sein für den großen Empfangs. "Dir das Leben zu verschönen, wird meine Kräfte stärken. Jetzt erst hat das Dasein wirk­ lich Zweck für milch." Ter Weg machte eine Biegung, Blottstedt lag vor ihnen, das massige Schloß tauchte aus demGrün der Bäume auf, vom Turnte flat­ terte die Jähste. Einen Truck fühlte Joachim aus der Brust. Wie lange würde dort ihre Heimat fein? War er nicht mehr, mutzte sie ins Gehrhofer Herrenhaus übersiedeln. Aus der anderen Seite lag es, hinter den Wäldern!. Tort war der Witwensitz des Geschlechts von jeher, und die Blottstedter Hausgesetze ließen keinen weiten Spielraum, genau war in ihnen sogar angegeben, wieviele Stiegen Eier im Monat der "nachgelassenen" Gattin des Majoratsherrn zu liefern seien. Vom Dorfeingange bis zur Freitreppe des Schlosses hatten die zum Majorate Gehöri­ gen Aufstellung mit ihren Familien genom- ────────── Der Krieg mit England. Respekt vor unseren Geschützen. Der "Köln. Volksztg." zufolge berichten sämtliche italienische Korrespondenten in Lon­ don übereinstimmend von der großen Angst der Engländer vor den weittragenden deut­ schen 17-zölligen Schiffskanonen. Tie Flortenossiziere beklagen sich, daß die Admiralität sie über diese hochwichtige Tatsache im Dunkeln lasse. (Z.) Ein Seemann gesucht. Ter "Berl. Lok.-Anz." meldet aus Rot­ terdam: Archibald führt im "Telegraph" aus, daß jetzt an die Spitze der englischen Marine ein Seemann gehöre, der die Flotte ganz in der Hand habe und auch über die nötigen mili­ tärischen Eigenschaften verfüge. Er wäre der Mann, um die Blockade gegen Deutschland rück­ sichtslos durchzusetzen. Ter "Telegraph" nennt seinen Kandidaten nicht, es ist aber zweifellos, daß Lord Fisher gemeint ist. (Z.) Schließung -er englischen Musceen. Aus London wird berichtet: Vor einiger Zeit wurde die nationale Portrait-GaÜerie in London geschlossen. Gegen Ende dieses Mo­ nats wird die bekannte große Wallace-Sammlung geschlossen werden und bald dürfte, wie die "Times" sagen, auch die Schließung des hritischen Museums erfolgen. Das Blatt er­ fährt, daß, wenn auf diese Weise eine bedeu­ tende Summe erspart Mrden kann, sämtliche Neusten im ganzen Lande geschlossen werden sollen. (Z.) ────────── Der Krieg zur See. 9er Krieg zur See. Torpedierung eines engl. Transportschiffes. Mailand, 24. Januar. Zur Torpedie­ rung eines englischen Transportschiffes durch! ein deutsches Unterseeboot bei Saloniki erfährt der "Corriere della Sera" noch folgende Ein­ zelheiten: Die Torpedierung des Transport­ schiffes, das von England kam, erfolgte gestern früh außerhalb des Salonikier Hafens. Das Schiff hatte 100 Soldaten und 150 Mann Besatzung an Bord, sowie 200 Maulesel und Munition. Es entstanden keine Verluste an Menschenleben. Man versucht einen Teil der Munition, sowie das Schiff zu bergen. Tie Unterseebootsgefahr. Rach Schweizer Blättern hat das Auf­ treten von Unterseebooten im Mittelmeer zum Aufschub der Abreise sphr vieler Dam­ pfer der Südroute geführt. Ein Unterseeboot Wurde an der Westküste Sardiniens gestehn. Ta zahlreiche Kohlendampfer erwartet wer­ den, herrscht in italienischen Reederkreisen größte Beunrühigung. (Z.) Auf Grün- geraten. K a r l s h a m m, 24. Januar. "Ritzaus Bureau" meldet: Der Hamburger Dampfers "Steinreis" (?) ist letzte Nacht bei Karlshamm auf Grund geraten. Rettungsdampfer sind bei ihm eingetroffen. ────────── Tages-Uebersicht. Tsges-AeberW. Tie Preise für Speiseöle. Di - Preise für Speiseöle haben in letzter Zeit eine- durch die Sachlage nicht gerechtfertigte Steigerung er­ führen. Wie das WTB. hört, wird seitens her Reichsregierung die Frage bed Preisbin­ dung für Speiseöle eingehend erwogen. (Amt­ lich.) Bolksernälhrung. In der am Samstag im Reichsamt des Innern abgehaltenen Sitz­ ung des Beirates für Volksernährung wurde zunächst die Höchstpreisfestsetzung für Gemüse besprochen. An zweiter Stelle standen die zur Steigerung des Zuckerrübenbaues für nolwendig erachteten Maßnahmen. Schließlich! wur­ de die Versorgung der Bevölkerung mit Spersetarroffem sowie Die SicherfleUung von Kartosteltrockenerzeugnlfsen für die Drorstreckung erörtert. ────────── Tie Eisenbähner im Dienste Des Bater« landes. Ter Landesverein der bayerischen Lo­ komotivführer hat bis jetzt die stattliche Summe von 70000 Mark gesammelt und dem Hilfs­ verein üBettetefen. Der Deutsche Lokomotivsührerverein, Reichsverband, hat bereits 1,5 Millionen Mark aufgebracht. Außerdem wurde ein eigener Lazarettzug gestiftet. Münchener Pfeiwelotterie. In Aenderung desVerlosungsplanes der Münch. Pferdelotterie Wird genehmigt, daß an die Stelle der 40 Hauptgeswinnste, die in Pferden und Equipa­ gen bestechen sollten, 40 Haupt-Geld-Gewinne in der vollen Höhe der int Verlosungsplane für -diese Pferde und Equipagen vorgesehenen An­ kaufspreise treten. ────────── Allerlei. Allerlei. Selbstmord. Ein Unbekannter brachte sich in der Rüche der Thalkirchner Brücke in Mün­ chen einen Schuß bei und suchte dann im Werk­ kanal den Tod. Explosion. In Nürnberg ist der 38jahr. Mechaniker Leonhard Armbrust, dev in un­ vorsichtigerweise sich an einem Granatzünder zu schaffen machte, Wobei der Zünder explo­ dierte und Armbrust schwer verletzte, imKrankeüchaus gestorben. Das späte Geständnis des Mörders. Vor 25 Jähren würde ein 24jähr. Bauernmädchen von Bielotin in Böhmen im Wald bei Dobrawa verbrannt aufgefunden. Der Mörder) hatte sein Opfer mit Petroleum übergössen und die Leiche angezündet. Nun hat ein we­ gen Toppelmordes verhafteter Mann namens Karl Kaspar das Geständnis abgelegt, vor 25 Jahren das Mädchen ermordet zu haben . Bon einer Lawine getroffen. Ein Eisen­ bahnzug ist 120 Meilen von Seattle in Nord­ amerika int Gebirge von einer Lawine getrof­ fen worden. Zwei Wagen sind in einen 19 Meter tiefen Abgrund geMrzt. 14 Personen wurden getütet, viele sind verletzt. ────────── Niederbayerische Nachrichten. MdeMerW MchMea. Steinach, 25. Januar. (Eine brütende Fa­ sanhenne) im Monat Januar ist eine große Seltenheit. Eine solche Henne befindet sich im hiesigen Schloßpark. Es dürfte diese Mit­ teilung für die Jägerwelt gewiß von Inter­ esse sein. ^ ’ 1 ────────── (Wattige Mitglieder eingefunden und bekunde­ ten damit ihr reges Interesse an dem Bestre­ ben der Vereinigung. Aus dem vom Kassier erstatteten Bericht ging hervor, daß die Fi­ nanzlage der Vereinigung trotz ihres erst zwei­ jährigen Bestehens eine sehr gute ist; es konn­ ten bereits 600 Mark verzinslich angelegt und mehrmals Unterstützungen an hilfsbedürftige Kameraden und Witlwen und ein namhafter Betrag für die Kriegsfürsoyge geleistet »wer­ den. Tie Vereinigung zählt 345 Mitglieder und hat im verflossenen Jahre durch Tod 7 Mitglieder verloren. Tie bisherige Vorstand­ schaft Würbe wieder gewählt. Herr Wachtmei­ ster Heindl von Plattling sprach der Vor­ standschaft für die umsichtige Leitung seinen Tank aus, gab dabei seiner Freude über das Gedeihen der Vereinigung in zündenden Wor­ ten Ausdruck und schloß mit einem Hoch auf dieselbe. ────────── Stadttheater. Eine Novität brachte uns am letztenSonntag das Gastspiel verschiedener MünchenerBühnenkünstler unter Direktor Wesselskys 'Lei­ tung: "Tie Hochzeit der Maria", ein zweiaktiges Schicksalsspiel von Viktor Georgen . Tie Handlung ist natürlich der jetzigen Kriegszeit entnommen und führt uns die Tragödie zweier Liebenden vor, die der Krieg Wieder Zusammen­ führte, um sie mit rauher Hand zu trennen. Der; Autor schöpft aus tiefem, düsteren Ernste und malt Stimmungsbilder, die ihre Wirkung auf die Hörer nicht verfehlen; nur finde ich die Handlung in einen zu kleinen Rahmen zusam­ men gedrängt. Ein dritter Akt würde der Ge­ schick und bühnenwirksamen Blick verratenden Arbeit sicher zustatten kommen und hätte auch noch den Vorzug, das Stück zu einem abendfül­ lenden zu machen. Tie Darsteller waren sicht­ lich mit Lust zur Sache um einen Erfolg be­ müht. Frl. Tielmann als schlichte, tiefemp­ findende Maria gab dem Trauerspiele Stim­ mung, an 'Der auch Herr Hofschauspieler Gel­ dern mit seinem temperaimjentvollen Helden Rolf Sendmann regen Anteil,hatte. Herr Di­ rektor Wesselskh nahm sich neben der Bäterrolle (Wälder) noch die Zeit zu einer liebevol­ len, sorgfältigen Inszenierung, während Frau Stettner-Hagen das deutschpolnische Dienstmäd­ chen und Herr Ausselder den Mitkämpfer und Kameraden Rolfs treffend charakterisierten.Mit den Tarstellern konnte sich auch der Dichter an der Rampe zeigen. Das rasche Vorhäng­ aufziehen am Schlüsse nach- der Sterbeszene störte die Illusion ziemlich stark. Unverständ­ lich ist mir die Wahl des darauf folgendenStük-' kes Nestrohs Posse "Frühere Verhältnisse" mit den krassen Gegensätzen, die zu der Novität patzte, wie Faust aufs Auge. Dadurch erhielt Das künstlerische Niveau des Unternehmens ei­ nen herben Stoß. Man kann und soll unmög­ lich an einem Abende dem verschiedenartigen Geschmacke eines Publikums Rechnung tragen. Tie Geschichte des gebildeten Hausknechtes mit fthren zitatenreichen Soloszenen patzt wirklich nur in frühere Theaterverhältnisse, möge man den s. Zt. oft und erfolgreich aufgeführten Ulk jetzt ruhig den Liebhaberbühnen überlas­ sen. Dem Können des Herrn Hofschauspielers Stettner fönte man doch eine würdigere Auf­ gabe stellen, als die des verbummelten Situatipnskomikers Muffls. Mit der derben Soubret­ tenpartie der dramatischen Köchin Pepi, die «eine gewandte Darstellerin verlangt, erweist man einer Anfängerin (Frl. Sott) keinenDienfl. Frau Stettner-Hagen und Herr Ausfelder be­ mühten sich eifrig um das Parvenü-Ehepaar Scheitermann. Tas gut besetzte Haus schien an den grellen Kontrasten wenig Freude zu fin­ den. Hg. j ────────── Landgericht Landshut. (Sitzung vom Freitag, den 21. Januar 1916.) Freigesprochen wurden der Zimmehmann Michael Hollmeier von Warth wegen Werbrechens wider die Sittlichkeit und der Unterhändler Georg Binder! von Wils­ biburg wegen Vergehens wider das Kriegszu­ standsgesetz. , I , : ; , - ; Die Berufung des Metzgers Joh. Pfahjj ler von Hohenberg wegen Bettels wurde ver| worfen. 4 Wochen Haft. I Erhärt Georg, Handelsmann von Mün- chen wurde wegen Urkundenfälschung zu einem I Jahre Gefängnis verurteilt. I Ter Dienstknecht Jakob Schauer vonMoosj bürg wurde wegen Sittlichkeistverbrechens zu | 7 Monaten Gefängnis und der Söldnerssohn ! Georg Förster von Ergolding wegen Diebstahls £ zu einer Woche Gefängnis verurteilt. ! Verworfen wurde die Berufung des Metzf gers Alexander Putz von Regen wegen BetI tels, 3 Wochen Hast. Ebenso die Berufung S der Söldnersfrau Maria Rohrmeie» von f Ascholtshausen wegen Beleidigung des Gen=i darmerie-Sergeanten Georg Weidhas von WalI lersdors. ────────── spielt %. B. "Rosmersholm" in der Gegend hon Molde. Molde, t>a§ nicht ganz 3000 Ein­ wohner hat, liegt südlich von Christiansund und an der großen Schiffsroute von Bergen nach Trontheim. Ein dreijähriger Schulstreik. In aller Stille hat die italienische Regie­ rung im eigenen Lande einen Separatfrie­ den geschlossen oder, richtiger gesagt, schlie­ ßen müssen, einen Friedensschluß, von dem man freilich aus gutem Grunde nicht viel We­ sens macht. Es ihandelt sich um die Beilegung eines Schukstreiks, der seit drei Jahren "in Biella tobte und der zum Zwecke der Boykot­ tierung einer mißliebigen Lehrerin der Schule des Ortes durchgeführt Wurde, ohne daß die Regierung dagegen etwas zu tun vermochtet. Tie junge Dame, namens Orsolina BrunoPentre, die es nicht verstanden hatte, sich die Liebe ihrer Zöglinge und das Vertrauen der Eltern zu gewinnen, 'war bald nach ihrem Amtsantritt in Acht und Bann getan Worden, und die Dinge nahmen schließlich so scharfe Gestalt an, daß allmorgentlich wenn die Leh­ rerin in das Schulzimmer trat, die Kinder Wie auf Verabredung das Lokal verließen und nach Hause gingen. Die Familien des Ortes, die in der Lage dazu Waren, schickten ihre Kin­ der in einem anderen Orte zur Schule, Wäh­ rend die Mehrzahl ihre Kinder drei Jahrse lang einfach ohne Unterricht ließ. Diesen un­ haltbaren Zuständen gegenüber mußte sich das italienische Kulutsministerium ln feinem Un­ vermögen, dem Unfug 'zu steuern, schließlich zu dem Opfer verstehen, die Lehrerin zu ver­ setzen, um damit der Bevölkerung Genugtuung und den Kindern Wieder die Wbhltat eines geordnetenUnterrichts zu verschaffen. Als schmei­ chelhaftes Zeugnis für die lateinische Kultur können dieser dreijährige Schulstreik und seine Beilegung nicht eben gelten. Im Flugzeug durch» Ncu-Güinca. Obwohl während der letzten Jahre kein Gebiet unseres Planeten so eifrig durchforscht worden ist wie Neu-Guinea, so ist doch, auch! heute diese Insel, nach Grönland und Baffin­ land die größte der Erde, in ihrem Innern noch größtenteils unbekannt. Tie Schwierig­ keiten ihrer Durchforschung liegen Nicht nur in der Bösartigkeit der Eingeborenen, die Kan­ nibalen sind, sie sind auch in der Unzugäng­ lichkeit der ungeheuren Urwälder zu suchen, in denen das Fieber lauert. Man hat deshalb schon wiederholt den Gedanken gehegt, die Flugkunst hier in den Dienst der geographischen Forschung zu stellen und die Rieseninsel im Flugzeug zu überqueren, ein Plan, der von dem schwedischen Geographen Tr. E. Mjöberg in den letzten Monaten eifrig verfolgt worden ist. Mjöberg hat schon wiederholt Forschungs­ reisen in das Innere von Neu-Guinea unter­ nommen, und kennt genau die dortigen Ver­ hältnisse. Er will nun, was 900 Forschungs­ reisenden — so viele haben sich» bis zum Jahre 1914 dieser Aufgabe gewidmet — bisher nur recht unvollkommen gelungen ist, von den Lüs­ ten aus die Rätsel lösen, die Neu-Guinea im­ mer noch den Geographen ausgibt. Kennt man doch bisher nicht mehr als einen Streifen von 15 OKilometer Breite längs den Küsten. Neu-Guinea ist aber bei NnerLängsausdehnung von 2400 Kilometern bis zu 660 Kilometer breit und hat einen Flächeninhalt von etwa der anderthalbfachen Größe des Deutschen Rei­ ches. Am unerforschte st en ist neben kinem Teil des britischen Besitzes der niederländische An­ teil von Neu-Guinea. Tr. Mjöberg will na­ türlich nicht lediglich eine große Ueberquerung der Insel vornehmen; dabei würde für die Wissenschaft vermutlich» nicht viel herauskom­ men. Möglich» wäre natürlich heute eine solche Ueberquerung ohne Weiteres, und ein Flieger könnte Neu-Guinea an der breitesten Stelle unter günstigen Luftverhältnissen, die in die­ sen Breiten übrigens nur geringen Schwan­ kungen unterliegen, sehr wohl in fünf bis sechs Stunden überqueren. Um aber auch» der geographischen und ethnographischen Einzel­ forschung zu ihrem Rechte zu verhelfen, denkt Mjörberg an eine größere Expedition, deren Mitglieder int Innern der Insel an einzelnen Punkten abgesetzt werden könnten, und von : hier aus, gewissermaßen den Etappenstationen, in die unbekannten Gebiete einzudringen. Nach Mjöbergs Auffassung sind im Innern der In­ seln geeignete Ebenen zur Vornahme gefahr­ loser Landungen vorhanden, und es seien, wie er annimmt, währscheinlich auch Seen vor­ handen, auf' denen Wasserflugzeuge landen könnten. Aber auch für den Fall, daß sich diese Annahmen nicht bewahrheiten sollten, verzweifelt Tr. Mjörberg nicht an einem Er­ folge der von ihm geplanten Flugzeugexpe­ dition. Er rechnet darauf, daß es gelingen werde, beim Fluge über die Insel Photogra­ phien aufzunehmen, die nachher zusammenge­ stellt werden und zur Herstellung einer Karte dienen können. Notwendig dazu wäre natür­ lich eine größere Anzahl kräftiger Flugma­ schinen. Tie für die erfolgreiche Durchfüh­ rung des Unternehmens erforderliche Summe schätzt Tr. Mjörberg aus 350000 bis 450 000 Mark. Wenn er diese Summe zusamlmsenbekommt, so will er das Unternehmen nach Be­ endigung des Krieges verwirklichen. ────────── Letzte Posten. Me Paste«. Blutige Zusammenstöße zwischen Montenegri­ nern und Albanern. Sd. Wien, 25. Januar. Aus demKriegspressequartier wird gemeldet: Unser General­ stabsbericht vom 24. ds. erwähnt am Schlüsse in den Mitteilungen über Montenegro, daß in Podgorica Ausschreitungen vorkamen, die mit dem Erscheinen der ersten österch-ungar. Trup­ pen aufhörten. Soviel bisher bekannt gewprden ist, bestanden diese Ausschreitungen in einem blutigen Zusammenstoß zwischen Monte­ negrinern und den bei Podgorica wohnenden Albanern, der einem bekannten Albanerführerf und seinem Sohne das Leben kostete. Die Ur­ sache ist noch» nicht aufgeklärt. Verschiedene montenegrinische Beamte eilten den anrücken­ den österr.-mngar. Truppen entgegen und ba­ ten deren ^Kommandanten den Einmarsch in Podgorica !gu beschleunigen, damit Aergeres verhütet werde. Unser Einrücken in Podgo­ rica traf die Stadt bereits rühig. Aus »er Gefangenschaft befreit. Berlin, 25. Januar. Tie in montene­ grinische Gefangenschaft geratenen Herrenrieiter Graf Holck und Frhr. v. Zobel haben infolge der Waffenstreckung von Montenegro Vie Freiheit wieder erlangt . Tie Gemahlin des Grafen Holck wurde in Kenntnis gesetzt, daß die Herren ant Samstag bei ihrer Fliegers abteilung unversehrt angelangt sind. Eröffnung »er griechischen Kammer. Sd. Athen, 25. Januar. (Agcnce >Havas.) Tie Eröffnung der Kammer fand ge­ stern unter den üblichen Feierlichkeiten statt. Ter Ministerpräsident verlas eine königliche Verordnung, durch welche die Kammer süh eröffnet erklärt wird, wobei die Abgeordneten in den Ruf: "Es lebe der König!" ausbrachen,. Es folgte die Eidesleistung, worauf die Kam­ mer sich wieder vertagte. Der Tag dev näch>sten Sitzung ist noch unbestimmt. Die Abge­ ordneten des nördlichen Epirus nähmen an der Kammereröffnung teil und leisteten den Eid. i Gegen England. Konstantinopel, 25. Januar. Pri- j bäte Nachrichten aus Persien bringen die hochbedeutsame Meldung, daß dort ein Fetwa er­ gangen ist, demzufolge die Vernichtung aller Anhänger der Russen und Engländer in Per­ sien vom Standpunkte der Religion nicht als Sünde erachtet wird. Alle geistlichen Häup- J ter in den verschiedenen Provinzen Persiens \ haben diesen Fetwa unterschrieben und be- ' stätigt. ' ────────── Literarisches. Literarischer. "Der Vortrupp", Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit. Herausgegeben von Dr. jur. Hermann M. Popert, Hamburg, und Kapitänleutnant a. D. Hans Paasche, Berlin. Ver­ antwortlicher Schriftleiter: Dr. phil. R. Kraut, Ham­ burg. Verlag von Alfred Janrsen, Hamburg. Preis: Jährlich 5 Mark, vierteljährlich 1.25 Mark Einzelnummer 30 Pfg. «f "Wachtfeuer" (Architektur-Verlag "Der Zirkel" G. m. b. H., Berlin, Wilhelmstr. 48, Preis 20 Pfg.) ift das neueste 65. Heft erschienen. ────────── Handel und Verkehr. Eine reitende Neuheit für unsere Kleinen bringt wiederum die Nestles Kindermchl G nt. b. £>., Berlin W. 57. Während es bisher die Gestalten der bekanntesten Märchen, tote Rotkäppchen oder Schneewittchen tottrat, die als Aus­ schneidebilder dargebracht wurden, ist es diesutal ein "Feld­ grauer" mit verschiedenen Uniformen. Versand kostenfrei. Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Ver­ antwort!. Redakteur A. tE. Wagner, Landshut. Hutzel Mtz Verkehr. München, 22. Jan. (Btehmarkt.) Bericht vom 17. bis 22. Januar. Preise per 50 Mo Lebrndgewicht: Ochsen: 1. Qualität 80—83, öftere. 00-00, Holland. 00—00, 2. Qual. 75—79, österr. 00—00, holl. 00—00, 3. Qual. 71—74, öftere. 00—00, holl. 00—00, 4. Qual. 67—70, österr. 00— 00, schweb. 00—00, 5. Qual. 60—66, schweb. 00—00. Bullen: 1. Qual. 72—78, 2. Qual. 65—71,3. Qual. 56—64 ;Küheu. Kalbinne» .'l.Qual. 68—78, 2. Qual. 68—75, 3. Qual. 61—67, 4. Qual. 54—60, 5. Qual. 45—53; gering genährtes Jungvieh: 00—00; Kälber: feinst» 88—92, mittlere 80—87, geringe 64—79; Schafe: Stallmastschafe, Mastlämmer und jüngere MasthammelOOO—000, ältere Masthammel 00—00, mäßig genährte Hammel, gering. Lämmer 000—000; Schweine: Fettschmeine über 150 Klgr. 129—130, vollfleischige von 120 bis 150 Klgr. 128—129, von 100 bis 120 Stlgt. 118—119, von 80 bis 100 Klgr. 108—000, dto. unter 80 Klgr. 93—000, Sauen 000 bis 103, Bratenschweine 78—000 Mk. Preise per 50 Klgr. Schlachtgewicht: Bullen 2. Qual. 00—00, 3. Qual. 00—00, Kälber: feinste 100—105, mittlere 90—99, geringe 72—89; Schafe: Mast­ lämmer und jüngere Masthammel 108—110, älter« Masthammel 100—107, mäßig genährte Hammel und Schafe 00—00; geringere Lämmer und Schaf» 00—00. Schweine: Fettschweine über 150 Klgr. 158—162, vollfleischkge von 120—150Klgr. 158—162, von 100 bis 120 Klgr. 148—149,von 80 bis 100 Klgr. 135—00, unter 80 Klgr. 124—00, Sauen 145—156> Bratenschweine 111—000 Mk. ────────── nicht traurig . Und gerade vor diesen ersten Augenblicken hatte ihm gebangt. "Grete!" Ta drehte sie sich rasche um, kam ihm eilends entgegen. "Willkommen in meinem! Königreich, mein Herr und Gebieter! — Da dampft der Tee schon!" Es füllte recht lustig klingen, aber die Er­ regung zitterte durch ihre Worte. Er schlang den Arm um sie. "Wühln soll ich mich setzen, meine Königin?" Sie rollte ihm einen Sessel an den Teetisch, machte einen liefen Hofknix. "Wenn Maje­ stät geruhen wollen — hier!" An ihre Schläfe legte er ferne beiden Hände. "Süßer Kindskopf." Ihre Worte waren an der Grenze ange­ kommen. Galgenhumor wollten sie lieber nicht treiben, das war zu gefährlich. Seine Klugheit hielt das Gespräch im Gang, dabei knabberten sie an dem Gebäck und dem kalten Aufschnitt herum. "Also, Liebling, übermorgen Aufbruch! Erst zu Papa adieu sagen, dann Fahrt im Automobil bis Stettin. Am nächsten Tag Mit­ tagessen in Schwerin — das großherzogliche Schloß wird dir gefallen, dann weiter nach Hamburg! Dort bleiben wir zwei Tage, darauf Kirischifsimg." i t i J i i .: . i j Sie nickte hastig. "Ich kenne ja die Welt noch gar nicht! Und dann an der Seite meines fingen Mannes! Unbändig freu' ich mich!" Fast ganz finster wär es im Zimmer ge­ worden. Von der See her kam Sturm, die Bäume im Parke rauschten und am Himwiels zogen Wolkenfetzen rasch dahin. Joachim erhob sich. "Soll ich das Licht andxohen?" "Ach, laß doch! — Es ist so gemütlich! Und dann Joachim," — ihre Stimme überfiel ein Zittern — "der Tag war reichlich anstrengend, ich glaube, wir sind beide rechtschaffen müde." l Sie konnte nicht sehen, wie er die Au­ gen schloß, wie sein Mund schmerzlich! zuckte. "Dü hast recht, Grete. Sagen wir uns also — gute Nacht!" Er kützte sie auf die Stirn, führ ihr lieb­ kosend übers Gesicht und ging dann rasch zum Zimmer hinaus. Tie Zofe trat ein, ein junges, frisches Ding. Neugierig blickte sie ihre Herrin an. "Lassen Sie hier abräumen! Ich entkleide mich allein. — Gute Nacht, Marie!" Die Knie wankten Grete Blottstedt, als sie nach der Tür schritt. Lange saß sie in ihrem Ankleidezimmer. Der Kopf wollte nicht mehr arbeiten, eine 1 Schwere fühlte sie am ganzen Körper. , j | Als sie aus ihrer Erstarrung erWäHte, . und nach der Uhr sah, erschrak sie. Fast MitI ternacht wars geworden. 1 Schnell entkleidete sie sich und Betrat ihr ! Schlafzimmer. Tie Brokatportiere War dicht I zugezogen. I Joachim Blottstedt lag schon längst im ! jBett. Ab und zu führ er sich mit dem 'Taschen­ tuch über sein heißes Gesicht. Wars nicht doch eine Freveltat, daß er ein Weib an sich fesI feite. Hätte er seinem Schwiegervater nicht äuch ohne dieses "Opfer" beispringen und Grete sein immerhin beträchtliches Privatvermögen S testamentarisch hinterlassen können? Der Ge­ danke wär ihm eigentlich schon früher gekom­ men, doch nur dann und wann, aber er hatte ihn immer gleich wieder zurückgedrängt, sich! eingeredet, als Witwe des Majoratsherrn wür­ de sie noch viel besser versorgt fein. Da zuckte er zusammen. Eine schmale weiße Hand zog leise die Brokatportiere halb zurück. "Ja, Joachim. Schläfst du immer tritt Licht?" Mein!" "Oder' fühlst du dich nicht Wohl?" "Doch, Liebling!" / ! ! (Fortsetzung folgt) . -