Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-10-11. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 277, 1916-10-11. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Starke feindliche Angriffe an der Somme abgeschlagen. — Erfolgreiche deutsche Vorstöße am Stochod und au der Rarajowka. — Die Verfolgung der geschlagenen Rumänen. — Der Beginn der 8. Isonzoschlacht. i Im Westen dauert die Sommeschlacht noch immer an, doch blieben auch gestern alle engte französischen Angriffe erfolglos. Im Osten wurden die Russen aus einer vorgeschobenen Stellung am Stochod gewor­ fen und das Dorf Herbutow westlich der Narajowka genommen. In den Karpathen scheuerten russiischeWiedereroberungsversuche an der Büba Ludowa. In Siebenbürgen geht es weiter vorwärts. Die Rumänen werden immer weiter zurückge­ worfen und stehen an den meisten Stellen bereits an der Grenze. Der Traum vom "be­ freiten "Siebenbürgen ist zu Ende. Die.Beute von Kronstadt beträgt bis jetzt rund 1200 Ge­ fangene 25 Geschütze, 2 Lokomotiven und 800 Waggons. Westlich des Vulkanpasses wurde der Grenzberg Regrulin von den Unsern ge­ nommen. , Die achte italienische Offensive hüt nach achttägiger Artilleriebeschießung an der küsten­ ländischen Front begonnen. Die Italiener wurden aber restlos mit blutigen Köpfen heim­ geschickt. Die amerikanische Presseschreit Zeter und Mordio über die erfolgreiche Tätigkeit unserer Unterseeboote an der amerikanischen Küste. Der Newhork Herald meint, Unterseeboots-Opera-, tionen an Straßen, die unmittelbar in ameri­ kanische Häfen führen, können und dürfen nicht geduldet werden. Das Blatt sagt, es sei die ernstlichste Pflicht der Regierung, den nötigen Schritt zu tun und dieser preußischen Kriegssührung in den amerikanischen Gewässern ein ' Ende zu machen und zwar ohne Verzug. — Journal of Commerce fragt: Ist unsere Küste die Basis für die deutschen Unterseeboote? Das Blatt fährt dann fort: Wenn Deutschland sich den Zorn des Volkes der Vereinigten. Staa­ ten zuziehen und es dazu bringen wiU, alles zu tun, um Deutschlands Feinden zu helfen, hätte es keine wirkungsvolleren Mittel an­ wenden können, als diese Art der Seekriegs!führung «längs unserer Küsten zu betreiben. — Newhork Times äußert sich in ähnlicher Weise. — Jetzt geht es an den amerikanischen Geldbeutel. Das wird die härteste Probe sür die amerikanische Neutralität. PräsidentWilson soll die U-Bootsfrage ja auch bereits dem' Gesandten Grafen von Bernstorff gegenüber angeschnitten haben, doch habe dieser erklärt, keine 'Informationen seiner Regierung zu hü­ ben. Man darf gespannt sein, ob Amerika wieder versuchen wird, unserem U-Boütskrieg Daumfchrauben anzulegen. ────────── (darunter 13 schwere), zahlreiche Muttitionswagen und Waffen. Auch sind erbeutet: 2 Lokomotiven, über 800, meist mit Verpflepüng beladene Waggons. Der Feind hat nach ßixr= einstimmenden Meldungen aller Truppen schwere blutige Verluste erlitten. • Westlich des Vulkanpasses wurde " der Grenzberg Negrului genommen. Balkaukriegsschauplatz!. Heeresfirwut des Geucralfcldmarschalls von Mackewse«. Tie Lage ist unverändert. Mazedonische Fro»r. Der Feind fegte seine Angriffe gegen die bulgarischen Truppen im Cernabogen (östlich der Bahn Monaftir Florina) fort. Er er­ reichte bei Skocivir kleine Vorteile; sonst wurde er überall abgeschlagen. Ter 1. GeneralauartiermeiDN: i Ludendorsf. Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. WTB. Berli n, 10. Oktober, mittags. .Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Front d«» Ge«evalfel»marschalls Kronprinz Kupprecht von Bayer». Auch gestern führte der Feind vorwiegend in den Abend- und Nachtstunden starke An­ griffe auf der ganzen Kampffront zwischen Anere und Somme. Sie blieben sämtliche er­ folglos. Angriffsversuche der Franzosen östlich von Vermandovillers wurden verhindert. Frontt des deutsche« KronPrinGen. Beiderseits der Maas lebhafte Artille­ rie- und Minenwerferkämpfe. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Oeueralfcldmarschalls Pri«z Leopold von Bayer». Bet Kol. Ostrow (ant Stochod) nordwest­ lich von Luck warfen wir die Russen aus einer vorgeschobenen Stellung und wiesen Ge­ genstöße ab. Westlich von Luck keine Jnfanterietätigkeit. Deutsche Abteilungen stürmten mit ganz geringen eigenen Verlusten in das Dorf Her­ butow westlich der Rarajowka, nahmen 4 Of­ fiziere, 200 Mann gefangen und erbeuteten einige Maschinengewehre. Froul des Genurals der Kavallerie Erz­ herzog Karl. In den Karpathen *sind russische Gegenan­ griffe vor unseren am 8. Okt. genommenen Stellungen an der Baba Ludowa gescheitert. 1 Kriegsschauplatz i» Siebenbürgen:. An der Ostfront ging es überall vorwärts. Der Austritt aus dem Hargitta- und Barolergebirge in die obere und untere Zsik (Alttal) ist , erzwungen. ' ~ ! Beiderseits von Kronstadt (Brasso) drin­ gen die siegreichen Truppen den geschlagenen Rumänen hart nach. Bisher sind aus der dreitägigen Schlacht von Kronstadt eingebracht: . 1175 Gefangene, 25 Geschütze ────────── mittag im Abschnitt zwischen San Grado di Mttna und dem Doberdo-See zum allgemei­ nen' Angriff gegen unsere Stellungen auf der Karsthochsläche und es war ein Ehrentag für unsere dort fechtenden Truppen. Das andau­ ernde Feuer hatte sie nicht zu erschüttern ver­ mocht. Mit ungebrochener Kraft schlugen sie den wuchtigen Ansturm unter schwersten Ver­ lusten des Gegners zurück und behielten ihre Stellung ausnahmslos im Besitz. Die Käml pfe an der Fletmstal-Front dauern fort. Im Lusia-Gebiet brachte eine unserer Patrouillen 53 Gefangene ein. Mehrere starke Angriffe der Italiener gegen den Abschnitt Gardinal— Busa Alta wurden abgewiesen. Auch zwischen Sugana- und Etsch-Tal ist der Feind stellewweise sehr rührig. Am Pasubio ist ein größe­ res Gefecht noch im Gange. ,/ Lüdöftltcher «riegöschauplay: Keine Ereignisse von besonderer Bedeu­ tung. Or stellvertretende Chef des Generalstwöes« b. Hoefer. Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. In der Nacht vom 8. auf 9. Oktober belegte eines unserer Seeflugzeuggeschwader die Flugzeugstation und Hasenanlagen von Vlora sehr erfolgreich mit Bomben. In der Nacht vom 9. auf 10. Oktober griff eines unserer Seeslugzeuggeschwader militärische Objekte von Monsalcone, die feindliche Seeslugzeugstation bei Grado, ein anderes den Bahnhof u. mili­ tärische Anlagen von San Giorgio "di Nogaro s?hr wirkungsvoll an. Es wurden viele Voll­ treffer erzielt. Alle Blugzeuge sind von die­ sen Unternehmungen trotz heftiger Beschießung unversehrt zurückgekehrt. Flottenkommando. ────────── Der bulgarische Bericht. mittag im Abschnitt zwischen San Grado di Mttna und dem Doberdo-See zum allgemei­ nen' Angriff gegen unsere Stellungen auf der Karsthochsläche und es war ein Ehrentag für unsere dort fechtenden Truppen. Das andau­ ernde Feuer hatte sie nicht zu erschüttern ver­ mocht. Mit ungebrochener Kraft schlugen sie den wuchtigen Ansturm unter schwersten Ver­ lusten des Gegners zurück und behielten ihre Stellung ausnahmslos im Besitz. Die Käml pfe an der Fletmstal-Front dauern fort. Im Lusia-Gebiet brachte eine unserer Patrouillen 53 Gefangene ein. Mehrere starke Angriffe der Italiener gegen den Abschnitt Gardinal— Busa Alta wurden abgewiesen. Auch zwischen Sugana- und Etsch-Tal ist der Feind stellewweise sehr rührig. Am Pasubio ist ein größe­ res Gefecht noch im Gange. ,/ Lüdöftltcher «riegöschauplay: Keine Ereignisse von besonderer Bedeu­ tung. Or stellvertretende Chef des Generalstwöes« b. Hoefer. Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. In der Nacht vom 8. auf 9. Oktober belegte eines unserer Seeflugzeuggeschwader die Flugzeugstation und Hasenanlagen von Vlora sehr erfolgreich mit Bomben. In der Nacht vom 9. auf 10. Oktober griff eines unserer Seeslugzeuggeschwader militärische Objekte von Monsalcone, die feindliche Seeslugzeugstation bei Grado, ein anderes den Bahnhof u. mili­ tärische Anlagen von San Giorgio "di Nogaro s?hr wirkungsvoll an. Es wurden viele Voll­ treffer erzielt. Alle Blugzeuge sind von die­ sen Unternehmungen trotz heftiger Beschießung unversehrt zurückgekehrt. Flottenkommando. Der WWW Bericht. Sofia, 9. Okt. Amtlicher Generalstabs­ bericht: ' ,i i ! i i l ; \ r i Mazedonische Frv nt: Westlich der Bahnlinie Lerina (Florina)-Bitolia (Monastir) auf beiden Seiten das gewöhnliche Artillerie­ feuer. Oestlich der gleichen Bahnstrecke eröff­ nete die feindliche Artillerie gegen unsere Stel­ lungen von Kenali bis Skotschivir ein Trom­ melfeuer, unter dessen Schutz einige feind­ liche Bataillone den Cerna überschritten. Es wurde aber alsbald ein Gegenangriff auf sie gemacht. Der Kampf geht weiter. Im Mog'lenicatal beiderseits Artillerietätigkeit. Wir zersprengten durch unser Feuer einige feindli­ che Kompagnien, die bei den Dörfern Skolowo und Nadile sich verschanzten. An der Strumafront Patrouillenge­ fechte. An der Küste des Aegäischen Meeres Ruhe. Rumänische Front: An der Donau besetzten wir durch einen plötzlichen Angriff mit Unterstützung der Donauflottille eine In­ sel am Ostausgang des Belenkanals westlich Zimnicca. Wir machten 2 Offiziere und 150 Mann zu Gefangenen und erbeuteten 6 Ge­ schütze. In der Dobrudscha und an der Küste des Schwarzen Meeres Ruhte. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Okt. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Front von Fellahle der ge­ wöhnliche Feuerkampf. Wir warfen den Feind, der zwischen let Abad und Hamadan vorzudringen versuchte, in der Richtung auf Kareduhur zu­ rück. Naukasusfront: Auf dem rechten Flügel Scharmützel und von Zeit zu Zeit Ge­ schütz- und Gewehrfeuer. Im Zentrum scho­ ben wir unsere Stellungen wieder etwas vor. Anf^dem linken Flügel Gefecht zwischen Er& ────────── Der türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Okt. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Front von Fellahle der ge­ wöhnliche Feuerkampf. Wir warfen den Feind, der zwischen let Abad und Hamadan vorzudringen versuchte, in der Richtung auf Kareduhur zu­ rück. Naukasusfront: Auf dem rechten Flügel Scharmützel und von Zeit zu Zeit Ge­ schütz- und Gewehrfeuer. Im Zentrum scho­ ben wir unsere Stellungen wieder etwas vor. Anf^dem linken Flügel Gefecht zwischen Er& kundungsabteilungen. Wir machten einigeGefangene und erbeuteten eine große MengeWasfen und Ausrüstungsgegenstände. Keine Ereignisse von Bedeutung an den anderen Fronten. Der Vizegeneralissimus. Eine neutrale Stimme zur Kriegsanleihe. Die R. Zürcher Nachr. schreiben zur Kriegsanleihe : Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen und zeigt Deutschland und das deutsche Volk im Lichte einer nicht zu er­ schütternden Finavrzkrast, gleichwohl ob die ganze Welt es anstürmt. Wer hätte je geahnt, daß das deutsche Volk im dritten Kriegsjahr noch auf dem Anleihewege 10,590 Milliarden Mark auszubringen vermöchte? Es ist eine finanzielle Kraftleijstung und ein Opfermut des Volkes, die einzig dastehen und auch den Geg­ nern, soweit sie noch über einen Rest von Ur­ teilsvermögen verfügen, Bewunderung abrin­ gen müssen. Das deutsche Volk brachte in diesen Wochen mehr als eine Siegesanleihe zu­ sammen, nämlich eine Friedensanleihe. Auch die letzte Hoffnung, Deutschland finanziell nie­ derzuringen, muß nun erlöschen. Lloyd Ge­ orge sagte, die letzte Milliarde werde der Sie­ ger des Weltkrieges fein, vielleicht findet er heute, daß die letzt? Milliarde nicht bei Eng­ land liege, sondern bei Deutschland. Unüber­ windlich in seiner militärischen Riesenkraft zu Land, zu Wasser und zu Luft, durch keinen Hungerkcieg zu beugen, steht Deutschland sogar nnbesieglich in seiner finanziellen Leistungssähigkeit da, mehr denn je als eine nicht zu erschütternde Tvutzburg gegenüber seinen Feinden, als starker Hort für seine Freunde. Kripgsanleihezeüchnungen im neutrale» , Auslande. \ Der Bert. Lok.-Auz. berichtet: Als ein sicheres Zeichen des unverminderten Vertrau­ ens zu unserer millitärischen und wirtschaft­ lichen Kraft- und Leistungsfähigkeit kann die Tatsache betrachtet voerden, daß die Zeichjnungen auf die fünfte Kriegsanleihe im neutralen Anslande nicht unerheblich selbst gegenüber der vorherigen Anleihe zugenommen haben. Botschafter Gcrards Reise. New York, 9. Okt. Die Associated Preß veröffentlicht ein Telegramm ihres Berliner Mitarbeiters, worin dieser erklärt, das int Auslande umlaufende Gerücht, der Botschaf­ ter Gerard fei der Ueberbringer eines Appells des Kaisers um die amerikanische Friedensver­ mittlung, sei ein völliger Unsinn. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Bon jftetr Westfront. Züricher Blätter melden .aus Paris: Die Pariser Blätter berichten, daß seit letztemSonntag die Deutschen die Beschießung von Arras wieder ausgenommen haben. Es wurde be­ trächtlicher Materialschaden angerichtet? einige Zivilpersonen wurden verwundet. Di« Opfer ihrer eigenen Landsleute. Die Zahl der Opfer ihrerer eigenen'Landstente ist binnen 13 Monaten auf über zwei­ tausend angewachsen. Nach den namentlichen Veröffentlichungen der Gazette des Ardennes sind im Monat September unter der friedlichen Bevölkerung im besetzten französisch-belgischen Gebiet durch Artilleriefeuer oder Fliegerbom­ ben unserer Feinde: getötet 13 Männer, 11 Frauen, 13 Kinder? verwundet 43 Männer, 39 Frauen, 33 Kinder. Die Gesamtzahl der unschuldigen Opfer feit September 1915 ist damit aus 2115 gestiegen. ────────── Gegen Rußland. Die russische»» Massenstürme. Von einem, der dabei war, als die Russen Massen auf Massen in den Tcd durch die deutschen Gewehte und Maschinengewehre jagten, von einem, der tue wütenden Russenanstürme mit dem Gewehr in der Faust, gelehnt an den schmierigen Rand des vorderen Grabens erlebte, wnd uns heute eine Schil­ derung dieser Kämpfe gegeben, die in ihrer Schlicht­ heit am überzeugenften das Heldenlied der Deutschen singt. Die Russen, so schreibt er, haben immer und immer wieder versucht, unsere Linien zu durchbrechen, Fast jeden Tag sind sie gekommen. Sie kamen tu stets dichteren Wellen. Immer wieder wurden sie aber zurückgeschlagen. Nach fünfstündigem Trommel­ feuer gelang es ihnen, in einen Teil unseres vollkommen zerschossenen vordersten Grabens einzudringen. Unsere Maschinengewehre waren verschüttet. Sonst wären sie nie und nimmer so weit gekommen. Der "Erfolg" kam ihnen teuer zu stehen. Wir haben sie schneller aus den Graben hinausgeworfen, als sie hereingekommen waren. Schon beim Ansturm waren die russischen Verluste enorm. Sie brachen reihenweise zusammen, als sie unseren Drahtverhau zerschneiden wollten. Dann kam ihr "Rückzug", wenn üherhaupt von emem solchen die Rede sein kann, denn es war eine panik­ artige Flucht! Und die Verluste, die sie hierbei erlitten sind nicht zu beschreiben. Es wurde bei uns geschossen, was die Gewehre nur hergeben wollten, und mancher Kamerad hat sich die Hände an dem glühenden Lauf verbrandt...! Morgens 4 Uhr tarnen die Rüsten wieder! Diesmal hatten sie auf jede Artillerievorbe­ reitung verzichtet. Es sollte für uns eine Ueberraschung geben. Aber wir waren durch Ueberläufer gewarnt worden und standen auf dem Posten. Jeder Einzelne stand schußbereit int Graben. Und nun kamen die Russen. In vier Gliedern stürmten sie heran. Immer näher stürmten sie! Da begannen unsere Gewehre zu arbeiten. Ein Hagel von Etsen und Blei prasselte den Stürmenden entgegen, der jedes Weiterkommen unterband. Es waren sibirische Truppen, die gegen uns anrannten. Sie waren tapfer. Das muß ihnen gelassen werden. Erstmals ihnen das deutsche Feuer jede Möglichkeit nahm, an den Graben heranzukommen, ließen sie ab, machten schleunigst kehrt unö eilten zurück, verfolgt von unserem rasenden Feuer. Das Vorfeld aber gleicht einem einzigen Leichenfeld. Nun hat Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern uns besucht und uns Dank und Anerkennung für unsere Arbeit ausgesprochen. Auch Eiserne Kreuze hat er verteilt, und unter den Beglückten war auch... ich! Wenn irgendwo das Wort von der deutschen Eisenmauer Berechtigung hat, hier im Osten auf jeden Fall!... (v) ────────── ausgestellt, um feindselige Kundgebungen gegen die abreisenden venizelistischen Freiwilligen zu verhindern. ────────── Der Krieg mit England. Die Dienstpflicht für Irland. Amsterdam, 10. Okt. Der Grafschastsrat des irischen County Kerry hielt am Don­ nerstag abends eine Sitzung ab. Es wurde eine Resolution angenommen, worin die Re­ gierung aus die ernsten Folgen des Versuches der Einführung der Dienstpflicht in Irland aufmerksam gemacht wird. Die Folgen ei­ nes derartigen Schrittes würden Krawalle und Gewaltmaßnahmen sein. Sollte ein derartiger Schritt durchaus notwendig sein, so dürfte er nur durch ein irisches Parlament erfolgen. Ein Friedensrichter erklärte, Irland würde der Einführung der Dienstpflicht Widerstand ent­ gegensetzen. Die Iren würden es vorziehen, ihr Blut für das Glück Irlands zu vergießen, als sich der Dienstpflicht zu unterwerfen. Nach einer Timesmeldung wurde Red­ mond bei seiner großen Rede nicht gerade mit allgemeinem Jubel begrüßt. Rebellengesänge ertönten von allen Seiten her und dald war ein allgemeiner Ausruhr. Auf den Galerien kam es zu wüsten Prügeleien, aber die Ruhe­ störer wurden schließlich von der Uebermachjt überwältigt. Redmonds unzweideutige Wei­ gerung, die Dienstpflicht anzunehmen, rief stürmischen Beisall hervor, auch seine Andeu­ tung einer Politik des festen Widerstandes ge­ gen die Regierung im Parlament. ────────── Der Luftkrieg. \ Betfort mit Bomben belegt. Nach Basler Blättermeldungen von der Grenze hat am letzten Samstag vormittags ein starkes deutsches Fliegergeschwader Belfort und Montbeliard überflogen und auf letzteren Ort 12 Bomben abgeworfen. Belfort selbst wurde mit 25 Bomben belegt. Die deut­ schen Flieger sind trotz starker Beschießung unversehrt entkommen. Teutsche Ftiegercrfolge. Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt unter der Ueberschrist "Deutsche Fliegererfolge": In ei­ ner französischen Zeitschrift wurde vor kurzem eine Liste von elf französischen Fliegern veröf­ fentlicht, die bis zum 15. September 1916 mehr als vier feindliche Flugzeuge abgeschos­ sen haben sollen. Wir bringen heute nach amtlichen Quellen eine Zusammenstellung der deutschen Fliegerosfiziere und -Unteroffiziere, die bis zum 15. September und bis zum 1. Oktober vier feindliche Flugzeuge und mehr abgeschossen haben. Diese Zahlen legen am besten Zeugnis davon ab, wie es mit der Ueberlegenheit im Lustkanchf bestellt ist, de­ ren sich unsere Gegner immer wieder rühmen. 4 Flugzeuge Aus dieser Aufstellung geht unter ande­ rem hervor, daß in der kurzen Zeit vom 15. September bis 1. Oktober 1916 von diesen 22 Fliegern 26 feindliche Flugzeuge abge­ schossen worden sind. Alle diese Flugzeuge sind entweder in gnserem Besitz oder ihr Ab­ sturz in den feindlichen Linien ist durch Mel­ dung unserer Truppen, die mit den Flieger­ meldungen übereinstimmen, einwandfrei bestä­ tigt. " > ────────── Der Krieg zur See. Echt amerikanische Freundlichllciteu. Aus Newyork wird der Frkfr. Ztg. gemel­ det: Die amerikanischen Blätter äußern ihr Er­ staunen darüber, daß die deutschen Untersee­ boote 'den atlantischen Handel zu stören im­ stande sind. Die Newyork Times erklärt, daß dies nicht geduldet werden sollte. Der Herald und das Journal of commerce äußern die­ selbe Meinung. "World" beschäftigt sich mit der Frage, ob dem Völkerrecht Gesichtspunkte für die Beurteilung des Falles zu entnehmen seien. Die Washingtoner Behörden enthalten sich einer Meinungsäußerung. Es wird von manchen Seiten angedeutet, daß Deutschland mehr Unterseeboote nahe der amerikanischen Küste habe, und vielleicht eine geheime 'Tauch­ bootbasis besitze. Versenkt. Der Washingtoner Korrespondent derKöln Ztg. drahtet unterm 8. Okt., daß bis Mitkey-, nacht schon sechis englische Schisse als versenkt gemeldet wurden, die aus kanadischen Häfen ausgelaufen waren. Drahtlose Hilferufe lie­ fen den ganzen Tag über ein. 17 ameri­ kanische Zerstörerboote sind zur Hilfeleistung abgegangen. Die Aufregung ist ungeheuer. In Schisfahrtskreisen herrscht eine Panik, aus­ reisende Schiffe wurden zurückgehälten,Schiffe auf See gemahnt, ihren Weg zu ändern. Der deutsche Botschafter erklärte, die Aufgabe 'des "U 53" sei, die Schiffstransporte der Alliier­ ten zu hemmen. (Z.) Nach einer Lloyds-Meldung wurde der Fischdampfer "Magnus "aus Whitbh versenkt. Die Bemannung von neun Köpfen ist gelandet.' Das norwegische Dampfschiff "Refhän" ist durch ein deutsches Unterseeboot zum Sinken gebracht worden, ebenso das englische Dampfifchisf "Sidonia". Nach einer Matinmeldung wurde der rus­ sische Dampfer "Tungai" versenkt. s Die deutschen U-Boote im Weißen Meer. 1 Das Morgenbladet meldet aus Valsoer r Die Vadsoeer Zeitung Finmarkeß Amtstidende teilt mit, daß drei deutsche Unterjjpeboote am Samstag die drahtlose Station in Jepnavalak an der Murmanküste beschösse:: hätten. EiI ner ihrer Masten sei heruntergeschossen wor­ den mehrere Menschen wurden getutet. ────────── Berlin, 9. Oktober 1916. Mnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise. Verbote«.) Kieme Bilder aus den Kämpfen der Sachsen.an der Somme. Von unsrem Kriegsberichterstatter. Gr. Hauptguartier, im Okotber. Die Engländer hatten in wechselvollem Kampfe das Dorf G. besetzt. Das durste so nicht bleiben, denn der Druck von der Flanke her fo>gr aus die Dauer nicht zu ertragen. So trat am sputen Abend noch eine Kompagnie, die den ganzen Tag rat Feuer gelegen hatte, zuyr sofortigen Gegenstoß an. Mit Artillerie kyprrte nicht gearbeitet werden, weil dicht um das Dorf unsere eigenen Deute lagen und weil damit zu rechnen war, daß sich "im Orte noch! Abteilungen unserer Besatzung Hielten. 7So tyrrxdep Handgranaten und Signalmittel ge­ faßt/ Bajonett aufgepflanzt, und statt zur wohlverdienten Ablösung ging es mit Hurra zum Sturm vorwärts. Bis zupr Dorfrande ging xs überraschend gut. Der Feind hätte mit pxr Möglichkeit eines so raschen und kräf­ tigen Gegenangriffes nicht gerechnet. Dann abpr, in den Trümmern des Dorfes, leistete hex Engländer verzweifelten Widerstand. In klgin^n Zügen mußte sich die Kompagnie von einem Mauerhausen zum anderen, von einem Npch m^ Engländern besetzten Kellernest zum Nächsten vorarbeiten. Ms man das Dorf schon fast ganz wieder in der Hand hatte, ertönten aus dem Dunkel plötzlich laute Jubelrufe: "Wir haben unsern Major wiedergefunden, da drinnen steckt unser Major!" "Der Major saß mit der Telephonordonannz in einem ver­ schütteten Unterstand, wo ihn die Engländer belagert'hatten. Die beiden 'Eingeschlossenen waren in einer schlimmren Lage gewesen. Durch den geraden Kellergancg hatte kein Engländer nahe kommen können, denn er wurde unfehl­ bar mit der Pistole abgeschossen. Da hatten die Engländer einen Sprengkörper mit ange­ brannter Zündschnur vor den Eingang gewor­ fen. Die beiden fahlen die Schnur langsam zu Ende glimmen, ohne sie löschen zu können. Es war eine grausig« Minute. Dann ging die Sprengladung hoch und richtete nichts an­ deres an, als den Eingang völlig zu verschüt­ ten. Freilich konnten die Engländer nun noch weniger heran, denn eine kleine Lücke, groß genug als Schießscharte, war offen geblieben. Alle umdrängten nun den ausgegrabenen MaPT ünö die Telephonordonannz, drückten ihnen die Hände und die tob seren Stürmer 'fragten: "Was, das haben wir richtig gemacht, nicht wahr, Herr Major? Denen haben wir's aber besorgt!" Ms einige Kameraden der Telephon­ ordonanz die Kalkbrocken vom Wasfenrock klopften, fragten sie ihn: "Na, Fritze, was haste Dir denn so gedacht, als Dir die Zündschnur in die Nase räucherte?" Fritze sagte gleich­ mütig: "Ms der Mordsknall vorbei war und ich sah, der Herr Major lebt noch und ichs lebe auch noch, dachjte ich mir, wenn se's nies) besser können, sollen se's bleiben lassen. Und dann dacht ich mir: Nu ist das Loch! zu, nu wird man e Stündchen schlafen können. Aber da seid Ihr gekommen und habt da im ganzen Dorfe weiß ^Gott ein Spektakel ver­ führt, daß man kein Auge zutun konnte." ; * Vom Dorfe staub nichts mehr. Aber links vor seinem ehemaligen Ausgange, zwi­ schen unserer und der englischen Linie, erhob sich noch ein höhet, durch die Beschießung fast winterlich kahl gerupfter Nußbaum. Drei Leute meldeten sich beü dem Hauptmann. Sie hatten durch einen Hamdstreich den Engländern ein Maschinengewehr weggenommen und ern­ teten das verdiente Lob. Nun hatten sie eine Bitte. Der Herr Hcruptmann möchte ihnen gestatten, das Maschinengewehr auf dem Nuß­ baum in Stellung zu bringen. Da müsse man einen schönen Ueberblick haben und die engli­ schen Granatlöcher sauber ausputzen Tönnen. Der Herr Hauptmann wollte nicht. Es sei ein aussichtsloses Beginnen, nur bis aus den Baum zu kommen, geschweige denn ein bald zentnerschweres Maschinengewehr im feindli­ chen Nahefeuer da hinauf zu schaffen, und sich oben zu halten. Mit solch einem nutzlosen Beginnen wolle er nicht drei seiner besten Leute verlieren. Die drei ließen jedoch nicht nach, und schließlich erlaubte es der Haupt­ mann. Und wie manchmal das Unmögliche gelingt, das Maschinengewehr wurde im Feuer bis an den Baum geschleppt, es kam richtig in eine Astgabel in Stellung und begann flei­ ßig zu wirken. Die Engländer lagen wenig über dreihundert Meter ab, sie veranstalteten Scharf- und Salvenschietzen auf den Baum, die Kugeln Pfiffen durch die Zweige, sie klatsch­ ten in die Aeste, aber keiner von den drei küh­ nen Männern wurde getroffen, weder der glänSenfoe Schütze, der kaltblütig.sein Maschinen­ gewehr immer dahin spielen ließ, wo sich ein englischer Gewetzrlaus zeigte, noch der Kamerad, der ihm die Munition einlegte, noch der Dritte im Bunde, der am Fuße des Baumes kauerte und mit einem Bindfaden den Munitkonsersatz nach oben schweben 'ließ. Weithin sah man den Baum, weithin sah man deutlich die drei Männer, aber alle Kugeln gingen vorbei. Ueber eine halbe Stunde,spielte das Maschinenegewehr auf dem Baume, und es wirkte glänzend. Eine Reihe der lästigsten Englän­ dernester wurde glatt ausgefegt, so daß sie be­ setzt werden konnten. Kein Engländer konnte sich drüben zeigen, ohne sofort das Feuer auf sich zu ziehen. Da wurden die Eng­ länder wütend und beschossen den Nuhbaum mit Schrapnellen. Nun war es Zeit, das Feld schleunig zu räumen. Das Maschinengewehr mußte einstweilen auf dem Baum bleiben ,und bald nachdem die drei bei ihren beglücken­ den Kameraden angelangt waren, traf es eine Schrapnelladung. "Schade, nun ist es kaputt", sagte der Maschinengewehrschütze. Nun mag es zum Aerger der Engländer dort oben als Trophäe hängen bleiben!" Vor einem vorgeschobenen Granatloche, das nur eine schmale Verbindung nach hinten hatte und in dem ein Leutnant und fünf Mann saßen, erschienen plötzlich drei Franzo­ sen. "Ergebt Euch!" schrie sie der Leutnant an. i>ie Franzosen, offenbar gänzlich ver­ blüfft, hier auf Deutsche zu stoßen, hoben die Hände. Sie wurden in das Granatloch ge­ zogen, entwaffnet und sollten nach hinten ge­ bracht werden, da lernten ihrer noch vier Hin­ terher. Auch die ergaben sich. Aber aus dem Granattrichter gegenüber drängten immer neue Franzosen nach, bis schließlichj 22 Mann bei­ sammen waren, und darunter ein Hauptmann, den man zuerst wegen der Unscheinbarkeit sei­ ner Abzeichen am Mannschastsmantel gar nicht erkannt hätte. Der Franzosentrupp wurde nach hinten zum Kompagnieunterstand gebracht. Ms der französische Hauptmann sah, in welche Falle er gegangen war, beschimpfte er seine Leute wie ein Wilder. Einer der sächsischen Posten fragte den anderen: "Verstehst Du, was er zu ihnen sagt?" — "Nee, aber ich denke mir, er wird ihnen auf Französisch beibrin­ gen, daß sie Heuochsen gewesen sind und er selber der größte. " Ms aber der französi- dem zurückfliegenden Angreifer 54 Gefangene ahpckhmen. ,Aur in das dicht vor seinen Ststrmstellungen liegende Dorf Le Sars ver­ richte der Feind bei einem Zweiten Angriff ^umibringen, nachdem ein erster blutig gefchtzitert war. Ferner drang er in einige Grabenstücke bei Lesboeufs und zwischen Mör­ tel! und dem Walde 'St. Pierre-Vaast ein, deren Besitz die Frontlinie nirgends bemerk­ bar: bemnbert. Ob diese zerstörten Grabendie '^rste oder die vierte und fünfte deutsche Stellung waren — werden wir erst mtS den gegenseitigen Glückwunjchtelegram Mtzn der Generale Jofsre und Haigh erfahren. DÄ: Feind hätte sich bei ihrem Einrennen Vwluste von einem Umfange, wie er sie bis­ her bei solchen Masseninfanterieopferungen ehrenhalber seinem russischen Verbündeten überlassen hat, und langte darin mit so bluti­ gen Köpfen an, daß er nicht weiter konnte. Diese überlegene Abwehr des neuen großen Drxrchbruchversuchjes war ein Gruß der GräbenLämpfer beiderseits der SomMe an die HeimatLctmPfer am Tage, wo an der Front der große Sieg der jüngsten Kriegsanleihe durch Zuruf von Posten zu Posten bekanntDourde. lKb.) W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter ────────── Ische Hauptmann weiter wetterte und fluchte und zuletzt zu weinen begann, sagte der Sachse Mitleidig: "Ich will ihn trösten". Und zu dem Hauptmann gewendet sprach er: "Verstehen Sie Deutsch?" —."Ein wenig." — "Na, da will ich Ihnen nur sagen: daß sie sich mit Ihrem ganzen Zuge von uns paar Männchen haben klappen lassen, das war natürlichPech. Aber da konnte Ihnen nichts helfen. Wenn wir nämlich unseren Leutnant P. bei uns haben, dann machen wir nämlich alles! Un­ ser Leutnant P. hat nämlich den Teufel im Leibe!" Der französische Hauptmann sah nicht so aus, als ob ihn dieser Trost getröstet hübe. (Kb.) W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. ────────── Tages-Übersicht. Der ständige Ausschluß für auswärtige An­ gelegenheiten genehmigt. Der Hauptausschuß des Reichstages beschäftigte sW gestern mit folgenden Entschließungen: Eine nationallib. Entschließung fordert, einen ständigen Aus­ schuß für auswärtige Angelegenheiten einzu­ setzen und ihm die Ermächtigung zu erteilen, sich auch bei Schließung des Reichstages jeder­ zeit zu versammeln. — Eine fortschrittliche Entschließung fordert: 1. einen ständigen Aus­ schuß für auswäxtige Angelegenheiten einzu­ setzen. 2. Den Reichskanzler zu ersuchen, da­ für einzutreten, daß dieser Ausschuß das Recht Hat, zusammenzutreten, auch wenn der Reichs­ tag nicht versammelt ist. Eine Zentrums­ entschließung fordert: Der Reichstag ermächf iigt den Hauptausschuß, zur Beratung der An­ gelegenheiten der auswärtigen Politik und des Krieges während der Vertagung zusammenzu­ treten. Die Entschließungen wurden so­ dann von den Rednern ihrer Parteien begrün­ det. — Staatssekretär v. Jagow erklärte'Hier­ zu, er müsse entschieden darauf hinweisen, daß in keinem Parlament mehr Mitteilungen Wer die Fühlung der auswärtigen Politik gemacht würden, als im Reichstage und seinem Ausschuß- Nachdem sW noch verschiedene Redner äußerten, wurde bei der nachfolgen­ den Abstimmung die nationalliberale Ent­ schließung gegen 2 Stimmen, die fortschritt­ liche Entschließung gegen 5 Stimmen abge­ lehnt, die vom Zentrum vorgelegte Entschlie­ ßung gegen die konservativen Stimmen mit großer Mehrheit angenommen. Das Erscheinen des "Vorwärts" ist durch «ine Verfügung des Oberkommandierenden in den Marken vom 8. Oktober ab bis auf wei­ teres verboten worden. Städtische Wurstfabrikation. Wie bie "B. i3* am Mittag" erfährt, beschäftigt 'sich der Berliner Magistrat mit der Frage der Ueber­ nahme der gesamten Wurstsabrkkation durch die Stadt. Die Anregung hierzu geht von der Regierung aus, die der Meinung ist, daß viel Fleisch gespart werden kann, wenn nur einige wenige Wurstarten von einer Zentrale herge­ stellt und verkauft werden. Durch die Wurstherstellung in städtischer Regie würde die Bür­ gerschaft auch gegen' Uebervorteilung geschützt und nicht der Gefahr ausgesetzt werden, Wurst aus schlechtem Material für teures Geld kau­ fen zu müssen. (S-) Gerettet. Die ganze Besatzung des von einem norwegischen Dampfer geramwten dä­ nischen Unterseebootes "Dhkkeren" ist gerettet worden mit Ausnahme des BefehlshabersOberileutnant Kristensen. ────────── Bayerische Nachrichten. Zu den Ernährungsaufgaben Bayerns äu­ ßerte sich Minister von Soden einem Mitarbei­ ter der M. A. A. gegenüber. Er kam hierbei auch aus die Heeresliefernngen Baherns und die Lieferung Bayerns an das Reich zu spre­ chen. Bayern hat nach den Angaben des Mi­ nisters alle sech Wochen an das Heer abzu­ liefern: 40 900 Rinder, 700 Schweine, 21 700 Schafe, in der Zeit vam 23. Januar bis 21. September ds. Jrs. hat außer den Heeresli^fer­ ringen Bayern an Fleisch an dasReich abgelte* fert: 6915 Stü ck Rinder, 851 Kälber, 5867 Schweine, 20 269 Schafe und Ziegen, 194 Hä­ fen, 2658 Rehe, 43 Stück Rotwild, 7 Stück Schwarzwild, 80 616 Kilo Geflügel, 230 570 Kilo Fleisch- und Fett roh und 1368 378 Kilo Fleisch und Fett verarbeitet. Der Minister sagte wörtlich: "Ich glaube diese Ziffern spre­ chen, wenn man noch Baherns Fleischilieferung an das Heer in Betracht zieht, für sich und bedürfen nach keiner Richtung eines Kom­ mentars. Zu diesen kontrollierten Mengen wird sich noch ein recht stattlicher nnkontrollierbarer Posten gesellen, der über die daher. Grenzen abgewandert ist. " Rach den Angaben des Ministers hat Bayern weiter andas Reich geliefert: Butter und Käse — Käse noch heute — 600 Waggons zu je 200 Zentnern Erdäpfel (wobei der Minister bemerkt, daß Bayern frü­ her Kartoffelempsänger war), ferner 2000 Waggons Gerste (um die Existenz norddeut­ scher Brauereien zu ermöglichen), ferner Hafer. Vom Reich erhalten hat Bayern insbesonders Zucker und von der Z. E. G. eingeführte Ans­ landswaren, ausländische Futtermittel u. dgl. I Ein abgefaßter Berliner Hamster. Am Samstag abends gelang es der 2. Kompagnie der Bürgerwehr in Augsburg dem angeblich prenh. Beamten Max Neumann ans Berlin am Hanptbähühofe aus seinem Reisekorb zwei Prachtgänse, sieben Würste, drei Stück Emmenthaler, zwei Laibe Backfteinkäst und fünf Eier zu beschlagnahmen, die er ohne Erlaubnis aus Bayern ausführen wollte. Er hatte sich tm Gasthose über die dummen Schwaben lustig gemacht und sich seiner Vorräte gerühmt. Die beschlagnahmten Waren wurden heute durch die Marktinspektion berkauft und der Erlös wohltätigen Zwecken zugeführt. Entsprungen. Ein gefährlicher Bursche, der nach Zigeunerart umherziehende Händler Josef Ströhle von Götzis, welcher in Kempten verhaftet worden war, ist auf dem Transport nach Schongau in der Station Kinsau ent­ sprungen. ■ J ────────── Nie-erbayrrisches Schwurgericht. Straubing, 9. Oktober. Heute vormittags wurde die 4. Schwurgerichtsperiode dahier durch den ernannten Vorsitzenden, Hrn. K. Oberlandesgerichtsrat Walter von München mit einer Begrüßung der Geschworenen und einer zweckentsprechenden Ansprache eröffnet, bei wel­ cher er sie besonders auf ihre Rechte ünd Pflichs ten aufmerksam machte. Im 1. Falle war die Anklage gegen die bisher noch unbestrafte, 24 Jahre alte leb. Dienstmagd Franziska Sellmayer von Paulus­ zell wegen Kindstötung gerichtet. Diese stand zuletzt in Landshut im Dienste. Obwohl sie mit einem int Felde stehenden Soldaten ver- lobt war, 'ließ sie sich aber des öfteren mit einem verheirateten Manne mit 5 Kinpern, der in Landshut als Landsturmmann eingerückt ist, ein, welches Verhältnis nicht ohne Folgen blieb. Das zu erwartende Kind stand ihr aber stark im Wege. Als sie nun in der Nacht vom 4. zum 5. August ds. Jrß.' in ihrer Schlafkammer niederkam, tötete sie das Kind einen Knaben dadurch, .daß sie es unge­ fähr 10 Minuten lang mit einem Taschentuch den Mund zuhielt. Die Leiche verbarg sie dann zunächst in ihrem Koffer und ging dann früh 6 Uhr wieder an die Arbeit. Am dritten Tage darnach wickelte sie die Leiche in Pack­ papier und warf sie nachts 10 Uhr in der Nähe des Dberpostamtsgebäudes in Landshut in die Isar; am folgenden Tage wurde die Leiche aber am Rechen des 'Elektrizitätswerkes aufgefunden^ Der Verdacht «lenkte sich als­ bald «gegen die Angeklagte, die dann am 16. August verhaftet wurde. Sie legte im he* sentlichen ein Geständnis ab und wurde un­ ter Annähme mildernder Umstände zur Ge­ fängnisstrafe von zwei Jahren 6 Monaten verurteilt. Von der Untersuchungshaft korwttten 6 Wochen in Anrechnung. Der noch unbestrastbe, damals über 18 Jähre alte leb. Mechaniker Josef Bück von Landshut lockte nach einem vorher mit dem 17jährigen Malergesellen Joses Auer von dort verabredeten Plane, am 29. Oft. 1915 nachts 1 Uhr den 59jähr. Bauern .Sebastian Hofer von Erling, der den Zug in Landshut bert= säumt hätte und aus den sie dort vor einem Cafe gestoßen waren, unter dem Vorgaben, sie würden ihn zu ihrer 18jährigen Schwe­ ster (sie haben aber keine) führen, über den Friedhof und die Schönbrunnerstraße hinaus i ndie Jsarauen, wo sie demselben unter An­ wendung von Gewalt und Drohungen dessen Barschaft zu 430 Mark abnahtrnen, die sie dann teilten. Der geängstrgte Bauer ver­ steckte sich sodann über Nacht im Gebüsche und meldete morgens den Vorfall der Polizei, die ihm über kernen Glauben schenken wollte. Und so schien über die ganze Geschichte Gras zu wachsen. Böck wurde schlreßlW zur Marine ausgehoben und.war seit Januar h. Jrs. als Maschinistenanwärter aus einem kaiferl. Li­ nienschiffe. Wegen der in Frage stehenden Tat wurde er am 31. Mai verhästet. Sein Mit­ genosse, der Malergeselle Auer, der hiebei der eigentliche Rädelsführer gewesen war, er­ hielt am 12. September h. Jrs. von der Strafkammer in LandshUt wegen dieses Rau­ bes eine 2jährige Gefängnisstrafe zugemessen, welche er zurzeit in Niederschönenfeld verbüßtDer Angeklagte Böck, der im wesentlichen ein Geständnis ablegte, wurde wegen derselben Tat unter Annahme mildernder Umstände zur Gefängnisstrafe hon 2 Jahiren 3 Monaten ver­ urteilt, worauf 4 Monate der 'Untersuchungs­ haft angerechnet werden. Niederbayerische Nachrichten. Passau, 9. Oktober. (Passauer Zeitung und Magistrat.) Die Passauer' Zeitung hatte an der Lebensmittelversorgung der Stadt in der letzten Zeit scharfe Kritik giübt. Darauf­ hin hat der Bürgermeister das magistratische Abbonnement der Zeitung abbestellt und das Gemeindekollegium in einer öffentlichen Er­ klärung das Vorgehen der Zeitung als für das Ansehen der Stadt schädlich bezeichnet. Gegen diese Erklärung wendet sich jetzt der liberale Volksverein Passau mit einer Resolution, in der «s heißt: In einer stark besuchten Mitglie­ derversammlung des Liberalen Volksverems Passau wuxde die Erklärung des Gemeinde­ kollegiums gegen die Passauer Zeitung in Sa­ chen der Ernährungsfragen der Stadt bespro­ chen und eine Entschließung einstimmig ange­ nommen, in der es u. a. heißt: "Die kritischen Betrachtungen besonders der Lebensmittelfra­ gen der Stadt waren nur zu begrüßen. Wir sprechen uns dagegen aus, daß eine derartige Kritik das Ansähen der Stadt schädige. Ein Kampf gegen die Stadtverwaltung kann in dieser Kritik nicht erblickt werden. Ob die Form der Kritik sich immer in den richtigen Grenzen gehalten hat, da,rüber kann man verschiedener Meinung sein." ,, ────────── annahen die Flucht ergriff. Sie eilten dem Verdächtigen nach und nahmen Hn nach!'län­ gerer Jagd fest. Es war der entflohene Fran­ zose, der sich somit kaum eine Stunde der Freiheit erfreut hatte. Die beiden Herren Stitjirer verbrachten den Gefangenen zur Po­ lizeiwache Metzer, von wo er dem Gefange­ nenlager wieder zugeführt wurde. —* Ein Fahrrad wurde gestern einem Oekonomen von Ergolding aus dem Vorplatze eines Gasthauses der unteren Altstadt gestohtlen. i —* Schweine-, Geflügel-, Fisch- u. Hundefutter. Im städt. Schlachthofe wird vorerst versuchsweise an bestimmten Wochen­ tagen Futter für Schweine, Hunde usw. abge­ geben. Das Futter besteht, wie wir hören, aus sterilisierten und denaturierten, zum Ge­ nusse für Menschen untauglich erklärtem Fleischt Diese Gelegenheit zur Futterbeschaffung wird namentlich vielen Hundebesitzern fdjlr willkom­ men sein. —* Ein Wechselfahrer macht wieder­ um einzelne Orte unsicher. Vorgestern war er in Regensburg tätig, wo er in einem Geschäft eine Hundertmarknote in Zahlung gab, die Note aber mit dem Wechselgelde wieder ein­ steckte, während er die Geschäftsinhaberin in ein Gespräch verstrickte. Der Schwindler dürfte seine Betrügereien auch an anderen Orten ver­ suchen. Es ist daher Aufmerksamkeit dex Ge­ schäftsinhaber geboten. —* Ueber den Ferkelhandel besagt eine amtliche Mitteilung der Bayer. Fleisch­ versorgungsstelle: Mit sofortiger Wirksamkeit wird bestimmt, daß die Erlaubniskarten der Ferkelhändler für das ganze Königreich Gel­ tung häben. Der Versand von Ferkeln aus dem .rechtsrheinischen Bayern in die Pfalz und umgekehrt unterliegt nach wie vor 'der Genehmigung der Bayerischen Fleischversor­ gungsstelle, damit Gewähr geboten ist, daß die Tiere auch ihrem B^timmungsort zuge­ führt werden. ────────── ten Seeleute umfaßt 328 Namen, wodurch die Vermißtenzahl auf 12 beschränkt wird, da­ runter befindet sich fast der..ganze Stab. Nur der '2. Offizier ist gerettet. i Tie Vergewaltigung Griechenlands. Der Secolo meldet aus Athen: Schisse der Alliierten fuhren in den Piräus und ankerten neben griechischen Schissen. Eine kleine Ab­ teilung französischer Marinetruppen richtete sich im Piräus ein. Letzte Posten. Ersglgloser Fliegerangriff aus Stuttgart. Stuttgart, 11. Okt. Rechtzeitig gemel­ det, erschien gestern zweimal um 8 Uhr 54 Min. und 9 Uhr 23 Min. ein feindlicher Flie­ ger über Stuttgart. Er warf einige Bomben ab, wodurch aber weder Personen noch Ge­ bäude getroffen wurden. Die Ladung der "Deutschland". Nach norwegischen Bliättermeldungen hat die "Deutschland" auf ihrer Rückfahrt vonAmerika eine Ladung i mWerte von acht Millionen mit geführt. ’ i Unsere U-Boote an der französischen Küste. Bern, 10. Okt. Nach dem Petit Jour­ nal wurde der französische Dreimaster "Vere­ inte" torpediert. Der Dampfer "Basse Jndre" wurde von zwei Unterseebooten angegriffen und beschossen, konnte jedoch entfliehen. Der Dampfer "Blavel", 110 Tonnen wurde tor­ pediert. Außerdem versenkten deutsche Unter­ seeboote in den nordfranzösischen Gewässern den Dampfer "Verdun" (4295 Tonnen). Eben­ sfalls wurde der holländische Dampfer "Kap Mazagan" (761 Tonnen) versenkt. Die italienischen Schiffsverluste. Nach einer Statistik der "Jdea Nationale" verlor Italien von Mai bis August 105 Schisse mit 150 000 Tonnen Gehalt. Die Geretteten der "Gallia". Paris, 10. Okt. (Ag. Havas.) Die Liste der bei dem Schifssburch der "Gallia" gerette­ ────────── Kriegsbriefe aus dem Westen. Ber lin, den 10. Oktober 1916. lUnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Abermaliges Scheitern -er Durchbruchs' angriffe an der Somme. I Telegramm unsres Krt egsberichterstatters. I Jär. Hauptquartier, den 9. Oktober. I Während des gestrigen Tages und eines | großen Teiles der Nacht wurden längs der I Front nördlich der Somme die englischen und I französischen Durchbruchsversuche immer w'ie| der erneuert, Io daß sich häufige und schwere I Kämpfe bei Courcelette, bei Morval, bei EauI court—l'Abbaye, zwischen Lesboeuss und I Gueudecourt, und mit ltrußerster Steigerung I zwischen dem Walde St. Pierre-Vaast und FreI gicourt abspielten, wo der Feind im Laufe des I Tages sechs Mal anrannte. Ferner unternahm | der Feind einen Jnfanterieangriff weiter nörd1 lich, an einer bisher ruhigeren Frontstelle bei Blaireville südlich von Arras. Alle diese Angriffe sind ausnahmslos und restlos zurück­ geschlagen worden, ohne dem Feinde den min­ desten Vorteil zu bringen. Nordwestlich Le Sars war es den Engländern am Vormit­ tag gelungen, an einer kleinen Stelle ein­ zudringen. Nachmittags wurde sie wieder ge­ säubert, und dabei verloren die Engländer neunzig Mann an Gefangenen und 7 Maschi­ nengewehre. Bei PoziereK wurde wieder einer der berühmten neuen englischen "Landmoni­ tore" in Tätigkeit gesetzt und prompt von uns abgeschossen. Südlich der Somme war es ru­ higer. Ein dort im Raume Bovent-Ctzaulnes angesetzter französischer Angriff erstickte in un­ serem Artilleriefeuer vor seinemBegtnn. Seit heute fr ul) ist das feindliche Artilleriefeuer wieder sehr lebhaft, namentlich bei Dhiepval, Rancourt und Gueudecourrt. Wie enttäüscht der Feind vom Mißlingen des neuen Durch­ bruchsversuches ist, beweist die auffallende Tat­ sache, daß die Franzosen in ihren Berichten ihre gewaltigen und verlustreichen Angriffe übertzäupt nicht erwähnen. 1 W. Scheuer mann, Kriegsberichterstatter. ────────── Vermischtes. säst kein Verbrechen in den Vereinigten Staaten, bei dem nicht ein Automobil eine Rolle spielen würde. Die neue Schule ist deshalb auch sehr besucht. Die Uuterrichtsräume sind in der Polizeidirektion von New Aork untergebracht, und jede Klasse enthält 18 Schüler, die für die verschiedenen Wachtposten der äußeren Stadtviertel bestimmt sind. Luftbombardement mit Apfelsinen. Die Annahme, daß der Kampf zwischen Flug­ zeugen und Abwehrgeschützen in diesem Kriege zum ersten Male in die Erscheinung getreten sei, wider­ legt eine Geschichte, die der gefallene französische Flieger Carros, seinen Freunden zu erzählen pflegte, und die von diesen jetzt wieder in der Erinnerung aufgefrischt wird. Es war int Jahre 1911, als die französischen Flieger Garros, Audemars, Barrier und Simon eine Tournee durch Amerika machten. Bei der Gelegenheit waren sie auch nach der Stadt Mexiko gekommen, und um der Flugvorstellung dort erhöhte Zugkraft zu geben, hatte der Manager beschloßen, in das Programm eine militärische Nummer einzufügen. Man war dem zufolge mit den Lokal­ behörden der Stadt übereingekommen, daß die Flug­ zeuge von der Erde aus durch eine Artilleriebatterie beschossen werden, und daß die Piloten aus der Höhe die Beschießung ihrerseits erwidern sollten, allerdings mit ganz ungefährlichen Geschoßen, nämlich mir Apfel­ sinen. Es bedarf nicht erst der Hervorhebung, daß selbstverständlich auch die Kanonen nur blind feuerten. Die Sache nahm einen von schönen Erfolgen begleiteten Verlaus. Ununterbrochen feuerten die Abwehrgeschütze und das Publikum klatschte lebhaft Beifall. Plötzlich aber sah man mit Staunen, daß die amerikanischen Artilleristen eiligst davonrannten und ihre Kanonen schmähligst im Stiche ließen. Nach der Ursache dieser eiligen Flucht brauchte man nicht lange zu suchen. Wenn die Kanonenschüsse den Flugzeugen nichts taten, so konnte man Dasselbe nicht von den Apfelsinen sagen, die aus einer Höhe von 200 bis 300 Metern den Artilleristen auf die Nase klatschten, was nicht eben zu den Annehmlichkeiten des militärischen Lebens gehörte. So kam es, vaß diese vor dem Bombar­ dement mit den Südfrüchten ihr Heil in der Flucht richten. Automobilistischer Elrkentmngsdienst. Nach dem Beispiel des Beert-llonschen polizeilichen Meßdienstes hat der amerikanische Polizeiinfpektor John Brennan ein Verfahren «erdacht, das dem Zwecke dienen will, unter 1000 Automobilen ein bestimmtes herauszufinden und wiederzuerkennen. Dank seinem Verfahren hat er sich auch bereits den Titel eines "Professors des automobilistisähen Erkennungsdienstes bei der Polizeidirektion von- New Aork" erworben. Einem Ansfrager gegenüber erkllärte der Herr Professor, daß die Aulomoblle wie die. Menschen ihr eigenes Gesicht habe. Es komme nur darauf an, eines vom andern zu unterscheiden. Bnennan unterrichtet die B seiner Erziehung anvertrauten 'Polizeischüler über die charakteristischen Züge der versschiedenen Wagentypen, um ihnen zunächst eine Grundlage zu geben, auf der sie weiter arbeiten können. 'Die Maschinen haben aber nicht nur Gesichter, sondiern auch Glieder, an denen man sie wiedererkennt.. Deshalb sind, die Wände des Unterrichtszimmers mit Karten bedeckt, die die verschiedenen Formen dieser Glieder im Bilde vorführen und als Material ssür den Anschauungs­ unterricht dienen. Um die Beideutung dieser Schule zu verstehen, muß man sich gegenwärtig halten, daß in Amerika das Automobil eimes der bevorzugtesten Instrumente der Verbrechergilbe ist. Es geschieht ────────── Literarisches. Hundesport und Jagd. Amtliche Zeit­ liche Zeitschrift des Teutschen Reichsverbandes für Polizei- und Schutzhunde, E. V. mit 26 Unterabteilungen und anderer Verbände. Er­ scheint wöchentlich! einmal im Verlage Gundlach-Bielefeld. Preis vierteljährlich 2.25Mk. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Beschlagnahme von Achseln. Gemäß teleqraphischer Entschließung des K. stelln. Generalkommandos t. A.-K. vom 7. Oktober c, find dir 90KT Tafeläpfel "MD ho« der Beschlagnahm? ausgenommen. AIS LaselKPsei gellen ansschlietzlich gepMckte, sortierte in feste« GesStzen verpackte Aepsel. Landshut, den 9. Oktober 1916. Stadtmagistrat Landshut. Ambras. Schwarz. ────────── "Jedenfalls wäre das die geschäftliche Er­ ledigung dieser Angelegenheit," sagte sie leise. Tante Jettchens Augen funkelten. Sie rückte unruhig auf ihrem Sessel hin und her, als fiel ihr das Schweigen schwer. Lothar fcch sie mahnend an. 'Dann sagte er mit einem tiefen Atemzuge: "So, so ? Nun erlaube ich mir eine Frage, Annö-Rofe. Wie hätten Sie wohl im um­ gekehrten Falle diese Angelegenheit geregelt? Hätten Sie da auch so genau gerechnet, was ich Jh!nen schuldig wäre?" Sie preßte die Handflächen zusammen und in, bcB» blasse Gesicht stieg ein leichtes Rot. "O, das ist etwas anderes, das wollen wir picht «erörtern. Ich fühle mW ledenfalls rp Ihrer Schuld." Er sprang aus und trat von ihr fort, als Müsse er eine große Entfernung zwischen sie tärd sich legen. Ein zärtlicher Uebermut bracht ffjrs seinen Augen. "Also, Sie betrachten sich als meine SDmldnerin? Run gut, so werde ich auch! flttt aller Strenge gegen Sie verfahren, vor«Dgesetzt natürlich, daß dies neue Testament Sttiig ist. Ich werde Sie in Retzbach in SchiuldWt halten, jawohl, in strengster Schuldhaft. So lange Sie mir noch einen Pfennig schulden, dürfen Sie sich ohne meine Genehmigung nicht von Retzbach entfernen. Und da mir dies noch nicht Sicherheit igenug bietet, behalte ich auch Tante Jettchen mit in Schiuldhaft." Anne-Rose atmete tief auf und sah Tante Jettchen an, als wollte sie sagen: "Wir haben ihm vorher doch unrecht ge­ tan." Und mit einem dankbaren Blick zu ihm aufsehend, sagte sie bewegt: "Für Tante Jettchen nehme W diese Schuldhast an, Vetter, und danke Ihnen für Ihre Großmut. Aber ich selbst, ich, nein, ich kann nicht Hierbleiben und das Gnadenbrot in Retzbach essen, dazu bin ich zu stolz." : "Anne-Rose!" rief er erschrocken. "So dür­ fen Sie das nicht auffassen." Ihre Lippen zuckten wie im verhaltenen Weinen. "Wie sollte ich es sonst auffassen, Vetter?" Schnell trat er vor sie hin. "Anne-Rose, Sie Haben mich, als Sie Her-rin von Retzbach wurden, verpflichtet, nach« Retzbach zu kommen, als Ihr Geschäftsführer, Ihr Verwalter. Ich war nicht zu stolz, dies Angebot anzunehmen, weil ich hoffte, Ihnen dienen zu können. Nun wohl, jetzt stehe ich vor Ihnen und sage Ihnen, ich bedarf Ihrer und Tönte Jettchens, wenn ich wirklich! Herr von Retzbach werde. Ich selbst brauchje Ihre Gesellschaft, brauche jemand, der die Honneurs macht in diesem Hause; Sie sind mir genau so notwendig, als ich Ihnen war. Nun sind Sie mir also Revanche schuldig und müssen bleiben." Sie krampste die Hände zusammen. "Und wenn Sie eines Tages eine Haus­ frau nach Retzbach bringen. Vetter, was soll ich dann hier? Dann Bin ich noch-' überflüssi­ ger, als ich es jetzt schon wäre." Seine Augen glühten auf, daß sie er­ schrocken die ihren schloß und einen Moment wie gelähmt war. "Wenn ich eine Frau heimführe, AnneRose, dann, ja, dann entlasse ich Sie aus Ihrer Schuldhaft, eher nicht. Versprechen Sie mir, daß Sie in Retzbach bleiben, bis das geschieht, ich bitte Sie darum!" Sie wagte es nicht, jetzt noch einmal in seine Augen zu sehen. Mit gesenkten Lidern saß sie da. - : ' "Nun, wohl, ich verspreche es Ihnen, Vet­ ter. Und ich nehme es dankbar an, daß Sie, uns so großmütig gestatten, zu "bleiben." , ' l (Sortierung folgt.) , v j