Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-10-12. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 278, 1916-10-12. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Seeflugzeug-Geschwader. { Ihr Westen lam es an der Somtnefxont zu zahlreichen Teilangriffen unserer Gegner, die jedoch nur südwestlich von Sailly in unsere Linien einzudringen vermochten. An allen anderen Stellen wurden sie durch Feuer oder int Nahkamps abgeschlagen. Südlich der Som-me gingen die Unsern vor dem starken sranzösi- 1 schen Drucke aus den bei Vermandovillers vor­ springenden Punkt unserer Stellung in eine neue vorbereitete Stellung zurück, die die Front verkürzt. ; Unsere Flieger haben 8 feindliche Flug­ zeuge abgeschossen. Bei Reims machte eine unserer Erkundungsabieilungen einen gelun­ genen Vorstoß, der sie bis in den dritten fran­ zösischen Graben führte. Bei Fleury wurde ein französischer Vorstoß abgeschlagen. r In Siebenbürgen leistet der Feind int Warostale noch zähen Widerstand. Im Goergenytale und bei Parajd wich er erneut zurück. Bei Csik-Szereda und im Alttale wurde er geworfen. Die geschlagene 2. rumänische Ar­ mee wird weiter verfolgt. In der Dobrudscha bombardierten unsere Flugzeuge mit Erfolg Truppenverkehr in Cvnstantza, ' r * r ' In Mazedonien wurden feindliche An­ griffe abgewiesen. : 1 An der italienischen Front dauert die neue Offensive der Italiener unvermindert an. Von St. Peter bis zum Meere stießen sie vor, gelangten aber nur an wenigen Stellen bis in die Gräben der Verteidiger, aus denen sie durch Gegenstoß schnell wieder vertrieben wurden. Oesterreichisch-ungarischp Seeflugzeu­ ge bombardierten militärische Anlagen hinter der italienischen Front. ■■ Eine lebhafte Preßfehde hat sich in Ame­ rika über die Tätigkeit unserer U-Boote an der amerikanischen Küste entsponnen. Die fabelhaftesten Gerüchte wurden verbreitet. Vor allem aber zeigte sich an der Börse die Wir­ kung unserer U-Bootsangriffe in einem be­ deutenden Sinken, der Werte der Kriegsbedarf­ industrie. Offiziell hat Amerika.zu dem Krewzerkrieg der U-Boote noch nicht Stellung ge* | nommen. Es heißt sogar, Wilson will dies überhaupt nicht tun. Anderseits soll sogar Amerika die englische Zumutung, ihre Häsen für U-Boote zu sperren, ablehnend beantwort ten. , i: i ────────── Besitz gebliebene Grabenstücke wird noch ge­ kämpft. 1400 Gefangene blieben in den Hän­ den unserer Truppen. Die Kampstätigkeit an der Fleimstalfront hat Nachgelassen. Die Italiener haben hier in den letzten Kämpfen nichts erreicht. Das Ge­ fecht am Pasubio ist noch nWt abgeschlos­ sen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. E'tr stellvertretende Chef des Generalstabes' Ho es er, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Am 10. ds. abends hat eines unserer See­ slugzeuggeschwader die militärischen Objekte von Monfalcone und Vtaranzano erfolgreich mit Bomben belegt. In der Nacht vom 10. zum 11. ds. griff ein Seeflugzeuggeschwader die Hafenanlagen, Hangars und die Batte­ rien von Blora sowie 'die dort befindlichen feindlichen Schiffe mit bestem Erfolge an. Starke noch lange sichtbare Brande in der Stadt und der Brand eines Oeltanks wurde beobachtet. Alle Flugzeuge sind von diesen Unternehmungen trotz heftigsten Abwehr­ feuers unversehrt 'nach ihren Basisstationen zurückgekehrt. Flottenkommando. ────────── Der bulgarische Bericht. Sofia, 10. Okt. Amtl. Bericht: MazedonischS Front: Zwischen dem Prespasee und dem Cerna lebhafte Artillerietätigkeit. An der Front des Cernaknies schlugen wir alle Angriffe des Feindes durch unsere Artillerie­ feuer und stellenweise durch Gegenangriffe ab. Im Moglenicatale schwaches Artilleriefeuer. Auf beiden Seiten des Wardar Rühe. Am Fuße der Belosica schwaches Artilleriefeuer. An der Strumafront Patrouillengefechte. An der ägäischen Küste lebhaftes Kreuzen der feindlichen Flotte. Längs der Donau und in der Dobrudscha Ruhe. An der Küste des Schwarzen Meeres beschossen 'fünf russische Kriegsschiffe den Hafen von Jniedo, auch die Höhen um Totlodjakoej wurde von der feindl. Flotte beschossen. ────────── Der Krieg mit Italien. Der Besitzt» der 8. Jsonzo-Schlacht. Berlin, 10. Oktober. Der in das öfter® reichisch-ungarifchje Hauptquartier entsandte Berichterstatter der "Tägl. Rundschau", No­ wak , meldet: Die italienische Artillerievorbe­ reitung gegen die Karsthochfläche dauert nun­ mehr schon seit so vielen Tagen an und steigert sich täglich in so heftigem Maste, dast sie den Begriff einer artilleristischen Vorbereitung längst überschritten hat. Sie stellt bereits eine Schlacht für sich und zwar eine neue Art von Schlacht dar. Die Artillerievorbereitung wuchs zur Artillerieschlaichlt. Seit Morgen­ grauen hämmern und heulen auch heute wie­ der, wie fast seit einer Woche schon, die italie­ nischen Batterien aus unsere Stellungen nie­ der. Das Feuer wird in den Vormittagsstun­ den verstärkt, um dann gegen die Mittags­ stunden zum Trommelfeuer zu steigen. Der Kommandant eines ganz engen Abschnittes von 1.5 Kilometer hat soeben erst gemeldet, Last, seine Leute vom Morgengrauen des 8. Oktober bis 1 Uhr Mittag 15 000 Granaten über sich ergehen tieften. Gleich darauf mel­ dete ein Kompagnieführer, dast seine Kompag­ nie in zwei Stunden von 2000 Geschossen überschüttet wurde. Wenn man überhaupt die Umrisse der im allgemeinen planlos arbeiten­ den italienischen Feuerleitung doch irgendwo feststellen will, so kann man sagen, dast sie jetzt immer gröstere Frontteile unter starkes Feuer setzen und insbesondere Heine Abschnitte mit Geschossen direkt überschwemmen °lästt. Das hervorstechendste Merkmal der 8. Jsonzoschlacht ist vorläufig das, dast unsere Artillerie bisher jeden Versuch eines Jnfanterievorgehens schon im Keime ersticken konnte. Gröstere italieni­ sche Jnfanterieabteilungen sind bisher nir­ gends hinter ihren Deckungen hervorgekom­ men. In einzelnen Frontabschnitten sind klei­ nere Gruppen vereinzelt zum Angriff ausge­ schwärmt, aber die Wachsamkeit unserer Ar­ tillerie zwang sie, sich in ihre Gräben zurück­ zuziehen, ohne dast sie überhaupt einen Sturm beginnen konnten. (SO ────────── Der Luftkrieg. Luftangriff auf Lörrach. , Frankfurt a. M., 11. DU. Die "Frks. Ztg." meldet aus Basel: Wie die "Basler Nach­ richten" mitteilen, h!at ein feindlicher Flieger gestern abend um halb 12 Uhr Lörrach über­ flogen und vier Bomben in der Nähe des Bahnhofes und auf den Hebelplatz abgewor­ fen. Drei Personen, die sich auf der Strafte befanden, wurden getötet: ein Medizinalrat, ein Hausknecht und ein Mädchen. Wie das Blatt weiter aus dem Grenzort Riehen meldet, wurde nachts halb 12. Uhr ein Flieger beobach­ tet, der in nordsüdlicher Richtung über die Stadt Basel flog; er wurde von der Schweizer Grenzwache beschossen. Es handelt sich! offen­ bar um den feindlichen Flieger, der nach dem Angriff auf Lörrach über schweizerisches Ge­ biet zurückflog. ISO ────────── Alliierten erhobene Beschwerde, die in einem Memoral schon int August gemacht wurde, ge­ geben wird. Es ist gern iß, daß Deutschland von diesem Memoral Kenntnis erhalten hat und es ist möglich, daß U 53 über den Atlant gesandt worden ist, um die von Amerika ein­ genommene Haltung zu prüfen. (Z.) Amerika und die N-Boatsnote Englands. Washington, 10. Okt. (Reuter.) DerRat des Staatsdepartements Polt hat mitgekeilk, daß die Vereinigten Staaten das Verlangen des Vierverbandes ablehnen werden, daß die Neutralen die Benutzung ihrer Häfen allen Unterseebooten, ob Handelsschiffen oderKriegsschisfen, verweigern sollten. Wilson in Verlegenheit. Rotterdam, 11. Oktober. "Daily News" wird aus Newyork gekabelt, die Lage des Präsidenten sei die schwierigste seit Be­ ginn seiner Präsidentschaft. Wenn er ent­ schiedene Maßnahmen treffe, würden die Re­ publikaner ihm vorwerfen, daß es nicht so weit gekommen wäre, und würden sagen, 'wenn er es früher getan hätte, dann wäre die Würde der Vereinigten Staaten gewahrt geblieben. Wenn er aber nichts tue) als eine neue Note zu verfassen, würde er die Stimmen Tausender von Amerikanern, welche für den Frieden ar­ beiten, nicht aber einen Frieden um einen sehr hohen Preis erkaufen wollen, verlieren. (Z.) Ein heikles Element. London, 10. Oktober. Reuter zufolge wird dem "Daily Telegraph" aus Washington telegraphiert, in das Verhältnis Deutschlands zu den Vereinigten Staaten sei durch die Tor­ pedierungen in nächster Nähe der amerikani­ schen Küste ein neues heikles Element gekom­ men, da sich die britischen Kreuzer auf drin­ gendes Ersuchen der Vereinigten Staaten von den Schiffahrtswegen in der Nähe der ameri­ kanischen Gewässer zurückzogen. Der "Ti­ mes" wird aus Newyork gemeldet, daß das "U-Boot 53" in Newport eine vollständige Liste (?) der ein- und ausfahrenden Dampfer erhalten habe und daraus fsofort an die Arbeit gegangen sei. Tie d eutschen U-Boote in Amerika. Genf, 11. Okt. Die Bestürzung in der. Pariser Presse über die Unterseeboote an der anrerrkanischen Küste ist säst so groß wie die Erbitterung. Aber trotz allem enthalten die Newhorker Depeschen keine Angaben, daß die deiUschen Unterseeboote den Seerechtsbestimiramgen zuwider gehandelt hätten. Es scheint, sich zu bestätigen, daß die Unterseeboote sich in keinem amerikanischen Hasen verproviantiert JjfcBen. (Z.) Lugano, 11. Okt. Tie Nachrichten über die Tätigkeit der Unterseeboote an der ame­ rikanischen Küste haben in Italien die größte und nicht eben erfreuliche UeberraWung her­ vorgerufen. Brot, Fleisch, Fisch, Butter. Käse, Speck, Oel, Häring, Stockfisch, Schollen, Salz und dergleichen mit rechtem Gewicht und Maß verkauft und abgelassen werden um einen ziemlichen Preis, mit dem die Verkäufer zurecht kommen können und mit dem auch die Käufer nicht be'chwert und übernommen werden. Und sollen die Marktmeister Aufsicht haben, daß es also gehalten (wird) und sowohl mit kleinem Gewicht, Stück und Maß als mit großem, nach eines jeden Notdurft und Gesinnen (Verlangen) ausgegeben und nicht verweigert werde Die englischen Schulkinder und die Kriegsanleihe Ein Mitarbeiter, des "Daily Telegraph" hat bei 1300 englischen Schulkindern beiderlei Geschlechts eine Umfrage erlassen, was sie vom Kriege halten, unö besonders, ob sie auch Kriegsanleihe gezeichnet haben. Das Ergebnis scheint nicht gerade hervor­ ragend gewesen zu sein. Die meisten Knaben haben auf die letzte Frage überhaupt nichts erobert; manche der Mädchen nannten kleine Beitiäge, die sie gezeichnet hatten, doch die meisten verhielten sich diesem Punkt gegenüber vollkommen gleichgültig. Eine eigene Meinung hatte eigentlich nur ein kleiner Realpolittker, der keck antwortete: "Ich habe keine Kriegsanleihe gezeichnet, denn ich habe mir gedacht, wenn eine Zeppelinbombe auf die Bank von England fällt, so ist _metn schönes Geld sutl'ch." — In der Tat ein hoffnungsvoller Ausdruck des nationalen Opfermuts von Englands Nachwuchs. ────────── Handel und Verkehr. Ahmstorf, 9. Oktober. (Der 2. heurige Schweinemarkt) dahier war bei schönem Wetter ziemlich gut besucht. Hiezu wurden 97 Stück Schweine auf den Markt gebracht. Der Handel ging mittelmäßig bei ziemlichem Preisrückgang. Es kosteten 4 5 Wochen alte Ferkeln 14 bis 36 Mark das Paar je nach Ware. Größere Schweine (Läufer) kosteten 60 80 Mark das Paar. _ Viele Schweine blieben unverkauft. Nächster Schweinemarkt dahier Samstag den 14. Oktober. ────────── Literarisches. Tie Illustrierte Kriegs-Chronik des Da­ heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen ge­ radezu auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chronikstil die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist eS also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen KriegejS festzustellen. (Verlag von Velhagen und Klasing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Pfg.) j ────────── Die Heeresberichte. Der deutsche Bericht. 1 . Kriegsschauplatz in SiebeubLrgeM. Im Marostale leistete der Feind noch zähen Widerstand. Im Goergenhtale und nordöstlich von Parajd gab er erneut nach. Oestlich von Csik—Szereda und weiter süd­ lich int Alttale wurde er geworfen. Die Verfolgung der bei Kronstadt (Brasso) ge­ schlagenen 2. rumänischen Armee wird fort­ gesetzt. «alkankriegsschauplatzi. Vaoresfrou-t des Geueralfeldmarschalls von Mackensen. An der Donau und in der Dobrudscha keine Ereignisse. Unsere Flugzeuggeschwader bombardierten mit Erfolg Truppenverkehr bei Constantza. Mazedonische Front. Neben stellenweisen lebhaften Feuerkäm­ pfen kam es an der Cerna, an bet Nidze Planina und in Gegend von Sjumnica (west­ lich des War dar) zu ergebnislosen feindlichen Vorstößen. 1 ■ Ter 1. Generalquartiermesttev: > Ludendorff. WTB. Berlin, 11. Oktober, mittags. (Großes Hauptquartier.) "Westlicher Kriegsschauplatz!. In einzelnen Abschnitten der Armee des Generalfeldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg und auf der Artoisfront der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinzen Rupprecht von Bayern entfalteten die Engländer wieder lebhafte Patrouillentätigkeit^ An der Schlachtfront nörd­ lich der Somme folgten betn starken weit über die Ancre nach Norden übergreifenden feind­ lichen Feuer abends und nachts zahlreijchjeTeilangriffe, die auf der Linie Morval—Bouchavesnes besonders kräftig mehrfach wiederholt, wurden. Hier hat sich südwestlich von Sailly der Gegner auf schmaler Front in unserer ersten Linie festgesetzt, während er int klebrigen durch Feuer oder int Nahkampf abgeschlagen wurde. Nordöstlich von Thiepval ist der Kampf um einen kleinen Stützpunkt noch nicht abge­ schlossen. Südlich der Somme gelang es den Fran­ zosen nach dem mehrere Tage andauernden Vorbereitungsfeuer in den auf Vermandovil­ lers vorspringenden Bogen unserer Stellung einzudringen und unsere Truppen auf die vorbereitete, den Bogen abschneidende Linie zurückzudrücken. In der aufgegebenen Stel­ lung liegen die Höfe Genermont und Bovent. \ ■ Unsere Flieger schossen vier Flugzeuge hinter der feindlichen, 4 hinter unserer Li­ nie ab. Front des deutsche»» Krouprintzen. Bei Prunah (südlich von Reims) stieß eine deutsche Erkundungsabteilung bis in den 3. französischen Graben vor und machte Ge­ fangene. Die bereits in den letzten Tagen er­ höhte Feuertätigkeit int Maasgebiet nahm be­ sonders östlich des Flusses zeitweise noch zu. Abends kam es zu kurzen Handgranatenkämpsen int Abschnitt Thiaumont—Fleury. Oöst­ lich von Fleury wurde ein französischer Vor­ stoß abgewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz». Don den beiden Heeresfronten nichts Neues. ! i ! f, | [ : |.j ; | TJ