Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-10-31. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 297, 1916-10-31. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Zwei russische Masseuftürme blutig abgewiesen. - Erweiterung Seutscher Erfolge am Roteu-Turmpatz. — Die Säuberung in der Dobruvscha nahezu veeuSet. — Servischsrauzöfische Angriffe in Mazedonien mißlungen. Im Westen versuchten die Feinde nördlich der Somme neue Angriffe, die ihnen nur bei Lesboeuf einen Seinen Erfolg brachten. An affen anderen Stellen wurden sie abgewiesen. Südlich der Sonrme erstürmten die Unsern La Matsonettes und die anschießenden Stei­ fungen bis Biaches. Im' Osten unternahmien die RussenMassenstürme bei PnstoMhty und Szelwosw, die aber bereits in unserem Abwehrfeuer unter gro­ ßen Verlusten scheiterten.' An der stebenbürgischen Grenze wurden südlich des Roten Turm-Passes Mehrere rutmänische Höhenstellungen genommen. Wühlend die rumänische Heeresleitung in unverantwortlichem Leichtsinn fortfährt, mit der iMMer wiederholen Bemerkung: "In der Dobrndscha ist d ie Lage unverändert", die völ­ lige Auflösung des rumänisch-russischen Dobrudschaheeres betn rumänischen Volle zu ver­ schleiern, treibt das Heer Mackensens'die flüch­ tigen Scharen der Feinde immer mehr zu Paa­ ren. Nirgends gibt's ein Hatten mehr. Die Versuche, ihr spärliches Artillerrematerial zu retten, scheinen von den Rumänen aufgegeben zu sein; denn die Buhgaren haben in den letz­ ten Tagen wieder 77 Geschütze erbeutet. Vom Schrecken gepackt, jagen Russen itnb Rumänen nordwärts, um bei Galatz oder Tulcea viel­ leicht noch die Donau liberschreiten zu Tonnen, ehe is§ zu spät ist. Aber die unbarmherzigen Verfolger bleiben ihnen hart auf den Fersen. Bereits ant '27. Oktober 'hatten vorgeschobene bulgarische Abteilungen die Linie Ostrovo— südlich Bqdadagh erreicht. Damit Haben sie die Linie Cernavoda—Constantza schon 66 Ki­ lometer hinter sich gelassen und sind der Nord­ grenze der Dobrndscha aus 30—35 Kilometer Abstand nahegerückt. In Mazedonien mißlangen mehrere feind­ liche Angriffe. ────────── Die Heeresberichte. ────────── Der deutsche Bericht. WTB. Berlin, 30. Oktober. Mittags. (Großes Hauptquartier.) ^öestlichrr Krlegsschanplatzi. Front des Gtzneralfeldmarschalls Kronprinz SlnpprechtLo« Bayer«. (, j Auf vielen .Stellen der Front nördlich der Somimie lag von uns kräftig erwidertes feindliches Feuer. Bei einem Angriffe aus der Linie Les­ boeuf—Morval gelang es dem Gegner, seine Einbruchsstelle in unserem vordersten Graben östlich Lesboeuf nach Süden in geringer Aus­ dehnung zu verbreitern. An vielen anderen Punkten, an welchen er durch unser Sperrfeuer hindurch vorwärts kam, wurde er blutig abgewiesen. Auf dem Südufer der SomMe wurden das Gehöft La Maisonette und die sich von dort nach Biaches hinziehenden französischen Stellungen in frischem Angriff durch das aus Berlinern und Brandenburgern bestehende In­ fanterieregiment Nr. 359 gestiilpmit, dem die durch Beobachtungsflieger vortrefflich unter­ stützte Artillerie wirkungsvoll vorgearbeitet hatte. 412 Gefangene, darunter 15 Offiziere, sind eingebracht. Front des deutschen Kronprinzen. An der Nordostfront von Verdun hätt der Geschützkampf an. Oestilicher Kriegsschauplatz!. Front des Generalseldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Ein russischer Massensturm, durch stärk­ sten Munitionseinsatz vorbereitet, brach west­ lich von Pustomhty und bald darauf auch westlich 'von Szelwvw gegen unsere Stellun­ gen vor. Beide Anglriffe scheiterten im Ab­ wehrfeuer unter blutigen Verlusten. Heerasfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. In den Waldkarpathen und iM südlich an­ schließenden ungarisch-rumänischen Grenzgebivge herrscht, abgesehen von Patrouillentätigkeit, bei regnerischem Wetter Ruhe. Südöstlich des Roten Turmpasses wurden Erfolge hännoveranischer und mecklenburgi­ scher Jäger vom Vortage erweitert, Miehrere zäh verteidigte rumänische Höhenstellungen tue Sturme genontmcn. Aus den letzten Kämpfen in dieser Gegend sind 18 Offiziere und über 700 Man« gefangen zurückgeführt worden. Südwestlich des Szurdukpasses haben die Rumänen eine unserer Seitenkolvnnen zurück­ gedrängt. Balkankriegsschanplatz. ; Heeresfront des Gemeralfeldmarschalls von Macttmse«. , In der nördlichen Dobrndscha stehen unsere ? verfolgenden Abteilungen in Fühlung mit rus1 sischer Infanterie und Kavallerie. I Mazedonische Front. I Nach starker Artillerievorbereitung grif| sen gestern morgens serbische und französische Truppen an der Cerna, zunächst in schmalen, dann in breiteren Abschnittzm die deutschen und bulgarischen 'Stellungen an. Im Sperr­ feuer, nordöstlich von Veljeselo durch Gegen­ stoß, mißlangen die Angriffe vollkommen. Ebenso vergeblich blieben Vorstöße des | Feindes bei Keuatt und Gradesnica. I Ter 1. Generalquartiermeister: f' | Ludendorff. ────────── Der österr.-ung. Bericht. j WTB. Wien, den 30. Oktober. — i Amtlich wird verlautbart: I Oestlitker Kriegsschauplatz-. I Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. Bei Orsova nichts Neues. Südwestlich des Szurduk-Passes drängle der Feind eine unserer Gesechtsgriuppen um' einige Kilometer zurück. Südöstlich des Roten I Turm-Passes erweiterten wir unsere Erfolge. | Nördlich von Campolung wurden rumänische | Vorstöße abgeschlagen. An der ungarischen Ostgrenze ließ die Kampftätigkeit nach. Heeresfront des Generalfeld marschalls Prinz Leopold von Bayern. "Bei 'Pustomhth versuchten die Russen nach kürzern, aber hestigsteml Arrillerrefeuer einen Massensturm. Ihre Kolonnen brachen teils I vor, teils in unseren Hindernissen zusammen. I Ebenso scheiterte ein feindlicher Massenstoß bei | Szelwow. I Italienischer Kriegsschauplatz. I Bei ungünstigen Sichtverhättnissen war • gestern die feindliche Gefechtstätigkeit iM Kü, stenlande geringer als in den vergangenen I Tagen. I Siwöülichj-r Kriegsschauplatz. | Unverändert. i Der stellvertretende Chef des GeneraMobsA« 3. Hoefer, Feldmarfck-alfeutnanr ────────── Der türkische Bericht. K o n st a n t t n o £ c 1, "29. Oft. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An Per Kaukasussront unternahm der Feind auf dem rechten Flügel einen Angriff mit Handgranaten, "der unter blutigen Ver­ lusten für ihn abgeschlagen wurde. Aus dem linken Flügel Feuergefecht. Kein wichtiges Er­ eignis auf den anderen Fronten. Der Vizegeneralissimus. Japan führt schwärze Listen ei«. Haag, 29. Oktober. Einer Reutermeldung aus Tokio zufolge beabsichtigt die japa­ nische Regierung die Einführung von "Schwar­ zen Listen", wodurch solchen Firmen, die bis­ her noch immjer mit feindlichen 'Staatsange­ hörigen Handel treiben konnten, das Handwerk gelegt werden soll. Ein diesbezüglicher Ge­ setzentwurf soll demnächst der Kaminer vor­ gelegt werden. (3‘) ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Reue deutsche Geschütze an der Somime. Nach einem Genfer Telegramim des Berl. Lok.-Anz. gesteht ein ergänzender Bericht aus dem Haigschen Hauptquartier die starken Wir­ kungen der neu aufgestellten weittragenden deutschen Geschütze an der Sommjefront zu. Einweihung eines Ehrcnfrievhofes bei Mau­ beuge. Brüssel, 28. Okwber. Am 20. Oktober wurde mit einer schlichten Feier der Ehrenfriedhof für die in den Kämpfen bei Maubeuge am 7. September 1914 gefallenen Krieger ein­ geweiht. Der Friedhof liegt nördlich von Asse­ vent auf einer kleinen Hügelwelle, die einen Ueber blick über den größten Teil des Schlacht­ feldes bietet. Es sind dort Freund und Feind nebeneinander, 262 deutsche und 381 französi­ sche Krieger zur ewigen Rühe bestattet. Tie Leichen wurden aus den Grabstätten, die in Wiesen und Feldern, in Hausgärten und Fe­ stungswerken 'zerstreut wären und durch Pflug und Spaten bedroht waren, in die neue Ruhe­ stätte überführt. L8f-) ────────── Rumänische Gefangene in der Türkei. Konstantinopel, 29. Oktober. Der erste Transport rumänischer Gefangener ist auf dem Wege nach Anatolien gestern durch die Straßen von Konstantinopel gezogen. Die rumänischen Soldaten mächten durch ihr elen­ des Aussehen und ihre niedergeschlagenen Mie­ nen einen bejammerswerten Eindruck. Die Menge bewahrte überall würdige Ruhe und betrachtete den Durchzug der Gefangenen mit Verachtung. Die Türkei im Kriege. ────────── Der Krieg mit England. Der Alkoholgenuß in England soll untersagt werde«. London, 29. Okwber. Die Blätter ver­ öffentlichen einen Aufruf, der von Vertretern der Flotte, des Heeres, der Munitionsfabriken/ von Parlamentsmitgliedern, sowie Männern der Kunst und Wissenschaft unterzeichnet 'ist und''die Regierung ausfordert, für die Dauer des Krieges den Alkohvlgenuß zu untersagen und alle Schenken und Bars in Abstinenzwirt­ schaften umzuwandeln. (Z.) ────────── Der Krieg zur See. Athen, 29. Okt. Reuter meldet: Der Dcupser "Angeliki" mit Freiwilligen nachSaloniki unterwegs ist versenkt worden. Kopenhagen, 29. Okt. Der Dampfer "Jhlland" setzte in Frederikshaven die Besatz­ ung des norwegischen Dampfers "StenPhest" an Land, welcher mit Eisen und Holzmassen von Goetheborg nach Hüll unterwegs in der Nordsee versenkt wurde. Er sank innerhalb 5 Minunten. Das Unterseeboot schleppte das Boot mit der Besatzung 4 Stunden, worauf es sie aus den schwedischen Dampfer Doro­ thea brachte. Bon ihm übernahm, "Jhlland" sie bei ©tagen. Lloyds meldet, daß der russische Dampfer "Jngersoll" und der dänische Dampfer "Sif" versenkt worden sind. Außerdem ist der russische Dampfer"Kiew" von Archangelsk nach Leith bei Rattray auf Strand gelaufen. Er ist verloren. Fahrgäste und 62 Matrosen wurden gerettet, 7 werden vermißt. ────────── die sutn' Sturm vorgeht, Da ist Not, Leid/ Gebete, Zorn, Vernichtung, tausend Wünsche so groß tote die Berge, tausend Sehnsüchtige weit tote der spannende HiMmel, da sind tausend Menschentoelten, die unter dem hellen Glanz der großen Welt den dunklen Schicksalslauf kreisen. Unfaßbar schön ist die Erde, und unfaßbares Elend trägt unser Fieber in ihre Schönheit, in ihr goldenstes Korn, in ihre traumgrünsten Wälder, in ihve gottseligsteHocheinsamkeit. Einmal sollte man die kleinen, großen Zieher und Woller und Schieber an der Themse in die leuchtende Einsamkeit der schönsten Welt hier oben stellen, und dann soll­ ten sie ihre Reden halten vom Zerschmettern und belgischer Neutralität und Kulturkampf und Militarismus und heiligem Ztoang, ihre StimpO müßte ihnen ilms Munde brennen, ihrer Narrhieit würde der Atem ausgehen in der freien, dünnen Luft der Bergheiligkeit. ' Kleine tapfere Punkte ... es ist, als ob der Nebel gewartet habe, um sie zu ver­ schlucken. Noch sieht man größere geschlossene Massen, einen kleinen schwarz-grauen Fleck die Halde herunterkommen: gefangene Russen. — Dann Ballt sich der Nebel dichter. Leuchtku­ geln . steigen hoch. JmMier dichter verschlei­ ert sich die Ferne. Nach sieht man unten ttn Lajosfalva und Kirlibaba. Wie ein braun-toeißgrünes Holzdörfchen zum Verschenken als Kindersipelzeug liegen die kleinen Nester dort am goldenen Bhstritz-Bach. Die Russen schicken ein paar Schrapnells in das Tal, die über den verlassenen Häusern zerflattern. Unaufhörlich arbeitet die deutsche und österr.-ungar. Artillerie. Die mittlere Fruntea wird a'M'Machmit­ tag dann genommen, über 1000 Gefangene, 5 Offiziere darunter, werden eingebracht, Das vollzieht sich hinter den undurchsichtigen Ne­ belvorhängen . -Noch ist sonniges Licht auf un­ serer Kuppe und auf dem Felsengipfel des Capul. Der Wind faßt schärfer zu. Die Sonne verschwimmt als ob sie langsam in ei­ nem grauen Meer untersänke. Die Scheren­ fernrohre werden zusammengepackt, das Tele­ phon —, das schon eine Minute nach unserer Ankunft in Ordnung 'war —, wird wieder ab­ montiert. Der Gefechtsstand der Division ffk aufgelöst. Wir steigen einen steilen Grad ab, der fast senkrecht zur Linken zum goldenen Bhstritztal abfällt. Der General sieht die Hal­ den und Hänge schon auf ihre Tauglichkeit als Stt-Uebungsplatz an, und der Generalstabs­ offizier scheint schon den Telemark-Schwung in den Knochen zu spüren. Am Tage darauf ist dann von Schlesiern und Jägern der Smotrec und die namenlosen Kuppen zwischen Smotrec und Stajki genom­ men worden. Russische Gegenangriffe setzten ein; die KoMan-Latschen wurden in erbittert ten NahWMPsen durch Bayern gesäubert, dann griff der Winter an. Ich sah! eine Kompagnie, die in Reserve ging. Die Gesichter geigten alle, daß dieser beginnende Karpathenwimter Schwe­ res verlangt. Die Uniformen wmren unter nassem Brei und LehM kaum zu erlernten, auf den Händen lagen dicke Krusten. 'Die Augen, es ist nicht möglich, die Augen eiiner solchen Marschierenden Kompagnie zu vercgefsen. Sie sehen und sehen nicht, sie klagen am, sie spre­ chen von furchtbarem Menschenleild und von übermenschlicher Anstrengung, es zzu überwin­ den, sie sind wach und müde, utnd trotzdem ist Härte in ihnen, eine schneideende Härte, wie sie im Kriege gelernt wird. Ess mag Wohl auch sonst nirgends leicht sein, sichh mit dieser Zeit abzufinden, vor diesen Augqen schweigt jede eigene Sorge und wird klein uund unwichttg. (Kbl) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Tages-Uebersicht. Tagtt-UeberW. 2er Reichskanzler gegen- Grak Reventlow. Die Berl. Morgenpost hört, der Reichskanzler habe bei der zuständigen Staatsarnwalischaft Strafantrag gegen den Schriftsteller Grafen Ernst von »rroenTMrro wegen Beleiidigung gesteAt. Die Beleidigung soll in der letzten Versammlung des Unabhängigen Ausschus­ ses für einen deutschen Frieden gefallen sein. Graf Reventlow hat in sener Versaimmlung die denkbar schärfsten politischen und ^persönlichen Angriffe gegen den Kanzler gerichtet und von ihm u. a. behauptet, daß er bei der Durch­ führung seiner Kriegspolitik auch,v>or der An­ wendung bewußt falscher Mittel nücht zurück­ schrecke. Tie Lösung der polnischen Frage. Wie verlautet, steht die Lösung der Polnischen Fra­ ge unmittelbar bevor. Zwischen den verbünde­ ten Regierungen von Deutschland und Oester­ reich-Ungarn ist eine vollkommene Ueberein­ stimmung erzielt worden. Die Reife desReichs« kanzlers ins Hauptquartier, seine Besprech­ ungen mit Generalfelomarschall von Hindenburg hängen offenbar mit den getroffenenAbtmachungen zusammen. Tie Kundgebung, die von beiden Kaisern gezeichnet sein soll, wird wohl nicht mehr lange aus sich warten lassen. Schiffahrtsweg Prag—Hamburg. Lumj erstenmale seit der Kanalisierung der Moldau langte dieser Tage ein Elbeschiff int Innern Prags an. Das 625 Tonnen-Schiff, das in Prag beladen wird, soll in einigen Tagest seine Reise nach Hamburg — 700 Kilometer! Entfernung — antreten. Tie Cholera in Korea und vor Mandschu­ rei. Petersburger Meldungen aus Mukden zu­ spitze, breitet sich die Cholera in Korea und der Mandschurei immer stärker aus. In der Mandschurei wurden bis jetzt 5000 Krankheits­ fälle angemeldet, in Korea 600. Man glaubt aber, daß di ewirkliche Zahl der KränkheitÄfiälle bedeutend höher ist. Die russische Re­ gierung wird keine offiziellen Krankheitszif­ fern veröffentlichen, um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen. * (Z.) ────────── Mensch, eine impulsive Natur, bei der die Hochachtung vor der alten Ueberlieferung nicht so weit geht, daß sie für die Fehler der übenkornmtenen Einrichtungen und Gewohnheiten blind wäre." So kennzeichnete einer der tüch­ tigsten österreichischen Geschichtssichlreiber, Ri­ chard Chärmätz, Herrn v. Körber auf Grund der Tätigkeit seiner Ministerpräsidentschaft, die born 18. Januar 1900 bis zürn 30. Dezember 1904 währte. Es gelang ihm' damals nicht nur, die verlotterte Verwaltung Oesterreichs mit neuem Geist zu beleben, sondern es glück­ te ihm auch, die Shsiphüsarbeit des Ausgleichs mit Ungarn, der in der Neujahrtznacht 1902 auf 1903 zustande kam, während sein Versuch einer Verständigung mit den Tschechen schei­ terte, was auch die Hauptursache seines Rück­ tritts war. Erst zu Beginn des Ja'hres 1915 kehrte er dann wieder zur Politik zurück, um eine in den Kriegsnöten besonders schwierige Aufgabe, nämlich das gemeinsame österrei­ chisch-ungarische Finanzministerium zu über­ nehmen, mit dem das Ministerium für Bos­ nien verbunden ist. Wenn er heute im Alter von 66 Jahren (er ist am 6. November 1850 in Trient geboren) sein zweites Kabinett über­ nimmt, so sieht er sich einer ganz besonders schweren Aufgabe gegenüber, nicht nur schroter durch die Fährden und Nöte der Kriegszeit, sondern auch durch die Notwendigkeit, den Ausgleich mit Ungarn zustande zu bringen, das Parlament flott zu.Machen, die böhmische Frage zu lösen, kurz betn Zustand des Fortwurstelns, des Marasmus ein Ende zu Machen. Was den Ausgleich mit Ungarn betrifft, so dürfte Körbers Programm darin bestehen, und er scheint hierüber eine Einigung mit den Budapester Staatsmännern erzielt zu ha­ ben, den jetzt in Kraft befindlichen Ausgleich zunächst aus zwei Jahre zu verlängern, um dann in Friedenszeiten hoffentlich zu einem gerechteren Ausgleich zu gelangen. Aber schon jetzt dürste er dafür sorgen, daß in Bezug auf die Nahrungsmittekverteilung ein gerechterer Ausgleich zwischen den beiden Reichshälften eintritt, daß Ungarn mehr als bisher von seinem Ueberfluß abgibt. Was die Deutschen vor allem von ihM erwarten, ist die endgiltige Neuregelung der Dinge in Böhmen. Man weiß, daß, ein von Pem Prinzen Hohenlohe ausgearbeiteter Entwurf, der den deutschen Forderungen entgegenkommt, indem er die Be­ fugnisse der Kreistage gegenüber dem böhmi­ schen Landtag verstärkt, seit Jahresfrist in Stürgkhs' 'Schreibpult lagerte, und man hofft, daß Körber, der naH seinem eigenen Geständ$ft§ "Iahte lang im Sorgenstuhl der Sprachen­ frage gesessen" hat, jetzt den Schlüssel zu jenem Pult und damit zur Lösung des nationalen Streites finden wird. Ist es nicht anders zu erreichen, nun dann sollte dies seine letzte große Handlung sein, die er mit Hilfe des Paragraphen 14, des Diktaturparagräphen, un­ ternimmt. Im übrigen wird er zweifellos seine Auf- 6 gäbe darin sehen, den Reichsrat, wovor Graf I Stürgkh zurückschreckte, wieder arbeitsfähig zu 6 machen. Zwar Zagt Charmatz in seiner Ge- 6 schichte der inneren Dolitik Oesterreichs von I ihm: "Nie Ist 'das Abgeordnetenhaus bedeu- I tungsloser gewesen als in der Aera Köpper, | niemals in der konstitutionellen Zeit hat eine | Regierung schrankenloser geherrscht als die Dr. I Körbers." Aber damals hatte er gegen die I Obstruktion der Tschechen anzukämpfen, die bei I den anderen nichtdeutschen Parteien Unter1 stützung fanden; das ist wohl heute, nachdem I die Tschechen ihr wahres Gesicht gezeigt ha1 Ben, nachdem ihnen die Maske vom- Gesicht "geI rissen ist, kaum noch zu befürchten. Körber I wird sich sicherlich redlich bemühen, die VolksI Vertretung zur Mitarbeit heranzuziehen, mit jj ihr in gemeinsamer Arbeit sich zu verständigen, 8 weil er weiß, daß man mit dem Diktatuhpara| graphen mtf*bie Dauer nicht fruchtbare, post| tioe Arbeit schaffen kann, weil er das ParlaI ment nicht nur als Gegengewicht gegen die 1 ungarische pteichshälfte, sondern auch zur be­ friedigenden Lösung der der Donaumonarchie durch den Weltkrieg gestellten inneren Auf| gaben braucht, weil er selbst einmal das Wort des Fürsten Schwarzenberg, "Bajonette sind zu I vielen Dingen gut, nur setzen kann man sich nicht darauf," unterstrichen hat, und weil er sich endlich schon während seiner ersten Ministerpräsidentschast zu der schönen "Losung be- jj kannte, die heute doppelt beherzigenswert ist: "Wir wollen die Zeit, in der wir leben ber£ stehen und danach handeln." ────────── Möbel, eines Himmelbettes und eines Kamins und glaubte auch an den Wänden Bilder wahr­ zunehmen. Die Dunkelheit beeinträchtigte den Eindruck der Gesamtheit. Rose unterdrückte das unerklärliche Gefühl der inrtften Bedrükknng und sagte der Alten einige freundliche Worte über das ZiMMer. .< "Es wird Ihnen hier schon gefallen," er­ widerte Frau Kramer !Mit einem geiwissen Stolz. "Sie haben ein schönes ZimMter und werden morgen bei Tageslicht Ihre Freude daran haben. Doch nun will ich Sie allein klaffen, damit Sie sich zurecht Machen können. Frau Gräfin haben mich beauftragt, Sie zu Bitten, sich in einer Stunde bereit zu halten, um sie zu begrüßen und das Abendbrot Mit ihr einzunehmen. Christian, der Diener, wird Sie abholen und zur Gnädigen führen, und ich werde Ihnen jetzt Bärbelte, die junge Magd, schicken, damit sie Ihnen ein wenig behilflich ist." ' O, danke, liebe Frau Kramers sagte Rose; die den Wunsch hatte, eine kurze Zeit allein zu sein, freundlich. "Einstweilen bedarf ich der Hilfe nicht, doch wenn mir später jemand Beite Auspacken meines Koffers behilflich sein will, so nehme ich es dankbar an." / Frau Kramer verabschiedete sich darauf Mit der Versicherung, daß sie nur zu wünschen. armen Mädchen, die darauf angewiesen Waren, wie sehr bedauerte sie sie! Damit geWann sie aber ihren Mut und frohe Zuversicht zurück. Ein gewisser Humor stellte sich Bei ihr ein. In welches alte Eulennest sie hier geraten sein mochte! Wenigstens ihr Logis müßte sie zuvor eine,r gründlichen Besichtigung unter­ ziehen. 1 Sie nahm den Leuchter vom' Tisch und hielt ihn hoch. Es war ein geräumiges Zim­ mer mit zwei Fenstern, die Wände braun getäse-tt, mit alten Oelbildern behängen, auf de­ nen matt kaum noch den Gegenstands der Dar­ stellung erkennen konnte, so sehr waren die Farben nachgedunkelt. Nun ging sie umher, leuchtete in alle Winkel, in alle Nischen und über alle Gegenstände. In einer Ecke stand ein altmodischer KaMin mit einem! steinernen Gesimse darüber, das allerhand alte bronzene Sachen, wie Leuchter und kleine Stutuen zier­ ten — ihm gegenüber ein riesiges HiMme-lbatt, dessen Vorhänge aus buntbedrucktem Kattun gefertigt wären. Auf dem Bett lüg eine sei­ dene, etwas verschossene Steppdecke. Ebenso verschossen war der Damastbezug der Rpkokomöbel, die aus "einem "Sofa und vier kleinen Sesseln bestanden. (Fortsetzung folgt.) brauche und es ihr an nichts sehkken solle, und Rose sah ihr mit gemischten Gefühlen nach. Die eilte 'Wirtschafterin, die hier eine Art Vertrauensstellung einzunehmen schien, hatte einen recht guten Eindruck auf sie gemacht. Ihre zuvorkommende Art, ihr freundliches We­ sen hatte ihr unendlich wohl getan, und sie fühlte auch, daß sie in dieser Frau sich einen gewissen Schutz, vielleicht gar eine Freundin gewonnen hatte. Trotzdem widerstrebte es ihrer innersten Natur, sich mehr als nötig Mit ihr einzulassen. Trotz ihrer menschenfreundlichen Behandlung, die sie ihren eigenen Dienstboten hatte zuteil werden lassen, wär sie immer die unnahbare gebieterische Herrin geblieben. Wie aber hatte sie sich in ihrer jetzigen, unter­ geordneten Stellung darin zu benehMtzn? Wür­ de sie den rechten Ton treffen, ohne zu ver­ letzen oder sich ihrer Würde etwas zu begeben? Welche unvorhergesehene Schwierigkeiten tra­ ten ihr sogleich am Anfang entgegen, und wie schienen sie ihr wiederum belanglos in Erwar­ tung des Kom-Menden: der ersten Begegnung mit ihrer Gebieterin. Wenn sie die nur erst überstanden hätte! . Es war doch ein eigenes Gefühl, gewissermaßen als eine ganz andere, als die man in Wahrheit war, in eine sreMde Familie zu treten. Gottlob, daß es nur ein vorübergehender Akt in ihrem Leben war. Die ────────── Bayerische Nachrichten. Massenspeisungen führt auch der Magi­ strat Ansbach ein zum Preise von 40 Pfg. für 1 Liter warmes Essen. Ausbildungskurs für kriegsverletzte Offi­ ziere. An der städtischen polytechnischen Lehr­ anstalt Friedberg i. H. wurden Ausbildungs­ kurse für kriegsverletzte Offiziere zur Verwen­ dung in der Industrie eingerichtet. Bei genü­ gender Teilnbhmerzahl werden diese Kurse am 6. November 1916 beginnen) Nähere Auf­ schlüsse hierüber erteilt die Direktion der An­ stalt. ────────── Allerlei. Gefrorenes Gras verfütterte die Gastwirtsftau Kreppel in Untersdorf bei Krei8 röttelbach (Mtfr.) Zwei auf über 1000 MilI gewertete Kühe gingen ein. I Schamlose Weiber. Das 23jährige Dienst| Mädchen Elsa Jung in Oberleuter Bei Setz lach 1 (Ofr.) hatte mit einem auf dem gleichen An§ wesen beschäftigten russischen Kriegsgefangel nen ein Liebesverhältnis, das nicht ohne Fol- gen blieb. Aus Scham über den Fehltritt stürzte sich das Mädchen in die Lauter, aus der es als Leiche gelandet wurde. Tödlich verbrüht hat sich der vierjähr. Bäckerssühü Karl Barreis in Würzburg in ei« j nem Gesäß mit siedendem Wasser. Kinvsranb oder Unfall? Das Söhnchen des Fabrikarbeiters Alfred Schröder in Neu­ leiningen (Pfalz) ist seit einem Iahte spurlos verschwunden. Trotz eifriger Nachforschung konnte bis jetzt noch keine Spur von dem Da­ mals zweijährigen Kinde entdeckt toterben. Nach 6 Jahren entdeckt. In den Psingsttagen des Jahres 1910 waren der Aachener und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft in Aachen aus dem- Im'feuer- urib biebesfe sicheren Gewölbe stehenden Geldschrank 50 000 Mark gestohlen worden. Alle Bemühungen zur Ermittelung des Diebes waren erfolg* 'los. Jetzt, nach sechseinhalb Jahren, ist der Täter durch einen Zufall entlarvt worden. Er ist der Kassenbote Herpers; dieser hatte sich Nachschlüssel zu verschaffen gewußt und den Diebstahl mit etnete Freunde, der zuletzt tu Köln wohnte, ausgeführt. Beide sind verhaf­ tet und haben bereits ein Geständnis abgelegt. Herpers will das Geld in Brüssel durch Spe­ kulationen verloren haben. Auch die Mutter des Herpers wurde wegen Beihilfe zum Dieb­ stahl verhaftet. Die Sache kam durch eine Ehe­ scheidungsklage ans Licht, die Herpers gegen seine Frau angestrengt hat. Wegen Ncberschrcitung der Höchstpreise verurteilt. Wegen Ueberschreitung der Höchst­ preise in 96 Fällen, mehrfachen Betruges, so­ wie Nichteinha'ltung von Lieferungen würde der Begründer der "Lebensmittelgesellschaft", ein frühterer bankerotter Maschinenfabrikant in Hülle a. S. zu *1 Jahren Zuchthaus und 4 Jahren Ehrverlust verurteilt. 25000 Päckchen Tabak gehamstert. In Bubentsch bei Prag wurden in der Wohnung einer gewissen Anna Macha 25 000 Päckchen Tabak gefunden. Wie sich die Frau den Tabak beschaffen konnte, ist noch nicht festgestellt. Ein ganzes Zimmer war mit Tabakballen angefü'IIt. _ : ────────── Zwiesel, 30. Okt. (Eine unüberlelegteHandlung), die leicht schlimme Folgen hchätte nach sich ziehen können, wurde vorgesternn nachts dahier verübt. Gestern früh! nämlich s fand trtan an der Frauenauerstrgße einen Statacheldraht quer über die Straße von Alleebaum t zu Alleei bäum gespannt. Glücklicherweise Murrrde die ; Straße während der Nacht Meder vwon einem : Fuhrwerk noch von einem Radfahchrer pas| siert. I Passau, 30. Okt. (Billiger Hasesenbraten.) | Vergangenen Mittwoch veranstaltete e Gastwirt i Schreiber in Salzweg in seinem JJagdgebiet I eine Treibjagd. Die bei dem erstqten Trieb I erlegten 11 Stück Hasen wurden aram Waldi rund auf einen Hausen zusammjengewworfen und 1 liegen gelassen, während die Schützen u und Trei­ ber einen weiteren Bogen durchstrieiftisten. AIs man später die Lasen abholen wolltlte, Maren dieselben spurlos verschwunden. Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Johann Thiel der 8. Komp, aus Köditz, B. As. Hos, Hilsslehsrer zu Nürnberg, sofort an dem schon vorher bestimimten Punkte eine Absperrung vor, als er sich zu seiner Ueberraschung cr>em Hausen Australier gegenübersah. Trotz des lebhaften Infanterie- und Maschinenge­ ivehrfeuers hielt er jedoch mit drei ihm zur Seite stehenden Gefährten, dem Gefreiten Io h. C hr i st o p h, Fabrikarbeiter ausF u r t h, B. A. Grafenau, nebst denJnfanteristen,Kriegsfreiw. S e b. Putz, Haarpfleger von O st e riham, B. A. Mallersdorf, und Otto Knopf/ Metzger von Wallersdorf, B. A. Landau a. I., sämtliche der 10. KoMp., am Fleck aus und erwehrte sich nicht bloß des mit Ueberlegenheit nachdrängenden Gegners durch Hand­ granaten, sondern brachte auch das aus un­ mittelbarer Nähe feuernde Maschinengewehr, Zum Schweigen, so daß die auf Suche ausge­ sandten Patrouillen ihre Ausgabe zu lösen vermochten. Gefreiter Michael Rittberger der 1. Kompagnie aus Dürrenmungenau, B. A. Schwabach, Bronzearbeiter zu Roth, beiNürnberg, einer der mutigsten Schleich gänger des Regiments, holte inzwischen aus einem Un­ terstände drei unverwundete Australier her­ aus u. stach einen vierten, der sich nicht ergeben wollte, mit dem! ausgepflanzten Seitengewehr nieder. Auch als bereits Befehl zur Räu­ mung des Grabens ergangen war, setzte er seine Nachforschungen fort, machte zwei wei­ tere Gefangene und nahm einen Kasten voll Munition mit, worauf er als einer der letz­ ten unter lebhaftem feindlichen Feuer seine gesamte Beute in Sicherheit brachte. Gefreiter', nachmals Unteroffizier Xaver Schätz der 11. Komp., ein Landarbeiter von Kreuzberg, B. A. Bogen, der bereits die Silberne Medaille be­ saß, hatte sich nach dem Einbrüche in den je indi­ schen Grabqn mit zwei Kameraden eben an das Absuchen gemacht, als in der Nähe ein Grup­ penführer Unterstützung verlangte. Schätz gab deshalb seine Leute ab und setzte Unbekümmert um die für den Einzelnen erhöhten Gefah!ren seine Tätigkeit allein fort, bis es ihm gelang, die etwa 12 Mann starke Besatzung eines Unterstandes mit Handgranaten unschäd­ lich zu machen. Die sämtlichen Genannten erhielten die Goldene Medaille, Schätz gegen Zurückgabe der Silbernen; Christoph, Rittber­ ger und Schätz besaßen bereits das Eiserne Kreuz, Rittbergen außerdem auch das MilitärfPerdienstkreuz. Auch Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Kriegsfreiwilliger Fpanz Schmid der 6. K. aus Parnkofen, B.-A. Landau a. I., Stu­ dierender zu Straubing, brachte bei der Durch­ suchung mehrerer Unterstände fünf Gefangene ein. Obwohl er Miederholt aus feindliche UeberMacht stieß, ließ er sich nicht beirren, son­ dern führte seinen Auftrag durch, bis ihn ein Befehl des Führers einries. Schmid erhielt die Silberne Medaille; er war bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes. Bilsbibnrg, 30. Okt. (Großen Auflauf) veranlaßte ant 1 Montag die Einbringung einer Zigeunerbande aus dem Elsaß, die in der Veldener Gegend herumstreunte und von der dor­ tigen Gendarmerie Mit einem Wagen in das hiesige Amtsgerichtsgesängnis eingebracht wurde. Die Bande bestand aus 25 Köpfen, darunter 20 Kinder, die ein jämmerliches Ge­ schrei vollführten. Ta das Ansammeln von Banden nach dem Kriegszustandsgesetz verbo­ ten ist, erfolgte ihre Inhaftnahme. Rottenburg a. 30. Okt. (Tie Einbrecher) welche bei dem Bauern Schmid in Bürgert 3000 Mark gestohlen haben, konnten inNürnberg festgenommen werden. Es sind dies der 19jährige Dienstknecht Lorenz KircherMeier von Willersdorf und ein 17 Jahre alter Bursche namens Teklerer. Man konnte ihnen noch ei­ niges Bargeld abnehmen. Einen größeren Be­ trag hüben sie nach ihrer Angabe vergraben. Deggendorf, 30. Okt. (Einen empfindlichen Verlust) hat die Anwesensbesitzerin Frau Schu­ ster im nahen Aletsberg dadurch erlitten, daß eines ihrer Schweine, die sie im Hose kurze Zeit herumlaufen ließ, atn| Donnerstag in ein mit Kalk gefälltes Faß geriet, wo es ersficken mußte und erst später tot aufgefunden wurde. ────────── Dienstnachrichten. Staatseiscubahnberwaltung. Berufen wurde in etatsmäßiger Weise der EEisenbahnrechner Richard Graf von Bm. Reututh b. Er­ bendorf nach Bm. Plattling. ────────── Ferne Heldengräber. Heilig nenn' ich jene fernen Stätttten, , Wo so viele taps're Helden ruhch'n. Deutschlands Söhne mußten wir t dort betten, Fremde Erde deckt die Braven nnun. j Müßt Ihr auch int Feindes-Landeie bleichen, Die Ihr Großes, Herrliches vollilbracht, — Euer Grab umrauschen deutschhe Eichen, t Deutschlands Adler halten Toteienwacht. _ 'S’Utr’n Schlummer stört noch Rumpfes Grollen, Fernher leuchtet's wie Gewitterstschein. ^ In dieGrüfte dröhnt's wie Donneer-Rollen: "Wo Ihr ruht, soll deutsche Errde fein!" Und die stolzen, ruhmbedeckten (Fahnen Werden über jene Hügel weh'n,, Werden unsre Enkel noch ermahimen, Treu, wie Ihr, zum Vaterland \ zu steh'n. Liebe wird zu diesen Gräbern wvallen, Dankbarkeit dort frische Kränzge weih'n. Helden, die int) Kamps für uns gesefallen, — Sollt im Herzen uns unsterblich stsein! Sch ree in er. ────────── —* Allerheiligen — Allerseelen. Morgen feiern wir Wieder das Fest Allerheili­ gen, das dritte im Weltkriege. Wir ziehen hinaus in die Friedhöfe, an die Gräber, die Liebe und Gedenken geschmückt, u«m einigeStunden, befreit vom Getriebe des Alltags, unse­ ren teuren Toten zu weihen und vor allem jener zu gedenken, die in treuester PflichterjsWlung ihr Herzblut für uns vergossen und nun in fremder Erde zuM letzten Schlafe gebet­ tet ruhen. Ihnen vor allem wird Morgen unser Gelöbnis unwandelbaren steten Geden­ ken gelten? —* Lokale Höchstpreise. Es wird uns geschrieben: Durch Urteil des Amtsgerichts Bilsbiburg vom 19. September ds. Js. wurde der Eierhändler Georg Dechantsreiter in Fron­ tenhausen zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er nach Bekanntgabe von Höchstpreisen durch das Bezirksamt Bilsbiburg Eiersendun­ gen nach Mannheim gemacht hatte, wobei er sich die Mannheimer Marktpreise, also über die Bilsbiburger »Höchstpreise zahlen ließ. Durch Urteil des Landgerichts Landshut vom 27. ds. Mts. ist nunmehr dessen Freisprechung unter Ueberbürdung der Kosten auf die Staats­ kasse erfolgt, weil die bezirksamtlichen Höchst­ preise nur Geltung höben, so lange sich die Waren im Bezirksamt selbst befinden, nicht aber für den Absatz an den auswärtigen Han­ del, falls die Uebernahme der Ware außerhalb des Bezirks erfolgt. Dies war hier der Fall. Ein Ausfuhrverbot aus dem Bezirk bestand nicht. Damit ist auch voM k. Landgericht Lands­ hut eine lange Zeit zweifelhafte Rechtsfrage zu Gunsten der betreffenden Eierhändler ent­ schieden. — (Für die Eierhändler mag diese Entscheidung ja sehr erfreulich sein, für uns andere Sterbliche, die wir nicht nur' Eierkarten, sondern auch Eier Möchten, hät das Urteil aber eine schr ernste Bedeutung. Es ist, so wenig erfreulich alle Abschließungsmaßnahmen sonst sein mögen, gerade durch dieses Urteil die zwingende Notwendigkeit von Ausfuhrverbo­ ten erwiesen worden, die allein den lokalen Bedarf zu sichern vermögen. D. R.) —* Warnung vor dem Abschluß langfri­ stiger PerroleuM-Lieferungsvertvage. Der Handelskammer Nürnberg und auch anderen Kammern ist ein gedrucktes Formular für einen Vertrag zwischen Petroleum-Detaillisten und einer auswärtigen Petroleumgesellschaft vor­ gelebt worden, nach Welchem sich der Detaillist verpflichtet, vom Tage des Wiedereintrittes normaler Verhältnisse an bis zuM 31. Dezem­ ber 1920 seinen gesamten Bedarf an Leucht­ petroleum ausschließlich von den Vertretern der betr. Gesellschaft in der von diesen hier in Straßenwagen geführten Ware und zu dem ihm jeweils aM Tage der Lieferung für die Marke "Purol" und "Arclight" vorgeschriebe­ nen Literpreise gegen Barzahlung zu entneh­ men. Die Handelskammern warnen vor dem Abschluß derartiger Verträge, durch die sich der Detaillist auf mehrere Jahrv einem be­ stimmten Händler gegenüber zur Abnahme von Maren, deren Qualität und Herkunft nicht feststehen und deren Preis nicht bestimmt ist, verpflichtet. —* Web-, Wirk- und Strickwaren und Schulhandarbeitsunterricht. Eine amtliche Bekanntmachung besagt: Die Reichsstelle für bürgerliche Kleidung (Reichsbekleidungsstelle) in Berlin hät mitgeteilt, daß Web-, Wirk- und Strickwaren bis auf Weiteres für Unterrichtszwecke nicht mehr verwendet, wer­ den dürfen. Der Handarbeitsunterricht muß daher fortan so eingerichtet werden, daß er unter Verwendung älterer Stoffe erteilt wird oder daß dabei notwendige VerbrauchsgegenS stände für Bezugsscheinsinhaber ^hergestellt werden. —* Fleischpreise. Die Metzger-Zwangs­ innung hatte an den Stadtmagistrat eine Ein­ gabe gerichtet, um Erhöhung der Preise für Kalbfleisch und Schaffleisch. Dieses Gesuch wurde aber bereits in der Sitzung. der Lebensmittelkbmmisswn wieder zurückgezogen, nachdem dort Herr Tierzuchtinspektor und Kreisbevollmächtigter Herold erklärt hatte, daß in der nächsten Zeit überhaupt eine PreisI Herabsetzung für Schlachtvieh und infolgedes­ sen auch eine Neuregelung der Fleischpreise eintreten werde. Außerdem hatten wie Metz­ ger ein Gesuch eingereicht, in'welchem sie er­ suchten, die Stadt möge den Verlust übernehlmen, der den Metzgern bei dem Verkaufe von I Schweinefleisch zu dem Höchstpreise von 1,66 I Mark erwachse. Tie Metzger betonten, daß | sie beim Verkaufe von Schweinefleisch Verlust I erleiden, da ihnen das Fleisch erheblich teurer I komme, als sie es verkaufen dürfen. Diesen | Verlust wollen sie vergütet haben. Die LeI bensmittelkommission hat beschlossen, das Ge1 such soll unter Befürwortung der K. Regie1 rung in Vorlage gebracht werden. Her M. R. $ Gerstenecker meinte, es sei schon eftte Frage, I ob man sich ohne weiteres mit einer Schwei neI sleischpreiserhöhung einverstanden erklären könne. Es solle hierzu vor allem dieHöhe des Verlustes festgestellt werden, Was ja im Schlachthofe einwandfrei geschehen könne. Herr Rechtsrat Ambros betonte, daß auch vomKreisbevollmächtigten anerkannt worden sei, daß I der jetzige Fleischpreis nicht entsprechend sei. I Herr M. R. Gerstenecker'fügte an, eine mäßige 1 Erhöhung des Preises, vielleicht um 10 Pfg. | könnte vielleicht befürwortet werden, evtl. I könnte auch etwas zugezahlt werden, indessen müsse vor allem die Summe der Verluste fest­ gestellt werden. Herr R. R. Ambros entgegnete, die Metzger behaupten, daß ihnen Schwei­ nefleisch auf 1,80—2.— Mark per Pfund zu I stehen komMe. Der Verlust an einem 200 \ Pfund schwerem Schwein werde auf 70 Mark geschätzt. Herr M. R. Gerstenecker betonte nochmals, daß vor allem der Betrag einwand­ frei festgestellt werden Müsse, dann könne der Magistrat erst Beschluß fassen. Anknüpfend hieran kam er auf die Angriffe der Münch? Post auf die hiesige Lebensmittelversorgung! zu sprechen, die er als ungehörige Verallge­ meinerung einzelner Vorkommnisse zurückwies. Er glaube nicht, daß die Schwaiger mit Ge­ müse jetzt zurückhalten, oder gutes Gemüse gar verfüttern, denn heute habe jeder Schwaiger Unmengen anderer Futterstoffe von den abge­ ernteten Gärten und Feldern. Zuckerknappheit, die in dem Artikel auch 'besprochen wurde, herrsche überall, ebenso Mangel an Kleingeld, der vor allem durch die Erweiterung des UMAufbezirkes durch die okkupierten Länder be­ dingt ist. Es seien daher die Behauptungen des Artikelfchreibers Uebertreibungen, die aus das rechte-Maß zurückgeführt werden müssen. Stadttheater. Oskar Blumenthals dreiaktiger Schwank "Niobe" erzielte am letzten Sonntag abends durch das Ensemble Feldern-Förster eine äu­ ßerst beifällige Aufnahme. Frau Feldern-För^sters tragikomische zum Leben erweckte Statue und Hrn. Stöckls in die Enge getriebener Verisicherungsdirektor zwangen in ihren famosen Gegensätzen das Publikum zu häufigem und herzlichem Lachen. Auch die übrigen Rollen­ inhaber versuchten teils mehr, teils weniger geschickt zu einer flotten Wiedergabe des hieiteren Traumspieles beizutragen. Nachmittags warteten die Einakter "Ge­ schwister" von Goethe und "Abschiedssouper" von Schnitzler vergebens auf zahlreichen be­ such. Das schöne Wetter hätte das Theater­ publikum für sich in Anspruch genommen. m —* Ein Liebesgabenzug kam gestern nachmittags von AltheiM. Unter Führung des Herrn Hauptlehrers Geiß kamen Knaben und Mädchen der dortigen Schuld in tanger Reühe mit Heuwägelchen, hie mit Produkten aller Art beladen waren hierher und fuhren durch die Straßen der Stadt zum Lazarett iml Di­ striktskrankenhause Achdorf, wo sie ihre Lie­ besgaben ablieferten. —* Erwischt. In der letzten Zeit hat unsere Schutzmannschaft im hiesigen Bahnhöfe eingehende Kontrollen zur Verhinderung der Ausfuhr von Lebensmitteln unternommen. Ge­ stern wurde hierbei ein Herr aus Nürnberg betreten, als er einen halben Zentner Erbo­ sen und geschlachtetes Geflügel nach Nürn­ berg ausführen wollte . Die Waren wurden beschlagnahmt und der Volksküche zugewiesen. ────────── Letzte Posten. Tanktelegranchnj des Kaisers an Mackensen. WTB. Berlin, 30. Oktober. Der Kaiser richtet ean den Generalfeldmarsch all v. Macken­ sen das nachstehende Telegramm: Mein lieber Feldmärschall! Nach dem glänzenden Verlauf der Opera­ tionen in der Dobrutzscha, die unter Ihrer be­ währten und musterhaften Leitung durch den Fall von Ceruavoda gekrönt worden sind, danke ich Ihnen für alles, was Sie und die Ihnen unterstellten Truppen in gemeinsamer Waffenbrüderschaft erneut leisteten. Ich will meinem königlichen Dank dadurch besonderen Ausdruck geben, daß Ihr Name fortan auch von dem Truppenteil geführt wird, zu bessert. Ehef ich Sie schon ernannte, und bestimme, daß das dritte westpreußische Jnsanterie-Reigiment Nr. 129 fortan die Bezeichnung "In­ fanterieregiment GeneralfeldMärschall von Ma­ ckensen 3. westpreußtsches Nr. 129" zu führen hat. Ich bitte, den Ihnen unterstellten Trup­ pen meine wärmste Anerkennung und Grüße zu übermitteln. Großes Hauptquartier, 25. Oktober 1916. gez. Wilhelms. ────────── Literarisches. "Wachtfeuer" (Architektur-Verlag "Der Zirkel" %. nt. b. H., Berlin, Wilhelmstr. 48, Pre!» 20 Pfg.) ist das neueste 106. Heft erschienen ────────── Druck u. Verlag I. F. Rietsch, Landshut. Ver. antwort!. Redakteur F. X. Wagner. Landshut. Die Ziehung der Krieger-JnvaltdenheimGeldlotterie findet bestimmt am Samstag, den 4. November statt. 2104 entweichen, Werden sorgfältig aus den Glocken gepumpt, um! deren schädliche Einwirkungen aus den Leuchtdräht zu verhindern. mag daher sonderbar erscheinen, daß man heute durch Füllung der Glasglocken mit Edelgasen gerade einen wirksamen Schutz des Leuchtdrahtes erreicht. Eben dieser Schutz ermöglicht bei den gasgefMten Lampen eine stärkere elek­ trische Beanspruchung des Leuchtdrahtes durch erhebliche Erhöhung der infolge des Strdmldurchganges erzeugten Temperatur, welche in der Vakuum-Lampe ein alsbaldiges Versagen hervorrufen müßte. Dadurch wird in den gasgesüllten Wotan-Lampen nicht nur ein schöneres weißes Licht, sondern auch eine mit der Größe der Typen bedeutend steigende Ersparnis im Verbrauch elektrischen Stroms pro Lichteinheit erzielt. Die Siemens u. Halske 2£.=@[. hat jetzt ihre Wotan-"G",-LampLN (G d. i. Gaslsüllung) in solchen Lichtstärken in den Verkehr gebracht, wie sie iM Anschluß an eine beliebige elektrische Lichtleitung in jedem Haushalt Ver­ wendung finden. Sie haben gegenüber den altbewährten Drahtlampen weiterhin den gro­ ßen Ersparnissen gleichkommenden Vorteil, daß sie ihr Licht bei senkrechter Bvennkage haupt­ sächlich in der Richtung der darunter liegen­ den Boden- oder Tischfläche ausstrahlen, södaß unnütze Lichtverluste vermieden werden. Der höhere ^Preis und die mittlere Lebensdauer fallen gegenüber den verschiedenartigen Vor>teilen nicht ins Gewicht. Wer einmal das neue Wotanlicht gebrannt hat, wird es nicht mvhr entbehren wollen. Die Lampen sind bei fast jedem Elektrizitätswerk oder besseriem Instal­ lateur zu haben; man verlange aber ausdrück­ lich Wotan-"G". ────────── Inserate. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Verkehr mit Gemüse. Wiederholt sei darauf hingewiesen, daß Gemüse au? der Stadt Lavdrhut nur nach vorheriger Genehmigung durch den Stadtmagistrat ausgeführt werden darf. Gemüseerzeuger, welche Gemüse auszuführen wünschen, werden htemtt aufgeiordeu, bis spätestens 6. November er. -er städtische» Lebensmittelstelle schriftlich z« berichten, wie viel Gemüse und welche Arten sie zur Versorgung der Bevölkerung selbst einlagern und welches Quantum sie auszuführen beabsichtigen. Am 30. Oktober 1916. Marschall 229® Schwarz. ────────── Tie Flucht des Feindes in der Do- ' brudscha. Az Est meldet aus Sofia: Die Flucht des geschlagenen Feindes aus der Dobrudscha ist so hastig, daß gar nicht die Linie feststell­ bar ist, wo sich gegenwjärtig die Russen und Rumänen befinden. Sicher ist, daß der flüch­ tende Feind bereits die Linie Ostrowo-Rostibach Cläukorovobach-Sklavserkeszts - Slavarusha Bahadagh überschritt. Die in zwei Teile geteil­ ten feindlichen Truppen suchen in Braila und östlich Tulcea bis Jszacea gelegenen Ortschaf­ ten Zuflucht. Die Rumänen ziehen mehr ge­ gen die Donau, die Russen nach dem Schwar­ zen Meere. Nach eingetroffenen Berichten verlor der Feind riesige 'Mengen an Proviant und Heizmaterial. Gegen Rumänien. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Verkehr mit Petroleum. Am Donnerstag, öe« 2. November, werden Im kleinen Rathaus­ saale in der Zelt von vormittags 8—12 Uhr und nachmittags 2—6 Uhr Petroleummarken ausgegeben. Anspruch auf Petroleummarken haben nur jene Familien, die weder elektrisches Licht, noch Gas haben und auch nicht in der Lage sind, sich diese Beleuchtung zu verschaffen. Der Mangel an Gas oder elektrischem Licht in dem einen oder anderen Zimmer, wenn dieses Licht in der Wohnung über­ haupt vorhanden ist, gibt keinen Anspruch auf Petroleummarken. Die Verkäufer von Petroleum dürfen dieses nur gegen Marken abgeben und sind verpflichtet bis 14. November er. eingenommene Marken abgezählt und verschnürt auf Zimmer Nr. 5 des Magistratsgebäudes abzuliefern. Am 30. Oktober 1916. g> laötmaaifttrat LirrrSsHrit. Marschall. 2297 Schwarz.