Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-10-06. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 272, 1916-10-06. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Armee im Rückzuge. — Die über die Donau gegangenen Rumänen vernichtet. — Rumänische Grausamkeiten. — Die Ministerkrisis in Griechenland. ────────── Die Türken wiesen einen englischen An-, griff an der Euphratfront zurück. Im Westen steigerte sich die Artillerietätigkeit zu größter Heftigkeit, doch gelangte die feindliche Infanterie nur bei Le Sars bis in unsere Gräben, wo sie im Handgemenge der unsern unterlag. Nur zwischen Fregicourt und Rancourt konnte der Feind kleinere Erfolge erzielen. Im Osten erneuerten die Rusien ihre wü­ tenden Angriffe westlich von Luck. Trotz aller Menschenopfer lyaben die Russen nichts erreich!. Wo sie wirklich bis an unsere Gräben gedrungen waren, wurden sie sofort wieder hin­ ausgeworfen. Unsere Flieger haben Bahnanlagen der Russen hinter deren Front durch Bomben schwer beschädigt. In Siebenbürgen ist die rumänische zwssite Armee, deren linker Flügel durch die Vernichtung der 1. Armee bei Hermannstadt in der Luft hing, im Rückzüge gegen die Grenze. Ebenso ziehen sich die Rumänen westlich von Hermannstadt bei Petroseny gegen die Grenzzshöhen zurück. Nur bei Orsowa mußten öftere Ungar. Verteidiger dem Drucke Weichen. An der südrumänischen Front ist das Abenteuer des ^onaurwerganges ver Rfahowo gescheitert. Der einzige Erfolg ist, daß 15—16 Bataillone also ca. 3 Brigaden der Rumänen aus dem Kriege ausgeschaltet sind, denn nach der Zerstörung der Donaubrücke werden nicht mehr viele von ihnen rumänischen Boe den erreicht häben. In der Dobrudscha wurden russisch-rumä­ nische Angriffe bei Caladium abgeschlagen. In Mazedonien werden die Höhen der Nize-Planina vom Feinde gehalten. Am lin­ ken Strumauser ging das Dorf Jeniköj an die Engländer verloren . In Griechenland ist die Lage noch nicht geklärt. Es steht nur fest, daß das Kabinett zurückgetreten ist. Wer seine Nachfolge übernehmen wird, und ob eine Aenderung der griechischen Politik erfolgen wird, ist aus den vorliegenden widersprechenden Berichten nicht zu ersehen. ' An der italienischen Front ist auf der Karsthochfläche die Artillerieschlacht noch im-> mer rat Gange, Teilangriffe der Infanterie wurden glatt angewiesen. Oesterreichisch-ungarische Seeflugzeuge ha­ ben wichtige militärische Anlagen der Italiener hinter der Jnsonzofront durch Bomben stark beschädigt. 1 , ■ i ────────── feindlichen Truppenteile sind in Unordnung ostwärts zurückgegangen, wobei sie auf unsere von Tutrakan vorrückenkven Truppen stießen. Der umfaßte Feind zerstreute sich nach verschjie--.denen Richtungen. Heute vollenden unsere Truppen seine Vernichturng . Die rumänischen Truppen haben in den von ihnen besetzten Dörfern ebenso wie auf dem Rückzüge aus der Dobrudscha schwere Grausamkeiten begangen: Frauen, Greise und Kimder wurden hinge­ schlachtet, vielen Opfern wurden die Augen ausgestochen und die Zumge abgeschnitten. In der Dobrudscha starke Tätigkeit der Artillerie und Infanterie auf der ganzen Front. Alle Versuche der feindlichen Infanterie, vorzu­ dringen, wurden durch un ser Feuer und glückt liche Gegenangriffe ersticht. Am Ufer des Schwarzen Meeres beschoß ein russischjesKriegsschiff die Höhen bei dem Dorfe Tatladschetiej. Unsere Wasserflugzeuge haben einen feindli­ chen Wasserflugzeugschuppeen am Taffchjawlusee, nördlich von Constantza, tmit großem Erfolge angegriffen. scheu Boden rascher, ah er ihn zu betreten vermocht hatte. Bei dem Verlaus dieses Elreignisses war das entschlossene tapfere Ein­ greifen unserer braven Donauflottille von aus­ schlaggebender Bedeutung. Heeresfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. Keine Ereignisse von besonderer Bedeu­ tung. Heeresfront des 'Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Naher«. In Wolhynien blieben auch gestern alle Anstrengungen des Feindes, die Linien der 4. Armee ins Schwanken zu bringen, völlig erfolglos. Die Russen erlitten schwere Ver­ luste. Am unteren Stochod.unternahm der Gegner mit gleichem Mißerfolg schwächere $or= Italienischer Kriegsschanpla» Auf der Karsthochfläche ist die Artillerie­ schlacht in vollem Gange. Stellenweise ver­ suchte die feindliche Infanterie zum Angriff anzusetzen; unser Geschützfeuer hielt sie jedoch nieder. An der Fleimstalfront dauern die Geschützkämpfe fort, die Lage blieb unverän­ dert. Am Simone hüben unsere Truppen in der Zeit vom 23. September bis 2. Oktober 35 Italiener aus der Verschüttung geborgen. Im ganzen wurden 482 Gefangene gemacht, 6 Maschinengewehre, 3 Minenwerfer und viele Gewehre erbeutet.' Südöstlicher «riegsschanpla,: Keine Ereignisse von Bedeutung. Der stellvertretende Chef des Generalstabes! n feerer, Feldmarfchalleutnant. Ereignisse zur See. Am 4. abends hat ein Seeflugzeuggeschwa-, der die feindliche Seeflugstation bei Grado, dann militärische Objekte in Monfalcone, San Eanziano und Staranzano mit schweren, mitt­ leren und leichten 'Bomben mit sehr gutem Erfolg belegt. Die Flugzeuge sind trotz hefti­ ger Beschießung alle unversehrt eingerückt. i Flottenkommando. 9er bulgarische Bericht. ' Sofia, 5. Okt. Generalstabsbericht vom 4. Oktober. > Mazedon ische Front: Zwischen dem Prespasee und dem Wardar lebhafte Tätigkeit der Artillerie und Infanterie. Wir brachten Versuche des Gegners, nördlich der Linie, wel­ che von den Dörfern Strupine und Bahowo gebildet wird, vorzugehen, zum Scheitern.Oestlich des Wardar bis zum Doiransee schwaches Geschützfeuer. Unsere Artillerie zerstreute 2 feindliche Kompagnien, die südöstlich des Dor­ fes Doldscheli am Fuße der Belasitza-Planina schanzten. An der Strumafront Ruhe. Er­ bitterte Kämpfe um die Dörfer Karadschekiöj Jenikiöj und Kadriah. Die feindliche Infante­ rie, welche morgens dem brennenden Dorfe Jenikiöj sich hatte nähern können, wurde an­ gegriffen und in die alten Stellungen zurückgeowrfen. An der Aegäischen Küste lebhafte Kreuzertätigkeit. Rumänische Front: An der Donau­ front waren 15 oder 16 Bataillone der feindlif chen Truppen, welche die Donau bei Rjahvwo überschritten hatten, vorgerückt, und hatken die Dörfer Sliwopol, Kajemlo, Vorisiewo, Makkowrenowo, Gelenowrenowo und Breschlien be­ setzt. Um sie zurückMwerfen, sühnten wir 2 Kolonnen von Rustschuk und Tutrakan kon­ zentrisch gegen sie vor. Gestern, am 3. ds'. griffen die von Rustfchuck her vorrückenden Truppen den Feind an und zwangen ih!n bald, seine Rettung in der Richtung auf die von der Monitorflottille zerstörte Brücke zu suchen.Das Schlachtfeld ist bedeckt mit vom Feinde hinter­ lassenen Gefallenen. Gegen Abend besetzten wir die Dörfer Rjahowo und Babowo. Die ────────── Der türkische Bericht. Konstantinopel, 4. Oktober. Das tür­ kische Hauptquartier teilt rntit: An der Euphratfront versuchten am 29. September die bei Sassirieh lagernden Eng­ länder unter dem Schutz der Artillerie gegen den Stamm der Elazired j wördlich des genann-, ten Ortes vorzugehen, wurden aber, dank des Widerstandes unserer Truppen zurückgewiesen. Einer unserer Kampfflieger brachte am 24. September ein feindliches Flugzeug an der Fellahiefront zum Absturz. — An der Kauka-> susfront wurden starke feindliche Erkundungs-! kräfte, die sich zu nähern versuchten, zurück­ gewiesen. An den anderen Frontteilen nur Patrouillengefechte, sonst kein bedeutendes Er­ eignis. —- Nach weiteren Nachrichten brach­ ten unsere tapferen Truppsn in dem Kamqfe der am 1. Oktober nördlich Amuzaces a« der Dobrudschafront sich entwickkelte und mit der Niederlage des zum Angrüff vorgegangenen Feindes endete, dem gänzllich zurückgetriebe­ nen Gegner bedeutende Verlluste bei. Sie ver­ nichteten eines seiner Batqrillone, wobei sie die Ueberlebenden, 2 Offiziere, 100 Soldaten, gefangen nahmen. Der Vize generalissimus. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Die starken deutschen.Stellungen. Haag, 4. Oktober. • Der Times-Korre­ spondent im Hauptquartier des Westens mel­ det über die jetzt durch die Engländer ange­ griffene doppelte Laufgrabenlinte bei Le Sars und Eaucourt l'Abbave: Unmittelbar nach dem Angriff der Engländer haben die Deutschen mit ihrer bekannten Geschicklichkeit alle Weg­ kreuzungen, Granatlöcher und ähnliches sofort für eine kräftig vorgeschobene Maschinen-Ge° Wehrstellung verwendet. Diese äußerst starken neuen Laufgräben drohen große Schwierig­ keiten zu bereiten. Im Zentrum ist hier der Angriff vorläufig zum Stehen gekommen. Wei­ ter nach links besetzten die Engländer mehrere feindliche Laufgräben und sind auch bei Le Sars ein weiteres Stück.vorwärts gekommen. Dur rechten Seite brachen.die engliWen Trup­ pen, nachdem sie die jfynen als Ziel zugewiese­ nen Laufgräben genommen hatten, aus eige­ ner Initiative bei Eaucourt l'Abbave und ein wenig seitwärts des Dorfes vor und konn­ ten ein wenig vorwärts kommen. Der Ter­ raingewinn betvägt zwischen 12—1500 Uards. Die "Morning Post" meldet, die Deutschen sind eifrig beschäftigt, ihre neuen .Verstärkungen in Ordnung zu bringen .und wahrscheinlich wird Ks den Engländern große Opfer kosten, sie aus ihren starken Stellungen quer über die Straße, die von Sapaume und Albert nach Peronne führt, zu vertreiben, da sie hier seit Wochen mit größtem Kraftaufwand gn der Befestigung arbeiten. HZ.) Eine Niederlage -es französischen Kriegs­ ministers in der Deputiertenkammer. ©enf, 4. Okt. In der heutigen Sitz­ ung der französischen Deputiertenkammer erlitt der Kriegsminister Roches eine Niederlage. Die Abgeordneten debattierten feit einigen Tagen über ResormvorschWge für das Militärstiraftrecht. Von allen Seiten wurde der Kriegs-/ minister angegriffen und ihm Beschwerden über die Handhabung des gegenwärtigen Milttärstrafrechts vorgeworfen. Unterstützt von dem Marineminister Lacaze, bekämpfte Roches die Reformvorschläge, die die Deputierten Maginot und Meunier eingebracht hatten. Maginot schil­ derte das bestehende Strafrecht als ein Gesetz, das unerhörte Härten zur Folge gehabt hat. So wurden beispielsweise während der Ver­ dunkämpfe verschiedene Soldaten in contuma­ ciam zum Tode verurteilt. Jetzt aber hat einer der Verurteilten aus einem deutschen Lazarett geschrieben ,daß er infolge Explo­ sion, die ihn lebendig begrub, gefangen ge­ nommen wurde. Obwohl die Gründe seiner Verurteilung dringend nach erner Revrfton verlangen .ertauvt aber das bestehende Strafrecyr kerne itfraje. Der Frau Views Soldaten wuroe jegkrche Unterstützung enrzogen. Der De­ putierte er Karte, daß dies eine Schande für das ganze Land sei. Unter lebhaftem Bei­ fall des ganzen Hauses schloß der Redner seine Angriffe gegen den Kriegsminister. Roches ver­ suchte vergeblich, die Militärjustiz zu vertei­ digen. Als er immer heftiger angegriffen wurde, verlangte er eine Vertagung der Aus­ sprache. Mit einer erdrückenden Mehrheit von 312 gegen 137 Stimmen Wicken die Deputier­ ten diesen Antrag zurück und nahmen den vor­ geschlagenen Reformgesetzentwurf an. ────────── Protesten und nach Einmischung der Vertreter der neutralen Regierungen konnten die rumänischen Diplomaten dieses wirklich feind­ liche und vor nichts zurückschreckende Land verlassen. — Der Herr Gesandte Dr. Beldiman, der auf dem Stettiner Bahnhof vor dem blumenge^schmückten Salonwagen seines ihm zur Ver! fügung gestellten Extrazuges sich so freundslich, ja freundschaftlich von den ihn hinau'ssbegleitenden Herren unseres auswärtigen Amtes verabschiedete, befindet sich gegenwärtig in Petersburg und wird dort Gelegenheit ha­ ben, aus der wahrheitsliebenden "Nowoje Wremja" zu ersehen, wie jämmerlich schlecht er in Berlin behandelt worden ist. (Z.) ────────── Gegen Rumänien. Die rumänische Niederlage hei Hermanns­ stad«. Die Kriegsberichterstatter der WienerBlätter melden über die rumänische Niederlage bei Hermannstadt: In den Kämpfen bei Hermann­ stadt ist eine rumänische Armee von mindestens 30 000 Mann aufgerieben worden. . Unsere Truppen haben bisher nahezu 80 Kanonen eingebracht. — Etwa der vierte Teil der für die Eroberung Siebenbürgens eingesetzten ru­ mänischen Hauptkräfte ist entscheidend geschla­ gen; die rumänische Südfront in Siebenbür­ gen gesprengt. (Z.) ────────── deutung, die man ihr zuerst zuschreiben wollte, wieder nähmen. In ganz Griechenland, selbst aus 'den Inseln, zeige sich immer deutlicher, daß die Bevölkerung der interventionistischen Strömung feindlich, verdrossen und teilnahms­ los gegenüberstehe . Die Fwtte, ausgenommen Conduriotis, sowie besonders das Heer hät­ ten immer deutscher zu verstehen gegeben, daß sie von einer Intervention nichts wissen wollten, < Unter diesen Umständen hätten Ve­ nizelos inrib Conduriotis durch die Bildung ei­ ner provisorischen Regierung riskiert, kaum mehr als sich selbst zu riskieren. Daraus er­ gebe sich, daß eine etwaige Verpflanzung des Kabinetts «Venizelos von Kanea nach Athen nur eine künstliche Lösung sein und der Machte Verteilung des Landes nicht entsprechen würde. Eine solche Lösung wäre auch den dringlichen Interessen des Vierverbandes auf dem Balkan nicht dienlich, vielmehr recht gefährlich, da sie «künstlich und widersinnig wäre. Der eitut zig gangbare Weg sei die Bildung eines Kap> binetts ,das alle Garantien absoluter Neuch. ralität gäbe. ! Am Balkan. Zur Besetzung Widdins durch, die Bulgaren. Widdin liegt aus dem rechten Ufer der Donau auf bulgarischem Gebiet, etwa 30 Ki­ lometer von der früheren bulgarisch-serbischen Grenze am Hegotiner Gipfel entfernt. 'Es ist die erste größere bulgarische Stadt an der Donau vom Westen her. Als Handelsort hat Widdin im 'Frieden große Bedeutung, in der Kriegsgeschichte hat esals .günstiger Uebergangspunkt über die • Donau wiederholt eine Rolle gespielt. Von den Widdin auf der rech-' ten Donauseite gegenüber liegenden Kalafat, gegen das die bulgarischen Truppen jetzt ei­ nen Vorstoß unternahmen, hat im-Jahre 1877 im russisch-türkischen Kriege König Carol von Rumänien auf das damals noch türkische Wid­ din den ersten Kanonenschuß abgefeuert. Ein Denkmal im Kalafat erinnert an dieses Ereig­ nis. (Z.) Aus Griechenland. Rotterdam, 5. Okt. Aus Athen wird gemeldet: Im Ministerium des Auswärtigen herrscht große Tätigkeit. Der König kommt täglich nach Athen, um dort Besprechsungen mit -dem Generalstabschef und dem Kabinett abzu­ halten; aber die Lage ist noch ebenso ungewiß wie zuvor, weil die Ententemächte über ihre Pläne völliges Schweigen beobachten. 'Im­ merhin werden alle möglichen Kombinationen aufgestellt. Die Gunaristischen Zeitungen wur­ den amtlicherseits angewiesen, über Venizelos keine verletzenden Worte zu äußern. (Z.) Daily Telegraph hat als diplomatische Quelle erfahren, daß die Alliierten gegen­ über Griechenland zwischen zwei Möglichkei­ ten zu wählen hätte, entweder der Zersetz­ ung des Landes durch die Partei Venizelos freie Hand» gwfaffeji, oder einen letztenSchritt beim König zu unternehmen, um so das ge­ genwärtige System von Griechenland zu retten. Man sei gegenwärtig an der Arbeit die letztere Möglichkeit zu erreichen, allerdings unter der -Voraussetzung, daß der König keinerlei Be­ dingungen gegenüber den Alliierten stellt. (Z.) Reuter meldet aus Athen: Der König hielt einen Kronrat ab, in welchem nach den Anweisungen des Königs jeder Minister sich für oder gegen den Krieg erklärte. Die Mehkheit erklärte sich für 'den Krieg. Daraufhin nahm der König das Rücktrittsgesuch der Mi­ nister an. Man erwartet ,daß Dimitrakopulos das Kabinett unter Einschluß von drei Venizelisten bilden wird. Daily Telegraph meldet aus Athen: Eine große Schwierigkeit für die griechische Regier­ ung sei die Finanzlage . Es sei unmöglich, das notwendigste Geld für die Kosten der Verwaltung zu beschaffen.' Im.September hät­ ten die Ausgaben 80 000 Pfund Betragen, wäh­ rend sich in der > Staatskasse nur knapp 20 000 Pfund befanden. Die jüngsten Ereignisse hätI ten die Einnahmen noch mehr beschränkt. * Echo de Paris meldet aus Athen: Der griechische Generalstab zog den größten.Teil des Kriegsmaterials nach Lissa zusamsmien. Das Motiv dafür ist unbekannt. Amsterdam, 5. Okt. Nach etne'ml hie­ sigen Blatte erfährt die Times aus Athen: Der König verhandelte mit mehreren Staats--' Männern über die Bildung des neuen Kabi-> netts. Man glaubt ,daß ein Koalitionsmini-l sterium gebildet wird. Der König erhielt die Glückwünsche von 32 Offizieren, die sich in Kreta aushielten und sich weigerten, sich der nationalen Bewegung anzuschließen. Bern, 5. Okt. Zu der Nachricht vom Rücktritt des griechischen Kabinetts erfährt der Corr. della Sera: Es sei unmöglich, zu be­ urteilen, in wieweit die venizelistische Agi­ tation und die Bildung der provisorischenRe-' gierung unter Venizelos dazu beitragen. Ueber die tatsächliche Tragweite der venizelistischen Agitation lägen sichere Nachrichten vor, die ihr den inneren Zusammenhang und die Be­ ────────── in Ontario ausbilden lassen und darnach an die europäische Front schicken. Tic russisch-W-ische.Legion. Der Korrespondent der Bert. Voss. Ztg. meldet: Die englische Presse veröffentlichtAufruse an die namentlich in London wohnhaften russischen Juden zum freiwilligen.Eintritt in die dort zu bildende russisch-silbische. Legion. ────────── bisher. Und wenn Lothaar eines Tages ihr Gatte wurde, dann erhiellt er'doch, was ihm zukam. Sie blieb wie gelähmrt stehen und starrte vor sich hin, als lausche | sie der verlockenden, Stimme. Aber dann hörte sie eftne andere Stimme. Die fragte dringend: "Und mjt dieser Lüge, mit dieseMi Unrecht befleckt, wolltest Du Lothoar Retzbachs Gattin werden?" Sie schrak empor. Ulnd in heißer Angst ries sie den Namen, ber- ihr wie eine Zu­ flucht schien in allen Schreecknissen. "Lothar!" Wie aus der Flucht vor sich selbst lief sie zu der Klingel und schellte heftig und laut. Neben der Klingel bliieb sie reglos stehen, bis "ein Diener eintrat. "Herr von Retzbach ich lasse ihn bitten, sofort zu mir #t kommen und dann rufen Sie auch meinte Tante hierher." Das stieß sie hastig hervor. Als der Diener verschvwunden war, atmete sie auf. So war os rechst und gut, Lothar sollte erfahren, was geschahen war, er zuerst, upd dgnn auch Tante -Jetttchen. Mochte dann j geschehen, was da woflte, -sie war ehrlich ge-' I blieben und brauchte nicht den Mann zu beI trügen, den sie liebte mit der ganzen Kraft und Innigkeit ihrer Seele. Es kam eine ge­ wisse Ruhe über sie. Mitten im Zimmer stand sie nun, hochaufgerichtet, .mit bleichiem Gesicht und einer seltsamen Spannung in den Zügen. Lothar folgte ihrem Ruf.sofort. Fragend sah er sie an. "Sie haben mich rufen lassen, AnneRose?" sagte er. Und.plötzlich erschreckend, als er ihr bleiches Gesicht.sah, eilte er auf sie zu und faßte ihre Hand. r "Was ist Ihnen, Anne-Rose, Sie sehen so bleich, so erregt mus?" Es lag .eine Zärtliche Sorge in seinen Worten. Ihr stiegen plötzlich würgend die Dränen im Halse empor. Nur mühsam bezwang sie sich. Nur ihre Augen ^ahen wie im Fieber glanzend 'aus dem blassen Gesicht zu "hm auf. Wie sich besinnend strich sie sich, über die Stirn. ; (Fortsetzung folgt.) Mit Entsetzen machte sie sich klar, daß sie nun Lothar viel Geld schuldig sein würde. Diel mehr Schulden hatte sie nun wieder als zuvor. Was würde Tante Jettchen dazu sagen? Ach, sie würde auch mit schwerem Herzen wie­ der in Not und Sorge untertauchen. Pie gut, daß Papa das nicht noch erleben mußte, daß er in Ruhe seine Augen schließen konnte. Aber nun hatte sie auch nicht einmal mehr die Pension des Vaters, die ja nach seinem Tode in Wegfall gekommen war. Was sollte nun aus ihr und Tante Jettchen werden? Sie sprang auf und lief im Zimmer auf und yb, wie auf der Flucht vor dem eigenen, marternden Gedanken. Die Hände fest auf das klopfende Herz gepreßt, sah sie hilflos um sich. Mußte sie nun fort von Retzbach, das ih>r so lieb geworden war, fort von ihm, dem ihre ganze Seele gehörte? Fort von Lothar? Es war ihr, als gehe ein Riß durch ihre Seele. Und da trat leise und lockend der Ver­ sucher an sie heran. Niemand als sie wußte um diese beiden Schriftstücke. Wenn sie die­ selben vernichtete. Dann blieb afles wie ────────── Der Luftkrieg. Zeppelinangriffc ans England. 'Amsterdam. 4. Oktober. Ueber den letzten Zeppelinunfall meldet die."Times": Die Nacht war dunkel und ruhig. Kein Lüftchen regte sich. Da und dort blinkte ein Stern. Plötzlich schossen die Schieinwerfer züm Him­ mel au,f, um ihn abzusuchen, und als sie ihr Ziel fanden, traten Kanonen von allen Seiten in Tätigkeit. Einige Granaten explodierten dicht neben dem Feinde, der mit zwei Bomben antwortete. Kurz darauf erstrahlte der Him­ mel in hellem Lichte und die Umrrsse des Zep­ pelins waren klar sichtbar. Der ganze Himmel war in ein Licht.getaucht, als ob die Sommer-, sonne plötzlich im Zenith.erschienen sei. Das Weiße Licht war so durchdringend, daß, es durch die verhängten Fenster seinen Weg in die Häuser fand. Dann leuchtete inmitten des weißen Lichtes ein roter Schein hervor, der sich nach reichits und links ausbreitete. .Eine flammende Masse kam schnell und mit gewal­ tigem Getöse nach unten. Es war ein über­ wältigender Anblick, als ein Schauer von Fun­ ken aus der Fenermasse.herauszischte. sTen Zuschauern blieb vor Erstaunen .der Atem weg. Der Platz, aus den der Zeppelin fiel, ist von niedrigen Hecken und kleinen Eichen be­ deckt. Fast inmitten des Feldes sind zwei riesige Trümmerhaufen von dem Rahmen werk und den zertrümmerten Maschinen, die ungefähr 100 Meter von einander entfernt sind. (Z.) > ────────── Der Krieg zur See. England gegen die Tauchboote. Kopenhagen, 5. Lkt. Die Nachmittags^ bliätter bringen an hervorragender StelleMit-, teilungen aus London, nach denen die eng­ lische Regierung gewissen neutralen Regier-' gen eine Note übermittelt habe, die darin gipi, feit, daß den Tauchbooten in neutralen ®e4 wässern und Häfen künftig aller Schutz des Völkerrechts entzogen werden solle. (Z.) Versenkt. Lloyds meldet: Der norwegische Dam­ pfer "Ada" ist gesunken. | Das Dampfschiff "Serule" aus Manchester wurde bei dem Noordfinder Leuchtschiff tor^ pediert. V a r d o e, 5. Okt. Der Dampfer der Novä densfjeldske Dampfschisfalhrtsgesellschast, der auf der Fahrt nach Archangelsk war, ist hierher zurückgekehrt und landete die aus 79 Mann bestehenden Besatzungen 'von einem torpedier­ ten russischen und einem torpedierten' engli­ schen Schiffe. Dampfer entging der Torpe^ dierung unter der Bedingung, daß er die Mannschaften nach Norwegen bringe. ────────── Noch fingen ine Jäger, v bie die Tiere führen. Eine ganz junge helle Stimme bringt Lie anderen Zum Schweigen, Man hat ja noch drei Kilometer ^leichten" Weg wor sich: ... -und die Dornen ,,unb die Disteln, , ja, die stechen gar Jo sehr. Doch die .falsche, falsche Liebe, die sticht .noch viel mehr... Das -letzte .Mal habe ich das Lieb von einer -sehr lieben Frauenstimme , gehört, es kommt mir vor. als seien es Jahrzehnte her. Jetzt -singt es der «.Jäger hier in das Rauschen des Vaser-Baches, und die Bilder einer Leit, die ferner wie die September 1899 erfolgte seine Wahl zum Pi»-. Jibenten der Kammer der Abgeordneten, ebenso in den Jahren 1905, 1907 und 1912. Der Bertstorbene war Inhaber hoher Orden und genoß bei allen Parteien, die seine unparteiische Geschäftssührnng in der Kammer, oiit der er auch guten Humor zn verbinden wußte, anerkann-, ten, hohe Achtung. Bayer. Kricgswncheramt. Die Bekämpf­ ung des Kriegswuchers litt bisher nicht da­ runter ,daß es die Behörden an energischem Zugreifen hätten fehlen lassen, sondern da­ durch, daß es den Wucherern durch, Aenderung ihrer Methode, Vorschieben von Stroh­ männern, Verlegen ihrer Tätigkeit aus einem Ort in einen andern usw. immer wieder ge­ lang, ihre Entdeckung zu vereiteln. Ein wirk­ sames Vorgehen hiergegen erfordert eine Zen­ tralstelle für das ganze Königreich, bei der alle Fäden der Kriegswucherbekämpfung zu­ sammenlaufen. die mit den erforderlichen sach­ verständigen Persönlichkeiten ausgestattet, die gesamte Tätigkeit der Strasperpflegungs-, der Distriktspolizeibehörden, der Preisyrüsungsstellen und der Zulafsungsstellen zusammen­ faßt, von ihnen fortlaufend von allem un­ terrichtet wird und die alle bei ihr einlaufen­ den Meldungen ihrerseits wiederum an diese Stellen weitergibt und die auch mit den gleichartigen Zentralstellen der anderen Bundes­ staaten (preußisches, sächsisches Kriegswucheramt) ständig int Austauschverkehr steht. Im K. Staatsministerium des Innern sind, tote die Bahe.r. Staatsztg. meldet, die Vorbereit­ ungen zur Errichtung eines solchen zentralen Kriegswucheramtes für das Königreich Bayern, das der K. Polizeidirektion in München angegliedert werden soll, seit Anfang August soweit gefördert worden, daß das Amt schon demnächst in Tätigkeit wird treten können. Zur 5. Kriegsanleihe wurden in Aschaffenburg 6 800 000 Mark gezeichnet. Auch ein Kriegsanleihzeichner! Ueberall ertönt die Losung: "Zeichnet die Kriegsanleihe!" Von allen Seiten bemüht man sich redlich, auch den Zaghaftesten von der Sicherheit und Rentabilität dieses Papiers zu überzeugen. Es ist traurig, wenn man im eigenen Lande manchmal noch tauben Ohren predigt, und wenn Kleinmütige durch Verbreitung wirrer Vorstellungen den Erfolg der Sache zu schmälern suchen. Vielleicht ist es da nicht ganz uninteressant, die Meinung eines unserer Gegner zu hören. In Sonthofen zeichnete ein russischer Gefangener bei der letzten Anleihe 100 Mark die er sich aus seiner Löhnung erspart hatte. Vom Schalterbeamten auf das etwas Eigentümliche und nicht gerade Patriotische seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht, erwiderte er lächelnd: "Mir gefällt es sehr gut in Deutschland und ich gedenke nach demKrieg hier zu bleiben.Da die Deutschen ja doch Sieger bleiben werden, kann ich mein Geld nicht sicherer und besser anlegen." Viel- ────────── Straubing, 6. Oft. (Weiblicher Mühlge-hilfe..) Die beiden Söhne des Kunstmühlbe-' sitzer:s Brunner in Weiling mußten bei Aus-7 brutfij des Krieges ins Feld ziehen, so daß der Müller ohne Hilfe dastand. Seine Tochter Emillie befand sich bis dahin in einem In-, stitu t und wurde vom Vater heimberufen, mrt ihm tatkräftig beizustehen. Das Mädchen er­ lernte das Müllerhandwerk und hat hier die Müllerprüsung abgelegt, welche sie mit Note "sehr gut" bestand. Niederbayerische Nachrichten. ────────── Dienstesnachrichten. Schuldienst. Ab 1. September 1916 wurde befördert zur Schulverweserin: die Hilfs­ lehrerin Maria Zimmerer von Steinberg in Lindkirchen (unter Belastung der Schnlverweseriu Therese Eidenbühler auf ihrer Dienstes­ stelle Hankofen). Ab 16. September 1916 wur­ den versetzt auf Ansuchen: die Hilfslehrer Her­ mann Mömpp von Degernbach nach Achslach, Richard Plenk von Achslach nach Degernbach; die Hilsslehrerinnen Rosa Ferazin von Wallerdorf nach Hohenwarth, Franziska Graf von Hohenwarthe nach Wallerdvrs; entlassen auf Ansuchen: die Schulverweserin Josephine Ste­ ter in Ludwigsthal. Ab 1. Oktober 1916 tour« , den versetzt auf Ansuchen: der Volksschullehrer August Martin von Jandelsbrunn nachAhvcain; entlassen auf Ansuchen: die Hilfslehrerin Anna Wolf in Schönan (Viechtaich II). ────────── —* Das Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse mit Krone und Schwertern hat der Infanterist itn 24. bayer. JnstHstgt. Mich. Gra­ ser, Sohn des Herrn Bautechnikers Mich. Gra-, per Mer, oerneuert errjaiten. Der Ausgezeichk-i nete war erst vor kurzem mit beftttf Eisernen Kreuze dekoriert worden. —* Zur 5. Kriegsanleihe wurden von den hiesigen Mittel- und Volksschulen und Vereinen 23 500 Mark gezeichnet. —* Die SD ruf chprämie von 20 Mk. für die Tonne Brotgetreide gilt nur noch bis 10. Oktober. Für spätere Lieferungen bis 15. 9to4 vember wird noch eine Druschprämie von 13 Mark gewährt. —* Goldsammlung. Bei der hiesigen Goldankausstelle sind bis einschließlich 30. Sep­ tember 51 Posten mit 122 Gegenständen behänd delt worden, die ein Gewicht von 830,39 Gr. und einen Wert von 1190,41 Mark ausmachten. In nächster Zeit werden die gesetzl. geschützten eisernen Uhrketten der Reichsbank eintreffen, die von Ablieferern goldener Uhrketten zuM Preise von "2,50 Mk. per Stück erworben wertden können. —* Der Viktualienmarkt war heute besser bestellt als am vorgestrigen Monat­ markte. SchwämiMe und Zwetschgen waren nicht allzuviele da. Die Preise der letzteren haben etwas angezogen. Lebendes Geflügel war auch heute nicht viel am Markte, ebenso war auch die Zufuhr von totem Geflügel nur klein. Aufsehen erregte eine Verkäuferin mit einem kleinen Quantum Eiern, das rasch aus-l verkauft war. —* Der Kartoffe l markt blieb auch heute unbeschickt. Dagegen waren wieder zahl­ reiche Stoppelrüben in schöner Qualität vor-! Handen, die auch rasch Abnehmer fanden, umso--« mehr als die Preise etwas zurückgegangen wa-, reit. Am Krautmarkt entwickelte sich bei tttitf telmäßiger Zufuhr ein lebhafteres Geschäft. —* Dörrobst darf von den Dörranstalten nicht abgesetzt werden .Die Betriebe, die sich mit 'der Herstellung von Dörrobst befassen, haben der Kriegsgesellschaft binnen acht Ta­ gen ihre Vorräte, ferner die allwöchentlich von ihnen neu hergestellten Mengen an Dörr­ gemüse anzuzeigen. —* Ein gröber Unfug hat sich in der letzten Zeit in den Straßen unserer Stadt! eingeschlichen. In den Abendstunden hantiert die Jugend mit sogen. Sternzündhölzchen, die achtlos umher geworfen und auch aus Fen­ stern geworfen werden. Wie gefährlich die­ ses Treiben für Passanten werden kamst zeigte sich gestern, wo auch einige Jungens mit sol­ chen Hölzern in der unteren Altstadt ihr Spiel trieben. Eines der brennenden Zündhölzer fiel auf eine vor einem Konfektionsgeschäft zur Schau gestellte Blouse, die sofort lichterloh brannte. Es wird Sache der Eltern sein, diesem Unfug der Jugend zu steuern, da sie auch für den ev. angerichteten Schaden haftq» bar sind. —* Leichenfund. Am Mittwoch wurde bei Ergolding in der Isar eine schon stark ver­ weste männliche Leiche geländet. Gestern ging von hier eine Gerichtskommission an den Fund-? ort. Es wird vermutet, daß es sich um die Leiche ves rseiiryalv Mrigen Schlossergehilfen Franz Mayer von München handelt, ber' am 15. März bei einer Fahrt mit einem Faltboot in der Isar in München verunglückte und er-? trank. —* Stadttlheater. Die Aufführung von "Die Goldne Eva" und Sudermanns "Heimat" wurde auf acht Tage verschoben. —* Die Berein igung ehem. Angehöhöriger der Gendarmerie in Niedervayertr hat zur 5. Kriegsanleihe 200 Mark, somit bis jetzt 600 Mark für Kriegsanleihen gezeich^ net. * Die Verhütung von Brand­ schäden, zumal jetzt nach der glücklichen Ein-, bringung der Ernte, ist v etn dringendes Gebot der Zeit. Da und.dort sind schon durch unverp antwortlichen Leichtsinn Brandschäden ent­ standen, die wertvolle Teile.unserer unersetz­ lichen Ernte und Futtervorräte vernichtet ha­ ben. Solche Schäden können und müssen ver­ hütet werden! Für femergefährliche Handlun­ gen der Familienmitgliieder, Arbetter und son­ stigen Hausgenossen iist das Familienhaupt und der Arbeitgeber verantwortlich; er ist sogar strafbar, wenn «r Jte duldet und nicht rechtzeitig abstellt. * Die Nutzbarmachung der Buchelm ast. Die heurige, auch in den bayerischen Waldgebieten reichen Ertrag versprechende Bu­ chelmast (Ernte an Brncheln oder Bucheckern) bietet eine bei der Knappheit an Oelen, Fetten und Futtermitteln besonders willkommene und wertvolle Gelegenheit zur Gewinnung neuer für die Volksernährunig und .für die Vieh­ haltung wichtiger Vorräte. Es ist deshalb dringend notwendig, die Buchelernte möglichst restlos zu gewinnen und zu verwerten. Das Kultusministerium hat daher die Schulvorstän­ de ermächtigt, in den , Monaten Oktober und November nach Maßgabe des örtlichen Be­ dürfnisses für die unterstellten.Schulen oder Schulabteilungen zeitweise den Ausfall oder entsprechende Kürzung des Unterrichtes zu ge­ nehmigen, soweit die Mitwirkung "der Schüler und Schülerinnen an den schulfreien Tagen oder Nachmittagen zur Einbringung der Bu­ chelernte nicht ausreichet. *EinWerkmeisterkursfür Kriegs­ invalide am k. Technikum .Nürnberg ist auf Anregung der städt. .Hauptstelle für Kriegs­ invalidenfürsorge Nürnberg vom Kultusmini­ sterium genehmigt worden. Der Kursbeginn ist voraussichtlich noch! Itn .Oktober 1916 und wird bis 31. Juli 4917 dauern. Der erfolg­ reiche Besuch dieses Kurses.und die anschlie­ ßende Prüfung berechtigt zur ^Führung des Werkmeistertitels. Anmaldungen von auswär­ tigen Kriegsinvaliden nehmen bis auf weiteres die städt. Hauptstelle für.Kriegsinvalidenfür­ sorge oder das k. Technikum Nürnberg ent­ gegen. ────────── Vermischtes. Das U-Boot im Kamp'f mit der Seemlne. Luigi Barzini hat in lertzter Zeit. an Bord eines italienischen Unterseeboots Ausgedehnte Kreuzfahrten gemacht, über die er in Tortlaufenber Folge berichtet. Eine besonders interessante Episode enthält einer dieser Berichte in deränschaulichen Schilderung des Zusammen­ treffens des Bootes mit einer Seemine. "Ungewöhn­ liche Umstände", schreibt er im (Sortiere della Sera", hatten uns gezwungen, den größten Teil der Nacht unter Wasser zu bleiben und umsere Elettrizitälsreserven damit in unerwünschter Weife in Anspruch zu nehmen. Gegen Morgen wagten wir «es endlich, die Nase, die wir vor den indiskreten Schennwerfern in der Nacht sorgsam in der Tiefe versteckt hatten, über die Ober­ fläche zu heben. Aber bald zwang uns ein seltsames Phänomen, schleunigst miede« das schützende Dunkel der Tiefe aufzusuchen: wir iwaren nämlich selbst ein Leuchtkörper geworden. Am Himmel hatte sich ein Gewitter zusammengezogen, uind die Blitze zuckten am Horizont. "Da plötzlich" — ich zitiere die Worte des Berichts des Kommandanten — "lokalisierten sich ununterbrochene elektrische Entladungen über die ganze Fläche des Kommandoturms b»is hinauf zur äußersten Spitze des Periskops, ja 'elkbst auf Schultern und Köpien der Wachen und des Kommandanten züngelten I elektrische Flämmchen. Solche Entladungen stellen sich I in Gestalt von violetten Leuchtkugeln dar, die zehn I bis dreißig Zentimeter Länge erreichen und den Scheitel I zur Basis haben." So schwamnnen wir denn schweigend in etwa 15 Meter Tiefe dahiin, als uns ein leises metallisches Klirren an der reichten Seite des Bootes aushorchen ließ. Im selben Amgenblick ries die Wache am Sehschlitz des Kommandotiurms: "Eine Mine an Steuerbord!" Es war der S-tahlkern der Sorrkette der Mine, die das Boot gestireift hatte. Um den gefährdeten Schiffsteil in Sicherheit zu« klingen, I befahl der Kommandant: "©treuer scharf nach Back­ bord, mit voller Kraft vorwärts!" Dann auf einen neuen Anruf der Wache der Befelhl: Motoren abstellen!" Die Sorrkette der Mine hatte 'sich in das Trefensteuer verwickelt. Da war nichts zu nnachen. Das Schicksal mußte seinen Gang nehmen. D)as Unterseeboot drückte bei der Fortsetzung der Fahrst auf die Stahltroffe der Miuenkapiel, ließ sie bald oauf- bald untertauchen, und man mußte jede Sekunde das Aufprallen und die Explosion des Zünders erwoarten. Es war ein Todeskamps, der uns nach stier Länge des Taues zugemessen war. Zwei Menschen allein folgten dem aufregenden Schauspiel als Zuschauer: Der Matrose im Turm und der Kommandant am Periskop. Die kleinsten Einzelheiten der entscheidenden Vision prägten sich mit geradezu schneidenden Genauigkeit in unser Hirn. Tie beiden Männer sahen den Stahlkern im Strudel auf- und abtanzen; er war weiß von den Krusten von allerlei Seezeug, die ihn überzogen, und er mußte schon monatelang mt Wasser gelegen haben. Bei jeder Erschütterung stäubten Kalkschuppen von ihm ab und fielen zittern in die Tiefe. Und jetzt sahen wir auch ganz klar den Minenkörper auftauchen. Er hopste wie ein kleiner Gummiball, der ruckweise an der haltenden Schnur gerissen wird. Auch der Minenmantel selbst war von allerlei Schmarotzerzeug bedeckt, das ihm ein runzliges, weiß und blau geflecktes Aussehen verlieh. Lange grüne Algenfäden schwammen zwischen den drei Ketten; ein kleiner Schwarm von Fischen segelte neugierig herbei und starrte die seltsame Fauna, bte da auf dem schwimmenden Ding erblühte, mit runden Glotzaugen an. Die Besatzung aber wartete stumm und mit dem dumpfen Gefühl des totbringenden Verderbens, das ihnen zur Seite lauerte. So stirbt man im Unterseeboot, unbeweglich, ohne klares Bewußtsein, die Hände auf ein Instrument oder ein Rad gelegt und wartet auf den Augenblick, der das Herz feine letzten Schläge tun läßt. Wie lange Zeit wir warteten'? Keiner kann es sagen. Schon war die Mine an das Unterseeboot herangekommen, schon hatte der Handgriff der Sorr­ kette den Bootsrand berührt. In diesem kritischen Augenblick brach die Stahlkette. Die Mine wurde frei und verschwand in der Tiefe. Man hörte die Stimme des Kommandanten: "Vorwärts, 600 Ampere", und ein stilles Lächeln huschte über die Gesichter aller der Leute; das müde Lächeln des Ringers, der den Gegner in letzter Not glücklich niedergezwungen hat." ────────── Letzte Posten. Ter Kaiser im Offen. WTB. Berlin, 6. Okt. (Amtl.) Se. Maj. der Kaiser hat sich an die Ostfront zu 'den Truppen des Generalobersten von Linsingen, gegen die sich der Hauptangriff der Russen richtet, begeben. Neue Luftangriffe auf Bukarest. Berlin, 6. Okt. Sieben deutsche Flug­ zeuge sollen verschiedenen Blättern zufolge atm 3. Oktober einen neuen Angriff auf Bukarest ausgeführt haben. Ein großer englischer Dampfer gesunken. London, 6. Oktober Es wird amtlich be­ kannt gegeben, daß der von der Regierung erlvorbene Thunaris-Dampser "Franeonia" (18 150 Tonnen) gestern von einem feindlichen Unterseeboot im Mittelmeer versenkt worden ist. Der Dampfer hatte zurzeit keine Trup-i Pen an Bord. 12 Mann der Besatzung werden vermißt, 302 sind gerettet. Versenkt. Dronheim, 5. Okt. Der Dampfer "Knoud Jarl" (1070 Tonnen) ist am vergan-> genen Freitag an der Murmanküste versenkt worden. Eine Expedition geht zur Abholung der Mannschaft ab. Auf der Reise nach Archangelsk wurde dev Dampfer "steejor', wayrfchenmch durch! ein deutsches Unterseeboot am 1. ds. an der Mur-> manküste versenkt. Das Schiff ist für 1 800 000 Kronen kriegsversichert. Ein deutsches Unterseeboot traf heute früh mit 20 Mann Besatzung des Dampfers "Brink" aus Tönsberg ein, der gestern abends 50 See­ meilen Dvn ■—icroroe ttn Eismeer versenkt wor­ den ist. Der Dampfer war mit Holz von Onega nach Hüll bestimmt. Das U-Boot blieb» eine Stunde im Hafen. Minifferwechfel in Japan. Rach einem Newyorker Telegramm! des Journals wurde General Terenchi pw jaapnischen Premierminister ernannt. ────────── Literarisches. Der Türmer. Halbmonatsschrift für Gemüt und Geist. Herausgegeben von I. E. Fretherrn von Grotthuß. Verlag von ©reiner u. Pfeiffer in Stutt» gart. Vierteljährlich 6 Hefte, 4.50 Mark. ────────── Ter deutsche Kronprinz über den Krieg. 1 London, 5. Oktober. Meuter meldet: Die Times erhält aus Newhork einen Bericht über eine Unterredung des deutschen Kronprinzen mit dem amerikanischen Journalisten William' Bayard Hele, in der der Kronprinz unter anderem von der festen Zuwersicht des deut-/ scheu Volkes sprach, daß die Front im Westen nicht durchbrochen werden kön.ne u. auf den unp schätzbaren Vorteil hinwies, daß Deutschland imstande ist, in kurzer Zeit nach Bedarf die Verstärkungen zwischen Ost- u>nd Westfront aus­ zutauschen. Der Kronprinz beedauerte die trau-/ rige Notwendigkeit, den Kr ieg fortsetzen zu jj müssen, und sagte, daß keine Hoffnung auf eineu baldigen Frieden bestehe. Alle, die (Settep male, die Offiziere und die Soldaten, würden lieber sehen, wenn die unendliche Arbeit, die wissenschaftliche Forschjung untb der Heldenmut, die jetzt darauf verwendet werden, die Feinde zu besiegen ,in den Dienst der Niederringung der gemeinsamen Feinde der ganzen Mensch-/ heit gestellt werden könnten. Zur Heldentat des Oberleutnants v.Eoffel. Der im gestrigen deutschen Tagesbericht genannte Oberleutnant von Cwssel ist der Sohn des langjährigen Landrates von Jüterbogk, Geyeimrat von Cossel und d«er Gräfin Zep­ pelin, einer Nichte des Grasern Zeppelin. 'Er steht im 24. Lebensjahre, hack kurz vor Be­ ginn des Krieges in Schulpfwrta sein Abiturium gemacht und ist als Fahnenjunker in das aktive Feldartillerie-iRegirment in Frank­ furt an der Oder eingetreten:. Er hat sich schon früher als Flieger herworgetan und' ist im Besitze des Eisernen Kreuzus 1. Klasse.