Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-11-20. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 316, 1916-11-20. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 316 20. November 1916 ────────── Amerika lehnt Englands Note ab. Nach einer Meldung des Pariser Jouvnal veröffentlicht die Newyork Times eine halb­ amtliche Mitteilung, wonach die amerikanische Regierung die englische Note über die schwar­ zen Listen nicht annehmen werde. Italienischer Kriegsschauplatz, und SüdSstlbcher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der stellvertretende Chef des Generalstabes! v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. * ■ - ; WTB. Wien, den 19. November. — , Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Der Südslügel der unter dem Oberbefehl des Generalobersten Erzherzog Karl stehenden Verbündeten Streitkräfte hat in den letzten Tagen einen vollen Erfolg erkämpft. Trup­ pen der Armee des Generals von Falkenhahn bahnten sich in der Schlacht bei Targu-Jiu den Austritt aus dem Gebirge und gewannen gestern mit der im Motrutal vorrückenden Kolonne 'die von Vereiorova nach Craiova führende Bahn. Zähester rumänischer Widerstand, der viel­ fach — namentlich östlich und südöstlich! von Targu-Jiu — in erbitterten GegenstößenAusdruck fand, war vergebens. Auch die beider­ seits des Altfluffes vordringenden österr.-un­ gar. und deuffchen Kräfte erreichten in fort­ dauerndem zähen Ringen den Gebirgsfuh; sie überschritten gestern die Linie Calimanesti— Suicii. Rumänische Angriffe scheiterten hier ebenso wie nördlich von Campolung. Seit dem 1. November sind in der Wa­ lachei 189 rumänische Offiziere 19 338 Mann, 26 Geschütze, 17 Munitionswagen und 72 Ma­ schinengewehre eingebracht worden. Am der sie­ benbürgischen Ostfront südöstlich von Tölgyes schlugen bayerische Truppen der Armee des Generals von Arz einen russischen Vorstoß ab. Weiter nördlich keine besonderen Ereig­ nisse. Ftalieuischer Kriegsschauplatz. Im Wippachtal südlich von Biglia wurde ein italienischer Graben genommen und besetzt, 4 Offiziere 120 Mann gchängen, «üdSstlich« Kriegsfch««pla,r Die Lage ist unverändert. Der stellvertretende Chef des Generalstabe»! v. Hoeser, Feldmarschalleutnant. Der bulgarische Bericht. Sofia, 18. Nov. Amtlicher Bericht vom 17. ds.: Mazedonische Front: Ein feindli­ cher Angriff bei dem Dorfe Poustek, zwischen dem Malik- und dem Prespasee wurde abge­ schlagen. In der Ebene von Monastir'wurde ein starker feindlicher Angriff auf die 'Linie Veluchinä-Kanina durch deutsche Artillerie blu­ tig abgewiesen. Im Cernabogen schlugen wir durch Gegenangriff einen feindlichen Sturm aus Höh« 1212 und auf das Dorf Bruik zu­ rück und erbeuteten drei Maschinengewehre und einen Msnenwerser. Auf beiden Seiten des Wardar und am Fuße der Belasica Pla­ nina 'schwaches Artilleriefeuer. An derStrumafront schwache Kämpfe zwischen vorgeschpbenen Abteilungen und lebhaftes Artillerie­ feuer. An der Küste des ägäischen Meeres Ruhe. ' > Rumänische Front: Längs der Do­ nau keine Veränderung der Sage. An dev Küste des Schwärzen Meeres Ruhe. !* Sofia, 19. Nov. Amtlicher Bericht vom 18. ds.: > I Mazedo nische Front: Im Abschnitt Voluchia—Noleven lebhaftes Artilleriefeuer. Im Cernabogen wiederholte der Feind seine Angriffe, er wurde aber blutig zurückgeschla­ gen. Ebenso scheiterten Angriffe, die derFeind in der Nacht zum 18. ds. in der Gegend des Dorfes Gruniche und bei Noute unternahmt. Westlich des Wardar schwaches und östlich! des Flusses lebhaftes, aber zeitweilig aussetzendes Artilleriefeuer. Am Fuße der Belaste« Pla­ nina und an der Strumaftont schwache Avtillerietätigkeit. Versuche kleinerer feindlicher Abteilungen unter dem Schutze des Nebels Punkten südlich des Dorfes zurückgedrängt und stehen in einer vorbereiteten Riegelstellung auf dem Südufer der Ancre. Me anderen Stellungen der wiederholt angegriffenen 12 Kilometer breiten Front wur­ den von unsren bravenTruppen gehalten oder lim Gegenstoß, zurückgenommen. Starkes Feuer der französischen Artille­ rie im Abschnitte südlich von Sailly-SaMsel leitete Angriffe ein, die am Nordwestrand des St. Pierre-Waast-Waldes verlustreich zusam­ menbrachen. Oestlicher Kriegsschauplatz,. Front des Gcueralscldmarschalls PrWz Leopold von Bayern. Nichts Neues. Front des General-Obersten Erz­ herzog Karl. Oestlich des Putnatales, im Györgyögebirge wiesen bayerische Regimenter Vorstöße starker russischer! Kräfte südlich des Hegyes ab. Unsere Operationen seit Ende Oktober an der siebenbürgßschen Südfront haben den be­ absichtigten Verlauf genommen. Der Austritt ausüben Gebitgsengen in die Walachsische Ebene ist trotz zähen Wider­ standes ber Rumänen von deutschen und österr.ungar . Truppen erzwungen worden. Starke rumänische Kräfte sind zwischen Jini Uüd Gilort in der'Schlacht vonTargu-Jiu durchbrochen und unter ungewöhnlich hohen blutige« Verluste« geschlagen. Versuche des Feindes, mit neu herangeführten Kräften uns von Osten zu umfassen, scheiterten. Im Nach­ drängen haben unsere Truppen die Bähn Orsowa—Krajowa erreicht. Südlich des Roten Turmpasses ist der Weg Calimanesti—Suici überschritten. Die Gesamtbente der 9. Armee in den Ta­ gen vom 1. bis 18. November beträgt 189 Offiziere, 19338 Mann 26 Geschütze, 17 Munitionswagen und 72 Ma­ schinengewehre. Heeresfrowt des Geueralfeldmarschalls von Mackensen. Bei Silistria wieder lebhafteres Jnsanrie- und Artilleriefeuer. Mazedonische Front. Nachdem es dem Gegner gelungen ist, an der Höhe 212 nordöstlich von Cegel Fortschritte zu machen , haben die deutsch-bulgarischen Truppen eine Stellung nördlich von Monastir eingenommen. Monastir ist damit aufgege­ ben worden. Ter 1. Generalguartiermeisterft Ludendorff. * WTB. Berlin, 19. November .Amtli­ cher Abendbericht: Beiderseits der Ancre und am St. PierireWaast-Wald zeitweilig starke Artilleriekämpfe. In der Walachei Fortschritte. Dkl Sstm.-W. Bericht. WTB. Wien, den 18. November. — Amtlich wird gemeldet: Ocstlicher Kriegsschauplatz. Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Karl. Beiderseits des Schhl ftnd die deutschen und österr.-ungar. Truppen trotz heftigsten feindlichen ^Widerstandes in stetem Vordrin­ gen. Auch östlich des Altflusses wurde Ge­ lände gewonnen. Nordöstlich von Campolung scheiterten erbittere Gegenangriffe des Fein­ des. An der siebenbürgischen Ostfront bei Schneefall und FroLt geringere Kampftätigfeit. Heeresfrout d«s Geueralfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayer«. In Wolhynien stellenweise lebhafter Ar­ tilleriekampf. . 1 I i vorzurücken scheiterten. An der Küste des ägä­ ischen Meeres Ruhe. Rumänische Front: Es ist kein wich­ tiges Ereignis zu melden. Der MW Bericht. Konstantinopel, 18. Nov. Das tür­ kisch« Hauptquartier teilt mit: Von der Euphrat- und Tigrisfrvnt, so­ wie aus Persien kein wichtiges Ereignis außer Erkundungstätigkeit. Ein Teil nnsererStchhtmacht, die aus tzamadan abgeschickt worden war und auf das 150 Kilometer südöstlich von Hamadan gelegene Sultanabad vorrückte, Vertrieb russische Kavallerie, auf die sie stieß und gelangte bis 15 Kilometer vor Sultana­ bad. Ein Angriff, den die Russen mit einem Teil ihrer Streitkräfte nordöstlich von Retvanduz gegen unsere Grenze zu unternehmen versuchten, wurde mit Verlusten fltr die Rus­ sen abgeschlagen. Kaukasusfront: Der Feind, dem es gelungen war, unter dem Schutze heftigen Ma­ schinengewehrfeuers in eine unserer Vorstel­ lungen von 100 Meter Ausdehnung einzu­ dringen, wurde durch einen Gegenangriff wie­ der daraus vertrieben. Die Stellung blieb ganz in unserer Hand. Kein wichtiges Ereignis von den anderen Fronten. Der VizegenerälissimuS. ────────── Rr. 316 Dorfes an der Sommefront wieder in deut­ schen Besitz über. Me ant 9. Oktober beginnen­ den blutigen Kämpfe um Sailly-Saillisel führ­ ten erst ant 18. zur Einnahme der von den Granaten zermalten Dorftrümmer. Von hier aus wollten die Franzosen den St. PierreWaastwald umfassend angreifen, um so von Norden aus auf Perronne drücken zu können. Allein^ $te konnten sich nur mit Mühe in dem genommenen Dorfe halten und erst atro 5. Oktober den Angriff gegen den Wald vortrü­ gen, dessen Nord- und Westteil in ihre Hände siel. Dieses dichte struppige Gehölz, das mehr ein Buschwerk als Wald zu nennen ist, steht wie ein Riegel zwischen den Franzosen und ihren Angriffszielen. Ein rascher kraftvoll durchgeführter Angriff des hannoverschen Füsihier-Rgts. Nr. 73 brachte ant 15. ds. den zähe verteidigten Nordteil des Waldes wieder in deutsche Hände. Der Preis anderthalb Monate langer Kämpfe ist damit den Franzosen ent­ rissen. ────────── Gegen Rumänien. Win Drittel des rumänischen Heeres amßpr Gefecht gesetzt. i Die Köln, Ztg. schreibt: Die schsweren Schläge, die das rumänische Heer durch Macken­ sen in der Dobrudscha empfangen hat, vernich­ teten zugleich mit den Niederlagen durch Fal­ kenhahn und 'Arz einen so großen Teil der rumänischen Kräfte, daß wenigstens ein gu­ tes Drittel davon als außer Gefecht gesetzt betrachtet werden muß. Französische Aerzte in Numäniem. Wie "Aftenbladet" meldet, befinden sich aützenblicklich 30 französische Aerzte in Stock­ holm, die nach Rumänien abreisen. Die Ex­ pedition ist von einem Privatmann in Frank­ reich ausgerüstet worden. ────────── Am Balkan. Kttke 3. linie heute bereits als unerschütterlich ange­ sehen werden kann. Generalissimus Jekoff und sein Generalstabschef konnten dem Vertreterl des Budapester Blattes ruhig versichern, daß die Lage in Südmazedonien als konstant ange­ sehen werden könne. (Z.j ! Wien, die Wiener Allg. Ztg. meldet aus dem bulgarischen Hauptquartier: An beiden Abschnitten in Westmazedonien wird Tag und Nacht gekämpft. Der Feind verwendet im Gefecht ganz neue Truppen, die, durch ein ra­ sendes Trommelfeuer getrieben, sich mit unge­ heuerer Wut auf ihren Gegner stürzen. Aro mehreren Stellen gelang es dem Feind, über zerstörte Gräben und Deckungen näher an uns heranzukommen, allein die bald einsetzenden Offensivstöße unserseits vertrieben ihn Mieders aus dem gewonnenen Gelände. Die Alliier­ ten setzen hier große Truppenmassen an; an ei­ ner einzigen schmalen Stelle kämpfen allein zwei französische Divisionen. Dies beweist auch, daß die strategische Anfftellung nicht be­ sonders gut gewählt war, was die Verteilung anbetrifft. Venizelos Fiasko. Der Carriere della Sera setzt seinen Feld­ zug gegen Venizelos und den Optimismus der Entente hinsichtlich Griechenlands fort. In der Tat bestehe eine untrügliche Anschauung! darüber, daß Venizelos ein völliges Fiasko erlitten habe, und daß alle englischen und französischen Berichte, die das Gegenteil ver­ sicherten, Schwindel seien. . Tie Kämpfe in Mazedonien. Az Est meldet aus dem bulgarischenHauptquartier, daß die Entente insgesamt etwa 350 000 Mann an der gesamten Balkanfront habe, nicht eingerechnet sind die Verstärkun­ gen, die jüngst eintrafen, aber auch nicht ab­ gerechnet die Verluste, die die Ententetruppen seit der September-Offensive erlitten haben. Die Truppenzahl des Feindes ist demnach nicht besorgniserregend. Die Erfolge, die der Feind in den letzten zweieinhalb Monaten erreich­ te, sind nur so zu erklären, daß Sarttail ge­ schickt Truppen von einem Punkt nach dem andern werfen konnte und daß er artilleristi­ sche Ueberlegenheit besaß. Nachdem es jedoch infolge genügender Transportmittel mit dem Bau von Feldbahnen und durch Munitions­ nachschub auch bei uns besser bestellt ist, haben sich die artilleristischen Kräfte etwas ausge­ glichen, so daß die bulgarisch-deutsche Front- ────────── Roman von Eüsbeth Bvrchart. | 24] | 11 ! | (Nachdruck verboten.; I Graf Harald hatte schon an einem der nächsten Lage, wie er es der Baronin versprochen hatte, seinen Besuch auf dem Wolkenstein gemacht, und seitdem hatte sich ein reger Verkehr entwickelt. Besonders die Baronin war ein häufiger Gast auf Bernegg. Unter irgend einem Vorwand, oft nur mit der Bemerkung, sie käme auf ihrem einsamen Schlosse vor Langeweile um, sprach sie vor und blieb nicht selten zum Tee. Das war die Stunde, die sich Graf Harald von seiner Arbeit abzuringen und bei seiner Tante zu zubringen pflegte. Allerdings mußte sie dabei auch deren Gesellschafterin in Kauf nehmen. Es schien, als könnte die alte Gräfin ohne diese nicht mehr auskommen. Baronin Gemmingen wagte es nicht, dieserhalb irgend eine Andeutung zu machen, dazu war sie viel zu klug. So lästig ihr die beständige Gegenwart der jungen, hübschen Frau war, so fand sie sich damit ab und suchte sich zu entschädigen, indem sie geschickt allerhand Vorwände erfand, um trotzdem mit dem Grafen allein zu sein. So mußte er sie in den Reitfiall führen, mit ihr ausreiten und anderes mehr. Aber weiter kam sie trotzdem nicht mit ihm. In der Selbstverbannung. Auftretens — das alles paßte wohl für eine Dame von Stande, aber nicht für eine armselige Gesellschafterin, die sich hier ihr Brot verdiente. Auch dieses helle Auflachen — wie unpassend! Nicht allein, daß die Gräfin es ihr nicht untersagte, wie es gehörig gewesen wäre, es schien obendrein noch ansteckend zu wirken, sogar auf Harald. Dieses Lachen wurde ihr geradezu verhaßt, wie die Person der Gesellschafterin überhaupt. Und ihr Haß schürte ihr Mißtrauen. Daß hier nicht alles in Ordnung war, redete sie sich mit einer Hartnäckigkeit ein, die fast fanatisch wurde. Sie mußte dem verborgenen Hintergründe auf die Spur kommen, koste es, was es wolle, und sie hatte in dieser Hinsicht auch schon ihre Fühlhörner nach allen Richtungen ausgestreckt. Nach wie vor behandelte sie Rose wie jemand, dem man keine gesellschaftlichen Rücksichten schuldet, wenn sie sich auch aus Klugheit zuweilen herbeiließ, ein herablassend leutseliges Wort an sie zu richten. Rose hatte sich daran gewöhnt, oder vielmehr sich zu beherrschen gelernt. Denn innerlich kochte ihr das Blut noch immer heiß auf. Aber sie war zu stolz, um ein Gekränktsein zu verraten und gab sich vielleicht gerade darum harmloser und zwangloser in der Baronin Gegenwart, -als sie es sonst getan haben würde. Sie ahnte nicht, daß sie damit die Baronin noch mehr gegen sich aufreizte. Instinktiv fühlte sie sich von ihr abgestoßen, und sie schrieb das deren Hochmut zu. (Fortsetzung folgt.; Er blieb stets in einer liebenswürdigen Reserve ihr gegenüber, und sie kamen über den konventionell formellen Ton nicht hinaus, obgleich sie alles aufbot, ihn vertranter zu machen. Woran lag das? Sie suchte die Ursache nicht in sich selbst, sondern da, wo sie sich suchen wollte, wohin sie von Anbeginn ein eifersüchtiger Argwohn geführt hatte. Die geringste Höflichkeit und das geringste freundliche Wort, das er an die Gesellschafterin richtete, empörte sie: sie faßte es beinahe als persönliche Beleidigung auf. Wie konnte er dieser untergeordneten Person eine gleiche Behandlung zuteil werden lassen, wie Damen seines Standes? Scharf beobachtete sie ihn, jedem seine Blicke, seiner Worte legte sie eine besondere Bedeutung bei, die sie im- Grunde nicht besaßen. Ihre Eifersucht grenzte oft an Haß gegen die vermeint­ liche Urheberin. Wie benahm sich diese Person aber auch! Das war ja empörend! Sie begriff die alte Gräfin nicht, die in diesem Punkte ganz unverant­ wortlich nachsichtig war. ja die Gesellschafterin verwöhnte als gehörte sie bereits zur Familie. Und diese Herwart bewegte sich auch mit einer so ruhigen Sicherheit, als fühlte sie sich schon sicher im warmen Nest, das sie sie mit Schlauheit und Koketterie erobert hatte. Diese raffiniert einfach elegante Kleidung, die darauf angelegt war, ihre schöne Gestalt. in das beste Licht zu setzen, diese ostentative Anmut, die ste in jede ihrer Bewegungen legte und dieses selbstverständliiche, unge­ zwungene Benehmen, die tadellose Sicherheit ihres ────────── Tie Leiche des deutschen Botschafters in Wien von Tschirschkh und Böggendorff troff gestern vormittags 11 Uhr über Tetschen mit dem Personenzug in Dresden ein. Es er­ folgte die Uebersührung nach Hosterwitz, wo der vierspännige Leichenwagen um 4 Uhr ein­ traf. Hunderte von Kränzen bedeckten wen Sarg, darunter solche des deutschen Kaisers, des Kaisers von Oesterreich, des Königs von Sachsen und des Königs von Bayern. Unter Glockengeläute wurde der Sarg bor dem 'Al­ tar der Kleinen Kirche in Hosterwitz zwischen brennenden Kerzen aufgebahrt. Die Abgrast Tschirfchky befindet sich in unmittelbarerNKhe der Kirche, woselbst morgen mittags die Beisetz­ ungsfeier stattfindet. Vantätigleit im Kriege. Das stellt). Ge­ neralkommando des 8. Armeekorps hat, wie die Köln. Ztg. meldet, angeordnet, daß jede BauTätigkeit, die nicht mit der Kriegstätigkeit zusammenhängt, gänzlich einzustellen ist. Venerische Slawen. Zum Max Joseph-Ordensritter wurde Ge­ neral Graf von Bothmer ernannt. SiieraSßherische Slawen. Uiederbayerische Helden. Von einem andauernd heftig beschossenen Artilleriebeobachtungsplatze bei Th., wohin er sich an der Seite seines Offiziers trotz aller Gefahren vorgearbeitet hatte, brachste in den Tagen vom 2. bis 9. Juni 1916 Vizewacht­ meister Johann Winklhofer beim Stabe der 1. Abteilung 1. Feldartillerte-Rgts. aus Safserstetten, B. A. Griesbach, jm Vollgefühl der Wichtigkeit seiner Aufgabe un­ ter einem rasenden französischen Verfolgungs­ feuer mit größter Unerschrockenheit viermal Meldungen zur Feuerstelle und kehrte stets indem er bald vorrückenden Lichtsignaltchrppen als Führer im Gelände diente, bald schwere Geräte mitschleppte ,unverweilt ansei­ neu von Granaten ükErschütteten Standplatz zurück, wo er tagelang ohne Verpflegung und Ruhe mit zäher Ausdauer seinem Offizier ein treuer Gehilfe blieb. Allezeit gleich Dienste freudig und furchtlos, erhielt Winklhofer die Silberne Medaille. Äöährend des harten Ringens um das Zwischenwerk Th. harrte am 25. Juni 1916 Ossizierstellvertreter Kastulus Göbl der 6. Komp. 2. Jnf.-Rgts., ein Zimmermänn und Bauzeichner aus Vatersdors, B. A. Lands­ hüt mit seinem Zuge an einer äußerst gefähr­ deten Stelle allein aus, um im Notfälle'den vorne kämpfenden Truppen rasch Unterstützung bieten zu können. Sehr bald bot sich auch hierzu Gelegenheit. Indem er aus eigenem Entschlüsse dem für einen bereits zurückgenom­ menen Truppenteil bestimmten Befehle Folge leistete, führte er seinen Zug unter heftigstem Sperrfeuer mit Kaltblütigkeit und viel Ge­ schick in die Gefechtslinie und hielt dort bis zur Ablösung erfolgreich stand. (Silberne Me-) daille.) Im Gefechte vom 12. Juni 1916 befand sich Infanterist Georg Z e h n t n e r der 6. Komp. 1. Jnfanterie-Rgts. von Gundihaufen, B. A. Landshuts, Heizer zu Gosheim, O. A. Spaichingen, am Ende einer langen Postenkette zur Aufrechterhaltung der Verbindung von der Befehlsstelle zur Sturm­ truppe bei einer Versügungsgrjuppe, als mit­ tags die Kunde einlief, in der genommenen Stellung liege ein schwer verwundeter Offi­ zier. Da der Kompagnieführer in dem Mör­ derischen Feuer picht nutzlos Leute opfern wollte, erbot sich Zehntner freiwillig zur Ein­ holung und gelangte wirklich, obwohl schon verschiedene Verbindungsleute beim Durchlau­ fen einer viel kleineren Strecke gefallen waren, unversehrt zu dem etwa 1200 Meter entfern­ ten Verwundeten, überzeugte Just aber rasch von der Unmöglichkeit einer sofortigen Weg­ schaffung. So machte er den gleichen Weg wie­ der zurück, um nachmittags nochmals vorzu­ schleichen, fand jedoch den Offizier nicht mehr vor. Nach der zweiten Heimkehr hörte er spät in der Nacht, der Verwundete befinde sich in einem Unterstände, begab sich zum dritten­ mal nach vorn« ünd brachte ihn endlich mit Hilfe einiger Kameraden, doch noch immer unter heftigem Geschütz- und Maschinengewehrfeuer, beim Morgengrauen in Stcherhelt.Zehntner erhielt Pie Silberne Medaille. Tages-Uebersicht. ────────── Die Rumänen erneut geschlagen. Der Austritt in die walachische Ebene erzwungen. — Von der 9. Armee rund 20 000 Rumänen gefangen. — Eine blutige Schlappe der Engländer an der Buere. - Amerika gegen Englands Handelsboykott. - Neue Entente-Forderungen an Griechenland. - Ein Attentatsversuch auf U-Deutschland. Im Westen huben die Engländer einen neuen Durchbruchsversuch unternommen mit gewaltigen Massen. Auch Kavallerie stand be­ reit. Es war vergebens. .Auf 12 Kilometer? breiter Front griffen die englischen Truppen nach stundenlangem Trommelfeuer, das unsere Stellungen zerpslügte, an, erlitten aber eine neue blutige Schlappe. Tie unter den Ge­ neralen Fuchs und' Fr'hr. v. Marjschall stehenden Truppen hielten unentwegt dem feindlichen Ansturm stand, der trotz Uebevmacht nur an einzelnen Punkten kleinen belanglosen Geländegewinn erzielen konnte. selbe doch keine Verwendung haben. Grie­ chenland lehnte diese Forderung zwar ab, doch wird es sich wahrscheinlich auch« hierin dev Gewalt beugen müssen. An Amerika hatte die englische Regierung eine Antwort auf den Protest Amerikas gegen die englischen schwarzen Listen gesandt, In derselben wurde in der Hauptsache für Eng­ land die Berechtigung zur Führung solches Listen beansprucht. Die amerikanische Regie­ rung soll diese Antwort nun abgelehnt: haben. , An der siebenbürgischen Nordfront haben Bayern starke russische Angriffe zurückgeschla­ gen. An der siebenbürgischen Südfront habendie Unsern den Erfolg der Schlacht von TarjguJiu voll ausgenützt. In rastloser Verfolgung setzten sie dem zerschmetterten Feinve nach und heute stehen sie bereits mitten in der WalacheiAuch südlich des Roten Turmpasses sind dfe Gebirgsengen der transsylvanischen Alpen be­ reits überwunden. Fast'20 000 Rumänen sind gefangen und reiche Beute fiel in die Hände der Unsern. Von der rumänischen Armee ist nun seit Kriegsbeginn infolge der schweren Schläge, die ihr Mackensen, Falkenhayn und Arz zufügten, bereiits ein gutes Drittel außer Gefecht gesetzt. Aus Mazedonien kommt eine weniger an­ genehme Nachricht. Monastir ist von 'den deutsch-bulgarischen Truppen aufgegeben wor­ den. Noch vorgestern vollführten pommersche Infanterie und deutsche Jäger auf den schnee­ bedeckten Höhen im Cernabogen Heldentaten. Ein feindlicher Erfolg aus dem linken Flü­ gel ließ, es zur Vermeidung von unnötigen Verlusten angezeigt erscheinen, die Stellun­ gen vor Monastir aufzugeben und sich auf vorbereitete Stellungen hinter dieser Stadt zurückzuziehen. Die Armee Sarvail will an­ scheinend den Rumänen Entlastung bringen,' doch werden an unserem Vordringen in Ru­ mänien auch- kleine feindliche vorübergehende Erfolge in Mazedonien nichts ändern. An Griechenland stellte die Entente eine neue Forderung. Mit dem Essen scheint ihr der Appetit zu kommen. Zuerst verlangte sie die Marineartillerie. Als sie diese hatte, wollte sie auch die anderen Kanonen einschlieWch der Munition haben, da die Griechen für die- ────────── Das Königreich Polen. Die Errichtung der polnische« Armee. f Wien, 19. btov. Die Errichtung der pol­ nischen Armee, wird von deutschen und österr-ungar. Offizieren durchgeführt werden, die auch wegen Mangel an polnischen Offizieren vorläufig eine Anzahl von Kommandostellen besetzen werden. Die Stellung der General­ gouvernements Warschau—Lublin zu ihren obersten Heeresleitungen und Regierurchen wird durch die Abmachungen über die polni­ sche Wehrmacht nicht berührt. Vorbildung polnischer Verwaltungsbe­ amte» Zu dem von der deuffchen Zivilverwaltung geschaffenen Ausbildungskurse für polnische Verwaltungsbeamte sind zählreiche Meldungen eingelaufen. Zu dem akademischen Kursüs mel­ deten sich 450 Personen, wovon rund 100 berücksichtigt werden konnten. Die Eröffnung des akademischen Kursus findet diesen Sonn­ tag in der Aula der Warschauer Universi­ tät statt. Die Eröffnung eines Kursus für mittlere Beamte erfolgt demnächst. . Der Entente-Protest! zur Polenprokla""" mation. / A mst er dam, 18. Nov. Nach einerMeldung eines hiesigen Blattes aus Paris wird in kurlzem der Wortlaut des Protestes veröf­ fentlicht werden, den die Ententemächte den neutralen Regierungen in Sachen der Prokla­ mation Polens durch die 'Kaiser der beiden Mittelmächte überreichen lassen. ────────── Gegen Rußland. GtM RlltzlWd. Die russischen Verluste seit Kuli 1916. Der letzte Ausweis der Kiewer Zentralerkennungsstelle über die russischen Verluste verzeichnet insgesamt 870 288 Gefallene, Ver­ wundete, Vermiete und Gefangene seit dem 1. Juli 1916. Davon entfallen 91531 auf Ofsiziersverluste, darunter 55 auf Fliegeroffiziere. Unter den Offizieren befinden sich 1 General, 2 Obersten und drei Oberstleutnants. Kriegsrat iu Zarskoje Selo. Stockholm, 19. Nov. Von informierter Seite wird bestätigt, daß, demnächst unter dem Vorsitze des Zaren in Zarskoje Selo ein größer Kriegsrat stattfinden wird. An diesemKriegs« rat werden u. a. teilnehmen die Generäle Alexejew, Brussilow, SacharoW, Everth, Leschitzki, Schtscherbaschew, Rußki und Iwanow, sowie die rumänischen Generäle Averescu und Cuanda. Es verlautet auch bestimmt, daß englische und französche Militärs daran teil­ nehmen. (Z.) : i Eine russische A-leugurmg. Petersburg, 18. Nov. Der Minister des Aeußern richtete an die Vertreter Ruß­ lands bei den alliierten Mächten folgendes Telegramm: Die in Petersburg kürzlich von der Presse gewisser Länder verbreiteten Gerüchte über an­ gebliche geheime Besprechungen, die zwischen Rußland und Deutschland fortgesetzt würden zu dem Zwecke, zur Unterzeichnung einesSonfriedens zu gelangen, können infolge ihrer Hartnäckigkeit die russische Negierung nicht gleichgültig lassen. Die Kaiserliche Regierung legt Wert darauf, auf das entschiedenste zu Kurier für Meverbayern. erttären, daß diese sinnlosen Gerüchte nur ein Spiel der feindlichen Länder sein können. Ruß­ land wird das innige Band, das es mit seinen tapferen Alliierten verbindet ^unversehrt er­ halten und ist weit davon entfernt, an den Abschluß eines Sonderfriedens zu denken. Es wird an der Seite seiner Verbündeten den ge­ meinsamen Feind ohne das geringste Nachlas­ sen bis zur Stunde des Endsieges bekämpfen. Kein feindlicher Winkelzug wiöd imstande sein, den unwiderruflichen Entschluß Rußlamds zu erschüttern., Sie werden beauftragt, vorfftehendem die weiteste Öffentlichkeit zu verriethen und den Inhalt des Telegramms zur Kemntnis der Regierung zu bringen, bei der Sie Beglau­ bigt sind. ────────── gelte 4. Die 'Angabe, daß, die Bomben auf den Bahnhof geworfen wurden, ist' nicht zutref­ fend . Jliegerhanptmann Bcauchamp verletzt schweizer Lnftgebict. i Zürich, 19. Nov. Am Freitag gegen halb 12 Uhr wurde bei Mannenbach in geringen Höhe ein Flieger bemerkt, der in raschem Fluge gegen Konstanz—Kreuzlingen steuerte. Vermutlich handelte es sich um ein englisches Flugzeug. Aus Detonationen, die aus der Rich­ tung Friedrichshafen kamen, ist zu schließen, daß der Flieger von dort aus beschossen wurde. Es ist zweifelfrei festgestellt, daß der er­ wähnte Flieger längere Zeit ausschließlich über Schweizer Gebiet geflogen ist. Es handelt sich auch höchstwahrscheinlich!.um den französischen Fliegerhauptmann Beauchamp, der überMünchen mehrere Bomben abgeworfen har. ────────── Der Krieg zur See. I« Krieg m 6«. Deutsche Unterseeboote vor Portugal und Marokko. Spanische Fischer bemerkten ein deutsches Unterseeboot vor der portugiesischen Küste zwi­ schen Trafalgar und (Senta. — Mehrere deutsche Unterseeboote wurden auch im Norden der ma­ rokkanischen Küste beobachtet. Versenkt. Berlingske Tidende meldet aus Christiania: Die Versenkung des norwegischen Dam­ pfers "Vega" auf der regelmäßigen Route Bevgen—Newcastle erregt großes Aufsehen. "Morgenbladet"bezeichnet die Versenkung als un­ freundliche Handlung. Daß sie ausgeführt wurde, während wichtige Verhandlungen zwi­ schen Deutschland und Norwegen geführt wür­ den, sei.geeignet, ernste Verstimmung hervorzu­ rufen. Gleichzeitig veröffentlicht die Presse Einzelheiten über die englischen Verletzungen der norwegischen Neutralität, von denen dje letzte am 3. Juni sich ereignete. Diese Verletz­ ungen gaben den Amstoß zu der norwegischen Verordnung, die die Deutschen als gegen Deutschland gerichtet auffaßten. Reuter meldet: Der englische Dam­ pfer "Trehannick", und der dänische Tampfev "Therese" wurden versenkt. Gesnnken. Wie Lloyds Agent aus Brest telegraphiert, ist dort der britische Dampfer ,7City of Cairo" (7672 Tonnen), welcher der Ellerman Lines gshört, infolge Kollusion gesunken, der Dam­ pfer war auf der Fahrt von Rangoon nach London und Liverpool. Vermißt ™* Politiken meldet aus Malmö: Der Hel­ singborger Dampfer "Tüva", der von Archan­ gelsk am 2. Oktober abgegangen ist, hat den schwedischen Bestimmungshafen noch nicht er­ reicht. Daher wird angenommen, daß eü mit Mann und Maus untergegangen ist. Der 2300 To. groheDampfer hatte 20 Mann Be­ satzung. ────────── Bayerische Nachrichten. Zum Max Joseph-Ordensritter wurde Ge­ neral Graf von Bothmer ernannt. ────────── Im Berufungsversahren waren 3.915 261 Streitsachen gegen die Berufsgenosfenfchaft anhängig. Wie in Vorjahren zeigte sich, daß, der größte Teil der Berufun­ gen unbegründet, ja geradezu fri­ vol war. Von den eingelegten Berufungen trafen 73 Prozent auf Betriebsunternehmer und Angehörige, 27 Prozent auf Dienstboten und Arbeiter. Die Haupteinnähmequelle für die Genos­ senschaft bilden die Umlagen, die 1915 145 Prozent des Grundsteuersolls zu 880 000 Mark betrugen. Die Gesamtsumme der Einnghimien betrug 1915 rund 1539174.- Mark, der Ausgaben 1 177 766.- Mark. Aus dem reichen statistischen Material des Berichts sei noch hervorgehoben, ein wie er­ staunlich hoher Prozentsatz von Verletzungen auf denFallvon Leitern und Treppen Zurückzuführen ist, der die durch Motoren und Arbeitsmaschinen hervorgerufenen Beschädig ungen nicht unbedeutend übertrifft. Doch hast anscheinend eine sorgsame Kontrolle Verletz­ ungen dieser Art, die noch 1909 804 betrugen im Berichtsjahre bereits auf 252 herabzumin­ dern vermocht, denen 226 Verletzungen durch Tiere, 203 durch Fuhrwevksbedienung etc. und 177 durch Arbei,tsmaschinen gegenüberstehen. Durchführung der Unsallverhütungsvorschriften. Mit Einberufung der technischen Aufsichtsbeamten zum Heeresdienst wurden die Betriebsbesichtigungen auf Erjüchen an die Bezirksvorstände durch die Bezirks­ baumeister vorgenommen. Seit Kriegsbeginn hat die Verwendung jugendlicher Arbe itr und alter Leute fAusträgler sich gesteigert, wodurch viele Unfälle hervorgeru­ fen wurden. Erwähnt sei noch, daß die Berufsgenos­ senschaft, den bereits besprochenen, an sich ja zweifellos erfreulichen Rückgang der gemelveten und entschädigten Unfälle auf die E i n b eberufung aller wehrfähigen Män­ ner zum Kriegsdienst zurückführt, wo­ durch eine übergroße Zahl von Unternehmern und Arbeitern in der Landwirtschaft ausgeschie­ den ist. Dies ein Umriß vom segensreichen Wir­ ken eines unserer sozialen Institute, das für unseren vorzüglich Landwirtschaft treibenden Kreis ganz besondere Bedeutung gewonnen hat. Die Leitung des Instituts lag auch im Berichts­ jahr 1915 in den bewährten Händen des Herrn Regierungsrates Auer (Stellvertreter: Reg.Rat Dr. v. Lieh als Vorsitzenden des Genos­ senschaftsvorstandes, der es verstanden Hat, fernab jeder bürokratischen Engherzigkeit den gesetzlichen Bestimmungen mit praktischemMick und bei aller Energie wohlwollender Sachbehandlung Geltung zu verschaffen. ────────── Dienstesnachrichten. Finanzverwaltung. Der Titel eines Kgl. Finanzrates wurde den Rentamtmäunern Ig­ naz Hoermann in Deggendorf und Karl Liepevt in Straubing, der Titel eines Kgl. Obersekre­ tärs dem Rentamtssekretär Bernhard Wag­ ner in Landhut und Philipp Beinhardt in Straubing verliehen. Eisest bahudienst. Ernannt in etatsm. Ei­ genschaft zum Bahnwärter, Blockwärter Gg. Finsterwald von Bm. Gggmühl in'Bm. Fron­ tenhausen; Direktionsdiener: Bureaudiener R. Krantweksvogel bei der Bauinspektion Plattling. ────────── wurden teils wegen zu großer Jugend, teils wegen des ständigen Wechsels keine guten Er­ fahrungen gemacht. In der Heil- und Pflege­ anstalt Mainkosen befanden sich im Jahre 1915 int ganzen 280 Pfleglinge, davon 149 männ­ liche und 131 weibliche. Ein Teil der Anstalt wurde der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt zur Verpflegung nervenkranker Sol­ daten. Es sind 90 kranke Soldaten dort unter­ gebracht. Dem Anstaltsgeistlichen Herrn kgl. Pfarrer Webep, der seit 25 Jahren in der Seelsorge der Anstalt tätig ist, wurden in der letzten Landratssitzung die herzlichsten Glückwünsche des Landrates zum Ausdruck ge­ bracht mit dem Wunsche, der verdiente Seel­ sorger möchte noch recht lange seinem Wisikungskreise erhalten bleiben. —*Der gestrige Sonntag brachte uns qin Nachlassen der plötzlich aufgetretenen win­ terlichen Kälte der letzten Tage. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag raffte eintreten­ der Regen die letzten Spuren des SihneesaMs der letzten Tage hinweg. Immerhin blieb es tagsüber gestern ziemlich kühl, wenn auch das Thermometer nicht auf solche Tiefe sank, wie an den letzten Tagen der vorigen Woche. Von einem Ausflugsverkehr war '"daher nur weuig zu spüren, die meisten blieben daheim am warmgeheizten Ofen. 9htr in den Wendstun­ den entwickelte sich in den hiesigen Wirtschaf­ ten ein lebhafteres Treiben. —* Das Konzert des Musikkorps des 3. Landwehrersatzbataillous Freising, das ge­ stern im Leiderersaale hier, ftattfanb, hatte, wie zu erwarten wär, ein dicht besetztes Haus gefunden. Herr Musikmeister Kuen hatte eine gewählte Vortragsfolge zusammengestellt, in der unsere besten Tondichter zu Worte kamen, die von dem Musikkorps auch, mit Hingabe, gehorsam der feinfühligen Peilung ihres Di­ rigenten, interpretiert wurden. Das Konzert erbrachte dem vaterländischen Zwecke, dem es diente, der Beschaffung von Weihnachtsgaben für bedürftige Angehörige gefallener Krieger, einen schönen finanziellen Erfolg. Mat öoii MdklbMn. Zuschuß zum milchw irtschaftlvchM Verein. Ter milchwirtschaftliche Verein in Nieder­ baher n sollte na«., dem Etat einen Zuschuß von 3000 Mark erhalten. Der 1. Ausschuß beschloß hierzu, den Zuschuß , auf 2000 Mark zu ermäßigen. Herr Regierungsrat Aüer betonte, daß im vorigen Jähre der Zuschuß bereits von 4000 auf 3000 Mark herabgesetzt worden sei. Zugleich sollte dem Verein mitgeteilt werden, daß diese Zuwendung nur mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse erfolge und der Verein sich ferner selbsterhalten müsse. Wider Erwarten habe aber der Krieg auch heuer noch fortgedau­ ert und niemand könne sagen, ob er nicht noch im nächsten Jahre andauern werde. In­ folgedessen bestehen die Verhältnisse, welche den Verein im letzten Jahre zur Gewährung des Zuschusses bewogen haben, weiter an. Die Tätigkeit des Vereins habe aber noch an Wich­ tigkeit gewonnen durch die neue Regelung des Fettverkehrs, für den 'bereits einschneidende Maßnahmen getroffen wurden und noch ein­ schneidendere bevorstehen. Der Betrieb des Vereines erstrecke sich auf die Bestimmung des Fettgehaltes der Milch, der Qualität und des Gehaltes der Butter und des Fettgehaltes der Käse. Es sei aber von höchster Bedeutung für die Landwirffchaft, daß die Milcherzeugung und Bewertung im Zusammenhange mit der Viehzucht möglichst gefördert werde. Er bitte daher um Gewährung der 3000 Mark, umso­ mehr als der Zuschuß des Staatsministeriums sich den Kreiszuschüssen dahin anpasse, daß er auf das anderthalbfache des Kreiszuschusses beschränkt bleibe. Herr Landtat Streibl bemerkte, daß es eine Anerkennung der Verhältnisse sei, wenn der Ausschuß einen Betrag von 2000 Mark vorschlage, obwohl int letzten Jahre der Landrat beschlossen habe, keine Zuschüsse mehr zu ge­ währen. Er schließe sich zwar dem Regiersttzgsantrage an, wenn es nicht anders gehe, sei er auch mit dem Ausschußantrage zufrieden. Bei Lokales. Landshut, 20. November. —* Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde dem Leutnant im 3. Feldartillerie-Rgt. als Beobachtüngsoffizier zu einer ArtillerieFliegerabteilung kommandiert, Herrn Emil Straub, Sohn der Frau Rentiere Straub hier, verliehen. —* Das Eisekne Kreuz wurde dem Kriegsfreiwilligen Obergefreiten Karl Stumpf, Sohn des Herrn Lokomotivheizers Stumpf von hier verliehen. Der Ausgezeichnete erhielt be­ reits vor kurzem das Militärvardienstkreuz. —* Das Eiserne Kreuz wurde dem Landsturmmann Herrn Gottfried Treuknecht, Lademeister Wer ünd dem Fernsprecher, Herrn Josef Ruf hier verliehen. —* Das Militär-Verdien st kre uz mit Krone und Schwertern wurde dem Unter­ offizier Herrn Josef Müller von hier ver­ liehen. Die Brust des Ausgezeichneten schmückt bereits das Eiserne Kreuz. — Sunt Hauptmann wurde der Ober­ leutnant Herr Richard Bieber der Res. des 16. Jnf.-Rgts. befördert. —* Zum Feldwebelleutnant wurde der Offiziersstellvertreter Herr Remigius An­ wander des Landsturm-Jnf.-Bat. Landshut be­ fördert. —* Zu Fähnrichen ohne Patent wurden die Fahnenjunker, Unteroffiziere LudwigDaut und Hans Widenmayer des 16. Jnf.-Rgts. be­ fördert. —* Niederbayerns Tierärzte im Felde. Von 41 niederbaherischen Distrikts­ und prakt. Tierärzten stehen 31 unter den Waffen. Von den übrigen sind 9 noch als heeresdienstsähig erklärt und der 10. ist be­ reits aus dem Felde zurückgekehrt. Von den» 26 Amtstierärzten wurden 14 als heeresdienst­ tauglich erklärt. —* Beteiligung an der Volkszäh­ lung am 1. Dezember 1916. Bei der großen, durch die Kriegsverhältnisse noch er­ höhten Bedeutung, die der genauen und pünkt­ lichen Durchführung der Volkszählung zu­ kommt, wird den Beamten und Lehreren emipfvhlen, sich als freiwillige Zähler «ehrenamt­ lich am "Zählgeschäfte zu beteiligen und sich zu diesem Zwecke den Ge­ meindebörden zur Verfügung zu stellen. Die erforderliche Dienstbefreiung wird ahnen ge­ währt. — Auf 'dem Lande ist vor atllem auch die Mitwirkung der Lehrerinnen mnb Aushilsslehrerinnen an den Volksschulen dringend erwünscht. —* Ueber die freie Fahrt bei Be­ urlaubungen teilt das Kriegsministerium mit: Unter General«!, denen die Vergünstig­ ung der Freifährt nicht zusteht, sind die Offi­ ziere zu verstehen, die Stellen vom Brigadekommandeur an aufwärts innehaben, sowie Sa­ nitätsoffizieren in gleichwertigen Stellen. — Als Kriegsteilnehmer im Sinne gelten nur die Heeresangehörigen, die an Kriegshandlungen teilgenommen haben, welche der mobile^ deut­ schen oder einer mobilen verbündeten ^Ärmee (einschließlich Etappentruppen und Besatzungs­ truppen der Generalgouvernements) zufallen. —* Landshuter Semmeln als Vor­ bild. Die M. N. N. schreiben: In den letzten Sitzung des Lebensmittelversorgungsausschus­ ses wurde von Regierungsrat Jolas zugege­ ben, daß es in anderen Kommunalverbänden infolge der geringeren Ausmählung wei­ ßeres Brot gibt. Zum Beweise stellen wir eine sehr appetitliche weiße. Landshuter Sem­ mel in der Vorhalle unserer Expedition aus. —* Feuerwehren. Zur Hebung beste­ hender und Gründung neuer Feuerwehren, dann znm Ankäufe von Löschgeräten für arme Gemeinden sind im Kreisbudget auch für 1917 wieder 3000 Mark vorgesehen, ebenso zur Be­ streitung der Reisekosten der Mitglieder des Kreisausschusses der freiw. Feuerwehren 300 Mark. —* Für den gewerblichen Unter­ richt sind im niederbaher. Kveisbudgetl6919 Mark vorgesehen. Davon entfallen 13 864.— Mark auf die Fachschule für Maschinenbau und Elektotechnik in Landshut, 1200 Mk. für die Fachschule für Glasindustrie und Holzschnitze­ rei in Zwiesel, 1715 Mk. für die Keramische Fachschule in Landshut und 140 Mark für die Steinhauerschule in Metten. , —* In der niederbaher. Heil- und Pflegeanstalt Deggendorf sind 590 Kranke, davon 236 männliche und 252 weib­ liche untergebracht. Das Pflegerpersonal ist ant Jahresschlüsse auf 16 herabgesunken infol­ ge Einberufungen. Mit dem Hilfspersonal ────────── der Wichtigkeit der Milchwirtschaft sei die Ge­ nehmigung eines Zuschusses gerechtfertigt. Er wies sodann darauf hin, daß bei einer Be­ sprechung im Ministerium ein Vertreter des Rottals mit Bedauern konstatierte, daß, viele Oeko nomen mit der Milch noch sehr unwirt­ schaftlich umgehen und Kälbern bis zu einem Jahre täglich die Milch einer Kuh geben mit 8—10 Liter im Tage. Ein solcher Viehzüchter werde vom Zuchtinspektor als Ideal hingestellt. (Hört! Hört!) Als Ideal können solche Züchter hingestellt werden, weil sie die schönsten Käl­ ber und Zuchtstiere auf den Markt bringen, wie überhaupt das Eldorado für den Tier­ zuchtinspektor das Rottal sei. Ein Vertreter! des Allgäus habe behauptet, es sei ganz un­ wirtschaftlich, wenn Vollmilch an Käkber gege­ ben werde. Es werde mit Magermilch dasselbe Resultat erzielt. Die Herren vom Rotial sol­ len dahin wirken, daß die Lekonomen die Voll­ milch entrahmen und nur die Magermilch den Kälbern geben. Herr Landrat Stadlberjger meinte, daß man die Kälber 4 Wochen bei der Mutter lasse und ihnen dann gleich Magermilch geben könne, das müsse man einem andern erzählen. Er glaube auch nicht, daß es anderswo so sei, Wenn aber das, was sich seit 40 Jahren be­ währt habe, jetzt auf einmal nicht mehr ge­ schehe, dann werde alles wieder zurückgehen. Gerade in der Fleischzucht sei aber im Rottal hervorragendes' geleistet worben. In Gries­ bach werden die meisten und schwersten Tiere erzeugt. Dies sei nur möglich, weil die Tiere sich- kräftig entwickeln. Wenn ein Vertreten des Rottales die angeführte Aeußerung in der Versammlung im' Ministerium! getan habe, so sei es traurig, daß er das Rottal J>o verkauft habe. Von einer Verabreichung von Milch, auf die Daper eines Jahres sei ihm nichts bekannt, wenn es aber vorkomme, bedauere er es selbst!.' I Herr Landrat Dr, Leeb glaubt, daß es sich um eine Ausnahme handle, die jetzt verallge­ meinert werde. Im übrigen sei er für den Ausschußantrag. Herr Regierungsr. Heichlinger nimmt für den angegriffenen Tierzuchtinspektor Stellung und meint, daß es sich bei dem angezogenen Falle, daß ein Kalb ein Jahr an der Kuh! ge­ lassen werde, nur um eine Einzelausnahme handeln könne. Wenn es aber so ist, so gaube er, daß dieser Besitzer des Kalbes nicht normal ist. Auch sonst ist dies im Rottal nicht der Fall. Die Kälber werten '4—5 Wochen an der Kuh belassen. In vorgeschritteneren Zuchtge­ bieten muß einem Tier unbedingt längere Zeit Muttermilch gegeben werden. Vor allem sei dies der Fall bei einem Stierkalb, von dem Wüchsigkeit der Nachzucht 8'bhängt. In Mies­ bach werde Stierkälbern Vollmilch 8 Monate gegeben, auch in der Schweiz. Das ist nicht Un­ rentabel. Er hoffe und wünsche, daß auch die Rottaler 8 Wochen den Stierkälbern Mut­ termilch geben, damit sie einen kräftigen Viehstamm erzeugen. Herr Landrat Streibl betonte, daß er kei­ nen Vorwurf für den Tierzuchtinspektor be­ absichtigt habe, und hob hervor, daß jener Herr, der den Rottaler Fall angezogen habe, ein großer Milchproduzent und guter Züchter sei. Hierauf- wird der Ausschußantrag aus Gewährung von 2000 Mark einstimmig ange­ nommen. i •* Unterstützung von Tistriktsticrärzten und praktischen Tierärzten. I Für diesen Zweck hatte im vorigen Jahre der Landrat nach eingehender Debatte die von der Regierung vorgeschlagene Summe von 10 500 Mark mit 12 gegen 12 Stimmen und dem Stichentscheid des Präsidenten abgelehnt, dafür aber einen Antrag Röck angenommen und 5000 Mark bewilligt für Zuschüsse an praktische Tierärzte, die sich in ärmeren Ge­ genden niederlassen. Später wurde der Be­ schluß auf alle Tierärzte ausgedehnt. Im heurigen Kreisetat sind nun 8500 Mark für diesen Zweck enthalten, die der 3. Ausschuß nach Vortrag des Herrn Regierungsreferenten auf die ursprüngliche Summe von 10 500 Mark wieder erhöhte und beantragte, das Plenum möge diesem Antrage zustimlwen. Herr Regierungsrat Heichlinger betonte vor allem, daß . der im vorigen Jahre gefaßte Beschluß des Landrates, wie ihm scheine, auf drei grundlegenden Irrtümern beruhe. Er8 stens glaubte man, daß Die zuhause gebliebenen Tierärzte eine große Praxis und große Ein­ nahmen haben, Das sei nicht richtig, denn die Honorare der Tierärzte richten sich stets nur nÄh dem Werte der Tiere. Die wertvoll­ sten, die Pferde, aber fehlen. Zudem seien die Daheimgebliebenen, meist die Frauen der Land­ wirt« sparsam mit ihren Mitteln und sie gehen oft lieber zum Pfuscher, der ihnen mehr zu Gefallen redet, als zum Tierarzt. Zweitens glaubte man, die Tierärzte hätten jetzt "int Felde große Einnahmen. Auch das sei nicht richtig, Doch habe ihre Tätigkeit bewirkt, daß die sonst mit Kriegen verbundene Verseu­ chung des Heimatlandes völlig hinangehalten wurde. Drittens habe man tmen Unterschied zwischen praktischen und Tistriktstievärzten ge­ macht. Ein solcher bestehe nicht, da letzteres lediglich ein Titel sei, der mit geringem Bezü­ ge, meist nur 50 Mark verbunden sei. Er bat däher, den seit 1909 gewährten Betrag auch weiterhin gewähren zu wollen. . Herr Landrat Dr. Leeb konstatierte, daß seine Stellung im Vorjahre keine persönliche Animosität sep Er müsse sich auch dagegen verwahren, daß ihm seine Haltung als feindlich a gegen den~ Stand der Tierärzte angerechnet \ wird, oder daß es als Kränkung der Tierärzte empfunden wird, wenn im Landrat sachlich diskutiert werde. Er sei vor allem anderer Anschauung über die Verwendung der Gelder, als ö*te Regierung. Wenn diese Un!erstützungen etwas nützen sollen, so müsse der Zweck der'Ver­ wendung der sein, daß man Tierärzten in Ge­ genden, in denen sich ein solcher sonst nicht halten könne, Unterstützungen gewähre. Hier könne man bis zu 1000 Mark gehen und reiche dann doch mit 5—6000 Mark aus. Es habe aber keinen Zweck, Tierärzte in Gegenden zu unterstützeii, in denen sie sich selbst eine Praxis schaffen können. Wenn sie sich aber dort keine Praxis zu schaffen vermögen, werden sie dies' auch durch die Unterstützung nicht können. In der Unterstützungsliste sind aber Gegenden ent­ halten, die die besten Niederbaherns sind, be­ sonders das Rottal. Man gehe von der Anschauung aus, solche Tierärzte zu unter­ stützen, die sich int öffentlichen Interesse be­ sonders hervorgetan hüben. Das halte er nicht für angebracht. Es seien 30 Tierärzte, davon 21 Distriktstierärzte unterstützt worden. Die­ jenigen Herren, welche den Titel Distriktshievarzt haben, sind aber schon längere Zeit ihrer Gegend und haben dort schon eine Pra­ xis, daß sie sich halten können und den Platz nicht wegen 2— 300 Mark verlassen werden. Wenn sie aber zu der Zeit, in derssie^den Mtel Distriktstierarzt erhalten, noch keine Praxis haben, so werden sie auch keine mehr er­ halten. Die Verwendung der Gelder sei also falsch. Er bestreite, daß. die vom Herrn Re­ gierungsvertreter angeführten Irrtümer den Landrat zu feinem Beschlusse im vorigen Jahve geführt haben. Von 41 Tierärzten seien im letzten Jahre 30 unterstützt worden. Er glaube nicht, daß dies in Niederbayern notwendig sei und halte es daher für eine Berläpperung der Mittel. Die Begründung, daß die Position seit 1909 genehmigt worden sei, bilde keinen zwingenden Grund. Es werde einmal die Zeit kommen müssen, wo sich der Landrat aufraffen und eine Durchsicht der alteingeses­ senen Posten vornehmen müsse, weil viele der­ selben auf Voraussetzungen beruhen, die jetzt nicht mehr gegeben sind. Der Landrat dürfe das alte incht weiter rosten lassen, sonst befbntnte er ein Budget, das nicht mehr zu über­ sehen ist und die niederbaher. Steuerzahler!' beschwert. Er glaube, daß der Ausschuß sich mehr durch lebendige Begründung, als durch die Gründe selbst zur Erhöhung der Position verstanden habe. .Den Regierungsantrag werde er unterstützen, den Ausschußantrag ab­ lehnen. , ■ "'ff Herr Regierungsrat Heichlinger meinte, er könne es nicht als freundlich gegen den Stand der Tierärzte empfinden, wenn Zu­ schüsse, die ein Jahrzehnt gewährt wurden, | einfach gestrichen werden. Es handle sich nicht I um Unterstützungen, sondern um Beiträge. Für 1 die Gewährung seien heute schon die Ver­ hältnisse, die Dürftigkeit und Würdigkeit maß­ gebend. Die Tierärzte müßten oft zu Preisen arbeiten, die unglaublich sind. Auch die an­ deren Landväte anerkennen dies und bewilli­ gen alljährlich diese Zuschüsse, Oberbähern 17 000, Schwaben 12 000, sogar die Oberpfalz 5000 Mark etc. Herr 'Stadelberger stellte den Eventual­ antrag, wenn der Antrag des Ausschusses auf Erhöhung der Position auf 10 500 Mark abge­ lehnt werde, pie ursprünglich im Etat vorge­ sehenen 8500 Mark zu genehmigen. Herr Landrat Muggenthäller verwahrt sich dagegen, daß es nicht die inneren Gründe ge­ wesen seien, die den 3. Ausschuß zu seinem Beschlusse geführt haben. Wenn Herr Dr. Leeb' von verrosteten Posten tnt Etat spreche, so gehe es hier, wie mit soviel anderem. Er habe einmal den Etat durchgesehen, er glaube nicht, daß ein Prozent der Umlage bei Strei­ chungen herauskomme. Fangen Sie bei der Landwirtschaft an. Sie können alle diese Be­ träge streichen, wenn sie wollen. Sie wer­ den dann schon hören, was man draußen sagt in den Interessentenkreisen. Sie werden sehen, daß auch int Landrat der eine oder andere Herr aufsteht und energisch protestiert. Er führe dies an, weil man es so gerne hört, wenn von Streichungen gesprochen wird. Er sei aber der Meinung, daß da sehr wenig her­ auskomme. Zur Sache selbst betone er, daß selbstverständlich niemand ein persönliches In­ teresse habe, sondern daß nur fachliche Interes­ sen obwalten. Es sei aber auch Hon größer Wichtigkeit, daß die Distrikts- und prakt. Tier­ ärzte "gute unö freudige Arbeit leisten, umso­ mehr, als gerade in Niederbaheru die Vieh­ zucht ein 'Nationalvermögen bedeute. Herr Dr. Leeb meinte, er sei niemals da­ für, tob »er Posten gestrichen werde, weil er der Ansicht sei, daß es nützlich sei, lvvnn er richtig verwendet werde. Es wird sodann mit 13 gegen 8 Stimmen der Ausschußantrag abgelehnt, mit allen men ähev der Antrag Stadlbevger auf Her­ stellung der Regierungsvorlage mit 8500 W. genehmigt. ────────── Letzte Posten. Attentatsversuch auf "U-Teutschland". Berlin, 20. Nov. Amerikanische Kabeldepeschen französischer Blätter geben Meldun­ gen wieder, daß der Zusammenstoß der "UDeutschland" mit dem amerikanischen Schlepp­ dampfer auf ein Attentat gegen das Handels­ tauchboot zurückzuführen sei. Ein Motorboot versuchte die "Deutschland" zu rammen. Sie wich aus und stieß dabei auf den Schlep­ per. Weiter wird belichtet, daß ein Mann verhaftet wurde, der eine Pulverladung auf die "Deutschland" schaffen wollte. Die"Deutfchland" i stnur wenig beschädigt und wird tnt Kürze wieder ausführen. ' r Sturmschäden in England. London, 20. Nov. Reuter meldet: Ein gewaltiger Sturm, der über die britischen Insel niederging, richtete in der Schiffahrt ein Zer­ störungswerk an, besonders an der irischen Küste. Eine Anzahl von Dampfern ist gesun­ ken oder aufgelaufen, andere' suchten beschä­ digt in den Häfen Zuflucht. Viele Menschen sin d umgekommen. Das Pulverfaß Indien. Im englischen Unterhause wurde am Dienstag die Anregung vorgebracht, daß die Regierung die allgemeine Wehrpflicht auch in Indien einführen solle. Dazu bemerft die dem Staatssekretär von Indien nähestehende Bir­ mingham Post: Eine solche Anregung 'geben, heißt eine brennende Fackel ins Pulverfaß wer­ fen. (Z.)