Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-11-27. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 323, 1916-11-27. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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November 1916 ────────── Die Verbindung der Armeen Fallenhahn und Mackensen hergestellt. — Wir stehen vor Alexandria. — Die Drangsalierung Griechenlands. — Englischer Zweifel an der britischen Seeherrschaft. — Benizelos erklärt uns den Krieg. Vom Westen toerbcn von der Nordfront nur kleinere Vorstöße der Unsern in die feind­ lichen Linien gemeldet, Bei St. Mihiel wurde ein französischer Angriff abgeschlagen. Im Osten strengen die Russen ihreKräfte an, um den Rumänen indirekt Hilfe zu lei­ sten, aber vergeblich. Sowohl ihre Angriffe im Norden, als auch an der Südsront im Ghörjghügebirge wurden zurückgewiesen. In Rumänien geht es mit Riesenschritten vorwärts. Im Norden drängen die Unsern den zurückweichenden Itnmänen im Alttale dicht auf den Fersen nach und haben bereits Ramnica-Valcea erreicht. Im Süden sind die über die Donau gedrungenen Streitkräste be­ reits vor den Toren von Alexandria ange­ langt, während sie westlich, davon die Ver­ bindung mit den nach Süden im Alttale vor­ gestoßenen Truppen Falkenhayns hergestellt ha­ ben. Im Westteile Rumäniens wehren sich die dort von allen Verbindungen abgeschlosse­ nen rumänischen Truppen noch hartnäckig mit dem Mute der Verzweiflung. Am unteren Alt warf Deutsche Kavallerie unter Gras b. Schwettow eine rumänische Kavallerie-Divi­ sion. Nun kommt auch eine kurze Meldung über den Dvnaunbergang. Unsere Pioniere, Teile des Motorhootkoxps der k. u. f. Donauflottille und östetr.-ungar. Pioniere ermög­ lichten unseren Kampftruppen den Uebergang über den hvchangeschwollenen Strom. Unwill-Wrlich drängt sich die Erinnerung an den seinerjzestigen Donauübergang der Rumänen auf, der mit so viel Pomp in Szene gesetzt wurde und so kläglich endete. Wie ganz an­ ders jetzt. Erst in dem Momente als das Vorbringen Falkenhhns die Deckung bot, stie­ ßen unsere bereitgestellten Truppen plötzlich und mit unwiderstehlichem Elan über den Stvom trotz aller Hindernisse und jagen den zermürbten Gegner vor sich her. Daß Macken­ sen am 'Orte dieses entscheidenden Vorstoßes selbst anwesend 'bar 1 , ist "bei einem deutschen Heerführer eigentlich selbstverständlich. Unsere Flotte hat einen neuen Vorstoß an die englische Küste unternommen. Wählend das letztemal doch einige feindliche Torpedo­ boote zum Vorschein kamen, denen es aller­ dings Übel erging, blieb diesmal die englische Flotte überhaupt unsichtbar, obwohl unsere Fahrzeuge den befestigten Küstenplatz Ramsgate mit Granaten belegten.Den englischenSee- lovd Balsonr, dem schon unser vorletzter Vor­ stoß arge "Vorwürfe im Unterhaus brachte, dürfte der 'neue Angriff unserer Streitkräste den Hals brechen. ────────── Der österr.-ung. Bericht. Generalleutnants Grafen von Schmettow warf östlich des unteren Alt eine feindliche Kavalle­ rie-Division zurück. Rimnicu-Valcea imAltstale wurde genommen. Wefter östlich, wo der Feind noch frostigen Widerstand leistet, näIhern sich unsere Truppen Curtea de Arges. Ein neuer Angriff russischerKompagnien in der Gegend südwestlich von Bekas blieb abermals erfolglos. Heeresfront des GeneraUeldmarschalls Prinz Leopold von Bayer». Russische Abteilungen, die bei Ozierki am oberen Styr vorgingen, wurden durch unser Feuer vertrieben. Her stellvertretende Chef des Generalstabe« j d. Hoefer, gstldmmchhalletrtnant. Wien, 25. November. Mittags. — Kmltd} wrrd gemeldet: Oestlicher Kriegsschauplatz^ Heeresfront des Generaloberst«« Erzherzog Joseph. Nordöstlich von Turnu Severin leisten die dort abgeschnittenen rumänischen 'Truppen noch zähen Widerstand. — Am unteren Alt erreich­ ten deutsche Truppen das Ostufer. Nördlich Rimnic Valcea machte der Angriff österrei­ chisch-ungarischer und deutschier Truppen neue Fortschritte. 3 Offiziere und 800 Mann wur­ den gefangen. Ein feindlicher Angriff in der Gegend von Betas blieb erfolglos. Heeresfront d«S Generalfeldmarschall» Prinzen Leopold von Bayer«. ' Keine wesentlichen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Ein starkes Fliegergeschwader warf auf den Bahnhof und die feindlichen Lager von Primolano zahlreiche Bomben mit guter Wir­ kung ab. Alle Flugzeuge kehrten trotz hefti­ gen Abwehrfeuers und schweren Böen unver­ sehrt zurück. t / SiidösMHer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Ter stellvertretende Chef des GenerulstabeS: n. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. * WTB. Wien, den 26. November. — Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 1 von Mackensen. Die Donauwrmee hat die Gegend von Alexandria erreicht. Bei Durchführung des Uferwechsels, die durch eingetretenes Hochwas­ ser besonders erschwert war, hatten die k. u. t. Donauflottille unter Kommando des Llinienschisfkapitäns Lucich und österr.-uugar. Pionierabteilungen des Generalmajors Gaugl hervorragenden Anteil. Bei Umlulet, nördlich von Sistow, wurde durch unsere Flieger ein feindlicher Farman abgeschossen. Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Deutsche Kavallerie unter Führung des ────────── Der bulgarische Bericht. Sofia, 25. November. Amtlicher Hee­ resbericht: . ' ' Mazedonische Front: Zwischen Ochrida- und Prespa-See warfen wir starke feinSk liche Abteilungen zurück. An verschiedenen Punkten vor unseren Stellungen zwischen Prespa-See und Cerna lebhaftes Artilleriefeuer. Oestlich vom Cernabogen haben wir drei nächtliche Angriffe des Feindes, der dabei blutige Verluste erlitt, zurückgeworfen. Im Moglenicatal und beiderseits des Wardar Ar­ tilleriefeuer. Am Fuße der Belasica Planina 'Ruhe. Au der Struma schwächere Artillerietä­ tigkeit. I ! Rumänische Front: In der Dobrud­ scha näherten sich an Zahl überlegene feind­ liche Abteilungen unseren Stellungen. Sie wurden aber durch das Feuer unserer Artille­ rie zurückgeschlagen. Entlang der Donau bei Silistria, Tutrakan und Rustschuk Artillerie­ feuer. Bei Gigen, Orehvvo, Lom und Pidin haben unsere Abteilungen die Dvnauinseln be­ setzt. I V Der türkische Bericht. Konstantinopel, 24. Nov. Das tür­ kische Hauptquartier meldet: Auf den verschiedenen Fronten kein wich­ tiges Ereignis. Der stellt). Generalissimus. * Konstantinopel, 25. Nov. Das tür­ kische Hauptquartier meldet: An der persischen Front wurden ver­ schiedene feindliche Ausklärungspatrouillen, die gegen Bidjar vorzurücken versuchten, zurückge­ schlagen. An bet Kaukasusfront wurde auf dem rechten Flügel ein 40 Kilometer langer Teil unserer in der Gegend von Musch gelege­ nen Stellungen gleichfalls vorgeschoben, sodaß wir auf diesem Flügel unsere Stellungen in einer Ausdehnung von 90 Kilometern und in einer Tiefe von 10 Kilometern vorgeschoben haben. Kämpfe die unsere Verfolgungsabtei­ lungen an dieser ganzen Front und nördlich von Kighi gegen feindliche Nachhuten lieferten, entwickelten sich zu unseren Gunsten. Wir machten Gefangene und erbeuteten Kriegsma­ terial. Die Zahl der russischen Ueberläufer nimmt täglich zu. An der übrigen Front kein wichtiges Er­ eignis. Der stellv. Oberbefehlshaber. ────────── Kronprinz Rupprecht über die Lage an dev Somme. Kronprinz Rgpprecht, der zurzeit, Mm ersten Male seit Ausbruch des Krieges, vor­ übergehend in München weilt, um dringliche Geschäfte zu erledigen, äußerte sich in einer Unterredung, die er dem Hauptschristleiter der "M. N. N." gewählte, u. a. auch über die Wmpfe an dev^ Somme. Die gleiche Zuversicht, Vom westlichen Kriegsschauplatz. die er wiederholt schon anderen Vertretern dev Presst gegenüber äußerte, klang auch dies­ mal auss einen Worten. "Gin Durchbruch wird nicht befolgen!", das war auch jetzt die tröstliche Gewißheit, die er gab. Wenn auch das eine oder andere Dorf oder Stellung ver­ loren gehen, so sei das «ft nur ein »Kampf um Namen". Die Gewinne der Feinde seien doch nur gering und ständen in gar keinem Verhältnis zu den schweren blutigen Verlusten. Der Kronprinzliche Feldherr bestätigte dabei den anschaulichen Vergleich, den, wie der Ausfnaget ihm erzählte, Hindenburg einst einer wegen der Geläudeverluste ängstlich geworde­ nen Dame gegenüber anwandte, indem er sagte: "Sie hüben doch oft in der Küche einen einge­ beulten Kochtops, aber Sst werden mir zu­ geben, daß Sie doch auch in einem solchen Tops jede Speise garkochen können." Das sind in der Tat Worte^ die die Situation trefflich kennzeichnen und unsere Angstmeier vollauf beruhigen können. Bei alledem erkannte Kronprinz Rupprecht die ausgezeichneten Soldateneigenschasten der Feinde voll und ganz an. "Die Franzosen sind ausgezeichnete Soldaten," erklärte er, "auch die Engländer sind sehr tapfer. Es ist ein doppel­ ter Ruhm unserer unvergleichlichen Truppen, diesen an Zahl überlegenen sthr respektablen Gegnern so erfolgreich Widerstand geleistet zu hüben." Ueber die bayerischen Truppen stellte er im besonderen noch fest, daß bei den unge­ heuer schweren \jfhb blutigen Kämpfen an der Somme nunmehr fast alle bayerischen StäMjnst rühmlichen Anteil haben: Franken, Bayern, .Schwaben und Pfälzer, und daß gerade auch während der Kämpfe der letzten Tage Bayern in hervorragendem Maße sich ausgezeichnet hät­ ten. Das 1. bayerische Korps hatte sich an der Somme trefflich geschlagen, wie ja auch der Tagesbericht hervorhob. Es hätte seine Sache sehr gut gemacht. Ein Zeichen bon der Kraft und Stärke, die in den Truppen liegt, und von der Hingebung, mit der sie das Va­ terland verteidigen, sei der Umstand, daß sie sich, nach den schwersten Kämpfen in wenigen Tagen der Ruhe auffallend schnell erholen.' Man müsst das besonders hervorheben. Der Kronprinz hob dann auch noch hervor, Hatz sich seit Beginn der SommvWnpse die Ver­ hältnisse wesentlich stabilisiert haben u. daß wir an Artillerie sthr stark geworden sind. Dem Vertrauen des Volkes aus Hindenburg und Ludendorff stimmte er vollkommen zu. Man muß und wird Kronprinz Rupprecht Dank wissen für seine starken Worte. ────────── Am Balkan. Die Bejrgewaltigung Griechenlands. Bern, 25. Nov. "Secolo" meldet aus Athen: Admiral Fournet verlangt in einem neuen Ultimatum die Auslieferung des Artil­ lerieparks bis zum 1. Dezember und die des übrigen Kriegsmaterials bis zum 15. Dezember. In militärischen Kreisen herrscht große Tätig­ keit. ! ────────── schreibt in einem gegen die Admiralität gerich­ teten Leitartikel, daß, die Verluste, die dem Handel durch, die feindlichen Unterseeboote zu­ gefügt worden seien, sowie die Ausbringung von Handelsschiffen an der niederländischen Küste tatsächlich die Herrschaft der Deutschien in der Nordsee bedeuteten und das englische Volk allmählich zu der Einsicht brächten, datz die Herrschest der englischen Flotte über die Verbindungswege bei weitem nicht vollständig sei. ────────── einsetzender Dunkelheit, ging dann eine ge­ mischte deutsche und österreichisch-ungarische Ab­ teilung gegen die Stellung vor und fand sie völlig zerstört und voller Tote. Der Rest der Besatzung aus einem finnischen Schützenregiment wurde gefangen. Die Bedeutung dev kleinen Unternehmung wie der erfolgreichen, stärkeren letzten Kämpfe bei der Südarmee itnbi des schneidigen und glänzend gelungenen grö­ ßeren Sturmangriffes bei Skrobowa liegt ick der Tatsache, daß seit Ausgeben der russischen Angriffe in kleinen und großen örtlichen Un­ ternehmungen der Offensivgeist und der Erfolg überall aus unserer Seite ist. rend des Krieges. Sie haben sich geradezu gemeinnützig gezeigt. Die Einnahmen dieser Werke sind auch jetzt überall gestiegen, weil die Landwirte bei der Petroleumknappheit sich geradezu herandrängten, um Licht und Kraft zu erhalten. Man muß daher annehmen, daß die Staatsregierung ein Interesse habe, diese kleinen Werke nicht erdrosseln zu lassen, um Cfnifc’ujett ihre Tätigkeit nicht dadurch zu dan­ ken, daß sie von dem großen Ueberlandwerk verschlungen werden. Er bitte daher, daß nicht nur mit Worten, sondern auch durch die Tat gesorgt werde, daß diese kleinen Werke nicht dem finanziellen Ruin überliefert werden. Dr. Casimir betonte wiederholt, daß die Staatsregierung den größten Wert darauf lege, die kleinen Ueberlandwerke nicht zu schädigen. Es wurden auch Vereinbarungen getroffen,, daß sie nicht erdrosselt werden können. Die Tatsache bestehe aber, daß 450 000 Einwohner Niederbaherns bisher keine Elektrizität be­ kommen haben. Es sei nun die Aufgabe, auch diesen die Wohltat der Elektrizität zu bringen. Die kleinen Elektrizitätswerke sind hiezu nicht liti der Lage. Der Staatsregierung wäre es ja am liebsten, wenn die kleinen Werke sich zusammenschließen und die Versorgung in die Hand nehmen würden. Das ist aber nicht möglich. Die '450 000 Einwohner haben aber auch einen Anspruch und das Recht, elektrischen Strom zu beziehen. Den kleinen Ueberland- werken steht auch das Recht zu, ihre Gebiete noch abzurunden und 15—20 Ortschaften heran­ zuziehen; sie müssen sich aber,auch verpflich­ ten, daß sie die Elektrizität dahin liefern. Mehr könne nicht getan werden. Wenn er gesagt ,habe, daß die kleinen Werke gegenüber den grüßen einen schweren Stand haben, sv ist damit nicht gesagt, daß sie ruiniert werden. Sie werden zu der Ueberzeugung kommen, daß sie keine neuen Maschinen mehr in ihre Werke setzen, sondern einen billigen Stromlieserungsvertrag mit der neuen Zentrale abschließen und damit in ein gewisses Vertragsverhältnis eintreten. Das ist kein Unglück, besonders wenn der Staat mit dem Unternehmer einen Staats­ vertrag abschließt zum Schutze der Rechte und Pflichten, nach welchen Staatsbeamte die Ver­ waltung beaufsichtigen und auch die Kreisgemeinde ein Wort mitzureden hat. Herr Landrat Obermeier meinte^ die Pri­ vatunternehmer arbeiten nur in großen Ort­ schaften, wo sie viel Strom hinliefern können. Die Einöden und kleinen Ortschaften lassen sie stehen. Er glaube, daß es besser sein werde, wenn der Staat die Versorgung übernimmt, dann werden auch die Einöden und kleinen Ortschaften in den Besitz von Elektrizität kom­ men. Herr Landratspräsident" Mttermaier wies darauf hin, daß es sich bei den Garantien für die Städte um die Reineinkommen handle. Bei der großen Belastung und der späteren Mehrbelastung können die Städte auf diese Einnahmen nicht verzichten. Er glaube aber, daß bei den Verhandlungen hierüber die Mei­ nungen svhr guseinandergehen werden. Man mache den städtischen Werken den Vorwurf, daß sie nicht kaufmännisch arbeiten, daß die Einnahmen, die sie buchmäßig nachweisen, keine kaufmännischen Reineinkommen sind. Es wer­ de ziemlich eingehender Verhändlungen bedür­ fen, um aus einen Standpunkt zu kommen, der ein befriedigendes 'Verhältnis ergebe. Dv. Casimir bittet wiederholt um- die Wahl eines Ausschusses. Herr Regierungspräsident Exzellenz von Pracher, betonte, daß die Zusammenkunft eine zwanglose gewesen sei und daß es sich mehr um Informationen über den gegenwärtigen Stand der Sache gehandelt hübe. Er glaube also nicht, daß der Landrat schon jetzt eine be­ stimmte ^Stellung einnehmen soll. Was der. Referent im Auge habe sei, daß es sich empfeh­ len werde, für die Weiterführung der Ver­ handlungen einen Ausschuß zu bestimmen, sei es einen bestehenden oder einen neuen. Herr Landrat Hißerer stellt an den Re­ ferenten eine Anfrage über die bestehenden Preise, wozu Herr Landrat'Mittermaier mein­ te, daß es sich, um bje Grundpreise und die Herstellung der Ortsnetze handle. Herr Dr. Casimir erwiderte, daß für Licht 50 und für Kraft 25 Pfg. als normal gelten, daß aber Wert darauf gelegt werden mutz, Mindestbeträge festzulegen. Es müsse jeder, der sich Licht einrichten lasse, einen Mindestbetrjag entrichten. Diesen Tarif wolle er in dem Ausschuß genau erklären. Es werden Tarjife sein, wie sie für die Versorgung von Unterfranken bereits genehmigt sind. Bezüg­ lich der Ortsnetze wird es sich darum handeln, ob die einzelnen Ortschaften ihre Netze selber bauen lassen und nur den Strom aus LerUeberlandzentrale beziehen. Die Staatsregierung steht aus dem Standpunkt, daß die Gemeinden die Hand von dem Bau der Ortsnetze lassen sollten und diese von dem Unternehmer aus­ führen lassen sollen, dagegen die Hausinstalla­ tion selbst durchführen. In den 21 Millionen sind die Ortsnetze bereits enthalten. Herr Landratspräsident Mittermaier dankt den Herren für chre Mühewaltung und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß.etwas recht Er­ sprießliches aus der Sache werde. ────────── —* Vorzugskarten. Der sozd. Wahl­ verein regte an, d er Magistrat solle an Krie­ gerfrauen und sonstige unbemittelte Familien Karten ausgeben, welche zum Bezüge von Freibankfleisch berechtigen. Ferner solle in der Frühv von 5—7 Uhr Freibankfleisch nur an solche mit Karten versehene Personen Abge­ geben werden. Ferner sei die Freibank von der öffentlichen Fleischbank zu trennen und in die Fleischbank zu verlegen, in der die Kriegs­ wurst zur Abgabe gelangt. Herr Rechtsrat Ambros betonte hierzu, daß sich die letztere Anregung nicht durchführen lasse, weil die Freibank ein Privatbetrieb sei und der Inha­ ber derselben selbst einen Laden gemietet habe. Aber auch von der Austeilung von Bezugs­ karten soll vorerst Abstand genommen werden mit Rücksicht darauf, daß, durch das dankens­ werte Entgegenkommen des Herrn Kreisbevoll­ mächtigten Herold jetzt die Schlachttiere in gu­ ter und sogar manchmal seht guter Qualität angeliefert werden. Dadurch ist auch das an­ gelieferte Quantum ein entsprechendes. Fer­ ner werde durch das Entgegenkommen des Herrn Kreisbevollmächtigten das nötige Fleisch für die Volksküche und Mich Viehstücke geliefert, die von der Militärbehörde nicht angenommen werden und jetzt an die Bevölkerung in kleinen Mengen von einem halben und 1 Pfund gegen halbe Marken und zu ermäßigten Preisen ab­ gegeben werden können. Herr M-R. Gersten­ ecker betonte, daß eine Bevorzugung durch Karten bereits in der Volksküche bestehe. Dort werden Angehörige von Kriegsteilnehlmern und solche bedient, welche einen Bedürftig keits Nach­ weis vom Magistrat haben. Er habe dies des­ halb beantragt, weil die Volksküche mit großen Zuschüssen arbeitet, die teils von der Gemein­ de, von der Versicherungsanstalt und auch von Privaten (den Mühlen itc.) gegeben werden. Diese Zuschüsse sind nicht gegeben worden, damit auch Bemittelte hieran Anteil haben. Daher wurde der Bedürftigkeitsnachweis ge­ fordert, der ohnedies sehr weite Grenzen habe. Anders sei es bei der Freibank. Hier sind keine 'Zuschüsse und daher auch kein Grund vorhanden, die Bedürftigkeitsfrage auszuwer­ fen. Wenn bei der Bedürftigkeit weite Gren­ zen gezogen würden, wie bei der Volksküche, sei nichts erreicht, bei engen Grenzen aber gebe es große Härten. Heute seien Leute bedürftig, welche es früher nicht warfen; kleine Händler und Gewerbetreibende, kleine Beamte, die sich sehr schwer tun, wenn sie große Familien ha­ ben. Hier die Grenzen zu ziehen, sei eine sehr schwere Aufgabe, die der Magistrat nicht unternehmen solle, solange ihn nicht die Not der Zeit dazu zwinge. Durch die Verbesser­ ung der Fletschversorgung in Landshüt infolge der Zuweisung von schweren Tieren und der Anlieferung von wöchentlich 3—4 Stück Vieh, das von der Heeresverwaltung wegen Minder­ gewichtes abgewiesen Wirb und rund 20 Ztr. pro Woche ausmacht, eingetreten ist, halte er die Ausgabe von Vorzugskarten nicht für not­ wendig, die zudem wieder eine besondere Kon­ trolle notwendig machen würden, die wieder zu verschiedenen Unannehmlichkeiten führen würde. Der Magistrat beschloß sodann auch Ablehnung der Anregung. —* Die Pauschalgasflammen wer­ den wieder kontrolliert. Es hat sich hierbei ergeben, daß von t>en Installateuren vielfach Lampen an das Netz angeschlossen werden, ohne daß hiervon der Gasanstalt Mitteilung gemacht werde, wie dies Pflicht der Installateure ist. So sei bei der Prüfung der Hälfte des 5. Be­ zirks, wie Herr Direktor Scheller in der letz­ ten Magistratssitzung mitteilte, allein ein Entgang der Gassabrik von 54 Mark festgestellt, was bei gleichen Verhältnissen in der ganzen Stadt 500 Mark ausmachen würde. Einen solchen Entgang könne die Gasanstalt bei den gegenwärtigen Kohlenpreisen nicht ertragen. Da es meist nicht oder erst nach vielen Amstän­ den möglich ist, den verantwortlichen Installa­ teur zu erforschen, schlägt er vor, nicht wie bisher nur anzudrohen, sondern auch zu be­ strafen. Wer Gas abnehme und zahlt die Pau­ schale nicht, der habe das Gas entwendet und ist infolgedessen für den Schaden haftbar. Er meinte daher, es solle jeder, der mit einer Lampe betroffen werde, für die er die Pau­ —* An der Gesellenprüfung in den vermischten Gewerben, die unter dem Vorsitz des Herrn Schlosfermeisters Gläßel hier statt­ fanden, nahmen ein Zinngießer-, ein Pho­ tographen-, 2 Steindrucker-, 2 Maschinen­ schlosser-, 5 Buchdrucker-, und 1 SchuhmaicherLlehrling teil. Zwei erhielten die Note sehr gut, 10. die Note gut und einer die Note genügend. —* Treibriemen wurden in letzterZeit mehrfach, in unserer Umgebung gestohlen, so am 19. bei dem Bauern Wenig in Obersüß­ bach. Am Freitag kamen zwei jugendliche Burschen zu dem Schuhmacher Besl in Volken­ schwand, wo sie solche Riemen zum Kaufe anboten. Die verständigte Gendarmerie Vol­ kenschwand nahm die Diebe fest, die sich als die beiden 17 Jahre alten Taglöhüer Joh. Kronbeck von Moosthenning und Wolsgang Niederer von Weichshofen entpuppten. Die beiden hatten bei einem hiesigen Schuhmacher bereits einen Teil der Riemen veräußert. Die beiden Diebe wurden hier eingeliefert. —* Butter und Sch malz darf von den Landleuten auf Anordnung des Bezirksamts nur noch an die berechtigten Aufkäufer ab­ gegeben werden. Den Anlaß zu dieser Maß­ regel gab der überhandnehmende Aufkauf die­ ser Dinge durch die Bewohner der Stadt und Fremde, die meist weit über den Höchstpreis für die Waren bezahlten. So weilte vor kur­ zem eine Kausmannsfrau aus Nürnberg hier, die für Schmalz 2,75 Mk., für das Pfund bezahlte. Auch Preise bis zu 3 Mark wa­ ren keine Seltenheit. Die Gendarmerien sind nun angewiesen,'mit allen Mitteln gegen die­ sen unberechtigten Aufkauf und die Uebertxetung der Höchstpreise vorzugehen und sind in den letzten Tagen beveits mehrere Käu­ fer und Verkäufer zur Anzeige gebracht wor­ den. j —* Kreiszuschnß. Der Magistrat hatte, wie in früheren Jahren, an den Kreis die Bitte gestellt, ihm zu den Kosten für die Un­ terbringung von Geisteskranken einen Zuschuß zu geben. Der stand. Landratsausschuß aner­ kannte die Ueberbürdung der Stadt Landshut mit Armenlasten und büvilligte zu'den Kosten, welche der Stadt auf die Unterbringung von Geisteskranken int Jahre 191$ erwachsen sind, einen Zuschuß von 2050 Mark, wovon der 'Ma­ gistrat in seine^letzten Sitzung Kenntnis nahm. Es ist dies heuer der setzte Zuschuß dieser Art, da künftig die Unterbringung der Irren'Sache des Landarmenverbandes ist. —* Ein wechselvolles Wetter brachte uns der gestrige Sonntag. Während am Mor­ gen winterliche Kälte herrschte, setzte von mit­ tags an Regen ein, der Vis in die Nachtstunden mit Unterbrechungen andauerte. Nachts siel Neuschnee, der wieder von Regen gefolgt war und erst am Morgen sich zu leichtem Schnee­ fall verdichtete. An Ausflugsverkehr dachte bei diesem Wetter niemand zur Befriedigung der hiesigen Gaststätten, die abends ein volles Haus hatten. t * Auf einen Wagen Wetterte am Samstag in de« unteren Altstadt ein ca. lOjähr. Knabe. Er stürzte hierbei ab und fiel mit dem! Hintetzkopf aus das Pflaster, so daß er be­ wußtlos liegen blieb. Passanten verbrachten ihn in die elterliche Wohnung. —* Großen Spektakel verübte derTaglöhnerssohN Ludwig Schalter vor einigen Ta­ gen in der Schule in Berg, wo er seinen angeb­ lich eingesperrten Enkel befreien wollte. Er bedrohte hierbei den ihn zur Ruhe verwei­ senden Herrn Hauptlehrer auf das schwerste. Abenvs voNflchrre er rann zuhause einen ähn­ lichen Austritt und bedrohte seine Geschwister mit dem Messer. Der rabiate Bursche müßte von der Gendarmerie festgenommen werden. Es wäre an der Zeit, daß dieser Bursche, de« schon des öfteren unliebsam von sich reden machte, endlich unschädlich! gemacht würde, ehe ein größeres Unheil entsteht. schale nicht bezahle, den vollen Betrag für das ganze Jcchr zu zahlen haben. Der Magistrat erhob diese Anregung zum Beschlusse. —* Die Ordnung im Trambahnbe­ trieb beschäftigte wiederum den Stadtmagfstvat. Herr Direktor Scheller brachte die Klage vor, daß in letzter Zeit, besonders von 8—9 Uhr abends an Sonntagen, ein großer An­ drang herrscht und Leute selbst, wenn die Schaff­ ner di« Plattform'bereits gesperrt haben, noch auf die Wägen springen. Die Wagenführer seien machtlos und werden höchstens mit Grob­ heiten überschüttet. Durch die zu starke Be­ lastung können aber, wie dies kürzlich der Fall war, Betriebsstörungen eintreten, auch ist der Wagenführer in der Bedienung der Bremse be­ hindert, was leicht zu Unglücksfällen führen kann. Er ersuchte daher, in der angegebenen Zeit einen Schutzmann ans die Haltestelle am Bahnhof abzustellen, damit dort die Ordnung aufrecht erhalten werde. Nachdem stets alle Wägen bereitgestellt seien und alle 6 Minuten ein Wagen gähe, könne ohnedies alles beför­ dert werden. Die Angelegenheit wurde der Polizeiinspektion zur möglichsten Abstellung eines Schutzmanns Überwiesen. —* Gefunden hat Herr Trambühnkontrolleur Zahn hier eine Geldbörse mit 30 Marv Inhalt, die er der Polizei ablieferte, die das Gew alsbaw der Verliererin, einer von aus­ wärts zu Besuch hier weilenden Dame, wie­ der zustellen konnte. ────────── Letzte Posten. Botschafter Graf Wedel 1 übernahm gestern die Geschäfte der deutschen' Botschaft in Wien. Mittags machte Graf Wedel dem Minister des Aeußern Burian seine Auf­ wartung. Jnfant Ferdinand Vertreter des Königs von Spanien. Madrid, 26. Nov. Jnfant Ferdinand von Bayern ist nach Wien abgereist, um König Alfons bei den Leichenseierlichkeiten zu ver­ treten. Benizelos Erklärt Bulgarien und Teutsch­ land den Kvieg. Exchange Telegraph- Comp, meldet, daß die Regierung von Venizelos an Bulgarien: den Krieg erklärte. I Athen, 26. Nov. Infolge KriegserkläI rung der provisorischen Regierung an Bulga| eien ist tatsächlich Griechenland im Kriege mfl I Bugalrien, weil die Alliierten dessen Trium$ phirat in Saloniki als tatsächliche griechifchje 1 Regierung betrachten. Die provisorische ReI gievung erklärte auch Deutschland den Krieg, I weil es Schiffe torpedierte, die nationale I Stveitkräste führten.