Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-12-01. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 327, 1916-12-01. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Im Gegenteil, unsere Kohlenförderung ist zur Zeit größer als vor betn Krieg, denn uns stehen ja auch die Förderungen der belgischen Kohlenigrjuben zur Verfügung, denen sich bald die Ergebnisse neu zu erschließender Anlagen zu­ gesellen sollen. Aber wir müssen jetzt alles daran wenden, um die Gesamtkräste unseres Volkes ans das einzige Ziel zu vereinen, das wir haben, zu siegen. So machen sich eingrei­ fende Maßnahmen notwendig. Die Lichtre­ klame mutz beseitigt werden, da sie so gut wie äusschließlich den Vergnügungen und LuxusI zwecken bient, und als überflüssig gelten ; muß. Auch die Beleuchtung von Namens- und ! Firmenschildern, der Läden und Gastwirtschaf• ten, wird eine Einschränkung erfahren, ebenso I die Beleuchtung von Schaufenstern und Stra' ßen. Daß auch der elektrische Straßen- und I Kleinlahnverkehr sich nicht im bisherigen Hm= I fang aufrecht erhalten läßt, liegt nahe genug. | Ebenso wird ein früherer Schluß der GastwirtI schäften (voraussichtlich 10 Uhr abends) un| umgänglich notwendig sein. Eine Schließung f der Kinos oder gar Theater ist natürlich nicht | beabsichtigt. Dagegen werden diese UnternehI nrnngen wohl einen früheren Beginn in ihren | Veranstaltungen in die Wege leiten müssen. \ Im großen und ganzen wird in denmaßgeben| den Kreisen angenommen, daß die Neuordnung I der Dinge nicht so erhebliche wirtschaftliche I Nachteile mit sich bringen wird, wie man j vielleicht aus den ersten Blick anzunehmen ge| neigt sein könnte. iZ.) I Wie Stiröbl daneben redet. In seiner | Landtagsrede vom 20. November hat der Mg. jt Strobl erklärt, "die Sozialdemokraten Polens I | lehnen es kühl ab, von Deutschland in dev I I bekannten Weise befreit zu werden". Von pol- 1 I nischer Seite wird dem Vorwärts dagegen ge- * I schrieben, daß die überwiegende Mehrheit der I polnischen Sozialdemokraten die Befreiung ih1 rer Hermat von der russischen Herrschaft mit I Jubel aufgenommen habe. (Z.) I Tos richtige Mittel. Hospächter Hugo Jakobi in Utphe in Oberhesjen hatte sich ge­ weigert, 2000 Zentner Überschüssige Kartof­ feln znm Höchstpreise von 4 Mark den Zent­ ner abzugeben. Stumnehr wurde sein ganzer Karitoffelvorrat unter Aufgebot eines Mili­ tärkommandos gewaltsam weggemoächnlen. Ter Wucherer erhält jetzt nur 2,50 Mark für den Zentner, abgesehen von den sonstigen Folgen seiner Handlungsweise. Beschwerden int Reichstag wegen bayer­ ische Ernähvuugsfragen. Der Zentr.-Abg. Dr. Trendel hüt einige kleine Anfragen eingebracht, die sich mit bayerischen Ernährungsfragen be­ fassen. Es wird Beschwerde geführt, über die mangelhafte Versorgung Bayerns mit Fut­ termitteln, Oelen und Fetten, über die Zerstör­ ung der bayerischen Organisation für Übst und Gemüse und die Bevorzugung gewisser Per­ sonen bei dev Zuweisung des Anfalls der NaßHefe aus den Münchener Brauereien. (Z.) Gegen abermalige Bertagung des Reichs­ tages. Die nationalliberale Reichstags fraktion ist sich darüber schlüssig geworden, daß sie diesmal nach Erledigung der Arbeiten des Reichstags einer Vertagung des Hauses nicht wieder zustimmen will. Sie steht auf dem Standpunkt, der.ja in den plötzlichen Wiederzusammentritt des Reichstags kurz nach der Vertagung bis zum 13. Februar seine volle Begründung findet, daß in dieser Zeit das!ParIrnnent nicht auf Monate nach Hause gehen sollte und daß die von Zeit zu £ejtt nötige Unterbrechung der Arbeiten desReichstags unter diesen Umständen vom Reichstag selbst beschlossen und begrenzt werden mutz. Ein Reichskommissär für Fischversorgung wurde vom Reichskanzler ernannt. Diesem sind weitgehende Befugnisse zur Regelung des Absatzes und des Preises von Fischen und Fischkonserven beigelegt. Er hat unter ande­ rem das Recht, die Fisch ehändler zu Verbänden zusammenzuschließen. Zugleich sind die An­ ordnungen der Landeszentralbehörden oder der von ihnen bestimmten Behörde, die über Fische und Fischkonserven erlassen werden, an seine Zustimmung gebunden. Wesentliche Einschränkung -es KohlenVerbrauches. Der Berliner Lokal-Anzeiger fchveibt: Ter Bundesrat wird, wie in den Letzten Tagen bekannt geworden ist, in abseh- ────────── Campolung genommen. Ei» feindlicher Angriff im Apernbogen gescheitert. — Es geht weiter vorwärts in Rumänien. - Die russische Gegenoffensive in den Waldkarpathen verlief ergevuislos. — Die Entente-Truppen erlitten in Mazedonien gewaltige blutige Verluste, ohne Erfolge zu erzielen. — Die Erdroffelnngsversuche der Entente an Griechenland werde« fortgesetzt. Im Westen versuchte der Feind im OpernVogen einen starten, auf drei Kilometer Frontbreite sich erstreckenden Angriff, der aber mit einem völligen Mißerfolge für Hu endete. Im Sommegebiet kam es nur zu Artillerieküsiüpfen. ’ 1 In den Waldkaripathen griffen die Rus­ sen Mieder an, wurden aber an den Meisten Stellen abgeschlagen. Wo sie kleine örtliche Vorteile zu erzielen vermochten, mußten sie diese durch schwere blutige Opfer teuer er­ kaufen. In Rumänien wurde im Norden außer Pitesti (tote gestern bereits berichtet) das lange und heiß umstrittene Campoluttg von den Un­ sern besetzt. . Dadurch wurde der Weg über bett Törtzburgerpaß frei. Bayerische Truppen mach­ ten hier über 1200 Gefangene. Im Süden, 20 'Kilometer nordwestlich der Festungswerke von Bukarest nahm die Eskadron des Ritt­ meisters von Borcke vom GardekÜrrassier-Rgt. "Königin" eine feindliche Kolonne mit über 1200 Rumänen gefangen. Die ArMee Fal­ kenhayn steht also schon, vor den Toren Bu­ karests im Norden, während Mackensens Donauarmee im Süden und Westen anmarschiert. Ihr fielen bereits rund 2500 Rumänen, 45 Kanonen und anderes vieles Kriegsmaterial in die Hände. Es ist dahier keinMunder, wenn sich die französischen Fachkritiker bereits ernst­ lich mit dev Frage beschäftigen, ob Bukarest überhaupt verteidigt werden soll? Der un­ widerstehliche Vormarsch Falkenhayns und Mackensens dürfte diese Frage umgestalten in die Formel, ob Bukarest überhaupt gehalten werden kann? Die italienische Presse er­ hebt immer dringlicher den Ruf nach Rußland und Sarvail. Als ob nicht beide heute schon tun, was sie vermögen. Sarrail hat sich doch! erst vor zwei Tagen eine blutige Schlappe geholt und Rußland Hat ohnedies die ganze Verteidigung der Dobrudscha allein übernom­ men. W enn es nun auch noch die gesamte Verteidigung Rumäniens sich auf den Hals la- | den soll, dann ist ja der Kriegseintritt Rumä­ niens für Rußland keine Hilfe, sondern eine neue Belastung und sogar eine drohende Ge,fahr für sein eigenes Gebiet, das reicheMeßarabiett geworden. Es ist daher kein Wunder, wenn Rußland sich für solche "Hilfe" schön­ stens bedankt und auch dafür bedankt, daß es beiallerj peltsahrenen Operationen der En- tente als Helfer in der Not einspringen und damit seineeigene Mtzont schwächen soll. Diese verschlingt ohnedies genug Opfer, so daß be­ reits die Verlängerung der Wehrpflicht in dem an Menschenmaterial unerschöpflichen russischen Rckiche bis zum 51. Lebensjahre in Erwägung gezogen werden muß. Das Chaos in Griechenland wird immer ,gpößer. Der französische Admiral Fournet will nicht nachgeben und die griechische Regie­ rung scheint auch nicht geneigt, die Ehre Grie! cheulands vollends vernichten zu lassen. Bor allem sind es die Reservistenbünde, welche den äußersten Widerstand einleiten, der seine Spitze auch mit Entschiedenheit gegen die Venizelisten, die Schildträger' der (Sntent<\ lehrt, die dadurch immer mehr an Boden verlieren und sogar persönlich ernstlich bedroh: sind. Ihre Häuser sind bereits gekennzeichnet Und wehe HUen, wenn die VolkLwNt durch die Straßen schreiten sollte. Eine neue Meldung besagt, daß auch der englische und russische Gesandte ihren Sitz nach Saloniki verlegt haben und die Dynastie in Athen ernstlich bedroht fei. Fournet scheint somit von der Entente als politischer Henker ausersehen zu sein. Ob Hm aber sein Amt gelingen wird, oder ob nicht schon der Versuch hierzu, dem Faß den Boden ausschlagen würde, ist noch die Frage. Bei der Beliebtheit, deren sich König Konstan­ tin im griechischen Volke erfreut, ist letzteres gls das wahrscheinlichere anzunehmen. ────────── wurde, sind die Serben wieder vertrieben wür­ den. Ter 1. Generalquartiermetstev: Ludendorff. ’ - * WTB. Berlin, 30. November. Amt­ licher Abendbericht: Zeitweise lebhaftes Feuer nördlich und südlich der, Somme. Ottomanjisch« Truppen wiesen an der Zlota-Lipa starke russische Angriffe ab. In Rumänien ist die Lage unverändert gknstjig. " ! ! !. ' , ! : Feindliche Teilvorstöße nordwestlich von Wonastir scheiterten. der östm.-oog. Bericht. WTB. Wien, den 30. 'November' W«t1ich wird gemeldet: Oestlicher Kriegsschauplatz«. Heeresfroüt des Generalfeldmarschalls #*w Mackensen. i Die erfolgreich vordringende Donau-Ar­ mee hat seit dem Stromübergang 43 rumäni­ sche Offiziere, 2421 Mann, 2 schwere und 36 Feldgeschütze, 7 kleine Kanonen und 7 Maschi­ nengewehre eingebracht. Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Joseph. Truppen des Generals der Infanterie von Flakenhayn nahmen gestern Pitesti und Campolung in Besitz. In Campolung fielen 17 Offiziere, 1200 Mann, 7 Geschütze und -zahl­ reiches Kriegsmaterial in die Hand der Bayern. Zwischen dem Uztale und den Tatarenpah setzten die Nüssen die zur Entlastung ihres hartbedrängten rumänischen Bundesgenossen bestimmten Angriffe unter großem Massenauf­ gebot fort. Die Armeen der Generäle von Arz und von Köveß standen fast'ander ganzen Front bei Dag und bei Nacht tn erbittertem Ringen gegen den immer wieder aufs neue vorstoßenden Feind. An dielen Stelle» wurde Mann gegen Mann gekämpft. Dev russische Ansturm brach zusantmen. Kleine örtliche Vorteile können nichts daran ändern, daß die großen Opfer des Feindes auch gestern ver­ geblich waren. Der Kampf geht fort. Heeresfront d«s Generalfeldmarschall» Prinzen Leopold von Bayern. . Keine wesentlichen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Oestlfch von Görz und aus der KarstHochfläche war der Artilleriekampf sehr leb­ haft. Südöstltzchpr Kriegsschauplatz. Unverändert. Der stellvertretende Chef des Generalstabe», v. Hoefer, Feldmarschalleutnant. Der bulgarische Bericht. Sofia, 28. Nov. Amtlicher Heeres­ bericht: ! , Mazedonische Front: Nach äußerst starker Artillerievorbereitung griff der Feind mehrmals auf der Front Tarnovo— nordwest­ lich Monastiv—Höhe 1248, nördlich von Monastir, in der Ebene von Monastir—Höhe lÖoO und im Eernabogen die Höhe in der Umgebung des Dorfes Gruniste an. Die wiederholten AngMe wurden auf der ganzen Front von den bulgarischen und deutschen Truppen unter mächtiger Artillerie-WirUmg blutig abgewie­ sen. Die Verluste des Gegners sind enorm. Bor unseren Stellungen liegen Hunderte von Leichen. Vor dem Abschnitt eines einzigen Bataillons, des tapferen 51. Jnfanterie-Regts. Kühlten wir 300 feindliche Leichen. Nicht min­ der stark waren die Angriffe des Feindes und das SCrttlforiefeucr im Wardartale. Hier griff der Feind verzweifelt unsere vorgeschobenen Stellungen beim Dorfe Krechteli, südwestlich! des Doiran-Sevs an. Er wurde blutig zurück­ geschlagen und ließ eine große Zahl von Lei­ chen aus dem Schlachtfelde. Wir erbeuteten 6 Maschinengewehre, zahlreiche Gewehre und anderes Kriegsmaterial. An der Front der Belasica-Planina und an der Struma leb­ haftes Artilleriefeuer. Auch hier zahlten wir 125 feindliche Leichen. Mit einem Worte, die­ ser Tag kann infolge seiner grotzartigenKampfhandlungen als einer der heftigsten Kampf­ tage an der mazedonischen Front gelten. Rumänische Front: In der Wala­ chei setzt die Donauarmee ihren Vormarsch ohne Unterbrechung fort. Sie ist mit den verbündeten Truppen, die aus den Karpa­ then Herabgestiegen sind, in enge Fühlung ge­ treten. Unsere auf dem linken Donauufer vor­ rückenden Truppen griffen Giurgiu an und eroberten, unterstützt von unseren Einheiten, insbesondere der Artillerie der Garnison von Rustschu? sowie von österreichisch-ungarischien Monitoren nach erbittertem Kampf, der von 11 UHr vormittags bis 4 Uhr nachmittags dau­ erte, die Stadt. Die rumänischen Truppen junb die Bevölkerung flohen von Panik er­ griffen gegen Bukarest. An der Donau strom­ abwärts Rusffchuk bis Cernawvda Artillerieund Jnfanteriefeuer. In der Dobrudscha Artilleyiefeuer. 1 f f Sofia, 29. Nov. Amtlicher Generalstabs­ bericht: Mazedonische Front: Ein feindli­ cher Angriff gegen die Höhe bei Monastirwurde durch Sperrfeuer zurückgeschlagen. Im Cernabogen verhältnismäßig Rühe. In der Umge­ gend des Dorfes Gruniste, in der MoglenaGegend am Barbar und an der BelasicäFvont Axtilleriefeuer. An der Struma leb­ hafte Artillerietätigkeit aus beiden Seiten. In der Nähe des Tahinossees zersprengten wir durch Feuer starke ErLundungsabteilungen. Ein feindliches Flugzeug warf zwei Bomben auf das Dorf Redoulovo, wobei zwei Frauen und zwei Kinder verletzt wurden. 9tr WKW Bericht. K instantinopel, 29. Nov. Das tür­ kische Hauptquartier meldet: Kaukasusfront: Scharmützel zu un­ seren Gunsten. . ' Dobrudschafront: Unsere Truppen warfen durch Artillerie- und Jnfanteriefeuer feindliche, seit einigen Tagen mit Verschanzungsarbeityr beschäftigte Truppen aus ihren Stellungen, wobei sie ihnen schwere Verluste zufügten. Donaufront: Unsere Truppen, die die Donau überschritten haben, besetzten am 27. November Alexandria, wo sie eine Lokomotive, 140 Eisenbahnwagen und eine große Menge Lebensmittel erbeuteten. , Der stellv. Generalissimus. ────────── Bechmann-Hollweg und die Kriegsziele. Unter dieser Ueberschrift schreibt nach den Berl. N. N. die Schlesische Ztg. zum 60. Ge­ burtstag des Reichskanzlers u. a.: Wir wol­ len in dem baltischen Deutschtum unserem deut­ schen Volkstum ein kräftiges Bollwerk an­ gliedern. Wir wollen dort wie in Litauen zu­ sammen Mit der bildungsfähigen einheimischen Bevölkerung uns Neuland schaffen, eine neue Grenzwacht gegen Osten. Wir wollen imWesten die solange gegen uns gerichteten Be­ festigungen zu Stützpunkten deutscher Grenz­ verteidigung umbilden. Wir wollen unserer tapferen Flotte, die von der flandrischenKüste aus ihre erfolgreichen Vorstöße macht, diese erweiterte Basis sichern. Wir wollen unse­ rer Industrie die nötige Rohstoffbeschassung durch Erweiterung der lothringischen Erzbekken nicht verloren gehen lassen. Die Form, in der das geschieht, wird uns weniger wichtig sein. Nach Annexionen geht unser Sinn nicht. Wir sind nicht zu Annexionen ausgezogen. | Mit der Annexion fremder widerwilligerLänI der wäre uns wenig gedient. Was wir juns f angliedern, muß auch von Anfang an organisch eingegliedert werden. (Z.) Wichtige politische Erklärungen des Bierbuudes? Sofia, 30. Nov. In allen politischen Kreisen wird eine Mutzerung des Minister­ präsidenten Raboslawow in der Sobranje eifrig erörtert. Raboslawow sagte, daß In naher Zeit im bulgarischen Parlament Und in den üp­ pigen Vierbundsparlamenten wichtige Erklä­ rungen abgegeben werden dürsten, die allge­ meine Fyeuve Hervorrufen werven. Gingeweihte Kreise bringen die Neuerung mit dem Umstande in Zusammenhang, daß das sieg­ reiche Vordringen in Rumänien wichtige poli­ tische Folgen nach sich ziehen dürfte. (Z.) Schweden jpptt» Deutschland. In Schweden, wo jetzt große Lebensmittelknappheit sich bemerkbar zu machen beginnt, hat man auf mancher Seite Deutschland für den Mangel im Lebensmitteln verantwortlich gemacht, "weil Deutschland alles nehme". Ein schwedisches Blatt "Oestgüta Eorr.", das in dieser Sache Untersuchungen anstellte, kommt zu dem bemerkenswerten Ergebnis, daß, trotz des geringen Entgegenkommens, das die Eng­ länder Schweden gegenüber bei der Kohlenversorguug zeigen, alles in der schwedischen In­ dustrie seinen gewöhnlichen Gange nehme.Und dies habe man gerade Deutschland zu danken, das nach Meinung vieler ,plles nehme". "Von Deutschland bekommen wir die Steinkohlen, die uns England vorenthält. Deutschland hü­ be!» hxh^uf ►anten, daß dex größte Teil unserer Industrie nicht still liegt, und daß unser Ver­ kehrswesen noch! immer funktioniert. Deutsch­ land haben wir zu danken, daß Dosende und aber Tausende von Schweden keine Not leiden. Ist es zu verwundern, daß Deutschland eine Ge­ genleistung fordert |unb so viel von unsern Le­ bensmitteln verlangt, wie wir entbehren kön­ nen, ohue uns selbst zu entblößen? Ueber die Antwort kann man nicht im Unklaren sein. Obgleich darüber nichts in die Oeffentlichkeit dringt, leuchtet es doch ein, daß die Negierung Lizenzen für Lebensmittel bewilligen muß, die Deutschland gebraucht und die wir ausfühdxen können. Dadurch bekommen wir nicht bloß Kohlen, sonder» auch eine Menge anderer Wa­ ben, die wir nötig haben, wie medizinische Wit­ tel, Farbstoffe usw." Unter diesen Umstän­ den, sagt das genannte Blatt, hübe man kein Recht, zu sagen, daß Deutschland alles nehme, denn was Deutschland nimmt, das gibt es auch reichlich wieder. ────────── Das Königreich Polen. Ter Siommaubant der polnischen Legion. Posen, 30. Rov. Sxfcf Stanislaus Szeptycki, der Bruder des verschleppten Lemberger Metropoliten, wurde zum Kommandanten der polnischen Legion ermannt. (Z.) ────────── tnifflion in Gegenwart beider Minister Wer die auf der Reise gewonnenen Eindrücke. Ueber die militärische Lage Rumäniens machte er die folgenden Mitteilungen: Sowie man das Land betritt, erhält man sofort den Eindruck, daß es sich Mer! nicht um eine leistungsfähige Nation handelt. In Rumänien ist das in stärkstem Maße vorhanden, was wir in den eigenen russischen Verhältnissen am meisten verurtei­ len Mnz offen macht sich in der Militär- und Zivilverwaltung das DreistetesteBestechungLwesen bireit. Die rumänischen Soldaten sind ge­ duldig ausdauernd und im allgemeinen nicht schlecht diszipliniert, aber die Führung verd irbt die Leute. Wie die höheren Offiziere im Lande laufen, ist unbeschreiblich. Gegen die Bauern­ bevölkerung erlaubt sich jeder schrankenlose Grausamkeiten und Ausschweifungen. Beim Stabe der 2. Armee ist es vorgekommen, dah während der entscheidenden Schlacht an der tchmsshIvanischen Front Offiziere, ohne sich stören zu lassen, zechten. Die Stimmung der Bevölkerjung ist gedrückt. Mles erwartet die Mederlchge Rumäniens. Was werden die Deut­ schen mit Rumänien machen? heißt das allge­ meine Gesprächsthema. Rumänien erntet jetzt, schloß PurKschtiewitsch, die Früchte seiner Miß­ wirtschaft. Rußland ist nicht, wie die Rumänen mit Vorliebe schreiben, für den Mißerfolg ver­ antwortlich. Die Rumänen werden, Wenn sich das Schicksal des Landes erfüllt, unter russischer Führung tüchtige Leistungen für die ge­ meinsame Sache vollbringen. Ich empfehle deshalb die völlige Ungliederung der rumäni­ schen Armee an die russische, sowie die Auf­ lösung des unwürdigen rumänischen Offizierkorps. (3.) ’ 1 i . . f' i ────────── Am Balkan. | Täv Lage in Griechenland. 1 ( 1 1 Amsterdam, 30. Nov. Einem hiesigen Blatte zufolge wird der Times aus Athen ge­ meldet, daß die kritische Lage fortdauere. Man vertagte anscheinend den Kronrat in der Hoff­ nung, dah bezüglich! der Ausliefernng der Geschütze ein Vergleich mit Admiral Fournet möglich wäre. Dieser scheint aber nicht geneigt, nachzugeben. Fournet besuchte mehrere Ge­ schäfte von Venizelisten in der Hermesstraße und sah! selbst die roten Kreise, mit denen sie während der Nacht bezeichnet worden waren. Wenn die Drohungen gegen die Venizelisten auch nur zum Teil ausgeführt würden, ohne dah vorher entsprechende Maßnahmen unter­ nommen werden, so würde das eine Schwäch­ ung, wenn nicht den Zusammenbruch der veUizelistischen Partei bedeuten. Di« griechisch« 'Dynastie in Gefahr? Konstantinvpel, 30. Nov. Nach Be­ schichte aus Salonifi haben die englischen und Russischen Gesandten ihren Sitz von Athen nach Saloniki verlegt, weil sich der Kreis um das Küniigspaav mehr und mehr zusarnimlenziehe und die Absetzung dev Dynastie sowie die jPpoklamierung Griechenlands zur Republik nur etine Frage der Zeit sei. Der russische Und eng­ lische Hof, welche die intimsten FamilienbezjiehUngen mit Athen pflegen, wollten ihpe Vertreter nicht Zeugen dieser MetamorDhvse sein lassen. Frankreich ist durch solche und ähn­ liche Rücksichten nicht bedrückt. Außerdem bringt Frankreich dadurch seinen eigenenPlan zur Durchführung. Deshalb verblieb die fran­ zösische Diplomatie in Athen. (Z.) ────────── Der Krieg mit Italien. Italienisch« Angst. 1 In der italienischen Presse wird, die Be­ fürchtung ausgesprochen, daß nach Erledigung Rumäniens Italien durch eine HindenburgOUensive bedroht werden würde. In diesem Sinne äußern sich auch "Jdea Nazionale" und "Popvlo Romano", dev u. a. schreibt, daß die Möglichkeit einer Hinderrburg-Offensive Ita­ lien von der ^Beteiligung an dem sogen. fManövrierh!eere der Entente ausschließen müsse, weil Italien zuerst an die Sicherung seiner Gren­ zen denken müßte. Dieser Hinweis zeigt be­ reits deutlich, warum man in Italien von einer Hindenburg-Ossensive spricht. ────────── Der Krieg mit England. der Leitung der englischen Flotte nun alsbald durch eine Aenderung der Taktik geltend mos­ chen wird, soll ruhig abgewartet werden. ! Gegen di« englische Regierung. t [ 1 I Die Dimes zählt sechs Grjünde auf, tote nun das Unterhaus mit der Regierung i«tmer unzuftiedener werde: 1. Die Frage des Mannschaftsmaterials, 2. die Krise im Luftdienst, 3. die Reorganisation der Admiralität« 4. bete A-Bootkrieg und die Torpedoangriffs bete Deutschen, denen gegenüber keine ausrei­ chenden Maßregeln zur Bewaffnung der Han­ delsschiffe und MM Bau neuer! Schaffe getrossest würden, 5. die groge der Förderung der jLebensmittelerzeugung, und 6. die Lebensmittelkontrvlle Md die Verschwendung von Lebens­ mitteln, da noch immer niejmjand ernannt sek, um di« Pläne durchzuführen. (Z.) 1 j Frauenarbeit int Kriege. London, 30. Nov. Seit Kriegsbeginn! haben 866 000 Frauen die Männer in bett ver­ schiedensten Berufen ersetzt. In Munitions­ werkstätten werden seit Kriegsbeginn 27 000 Frauen mehr beschäftigt als im Frieden. 'Ist den einzelnen Berufen stellen sich die Zßs-> seten der Mehtebeschästignng gegenüber Frie­ denszeiten seit Kriegsbeginn wie folgt: Eisen­ bahnen 33 000, BanmwoMndnstrie 25 000, Brauereien 18000, Mühlenbetriebe 6000, Zukferfa&riten 2000. Dagegen ist eine bedeutends Abnahme dev weiblichen Arbeitskräfte int häuslichen und Handelsberufe zu beobachten. Die Verminderung beträgt hier gegen 150000 Personen. (Z) I i , Negersklaven für England. Die englische Regiechmg hat nach längerem ZögerU, verursacht durch die Angst vor dett Gewerkschaften, endgültig beschlossen, die Negechrrbeit in England einzuführen und diese Neger, wie einstmals die Ehinesen am Rand­ gebiet in Siidaftika, wie Sklaven absolut dort jedem Verkehr mit der Bevölkerung abgeschnit­ ten, in sogenannten "Compounds" zu halten. Die Rekrutierung erfolgt in Afrika und West­ indien, und man hvsst, wenn es bete 'Schiffs­ raummangel erlaubt, im! nächsten Frühjahte schon 3—400 000 Sklaven in England und Frankreich in Arbeit zu haben. | ; 1 Di« englische Admiralität. Die Berl. Morgenpost schreibt zu den Ver­ änderungen in der englischen Admiralität So­ lange als nötig war, um etwas Gras über die Niederlage der englischen Flotte am Skagerrak wachsen zu lassen, hat man gewartet, ehe mjan den damaligen Oberbefehlshaber Admiral Jellicoe absägte. Denn seine Ernennung zum ersten Seelord ist zwar äußerlich ehrenvoll, tatsächlich aber die Entfernung von der Flotte. Die Stimmung der Engländer gegen diese ewig versteckte und unsichtbare Flotte, die nichts von dem Offensivgeist des Nationalhelden Nel­ son beweist, ist den Engländern namentlich nach den letzten deutschen Vorstößen in der Nordsee bereits so stark auf die Nerven ge­ fallen, daß etwas geschehen mußte. Zwar ist Admiral Beatth, der nunmehr OberkomMandan tgeworden ist, als Kommandant der Anfklärungsflotte am Skagerrak gewaltig zersaust worden, aber die Schuld daran wurde nicht ihm, sondern eben Jellicoe beigemessen, der angeblich mit den Dreadnoughts zu spät ge­ kommen ist. Ob sich diese Veränderung in ────────── ,18 Schiffe versenkt. Reuter meldet folgende 18 Schiffe als versenkt: Der englische Dampfer "Ramsgate" (1553 Tonnen, das englische Dampfschiff "Rhvna" (540 Tonnen), der griechische Dam­ pfer "Ghristophvros", die französischen Segel­ schiffe "Dvureh" und "Malvina", das ameri­ kanische Dampfschiff "Ehemung" (2615 Ton­ nen), das norwegische Dampffchiff "Belle Jsle" (1883 Tonnen), der englische Dampfer "City pf Birmingham" (7496 Tonnen), die norwegi­ schen Dampfer "Visberg" (1311 Tonnen) und "Hampesand", drei Trawler aus Swansea und Cardiff, sowie die Dampfschiffe "Alicon" (286 Tonnen) und "Mart". Das Dampfschiff "Billemes" (775 Tonnen), das nach Grimsbh un­ terwegs war, würde erbeutet. (Z.) ────────── zu entfernen und einen Seitenweg, der sie auf ein einsames Plätzchen führte, einzuschlagen. Auf einer Bank, im Gebüsch halb versteckt, ließ sie sich nieder. Die Empfindungen überfluteten sie und die Augen brannten ihr von unvergossenen Tränen. "Meine Gnädigste " Der Klang einer fremden Stimme ließ Rose effchreckt auffahren. Vor ihr stand der Bruder der Baronin ©entmingen, Baron Görtz, wie er sich ihr vorgestellt hatte. -Ich — suchte Sie — im Auftrage meiner Schwester," fuhr er fort und sah sie unverwandt mit unverkennbarem Interesse an. Rose stand auf. "Wünscht die Frau Baronin etwas von mir?" fragte sie kühl. «Nicht doch — sie bemerkte nur ihr Fehlen, und ich sollte Sie suchen." -So — werde ich zurückgehen —“ "Bitte — noch einen Augenblick — ich glaube. Ihnen trotz Ihres vorherigen Protestes schon einmal begegnet zu sein, gnädigste Frau." "Daß ich nicht wüßte." Roie zuckte leicht mit den Achseln und machte ein gleichgültiges Gesicht, obgleich ihr ein tiefer Schreck in die Glieder gefahren war. "Doch — besinnen Eie sich einmal — in Berlin — sind Sie nicht aus Berlin?" "Allerdings," gab sie, nur mühsam ihre Erregung bekämpfend, zur Antwort. -Ihr Herr Gemahl ist — Offizier?" "Nein er war Beamter und ist bereits tot,“ fiel sie schnell ein, während eine fahle Bläffe ihr Gesicht überzog. War man ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen — war dieser Mensch vielleicht gar ein Abgesandter Theos? Was wollte er mit seinem seltsamen Verhör? Sie befand sich in einer furchtbaren Erregung. War sie nun auch hier nicht mehr sicher — mußte sie von neuem an eine Flucht denken? Es überwältigte sie fast. Angst, Schreck, Verzweiflung raubten ihr die Besinnung und nur mühsam bewahrte sie ihre Fassung. "So — also Beamter," wiederholte der Baron "darf ich um Ihren werten Namen bitten?" "Herwart." "Herwart? Der Name ist nicht ungewöhnlich aber — den meine ich nicht — Verzeihung — es war eine Täuschung meinerseits — eine Ähnlichkeit und Verwechselung? Gnädigste wohnen hier in der Nähe?" -Ja auf Beruegg," gab sie ein wenig erleichtert zur Antwort. "Auf Bernegg?" rief er jetzt überrascht — "ich wußte nicht, daß Harald — er ist seit der Knabettzeit mein Freund — Verwandte dieses Namens hat." (Fortsetzung folgt.) der Frau Herwart, mit dem ihre Ausstattungswäsche gestickt worden war, sein, aber was bedeutete die Krone? Eine geborene Adelige? Die Baronin witterte in ihrem einmal erweckten Argwohn mehr dahinter und setzte ihre Forschungen fort Ihre geschickt gestellten Fragen und Fallen hatten bei der jungen Frau leider keinen Erfolg gehabt. Die war auf der Hut und verriet sich nicht. So mußte sie auf andere Mittel sinnen. Da fiel ihr der Bruder ein. Der kannte halb Berlin, wenigstens alles, was Gesellschaft hieß. Es war möglich, daß durch gemeinsame Bekannte ein wenig Licht in die Sache kam. Deshalb hatte sie ihn «ingeladen und den heutigen Abend entriett. So schnell batte sie aber nicht auf die Erfüllung ihrer Wünsche gehofft. Sie geriet nun in eine übersprudelnde Laune die ihre Gäste mit fortriß. Nur Rose nahm nicht teil daran. Sie war fremd in dem Kreise und ihre Stellung als Gesellschafterin legte ihr einen gewissen Zwang auf, den sie wieder bitter empfand, und doch war er nicht der einzige Grund, der sie um ihren Frohsinn und Gleichmut brachte. Sie fühlte fich bedrückt und der Wunsch, sich aus der Gesellschaft zu entfernen, wurde immer reger. Eine günstige Gelegenheit bot sich ihr bald. Die Baronin hatte ihren Gästen eine kleine Promenade in den Park vorgeschlagen. Auf der Terrasse sollte hinterher das Abendbrot eingenommen werden. Es gelang Rose, sich unbemerkt von den anderen ────────── Abtich feien, und erfuhr durch übereinstimtnenbe Mitteilungen von verschiedener Seite, daß auch für die in Paris weilenden Solda­ ten Automobilausflüge veranstaltet würden, ßtt denen jedermann teilnehmen könne. "Zeigt man Ihnen auch dort Kinder, denen die deut­ schen Soldaten die Hände abgehackt haben?" "Nein," sagten sie, "dort zeigt man uns etwas pndeves, und das haben wir selbst gesehen und Wunen es bezeugen, nämlich, wie sich Deutschland aus den Krieg und aus die Belageriung von Paris schon lange int Frieden heimWh eingerichtet hatte." "Nun, da bin ich aber neugierig, was man Ihnen vorgeführt hat." Die Soldaten erzählten mir nun, daß man sie in einen Champignon-Keller geführt habe, ber einer deutschen Gesellschaft gehört habe. Hier feien betonierte Geschützbettungen gebaut gewesen und man habe deutlich erken­ nen können, daß die Geschütze, die dort zuv Aufstellung gelangen sollten, nach Paris schie­ ßen sollten. Jedem französischen Soldaten, delr als Urlauber nach Paris kommt, wird der Rat erteilt, sich an diesem belehrenden und unterhaltenden Automobilausfluge zu betei­ ligen, und tägftch sehen sich Hunderte von "Pöilus" diese mitten im Frieden von Deutsch­ land gegen Paris eingerichteten Geschützbatte­ rien an. Für diejenigen Soldaten, die nicht genug Sachverständnis haben, um einen Ghampignon-Keller von einem deutschen Panzer­ fort zn unterscheiden, sind besondere Artrllerieunteroffiziere angestellt, welche den wahren Sinn dieser Betonböden ins helle Licht stellen. Alle Franzosen, welche diese Sehenswürdigkeit betrachtet hatten, erklärten mir, sie Mite ihnen einen tiefen Eindruck gemacht urti sie in der Tat in dem Entschluß bestärkt, ihre äußerste Kriaft an die Besiegung der Deutschen zn fetzen. Aus allen Aussagen der Franzosen geht hervor, daß die Franzosen, um die zweifellos erstaunlich gute Angriffsstimmung ihrer Ar­ mee zu erhalten, doch schon zu recht schlimmen Mitteln g!ressen müssen, und daß bei ihnen die Schulung im Haß vollkommen planmäßig dU-chhgeführt wird. (Kb.) W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter, ────────── Deutscher Reichstag. Sehv eingehend wurde über den Para­ graph» 1 gesprochen, der jeden männlichenTeutschen vom vollendeten 17. bis zum 60. Le­ bensjahre, soweit er nicht zum Dienste in der bewaffneten Macht einberufen ist, zum vater­ ländischen Hilfsdienst während des Krieges verpflichtet. Der Sozialdemokrat Bauer be­ tonte, daß. seine Fraktion sich ihre endgültige Stellungnahme noch vorbeihält. Nach etwa dreistündiger Beratung wurde dev Paragraph! 1 unter Ablehnung Der Abänderungsanttäge in der Fassung des Haupt­ ausschusses gegen die Stimmen der sozialde­ mokratischen Abgeordneten angenommen. Tos Hilfspflichtgcsctz int Reichstag. Berlin, 30. Nov. Im Gegensatz zu ge­ stern fand die heutige Reichstagssitzung im Zeichen einer nüchternen Sonderaussprache statt.. Dev vorliegende Kompromißantrag um­ faßt 18 Paragraphen und entspricht im we­ sentlichen den Beschlüssen des "Hauptansschustz ses. Djie Wünsche der Parteien sind damit jedoch noch nicht erslchäpft. Ein besonderer Anttag der Konservativen \ schlägt mehrere wesentliche Veränderungen der \ Vereinbarungen vor. So lehnen die Konserva­ tiven die Arbeiterausschüsse und alle die Be* stimmn tigert über ihre Tätigkeit ab. Auch den : vom Hauptausschuß gewünschten 15WPsigen Ausschuß des Reichstags, der bei allen wich! tigen Entscheidungen mitwirken soll, wollen I die Konservativen streichen. I Ein Zentrumantrag zum Schutz des HandI , Werks verlangt die Bildung einer eigenen 5 Abteilung im Kriegsamt für das Handwerk, . ferner soll bei der Schließung oder Zusam­ menlegung von Detailgeschästen die zuständige Handelskammer gehört werden und den In- f, hadern Urlaub zur Inventur- und Vermö- I i genSaufnahme gewährt werden. | Die Sozialdemokratische Arbeitsgemein- | schaft beantragt, die Verpflichtung pnt Hilft- | dienst nur bis znm 45. Lebensjahre fest zu- .> setzen. .. I ────────── Bayerische Nachrichten. Die sofortige Einberufung des Landtages zu einer außerordentlichen Versammlung zur Beratung über die Einwirkungen des Krieges auf die Volksernährung und auf die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die Schutz­ losigkeit der bayerischen Volkswirtschaft gegen­ über den Eingriffen der Reichsgesellschaften, Pas Gesetz über den Hilfsdienst und die Frage der Ueber teitung der Kriegs- in die Friedens­ wirtschaft verlangte die sozialdemokratische Fräktion . i i ────────── Niederbayerische Nachrichten. * Aham, 1. Dez. (Erhängt Hat sich itte Stadel der Bauerswitwe Maria Jahn in Un­ terhausenthal der 44 Jahre alte verheiratete Gütler und Maurer Dhonts Steckermeier von Unterhausenthal. Er soll die Tat aus Angst vor einer ihm vevorsteyenden Musterung be­ gangen haben. Wallersdorf, 30. Nov. (Diebstahl.) Vor­ gestern wurde einem bei dem Hofbesitzer Schulte in Büchling beschäftigter russischer Kriegsge­ fangenen eine Kassette mit einer 2jährigen Er­ sparnis von ca. 900 Mark, Ringen etc. tzestohilen. Von dem Diebe hat man noch (feine Spur. ────────── Dienstesnachrichten. Bezirksämter. Vom 16. Dezember c. an wird die Bezirksamtsassistentin Mirie Ziegans in Landshut auf ihr Ansuchen in gleicher Diensteseigenschaft in etatsmäßiger Weise an das K. Bezirksamt Rehau versetzt. ────────── den Hauptbestand des Marktes. Eine Selten­ heit war aber zu verzeichnen, es gab einen Korb Eier, dessen Inhalt allerdings reißende Abnehmer fand . —* Der Kartoffelmarkt hat setzt auf? *gehört zu existieren. Durch die Ablieferungspsticht an die Kommunalverbände und die Einführung der Kartoffelmarken ist der stielte Verkehr mit Kartoffeln zu Ende und daher auch unser Kartosfelmarkt unbeschickt, der heute auch an anderen Produkten tt|itr we­ nig auszuweisen hatte. —* Gegen die Wucherspreise für to­ tes Geflügel auf dem heutigen Viktualienmarkt gjing die Schutzmannschast vor,. Ein hiesi­ gen HausbMtzer, ver Kr eine tote Ente 15 Mark verlangte, wurde vom Markte verwie­ sen und wird zur Anzeige gebracht. Dieser Standpunkt der Marktpolizei muß als willkom­ men gerechtfertigt erscheinen, denn für niedersbaherische Verhältnisse ist ein Preis von 15 Mark für eine Ente und mehr als "20 Mark für eine Gans nicht mehr als angemessen zu erachten. —* Milcherhebungen werden jetzt in Verbindung mit der Volkszählung hier gepflo­ gen. Es entstand daher das Gerücht, daß hier Milchkarten eingeführt werden. Dies ist nicht richtig. Es soll lediglich eine Art KundenÖfte eingeführt werden, die sich ev. später zu einem Kundenzwang erweitern kann. —* Der Hebammen-Kreisverband wählte in seiner letzten Versammlung als 2. Kr^isverbandsvorsitzende Frau Betty Spieglnteier, die bereits zwei Jahre die Stelle ei­ ner Kassierin des Verbandes bekleidete. Der bisherigen Vorsitzenden Frau Maria Kloiber von Mettenbach wurde der Dank für ihre bis­ herige Artigkeit ausgesprochen. ' —* Stadtthe ater. Carl Sulzer und sein Ensemble Münchener Bühnenkünstler, dessen Aufführung von Strindbergs "Gläubiger" vor vier Wochen noch in bester Erinnerung steht, wird am kommenden Sonntag, den 3. Dezember im Stadttheater ein zweites Gastspiel veran­ stalten. Um dem Theaterbedürfnisse weiterer Kreise entgegenzukommen, findet am Nachmit­ tag eine Vorstellung bei kleinen Preisen statt. Dabei gelangt das zweiaktige Schauspiel ei­ nes modernen Dichters: Victor Georgen"Die Hochzeit der Maria" zur Aufführung. Den Inhalt des Stückes bildet eine ergreifende Epi­ sode aus dem ersten Kriegsjahr und wird mit ihren Beziehungen zu der großen, sturmbe­ wegten Gegenwart besonders das Interesse un­ serer Feldgrauen erregen. Der Verfasser, des­ sen «err schon mit größtem Erfolg in Szene ging, wird voraussichtlich selbst zugegen sein. — Der Abend wird den mit "Gläubiger" be­ gonnenen Kammerspielzhklus fortsetzen und un­ ter Carl Sulzers Leitung zwei selten gespielte Einakter zur Aufführung bringen: "Die letz­ ten Masken" von Arthur Schnitzler und "Der verwandelte Komödiant" von Stefan Zweig. Bei seiner Erstaufführung im vergangenen Winter wurde das letztere am Münchener Hoftheater sehr beifällig ausgenommen. — Nä­ heres siehe Theaterzettel und Inserat. Karten sind im Vorverkauf bei Kaufmann Mühldorfer zu haben. —* Kronprinzlichtspiele. Einen sel­ tenen Kunstgenuß wird den Besuchern durch die Vorführungen der geschichtlichen Tragödie "Judith> und Holofernes" geboten. Zur Grund­ lage diente das Buch "Judith" aus den Apo­ kryphen der heiligen Schrift sowie das Ge­ dicht und die Tragödie, die Thomas Beileh nach derselben Quelle verfaßt hat. In freier Wiedergabe des dortigen Inhaltes bietet der heute hier zum letztenmale zur Vorführung gelangende Knnstfilm ein überwältigendes Schauspiel, umsomtihr, als die Darsteller der Titelrollen geradezu hervorragend und zur Verkörperung derselben wie geschaffen sind. —* Der Dezember ist heute ins Land gezogen. Der Krieg hat es mit sich gebracht, daß die winterlichen Vergnügungen, die im Frieden um diese Zeit ihren Anfang nahmen, jetzt in Wegfall kommen. Dafür beschäftigt sich alles mit der Anfertigung von Liebes­ gabenpaketen für unsere tapferen Kämpfer, de­ nen Freude zu bereiten wohl aller Streben ist. SBtic selbst keine Söhne oder Verwandten im Felde hat, der findet ja reichlich Gelegen­ heit, zur allgemeinen Sammlung und durch Spenden für die Vergessenen beizutragen, daß lmfefce wackeren Kämpfer im Felde den Hauch der Heimat am Weihnachtsabend spüren, daß sie fühlen, daß die Herzen in der Heimat yrit ihnen und fite sie schlagen. Tse dritte Krjitzgsweihnacht macht allerdings die Sache schon erheblich schwieriger. Immerhin gibt es poch so vieles, was der Kämpfer Herz er­ freuen kann und Huen zeigt, daß" die lange Dauer des Krieges die fürsorgende Liebe der Heimat nicht zu verringern vermocht hatte. ────────── Stimmen aus dem Publikum. Die Redaktion übernimmt für Einsendungen unter dies« Rubrik dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.) Hittdenbutigstraße. Da im Magistrate kürzlich die Frage, ob das Betibindungsgäßchen zwischen der Papierer- und oberen Wöhr-Straße, das ist die Fortzsetzung der Schwimmschulstraße, künftig "Hindenburtzstrahe" zu benennen sei, zurückgestellt wurde, dieser Namen aber doch über kurz oder lang einer Straße zuteil werden wird, möchte zur Berücksichtigung die Umtaufe der Damm­ straße in ,Hindenburgstraße" vorgeschlagen werden. Gründe sind anzuführen: 1. Der untere Teil, der die Flutmulderechterseits begleitenden Straße, di« vormaligeWasserstvaße, ist erst vor ein paar Jahren in "Staudenraus-Strahe" umbenannt worden. Demnach bestehen nicht nur keine ortsgeschichitlich begründbaren Einwände gegen eineStraßen-Umtaufe dort, sondern letztere ist sogar, wie das Beispiel "Staudenraus" beweist, an­ gezeigt. 2. Liegt unterhalb der Dammstraße eine nach einem verdienten Manne (Staudenraus) benannte Straße, und liegt oberhalb von ihr auch eine (Savignh-Straße), so geziemt es sich wohl, die Dammstraße, als in der Mitte ge­ legen, mit dem Namen einer besonders hervor­ ragenden Persönlichkeit (Hindenburg) zu beden­ ken. Da noch dazu die Luitpoldsttiaße in die Dammstraße einmündet, so befände sich Hindenbutigs Straße in der allerbesten GeselÜtotst. i \ " 3. Mag Hindenburg auch dem ganzen Volke angehören, so stand und steht er doch zunächst dev Armee. Und die Verbindung zwischen Heeti und Dammstraße ist dadurch hergestellt, daß einerseits in letzterer der je­ weilige Kommandeur des hiesigen Reiter-Regi­ ments wohnt, anderseits DamMstraße und Flut­ mulde von Militär gar viel "betreten" werden, und zwar dienstlich betreten werden. 4. Die prächtige Lage der Dammstraße dürfte der Verleihung des Titels »Hindenburg auch nicht im Wege stehen. Nicht einer, den diese Sache nicht schlafen ließ, sondern einer, der diese Sache nicht schlafen lassen möchte. ────────── Letzte Posten. Ein Ministärrat in Rom. Sortiere della Sera meldet aus Rom: Für Samstag wurde ein Ministerrat einberufen, wo­ ran alle Regierungsmitglieder teilnehmen wer­ den. i ' ' ■ ; j Die Kriegsztete in der italienische« i i Kammer. | f j Das Btitil. Tgbl. meldet aus Kopenha­ gen: Nach dem Etrabladet meldet der Messag-gtiro, daß die italienische Regierung aus Ver­ anlassung der Sozialdemokraten die Erörte­ rung der Kriegsziele in der Deputiertenkam­ mer zulassen werde. Ti« rumänische Regierung auf der ! Flucht. i Nach französischen Meldungen siedlte bfe* rumänische Regierung nach Jassy über. Auch di« ausländischen Gesandtschaften folgten der Regierung nach Jassy. 1 Ministchwechsel in Griechenland. r Reuter meldet aus Athen: Der Kriegsmi­ nister hüt aus Gesundheitsrücksichten demis­ sioniert. General Hezzvpvulos, zur Zeit tot Korfu, wird an seine Stelle treten. Bßs zu. schners Ankunst werden seine Geschäfte vom Ministerium des Innern wahrgenommen. ! i Rückwitt des Kabinetts LamÄros. , Die Times lassen sich aus Achten berichtenr Da die Unterredungen des Admirals Fournet Mit König Konstantin zu keinem Ergebnis führten, will die griechische Regierung zurück­ treten, wenn der Monarch sich fernerhin wei­ gert, die Waffen auszuhändigen. (Z.) Eine Rückberufung des Kabinetts Sku, ludis. Die Times melden aus Bukarest: Der hiesige griechische Gesandte Psychas erklärte, daß die Rückberjusnng eines Kabinettes Skuludis in Betracht gezogen werden müsse, i I Mus Griechenland. , Die Morningpost meldet aus.Achen : Der vor einiger Zeit gebildete militärische Bund sorgte dafür, daß alle Kasernen sowie Waf­ fen- und Munitionsvorräte, die in den Athe­ ner Depots waren, nach Parnaß gebracht wur­ den. i , f [ . ßOO Pesrsonen durch einen Zyklon getötet. | Reuter meldet aus Bombay Bei einem Zyklon in Pondicharrh wurden 300 Personen getötet. Der Sachschaden ist bedeutend. ────────── Inserate. ────────── Bnut u. B erlag I. F. Aietsch, LandShut. flSet» antwortl. Redatteur g. 3B. Wagner, Landshut. ────────── Literarisches. Tie Illustrierte Kriegs-Chronik des Da­ heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen ge­ radezu aus dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chronikstil die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist es also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Velhagen und Klasing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Psg.) ────────── Bekanntmachung. Betreff: Städtischer Fleischderkaus im Hl. Geistspital. Um eine möglichst gleichmäßige Verteilung des fzur Verfügung stehenden Fleisches zu erreichen, wird hiemit angeordnet: 1. An jede Person wird höchstens ein Pfund FleischAabgegeben soweit der jeweilige Vorrat reicht. 2. Jeder Käufer hat seine Lebensmittelkarte vorzuweisen, auf welche die Fletschabgabe vermerkt wird. 2. Mißbrauch der Lebensmittelkarte, insbesondere Entleihung, hat bett Ausschluß vom städt. Fletschverkauf zur Folge. Landshut, den 30. November 1916. Stctö tmagiflrat Marschall. 2508 Schwarz.