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      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1916-02-04"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">69. Jahrgang Nr. 26</biblScope>
          <date when="1916-02-04">1916-02-04</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB Wien. 3. Februar, mittags, — Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Bojan scheiterte ein gegen unsre Vorpositionen gerichteter russischer Handstteich. In Ostgalizien und an der wolhhnischen Front wurde beiderseits rege Fliegertättgkeit Front wurde beiderseits rege Fliegertätigkeit. entfaltet. Eines der russischen Geschwader warf sechs Bomben auf Buezacz ab, wobei zwei Einwohner getötet und mehrere verhetzt wur*7 tl durch eine Bombe nordöstlich von Luck drei eben eingebrachte russische Kriegsgefangene. Unsre Flugzeuggeschwader belegten mit Erfolg die Räume westlich von Czartkow und nördlich von Zbaratz mit Bomben. Sonst stellenweise Geschützkämpfe. 4 Italienischer Kriegsschauplatz. Anfd^er lküstenländischen Front waren die Geschütz Kämpfe wieder an mehreren Punkten recht lebhaft. Am Dohneiner Brückenkopf erweiterjten unsre Truppen durch Sappenangriff ihreStelklungen westlich von Santa Lucia. In den vom Feind verlassenen Gräben wurden zahl­ reiche Leichen und viel Kriegsmaterial vortgesunden. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In Albanien vordringende österr.-Ungar/ Stteitkräfte -haben mit ihren Vor-ttuppen die I Gegend westlich von Kruja gewonnen. In Montenegro nichts Neues. Ter stellverttetende Chef des Generalstabesr v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. Ereignisse zur See. Am 25. Januar haben 5, ant 27. Januiar 2 und am 1. Februar 3 unsrer Seeflugzeuge Turazzo und namentlich die Zeltlager nächst Iber Stadt mit verheerender Wirkung bombarbtert und ffnd trotz heftrger Beschteßung durtch Landbatterien und Kriegsschiffe jedesmal unbeschädigt zurückgekehrt. . Am 2. Februar wurde Valona von drsei Seeflugzeugen bombardiert, dort Hafenanla­ gen, Flottanten und Zeltlager mehrfach ge­ troffen Im heftigen Feuer der Land- und Schiffsbatterien erhielt eines der Flugzeuge in den Motor zwei Treffer, durch die es zum Niedergehen auf dem Meere gezwungen wurde. Ter Führer der Gruppe, Linienschisfsleutnant Konjovic, ließ sich ohne Zögern neben das beschädigte Flugzeug auf die durch die Bora stark bewegte See nieder und es ge­ lang ihm, trotz des Feuers der Batterien auf Saseno und zweier mit voller Kraft herjanfahrender Zerstörer die 2 unversehrt geblie­ benen Fliegerofftziere in seinem Flugapparat zu bergen, das beschädigte Flugzeug gründ­ lich unbrauchbar zu machen und mit der dop­ pelten Bemannung gerade noch zurecht wieder aufzuffiegen und nach einem Flug von 220 Kilometer in den Hafen von Cattaro heil zu­ rückzukehren. Flottenkommando. Rene Bereinbarungen unter den Ententemächten. Im Echo de Paris verlangt Herbette, derf Vierverband solle sich in einem Nachttage zum Londoner Abkommen verpflichten, keinenFrieden zu schließen, der nicht die ökonomischen Rechte jedes einzelnen Staates gegen Teutschland verbürge. Auch müsse jeder neutstale - Staat, der sich Teutschlands Handelsplänen widersetze, der gemeinsame Schutz des Vier­ verbandes versprochen werden. Im übrigen zeigt sich in der Pariser Presse jetzt eine ge­ wisse Besorgnis wegen der Möglichkeit eines Wirtschaftsbundes der Zenttalmächte. Ein Ge­ genbund der so peripherisch gelegenen Vier­ verbandsländer sei kaum möglich, zuMal wenn England auch mit Anschluß seiner Kolonien in diesem Wirtschaftsbund bestehen sollte. (Z.) Rückkehr der verhafteten Konsnkatsbeamten von Saloniki. Innsbruck, 3. Februar. Tie in Salonitt verhafteten Beamten der österreichischen, bulgarischen und türttfchen Konsulate kehrten heute nacht, aus Frankreich kommend, über Innsbruck in ihre Heimat zurück. Tie deut­ schen Konsulatsbeamten nehmen den Weg über Lindau. Nach den Erzählungen der Beamten befinden sich die Konsuln selbst noch in fran­ zösischer Verwährungshaft, (nt.) Wildwest-Sitten in Portugal. Aus Lissabon kommende Reisende berich­ ten nach einer Havasmeldung, daß auf den Justtzminister mit Revolverschüssen ein An­ griff unternommen worden sei. Ter Mini­ ster habe sich ebenfalls mit dem Revolver ver­ teidigt. (Z.) Im Palast von Belem ist ein Brand aus­ gebrochen. In verschiedenen Stadtvierteln ex­ plodierten Bomben. Polizeiliche Nachforsch­ ungen führten zu der Entdeckung von Waffen, Bomben und Munition. — Laut Blättermel­ dungen wurden bei den letzten Bombenexplosio­ nen am Dienstag eine Person getötet und m#= rere verletzt. (Z.)</p>
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          <p>Gesteigerte Artillerietätigkeit im Westen. 2 feindliche Flugzeuge abgeschossen. — FliegerlSmpse in Galizien. — Der österreichischungarische Vormarsch ans Dnrazzo. — Fliegerangriff ans Durazzo «ud Valona; Heldentat eines österreichisch-ungarischen Fluggeschwader-Führers. — Die Erfolge des ZeppelinAngriffes auf Mittelengland. — Die kühnen Taten der "Möve". Im Westen entwickelten sich an vielen Stellen der Front, besonders in Flandern und bei Neuville lebhafte Artilleriekämpfe, die sich' zum Teil zu größter Heftigkeit steigerten. Bei Hulluch besetzten die Unsern zwei von den Engländern vor unsrer Front gesprengte Trich­ ter. In den Argonnen kam es zu Handgra­ natenkämpfen. Unsre Flieger schossen bei Peronne ein englisches und ein französisches Flugzeug ab. In Galizien und Wolhynien herrscht rege Fliegertätigkeit. Ein russisches Geschwader be­ legte Buczacz mit 6 Bomben, während öftere.Ungar. Geschwader die Räume bei Czortkow stnd Zbaratz bombardierten. An der italienischen Front erweiterten die österr.-ungar., Trjuppen ihre Stellung am Tolmeiner Brückenkopf. In Albanien haben unsre Verbündeten Kruja erreicht. Ter Vormarsch geht also rasch vonstatten. Auch die österr.-ungar. Flieger entwickel­ ten in der letzten Zeit eine lebhafte Tätig­ keit. Am 25. Januar ihaben 5, am 27, Ja­ nuar 2 und am 1. Februar drei ihrer See­ slugzeuge Durazzo und die militärischen Lager dort mit Bomben belegt. Ant 2. Februar erschienen drei ihrer Flugzeuge über Valona, das lebhaft bombardiert wurde. Hier voll­ brachte der Führer des Geschwaders eine kühne Tat, die den Heldengeist der österr.-ungar.! Marine kennzeichnet. Er ließ sich neben eines der Flugzeuge, das durch Treffes zum Nie­ dergehen gezwungen war, nieder, nahm die Offiziere des Apparates an Bord und flog trotz lebhafter Beschießung unversehrt nach Cat­ taro zurück. Der Luftangriff unsrer Zeppeline aufMittelengland hat, wie allmählich auch- in der feindlichen Presse durchsickert, gewaltigen Scha­ den verursacht. An Opfern wurden 59 Tote, Und 101 Verwundete gemeldet. Tie Gesamt­ zahl der abgewbrfenen Bomben soll 300 be­ tragen. ' Tie kühnen Taten unsrer "Möve" und auch die Ueberführung des "Appam" über die Atlantis nach Amerika macht in allen Län­ dern das größte Aussahen. Ein norwegischer! hoher Marineoffizier nannte die deutsche Flotte "die Flotte der unbegrenzten Möglichkeiten". Ha, die Taten einer "Emden", "Karlsruhe* it. cu und jetzt der "Möve" sind Tinge, denen | die feindlichen Flotten nichts Gleichwertiges entgegenstellen können. Ter russische Ministerpräsident Goremykin ist, wie es scheint, über den Protest des Tumapräsidenten gestolpert, der die sofortige Einberufung der Tuma gefordert hatte, der sich aber Goremhkin widersetzte, weil er allein regieren wollte. Freilich statt des von der! Tuma verlangten vermntwortlichen Mini­ steriums erhalten des Zairen liebe Russen ledig­ lich ein Kabinett Stürrmer, und ob sie sich damit wesentlich verbesssern, steht dahin. Ein anderer Faden, aber kaum eine wesentlich an­ dere Nummer. Ter Nastöe Stürimier darf über! den Mann nicht täuschen. Gewiß ist er wie viele sthr tüchtige "echte Russen" deutscher Ab­ stammung. Aber schon mit seinem Vornamen Boris Wladimirowßtsch bekundet er, daß er sich als Panslavist fühlt, als der er sich auch! immer und als der sich schon sein Vater auf­ gespielt hat. Vielleicht wird sogar das Ka­ binett Stürmer keinen langen Bestand haben, denn Herr Boris Wladimorlowitsch ist unlängst um Aenderung seines leidigen deutschen Na­ mens eingekommen und män wird vielleicht ihn bald als owitsch mit einem mehrsilbigen, unaussprechlichen Vorläufer begrüßen dürfen. Seiner Gesinnung nach ist er wirklich! ein echter; Russe, und es ist kennzeichnend, daß ebenso wie einst Goremhkin im Jahre 1895 seine Staatslausbahn als Minister des Innern auf Empfehlung des beriichtigten Pobjedonoszew, des Oberprokurators vom Heiligen Shnod, be­ gann, auch Herr Stürmer ein besondererSchützling des Heiligen Shnod ist, dessen vorletztem Oberprokuratov Gabler er seinen politischen Aufschwung verdankt. Im Reichsrat gehörte Stürmer der sogenannten Neidharjdt-Gruppe an, dessen Führer Neidhart ebenfalls ein russifizierter Teutscher ist, und welche eine ausge­ peilt panslavistische Politik vertritt. Trotz der unzweifelhaft reaktionären, panslavistischen Ge­ sinnung des bisherigen Reichsratsmitgliedes und Hofmeisters Stürmer ist anzunehmen, daß er es der Tuma gegenüber im Gegensatz zu Goremhkin mit einigem Entgegenkommen ver­ suchen dürfte, denn wenn man bisher glaubte, im reaktionären Fahrwasser "durchhalten" zu können bis zum Siege, so scheint man diese Hoffnung doch, was je auch! aus Ssasonows Rede zwischen den Zeilen zu lesen ist, allgemach als recht zweifelhaft anzusehen. Aber bis zu | einem wirklichen Umschwung, bis zu einer Er­ kenntnis der hoffnungslosen Sachlage und bis zu dem Entschluß, die Folgerungen daraus zu ziehen, sind die Tinge im Zarenreiche noch nicht gediehen, und so bedeutet dieser Kabinettswechsel sicherlich! noch keinen Systemwechsel. Man wird zunächst weiter wursteln, weiter abwarten, die Tuma, wenn man sie wirklich berufen sollte, nach Kräften kalt zu stellen suchen, die zunehmende Gärung im Volke weiter mit der Knute und mit Massenverhaftnngen dämpfen, bis der Selbstherrscher aller Reußen doch endlich! erkennt, daß, wer Wind sät, Sturm erntet, ob nun die Regierungssirma Stürmer heißt oder den NaMen des kommenden Mannes trägt, der zur Liqui­ dation des Weltkrieges berufen werden wird.</p>
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          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. | WTB. Berlin, 3. Februar: Mittags: (Großes Hauptquartier.)</p>
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          <p>Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern antwortete die gegnerische Artillerie lebhaft auf unsere in bbeiter Front durchgeführte starke Beschießung der Kind­ lichen Stellungen. Nordwestlich von Hulluch, besetzten wir 2 vor unserer Frbnt von den Engländern ge­ sprengte Trichter. In der Gegend von Neuville steigerte der Feind in den Nachmittagsstunden sein Artilleriefeuer zu größter Heftigkeit. Auch an anderen Stollen der Front ent­ wickelten sich lebhafte Arttllerie-, in den Ar­ gonnen .Handgranatenkämpfe. \ Unsere Flieger schossen ein englisches und ein französisches Kampfflugzeug in der Ge­ gend von Peronne ab. Drei der Insassen sind tot, der französische Beobachter ist schwer ver­ wundet.</p>
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          <p>Oestlicher Kriegsschauplatz. und BalkankrioftSschauPlatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung.</p>
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          <p>Der Luftkrieg. Zum Zeppelin besuch in Paris. Gens, 3. Febr. Ter Zeppelinangriff aus Paris führte in der vorgestrigen Sitzung der Kamwer zu Interpellationen, die laut betn! im Lyoner Progreß veröffentlichten KamMerbericht eine bewegte Tebatte hervorriefen. Der Pariser Deputierte Dejeante, dessen Wahlbe Listen unter beim! P^mibardement litt, ^ i , ... " ... I . f eröffnete bte Tebatte, bte der KrtegsmtnffteN unter Begründung ablehnte, daß die ge forderten Erklärungen über die Verteidigung | von Paris gegen Luftangriffe die Landesver* teidigung gefährdeten. Ter Deputierte Be? noist, den die Erwiderung Gallienis nicht beI friedigte griff die Leitung des Flugwesens | an, die unfähig sei. Er erklärte inmitten hes. tigen Lärms und großer Unruhe weiter, eine Regierung gäbe es nicht, da sie eine gerechtfer1 tigte Kritik durch Ausflüchte bekämpfe. Der Ministerpräsident, der durch diese Redewendüngen sehr aufgebracht war, protestierte heftig gegen die aufgestellte Behauptung, daß die Lustschiffährt unter einer Krisis leide. Die I Regierung könne derartige Anschuldigungen s unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht • dulden. Wenn das Parlament glaubte, daß die Regierung ihre Pflicht nur unvollständig i erfülle, so sei es besser, sie zu besei­ tigen, "als durch zweideutige Angriffe ihre Autorität zu untergraben und das Land zu beunruhigen. Wenn der Kriegs­ minister erklärte, daß er im Interesse derLandesverteidigung keine Auskünfte geben könne, müsse sich die Kammer fügen. Tie Annahmt des Vorschlages des Generals Pedoha, der Gal­ liens ersucht, dem zuständigen Ausschuß mor­ gen die gewünschten Erklärungen zu geben, beendet diese Tiskussion. (Z.) Ter Luftangriff aus Mittelengland. London, 3. Februar. (Reuter,) Taseng«. m . , _ , ^ , , , tische Kriegsamt veröffentlicht folgendes: "Ter vollständig ungenaue Bericht in dem amtlichen Telegramm aus Berlin über die Wirkungen des deutschen Luftschiffangriffes in der Nacht des 31. Januar bildet einen weiteren Beweis für die Tatsache, daß die Angreifer ganz außerstande sind, ihre Lage oder den Kurjs mit einiger Genauigkeit festzustellen. Eine An­ zahl von Fällen, in denen leichte Verwün- | düngen vorkamen, wurden außer den bereits 1 mitgeteilten Zahlen berichtet, sodaß jetzt fol­ gende Zahlen vorliegen: Tot 33 Mftnner, 20 Frauen und 6 Kinder, verwundet 51 Männer, 48 Frauen und 2 Kinder. Zwei Kirchen wurden beschädigt, das Ver­ sammlungslokal einer Pfarrgemeinde zerstört, 14 Häuser demoliert und eine große Zahl beschädigt. An zwei Stellen wurden die Eisenbahnanlagen nicht sehr schwer beschädigt. Nur zwei Fabriken, von denen keine militärischen Charatter besaß, und eine Braueriei wurden stark beschädigt, zwei oder drei andre Fabri­ ken leicht. Tie Gesamtzahl von BoMben, die bis jetzt entdeckt wurden, ist über 300. Viele fielen in ländlichen Gegenden nieder, wo gar kein Schaden angerichtet wurde. London, 3. Februar. (Reuter,) Aus nichtamtlichen Mitteilungen über den Zeppelin­ angriff aus England geht hervor, daß die Luftschiffe an der Küste von Norfolk um 5 MEjir nachmittags ankamen. Eines der Luft­ schiffe ließ die Botschaft fallen: Wir kommen später zurück. — Es war Dienstag früh 5 Uhr, ehe der letzte Zeppelin abfuhr. T-en meiste Schaden wurde in Staffordshire iM Jndusttiegebiet angerichtet. Hier wurden neun Denschen getötet und verwundet. Auf die erste Warnung von der Annäherung der Luft­ schiffe hin wurden die Lichter in den Thea­ tern und Lichtbühnen verdunkelt. In einigen wurden die Vorstellungen bei Kerzenlicht fort­ gesetzt. Unter der Bevölkerung herrschte keine Panik. Eine Bombe siel mitten in eine reli­ giöse Versammlung. Trei Frauen wurden ge­ tötet, viele verwundet. Eine andre Bombe fiel in einen Billardsaal tötete einen Spieler. In einer der Städte der Midlands wurden in einer Straße fast alle Häuser zerstört. Fünf Mitglieder einer Familie, Großvater, Groß­ mutter, Tochter und zwei Enkel wurden ge­ tötet. Ueber eine andre Stadt der Midlands die sofort in Finsternis gehüllt war und deren Trambahnverkehr sofort eingestellt wurde, fuhr der Zeppelin hin, ohne Bomben abZuwersSn. Tie Einwohner dachten, daß die Gefahr vor­ über sei und nahmen ihre normale Tätigkeit wieder auf. Um Mitternacht erschienen die Zeppeline wieder und ließen Bomben saften, die jedoch nur geringen Schaden anrichteten. Bei der Untersuchung vor dem Totengericht in einem Orte von Lincolnshire wies der Rich­ ter darauf Mn, daß 50 Bomben abgeworfen wurden, die aber nur drei Personen töteten. Aus einer anderen Depesche geht hervor, daß der Zeppelinangriff auch auf den Zugsverkelhr Einfluß hatte. Ein Lokomotivführer eines Schnellzuges ließ den Zug eine Stunde lang in einem Tunnel stehen, ein anderer Zug hatte mehrere Stunden nötig, um einen Abstand von 20 Meilen zurückzulegen Wieder ein an­ derer brauchte 12 Stunden für einen Abstand von 100 Meilen. Ter Lokomotivführer eines Zuges sah, wie ein Zeppelin immer wieder auf die Eisenbahnlinien Bomben warf. Ter Zug wurde nicht beschädigt. 22® Bomben abgeworfen. London, 3 Februar. Tie Agence Havas berichtet: Weitere Einzelheiten zeigen, daß die letzten Luftangriffe auf England sich auf eine weit größere Gebietsausdeihnung erstrekfen, als dies bei den frühleren Angriffen dev Fall war. Es wurden auch Bomben auf Nor­ folk geworfen. Tie Zahl der geworfenen Bom­ ben wird auf 220 geschätzt. Tias dunkle London. Tailh Expreß berichtet, daß sich am Mon­ tag nicht weniger als 11 tödliche Straßenbahnunfälle in London ereigneten, die alle auf die übermäßige Verdunkelung der Straßen­ beleuchtung zurückzuführen sind. Unter den von Sn Unfällen Betroffenen befinden sich 3 Soldaten, ein älterer Geistlicher und ein 12jähriges Mädchen. (Z.) Tie Zeppelinopfer in Saloniki. Wie Tailh Ghronicle aus Saloniki be­ berichtet, hatte der letzte Zeppelinflug den Tod von 21, und die Verletzung von 28 Personen verursacht.</p>
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          <p>Der Krieg zur See. Ter Eindruck tut Ausland. Newhor k, 3. Februar. Tie amerikani­ schen Zeitungen sprechen ihre lebhafte Bewun­ derung für das unbekannte deutsche Kaperschiff aus, das den englischen Dampfer "Appam" auf­ brachte und nach der Kaperung als Hilfsschifs verwendete. Tie "Appam" werde voraussicht­ lich interniert werden. Turch diesen Zwischen­ fall treten die anderen Fragen der Schiffahrt in den Hintergrund. Kopenhagen, 3. Februar. Tie Nach­ richt von der Tat der "Möve" erxegt in Dänemark lebhaftes Erstaunen und wird von den Zeitungen mit riesengroßen Ueberschristen ge= m ^ " bracht. "Extrabladet" schreibt: Die Tatsache,rserlle verlegen daß ein deutscher Hilfskreuzer die englische $ Blockadelinie passieren und große englische Handelsschiffe kapern konnte, hat im höchsten Made überrascht. Die Deutschen haben hiev ein großes Kunststück ausgeführt und den Eng­ ändern den Rang als Beherrscher' des Welt­ leeres wieder einmal streitig geMsacht. - "Ser, lingske Tidende" sogt: Die Tat der "Möve" war überaus kühn und erinnert an die Wikingerfckhrt der "Emden". Rühmend Müsse hervorsgdyoben werden, daß der Kapitän der "Möve" ebenso wie der Führer der "Emden" die Be­ satzungen und Passagiere der gekaperten Dam­ pfer human behandelt habe, was um so be­ merkenswerter, ja bewundernswerter sei, als die "Möve" nur ein Keines, langsam fahren(Z.js I Der Stadthaus imann als F. xv des des Schiff ist. * f l ian *“'• 3 ‘ Ibruar Ern wkto* hat eine äußerst wertvolle Ladung dorntest «SK* sagte m einem der ^tteman Müsse heute die deMsche Marine "Flotte der unbegrenzten Möglichkeiten" nennen Ter britische Botschafter ersucht um Freigabe der "Appam". Washington, 3. Februar (Reuter,) Der britische Botschafter ersuchte in aller Form um die Freigabe der "Appam" auf Grund der Haager Konvention Ter U-Biootskrieg. London, 3. Februar. Lloyds meldet: Ter britische Dampfer "Belle of Franee" wurde versenkt. Tie europäische Besatzung und 22 Laskaren wurden gerettet, 19 Laskayen wer­ den vermißt. Ein schwedischer Tampfcr aufgebracht. Karlskrana, 3. Februar. (Meldungdes Ritzau-Büros.) Ter schwedische Dampfer "Pre­ sto" mit Stückgut von Götebourg nach StockHolm unterwegs, wurde von einem deutschen Tampfer aufgebracht und nach Swinemünde übergefiihrt. Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie Willkür der französischen Zensur. Genf, 3. Febr. Der Deputierte Emile Constant benachrichtigte den Präsidenten bey Kammer, daß er die Regierung über die Will­ kür der Zensur interpellieren werde und die Erörterung seiner Interpellation in der Sitz­ ung am nächsten Tonnerstag fordere. (Z.) Tlie montenegrinische Residenz nach! Marseille »erlegt. Bern, 2. Febr. Wie der Temps meldet, wird die kgl. Familie von Montenegro ihre Residenz von Lyon nach Marseille verlegen. Vom östlichen Kriegsschauplatz. Russische Beurteilung der Kriegsdaner. Wien, 3. Februar, In einem Artikel in der Nowoje Wremja erkläpt Menschikow, nach Ansicht der Militärautoritäten werde der Weltkrieg zweifellos im diesjährigen SomMer sein Ende finden. Tie militärische Energie und die technische Ausrüstung der Zentral­ mächte sei geeignet, allgemeines Erstaunen zu »erwecken. Dennoch müsse Rußland fest und ge­ duldig bleiben. Tier Stadthanz utmtn als F. Pöbels. Rjetfch schreibt: Ter Bericht des Sena­ tors Kraschenikoff über die Maiunrchhen in Moskau macht einen peinlichen Eindruck, weil daraus hervorgeht, daß der Stadthauptmann von Moskau, Adrianoff, mit entblößtem» Haupt Der Stadthanmann als Z. der des Pöbels. Rietsch schreibt: Der Bericht des Senators Kracheikoff über die Maiunruhen in Moskau macht einen peinlichen Eindruck, weil daraus hervorgeht, daß der Stadthauptmann von Moskau, Adrianoff, mit entblößtem Haupt dem plünderden Pöbel voranging. Adrianoff soll deshalb zur Verantwortung gezogen werden. (Z.) Russische Goldnot. Bei uns ist bei dem weitaus größten Teil der Bevölkerung von Anfang an ein Ver­ ständnis für die Auslieferung des Goldgeldes an die Reichsbank vorhanden gewesen. Das Vertrauen in durch gewaltige Siege noch strah­ lender erscheinende deutsche Kraft, die den Ge­ danken an ein Unterliegen mit leichter Hand­ bewegung sich fernlhalten durfte, hat die letz­ ten Eiskrusten im patriotischen Herzen des Bürgers aufgetaut: er empfand es als Schmach, Goldstücke im Hause zu besitzen. Ter unbe­ queme Verkehr mit Papiergeld hatte : während dieser ersten Wochen und Monate bereits das hemmende Trägheitsgefühl überwunden, der "Geldbeutel" blieb den Nickel- und Silbermünzen vorbehalten, während auch der ein. | fache Mittelstand sich an den Gebrauch! einer ■— - - ] Papiergeldtasche gewöhnte. Selbst die Kreise, | die mit einer gewissen Hartnäckigkeit den Gold’ besitz immer noch als sichersten Schütz gegen Der wilde Wussow. »Oman von Horst Bodemer. 21] (Nachdruck verboten^ "Tanke, Herr Vetter! Auch für die schönen Rosen. Aber schicken Sie mir, bitte, keine mehr!" "Nanu", polterte der Major los. Wussow schnitt ihm das Wort schnell ab. "Ganz wie Sie befehlen, Frau Base!" Und dann sahen sie sich den Jungen an. Er schlief in seinem Betichen. Grete hatte sich in ihren Zorn verbissen, bis an die äußerste Grenze ging sie. "Schon wegen des Geredes der Leute wird es gut sein, Herr Vetter, Sie stehen Pate!" Aber da kam sie bei ihm an den Rechten. "Lassen Sie die Leute reden, Frau Base, ich verzichte!" » Das ging dem Major doch über die Hut­ schnur. "Ta hört ja doch der Gurikenhandel auf! Was ist denn in Teibelsnamen los?" Se!hr von oben herab sagte Wussow: "Tie Frau Base ist heute ungnädig. Ich bin an­ scheinend doch noch zu früh gekommen. Also Verzeihung, ich werde mich sofort zurück­ ziehen. Alles Gute, Frau Base!" { Fort war er. Ter Major stand mit offenem Munde mit­ ten im Zimcher. "Grete, wo hast du deine Erziehung gelassen?" Sie guckte die Slchseln. "Ihr beide seid Vormund des Kindes. Ich selbst brauche keinen mehr." "Na, adieu auch! — Nu kann itch schleunigst den Schaden wieder einrenken. Ich kenne Tin­ ge, die mir mehr Vergnügen wachen!" Als er die Diele betrat, fuhr Wufsowj gerade fort, die Traberstute mußte tüchtig ausgr eisen. "Teufel auch, der hats eilig," brummte Dankersbach, ging in sein Zimmer und schMietterte die Tür hinter sich zu. Dreimal mußte er zu Wussow nach Stolp fahren, bis der endlich einwilligte, Pate zu stehen. Als er seine Zusage gegeben hatte und der Major wieder fort war?, lachte der Rittmei­ ster laut auf. "So ist's recht! . . , Mich führst du nicht hinters Licht, Grete! Wehr' dich nur tapfer, ich zeige dir, wenn du's durchaus haben willst, doch die Zähne — und ich bin ein Mann!" » O * In Lenzgrün und weißen Blüten prangte das Land. Grete von Blottstedt saß im Garten, ne­ ben ihr stand der Kinderwagen, in dem bey Kleine schlief. Pferdegetrappel wurde hörjbar, auf einem wunderschönen, koketten Apfelschimmel kaßnl Wussow angeritten, dahinter mit drei Pferde­ längen Abstand der Reitknecht. Mitten aus dem Hofe schwang sich der Rittmeister aus dem Sattel und ka!M langsam aus die Gartenpforte zu. Er mutzte Grhte wähl bereits entdeckt haben. Selten genug hatte er sich sehen lassen, und dann hatte er seinen Besuchen immer ein geschäftliches Mäntelchen umgehangen. Auch in Blottstedt selbst war er ihr einmal begegnet, als sie vom Grabe ihres Mannes kam. "Guten Tag, Frau Base!" Er küßte ihre Hand. "Pst, nicht so laut, das Kind schläft!" Ter Kleine war bereits munter gewor­ den, benahm sich aber sehr artig und spielte mit seiner Klapper. Wussow schlug die Vorhänge des Kin­ derwagens zurück und zog sich den rechten Handschuh aus. "Na, kleiner Kerl!" Mit dem Finger krab­ belte er ihn am Kinn. "Lach Wal, los!" ' Aber der griff mit beiden Händchen nach ; dem Finger und steckte ihn in den Mund. Tic kühmen Taten der "Möve". An Meldungen liegen folgende vor: In einer Depesche der "Times" aus Nor­ folk wird noch behauptet, das Kaperschiff sei die Avisojacht "Möve", die als Trampdampser (Frachtdampser) maskiert wär und sich der "Appam" unter englischer Flagge näherte, dann die deutsche Flagge zeigte; gleichzeitig wurde die falsche Schifsswand, die der "Möve" das Aussehen eines Frachtdampfers verlieh, her- I abgerissen und es zeigte sich die volle Besetzung mit Kanonen. Tie "Möve" soll aus Kiel gekommen und durch die Linie der englischen Flotte in der Nordsee in den Ozean geschlüpft sein. ' Kristiania, 3. Februar. Tie Kapersfahrt der "Möve" erregt, wie aus London berichtet wird, in Schiffahrtskreisen größtes Erstaunen, da man es allgemein für unmöglich hielt, daß der britischen Flotte als Herrin des Atlantischen Ozeans ein deutscher Hilfskreuzer entgehen könne. Daß dieser noch dazu einen großen Passagierdampfer wie die "Appam" Aber den Otzean entführen konnte, ohne von den Aberhunderten britischen Wachtschisfen bemerk zu werden, ruft große Bestürzung hervor. Rotterdam, 3. Februar. Die "Appam" lief in Amerika ein als deutsches Kriegsschiff unter der Bezeichnung "S. M. S: Appam": Sie war in ausgezeichneter Verfassung und hat eine äußerst wertvolle Ladung dorntest eine große Menge Kakao. Leutnant Berg, der Kommandant, ein kleiner schichtiger Herb, erzählte lächelnd von der Reise. Das Schiff, ‘ dessen Nahme er nicht nennen wolle, sei fünf Monate lang hart an der Arbeit gewesen. Wir waren, so sagte er, nur eine Meile von demHafen von Dakar (Westafrika) entfernt, getrauten uns aber nicht hinein und blieben daher in der Nähe, um die "Mppaw" zu er­ warten. Unsere Hoffnung, dieses Schiff zu erwischen, sank, als sein Erscheinen sich! ver­ zögerte, aber die "Appam" erschien dann doch noch. Wir haben die Fahrgäste mit großev Freundlichkeit behandelt und ihnen alle Be­ quemlichkeiten bereitet; die von einem anderen Schiffe geholten Verwundeten wurden von der Mannschaft gepflegt. Unser Plan war, nach Newyork zu gehen, aber wir erfuhren, daß Leichterschiffe sich in der Nähe von Newhork aufhalten und steuerten deshalb aus Norfolk. Tort hätten wir bereits am Sonntag eintreffen können, wir machten aber einen Umweg um das Kap Virginia. Wir trafen keine englischen Kreuzer, dagegen mehrere Handelsschiffe, die wir leicht hätten erbeuten können, doch wäre dadurch unser Eintreffen in Norfolk gefährdet gewesen. Unter den Passagieren sind 5 Kin­ der und 20 Frauen — alle wohl.</p>
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          <p>etwa hereinbrechendes persönliches Unglück an­ zusehen pflegten, sind immer m!ehr von der Grundlosigkeit dieser Vorstellung überszeugt worden und haben ihre Goldschätze demReichsbestande zugeführt. Im russischen Kulturchaos mußte die gleichzeitig erfolgende Forderung der Goldablieferung notwendig andere Aeu­ ßerungen hervornufen. Wie soll die Masse dieses Volkes, dem das Mindestmaß pädago­ gischer Sorgfalt von jeher zuteil geworden ist, das nur als Arbeitstier, als "Seele" bis vor/ kurzer Zeit von den Aristokraten gezählt wur­ de, Verständnis für Forderungen entwickeln, die soweit über das augenblickliche Interesse des Einzelnen sich erheben? Was bei ans Ausnahme-war, mußte dort die Regel stellen, zumal jeder Anlaß zur Begeisterung durch nur versteckt sich durchsetzende Nachrichten von Nie­ derlagen und manche drakonische Maßregel von vornherein genommen wurde. Alle Agitation konnte das Mißtrauen gegen den Papierrubel nicht überwinden. Es ist deshalb von beson­ derem Interesse, zu erfahrnen, welche Leiden­ schaft an die Stelle der Vaterlandsliebe zu treten und -diesen 'Berg von Verstocktheit zu überwinden vermochte. Im Gouvernement Odessa, so berichtet die "Gegenwart", hatte das unstille Verlangen nach Wutki in den Köpfen der Bauern das Gedankenbild plötzlich zur ver­ bürgten Tatsache werden lassen: der Verkauf von Wutki ist wieder erlaubt worden, doch nur gegen Bezahlung in Gold. Wer könnte widerstehen? Und so zogen die Bauern scha­ renweise mit dem twt! Pelze eingenähten Gold in die Stadt, voll ungetrübter Freude mit ders lange und ganz iheimlich selten zu Gast ge­ wesenen Freundin, dem "Wässerchen", ein freies ungekürztes Wiedersehen feiern zu bürgten. Jetzt brach aber das Verhängnis schwer über das kurzsichtige Volk hierein. Die Stadt wußte von der Verordnung nichts, glaubte aber den Leuten das nochmalige Schleppen des schweren Metalls ersparen zu müssen und händigte ihnen bequeme Papierrubel aus. Tie Einwohiner dreier Gemeinden hatten bei dieser Gelegen­ heit 11 000 Rubel in Gold hinterlassen. Bürge für diese Geschichte, hinter der übrigens aiuchi ein listiger Beamter stehen mag, ist die riussische Zeitung "Utro Rossh". Nicht minder Ibezeichnend, jedoch weitaus niedriger ist das Ver­ halten der russischen Kapitalisten, hinter deren Namen auch mancher Großfürst das staatliche "Lebensinteresse" verfechten mag. Diese ver­ suchen ihre flüssigen Mitteln in allen anderen, nur nicht in Rubelnoten oder in russischen Anleihen anzulegen. Sie kaufen Juwelen und andere bleibende kostbare Gegenstände auf oder haschen der Staatsbank durch günstige Ange­ bote große Mengen Goldes weg. Mach dem "Tjen" Ihat zur Zeit der Unterschied zwischen dem Preis, den die Reichsbank zahlt, und der privaten Angebote bereits die Höhe von 40 bis 50 Kopeken bei einem Solotnik Gold er­ reicht.</p>
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          <p>gen schon bei, hübsch' nach, und nach — patz du nur auf." ^ Wie es kam, wußte Grete selbst nicht. Später ihat sie sich über ihre Woche geärgert, es fuhr ihr nur so herlaus. "Nun, das hat noch lange Zeit. Bis da­ hin werden Sie verheiratet sein und Wich­ tigeres zu tun haben." , "Wohl möglich. Aber eilig hab' ich,'s mit dem Heiraten wirklich nicht." Er sagte es leichthin und sah auf den Hof hinüber. Darüber war sie heillos froh', denn jähe Röte war ihr ins Gesicht gestiegen. Wie hatte sie nur solchen Unsinn reden kön­ nen! Nach einer Minute richtete er sich, auf und gab dem Kinde seine Klapper in die Händ­ chen. "So, amüsiere dich ein bischen allein, ich hab' mit dein« Mama noch etwas zu be­ sprechen. — Frau Base, 'hoffentlich' zieh' ich! mir nicht Ihre Ungnade zu, aber ich möchte Ihnen den Vorschlag machen, nun Ihren Wohn­ sitz wieder nach Blottstedt zu verlegen. Sie haben da mehr Platz, int Stand müß.das Schloß doch gehallten werden, und dann ist's Joachim'kes Erbe. Es dauert ja noch einige Zeit, bis er die ersten Eindrücke aufnimmt, iimßneck- Wussow lachte. Grete war aufgestanden und stand dicht neben ihm. "Frau Base, da Haben Sie den echten Blottstedter! — Sehen Sie nur, wie er zukkelt! — Ja, wir sind ein trinkfestes Ge­ schlecht!" - i • Er ließ dem Jungen den Finger und sah Grete an. "Das wäre doch noch zu früh!" sagte sie lachend. Ta drohte er dem Kleinen mit der freien Hand. Joachimke, da hast du die Be­ scherung! Alles zu seiner Zeit. Also gedulde dich noch ein Weilchen und plärr nicht gleich los!" Gretes Blick hing an Wussow. Tie Früh­ lingssonne hatte ihn dunkel gebrannt, um so stärker schimmerte an seinen Schläfen das graue Haar, die "Krähenfüße" waren tiefer gewor­ den. Alles das um meinetwillen? fuhr es ihr durch den Kopf. Und wie er seinen Mei­ nen Neffen ansah, so weich, so liebevoll — wahrhaftig, seine braunen Augen schimmer­ ten feucht. Immer noch' hatte er ihm! seinen Finger gelassen und redete mit leiser Stimiltte auf ihn ein. ; "Wenn du erst größer bist, mein Junge, dann bringt dir dein Onkel das Humpenschwin- hin, wenn Ihnen das Opfer nicht zu groß erscheint, bringen Sie es." Einer Antwort wurde Gckete überhoben, denn ihr Vater kam. "Guten Tag auch, Wussow Blotfftedt! Wo­ her haben Sie denn den wunderschönen: Schim­ mel?" Reineweg zum Verlieben sieht der aus!" "Aus Paris mitgebracht — Araberblut!" "Aus Pa-ris?" "Ja, ich war 8 Tage dort." Herrgott, wie hat's die Welt doch heut­ zutage gut. Unsereiner hat anno siebzig bei Schnee und Eis davor gelegen und sichi die Zehen erfroren, und als die Leutchen da drin­ nen keine Ratten mehr hatten und sich über­ geben mußten, konnt' ich mir die sogenannte Weltstadt auch nicht ansehen, denn unser Re­ giment jagte da ganz im Osten bei Schnee und Eis die letzten Franzosen über die Schweizer Grenze." Wussow verschränkte die Arme über der Brust und wippte mit den Fußspitzen. "Aber schön war's doch, Herr Majop — wie? So in der Jugend — den Säbel in der Faust — "Ach ja! Das war keine so pflaumMweiche Zeit wie 'heute!" ' !</p>
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          <p>Am Balkan. Tie Beute in Montenegro. Wien, 3. Februar. Aus dem Kriegs­ pressequartier wird gemeldet: Tie Zahl der in Montenegro abgelieferten Geschütze und Ge­ währe erhöhte sich noch. In Skntari wurjden noch zwei Geschütze, 4 Maschinengewehre und viele Gewehre serbischer Provenienz erbeutet. In San Giovanni di Medua wurde viel Kup­ fer, Messing und Aluminium vorgefunden. Ter Feind hatte vor Räumung des Hafens einige Transportschiffe mit Lebensmitteln versenkt. (Z.) : Effad Pascha au der Arbeit. Im Hasen von Reggio-Calabria sind nach dem "Carriere" 170 gefangene Albanesen ein­ getroffen, die Essad Pascha festnahmen ließ, angeblich weil sie in österreichischem Solde stan­ den. Wichtige Unterredung mit General Sarrail. General Cordol ist hier im Aufträge des französischen Generalstabes eingetroffen. Eh hatte bereits einige Unterredungen mit Ge­ neral Sarrail, denen man wichtige Bedeutung beimißt. Unstimmigkeiten der rumänischen Regie­ rung. Universul meldet: Die UnstimMligkeiten im Kabinett Bratianu sind aus Meinungsver­ schiedenheiten im Getreideexport zurückzufüh­ ren. Verschiedene Minister erklärten den deut­ schen Standpunkt für berechtigt, daß der Ge­ treideverkauf an den Vierverband einen un­ freundlichen Akt Rumäniens den Mittelmäch­ ten gegenüber darstelle. Wegen dieser Gegen­ sätze würde Bratianu eine Umbildung seines Kabinetts vornehmen und die neuen Mäntter der gemäßigten konservativen Partei entneh­ men. &lt;Z.) L</p>
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          <p>Die Türkei im Kriege. Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 2. Februar. Das Hauptquartier teilt mit: An der Tardanellenfront warf am 31. Januar ein Kreuzer auf dep Höhe von Tekke Burun 12 Granaten auf die Umgebung von Sedd il Bahr und entfernte sich dann. Von den anderen Kriegsschauplätzen liegt feine wichtige Nachricht vor.</p>
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          <p>Der Krieg mit England. Tie englische Wirtschaftspolitik. Hamburg, 3. Februar. In deib Lon­ doner Guild Hall fand unter dem Vorsitz des Lordmajors eine gutbesuchte Versamwslung statt. Verschiedene Redner sprachen über Eng­ lands Handel nach dem Kriege. Die Lon­ doner Handelskammer reichte eine Entschlie­ ßung, n in, die einstimmig angenchnimlen wurde. In ihr wird die enge Zusammenarbeit von Handelskammern, Regierung und alle sonstigen Körperschaften zur Verteidigung und Ausbrei­ tung der englischen Handelsinteressen, sowie die Errichtung eines besonderen Ministeriums des auswärtigen Handels verlangt, das alle Maßnahmen für eine großzügige, weit voraus­ schauende nationale englische Handelspolitik zu treffen hätte. Aus der Versammlung toarfen die bedeutendsten Persönlichkeiten des Han­ dels, der Industrie, der Finanzen und des Schtffährtswesens Zugegen. (Z.)</p>
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          <p>Tages-Uebersicht. Entgleist ist der Schnellzug von Calais nach Paris bei St. Denis. Die Zahl der bei der Entgleisung des Schnellzuges .Verunglück­ ten beträgt 10 Tote und 15 Verletzte. Ter Schnellzug von Calais, welcher den Bahnhof um 7 Uhr abends verlassen sollte, hatte eine Viertelstunde Verspätung und 80 bis 90 Ki­ lometer Stundengeschwindigkeit, als er jenseits des Bahnhofes an der Brücke entgleiste. Tie Lokomotive stürzte nach links um, der Tender und der Packwagen schoben sich ineinander. Der ihnen folgende Wagen 1. Klasse wurde zerdrückt, ein Wagen zweiter und drei Wagen 3. Klaffe stürzten gleichfalls nach links um, die drei Schlnßwagen nach rechts. Sie bilden einen unentwirrbaren Haufen von Eisentei­ len. Fast augenblicklich fingen die Gasbehälter Feuer und binnen kurzem brannten- alle Wa­ gen. Die Feuerwehr -von St. Denis kam zuerst tzu Hilfe, sodann Truppen und Fabrikarbeiter!. Die Schwerverletzten wurden nach St. Denis, die übrigen mit der Eisenbahn nach Paris gebracht. Tie Toten wurden aus dem Bahn­ hof geborgen.</p>
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          <p>schreiben, in dem er mitteilte, daß der Betmg zur Unterstützung der Angehörigen der Mann­ schaft verwendet wurde. Im Finanzausschuß der Abgeordnetenkam­ mer wurde der Kultusetat behandelt. Ein Redner wandte sich u. a. gegen den Gedanken eines Reichsschulamtes und einer nationalen Einheitsschule und warnte davor, aus den Kriegserfahrungen zu weitgehende Folgerun­ gen für die Umgestaltung des Schulwesens nach der technisch-realistischen Seite zu ziehen. In den Schülern sei das Verständnis für die Zu­ sammengehörigkeit aller Schichten und Stünde zu wecken und Selbständigkeit, Verantwortungs­ gefühl und Verantwortungssteudigkeit zu Pfle­ gen. Das Auslandsschulwesen sei zü fördern.. Bei der Vereinfachung der Staatsverwaltung könnten wohl einige Mittelschulen aufgehoben werden. Anerkennung verdiene die Tätigkeit der Gymnasiallehrer bei der Kriegswohlfahrts­ pflege. Tas Vorrücken der Schüler, während des Krieges dürfe nicht allzu milde gehändhabt werden. Tie .Einführung des Eltern­ rates sei neben den schon bestehenden Ein­ richtungen entbehrlich. In der Frage der Ein­ heitsstenographie müsse gebührende Rücksicht auf das bewährte .System Gabelsberger genom­ men werden. Ein anderer Redner warnte davor, aus den Kriegseindrücken ihexaus vor­ eilig grundlegende Aenderungen vorzunehmen. Tas 'humanistische Gymnasium habe iM Kriege bewiesen, daß es in nationalem und fortschritt­ lichem Sinne das Beste leiste und wesentlich zu der Ueberlegenlheit des deutschen Volkes beitrage. Bei der Minderung der Mittelschu­ len dürfe das Interesse der kleinen Städte und der Landbevölkerung nicht außer acht gelassen werden. Tie Zulassung zu den Mittelschulen nach vollendetem dritten Volksschuljahre sei verfrüht. In längeren Ausführungen ging der Kultusminister Tr. v. Knilling auf die Aus­ führungen der Vorredner ein. Er erklärte uJ o., daß der Geante eines Reichsschulamtes weder von der Reichsleitung angeregt sei, noch der Reichsverfassung und der kulturellen Ent­ wicklung in Deutschland entspreche. Der beste Freund des humanistischen Studiums sei der, der eine tunliche Anpassung an die zeitgemä­ ßen Anforderungen erstrebe. Tie Nutzbar­ machung der bereits eingeleiteten Sammlun­ gen hervorragender Kriegstaten in Bayern für den Unterricht werde sich das Kultusministeri­ um angelegen fein lassen. Tas Gedächtnis der Gefallenen und der Helden der Anstalten (Lehrer und 'Schüler) solle durch Ehrentafeln in den Anstalten heilig gehalten werden. Ter Minister machte weiter längere Ausführüngen über das Vorrücken und den Studienab­ schluß der ins Feld gerückten Schüler. Nicht empfehlenswert hielt er die Festsetzung einer Höchstzahl von Schülern, um dem übermäßigen Zustrom zum Studium zu 'hindern. Hier Müsse sich vor allem in den Elternkreisen eine ge­ sunde Einsicht Bahn brechen. Die Kosten für Lehrmittel suche die Unterrichtsverwaltung möglichst niedrig zu !halten. Der Elternbeirat sei noch nirgends eingeführt. Der vom sog., Treiundzwanzigerausschutz festgestellte Ent­ wurf einer Einheitsstenographie trage keinen offiziellen Gharakter. Tie Entscheidung über die Einführung in unveränderter oder ver­ änderter Form liege bei den einzelnen Bun­ desregierungen. Tie bayerische Regierung !halte daran fest, daß das Gabelsbergersche System der künftigen deutschen Einheitsstenographie zugrunde gelegt werde. In der gestrigen Sit­ zung betonte ein Redner, alle drei Mittelschu­ len hätten im Krieg ihr ExistenzrÄcht erwiesen. Bedauerlich sei der vielfach aufgetretene Kampf gegen die realistischen Anstalten. Tie neue Schulordnung dürfe nicht als unabänderlich gelten. Anzustreben fei eine gewisse Gleich­ mäßigkeit der vielgestaltigen Lehrpläne der hö­ heren deutschen Schulen; dazu brauche man aber kein Reichsschulamt. Ein anderes Mit­ glied betonte u. a,, daß dem gesamten Volks­ schulwesen von der Volksschule bis zur Hoch­ schule die geistige und sittliche Kraft des deut­ schen Heeres zu danken fei. Redner wünscht weiter, daß dem Musikunterricht an den höhe­ ren Lelhranstalten mehr AusmeckkswMleit ge­ schenkt werde. Ein weiterer Redner betonte u. a. den Wert der Singkunst für die Schülertz Bei diesen müsse auch der nationale Stolz ge­ pflegt werden. Ein weiterer Abgeordneter er­ klärte, der berechtigte Nationalstolz müsse sich von Nationaldünkel unterscheiden. Tie Feldzugssoldaten sprächen mit Achtung von ihren Gegnern. Ten Elternbeirat sollte man nicht vor der Einführung verurteilen. Tas Ein­ trittsalter für die Mittelschüler sollte wieder erhöht werden. Kultusminister Tr/ v. Knil­ ling erklärte, daß man allen Grund habe, den Lehrern und Schülern aller höheren Lehr­ anstalten wie auch den Lehrern der Volksschu­ len und den aus den Volksschulen Hervorge­ gangenen Männern den wärmsten Tank auszusprechen. Tie Aushebung kleinerer Anstalten werde nicht zu umgehen sein. Tie neue Schul­ ordnung solle nicht unwandelbar sein. — An­ genommen wurde der Antrag Winsauer betr. Erreichung des Studienzieles von Kriegsteilnchmern unter den Schülern der höheren Lehr­ anstalten. 2icr Rächer seiner Ehre. Unter der An­ klage des Verbrechens des Todschlages hatte sich am Mittwoch der prakt. Arzt Tr. Richard Strauß von Wien vor dem Oberbayerischen Schwurgericht zu verantworten. Strauß hei­ ratete im Jahre 1913 seine Ehefrau. Diese hatte bis dahin ein Liebesverhältnis mit betol Kaufmann Philipp Weiß, das sie nach ihrer Verehelichung heimlich fortsetzte. Bei KriegsausbruH wurde Tr. Strauß als österreichisches , Militärarzt eingezogen, im TezeMber 1914 faitttl ; er aus dem Feld krank zurück und da gestand ihm seine Frau, daß sie ihre Beziehungen mit Weiß enger geknüpft habe. Während der Ab­ wesenheit des Tr. Strauß lebten die beiden als Eheleute zusammen. Tr. Strauß kaM in große Aufregung, er stieße Dcko'hungen gegen den Störer feines Eheglückes aus, versöhnte sich aber wieder mit seiner Frau und zog aM 1. Februar abermalss ins Feld. Ein Monat später war seine Fraru wieder Zimmergenossin des Weiß. Am 15: , Juni 1915 fiedelte Frau Strauß mit Einwilliigung ihres Mannes nadj 1 München über, um Malstudien zu treiben. Auch hier kam sie mrit Weiß ßufamfmlen. Tr.l Strauß, der zur Erholung nach Baden bei Wien kam, mußte hier von seiner Frau er­ fahren, daß sie die eheliche Treue wieder ge­ brochen lhabe. Weiß, der sich damals in Mainz aushielt, kam nach Wien. Es kam zwischen ihm und Tr. Strauß zu einem stürmlischen Auf­ tritt und Weiß verpflichtete sich, von der Frau des Tr. Strauß Au lassen. Am 4. September wurde Tr. Strauß einem Feldspital zugeteilt, seine Frau siedelte wieder nach München über und nahm wieder ihre ehebrecherischen Be­ ziehungen mit Weiß aus. Ter betrogene Ehe­ mann willigte in den Vorschlag der Eheschei­ dung ein, verlangte aber vorher' den Weiß zu sprechen wegen des zu erwartenden Kin­ des. Weiß kam nach München und dort kam es im Hotel Exzelsior zur Tat. Dr. Strstuß verletzte Weiß durch zwei Revolverschüsse der­ art, daß er alsbald verstarb. In der Verhand­ lung gab Tr. Strauß ein erschütterndes Bild «seiner Ehe. Auf Antrag des Verteidigers Ju­ stizrates Dr. Bernstein wurde eine Reihe von Briefen verlesen, die Frau Strauß im höchsten Maße kompromittierten und aus denen her­ vorging, daß sie schon bald nach der Hochzeit die eheliche Treue gebrochen habe. — In der gestrigen Schlußverhandlung verneinten die Geschworenen die Schuldfrage. Ter Staatsrmwcklt beantragte hierauf Freisprechung und Einziehung des Revolvers. Tas Urteil lautet dem Wahrspruch der Geschworenen entsprechend auf Freisprechung. Ter Haftbefehl würde auf­ gehoben, Revolver und Patronen werden dem Angeklagten zurückgegeben. Nach Verkündigüng des Urteils erwartete die Mutter des Angeklagten aus dem Gange ihren Sohn. Das Wiedersehen war ergreifend. Tier Bayerische Krankenkassenverband hat in Fortsetzung feiner Tagung die Frage bey Versorgung der Krstnkenkassenbeamten und An­ gestellten einer Kommission übertragen. TeM Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Habereder, war zu entnehmen, daß im abgelaufenen Jahre beim Verbände 124 Krankenkassen angeschlossen waren, ungefähr die Hälfte aller in Bayern bestehenden Kran­ kenkassen. Ueber das tkhema "Arzneiversou- , gung" sprach Apotheker Eisele-Passau, der u. a. für Bayern eine einheitliche Handverkaufs­ taxe forderte und Vorschläge machte, die Arzneirechnungen und die ärztlichen Veriordnungen durch Sachverständige prüfen zu lassen, um den Kassen jene Ausgaben zu sparen, die nicht im Interesse der Kassenmitglieder liegen. Auch hieran knüpfte sich eine längere Erörter­ ung, in der u. a.l verfangt wurde, daß die Aerzte die viel zu teueren Spezial- und Re­ klame-Artikel nicht verordnen sollen. Geschäfts­ führer Brendl-Pasfau berichtete über die Er­ stattung von Kriegsaufwendungen, wozu in einer Resolution die Erwartung ausgesprochen wurde, daß den Kassen mindestens ein Teil die­ ser Mehrausgaben aus Reichsmitteln ersetzt wird. Weiter wurde besprochen der Punkt "Entschädigung der Krankenkassenvorsitzenden" und ferner eine Resolution angenommen, ttl der die Notwendigkeit einer geordneten fach­ männischen Revision der Geschäfts- und Rech&gt;nungsführung und der Ausstellung eines Ver­ bandsrevisors ausgesprochen wurde. Es soll mindestens alle zwei Jahre von 'Verbands we­ gen eine Revision vorgenommen werden. Tie Notwendigkeit der Prüfung der Aerzterechnungen behandelte Res. Fiedler-Würzburg. Sein Antrag, einen geeigneten 'Vertrauensarzt auf­ zustellen 'für die Prüfung der ärjztlichen Ge­ bührenrechnungen der Verbandskassen fand einstimmige Annahimje. Schließlich wurden noch die Rechtsverhältnisse der KrankenkassenAngestellten besprochen. Gemäß dem Antrag des hierüber referierenden Gewerkschafts­ sekretärs Schwarz-Weiden wurde beschlossen, das Ministerium des Innern zu bitten, in der Angelegenheit der Unwiderruflichkeit dieser An­ gestellten, der Gewinnung befähigter Beam­ ten, und der Festsetzung angemessener Gehäl­ ter bezw. Mindestgehälter mitzuwirken. Ein Antrag auf Verlegung des Verbandssitzes wurt pe abgelehnt. Mit Tankesworten des Vorsitzen­ den an die Delegierten und den Regierungsver­ treter wurde die Tagung geschlossen.</p>
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          <p>auch, die Leute zum Sprechen zu bringen, »voraus der alte Hausvater aus dem Strjvhfack einen Beutel mit Goldstücken im Betrage von rund 84 000 Marl hervorholte. Ter Krach mancher Banken hatte die alten Leute veran­ laßt, auf Zinsen zu verzichten und das Geld für die Erben im Strohsack sicher) zu stellen. Natürlich opferten sie jetzt das Gold gegen Papiergeld dem Vatexlande. Zur Anlage in Papieren odtzrEinzahlung bei der städtischen Sparkasse waren die Leutchen noch, nicht zu bewegen.</p>
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          <p>Zwiesel, 3. Febr. (Auszeichnung) Herr Bür­ germeister und Landrat Joses Rück, Führer der freiw. Sanitätskolonne Zwiesel, wurde vom deutschen Kaiser die preuß. Rotc-Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen. Wegscheid, 3. Febr. (In Erstickungsgefähr) gerieten die in einem Zinytzer Über dem Back­ ofen einer hiesigen Bäckerei schlafenden Kin­ der, da durch Verschließen der Ventilation des Backofens die entwickelten Rauchgase durch die Decke drangen und die Kinder betäubten. Glücklicherweise konnten die schon bewußtlosen Kinder rechtzeitig aufgefunden und durch ärzt­ liche Hilfe gerettet werden? Niederbayerische Nachrichten.</p>
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          <p>Lokales. 8a#h*6ut, 4 Februar. —* Das Militär-Verdienstkreuz 3. Klaffe mit Schwertern erhielt deck Gefr. Mich. Berger des Landsturm-Jnsanterie-Regiments Landshut. —* Wahl eines Armenrates. Gestern nachmittags hielten die beiden städt. Kollegien eine gemeinsame Sitzung ab zur Wahl des neuen Armenrates. Herr Rechtsrat Ambros als Vorsitzender wies auf die Erweiterung des Armenrates nach dem neuen Gesetze hin, das auch die Aufnahme von Frauen und Ver­ tretern von Wohltätigkeitsanstalten in densel­ ben empfiehlt. Er betonte, daß sich der neute Armenrat aus dem Bürgerjmpister, den von beiden Kollegien gewählten Vertretern, den selbständigen Pfarrern und zu wählenden Mit­ gliedern aus der Bürgerschaft zusammensetze. Ter Magistrat habe bereits die Herren Magi­ stratsräte Koller, Heilmeier, Förstl und Weiß gewählt, das Gemeindekollegium die Herren Gemeindebevollmächtigten Geiger, Sachs, Bü­ cherl und Straßer. Als zu wählende Mitglie­ der aus der Bürgerschaft schlage der Magistrat vor die bisherigen Herren, städt. Referenten, sowie die Herren Kaufmann Erlmäiech Ren­ tier Fischer, Defonomierat Pausinger senior, Kommerzienrat Puchner, Schwaigers Georg Straßer und den Armenarzt Herrn K. Hofrat Tr. Wein., Ferner als Vertreter des Vinzentinums Herrn K. Rat SchöffMann, als Ver­ treterin des Kinderhorts Frau Kommerzien­ rat Weiß und Frl. Marie Schilling. Hetsr Ge­ meindebevollmächtigter Joß Meinte, es solle der Vertreterl der Arbeiterpartei, Herr Ge­ meindebevollmächtigter Feilerer in den Arr menrat entsandt werden. Herr Rechtsrat Am­ bros entgegnete aber, daß dies Sache des Kol­ legiums sei. Herr Bücherl erjbot sich, zurück­ zutreten und seine Stelle Herrn Fellericr zu überlassen. Die Angelegenheit mußte jedoch bis zur nächsten Kollegiumssitzung vertagt wer­ den und es erfolgte sodann einstimmig die Wähl der'vom Magistrat in Vorschlag gebrach­ ten Personen. Damit ist der neue Armenrät in Landshut seiner Tätigkeit übergeben. —'DieFinanzen d.er Stadt haben sich gebessert. Während noch der Novemberabschluß des letzten Jahres eine Schuld der Stadt von 656 552 Mark bei der K. Filialbank zeigte, erbrachte der Tezemberabschluß ein Guthaben der Stadt von 28174 Mark bei der gleichen Bank. —' Abgängig war seit vorgestern mit­ tags der siebenjährige Schwaigerssohn Michael der Schwaigerswitwe Mieslinger von hier. Ge­ stern wurde nun der Knabe in Niederkam er­ mittelt und seiner Mutter wieder zugeführt. —'Die städt. Kartosfelabgabe hatte gestern Hochbetrieb. Tie Nachfrage war so groß, Ilkischpreise in Mndshut. Die Preisprüfungsstelle hat für die Zeit vom 29. Januar bis 4. Februar für Landshut folgende Höchstpreise für Fleisch.beantragt, die vom Magistrat genehmigt wurden. DchfensleisH: » kostet jetzt 1.45 Mark per Pfund. Ohne Bein und ohne Zuwage sind 15 Pfennig mehr noch als angemessen zu erachten. Filet ausgelöst, ohne Knochen und Zu­ wage 1.75 Mark, mit Zuwage 1.55 Mark.. Geringwertige Teile: Stich, Hals, Waden, fette Weichen und Brustspitz 1.20 Mark per Pfund. Knhsleisch: kostet jetzt 1.25 Mark per Pfund. Ohne Bein und Zuwage darf 10 Pfennig mehr noch als angemessen gelten. Filet ohne Knochen und Zuwage 1.55 Mark, mit Knochen und Zuwage 1.35 Mark per Pfund. Geringwertige Teile (wie bei Ochsenfleisch) 1.— Mark per Pfund. Kalbfleisch: Hier haben die Preise abermals eine Er­ höhung um 5 Pfennig erfahren, die in dem starken Nachlassen der Anlieferung von Kälbern begründet ist. Es wurde der Preis festgesetzt aus 1.20 Mark per Pfund (bisher 1.15 Mark), für Schlegel darf 10 Pfennig per Pfund mehr verlangt werden. Geringwertige Teile, Kopf und Haxen dürfen höchstens 90 Pfennig (bisher 85 Pfg.) per Pfund kosten, Halsgrat höchstens 1 Mark (bisher 90 Pfennig) per Pfund. Schweinefleisch!: per Pfund 1.40 Mark (von der Regierung festgesetzter Höchstpreis). Geringwertige Teile, wie Kopf und Ha­ xen dürfen höchstens 1.10 Mark per Pfund kosten. daß das doppelte Quantum der gewöhnlichen Anfuhr benötigt wurde und mehr als 100 Zentner zum Verkaufe kamen. —' Der heutige Viktualienmarkt war, wie stets nach einem Monatsmarkte, nur schwach bestellt. Toch&gt; war auch die Nachfrage vermindert. Ter Karitoffelmarkt wäre unbe­ fahren geblieben, wenn nicht der Stadtma­ gistrat ein kleines Quantum Kartoffel dorthin verbracht und dem Verkaufe unterstellt hätte. —' Wegeg Mißhandlung ihres eige­ nen 6jährigen, in der Entwicklung zurückgeblie­ benen Kindes wurde, wie seinerzeit berichtet, die Taglöhnersfrau Kreszenz Scheibengräber von Achdorf, deren Mann im Heeresdienste sich befindet, zu zwei Monaten Gefängnis verur­ teilt. Das Kind aber wurde damals der un­ natürlichen Mutter belassen. Nun fyat sich diese wiederum mehrere schwere Mißhandlun­ gen des Kindes und Drohungen gegen dessen Leben zuschulden kommen lassen, sodaß polizei­ lich eingeschritten und ihr das Kind wegge­ nommen werden wüßte. Damit ist das Kind endlich von seiner Peinigerin befreit.</p>
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          <p>Vermischtes. Ter Gründer der Stadt Lille. Ein Mitarbeiter schreibt uns aus Lille: Die letzten Gewalttaten der Engländer gegen die von uns schon seit über Jahresfrist -besetzt gehaltene Stadt Lille haben gerade nicht dazu beigetragen, die Silier freundlicher gegen ihche englischen Bundesgenossen zu stimmen, die un­ geachtet der Zwecklosigkeit dieses Verfahrens, das höchstens nur den Franzosen selbst Scha­ den bringen kann, die Stadt bereits mehrfach mit Bomben belegten. Bei der Gelegeüheit ist es nicht ohne Interesse, auf die in Lille ' allgemein verbreitete und auch in den Schulen gelehrte Sage von der Gründung der Stadt hinzuweisen, eine sehr romantische Sage, die den -engen Zusarnmeühang zwischen der Stadt Lille und den englischen Freunden bis in die graue Vorzeit der Stadt zurückversolgt. DaI nach ist der Gründer der Stadt berf Sohn ‘ einesFürsten von Dijon gewesen, der gegen K das Jahr 620 Burgund verließ, um sich nach i England zu begeben, aber auf der Reise in der I der Nähe des heutigen Lille von einem Raub- | rittet erschlagen wurde. Tie Frau des ErI schlagenen ,die sich eine Zeitlang verstecken konnte, gebar einen Söhn, den sie auf jeden Fall vor den Verfolgern retten wollte, weit die Jungfrau Maria ihr im Traume verkün­ det «hatte, das Kind werde später den Vater ! rächen, und das Land von dem beutegierigen Tyrannen befreien. Der Knabe, unter einet} Hecke verborgen, wurde von einem Einsiedler gefunden und erzogen. Tie Sage erwähnt da­ bei, daß eine Hirschkuh dem Knaben die stär­ kende Milch lieferte. Der Einsiedler vergaß aber nicht, den Knaben immer wieder auf seine Pflicht, den Vater zu rächen, hinzuwei­ sen. In England am Hofe des Königs, zum Manne herangewachsen, begab er sich, nach Frankreich zurück, erhob beim König Lothars dem Zweiten Klage gegen den Raubritter und $ erhielt die Erlaubnis zu einem Zweikampfe I mit ihm. Tie Entscheidung schwankte lange, g denn der Ritter galt als einer der stärksten 1 Recken des Königreiches. Schließlich! behielt der Rächer — er war vom Einsiedler auf den Namen Lhderio getauft — die Oberhand. Ter König schenkte ihm als Belohnung für die mutige Tat den großen Besitz des Rit­ ters und übertrug ihm die Verwaltung ganz Flanderns. Lhderic — so schließt die Sage — regierte gerecht und weise, und viele Leute suchten unter den Mauern seiner Burg Schutz. Allmählich entstand hier so eine Stadt, Lille genannt, abgeleitet vom lateinischen Worte In­ sular, später zu Jsler zusammengezogen. Der Gründer der Stadt aber wurjde zum Stamch Vater der Grafen von Flandern. Das ist in 'kurzen Umrissen die bekannteste Sage von der Gründung Lilles, die sich wähl zuerst in einem &gt;1571 zu Antwerpen gedruckten Geschichtswerk Von Peter von Ondegherst "Chroniken und An­ walen von Flandern von 620—1476" vorfindet.</p>
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          <p>Letzte Posten. Tie "Appam" als Prise. Sd. Washington, 4. Februar, (Reu­ ter.) Graf Bernstopfs teilte Lansing formell mit, daß die "Slppam" als Prise auf Grund der Bestimmungen des preußisch-amerikanischen Vertrages, nach welchem der Besitz des Fahr­ zeugen demjenigen verbürgt wird, der es er­ beutete, nach Hampton Road gebracht wird. Sd. Washington, 3. Februar, (Reu­ ter.) Staatssekretär Lansing hat entschieden, daß die "Appam" als Prise zu betrachten sei. Reue rumänische Getreidelieferung. Sd. Budapest, 4. Februar, Ter "Pester Llohd" meldet aus Bukarest: Das neue Geschäft betreffend Lieferung von 100 000 Wag­ gons Getreide, vorzüglich Mais an die Mit'telmächte gilt als geordnet.</p>
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