Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-03-15. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 58, 1916-03-15. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 072 15. März 1916 ────────── Tages-Uebersicht. Teutsche Auszeichnungen für bulgarische Politiker. Ter neue deutsche Gesandte Graf Oberndorf brachte bei seiner Ankunft $iefop rationen für sämtliche Minister, soweit sie bis­ her noch nicht ausgezeichnet worden waren, mit. Kammerpräsident Tr. Momschilow er­ hielt den Kronenorden 1. Klasse. Pressedirek­ tor Herbst wurde mit dem Stern zum Kronenforden ausgezeichnet. ────────── Der verschärfte U-Bootkrieg wird fortgeführt. Erfolge unserer Flieger im Weste«. — Eine fünfte italienische Offensive. — Avvrnch der diplomatischen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Portugal. — Kundgebung für die Mittelmüchte in Rew-Aorl. — Dir Kümpfe in Ostafrika. denen dieses Land der Helden, der Märtypejr die schwere Arbeit der Leitung, eine erschsrekkende Mission für das gemeinsame Wohl und fürchterliche Verantwortung auferlegt hat — — seid Ihr all dessen würdig? Mptzmannoch lauter schreien, um Euch zu zeigen, daß um Euch her die Erde erzittert, daß die Gefahr größer wird, sich ständig nähert, wMrend Jhr> auf Euren Bänken glückselig schnarcht. Wie kann man Euch wecken, Ihr lebenden Toten. Hört gut zu, prägt dies Euren Dickschädeln ein: Auf unsrer Front war der Anfang — auf unsrer Front wird auch das Ende sein! Teck Schlüssel des Weltreichs, die Stadt, welche der Barbar begehrt gegen alle Hoffnungen, trotz Eures Optimismus, trotz aller unüberwind­ lichen Schwierigkeiten — es ist nicht Bagdad, nicht Saloniki, nicht Kairo, nicht Erzerum — es ist Paris! Ja, Paris ist es, Ihr lacht aber sehst Euch vor, in Babylon lachte man auch, man trank hinter den dicken Mauern, ohne sich um die Perser zu kümmern! Aber; Chrus lenkte den Lauf des Euphrat ab, und das Lachen verstummte. Wenn Frankreich un­ terliegt, triumphiert Deutschland. Dies ist sein Ziel, es wäre das Ende des Krieges. Deutsch­ lands umnebeltes Gehirn ist von dieser Idee besessen!" — Ob das Gehirn Deutschlands so umnebelt ist, wie Costadau meint, Wird der Verlauf der weiteren Ereignisse wähl zeigen. Im Luftkampf haben unsre Fliegerleut­ nants Jmmelmann und Boelcke nunmehr ihr 10. und 11. feindliches Flugzeug außer Ge­ fecht gesetzt. Au-erdem wurde bei Cambrah ein englischer Doppeldecker abgeschossen. Ter verschärfte U-Bootsljrieg ist in tick­ te nt Gange. Das ist der Grundton einer amt­ lichen Teutschen Erklärung, die wohl füjr je­ den, der in den letzten Tagen die Nachrichten Verfolgs, hat, sich erübrigt. Die Franzosen haben von den Russen etwas gelernt. Das Wüten gegen die feindliche Zivilbevölkerung konnten sie, ach, nur in einem so kleinen Zipfelchen Elsaß praktische betätigen, daß es eigentlich nur beim Versuchje geblieben ist. Von den Russen weiß man längst, daß sie ihre Sturmtruppen durch Maschinengewehre an den Feind treiben, die sie im Rücken be­ drohen. Diese "Kulturtat" Ihaben nun auch Frankreichs militärische Befehlshaber der Nach­ ahmung wert gefunden. Ein im Rabenwalde gefundener Armeebefehl des Generals Bazelaires kanzelt die Truppen gb, daß sie ihre Pflicht, nicht, getan hätten und sagt zum Schlüs­ se: Artillerie und Maschinengewehre Werden auf jede weichende Truppe feuern. Mpn sieht die "Kulturnation" Frankreich hat von dem selbst in Frankreich nicht als kulturell' gleich­ stehend erachteten Bundesgenossen etwas ge­ lernt. An der italienischen Front entwickeln sich neue große Kämpfe. Anscheinend wollen die Italiener zur Entlastung der Franzosen wieder, einen allgemeinen Angriff wagen. Ihr An­ sturm gilt der Jsonzofront, an der sie eine Reihe von Anstürmen unternahmen, bei San Martina sogar siebenmal hintereinander. Sie wurden aber überall blutig abgewiesen. Nun hat auch Oesterreich die diplomati­ schen Beziehungen abgebrochen. Ob eine Kriegs­ erklärung folgen wird, läßt sich noch picht sagen. Vielleicht bleibt der Zustand zwischen Oesterreich und Portugal ähnlich wie befc zwi­ schen Italien und Deutschland. In Ostaafrika hat jetzt ein heftiger Kampf begonnen. Ter von den Engländern engagierte Burengeneral Smuts hat mit stärken Kräf­ ten den Angriff begonnen, doch spielen sich diese Kämpfe bisher noch auf dem ti/on un­ seren Truppen besetzten Teile von BririschOstafrika ab. Bericht -es -ettsche« HWtWMiers. WTB. Berlin, 14. März.' Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KrieManM. Im allgemeinen keine Veränderung der Lage. Ein kleineres Gefecht bei Wieltje, nord­ östlich von Ipern, endete mit Zurückwerfung, der Engländer. Je ein englisches Flugzeug wurde östlich von Arras und westlich Bapaume von Leut­ nant Jmmelmann abgeschossen. Tie Insassen sind tot. Leutnant Boelke brachte zwei feindliche Flugzeuge hinter der französischen Linie über der Feste Marre und bei Malaneourt (nord­ westlich von Verdun) zum Absturz; das letztere wurde von unserer Artillerie zerstört. Damit haben beide Offiziere ihr 10. und 11. feindliches Flugzeug außer Gefecht gesetzt. Aus dem Westen lagen auch gestern keine Berichte über neue Kampfhandlungen vor. In der Stimmung Frankreichs ist trotzdem ein Umschwung eingetreten und gerade dieses Still­ stehen aller Kämpfe scheint ein Gefühl der Nervosität erzeugt zu haben. Während früher alle unsere Erfolge von der französischen Presse als belanglos hingestellt worden Waren, äußern sich jetzt Stimmen der Besorgnis. So sagt Se­ nator Verenger in der "Aktion", daß die Rück­ zugsstrategen, die den Wert von Verdun herab­ setzen, weder eine Karte lesen können, poch die Geschichte kennen. Verdun decke die Stra­ ßen Chaumont—Dijon—Lyon— und Vitrh— Chalons—Paris. Sein Fall würde die fran­ zösischen Stellungen in Lothringen uNd im Elsaß gefährden. Aus der Geschichte ergebe sich, daß das Schicksal Verduns seit Jahrhun­ derten das Schicksal Frankreichs wär. Nicht aus ökonomischen und politischen Erwägungen, nicht um die Neutralen zu verblüffen oder für seine Kriegsanleihe Stimmung zu machen, opfere Deutschland dort seine besten Trup­ pen, und ebensowenig verteidige Frankreich dort einige wertlose Kilometer. Ter Fall Ver­ duns würde den Teutschen den Weg nach Bur­ gund und Lyon öffnen, Saint-Etienne uub Crensot, die Arsenale Frankreichs, gefährden. Unter der Ueberschrist "An die, welche sagen, "alles steht gut!" gibt der Deputierte Roux Costadau im Rappel einer trüben Stimmung Ausdruck, indem er sagt: "Hier auf unficer Front wird die große entscheidende Schlacht geschlagen! Ihr aber, die Ihr Frankreichs Ne­ giert, Ihr, die Ihr bestimmt habt, daß man alle Herdfeuer, alle Fackeln und alles Licht verlöscht, Ihr, die Ihr, ohne Tyrannen zu sein, doch die Tyrannen spielen, der Herde Ruhe befehlen und den Wolf bekämpfen wollt, indem Ihr die Flöte am Bach spielt! Ihr, die Ihr das Volk verhindert habt, seine Ohren an die rauhe Wahrheit zu gewöhnen, Ihr, die Ihr unsre Demokratie zu epischen Schlach­ ten führt, wie der Schlächter sein Vieh zup Schlachtbank, Ihr, die Ihr glaubt, daß Frank­ reich siegen, kann mit einer dreifachen Lü­ genbinde über den Augen, mit einer Maske vor dem Gesicht und Ketten an den Füßen, mit einer Sklavenseele! Ihr, die Ihr Minister seid in einer Republik von Kameraden, unfähig zu zu sehen und unfähig, die Dummheit zu stra­ fen! Und Ihr, Parlamentarier, blökende Ham­ mel gezeichnet und numeriert, die Ihr keine schlimmeren, Feinde habt, als.Euch selbst! Ihr, ────────── Ferner wurde ein englischer Doppeldecker nach Luftkampf westlich! von Cambreh zur Landung gezwungen. Tie Insassen Md ge­ fangen genommen. 1 1 ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. ' , • i und , * Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. S« öste«.-W. Heeresbericht. !WTB. Wien, 14. März, mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz, und Südöstlicher Kriegsschauplay: Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Jsonzofront beginnen sich große Kämpfe zu entwickeln. Seit gestern greifen die Italiener mit starken Kräften an. Sie wurden überall abgewiesen. Am Tolmeiner Brückenkopf beschränkte sich die Tätigkeit des Feindes auf ein sehr leb­ haftes Feuer. Im Abschnitt von Plava scheiterten seine Versuche, unsre Hindernisse zu zerstören. Am Görzer Brückenkopf wurden zwei An­ griffe auf die Podgora-Stellung, einer auf die Brückenschanze von Luciico zurückgeschla­ gen. ' Ter Nordteil der Hochfläche von Doberdo wurde von starken Kräften zu wiederholten Walen angegriffen. Bei St. Martino schlug das Szegedet Infanterie-Regiment Nr. 46 sieben Stürme blutig ab. ► Der stellvertretende Chef des Generalstabes! v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. Tie deutsche Erklärung für das amerikanische Volk. Haag, 14. Marz. Tie Washingtoner Ver­ treter sind sichtlich erregt über die Wirkung, die die deutsche Erklärung vom 10. März aus das amerikanische Volk ausübt. Sie fordern eine eingehende englische Antwort. (Z.) Kundgebung für die Mittelmächte in Newhork. Newhork, 14. März. (Durch Funk­ spruch vom Vertreter des WTB.) Gestern abend erfolgte die Eröffnung des großen Basars zum Besten der Notleidenden des Krieges in Deutschland und den ihm verbündeten Ländern im Madison Square Garden in Gegenwart der 'Vertreter Deutschlands,Oesterreichj-Ungarns Bulgariens und der Türkei, sowie des Staates und der Stadt Newhork. Sie führte zu einer höchst bemerkenswerten Kundgebung für die Mittelmächte. Ter öffiziellen Eröffnung wohn­ ten ungefähr 25 000 Personen bei, während weitere Tausende draußen warteten. Man hofft von dem Basar, zu dem auch die Gattin Wilsons ein Spitzentaschentuch! mit dem Wunsche des Gelingens für den Basar gestiftet hat, einen Ertrag von 750 000 Dollar gleich 3 Millionen Mark. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Me Schlecht bei Verdun. Tie französische Militärkritik ist der Mei­ nung, daß jeder der Gegner zur Weitelrführung des Kampfes frische Truppen einsetzen wird. Das Ergebnis aus dem Ringen der Kräfte, durch die die Entscheidung herbeigeführt wird, wird nur allmählich sichtbar werden können. Ueber den Verlust der Hochebene von Vaux sagt die Presse: Tie dahinter liegenden Schluchz­ ten und Wälder werden der Verteidigung neue Stützpunkte abgeben. Tie Beherrschung der Vaug-SteUung gestattet jedoch dem Feinde, den bei Touaumont noch kämpfenden französischen Truppen 'in den Rücken zu fallen. Russische Methoden hinter der französische» Front. WTB. Berlin, 14. März. Unsre Trup­ pen fanden im Rabenwalde folgenden französischen Befehl: "Zweite Armee, Gruppe Bazelaire. Generalstab. 3. Bureau. Nr. 1601/3. Gefechtsstand am 7. März 16. General de Bazelaire, Kommandeur des Abschnittes "Linkes Maasufer", an die Unter­ abschnittskommandeure Ost und West. Befehl: Forges leistete nicht den Widerstand, den man erwarten mutzte. Bis eine weitere Auf­ klärung erfolgt, entnehme ich daraus, daßdch Kommandeur dieses Abschnittes seine Pflicht nicht getan hat. Er wird infolgedessen vor ein Kriegsgericht gestellt. Es muß bis zu den äußersten Grenzen Widerstand geleisteit werden. Wir dürfen in diesem Augenblick nur von dem einzigen Beschluß beseelt sein: Ten Feind entweder siegreich aufzuhalten oder zu sterben! Artillerie und Maschinengewehr wer­ den ans jede weichende Truppe feuern, gez. de Bazelaire, 52. Brigade. 8. 3. 1916." Ter französische Kriegsminister über die Kämpfe bei Berdun. > Ter "Franff. Ztg." wird aus Paris un­ term 13. ds. gemeldet: Tie heute vom fran­ zösischen Kriegsministerium zur Belehrung des neutralen Auslandes verbreitete Tagesnote lautet wie folgt: Tie letzte Woche, die einen bewegten Charakter zeigte, hat nun ein ruhi­ geres Ende genommen. Das schon Samstag konstatierte Abflauen der Operationen vor Ver­ dun dauerte best ganzen Sonntag weiter an und es erfolgten während dieses Tages wieder hüben noch drüben irgendwelche Infanterieaktionen, sondern es fand auf beiden Seiteü bloß Artillerietätigkeit statt. Infolgedessen re­ kapitulierte der Generalstab des Kaisers in Er­ wartung besserer Zeiten die Anzahl der in der Maasgegend gemachten Gefangenen, wie er es stets zu tun pflegt, wenn er der deutschen Bevölkerung keine solideren Erfolge mitzutei­ len hat. Dieses kleine Schauspiel erinnert an die Figuranten der Provinztheater, die man mehrere Male hinter einander auf der Bühne erscheinen läßt, um den Anschieln einer großen Anzahl zu erwecken. Auf alle Fälle bedeutet dieses Abflauen das Ende des dritten Aktes der großen Schlacht, und es beweist die Anstrengungen, die es dem Feinde kostet, einerseits die furchtbaren Lücken auszufüllen, die unsere Artillerie in seine Reihen geriffen hat, andererseits sich mit Munition zu ver­ sorgen nach dem ungeheuren Verbrauch dieser Tage, der seine Vorräte außerordentlich Vers mindern mußte. Während es ihm aber nicht schwer fallen wird, die Mnnitionsvorväte zu ergänzen, wird es unmöglich sein, die dezi­ mierten Mannschaftsbestände wieder auf die Füße zu stellen. Sonst stehen die Teutschen in ihrer ungeheuren Anstrengung gegen Ver­ dun vor der Erschöpfung. (Tie "Franks. Ztg." bemerkt hierzu nur: Abwarten!) (Z.) Tie militärpolitische Stimmung in Paris. Tie wenig mit den Grundzügen der Pari­ ser Militärkonferenz vertrauten Briandistischen Parteigruppenchefs verhalten sich der Presse gegenüber zurückhaltend, namentlich! ob dieVerbündeten unabhängig von den allgemeinen' Bundespslichjten gewisse Sonderkonventionen zur einwandfreien Fesfftellung künftiger Eiw zelleistungen abgeschilossen hätten. Gegen diese angeblich! von Haig namens England dringend gewünschten, die Land- und Seestreitkräfte be­ treffenden Feststellungen wurden von franzö­ sischer parlamentarischer Seite — Kammerpar­ tei Ferrh — bisher der Einwand erhoben, daß für die' ziffernmäßigen französischen Zukunstsverpflichtungen jene Verbindlichkeiten fallen, wegen deren Nichterfüllung Gallieni in Widerstreit mit der bei dem letzten Kamimervotum starken Minderheit geriet. Es wäre auch zwecklos für Frankreich, für das der Eiwsatz aller Kräfte eine Lebensfrage bedeutet noch! Sonderzusagen zu verlangen, die angesichts der schnellen Veränderung der Kriegslage ein toter Buchstabe bleiben würden.