Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-03-17. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 60, 1916-03-17. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 074 17. März 1916 ────────── Französische Angriffe abgewiesen. Heftige Artilleriekümpfe in Flandern, bei Rohe «ns Bille anx Bois. — Eine Knltnrtat französischer Flieger: Angriffe anf Lazarette bei Eonstans — Abflauen der italienischen Angriffstütigkeit. — Ein hollüadifchrr Paffagierdampfer gesunken. Im Westen verstärkten sich die Artillers­ kämpfe in Flandern, bei Roh und Ville aux Bois. 'In der Champagne machten die Fran­ zosen einen vergeblichen Angriff auf unsre Stellungen bei St. Souplet und an der Straße Somme—PH—Souain, der ihnen außer blu­ tigen Verlusten zwei Offiziere und 150 Mann kostete, die als Gefangene in den HändeU der Unsern blieben. Angriffe aus unsre Stellun­ gen auf der Höhe "Toter Mann" und an­ schließend daran, wurden im Keime erstickt. Bei Niederaspach im Oberelsaß machten die Unsern einen erfolgreichen ErkUndungsvorstoß. Als Vorkämpfer für die Kultur haben sich die Franzosen schon des öfteren gezeigt, wenn sie offene Städte mit Boniben belegt haben, und die französische Presse hat Men "herjvlichen Fliegern" dann stets Weihrauch gestreut. Neuerdings haben diese Flieger eine ähnliche "Heldentat" vollbracht. Sie haben bereits in der Nacht zum 13. Wirz die deutschen Lazarette in Labry bei Conflans mit Bomben bewor­ fen und haben dies jetzt wiederholt mit dem Erfolge, daß wieder unschuldige Einwohner — Frauen und Kinder — ihrem Mordwnten zum Opfer gefallen sind. Im Luftkampf wurde ein feindlicher Flie­ ger in der Champagne herabgeholt. Aus dem Osten werden nur Patrouillen­ gefechte gemeldet. Vom galizischen Kriegsschauplatz werden erhöhte Arttllerietätigkeit und kleinere rus­ sische Vorstöße gemeldet, die glatt abgewiesen wurden. An der italienischen Front hat die Angriffsitätigkeit der Italiener nach den vorgest­ rigen erheblichen Verlusten wieder etwas nach­ gelassen und sich in der Hauptsache aus Ar­ tilleriekämpfe beschränkt. ────────── eigenen Worte wiederholen könnten: Ich Bin unbesorgt und habe die Gewißheit des end­ lichen Sieges. (Z.) Frankfurt a. M., 16. März. Die"Frlkf: Ztg." meldet aus Paris: Trotz aller Zuversicht, die die französischen Zeitungen für die Käm­ pfe an den verschiedenen Punkten der West­ front an den Tag legen, macht sich doch immer wieder die Beunruhigung bemerkbar über den Mangel an weittragenden Geschützen. Nach den Aeußerungen eines Militärschrfftstellerfs rechnet man auf die Heranführung von engli­ schen Schiffsbatterien an die Front vor Perdun. Eine neue Beunruhigung erzeugt auch die Beschießung von St. Tie, wo die Zivilbevöl­ kerung in aller Eile evakuiert werden mußte. (Z.) ' Tic französischen Finanzen. Aus dem Finanzbericht Meeets geht her­ vor, daß Frankreich am 20. Juni 1916 zwischen Ausgaben und Einnahmen eine Differenz von 12 Milliarden haben werde. Vm östlichen Kriegrschmplatz. Wegen Ermordung deutscher Kriegsgefan­ gener hingerichtet. Aus Petersburg wird gemeldet: Wegen Ermordung einiger deutscher Kriegsgefangener wurden vier Kosaken vom hiesigen Kriegsge­ richte zum Tode durch den Strang verurteilt und sofort hingerichtet. (Z.) Ter schwere Ossiiziersinangel in Rußland. Eine Kundmachung des russischen Gene­ ralstabes erregt im ganzen Lande großes Auf­ sehen und gibt ein Bild vor dem krassen Of­ fiziersmangel, der in der russischen Armee herrscht. Am Schlüsse der Kundmachung heißt es: Das Müegsmin'isterium erachtet es für not­ wendig, durch Einberufung der Hochschüler ei­ nen Vorrat an Offizieren zu schaffen, dev uner­ läßlich ist, um die das .Schicksal des Krieges und damit des ganzen Vaterlandes entscheiden­ den Operationen durchführen zu können. (Z.) Tie neuen russischen Kriegsanleihen. Gestern begann die Zeichnung auf die neuen russischen 2Milliardenanleihe. 1 ^»Mil­ lionen Rubel wurden vom Syndikat der rus­ sischen Großbanken übernommen, 800 Millio­ nen stehen d em Publikum zur Verfügung. (Z.) Plötzliche Erkrankung des TUma-Abgeordneten Tscheidse. Ter bekannte sozialdemokratische Duma­ abgeordnete Tscheidse, dessen letzten Enthüllun­ gen in der Duma über die inneren Vorgänge in Rußland das größte Aussehen erregten und deren Publikation anfänglich verboten wurde, ist plötzlich, angeblich an Lungenentzündung, schwer erkrankt. In eingchvieihten russischen Kreisen glaubt man aber nicht an eine Erkrank­ ung, sondern vermutet einen Anschlag. (Z.) ────────── Der Krieg mit Italien. Papstinterpellation in der italienischen Kammer. Bon den Jnterpellationsberatungen in der italienischen Kammer erregte das größte In­ teresse die Regierungserklärung, daß die Re­ gierung es für unnötig erachte, auf die Kund­ gebungen des Vatikans in Sachen der Unab­ hängigkeit des Papstes zu antworten. Ter Ab­ geordnete Altobelli erklärte hierauf untevHin­ weis auf einen jüngst in den "Neuen Züricher Nachrichten" erschienenen Artikel: "Ter Papst fei in seiner Freiheit beschränkt", die Regie­ rung möge schon jetzt gegen die verlangte Be­ teiligung des Papstes an den künftigen Frie­ densverhandlungen Stellung neunten. ────────── Am Balkan. Albanien. Genf, 16. März. Tie vollständige Ruhe in Albanien verstimmt die Pariser Presse. Mehrere Blätter schreiben: Falls die Italie­ ner den Unterlauf des Semeni-Flusses, sowie das vortreffliche Bergterirain von Malapatra aufgeben, haben sie nicht nur die erste Tefenfiblinie von Balona kampflos verloren, son­ dern auch den Aktionsradius um 50 Kilometer verkürzt. Es ist unmöglich, anzunehmen, daß Salandra auch Balona aufzugeben beabsichtigt. — "Guerre Mondiale" beschäftigt sich mit der Lage in Albanien und stellt fest, daß von Balona aus fortan keine Offensive gegen bas Balkan-Gebiet unternommen werden könne. Im übrigen sei auch die Adriaküste Balonas durch Kriegsschiffe nicht bewachbar, falls das Kü­ stengebiet sich in Feindeshand befinde. Saloniki wird weiter befestigt. Nouveau Sieele berichtet auf Grund von Berichten französischer Offiziere, daß die En­ tenteleitung in Saloniki die Fortsetzung des Ausbaues der Befestigungslinien zwischen Berria und Seres angeordnet habe. General Särrail scheint auf diese Befestigungsarbeiten gro­ ßes Gewicht zu legen. (Z.) Tie griechische Kavallerie von Saloniki abgezogen. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die ln Saloniki stationierte Kavallerie nach Larissa abgezogen ist. Als Ursache werden die großen Schwierigkeiten in der Verplroviantierung ge­ nannt. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 16. März. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: Am 13. und 14. März haben vier Kreu­ zer und zwei Torpedoboote des' Feindes ge­ trennt und zu verschiedenen Stunden einige Granaten auf die Umgebung von Tekke Burun abgeschossen. Sie wurden durch die Antwort unsrer Artillerie gezwungen, sich zu entfernen. Eines unsrer Flugzeuge griff feindliche Flug­ zeuge mit Maschinengewehrfeuer an und zwäng sie, nach Jmbros zu fliehen. Am 14. März abends von einem feindlichen Flugzeug in der Umgebung der Landungsstelle von Akaba ab­ geworfene Bomben fielen sämtlich ins Meer. Wir schossen ein feindliches Flugzeug zwei Ki­ lometer östlich des Kanals von Suez ab. -Seine Insassen enfflohen. Sonst nichts von Bedeu­ tung. Tie russische Offensive im Kaukasus. Der Konstantinopeler Berichterstatter des "Az Est" meldet von der russischen Offensive im Kaukasus: Nach glaubwürdigen Informa­ tionen kam die russische Offensive im Kaukasus nach dem Falle von Erzerum zum Stillstand. Diese Eroberung hatte daher strategisch keine Bedeutung. Ter Großfürst unternahm seine mit großen Opfern verbundene Aktion nur, um die Lage der englischen Truppen zu er­ leichtern, die in Mesopotamien und im Irak bedroht waren. Dieses Ziel wwrde nicht erf reicht. Tie Schwierigkeiten, die die Türken haben, sind Schwierigkeiten, die auch für den Gegner bestehen. Im Irak und in Mesopota­ mien wird der Tigris von den Engländern zu Transportzwecken benutzt, die Russen da­ gegen können nur die Straßen benutzen. Ter Großfürst unternahm seine Offensive mit 120 000 Mann, die Verteidiger verfügten kaum Aber 40 000 und leisteten trotzdem heldenhaf­ ten Widerstand. Tie türkischen Verluste be­ tragen in Wirklichkeit einige tausend Mann; und 150 alte Kanonen. Ter russischen Armee haben sich kaukasische Armenier angeschlossen, welche morden und plündern. In ErzerAm haben sie sämtliche Türken, meist Kreise und Kinder, niedergemetzelt.. ────────── Portugiesische Truppen in Afrika. Londoner Blatter melden aus Lissabon, daß Portugal in der Kolonie Mozambique eine Truppenmacht von 5000 Mann zusammengezo­ gen hat, die sich nun sofort an dem Feldzuge gegen Teutsch-Ostafrika beteiligen werden.