Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-03-07. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 52, 1916-03-07. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 064 7. März 1916 ────────── Allerlei. 1 Ter Lnstinörscr Albert Specknsr, der int/ f Dezember 1911 die 14 Jahre alte Taglöhners| tachter Frieda Pracher getötet hatte, ist ans der Heil- und Pflegeanstalt Haar entwichen. \ Verunglückt. Im Hofe des Bäckermeisters i R. Mayer in Neustadt a. H. spielten der 11I jährige Sohn des Bäckermeisters Mayer und der 4 Jahre alte Sohn des Tapezierers Con| rab int Hofe in der Nähe einer alten Mauer. >. Plötzlich! stürzte der obere Teil der Mauer ij ein und erschlug den kleinen Conrad. I Auf Die Straße stürzte sich! ans dem 4. ? Stockwerk der Postsekretär Alfons Hofstätter 1 infolge Geistesstörung. Er war sofort tot. ────────── Luftschiffangriff auf die englische Ostküste. ────────── Die Kämpfe vor Verdun: ungefähr 1000 Franzosen gefangen. — Die amerikanischen Kriegslieferungen. — Griechenland warnt vor Reisen auf bewaffneten Handelsschiffen. ────────── Aus dem Westen werden neue MinenkÄMpfe bet V er me lies gemeldet. Englische Infan­ terie, die dort vorgehen wollte, würde zurückge­ schlagen. Vor Verdun blieb es ruhiger als sonst. Immerhin Konnten fast 1000 Franzo­ sen wieder gefangen eingebracht werden, ein Zeichen, daß unsere Truppen stets dort zuzufas­ sen verstehen, wo ein Erfolg zu erhoffen ist. Unsere Marineluftschiffe haben der engli­ schen Ostküste wieder einen Besuch abgestattet. Diesmal Ivaren es der Marinestützpunkt Hüll am HuMber und die dortigen Tockanlageni, die ausgiebig mti Bomben belegt wurden, was den Engländern wohl besonders peinlich! ist, i gerade jetzt, wo ihnen Portugal eine Reihe von Schiffen Zusenden soll, die vor Indienst­ stellung einer Reparatur bedürfen. Alle unsere Lustschiffe sind trotz starker Beschießung wohl­ behalten zurückgekehrt. . . i Ueber die Wirkungen unseres U-Bootskrieges kam es in der Jahressitzung der engli­ schen Schiffahrlskammler in London zu einem interessanten Zwischenfall. Ter Reeder Sir Walter Runciman sagte nämlich, wenn die englische Regierung noch ein halbes Dutzend Schiffe versenken lasse, so werde die Schiffs­ rate von 60 auf 90 steigen. Wir (die Englän­ der. D. R.) stehen vielleicht, ohne daß wir es merken, vor einer großen finanziellen Ka­ tastrophe, und ich! wünschte, man könnte deM Publikum klar Machen, wie groß die Gefahr ist, wenn wir nicht imstande sind, rasch eine genügende Anzahl Schiffe herzustellen. — In diesem Augenblicke wurde Runcimckn durch! den Präsidenten der Versammlung mit der Bemer­ kung unterbrochen, daß kein Grund zur Beun­ ruhigung vorliege, es könne ein nationales Unglück eintreten. Aber alles, was ein Mann von der Stellung Runcimans hier sage, würde dem Feinde überbracht werden. Die "Times" nennt diese Aeußerung Runcimans zwar eine nervöse Entgleisung. Uns aber bietet sie eine Handhabe, welches die wirklichen Ansichten der englischen Reederkreise über unseren Untersccbootskrieg sind. Das große Interesse, das die Kriegslie­ feranten Amerikas an dem Geschäft mit Eng- j land haben, geht deutlich! aus einer Zusammen- * stellung der Rewhorker "Republican Publi­ city Association" hervor. Diese läßt ersehen, daß die Lieferungen Amerikas an die Entente­ mächte vom 15. September 1914 bis 15. Aug. 1915, also ein Zeitraum von 11 Monaten, gegenüber dem Vorjahre von rund 370 Mil­ lionen aus rund 1,900 Millionen angewachsen sind, also sich! mehr als verfünffacht haben. Daß diese Kriegslieferanten, bei denen noch die amerikanischen Zeichner auf die Kriegs­ anleihen der Entente nicht berücksichtigt sind, all ihren Einfluß aufbieten, um die amerika­ nische Politik zu ihren Gunsten zu drehen, ist leicht erklärlich. Wenn wir diese Umstände berücksichtigen, wird uns manche Handlung Amerikas leichter verständlich. ────────── WTB. Berlin, 6. März. Mittags. (Große» Hauptqu«Ä«r^ Westlicher KrieMmlatz. Lebhafte Minenkämpfe nordöstliche von Permelles. ^ Tie englische Infanterie, die dort zu kleineren Angriffen ansetzte, wurde durch Feuer abgewiesen. Auf dem östlichen Maasufer verlief der Tag im allgemeinen ruhiger als bisher. Im­ merhin wurden bei lleineren Kampfhandlun­ gen gestern und vorgestern an 'Gefangenen 14 Offiziere und 934 Mann eingebracht. Oestlicher Kriegsschauplatz. und BalkankriegSschanPlatz. Keine besonderen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. Bericht des deutschen Hauptquartiers. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, 6. März, mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz, und Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Tie Kampftätigkeit .ist seit mehreren Tagen durch! außergewöhnlich starke Niederschläge, im Gebirge auch, durch Lawinengefahr, fast völ­ lig aufgehoben. Ter stellvertretende Chef des Generalstabesr o. Hoe fer, Feldmarfchalleutnant. ————— » ────────── 15. September 1914 bis zum 15. August 1915 für 1515 524 730 Dollar Waren. Ein Bündnis zwischen Japan und Rußland. In verschiedenen Berliner Morgenblättern befindet sich! eine Meldung aus Tokio, der Kaiser habe die höchsten Würdenträger in einer längeren Audienz empfangen, deren Gegen­ stand geheim blieb. Aus mehreren Anzei­ chen schließt man, daß die Konferenz ein en­ geres Bündnis mit Rußland bezwecke. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Ter Kampf u|mi Berdun. * Berlin, 6. März. T>er Berichterstat­ ter der Voss. Ztg., Tr. Osborn, meldet vom westlichen Kriegsschauplatz unterm 5. März: Trotz Schneegestöber, Regen und Nebel, die in den letzten Tagen fast an der ganzen West­ front herrschten, fand das erregte Artillerieduell im Kampfabschnitt östlich der Maas seine Fortsetzung. Ten feindlichen Batterien, die sich! verzweifelt bemühen, in die neuen deut­ schen Stellungen Breschen zu legen, bleiben unsre Geschütze die Antwort nicht schuldig. Nach wie vor ist das hauptsächlichste Zielobjekt des Gegners der jetzt im weißen Schnee! leuchtende Höhenrücken von Touaumont bis Hardeaumont Mit seinen von den Unsern ge­ stürmten Stellungen. Anch> gegen unsre neuen Positionen in und um das Dorf DouaüMont feuern die Franzosen. Die wütenden Gegen­ angriffe, die der Feind vorgestern gegen das Dorf ansetzte , führten zu Szenen, die an * die erbitterten Kämpfe um Sonchez während des vergangenen Sommers erinnerten. Doch! die Anstrengungen der Franzosen blieben er­ folglos. Sie wurden zurückgeschlagen und es ist bei unsrem Besitzstand geblieben, wie er sich! nach unsrem Vorstoß am 2. März ge­ bildet hat. Der Feind, der außerordentliche Verluste erlitten hatte, unternahm dann auch gestern keine weiteren JnfaNterieangriffe mehr. Nur sein Störungsfeier dauert fort, das die unsern hindern soll, die eroberten Geländestücke zur Verteidigung einzurichten. Mangels greif­ barer Ergebnisse such!en die Franzosen sich an sinnlosen Uebertreibungen der deutschjenVerluste zu berauschen. Sie erfinden geradezu ungeheuerliche Zahlen und Darstellungen. Nun die großen Erfolge der legten 14 Tage haben gewiß das Blut mancher braven Deutschen ge­ kostet,, aber 'für diese Phantasie fehlt glück­ licherweise jede Grundlage. Die Art, wie der Vorstoß seit dem 21. Februar durchgeführt wurde, hatte vielmehr gerade zur 'Folge, daß nicht die Verschwendung von kostbarem Men­ schenmaterial eintrat, die die! französische Herbstoffensive kennzeichnete. (Z.) An Tapferkeit nichts eingebüßt. Rotterdam, 6. März. Die "Times" melden aus Paris: Die Reste von drei Kom­ pagnien der Brandenburger halten noch! das Fort Douaumont besetzt. Es ist jetzt erwiesen, daß trotz des großen Munitionsverbrauches die Verluste geringer waren als bei den As er­ kämpfen. Die Deutschen haben zwar an Tap­ ferkeit nichts eingebüßt, stürmen aber nicht mehr so tollkühn wie früher gegen das Artil­ leriefeuer an. Die Angriffe werden, wenn sie einmal begonnen haben, mit großer Schnelligkeit durch­ geführt, aber doch iMMer Mit Bedacht. Die deutschen Verluste sind deshalb viel geringer als bei anderen großen Schlachten an der französischen Front. Tie französischen Ver­ luste find noch! unbekannt und können nur geschätzt werden. Soviel aber bekannt ist, ver­ loren die Franzosen beim ersten Angriff viel weniger als im Mai bei Artois; nur etwa 30 000 Mann sind außer Gefecht. m!an trotz der öfteren gegenteiligen Versicherungen in amt­ lichen russischen Kreisen doch zu befürchten! scheint, Riga könne einmal in die Hände der Deutschen fallen, ist man seit längerem dabeff alle irgendwie wertvollen Gegenstände aus der Stadt zu entfernen und nach! dem .Landesinnern zu schaffen. So geschah es auch Mit den heiligen Glocken der orthodoxen Ktr| chen. Bei ihrer Abnahme fand sich auf der Glocke der Jakobi-Kirche der Wahrspruch: "Gott schütze uns vor der Pest und vor den Russen", auf-einer anderen stand die Weissagung: "Wer Mich! berührt, Riga verliert". Leider hat man vergessen, die geistreichen Gesichter im Bilds zu verewigen, die die aus russischen höheren Mi­ litärs, Stadtvätern Rigas und der Geistlich­ keit bestehende Kommission machte, als nach der feierlichen Abnahme der Glocken diese bis dahin wohl unbekannten Sinnsprüche entdeckt und verlesen wurden. "Keine Kopeke für die .Kriegshintcrbliebcüe» übrig.". t Stock h o I m, 6. März. Bei der Behand­ lung d