Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-04-13. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 101, 1916-04-13. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 101 13. April 1916 ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Garbunowska, nordwestlich von Tüna­ burg, wurden russische Nachtangriffe mehrerer Kompagnien abgewiesen. BalkaukriegsWauplatz. Nichts Neues. < ! , Oberste Heeresleitung. ────────── Alle französischen Gegenangriffe rechts und links der Maas gescheitert. — Die deutsche Antwort au Amerika. — Die Demission des Gesamtminifteriums in Portugal. — Der Uuterseevootskrieg. Im Westen brandet unaufhaltsam wie die Sturmwogen der See die Flut der Unsern ge­ gen die französischen Schutzdämme im Norden von Verdun. Und unter ihrem wuchtigen An­ prall versinkt Stück um Stück der feindlichen Front. Mit der Gründlichkeit eines kühlen Rechners arbeitet die deutsche Heeresleitung: Bald hier, bald dort, immer überraschend für den Gegner setzt sie ihre Sturmkolonnen an. Und aus den oft nur scheinbar örtlichen Er­ folgen schasst sie das strategische Meisterwerk, als das sich! die Kämpfe um die gewaltige Magsfeste kennzeichnen. Ihnen wohüt allen das gleiche Streben inner Alle Erfolge unter größte Schonung des Menschenmaterials zu erringen. An dieser Tatsache zerschellen auch, die Uebertreibungen des französischen Heeres­ berichits, der die eigenen Mißerfolge durch Hin­ weise auf die angeblich! schweren Verluste ver­ schleiern will. Immer gefährlicher wird die Lage der von den Franzosen als so wichtig für sie bezeichneten Höhe 304 und sie suchen daher mit allen Mitteln den eisernen Ring unsrer Truppen, der sich, um diesen Punkt zusammenzieht, zu brechen. Aber vergeblich. Anch gestern wird wieder von einem solchen mißglückten Angriff auf unsre Linien bei Avocourt berichtet. Ebenso scheiterte ein drei­ maliger französischer Angriff auf unsre neuen Errungenschaften am Pfefferrücken. Dagegen hatte eine kleine deutsche Abteilung mit einem Vorstoß, in die engl. Stellungen bei Albert Er­ folg und konnte sogar 29 Gefangene und ein Maschinengewehr zurückbringen. Im Osten beschränkten sich die Russen auf Angriffe mehrerer Kompagnien bei Garbunowska, 'nordwestlich, von Tünaburg, die aber von den Unsern glqtt abgewiesen würden. ' An der italienischen Front dauerten die lebhaften Geschützkämpfe an. Bei Riva wurden die Italiener weder aus einer Stellung, deren sie füll bemächtigt hatten, geworfen. Zn Portugal geht es zur Zeit sehr lebhaft zu. Tie Armee weigert sich,, am Kriege teilzu­ nehmen, während die Marine englandfreuUblich ist. Es kommt daher häufig zu blutigen Zusammenstößen. Einzelne Provinzen, beson­ ders im Norden des Landes, befinden sich, im offenen Aufruhr. Infolge der unhaltbaren Verhältnisse hat das Gesamtministerium seine Demission eingereicht. In Amerika ist nun die deutsche Noth Über den "Sussex"-Fall eingetroffen. Mit ihrer Beratung pressiert es aber jetzt plötzlich, den Amerikanern nicht mehr, weil Herr Wilson krank ist und das Bett hüten muß. Inzwischen kann ja die anglo-amerlkanische Presse wei­ terhin ihre Drohbriefe über das große Wasser erschallen lassen. Was wir von ihnen zu den­ ken hahen, ist nun kaum mehr einem Teutschen zweifelhaft^ denn auch! in Amerika wird die Suppe nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Die Kämpfe an der Maas. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 12. April. Mittags. (Großes Hauptquartier.) ────────── Westlicher Kriegsschauplatz. Bei La Boisselle, nordöstliche vwn Albert, brachte eine kleinere deutsche Abteillung von einer nächtlichen Unternehmung gegen die eng­ lischen Stellungen ohne eigene Verluste 29 Gesalvgjene und ein MasMnengcwehr zurück. Westlich der Mäas griffen die Franzosen vergeblich unsere Linien nordwestlich von Adocourt an, beschränkten sich fm übrigen aber aus lebhafte Feuertätigkeit ihrer Artillerie. Auf dem Ostuser brachten drei durch hef­ tigstes Feuer vorbereitete Gegenangriffe am Psesferrücken dem Feinde große Verluste, aber keinerlei Vorteil. Zweimal gelang es den Sturmtruppen nicht, den Bereich unseres Sperrfeuers zu überwinden. Ter dritte An­ lauf brach! nahe vor unseren Hindernissen im Maschinengewehrfeuer völlig zusammen. IM Caillettewalde gewännen wir der zähen Verteidigung gegenüber schjrittweise eini­ gen Boden. Im Luftkampf wurde ein französisches Jagdflugzeug bei Ornes in der Woevre abge­ schlossen. Ter Führer ist tot. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, 12. April, mittags. * — Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. und \ Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Bedeutung. S Italienischer Kriegsschauplatz. Die lebhaften Geschützkämpfe in einzel­ nen Frontabschnitten dauern fort. 1 Bei Riva, wurde der Feind, der sich! in einigen vorgeschobenen Gräben und einer Ver­ teidigungsmauer südlich, Sperone festgesetzt hat­ te, aps diesen Stellungen wieder vertrieben. Ter italienische Angriff ist somit vollstäudiU abgeschlagen. Ter stellvertretende Chef des Generalstabes i v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. Tie französischen Verluste vor Verdun. G einf, 11. April. Gestern und heute sind zahlreiche Züge mit Verwundeten von Verdun in Savoyen eingetroffen .In Cham­ ber wurden 400 Sch>rv>erverwundete in die Spi­ täler verteilt. (Z.) Tie sranzösischpn Sozialisten gegen die Royalisten. Genf, 11. April. Tie sozialistische Par­ teifraktion hat der französischjen Regierung ein wit zahlreichien Akten belegtes Beschwerdeschreiben gegen die immer fortschreitenden royalistischen Umtriebe überreicht. Anlaß hier­ zu bot eine Anfrage der konservativen Parla­ mentsgruppe an die Regierung, was sie gegen die, die Einigkeit Frankreichs bedrohende sozialistische Propaganda zu tun gedenke. Aus dem von den ^Sozialisten überreichten Akt soll hervorgehen, daß die Klerikalen und die Kon­ servativen den Krieg als eine verdiente Strafe Frankreichs dafür ansehen, daß Frankreich in seinen Schulen die Gewissensfreiheit einge­ führt habe. (Z.) Ter Neid ans deutsche Kohlen. Zürich, 11. April. Im "Echo de Paris" wendet sich> Jean Herbette unter dem Titel "Europa der Sklave deutscher Kohlen" heftig dagegen, daß man Deutschland etwa gestatte, siich! auch der Kohlenminen der an Deutschland angrenzenden Länder zu bemächtigen., Man müsse im Gegenteil dafür sorgen, daß den Nachibarstaaten Deutschlands ein Recht auf einen entsprechenden Anteil an der deutschen Kohlenerzeugung zuerkannt werde. (Z.) ────────── Vom östlichen Kriegsschauplatz. Hindenburgs Taut an seine Truppen. Königsberg, 11. April. Tie hier vorliegende Feldzeitung "Wacht im Osten" veröffentlicht nachstehenden Armeetagesbesehl des Feldmarschalls'v. Hindenburg: Hauptquartier Ost, 7. April. Der Erinnerungstag an meinen vor 50 Jahren erfolgten Diensteintritt soll nichit vorübergehen, ohne daß ich in Gedanken bei den mir anvertrauten Truppen einkehre. Ich weiß sehr wohl, daß ich meine Erfolge ! sehr wesentlich! auf ihre Treue, Ausdauer und Tapferkeit zurückzuführen habe. Darum danke rch> auch heute so recht von Herzen ,ur alles das, was ihr vor dem Feinde geleistet habt, desen Kraft im Erlahmen begriffen ist. Daher weiter vorwärts mit Gott für Kaiser und Reich. Ein endgültiger Sieg ist uns gewiss. Bb» Sfttite MMa«lW. ────────── Der Krieg mit Italien. Vor der ncnctt Kammcrtagung in Italien. Zürich, 12. April. Während die bis­ herigen Sitzungen der italienischen Kammer schwach besucht wären, erwartet man für mor­ gen, zur Erörterung der auswärtigen Politik, etwa 400 Abgeordnete. Sonnino wird über die Pariser Konferenz reden und dabei, wie der "Secolo" erwartet, auch Pessimisten von der Bedeutung der Konferenz Überzeugen. Tie Friedensbewegung in Italien. Lugano, 11. April. Die italienische Re­ gierung hat die Abhaltung der für den 1. Mai im ganzen Lande geplanten Versammlungen der italienischen Sozialistenpartei genehmigt. Tie sozialistischen Blätter fordern das Volk auf, durch, Massenbesuch der Versammlungen für den Frieden zu agitieren. (Z) Austausch, von SchwlervepwUNdeten. H a a g, 11. April. Nach! italienischen BlätterMeldungen fänden in Como Verhandlungen zwischen italienischen und Schweizer Delegier­ ten statt, die die Frage des Schwerverwundetenaustausches zwischen Italien und Oesterreich regelten, die Schweizer Delegierte vertraten. Ter Austausch beginnt im Monat Mai. (Z.) ────────── Die Türkei im Kriege. Tie Kämpfe in Mesopotamien. Basel, 12. April. Tie "Basler Nachrich­ ten" melden aus London: Nach der "Daily News" ist aus Kut-el-Amara in Mesopotamien von der Division Townshend die drahtlose Nacht­ richt eingetroffen, sie könne noch einige Wochen Widerstand leisten. . (nt.) ────────── Der Krieg mit Portugal. Ttmission des portugiesischen Ministeriums. Lissabon, 12. April. Nach Blättermel­ dungen reichte der Ministerpräsident das Rück­ trittsgesuch! des ganzen Ministeriums ein. ────────── Der Krieg mit England. Zu Asquiths Rede. Hgag, 12. April. Den einzigen bedeut­ samen Punkt in Asquiths Antwort auf des deutschen Kanzlers Rede sieht man in Holland in der Definition des Ausdrucks "Vernichtung des preußischen Militarismus". Sie wird auf­ gefaßt als Vorbereitung zum Rückzug, als Abschwächung der bisherigen Aeußerungen und zugleich, ass unvereinbar mit all den Vor­ bereitungen zum Handelskrieg nach, dem Kriege. Jedenfalls zeige die Rede, daß Asquith an die Möglichkeit einer Vernichtung der mili< tärischen Macht Deutschlands selbst nicht mehr glaubt. (Z.) Höchstpreise in England. Haag, 11. April. Wie bereits kürz be­ richtet, sollen nunmehr in England für Näh> rungsmittel Höchstpreise eingeführt werden. I Mit dieser Frage beschäftigte sich das Komitee für Kiriegsausgaben. Dieses Komitee besteht hauptsächlich aus Gewerkschaftlern unter dem Vorsitz; des Kavinettsmitgliedes Henderson. Der Manchester Guardian erklärt sich gegen die Einführung von Höchstpreisen. Ter Vorschlag beweise allerdings, daß verantwortliche, ruhige und besonnene Männer über die fortgesetzte Steigerung der Lebensmittelpreise beunruhigt seien. e§ an­ deren ergibt sich der von Gottberg mit Wahr­ haftigkeit und männlich- beherrschter Empfin­ dung gemeisterte Stoff. Soldatenlieder. Im Verlage von Hans Keßler, Trier, erschien soeben ein Soldaten­ ────────── Fahrzeit der elektrischen Straßenbahn.