Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-04-17. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 105, 1916-04-17. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Hier sagt Jafse u. -a,: "Wir haben heute in der Zentraleinkaufsgesellschaft eine solche staat­ liche Einfuhrmonopolstelle, und zweifellos wird Biese Einrichtung auch nach! dem Friedensschluß auf f Jahre hinaus aufrecht erhalten . werden müssen, ''schon aus dem Grunde, weil sie das «Nächstliegende Mittel bietet, um die Wieder­ aufrichtung unserer Valuta nach dem Kriege zu ermöglichen. Zum Schluß.wird noch die (Frage der Ausnützung der natürlichen Quel-/ len (Wasser und Kohle) für die Reichiseinnahmen besprochen. Lurch organische und techtnisch«e Vereinheitlichung sind außerordentliche volkswirtschaftliche 'Ersparnisse zu erzielen, wie das Beispiel der Kohlensyndikate und der großen Elektrizitätsunternehmungen gezeigt hat. Zusammenfassend gibt Jaffe sein Urteil dahin ab: "Eine Deckung des ungeheuren, wach Kriegsende sich« ergebenden Finanzbedarfes Deutschlands ist in vollem Umfange möglich. Allerdings nichjt auf dem Wege der gewohnten Besteuerung allein, da diese, in der erforder­ lichen Höhe in Anwendung gebracht, die wirt­ schaftlich!^ Kräfte mit der Gefahr der Er­ schöpfung bedroht, wohl aber auf dem Wege her Verbindung pon Produktivitätssteigerung und Besteuerung zugleich!." ; Tier Rhlein-Dorrom-Kanal. Im Wiener Ge­ meinderat wurden die Erörterungen des An­ trages über die Schaffung einjes Rhein-TonauKanals fortgesetzt. Bürgermeister Tr. Weiß,, kirchiner betonte, daß der Krieg die Wichtigkeit der Tonauwasserstratze für die Mittelmächte gezeigt habe und wies u. a auf die rumänische Getreideausfuhr auf der Lonau hin. Sein Antrag, eine Tagung der Tonaustädte Deutschlands und Oesterreich-,Ungarns zum Rhein-jLonau-Kanal nach Wien zu berufen/ wurde mit dem Hauptantrag Schmid oftgenomti men. In anschließender vertraulicherSitzung wurde ein Antrag im Gemeinderat, Weißkirchß ner wegen ferner Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt Wien zu ernennen, der geschäfts^ ordnungsmäßigen Behandlung überwiesen. , (Z.) Tche Liommerszeit in Frankreich«. Der französisch,en Kammer wurde ein Antrag unter­ breitet auf Abänderung der Sommerszeit. Tie Regierung solle darnachi ermächtigt sein, durch einfachen Erlaß zu entscheiden. (Z.) ────────── Französische Angriffe vor Verdun vereitelt. Am Kanal von La Basier gesteigerte Artillerietiitigkeit. — Eine englische Stellung Bei Bermelles gesprengt. — Russische Angriffe abgeschlagen. — Die allgemeine Wehrpflicht in England vom Kabinett abgelehnt. — Unsere U-Boote im Mittelmeer: 3 feindliche Trnppentransportdampfer vermißt -7 Abfälliges Urteil Giolittis Über die Pariser Kon­ ferenz. — Meuternde italienische Truppen. — Amerika und Deutschland. Im Westen suchen die Franzosen mit dem Mute der Verzweiflung He drohende völlige Umfassung und Abschnürung beitr -nichtigen Stellung aus der Höhe 304 zu verhindern. Ohne Rücksicht auf Verluste setzen sie zu im­ mer neuen Frontalangriffen an, um möglichst den deutschen Ring an einer Seite zu spren­ gen oder wenigstens zu lockern. Vergebens na­ türlich!. Tenn die in den letzten Wochen ge­ wonnenen Stellungen im Norden von Ver­ dun find so fest in deutscher Hand, die artil­ leristische Ueberlegenheit ist auf unsrer Seite derart, daß jeder Versuch von vornherein aus­ sichtslos wird. Alle französischen Gegenstöße an diesem Frontteil können das weitere deut­ sche Vorrücken vielleicht hier und da einmal vorübergehend aushalten, abwanden können sie das drohende Schicksal aber nicht. Dazu ist die Umklammerung zu weit vorgeschritten. Nach dem Samstagbericht versuchten die Fran­ zosen unsre vorspringende Front am "Toten Mann" einzudrücken; ebenso südlich! des Rabenund Cumiereswaldes. Unser Artilleriefeuer verhinderte aber die feindlichen Sturmkolon­ nen am Borbrechen. Nur am "Toten Mann" setzten einige Bataillone zum Sturme an, wurden aber glatt abgewiesen. Nach, dem gest­ rigen Berichte setzte der Feind von Toumont bis zur Schlucht von Vaux mit starken Kräften neuerdings zum Sturme an, wurde aber unter .schwerer Einbuße an seiner Gesechtskrast ab­ gewiesen, wobei noch 200 unverwnndete Fran­ zosen in unsrer Hand blieben. Ein Handgra­ natenangriff bei Touaumont wurde zurückge­ schlagen. Bei Vermelles konnte die englische Stellung durch! Sprengungen der Unsern im 60 Meter Ausdehnung verschüttet werden. Tie Russen wiederholten ihre Angriffe bei Tünaburg und am Serwetsch, hatten aber da­ mit das gleiche Mißgeschick wie am Tage vor­ her. In Galizien kam es über Czernowitz zu einem Luftkamps, bei dem ein russischjes Kampf­ flugzeug abgeschossen wurde. An der italienischen Grenze versuchten die Italiener Borstöße ant Mrzli Vrh und im Suganaabschnitt, wurden aber zurückgewiesen. Aus Italien kommt die Kunde, daß Giolitti, der Führer der Kriegsgegner, in einer Unterredung mit Pros. Orto zum erstenmale seit Beginns des Krieges seine Meinung ge­ äußert hat, die den italienischjen Machthabern nichjt besonders angenehm klingen mag. Vor allem betont er, daß die Unabhängigkeit Ita­ liens aus lange Jahre vernichtet sei. Eng­ land binde Italien die Hände, Frankreich, er­ warte Taten und biete "schöne Worte". Tas italienische Volk werde früher oder später von feiner Regierung den Preis für das viele ver­ gossene Blut verlangen. Ueber die Pariser Konferenz meinte Giolitti, vom grünen Tisch! aus besiege man die Teutschen nicht und je größer ( der Vierverband geworden ist, desto schwächer sei er geworden. Tas sind ernste Worte eines Mannes, der sein Vaterland liebt, die jedem Italiener zu denken geben dürften. Amerika will nach, einer Reuttermeldung einen Protest an Teutschland richtem mit Be­ weisstücken widerrechtlicher Unterseeboots an­ griffe. Wir dürfen wirklich gespomnt sein, welche "Bchveise" die Amerikaner erbringen werden. In England wurde die allgemeine Wehr­ pflicht vom Kabinett abgelehnt. Zu was brauch>en auch die Engländer eine allgemeine Wehr­ pflicht, so lange sie Tmnme genug finden, die ihr Leben für englische Interessen opfern. Ob allerdings die Verbündeten Englands mit die­ ser neuesten englischen "Hilfe" einverstanden sind, dürste doch sehr fraglich sein. In Frank­ reich mehren sich wenigstens bereits die An­ zeichen, daß man dort mit dem englischen Grundsatz: "Ich! gebe das Geld, du das Leben" gar nicht mehr recht einverstanden sein will. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, ,15. April. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KrieMasM. Ein starker Vorstoß der Engländer gegen die Trichterstellungen südlich von St. Eloi wurde nach! Handgranatenkamps völlig zurück­ geschlagen. In den Argonnen und östlich! davon teil­ weise lebhafte Artillerie- und Minenkämpfe. f Links der Maas konnten feindliche Angrisfsabsichjten gegen unsere Stellungen auf "Toter Mann" und südlich des Raben- und Cumiereswaldes, die durch, große Steigerung des Artillerieseners vorbereitet wurden, in unserem vernichtenden, von beiden Maasusern aus die bereitgestellten Truppen vereinigten Feuer nur mit einigen Bataillonen gegen "To­ ter Mann" zur Durchführung kommen. Unter schwersten Verlusten brachen die Angriffswellen vor unseren Li­ nien zusammen. Einzelne, bis in unsere Grä­ ben vorgedrungene Leute fielen hier im Nah­ kampf. Rechts der Maas sowie in der WoevreEbene blieb die Gefechtstätigkeit im wesent­ lichen aus heftigv Feuerkämpse beschränkt. Zwei schßviächere feindliche Handgranatenangriffe südwestlich der Feste Touaumont blie­ ben erfolglos., ────────── Die gestern wiederholten örtlichen Angrifssversuche der Russen nordwestlich voy Tünaburg hatten das gleicht Schicksal wie am vorhergehenden Tage. Am Serwetsch!, südöstlich von Korelitschi, brachten wir einen durch starkes Feuer einge­ leiteten Vorstoß, schwacher feindlicher Kräfte leicht zum Scheitern. Bakkan-AriegsschanPlatz. Keine Ereignisse von Bedeutung. 4 Oberste Heeresleitung. WTB. Berlin, 16. April, mittags. — (Großes Hauptquartier.) Oestlicher Kriegsschauplatz. ────────── 200 unbmo anbete Gefangene fielen in unsre Hand. ────────── Oestlicher Kriegsschauplatz. und valkankriegsschauplatz. Es hat sich nichts von besonderer Bedeu­ tung ereignet. Oberste Heeresleitung. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. Wien, den 15, SÄ. Amtlich wird verlautbart: »russischer Kriegsschauplatz Gestern nach! 5 Uhr früh erschienen sie­ ben feindliche Flugzeuge, darunter vier Kampfflieger über Czernowitz und den Bahn­ anlagen nördlich der Stadt. Zur Abwehr stiegen einige unserer Flugzeuge auf, denen es nach zweistündigem, über Czernowitz sich abspielenden Luftkampf gelang, einen feind­ lichen Kampfflieger auf 30 Schritte abzuschie­ ßen. Das feindliche Geschwader flüchtete sich!. Tas getroffene Flugzeug landete im Sturzflug bei Bojan zwischen der russischen und unserer Linie und wurde durch! unser Geschützfeuer vernichtet. Ter feindliche Beobachter ist tot. Unsere Flugzeuge kehrten unversehrt zu­ rück. ( Sonst verlief der gestrige Tag sowohl in Ostgalizien als auch, in den anderen Abschnit­ ten unserer Nordostfront verhältnismäßig ru­ hig. Italienischer Kriegsschauplatz Am Mrzli Vrh wiesen unsere Truppen neuerliche Angriffe des Feindes auf die ge­ wonnenen Stellungen ab. Im PlöckenabschUitt waren die Minenwerfer heute nachts in leb­ hafter Tätigkeit. Die Spitze des Col di Lana wurde von den Italienern andauernd heftig beschössen. Feind­ liche Annäherungsversüche im Sugana - Ab­ schnitt wurden abgewiesen.' Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Ler stellvertretende Chef des Generalstabe»' th & o c f e r, Feldmarschalleutnant. WTB. Wien, 16 .April, mittags. — ihm Ltd) wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Außer dem alltäglichen Geschützkampf keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. An der küstenländischen Front fanden im allgemeinen nur mäßige Geschützkämpfe statt. Im Abschnitt der Hochfläche von Toberdo war die Gefechtstätigkeit etwas lebhafter. Oestlich, von Selz sind wieder kleinere Kämpfe im Gange. i 1 f Im Plückenabschnitt nahm unsre Artil­ lerie die feindlich,en Stellungen unter kräftiges Feuer. An der Tiroler Front beschoß der Feind einzelne Räume in den Dolomiten und unsre Werke aus den Hochflächen von Lafraun und Vielgereuth. Südöstlicher Kriegsschauplatz: Unverändert ruhig. Der stellvertretende Chef des Generalstab«-r v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. ────────── viel Munition, als sie nur konnten uwd mttojp ten sich dann auf, die Schweizer Grenze zu überschreiten. Es sollen, so vernimmt man aus dem Münstertal, einige hundert Mann an dem Aufstand teilnehmen. Ein Teil von ihnen hat bereits kriegsmüde die Grenze über­ schritten. In Santa Maria sollen, so wurde uns auf der Fahrt soeben mitgeteilt, die ersten 80 Alpini eingetroffen sein. (m.) Der Krieg mit Italien. Giolitti spricht. Ter bekannte italienische Nationalökonom Prof. Orto, der bei Kriegserklärung an Oester­ reich! Padua verließ, um in der Schweiz Wohn­ sitz zu nehmen, hatte vor einigen Tagen eine Unterredung mit Giolitti, Prof. Orto gehört zu dem Freundeskreise Giolittis und gehörte zu jenen Universitätsprofessoren, die ihren Ein­ fluß auf die akademische Jugend zugunsten der Neutralität Italiens aufrecht erhalten wollten; sie wurden dafür gemaßregelt. Ueber den Inhalt des Gespräches mit Giolitti er­ zählt Prof. Orto, wie wir der "Teutschen Ta­ geszeitung" entnehmen, folgendes: Giolitti ist der Ansicht, daß die Unabhängigkeit Italiens auf lange Jahre vernichtet sei. An Stelle der Abhängigkeit von Deutschland und Oester­ reich! — die tatsächlich! nur eine lose Verbind düng war, denn man kann es nicht als eine Abhängigkeit anseihen, wenn durch. Teutschland und aus Oesterreich! in das Land jährlich 2 Milliarden gelangen — ist die Abhängigkeit von England und Frankreich, getreten. Daß dieses Verhältnis auf die Tauer zu uner­ träglichen Zuständen führen muß, hat uns der Krieg bewiesen. England bindet uns die Hän­ de und verlangt von uns Taten, Frankreich von uns Mithilfe zur Vernichtung Teutsch-' lands, ohne uns etwas anderes zu bieten, als schöne Worte. Wir haben von Frankreich und England bereits genug kurzfristige Wechsel auf die Erfüllung vieler berückender Verspre­ chen. Tas Volk wird früher oder später von der Regierung den Preis für das viele ver­ gossene Blut verlangen. Tie Pariser Konferenz sollte nun Klar­ heit über die vielen Kriegsziele der vielen Kriegsteilnehmer, die auf deutschfeindlicher Seite kämpfen, bringen. Solche Konferenzen haben keinen rechten Sinn. Vom grünen Tisch aus besiegt man die Teutschen nicht. Siege lassen sich nicht organisieren, wie etwa Revoltent oder Attentate aus unbequeme Minister. Sie verlangen Einigkeit des Handelns, Einig­ keit wes Willens, gleich große Opferfreudigkeit. Ter Kongreß hat das Mißtrauen unter den Beteiligten nur verstärkt. Man werfe nur einmal einen Blick in die Grundsätze, die bis­ her die Politik der verschiedenen Regierun­ gen bestimmten. England will — trotz seiner Phrase von der Vernichtung des deutschen Militarismus — die Vernichtung der deutschen Seemacht und die Erhaltung der deutschen Landmacht zu einem allenfalsigen Kampf ge­ gen Rußland. Rußland wünscht die Vernich­ tung der deutschen Landmacht und die Erhal­ tung der deutschen Seemacht zum allenfalsigen Kampf gegen England. Rußland wünscht eine serbische Adria, Italien wünscht eine italieni­ sche Adria. England wünscht die Erhaltung Oesterreichs, Rußland wünscht Oesterreichs Zer-! tont etter ung. Japan verlangt freie Hand in China. Rußland verlangt freie Hand in China und Amerika verlangt, China zu schützen. Je größer der Vierverband wurde, desto schwächer ist er geworden. Ter Kongreß hat nichts ge­ bracht und konnte nichts anderes bringen als Worte, hinter denen sich! nicht einmal Gedan­ ken verborgen hielten. (Z.) 1 SMvlere Meuterei italienischer Truppen am Nmbrail. St. Gallen, 15. April. Wie man dem St. Galler Tagblatt von der italienischi-fchweizerischen Grenze in einem dort gestern aufge­ fundenen Briefe mitteilt, sind unter den dor­ tigen italienischien Truppen schwere Unruhen ausgebrochen. Schon am 12. April vernahm man, heißt es in der Meldung, von den italienische Siel-' langen her schweren Kanonendonner bis in unser Tal hinein. In der Nacht vom 13. auf den 14. April, um 1 Uhr, wurde die schweizerische Mannschaft alarmiert und nach Umbrail beordert. Heute wissen wir bestimmt, daß unter den italienischen Truppen am Um­ brail eine schwere Meuterei ausgebrochen ist. Sie wiedersetzten sicht einer Dislozierung an die Jsonzofront und fingen an zu rebellieren. Sie verschossen ziellos mit ihren Geschützen so ────────── Die Türkei im Kriege. T«r türkische Bericht. Konstantinopel, 15. April. Tas tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Irak- und Kaukasusfront keine wesentliche Aenderung der Kriegslage. In der Nachjt vom 14. zum 15. ds. über­ flogen zwei feindliche Flugzeuge,, die vor den Dardanellen aufgestiegen Waren, in großer Höhe Konstantinopel und warfen einige Brand-' bomben auf zwei Oertlich,leiten der Bannmeile, ohne irgend eine Wirkung zu erzielen. Jrto folge des Feuers unsrer Abwehrgeschütze ver­ loren die feindlichen Flieger ihr Ziel aus den Augen und kehrten nach! der Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Konstantinopel, 16. April. Tas tür­ kische Hauptquartier teilt mit: Von den verschiiedenen Fronten ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden. Ein feindliches Torpedoboot, welches sich Sedd il Bahr zu nähern versnchjte, und einige feindliche Kriegsschiffe, die mit zwei Flug­ zeugen in der Umgebung der Insel Keusten in den Gewässern von Smyrna erschäenenl, wurden durch! unser Feuer Vertrieben. ────────── Der Krieg mit England. Stic Wehrpstichtsrage in England . London, 15. April. "Star" meldet: Tas Kabinett entschied gegen die allgemeine Dienst­ pflicht, aber alle jungen Männer sollen, wenn sie das 18. Jahr erreichen, zum Dienst auf­ gerufen werden. ────────── Tonnen) ist, wie gemeldet wird, ebenfalls ver­ senkt worden. Englische Seeleute gegen englische Regierungsalnordnungen. Unter den englischen Seeoffizieren macht sich eine starke Bewegung gegen die von der Admiralität erlassenen Vorschriften über das Verhalten im Falle von U-Boots-Angriffen auf Handelsschiffe bemerkbar. Tie Admirali­ tät erklärte den Käpitänen, sie sollten bei einem etwaigen Warnungssignal von Untersee­ booten dieses nicht beachten, sondern wenn möglich, die Flucht ergreifen, oder von der Waffe Gebrauch! machen. Turch diese Anord­ nungen sehen die Kapitäne 'das Lüben ihrer Mannschaften stark gefährdet. Sie sind viel­ mehr der ANfichi, daß es besser ist, auf den ersten Anruf von U-Booten zu stoppen und das Schicksal der Besatzung des angehaltenen Schiffes der Verantwortung des U-Bootsfüh!rers zu "übergeben. Auch, sollten englische Han­ delsschiffe auf hoher See keine Nationalitäts­ veränderung vornehmen, da es wiederholt vor­ gekommen sei, daß neutrale Schiffe deutschen Unterseebooten englische Schiffe, die ihre Na­ tionalitätsabzeichen abgeändert hatten, ver­ raten haben. (SO ────────── unversehrt waren. Inzwischen Hütte sich die feindliche Arrtllerie von ihrem Schrecken er­ holt und versuchte, ein Sperrfeuer hinter un­ sere Ausgangsstellungen zu legen. Eine kräf­ tige Beschießung unserer Unterstände hielt die ganze Nacht hindurch an. Auch der nächste Morgen war klar und heiter und von 8 Uhr früh ab konnte sich! mit dem neu aufgenommenen Wirkungsschießen der Artillerie ein ausgezeichnetes Mineufeuer mit Beobachtung vereinigen. Bon 11 bis 12 Uhr ¥cm es abermals zu einer höchsten Steigerung des Feuers. Um 12 Uhr traten die iSturrwtruppen an, ernst, wortlos, flammende Be­ geisterung in den Augen. Ein Befehl — da gibt es kein Halten mehr. Schon zehü Minuten später beobachten die als Reserve in den Aus­ gangsstellungen zurückgebliebenen Truppen ein gar seltsames Schauspiel. Aus demselbenWaldrande, in den eben mit prachtvollem Schneid die deutschen Sturmtruppen hineingestoßen wa­ ren, kamen Schüren von Franzosen mit hoch­ gehobenen Händen auf die deutschem Stellungen zugelaufen und fragten nach! dem Wege nach Flabas. Wo unsere Stürmer mit Hurra in ei­ nen französischen Graben gesprungen waren, hatte sich die Besatzung überall sofort erge­ ben. Aber unsere Leute hatten sich! mit den Gefangenen nicht aufgehalten, sondern waren weiter gestürmt., nachdem sie den Franzosen zugerufen hatten, sie sollten sich! in Flabas als Gefangene melden. Das haben die Ge­ fangenen auch getan und sind marsch, marsch immer die Hände hochhebend, wenn sie un­ seren Feldgrauen begegneten, bis nach Flabas gerannt, viele auch! noch weiter bis nach! Moi-, veh, um den vereinzelt herüberkommenden Gra­ naten der französischen Artillerie zu entrinnen. Einzelne Franzosen trugen sogar ihre Waffen und selbst Maschinengewehre mit zurück. Diese waren allerdings jeweils von einem der weni­ gen deutschen Verwundeten begleitet, die dem -'Verbandplätze in Flabas zustrebten. Es war offenbar, daß diese Franzosen ihre Nerven vollkommen verloren hatten. In der Tat hatte das stürmende BattaUlon, welches auf der rechten Seite vorgegangen war die beiden vorderen französischen Gra­ benlinien glatt überrannt und war bis zur cGtellung vorgedrungen; es hatte dabei nur fünf Tote und drei Verwundete verloren, eine Tatsache, die bei best unsinnigen feindlichen Uebertreibungen umso schwerer wiegt, wenn man sich! vor Augen hält, wie ungeheuer die Franzosen die schier undurchdringlichen Dick­ ichte des doch immerhin weit über einen Kilo­ meter tief zu erstürmenden Caures-Waldes be­ festigt und insbesondere für den Nahkampf eingerichtet hatten, wenn man ferner bedenkt, daß ein Bataillon, verstärkt nur durch! ge­ ringe Abteilungen von Pionieren und Flam­ menwerfern, es mit Teilen eines feindlichen Infanterieregiments und einem vollen feind­ lichen Jägerregiment zu tun hatten. Etwas langsamer kam das andere, die Westhälfte des Waldes erstürmende Bataillon vorwärts. Es traf auf stärkere Kräfte in we­ niger beschädigten Grabenteilen und Unterstän­ den der zweiten feindlichen Linie und beson­ ders auf Blockhäuser, die im Dickicht versteckt, fast unversehrt durch! das Streufeuer der deut­ schen Beschießung gekommen waren. In einem solchen Blockhause hatte sich ein französischer Offizier eingeschlossen, der auf Anruf er­ klärte, lieber fallen zu Wolken, aks sich! zu ergeben. Reichlich mit Munition versehen, be­ antwortete er jeden Annäherungsversuch mit einem beständigem Maschinengewehrfeuer. Es blieb nichts anderes übrig, als den Mann durch einen herbeigeholten Flammenwerfer auszuräuch-ern. Dreiviertel Stunden nach Beginn des Sturmes war die Mehrzahl der Abteilun­ gen schon durch den Wald bis an die Straße Ville—Vacherauville durch, um 1 Uhr 30 M-. war der Südrand des Caureswaldes im allge­ meinen erreicht; das eine Bataillon fand dort in der Schlucht eine Reihe von dampfenden französisch-en Feldküchen vor, die mit Halloh begrüßt wurden. Es hatte unterwegs 500 un­ verwundete Gefangene gemacht, während die Gefangenenzahl des anderen ,Bataillons zu­ nächst noch nicht festgestellt werden konnte, weil sich die Franzosen in der geschilderten Weise freiwillig selbst nach rückwärts, nach Flabas und Moibeh begeben hatten. Der Anschluß zwischen den kämpfenden Abteilungen war trotz der Dichtigkeit des Waldes keinen Augenblick abgerissen. Ein Zug drang über den Südrand des Caureswaldes fyinmiS, noch! um etwa 400 Meter vor, nahm ein feindliches Infanteriewerk und machte dessen Besatzung zu Gefan­ genen. Man konnte aber hier nicht weiter Vorkommen, da man in das Kreuzfeuer der feindlichen Feldstellungen im Fah-Wäldchen u. auf dem Waldgipfel La Wavrtlle geriet. Es mußte also mit dem Sturm auf Beaumjont, der zwischen diesen beiden Befestigungen hätte hindurch geführt werden müssen, gewartet wer­ den, bis diese beiden starken und noch! ungeschwächiten Stützpunkte des Feindes erledigt waren. Amßerdem war die c-Stekkung mit ihrem hohen rund im Maschinengewehrfeuer nicht weg­ zuräumenden Astverhau noch nicht genommen. ElinTeil Mannschäften war davon liegen ge­ bhieben und hatte sich! in den Wurzeln der umgerissenen Bäume und in Granatlüchern so gut gedeckt, wie es möglich! wär. Aber an ein Vorwärtsdringen auch nur um wenige Schritte wäre ohne die unverhältnismäßig­ sten Verluste nicht zu denken gewesen. Ta fuhren, nachdem Pioniere noch während des Sturmes die Hindernisse an der Straße Ville —Vacherauville beseitigt und die dortigenGräben überbrückt hatten —, in keckem Anlauf zwei Feldgeschütze der Batterie D. mitten im Maschinengewehrfeuer bis hinter die vorderste Jnfanterielinie vor. Tie Pferde fielen, die Mannschaften zogen die Geschütze weiter. Tie Schiutzschilde wurden durchlöchert, einem der die Kanonen selbst bedienenden Offiziere riß eine Kugel den Helm auf. Aber es gelang, mir Granaten in wohlgezieltem Schnellfeuer Bre­ schen in die Hindernisse der c-Stellung zu schlagen und die gefährlichsten Blockhäuser zu vernichten. Damit war der gesamte Caureswäld in unserer Hand, und die Verluste waren trotz der ungeheuren Schwierigkeit des Unterneh­ mens überraschend gering. Tie beiden hier stürmenden Bataillone hatten trotz wer stun­ denlangen Nahkämpfe an Toten nur 16 Mann, aber daneben allerdings die unverhältnismäßig hohe Zahl von fünf Offizieren verloren. Mit der Einnahme des Caureswaldes ergab sich ein natürlicher Gefechtseinschnitt. Man grub sich auf der neugewonnenen Linie ein, soweit das ging, benutzte dabei die Reste' der franzöfisch>en Unterstände und ordnete die Perbästde neu. Für den folgenden Tag standen abermals schwere Arbeit in Aussicht. Aber die Stim­ mung der siegreichen Truppen war begeistert, beinahe festlich,, und jeder fühlte es, der neue Tag muß uns einen neuen Sieg bringen. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. (Kb.) ────────── In der Tat hatte das stürmende BattaUlon, welches auf der rechten Seite vorgegangen war die beiden vorderen französischen Gra­ benlinien glatt überrannt und war bis zur cGtellung vorgedrungen; es hatte dabei nur fünf Tote und drei Verwundete verloren, eine Tatsache, die bei best unsinnigen feindlichen Uebertreibungen umso schwerer wiegt, wenn man sich! vor Augen hält, wie ungeheuer die Franzosen die schier undurchdringlichen Dick­ ichte des doch immerhin weit über einen Kilo­ meter tief zu erstürmenden Caures-Waldes be­ festigt und insbesondere für den Nahkampf eingerichtet hatten, wenn man ferner bedenkt, daß ein Bataillon, verstärkt nur durch! ge­ ringe Abteilungen von Pionieren und Flam­ menwerfern, es mit Teilen eines feindlichen Infanterieregiments und einem vollen feind­ lichen Jägerregiment zu tun hatten. Da machte er eine ungestüme Bewegung. "Lassen wir doch! einmal alle Aeußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten beiseite und sprechen wir schlicht und ehrlich als Mensch! zum Men­ schen zueinander. — Geben Sie mir jetzt Ihren Arm und hören Sie mich an. Unterbrechen Sie mich nicht, bis ich Ihnen alles gesagt habe." Er wartete nicht, ob sie seinem Wunsche nachkommen würde, er nahm ihre Hand und zog sie durch seinen Arm, und sie wagte nicht, zu widerstreben. In ihr wär eine dumpfe fieberische Erwartung. Ohne Umschweife begann er. »Ich gehe nun seit zwei Jahren als Arzt Ihrer Mutter in Ihrem Hause ein und aus — es liegt weit in der Vorstadt draußen, und ich bin -ein vielbeschäftigter Mann. — Trotzdem bin ich, so oft ich es ermöglichen konnte, selber zu Ihnen gekommen. — — Warum? Aus ärztlichem -Pflichtgefühl? Nein! Tie Krankheit Ihrer Mutter ist nicht so kompliziert, daß ich ihre Behandlung nicht ruhigen Gewissens hätte meinem Assistenten überlassen können. Auch! nicht aus besonderer Perehrung Ihrer Mutter, denn, ich! muß Ihnen aufrichtig sagen, b würde mich sicherlich, nicht so oft ihrer üblen Laune ausgesetzt -haben, wenn "Sie haben mich vorhin Maria Magdas lena genannt, Herr Professor — wollen Sie eine Maria Magdalena in Ihr Haus nehmen?" rief sie außer sich. In seiner Bestürzung gab er sie frei. Sie standen sich! gegenüber, sie keuchend, mit Augen voll irrer Angst, er starr mit verhalten nem Atem, den Blick fest in den ihren gebohrt. "Wissen Sie, was Sie reden?" fragte 'er endlich langsam und schwer. Sie antwortete« nichlt, da trat er mit einem raschen Schritt an ihre Seite und mit einem festen Griff ihren Arm umspannend, wiederholte er: "Wissen Sie, was Sie gesagt haben? Wollen Sie mich glau­ ben machen, daß Sie eine . . ." "Um Gottes willen," unterbrach! sie ihn. "Herr Professor, ich! würde nicht gewagt haben, die Augen zu Ihrer Mutter zu erheben." Er atmete befreit auf. Tann lach!te er. "Sie eine Magdalena. ... Und wenn Sie es mir zuschwören würden, ich würde es nicht glauben." "Und doch! haben Sie, Sie selber mich fo genannt, Sie müssen doch also Züge von ihr an mir entdeckt haben." *■ . ■ (Fortsetzung folgt.) Nicht ein andrer Magnet in ihrem Hause ge­ wesen Wäre, der mich unwiderstehlich gefesselt , hält. Sie haben mir bei meinen Besuchen nur selten einen flüchtigen Blick gegönnt, Ilse, wir haben kaum 100 Worte miteinander ge^ sprachen, und wenn ich Ihnen jetzt aus ehr­ lichem Herzen heraus sage, ich liebe Sie und kenne keinen heißeren Wunsch,' als Sie zu meinem Weibe zu machen, so wird Sie das im ersten Augenblick vielleicht erschrecken und verwirren." Verwirren war zu wenig gesagt. Ihr war zu -Mute wie einem Menschen, neben dem plötzlich; aus heiterem Himmel ein Blitzstrahl niedergefahren ist. Einen Moment war ihr Denken und Empfinden völlig gelähmt, und sie wankte an seiner Seite, daß er rasch! stüt­ zend seinen Arm um sie schlang. "Ilse, du Arme, Liebe! Deine schönen schwermütigen Augen, dein liebes trauriges Gesicht haben es mir angetan. Ich will Son­ nenschein über dich ausgießen und dein und der Deinen Leben leicht und froh machen, so viel in Menschenkräften steht." Er zog sie fest an seine Brust. Sie waren allein auf dem einsamen Wege, und er wollte sie küssen. Aber da widerstrebte sie mit aller Gewalt. Sie schien ganz verzweifelt. , ( : , ; ; ────────── Bayerische Nachrichten. Umfang des P-ostschjechverkehrs in Bayer« im Monat März 1916. Tie Zahl der Post-' scheckkunden betrug insgesamt Ende März 13 961, wovon auf Ludwigshasen 2917, auf München 5648 und auf Nürnberg 5396 ent­ fallen. Gegen den Vormonat ist somit ein Zugang von 284 Postschechkunden zu verzeich­ nen. Ter Betrag der Gutschriften bezifferte sich! auf 268 788 688 Mark, jener der Lastschriften aus 262 733 490 Mark. Es ergibt sich somit ein Gesamtumsatz von 531522178 Mark, von dem 236135 923 Mark bargeldlos beglichen wurden. Nach dem Auslande würden überwiesen 75 390 Mark, vom Ausland über­ wiesen wurden 545 712 Mark. ────────── Dienstesnachrichten. Katholische Kirche. Genehmigt wurde, daß vom Bischöfe von Passau die katholische 'Pfarrei Thrla-ching, B.-A. Lausen, demPfarrer Alois Lex in Nesselbach, B.-A. Deggendorf, verliehen werde; das Resignationsgesuch! des Benefiziaten Lorenz Beer in Riederlehern-l Dorf, B.-A Rottenburg, wurde genehmigt. JustizvavnMtung. Ter int zeitlichen Ru­ hestand befindliche Amtsgerichtsdiener Martin Nüßlein, zuletzt beim Amtsgerichte Viechtach, wurde wegen fortdauernder Tienstunfähigkeit im Ruh,estand für immer belassen. ────────── ten Teerabschlüsse auf Mindestens 10—20 Jahre vorhanden sein. Er habe diese Gründe als nullt stichhaltig bezeichnet. Im KoMegiunt wurde die Verwendung der späteren Erneusrungsfonds beanstandet und endlich! der Stand­ punkt eingenommen, daß dze Gasfabrik am fälschten Platze stehe. Herr M.-R. Gerstenecker bedauerte diesen Beschluß des GemeiindekoAe^giums außerordentlich!. Er sei eigentlich das Karnickel, das djiese Sachje beantragt habe und zwär schpn 1914, als noch kein Krieg toktr. Er sei hierbei von dem Standpunkt ausgegan-' gen, daß es ein Undjing sei, das Rohmaterial in die Welt hinauszusenden und das fertige Produkt dann mit euren Kosten wieder herein-' zuschaffen. Daraufhin hat Herr Direktor Schel­ ler e,in Projekt ausgearbeiitet, das aber beim Kollegium keine Gegenliebe gefunden hat. Ter Hauptgrund war das Kommende Ueberland^ werk. Wenn wir pmf dieses warte» wallen, können wir n0||| lqnge warten. Wäre bjte Anlage damals gebaut worden, hätte sie um 6000 Mark weniger gekostet und das ElLktrizi-^ tätswerk hätte n.ichjt die Schwierigkeiten mit der Beschaffung des Treiböls. Bei der jetzi­ gen neuen Ablehnung seien Gründe Uefür an den Haaren herbeigezogen worden. So habe der Etat 1916 mit der Sache überhaupt nichts zu tun. Man schiebt den schlechten Stand des Etats vor. Die Anlage bringe aber im Gegenteil eine wirtschaftliche und finanzielle Entlastung und Verbesserung. Ws solle durch die wirtschaftliche Ausnutzung pnserer Werke Geld gewonnen werden, Pas der Gemeinde und den Umlagenzahlern ^erspart werden soll, damit man es »fynen nichi aus der Tasche ziehen muß. Tie kaufmännischen Bedenken, daß das Gaswerk für die Anlage keinen Teer bekomme, vermöge er ,nichjt zu teilen. Teer sei ein Handelsartikel, per zu jeder Zeit und jeder Stunde zu haben sei. Bei den jetzigen Teerölpreisen würde bereits sin Jahr Betrieb eine Ersparnis von 25 200 Mark für die Stadt bilden. Er glaube, paß der wirkliche Grund für die neuerliche Ablehnung des Projektes durch! das Gemeindekollegium pur die Folge des Mißtrauens dieser Körperschaft sei gegen alles, was aus dem Magistrat komme. Er möchte nur fragen: Mit was begründen die Herrren dieses Mißtrauen, svelche Fehler hat der Magistrat schon gemacht? Vor 10 Jahren hatte die Gasfabrik abgewirtschaftet. Sie hatte Schulden und Herr M.-R. Jllinger hatte damals im Gemeindekollegium geweint, die Fabrik brauche 100 000 Mark, wenn sie wie­ der leistungsfähig werden solle. Es sei ein Verdienst des Herrn Direktors Schieller, daß die Stadtgemeinde heute 100 000 Mark und mehr aus der,Gasfabrik ziehe und die Schil­ den bezahlt seien. .Auch! das Elektrizitätswerk rentiere gut, nur -durch! die Rohstofsieuerunig im Kriege sei naturgemäß der Ueberschiß ge­ ringer. Um aber den Triebstofspreis wieder zu verringern, sei die Anlage notwendig. Das sei der Zweck seines Antrages, der leider durch den Beschluß des Gemeindekollegiums ver­ eitelt sei. Das' Risiko bei wirtschtastWen lagen sei aber ein sehr geringes. Ein viel größeres sgi die Einführung der elektrischen Trambahn gewesen und doch! habe auch diese sich glänzend bewährt. Tie Errichtung der neuen Anlage sei int Interesse der Steuert zahler und dies sei das wichtigste. Daher be­ dauere er den Beschluß des Gemeindekollegiums, dem er sich! nicht anschließen könne. Herr Direktor Scheller betonte poch, daß die Mei­ nung des Herrn D.->B. Binder unrichtig sei, daß der .Bedarf an Teer in Landshut die Nachbarfabriken zur Hinaufsetzung per Preise veranlassen würde. Der Kaufmann, der nichts riskiert, allerdings nach gesunder Berechnung, der wird auch nichts erlösen. Wenn man ihü zur Prüfung der Frage im Finanzausschluß beigezogen hätte, wäre man vielleicht zu einem anderen Beschlusse gekommen. Herr M.-R. Gerstenecker glaubt nicht, -atz 'die normalen Verhältnisse auf dem Markte sofort nach Frie­ densschluß eintreten. Von ,einer Minderung der Arbeitslöhne dürfte Heine Rede sein. Man hört jetzt von einer Steuer auf Bergwerksprotdukte. Wenn aber Kohlen und Eisen teurer werden, wird auch! .der Teer und seine Pro-' butte teurer. Andere Städte bauen Testillationsanlagen, obwohl sie selbst keinen Bedarf für Teeröl haben, weil diese Anlage eine Ver­ vollständigung des Gaswerks bedeutet. 'Sie tun es im Interesse .ihrer Steuerzahler und er möchte haben, -aß man auch in Landshut .einmal daran gehe, -je Steuerzahler nicht' nur zu den .Umlagen heranzuziehen, sondern auch! zu suchen, die Umlagen einzuschränken. Es sei falsche .Sparsamkeit, an der wirtschaft-^ lichien Vervollkommnung unserer Werke zu sparen. Wenn ein Mann den Dünger spart, den er auf seine Wiese streuen soll, wird er nichts ernten. Niemand werde aber sagen, das sei ein gescheiter Mann. Herr M.-R. Bart­ mann Hätte die Schaffung der Anlage eben­ falls begrüßt. Herr.Rechtsrat Ambros glaub­ te, daß die Angelegenheit wichtig genug sei, um eine KummulativsitzUng der beiden Kolle­ gien zu .rechtfertigen. Auch Herr M.-R. Ger­ stenecker schließt sich diesem Vorschlage an und der Magistrat beschloß Hierauf einstimmig, mit Rücksicht darauf, daß die liefernde Firma ihr Angebot nur bis 21. April aufrecht erhält, auf Dienstag den 18. April nachmittags drei Uhr eine Kummulativsitzung der beiden Kolle­ gien einzuberufen zur nochmaligen gemein-' samen Verhandlung der Angelegenheit. ────────── Exl als fen'e erbbetrogene Broni, sympathisch berührt der offene, ehrliche Franz des viel­ seitigen Ludwig Auer. Auch! Edi Morans Ja­ kob sowie die übrigen Darsteller hatten An­ teil an dem Erfolge und dem überaus herzlich! klingenden Beifall der leider wieder schwäch besuchten Vorstellung. Spielleiter Köck brachte es fertig die sieben Bilder ohne die üblichen langen Umbaupausen in nicht gatrtz zwei Stun­ den zu erledigen, dafür gebührt ihm ein Son­ derlob. Hg. 15. Sitzung des Stadtmagistrats Landshut. vom 1b. April 1916. Vorsitzender: Herr Rechtsrat Ambros. Dan k f ch r eiben des Herrn RegierungsDirektors v. Kirschbaum für die Anteilnahme der beiden Kollegien anläßlich des Heldentodes seines Sohnes und des Herrn Forstrat a. D. Landgraf für die Glückwünsche der Kollegien zu seinem 90. Geburtstage wurden zur Kennt­ nis genommen. Eine Kaut ionsfreigabe wurde genehmijgt. E^in Nachtragsvertrag mit den Vereimigten Kunstmühlen zur Anlage eines Industriegleises wird genehmigt. Der Vin z entiusver ein möchte seinen Holzschuppen, der jetzt auf dem Areal der Landesversicherungsanstalt steht, am Vieh­ marktplatze aufstellen. &er Magistrat hält die­ sen Platz nicht für geeignet, räumt dem' Verein aber einen solchen im stöbt. Holzhose ein. Ein Baugesuch des Herrn Privatier Schmid, Schwimmschulstraße 22, (bauliche Aen­ derung) wird genehmigt. Einen Nase nschlild mit Laterne bringt Herr Konditor Christian Bäuerlin an seinem Hause an. Wird gegen jährlich! 2 Mark Rekognitionsgebühr geneihmigt. Ein Baugesnch der Landshuter Biskuit- und Keksfabrik zur Errichtung von Lagerräumen wird genehmigt mit der Aus­ lage, für die damit verbundene Versitzgrube noch Tekturpläne in Vorlage zu bringen. flufdjjjmfe in Lands Hut. Die Preisprüfungsstelle hat für die Zeis vom 15. bis 28. April 1916 für Landshut folgende Höchstpreise für Fleisch beantragt, die vom Magistrat genehmigt wurden. DMenfleisch: kostet jetzt 2.40 Mark per Pfund. Ohne Bein «nd ohne Zuwage sind 15 Pfennig mehr noch aN angemessen zu erachten. Filet ausgelöst, ohne Knochen und Zu■iroagle 2.70 Mark, mit Zuwäge 2.50 Mark. Geringwertige Teile-: Stich, Hals, Waden, fette Weichten und Brustspitz 2.15 Mark per Pfund. Kuhfleisch: kostet jetzt 2.15 Mark per Pfund. Ohne Bein und Zuwage darf 10 Pfennig mehr noch als angemessen gelten. Filet ohne Knochen und Zuwage 2.45 Mark, mit Knochen und Zuwage 2.25 Mark per Pfund. Geringwertig« Teile (wie bei Ochsen­ sheisch,) 1.90 Mark per Pfund. Fleisch! von Jungrindern darf den für Kalbfleisch festgesetzten Preis (1.70 Mark) nicht übersteigen. Kalbfleisch: Es wurde der Preis festgesetzt aus 1.70 Mark per Pfund, für Schlegel 'darf 10 Psg. per Pfund mehr verlangt werden. Geringwertige Teile, Kopf unv Haxen, dürfen höchstens 1.40 Mark per Pfund ko­ sten, Halsgrat höchstens 1.50 Mark per Pfund. Schweinefleisch,: Hiefür gelten jetzt folgende Höchstpreise: Schlegel, Grat, Kottelettes und Bug 1.60 Mk., Hals, Brust und Bauch 1.50 Mark, Kopf, Füße, Haxen und Knöcherl 1.30 Mark, gepöckeltes oder gesalzenes Schweinefleisch 1.60 Mark, Leber, Herz, Nieren, Zunge und Hirn 1.50 Mark, Lunge und Milz 0.60 Mark. Rohes Schweinefett 1.80 Mark, ausgelassenes Schweinefett 2.— Mark nnb gesalzener Speck 1.80 Mark per Pfund. Wurstpreise in Landshut. Knackwürste (Regensburger, Dünn - Ge­ räucherte usw.) mit einem Mindestgewicht von 55 Gramm und einer Fehlgrenze von 5 Gr. 20 Psg. pro Stück. Leberwürste das Paar höchstens 12-15 Psg., Blutwürste pro Stück höchstens 12 Psg., Leoni- und Frankfurtech wurst pro Pfund höchstens 1.50 Mark, Leber­ streichwurst das Pfund höchstens 1.80 Mark, schwarze Wurst das Pfund höchstens 1.— Mark, Weiß- und Rotpressack das Pfund höchstens 1.30 Mark, Leberkäse 1.50 Mark, Zungenwurst 1.60 Mark, Schweinskopf 2.30 Mark, Schinken gekocht und roh das Pfund höchstens 2.50 Mark, Schinken im Ausschnitt 3.— Mark Tie Abgabe der im Kleinverkauf übli­ chen Mengen an Verbraucher zu den fest­ gesetzten Preisen gegen Barzahlung darf nichi verweigert werden. Stadttheater. Mit Anzengrubers Volksdrama "Ter Meineidbauer" beschloß das tüchtige Exlensemble seine hiesigen Gastspiele, die wie auch! der Besuch des zweiten Abends zeigte, nicht ge­ bührend gewürdigt wurden. Diese Komödie ist neben den Volks stücken ,G'wissenswturm", Pfar­ rer von Kirchtfeld" und "Vierte Gebot" na­ mentlich! von den Charakterdarstellern gerne auf dem Spielplan zu sehen. Tie Hauptwirk­ ung des Stückes liegt weniger in der künstle­ rischen Gestaltung als im Inhalte. Ter Dich­ ter findet als überzeugter Realist den Haupt­ hebel des Stoffes in den aus sittlich-sinniger und religiöser Leidenschaft entspringendenWidersprüchen. Im Vordergrund des Interesses stand natürlich der Mathias Ferner Eduard Köcks, der wie nach! dem ersten Gastspiel zu erwarten war, ein besonders geeigneter Dar­ steller für derartige Anzengruber Charaktere ist und so dem schuldbelasteten Kreuzweghofbauern. unter Verzichtleistung auf die übliche Theaterböseiwichtssigur eine selbständige, Wohl gerechtfertigte Aufforderung gab. Ueberzeugungstreu und von schlichter Größe war Anna ────────── Letzte Posten. Gekapert. Sd. Kopenhagen, 17. April. Ter Dampfer "Kasan" der Kopenhagener Ver­ einigten Tampsschifsahrtsgesellschaft, nach! Li­ verpool unterwegs, würde im Kategat von einem deutsch,en Marinefahrzeug aufgebracht, das eine Prisenmannfchgst an Bord setzte. "Kasan" wird vermutlich! nach Sjwtinemünde gebracht. ────────── Inserate.