Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-05-12. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 129, 1916-05-12. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Amtlicher Bericht: An der Jrakfront im Abschnitt von Felahie kein Ereignis, abgesehen von Artilleriükampf mit Unterbrechungen und örtlichem Jnfanterieseuer. An der Kaukasussront wurde der Feind lim Abschnitt des Kopeberges in dem Gefechte, das am 8. Mgi vormittags pnt unsrem Anß griff begann und bis zum ,Abend dauerte, durch Bajonettkampf gus seinen Stellungen in einer Ausdehnung von beinahe 15 Kilo­ meter verdrängt und ostwärts zurückgeworfen. In diesem Gefechte machten wir 6 Offiziere und über 300 Mann zu Gefangenen und nahmen 4 in gutem Zustande befindliche Maschinenge­ wehre weg. Unsre Verfolgungsabteilungen be­ wahrten trotz Heftigem Schneesturm Fühlung mit den zurückgehenden Abteilungen des Feinjdes; desgleichen wurden infolge des erfolg­ reichen überraschenden Angriffs in der stacht zum 9. Mai aus das Kager des Feindes bei Baschkjöi, 50 Kilometer südöstlich von Mamahatun und südlich von Tusla Tere, 250 In­ fanteristen und 200 Kavalleristen, welche die feindliche Streitmacht bildeten, mit dem Ba­ jonett und Handgranaten zu haltloser Flucht gezwungen und bis auf sine geringe Amzahl vernichtet. Wir nahmen dem Feinde Kine An­ zahl von Gewehren ab. Im Abschnitt an der Küste keine wesent­ liche Veränderung. Ter Feind, der westlich von Dschewislik vorzudringen versuchte, mußte sich infolge einer Umgehungsbewegung unsrer Truppen nach Norden zurückziehen. Ein feind­ liches Torpedoboot warf einige Geschojsse .auf die Küste von Kamilli und zog sich dann zurück. Ein Kreuzer feuerte, ohne Wirkung zu er­ zielen, 50 Geschosse auf die Küste westlich von der Insel Keusten. Un!sre Artillerie ebrotbertev Keine wesentlichen Nachrichten von den! anderen Fronten. Wir dementieren die russischen Berichte vom 3. und 4 Mai 1916 folgendermaßen: In der Nacht zum 3. Mai machten die russischen Truppen nacheinander zwei überraschende An­ griffe gegen unsre Front am Küpe im nörd­ lichen Abschnitt der Tschorakftont. Ter erste wurde abgewiesen, beim zweiten gelang es den Russen, in die Gräben zweier unsrer Korw pagnien einzudringen, aber gegen Morgen nah­ men wir ihnen unsre Gräben durch einen Ge­ genangriff vollständig wieder ab. Folglich sind die Erzählungen des ruffischen amtlichen Be­ richtes vom 3. Mai, wonach sie unsre Streitkräfte in der Richtung auf Tiarbekr west­ wärts zurückgetrieben haben wollten und in der Gegend von Rumic den Angriff eine? unsrer Abteilungen abgewiesen hätten, eben­ so die Behauptungen ilhves Berichtes vom 4. Mai, daß einer unsrer nächtlichen Angriffe in der Richtung Erzingjan abgewiesen wor­ ────────── Bruch zwischen Griechenland und Entente? ────────── Französische Angriffe beiderseits der Maas abgeschlagen. — Dünkirchen mit Bomben belegt. — Deutscher Vorstoß an der Düna. ────────── Im Westen unternahmen die Franzosen neue Angriffe auf die Höhe "Toter Mann" die unter beträchtlichen Verlusten für sie zu­ sammenbrachen. Auf dem Ostuser der Maas kam es jnt Caillettewald zu Zusammenstößen, bei denen Me Franzosen zurückgeschlagen rourp den. Im Osten haben die Unsern die russische Stellung nördlich des Bahnhofes Selburg nordwestlich von Jakobstadt auf 500 Meter Breite erstürmt und 300 Russen unverwundet gefangen. An der italienischen Front kam es nur zu Artilleriekämpfen. Ein italienischer Flieger pars Bomben aus Görz ab. In Griechenland scheinen sich» ernste Tin­ ge vorzubereiten. Griechenland blieb darauf bestehen, daß es den Durchzug der serbischen Truppen durch Griechenland nicht gestattete. Nun will nach einer Petersburger Meldung die Entente Gewalt anwenden. Wenn sich! dies bewahrheitet, dürfte es voraussichtlich alsjbald zu Zusammenstößen kommen. Auch an der griechisch-serbischen Grenze spielten sichj in den letzten Tagen mehrfach Kampfhandlungen ab. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 11. Mai. Wittags. — (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Teutsche Flugzeuge belegten Dünkirchen und die Bahnanlagen bei Adinkerke mit Bom­ ben. Auf dem westlichen .Maasuser griffen die Franzosen nachmittags bei "Toter Mann", abends südöstlich Höhe 304 unsere Stellungen an. Beidemale brachen ihre Angriffe,im Ma­ schinengewehr- und Sperrfeuer der Artillerie unter beträchtlichen Verlusten für den Feind zusammen. Eine bayerische Patrouille nahm im ,Camardwalde 54 Franzosen gefangen. Tie Zahl der bei den Kämpfen seit dem 4. Mai um Höhe 304 gemachten unverwundeten Gefangenen ist auf 53 Offiziere, 1515 Mann gestiegen. Auf dem östlichen Maasufer fanden in der Gegend des Caillette-Waldes während der gan- zen Nacht Handgranatenkänchfe statt. Ein französischer Angriff in diesem Walde wurde abgeschlagen. Seitlicher KrilMmM. Nördlich des Bahnhofes Selburg wurden 500 Meter der feindlichen Stellung erstürmt. Hierbei fielen 309 unverwunvete Gefangene in unsere Hände, einige Maschinengewehre und Minenwerfer wurden erbeutet. Balkan-Kriegss chauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, li. Mai. Mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz, und Südöstlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Tie erhöhte .Artillerietätigkeit hchelt an Len Meisten stellen der Front auch gestern an. Besonders lebhaft war sie im Dolomiienabschnitt zwischen Peutelstein und Buchenstein. Ein italienischer Flieger warf vortnittags zwei Bomben auf den Markt und den Tomplatz, von Görz ab. Hierdurch wurden zwei Zivil­ personen getötet, 33 verwundet. (er stellvertretende Chef des Generalstabesi v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant. ────────── Vom westlichen Kriegsschauplatz. 2ic Kämpfe Lei Verdun. Köln, 11. Mai. Zu den Kämpfen bei Werdun schreibt das Kopenhagener Blatt "Po­ litiken": Es scheint also, daß auch, weiterhin der Wille des L»eukschen Heeres ist, den einzigen ihm ebenbürtigen Gegner, das französische Hauptheer, bei Verdun auszurollen. Wenn ihm dies mit erträglichen Verlusten auf der eignen glückt, so ist der Weltkrieg militärisch entschchieden. Die russischen Heere werden kaum einem energischen deutschen.Vorstoß widerstehen kön­ nen und auch das englische Heer wird kaum imstande sein, den Alliierten beizuspringem. ────────── Der Krieg mit Italien. Italienische Stimmung. Köln, 11. Mai. Ter "Züricher Korresp. der "Köln. Volksztg." drahtet: Aus zuverläs­ siger italienischer Quelle verlautet, infolge der neuen Einberufungen sei die Stimmung des italienischen Volkes besonders auf dem Lande sehr gedrückt. Vielfach werden drohende ,Stimh men laut. Im Wahlkreis des bekannten sozia­ listischen Abgeordneten Ferri veranstalteten 6000 Frauen eine öffentliche Kundgebung. Tie Menge durchzog die Straßen unter dem Rufe: Wir wollen das Ende des Krieges. Militär mußte einschreiten. Aus durchaus zuverlässi­ ger Quelle erführt der Gewährsmann des genannten Blattes, daß, in einer Kaserne von Piacenza ein Regiment den Gehorsam ver­ weigerte. An der Front rebellierte eine Bri­ gade. In Neapel fand eine Kundgebung statt, bei welcher das Bild des bekannten Kriegs^hetzers Ciecotti verbrannt wurde. In Apulien und in der mailandischen Ebene mußten die Grundbesitzer, die beim Landvolk als Kriegs­ anstifter gelten, fliehen. fZ.) Meuternde italienische Truppen. Wien, 11. Mai. Ter "Pester Lloyd" be­ richtet über die Stimmung bei den italienischen Truppen: Tie aus vorzugsweise römischen und neapolitanischen Mannschaften zusammengesetz­ ten Regimenter 135 und 136 haben bei einem Angriff aus die Toberdohöhe den Gehorsam verweigert. Nur durch die Vermittlung des Brigadekommandanten wurde ein Blutbad ver­ mieden, da die beiden Regimentskommandanten die Meuternden durch eine rasch aus Vene­ zianern und Lombarden gebildete Kompagnie niederschießen lassen wollten. j j ────────── Eine energische Haltung der Alliierten in bte? fer Frage entspricht dem Wunsche, die Pläne Griechenlands endgültig Aar zu legen. Tie Gesandten 'der Alliierten erhielten die Wei­ sung, im Einverständnis mit dem Stabe der Alliierten-Truppen in Griechenland vorzu­ gehen. Es bleibt abzuwarten, ob die PeterKhurger Ankündigung Hie Wahrheit bringt oder nur ein neues Trohmittel darstellen soll. Aus Athen liegen His jetzt keine Nachrichten vor, die aus eine entscheidende Wendung in dem Kon­ flikte zwischen Griechenland und seinen Be­ drückern schließen lassen. Tie Entente verlangt binnejtt 36 Stunden Antz wart. Sofia, 12. Mai. "Utro" meldet: Ter russische und englische Vertreter in Athen überreichten Skuludis eine Note, worin neuer­ lich der Durchzug des Restes des serbischen Heeres trotz der bisherigen Weigerung Grie­ chenlands verlangt wird. Wie verlautet, for­ dert die Note eine Antwort innerhalb 36 Stunp >en. (S) ────────── Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, den 10. Mai 1916. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) In der Seenenge. Bon unserem zum Ostheer entsandten Kriegs­ berichterstatter. Am Narocz-See, Anfang Mai. Sobald das Heulen und der dumpfe Aus­ schlagton der Granaten ausisetzt, hört man deut­ lich das jauchzende Tirilieren von Hunderten von Lerchen, die sich über die ftühlingsgrünen Felder in den zärtlichen weiß-blauen Himmel emporschrauben. Ter Russe streut das ihm eben entrissene Gelände in kurzen Pausen, ab, die Stellung, die am 27. April noch seine Haupt­ linie bedeutete, liegt unter diesem unregel­ mäßigen Beunruhigungsfeuer, das sich gele­ gentlich auch auf das Hinterland ausdehnt. Wenn man aus den Waldstücken heraus­ kommt, kann man nach links von den Höhen die weite Fläche der Narocz-Sees aufleuchten sehen. Von einem harten Grau-Blau bis zu einem ganz lichten, leuchtenden blauen Ton. der wie die Seen unten im Süden glänzt, habe ich den Spiegel sich verändern sehen. Immer aber beherrscht das Seeauge die Landschaft, die voll ist von einer tiefen und lieblichen Schönheit. Tannenwälder grünen an den leicht geschwungenen Hügellehnen, Felder, sprießende Felder, ziehen sich dazwischen hin. Die Seen glänzen. Es ist Frühling, ein hei­ ßer Frühling, so daß man bei uns zuhause mei­ nen würde, es müßte bald in den Sommer ge­ hen. Näh«er zur Front sieht man, wie derKrieg das Bild) dieser Landschaft zerrissen hat, wie nur nochh rührende Reste an Gewesenes er­ innern. Ter Wald ist gelichtet. Jeder Stamm, der nicht eben zur Deckung gegen Flieger oder Artilleriebeobachtung nötig ist, mußte derSäge und dem Beil verfallen. Zuviel Holz fraß der Bau der Stellungen ,der Bau der Knüppel­ dämme, fraßen die Sägegatter, die Bretter und Holzwolle lieferten. Tann steigen die leichten Höhen stärker aus dem Waldrand. Man nähert sich Mofthza. Es soll einmal ein Gut gewesen sein. Es soll Stuben, Möbel, Vieh, Scheunen, Ställe gege­ ben haben. Jetzt steht als einziges Zeichen noch der Rest der Brennerei und ein paar schwarze Mauerreste. Eine Birkenallee schwenkt ihre 'hellgrünen Zweige iit dem leichten Wind, aber jeder zweite Stamm ist niedergelegt, um der Artillerie den Durchbruch zu sichern, und die noch stehenden bluten. Ter dünne gelbe Birkensaft perlt in gleichmäßigen Tropfen aus den großen Narben, die die Granaten geriffelt haben. Tie ganze Alleee tropft dies helle, gelbe Birkenblut, weißer Schaum steht unter den Stämmen. Hinter den Bäumen, von denen einer halb eingedrungen im starken, weißen Stamme ei­ nen russischen Blindgänger trägt, liegt ein Soldatenftiedhof, Hier liegen die, die den Granathügel gehalten und wieder gestürmt ha­ ben, hier begraben eben die Jäger ihre Toten vom letzten Sturm aus die russischen Gräben. Zimmern die weißen, Hellen Birkenkreuze und pflanzen ein paar von den Keberblumen, die den Waldboden überall blau auffchimmern las­ sen. Langsam geht sich der Weg zum Granat­ hügel. Je mehr man sich dem Gipfel nähert, umso zerwühlter und zerbissener ist das Erd­ reich. Man durchschreitet die deutsch,enSturmstellungen, und dann kommt man in die rus­ sischen Scrndsackstellungen, die aus unseren um­ gekehrten^ ehemaligen Vorstellungen bestehlen. Tie ehemaligen deutschen Artilleriebeobach­ tungsunterstände liegen diesseits der russischen Linie. Hier ist sechs Stunden lang der Granat­ hagel niedergegangen. Grabenteile sind ein­ geebnet, Hindernisse in den Boden geschlagen. Man kann in jeder Einzelheit studieren, was es bedeutet, wenn die deutsche Artillerie eine Stellung sturmreif geschossen hat. Wir gehen durch die Annäherungsgräben in das Gelärü>e, das neu erobert ist. Tte Trümmer vom Vor­ werk Stachowzh liegen vorwärts zur Linken. Tte gelben Erdfontänen des Granataufschla­ ges schießen überall aus dem Boden, die deut­ sche Artillerie antwortet . Es ist Iso, als ob sich der Sturm der Artillerie nach dem gro­ ßen Tag noch nicht recht beruhigen kaun, immer noch schlagen die Wellen des ArtilleriekaMpfes. Südlicher vom Vorwerk Mofthza aus kommt man zur Friemelhöhe, die nur einmal auf eine halbe Stunde, am 6. April, in den Händen der Russen war. An dem Tage, da russischer Massensturm die Höhe um jedenPreis nehmen wollte. Dicht unter der Höhe liegt ein sumpfiger Bruch, der die frontale Annäherung nicht gestattet. Man muß von Süden und Norden durch mit Erlengebüsch bestandenes Wiesenland den Raum dicht vor der Höhe ge­ winnen und samt sich hier zum Sturm sam­ meln. Auf dieses schmale Stück Land dicht am Fuße der Höhe ist im März und am 6. April das deutsche Sperrfeuer niedergegangen. , Ter Weg von Mofthza bis zur Friemelhöhe ist ein Weg, der durch Vernichtung führt, hier am Fuße des Hügels war die Hölle und ist das Grauen. Auf der blumenbesäten Frühlings­ erde liegt jedes Entsetzen des Krieges. Hun­ derte — wer will zählen? — von schwarzen Russenleichen, oft wie zu Hügeln getürmt, wenn die letzte Not die Sterbenden zusammeuftiechen ließ, menschliche Glieder, arme mensch­ liche Reste zeugen da für den furchtbaren rus­ sischen Einsatz. Wer einmal diesen Bruch vor der Friemelhöhe gesehen hat, weiß,, was das kurze Wort wiegt: ". . . brach blutig in un­ serem Feuer zusammen." Ein wenig mehr nach Süden liegen die russischen Vorstellungen, die am 28. April ge­ nommen wurden . Auch hier liegen die rus­ sischen Toten in so dichten Graben, daß matt fast glauben muß, die Russen hätten ihrer sei ^ an einen "Angriff gedacht und deshalb schom langsam stärkere Maissen in den Bruchrand' geworfen, vielleicht hat aber auch das deut­ sche Trommelfeuer, das eine Zeitlang auf den letzten Gräben lag und nach vorn zog, die Grqbenbesatzungen nach vorn zulsammengetrieben, nach vorn, wo noch verhältnismäßig Ruhe herrschte, bis plötzlich! auch, hier das "orkanar­ tige Wirken" der Artillerie begann und nach hinten weiter das Sperrfeuer lag. Von den Shuarawli, jenseits des Naroczsees, streuen sich die russischen Batterien hin­ über. Tie Höhe 200,9 und die Birkenhöhe — deutliche heben sich die Reste von ein paar Bäumen wie schwarze, zierliche Silhouetten gegen den leuchtend blauen Himmel ab — liegen unter stärkerem Feuer. Auf dem Rückwege scheinen die jungen Saaten noch grüner, noch größer die Freude an den weidenden Pferden, die endlich ihre härteste Zeit überstanden haben. Sie können sich wenigstens am Frühling gütlich tun. Noch einmal habe ich dann dies ganze Gebiet der Seenge zwischen Narocz- und Wiszniewsee von der steilen Höhe bei dem kleinen Städtchen Swir, am Swir-See, gesehen. Ter langgestreckte Swir-See spiegelte den lich­ ten Himmel, in dunklem Duft verblauten die PVälder hinüber zum Wiszniew- und hinüber zum Narozcsee. Unten zu Füßen lag das See­ nest mit seinen niedrigen Häusern, in denen "Polen, Juden, Weißrussen und Spione" leben. Am Horizont schwarze Punkte, standen die Heiden deutschen Felsselballons, wie eine Mücke im fernen blau der russische. Wald und Feld, Land und Seen glänzten heraus. Ties ganze Gebiet, das erfüllt ist von Kampf und unauslöschlichem Heldentum, bebte unter der Hand des Frühlings wie es unter der Faust des Krieges zittert. (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. ────────── Deutscher Reichstag. Ter Reichstag beendete gestern die Be­ ratung über den Gesetzentwurf der Kriegsschäden im Reichsgebiet. Auchj die drei letzten Redner begrüßten das Werk der Wiederhiepstellung unserer zerstörten Städte und Dörfer in Ost und West. Abg. Haase wünschte eine Vertretung der Arbeiterschaft in den Schätzungsausschüissen. Abg. Haegh