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      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1916-05-12"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
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        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
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          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">69. Jahrgang Nr. 129</biblScope>
          <date when="1916-05-12">1916-05-12</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
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        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
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          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
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          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
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        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
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          <p>Die Türkei im Kriege. den sei, in allen Einzelheiten und in doslern Umfange erfunden. Ter türkische Berichit. Ko nsta ntinop el, 11. Mai. Amtlicher Bericht: An der Jrakfront im Abschnitt von Felahie kein Ereignis, abgesehen von Artilleriükampf mit Unterbrechungen und örtlichem Jnfanterieseuer. An der Kaukasussront wurde der Feind lim Abschnitt des Kopeberges in dem Gefechte, das am 8. Mgi vormittags pnt unsrem Anß griff begann und bis zum ,Abend dauerte, durch Bajonettkampf gus seinen Stellungen in einer Ausdehnung von beinahe 15 Kilo­ meter verdrängt und ostwärts zurückgeworfen. In diesem Gefechte machten wir 6 Offiziere und über 300 Mann zu Gefangenen und nahmen 4 in gutem Zustande befindliche Maschinenge­ wehre weg. Unsre Verfolgungsabteilungen be­ wahrten trotz Heftigem Schneesturm Fühlung mit den zurückgehenden Abteilungen des Feinjdes; desgleichen wurden infolge des erfolg­ reichen überraschenden Angriffs in der stacht zum 9. Mai aus das Kager des Feindes bei Baschkjöi, 50 Kilometer südöstlich von Mamahatun und südlich von Tusla Tere, 250 In­ fanteristen und 200 Kavalleristen, welche die feindliche Streitmacht bildeten, mit dem Ba­ jonett und Handgranaten zu haltloser Flucht gezwungen und bis auf sine geringe Amzahl vernichtet. Wir nahmen dem Feinde Kine An­ zahl von Gewehren ab. Im Abschnitt an der Küste keine wesent­ liche Veränderung. Ter Feind, der westlich von Dschewislik vorzudringen versuchte, mußte sich infolge einer Umgehungsbewegung unsrer Truppen nach Norden zurückziehen. Ein feind­ liches Torpedoboot warf einige Geschojsse .auf die Küste von Kamilli und zog sich dann zurück. Ein Kreuzer feuerte, ohne Wirkung zu er­ zielen, 50 Geschosse auf die Küste westlich von der Insel Keusten. Un!sre Artillerie ebrotbertev Keine wesentlichen Nachrichten von den! anderen Fronten. Wir dementieren die russischen Berichte vom 3. und 4 Mai 1916 folgendermaßen: In der Nacht zum 3. Mai machten die russischen Truppen nacheinander zwei überraschende An­ griffe gegen unsre Front am Küpe im nörd­ lichen Abschnitt der Tschorakftont. Ter erste wurde abgewiesen, beim zweiten gelang es den Russen, in die Gräben zweier unsrer Korw pagnien einzudringen, aber gegen Morgen nah­ men wir ihnen unsre Gräben durch einen Ge­ genangriff vollständig wieder ab. Folglich sind die Erzählungen des ruffischen amtlichen Be­ richtes vom 3. Mai, wonach sie unsre Streitkräfte in der Richtung auf Tiarbekr west­ wärts zurückgetrieben haben wollten und in der Gegend von Rumic den Angriff eine? unsrer Abteilungen abgewiesen hätten, eben­ so die Behauptungen ilhves Berichtes vom 4. Mai, daß einer unsrer nächtlichen Angriffe in der Richtung Erzingjan abgewiesen wor­</p>
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          <p>Bruch zwischen Griechenland und Entente?</p>
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          <p>Französische Angriffe beiderseits der Maas abgeschlagen. — Dünkirchen mit Bomben belegt. — Deutscher Vorstoß an der Düna.</p>
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          <p>Im Westen unternahmen die Franzosen neue Angriffe auf die Höhe "Toter Mann" die unter beträchtlichen Verlusten für sie zu­ sammenbrachen. Auf dem Ostuser der Maas kam es jnt Caillettewald zu Zusammenstößen, bei denen Me Franzosen zurückgeschlagen rourp den. Im Osten haben die Unsern die russische Stellung nördlich des Bahnhofes Selburg nordwestlich von Jakobstadt auf 500 Meter Breite erstürmt und 300 Russen unverwundet gefangen. An der italienischen Front kam es nur zu Artilleriekämpfen. Ein italienischer Flieger pars Bomben aus Görz ab. In Griechenland scheinen sich» ernste Tin­ ge vorzubereiten. Griechenland blieb darauf bestehen, daß es den Durchzug der serbischen Truppen durch Griechenland nicht gestattete. Nun will nach einer Petersburger Meldung die Entente Gewalt anwenden. Wenn sich! dies bewahrheitet, dürfte es voraussichtlich alsjbald zu Zusammenstößen kommen. Auch an der griechisch-serbischen Grenze spielten sichj in den letzten Tagen mehrfach Kampfhandlungen ab.</p>
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          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 11. Mai. Wittags. — (Großes Hauptquartier.) Westlicher Kriegsschauplatz. Teutsche Flugzeuge belegten Dünkirchen und die Bahnanlagen bei Adinkerke mit Bom­ ben. Auf dem westlichen .Maasuser griffen die Franzosen nachmittags bei "Toter Mann", abends südöstlich Höhe 304 unsere Stellungen an. Beidemale brachen ihre Angriffe,im Ma­ schinengewehr- und Sperrfeuer der Artillerie unter beträchtlichen Verlusten für den Feind zusammen. Eine bayerische Patrouille nahm im ,Camardwalde 54 Franzosen gefangen. Tie Zahl der bei den Kämpfen seit dem 4. Mai um Höhe 304 gemachten unverwundeten Gefangenen ist auf 53 Offiziere, 1515 Mann gestiegen. Auf dem östlichen Maasufer fanden in der Gegend des Caillette-Waldes während der gan- zen Nacht Handgranatenkänchfe statt. Ein französischer Angriff in diesem Walde wurde abgeschlagen. Seitlicher KrilMmM. Nördlich des Bahnhofes Selburg wurden 500 Meter der feindlichen Stellung erstürmt. Hierbei fielen 309 unverwunvete Gefangene in unsere Hände, einige Maschinengewehre und Minenwerfer wurden erbeutet. Balkan-Kriegss chauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Oberste Heeresleitung.</p>
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          <p>Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, li. Mai. Mittags. — Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz, und Südöstlicher Kriegsschauplatz: Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Tie erhöhte .Artillerietätigkeit hchelt an Len Meisten stellen der Front auch gestern an. Besonders lebhaft war sie im Dolomiienabschnitt zwischen Peutelstein und Buchenstein. Ein italienischer Flieger warf vortnittags zwei Bomben auf den Markt und den Tomplatz, von Görz ab. Hierdurch wurden zwei Zivil­ personen getötet, 33 verwundet. (er stellvertretende Chef des Generalstabesi v. H o e f e r, Feldmarfchalleutnant.</p>
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          <p>Vom westlichen Kriegsschauplatz. 2ic Kämpfe Lei Verdun. Köln, 11. Mai. Zu den Kämpfen bei Werdun schreibt das Kopenhagener Blatt "Po­ litiken": Es scheint also, daß auch, weiterhin der Wille des L»eukschen Heeres ist, den einzigen ihm ebenbürtigen Gegner, das französische Hauptheer, bei Verdun auszurollen. Wenn ihm dies mit erträglichen Verlusten auf der eignen glückt, so ist der Weltkrieg militärisch entschchieden. Die russischen Heere werden kaum einem energischen deutschen.Vorstoß widerstehen kön­ nen und auch das englische Heer wird kaum imstande sein, den Alliierten beizuspringem.</p>
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          <p>Der Krieg mit Italien. Italienische Stimmung. Köln, 11. Mai. Ter "Züricher Korresp. der "Köln. Volksztg." drahtet: Aus zuverläs­ siger italienischer Quelle verlautet, infolge der neuen Einberufungen sei die Stimmung des italienischen Volkes besonders auf dem Lande sehr gedrückt. Vielfach werden drohende ,Stimh men laut. Im Wahlkreis des bekannten sozia­ listischen Abgeordneten Ferri veranstalteten 6000 Frauen eine öffentliche Kundgebung. Tie Menge durchzog die Straßen unter dem Rufe: Wir wollen das Ende des Krieges. Militär mußte einschreiten. Aus durchaus zuverlässi­ ger Quelle erführt der Gewährsmann des genannten Blattes, daß, in einer Kaserne von Piacenza ein Regiment den Gehorsam ver­ weigerte. An der Front rebellierte eine Bri­ gade. In Neapel fand eine Kundgebung statt, bei welcher das Bild des bekannten Kriegs^hetzers Ciecotti verbrannt wurde. In Apulien und in der mailandischen Ebene mußten die Grundbesitzer, die beim Landvolk als Kriegs­ anstifter gelten, fliehen. fZ.) Meuternde italienische Truppen. Wien, 11. Mai. Ter "Pester Lloyd" be­ richtet über die Stimmung bei den italienischen Truppen: Tie aus vorzugsweise römischen und neapolitanischen Mannschaften zusammengesetz­ ten Regimenter 135 und 136 haben bei einem Angriff aus die Toberdohöhe den Gehorsam verweigert. Nur durch die Vermittlung des Brigadekommandanten wurde ein Blutbad ver­ mieden, da die beiden Regimentskommandanten die Meuternden durch eine rasch aus Vene­ zianern und Lombarden gebildete Kompagnie niederschießen lassen wollten. j j</p>
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          <p>Eine energische Haltung der Alliierten in bte? fer Frage entspricht dem Wunsche, die Pläne Griechenlands endgültig Aar zu legen. Tie Gesandten 'der Alliierten erhielten die Wei­ sung, im Einverständnis mit dem Stabe der Alliierten-Truppen in Griechenland vorzu­ gehen. Es bleibt abzuwarten, ob die PeterKhurger Ankündigung Hie Wahrheit bringt oder nur ein neues Trohmittel darstellen soll. Aus Athen liegen His jetzt keine Nachrichten vor, die aus eine entscheidende Wendung in dem Kon­ flikte zwischen Griechenland und seinen Be­ drückern schließen lassen. Tie Entente verlangt binnejtt 36 Stunden Antz wart. Sofia, 12. Mai. "Utro" meldet: Ter russische und englische Vertreter in Athen überreichten Skuludis eine Note, worin neuer­ lich der Durchzug des Restes des serbischen Heeres trotz der bisherigen Weigerung Grie­ chenlands verlangt wird. Wie verlautet, for­ dert die Note eine Antwort innerhalb 36 Stunp &gt;en. (S)</p>
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          <p>Kriegsbriefe aus dem Osten. Berlin, den 10. Mai 1916. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) In der Seenenge. Bon unserem zum Ostheer entsandten Kriegs­ berichterstatter. Am Narocz-See, Anfang Mai. Sobald das Heulen und der dumpfe Aus­ schlagton der Granaten ausisetzt, hört man deut­ lich das jauchzende Tirilieren von Hunderten von Lerchen, die sich über die ftühlingsgrünen Felder in den zärtlichen weiß-blauen Himmel emporschrauben. Ter Russe streut das ihm eben entrissene Gelände in kurzen Pausen, ab, die Stellung, die am 27. April noch seine Haupt­ linie bedeutete, liegt unter diesem unregel­ mäßigen Beunruhigungsfeuer, das sich gele­ gentlich auch auf das Hinterland ausdehnt. Wenn man aus den Waldstücken heraus­ kommt, kann man nach links von den Höhen die weite Fläche der Narocz-Sees aufleuchten sehen. Von einem harten Grau-Blau bis zu einem ganz lichten, leuchtenden blauen Ton. der wie die Seen unten im Süden glänzt, habe ich den Spiegel sich verändern sehen. Immer aber beherrscht das Seeauge die Landschaft, die voll ist von einer tiefen und lieblichen Schönheit. Tannenwälder grünen an den leicht geschwungenen Hügellehnen, Felder, sprießende Felder, ziehen sich dazwischen hin. Die Seen glänzen. Es ist Frühling, ein hei­ ßer Frühling, so daß man bei uns zuhause mei­ nen würde, es müßte bald in den Sommer ge­ hen. Näh«er zur Front sieht man, wie derKrieg das Bild) dieser Landschaft zerrissen hat, wie nur nochh rührende Reste an Gewesenes er­ innern. Ter Wald ist gelichtet. Jeder Stamm, der nicht eben zur Deckung gegen Flieger oder Artilleriebeobachtung nötig ist, mußte derSäge und dem Beil verfallen. Zuviel Holz fraß der Bau der Stellungen ,der Bau der Knüppel­ dämme, fraßen die Sägegatter, die Bretter und Holzwolle lieferten. Tann steigen die leichten Höhen stärker aus dem Waldrand. Man nähert sich Mofthza. Es soll einmal ein Gut gewesen sein. Es soll Stuben, Möbel, Vieh, Scheunen, Ställe gege­ ben haben. Jetzt steht als einziges Zeichen noch der Rest der Brennerei und ein paar schwarze Mauerreste. Eine Birkenallee schwenkt ihre 'hellgrünen Zweige iit dem leichten Wind, aber jeder zweite Stamm ist niedergelegt, um der Artillerie den Durchbruch zu sichern, und die noch stehenden bluten. Ter dünne gelbe Birkensaft perlt in gleichmäßigen Tropfen aus den großen Narben, die die Granaten geriffelt haben. Tie ganze Alleee tropft dies helle, gelbe Birkenblut, weißer Schaum steht unter den Stämmen. Hinter den Bäumen, von denen einer halb eingedrungen im starken, weißen Stamme ei­ nen russischen Blindgänger trägt, liegt ein Soldatenftiedhof, Hier liegen die, die den Granathügel gehalten und wieder gestürmt ha­ ben, hier begraben eben die Jäger ihre Toten vom letzten Sturm aus die russischen Gräben. Zimmern die weißen, Hellen Birkenkreuze und pflanzen ein paar von den Keberblumen, die den Waldboden überall blau auffchimmern las­ sen. Langsam geht sich der Weg zum Granat­ hügel. Je mehr man sich dem Gipfel nähert, umso zerwühlter und zerbissener ist das Erd­ reich. Man durchschreitet die deutsch,enSturmstellungen, und dann kommt man in die rus­ sischen Scrndsackstellungen, die aus unseren um­ gekehrten^ ehemaligen Vorstellungen bestehlen. Tie ehemaligen deutschen Artilleriebeobach­ tungsunterstände liegen diesseits der russischen Linie. Hier ist sechs Stunden lang der Granat­ hagel niedergegangen. Grabenteile sind ein­ geebnet, Hindernisse in den Boden geschlagen. Man kann in jeder Einzelheit studieren, was es bedeutet, wenn die deutsche Artillerie eine Stellung sturmreif geschossen hat. Wir gehen durch die Annäherungsgräben in das Gelärü&gt;e, das neu erobert ist. Tte Trümmer vom Vor­ werk Stachowzh liegen vorwärts zur Linken. Tte gelben Erdfontänen des Granataufschla­ ges schießen überall aus dem Boden, die deut­ sche Artillerie antwortet . Es ist Iso, als ob sich der Sturm der Artillerie nach dem gro­ ßen Tag noch nicht recht beruhigen kaun, immer noch schlagen die Wellen des ArtilleriekaMpfes. Südlicher vom Vorwerk Mofthza aus kommt man zur Friemelhöhe, die nur einmal auf eine halbe Stunde, am 6. April, in den Händen der Russen war. An dem Tage, da russischer Massensturm die Höhe um jedenPreis nehmen wollte. Dicht unter der Höhe liegt ein sumpfiger Bruch, der die frontale Annäherung nicht gestattet. Man muß von Süden und Norden durch mit Erlengebüsch bestandenes Wiesenland den Raum dicht vor der Höhe ge­ winnen und samt sich hier zum Sturm sam­ meln. Auf dieses schmale Stück Land dicht am Fuße der Höhe ist im März und am 6. April das deutsche Sperrfeuer niedergegangen. , Ter Weg von Mofthza bis zur Friemelhöhe ist ein Weg, der durch Vernichtung führt, hier am Fuße des Hügels war die Hölle und ist das Grauen. Auf der blumenbesäten Frühlings­ erde liegt jedes Entsetzen des Krieges. Hun­ derte — wer will zählen? — von schwarzen Russenleichen, oft wie zu Hügeln getürmt, wenn die letzte Not die Sterbenden zusammeuftiechen ließ, menschliche Glieder, arme mensch­ liche Reste zeugen da für den furchtbaren rus­ sischen Einsatz. Wer einmal diesen Bruch vor der Friemelhöhe gesehen hat, weiß,, was das kurze Wort wiegt: ". . . brach blutig in un­ serem Feuer zusammen." Ein wenig mehr nach Süden liegen die russischen Vorstellungen, die am 28. April ge­ nommen wurden . Auch hier liegen die rus­ sischen Toten in so dichten Graben, daß matt fast glauben muß, die Russen hätten ihrer sei ^ an einen "Angriff gedacht und deshalb schom langsam stärkere Maissen in den Bruchrand' geworfen, vielleicht hat aber auch das deut­ sche Trommelfeuer, das eine Zeitlang auf den letzten Gräben lag und nach vorn zog, die Grqbenbesatzungen nach vorn zulsammengetrieben, nach vorn, wo noch verhältnismäßig Ruhe herrschte, bis plötzlich! auch, hier das "orkanar­ tige Wirken" der Artillerie begann und nach hinten weiter das Sperrfeuer lag. Von den Shuarawli, jenseits des Naroczsees, streuen sich die russischen Batterien hin­ über. Tie Höhe 200,9 und die Birkenhöhe — deutliche heben sich die Reste von ein paar Bäumen wie schwarze, zierliche Silhouetten gegen den leuchtend blauen Himmel ab — liegen unter stärkerem Feuer. Auf dem Rückwege scheinen die jungen Saaten noch grüner, noch größer die Freude an den weidenden Pferden, die endlich ihre härteste Zeit überstanden haben. Sie können sich wenigstens am Frühling gütlich tun. Noch einmal habe ich dann dies ganze Gebiet der Seenge zwischen Narocz- und Wiszniewsee von der steilen Höhe bei dem kleinen Städtchen Swir, am Swir-See, gesehen. Ter langgestreckte Swir-See spiegelte den lich­ ten Himmel, in dunklem Duft verblauten die PVälder hinüber zum Wiszniew- und hinüber zum Narozcsee. Unten zu Füßen lag das See­ nest mit seinen niedrigen Häusern, in denen "Polen, Juden, Weißrussen und Spione" leben. Am Horizont schwarze Punkte, standen die Heiden deutschen Felsselballons, wie eine Mücke im fernen blau der russische. Wald und Feld, Land und Seen glänzten heraus. Ties ganze Gebiet, das erfüllt ist von Kampf und unauslöschlichem Heldentum, bebte unter der Hand des Frühlings wie es unter der Faust des Krieges zittert. (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.</p>
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          <p>Deutscher Reichstag. Ter Reichstag beendete gestern die Be­ ratung über den Gesetzentwurf der Kriegsschäden im Reichsgebiet. Auchj die drei letzten Redner begrüßten das Werk der Wiederhiepstellung unserer zerstörten Städte und Dörfer in Ost und West. Abg. Haase wünschte eine Vertretung der Arbeiterschaft in den Schätzungsausschüissen. Abg. Haegh &lt;Els.) verlang­ te für sein engeres Vaterland weitgehende Freigebigkeit. Abg. Dr. Waldstein (Volksp.) sang ein Lied auf Helgoland und aus seine Bewohner, die ihre teuere Insel verlassen wußten. Sie sollen in dem jEntjschädigungsigesetz nicht vergessen werden, ebensowenig die Bewohner der übrigen Nordseeinseln. Tie Vereinsgesetznovelle, die den Berufs­ hereinen eine im Kriege redlich berbtonte 1 Rechtserweiterung gewährleisten soll, erfreut sich nicht im gleichen Matze der einheitlichen Beurteilung aller Parteien. Denen rechts geht sie zu weit, denen links kann sie nicht totftt genug gehen. Ministerialdirektor Tr. Lewald, ein kommender Staatsmann mit juristischen Fähigkeiten, erläuterte die Vorlage. 18 jährige werden den Berufsvereinen angehöret können, wie man es in Bayern schon vorweg bestimmfte und wie man es in Preußen unter Slujf4 Hebung polizeilicher Verfügungen seit Kriegs­ beginn ebenfalls schon billigte. Aber auch 46- und 17 jährige wollen heute an den Vor­ teilen der Berufsvereine Anteil haben und (mit dem Bedauern, daß, die Zeitentwicklung dies bedingt, schickt ifMji die Regierung m Ine Angliederung. Namens des Zentrums nannte Abg. Bekker-Arnsberg das Gesetz die Beseitigung einer Verärgerung. In einem Atem verlangte er die Aufhebung einer ganzen Reihe von Ausnahwegesetzen: die des Sprachenparagraphen und des Jesuitengelsetzes. Tie Rede des Ge^ Werkschaftlers Legten (Soz.) wurde mit be­ sonderem Interesse gehört, da sie von kluger Beschränkung auf das Erreichbare zeugte. Daß der Krieg gezeigt hat, welch gute gesunde Kräfte im Volke leben und daß die Regierung gut tun werde, sie nicht nur in der Stunde der Gefahr, sondern dauernd nutzbar zu ma­ chen, ist eine bemerkenswerte Tatsache, unter der Voraussetzung, daß die Gewerkschaften guf dem reformistischen Wege verweilen. Dr. MülleWMeiningen (Volkspartei) würde auch heute noch der Fassung des Reichstagsbeschlusp ses von 1915 den Vorzug geben, vor dem so verwickelten Text, den die Regierung ausarbei­ tete. Die neuen juristischen Begriffe werden pie Unterscheidung zwischen reiner und Wirr­ schafts- oder Sozialpolitik nicht leichter ma­ chen. Hier zollte die RoHte mit Hintergedaniken Beifall, weshalb der Redner mit sanfter Ironie darauf hinwies, das wertvoUste an dem Gesetz sind Kveifellos seine Beweggründe, die es zu einem starken politischen Fortschritt machten. Tie Ausführungen Müller-Meinin­ gen über die Vereinsrechte der Staatsarbeirer wurden auf der Linken mit besonderem Beifall gehört. Hierauf vertagte sich das Haus auf heute. llk. Berlin, 11. Mai 1916. (Priv.Ml.) Liebknecht wird im Reichstag nicht wieder erscheinen — das ist das Ergebnis der heutigen Verhandlungen des Reichstags. Tas streng sachliche Referat des Abg. v. Payer in der Sitzung der Geschäftsordnungskommission erbrachte den Beweis für das gefährliche Verhalten deshalb anarchistischen Vertreters von Potsdam. Er ist auf frischer Tat ergriffen worden, hat sich der Verhaftung widersetzt und hat ein von höchst bedenklichen Stellen wimmelndes Flug­ blatt verbreitet. Einem solchen Mann will der Reichstag nicht die Benefizien der Immu­ nität des normalen Abgeordneten zugestehen. Tas ist ein Standpunkt, der sich rechtfertigen läßt. Tie Rede des besonnenen Sozialdemvkraten Landsberg ließ keinen Zweifel darüber, daß dieser das Vergehen Liebknechts durchiaus verurteilt. Aber er hielt an dem grumt* sätzlichen Standpunkt der vorliegenden sozial­ demokratischen Anträge auf Haftentlassung des Abg. Liebknecht fest und suchte sie sehr ge­ schickt zu begründen. Haase von der sozial­ demokratischen Arbeitsgemeinschaft bestritt die gefährlichen Pläne Liebknechts und wartetemit allerlei Enthüllungen aus den Akten auf. Nach­ dem noch ein Pole gegen die Ablehnung der Anträge gesprochen hatte, kam man zur Abistimmung, da die Mehrheit keine Neigung mehr hatte, die Debatte zu verlängern. Die sozial­ demokratischen Anträge wurden mit 229 gegen IU Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen in namentlicher Abstimmung entsprechend dem Be­ schluß der Geschäftsordnungskommission abge­ lehnt — nebenbei bemerkt in der ersten na­ mentlichen Abstimmung,die überhaupt wählend des Krieges stattgefunden hat. Auf den so­ zialdemokratischen Bänken wurde einiger Lärm veranstaltet, der zu Ordnungsrufen gegen die Abgeordneten Rühle und Vogtherr führte. Darauf fuhr das Haus fort in der Be­ ratung der Novelle zum Vereinsgesetz. Tie Konservativen lehnten durch den Abg. Oertel die Vorlage ab, insbesondere wegen der Mög­ lichkeit der Zulassung der Jugendlichen zu den Gewerkschaften. Ministerialdirektor Lewald konnte dem gegenüber feststellen, daß der Ent­ wurf an dem betreffenden Zustand nichts än­ dert, sondern pur die schwankende Rechtsspre­ chung beseitigen jjptlL In sehr geschickter und ironischer Weife spielte Lewald einen konser­ vativen Kronzeugen, nämlich Herrn von Bis­ marcks-Schönhausen gegen den Abg. Oertel aus. Abg. Junk pon den Nationalliberalen erklärte, daß seine Fraktion fest entschlossen sei, das Gesetz zu machen. Ter eigentliche Wille des Gesetzgebers solle Hier zur Festlegung getan» gen. Mit dem Mißtrauen gegen die Gewerk­ schaften will der liberale Abgeordnete für Leipzig endlich.gebrochen sehen. Nach diesem Red­ ner wurde Pie Fortsetzung der Beispvechung auf Freitag vertagt.</p>
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          <p>Tages-Uebersicht. Abfindung kriegsgefangener Offiziere und oberer Beamter in feindlichen Länsern. Unter Zusicherung der Gegenfeitigkeit ist mit den feindlichen Regierungen eine Vereinbarung ge­ troffen worden über die Gehaltsbezüge kriegs­ gefangener deutscher Offiziere in Frankreich, Rußland und England. Tie zu gewährenden -Gehaltsätze treten rückwirkend vom 1. Oktober 1915 ab in Kraft. Für die in Kriegsgefangen­ schaft geratenen Beamten im Offiziersrang gel­ ten die entsprechenden Gehaltssätze der Offi­ ziere.</p>
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          <p>Niederbayerische Nachrichten. Teggendorf, 12. Mai. (Das Luitpoldkreuzf wurde Herrn Forstmeister Paul Stillrich hier verliehen.</p>
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          <p>Schuldienst 1. Mai *1916 wurden: versetzt auf Ansuchen: die Schulderweserin So­ phie Hofbauer von Rinchnach nach Bogen, die Hilfslehrerin Rosa Lindorfer von Eberhards­ reut nach Brombach; befördert zur Schukvettweserin: die Hilfslehrerin Thekla Nöbauer von Brombach in Rinchnach; berufen als Hilfslehlrerin: die Schuldienstkandidatin Emilie Senfjünger von Passau nach Eberhardsreut; in den zeitlichen Ruhestand versetzt: die Schuh­ verweserin Maria Höcker von Bogen. Ab 16. Mai 1916 werden: befördert zum VolkÄschuttehrer: der Schulverweser Hermann PfeiLschister von Abensberg, zurzeit im Heer, in Langdorfs versetzt auf Ansuchen: der Hilfs­ lehrer Franz Graminger von Neuhofen nach Abensberg; berufen als Hilfslehrer: der Hilfskehrer Ludwig Mayer von Bodenmais nach Neuhofen, der Schuldienstkandidat Jos. Eberl von Hainsbach, zurzeit im Heere, nach Bodenmais. Dienstesnachrichten.</p>
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          <p>Städtische Schwimmschule. 12. Mai 1916. Luft . . 15 Gtad C. Wasser . 12 Grad C.</p>
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          <p>Ilse und Else. Roman von E. Krickeberg. 29 (Nachdruck verboten^ Während des Kaffeetrinkens ließ sie sich nicht blicken, das Gespräch bewegte sich! zwischjen den Förstersleuten und dem Professor in ruhi­ gen, allgemeinen Bahnen. Ilse -nahm kaum Teil daran, sie schien an ganz andere Singe zu denken, und wenn das Wort an sie gerichtet wurde, war es, als ob sie aus einem Traum erwachte. Ta stand der Professor denn bald auf, um sich zu verabschieden. Er seufzte, und in seinen Augen war eine zornige Ungeduld. Ilse wollte ihn hinausbegleiten. "Bitte, bemühe dich nicht," wehrte er. "Tu siehst abgespannt aus, und der Abend ist rauh. Lebe wohl!" — Er reichte ihr die Hand ganz kühl und förmlich. "Wir haben ja nun alles besprochen, und du wirst dich! in 14 Tagen bereithalten." Draußen sagte er zum Förster: "Ich möchte Christine sprechen. Rufen Sie sie mir, sie kann mich ein Stückchen begleiten." Er machte eine ungestüme Bewegung: "Wissen Sie, daß ich mir vorkomme wie ein Pferd, das immer rundum in einem GöpeLwerk geht? Einer schickt mich zum andern, und ich würde wahrlich dies unwürdige Spiel nicht mit mir treiben lassen, wenn mir bfije rechte Quelle zur Erllärung einer an sich so ganz und gar nicht geheimnisvollen Tat­ sache nicht verstopft wäre. Tie kleine Kirche im Schweizer Gebirgsdörschen, wo die Familie Telken ihre Sommervilla besaß und Ilse ge­ boren ist, ist mit ihrem ganzen Archiv abghbrannt, das wissen Sie so gut wie ich, und ich habe nicht einmal den Taufschein meiner Braut zur Trauung erlangen können. In Oldenfelden aber ist nur Henning von Tellen geboren, so viel steht fest. — Sie zürnen mir, ich sehe es ihnen deutlich! genug an, und von Ihrem Standpunkt aus sogar mit Recht. Es war eine Torheit von mir, zu erwarten, daß Ilse hier draußen in der Einsamkeit und Stille und dem Einfluß der Ihren entrückt, besser die Stimme ihres Innern hören und ver­ stehen würde — aber ich habe in der allevbesten Absicht gefehlt und kann es nicht be­ reuen. Sie hat hier wenigstens gelebt, ohne die ewigen Sorgen um Henning und die ewige geheime Angst, Wolfgangs Härten ertragen zu müssen, und sie hat sich körperlich! unzweifel- Christine kam und der Förster blieb zu­ rück. "Was wollten Sie vorhin mit der Hunde­ geschichte sagen?" begann er ohne Umschweife. "Sie tun so etwas nicht ohne besttmmte Ab­ sicht." "Genau das, was ich gesagt habe, Herr Professor, meinte sie verstockt; "wenn Sie sich gefälligst überlegen wollten." "Mit allem Ueberlegen würde ich doch nur das eine herausbringen, daß Sie meinen, ein Mensch muß oft für den anderen leiden. Tas ist aber eine so allgemein anerkannte Wahrheit, daß es nicht lohnt, sie noch^durch ein Beispiel zu erläutern." Sie zuckte in einer Art Geringschätzung die Schultern: "Allgemeine Wahrheit, sagen Sie? — Es war nicht der erste beste Hund, der für den ersten besten andern gelitten Hat!" Sie warf es kurz hin und fügte nichts anderes hinzu. "Hm", machte er — "nein, es waren Ge­ schwister, wenn ich nicht irre." — Und plötz­ lich fragte er unvermittelt: "Christtne, hat oder hatte Ilse eine Schwester? Sie werden mir das nun endlich sagen." "Warum ftagen Sie mich noch Dingen, die Sie viel besser von ihrem Herrn 'Onkel erfahren können?"</p>
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          <p>mtt ansehen müssen? — Ich kann Ilse nicht helfen. .' "Aber Sie können dafür helfen, daß sie sich bald heimisch fühlen lernt in meinem Hause. . . ,Muß ich zur Unterstützung meiner Bitte wirklich an Ihr Herz und Gewissen appel­ lieren?" "Sie wissen nicht, was .Sie von mir for­ dern, Herr Professor, Ilse ist mir wie ein eigen Kind." "Eben darum," unterbrach er lebhaft Md dringend, "ich sage kein Wort weiter, son­ dern überlasse das getrost Ihrer eignen An­ sicht." * Tie Trauung war vorüber und ganz pro­ grammäßig verlaufen. Doktor Schweiger und Förster Kuhn hatten als Zeugen gewaltet. Tas Auto, mit dem der Professor und der Doktor herausgekommen waren, hatte vor der Kirchen-tür gewartet und nach der Zeremonie war intern sofort gefahren. Christine befand sich bereits feit dem frü­ hen Morgen in der Stadt, um in der Villa Herrmann alles zu Ilses Empfang bereit­ machen zu helfen — um alle Schätze der Welt wäre sie nicht geblieben, um "diese Trauung" mit anzusehen. Ter Professor Hatte Recht ge­ haft gekräftigt; wenn das dem Laienauge auch vielleicht entgeht, dem Arzt offenbart es sich. Tas muß mir vor der Hand genug sein, und Sie brauchen wahrlich nicht in Sorge vor weiteren Tyrannisierungen Ilses durch mich zu schweben. Mir ist die Lust zu Seelew­ experimenten vergangen. Ich werde warten, bis sich Ilse von selber auf ihre Pflicht be­ sinnen wird." "Tas ist es ja eben," rief Christine in heißem Zorn. — "Einer wartet auf den andern und wird bis in alle Ewigkeit warten können, denn jeder hat eine andere Auffassung von seiner Pflicht! — Nie werden Sie zusammen­ finden, nie. . "Vielleicht nicht von selber, denn Sie ha­ ben recht, wir sehen jeder nur den eigenen' Weg vor uns, aber es könnte einer kommen, dem beider Wege klar vor Augen liegen, und uns an die Hand nehmen und- zusammenführen. Ileberlegen Sie sich das einmal, Mamsell Chri­ stine. J . Und noch eins: Ich, bitte sehr darum und setze es auch bestimmt voraus, daß Sie Ilse in ihr neues Heim begleiten werden!" "Nein," wehrte Christine beinahe entsetzt, ab, "das werde ich nicht tun! — Soll ich! denn all mein Lebtag nur Kummer und Unheil (Fortsetzung folgt.) Der Zusammenbruch der Landshuter Gewerbebank (Fortsetzung.) (3. Tag. — Vormittag.) Heute stand die Angelegenheit des Mar­ tinsschulhausbaues zur Verhandlung, die sei­ nerzeit in Handwerkerkreisen viel böses Blut gemacht hatte. Becher ist angeschuldigt, von 43 500 Mark, die von der Stadthauptkasse an die Gewerbebank bezahlt worden waren, um pn die bei dem Bau beteiligten Handwerker, teils auch als Vorschüsse ausbezahlt zu wer­ den, 21016.20 Mark teils für eigene Zwecke teils für Zwecke der Gewerbebank verwendet zu haben. , Ter Herr Vorsitzende meinte, das sei ein ganz krasser Fall. Becher erklärte, im Fähre 1913 habe der Magistrat Landshut dem Gewerbeverein den Umbau des alten Gefängnisses und des Martinsschulhaüses übertragen. Tie Wahrnehmung der Kassengeschäfte hat der Gswerbeverein auf Grund einer Vollmacht (eine Zession wolle er nicht mehr behaupten) der Gewerbebank über­ tragen. Er habe persönlich von diesen Geldern nicht einen Pfennig bekommen. Er habe die von der Stadthauptkasse eingegangenen Gel­ der als Kontokorrenteinlageu betrachtet. Ter Herr Vorsitzende meinte, die ganze Geschichte sei nur gemacht worden, um der verkrachten Gewerbebank neue Mittel zuzwführen, was Becher bestreitet, weil die Ge­ werbebank die Gelder ja wieder hinauszahlen mußte, was sie aber, wie der Herr Vorsitzende hinzufügte, eben nicht getan hat. Tie Bank war verkracht und daher habe dieser Magi­ stratsbeschluß auf Ueberweisung der Gelder pro­ voziert werden müssen. Tie Gelder seien zur Auszahlung an die Gewerbetreibenden über­ geben, aber für andere Zahlungen verwendet worden. Tie Gewerbetreibenden konnten sehen, wie sie ihr Geld bekamen nach einer Masse Grobheiten und nachdem sie bei der Gewerbe­ bank und bei der Stadthaüptkasse abgewiesen worden waren. Tie Gewerbebank hatte bei der Stadthauptkasse und bei der Sparkasse keinen Kontokorrentverkehr, war mit solchen Anträgen auch zweimal abgewiesen worden. Ter Herr Vorsitzende frug Becher, wie er da­ her dazu komme, die Zahlungen der Stadhhauptkasse als Kontokorrent zu verbuchen. Becher erwiderte, er habe es so betrachtet. Ter Herr Vorsitzende bemerkte, die Aus­ zahlung hätte hauptsächlich! zu Vorschuß,zahlungen für kleine Handwerker gehört, zur Be­ schaffung der notwendigen Materialien. Becher sei nur beauftragt gewesen, das Geld an die Handwerker hinauszuzahlen und da er dies nicht getan habe, habe er es unterschlagen. In dieser Sache sei auch, noch, ein sehr wunder Punkt, da niemand sagen wolle, wer sie ver­ anlaßt habe. Becher betonte, daß. die Einweisungen auf Grund von Anweisungen des Stadtbauamtes erfolgten, wozu der Herr Vorsitzende anfügte, wenn die Leute aber zu Ihnen (Becher) kamen, haben Sie immer gesagt: "Ich hübe kein Geld!" Zu der Zession der Forderung des Ge­ werbevereins an die Gewerbebank meinte der Herr Vorsitzende, ihm seien aUe Rechtsge­ schäfte geläufig, aber für bieife fände er keine Bezeichnung. Ten Antrag zur Zession habe Herr Gstettenbauer beim Magistrat gestellt. Tas sei eine abgekartete Geschichte gewiesen. Becher erklärte, er und Gstettenbauer hät­ ten über die Sache gesprochen. (Vorsitzender: Also gesprochen wurde doch!) Tie Sache habe sich dann weiter entwickelt. (Vorsitzender: Diese Entwicklung ist das Interessanteste.) Ter Herr Vorsitzende frug, warum denn die Auszahlungen der Gewerbebank übertra­ gen worden seien, wozu Bocher glaubte, daß, Gstettenbauer die Arbeit des Kassengeschäftes vermutlich zu viel gewesen wäre. Außerdem habe der Gewerbeverein von den ausführenden Meistern eine Vergütung erhalten, die bei der Gewerbebank bereits in Abzug gebracht werden konnte. Ter Herr Vorsitzende frug wiederholt , warum die Auszahlung der Gewerbebank über­ tragen wurde, wozu sei denn eine Stadt­ hauptkasse da. Becher weiche dieser Frage im­ mer aus. Becher sagte, er habe keine besondere Ab­ sicht gehabt. Er Habe nichts Unrechtes ge­ wacht; er habe die Sache einwandfrei behan­ delt. Ter Herr Vorsitzende verweist Becher da­ rauf, daß. er das Geld, das ihm von der Stadthauptkasse zu bestimmtem Zwecke gege­ ben wurde, zu anderen Zwecken verwendet habe. Becher erwiderte, er habe dies getan, aber nichts Unrechtes dabei gedacht. Dem Herr Vorsitzende erwiderte, er (Be­ cher) seii in dem Augenblicke, in dem er von dem übergebenen Geld für andere Zwecke etwas ausbezahlt habe, im Unrecht gewesen. Wenn die Bank damals Konkurs gemacht hätte, wäre die Stadthauptkasse um die ganze Summe ge­ schädigt gewesen. Tie Gewerbetreibenden hät­ ten Mit Recht gesagt, Isie haben die Arbeiten für die Stadt gemacht und verlangten auch von dieser ihr Geld. Früher habe Becher ge­ sagt, die Auszahlung fei deshalb der Gewerbe­ bank übertragen worden, weil die Handwerker dort Kontokorrentverkehr haben und die Kontis der Handwerker durch diese Zahlungen ent­ lastet werden könnten. Tas wäre allerdings keine Unterstützung des Gewerbes, wenn man ihm den Hals gleich ganz zuschnüre. Ter Zweck der Gewerbebank sei .aber das Gegenteil ge- wesen, das habe auch Becher hunderte von malen behauptet. Tas der Gewerbebank über­ gebene Geld war auch bereits ausgegeben, ehe sich ein Stein am Mar tinsfchulhausbau gerührt habe. Becher bemerkte, daß der einzige Gewinn der Gewerbebank in der Zinsendifferenz zwi­ schen dem Tag der Ueberweisung und der Auch zahlung bestanden habe, was der Herr Vor­ sitzende als Flunkerei bezeichnete, denn Becher habe das Geld ja sofort wieder ausgegeben. Wozu habe man eine Stadthauptkasse als dazu, daß sie die Summe selbst ausbezahlt. Warum braucht man da die Gewerbebank urid nimmt diese in einem Zeitpunkt in Anspruch, wo sie schon verkracht ist. Becher meinte, er habe sich, auf das Gut­ achten des Verbandsrevisors berufen, das ihn beruhigt habe und ihm maßgebend gewesen sei, wozu der Herr Vorsitzende betonte, maß­ gebend sei, daß Becher kein Geld in der Kasse hatte. Becher fügte an, er könne eine weitere Erklärung nicht mit Sicherheit geben, er glau­ be aber, daß er mit Gstettenbauer die Uebevweisung der Gelder an die Gewerbebank be­ sprochen habe. Er habe vielleicht auch! mit Herrn Oberbürgermeister gesprochen. Wann und wo, könne er nicht mphr sagen, daß dies aber in Hindelang gewesen fei, sei nicht mög­ lich, die Zeit stimme nicht, wozu der Herr Vorsitzende meinte, ein vorsichtiger Mann baue eben vor. Der Herr Vorsitzende weist darauf hin, daß Becher sage, Gstettenbauer und der Herr Hofrat habe die Sache ausgemacht, während Gstettenbauer sage, der Herr Hofrat und Becher haben dies getan. Becher erwiderte, er habe sich, erst verge■ wissern müssen, ob Gstettenbauer als Vorstand des Gewerbevereins mit der Auszahlung der Gelder durch die Gewerbebank einverstanden , sei. Es habe auch keine Schwierigkeit mit der Auszahlung bestanden, diese feien erst später I eingetreten, als infolge des Krieges viele Ge- J schäftsleute ihre Gelder aus der Bank zurück-M zogen. 1 Ter Herr Vorsitzende fügte an, daß, als 1 der Krieg ausbrach, schon lange nichts mehr 1 da war. Tas Geld sei schon viel früher verpulvert worden. Es folgen hierauf umfangreiche Konsta­ tierungen aus den Akten, in denen die Magi­ stratsbeschlüsse über die Uebertragung der Aus­ zahlung oder, wie sie meist genannt wird, Zession der Gelder an die Gewerbebank, der Antrag des Gewerbevereins u. a. verlesen und bewiesen wird, daß die Auszahlungen gn die Gewerbebank schon erfolgt find, ehe noch die Genehmigung der k. Regierung zum Beginne des Baues vorhanden gewesen ist. Bei den Akten liegen auch Beschwerden von Hand­ habt, als er sich an ihr Herz und Gewissen wandte. Sie protestierte zwar bis zum letzten Tage, daß sie Ilse in ihr neues Heim be­ gleiten und das Unglück dieser Ehe mit an­ sehen sollte, aber dabei packte sie bereits ihre Sachen mit denen Ilses und richtete ein und bestimmte, wie sie es als Faktotum des Hau­ ses Telken von jeher getan hatte. Am Tage vor der Abfahrt erklärte sie dann der För­ stersfrau: "Ich muß schon für die erste Zeit mitgehen; "sie" ist |fo unpraktisch und nicht gewohnt, für sich allein zu sorgen, sie würde sich vorkommen wie ein Kind im Finstern, und ich würde doch keine Ruhe haben." Ilse hatte sich auch in diese Sache Mit keinem Wort mehr gemischt, nachdem sie ihr gesagt hatte: "Tu mußt selber am besten wis­ sen, was du tun sollst, Christel. Daß. ich dich schwer vermissen werde, brauche ich dir nicht zu sagen, aber ich kann nicht verlangen, daß, du mein ganzes Leben lang an meiner Seite bleibst und Mir die Steine aus dem Wege räumst. Tu hast meinetwegen schon ge­ nug gelitten. Und ein Vergnügen wird das Leben, das mich erwartet, ja sicherlich nicht sein!" .</p>
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          <p>Ter Herr Staatsanwalt geißelte bett unglaub­ lichen Leichtsinn, Mit weichem die Leute oft ihre Namen zrnter Bürgschaftserklärungen mit hohen Beträgen setzten und verwies auf die unwahren Behauptungen Bechers, mit denen er andere widerstrebende Vorstandsmitglieder und auch seinen Freund Eckardt zur Unterzeich­ nung der Bürgschaft veranlaßt habe,' für die sie nunmehr haft bad gemacht werden 'sollen. Ter Herr Staatsanwalt begründete hierauf die Anklage in den einzelnem Punkten und bean­ tragte in 15 Fällen wegen Unterschlagung in den Fällen Wehr 6 Sonate Gefänglüis, SchaUer 5 Mon., Eisgruber 3, Eckardt—Te)chantsreiter 8, Eisenreich 3, 4er Jäger 3, Hinterhvlzner 5, Kirchenbauverein Achdorf 5, Relikteüverein 7, Schachtner 8, Filsermahr 10, Lindner 2, Fackler 2, Lieber! 2, Stillger 4 Monate Gefängnis; ferner wegen 4 weiteren /Vergehen der Unterschlagung in den Fällen Breu 5 Monate Gefängnis, Hahn 1 Jähr Gef/ Gerftl 1 Jahr Gef., Stillger 6 Mon. Geftz außerdem wegen Untreue und Unterschlagung der 33000 Mjark 3 Jahre Gef., wegen Betrugs zuM Schaden Hollböck 2 Won. Gef., zum Schaden Eckardt 1 Jahr 6 Mon. Gef., zum Schaden Maier 8 Mon. Gef. und wegen Veruntreuung von 21000 Mark 2 Jahre Gef. Ter Herr Staatsanwalt beantragte eine Gesamtstrafe von 8 Jahren Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft. Ter Verteidiger .Herr Rechtsanwalt Dr. Schreiner hielt eine glänzende Verteidigungs!rede, in der er teils auf Freisprechung plä­ dierte, teils die Milde des Gerichts für seinen Klienten erbat. Er betonte, daß, Becher der Weg geebnet worden sei, da er hohe Freunde gefunden habe. Er sei in die Höhe gekomjmen, aber der Grund, auf dem er stand, sei morsch gewesen. Becher sei in die Kreditge­ nossenschaft hereingezogen worden, die schon damals konkursreif gewesen wäre. Es hätten sich Leute gefünden, welche den Kredit über­ mäßig in Anspruch genommen hätten, um mit den Geldern andern Konkurrenz zu machen. Becher habe Einfluß, gewonnen und sei in Versuchung geführt worden. Es sei merkwür­ dig, daß, man Becher im Gemeindekollegium in die Sparkassenkommission entsandte, obwohl er Direktor eines Konkurrenzunternehmens ge­ wesen sei. Er habe überall willfähige Beamte gefunden, die bedauerlicher Weise ihre Pflicht verletzten, ihm sein Treiben erleichterten und dadurch moralisch mitschuldig seien und auch nntverantwortlich gemacht worden sind. Becher, der das letzte Wort hatte, beton­ te auf die Ermahnung des Herrn Vorsitzenden, sein Gewissen zu erleichtern, er habe sich in der Verhandlung stets der Wahrheit befleißigt und habe keine Flunkereien getrieben. Es sei seine Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft gewesen, die ihn vor das Gericht gebracht Habe. Er bitte den Gerichtshof Milde walten zu lassen. Hierauf wurde nach einer Pause von 10 Minuten die Verhandlung auf heute mittags halb 12 Uhr vertagt.</p>
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          <p>Landshut, 12 Mni —* Das Eiserne Kreuz wurde Herrn Major und Kompagnieführer Stadler der 1. Kompagnie des hiesigen Ersatzbataillons des 2. Landwehrs-Jnf.-Regts. verliehen. —* E i n e B e s i ch t i g un g des hiesigen Er­ satzbataillons fand gestern durch Herrn Ge­ neralmajor v. Pöppl statt. —* Zur letzten Ruhe in der Heimat­ erde wurde gestern im städt. Friedhofe hier Herr Leutnant Hans Bartmann des 1. Chev.Regts., Sohn des Herrn Kommerzienrat Bart­ mann, bestattet. Leidtragende aus allen Stän­ den hatten sich in großer Zähl eingefunden. Ter Sarg wurde von Schweren Reitern zu Grabe geführt, .die dem Toten auch die letzten militärischen Ehren.erwiesen. Herr Stadkpfarrer Frischeisen widmete dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf, ebenso unter Nieder legung von .Kränzen für das Offizierskorps des 2. Schweren Reiter-Regiments Herr Rittmeister Rizzi, für das Offizierskorps des 1. Cheost Regts. ein Offizier dieses Regiments und im Namen der beiden städt. Kollegien Herr Ma­ gistratsrat Hintermaier. . Aus dem Nachruf klang vor allem der Hinweis auf die vor­ bildliche Tapferkeit .des verblichenen Helden, für die er auch zum Eisernen Kreuze 1. Klasse vorgeschlagen werden sollte. —* Die Nagelung unsres Kr iegswahrzeichens nimmt seinen Fortagng, an an der sich auch! die zur Dult hier weilende Landbevölkerung beteiligt. In den nächsten Ta­ gen werden auch die Schulen ihr Schierflein beitragen und hierauf die einzelnen Vereine. Das Fest der silbernen Hochzeit feierten gestern Herr Ks. Gendarmerieobler^ Wachtmeister Josef Zlltstätter und Gattin im Kreise ihrer Familie. Zwei Söhne stehen im Heeresdienst, von denen der eine vor kurzem zum Leutnant hefördert und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. —* Der Viktualienmarkt zeigte heztte das gleiche Bild wie die letzten Märkte seiner Art. Grünzeug und Blumen aller Art waren in großen Mengen vorhanden. Morcheln, WaldMeister und Maiglöckchen fanden ziemlichen Ab­ satz. Eter kamen nur in einigen Körben, deren Inhaberinnen sofort von den Käuferinnen umllagert waren, von denen aber natürgemäß nur Wenige das Ziel ihrer Wünsche erreichten. Butter und Schmalz waren nicht zu sehen. —* Dl er Kartoffelmarkt war auch heute wieder gut bestellt und fanden die Kartoffeln zu normalen Preisen ziemlichen Absatz. —* Der Glückshafen vom Roten Kreuz hatte gute Geschäfte zu verzeichnen und war bereits am.Mittwoch abends ausverkauft. Ter glückliche Gewinner war ein Feldgrauer. —* Der Haupttreffer der Südd. Klas­ senlotterie mit 500 000 Mark fiel auf Los Nr. 54 831 in der ersten Abteilung nach Pader­ born, in der zweiten Abteilung nach Augsfburg. —* Verkauf von Ferngläsern an Heeresamge hörige. Eine Bekanntmach ung des Kriiegsministeriums besagt: Heeresanhörige dürsten in Zukunft Ferngläser in Hei­ mischen Privatgeschäften nur gegen Vorlage einer mit Stempel und Unterschrift versehenen Bescheinigung ihres Truppenteils kaufen, aus der hervorgehen muß, daß die Ferngläser zum Dienst bei der Truppe bestimmt sind. —* Liebesgabensendungen tut Ge­ fangene in Japan müssen, wie amtlich mitgeteilt wird, von einer Karte an den Lager­ kommandanten begleitet sein, durch welche diesem mitgeteilt wird, daß die betreffenden Waren als Liebesgaben abgesandt worden find. Alle ohne eine solche Begleitkarle eintreffenden Sendungen müssen von den Empfängern verzoUt werden. —* Die Eismänner haben gestern ihre Herrschaft angetreten. In diesen Tagen wird der letzte Kampf der Winterriesen gegen den einziehenden Sommer .ausgesuchten. Bis jetzt haben sich die Eismänner gnädig gezeigt und wir wollen Hoffen, daß, .auch diese gefürchteten Tage ohne.Schaden für unsre in voller Blüte stehenden Fluren vorüberziehen. Lokales.</p>
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          <p>Letzte Posten. Ministerrat in Athen. Sd. Berlin, 12. Mai. Verschiedene Mor­ genblätter lassen sich aus Athen melden, daß unter Vorsitz des Königs ein Kronrat abge­ halten wurde, an dem auch der Generalstab teilnahm. Nach ,dem Kronrat hat Minister­ präsident Skuludis eine Zweistündige Bespre­ chung mit betn rumänischen Gesandten gehabt. Ausstand in Lissabon. Sd. Budapest, .12. Mai. "Az Est" ver­ öffentlicht ein Telegramm aus Kanada, wonach in Lissabon ein Aufstand ausgebrochen sei, und das Arsenal in Flammen stehen soll. Ein Teil der Truppen hat sich an der Revolte be­ teiligt.</p>
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          <p>Vermischtes. Sankt Elmsfeuer auf dem Kr«. Die elektrischen Lichterschieinungen, die unter dem Namen des St. Elmsfeuer schon den.Alten bekannt waren, treten auf hvchst gelegenen Punkten mit besonderer Auffällig-, keit .in die Erscheinung. In grandioser Ge­ stalt zeigt sich! diese Lichterscheinung auf dem als "Berg der Blitze" bekannten Krn, wo es beständig zu solchen von St. Elmsfeuern be­ gleiteten Entladungen kommt. Luigi Barzini gibt von einem solchen elektrischen Feuerwerk auf dem vielumstrittenen Gipfel folgende Schilderung: Tie Soldaten waren draußen bei der Arbeit. Ueber den wolkenbedeckteu Himmel hüschjte in gemessenen Zwischenräumen die zit­ ternde Flamme des donnerlosen Wetterleuchitens wie es in wolkenbedeckten heißen Rache ten hier an der Tagesordnung ist. Plötzlich zuckten auf den Spitzen der Bajonette der Wachen feinfädige Stichflammen gradlinig em­ por, als wären auf den Flinten Reiherbüsche aufgerichtet. Lichtbüschel sprangen aus den Haaren der Menschen und züngelnde Flammen spritzten aus den Federn der Hüte der Berffaglieri. Ein Offizier hob eine Hand in die Luft, und sofort zeigten sich! auf den Spitzen seiner Finger zuckende FlÄmmchjen. Einen Augenblick standen die Mannschjaften im Bann des Grauens und ispukhafter Verängstigung. Aber die 'Erklärung, die die Offiziere 'über die Erffchjeinung gaben, beruhigte sie bald wie­ der und verscheuchte die aufsteigende Furcht vor dem unerklärlichen Naturphänomen. Bald hoben aUe Soldaten die Hände in die Luft und freuten sich! über die 'Feuerzungen, die aus den Fingerspitzen hervorschossen. Tann kam langsam und allmählich! das Gewitter näher. Ter Sturm brauste einher und bald war der Hexensabbat der Elemente in voll­ stem Gange. Allmählich haben sich die Leute, die auf dem Krn hausen, an diesen Spuk gewöhnt, und heute leben Blitze und Menschen auf dem Tonnerberge" in gutem Einverneh­ men. Aber seit die Schneeschmelze eingetreten ist, hat man mit Fleiß daran gedacht, die Trahtverhaue zum Zwecke der Ableitung der elektrischen Spannung dienstbar zu machen. So gibt es heute durch! Erdleitung gelsicherte Trahtverhaue, gegen den Blitz wie gegen den Feind angelegt.</p>
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          <p>Literarisches. Tie Illustrierte Kriegs-Ehronik des Da­ heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen ge­ radezu auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chronifftil die Ereig­ nisse der verschiedenen Kriegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist es also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Wasfentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag' von Velhagen und Kin­ sing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Pfg.) Panje, wirf Revolver weg! Monatelang hatten wir vor dem Zwinin gelegen und ver­ sucht, die etwa 50 Meter höher liegenden Rüs­ sen zu vertreiben. ,£er Kampf gegen die Naturgewalten, gegen Eis und Schnee, war oft härter und verlustreicher, als der gegen den Feind.. Sehr viele meiner Kameraden haben hier ihren Tod gefunden, erzählt der Gefreite Paul Hinsche (2. Komp. Jnf.-Reg. Nr. 41) in den soeben erschienenen! Lieferun­ gen 3/4 von "Wie wir unser Eisern Kreuz erwarben". Selbsterlebnisse nach persönlichen Berichten von Inhabern des Eisernen Kreu­ zes 1914, bearbeitet von Generalleutnant Frie­ drich Frhr. v. Tincklage-Campe (Deutsches Verlagshckus Bong u. Co., Berlin W. '57. Preis des Vierzehntagsheftes 50 Pfg.) Wie man sein Geld vermehrt. Geldaiü läge und Geldverkehr. Ein Ratgeber für Prs-^ vatleute, die ihre Kapitalien nutzbringend und sicher anlegen wollen. Von P. CH. Martens; I 5. Auflage 2 Mark, geb. 2.50 Mark portofrei. I Verlagsanstalt E. Abigt, Wiesbaden.</p>
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          <p>Pflichtfortbildungsschule. 1. Montag Len 15. Mai beginnt für den Rest des lausenden Schul­ jahres wieder der regelmäßige Unterricht. Alle bisherigen Befreiungen vom Schulbesuche sind erloschen und müssen gegebenenfalls erneuert werden; nur bei wirklich gewichtigen Gründen kann Genehmigung erfolgen. 2. Die Schüler find zu ganz regelmäßigem Besuche des Unterrichtes in anständiger Kleidung verpflichtet. Das Rauchen und Lärmen auf der Straße, der Besuch von Kino- und Theatervorstellungen sowie von Gasthäusern ist ihnen unter Androhung strenger Bestrafung verboten. 3. Die Eltern, Lehr- und Dienstherren, sowie Arbeitgeber sind verpflichtet die Schüler zu ganz regelmäßigem Schulbesuche in anständiger Kleidung anzu­ halten und den Besuch zu überwachen. In einzelnen Behinderungrsällen muß rechtzeitig dem Klaßlehrer Mitteilung gemacht werden. 4. Ende Juni und anfangs Juli findet die Entlasiungsprüfung statt. Nur wer sich der schriftlichen und mündlichen Prüfung mit Erfolg unterzogen hat, darf ein EntlafsungSzeugniS erhallen. Land shut. 11. Mai 1916. Der Schulvorstand: Dr. Horchler, 1038 K. Rektor.</p>
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