Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-05-30. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 147, 1916-05-30. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert. Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen. Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes 'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/) der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)" ──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Kurier für Niederbayern Jahrgang 69 Nummer 147 30. Mai 1916 ────────── "Kommst du von einem Baechanal?" frag­ te er kurz und scharf. i , Sie strich sich, erschrocken mit beiden Hän­ den über die heiße Stirn und das Haar. "Ich warte hier seit einigen Stunden und dachte, meiner Schwester würde mein Besuch recht sein, auch wenn er nicht in die vorschrifts­ mäßige Zeit fällt." "Wie kannst du so reden, Wolf? Aber warum bist du nicht herunter gekommen? Hen­ ning war auch da." , "Tamit die Familie Telken doch ja voll­ zählig vorhanden war." Ilse stand einen Augenblick schweigend ne­ ben ihm, plötzlich- aber warf sie ihre Arme ungestüm um seinen Hals und bat: "Verzeihe mir, Wolf, ich wollte dir nicht Wiehe tun. !Jchfreue miH ja so sehr, daß du endlich! einmal da bist, aoer ich bin manchmal so verzweifelt,! daß ich kaum weiß, was ich tue. " #■ Er nickte finster, ohne die Liebkosungen zu erwidern: "Tas war vorauszusehen; Wer keine Kraft zum Entsagen hat, hat auch keine zum Er­ tragen. " (Fortsetzung folgt.) ' [ j fall, nun gut, so stirbt man wie der Soldat auf dem Schlachtfelde. Tu kannst dich aber beruhigen, sollte ich auch nur den Verdacht haben, infiziert zu sein, werde ich selbstver­ ständlich nicht eine Sekunde länger im Hause bleiben." , j Sie antwortete nicht, wenn er ihre Frage so auslegen wollte — wie konnte sie ihm dann sagen: "Ich ängstige mich grenzenlos um dich!" Aber in ihrem Gesicht war ein Ausdruck von Mutlosigkeit und Ergebenheit. Er sah ihn und sagte in verhaltenem Ton: "Wenn es mir nicht zu arrogant erschiene, könnte ich beinahe meinen, du sorgtest dich um mich, Ilse." i ZK brach die Bitterkeit aus ihr hervox: "Oh, ich sorge mich ja auch, um imeinenUauarienvogel, um Christel, wenn sie krank ist, um den kleinen Kutscherjungen und seinen Hund — warum sollte ich mich da usm> dich! nicht sorgen." "Genug, genug!" wehrte er, aber das klang gar nicht empört, eher befriedigt. "Tu hast mir meinen Vergleich vorhin also übelgenommen... ich nehme es dir aber gar nicht übel, daß du mich mit einem' Kana­ rienvogel und einem Hund auf eine Stufe stellst, es genügt mir schon, daß du dich, über­ haupt um mich sorgst, und wenn ich nicht schon selbstverständlich alle Vorsicht zur Ver­ hütung einer Ansteckung gebrauchte, von jetzt >an würde ich es tun" — und mit strahlendem Lächeln fetzte er hinzu: "natürlich nur aus Pflichtgefühl." Er ging und sie schloß hastig die Stube ab und lief, von allem, was an diesem Tag schon auf sie eingestürmt war, ganz verwirrt und benommen, innerlich zitternd und hochrot vor Erregung, die Treppe zu ihrer Wohnung em­ por, um sich beim Oeffnen der Tür im jähem Schreck Wolfgang gegenüber zu seh>en. Er saß, jwie an ihrem Hochzeitstage, in einem Buche lesend, am Tisch unter der Lampe, hob ruhig den Kopf und blickte der Schwester prüfend entgegen. ' So sehr sie darunter litt, daß der Bruder sich- seit ihrer Verheiratung so fern hielt und so sehr sie sich nach ihm gesehnt hatte, gerade in diesem Augenblick wäre sie lieber allein gewesen, um mit Iftoj selber ins reine zu kom­ men, und es klang nicht eben freudig über­ rascht, als sie fragte: "Tu, Wolf, hier und so spät noch ?" Wolfs Gesicht verfinsterte sich und nahm an forschender Schärfe zu: ────────── Der österr.-ungar. Vormarsch schreitet fort. ────────── Asiago von Südwesten bedroht. — Schwache französische Angriffe gegen Cumieres abge­ wiesen. — Der bulgarische Vormarsch. ────────── Im Westen hielt auf beiden Seiten der Maas unverminderter Artilleriekampf an. Nur auf Cumieres unternahm der Feind zwei schwächliche Angriffe, die mühelos von den Unsern abgewiesen würden. An der flandri­ schen Küste wurden feindliche Monitore, die sich zu nähern suchten, durch, unsere Artillerie vertrieben. Unsere Flieger bewarfen den feindlichen Flugplatz Furnetz erfolgreich mit Bomben. Von der betzarabischen Grenze melden un­ sere Verbündeten, daß, sich die Russen dort mit starken Kräften an ihre Front heranzuarbeiten versuchten, jedoch abgewiesen wurden. : An der italienischen Front geht es unauf­ haltsam vorwärts. Vor Asiago wurden die Ita­ liener von den österr.-ungar. Truppen, die IM Moana das Assatal überschritten haben, bei Canova zurückgeworfen. Tie Höhen nörd­ lich und westlich von Asiago sind bereits im Besitze unsrer Verbündeten. Weiter nördlich haben sie die Monte Zebio, Zingaralle und Corno di Campo Bianca in Besitz genommen. An der Südfrvnt wurden die Italiener aus allen Stellungen westlich und südliche von Bet­ tale geworfen und damit der Weg in die Ebene freigemacht. Tie dortigen Kämpfe haben also ihr Ziel noch nicht voll erreicht und die iösterr.ungar. Heeresleitung gibt, ebenso wie die un­ sere, nur vollendete Tatsachen bekannt. Zwischen Bulgarien und Griechenland soll nun über alle schwebenden Fragen eine Eini­ gung erzielt worden sein. Gleichzeitig kommt die Meldung, daß 25 000 Bulgaren die grie­ chische Grenze überschritten, und den Rupelpatz in Besitz genommen haben. Tamit wäre der Vormarsch gegen das Ententeheer von Sa­ loniki aufgenommen. Auch das griechische Fort Goje soll von den Bulgaren besetzt fein. Au­ ßerdem sollen die Bulgaren nach einer Reuter­ meldung erhöhte Tätigkeit bei Xanti entfalten. Es sind somit alle strategisch wichtigen Punkte im Besitz, der Bulgaren. ────────── Bericht des deutschen Hauptquartiers. WTB. Berlin, 29. Mai. Mittags. sVrohe» Hauptquartier.) Westlicher Mgrschmplatz. Feindliche Monitore, die sich der Küste näherten, wurden durch Artilleriefeuer ver­ trieben. t . i Ten Flugplatz Bon Furnetz bewarfen deut­ sche Flieger erfolgreich! mit Bomben. Auf beiden Ufern der Maas dauern die Artilleriekämpfe lytt unverminderter Heftig­ keit an. ! Zwei schwächliche französische Angriffe ge­ gen das Torf Cumieres wurden mühelos abge­ wiesen. i ; , Seitlicher KrikgrschmM. und 1 ! tvaRamkrtoMchmuplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, 29. Mai, mittags. — 1 Amtlich wird verlautbart: Russisch« Kriegsschauplatz. Starke russische Kräfte versuchten in den letzten Tagen sich an unsre betzarabische Front heranzuarbeiten. Tas Feuer unsrer Geschütze und Minenwerfer vereitelte die Arbeit des Feindes. , Sonst nichts von Belang. Italienisch« Kriegsschauplatz. Im befestigten Raum von Asiago über­ schritten unsre Truppen bei Roane das AssaTal, warfen den Feind bei Canova zurück und breiteten sich auf den südlichen und östlichen Talhängen aus. ^ r Andere Kräfte nahmen nach Ueberwindung der Befestigungen aus dem Monte Jnterretto die Höhen nördlich, von Asiago in Besitz. Weiter im Norden sind der Monte Zebio, Monte Zingaralle und Corno di Campo Bianco in unsren Händen. i Im oberen Posina-Tal wurden die Ita­ liener nach hartnäckigem Kauchs aus allen Stelsunge n westlich und südlich Bettale Vertrieben. Südöstlich« Kriegsschauplaq: Ruhe. Ter stellvertretende Ehes des Generalstabes: v. H o e f e r, Feldmarschalleutnant. ────────── von Spanien zwischen England und Teutsch­ land zu vermitteln wünsche. , Zur Friedcusfragr. Genf, 29. Mai. Tie "Nation" glaubt aus den Worten Grehs entnehmen zu können, datz England keineswegs einen Gebietswechsel in Aussicht genommen habe. Auch die Auslassun­ gen Greys gegenüber den amerikanischen Jour­ nalisten würden dahin verstanden, England wünsche einen Frieden ohne Landübertragung gegen den Willen der Bevölkerung. (Z.) T« König von Spanien will vermitteln. Basel, 28. Mai. Tie "Basler Nachrich­ ten" melden aus Madrid: Auf einer Tiözesankonferenz erklärte der Bischof von Granada, er wisse aus positiver Quelle, datz der König ────────── Seile 2 den Text der Bedingungen erfahren, unter de­ nen Briand in die Abhaltung von Geheim­ sitzungen willigt. Briand will in diesen Sit­ zungen nicht wiederholen oder erweitern, was er in den Heeresausschünett über die Mängel der Front bei Verdun bekanntgab oder 6et= kanntzugeben vor hat. In den Geheimsitzun­ gen seien Namen und Taten möglichst auszu­ schalten. im Aufschnitt Pfd. Mk. 3,10 " gekocht mit Knochen Pfd. Mk. 3,00 " gekocht ohne Knochen im Aufschnitt Pfd. Mk. 3,40 1 / 10 Pfd. Schinken gekocht ohne Knochen höchstens 40 Pfg. Geräuchertes Schweinefleisch roh Psd. Mk. 2,40 " " gekocht Pfd. Mk. 2,50 Geräuchertes Rindfleisch Pfd. Mk. 2,20 ────────── Letzte Posten. Der Austausch der Zivilqefaugenen. Sb. Berlin. 30. Mai. Tie "Nordd. AWgemeine Ztg." meldet zu der im englischenOberhause abgegebenen Regierungserklärung, in welcher britischerseits der deutschen Regierung vorgeschlagen worden sei, bei der Entlassung der Zivilgefangenen die Altersgrenze von 55 Jahren auf 50 Jähre, bei Felddienstunfähigen auf 45 Jahre herabzusetzen, wird mitgeteilt^ daß die britische Regierung in der Tat einen solchen Vorschlag gemacht hat, an den Be­ dingungen geknüpft sind, über die gegenwär­ tig noch verhandelt wird. 3er kranke König von Italien. Sb. Berlin, 30. Mai. Ter "Berl. Lok.Anz." berichtet, daß der König von Italien krank sei. Tie Aerzte hätten Hm geraten, sich von ernster Arbeit fernzuhalten. Die Kö­ nigin sei nach dem Hauptquartier abgereist, um die Aerzte zu unterstützen. Auch Giolitti hat den König im Hauptquartier besucht. Die Stimmung im serbischen Heere. Sd. Athen, 30. Mai. Aus Saloniki wird gemeldet, daß die Desertionen der serbischen Soldaten überhand nehmen. Das englische Parlament vertagt. Sd. London, 30. Mai. Das Parlament hat sich bis zum 20. Juni vertagt. ────────── Lanöshut, 26. Mat. (Kleinviehmarkt.) Es wurden zugetrieben: 20 Kälber, — Schweine, 280 Spanferkel. Preise: Kälber lebend 1. Qual. 90—100 dl., 2. Qual. 85-90 dl, 3 Qual. 75 bis 85 dl., tot 00—00 dl., Schweine leb. 000-000 bl, tot 000—000 dl. per Pfund, Spanferkel 85 bis 100 Mark per Paar. Handel und Verkehr. ────────── Literarisches. Die Illustrierte Kriegs-Chronik ves Da­ heim hat vor ähnlichen Unternehmungen einen großen Vorzug: sie folgt den Ereignissen ge­ radezu auf dem Fuße. Für jeden Tag findet der Leser in knappem Chronikstil die Ereig­ nisse der verschiedenen ^iegsschauplätze kurz verbucht. Dem Besitzer dieses Werkes ist es also später einmal leicht, durch Nachblättern jede einzelne Waffentat des großen Krieges festzustellen. (Verlag von Velhagen und Klafing in Bielefeld und Leipzig. Preis des Hef­ tes 60 Pfg.) Der Türmer. Halbmonaisickrtlt für Gemüt und Geist. Hei ausgegeben von I E Freiherr« von Grotthuß. Verlag von ©reiner u P'eiffer m Stutt gart. Vierteljährlich 6 Hefle, 4 50 Mark "Der Vortrupp", Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit. Herausgegeben von Dr. jur. Hermann M. Poput, H mburg, und Kapilänleutnant a. D. Hans Paafche, Berlin. Ver­ antwortlicher Schriftleiter: Dr. phil R Kraut, Ham­ burg. Verlag von Alfred Jansfen, Hamburg Preis: Jäh.ltch 8 Mark, vierteljährlich 2 Mark Gnzelnummer 40 Piq. TäS freie Wort. Frankfurter Halbmonats­ schrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Herausgegeben von Max Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Franö fürt a. M. Neuer Frankfurter Verlag G. to. b. H. Preis vierteljährlich! 2 Mark. Ter Ver­ lag gibt aus Wunsch Probehefte gratis ab. Hunvesport und Jagd. Amtliche Zeit­ liche Zeitschrift des Deutschen Reichsverbandes für Polizei- und Schutzhunde, E. V. mit 26 Unterabteilungen und anderer Verbände. Er­ scheint wöchentlich einmal im Verlage Gundlach!-Bielefeld. Preis vierteljährkich 2.25 Mk. ────────── Inserate. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Reichsbuchwoche. Immer dringender ist es geworden, den Truppen an den Fronten und In den Etappengebieten geeigneten Lesestoff zu verschaffen. Seitens des Zentralkomites der deutschen Vereine vom Roten Kreuz (GesamtauSschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in Lazaretten) findet auch heuer wieder eine Reichsbuchwoche behufs Sammlung von Büchern und Schriften W Versorgung des Heeres und der lotine stutt. Wir machen hiemit die verehr!. Einwohnerschaft mit der Bitte um tun­ lichste Unterstützung dieses guten Zweckes aufmerksam und teilen zugleich mit, daß am Mittwoch, de» 31. Mai nachmittags dorr 2—6 Uhr und am Donnerstag, de» 1. Juni vormittags von 10-1 Uhr Wehrkraftjungen die Bücher und Zeitschriften abholen werden. Wer seine Gabe nicht aus dem häuslichen Büchervorrat entnehmen kann, kaufe ein Buch beim Buchhändler, der die Auswahl mit seinem Rate gern erleichtern wird. Wer nur wenig Geld ausgeben kann, bedenke, daß schon für den geringen Preis von 20 Pfennig etwas Geeignetes zu haben ist Die Buchhandlungen der Stadt find Verkaufs- und Sammelstellen, (siehe gelbe Plakate.) L a n d s h u t, den 29. Mai 1916. trat. Marschall. ii58 Schwarz.