Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-06-30. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 174, 1916-06-30. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Juni 1916 ────────── Die bevorstehende englische Offensive. ────────── Feindliche Vorstöße an der englischen Front überall abgewiesen. — Französische Gegen­ angriffe rechts und links der Maas zusammengebrochen. — Erbitterte Kämpfe um Kolomea Italienische Angriffe an der Isonzofront und zwischen Etsch und Brenta abgeschlagen. Der Irenführer Casement zum Tode verurteilt. ────────── Tie Niederlage von Thiaumont und Fleury hat die Franzosen seelisch, gepackt. Männer/ wie Herve malen sich' bereits die Folgen des Falles von Verdun aus und befürchten Schlim­ mes für die Stimchung in Frankreich!. Trotz aller Wundep an Tapferkeit, die die Verteidi­ ger der Festung verrichteten — was übrigens von unsrer Seite jedev/zeit auch- 'hervorgehoben worden ist, — sind die Teutschen nicht auszu­ halten, weil sie über Mötzjeich' Mengen von Munition, zahlreichiepe Geschütze und über kräf­ tigere Soldaten verfügen. Nur' eine Hoffnung hält die fast Verzweifelnden noch, aufrecht: "Es bereitet sich! an einch: anderen Stelle der Front! etwas vor", heißt es geheimnisvoll in betn einen Pariser Blatte'. Andere kündigen schon bestimmter eine englische Entlastunegsossensive an, während wieder anderd, durch- das lange Zögern dep Engländer argwöhnisch! gemacht, den Andeutungen über ein baldiges Eingreifen des Generals Haig noch- nicht recht trauen. Indes selbst wenn die Engländer mit ihrer berührten Millionenarmee einen allgemeinen Entlastungsvorstoß untefrnehMen sollten, so würden sie unsie TÄuppen keineswegs unvor­ bereitet treffen. Seit dem 18. Juni ist in den deutschen Heeresberichten wiederholt von hef­ tigem Artillchiefeuer an der Front zwischen der belgischen Grenze und der' Somme be­ richtet wotden. Ten grüßten Teil dieser Front halten aus gegnerischer Seite die Engländers besetzt. Tie mehrfache Erwähnung ihrer Artitlerieangltiffe durch die deutsche Heereslei­ tung deutet darauf hin, daß wix auf alles gerüstet sind. Aber bislang ist es nur, zu Patrouillenunternehmungen gekommen. Jeden­ falls dürfen sich! die Engländer auf einen hei­ ßen Empfang durch! unsre Feldgväuen gefaßt machen. Tie Franzosen bemühen sich! inzwi­ schen verzweifelt, den Unsern ihrp neuen Er­ folge wieder zu entreißen Ein fürchterliches Artilleriefeuer von 12stündiger Tauer berei­ tete ihren Gewaltstoß Vox. Aber die Teutschen hielten fest in ihrem neuen Besitz, sie ließen sich! weder dustch! den heißen Eisenhagel bey I französischen S^rtilleyie beirren, noch! durch 1 die wütigen Stürme der französischen Infan­ terie ins Wanken bringen. Unsre eigne Artil­ lerie und Infanterie richtete auf den Feind ein vernichtendes Zeuer, brtzchjte ihm' ganz außerordentliche Verluste bei junb Machte alle seine Angriffe restlos zuschanden. Frische Truppen führten die Frjanzosen ins Feld, doch, auch! sie verMochjten die Unsern nicht zum Wei­ chen zu bringen. , , Im Osten hat die Heeresgruppe Linsingen die russischen Stellungen bei Liniewka, 30 Ki­ lometer nördlich! von Luck, gestürMt und einen feindlichen Stützpunkt bei GneWitschi amNjemen genommen. Langsam werden die Russen wieder zurückgedrängt, für manchen unsrer Dränger und Biepbankstrategen zu langsam'. Doch es geht vorwärts und das ist die Haupt­ sache. Tie russische Offensive ist gescheitert und zwar hauptsächlich! an dem festen Wider­ stand des Zentrums der ästerir.=ungar. Stel­ lung unter Graf Bothmeri. Wenn auch' die Armee Pflanzer-Baltin sich- aus der Bukowina zurückziehen Mußte, so hat sie dafür jetzt an den Waldkarpathen desto festere Stellungen eingenommen, an denen sich' die Russen be­ reits einmal die Köpfe vergeblich- eingetonnt haben und vielleicht noch! einmal einrennen werden. Wenn die Russen, tote es heißt, als Preis für ein aktiveres Eingreifen zugunsten der Entente den Besitz von 'Ctzernowitz anbietet, so dürsten die Rümänen auf dieses Köder kaum mehr hereinfallen. Sie toevden weiter warten, tote sie es bisher getan haben. Ihr Weizen blüht noch! nicht. i An der russischen Südfpont Haben die Rus­ sen ihre Massenangriffe wiederholt und die österr.-ungav. Verteidiger in der Richtung nach/ Kolomea zurückgedrängt. Ein ergötzliches Schauspiel bietet der Welt gegenwärtig der amerikanisch-mexikanische Zwi­ schenfall. Tie Mexikaner haben ca. 100 Ameri­ kaner totgeschossen und andere gefangen. Tas ist bei Wilson absolut kein Kriegsgrund. Tie Toten sind tot, nur die lebend Gefangenen will er zurück.''Tiefen Wunsch- haben ihm die Mexikaner jetzt erfüllt und damit ist wieder, alles gut. Ter amerikanische General verlegte seine Operationsbasis weiter an die Glrknze zurück, und Wilson, dem jedes amerikanische Leben so teuer ist, er vechgißt die Toten und sinkt seinem mexikanischen Bruder gerührt in die Arme, gibt i!hm den Friedenskuß. Tas ist die Haltung des großen, selbststolzen Ame­ rikas gegen einen, der sich- von ihm ni>ch!ts bieten läßt, der ihm die Zähne zeigt. ────────── Sonst keine wesentlichen Veränderungen. Balkan-Kriegsschauplatz. Außer Artillepiekämpsen zwischen dein Vardar und dem Toßran-See ist nichts zu beirichten. Oberste Heeresleitung. WTB. Berlin, 29. Juni, Wittags. — Mrotzes Hauptquartier.) Westlicher KrieMWlatz. Tas Gesamtbild an der englischen und dem Nordflügel der französischen Front ist im Wesentlichen das gleiche, wie am vorherigen Lage. Tie Vorstöße feindlicher Patrouillen und starkes Jnfantevieabteilungen, sowie auch! die Gasangriffe sind zahlreicher geworden. Ueberall ist der Gegner abgewiesen. Tie Gaswellen blieben ohne Ergebnis. Tie Artilleviekämpse erreichten zeitweise große Heftigkeit. Auch an anderen Orten, nördlich! der Aisne und in der Ehanchagne, zwischen Auberive und den Axgonnen, entfalteten die Fran­ zosen lebhaftere Eeuchtätigkeit. Auch! hier wurden schwache Angriffe leicht zurückgeschla­ gen. Rechts der Maas fanden nordwestlich des Werkes ThiauMont kleinere Jnsanter'iekämpfe statt. | i Sestlicher KriegsfihWlatz. Russische Angriffe einiger Kompagnien zwischen Tubatowka und Gmorgon scheiterten iM Spevrfeuep. - i Bei GneschitsW südöstlich von Ljubtschi) stürmte eine deutsche Abteilung einen feind­ lichen Stützpunkt östlich! des Njemeu, nahm 2 Offiziere und 56 Mann gefangen und erbeutete 2 Maschinengewehre und 2 Minenwerfer. «akkankriegsschauplatz. Nichts Neues. Oberste Heeresleitung. ────────── Der österr.-ung. Heeresbericht. WTB. Wien, den 28. Juni. Amtlich wird gemeldet: Russischer Kriegsschauplatz. Bei Kuth wiederholte der Feind seine Angriffe mit dem gleichen Mißerfolg wie an den Vortagen. Sonst in der Bukowina und in Ostgalizien nichts Neues. Südwestlich! von Nowo-Poczafsw schlugen unsere Vorposten fünf Nachtangriffe der Rus­ sen ab. Westlich! von Torczhn brach! ein starker! rus­ sischer Angriff in unserem Artillerie- und Infanteriefeuer zusammen. WestlW von Sokul erstürmten deutsche Truppen das Gehöft Liniewka und mehrere andere Stellungen. , Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern griffen die Italiens zwischen Etsch und Brenta an mehreren Stellen an, so tritt Val bei Fosi, am Pasubio, gegen den Monte Rasta und am Vorterlrain des Monte Zebio; alle 1»tiefe Angriffe wurden blutig abge­ wiesen. Bei den von stärkeren feindlichen Kräften geführten Vorstößen gegen den Monte Rasta fielen 530 Gefangene, darunter 15 Of­ fiziere, in unsere Hände. An der Kärntner Frsont wiederholte der Feind seine fruchtlosen Anstrengungen am Plöcken-Abschnitt. Seine Angriffe rasteten sich hauptsächlich gegen den Freikosel und den gro­ ßen Pal. Stellenweise kam es bis zum Hand­ gemenge . Tie braven Verteidiger blieben ton festen Besitz aller ihrer Stellungen. An dier küstenländischjen Front wctt derArtilleriekampf zeitweise recht lebhaft. Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe und Militärischen Anlagen von Treviso, Monte Belluna, Vicenza und Padua, sowie die AdriaWerke von Monfalcone mit Bomben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Cische (gefangene zu Machen, und betont, man dürfe keine «ntfcheidenden Kämpfe erwarten, sondern müsse Mit bescheidenen Teilerfolgen zufrieden seist. Ter Gegner habe vortreffliche Stellungen be­ zogen und beherrsche artilleristisch! das Ge­ lände. Gegen italienische Lügenmeldungen, i Wien, 28. Juni. Gegenüber der ©tefanik Meldung, daß am 25. Juni italienische Einhei­ ten in Turazzo zwei Dampfer von 5000 bezw. 3000 Tonnen, beladen mit Waffen und Mu­ nition, versestkten, stellt das Korröspondenzbüro fest, daß nnpfi ein leerer Dampfer mit 560 Tonnen versenkt würde. Alles Uebrige existiere nur in bdti Phantasie der Agenzia Stefani. Hoffnung der Italiener. Das Zurückweichen der Oesterreichler ruft in Italien übertriebene Hoffnungen hervor. Tie Mailänder Blatter stimmen bereits Sie- gesjubel an. "Corriere della Sera" schreibt: Tie Stunde der Vergeltung hat geschlagen! Nur der "Secolo" ist skeptischer und warnt vor Illusionen. Er meint, der Rückzug des Feindes habe nur relativen Wert und bezwecke das Beziehen rückwärtiger Verteidigungslinien. (3-1 Neue Preise aus vernichtete Tauchchoote. Privatspenden in Italien erhöhen die Preise auf vernichtete feindliche Tauchboote im Mittelmeer auf 100 000 Lire. (Z.) ────────── Am Balkan. wegung, die Umgestaltung des Landes in eine Republik mit Venizelos an der Spitze als Prä­ sidenten herbeizuführen, verurteilt. Die Sym­ pathie für den König nehme ständig zu. Tie Ueberzeugung fei allgemein, daß König Kon­ stantin mit Hilfe seines Volkes und der bukgarifchen ArMee den Gelüsten des Vierverban­ des erfolgreich entgegentreten werde. Uhr ab werden im städtischen Leihhaus» dahier die versallenen Pfänder, bestehend in: Bene», KleihWWille«. WWe, llhre», Pretiise« etc. gegen sofortige Bezahlung öffentlich versteigert. 1372 8a«d*h«t, den 28. Juni i9ie. eifern fla Ct ^an^ut. ────────── Bekanntmachung. Betreff: Nachausschlag sür Zigarette». Die am 1. Juli 1916 im Besitz oder Gewahrsam von Herstellern zigarettensteuerpfltchtiger Erzeugnisse und von Händlern befindlichen versteuerten Bipretteii, SiprettetiMe ttttb ZWetteMev unterliegen dem Nachausschlag in der Höhe des gesetzlichen Kriegsausfchlags. Hersteller und Händler haben zu diesem Zwecke die am 1. Juli 1916 in ihrem Besitz oder Gewahrsam befindlichen versteuerten Vorräte an Zigarette», Zigarettenhülle« und an Zigarettentabak, letzteren soweit d>er Kletnverkausspreis mehr als 8 Mk. sür 1 kg beträgt innerhalb einer Woche, Waren der gleiche» Art, die sich am genannten Tage unterwegs befinden, alsbald nach ihrem Eingang dem zuständigen Steueramte nach Zahl, Inhalt und Steuer­ klasse der Packungen schliftlich anzumelden. Die Anmeldung ist in zweifacher Ausfertigung einzureichen. L a n d s h u t, den 28. Juni 1916. K. c^ctxt^ljoCCamt. Scherer. 1378 ────────── Die Türkei im Kriege. Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 28. Juni. Tas tür­ kische Hauptquartier teilt Mit: An der Jrar,r»nt kerne Veränderung. Oestlich> von Servil griffen rtzrssischje Streitkräfte in kleinen Abterlungen erneut in veM schiedenen Rüstungen unsrer vorgeschobenen Stellungen an. Diese Angrifft wurden durch! unser Feuer Mgückgeschlagen. An der Kaukasusfront gelang es unsyen Erkundungsabteilungen auf deM rechten Flü­ gel, durch, gelungene Operationen dem Feinde einige Höhenzüge und Stellungen zu nehmen. Im Zentrum und auf dem linken Flügel! nichts! von Bedeutung. Sonst nichts Wichtiges. Konstantinopel, 28. Juni. Tas tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfront nichts von Bedeutung. Nach, zwei verzweifelten Angriffen gegen un­ sere Stellungen östlich! von Sermil überließen die russischen Streitkräste, die kein Ergebnis erzielt und ziemlich, große Verluste erlitten hatten, uns am 27. Juni ihre befestigten Stel­ lungen östlich! von Sermil und zogen sich, in der Richtung auf Kerend, 10 Kilometer süd­ östlich, von Sermil, zurück. Unsre Truppen verfolgen den Feind. An der Kaukasusfront kein bedeutendes Ereignis. Am 27. Juni nachmittags beschössen ein Panzerschiff, ein Monitor und zwei Torpedo­ boote wirkungslos die anatolische Küste der Tardanellenstraße. Unsere Artillerie erwi­ derte das Feuer. Ein feindlicher Flieger, der aus der Richtung Mhtilene kam, wurde über Fotscha durchs unser Artilleriefeuer vertrie­ ben. Sonst ist nichts ,zu Melden. ______ ────────── Städtische Schwimmschule. 30. Juni 1916. Luft . . 18 Grad C. Wasser . 16 Grad C.