Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom 1916-07-06. Unterstützt durch den Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE). Herausgeber: Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau (2016). Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International. Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk. Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut. 69. Jahrgang Nr. 180, 1916-07-06. Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt. (https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&db=100) Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet. 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Fortdauer »er Kämpfe an allen Fronte«. 900 Engländer gefangen. — Schwere Kämpfe beiderseits »er Somme. - Französische Angriffe auf Thianmont vereitelt — Russische Angriffe gescheitert; die Armee «othmer erweiterte ihre Erfolge bei Tlnmacz. — Bei Kolonien eine russische Brigade zurück­ geworfen. — Ein feindlicher U-Boots-Zerstörer und ein bewaffneter französischer Dampfer versenkt. — tt 35 ans Spanien heimgekehrt. — Die Entente und Griechenland. ────────── Im Westen kalm es vorgestern vom Meere bis zum Ancrebach nur zu Artillerie- und Minenkämpfen. Tie Engländer scheinen an ihrer Front nicht mehr recht zu ziehen. ,T'ie gewaltigen Verluste bei dem ersten Ansturm! haben offenbar auf ihre Leute nicht recht übertreffen; denn die Resultate, die die Verbündeten mit der sorgfältig und lange vor­ bereiteten Offensive bisher erreichten, sind ziemlich gering. (Z.) England in Erwartung. "Westminster Gazette" erklärt: Diese Of­ fensive weicht anscheinend von den lokalen Offensiven und Bewegungen des vorigen Jahi res bei Neuve Ehapelle und Loos, sowie in der Champagne ab. Wir können kein bal­ diges entscheidendes Resultat erwarten und müssen eher einer Periode Streitens entgegen­ ────────── sitz beschiloissen, die Bukowina möglichst zu­ grunde zu richten. Ten Ansang machten sie damit, daß sie die Stadt Jtzkany in Brand steck­ ten, wodurch! die Halde Stadt eingeäschert wurde. Aus Burdujeni wurde Hilfe geschlickt, um den Brand zu lokalisieren. Verwundeter Berichterstatter. Ter Kriegsberichterstatter des Berl. Tgbl. an der Ostfront, Wilhelm Hegeler, ist. durch einen Schrappnellschuß leicht verwundet wor­ den. Tie Verletzung dürfte bald geheilt sein, so daß Hegeler schpn in kürzester Zeit wie-» der in der Lage sein wird, seine Berichtersürttung fortzusetzen. (Z.) Ein russischer Flieger auf rumänisch «lm! l Boden. Wie aus Bukarest gemeldet wird, landete ein verirrter russischest Flieger, im Dunkeln auf rumänischem! Gebiete in der Nähe von Botasani. Tie rumänischen Behörden ließen den Fliegerossizier frei, beschlagnahmten aber das Flugzeug. (Z.) ────────── M Bassum. Ans betn Bardartale. Bern, 5. Jsuli. Tie Sonderderichterstat-, ter der Pariser Blättchr Melden heftiges Ge­ schützfeuer auf dem linken Vardarufer. Franzi fische Flieger streifen bis Rüpel, wobei sie beim Gegner das oft als Barbarei gescholtene Manöver ausführten, daß die die Ernte im Strumitzatal angezündet haben. Bq» der Armee Sarrail. . Wien, 5. Juli. Nach, vorliegenden Mel­ dungen lassen sich, bei der Armee Saraills Anzeichen lebhafter Tätigkeit erblicken, die den Schluß gestatten, daß Sarrail demnächst, zur Offensive übergehe. Nach! Meldungen aus Sa­ loniki hat sich! Sarrail mit seinem Stabe und dem serbischen Kronprinzen an die Front be­ geben. Am Wardar begannen Patrouillenkämpfe. Vergewaltigung Griechenlands. Tie Pariser Presse nimmt die Hetze gegen Griechenland erneut aus. Petit Journal be­ schuldigt Zaimis, er verzögere absichtlich die Abrüstung, weil die Monate Juli und August vielleicht, wie er hoffe, eine für den Krieg entscheidende Wendung bringen werden. — "Eclair" sagt, den griechischen Bähnen mangle es an Köhlen und dadurch, sei die Abrüstung langsam. Ter "Matin" Meint, Sarrail wolle seine Offensive erst nach! der Abrüstung Grie­ chenlands beginnen. ────────── Die $Mei im Stiegt. 3er türkische Bericht. Konstantinopel, 5. Juli. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfront keine Veränderung. Nachdem unsre Truppen die Russen üni Kampfe geschlagen hatten, der in ihren be­ festigten Stellungen westlich, von Kermanschah aM 30. Juni bis in die Nacht dauerte, drangen sie morgens in die Stadt ein. Tie Ereignisse spielten sich! seit dem 29. Juni folgender­ maßen ab: , Am 29. Juni war festgestellt worden, daß die Russen entschlossen waren, mit allen Kräf­ ten sich, in der Ortschaft Mahidescht zu ver­ teidigen. Aber infolge der Verfolgung unstete Truppen und der schnellen Wirkung unsrer Umfassungskräfte konnte der Feind sich! dort nicht halten. Er trat unter dem Schutze seiner Nachhut, die er dort ließ, den Mücktzug in vorbereitete Stellungen westlich von Kermanschah an. Als am 30. Juni die Nachhut des Fein­ des zurückgewichen war, zogen unsre Trup­ pen in Mahidescht ein und nahmen alsbald die Verfolgung der russischen Streitkräste aus. Am Nachmittag wurde der in befestigten Stel­ lungen westlich! von Kermanschah haltende Feind in Front und Flanke bedrängt und in einen Kampf verwickelt, der bis in hie Nächst dauerte. Schließlich Mußten die Russen in der Nacht zum 1. Juli ihtee Stellungen vollständig auf­ geben und sichi in die Stadt Kerman schuh zu­ rückziehen. Am frühen Morgen drangen unsre Truppen, ohne dem Feind Zeit zu lassen, einen Straßenkamps zu liefern, in drei Abtei-, langen in die Stadt ein, aus der sie den Feind zu fliehten zwangen" So brachen unsre Truppen trotz des sehr schwierigen Geländes, aus welchem sich die Ereignisse abspielten, trotz der Entfernung von 200 Kilometern von der Grenze bis KerManschäh, ohne Straßen mit Verpflegungsmöglich­ keiten und ohne hem Feinde einen Augenblick Ruhe zu gönnen, den hartnäckigen Widerstand, den er an jeder Stelle leistete, Die; nur tote geringste Aussicht aus Erfolg bot. Sie boten mit großer Ausdauer allen Schwierigkeiten die sich vor ihnen anstürmten, Trotz und ver­ folgten mit Erfolg das eine Ziel, der Will­ kür des Feindes in dieser Gegend ein Ende zu machen. ' Auf der Kaukasusfront in den Abschnitten des rechten Flügels und im Zentrum kein Er­ eignis. Im Tschoruk-Abschnitt örtlicher Feuerkamlpf. In dem Abschnitt nördlich von Tschoruk wurde der Feind infolge eines glücklich aus­ geführten Ueberraschungsangrisfes eines Tei­ les unsrer Truppen auf sein Zentrum uns Die $Mei im Stiegt. 3er türkische Bericht. Konstantinopel, 5. Juli. Das tür­ kische Hauptquartier teilt mit: An der Jrakfront keine Veränderung. Nachdem unsre Truppen die Russen üni Kampfe geschlagen hatten, der in ihren be­ festigten Stellungen westlich, von Kermanschah aM 30. Juni bis in die Nacht dauerte, drangen sie morgens in die Stadt ein. Tie Ereignisse spielten sich! seit dem 29. Juni folgender­ maßen ab: , Am 29. Juni war festgestellt worden, daß die Russen entschlossen waren, mit allen Kräf­ ten sich, in der Ortschaft Mahidescht zu ver­ teidigen. Aber infolge der Verfolgung unstete Truppen und der schnellen Wirkung unsrer Umfassungskräfte konnte der Feind sich! dort nicht halten. Er trat unter dem Schutze seiner Nachhut, die er dort ließ, den Mücktzug in vorbereitete Stellungen westlich von Kermanschah an. Als am 30. Juni die Nachhut des Fein­ des zurückgewichen war, zogen unsre Trup­ pen in Mahidescht ein und nahmen alsbald die Verfolgung der russischen Streitkräste aus. Am Nachmittag wurde der in befestigten Stel­ lungen westlich! von Kermanschah haltende Feind in Front und Flanke bedrängt und in einen Kampf verwickelt, der bis in hie Nächst dauerte. Schließlich Mußten die Russen in der Nacht zum 1. Juli ihtee Stellungen vollständig auf­ geben und sichi in die Stadt Kerman schuh zu­ rückziehen. Am frühen Morgen drangen unsre Truppen, ohne dem Feind Zeit zu lassen, einen Straßenkamps zu liefern, in drei Abtei-, langen in die Stadt ein, aus der sie den Feind zu fliehten zwangen" So brachen unsre Truppen trotz des sehr schwierigen Geländes, aus welchem sich die Ereignisse abspielten, trotz der Entfernung von 200 Kilometern von der Grenze bis KerManschäh, ohne Straßen mit Verpflegungsmöglich­ keiten und ohne hem Feinde einen Augenblick Ruhe zu gönnen, den hartnäckigen Widerstand, den er an jeder Stelle leistete, Die; nur tote geringste Aussicht aus Erfolg bot. Sie boten mit großer Ausdauer allen Schwierigkeiten die sich vor ihnen anstürmten, Trotz und ver­ folgten mit Erfolg das eine Ziel, der Will­ kür des Feindes in dieser Gegend ein Ende zu machen. ' Auf der Kaukasusfront in den Abschnitten des rechten Flügels und im Zentrum kein Er­ eignis. Im Tschoruk-Abschnitt örtlicher Feuerkamlpf. In dem Abschnitt nördlich von Tschoruk wurde der Feind infolge eines glücklich aus­ geführten Ueberraschungsangrisfes eines Tei­ les unsrer Truppen auf sein Zentrum uns ────────── Der Stieg mit Englack. Englische Witwen und Waisen. Tie Berl. Rationalztg. meldet aus Zürich,: Nman am besten schweigt. — Un­ ter diesen Verhältnissen wirst du einsehen, daß für dich kein Platz, mehr neben meiner Frau in meinem' Hause ist — ich halte unsre Ver­ bindung von diesem Augenblick an für abge­ brochen." Ter Geheimrat war zu Eis erstarrt. Er! verlor seine Haltung nicht einem Augenblick. "Tu hättest dir diesen Aufwand von Worten sparen können! Wenn du in deinem Hause dem .Mitglied einer entehrten Fachilie, das selber eine recht klägliche Rolle in einer un­ sauberen Sache gespielt hat, mit vollem Be­ wußtsein Heimatsrechte und Schutz gewährst, so ist daneben selbstverständlich, für den Ge­ heimen Hofrat von Mellwitz, der Mit allen Ehren pensioniert ist und der nur die Unklug­ heit begangen hat, die InteressenIj 1 einer Herr­ schaft allzunachdrücklich wahrzunehmen, kein Platz. — Mit der Schwester einer Tirne, Die­ bin und Betrügerin will ich, keine Aemetn- ────────── Die Ehrenrettung des "unbeschränkten Torpedos" ton Garden Oberbefehlshaber über die engli­ schen Seestreitkräste vor den Dardanellen ge­ worden. Tie Verluste der 'Alliierten zur Sto. Bern, 5. Juli. Tas Blatt "Peritas" meldet dem "Temps" zufolge: Tie Verluste der Handelsmarine der Alliierten im April 1916 werden mit 60 Schiffen und 158 594 Tonnen angegeben. Tie verstärkte englische Kanalkontrolle. Ohne Angabe besonderer Ursachen wnrde das französische Publikum laut Pariser Jour­ nal ersucht, der Weisung des englischen Kriegs­ ministeriums zu folgen, jede nicht unbedingt notwendige Fahrt über den Aermelkanal der­ zeit zu unterlassen und sich den Polizeivor­ schriften, wie Leibes- und Gepäcknntersuchun-' gen sich, willig zu unterwerfen. ' Englischer Postraub. Tie Behörden in Kirtwall haben auf dem dänisch-amerikanischen Dampfer "United Sta­ tes", der von Newyork nach, Kopenhagen fuhr, die gesamte 948 Säcke zählende Post beschlag­ nahmt. Japanische Scekontrolle. Das Berl. Tgbl. meldet aus defm Haag: Ter N. Rotterd. Courant berichtet, daß in den Gewässern von Niederländisch-Jndien an der Küste von Sumatra holländische Paketschiffe durch japanische Kriegsschiffe angehal­ ten und untersucht wurden. (Z.) Die Ehrenrettung des "unbeschränkten Torpedos". Noch geschehen Zeichen und Wunder! Schon anläßlich! der bekannten Postnote Mister Wil­ sons, noch dringlicher aber bei der Nachricht von der endgültigen Aushebung der Londoner Teklaration durch, Großbritannien und Frank­ reich, wurden Stimmen laut, ob Teutschland nicht nunmehr von der Freiheit der Entschlie­ ßung Gebrauch machen werde, die es sich in der Jagowschen Note für den Fall vorbehielt, daß es nicht gelänge, England die Seeräubermanie­ ren und die Würgetakiik wider die deutschen Frauen und Kinder auszurreiben. Augen­ scheinlich schweben die Erwägungen noch! an unsren leitenden Stellen. Was uns wie ein "Zeichen und Wunder" berührt, geschah anderorts. Es ist einleuchtend, daß die Verkündi­ gung Lord Cecils und der begeisterte Beifall, den die Londoner Presse ihr zollte, gewisse, Leute in Teutschland in peinliche Verlegenheit setzte, diejenigen nämlich, die unverdrossen die Schonung unsres rohesten Feindes verlangt haben, die nicht müde wurden, die Freunde schärferer Kampfart zu verunglimpfen, und die nur solchen Zeitgenossen politische Weisheit und eine tiefe Sachkenntnis zusprachen, welche unsre unübertreffliche Tauchbootwaffe als ein für die Durchsetzung unsres Willens gänzlich untaugliches Mjittel verwarfen. Tiefer neun­ malweise "Standpunkt" verlor in dem Angen­ blick auch, die letzte Unterlage, in dem Eng­ land die Tinge noch, weiter und seinen bru­ talen Zynismus auf den Gipfel trieb. Nun hat das vergötterte Jnselreich,, das Land freiheit­ licher Verheißung, mit ruhiger.Schamlosigkeit angezeigt, es werde sich, auf der See von keinem Verbrechen Mehr abhalten lassen und die nackte Gewalt an Stelle überlieferten und "deklarierten" Seerechts setzen. Infolgedessen ward es höchste Zeit für unsre englandfreundlichen Kreise, ihre Meinung zu "revidieren". Gab es bis zu diesem Tage keine lächerlicheren Menschen als die Politiker des "unbeschränk­ ten Torpedos", so wurde jetzt aus schwarz schleunigst weiß. Und Kapitän Persius be­ quemt sich, au dem Geständnis: "Hier taucht die Frage des U-Boots-iHqndelskrieges auf. Vom fachmännischen Standpurnkt aus ist zwei­ fellos Die Unterseebootswafse, die bezüglich, der Quantität und Qualität in hinreichen­ dem Maße zur Verfügung steht, durchaus ge­ eignet, auch den Eventualitäten zu begegnen, die durch völliges Beiseiteschieben der Lon­ doner Teklaration entstehen werden''. Zahl­ reiche U-Boote, rücksichtslos eingesetzt, werden den Ausgleich schaffen können, der nötig ist, um England gefügig zu lmachen, d. H. der es zwingt, entweder in die Bahnen des Völker­ rechts zurückzukehren, oder aber infolge wirt­ schaftlicher Nöte das Spiel überhaupt aufzu­ geben. So hat der rücksichtslose Torpedo seine Ehrenrettung an einer Stelle erlebt, an der et es am wenigsten erwarten durste. Auch, im neutralen Ausland mißt man dem Unterseckwasserkrieg neuerdings Wirkun­ gen zu, die man früher nicht.wahrhaben wollte. Im "Basler Anzeiger" wird die Finanzlage der Kriegführenden untersucht tinb dabei u. a. gesagt: "Tatsächlich ist die Finanzlage aller (?) am Kriege beteiligten Staaten eine derart pre­ käre geworden, daß man Imieinen sollte, es sei ans längere Tauer unmöglich, sich ihren Ein­ wirkungen zu entziehen. Am ehesten wird dies ja in England möglich, sein, wo tzianbesonders nach. Aufhören des deutschen Untersee­ bootkrieges, sich, wieder ziemlich ungestört sehr lukrativen Geschäften widmen kann." Also hatte schon der bescheidene Tauchbootkrieg, wie wir ihn vor seiner völligen Abstellung auch nur führten, dem britischen Vetter das lukra­ tive Geschäft arg verdorben, und der deutsche Torpedo übt, solange er auf Woodrvw Wil­ sons Geheiß im Lanzierrohr bleibt, auf Eng­ land eine finanzstärkende, das heißt kriegs­ verlängernde Wirkung ans. Aber eine noch, viel größere Hochachtung hat sich unser Torpedo während seiner er­ zwungenen Muh,e in England selbst zu ver­ schaffen gewußt. Tie Briten haben einen gro- ßen, volkswirtschaftlichen Gelehrten, von dem sie viel halten, den Nationalökvnomen I. Joxon Mlls. Und dieser I. Foxon Mills schreibt in der "Pall Mall Gazette": "Wir sind nicht durch, Hunger zur Unterwerfung gebracht wo­ ben und haben keine wirkliche Panikpreise gehabt. Aber wir hatten und haben hohe Preise und leiden verhältnismäßigen Mangel, und wir sind wie nie zuvor unsrer Unfähig­ keit, uns selbst durch Heimische Erzeugnisse zu ernähren, bewußt geworden. Trotzdem jedes feindliche Schiff vom' Speere Vertrieben ist, sind die Seestraßen zu unsren Häsen hin nicht völ-' lig offen und sicher. Tes Feindes U-Boote Haben schweren Zoll erhoben von unsren Han­ delsschiffen und denen der Neutralen, die trotz verborgener Gefahr uns Bei der Versorgung unsrer Insel geholfen haben. Wir föm-nen uns wohl vorstellen, was das Ergebnis gewesen wäre, wenn die U-Boot-,Angrisft ein wenig wirksamer gewesen wären, oder wenn wir auch nur auf "kurze Zeit die Aufsicht zur See ver­ loren hätten. Wir sind uns vollkommen be­ wußt, daß selbst eine Unterbrechung der Seeverbindungen auf ein paar Monate uns die Aushungerung und Aussicht aus demütigende Kapitulation nahegelegt hätte. Tank der (ame­ rikanischen?) Vorsehung und der Flotte werden wir all diesen Stürmen begegnen; aber die Nation wäre mehr als duimjml, wenn sie wie­ der in einen Krieg geht, ohne sich, vorher hinsichtlich ihrer Nahrungsmittel von den Uebersee-Ertzengern soweit als möglich' unab­ hängig gemacht zu haben." Halt, Mister I. Foxon Mills! Noch sind wir in diesem Kriege! Wenn Sie selbst sagen, wir könnten Sie schon in ein paar Monatein durch, Aushungerung zu demütigender Erge­ bung zwingen, so fönmen Sie doch nicht darauf rechnen, daß wir warten werden, bis Sie sich für den nächsten Krieg genügend vorgesehen häben? Sie bauen auf die deutsche Gutmü­ tigkeit, welche von einer Freiheit der Ent­ schließung, die sie sich vorbehält, doch niemals Gebrauch, macht! Bauen Sie nicht zu fest! Es dünkt uns doch! möglich, daß wir nach so reichlichen Ehrenerklärungen vor unserem Toxpedo endlich, auch selbst Achtung bekommen und ihn aus dem Lanzierrohr herauslassen, mit dem Kurs auf die britische Gurgel! P. K. (Unabhängige Nationalkorrespondenz.) ────────── das genannte Blatt zutreffend hervorhebt, be­ rücksichtigt, daß diese Leute aus einem 1 Lande kommen, das sich! dem! englischen Handelszwang zur Verhinderung der Einfuhr nachTeutschland bedingungslos unterworfen hat, und daß die Sympathien der Norweger, soviel sie auch! den Teutschen zu verdanken haben, so gut wie unverhüllt den Briten zuneigen, dann ist es in der Tat klar, daß es nicht angeht, den Ausländern, sobald ihre Regierung nur neu­ tral ist, ohne weiteres den Zugang zu unseren höchsten Bildungsstätten zu gewähren. Auch dürfen wir mit entsprechenden Vorsichtsmaß­ nähmen nicht bis gurrn Ende des Krieges war­ ten, weil wir währlich nicht dazu da find, dem Auslande das wissenschaftliche, technischindustrielle und kaufmännische Material her­ anzubilden, wit dem es nach beW 'Kriege den sogenannten Wirtschaftskrieg gegen uns zu führen gedenkt. . Deutschland und die Schweiz. Deutschland hat die Schweizer Regierung wissen lassen, daß es auf dem Standpunkte seiner ersten Note beharre. Es hat aber die Festsetzung der für die Freigabe seiner Warenvorräte anberaum­ ten Frist zurückgezogen. Tie Schweizer Dele­ gierten erhalten vom Bundesrat für diezwei­ te Konferenz in Paris neue Instruktionen. Hollands Verteidigung. Im Gesetzent­ wurf zur Verteidigung Niederländisch-Jndiens ist der Bau von einem schnellen Kreu­ zer und 3 Unterseebooten vorgesehen. Tie Schwäche des amerikanischen Heeres. Der ehemalige amerikanische Kriegsminister iStirnson sagt voraus, das amerikanische Heer in Mexiko könne einer Niederlage kaum ent­ gehen, da nur 35 000 Mann Truppen verfüg­ bar sind und die freiwillige nationale Garde nur aus ungeübten Bürgern bestehe. Falls alle sich! stellen, würde die Nationalgarde ca. 128 000 Mann stark sein. Aber bis jetzt folg­ ten nur 23 000 dem Aufgebot. Selbst wenn die Regimenter auf volle Stärke gebracht wer­ den, könnte damit nicht viel erreicht werdest. Stimson rät, langsam vorzugehen. Mit 35000 ausgebildeten und einem Häuflein ungeübter Männer kämpfen zu wollen, wäre Blödsinn, wenigstens ein Viertel bis eine halbe Million seien nötig. Earranza dagegen habe mit der Rekrutierung durchaus Erfolg gehabt. (Z.) ────────── Bayerische Nachrichten. Bayerische 3laWtn Seine Majestät der König kehrt heute front Kriegsschauplatz nach München zurück. Auf der Reise nach! dem Westen wurde der König am Bahnhof Stuttgart von bept! König von Württemberg, ctim! Bahnhof Karlsruhe von dem Großherzogpaar und der Großherzogin Luise begrüßt. Tie Reise ging zunächst nach dem Großen Hauptquartier zum Deutschen Kaiser, der den Besuch! nach einigen Tagen im Stand- quartier des Königs erwderte, sodann gunt Teutschen Kronprinzen und zu den vor Verdun käwpfenden bayerischen Regimentern, denen der König seinen königlichen Tank und seine ganz besondere Anerkennung anssprach, für ihre heldenmütige, sieggekrönte Tapferkeit in dem Ringen vor Verdun, btim schwersten Kam­ pfe, den die Kriegsgeschichte kennt. Ter wei­ tere Verlaus der Reise Wirte den König zum Kronprinzen Rupprecht und zu den seinem Oberkommando unterstellten daher. Truppen. Er besichtigte die Stellungen der 6. Armee, an deren Front sich in diesen Tagen die An­ griffe der Engländer entwickelten und zeich­ nete auchj hier Offiziere upd Mannschaften mit Orden ans. (Den Kronprinzen ernannte best König znm Inhaber des 1. Feld-Artillerie-Ret giments ,ferner stellte er den Kommandieren­ den General von Tylander a la suite des 1. Jnfanterie-Rgts., -den KommandierendenGe-, nevat von Gchfatter o la suite des 1. Ulanen-Rgts. und den Kommandierenden General von Fasbender a la suite des 1. Jäger-Batail-' Ions. Zuletzt besuchte der König von Mptz aus, wo ihm die Einwohnerschaft einen herzlichen Empfang bereitete, «mehrere an der Front in Lothringen stehenden bayerischen Truppen­ körper. In Metz fand eine Parade über die dortige bayerische Besatzungstruppe statt. Tie Anwesenheit auf den Schlachtfeldern von Se­ dan gab dem König Gelegenheit zu pietätvol­ lem Gedenken der ‘bort gefallenen Bayern. Auf betn Friedhofe zu Bazeilles legte er am Bayern-Teäkmal eirren Kranz nieder "ZurnAnbenfen an die im Jähre 1870 gefallenen Bay­ ern und zur Ehre ihrer Kameraden, die vor zwei Jahren ans den gleichen Schlachtfeldern ihr Leben dem Vaterlande geopfert haben/' Ter Bayer. Staatshaushalt. In der Sit­ zung des Finanzausschüsses der Abgeordnetent'amimler baml 5. Juli bemerkte der .Bericht­ erstatter zum Entwürfe des Finanzgesetzes, daß das Budget für die Jähre 1916 jmb 1917 im ordentlichen Bedarf mjit 733 990 269 Mark, im außerordentlichen Bedarf mit 23 226 396 Mark, zusammen mit 757 216 665 Mark für ein Jähr abschließe. Tas Finanzgefetz wurde in namentlicher Abstimmung mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. ────────── Allerlei. Allerlei. Totschlag. Am Tienstag abends erstach ' ein 35 Jahre alter geisteskranker Taglöhnep in seiner Wvhnung in München seinen Schlaf­ genossen, einen 41jährigen Taglöhner. Ter Täter, der an Verfolgungswähnsinin zu leiden, scheint, wurde festgenommen und in die Psy-' chiatrifche Klinik gebracht. Ausbruch des Vulkans aus der Insel Stromboli. Seit vergangener Nacht ist der Vulkan auf der Insel Stromboli in Tätig­ keit. Schlepper der Seewehr sind von Mes­ sina sofort zur Hilfeleistung abgegangen. ' ────────── MesnaWett. Schuldienst. Tie Volksschullehrer-, Mes­ ner- und Organistenstelle in Steinberg, K. Distriktsschultnspektiou Dingolsing I in Diugolfing, kommt ab 1. August lfd. Jrs. zur Er­ ledigung. Endtermin für Bewerbungen 24. Juli 1916. — Tie Volksschullehrer-, Mesner-, und Organistenstelle in Rainertshausen, K. Tistriktsschulinspektion Rottenburg I in Rotten­ burg, kommt ab 1. August lfd. Jrs. zur Er­ ledigung. Endtermin für Bewerbungen 24. Juli 1916. i Dienstesnachrichten. ────────── in den Gegenständen, die noch, leichter zu .ha­ ben sind, angesichts der jetzigen schweren An­ forderungen an unsere tapferen Feldgrauen fortgesetzt reichlich fließen. —* Ein Sturmwind brauste auch in den gestrigen Abend- und Nachtstunden, ebenso tote in der vorhergegangenen Nacht über unsre Stadt hinweg und richtete in den Obstgärten Mehrfachen Schaden an. —* Die Zentral sing schule hielt ge­ stern im Rathausprunksaale ein Wohltätigkeits­ konzert ab, das einen guten Besuch! ^juszuweiscu Chatte. Tie einzelnen Klassen boten unter Lei­ tung ihrer Lehrer, Fjrl. Stirne Ar-nold, Herrn Lehrer Lehner und Herrn Hauptlehver Ar­ nold Proben ihres hervorragenden Könnens, die Kleinen in herzigen Kinderliedern, die höheren Klassen in prächtigen deutschen Volks­ liedern und Kunstgesängen. Ter Sängerverein hätte seine Kräfte — tote schon so äfft — ebenfalls in den Tienst des vaterländischen Un­ ternehmens gestellt, die oberen Klassen der Schulen in ihren Vorträgen ergänzt und dwrch zwei prächtige Lieder das Programm Betet? chert. Für die Einstudierung der Kunstlieder, di^ d urch die Oberklasse zu vollendetem Vor­ trag kamen, konnte Frau Jda Arnold die Anerkennung der Zuhörer ernten. Frl. Zieste führte die Klavierbegleitung in anschmiegen­ der Weise durch. Flügel und HarmoniuM hatte die Firma Zieste zur Verfügung gestellt. Ter Mächtige deutsche Volksgesang: "Schwarz-weiß? rot", eine Dichtung und Komposition des Herrn Hauptlehrer Arnold beschloß das Programm, dessen reiche Folge den Zuhörern reinen Ge­ nuß, den Mitwirkenden regem Beifall brachte. Herr Oberbürgermeister Hosrat Marschall klei­ dete den Tank der Anwesenden in Worte, incheM er den Lehrern der Schule für ihr er­ sprießliches Wirken, den Schülern und Schü­ lerinnen für ihren Eifer hohe Anerkennung zollte. —* Das F ahrradv erbot, das von den drei stellte. Generalkomimändos in Bayern er­ lassen wurde, beabsichtigt lediglich, die Be­ nutzung von Fahrrädern zu reinen Vergnüg gunDsfahrten, also Ausflügen von Ort zu Ort, zu Tourenfahrten und Wettbewerben uNd ähnlichen 'Veranstaltungen auszuschließen. Jede Verwendung des Fahrrades zu anderen Zwekken, wie z. B. zur Ausübung eines Berufes oder Gewerbes, zum Erreichen dhr WohN- und Arbeitsstätten, zur Erledigung von Besorgun­ gen, zur Ausübung der Jagd usw., ist zunächst nach, wie vor erlaubt. -* Di e Geschichte der stillen Muhtle, nach! einer Novelle von Sudermanir für bahnbaukomp. Herr gepr. Geometer Rausch, beirrt Messungsamte Landshut, der früher bereits mit dchü Militär-Ver dienftorben 4. Klasse aus­ gezeichnet wurde, verlieihen. —* Das Eiserne Kreuz und das Mili-, tär-Verdienstkreuz 1. Klasse wurde betn 1 Feld-. Wedel des 16. Jnf.-Megts. Herrn Heinrich! Lippert verliehen. —* Die Silbierne Militär-Verq> dien st m'edaille erwarb sich« der Gefreit« iM 16. Jnf.-Megt. Herr Gerichltsschreibetgeq' Hilfe Johann Wasserburger, Sohn des Herrn Ludwig Wafserburger hier. -• Der ISilitär-Verdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde Herrn Leut-, turnt Joh. Fleck, Sohn des Herrn k. Postver­ walters Fleck hier, vergehen. —* Das MilitSr-Berdienstkre uz 4. Klasse mit Schwertern erhielt Herx Matth. PlM im 16. Jnf.-Regt., Schweizer von Mirslofen. 1 —* Zu Hauptleuten d. R. wurden die Oberleutnants Josef Schätze d. R. des 16. Ins-Regts., Aquilin Bergmann der Landwehr-Jnf. 1. Aufgebots (Landshut), Maximilian Hubrichj der Landwehr-Jäger 1. Aufg. (Landshut), Ed. Henselt und Phil. Bötet des 16. Ins.-Regts und Wilhelm EngeHard der Landwehr-Feldf artillerie 1. Aufgebots befördert. —* ZuM Oberleut na nt wurde der Leut­ nant d. R. Josef Zink des 16. Inf.-Regts. be­ fördert. —* Zum L eu t n a n t ohne Patent wurde der Fahnenjunker Herr Josef Baumeister des 16. Jnf.-Regts. ernannt. —* Zu Leutnanten der Reserve der Infanterie wurden die Vizeseldwebel August Häupl, Josef Fischer I, Rudolf von der Heydt, Josef Fischer II, Hans Schütt, Karl Wagner, .Max Unger und Wilhelm Jungmann, Wilhelm! Löhe, Johann Schäffler und Richard Kufner; in der Landwshr-Jnf. 1. Aufg. die Vizefeld-4 webel Ed. 'Wiesend, Karl Sandmann, Wilh. Morr, sämtliche im Ms.-Jns.Megt. Nr. 2, —* Liebesgaben ins Feld. Ten in schweren Kämpfen stehenden bayerischen-Trup­ pen wurde in letzter Woche eine besondere Spende von Liebesgaben in 5 Toppelwaggons im Werte von 61030 Mark zugeführt. Hier­ von enthielten 3 Waggons Bier und 2 Wag­ gons 766 Colli Liebesgaben, bestehend in Eß? und Rauchwaren und sonstigen nützlichen Ge­ genständen, auch! Büchern und Zeitschriften. Wenn auch! die jetzige Knappheit in verschiede­ nen Artikeln in Betracht gezogen wird, so dürsten doch! die Spenden von Liebesgaben die Lichtbildbühne bearbeitet, findet zurzeit in den KronprinzlichlspieleN großen Beifast. Mit Recht durfte man gespannt sein, wie /sich dieses SuderMannsche Werk im Film ausneh­ men werde. Hat Hersmann Sudermann doch in seinen vielgespielten Theaterstücken immer wieder dargetan, wie sehr er die Sprache dev Kulisseneffette beherrscht. Ja es scheint fast, als ob Sudermänn gerade der Kern seiner Be­ gabung auf die Kinodramatik verweise. Tie Geschichte der stillen Mühle erzählt in ein­ dringlicher Sprache von einer Müllerssamilie, in der der erbliche Jähzorn, vom Vater auf die Kinder weiterwachsend, schließlich zur Ka­ tastrophe führt. Zu rühmen fft die große Le­ bendigkeit der Bilder, die vom Wald ins Feld, von der Kinderstube auf den Tanzboden: und von den Szenen des Glücks ich die des Unglücks führen. Dabei wirken die Austritte fast nie­ mals gestellt, und SudehMann kann- es sich wähl gefallen lassen, von fo kundiger Hachd lebendig gemacht und aus dejiü stillen Buch heraus an die Filmralmpe geholt zu werden. Glänzend charakterisiert Ferdinand Dornn den alten Knecht, und das Zusammen spiel der Her­ ren Abel und Valberg als feindliche Brüder mit Leontine Kuhnbergs schöner ,Müllerin läßt die Wünsche des Zuschauers nach geschmack­ voller Deutlichkeit nirgends unerfüllt und ver­ breitet dramatischje Spannungen. IM An­ schluß an diese künstlerische Leistung bieten uns die bekannte Stroma Müller-fLinke in deut dreiaktigen Lustspiel "Kinderlose Witwe" so­ wie ein "Liebes idhll im Möbelwagen" Momen­ te größter Heiterkeit. Eine Serie hochaktuel­ ler AuswahMen vom Kriegsschauplatz, vervoll­ kommnen das in jeder Hinsicht vollendete Pro­ gramm!, welches seine Anziehungskraft nicht verfehlen dürfte. ────────── so wird schon jetzt aus die möglrchst zweckmäßige Anlage dieser Bauten geachtet, sodaß die Ge­ bäude in massiver Ausführung später ein­ mal als Wohngehöfte für Kriegsinvaliden, Be­ amtenhäuser usw., die Bauten in Holzsächwe»! als Scheunen und Baracken dienen können. Ter Bau dieser Lager untersteht einem beson­ deren Lagerarlchitekten und wird in gemein-, schaftlicher.Arbeit Mit der LandwirtschastskarNmer unter Berücksichtigung aller praktischen und ästhetischen Forderungen durchgeführt. Tie Organisation der GefängeneNarbeit wird von den Militär- und Zivilbehörden zusamt men geleitet, wobei die Auswahl eines jeden einzelnen geeigneten Gefangenen zu der für ihn passenden Arbeit notwendig ist. Im Re­ gierungsbezirk Allenstein werden bereits 16 solche Kreislager nach dem gleichen System/ eingerichtet. Slie englischen Munitionsritter. "Ter Krieg hat in England eine neue Gesellschaftsklasse erstehen lassen. Es sind die neuen Herren des Geldes, rühmlose aber häufi­ ge Erscheinungen, strahlend von heiterster Laune, maßlos in ihrem Hang zum Wohlleben und wüst in ihrem Appetit auf Unterhaltungen und Festlichkeiten!" So schreibt Twells Brex, der beliebteste Feuilletonist der "Tailh Mail", über die englischen "Munitionsritter", die merkwürdigen Existenzen, die aus der mtmen? losen Menge hervorgingen und den Krieg als erstklassiges Gelegenheitsgeischäft auszunützen wußten. "Tie Munitionsmacher sind die neuen Herren Englands, kein Einberufungsbefehl droht ihr üppiges Leben zu stören, und alles ist ihnen untertan. Tw Juweliere machen ganz unerwartete Geschäfte, und die Muntztionsritter und ihre Familien wandeln beringt und mit Kostbarkeiten geschmückt wie orienj-talische Märchenfürsten umher. Tie Nachfrage nach, riesenhaften goldenen Uhrketten und nicht minder riesenhaften Armbändern und Ohr­ gehängen ist so groß geworden, daß die Ju­ weliere in Birmingham englische Goldmün­ zen einschmelzen müssen, UM die Aufträge aus­ führen zu können. Ueberall stößt man sich, an der Umbildung, Protzenhastigkeit und un­ patriotischen Rücksichtslosigkeit dieser neuen Herrenklasse. Auf den behördlichen Anschlä­ gen kann man lesen, daß das Automobilfahsren zum Vergnügen gegenwärtig aus Gründen des Krieges unterlassen werden müsse; aber auf allen Landstraßen in der Umgebung Lon­ dons sieht man eine Unzahl kostsPieligerAutos, in denen die Munitionsritter sich stolz und sorglos dem Volke zeigen. Auf den behördjlichen Anschlägen ist weiterhin zu lesen, daß ausfallende Kleidung nicht nur geschmacklos, sondern gegenwärtig wegen der hierzu toert= wandten Materialien auch höchst unpatriotisch sei; aber die Frauen der Munitionsunternehs mer hüllen sich in Seide und teure Stosse und bringen aus ihren Hüten wahre Türme exotischer Federn an. Es ist ein Karneval der Geschmacklosigkeit und des Egoismus, nichts ist tadelnswerter und verächtlicher als diese neue Gesellschaftsklasse, die dem öffentlichen Leben Englands ein bisher unbekanntes Ge­ präge verleiht. ..." 1 1 ────────── Kriegsbriefe m dem Westen. Kriegsbriese m dem Weste». Berlin, 5. Juli 1916. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Der dritte Schlachttag an der Somme. (Telegramm unsres Kriegsberichterstatters.) Großes Hauptquartier, 4. Juli 1916. Nördlich! des Ancvebaches verhielt sich der Feind ruhig, geschwächt von seinen furch tq baren Verlusten bei dem Angriff der vorhexgehenden Tage. Es liegen dort vor dem!3tb=# schnitte einer einzigen Division 2500 tote Engländer. Südlich, des Ancrebaches erlitt der Feind gestern ebenfalls außerordentlich» blutige Bvrluste bei seinen Vorstößen auf Tiepval, La Boiselle und das Gehölz von Mametz, die alle scheiterten, und zwar meist in ün stech Sperrfeuer. Tie französischen Angriffe auf das fest in unsrer Hand befindliche Torf Hrstdecourt mußten vor diesem Halt machen. Tas Torf Flaucourt wurde von uns geräumt, ohne daß die Franzosen es bemerkten. Sie setzten die Beschießung der verlassenen Ruinen bis in die Naicht hinein mit unvermindertem Eifer fort, bis endlich Patrouillen bemerkten, daß die Teutschen abgezogen waren, worauf die Franzosen das Torf besetzten. Südlich! der Somche gab es nur ergebnislose nächtliche Pa­ trouillengefechte. An vielen Teilen des OffeUsivabschuittes dürsten in den nächsten Tagen noch starke Angriffe bevorstehen. (Kb.) 1 W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter ────────── Städtische Schwimmschule. StiidtW SWmWlr. 6. Juli 1916. Luft . . 18 Grad C. Wasser . 16 Grad C. ────────── Literarisches. ßiterarifdjes. Tns freie Wort. Frankfurter Halbmonats­ schrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Herausgegeben von Max Henning. 15. Jahrgang. Heft 19/20. Frank­ furt a. M. Neuer Frankfurter Verlag G. m, b. H. Preis vierteljährlich 2 Mark. Ter Per­ lag gibt auf Wunsch Probehefte gratis ab.