<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Gesammelte Artikeltexte des Kurier für Niederbayern, Ausgabe vom<date when="1916-08-22"/></title>
        <funder>Europäischer Fond für Regionale Entwicklung (EFRE)</funder>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Lehrstuhl für Digital Humanities, Universität Passau</publisher>
        <date when="2016"/>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Veröffentlicht unter der Lizenz Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International</licence>
        </availability>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <title level="j">Kurier für Niederbayern: Landshuter Tag- und Anzeigenblatt; unabhängige Tageszeitung für Heimat und Volk</title>
          <publisher>Altbayerische Verlagsanstalt Vereinigte Dr. Mühldorf, Betrieb Landshut</publisher>
          <pubPlace>Landshut</pubPlace>
          <biblScope unit="issue">69. Jahrgang Nr. 227</biblScope>
          <date when="1916-08-22">1916-08-22</date>
          <textLang mainLang="de">deutschsprachige Ressource</textLang>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <encodingDesc>
      <editorialDecl>
        <p>Die Zeitungsdoppelseiten wurden mit 300dpi und einer Farbtiefe von 24 Bit gescannt, die resultierende TIFF-Datei binarisiert und als Input für die OCR-Software verwendet.</p>
        <segmentation>
          <p>Überschriften, Artikeltexte und Seitenumbrüche wurden kodiert, Absatzumbrüche und Spaltenumbrüche wurden nicht kodiert.</p>
        </segmentation>
        <correction status="low" method="silent">
          <p>Artikelüberschriften wurden korrekturgelesen, Artikeltexte als OCR-Rohausgabe belassen.</p>
        </correction>
      </editorialDecl>
      <projectDesc>
        <p>Das Vorhaben 'Digitalisierung historischer Zeitungen', in dessen Rahmen diese Daten generiert wurden, ist Teil des Projektes &lt;ref target="http://www.phil.uni-passau.de/dh/forschung/deutsch-tschechisches-digital-humanities-labor/"&gt;'Deutsch-tschechisches Digital Humanities Labor zur grenzübergreifenden historischen Forschung' (2014-2015)&lt;/ref&gt; der Universität Passau und der Südböhmischen Universität Budweis (CZ)</p>
        <p>
          <ref target="https://opacplus.bsb-muenchen.de/search?oclcno=644150540&amp;db=100">Die gescannten Zeitungsbände wurden von der Bayerischen Staatsbibliothek München zur Verfügung gestellt.</ref>
        </p>
      </projectDesc>
    </encodingDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <pb n="1"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Bericht des deutschen Hauptquartiers. wir bei erfolgreichen kurzen Vorstößen 2 Offi-r ziere, 107 Mann gefangen. Heerssfront des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl. In den Karpathen ist der Höhbnzug Sie-, panski westlich des Czarny-Czeremocztales von uns genommen. Hier und auf der Kretahöhe sind russische Gegenangriffe abgewiesen. Bei der Erstürmung der Kretahöhe am 19. August fielen 2 Offiziere, 188 Mann und 5 Maschinengewehre in unsere Hand, «attankriogsschanplatz. Südlich und südöstlich, von Florina sind der Berg Vic und der Malarkakamm genom­ men, östlich von Banica die serbische Stellung auf der Mlka-iAAdzeplanina gestürmt. Alle Anstrengungen des Feindes, den Tzemaat Jeri zurück zu erobern, blieben ergeb­ nislos. Bei Ljeunnica wurde ein schwacher feind­ licher Vorstoß zurückgeschlagen. Südwestlich des Toiransees lebhafte Artilleriekäinpfe. , . Oberste Heeresleitung. WTB. Berlin, 21. August. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KrieMauM. Nördlich der Somme sind mehrfache zu­ sammenhanglose aber kräftige feindliche In-, strnterieanhrifse auf Ovillers und Pozieres, westlich des Foureauxwaldes und an der Stra­ ße Clerh—Maricourt, sowie Handgranaten angriffe bei Maurepas abgewiesen. Rechts der Maas wurde der zum Angriff bereitgestellte Gegner nordwestlich des Werkes Thiaumont in seinen Gräben durch Artillerie-, feuer niedergehalten. Am Werke selbst und bei Fleurh wurden starke Handgranatentrupps durch Jnfayterieund Maschinengewehrfeuer zusammengeschos­ sen. Zahlreiche Unternehmungen feindlicher Erkundun'gsabteilungen blieben ergebnislos. Teutsche Patrouillenvorstöße sind nord­ östlich von Vermelles, bei Festubert und bei Embermenilles gelungen. In öen Argonnen beiderseits lebhafte Mi­ nenkämpfe. Auf der.Combreshöhe zerstörten wir durch Sprengung die feindlichen Stellungen in er­ heblicher Ausdehnung. Vor Ostende wurde ein englisches Wassersliugzeug durch Feuer vernichtet und ein fran­ zösisches Flugboot abgeschossen. Im Luftkamps stürzte ein englischer Toppeldecker südöstlich von Arras ab. Schlich« MMlNlM. 'Front ves Generalfeldmarschalls b. chindcnburg. Am Stvchod sind russische Angriffe süd­ westlich von Lubiestow gescheitert, mehrfache, mit erheblichen Kräften unternommene Ver­ suche des.Feindes, seine Stellung auf dem Westnfer bei Rudka-Czerwiszeze zu erweitern, unter großen Verlusten für ihn abgewiesen. Zwischen Zareeze und Smolarh nahmen</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="2"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Der stellvertretende Chef des Generalstades! v. Hoe fe r. Aeldmarschallentnant.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>zeitig sprechen die Blätter von den geheimnis­ vollen kommenden großen Ereignissen auf detnt Balkan, die für Griechenland die letzten Glücks­ möglichkeiten darstellen könnten. ^Z.) Ein griechischer Bischof für die Teutschen. Ter Berl. D. Tgztg. zufolge berichtet die Reichspost aus Athen, daß der griechisch-ogthodoxe Metropolit von Trama am letzten Sonntag in ^iner Kanzelrede über den Welt­ krieg u. a. gesagt habe, England und Frank­ reich seien die eigentlichen Urheber des Welt­ krieges. Mit seiner Begeisterung und Teil­ nahme stehe er auf Seite der Deutschen, die ihren vaterländischen Besitzstand verteidigen. Ter Metropolit verherrlichte dann die Tapfer­ keit und den Großmut der Teutschen und wandte sich dann offen gegen die Venizelisten und deren Agitation für den Vierverband. Am Balkan. Ter bulgarisch« Bericht. Sofia, 20. August. Ter Generalstab teilt mit: Infolge der während der letzten. Tage von den Truppen des Verbandes im Wardartal unternommenen »militärischen Ope­ rationen, die sich auch östlich der Struma und nördlich des Tachinosees ausdehnten, begann unser linker Flügel am 16. August die allge­ meine Offensive. Tie im Struinätal vorrücken-! den Truppen besetzten die Stadt Temirhissar und warfen nach einem Kampfe, der sichl in der Gegend der Stadt Seres abspielte, die Engländer und Franzosen aus das rechte Stru­ maufer zurück; wir besetzten das linke Ufer des Flusses zwischen Butkowa und dem Tachinosee. Tte zwischen der Struma und der Mesta operierenden Abteilungen rückten nach den ihnen erteilten Befehlen vor. Im War­ dartal greifen die englischßfranzö fischen Trup­ pen erfolglos seit 10 Tagen unsere vorge­ schobenen Stellungen südlich, und südwestlich der Stadt Toiran an, wobei sie nur groß? Verluste erleiden, die ihnen unser Jnsanterieunb Artilleriefeuer zufügt. Tie Truppen un­ seres rechten Flügels fetzten nach, ihrem Siege übe r die Serben bei Florina die Ausführung ihres Planes mit vollem Erfolg für uns fort. Gestern besetzten wir die Stationen Banitza und Ekschisu an der Eisenbahn Saloniki-Floß rina. Wir stellen die Eisenbahnverbindung mit Monastir wieder her. Südlich des PresbaEiner unserer Flieger griff im Schwarzen sees beisetzten wir die Dörfer Zveszda, Biglifch- Meer zwei russische Torpedoboote an und warf ta und Brenitza und unterbrachen auf diese iprssollgreich Bomben aus sie ab. Wir stellten Weise endgiltig die Verbindungen zwischen -fest, daß aus den Tecks der Schiffe durch bte Gorrscha und Florina sowie zwischen Gortscha l Bomben Rauchwolken hervorgerufen wurden. Am 17. August landeten acht feindliche Schjiffe, die in die nördlich unb südlich der Insel Smh gelegenen Buchten einfuhren, von und Kostur (Kastoria). 1 Ter Bormarsch an der Salonikisront. Bewlin, 21. August. Ter Korrespon­ dent der "Voslsischen Zeitung" meldet von der griechischen Grenze unterm 19. August: Läßt sich auch über den Operationszweck des bulga­ rischen Vormarsches in Nordgriechenland vor­ läufig ebenso wenig sagen, wie über sein vor­ läufiges Ziel, so mag hoch darauf hingewie­ sen sein, daß von feindlicher Seite bereits wiederholt das Erstaunen darüber geäußert wurde, daß man damit nicht eher begonnen habe. Ter Vormarsch wurde aber erst ange­ treten, als gegenüber den feindlichen Maßnahmen ein Gegenzug unbedingt erforderlich wurde. Ich hatte Gelegenheit, bald nach den bulgarischen Truppen die griechischen Grenz­ stationen zu besuchen und stellte fest, daß die griechische Flagge noch auf den Gebäuden belas­ sen war. Auch bewegte sich die dort vom bulgarischen Vormarsch, überraschte griechische Stationsabteilung völlig ungehindert. Wäh­ rend meines Verweilens meldeten sie dort be­ reits die ersten feindlichen Flieger, die aus den alten griechischen Befestigungswerken von den Bulgaren lebhaft beschössen wurden. Tas vergebliche Ziel der Fliegerangriffe war eine von den Bulgaren gebaute Pontonbrücke. Die griechischen Offiziere waren resigniert. Sie sägten, daß sie den Vormarsch der Bulgaren seit Monaten erwartet hätten. 'Tie Vulgaren, sagte einer der Offiziere, werden Gelegenheit haben, unserem Volke zu zeigen, daß, sie nicht die Bulgaren sind, als die man sie uns schil­ dert. Ueberall in den besetzten Ortschaften herrschte Hungersnot, die nach! Möglichkeit so­ fort behoben wird. (Z.) Tas Schicksal Griechenlands. Genf, 21. August. Tie französische Pres­ se widmet ihre Aufmerksamkeit mit plötzlichem Eifer dem innerpolitischen Schicksal Griechen­ lands. Tie offiziösen Blätter erklären ver­ eint, die Entente werde sich nur mit einem klaren Sieg des Herrn Venizelos zufrieden geben. "Temps", "Figaro" und "Journal des Tebats" besprechen in schönen Worten die Ge­ legenheit, die sich den Griechen bei den Wah-</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Der Lustkrieg. Ter französische Flieger Brindejonc verunglückt. Paris, 21. Aug. (Ag. Havas.) Ter Flie­ ger Brindejonc des Moulinais fft einem Fluglen biete, für Venizelos zu stimmen. Gleich-, zeugunfall zum Opfer gefallen.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="4"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>hinter die Front genommen und neu eingear­ beitet und aufgefüllt. Tann kam die russi­ sche Sommeroffensive mit ihren unleugbaren XSrfoTgen. Es war die erste Tat der neuen russischen Armee. Es kam auch der Tag, da man erkennen mußte, daß gegen die deutschen Truppen auch die Riesenopfer des mit so totes Aufwand von Irast und Geschicklichkeit neu geformten Heeres nichts ausrichten konnten. Diese Periode der Erkenntnis ist: an der gan­ zen Front noch nicht abgeschloffen: es ist müßig, Zukunftsbeträchtungen anzustellen. Aus den Kämpfen um Kowel jedenfalls ist nur neuer Zweifel in die Armee gekommen, die russische Lust an der Kritik wächst ro*eber stark empor, Ta fliegen deutsche Aeroplane über die Front. Alles liegt auf dem Rücken und sieht den Riesenoögeln nach. Ein russischer Apparat fliegt hoch. Zwei deutsche Flugzeuge jagen ihn, in rasendem Bogenflug hat man ihm den Rückweg abgeschnitten. Nach zwei Minu- | ten Luftkampf, in dem die Masch inengewehre rasseln, ist der Russe abgeschossen. "Wozu ist der blöde Kerf eigentlich aufgestiegen? Dazst sind wir Russen nicht geboren. Wir sollen auf Pferden reiten und mit Pferden fahren. Tie Aeroplane sind für die Deutschen." Eine Bewunderung, die kaum mehr mit Haß, ge­ mischt ist, herrscht im russischen Schützengra­ ben für die deutschen Gegner. Tie Popen - es ist kein Zufall, daß'sie in den russischen Heeresberichten gerade jetzt auffallend oft ehrend erwähnt werden sie sollen den Haß wachhalten. Predigte da einer gegen die Teutschen in Rußland, die überall den besten Boden genommen hätten, die überall das Fett schöpften. Ta sagt ein Unteroffizier, 1 und die andern lachen: "Ich muß aber schon ] strgen, im Frieden habe ich am besten toerdeint I in den deutschen Meiereien." Sie schwatzen weiter über Krieg und Frieden; Frieden toäre gut. Tie Balalaikas klimpern sehnsüchtig auf. "Was wollt ihr gegen die deutschen Maschinen/gewehre?" fragt einer. Am Abend, es ist vor dem Sturm, predigt der Pope: "Kowel bekommt Ihr ganz bestimjmt, meine Kinder!" "Wer wer weiß, ob Du den Kopf haben wirst!" Tie Garde stürmte. Tapfer. Sie brach­ ten 170 Gefangene mit. Tie ganzen Rotten sollten da Hurra rufen. Eine Rotte schrie, die andern schwiegen. Einer fragte: "Aber wieviel Tote?" Tas Fragen ist aber die Aus­ nahme, das Schweigen die Regel. Sie sind zu stumpf zum fragen. Alles was ein wenig Intelligent oder auch nur begütert ist, hat sich ja in die Schreibstuben oder zum Roten Kreuz "gerettet". Wenn die Kanonen gehämmert haben, ge­ hen sie vor. Sie sind gewohnt, nicht viel Wesens mit ihrem Leben zu machen. Nur die älteren Unteroffiziere sprechen zuweilen untereinander, und sie verbergen es nicht vor den Mannschaften: "Nach« dem Krieg geben wir die Gewehre nicht ab . . ." WEM Ms MNWtzKsWM, Stic Lage der Gesaugenctr. Ueber die Lage der Gefangenen in Ruß­ land ist viel geschrieben, viel geklagt worden. Ein allgemeines Urteil ist schwer möglich, da die Behandlung recht verschieden ist und sich nach dem Belieben des betreffenden Lager­ kommandanten, der betreffenden Provinzgewaltigen und anderen persönlichen Einflüssen richtet. Die Bewachung ist überall sehr stark und beansprucht sehr viel Unteroffiziere, da man dem russischen Soldaten.selbst nicht recht traut. Tie ärztliche Behandlung ist durchweg nicht ausreichend. Oft fehlt der gute Wille, aber selbst, wenn er vorhanden ist, fehlen die notwendigsten Arzneipräparate und Desinfek­ tionsmittel. Tie russsichen Verwundeten lei­ den darunter ebenso wie die Gefangenen. Ter Wundstarrkrampf ist eine häufige Erscheinung .in den russischen Lazaretten, 65 Prozent Ster-i befalle unter den russischen Verwundeten werI Den ja amtlich zugegeben. In allen Lazaret­ ten, in denen Deutsch-Russen oder Balten pfleigen, wird das Verbot des Teutsch sprechens ganz besonders hart durchgeführt. Tie An­ schläge sagen alle, daß 3000 Rubel Strafe oder 3 Monate Gefängnis auf den Gebrauch der deutschen Sprache stehen. Mir sind aus Kurland selbst Beispiele bekannt, nach denen jungen Mädchen, die garnicht russisch konnten, nur wegen des versehentlichen Gebrauchs der deutschen Sprache diese hohen zu Grunde rich­ tenden Strafen auferlegt wurden. Man kann in irregehendem, überreiztem Volksgefühl noch sinen Schein einer Erklär­ ung für diese Tinge finden, andere Tatsachen | finden überhaupt weder Recht noch Erklärung, ] sie sind brutale Beugungen des Völkerrechtes, I wie sie in dieser Härte selbst in dem an solchen Dingen ja nicht armen Weltkriege unerhört bleiben. Schon int Februar 1915 hat man bei Ostrolenka und Biatystock deutsche und öster­ reichisch-ungarische Gefangene zum Schützen-, grabenbau dicht an der Linie verwendet. Es war int Mai 1915 bei Ostrolenka: die Aussäge ist klar und unumstößlich. . ' ' Von Ufa wurden Gefangene zu Grabenund Wegxearbeiten nach der Nordfront geführt. Sechs Ziüge mit je 1200 Mann. Es gab 25 Kopeken als Beköftigungsgeld für den Reisetag. Tie Beamten zahlten aber nur 20 oder 21 Kopeken aus und rechneten 2 Tage ab. Ter Preis für ein (russisches) Pfund Weißbrot be­ trug 15 Kopeken, in Moskau 18 Kopeken, zur Zeit, als der Transport fuhr. Zucker wach sehr teuer. Auf der Strecke, die 24 Tage bei einer durchschnittlichen Kälte von 8 Grad dauerte, gab es außerdem viermal —— int ganzen viermal! — warm zu essen. Zwi­ schen 45 und 48 Mann waren in einen Viehwa-? gen gepfercht. Es hat keinen Sinn, Beispiele zu häufen, nur sollte man sich hüten, russische .jtoreite" Gutmütigkeit zu überschätzen, nur sollte man nicht meinen, daß ein Staat, der solche Tinge zuläßt, eine andere Sprache versteht als bie, die eben nur von Kanonen gesprochen werden kann. Daß, die Russen den Versuch machten, ge­ fangene Oesterreicher aus dem Gebiet, in betn italienisch gesprochen wird, der italienischen Armee zuzuführen, ist öfter bemerkt worden. Es wurde an die Gefangenen einfach die Auf­ forderung gerichtet: "Wer Italiener ist, soll sich melden, er wird in die Heimat zurückge­ schickt." Ta meldete sich alles, was italienisch Iprach. Wer ginge nicht gern in die Heimat? Aber dann hieß es, ja "Heimat", ist natürlich Italien, die große Mutter, die Euch für das italienische Heer braucht. "Basta Schrapnello! Basta Granato! Basta!" schrien da die Em­ pörten. "Wir sind keine Italiener!" "Die Leute in Italien essen mit Lei," sagte einer überzeugend, "bei uns ist: man mit Speck! Tas ist ganz was anderes bei den Kerlen hin-! ter der Grenze." Ta mußte der Feldwebel melden, niemand habe sich gemeldet. Am besten haben es oft die Gefangenen, die bei den Bauern untergebracht sind. Ter Bauer haßt ja schon oft den Teutschen nicht mehr, sondern den Krieg. "Hinter der Wolga ist ja soviel Land, was brauchen wir Galsi zien?" "Man sollte sich vertragen, Brüder­ chen, hinter der Wolga ist Erde genug." Tann fragen sie wohl dazwischen: Ihr Armen, scheint bei Euch die Sonne auch?" Tas sind die Massen, aus denen die Sol­ daten Rußlands kommen: kräftig, tapfer, aber­ gläubisch, furchtsam, dumpf, gutmütig grau­ sam. "Scheint bei Euch, Armen d&gt;e Sonne auch?". ... , (Kb.) Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="5"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>längerer Freiheitsstrafe und zur 'Steilung -unter Polizei-Aussicht (während der Aus&gt; itißung von. Kulthandlungen) verurteilt. — Warum aber wird der Kardinal ÜUer'cier, der es in feiner boshaften Art dem lieben belgi­ schen Herrgott anheimstellte, by deutschen Truppen durch Seuchen zu vernichten, und neuerdings wieder m Brüssel sozusagen unter den Augen des Generalgouverneurs eine neue Hetzrede hielt, nicht mit der gleichen Elle wie der Großrabbiner gemessen?' Was diesem bil­ lig war, das mutzte doch seinem Kollegen recht sein. Wenn die Gerechtigkeit das Fundament der Rechtspflege ist, dann sollte sie.es auch, int Kriege sein. Es geht uns nicht in den Sinn, den ebenso schuldigen Christen ungestraft am Scheiterhaufen stolz vorüber gehen zu lassen, auf dem der Jude verbrannt wird.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Bayerische Nachrichten. | lüfte der Ehrenrechte auf Lebensdauer und I ferner auf Entfernung aus dem Heere verI urteilt. Tie Beiden haben wie bekannt, am 15. Juni in der Nähe von Kaufbeuren den Oekonomen Kreuzer ermordet und ihitt 1500 Mark geraubt. Wrifle MWchtes. Löhnungszuschuß und Unterkuitftsentsichädigung für die Familien der Unteroffiziere des Friedensstandes. Eine Verordnung desKriegsKriegsministeriums vom 16. August bestimmt, 1. dach-, allen Unteroffizieren des Friedens^ standes mit Familie - also auch den Gehalt empfangenden sowie den als Offiziers- und Beamtenstellvertreter verwendeten Unteroffi­ zieren des Friedensstandes — Löhnungszu­ schüsse in folgender Höhe zu zahlen find: 1) bei gemeinsamer Haushaltsführung: für Fa­ milien ohne Kinder täglich 20 Pfg., für Fa­ milien mit einem Kind täglich 40 Pfg., für jedes weitere Kind täglich mehr 10 Pfg. — 2) bei getrennter Haushaltsführung: für Fami­ lien ohne Kinder täglich 1 Mark, für Fami­ lien mit einem Kinde täglich 1,20 Mk., für jedes weitere Kind täglich 10 Pfg. —,° 2. daß alle, also auch die mit ihrer Familie einen gemeinsamen Haushalt führenden, und nicht nur wie bisher die von ihrer Familie ge­ trennt lebenden, auf Selbstbeschaffuug ihrer Unterkunft angewiesenen Unteroffiziere des .Friedensstandes mit Familie, soweit sie bis­ her Naturalquartierservis bezogen haben, an Stelle dieses Naturalquariierservkses die In dem Erlaß vom 24. November 1914 erwähnte Unterkunftsentschädigung von 60 Pfg. täglich erhalten. — Tiefe Bestimmungen haben Wirk­ samkeit vom 1. Juli , 1916 ab bis zur Beendig-' itng des Krieges. Erschossen wurde der verh. Gefreite Angerer aus Berchtesgaden auf dem Schießplatz in Aschaffenburg von einem Vizefeldwebel ans Unvorsichtigkeit. Wegen Mord n. Raub wurden Pom Kriegs­ gericht in Nürnberg die beiden Infanteristen des 14. daher. Jnf.-sNgts. Joses Horn und Peter Einsinger zum Tode und wegen unbe­ fugten Wasfengebrauchs und Fahnenflucht zu 2 Monaten Gefängnis, außerdem mit de-mVer-</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Lokales. L a » d S h u t, 22. August —* Das Militär-Verdienstkreuz 2. Kl. mit der Krone und mit Schwertern wur­ de dem Offiziersstellvertreter im Res.-Jnf^-R. Ar. 13, Herrn Peter Bach von hier verliehen., —- Das Militär-Verdienst kreuz 3. Kl. mit Schwertern wurde verliehen vom Landw.-Jnf.eRgt. Nr. 2: den Gefreiten der Landwehr Anton Lippert und Paul Moser (nunmehr beim Ufmstadekommando in Rosen-' heim), dem Landwehvniann Lorenz Schreieder —* Ten Heldentod für das Vater­ land starb der Infanterist im 2. Rest-Jns.«Rgt. Herr Josef EMeder, verheirateterMaurer von hier, im Alter von '33 Jahren. —* Meine Verlängerung de r Laudftj urm!p j! l i ch t. Wie dem WTB. von zu­ ständiger Stelle mitgeteilt wird, ist eine Ver­ längerung der Landsturmpflicht nicht beabsich­ tigt, wenn sich die Verhältnisse nicht von Grund ändern sollten. Im Gegenteil ist die Militärverwaltung bestrebt,^ den eingezogenen Landsturmpflichtigen der ältesten Jahrgänge nach Möglichkeit ihren Zivilberuf wiederzu-! geben. —* Das Hochwasser der Isar ist be­ reits wieder im Rückgänge. Auch die zweite Welle ist ohne Schaden vorübergegangen. Heute früh betrug die Höhe der Flut noch 1,02 Mir. Birketpegel. —* Ostpreußenhilfe. Als der Ruf um Hilfe für die durch den Einfall der Russen verwüstete Provinz Ostpreußen erging, fand derselbe auch in Landshuts Mauern lebhaften Widerhall. Es bildete sich ein Komitee "OstPreußenhilfe", an dessen Spitze Herr Regier­ ungspräsident v. Pracher trat und sammelte Stiftungen von Zimmern und Einzelspenden. Tie Schreinerzwangsinnung Landshut nahm die Ausführung der Arbeiten unter Verteilung I an ihre Mitglieder in die Hand. Lurch das gemeinsame Zusamimenwirken und die Hilfs­ bereitschaft edler Spender konnten dann 10 komplette Küchen, 9 Schlafzimmer und noch eine große Anzahl Einzelmöbel hergestellt und an den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreu­ ßen übersandt werden, der die Verteilung vor­ nahm und in einem Schreiben für die huchherzige' Spende, über deren gute und sorg­ fältige Ausführung er sich besonders gefreut habe, wärmsten Tank aussprach und bat, die­ sen Tank allen, die an diesem schönen Liebes­ werk mitgewirkt haben, zu übermitteln. Einer der Empfänger dankte gesondert in einem I Briese, dessen Inhalt die Leiden vieler Be­ wohner Ostpreußens so eindringlich schildert, daß wir ihn unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Er schreibt: Gr. Taguthelen . . : : An die Ostpreußenhilfe Landshut i. B. Für die mir durch das I. Landratsamt Pillkallen überreichte Wohnkücheneinrichtung als Ge­ schenk sage idfji der Ostpreußenhilfe Landshut meinen innigsten Tank. Es ist mir eine beson­ dere Freude, daß mau überall im deutschen Vaterlande unser in Liebe gedenkt. Mich per­ sönlich hat der Krieg auch, seht in Mitleiden-, schaff gezogen. Beim ersten Russeneinfall bin ich von den Russen perlschleppt worden. Tie 13 Monate meiner Gefangenschaft habe ich in Troitzk im Goup. Orenbnrg verbracht. Erst nach 11 Monaten haben meine Angehörigen Nachricht bekommen und am 2., November 1915 bin ich dann in meine Heimat zurückgekehrt — als ein Krüppel. Beide Arme sind mir un­ brauchbar, der linke Arm ist mir ganz abge­ nommen und der rechte ist im Ellenbogen steif, so daß ich ihn kaum genügend zum Essen und Trinken bewegen kann. Beim An- und Ausziehen muß.ich Hilfe in Anspruch: nehmen. Was wir Gefangene an Hunger, Kälte und</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="1"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Der deutsch-bulgarische Vormarsch.</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Starke feindliche Angriffe an der Somme «nd rechts der Maas vereitelt. — Fortschritte in den Karpathen. in de« Karpathcu. deutsches U&gt;Boot gerammt chaken, was von unserer Admiralität bestätigt wird. Nur kehr-, te das U-Boot mit einer leichten Schramme wohlbehalten wieder zurück. Bericht des deutsche« hWtWckers. WTB. Berlin, 21. August. Mittags. (Großes Hauptquartier.) Westlicher KrieMauM. Nördlich der Somme sind mehrfache zu­ sammenhanglose aber kräftige feindliche In-, strnterieanhrifse auf Ovillers und Pozieres, westlich des Foureauxwaldes und an der Stra­ ße Clerh—Maricourt, sowie Handgranaten angriffe bei Maurepas abgewiesen. Rechts der Maas wurde der zum Angriff bereitgestellte Gegner nordwestlich des Werkes Thiaumont in seinen Gräben durch Artillerie-, feuer niedergehalten. Am Werke selbst und bei Fleurh wurden starke Handgranatentrupps durch Jnfayterieund Maschinengewehrfeuer zusammengeschos­ sen. Zahlreiche Unternehmungen feindlicher Erkundun'gsabteilungen blieben ergebnislos. Teutsche Patrouillenvorstöße sind nord­ östlich von Vermelles, bei Festubert und bei Embermenilles gelungen. In öen Argonnen beiderseits lebhafte Mi­ nenkämpfe. Auf der.Combreshöhe zerstörten wir durch Sprengung die feindlichen Stellungen in er­ heblicher Ausdehnung. Vor Ostende wurde ein englisches Wassersliugzeug durch Feuer vernichtet und ein fran­ zösisches Flugboot abgeschossen. Im Luftkamps stürzte ein englischer Toppeldecker südöstlich von Arras ab. Schlich« MMlNlM. 'Front ves Generalfeldmarschalls b. chindcnburg. Am Stvchod sind russische Angriffe süd­ westlich von Lubiestow gescheitert, mehrfache, mit erheblichen Kräften unternommene Ver­ suche des.Feindes, seine Stellung auf dem Westnfer bei Rudka-Czerwiszeze zu erweitern, unter großen Verlusten für ihn abgewiesen. Zwischen Zareeze und Smolarh nahmen Im Westen unternahmen die Feinde nördAch der Somme Mehrere vereinzelte aber krüs-. ftge Angriffe, die abgewiesen wurden. An der Maas wurden Angriffsabsichten der Fran­ zosen im Keime erstickt. Nach all den Miß-! erfolgen der letzten Tage, die der Entente so unendlich schwere blutige Opfer kosteten, ist es kein Wunder, daß, in Frankreich allmäh--, Ach der Mißmut zu keimen beginnt. Selbst in militärischen Kreisen äußert sich! dies, denn die "Erfolge" sind doch zu den Versprechungen der Befehlshaber, die mit den letzten Anstreng­ ungen ihr Ziel zu erreichen hofften, gar zu verschwindend, die Opfer aber selbst für Ver­ bündete der Russen unendlich hohe. Im Osten sind russische Angriffe am Sto-i chod abgewiesen, während ein Vorstoß, der Un­ sern bei Zareeze Erfolg hatte. In den Kar-, pathen gehr es Schritt für Schritt vorwärts. Eine Höhe nach der andern wird den Äussen wieder abgenommen. Wenn auch die Kämpfe in dem gebirgigen Terrain sich nur langsam vollziehen, so berechtigen sie doch, zu derHofs-/ nung, dchß die Russen immer weiter zurück-, geworfen werden. Am Balkan schreiten unsere und die bul­ garischen Truppen von Erfolg zu Erfolg. Be­ sonders am rechten Flügel bei Florina und Banica wurde wieder ein bedeutender Schritt nach vorwärts gemacht. Alle Anstrengungen der Serben am Tzemaat Jeri und der Franzosen bei Ljumica, die Unsern aufzuhalten, waren vergebens. Ter Kampf har auf der ganzen 300 Kilometer langen Front begon-, neu. Wenn wir auch die Ziele des Angriffs nicht sannen, das eine steht fest, daß d-eLage General Sarrails keine allzu rosige ist. Die Entente hat sich auch- hier wieder von den Ereignissen überraschen lassen. Sie hat aber noch immer keine Achtung, von der Kraft des Vserbundes und glaubte nicht, daß es uns trotz aller Angriffe im Westen, Osten und an der italienischen Front, jetzt auch noch mög-. Ach sei, am Balkan selbst offensiv -vorzugehen. Sie haben aber nicht mit deutschem Organi­ sationstalent und bulgarischer Tatkraft ge­ rechnet. Zu dem Erfolge unserer U-Boore in der Nordsee melden die Engländer, daß sie die "Nottingham" (1913 vom Stapel gelaufen, öo30 Tonnen Wasserverdrängung, 26.3 Kno­ ten Geschwindigkeit) und "Falmouth" (1910 vom Stapel gelaufen, 5300 Können Wasser­ verdrängung und 27 Knoten Geschwindigkeit) verloren haben. Sie wollen aber hierbei ein</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="2"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Vom östlichen Kriegsschauplatz. Heftige Kämpfe m der Bukowina. Bu kar est, 21. August. Aus der Buko­ wina wird über Burdujeni gemeldet, daß seit vorgestern wieder heftige Kämpfe im Zuge fjinb. Man erzählt, daß. die Russen außer-' ordentlich erbitterte Anstrengungen machen, aber ihre Riesenverluste find vergeblich. Ueberall erlitten sie große Niederlagen. Jetzt ar­ beiten sie an der Befestigung des Raumes nördlich von Kimpolung. Tie Oesterreicher haben in den letzten Tagen wieder viele rufsi-s sehe Gefangene gemacht und einige wichtige russische Stützpunkte erobert. (Z.) Kaiserfeier in Lublin. flu bl in, 21 August. Die hiesigen Blät­ ter veröffentlichen folgendes Schreiben des Mi-! litzär-Deneralgouverneurs: "Ich habe mit be­ sonderer Befriedigung wahrgenommen, daß an den anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Seiner K. u. K. apostolischen Majestät veran­ stalteten Festlichkeiten auch ein großer Teil der Lubliner Bevölkerung in spontaner Weise teilgenommen hat. Allen jenen Einwohnern von Lublin, die entweder durch Teilnahme an den Feierlichkeiten oder bur# Beflaggung und festliche Beleuchtung ihrer Häuser und Woh­ nungen dazu beigetragen haben, diesen Ehventag der K. u. K. Armee zu verschönern, sage ich hiermit meine vollste Anerkennung. (Z.) Zur Ernennung Rußkis. Kopenhagen, 21. August. Tie Er­ nennung Rußkis zum Nachfolger Kuropatkins kommt keineswegs überraschend und wird zu­ gleich von dem halboffiziösen Kommentar be­ gleitet, daß Rußki demnächst auch den Posten des Vizegeneralissimus erhalten werde. (Z.) ?ie Berluste der russischen Garde. Stockholm, 21. August. Von durchaus zuverlässiger Seite erhält der Korrespondent des "Berliner Lokal-Unzeiger" die Verlustziffern der russischen Garde in den Kämpfen bei Stanislau übermittelt, wo infolge der er- j zwungenen sinnlosen Sturmangriffe die be­ rühmtesten der in Petersburg stehenden GardeRegimenter derart dezimiert wurden, daß sie geradezu aus den Kämpfen ausscheiden mußten. Tte Verlustziffern sind nach amtlichen russi­ schen Berichten folgende: Leibgarde^ Seme-, nowsches Regiment, 43 Offiziere, 2781 Mann, Leibgarde-AiragonenRegiment 31 Offiziere , 1659 Mann, Leibgarde Moskauer Regiment 56 Offiziere, 3078 Mann, Leibgarde Pawlowsches Regiment ß1 Offiziere, 3157 Mann, Leibgarde Finnländisches Regiment 48 Offiziere, 2681 Mann. Ta die Gardetruppen schon eine Woche vorher im Feuer gewesen waren und die Rekrutenddpots mit erst soeben Eingezogenen be­ legt sind, dürfte die Petersburger Garde über ein halbes Iaht völlig aus den Kämpfen aus­ scheiden, da bei der Turchschnittsstärke eines Garderegimentes von 70 Offizieren und 3500 Mann die jetzigen Fronttrüppen völlig erledigt sind. Ein in den Blättern Abgedruckter offi­ ziöser Kommentar zu den Kriegsoperationen sagt für August alten 'Stiles große Operatio­ nen voraus, weil sich die russischen Armeen zu neuen großen Anstrengungen aufraffen würden. Ueber die russischen Kriegspläne be­ richten die Blätter verschieden. Ueber die Ab­ sichten an per Nordfront wird nichts gesagt. "Rjetsch" meint, das Operationsziel bilde Lem­ berg, während Schumski in der "Börsenztg." den Besitz. Lembergs als g'leichgiltig bezeichnet und die Offensivrichtung für den KarpathenWinkel vorschreibt. Die Lage an der Kaukasus-, front wird in den Blättern durchgehend als ernst bezeichnet. "Tjen" berichtet, die Armee j Jzzet Pascha, welche im Bitlis-Webiet am Wests- ’ lichen Wan-fSee operiere, besitze eine ungs- | heure Uebermacht. Tte russische Offensive an | der westlichen türkischen Flanke sei zum Stehen i gebracht, weil die Türken jeden Angriffsversuch durch! todesverachtende Verteidigung un­ möglich machten. (Z.)</p>
        </div>
      </div>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Die Türkei im Kriege. einem Transportschiff und mehreren Segels schiffen, die sie begleiteten, 300 Räuber, unter denen sich auch Soldaten befanden. ,.Tiese wurden von unseren Abteilungen angegriffen. Nach dreistündigem Gefecht zog sich der Feind nach einem Verlust von 50 Mann in seine Barken zurück und ergriff die Flucht. Am 18. August wurde ein englisches Schiff! in, der Gegend des Golfes von Alexandrette versenkt. 18 Mann der Besatzung, darunter der Kommandant des Schiffes und vier Offi-' ziere, wurden gerettet und zu Gefangenen ge­ macht. In Aegypten und an den übrigen Fron­ ten ist Pie Lage unverändert. T«ie Russen in Persien. Basel, 21. August. Tie "Baseler Nach­ richten" melden aus Teheran: Tas russische Expeditionskorps in Persien sei dem Ober­ befehl des persischen Prinzen Ismail, Sohn von Zill es Saltaneh, Großvaters Bruder des regierenden Schahs Ahmed anvertraut worden. (Z.) Ter türkische Bericht. Konstantinopel, 20. Aug. Tas tür­ kische Hauptquartier meldet: An der Jräkfront und in Persien ist die Lage unverändert. An der Kaukasusfront auf dem rechten Flügel Vorpostenkämpfe. Ter Feind, der nörd­ lich des Engpasses von Buglan unsere vorge­ schobenen Stellungen angriff, wurde vertrie­ ben. Wir machten einige Gefangene und zer­ störten durch unser Feuer eine feindliche ge-i deckt stehende Batterie. Im Zentrum und auf dem linken Flügel bedeutende örtliche Feuergefechte. Einer unserer Flieger griff im Schwarzen sees beisetzten wir die Dörfer Zveszda, Biglifch- Meer zwei russische Torpedoboote an und warf ta und Brenitza und unterbrachen auf diese iprssollgreich Bomben aus sie ab. Wir stellten Weise endgiltig die Verbindungen zwischen -fest, daß aus den Tecks der Schiffe durch bte Gorrscha und Florina sowie zwischen Gortscha l Bomben Rauchwolken hervorgerufen wurden. Am 17. August landeten acht feindliche Schjiffe, die in die nördlich unb südlich der Insel Smh gelegenen Buchten einfuhren, von</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="3"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Der Krieg zur See. See U-f8ootserfo1g an der englischen Lsttüste. London, 21. Aug. Tie britische Admi-, raltöt meldet: AM 1 N.August entwickelte der Feind in der Nordsee eine beträchtliche: Tätigkeit. Die deutsche Hochlseeflotte kam her­ aus, kehrte aber als sie erfuhr, daß die Stärke der britischen Streitkräste ansehnlich war, ein Gefecht vermeidend in den Hafen zurück. Auf der Suche nach dem Feind verforett wir zwei leichte Kreuzer durchs einen U-^Bootsangrifs, die "Nottingham" und "Fahmouth". Alle Offiziere der "Nottingham" sind gerettet, 38 Mann der Besatzung werden ver­ mißt. Alle Offiziere und Mannschaften der "Folmouth", mit Ausnahme eines Heizers, der an seinen Verwundungen starb, wurden ge*' rettet. Ein feindliches U-Boot wurde zer­ stört, ein anderes gerammt und ist möglicher­ weise gefunken. Die deutsche Behauptung, daß ein britischer Zerstörer und ein britisches Schlachtschiff beschädigt wurden, ist unwahr. WTB. Berlin, 21. August. (Amtlich.) Tie in dem amtlichen Bericht der englischen Admiralität vom 21. August gemachte Behaup­ tung, daß eines unserer U-(Boote gerammt worden sei, trifft zu. Tas Boot wurde, nach­ dem es einen geschleppten englischen Kreu­ zer der Chatham-Klaslse vernichtet hatte, bei dem Versuch eines englischen Zerstörers, es zu rammen, l eicht beschädigt und kehrte wohl­ behalten ln den Hafen zurück. Zu der engAschen Behauptung, daß ein zweites deutsches U-Boot vernichtet worden sei, kann erst SteÜlung genommen werden, wenn alle U-Bootsimeldungen eingegangen sind. Gegenüber den englischen Ableugnungsverfuchen, daß ein eng­ lischer Zerstörer vernichtet und ein englisches Schlachtschiff beschädigt worden seien, wird auf den amtlichen deutschen Bericht vom 20. Au­ gust Bezug genommen, der in affen Teilen aufretcherhalten wird. Tas in dem Bericht der britischen Admiralität angegebene angeb­ liche Zurückweichen der deutschen Hochseeflotte vor den nirgends in Erscheinung getretenen britischen Hochseestreitkräften, ist ein Phan-tasiegebilde. 3lie deutsche Flotte in der Nordsee. Amsterdam, 21. Aug. Nach JMniden heimkehrende Fischdampfer berichten, daß sie am Samstag uwi 5 Uhr mprgens zwei Zeppelin-, Geschwader und vierzehn bis sechzehn deutsche Kriegsschiffe auf dem 54 Grad 6 Minuten nördlicher Breite und 4 Grad 55 Minuten 6 Sekunden östlicher Länge angetroffen haben. Tas Geschwader bestand aus großen Kreuzern, einem leichten Kreuzer und einer Anzahl Tor­ pedobooten. Sie kreuzten in der Richtung West-Nordwest. Versenkt. Haag, 21. Aug. In Scheveningen kamen auf einem Fischerfahrzeug' der Kapitän und die Bemannung des norwegischen Schoners "Rufus" aus Stavanger an, der mit einer La­ dung Holz auf dem Wege von Fredrikshald nach Sunderland am Samstag durch ein deut­ sches Tauchboot in der Nordsee in Brand ge­ steckt worden ist. Kriegsbricse nnr üciii Osten. Berlin, den 20. August. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise verboten.) Hinter der russischen Iront. Do« unserem zum Oftheere entsandten KriegsBerichterstatter. Im Felde, Mitte August. In den letzten Kämpfen kam irgendwo an der Front ein Gefangener durch die deut­ schen oder österreichisth-ungarifchen Linien. Ein merkwürdiges und nicht leichtes Schicksal hatte deN Mann umhergeworfen. Seine Angaben über die russische Armee, über das Volk, über Gefangenenbehandlung, über das Leben in den Regimentern sind zuverlässig,' in allem Elend hat ihn die Klugheit und Gewissenhaftigkeit des Beobachters niemals verlassen. Sein Ur­ teil ist niemals kraß, niemals hat man den Eindruck, etwas absichtlich: Zugespitztes zu hören, aber Wahrheit und Kenntnis b$r Tinge sind in allen seinen Aussagen, die kein neues Bild malen, aber viele neue und überzeugende Züge im Wesen und Leben d^r Menschen hinter und in der russischen Front beitragen. Site neue russische Armee. Es sitzen ein Tutzend russische Feldwebel im Unterstand an der Riga-Front. In un­ endlichen Mengen wird Tee getrunken, es gibt reichlich Zucker und heißes Wasser. TerSchweiß läuft ihnen herunter, es dünstet beißend und scharf in dem niedrigen Raum. "Ha, General Kuropatkin hat den Oberbefehl übernommen," sagt der eine. "Warum ist er gekommen?" "Dummkopf, er ist dazu gekommen, Riga den Deutschen zu übergeben!" Das Unglück Kuropatkins im mandschurischen Feldzug hat den General für den Frontsoldaten gezeichnet. Er glaubt nicht an Unglück, wägt keine strategischeu Lagen, ihm ist Niederlage gleich Verrat, ihm steht jeder Führer, den der Erfolg oerfe läßt, als Verräter da. Tas war schon einmal eine gefährliche Krankheit im russischen Heer, als im vorigen Sommer die Festungen fielen, Länder verloren gingen und nur int schnellen Rückzug noch Heil war. Ta wuchs die Krank­ heit zur Epidemie namentlich unter den Akti­ ven, auch im aktiven Unteroffizierskorps mach--</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="4"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>hatten einen scharfen festen Blick, als sähe er ein Ziel vor sich, das er erreichen wollten "Ich will!" So schien dieses scharf geprägte Männer­ gesicht zu sagen. So sah er eine Weile schweigend vor sich hin. Tann atmete er tief auf und wandte die Augen auf Anne-Roses Gesicht. Sie blickte zu ihm auf mit den wunderschönen braunen Augen, in denen es so sonnig aufff leuchtete, als blickte sie zu einem guten erl­ probten Freund empor. Ms streiche eine linde Hand über sein Gesicht, so glätteten sich, seine gespannten Züge und wurden weich. Seine Augen weiteten sich und saugten sich: mit einer starken In­ brunst in den ihren fest. "Tu sollst mir gehören, Anne-Rose Billach, ich will Dich zur Liebe zwingen, durch die Kraft und Inbrunst meines Herzens, denn ich liebe TW. Du bist mir vom Schicksal bestimmt, ich fühle es. Wie ein starker Strom ist die Liebe zu Dir über mich gekommen "■ Tu bist die Eine, Einzige, die meinem Herzen teuer sein kann. Tu bist mein, ich lasse Dich nimmer, Tu und ich, wir werden eins sein im Fühlen und Denken, ich liebe Dich, Anne-/ Rose von Billach." wir beide nicht vergessen, nicht wahr," sagte er mir unterdrückter Stimme. Sie vermochte nicht zu antworten, schüt­ telte nur den Kopf. Zn ihrer Seele war einWogen und Drängen, als sei ihr ein Wunder geschehen. Scheü zu ihm aufsehend, löste sie ihre Hand ans der feinen und eilte ins Haus. In­ stinktiv flüchtete sie sich aus ihr Zimmer. — Ta war sie allein. Xante Jettchen und Jost von Billach saßen unten beim Frühstück. Als sei sie kraftlos geworden, jo sank sie in einen Sessel am Fenster und sah in den Park hinaus. Sie suchte sich klar zu werden über die Empfindungen, die plötzlich in ihr erwacht waren. Aber es gelang ihr nicht.. Sie wußte nur, daß zwischen jetzt und ihrem ganzen früheren Leben eine große Kluft war, wußte, daß nie etsvas so die Tiefen ihres Wesens erschüttert hatte, als dieser Moment, in dem sie willenlos, rote gelähmt Auge in Auge mit Lothar von Retzbach gestanden hatte. Und dann suchte sie sich vorzustellen, was sie empfunden hatte an jenem Abend, als Hans Rathenow sie im Arm gehalten und geküßt hatte. ,, ! (Fortsetzung folgt.) _ _ So dachte er, während seine zwingenden Augen die ihren festhielten. Und die Macht seines Willens lähmte sie. Ein Zittern lief über sie hin. Sie konnte ihre Augen nicht aus bett seinen lösen und wurde bleich unter seinem Blick, der sie bis ins Herz traf. Er sah, wie sie bleich wurde, Wie sie erbebte. Da löste er endlich seinen Blick aus beim ihren, und wie im Traum wandelten sie Seite an Seite weiter. Ainne-Rose ging willenlos neben ihm her. Sie wußte nicht, was plötzlich geschehen wär, daß biie Welt mit einem Male so anders ge-wordem war. Aber sie wußte, von dieser Stunde an führte sie ein anderer, neuer Weg ins Leben. Ob er mit Blumen oder mit Steinen bedeckt war, sie wußte es nicht, sie fragte nicht danach. Sie wußte nur, daß sie ihn gehen mußte, weil sie ein anderer starker Wille darauf hinführte. Alles, was ver­ gangen war, versank in einen dichten NebelfdjMter, als sei es me gewesen, als sei sie nie davon berührt worden. Kein Wort sprachen sie mehr, bis sie an der breiten Freitreppe anlangten. Ta nahm er ihre Hand und preßte seine &gt;Ltppen darauf. "Ich danke Ihnen, Anne-Rose ..daß Sie mir diese Stunde geschenkt haben. Tie wollen</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="5"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Niederbayerische Nachrichten. RottMburg a. L., 21. Aug. (Blutvergif­ tung.) Au Blutvergiftung starb der Bauer Andr. Zellmeier von Ried. Vor wenigen Ta­ gen ritzte er sich mit einem StrohhaÜnj im! Gesicht, die kleine Wunde beachtete er zu wenig; .es trat Blntvergiftung ein, der er erlag. . Zwiesel, 20. Aug. (Gutsübernahme.) Hr. Eduard Frhr. v. Poschiuger jun., erbliches Reichsrat der Krone Bayerns, Major u. 9t&amp;= gimentskonimlandeur, hat nun die Verwaltung seines Fideikdmmißgutes Cberfrauenau bei Zwiesel selbst übernommen. Gleichzeitig soll derselbe guch das nengebaute Schlößchen Neufrauenau seines Brud.erl Edmund erworben und diesen Besitz seinem Gute einverleibt ha­ ben. Las Gut Oberfranenau mit dem Ra-i I chel- und Cämeralwald umfaß,t rund 12 @00 I Tägwerl und wurde bisher von dem Vater I Ed. Frhr. v. Poschiuger von Frauenau ver$ waltet. Letzterer, sowie auch Edmund Frhr. | b. Poschiuger von Frauenau werden ihren | Wohnsitz nach München verlegen. ; Erlau b. Passan, 21. Aug. (In Liquida­ tion getreten.) Lurch Beschluß der General-: Versammlung wurde die Auflösung der A.-G. Passauer mech. Papierfabrik cm der Erlau, Sitz »Erlau, durchgeführt und das Liquidationsoerfahren eingeleitet. Liquidatoren sind: Wilh. Lenze, Bankier Passau, und Wilh. Pan­ schet, Fabrikdirektor hier.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="6"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Das Fracht-Tauchboot—ein alter deutscher Gedanke. Die Fahrt der ..Deutschland", des ersten Fracht-Tauchbootes der Welt, wurde schon vor rund 50 Jahren gewissermaßen vorausgeahnt. In der im Verlage von Dr. Völler erscheinenden Zeitschrift "Natur und Kultur" macht Abels auf einen un­ bekannt gebliebenen Brief von Wilhelm Bauer, dem Erfinder des ersten deutschen Unterseebootes, aufmerksam. Es heißt in dem Schreiben des genialen Vorkämpfers der unterseeischen Schiffahrt: ..Softehe ich wieder nur um ein kleines vorgeschritten in Erfahrung und Leistung vor Deutschland. Ich sehe tiefbewegt mich zur Tatlosigkeit verurteilt, während die Rüstungen zu Lande und zur See ganz Deutschland beschäftigen. Die Nation kann ich nicht (zur Vollendung feines Tauchbootes) um so große Opfer bitten; die die Regierungen wollen an mir keinen Dreyse (Erfinder des Zündnadelgewehres) zur See erkennen, ich selbst aber bin machtlos dem Geschick überantwortet. Mein Urteil, daß die Monitors nur der Übergang zur Submarine sind, wird belacht. Meine Behauptung, daß die Schlacht von Liffa den Beweis lieferte, daß sich Kriegsschiffe dem Widerstoß durch Untertauchen entziehen müssen, erscheint heute noch kindlich oder zu kühn. Und meine Fernsicht, daß die Handelsschiffe Gefahren des Sturmes, des Strandes usw. durch Unertauchen unter die Wellenlinie wie eine Quabe großen Massen vor wie hier. Wir sprechen viel von türkischen Pflaumen und von türkischem Pflaumenmus, um damit eine besonderes erlesene Ware zu bezeichnen. In beiden Fällen hat die Benennung "türkisch" auf die Türken selbst keinen Bezug, sondern bezieht sich ganz allgemein auf den Ba kan, der sich ja früher vollständig in türkischen Besitz bekunden hatte. Unser Hauptlieferant für "türkitche" Pflaumen ist Serbien. Hier ist auch der bekannte Pflaumenschnaps, der Sliwowitz, zu Hause. Zur Herstellung dieses Brannt­ weins zerstampft man die Pflaumen in einem Bottich und läßt sie gären. Ist dieser Vorgang nach 2 bis 3 Wochen beendet, so wird die Masse abdestilliert, wobei man aus 100 Litern Pflaumenbrei etwa 10 Liter Pflaumenbranntwein erhält. Wie das bekannte Kirschwasser erhält 6er Sliwowitz von der Blausäure, die in den Kernen enthalten ist, einen eigentümlichen Geschmack. Der Sliwowitz verdankt seinen Namen dem slavischen Namen der Pflaume iliwa, der mit unserem Worte "Schlehe" zusammenhängt. Auch die südslavischen Ländern Oesterreich- Ungarns weisen einen sehr umfangreichen Anbau von Pflaumen auf. Hier besonders aber in der zu Kroatien gehörigen Landschaft Syrmien wird auch der beste Sliwowitz hergestellt. Wenn unsere im Pflaumenlande stehenden Feldgrauen einen Sliwowitz genießen, so singen sie mit Vorliebe das schöne Lied von der Pflaume, und sie singen es auch dann, wenn es nicht bei der einen Pflaume bleibt. 32. Sitzung des Stadtmagistrats Landshut. vom 19. August 1916. Vorsitzender: Oberbürgermeister Hoirai M arschal l. D i e B e s ch l ü s!s e der letzten Sitzung des Gemeindekollegiums werden zur Kenntnis ge­ nommen. JnZwangserzi ehung kommen Josef Barth in die Staatserziehungsaustalt in Was­ serburg und Hahn Therese zu den Frauen vom guten Hirten in München. Wohnungskonsens erihält Herr Zie­ geleibesitzer Josef Maier für das umgebaute Wohnhaus Papiererstraße 8 a. Du rch Urte ildes Schöffengerich­ tes Lands Hut wurde der Telegraphenbauaufseher Hans Weidner wegen Ueberrretung der baupolizeilichen Vorschriften zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt und zugleich die Befug­ nis zur Beseitigung der rechtswidrigen Bau­ vornahme ausgesprochen. Weidner hat nun an den Magistrat ein Gesuch um Belassung des erbauten Hauses auf Ruf und Widerruf ge­ richtet und darin auch angeführt, daß er jedeir-i zeit bereit sei, das Anwesen im Bedarfsfälle käuflich an die Stadt abzutreten. Das letztere wurde in der Sitzung als etwas bezeichnet, das fast als schlechter Scherz wirke. Im übri­ gen sei der Magistrat gar nicht die .Stelle, toefe che die verlangte Dispens erteilen könne. Au­ ßerdem sei der Magistrat auch nicht in der Lage, eine Dispens befürworten zu können. Weidner habe sich in rigorosester Weise über alle Verfügungen hinweggesetzt und getan, was er wollte. Er sei oft genug gewarnt worden. Wenn er jetzt zu Schaden komme, so habe er sich diese Folgen selbst zuzuschreiben. Ter' Magistrat setzte eine Frist von 2 Monaten zur Beseitigung der rechtswidrigen Bauvornahme fest, widrigenfalls die Beseitigung durch den Magistrat auf Kosten Weidners erfolgt. Das Verwaltungsgebäude der stöbt. Lichtwerke soll eine Erneuerung seiner Fassade erfahren. Vorerst wird dep Sockel blank gelegt und der Schild übertüncht. Für die Erneuerung des Gesamtverputzes sollen die Mittel im Etat 1917 bereitgestellt werden. Außerdem erhält das Gebäude eine Syenit-' tafel mit der Aufschrift: "Verwaltung der Wasser-, Lichtwerke und Straßenbahn. Letzte Posten. gestern nachmittags 2 Uhr begonnen. Tie Trup­ pen werdÄr den Kontingenten der übrigen Alliierten angegliedert. Tie Landung dauert fort. (Z.) Das Pariser Echo knüpft an die Bestä­ tigung von der Landung italienischer Trup­ pen in Saloniki die Prophezeiung, die laufende Woche werde noch interessante Ereignisse brin­ gen. (Z.) Tie russische Schiwarzemeer-Flotte vor der bulgarischM Küste. Basel, 22. Aug. Nach einer Meldung des Matin kreuzen die russischen SchwarzeMeer-Geschwader vor Burgas. Torpedoboote beschossen am Donnerstag alle kleinen bulgari­ schen Häfen zwischen Varna und Baltschik. (Z.) Ein griechischer Mliitärattache von den Italiener« verhaftet. Haag, 22. Aug. Tie Exchange Telegr.Co. meldet: Tiamanüpolas, der neu ernannte At­ tache der griechischen Gesandtschaft in Berlin wurde auf der Reise nach feinem Standorte von den italienischen Behörden festgenommen und die tu seinem Besitze befindlichen Schirift-I stücke beschlagnahmt. Tie griechische Regier rung hät durch ihren Gesandten in Rom um Aufklärung ersucht. (Z.) i Tjer Untergang des Leonardo da Vinci. Bern, 22. Aug. Nach Informationen des MaMnder Korrespondenten der N. Zür­ cher Ztg. ist die Katastrophe des italienischen Schlachtschiffes "Leonardo da Vinci" nicht durchs einen Kücheubrand, sondern durch« eine in den Hafen hineingetriebene Mine verursacht wor­ den, welche explodierte und im Kesselraum einen Brand hervorrief. (Z.) I Handel und Verkehr. FN der Seiscimot werden viele wertlose Produkte dem Verbraucher unter tönendenNanten für teures Geld angeboten und so be­ trachtet mit Recht das Publikum jede Neu­ anpreisung mit Mißtrauen. Ta Seife imimfer ünapper und teurer wird, ist ihr ein wert­ voller Ersatz, 'in "Nawa" erstanden, das nach dem Gutachten von Tr.Bender u. Dr. Hobein sowie Tr. Joh. Hoppe, Ehemiker München, stqatl. gepr. und gerichtl. vereid. Sachverstän­ dige ein Natnrwajchmittel beisonders geeignet für gröbere und farbige Wäsche und frei von der Wäsche schädlichen Substanzen ist. TäNawa ohne verteuernde Packung dem Verkehr zu bite ligen Preisen überlalssen wird und ein nicht verderblicher Seifenersatz ist, so empfiehlt sich Nawa von selbst und wird sich in jeden Haus­ halt unentbehrlich mmfjien. Ter Reklamever­ lauf findet nur am Heuwagplatz während der Tult statt. Das Pflaumenlied. "Aln dem Baume da hängt Bapaume, das möcht' Ihr gerne haben," singen im Westen unsere tapferen Feldgrauen den Engländern zu, wenn diese immer rund immer wieder vergeblich ihre wütenden Angriffe erneuern, um den Unsrigen die zäh verteidigten Linien von Bapaume zu entreißen. Natürlich weiß Tommy Atkins nicht, daß es sich bei diesem Spottoers um die Umdichtung eines beliebten Gassenhauers handelt, den man vor einigen Jahren allüberall hören konnte: "An dem Baume da hängt 'ne Pflaume, Die möcht ' ich gerne haben." Bei der Umbildung, die das Lied durch unsere Soldaten erfahren hat, ist es besonders bemerkenswert, daß diese sich nicht im geringsten um die französische Aussprache des Ortsnamen Bapaume kümmern. Gerade die deutsche Aussprache dieses Namens hat sie vielmehr dazu gebracht, das schöne Gedicht von der Pflaume zur Umdichtung für ihr neuestes Kriegslied heranzuziehen. In der ursprüng­ lichen Form singen das Lied von der Pflaume übrigens mit besonderer Vorliebe diejenigen unserer Feldgrauen, die auf dem Balkan beschäftigt sind, in der Zeit der Pflaumenreife, also gerade jetzt. Hier hat das Singen des Liedes eine ganz besondere Bedeutung. Der Balkan ist ja das größte Pflaumenland der Welt, nirgends kommt diese wohlschmeckende Frucht in so fttutn denkbarster Entbehrungen durch gemacht haben, Mt sich ntchjt wiedergeben und daraus ist auch mein jetziger Zustand Zurückzuführen,' Bon Beruf bin rch Schuhmacher, auch hübe W ein kleines Grundstück. Durch den Krieg bin ich aber unfähig geworden, meinem Berufe nachzugehen, auch! in wirtschaftlicher Lage bin ich fast ruiniert. Völlig ausgeraubt und aus­ geplündert habe ich mein Heim wiedergefunden. Nur was ich am Leibe hatte, ist mir geblieben. Ergebenst Joses Kaiser in Gr. Daguthelen, Post Gr. Warningken, Kr. Pillkallen. Daß diese Leute in ihrer Not jede Hilfe dankbarst annehmen und als Wohltat, empfinden, darf wohl niemand verwundern, mag aber den edlen Spendern, welche die Ostpreußenhilfc Landshut instand setzten, ihr Liebeswerk zu vollbringen, als Unterpfand gelten, daß sie ihre werktätige Hilfe wirklich bedürstigenBolksgenossen angedeihen ließen und die Kriegsnot lindern halfen. Ständchen vor der Kaiserin. Wie das Berl. Tgbl. erfährt, empfing die Kaiserin im Hofe des Schlosses Wilhelmshöhe 600 junge Mädchen aus Kassel, die ein Ge-' sangsständchen darbrachten. Zur Fahrt der "Teutschland". Lufgano, 22. Aug. Offiziere des in Syrakus eingetroffenen italienischen Dampfers "Appolonia" berichten, daß.sie im Hafen von Baltimore dicht neben der "Deutschland vor Anker lagen. Das Tauchboot sei von beute schen und amerikanischen Wachschiffen umgeben gewesen, die die "Deutschland" jede Nacht mit starken Scheinwerfern beleuchteten. Stufter^ dem schützte sich die "Deutschland" durch unge­ heure Leinwandvoihänge. Vor der Einfahrt zum Hafen wartete ein großer englischerKreuzer. Kapitän König bat die amerikanische Re­ gierung, die "Teutschland" durch! einen ame­ rikanischen Kreuzer begleiten zu laissen, was jene abschlug und nur einen Schlepper zur Verfügung stellte. Kapitän König verzichtete darauf und erklärte, er werde ohne alle Be­ gleitung den Hafen verlassen. (Z.) Rumänien und der bulgarisch-deutsche Vormarsch. , Nach Bukarester Meldungen erregen die Ereigni.sse auf der Salonikifront und das sieg­ reiche Vordringen der Bulgaren auf grüechiiF schem Boden die denkbar größte &lt;Änsation in rumänischen politischen Kreisen. Tie russophilen Blätter verlangen in erregtem Tone die Bestrafung Bulgariens. Großen Eindruck machen auch! die Meldungen über die Lage auf dem Bukowinaer Kriegsschauplatz, unter deren Eindruck die Kriegsgegner wieder optimisti scher sind, obgleich! die Ueberzeugung weiter vorherrschend bleibt, daß Rußland al­ les aufbieten werde, um auf Rumänien einzuwirken. (Z.) Ftalienische Truppen in Saloniki. Nacch einer Havasmeldung aus ^Saloniki hat bie Landung der italienischen Truppen</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="2"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Der Krieg mit England. Tie Suche nach der Schuld. Reuter meldet amtlich: Tie Regierung hat beschlossen, daß der Oberbefehlshaber in Indien General Sir Beauchamp Tuff nach England zurückkehren soll, um vor derKomMission für Mesopotamien als Zeuge zu er­ scheinen. Sir Charles Carmichael Monro wird sein Nachfolger.</p>
        </div>
      </div>
      <pb n="5"/>
      <div type="article">
        <head></head>
        <div type="content">
          <p>Vermischtes. | 1803 halte die Union die gewaltigen Gebiete zwischen j Haltung veranlaßt hat Noch wichtiger für Amerika 1 dem Mississippi und dem Felsengetmge für einen 1 os!/ "'— £ - : Pappenstiel gekauft D e Kauffumme betrug damals auch 15 Millionen Dckklars — der gegenwärtige Wert dieses Gebiets ließe sich nur in einer Riesenzahl von Nullen schriftlich ausrücken. Mit diesen drei Landkäufen, für die die Vereinigten Staaten insgesamt 35 Millionen Dollars angewanvt hatten, hatte die Union ihr Gebiet verdoppelt, ihre Einwohnerzahl vervierfacht Es war nur natürlich, daß die große Republik mit dieser bequemen Art der Landvergrösferung fortfuhr. Im Jahre 1867 kaufte man den Russen Alaska für 7 Millionen Dollars ad, eine lächerlich geringe Summe für Vas riesige Gebiet, das zwar größtenteils mit Eis und Schnee bedeckt, aber an Bodenschätzen außerordentlich reich ist, und dessen Pettztierhandet allein schon das aufgewandte Kapital riesenhaft verzinst. Teurer war für die Bereinigten Staaten der Erwerb der Philippinen Sie mußte» im Jahre 1896 zunächst m.t den Spaniern einen Krieg führen und außerdem noch 20 Millionen Dollars zahlen. Aber diese Summe würde immer noch keine Rolle gespielt haben, wenn die Inselgruppe nicht dauernd gewaltige Ausgaben erfordern würde. Da jedoch der Verbleib der Philippinen unter dem Sternenbanner zur Aufrechterhaltung ihrer Großmachtstellung für die Amerikaner unbedingt notwendig war, so wurde er als eine wenn auch recht deschwectkche — Ehrensache betrachtet, die die Regierung oft genug Japan gegenüber zu einer merkwürdig nachgiebigen Gemischter. Anuektion gegen Baar. Wie Amerika seinen Landbesitzvergrößert. Die Vereinigten Staaten laßen keine Gelegenheit vorübergehen, ohne zu betonen, Laß sie der friedlichste Staat der Welt seien. Die verurteilen alle Annektionskriege, und wenn sie Appetit auf irgend ein Landgebrei verspüren, so erwerben sie es gegen daar. Aber obwohl sie so viel Wert darauf legen, dem Landerwerb den Charakter eines Kaufgeschäfts zu geben, können sie trotz der von ihnen dabei aufgesetzten Biedermannsmiene des Kaufmanns meist doch nur schwer die drohenden Absichten dahinter verbergen. Denn wenn der Land­ besitzer, von dem man etwas "kaufen" wollte, geschäftsuntustig war, und wenn ein gutes Zureden nichts half, nahm man allemal ein bißchen Säbelgerassel zu Hilfe. Als die nordamertkanifche Republik im Jahre 1819 für 5 v.illionen Dollars Florida von Spanien kaufte, ging es nicht sehr friedlich zu, noch weniger, als sie einen Teil des alten Mexiko — Käliwrmen, Texas und Neu- Mexiko — für oen Spottpreis von 15 Millionen Dollars "erwarb". Der Krieg, der diesen Verhandlungen vorangegangen war, hatte den Mexikanern die Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Verkaufs beigebracht,' sonst hätten sie Kalifornien wohl lieber behalten, umsomehr, als man im Jahre vor dem Verkaufe dort die großen Gold'unde gemacht hatte. Die Goldfelder Kaliforniens hatten denn auch die Kauffumme sehr schnell gedeckt. Schon im Jahre</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
